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Freitag, 30.12.2011

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Woche 52

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1. Jahrgang

5.–

Aus der Community:

«Richtig ungesund wird es erst, wenn es der Seele nicht gut tut.» Marianne Känzig zur Wochendebatte «Ist das Festessen Völlerei?», Webcode: @ajzts

Zeitung aus Basel

tageswoche.ch

2011 – was bleibt

Foto: Pascal Mora

TagesWoche Zeitung aus Basel Gerbergasse 30 4001 Basel Tel. 061 561 61 61

Zwölf Monate – zwölf Ereignisse, die Spuren hinterlassen. Ein selektiver Rückblick auf das ausklingende Jahr.


30. Dezember 2011

Editorial

So war das Jahr 2011 von Remo Leupin, Co-Redaktionsleiter

Zum Titelbild Der Fotograf Pascal Mora fotografierte für die TagesWoche auf dem Tahrir-Platz in Kairo: Frauen vor ungewisser Zukunft nach dem arabischen Frühling, dem prägenden Ereignis des Jahres 2011.

Die TagesWoche sieht diesmal anders aus als sonst, liebe Leserinnen und Leser. Statt nach Rubriken haben wir diese Ausgabe nach Monaten gegliedert. Ein paar Gefässe haben wir ganz weggelassen, und auch die Kulturagenda ist ein wenig kürzer geraten. Doch keine Angst, wir bauen nicht ab: Die nächste Ausgabe erscheint wieder im vollen Umfang. Auf den kommenden Seiten lassen wir die letzten zwölf Monate Revue passieren. Für jeden Monat haben wir das aus unserer Sicht wichtigste regionale, nationale oder internationale Ereignis ausgewählt und bearbeitet. Diese Auswahl ist natürlich subjektiv. Und sie deckt sich nicht immer mit dem Leserverhalten im Internet, wie eine Google-Statistik zeigt, die unser Online-Experte David Bauer zusammengestellt hat. So hat zum Beispiel die Redaktion als Thema für die Juli-Rubrik die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utoya gewählt, die am 22. Juli 77 Todesopfer forderten; schweizweit am meisten gegoogelt wurde im Juli aber die britische Sängerin Amy Winehouse, die am Tag nach dem Drama in Norwegen, am 23. 7., starb. Interessant ist auch die Auswertung der Google-

Zugriffe im Oktober. So wurde etwa am 23. 10. nicht die eidgenössische Parlamentswahl am meisten von Schweizer Accounts aus gesucht, sondern der tödliche Unfall des italienischen Motorradrennfahrers Marco Simoncelli am Grand Prix von Malaysia. Wir möchten Sie in dieser Ausgabe aber auch mit fotografischen Höhepunkten überraschen. Renommierte Schweizer Fotografinnen und Fotografen haben uns ihre Lieblingsbilder des Jahres zugeschickt. Sie finden diese fotografische Rückblende ab Seite 18. Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen: Am Jahresende werden selbst die nüchternsten Zeitgenossen zuweilen etwas sentimental, und beinharte Realisten lassen sich ausnahmsweise zu einem Blick ins Jahreshoroskop verführen. In dieser Ausgabe debattieren Ben Moore, Astrophysiker an der Universität Zürich, und die Basler Astrologin Edith Scherrer über den Sinn respektive Unsinn des Sterndeutens (Seite 40). Auch Sie können mitdiskutieren – auf tageswoche.ch/wochendebatte. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und ein schönes 2012! Webcode: @altaa

Remo Leupin

Gesehen von Tom Künzli Tom Künzli ist als Illustrator für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften tätig. Der 37-Jährige wohnt in Bern.

tageswoche.ch Aktuell im Netz Das grüne Dreieck markiert Beiträge aus der WebCommunity und lädt Sie ein, sich einzumischen.

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Mehr als eine Zeitung: Die TagesWoche berichtet täglich aktuell im Web. Das sind unsere OnlineSchwerpunkte der kommenden Tage: Der grosse Sprung: Toni Innauer, österreichische Skisprunglegende, Erfolgstrainer und Sportphilosoph, im grossen Interview über die Vierschanzentournee, die Faszination am Skispringen und was es sonst noch Wichtiges gibt im Leben.

Der schwierige Anfang: Geht das Neujahrsfeuerwerk wieder im Nebel unter? Das fragt man sich in der Region Basel nach dem etwas verunglückten Start ins 2011. Die Antwort – bei uns online und am Rhein real. Die nächsten Höhepunkte: Zumindest in kultureller Hinsicht wird 2012 gut, sehr gut. Die grössten Highlights präsentiert die Kulturredaktion im Listomania-Blog.

Das dicke Ende: Die TagesWoche-Weihnachtsgeschichte hatte mehrere Enden zur Auswahl. Aber einfach nur – wie angeboten – einen positiven oder negativen Ausgang unserer Geschichte zu wünschen, das war Leserin Ruth Irène Graf zu wenig. Sie schrieb die Geschichte selber zu Ende. Wir nehmen ihren überraschenden Schluss gerne entgegen. Sie finden Ruth Irène Grafs Ende mit dem Webcode: @amcxb.

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30. Dezember 2011

Persönlich

Gefordert: Beat Rechsteiner

Glücksbringer Kaminfeger schützten die Menschen früher vor Bränden – und wurden darum zu Glücksbringern. Auch heute noch beglückt Beat Rechsteiner die Menschen mit seiner puren Anwesenheit.

Foto: Cedric Christopher Merkli

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s passiert ihm häufig, dass ihn fremde Frauen anfassen. Ihm sanft auf die Schulter klopfen, die Hand auf seine Brust legen – und lächeln, als wäre es ihnen jetzt sicher, das Glück, das er ihnen bringen soll. In den Tagen um Silvester passiert es noch häufiger. Eine Berührung – und das Glück im neuen Jahr soll einen begleiten. Kaminfeger Beat Rechsteiner (43) weiss nicht, ob er tatsächlich als Glücksbringer taugt. Noch nie hat er ein Brautpaar nach der Hochzeit gefragt: «War es gut für Sie, dass Sie mich umarmt haben, als Sie aus der Kirche getreten sind und ich zufällig da war?» Im Gegensatz zu seinem Grossvater und Vater verteilt er keine Einräppler, um das Glück abzurunden. Meist hat er sowieso keine Hand frei, wenn er im Übergewand unterwegs ist. Dann trägt er Leiter in der einen und Rollrute in der anderen Hand. Steht auf einem Dach – und kaum ist der Kamin gefegt, saugt er bei der Heizzentrale im Keller den Russ weg. Es hat sich viel geändert, seit Beat Rechsteiners Grossvater das Familienunternehmen gegründet hat. Der Grossvater transportierte die Arbeitsutensilien noch auf dem Fahrrad durch die Gegend. Trug einen Zylinder als

