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Das Magazin der TSB Technologiestiftung Berlin Ausgabe 02 | Juni 2012

Erfolg im Internet: eCOMM – das kostenfreie Beratungs- und Service­ angebot der TSB.

Life Science in Europa: Was die Hauptstadtregion beim Technologietransfer auszeichnet.

Fahrt in die Zukunft: Berlin-Brandenburg ist internationales Schaufenster für Elektromobilität.

Schnelles Lernen dank Wackelpudding: Ein Schülerworkshop der TSB über Functional Food.

Intelligente Autos, sauberer Verkehr und die Lust am Mobilsein: Ein Interview über die Welt in 20 Jahren.

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Innovation made in Europe 250 Experten für Technologietransfer treffen sich in Berlin

Was passiert, wenn kein Technologietransfer stattfindet und Produkte veralten? Das konnten die Konferenz­teilnehmer beim Abendempfang am 31. Mai im Museum »Story of Berlin« sehen. Bis heute steht der Trabi für die nicht wettbewerbs­fähige Wirtschaft der untergegangenen DDR. Der guten Laune tat das keinen Abbruch! Foto: Uwe Steinert

In Zusammenarbeit mit der TSB Innovations­ agentur fand die Jahreskonferenz der Asso­ ciation of European Science and Technology Transfer Professionals (ASTP) dieses Mal in Berlin statt. Rund 250 Teilnehmer nahmen an dem zweitägigen Treffen teil. Neben den europäischen Mitgliedern waren auch zahl­ reiche außereuropäische Staaten vertreten, beispielsweise Libanon, Chile, Südafrika und Neuseeland. Die Technologietransfer-Experten infor­ mier­ten sich über die gemeinsame Innova­ tionsstrategie der Bundesländer Berlin und Brandenburg. Sie diskutierten Themen wie das Outsourcing von Technologietransfer – es gibt gute Argumente dafür und dagegen – und sprachen über den Einfluss der Finanz­ krise, die in vielen der teilnehmenden Län­ der stärker zu spüren ist als in Deutschland. Außerdem gab es ein attrak­tives Abendpro­ gramm, in dessen Mittelpunkt die Stadt Ber­ lin und ihre besondere Geschichte standen. (Ein Interview mit ASTP-Präsident Anders Haugland, im Bild Vierter von links, können Sie auf Seite 5 lesen.)


Formvollendet gesund

Editorial

Ist Gesundheit chic, sexy, pfiffig, cool? Eher nicht. Könnte aber! Hilfsmittel zur Gesund­ erhaltung, Therapie und Pflege werden immer mehr zu Alltagsgegenständen. Die Grenze zwischen Medizinprodukt und anderen Gebrauchsgütern verschwimmt. Design wird daher auch für die Gesundheitswirtschaft wichtiger. Es erhöht Funktionalität und den Spaß an der Nutzung – egal ob bei Brille, Inhalator oder Fitness-App. Weil Berlin-Brandenburg im Gesundheits- und Kreativbereich viel zu bieten hat, soll ein Wettbewerb die beiden Cluster enger zusammenbringen. 60.000 Euro an Preisgeldern sind vorgesehen. Bewerbungsunterlagen gibt’s ab dem 18. Juni unter www.berlin.de/projektzukunft/wettbewerbe. Bewerbungsschluss: 28.9.2012.

Wenn Wissenschaft auf Wirtschaft trifft

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echnologietransfer ist in vielen Branchen lebensnotwendig. Nur Unternehmen, die in der Lage sind, neue wissenschaftliche und technologische Entwicklungen schnell aufzunehmen, um ihre Produkte kontinuierlich besser oder preiswerter zu machen, können ihre Marktposition verteidigen und ausbauen. Berlin-Brandenburg – mit wissenschaft­ lichen Einrichtungen gesegnet wie kaum eine andere Region und damit für das Thema bestens aufgestellt – tut vieles, um den Technologietransfer zu befördern. Die »Gemeinsame Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg« ist ein Ausdruck hierfür. Ebenso die Transfer­Allianz, die aus dem Masterplan Industrie hervorgegangen ist. Die Strategie ist erfolgreich. Die innovationsgetriebenen Cluster entwickeln sich auch im Vergleich mit anderen Regionen Deutschlands überdurchschnittlich gut. An diesem Prozess ist die TSB entscheidend beteiligt. Für unsere Arbeit brauchen wir aber auch Anregungen von außen. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir Anfang Juni die Jahreskonferenz der Association of European

