turi2 edition #13: Agenda 2021

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Na klar, vorerst schon, oder? Und wer weiß, bis wann noch. Als ich eben unterwegs zum Supermarkt war und über diese Frage nachdachte, erwischte ich gerade noch den letzten, schmalen Parkplatz – direkt neben einem XXL-Rolls-Royce. Also wenn die schon so profan einkaufen fahren, dachte ich, dann ist die Lage ernst: Mit so einer Karosse schickt man ja nicht die Haushälterin los. Also kochen wir sicher noch eine ganze Weile unser Futter selber. Das ist nicht für jeden lustig, es macht Mühe, kostet Zeit und Fantasie. Jeden Tag. Das Positive: Die Leute lernen peu à peu immer besser kochen. Zum Beispiel mit den Ottolenghi-Kochbüchern, rauf und runter. Der israelisch-palästinensische Aromenmix ist ungebrochen erfolgreich und verlangt Unmengen von orientalischen Gewürzen, die den schalen Geschmack eines Lockdowns garantiert rückstandslos unter sich begraben. Vielleicht hat sogar der RollsRoyce-Fahrer gerade den letzten frischen Koriander gebunkert. Leute, die es bislang für Zeitverschwendung

hielten, sich selber etwas zuzubereiten, werden in diesen Zeiten – wie wir alle – ziemlich hart entschleunigt. Und manche entdecken bei all der kulinarischen Tristesse eine neue Freude: das Selberkochen; das Aufschneiden eines schönen Rotkohls; das Schälen des Knoblauchs und des Ingwers; das Entblättern des Rosenkohls, das Einlegen des Rehrückens – vielleicht sogar erstanden von meinem Papeterie-Händler, der, wie ich kürzlich entdeckte, in seiner Freizeit Jäger ist und zwischen all dem Geschenkpapier, den Füllern und edlen Tagebüchern sachkundige Küchentipps geben kann. Kochen ist im Idealfall beruhigend, meditativ, beglückend – es ist produktiv und freut die, die nachher mit am Tisch sitzen, genießen, lachen und sich dabei fast wie im Restaurant fühlen. Kochen kann eine Therapie für Gestresste werden. Und macht nicht selten aus manchen sogar bessere Menschen. Jetzt, wo wir eingesperrt sind in unserem „Haushalt“, nirgends mehr einen Platz für vier reservieren dürfen, sind

Foto: PR

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Bleibt Selberkochen das neue Ausgehen, Madeleine Jakits?

Madeleine Jakits, Herausgeberin „Der Feinschmecker“

wir froh, wenn wir es uns zu Hause schön machen können. Und sprechen dann darüber, dass es uns hier doch immer noch verdammt gut geht. Nur dass wir inzwischen leider ein bisschen zu viel trinken. Noch jemand ein Glas? Mal sehen, ob diese neue Demut länger vorhält als der Drang, auf dem Balkon für Krankenpfleger und Ärzte zu klatschen. Mit dem neu trainierten Können an Herd und Backofen ist man jedenfalls für künftige Pandemien gerüstet.

Vergessen wir nicht, dass vielen jetzt schlicht das Geld fehlen wird, um auszugehen, sobald es wieder möglich ist. Man hat andere, existenzielle Sorgen. Und vielleicht ist auch dem LieblingsRestaurant inzwischen wirtschaftlich die Luft ausgegangen und die Lichter sind für immer aus. Ach, haben wir eigentlich noch genug vom Weißen im Kühlschrank?

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