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Kopfschutz und stattete so ziemlich jedem Bewohner in der Gegend regelmässige Besuche ab. Heute ist das anders, heute gibt es «Fernwärme». Die Industriellen Werke Basel werben dafür, indem sie versprechen: «Sie gewinnen an Komfort, da Sie weder Brennstofflieferungen noch Kaminfeger für Ihre Heizzentrale bestellen müssen.» Für Beat Rechsteiner und die anderen Kaminfeger, die im Kanton um ihre Kunden buhlen, bedeutet diese Entwicklung: weniger Aufträge. Er lässt sich aber nicht entmutigen. «Ich werde mehr und mehr zum Kundenberater, der auch technisch Auskunft geben muss», sagt er. Umdisponieren müsse er, dann laufe das Geschäft trotzdem. «Heute wollen die Kunden wissen: Warum funktioniert der Brenner nicht?» Möglicherweise muss Beat Rechsteiner solche Fragen auch in der Silvesternacht beantworten. Für Notfälle ist er auch ohne Übergewand zur Stelle. Seine Frau ist überzeugt, dass ihr Gatte auch in Zivil Glück bringt. «Mir jedenfalls», sagt sie – und berührt ihn an der Schulter, so sanft, wie wohl kaum eine fremde Frau auf der Strasse. Martina Rutschmann Webcode: @amaii

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30. Dezember 2011

Inhalt

RÜCKBLICK Januar Einen Hauch von Freiheit verbreiteten die Menschen auf dem Tahrir-Platz, Seite 6

märz Naoto Matsumara ist einer der letzten Bewohner der «Todeszone» von Fukushima, Porträt eines Einsiedlers, Seite 10 April Ein Hinterteil bewegt die ganze Welt: Schlaglicht auf Pippa Middleton, den heimlichen Star der englischen Prinzen-Hochzeit, Seite 13 mai Basel und die Freiräume: Das tragische Ende einer Besetzung und der knappe Ausgang einer Abstimmung, Seite 14

Februar Der «ewige Gysin» – der Baselbieter Strippenzieher durfte zwar nicht mehr in den Nationalrat. Doch er hat bereits neue Pläne, Seite 8

Juni Alte Rocker mit grossen Herzen und langen Haaren: In Basel gastierte das Rockfestival Sonisphere, Seite 17

Die liebsten Bilder unserer Fotografen, Seite 18 Juli Das Utoya-Massaker in Norwegen hinterlässt Spuren. Emma Martinovic, eine Überlebende, erzählt, Seite 24 August Seine Ideen prägen unsere Generation: Nachruf auf Steve Jobs, den Unverstandenen, der eigentlich gar nichts Neues erfand, Seite 27

Dezember Es war eine einmalige Nacht, eine unvergessliche: FC Basel vs. Manchester United, Reprise eines grossen Spiels, Seite 36

DIALOG Stimmen aus der Community

«Warum braucht Basel ausgerechnet im Klybeck nochmals 10 000 EinwohnerInnen?» Claudia Studer zu «Die Stadt wird neu gebaut», Webcode: @agzyc

«Ist bürgerliches Denken und Kommentieren jetzt schon Machtmissbrauch?» Thomas Lüthi zu «Der Protest gegen die BaZ dürfte stärker sein», Webcode: @ajjwl

AGENDA Wochenstopp: Silvester steht vor der Tür und irgendwie muss das Jahresende würdig gefeiert werden. Die einen tun es in privatem Rahmen, andere suchen Silvesterpartys, Seite 41 Lichtspiele: Der coolste Film? Wieso eigentlich gerade cool? Die Einbürgerungsgeschichte eines Wortes, Seite 43 Kultwerk: Was niemand weiss: Das unverwüstliche «Dinner for One» ist eine Schweizer Produktion, Seite 46 Kurt Wyss: Friedensapostel Daetwyler an einem Silvester in New York, Seite 47

september Wie weiter mit dem Euro? Der Kampf um die europäische Einheitswährung stellt auch die Schweiz vor Herausforderungen, Seite 28 Oktober Aufstieg einer Partei, Abstieg eines Mannes: Keine Partei ist so eng mit ihrem «Chefstrategen» verwoben wie die SVP, Seite 30 November Morin und die Medien: Der Basler Stadtpräsident ist mit der Qualität des regionalen Journalismus bedingt zufrieden, Seite 33

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Impressum, Seite 39

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JAN UAR

Bloss ein Hauch von Freiheit In Ägypten geht ein bewegtes Jahr zu Ende. Ernüchterung paart sich mit der Erkenntnis, dass eine alles verändernde Revolution in 18 Tagen zu schön ist, um wahr zu sein – ein kritischer Blick auf den «ägyptischen Frühling». Von Jasmin El Sonbati

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Wonach in der Schweiz gegoogelt wird Neun von zehn Suchanfragen in der Schweiz laufen über Google, täglich wird die Suchmaschine hierzulande mehrere Millionen Mal um Rat gefragt. Da jede Suchanfrage anonymisiert gespeichert wird, eignet sich Google hervorragend als Seismograf für Themen, die die Menschen in der Schweiz beschäftigen. Mit dem Dienst «Google Insights for Search» haben wir rückblickend auf 2011 für jeden Monat ausgewertet, welche Nachrichtenthemen in der Schweiz am meisten gegoogelt wurden. Auf den folgenden Seiten finden Sie zu jedem Monat eine Grafik, welche die vier Top-Themen gemäss Google mit dem Thema vergleicht, das die TagesWoche als das prägende des Monats auserkoren hat. Die Kurven der einzelnen Monate sind jeweils auf den Maximalwert innerhalb des Monats indexiert, Vergleiche zwischen den Monaten sind deshalb nicht möglich. David Bauer

Auch ohne News ein Dauerbrenner: Das iPhone4 bringt die Menschen zum Googeln.