Science and Technology Transfer in Berlin begrüßen und mit Fachleuten aus ganz Europa über Technologietransfer diskutieren konnten. Neben diesem persönlichen Austausch gibt es weitere Wege, von anderen zu lernen. Eine TSB-Studie, die in diesen Tagen erscheint, untersucht den Technologietransfer in anderen europäischen Regionen und legt dar, was wir für den Life-Science-Bereich und

Wir brauchen Anregungen von außen und persönlichen Austausch

Diagnostik made in Berlin Aus Europa und den USA kamen die fast 200 Teilnehmer des 4. Technologieforums »In-vitro-Diagnostics and Bioanalysis«, das am 7. und 8. Juni 2012 in Berlin stattfand. Auf dem Programm der Veranstaltung, zu der das bei der TSB angesiedelte Zentrum für Molekulare Diagnostik und Bioanalytik (ZMDB) eingeladen hatte, standen neben Vorträgen und einer Kontaktbörse auch Besichtigungstouren. Die Molekulare Dia­ gnostik und Bioanalytik ist ein wichtiger Bereich der modernen Gesundheitswirtschaft. In Berlin ist schon heute die gesamte Wertschöpfungskette von der Grundlagenforschung bis zur Produktvermarktung vorhanden. Diese Stärke soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden.

darüber hinaus in den anderen Clustern aus dem internationalen Vergleich lernen können. Ich hoffe, Sie finden in der zweiten Ausgabe unseres Magazins »21« interessante Informationen und Anregungen. Wenn Sie Fragen oder Ideen zum Technologietransfer in der Hauptstadtregion haben oder sich beraten lassen wollen, wenden Sie sich gerne jederzeit an uns. Ihr Adolf M. Kopp Zur Person: Dr.-Ing. Adolf M. Kopp ist seit 2008 Geschäfts­ führer der TSB Innovationsagentur Berlin

Energieversorgung 2050 Eine neue Veranstaltungsreihe der Max-Planck-Gesellschaft und der TSB Technologiestiftung Berlin über »Impulse aus der Zukunft« Da kommt etwas in Bewegung: »Impulse aus der Zukunft« lautet eine neue Veranstaltungsreihe, die von der Max-PlanckGesell­ schaft und der TSB Technologiestiftung gemeinsam organisiert wird. Sie richtet sich an Experten aus Wissenschaft und Industrie. Präsentiert werden Ansätze aus der Grundlagenforschung, die vielversprechende Wege für technologische Entwicklungen weisen. Als erster Redner zeigte Robert Schlögl, Chemiker am Fritz-Haber-Institut der MaxPlanck-Gesellschaft, vor welchen Herausforderungen die Grundlagenforschung steht, damit es gelingt, die ausgerufene

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Energiewende langfristig Realität werden zu lassen. Genug Energie aus Wind und Sonne ist vorhanden. Energie kann entgegen dem gängigen Sprachgebrauch nicht erzeugt, sondern nur verwandelt werden. Dabei verlangt die Natur allerdings einen »Zoll«, so Schlögl. Diese Verluste zu verringern, die bei Umwandlung in »solar fuels« (beispielsweise Metha­nol) entstehen, hält der Forscher für eine zentrale Heraus­ forderung beim Umbau der Energieversorgung. Vielversprechende Ansätze böten dabei etwa Katalysatorenmaterialien, die nanostrukturierten Kohlenstoff und Metall­oxide verbinden.

Prof. Dr. Robert Schlögl, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, und Gründungs­ direktor des geplanten Max-Planck-Instituts für chemische Energiekonversion, im Gespräch mit Dr. Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH, am 15. Mai 2012 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Foto: TSB/Philipp Görs

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Kompetenzzentrum in Sachen Internet eCOMM Berlin: das IT-Beratungsangebot der TSB Innovationsagentur

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ie funktioniert professionelles Online-Marketing? Worauf muss ein Online-Händler achten, wenn er im Internet erfolgreich sein will? Was zeichnet eine wirklich gute Unternehmenswebsite aus? Das sind zentrale Fragen, mit denen sich große und mittelständische, vor allem aber auch kleine Firmen heute konfrontiert sehen. Antworten darauf geben Carl-Philipp Wackernagel und sein Team von eCOMM Berlin. eCOMM Berlin ist ein kostenfreies Beratungs- und Serviceangebot in der TSB, das als Teil der Initiative Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird. Der Service richtet sich in erster Linie an Existenzgründer und kleinere Betriebe mit wenig IT-Erfahrung. »Gerade im Handwerksbereich besteht ein großer Nachholbedarf«, sagt Wackernagel. Die Stärke von eCOMM ist die persönliche Beratung. Unternehmen können mit konkreten Fragen oder einer noch etwas vagen Geschäftsidee an das Team herantreten. Die Experten suchen dann gemeinsam mit den Kunden nach einer Umsetzungsstrategie. So wie im Fall von Magnet Map, einem Online-Versandhandel für Magnet­tafeln mit

