turi2 edition #13: Agenda 2021

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Was bedeutet Mannsein in Zeiten von toxischer Männlichkeit, Florian Boitin?

Florian Boitin, Chefredakteur „Playboy“ Deutschland

Hat Corona uns Männer verändert? Zumindest setzt es uns offenbar deutlich mehr zu als unseren weiblichen Artgenossen. Studien zufolge sterben fast doppelt so viele Männer an Covid-19 wie Frauen. Wissenschaftler erklären das damit, dass das Immunsystem von Frauen robuster sei als das von Männern. Östrogen stimuliert die Widerstandskräfte, Testosteron hingegen unterdrückt das Immunsystem, sind sich die Forscher sicher.

Testosteron ist dieser Tage ohnehin nicht so en vogue. Nicht erst seit Donald Trump und dem inzwischen zu langjähriger Haftstrafe verurteilten Harvey Weinstein ist im Zuge der Me-Too-Bewegung von sogenannter toxischer Männlichkeit die Rede. War der metrosexuelle Mann Anfang der 2000er noch ein echter Kerl (David Beckham) mit Muckis und einer wunderschönen Frau an seiner Seite, zeigen sich männliche Superstars heute schon mal im schwarzen Spitzenkleid auf dem Cover der bedeutendsten Modezeitschrift der Welt. Wie Sänger Harry Styles auf dem Titel der US-amerikanischen „Vogue“. Andererseits: War „Mannsein“ nicht schon immer mehr als die Reduzierung auf männliche Stereotype wie Rationalität, Durchsetzungsvermögen und Dominanz-

gebaren? In den 60ern, zur gleichen Zeit also, als Sean Connery als James Bond das Männer-Bild des smarten, eleganten, aber auch kompromisslosen, brutalen Machos zementierte, wollten Millionen junge Männer sein wie die wilden Helden der PopKultur: langhaarig wie die Beatles, androgyn wie David Bowie, verletzlich wie Jim Morrison. Was soll dieses „Mannsein“ überhaupt sein? Ist die Frage per se nicht schon ein Anachronismus? Genderforscher wollen das Geschlecht heute nicht mehr nur als Schicksal verstanden wissen, sondern als hinterfrag- und damit gestaltbar. Dennoch ist die Frage, die einst Herbert Grönemeyer stellte, für uns beim „Playboy“ aktueller denn je: Wann ist ein Mann ein Mann? Viele kluge Köpfe haben wir das in den letzten Jahren gefragt. Frauen

wie Männer. Der afrikanische Schriftsteller JJ Bola („Sei kein Mann“) schreibt in einem Beitrag für uns: „Es gibt viele Arten der Männlichkeit. Aber oft wird diese Vielfalt gerade jungen Menschen nicht nahegebracht. Sie wachsen mit einem eingeschränkten Bild auf.“ Männlichkeit definiert sich für mich als Synonym für Souveränität, Mut, Toleranz, Entschlossenheit, Humor, Verantwortungsbewusstsein. Und steht somit nicht im Widerspruch zu Weiblichkeit. Wohl aber zu Überzeugungen, die Männlichkeit mit Grobheit, Machtgehabe und Überlegenheitsfantasien verwechseln. Der sexistische Herrenwitz auf zwei Beinen hat ausgedient. William Shakespeare formulierte es so: „Du könntest mehr der Mann sein, der du bist, wenn du es weniger zeigtest.“

Gewinner sind die Menschen, die endlich mit Verbindung zur Natur wohnen und arbeiten können. Denn mehr Natur tut uns allen gut. Sie erdet, entschleunigt und schärft den Blick auf Wesentliches. Die Pandemie hat ermöglicht, was in der Präsenzkultur deutscher Firmen lange unmöglich schien: mobiles Arbeiten. Auf einmal können Eltern kinderfreundlich im ländlichen Raum wohnen und müssen nicht mehr

pendeln. Was also tun mit der gewonnenen Zeit? Viele haben die Natur und ihr Zuhause wiederentdeckt. Sie richten sich ein, kochen und gärtnern. Genau die Themen, für die „Landlust“ steht. Das spüren wir deutlich: sechs der letzten sieben Hefte haben über Vorjahr verkauft. Auffallend ist die starke Nachfrage nach Gartenwissen: Die Generation um die 30 möchte wieder im Grünen leben und Gemüsegärten anlegen.

Wie schön wäre es, wenn Dörfer und der ländliche Raum dadurch dauerhaft gewinnen würden? Wenn leerstehende Häuser und Ladengeschäfte wiederbelebt, Höfe wieder bewirtschaftet würden. Damit aber die Zukunft auf dem Land liegen kann, muss die Zukunft aufs Land kommen: Glasfaser- und Funknetzabdeckung zum Beispiel, besserer Nahverkehr und medizinische Versorgung. Da ich weiß, wie groß die Lust aufs

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Fotos: PR, Nele Martensen

Sind Dorf und Land die großen | 9 Corona-Gewinner, Sinja Schütte?

Sinja Schütte, Chefredakteurin „Landlust“

Land ist, bin ich überzeugt, dass diese Zukunft gerade beginnt.


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