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Elke Buhr, Chefredakteurin „Monopol“

Die Pandemie traf auf eine Kunstwelt, die seit Jahren in einer geradezu tragikomischen Bewusstseinsspaltung lebte. Die Geschäfte liefen vor allem für das Top-Segment exzellent, der Kunstmarkt expandierte im Gleichklang mit den weltweit wachsenden Vermögen der Globalisierungsgewinner. Gleichzeitig wurden in Ausstellungen der Zeitgenössischen Kunst der zerstörerische Neoliberalismus beständig angegriffen und Rassismus und ökologischer Raubbau angeprangert. Als Corona den globalen Kunstzirkus lahmlegte, war das ein Schock, der viele prekär arbeitende Menschen im Kunst- und Kulturbetrieb in Schwierigkeiten brachte – und die Gelegenheit, sich selbst und den eigenen Willen zur Veränderung auf neue Weise ernst zu nehmen. In der Kunst sind die Utopien für ein solidarischeres Zusammenleben und einen respektvollen Umgang mit der Natur

längst da – jetzt fordern Kurator*innen und Künstler*innen, dass die Krise für einen echten Reset genutzt und auch der Museumsbetrieb nachhaltiger wird, mehr am Gemeinwohl interessiert, lokaler ausgerichtet. Hans-Ulrich Obrist, einer der einflussreichsten Kuratoren der Gegenwart, hat dafür den Begriff des „Slow Programming“ entwickelt. Wenn sich das durchsetzt, wird die Kunstwelt der Zukunft klimafreundlicher und mit weniger Interkontinentalflügen auskommen. Museen werden weniger auf BlockbusterAusstellungen setzen und die Kulturpolitik überzeugen, dass Besuchermassen nicht das einzige Erfolgskriterium sind. Die Kunst könnte eine neue Balance finden zwischen Gemeinwohl und Fetisch für die Superreichen. „Könnte es in Zukunft mehr um Bildung und soziales Engagement gehen statt um Luxusgüter?“, fragt die Künstlerin Despina Stokou 2020 in unserem Magazin. Die Kuratorin Chus Martinez fordert eine Kunstfinanzierung, die sich am Gemeinwohl orientiert: „Im Rahmen eines großen, noch nie da gewesenen sozialen Pakts, der als Horizont hat: Koexistenz mit der Natur und umfassende Gleichberechtigung“. Ja, das klingt utopisch. Aber dafür ist die Kunst ja da.

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Welche Zukunft haben Journalist und Journalistin, Matthias Daniel? Es gibt Stimmen, die sagen: Journalist*innen sind nicht mehr so wichtig. Viele Medienhäuser sind ausgedünnt, Unternehmen bauen eigene Newsrooms und Kanäle auf, und dann sind da diese Influencer – wozu brauchen wir noch Redaktionen? Ich bin davon überzeugt, dass Journalismus heute wichtiger ist denn je. Unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, das Funktionieren unserer Demokratie ist auf unabhängigen, seriösen und relevanten Journalismus angewiesen. Aber wir müssen ein paar Dinge anders machen. Mehr Augenhöhe, mehr Transparenz, mehr Dialogbereitschaft. Journalist*innen sind nicht mehr Gatekeeper, aber sie können Einordner werden. Dafür braucht es weniger Kurzatmigkeit und Schlagzeilen, stattdessen mehr Beharrlichkeit und Differenzierung. Für die großen Themen unserer Zeit, Klimaschutz, Digitalisierung oder Energie, helfen SchwarzweißAntworten nicht weiter. Populismus erst recht nicht. Journalist*innen können diejenigen sein, die genau hinschauen, nachfragen und differenziert aufbereiten. Genau das waren unsere Leitgedanken, als

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wir den „journalist“ 2020 neu aufgestellt haben. Wir wollen ein Magazin für Journalist*innen machen, in dem Debatten stattfinden. Unsere Sichtweise soll breit und offen sein, und dabei wollen wir auf Zwischentöne achten. Im Januar 2021 wird der „journalist“ 70 Jahre alt. Eine große Tradition als DJV-Organ und Medienmagazin. Aber auch eine Traditionsmarke kann sich verändern. Eine unserer markantesten Neuerungen war, dass der „journalist“ jetzt auch „journalistin“ ist. Damit lösen wir nicht die Fragen der Geschlechtergerechtigkeit. Aber wir wollen ein kleines Zeichen setzen. Es gibt keinen Grund, unsere Branche klein zu reden. Aber ich glaube, es hilft, gelegentlich innezuhalten und zu fragen: Wie machen wir den Journalismus besser?

Fotos: PR, Conrad Bauer

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Inspiriert die Krise die Kunst, Elke Buhr?

Matthias Daniel, Chefredakteur und Publisher „journalistin“

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turi2 edition #13: Agenda 2021  

Inspiration für den Neustart

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