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asel im Januar 2011. Beschaulichkeit zum Jahresanfang, der ich mich zwischenzeitlich entziehe. In Gedanken bin ich in Kairo, meiner Heimat, der Stadt meiner Kindheit und Jugend. Dort ist gerade Revolution. Meine Nächte sind kurz. Skypen mit Freunden und Familie in Kairo, schaue Al Jazira und CNN gleichzeitig; twittere und kommentiere Facebook-Posts. In Ägypten sind Hunderttausende auf Strassen und Plätzen, «Das Volk will das Ende des Systems!» skandierend. 11. Februar: Hosni Mubarak tritt ab. Nach 30 Jahren ist Ägypten ein Scherbenhaufen. Armut, Analphabetismus, Korruption, Arbeitslosigkeit, Unfreiheit, ein zerrissenes Land. Von Tunesien aus hat der revolutionäre Wüstenwind die arabische Welt erfasst. Die Euphorie ist unbeschreiblich, die Hoffnung auf ein Leben in Würde und Freiheit in greifbarer Nähe. Das kennen die arabischen Menschen nur vom Hörensagen. Derweil im Westen Bürgerkriege heraufbeschworen werden und die Angst vor den Islamisten kursiert, räumt die mutige Aktivistenschar, die digitale Netzwerkgeneration, die auf dem Tahrir-Platz ausgeharrt hat und der wir den Fall des Pharaos verdanken, auf und zieht ab. Fast ein Jahr danach ist der Siegestaumel verstummt, anstatt Flower Power, gemeinsamen Gebeten zwischen Christen und Muslimen ist die Gegend rund um den Tahrir-Platz zur Kampfzone mutiert. Ein Jahr danach paart sich Ernüchterung mit der Erkenntnis,

Die deutsche Pornodarstellerin «Sexy Cora» stirbt nach einer missglückten Brust-OP.

dass eine Revolution in 18 Tagen zu schön ist, um wahr zu sein. Die Touristen blieben dieses Jahr aus, dafür gibt es anhaltende Proteste verschiedener Berufsverbände. Trotzdem: Durch Ägypten weht ein Hauch von Freiheit. Überall ist Politik Gesprächsstoff. Die Menschen rücken zusammen, irgendwie, und ich zu Ägypten. Auf jeder Reise beteilige ich mich an Diskussionen über die Zukunft Ägyptens. Ich wähne mich in den Pariser Salons des 18. Jahrhunderts, inmitten der Aufklärer Montesquieu, Diderot, Rousseau mit ihren Disputen über Gewaltentrennung, Toleranz, Religionsfreiheit. Religion und Politik im Duett Die Veranstaltungen finden in alternativen Kulturzentren, in Buchläden in der Stadtmitte statt – und im donnerstäglichen Salon von Alaa al-Aswani, dem streitbaren Autor, der den machthabenden Militärs ebenso kritisch auf die Finger schaut wie früher Mubarak. Man spricht über den säkularen Staat und wie das demokratieabstinente Volk Demokratie erlernen könnte. Ich staune über so viel staatsbürgerliches Bewusstsein, das im ägyptischen Schulsystem mit Propaganda fürs Regime gleichzusetzen war. Freiheit ist eben Recht und Bedürfnis zugleich. Ein Freund stutzt meinen Enthusiasmus zurecht. «Du bist in Kairo, auf dem Land oder in den Slums geht es anders zu.» Natürlich. Ich brauche nicht in un-

Nach wochenlangen Demonstrationen in Tunesien tritt Diktator Ben Ali am 14. Januar ab.

ser Dorf ins Nildelta oder in die ärmeren Quartiere in Kairo zu gehen, um zu erkennen, dass dort die Religiösen das Terrain längst für sich erobert haben. Sogar in Maadi, dem europäisch geprägten Stadtteil im Süden Kairos, wo ich aufgewachsen bin und immer noch lebe, haben die Moslembrüder eine Niederlassung eröffnet. Morgens empfangen die «Schwestern», abends die «Brüder». Obwohl mein Kleidungsstil weder auf Zugehörigkeit noch Sympathie mit der Bruderschaft schliessen lässt, werde ich herzlich empfangen. Eine aufmerksame Damenschar, dem oberen Mittelstand angehörig, lauscht einem bärtigen Herrn. Er erklärt, seine Ausführungen durch Koranverse begleitend, wie man einen Wahlzettel korrekt ausfüllt und natürlich das Häkchen ins «rechte» Feld setzt. Religion und Politik im Duett. Kairos Strassen werden immer unsicherer, von Polizei keine Spur. Organisierte Banden haben es auf Autos, Bargeld, Handys abgesehen. Irgendwo in Kairo müssen sich Berge von Handys türmen. Auch ich bin vorsichtiger geworden, wage mich nach Mitternacht nicht mehr ausser Haus. Obwohl ich mich der Revolutionsskepsis partout verweigere, ist es an der Zeit, meinen verklärten Blick zu revidieren und einzusehen, dass der Weg zu einem demokratischen Ägypten steinig sein wird. Aufgeladener Sommer, Sturm auf die israelische Botschaft, Angriffe auf koptische Kirchen. Bei Letzteren sassen

Die 5. Staffel der deutschen Fernsehshow «Dschungelcamp» beginnt.

In den letzten zwei Januarwochen finden in Melbourne die Australian Open statt.

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30. Dezember 2011

Rückblick

Jasmin El Sonbati Die ägyptisch-schweizerische Doppelbürgerin wurde 1960 in Wien geboren. Kindheit und Jugend verbrachte sie in Kairo. Jasmin El Sonbati ist Gymnasiallehrerin in Basel und Mitbegründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam. Im August 2010 ist ihr Buch «Moscheen ohne Minarett. Eine Muslimin in der Schweiz» erschienen. das sich unter anderem mit der zunehmenden Islamisierung der ägyptischen Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten beschäftigt

Soldaten, «Beschützer» der Revolution und des ägyptischen Volkes, auf ihren Panzern und liessen den Mob bei der Zerstörung der Kirchen gewähren. Gegen Fremdes und Unreines Kairo im Oktober. Freitags wird wieder demonstriert, weil alles beim Alten geblieben ist: Notstandsgesetze, keine Verurteilung von Mubarak. Ägypter sind in der arabischen Welt berühmt für ihren Humor. Eine Frau hat auf einem Plakat Karikaturen gezeichnet. Den Salafisten («salaf» bezeichnet die Gefährtenschaft des Propheten Muhammed) legt sie den Spruch «Alles ausser dem Maillot» (bedeutet im ägyptischen Dialekt «Badeanzug») in den Mund. Der Badeanzug steht für westlichen Einfluss, und diesen gilt es auszumerzen. Was auf den ersten Blick lustig wirkt, ist bedrohlich. Im Gegensatz zu den Muslimbrüdern, die eine Demokratie nach dem Vorbild der Türkei anstreben, wollen die Salafisten Ägypten in einen islamischen Staat mit Scharia-Recht verwandeln. Ihre Botschaft ist so simpel wie diejenige europäischer Rechtsparteien: Sie sind gegen Fremdes, Unreines, Unislamisches.

Die Salafisten streben nach einem Staat mit Scharia-Recht.

