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Honduras Tauchsafari bei Roatan

TAUCHZIEL HONDURAS

AUF TAUCHSAFARI MIT DER „ROATAN AGGRESSOR“

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TEXT // PETER S. KASPAR FOTOS // MICHELE WESTMORLAND

Das Oberdeck bietet reichlich Platz für die Lesepause zwischen den Tauchgängen.

s ist das größte Barriereriff der nördlichen Hemisphäre, das sich an der mexikanischen Halbinsel Yucatán, weiter entlang der Küste E E Belizes und bis nach Honduras zieht. Es ist deutlich kleiner als sein berühmter australischer Verwandter, doch mit 256 Kilometern

Länge ist dieses karibische Barriereriff für

Taucher eine unerschöpfliche Fundgrube.

Besonders anziehend sind die Cays, Inseln, die sich wie Perlen vor der Küste und über dem Riff aneinanderreihen. Am südwestlichen Ende des Barriereriffs liegen vor der Küste von Honduras die Inseln Utila, Roatan und Guanaja. Sie bilden einen idealen Ausgangspunkt, um die Einzigartigkeit des Riffs zu entdecken. Die Route des 40 Meter langen Safarischiffs „Roatan Aggressor“ ist so gewählt, dass Taucher einen möglichst umfassenden Ein druck vom Charakter dieses Riffs erhalten. Das Wetter muss allerdings mitspielen.

Ein erster Höhepunkt ist die Steilwand von Tavianna. Natürlich verspricht ein Drop-off schon eine ganze Menge Aufregung, doch man sollte sich nicht von vornherein auf die großen pelagischen Arten konzentrieren. Hier gibt es im Makrobereich eine ganze Menge mehr zu entdecken. Mit etwas Geduld bekommt man zwischen den Schwäm men und Korallen einen kleinen Schleimfisch, den Segelflossenblenny, zu Gesicht. Wer es etwas größer mag, wird sich an den großen Doktorfisch schwärmen erfreuen, die hier allgegenwärtig sind.

Marys Place ist ein ganz besonderer Tauchplatz, der seine Existenz allerdings einer Natur

katastrophe verdankt. Ein Erdbeben hat hier offenbar einst das Riff auseinandergerissen. Dadurch entstanden Spalten im Riff, manche nur einen Meter breit, andere bis zu drei Metern. Sie sind meist mit Korallen bewachsen. Vorsicht ist also geboten, wenn man in die Spalten hineintauchen will. Mit etwas Glück erlebt man aber einen atemberaubenden Anblick, nämlich dann, wenn sich in einer Spalte ein Schwarm Ährenfische aufhält. Die kleinen Fische glitzern silbern und bieten bei passendem Licht ein fantastisches Erlebnis. Nicht weniger beeindruckend ist die Begegnung mit großen Muränen, wie die massige Grüne Muräne. Man kann sie freischwimmend und auf der Jagd zu Gesicht bekommen.

Auch wenn das Barriereriff stark mit Korallen bewachsen ist, so müssen sich Korallen in der Karibik stets noch die Aufmerksamkeit mit einer anderen Art teilen: Schwämme. Für sie ist die Karibik berühmt und ihre Farben- und Formen vielfalt steht denen der Korallen – zumindest in dieser Region – kaum nach. Das erzeugt dann auch immer wieder überraschende und gelun gene Fotoeinstellungen, etwa von einem Anglerfisch, der es sich in einem Vasenschwamm ge mütlich gemacht hat.

Half-Moon-Bay heißt ein weiterer Tauchplatz im Norden der Insel Roatan, der ebenfalls durch seinen Fischreichtum besticht. Hier kommt es auch gern zu Begegnungen mit größeren Arten, wie etwa dem Nassau-Zackenbarsch, der fast ei nen Meter lang werden kann und sich auch nicht gerade durch eine große Scheu vor Tauchern auszeichnet. Im Gegenteil, es kann schon sein, dass ein neugieriges Exemplar auf Tuchfühlung geht. Zu den außergewöhnlichen Begegnungen gehört die mit einer Seefledermaus, nicht zu ver

Die Karibik ist berühmt für ihre riesigen Schwämme.

Hunderte Ährenfische im Wrack „Mr. Bud’s“, Roatan.

wechseln mit dem bekannteren Fledermausfisch. Unverwechselbares Merkmal der Seefledermaus ist ihr roter „Kussmund“, der aussieht, als sei er mit Lippenstift nachgezogen worden.

Wer bis jetzt die richtig großen und aufregenden Begegnungen vermisst hat, darf sich auf die Fahrt nach Cayos Cochinos freuen. Die kleine Inselgruppe liegt südlich von Roatan und ist Meeresschutzgebiet.

