turi2 edition #13: Agenda 2021

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Was geht verloren, wenn Kinder | 4 nicht mehr lesen, Sandra Peter? Drei Sender im TV, zuweilen noch mit Testbild. In Sachen Mediennutzung muss mein 11-jähriger Sohn denken, ich käme aus dem Dino-Zeitalter. Er lebt medial so, wie es für mich als Kind der 80er noch Science Fiction war: Hörspiele über smarte Lautsprecher, Gaming auf Smartphones, Tablets und Spielkonsolen. ­Lineares Fernsehen? Ist bei

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Grundschülern oft mehr Ausnahme als Regel. Aber ausgerechnet die MedienKlassiker, Kinderbücher und -zeitschriften, sind beim Nachwuchs nach wie vor beliebt. Kein Wunder: Wenn Kinder zwischen sechs und zwölf ein Thema interessiert, konsumieren sie jeden Schnipsel, egal ob digital oder physisch. Medien auf Papier genießen als Garanten

displayfreier Zeit zudem großes Vertrauen bei Eltern. Geht es bei Büchern um großes Kino, liefern Kinderzeitschriften Spiel, Spaß und Spannung mit dem Potential, selbst Lesefaule von Seite zu Seite zu tragen. Auf die Technik ist beim Magazinkonsum Verlass: Der Akku von Papier ist nie leer. Allenfalls der der Taschenlampe unter der Bettdecke.

Sandra Peter, Chef­redakteurin des Kinderverlags Blue Ocean

Wie machen Chef*innen auf Distanz einen guten Job, Antonia Götsch?

„Was für ein Pech!“ Die meisten Menschen, denen ich erzähle, dass ich mein neues Team bislang fast nur virtuell kenne, bemitleiden mich. Sie vermuten, mein Start als Chefin im März 2020 müsse ungewöhnlich hart gewesen sein. Heute glaube ich, dass es mir die Pandemie eher leichter gemacht hat.

Wir sind als Team schnell zusammengewachsen, haben geplante Titel umgeschmissen, Prozesse entwickelt und eine neue Website hingestellt. Ich habe in meiner Führungsrolle schon immer gesagt: „Mach deinen Job, wo du willst: Hauptsache, du machst ihn gut.“ In den letzten Monaten

Antonia Götsch, Chefredakteurin „Harvard Business Manager“

hat sich für mich bestätigt, wie wichtig Vertrauen ist. Kompetenz, Engagement, guter Wille – all das läuft ins Leere, wenn Führungskräfte ihren Leuten nicht vertrauen und vice versa. Es lohnt sich, Vertrauen zu schenken, auch wenn man sich noch nicht gut kennt, unsicher ist oder unter Druck steht. Ich bin – bildlich gesprochen – einfach gesprungen, denn ich kannte viele Prozesse noch gar nicht, als wir von einem Tag auf den anderen ins Home-Office gewechselt sind. Ich habe mich getragen gefühlt von meinen Kolleg*innen, ihrer Erfahrung und ihrem Engagement. Als Chefin versuche ich, einen Rahmen zu etablieren, der es leichter macht, verschiedene Bedürfnisse anzusprechen und Kompromisse zu entwickeln. Richtig nach vorn gebracht hat uns dabei ein Workshop im Sommer, für den wir alle in Hamburg zusammenkamen. Wir werden solche Formate

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weiter brauchen, vor allem, wenn wir seltener an einem Ort arbeiten. Meine größten persönlichen Entwicklungsfelder 2020 waren Struktur und Disziplin. Ich bin eine Chefin, die gerne fix rumkommt, um ein Thema zu klären. Ich mag es, kreative Ideen in der Kaffeeküche zu wälzen und zu improvisieren. In digitalen Meetings steht man ohne Agenda und Vorbereitung jedoch nackt da. Ich trete mir daher in den Hintern, bereite Konferenzen sorgfältiger vor und erstelle häufig Präsentationen. Das macht Arbeit, aber ich spüre, wie viel das bringt. Womit ich mir selbst einen Gefallen getan habe: die virtuelle „HBM-Teeküche“ im Chat einzuführen, wo wir lustige GIFs, Pannen des Alltags, aber auch schöne Dinge teilen. Smalltalk und Humor wirken an einem Tag voller Digitalkonferenzen zwischendurch wie eine Tasse Espresso.


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