Jasmin El Sonbati: «Natürlich brauche ich nicht in unser Dorf ins Nildelta oder in ärmere Quartiere in Kairo zu gehen, um zu erkennen, dass dort längst die Religiösen das Terrain für sich erobert haben.» Foto: Stefan Bohrer

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November 2011: Die ersten freien Wahlen in der Geschichte Ägyptens sind für Ende November 2011 angesagt, in Kairo herrschen Chaos und Gewalt. Verschwörungstheorien machen die Runde. Auf Youtube sehen wir Militärpolizei und Staatssicherheit, die auf Demonstranten schiessen. Im ägyptischen Fernsehen, dessen Art der Berichterstattung immer noch den Herrschenden dient, weisen die Generäle, arrogant und beleidigt, Gewaltsvorwürfe zurück. «Ausländische» Kräfte hätten sich «infiltriert», um den Ruf des Militärs zu besudeln und Ägypten zu ruinieren. Im Büro der Social Democratic Party, einer liberal-säkular ausgerichteten Partei, deren Mitglied ich geworden bin, haben wir für diese Aussagen nur ein müdes Lächeln übrig. Immer sind es die anderen, nie wir selber. Die Abgabe von Verantwortung ist eine ägyptische Krankheit – im staatlichen und im privaten Bereich. In ganz Kairo gewinnt keine Frau ein Parlamentsmandat. In einer traditionellen Gesellschaft wie der ägyptischen ist das Patriarchat in Mark und Bein übergegangen, der Vater, der General, der Mufti haben das Sagen. Auch nach der Revolution. Das letzte Wort den ägyptischen Frauen. In Gedanken marschiere ich mit ihnen und schreie mir die Wut aus dem Leib, gegen den Tritt des Soldaten auf den entblössten Oberkörper einer Demonstrantin. Ein bewegtes Jahr geht bewegt zu Ende. Revolution in 18 Tagen – das ist zu schön, um wahr zu sein. Webcode: @altac

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FE B RUAR

Der ewige Gysin Nach mehreren tragischen Aufritten schien Hans Rudolf Gysin am Ende. Nun ist er wieder da – und wie. Von Michael Rockenbach

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as war das im Februar für ein Theater in der Region Basel. Eigentlich ging es um eine Erhöhung der Baselbieter Beiträge ans Theater Basel, im Grunde prallten aber gegensätzliche Kulturvorstellungen aufeinander; alte und neue Ressentiments brachen auf. Dorftheater gegen anspruchsvolle Inszenierungen, Land gegen Stadt, Oberbaselbiet gegen Unterbaselbiet. Bei der Abstimmung vom 13. Februar setzte sich die rustikale Fraktion durch: Mit 51 Prozent der Stimmen lehnte es das Baselbiet ab, die Theaterbeiträge um vier Millionen Franken pro Jahr zu erhöhen. Heftig waren die Reaktionen danach im Unterbaselbiet, das vom Oberbaselbiet überstimmt worden war, und noch heftiger in Basel-Stadt. Dort fühlte man sich ausgenutzt, weil rund die Hälfte der Theaterbesucher vom Land

Nach wochenlangen Protesten tritt Hosni Mubarak als Staatspräsident Ägyptens zurück.

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kommt, die Stadt aber weiterhin über zehn Mal mehr für den Theaterbetrieb zahlen muss. In der aufgereizten Atmosphäre überboten sich die verschiedenen Lager mit Provokationen und Drohungen,

«Ich bin Opern- und Operettenfan – seit jungen Jahren.» Hans Rudolf Gysin, Machtmensch und Kulturfreund

bis die Debatte ins Absurde abglitt. Das Basler Parlament plante ernsthaft, von auswärtigen Theaterbesuchern künftig höhere Ticketpreise zu verlangen. «Das ist ein Rückfall in längst überwundene Zeiten, in denen von Fremden auch noch Wegzoll verlangt wurde», ärgerte sich der Baselbieter Kulturdirektor Urs

Der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg fliegt als Plagiator auf.

Wüthrich (SP). Andere schienen an der Vorstellung sogar noch Spass zu haben. Einzelne SVP-Politiker schlugen vor, auf den Baselbieter Wanderwegen künftig eine Gebühr von den Basler Ausflüglern zu verlangen. Irgendwann setzte sich dann aber doch die Erkenntnis durch, dass es ziemlich aufwendig wäre, auf dem Land alle Wanderer und in der Stadt sämtliche Theaterbesucher einer Ausweiskontrolle zu unterziehen. So wurden die Revanchegelüste unterdrückt – bis auf Weiteres jedenfalls. Kulturfreund Gysin Ein ganz besonderer Auftritt ging in dem ganzen Theater fast ein bisschen unter: jener von Hans Rudolf Gysin. Bis zur Debatte um die Erhöhung der Beiträge kannte man den Gewerbedirektor und langjährigen Nationalrat

Der Kanton Baselland stimmt knapp gegen neue Subventionen für das Theater Basel.

vor allem als Strippenzieher, als heimlichen König des Baselbiets, der mit seiner Hausmacht, der Wirtschaftskammer, seinen vielen Beziehungen und immer wieder wechselnden Allianzen Gesetze prägen und Regierungsräte machen konnte. Wenn Gysin mit einem Referendum drohte oder seine Wahlkampfmaschinerie für einen bestimmten Politiker in Gang setzte, dann tat sich was im Baselbiet, das wusste man. Nun setzte er sich auch noch als Kulturfreund in Szene. Als «Operettenund Opernfan», wie er selber sagte, der in jungen Jahren regelmässig im Theater war, um vom Balkon, 3. Rang, aus den Arien und Rezitativen zu lauschen. Inzwischen könnte er sich zwar auch etwas bessere Plätze leisten, leider fehle ihm aber die Zeit für regelmässige Besuche, bedauerte Gysin im Abstimmungskampf. Dennoch setze er sich

Die Zwillinge Livia und Alessia werden von ihrem Vater entführt und getötet.

Auch in Libyen formiert sich Widerstand: Oppositionelle rufen zum Sturz von Gaddhafi auf.