Die Seefledermaus hat einen roten Kussmund.

Typisch Karibik: zwei Indigo Hamlets.

Die Grüne Muräne ist eine der größten ihrer Familie. Segelflossen-Schleimfisch am Tauchplatz Tavian’s Wall.

Hier gibt es dann die Chance, Riffhaie zu sehen. Auch sie sind nicht unbedingt scheu, und so kommt es immer wie der zu Face-to-Face-Begegnungen. Mit von der Partie sind auch hier wieder die Zackenbarsche, die ihre Neugierde nur schwer im Griff haben.

Wer nach den aufregenden Begegnungen mit Haien ein wenig Ruhe und Erholung sucht, findet sie am Tauchplatz ToonTown. Er wird dort weniger auf Zeichentrickfiguren treffen als auf ein gigantisches Feld voller Seescheiden. Die geheim nisvollen Wirbellosen haben sich hier zu großen lilafarbenen Kolonien zusammengeschlossen.

Wer die Karibik betaucht, hat natürlich immer im Hinterkopf, dass dies einst ein berüchtigtes Tätigkeitsfeld berühmter Piraten war. Auch bei Roatan haben sie sich versteckt, und so liegt der Gedanke nahe, dass es hier eigentlich vor Wracks nur so wimmeln müsste. Ganz so ist es leider nicht, denn

Für Makro-Fans: Farbenfrohe Nacktschnecken gibt es auch.

die Holzwracks sind längst verrottet. Trotzdem kommen Wrackfreunde auch vor der Küste von Honduras voll auf ihre Kosten. Zahlreiche Schiffe wurden in den letzten Jahren versenkt, und zwar nicht, um Schrott zu beseitigen, sondern um neue Riffe zu schaffen und alte zu stabilisieren. Ganz nebenbei werden solch künstlich angelegte Riffe schnell zu Attraktionen für Taucher.

Drei Wracks sind besonders empfehlenswert. Die „El Aguila“ ist etwa 75 Meter lang und wurde 1997 als künstliches Riff auf 33 Metern Tiefe versenkt. Schon ein Jahr später wurde sie von Hurrikan Mitch auseinandergerissen. Das Schiff steht senk recht auf dem Kiel. Der Mast reicht bis 16 Meter. Es empfiehlt sich nicht, in das Wrack hineinzu tauchen, denn es gilt nicht gerade als stabil.

Deutlich größer ist die „Odyssee“, mit 100 Metern Länge das größte Wrack in der Umgebung. Auch dieses Schiff wurde 2002 als künstliches Riff versenkt. Es liegt ebenfalls auf 33 Metern Tiefe. Inzwischen ist die „Odyssee“ von zahlreichen Schwämmen bedeckt. Viele unterschiedliche Fischarten haben sich hier angesiedelt, vom gro ßen Zackenbarsch bis zum kleinsten Glasfisch. Die „Odyssee“ ist deutlich stabiler, und so können Taucher die verschiedenen Decks erkunden. Spannung verspricht vor allem aber der große Brückenbereich. Auch den Laderäumen kann ein Besuch abgestattet werden.

Viel kleiner ist die „Mr. Mud“. Der einstige Garnelenfänger misst zwar nur 25 Meter, ist da für aber deutlich einfacher zu betauchen. Der Kiel des senkrecht liegenden Schiffes liegt bei 20 Metern, die Brücke ist bereits nach 15 Metern erreicht. Hier sind auch die Lichtverhältnisse wesentlich besser. Verbunden mit Schwärmen von Ährenfischen sorgt das noch einmal für aus gezeichnete Fotomotive und einen gelungenen Abschluss einer aufregenden Tauchsafari.

Der Speiseraum ist voll klimatisiert.

„Roatan Aggressor“

Die 40 Meter lange „Roatan Aggressor“ bietet großzügig Platz für 18 Gäste. Neben den acht Deluxe-Kabinen gibt es eine MasterKabine mit Queen-Size-Bett. Alle verfügen unter anderem über private Duschen, individuell regulierbare Klimaanlage, einen Bildschirm mit Media Player USB/110-V-Steckdose und einen Haartrockner. Zu den allgemeinen Einrichtungen gehören ein großer Salonbereich und das obere Sonnendeck mit Bar sowie Whirlpool. Das Tauchdeck bietet ausreichend Platz für Tauchausrüstung, einschließlich Stauraum, Kameratisch und bequem platzierte Aufhängebereiche für Tauchanzüge. Nitrox ist vorhanden.

