turi2 edition #13: Agenda 2021

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»Wir können Heimatliebende und gleichzeitig Kosmopoliten sein. Wir können Dialekt und Englisch sprechen. Fortschritt ist Hybridisierung«

chen globalen Pandemie gewarnt. Wir müssen aber unterscheiden zwischen der Wahrscheinlichkeit von Ereignissen und ihrem exakten EventEintritt. Wenn man den genauen Tag vorab gewusst hätte, dann wäre ja auch der 11. September verhindert worden, der durchaus von einigen Geheimdienst-Agenten als Szenario vorausgesagt wurde. Dann hätten wir aber keinen Beweis, dass er jemals stattgefunden

hätte. Das ist einer der klassischen Zukunftsparadoxien. Sie besagt: Die Zukunft bleibt offen, auch wenn wir sie in ihren Grundzügen erkennen können. Was wäre, wenn ­Covid-19 so tödlich wäre wie Ebola? Dann würden wir nicht lange rumdiskutieren und es gäbe keine CoronaDemos. Je tödlicher ein Virus, desto linearer und auch vorhersehbarer ist

der Verlauf einer Epidemie. Wir würden Erkrankte rigoros isolieren, und das Virus wäre rasch eingedämmt gewesen – wie bei Ebola. Damals hat die WHO eine aktive Rolle gespielt, und mit globaler Anstrengung wurde die Epidemie gestoppt. Das Besondere an Covid-19 ist ja die Raffinesse des Virus, der sich an die menschliche Kultur optimal angepasst hat. Bei manchen Menschen zeigt es gar keine und bei anderen ganz

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furchtbare Auswirkungen. Es ist ansteckend, aber macht sich gleichzeitig unsichtbar. Ein Meisterstück der Evolution, deren Teil wir sind. Und bleiben, trotz Impfstoff. Was haben wir aus 2020 gelernt? 2020 war eine Art gigantische Werkstatt, ein soziales Laboratorium, so etwas wie ein Schlüsseljahr. Die Pandemie hat vieles ausgelöst, was unsere Welt dauerhaft