individuellen Stadtplanausschnitten. Mithilfe von kleinen Magneten kann man darauf markieren, wo in der jeweiligen Umgebung das Auto geparkt ist. Die Gründerin kam mit nicht mehr als einer Idee zu eCOMM – am Ende der Beratung stand ein kleines, gleichwohl erfolgreiches Online-Unternehmen. Jedoch gehört es zu den Grundprinzipien von eCOMM, dass man ganz bewusst nicht in die konkrete Umsetzung von Vorhaben eingreift. Wackernagel und seine Kollegen stehen allerdings gerne als »Übersetzer« zur Verfügung, wenn es zwischen Gründer

nen eine bereits vorhandene Internetpräsenz zum Beispiel auf deren Benutzerfreundlichkeit überprüfen lassen und erhalten Tipps, wie diese verbessert werden kann. Ein ganz aktuelles Thema: Wie können herkömmliche Websites den Bedürfnissen mobiler Geräte wie Tablets und Smartphones angepasst werden? »Die Entwicklung geht dahin, Seiten so zu programmieren, dass sie sich automatisch an das Gerät anpassen, auf dem sie angesehen werden«, sagen die Experten. »Das Besondere am Standort Berlin ist, dass hier neben einigen Online-Riesen wie ebay und Zalando vor allem sehr viele kleine Unternehmen angesiedelt sind«, hebt Wackernagel hervor. Für die sei es zum Beispiel wichtig, ihr »Ranking« bei Suchmaschinen zu verbessern oder soziale Medien wie Facebook effektiver zu nutzen. Zu solchen und vielen anderen Fragen bietet das eCOMM-Team regelmäßig Informationsveranstaltungen an. Dort hat man die Möglichkeit, mit den Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Außerdem steht viel Wissenswertes auf der eCOMM-Website (www.ecommberlin.de) zum Download zur Verfügung.

Die besondere Stärke von eCOMM ist die persönliche Beratung und technischem Dienstleister zu Verständigungsproblemen kommt. Und Unternehmen können bereits eingeholte Angebote von den Experten vergleichen lassen, um einen seriösen, optimal qualifizierten Dienstleister zu finden. »Wir verstehen uns als unabhängige IT-Lotsen«, betont Wackernagel. Zum Leistungsangebot von eCOMM gehört auch der Website-Check. Firmen kön-

Wo steht bloß mein Auto? Die individuellen Stadtpläne von Magnet Map helfen weiter. Die Experten von eCOMM haben bei dem Projekt Starthilfe geleistet.

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Foto: Magnet Map

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Fördern mit Programm Wie die Hauptstadtregion beim Technologietransfer im europäischen Vergleich abschneidet – eine Studie

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ie Frage ist einfach zu stellen, aber schwierig zu beantworten: Wie kann ein effektiver Technologietransfer heutzutage aussehen? Worauf kommt es in der Region Berlin-Brandenburg an? Welche Folgen hat das für das wirtschaftliche Potenzial? Vor allem: Was machen andere europäische Länder womöglich besser? Mit all diesen Fragen hat sich Wolfgang Korek, Berater für Technologietransfer und EU-Projekte bei der TSB Innovationsagentur, in einer Studie eingehend beschäftigt. »Instrumente des Technologietransfers. Europäische Life Science Cluster im Vergleich« heißt seine Untersuchung, die dieser Tage erschienen ist. Wie der Titel schon andeutet, hat sich Korek in seiner Arbeit vor allem auf die Gesundheitswirtschaft konzentriert. In BerlinBrandenburg sind rund 350.000 Menschen in diesem Bereich tätig. Die Region weist zudem bundesweit die größte Forschungsdichte auf. Doch das sagt noch nicht allzu viel darüber aus, wie gut der Technologietransfer von der Wissenschaft in die Industrie funktioniert. Gibt es vergleichbare europäische Regionen, die womöglich über andere, vielleicht sogar effektivere Instrumente verfügen? Um dies herauszufinden, hat sich Korek vier Vergleichsregionen intensiv angeschaut: den Großraum Paris, Barcelona/Katalonien, den Turiner Raum und die Region um Debrezen in Ungarn. Allen gemeinsam ist, dass dort Wert auf Lebenswissenschaften gelegt wird. Dennoch befinden sich die Gebiete in