GARDENERCORAL TEXT UND FOTOS // DAVID DINCER THE

T ,, T he Coral Gardener“ ist ein zwölfminütiger Kurzfilm und spielt durchweg unter Wasser. Er handelt von einem Helmtaucher, der vor 100 Jahren einen Unfall erleidet und am Meeresboden stirbt. Nach Jahren am Grund wachsen Korallen an seinem Helm und erwecken ihn zu neuem Leben. Auf der Suche nach einem Ausweg trifft er auf ein Korallenriff und verweilt dort. Doch in den Jahrzehnten darauf spürt er die Veränderungen im Meer. Bald droht nicht nur sein neues Zuhause zu zerfallen, sondern auch er und seine lebensspendenden Korallen …

2014 habe ich bei meinem Onkel in der Türkei einen Tauchschein gemacht. Ich war sofort von dieser Welt unter der Meeresoberfläche fasziniert. Nach einigen Werbefilmen, die ich in den Jahren neben meinem Kamerastudium an der Filmakademie machte, investierte ich in ein richtiges Unterwassergehäuse.

Als Kamerastudent ist man normalerweise darauf angewiesen, eine Abschlussarbeit mit einem Regiestudenten zusammen zu verwirk lichen. Jedoch wollte ich etwas Eigenes unter Wasser drehen. Zufällig stieß ich im Internet auf ein Bild eines Helmtauchers. Diese Figur

Der Coral Gardener steht mit einem 40-Kilo-Kostüm am Meeresgrund.

sah für mich aus wie ein Astronaut. Irgend wann war die Idee dann geboren. Ich tat mich mit einem Produktionsstudenten zusammen und wir entwickelten eine Geschichte.

Wir hatten mit dem Projekt kein einfaches Spiel und man hat uns oft für verrückt gehalten. Auf der Suche nach Geld kontaktierten wir viele Filmfirmen. Von den meisten kam nicht einmal eine Antwort zurück. Irgendwann hatten wir eine Naturfilmproduktion im Boot und beka men einen Teil von der Akademie finanziert.

Andreas Häckler von diving.DE spielt den Coral Gardener.

Ende 2018 fuhren wir auf eine Tauchmesse, auf der wir jemanden trafen, den ich ein bisschen von einem anderen Projekt kannte: Andreas Häckler von diving.DE, den wir fragten, ob er den Taucher spielen wolle. Er willigte sofort ein, unwissend, dass er soeben den Pakt mit dem „Teufel” gemacht hatte. Nein, so schlimm war es nicht. Glaube ich jedenfalls. Wir haben ihm nur dieses 40 Kilogramm schwere Kostüm angezo gen und ihn auf dem Meeresgrund laufen lassen. Ihm war lediglich wichtig, dass er sich auf die Sicherungstaucher verlassen könne.

Der erste Test wurde in der Bucht von Abu Dabbab gemacht.

Ich filmte immer in der Zeit, in der er die Luft anhielt; eine Konstruktion mit einem Kreislauftauchgerät wäre zu teuer und auf wendig gewesen. Parallel kamen die Teile unseres Helmtaucheranzugs aus der ganzen Welt, und ein guter Freund, Fabian Reber, machte sich daran, die Puzzlestücke zusam menzusetzen. Alles schien gut zu laufen, bis die Naturfilmproduktion einen wirklich enttäuschenden Rückzieher machte. Etwa 60 Prozent des Budgets fiel damit weg. Wir mussten privat einspringen, um die Flü ge und Unterkünfte stemmen zu können. Parallel hatten wir noch bei einem Wett bewerb für einen Förderpreis mitgemacht, doch ob wir das Geld für unser Projekt gewinnen würden, konnten wir erst nach Drehschluss erfahren.

So gingen wir im Februar 2019 auf Reise in unseren All-inclusive-Ägyptenurlaub mit Sommer, Sonne und Sorglosigkeit. Zwar flogen wir nach Ägypten, allerdings nicht unser gesamtes Kos tüm. Das blieb drei Tage am Flughafen, wegen eines Streiks. In der Zeit ohne Kostüm sahen wir uns einige Locations an. Bei diving.DE in Abu Dabbab gibt es viele verschiedene Tauchplätze. Das war perfekt, denn im Film sollte eine große Vielfalt der Unterwasserwelt gezeigt werden: See graswiesen, Unterwasserhöhlen, ein Schiffswrack und natürlich wunderschöne Korallenriffe.

