turi2 edition #17 Jobs - Arbeiten in der Kommunikation

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Myriam Karsch Geb. 1978 in München 1999 Studium Medien und Kommunikation in Augsburg 2006 Projekt-Managerin bei Burda 2010 Verlagsreferentin Axel Springer 2012 Objektleiterin „Playboy“ 2017 Verlagsleiterin „Playboy” und „Free Men’s World“ 2019 Gründung von Kouneli Media mit Florian Boitin, deutsche PublishingRechte am „Playboy“ 2021 Deutsche PublishingRechte an der „Sports Illustrated“

Tipp: „Wofür stehst Du morgens auf? Ist es Anerkennung, Geld, Macht, Erfolg, Unabhängigkeit? Wer das weiß, kann Karriereentscheidungen besser treffen“

»Uns ist wenig peinlich« Myriam Karsch, Medienunternehmerin, hat eine Festanstellung aufgegeben, um den „Playboy“ herauszugeben. Der ist für sie eine Bühne feministischer Freiheit

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Eine sichere Führungsposition kündigen und als Gründerin auf eine Zeitschrift für weiße, alte Männer setzen: Warum machen Sie es sich so schwer? Ich habe es mir nicht schwer gemacht. „Playboy“ ist eine weltbekannte Marke, die 97 Prozent der Menschen ein Begriff ist. Wir hatten ab Tag Eins keine Anlaufkosten, zum Zeitpunkt der Übernahme zum 16. Mal steigende Abozahlen, den höchsten Stand seit 2000. Durch den kleineren Verlag sind wir noch effizienter in den Kostenstrukturen. Wie sexy muss eine Herausgeberin ihr Produkt finden? Könnten Sie „Prinzessin Lillifee“ genauso erfolgreich vermarkten? Ich könnte mich viel schwerer mit einer rosafarbenen Blütenfee, die weibliche Stereotype reproduziert, identifizieren als mit den Themen des „Playboy“. Man kann natürlich auch gut und erfolgreich sein, wenn man sein Produkt nicht so gern hat, aber ich bin überzeugt, dass man umso besser und leidenschaftlicher ist, je mehr man sich mit seinem Produkt identifiziert.

Sie haben den „Playboy“ sogar mal „feministisch“ genannt. Intellektuell ist mir klar, dass nicht alle diese Meinung teilen. Aber: Wir bilden Frauen ab, die selbstbestimmt ihre Sexualität leben und selbst über ihren Körper bestimmen. Das ist für mich feministisch. Was ist das Schönste an der Selbstständigkeit? Der Schritt war, beruflich gesehen, die beste Entscheidung meines Lebens. Dass ich in unternehmerischer Freiheit tun kann, wovon ich überzeugt bin. Und das mit Menschen, die ebenso wie ich an unser Produkt glauben. Die Freiheit ist natürlich auch mit dem Risiko verbunden zu scheitern – und mit viel Verantwortung. Mir war Unabhängigkeit immer wichtiger als Sicherheit. Und Sicherheit gibt es heutzutage auch als Angestellte nicht mehr. Was können Journalistinnen nur beim „Playboy“ lernen? Beim Verfassen von Texten immer im Hinterkopf zu behalten, warum wir auch eine Bühne sexuell befreiter Frauen sind und welche Menschen wir damit ansprechen. Das ist

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mehr als bloß Zielgruppen-Tonalität, das erfordert bei jedem Text aufs Neue ein wenig Meta-Kognition. Wie wäre es mal mit einer Virologin auf dem Titel? Wäre es Ihnen peinlich, Melanie Brinkmann anzufragen? Uns ist wenig peinlich. Weil wir aber eng mit Agenturen, Produktionsfirmen und Managern zusammenarbeiten, ist die Akquise meist eine beidseitige Angelegenheit. Wir schreiben nicht random Leute an, ob die sich für uns ausziehen. Melanie Brinkmann wäre natürlich ein Coup. Sie darf sich gerne melden. Warum ahnen wir beide, dass sie ohnehin ablehnen würde? Sie scheint mir mit der Beratungsarbeit für die Bundesregierung gut ausgelastet. Und: So wie nicht jede Frau danach strebt, Bundeskanzlerin zu werden, so sieht sich möglicherweise auch nicht jede auf dem „Playboy“. Aline von Drateln

Myriam Karsch im Live-Podcast turi2.de/clubraum


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