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ganz unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Paris verfügt bereits über eine Menge Erfahrung, im ungarischen Észak-Alföld dagegen steckt vieles noch in den Kinderschuhen. Und in Berlin-Brandenburg? Koreks Fazit fällt positiv aus: Die Region braucht sich in Sachen Technologietransfer keineswegs zu verstecken. Auch wenn es bei den Themen Vernetzung, Koordination und Geld für eigene Tools durchaus noch Nachholbedarf gibt. Berlin-Brandenburg zeichnet nach Koreks Einschätzung vor allem ein sehr großes Spektrum öffentlicher Unterstützungsangebote aus. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Initiative »TOP 50«, die von der TSB gemeinsam mit der FU Berlin, der Charité und der Uni Potsdam etabliert wurde. In den vergangenen zweiein-

Die von der TSB Technologiestiftung heraus­gegebene Studie mit vielen weiteren Informationen zu den verschiedenen Förderinstrumenten der Regionen steht zum Download zur Verfügung: www.tsb-berlin.de/Technologietransferstudie

halb Jahren wurden über dieses Instrument über 40 F&E-Projekte betreut. Ziel war es, Finanzierung und Kooperationspartner zu finden, um die Vorhaben so weit zu entwickeln, dass sie für die Kommerzialisierung durch die Industrie interessant werden. Dabei wurden 10 neue Erfindungen angemeldet und rund

16 Mio. Euro mobilisiert. Der Ansatz war so erfolgreich, dass er – unter dem neuen Namen »Ideas to Market« (i2m) auf weitere Technologiebereiche ausgeweitet wurde. Konkret hilft i2m dabei, Technologietransfer zu koordinieren, also wichtige Kontakte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft herzustellen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Scouting. Man muss in den Universitäten und Forschungseinrichtungen aktiv nach wissenschaftlichen Projekten bzw. Forschern suchen, die für die kommerzielle Nutzung interessant sind. Allerdings kann i2m Projekte nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Ein Manko, glaubt Wolfgang Korek. Und ein großer Unterschied etwa zum Großraum Paris. Dort würden Projekte direkt an den Geldgeber, eine Art Technologiepark, herangetragen. Der entscheidet dann selbstständig darüber, ob das Vorhaben förderungswürdig ist. Es stehen also eigene finanzielle Mittel zur Verfügung, um den Technologietransfer direkt vor Ort zu unterstützen. Barcelona geht einen anderen Weg. In Katalonien setzt man in erster Linie auf die Qualifizierung von Personal. Dahinter steht die Erkenntnis, dass es im Grunde überall in Europa an Managementerfahrung mangelt. Darunter leiden vor allem kleine Start-upFirmen. Aus diesem Grund soll ein europä­ ischer Pool für Manager aufgebaut werden. Von dem könnte dann auch die Region BerlinBrandenburg profitieren. Das käme sicherlich auch dem Technologietransfer zugute. TSB-Magazin | Ausgabe 02 | Juni 2012


Anleitung zur Kooperation

Grenzübergreifende Zusammenarbeit zeichnet Europa aus – auch beim Technologietransfer.

Foto: Archiv

»Wir schaffen neue Perspektiven«

Die TSB, die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V. sowie die ZukunftsAgentur Brandenburg haben gemeinsam einen Leitfaden für die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der Hauptstadtregion erstellt. Die Broschüre liefert einen Überblick über Möglichkeiten des Wissens- und Technologietransfers, die mithilfe von Fallbeispielen anschaulich vorgestellt werden. Sie zeigt zudem, welche Unterstützungsangebote in Form von Know-how und Fördermitteln innovative Köpfe in BerlinBrandenburg nutzen können. Denn es gibt viele Wege, um die Gräben zwischen »Elfen­beinturm« und Fabrik zu überwinden und die Expertise von Forscherinnen und Forschern für die Entwicklung neuer Produkte zu nutzen. Der Leitfaden steht unter www.tsb-berlin.de/tt-leitfaden zum Download zur Verfügung und kann bei der TSB auch kostenlos bestellt werden.