Als das Kostüm endlich ankam, konnten wir es zum ersten Mal unter Wasser ausprobieren. Andreas schlüpfte in den Anzug, ein versteckter Atemregler wurde durch das Kostüm in den Metallrucksack geführt und alle Taucher stiegen

in das Speedboat. Wir machten den ersten Test in der Bucht von Abu Dabbab. Andreas stieg an einem Seil vom Speedboat hinab. Unter Wasser zog Stefan Knispel, der Hauptsicherheitstaucher, Andreas die schweren Schuhe an. Zum Schluss wurde der Helm aufgesetzt. Die Magnete, mit denen wir die Glocke an der Brustplatte ankli cken wollten, waren jedoch zu schwach und der Helm kippte immer wieder nach vornüber. Zurück an Land: Während Andreas noch ein Bleigewicht zur Balance für den Anzug goss, machten wir uns Gedanken über das Problem. Am nächsten Tag testeten wir, ob wir den Helm einfach mit Schrauben festmachen konnten. Sehr schnell stellten wir jedoch fest, dass die Sicherheitstaucher im Ernstfall nicht rechtzeitig genug helfen könnten. Fast stand das Projekt an dieser Stelle ein weiteres Mal auf der Kippe.

David Dincer prüft, ob der Helm gut sitzt.

Die Lösung war dann einfach die doppelte Anzahl von Magneten. Nun ging es endlich los! Alle waren schnell eingespielt: Die Sicherheitstau cher, Stefan Knispel, Leonie Landfeld, Irmgard Lorenz, Mohammed Hassan und Ramy Magdy, kümmerten sich nicht nur um Andreas Sicher heit, sondern auch um die Vielzahl von Requisiten, die wir nutzten: Grammofon, Schallplatten, Metalleimer, Spielkorallen und so weiter …

Im Vorfeld hatten wir die Szenen an Land durchgesprochen und konnten über ein Unterwasserfunkgerät, über Handzeichen und eine Schrifttafel kommunizieren. Die Sicherheitstaucher blieben hinter mir und ich suchte mir zwischen den Abläufen immer wieder neue Positionen. Das Schiffswrack war eine besondere Herausfor derung für uns. Wir mussten mit den Requisiten und dem Anzug zum Schiffswrack tauchen, weil es vor Ort kein Boot gab, das uns dort hätte ab setzen können. Wir sahen aus wie ein verrückter Wanderzirkus mit Tauchscootern und den gan zen Requisiten in Kisten und Hebeballons.

Zu Hause in Deutschland machte ich mich dar an, das Material zu schneiden. Glücklicherweise hatten wir den Förderpreis gewonnen, und CineCore Motion Pictures aus Stuttgart gab uns über den Caligari-Filmpreis die Möglichkeit, aus einem Großteil der Schulden herauszukommen.

Es begann eine lange Zeit der Nachbearbeitung. Die Korallenbleiche wird im Film dramatisiert und wie ein Waldbrand dargestellt. Ich brachte mir viele verschiedene Techniken bei und kann nun endlich auch einen Teaser für das Projekt präsentieren. Gerade sind wir dabei, den Film auf Festivals einzureichen.

Unterstützer des Projekts

diving.DE (Abu Dabbab) Cinecore Motion Pictures GmbH Filmakademie Baden-Württemberg Tauchsport Gläßer (München) Actionsport Tauchreisen Stahl & Stein Schmiede (Meschede) Trockiklinik Lungenautomaten Service Oceanreef Taucher@Net Digital Life 3D Jin Koide von SONY Jens Landfeld von Consiliaris Foliatec.com

Tauchbasis

Die Tauchbasis diving.DE befindet sich im El Malikia Resort. Die Basis bietet an Tauchplätzen die ganze Palette, die man in der Region zwischen Port Ghaleb und Marsa Alam erwarten kann – angefangen vom Hausriff in der geschützten Bucht von Abu Dabbab sowie dem neu gebauten Steg mit einem direktem Zugang zum Tauchplatz „Abu Dabbab Garden“ über Schlauchboot- und Speedboatfahrten zu nahe gelegenen Tauchplätzen oder mit dem Jeep zu etwas weiter entfernten Strandtauchgängen wie Marsa Imbarak, Marsa Egla oder Marsa Murain. 20 Minuten dauert die Fahrt mit dem basiseigenen Transferbus zum Hafen von Marsa Alam, dort liegt das Tauchschiff „Esther“, mit dem es zum ElphinstoneRiff, Dolphin-House und Shab Marsa Alam geht. Die Basis ist mit neuester Scubapro-Ausrüstung ausgestattet. Wenn es zum Elphinstone geht, ist das Seenotrettungssystem ENOS an Bord. Das Hotel bietet vier Sterne und über 700 Betten. Fast alle Zimmer haben Meerblick. Die Tauchbasis liegt auf einer kleinen Anhöhe in direkter Strandnähe. Dieser ist innerhalb von ein paar Schritten zu erreichen. Der nächstgelegene Flughafen ist Marsa Alam, nur etwa 38 Kilometer entfernt. Auch eine Anreise über Hurghada ist möglich, dann dauert der Transfer allerdings rund drei Stunden.

Informationen unter www.diving.de

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