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30. Dezember 2011

RĂźckblick

folgsverwÜhnten, plÜtzlich im Stich gelassen, wie in einem Drama, mit Gysin als tragischer Figur. Prompt erlitt er im März eine weitere Niederlage, die ihn wohl noch sehr viel mehr schmerzte. Die Baselbieter Wahlen

Neue Ziele im Fokus: Hans Rudolf Gysin, der Mitte 2012 als Direktor der Wirtschaftskammer abtritt. Foto: Keystone

fßr die SubventionserhÜhung ein, weil die Kultur und das Theater fßr die gesamte Region und den Wirtschaftsstandort wichtig sind. In seiner neuen Rolle als Kulturfreund ßberzeugte Gysin allerdings zu wenig, auch in seiner eigenen Partei, die zum Schrecken der letzten noch verbliebenen Bildungsbßrger im Baselbieter Freisinn Stimmung gegen das Theater machte. Nach dem umstrittenen Positionsbezug der FDP und erst recht nach der Abstimmung stand Gysin plÜtzlich als Verlierer da. Es war, als hätte das Schicksal ihn, den Er-

Dabei schien er im Vorfeld der Regierungsratswahlen vom 27. März alles im Griff zu haben. Gysin zog – wie bei allen Baselbieter Wahlen – die Fäden im Hintergrund. Er schaffte es, die zerstrittenen bßrgerlichen Parteien noch einmal zusammenzubringen, er sammelte in der Wirtschaft Geld fßr sie und liess im ganzen Kanton Plakate mit unserem starken Regierungsteam aufhängen. Vier Jahre zuvor hatten die Bßrgerlichen mit dem gleichen Spruch die Wahlen gewonnen. Nun verfing er aber nicht mehr, dafßr waren die Probleme dieser Regierung, dieses klammen Kantons wohl schon zu offensichtlich. Das Volk wollte einen Wechsel und wählte den Grßnen Isaac Reber ßberraschend anstelle des bisherigen SVP-Baudirektors JÜrg Krähenbßhl in die Regierung. Dem abgewählten SVP-Regierungsrat schossen Tränen in die Augen, als er die Niederlage zur Kenntnis nehmen musste. In einer ähnlichen Gefßhlslage befand sich wohl auch Gysin. Die bßrgerlichen Parteien mßssten dringend wieder besser zusammenarbeiten und geschlossener auftreten, sonst kÜnnte es in der Regierung schon bei der nächsten Vakanz eine linke Mehrheit geben, sagte er nach den Wahlen. Fßr ihn eine Horrorvorstellung. Opfer einer Intrige Fast noch schlimmer war allerdings, was Gysin vor den nationalen Wahlen widerfuhr. Die Parteileitung wollte ihn als Nationalrat eigentlich schon lange loswerden und eine etwas frischere Kraft nach Bern schicken. Das dem mächtigen Mann offen zu sagen, getraute sich allerdings niemand. Lieber bekämpfte man den alten Strippenzieher mit seiner eigenen Waffe – einer Intrige. Wenige Stunden vor dem Nominationsparteitag präsentierte Par-

teipräsident Michael Herrmann zwei Ăœberraschungs-Kandidaten, die dem bislang unbestrittenen Topkandidaten gefährlich werden konnten: den neuen Handelskammer-Direktor Franz Saladin und den Wirtschaftsanwalt und Kurzzeit-Verleger Martin Wagner. Vor allem Wagners Aufritt konnte Gysin nicht geheuer sein. Denn der Tausendsassa hatte beim Meister persĂśnlich gelernt, wie man sich im Leben durchsetzt. Umso gefährlicher musste Gysin der Kompagnon von einst nun als neuer Gegner erscheinen. Gysin zog die Konsequenzen und gab am Parteitag vom 10. Mai seinen Verzicht auf eine

Endlich ist er wieder da, der alte Gysin, den man schon fast vermisst hatte. erneute Kandidatur bekannt. Danach zog er sich weitgehend aus der Ă–ffentlichkeit zurĂźck, seine Zeit schien vorbei, nicht einmal mehr sein eigenes Haus der Wirtschaft schien er noch unter Kontrolle zu haben. Denn nun wurde auch in der Wirtschaftskammer plĂśtzlich Kritik laut. Einzelne Gewerbler wehrten sich gegen das Ăœbergehen von Elisabeth Schneider (CVP) im Ständeratswahlkampf und die einseitige Parteinahme der Wirtschaftskammer fĂźr den SVP-Kandidaten Caspar Baader. Und sie wehrten sich auch gegen die sorgsam eingefädelte Wahl von Gysins ZĂśgling Christoph Buser zu seinem Nachfolger. Wegen des Widerstands musste die Ernennung des neuen Wirtschaftskammern-Direktors verschoben werden. Gysin und Buser nutzten die Zeit bis zum neuen Wahltermin, um mit den Kritikern zu reden und ihnen mehr Transparenz in der kĂźnftigen GeschäftsfĂźhrung zu geloben. Das wirkte. Gysin bekam wieder Oberhand und Buser wurde gewählt. Kurz vor Jahresende kam es fĂźr Gysin sogar noch besser. FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, neuer starker Mann bei der ÂŤBasler ZeitungÂť, und – natĂźrlich auch er – ein alter Bekannter

Gysins, bot ihm einen Sitz im Verwaltungsrat an und Gysin sagte – selbstverständlich – zu. Das Ganze ist eine typische WinWin-Situation: Das neue alte BaZKonstrukt um Christoph Blocher und Tito Tettamanti erhält einen gut vernetzten und präsentablen Verwaltungsrat aus der Region Basel und Gysin einen neuen Job in der Medienbranche, die ihn, den Machtmenschen, schon immer angezogen hat. Der Prattler gehÜrte zu den Grßndungsmitgliedern des Radios Raurach (heute: Radio Basel) und war langjähriger Verwaltungsrat der BaZ-Tochter Birkhäuser + GBC. Nun verspßrt der 71-Jährige seinen mindestens zweiten Frßhling. Es ist wieder eine wahre Freude, wie er zum Beispiel Journalisten zusammenfaltet, die seiner Ansicht nach allzu kritisch ßber das bßrgerliche Baselbiet berichten (mit dieser Geschichte haben Sie sich massiv geschadet!), um ihnen wenig später fast schon väterlich seine Hand auf den Arm zu legen (nichts ist falscher als eine Retourkutschenpolitik. Darum werde zumindest ich Ihnen ganz sicher nichts nachtragen). Endlich ist er wieder da, der alte Gysin, den man schon fast vermisst hatte! In Bern gibt es sogar schon erste Stimmen, die sagen, Gysin zeige sich inzwischen häufiger im Bundeshaus als zu seiner Zeit als Nationalrat, in der er auf den Rankings hÜchstens unter der Rubrik Abwesenheit einen Spitzenplatz erreicht hatte. Nun hat er auch wieder grosse Pläne: Die schon seit Längerem angekßndigte Volksinitiative fßr die Aufwertung der beiden Basel zu Vollkantonen will er in den kommenden Monaten richtig lancieren. Damit präsentiert er ein Gegenmodell zu den kantonalen Initiaitiven der Grßnen, die eine Wiedervereinigung von Baselland und Basel-Stadt verlangen. So werden in der Region Basel nach der Theaterdebatte bald wieder einmal ziemliche grundlegende Fragen ßber die beiden Kantone und ihr gegenseitiges Verhältnis verhandelt. Und diesmal wird Gysin in der ganzen Debatte wieder eine zentrale Rolle spielen. So, wie er es am liebsten hat. Webcode: @amcuo

