turi2 edition #13: Agenda 2021

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Patricia Schlesinger, war 2020 ein gutes oder ein schlechtes Jahr für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland? Ein schwieriges Jahr. Covid-19 führt uns wie kaum eine andere Krise die Folgen der Globalisierung vor Augen: Alle sind gleichermaßen betroffen. Positiv fand ich im vergangenen Jahr, dass die Menschen gezeigt haben, wie sehr sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nutzen. Sie haben unsere Angebote in Fernsehen, Radio und TV intensiver angesteuert als in den vergangenen Jahren. Im Idealfall sind wir für die Menschen wie ein guter Freund, der ihnen Informationen und Rat gibt, wenn sie danach fragen, der da ist, wenn es ihnen schlecht geht – aber auch, wenn sie einfach eine gute Zeit haben wollen.

Nun will der gute Freund mehr Geld – doch das wurde ihm jetzt verwehrt. In der Diskussion wurden zwei Dinge vermischt, die eigentlich nicht vermischt werden dürfen: Auf der einen Seite steht unser gesellschaftlicher Auftrag, auf der anderen Seite die auskömmliche Finanzierung. Wir haben nicht umsonst eine von uns und der Politik unabhängige Kommission zur Ermittlung unseres Finanzbedarfs – und deren Vorschlag für eine Erhöhung hat nichts mit der Politik zu tun. Das haben die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes so vorgesehen. Jetzt muss das Gericht entscheiden. Wenn der Rundfunkbeitrag an die Inflationsrate gekoppelt wäre, würde es keine Politisierung mehr geben.

Wir müssen uns zwei Punkte für die Zukunft überlegen: Erstens, was ist der gesellschaftliche Auftrag von ARD, Deutschlandradio und ZDF? Zweitens, wie werden wir auskömmlich finanziert? Dabei darf es nicht nur um Bestandssicherung gehen, sondern – gerade in Zeiten der Digitalisierung – auch um die Entwicklungsmöglichkeiten. Ich begreife uns als Teil des Rückgrats unserer liberalen Demokratie, wir haben eines der besten Rundfunksysteme der Welt, um das uns andere beneiden.

wir viel eingeschaltet und die Menschen vertrauen uns, das sagen alle Umfragen. Von daher ist die Diskussion das eine, die tatsächliche Nutzung das andere.

Im Osten bekommt das Bild vom Rückgrat der Demokratie Risse. Geht der gesellschaftliche Konsens über die Rolle von ARD und ZDF gerade verloren? Ja und nein. Denn auch im Osten des Landes werden

Die Angriffe auf Journalist*innen haben 2020 zugenommen. Geben Sie Ihren Leuten Personenschutz? Wir ergreifen Vorsichtsmaßnahmen. Es kommen häufiger Personenschützer mit. Was mir

»Der Kleinen trauen wir das zu« Intendantin Patricia Schlesinger lässt beim RBB kaum einen Stein auf dem anderen: Ihre Content-Boxen sollen in diesem Jahr die redaktionellen Abläufe revolutionieren – 2022 nimmt sie sich die ARD vor Von Markus Trantow (Text) und Holger Talinski (Fotos)

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Die Querdenker rufen auf der Demo „Lügenpresse“ und schalten dann die „Abendschau“ ein? Und sie beschweren sich, wenn sie nicht genügend, aus ihrer Sicht falsch oder nicht im richtigen Zusammenhang vorkommen. Ganz unwichtig scheinen wir bei diesen Gruppen demnach nicht zu sein.


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