Anders Haugland über die Bedeutung des Technologietransfers, Europas Stärken und Berlins Dynamik Herr Haugland, Anfang Juni hat in Berlin das Jahrestreffen der Association of European Science & Technology Transfer Professionals (ASTP) stattgefunden. Warum ist die deutsche Hauptstadt als Konferenzort ausgewählt worden? Haugland: Es gab viele Gründe. Aber in erster Linie kam zum Tragen, dass die gastgebende Organisation unsere Veranstaltung vor Ort außerordentlich unterstützt hat. Außerdem ist Berlin eine wichtige Stadt mit bedeutender Vergangenheit. Das kommt einem NetworkingEvent wie dem unserigen sehr zugute. Schließlich gehören Berlin und seine Umgebung zu den dynamischsten und produktivsten Regionen, wenn es um Innovationen, Unternehmertum und Start-ups in der New Economy geht. Vor welchen aktuellen Herausforderungen steht der Technologietransfer generell? Haugland: Lassen Sie mich nur einige nennen. Da ist zum Beispiel der Wunsch, nicht einfach als »Funktion« zu gelten, sondern als eigenständiger Berufszweig anerkannt zu werden. Auch müssen wir damit umgehen, dass das Niveau des Risikokapitals abnimmt. Zudem ist es erforderlich, neue Modelle zu entwickeln, um Transaktionskosten in der gesamten Innovations-Wertschöpfungskette zu reduzieren. Das klingt nach ziemlich viel Arbeit. Haugland: Das stimmt, liegt aber auch auf der TSB-Magazin | Ausgabe 02 | Juni 2012

Hand. Denn ich denke, dass dem Technologietransfer eine gesellschaftliche Schlüsselrolle zukommt, um die Auswirkungen umfangreicher Investitionen in die öffentliche Forschung zu verbessern. Wir sollten uns immer darum bemühen, mithilfe des Technologietransfers im größeren Rahmen neue Perspektiven zu schaffen. Die Fachleute sind so etwas wie »Macher« und repräsentieren einen institutionellen Geist für das Unternehmertum. Gibt es beim Technologietransfer spezifische europäische Stärken? Haugland: Ja, die Investitionen in die Forschung und die paneuropäische Kooperation. Und was unterscheidet Europa von den USA oder Asien, wenn es um Technologietransfer geht? Haugland: Nun, das ist im Grunde ganz einfach: Es sind ganz generell die kulturellen Unterschiede zwischen den Kontinenten.

Zur Person: Anders Haugland ist Präsident der Association of European Science & Technology Transfer Professionals (ASTP) und Managing Director der norwegischen Beratungsfirma »Bergen Teknologioverføring«. Foto: BTO

Orientierungshilfe: Matrix Polar weist bei Operationen den Weg.  Foto: Scopis GmbH/Xion GmbH

Technologie! Transfer! Navigationssysteme für Nasenoperatio­ nen, Elektro-LKWs für den Gütertransport, intelligente Regler für moderne Heizungssysteme: Gemeinsam ist den genannten Innovationen, dass sie in enger Zusammenarbeit zwischen Forschern und Unternehmern aus der Region BerlinBrandenburg entstanden sind. Der Techno­ logietransfertag T3 am 5. Juni 2012 präsentierte solche erfolgreichen Kooperationen. Daneben gab es jede Menge Informationen rund um das Thema Technologietransfer. Gastgeber war das neue Anwendungszentrum für Mikroproduktionstechnik (AMP) am Produktionstechnischen Zen­ trum in Berlin. Das AMP zeigt beispielhaft, wie Forschungseinrichtungen neue Entwicklungen begleiten können. Es bietet Forschung und Entwicklung rund um Präzisionsbearbeitung und Fertigung. 5


Unter Strom Die Hauptstadtregion wird internationales Schaufenster für Elektromobilität

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as Ziel ist ehrgeizig. Bis zum Jahr 2020 soll es auf Deutschlands Straßen rund eine Million Elektrofahrzeuge geben. Das hat sich die Bundesregierung in Zeiten des Klimaschutzes, der Ressourcenschonung und der Energiewende auf die Fahnen geschrieben. Deshalb haben vier Bundesministerien ein dreijähriges Programm aufgelegt, das ein Volumen von insgesamt 180 Millionen Euro hat. In vier »Schaufenstern Elektromobilität« soll exemplarisch die Grundlage für dieses Verkehrsprojekt der Zukunft gelegt werden. Die Region Berlin-Brandenburg ist Anfang April unter 23 Bewerbern als »Internationales Schaufenster« ausgewählt worden. Mit von der Partie sind bundesweit außerdem Baden-Württemberg, Bayern-Sachsen und Niedersachsen. Für jede Region stehen bis zu 50 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Als »Schaufenster« seien diejenigen groß angelegten regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben ausgewählt worden, in denen besonders innovative Elemente der Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem gebündelt und sichtbar gemacht werden, erläutert Thomas Meißner. Der Geschäftsbereichsleiter

