Rezensionen Musik
My Ugly Clementine
Resi Reiner
08
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Weißt du was ich mein?! — Krokant
Auch wer mit beiden Füßen fest am Boden steht, sehnt sich hin und wieder danach, mal kurz die Beine hochzulegen und die Welt an sich vorbeiziehen zu lassen. Das wissen auch My Ugly Clementine, die mit »Feet Up« eine kleine Ode ans Nichtstun geschrieben haben. Zusammen mit zwölf weiteren Liedern gehört der eben erwähnte Song zum langersehnten zweiten Album der Band, die sich – nach dem Ausscheiden von Kem Kolleritsch (Kerosin95) – aus den Musikerinnen Sophie Lindinger, Mira Lu Kovacs und Nastasja Ronck zusammensetzt. »The Good Life« lautet der Name des zwischen Indierock, Britpop und Grunge angesiedelten Zweitlings, der dazu einlädt, sich seine eigene Variante eines guten Lebens zusammenzuzimmern. Wenn dabei am Ende nur ein Luftschloss herauskommt, macht es auch nichts – Hauptsache man lässt sich nicht von anderen Menschen eintakten und folgt dem eigenen Rhythmus. »Dreamed I could fly a highway / But landed on my sweet face« heißt es beispielsweise im Song »Are You In«. Musikalisch scheint die Band mit »The Good Life«, das auch vor dem einen oder anderen hymnischen Refrain nicht zurückschreckt, ziemlich angekommen zu sein. Allerdings ohne dieses furchtbare Gefühl der fast schon denkmalhaften Stagnation, das dabei meist mitschwingt. Vielleicht ist es eher ein Ankommen im fortwährenden Prozess des Ankommens. Zu den eigenen Entscheidungen stehen, es jederzeit wieder tun – wie es im Song »Would Do It Again« heißt –, dabei aber stets beweglich bleiben. Außer man hat gerade die Füße hochlegt, um genüsslich »The Joy of Missing Out« zu zelebrieren. Schließlich ist auch das sogenannte gute Leben kein Zustand, der in Stein gemeißelt ist, sondern einer, der immer wieder danach verlangt, sich selbst die folgende Frage zu stellen: »Are you in the good life?«. Geht es darum, sich gemeinsam mit My Ugly Clementine in ein gutes Leben hineinzuträumen, hat »Are You In« allerdings zurecht kein Fragezeichen. Die Antwort lautet nämlich eindeutig: Yes, we are! (VÖ: 11. August) Sarah Wetzlmayr
Es schadet nie, ein ganzes Arsenal an Finelinern im Federpenal zu haben. Dauernd diese ganz dünnen Linien, die es zu ziehen gilt, diese ganz schmalen Grate. Ist das Kunst oder Kitsch, Kaviar oder Kacke? Wo du es ja auch gar nicht gescheit erklären kannst, warum jetzt das eine so, das andere so ist. Wo du es einfach haben musst, dieses kleine bisschen Eben-nicht-Kitsch. Wo du deine Kunst einfach auch zur Kunst erklären musst. Vor allem bei Popmusik, die so zuckersüß und zumindest scheinbar naiv verspielt daherkommt. Da musst du als Künstler*in aufpassen wie ein Luchs, dass da gar niemand in Versuchung kommt, deine Kunst irgendwie in die Kitschecke zu schieben. Und dafür gebührt Resi »Ich will nach Italien« Reiner schon einmal das erste Kompliment. Die gerät auf ihrem Debütalbum gar nicht erst ins Wanken: Ist das jetzt so oder so? Nein: Das ist Kunst und das ist gut. Das ist feinfühlig, pointiert. Also natürlich, vom Musikalischen her ist das auch Schlager, aber das ist nur für jene ein Schimpfwort, die davon nichts verstehen, die eben nicht wie Resi Reiner vor allem die wunderbare Unterhaltungsmusik der frühen Sechziger und Siebziger zu schätzen wissen. Kaum verwunderlich also, dass »Weißt du was ich mein?!« auf Albrecht Schraders Label Krokant erscheint und nicht bei einer der diesbezüglich angestaubten heimischen Plattenfirmen. Da ist der Weg zu den Berliner Trendsetter*innen aus deinem Insta-Feed nicht superweit. Schande über die, denn – einmal unter uns Pastorentöchtern: Resi Reiner ist auf der guten Seite der Macht zu Hause; das kannst du ganz ohne Ironie hören. Dazu sind auch einfach die Texte zu gut und im Endeffekt geht’s genau darum: zu relatable, zu spezifisch, zu deep. Etwa wenn es um die Schönheit einer Bialetti geht oder um weirde Träume dank Antidepressiva zum Abendessen (»Trittico«) oder um toxische Männlichkeiten im Allgemeinen (»Alles wunderbar«, mit den grandiosen Zeilen »Schimmelt da die Ecke / Oder ist das Shabby Chic?«). Also: raus mit dem grünen Fineliner und Haken drunter. (VÖ: 25. August) Dominik Oswald
Live: 10. August, Melk, Sommerspiele — 29. September, Graz, PPC — 10. November, Wien, Arena
Live: 10. Oktober, Wien, Konzerthaus — 10. November, Salzburg, Roter Salon — 11. November, Graz, PPC
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Mala Kolumna, Lisa Edi
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The Good Life — BMG
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