turi2 edition #13: Agenda 2021

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News-Junkie Sham Jaff begibt sich jede Woche auf Weltreise. Seit Corona vorwiegend digital

seien gefährlich, ist das eine Generalisierung. Dann ist es unser Job, bei Fachleuten nachzufragen und die Aussage einzuordnen, sie nicht unkommentiert wiederzugeben. Statt ganze Gruppen unter Generalverdacht zu stellen, wünsche ich mir in der Berichterstattung mehr kritische Distanz und Fakten. Sonst schüren Medien Vorurteile: Auf der einen Seite steht der „gefährliche Geflüchtete“, auf der anderen die „super erfolgreichen ImpfstoffEntwickler“... ...wie bei Biontech mit Özlem Türeci und Ugur Sahin. Die beiden sind jetzt die großen Helden, „Integra-

tionsvorbilder“, „Musterbeispiele“. Wenn wir über Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sprechen, dann immer in Extremen. Wo ist da die Mitte? Die Nachrichten spielen eine super große Rolle dabei, wie wir unser Umfeld und die Welt sehen. Ungeheuerlich finde ich zum Beispiel auch, wie wir über afrikanische Länder sprechen. Da passiert unglaublich viel, afrikanische Startups entwickeln teilweise mehr als in Europa. Aber wir reden ständig nur über die vielen militärischen Konflikte.

Was hast du 2020 über die Menschen gelernt? Das klingt jetzt sehr klischeehaft und cheesy. Aber: Dass wir stärker sind, als wir denken. Ich glaube, die beiden Lockdowns waren und sind so dermaßen große Herausforderungen für sehr viele Menschen. Letztlich haben wir alle 2020 unsere Lebensweisen verändern und auf so vieles verzichten müssen. Im Großen und Ganzen haben wir das gut hinbekommen. Was erwartest du von 2021? Ich wünsche mir mehr thoughtfulness. Wir sollten uns, bevor wir weitergehen, Gedanken darüber machen, was wir aus den

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neu gewonnenen Gewohnheiten und Erkenntnissen machen. Es wäre sehr schade, wenn wir wieder zurück ins normale OfficeLeben gehen würden. Wenn wir wieder genauso viel wie vorher und auf dieselbe Art und Weise reisen, auf dieselbe Art und Weise essen würden. Ich wünsche mir, dass wir aus dieser Phase mehr als nur Memes und ein paar krasse Geschichten für die nächste Generation mitnehmen. Wenn jemand in 10 oder 15 Jahren einen Film über diese Zeit dreht, stelle ich mir vor, dass es darin heißt: „Das war der Zeitpunkt, als die Dinge endlich besser wurden.“