Touring 06 / 2019 deutsch

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Kleines Land – grosse Vielfalt REPORTAGE GABRIELLE ATTINGER

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ieser Anblick begeistert auch diejenigen, die mit Pferden sonst nichts am Hut haben: Wenn das Gehege geöffnet wird und die weissen Rosse mit grossen Sprüngen und wallenden Mähnen auf die Wiese hinaus galoppieren, wird einem unwillkürlich warm ums Herz. Es sind Lipizzaner, benannt nach ihrer Heimat Lipica, südlich der Hauptstadt Sloweniens, dem Mutterhaus von mittlerweile 17 Lipizzaner-Gestüten in Europa.

Lipica bietet Besuchern eine Reihe von Attraktionen. Auf einer Kutschfahrt lassen sich die Weiden der Pferde besichtigen. In den historischen Stallungen darf man die Pferde anfassen und lernt, dass die Schimmel dunkel zur Welt kommen. Jeder Hundertste bleibt schwarz. Ein Museum dokumentiert die über vierhundertjährige Geschichte der Zucht und auch eine Dressurshow gibt es.

47 Kilometer Küste, die es in sich haben Geografisch könnte Lipica auch im Schweizer Mittelland liegen. Zwischen grünen Ebenen und Hügeln wachsen Obst und Weinreben. Und doch sind es von hier keine 50 Kilometer bis an Sloweniens Mittelmeerküste, wo Palmen rauschen und Oleander blüht. Nur gerade 47 Kilometer lang ist sie, aber gespickt mit Sehenswürdigkeiten. Ganz im Süden der an Kroatien grenzenden Meeresbucht liegen die Salinen Piran, wo Meersalzblüten für Küche und Gesundheitspflege abgebaut werden. Weiter nördlich züchtet die Familie Fonda Wolfsbarsch, den sie an Gourmet-Restaurants und -Läden im ganz Slowenien sowie in den Nachbarländern verkauft. Auch in der Schweiz? Irena Fonda verneint. Dort kenne man wirklich frischen Meeresfisch gar nicht und würde ihn deshalb auch nicht wertschätzen, erklärt sie mit entwaffnender Offenheit. Zum Glück nimmt sie auch Banausen 64 touring | Juni 2019

S L O W E N I E N

50 km

Ljubljana

ITA Piran Ad ri a

Slowenien wird oft als kleine Schweiz bezeichnet. Tatsächlich ist das Land nur halb so gross, doch es bietet viel mehr als Berge, Seen und schöne Kleinstädte: eine Reise voller Überraschungen.

ÖSTERREICH

Postojna Lipica

KROATIEN

Weisse Pracht Die berühmten slowenischen Lipizzaner

mit auf eine Schiffstour zu den Zuchtbecken, die weit draussen in der Bucht liegen. Die Fondas sind stolz auf ihr Geschäft. Es gilt als besonders nachhaltig und wird deshalb vom Europäischen Fischereifonds unterstützt. In den riesigen runden Netzen ist es ganz ruhig, bis der Fischfütterer mit seinem Boot heranfährt. Noch bevor er das Futter über den Becken auswirft, wird das Wasser unruhig und Aberhunderte von Fischen drängen an die Oberfläche, um etwas abzukriegen – ein fast surreales Spektakel. Dutzende solcher grosser und offenbar auch sehr tief liegender Netze sind in der Bucht verankert. Wie viele Fische wohl darin leben? Die Schätzungen variieren um Millionen. Einig sind wir uns nur in einem: die Begeisterung der promovierten Biologin Irena Fonda für ihre Fische ist ansteckend. In einem nahen Gourmet-Restaurant serviert man uns nach dem Ausflug den besagten Fisch und wir stellen einstimmig fest: Er schmeckt himmlisch.

Spektakel Fütterung auf der Fischfarm der Fondas bei Portoroz

Piran – kleines Juwel mit grossartiger Aussicht In der Mitte der Bucht liegt der Badeort Portoroz und wenige Kilometer dahinter ein weiteres Highlight: Piran, ein kleines Hafenstädtchen auf einer Landzunge. Die Autos kommen nur bis zum Ortseingang – ganz Piran ist Fussgängerzone. Das Zentrum bildet eine grosse Piazza mit glänzendem Marmorbelag. Hier spielen Jugendliche abends Unihockey, rennen Kinder barfuss um die