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MÄRZ

Einsiedler im nuklearen Niemandsland A

uf den Wiesen am Ortseingang liegen Kadaver verendeter Kühe und Hühner, ein übler Geruch durchdringt die Luft. In den Vorgärten der kleinen japanischen Holzhäuschen wuchern wilde Pflanzen, tummelt sich massenhaft Ungeziefer. Aus den geborstenen Strassen schiesst Unkraut. Tomioka in der Präfektur Fukushima gleicht nicht nur einer Geisterstadt. Der Ort, den einst 16 000 Menschen ihre Heimat nannten, ist wirklich gottverlassen, stirbt menschenleer vor sich hin. Das Jahrhundertbeben am 11. März hat den Flecken im Nordosten Japans in einem Masse verwüstet und entstellt, dass er wohl für Generationen unbewohnbar bleibt. Nukleares Niemandsland, nach Beben, Tsunami und dem Desaster im nahe liegenden Atomkraftwerk fluchtartig verlassen aus Angst vor radioaktiver Verseuchung. Alltag in der Todeszone Die Zahl der Einwohner von Tomioka heute: ganze 1. Naoto Matsumara lebt hier völlig allein, ernährt sich von selbst geangeltem Fisch und Konserven, die er sich aus weit entfernten Supermärkten besorgt. Zur Stromversorgung nutzt er Uralt-Generatoren, das Wasser kommt aus einem privaten Brunnen. Sein einziger lebender Kontakt und Begleiter ist der Hund Aki. Der 53-jährige Reisbauer weigert sich ungeachtet der Regierungsorder, das verstrahlte Gebiet zu verlassen. «Wenn ich aufgebe und den Ort verlasse, dann ist endgültig alles vorbei», motiviert sich der letzte Verbliebene von Tomioka. «Es ist meine Verantwor-

Die Aussicht auf das grosse Geld lässt die Suchanfragen nach Euromillions anschwellen.

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Überraschenderweise Steve Jobs persönlich stellt das iPad 2 in San Francisco vor.

tung und mein Recht», fügt er ernsthaft hinzu. Was wie Rebellion, ziviler Ungehorsam oder ohne Sinn und Verstand wirkt, ist pure Verzweiflung und Trotz. Denn eigentlich wollte auch Naoto Matsumara seine Heimatstadt verlas-

Die Umgebung des AKW wird für Generationen unbewohnbar sein. sen. Er fuhr zu einer Verwandten im Glauben, dort für eine Weile bleiben zu können. «Aber meine Cousine hat mich nicht einmal über die Türschwelle treten lassen, weil sie Angst hatte, ich sei kontaminiert.» Danach versuchte er es in einem Evakuierungszentrum, aber dort nahmen sie ihn nicht auf, weil es keinen Platz mehr gab. «Das hat mir gereicht und mich bewogen, wieder nach Hause zu gehen.» Obwohl der Einsiedler auch weiss, dass die radioaktive Strahlung nach der Havarie in Fukushima 168-mal höher war als die der Atombombe von Hiroshima und die Krebsgefahr akut ist, bleibt er eben. Wo soll er auch hingehen? Die Polizei, die den abgeriegelten Ort regelmässig kontrolliert, übersieht den Mann einfach, obwohl jeder in der Verbotszone eigentlich verhaftet und bestraft werden sollte. Würde sie eingreifen, müsste der Staat direkte Verantwortung übernehmen, für Abhilfe sorgen. Also überlässt sie ihn lieber seinem «selbstgewählten» Schicksal.

Am 11. März erschüttert ein schweres Erdbeben Japan und löst einen Tsunami aus.

Nicht so extrem, aber ähnlich gross ist das Dilemma Tausender «Atomflüchtlinge», die ihre Städte und Dörfer rund um das AKW Fukushima nach den Havarien verlassen sollten. Die Regierung hat zwar Verbotszonen erlassen, aber die Menschen mussten meist allein eine andere Bleibe finden. Auf Hilfsbereitschaft und Gemeinsinn hofften in dieser fatalen Lage viele vergeblich. «Man will uns einfach vergessen», klagt Matsumara. «Das ganze Land macht weiter wie bisher, und die anderen wollen nicht an uns denken.» Überall in der Krisenregion finden sich solche Versprengte, setzen sich bewusst den unkalkulierbaren Gefahren und Risiken aus, die ein Leben im Strahlenumkreis mit sich bringt. In der Not ringen einige dieser fatalen Situation eine neue Lebensaufgabe ab. Nobuyoshi Ito aus dem Dorf Iitate in der Fukushima-Präfektur will als «Versuchskaninchen» für radioaktive Strahlung Dienst tun. «Ich trage niemals eine Maske oder einen Schutzanzug», sagt der ehemalige IT-Ingenieur. Dabei wohnt er nur rund 30 Kilometer von der AKW-Ruine entfernt. Leben als «nuklearer Samurai» Der 67-Jährige versteht sich als «nuklearer Samurai», als Frontkämpfer in einem Glaubenskrieg, der Japans Experten in zwei Lager teilt. «Die antiatomare Gruppe sagt, auch kleine Dosen radioaktiver Strahlung sind gefährlich für die menschliche Gesundheit», erklärt Ito. Die andere Partei vertrete den Standpunkt, «selbst erhöhte Strahlenwerte würden weniger krebs-

Gaddhafi geht immer brutaler gegen sein Volk vor, am 19. März greift die Nato in Libyen ein.

Das AKW in Fukushima gerät ausser Kontrolle und weckt Erinnerungen an Tschernobyl.

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Rückblick

30. Dezember 2011

Wenige Menschen harren in der «Todeszone» bei Fukushima aus. Sie haben jede Hoffnung verloren. Von Angela Köhler

«Wenn ich den Ort verlasse, dann ist alles vorbei»: Naoto Matsumara, der letzte Einwohner der Stadt Tomioka, die in der «Todeszone» von Fukushima liegt. Foto: Antonio Pagnetta/Cosmos

