turi2 edition #13: Agenda 2021

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9| Wie grün wird die | 8 TV- und Filmwirtschaft, Annette Kümmel?

Annette Kümmel, Nachhaltigkeitschefin ProSiebenSat.1 und Vaunet-Vorstand

2020 ist die Nachhaltigkeit in der Medienbranche endgültig zum Trending Topic aufgestiegen. Auf Konferenzen war das Thema präsent wie nie. RTL Deutschland und ProSiebenSat.1 haben eigene Ressorts dafür geschaffen. Green Productions sind auf dem Weg vom Nice-tohave zur Green Routine. Klar ist: Wo wir in der Branche sonst oft Konkurrenten sind, wird es bei der Nachhaltigkeit nur gemeinsam gehen. Sky will seinen CO2Fußabdruck genau wie Bertelsmann und wir bei ProSiebenSat.1 bis 2030 auf Netto-Null-Emissionen senken. Der neue ProSiebenSat.1-Campus wird nach dem GoldStandard für nachhaltiges Bauen errichtet. Und Sky Deutschland hat mit seiner 2017 gestarteten Ocean-Rescue-Initiative seinen Plastikverbrauch im ersten Kampagnenjahr um 11,16 Tonnen gesenkt.

Seit 2017 engagieren sich die Mediengruppe RTL Deutschland, Sky Deutschland und ProSiebenSat.1 im Arbeitskreis Green Shooting. Das Ziel: Treibhausgase bei der Filmproduktion reduzieren. Mit der Initiative 100 Grüne Produktionen setzen die Sender 100 ökologisch nachhaltige Produktionen nach einheitlichen Regeln um. Mit dabei sind „GZSZ“ oder „The Masked Singer“. Wir Medien müssen mehr leisten als Konzerne anderer Branchen. Es ist unsere Aufgabe, die Relevanz nachhaltigen Handelns in der Gesellschaft zu verankern, nicht nur in News und Dokus, sondern auch in der Unterhaltung. Die „Green Seven Week“ von ProSieben behandelt seit mehr als zehn Jahren Nachhaltigkeitsthemen. Die Bertelsmann Content Alliance hat 2020 crossmedial das Problem der Lebensmittelverschwendung beleuchtet. Und bei „Berlin Tag & Nacht“ engagiert sich Toni als neuer WG-Charakter für den Umweltschutz. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030 sind der Leitfaden für meine Arbeit. Unsere Branche weiß, dass es um viel geht. Ich bin zuversichtlich, dass deutsche Medienunternehmen die UN-Ziele schon vor 2030 schaffen werden.

Ein Blick aus dem Fenster genügt: In Fußgängerzonen sind unzählige Menschen über 60. 16,4 Millionen werden 2021 hierzulande 67 und älter sein. Und sie werden es nicht beim Gießen der Blumen oder beim BouleSpielen im Kurpark belassen. Die bisherige Zielgruppen-Benchmark aus den 80ern, die berühmten 14- bis 49-Jährigen, greift daher für eine erfolgreiche Mediaplanung heute dramatisch zu kurz. Ende 2020 haben wir Kaufkraft und Mediastrategie im demografischen Wandel analysiert. Die Studie skizziert ein Bild unserer Bevölkerung, das in der Mediaplanung ein Umdenken erfordert: Der Anteil der Personen 50+, die Ausgaben für Güter des täglichen Bedarfs tätigen, liegt bei 58 Prozent. Bei Ausgaben für Elektro-

Fotos: ProSiebenSat.1MediaSE, PR

Ist die Generation Ü50 für die Werbeindustrie schon tot, Christian Scholz?

Christian Scholz, Geschäftsleiter Radio, ARDWerbung Sales & Services

geräte liegt er bei 60, bei Neuwagen sogar bei 63 Prozent. Und es geht um richtig viel Geld: Allein bei den Gütern des täglichen Bedarfs um 11,4 Milliarden Euro pro Monat. Mit Modellen aus der Gründerzeit werden wir die Zukunft schlecht meistern. Mit einer realistischen Audiostrategie dagegen schon. Radio ist der Impfstoff gegen Rezession und Verzagtheit.

»Mit Modellen aus der Gründerzeit werden wir die Zukunft schlecht meistern«

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Christian Scholz