Verkehr und Mobilität der TSB Innovations­ agentur betont zudem, dass es bei dem prestige­reichen Großprojekt nicht in erster Linie um Forschung und Entwicklung gehe, sondern darum, bereits Vorhandenes sinnvoll zu integrieren. »Wir wollen das Gesamt­ system erproben, die Alltagstauglichkeit vorbereiten.« Die Region Berlin-Brandenburg sei dafür prädestiniert, weil sie auf dem Gebiet der Elektromobilität schon heute »sehr gut aufgestellt ist«. Laut Meißner kommt es in den nächsten drei Jahren darauf an, eine Vielzahl von Einzelprojekten zusammenzuführen. Dazu gehöre etwa, verschiedene Dienste rund um die Elektromobilität informationstechnisch zu vernetzen, zum Beispiel für die Abrechnung des »getankten« Stroms. Dabei wird sich künftig Berlin überwiegend um die Verkehrssystemseite kümmern, in Brandenburg liegt der Schwerpunkt beim Energiesystem. Insgesamt sollen 35 Projekte im Kontext des Schaufensters verwirklicht werden. Mehr als 250 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Verwaltung haben

»Wir wollen die Alltagstauglichkeit vorbereiten.«

Flotter Flitzer: Autohersteller entwickeln immer neue Konzepte für strombetriebene Fahrzeuge. Auch im Sportwagenbereich.

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bereits erklärt, im »Internationalen Schaufenster Elektromobilität« zusammenarbeiten zu wollen. Darunter auch neun der zehn weltweit größten Automobilunternehmen und Branchenführer aus der Zulieferindustrie, der Energietechnik und dem Transportbereich. Jetzt müssten auf Basis der Absichtsbekundungen konkrete Projektanträge erstellt werden, hebt Meißner hervor. Die Koordination liegt in den Händen der »eMO – Berliner Agentur für Elektromobili­ tät«, die von der Berlin Partner GmbH und der TSB Innovationsagentur getragen wird. eMO bündelt die Kompetenzen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung mit dem Ziel, die Hauptstadt zur Vorreiterin für innovative und nachhaltige Elektromobilität zu entwickeln. Dementsprechend groß ist die Freude über das »Schaufenster Berlin-Brandenburg«. Die Auszeichnung sei ein Erfolg für die Hauptstadtregion und ein großer weiterer Schritt zum Ziel, Leitmetropole in Europa zu werden, sagt eMO-Leiter Gernot Lobenberg. »Denn Elektromobilität ist Berlin-Brandenburg wie auf den Leib geschneidert.«

Foto: Renault

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Wackelpudding »Schnelles Lernen« Zukunft in der Küche – ein Schülerworkshop der TSB über Functional Food

Rund ums Fliegen Auftrieb und Vortrieb, Profilsehne und Anstellwinkel: Wieso ein schweres Flugzeug sich in die Lüfte erhebt und fliegt, ist gar nicht so leicht zu erklären. Am besten geht es mit Experimenten, bei denen man im Kleinen physikalische Gesetze erleben kann. Um einen Hubschrauber nachzubauen, braucht man beispielsweise nur ein viereckiges Blatt Papier, das richtig geklappt und gefaltet werden muss, eine Schere und eine Büroklammer. Fertig! Wenn dann noch einer erklärt, wieso es funktioniert, ist man spielend klüger geworden. Entsprechend groß war das Interesse beim Stand »Rund ums Fliegen« bei den Publikumstagen am 12. und 13. Mai 2012 auf dem neuen Berliner Flughafen BER, den die TSB gemeinsam mit dem Forschergarten aus Berlin-Buch orga­ nisiert hatte.

Technik? Einfach klasse!

Das Auge isst mit. Eine Schülergruppe kreiert das Essen der Zukunft.

