turi2 edition #17 Jobs - Arbeiten in der Kommunikation

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»Wir sollten einander viel mehr zuhören« Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeitverlags, hat eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte geschrieben. Auch, weil er anderen viel Freiraum lässt aufwärts. Bis heute hat sich der Verlagsumsatz verdreifacht. Die „Zeit“ beschäftigt rund 330 Redakteurinnen. Als Esser begann, waren es 90. Aber selbst Esser hat eine markante Schwäche – für Nougatschokolade. Zum 60. Geburtstag bekam er sogar ein Jahresabo geschenkt. Was den „Zeit“-Chef auszeichnet, ist eine Kombination aus Scharfsinn, Probierfreude und, vor allem, „die Leidenschaft, mit meinem Team möglichst viele neue Projekte anzuschieben und erfolgreich zu machen“. Das passiert, wie er betont, „in kreativen hierarchiefreien Runden mit unterschiedlichen Charakteren“. So weckt er Lust auf Neues. Wenn er anderen helfen kann, ihre Ideen umzusetzen, „sind die Kolleginnen und Kollegen mit noch größerem Feuer dabei, als wenn eine Idee von mir ist“, sagt er. Mehr Offenheit wünscht sich Esser generell, vom Business, der Gesellschaft, der Politik: „Wir sollten

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einander viel mehr zuhören und uns in die Schuhe unseres Gegenübers hineinversetzen.“

Rainer Esser Geb. 1957 in Wolfenbüttel 1975 Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank 1977 Studium Rechtswissenschaften in München, Genf und Georgia, USA 1986 Deutsche Journalistenschule München 1989 Chefredakteur juristische Magazine, Bertelsmann 1992 Geschäftsführer Spotlight Verlag 1995 Geschäftsführer Mediengruppe Main-Post 1999 Geschäftsführer Zeitverlag 2011 Geschäftsführer DvH Medien

Tipp: „Jedem Berufsanfänger rate ich, möglichst einen Job zu suchen, der ihm auch Lebensfreude und persönliches Wachstum bringt“

Fotos: Martina von Kann, PR, Anne Hufnagl

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Im Januar 2022 knackt die „Zeit“ erstmals die Marke von 600.000 Exemplaren, ein Auflagenrekord. Der kreativ-kaufmännische Kopf hinter einer der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten der Verlagsbranche ist: Rainer Esser. 65 ist er geworden Anfang 2022, doch immer noch quirlig und unternehmungslustig wie in all den 33 Jahren, die er nach dem Wechsel aus der Juristerei nun schon im Journalismus verbringt. Manchmal würde er gerne „mehr Freude für Muße und Geduld aufbringen“, sagt er. Tatsache ist, dass bei ihm selbst im Urlaub kaum ein Tag ohne „Zeit“Arbeit vergeht. Als Rainer Esser 1999 einsteigt, steht die „Alte Dame“, wie die Wochenzeitung damals genannt wird, auf wackligen Beinen, hat zwischen 1996 und 2000 in vier von fünf Jahren rote Zahlen geschrieben. Unter Essers Führung geht es bald


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