turi2 edition #11 Fußball (in schweren Zeiten)

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KATHLEEN KRÜGER

Die Unverzichtbare Kathleen Krüger managt das Team des FC Bayern München – unaufgeregt, pressescheu. Als Frau in Führungsposition sorgt sie trotzdem für Schlagzeilen

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Foto: picture alliance

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ls sich Kathleen Krüger bei der Meisterschaftsfeier vor Manuel Neuers Weißbierdusche wegduckt, geht ein Rauschen durch den Blätterwald der Klatschpresse. Eine „geheimnisvolle Blonde“ auf dem Platz mit den Profis. Kein Wunder, dass FCB-Team-Managerin Krüger Interviewanfragen, vor allem von „Gala“, „Bunte“ und Co, ablehnt. Nur fürs Vereinsmagazin „51“ macht sie eine Ausnahme. Dort positioniert das PR-Team sie als „Vertraute der Stars“, schweigend schmunzelndes Mitglied der exklusiven Mannschafts-WhatsApp-Gruppe und von Pep Guardiola Bewunderte. Thomas Müller nennt sie öffentlich „die, die die Mannschaft zusammenhält“. Manuel Neuer hält sie für „unverzichtbar“. „Die starke Frau hinter dem großen Team“ – tolle Schlagzeile. Besonders, wenn es um die einzige TeamManagerin der gesamten Liga geht. Frau in Führungsposition, das ist selten im Männergeschäft Fußball. Für den FC Bayern organisiert Krüger Trainingslager und Reisen zu Auswärtsspielen, managt für die Spieler Termine mit Werbepartnern und ist zuständig für die Kommunikation mit Trainern und Betreuern. An Spieltagen sitzt sie auf der Trainerbank, meist mit Headset, und koordiniert die Abläufe, wenn Spieler ausgewechselt oder medizinisch betreut werden müssen. Sie ist rund um die Uhr erreichbar für das Team. Beschweren, sagt sie, würde sie sich nie. „Dafür mache ich den Job einfach viel zu gerne.“ Seit 2003 ist Krüger beim FC Bayern: Mit 18 kommt sie als Mittelfeldspielerin, ein Jahr später hat sie ihr Bundesliga-Debüt. Doch nach 33 Spielen ist Schluss. „Ich habe mit 24 Jahren aufgehört, weil es damals für den enormen Aufwand nur ein nettes Taschengeld gab“, sagt Krüger heute. Sie beginnt, Internationales Management zu studieren – und schmeißt nach einem Semester hin. Denn Sportdirektor Christian Nerlinger sucht eine Assistentin, Uli Hoeneß persönlich stellt Kathleen Krüger ein. 2012 wird sie Team-Managerin. Die „Sport Bild“ schreibt, dass der damalige Sportvorstand Matthias Sammer ihre Stelle zunächst infrage gestellt hat. Angeblich Anlass für Trainer Jupp Heynckes, zu verkünden: „Wenn Kathleen gehen muss, gehe ich auch.“ Offiziell bestätigt ist die Anekdote nicht. Sicher ist aber: Krüger blieb, Heynckes auch – und auch seine Nachfolger Pep Guardiola, Niko Kovac und Hansi Flick vertrauen der Team-Managerin. Guardiola besucht Krüger auch heute noch in ihrem Büro in der Säbener Straße, wenn er in München ist. Dann rauscht es wieder im Blätterwald. Anne-Nikolin Hagemann


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