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oldene Zuckerkugeln in rosa Gelee, türkisfarbene Mousse zwischen Biskuitscheibchen und blaue Gelee­ würfel mit Glitzerstreuseln, die aussehen wie große Eisbonbons – so stellt sich eine Gruppe von Schülern des Oberstufenzentrums Ernährung und Lebensmitteltechnik der EmilFischer-Schule in Reinickendorf das Essen der Zukunft vor. In einem von der TSB initiierten viertägigen Workshop zum Thema Functional Food gingen sie der Frage nach, wie wir in der Zukunft unseren Körper, unsere Psyche und unser Verhalten mit Hilfe von Lebensmitteln bewusst beeinflussen werden. Lebensmittel, die aufgrund von zugesetzten Inhaltsstoffen eine über die Ernährung hinausgehende Funktion haben, sind bereits heute verbreitet. Im Workshop haben die Schüler aber weit über Energydrinks und präbiotisches Joghurt hinausgedacht. Sie entwickelten komplette Zukunftsszenarien und eine Marketingstrategie für ihr Angebot. Unterstützt wurden sie dabei von den Designern Helge Fischer und Ann-Kristina Simon von Bold Futures, einem Studio für Innovationskommunikation, das sich auf die Entwicklung solcher Zukunftsszenarien spezialisiert hat. »Die Schüler erfahren im Workshop, dass die Zukunft nicht einfach passiert, sondern TSB-Magazin | Ausgabe 02 | Juni 2012

Foto: Bold Futures, Berlin

aktiv von Menschen gestaltet wird«, sagt Fischer. Die Produkte mussten nicht unmittelbar realisierbar oder moralisch unbedenklich sein. So entstand das Weingummi mit Chilligeschmack, das Alkohol im Körper bindet. Oder der Wackelpudding ›fast learning‹. Dieser hilft dem Namensgedächtnis während einer Cocktailparty auf die Sprünge und erleichtert den Lernmarathon am Wochenende. Die Schüler recherchierten mit viel Spaß und Engagement, welche Wirkstoffe in der Zukunft derartige Effekte haben könnten, und modellierten im Klassenraum ihr Produkt zunächst mit Knete. In Zweiergruppen überlegten sie dann, mit welchen Zutaten es ihnen gelingen könnte, dass ihre Erzeugnisse die gewünschte Zielgruppe auf möglichst viele Arten anspricht und die – fiktive – Funktion des Produkts kommuniziert. In der Schulküche konnten die Teams schließlich ihre Rezepte ausprobieren, gegenseitig ihr »food« verkosten und die Ideen diskutieren. »Die Schüler sind sehr offen gegenüber Bio- und Nanotechnologie«, sagt Designerin Simon. Sie betont aber, dass auch viele kritische Fragen gestellt und offen diskutiert wurden. Kostproben der kulinarischen Reise in die Zukunft werden auf dem Jahresem­pfang der TSB gereicht. Guten Appetit!

Rund 200 Berliner Schulklassen mit etwa 4.500 Kindern werden im August an den TSB-Aktionstagen teilnehmen, die die Technologiestiftung jährlich durchführt, um Kinder der 3. bis 6. Klasse für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Die dreitägige Veranstaltung, die in diesem Jahr erstmals in den Räumen der Humboldt-Universität Berlin stattfinden wird und für die die TSB eng mit den Berliner Schülerlaboren zusammenarbeitet, bietet altersgerechte Workshops und Experimente zu naturwissenschaftlich-technischen Themen. Die Kinder können beispielsweise Experimente zum Magnetismus machen, die Inhaltsstoffe von Honig ermitteln oder herausfinden, wie das menschliche Auge funktioniert.

Früh übt sich Fast 38.000 Schülerinnen und Schüler haben 2011 eines der mittlerweile 16 im Netzwerk GenaU zusammengeschlossenen Schülerlabore in Berlin und Umgebung besucht. Zudem nahmen 500 Lehrerinnen und Lehrer sowie fast 1.000 Lehramtsstudenten an GenaU-Weiterbildungsangeboten teil. Norbert Quinkert, Vorstandsvorsitzender der TSB Technologiestiftung freut sich: »Das sind beeindruckende Zahlen. Wir kommen dem Ziel, dass alle Kinder der Hauptstadtregion einmal in ihrer Schulkarriere ein GenaU-Schülerlabor besuchen, immer näher. Untersuchungen belegen, dass Experimente und sinnliche Erfahrungen, wie sie die Schülerlabore bieten, mehr Neugierde und Offenheit für Naturwissenschaft und Technik bewirken als viele Worte.« Die TSB gehört zu den Hauptförderern des Schülerlabornetzwerks GenaU. 7