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30. Dezember 2011

Rückblick

erregend wirken als Zigaretten oder bestimmte Lebensmittel». Ito steht auf keiner Seite, er will Klarheit. «Ich habe mich entschieden, im Selbstversuch zur Beantwortung dieser Frage beizutragen.» Fast jeden Tag misst er seit März die Strahlenwerte um sein Haus und registriert, dass diese meist über den offiziellen Angaben liegen, die von der nunmehr acht Kilometer ausgelagerten Gemeinde Iitate angegeben werden. Der Hobby-Landwirt baut Reis, Kartoffeln, Auberginen und anderes Gemüse an. Er hegt und pflegt seine Kulturen nicht zum Verzehr, sondern im Dienst der Forschung. Behörden vertuschen Gefahren Man sollte annehmen, Ito sei ein Verrückter. Aber der Strahlenpionier gehört offenbar zur Partei der Optimisten. Er habe sich im August in Tokio gründlich untersuchen lassen und die Ärzte hätten überhaupt nichts Auffälliges gefunden, sagt der Mann stolz. Natürlich weiss er, dass langfristige Schäden erst in 15 oder 20 Jahren spürbar sind. «Dann werden wir sehr viel mehr über die Auswirkungen der Strahlung wissen und dann wird hoffentlich mein persönlicher Einsatz nicht umsonst gewesen sein.» Wie gefährlich ist das Leben im nuklearen Niemandsland? Kimie Furuuchi ist zutiefst verunsichert. Die Frau aus der völlig zerstörten Stadt Minamisoma floh mit ihren drei Töchtern im April in die südlicher gelegene ChibaPräfektur. Jetzt erhielt sie Post von ihrem Bürgermeister. Der Brief begann mit der harmlosen Anrede: «Liebe Evakuierte aus Minamisoma!» Weiter heisst es: «Wir versuchen, eine Umwelt zu schaffen, in der die Flüchtlinge aus Minamisoma so schnell wie möglich wieder zurückkehren können.» Behörden und Strahlenexperten beruhigen Frau Furuuchi immer wieder, ihre Heimat sei sicherer geworden. Aber niemand sagt, sie sei wirklich sicher. Die Stadt Minamisoma befindet sich in der offiziellen Evakuierungszone zwischen 20 und 30 Kilometer Entfernung von den GAU-Meilern. Diese Zone zählte vor der Atomkatastrophe 58 000 Einwohner, jetzt leben trotz der Warnung vor Verstrahlung noch immer 28 000 Menschen dort. Ratlose Politiker Die Verbliebenen sind amtlich aufgefordert, die Gegend zu verlassen oder sich nur im Innern von Gebäuden aufzuhalten, was schon ein ziemlicher Unterschied ist, der kaum für Lebenssicherheit sorgt. Diese kryptische Anordnung soll bis Ende des Jahres aufgehoben werden, vorausgesetzt die betroffenen Ortschaften legen Pläne für eine Dekontaminierung vor. Keiner weiss, wie das gehen soll, niemand stellt Geld oder Leute dafür zur Verfügung. Auch die Politik wirkt ratlos. «Japan hat keine legalen Richtlinien für ein radioaktives Desaster», klagt der Bürgermeister von Fukushi-

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In drei Reaktoren des AKW Fukushima kam es zur Kernschmelze – die Aufräumarbeiten werden Jahrzehnte dauern. Foto: Keystone

ma, Takanori Seto. «Aber die Gemeinden müssen jetzt mit dieser Lage trotzdem klarkommen.» So schrubben Bewohner in Selbsthilfe die Dächer, putzen ihre Bäume und tragen vor allem Erde ab, die mit radioaktiven Substanzen wie Caesium verseucht sein könnte. Dann geht es ein paar Tage besser und plötzlich ist die Strahlung wieder da. Gegen Luft, Wind und Regen gibt es kein Mittel. Auch deshalb möchte die Krankenschwester Furuuchi eigentlich nicht zurück. Aber ihr Krankenhaus hat sie ultimativ zur Rückkehr aufgefordert. Geht sie nicht, verliert sie ihren Job und muss dazu noch eine gewaltige Summe zurückzahlen, die das Hospital für ihre Weiterbildung vorgeschossen hat. Wie soll sie sich in dieser Lage entscheiden? Eine Umfrage der Universität von Fukushima unter ehemaligen Bewohnern einer Sperrzone zeigt, wie beunruhigt die Menschen sind und wie tief das Misstrauen gegenüber der Regierung sitzt. Nur fünf Prozent der Befragten antworteten, dass sie in die alte Heimat zurückgehen werden, sobald die Behörden die Region wieder für sicher erklären. Bleiben oder gehen – und wenn ja, wohin? «Ich möchte eigentlich nicht länger hier leben», sinniert Takako Abe, wenn sie auf die unzähligen Schuttberge und Schrotthaufen von Minamisanriku schaut. «Aber das war mehr als 40 Jahre meine Heimat, ich kenne keine andere.» Von den einst 18 000 Einwohnern sind 1200 ums Leben gekommen. Hunderte haben die Stadt verlassen und Zuflucht bei Verwandten gefunden.

Frau Abe spricht von tiefen Bindungen an diese Stadt, wo Familien oft seit Generationen zusammen leben. Aber wie wird der Ort nach dem Wiederaufbau aussehen? Wie werden die Menschen die Zeit überstehen, bis die Stadt einmal wieder funktioniert? Und was wird, wenn vielleicht ein neues Beben, ein neuer Tsunami den Rest zerstören? Mindestens einmal pro Woche bebt noch immer die Erde. Die Aussichten sind so unklar, dass «jede persönliche Planung unmöglich ist», klagt der Fischer Choya Goto. Der 52-Jährige schätzt sich immerhin noch glücklich, weil seine Familie überlebt hat und er ein intaktes Boot besitzt. Sein Kahn gehört zu den nur 50 von über 1000 Fischkuttern des Ortes, die

Die Regierung hat das Vertrauen der Bevölkerung verspielt. in dem verheerenden Tsunami nicht zerborsten sind. Goto möchte bleiben und wieder arbeiten. Aber der Hafen ist noch zerstört, und wer kauft Fisch, der radioaktiv verseucht sein könnte? «Im Moment kann ich mir keine neue Kleidung und nur wenig Essen leisten.» Nicht alle verlieren den Mut und manchmal wendet sich das Schicksal doch noch zum Besseren. Masato und Manami hatten ihre Hochzeit perfekt geplant, am 14. März wollte sich das Pärchen auf dem Standesamt von Fukushima das Ja-Wort geben. Dann

aber passierten drei Tage zuvor das Jahrhundertbeben, der Tsunami und der Atom-GAU, die Flucht. Die beiden nahmen sich keine Zeit, irgend etwas mitzunehmen, ausser den Sachen am Leib. Der einzige Gegenstand, der aus ihrem bisherigen Leben blieb, war der Verlobungsring, den Manami am Unglückstag trug. Heirat nach monatelanger Odyssee