Die Welt in 20 Jahren Barbara Lenz über die Lust am Mobilsein, sauberen Verkehr und intelligente Autos Frau Professor Lenz, wie werden sich Verkehr und Mobilität in Zukunft verändern? Lenz: Die Bedeutung von Mobilität wird kaum geringer werden. Angesichts der zunehmenden Dichte in den Städten und den damit verbundenen Verkehrs- und Umweltproblemen werden aber die Verkehrsmittel des Umweltverbundes – der öffentliche Verkehr, das Fahrrad und die Füße – wichtiger werden. Neue Mobilitätskonzepte und Technologien werden dafür sorgen, dass wir uns viel besser mit diesen unterschiedlichen Verkehrsmitteln zurechtfinden. Aus der Freude am Fahren wird die Lust am Mobilsein! Welche Rolle wird E-Mobilität spielen? Lenz: Elektromobilität ist kein Allheilmittel, aber sie kann einen wichtigen Beitrag leisten, um den Verkehr sauberer und leiser zu machen. Natürlich wissen wir mittlerweile alle, dass die positiven Effekte nicht von den Elektroautos alleine kommen, sondern dass es gleichzeitig auf den richtigen Strommix ankommt. Elektromobilität und Energiewende sind deswegen eng verbunden. Es wird auch nicht ausreichen, die konventionellen Autos durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen. Autos produzieren nicht nur Schadstoffe, sondern benötigen auch viel Platz. Deshalb werden parallel zu den neuen Fahrzeugkonzepten auch kluge Nutzungskonzepte entwickelt. Die Hauptstadtregion als »Schaufenster Elektro­ mobilität« wird hierfür ein einzigartiges Testfeld sein. Welche Bedeutung wird das Auto in 20 Jahren haben? Lenz: In jedem Fall spielt das Auto weiterhin eine wichtige Rolle für unsere individuelle Mobilität. Ich bin sicher, dass es auch weiterhin viele Menschen geben wird, denen einfach das Auto als solches Spaß macht. Wie müssen sich die Fahrzeuge selbst verändern, um den veränderten Verkehrsanforderungen gerecht zu werden? Lenz: Die Frage stellt sich gerade für Ballungsräume. Wenn wir dort weiter Auto fahren wollen, dann emissionsfrei und »intelligent«. Das Auto muss dem Fahrer sagen, welches die sinnvollsten Routen sind, wo es am besten abgestellt werden kann oder ob man besser auf den Bus umsteigt. Schick darf das Auto trotzdem sein.

Ferienzeit ist Lesezeit! Nicht nur für Segler: Die Sprache des Windes Poetisch und doch äußerst präzise beschreibt die Beaufortskala Windstärken, indem sie deren Auswirkungen auf die Umwelt schildert. Der amerikanische Journalist Scott Huler porträtiert den Namensgeber und recherchiert, wie die Skala entstanden ist. Ein Stück Naturwissenschaftsgeschichte, spannend, humorvoll und unterhaltsam erzählt. Scott Huler: Die Sprache des Windes. Wie ein Admiral aus dem 19. Jahrhundert Wissenschaft in Poesie verwandelte. Mare Verlag 2009

Die Welt wird immer besser Der Originaltitel »The Rational Optimist« sagt noch deutlicher, worum es dem Wissenschaftsjournalisten Matt Ridley geht: zu zeigen, dass der verbreitete technologie- und wachstumsskeptische Kulturpessimismus in historischer Perspektive haltlos ist. Der deutsche Titel bringt dafür das Erfolgsrezept für Fortschritt auf den Punkt: Kooperation und Innovation. Matt Ridley: Wenn Ideen Sex haben. Wie Fortschritt entsteht und Wohlstand vermehrt wird. DVA 2011

Der andere Stadtführer: Einsteins Berlin Albert Einstein lebte von 1914 bis 1932 in Berlin. Dieter Hoffmann, Forscher am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, führt uns durch die Wohnungen des berühmten Physikers, seine Wirkungsstätten und seinen Bekanntenkreis. Einstein, dessen Allgemeine Relativitätstheorie 1916 veröffentlicht wurde, war in seiner Berliner Zeit auf der Höhe seines Ruhms. Dieter Hoffmann: Einsteins Berlin. Auf den Spuren eines Genies. Wiley-VCH Verlag 2006

Impressum

Zur Person: Prof. Dr. Barbara Lenz ist Leiterin des Insti­tuts für Verkehrsforschung des Deutschen Zen­trums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof und Inhaberin der DLR-Sonderprofessur für Verkehrs­geografie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

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Herausgeber: TSB Technologiestiftung Berlin, Fasanenstr. 85, 10623 Berlin Redaktion: Christian Böhme, Frauke Nippel, Thilo Spahl Layout: Carmen Klaucke Produktion: Verlag Der Tagesspiegel, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin Kontakt: 21@tsb-berlin.de, www.tsb-berlin.de Gefördert aus Mitteln des Landes Berlin und der Investitions­bank Berlin, kofinanziert von der Europäischen Union – Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung. Investition in Ihre Zukunft.

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