Nach einer Odyssee durch zehn verschiedene Notunterkünfte im Nordosten versuchte der Bräutigam Masato Ishida, im 800 Kilometer entfernten Osaka einen Job zu finden, vergeblich. Das Paar hatte kaum Geld, dafür zunehmend Stress und Streit. Die beiden zogen weiter in die noch südlichere Saitama-Präfektur, wo der 23-jährige Bräutigam schliesslich Arbeit fand. «Ich hatte ganz plötzlich meinen Job verloren, mein Haus und meine Heimatstadt», blickt Masato Ishida zurück. «Aber trotz all der Belastungen hat unsere Beziehung gehalten und wir wollen gemeinsam ein neues Leben beginnen.» Am 14. Juli heirateten Masato und Manami exakt mit vier Monaten Verspätung – ganz schlicht und ohne Feier. Sie liessen sich einfach von den Behörden amtlich als Ehepaar registrieren. Keine Trauzeugen, keine Verwandten, kein Brautkleid und dennoch nicht unbemerkt. Ein Lokalreporter aus der alten Heimat bekam Wind davon und jubelte: «Die Atomflüchtlinge haben es schliesslich geschafft. Es ist bisher das einzige Happy End in unserem Ort.» Webcode: @altmf

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APR I L

Pipapo um Pippas Po K

den. Camilla in zartem Mint und mit einem Wagenrad als Hut, das geht in Ordnung. Die Tochter von Fergie und Prinz Andrew, Beatrice, mit einem Hut, der sich scheinbar von hinten nach vorne aufgeklappt hatte, zu gewagt. Ihre Schwester Eugenie in einem blauen Ungetüm von Vivienne Westwood, das geht gar nicht. Wann kommt endlich die Braut?

leine Mädchen kann man mit einer Prinzenhochzeit noch entzücken. Auch wenn sie dann enttäuscht sind, dass der Prinz nicht auf dem Schimmel angeritten kommt, sondern schnöde im Auto vorfährt. Aber das Kleid der Braut! Ja, das Kleid! Hach! Am 29. April seufzten auf vielen Sofas dieser Welt viele Mädchen – vor allem in England. Und viele Frauen, denen die Illusion, es gäbe nichts Schöneres als Prinzessin zu sein, noch nicht von der Realität geraubt wurde. An diesem Frühlingstag, der von der königlichen Familie als Hochzeitstag für den Prinzen William und seine Kate erkoren worden war, seufzten aber auch viele Männer. Sie waren verzückt. Nicht ob Prinz Williams schicker Paradeuniform. Oder ob Kate Middletons Designerkleid mit langer Schleppe. Nein, es war die Brautjungfer, die diese Schleppe in die Westminster Abbey trug, welche die Männer träumen liess. Kates Schwester Pippa. Genauer gesagt: Pippas Po.

Pippas Po stiehlt der Braut die Show

Die Brautjungfer wagte es, in einem elfenbeinfarbenen Kleid aufzutreten. Dabei hatte alles in gewohnter Minne begonnen. Monatelang bereitete sich England auf die Traumhochzeit vor. Tassen wurden bedruckt und Taschen und Postkarten und was sich sonst noch zu Geld machen liess. Tage vor dem Event wurde die Hauptstadt quasi abgeriegelt, der «Bank Holiday», der Feiertag, war schon längst verhängt. Dann war er da, der Freitag. Das Wetter wollte nicht so recht, man fragte sich, ob die an die Trauung anschliessende Kutschenfahrt durch London ins Wasser fallen würde. Während sich der eine Teil der Bevölkerung einfach über den freien Tag freute, fieberte der andere vor der Flimmerkiste mit, ob die Braut denn auch tatsächlich Ja sagen würde. Und diese Kleider und Hüte! Die TV-Stationen schalteten schon Stunden vor der Trauung ein – in dem Moment, als sich ein erstes Auto zur Westminsterabtei auf den Weg machte. Dann stiegen sie aus, die geladenen Gäste von Elton John bis David Beckham. Und sammelten sich in der Kirche, wo auch Könige gekrönt werden. Zu Hause auf dem Sofa sassen die Mädchen und Frauen und diskutierten über die Kleider der Eintreffen-

Persönliche Daten von 77 Millionen Playstation-Nutzern werden von Hackern gestohlen.

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Das Paléo Festival in Nyon gibt sein Programm bekannt und eröffnet den Vorverkauf.

Wer ist hier die Hauptperson? Natürlich die Braut. Wenn sie sich auch für einen Moment im Hintergrund befindet. Foto: Keystone

Royal Wedding: Prinz William und Kate Middleton heiraten in der Westminster Abbey in London.

Zuerst jedoch kam der Prinz in einem Bentley angefahren, gefolgt von der gelb gewandeten Queen. Gefühlte Stunden später kam endlich der Brautwagen. Die Brautjungfer in einem schmal geschnittenen, fast weissen Kleid verliess die Kirche, um der Braut aus dem Wagen zu helfen. Kate stieg aus, in einem Kleid, wie es sich für eine baldige Prinzessin gehört. Die Brautjungfer klaubte ihre meterlange Schleppe vom roten Teppich. Der Brautvater nahm die Hand der Braut und sie erklommen die Stufen der Kirche. Das Mädchen zu Hause auf dem Sofa seufzte, die Frau neben ihr sagte: «My God, sie sieht wunderschön aus!» Ja, das tut die Braut doch immer. «Nein, Pippa!», korrigierte die Frau. Wer, bitte? Pippa. Bis zu jenem Moment, als sie der Kamera den Hintern – pardon, den Rücken kehrte, kannte sie kaum jemand. Vielleicht noch die regelmässige Leserin der britischen Postillen. Und dann das. Pippa glänzte an diesem Tag fast mehr als ihre Schwester. Sie wagte es, in einem elfenbeinfarbenen Seidenkleid aufzutreten, was einem Affront bedrohlich nahekommt. Hat doch bei der Hochzeit nur die Braut Weiss zu tragen. Und dann noch dieser Po! Jede Frau der Welt wollte so einen knackigen Hintern haben. Die Männer sowieso. Mitte Mai redete kein Mensch mehr von der Traumhochzeit. Aber alle Welt redete von Pippas Po. Sogar eine Website erhielten die zwei Backen: pippasass.com. Die wird auch heute noch upgedatet. Und Pippa ist in den Promi-Magazinen dieser Welt mindestens so präsent wie Kate. Wenn nicht präsenter. Kate schien es nicht zu stören, dass der Po ihrer Schwester ihr die Show stahl. Jedenfalls hörte man nichts von fliegenden Hochzeitskuchenstücken. Was vielleicht aber auch daran lag, dass es am Hochzeitsfest auf Wunsch des Prinzen Schinkensandwiches gab – zum Schrecken seiner Grossmutter, der Queen. Wer für dieses unstandesgemässe Essen gesorgt hatte? Pippa, die Partymanagerin! Karen N. Gerig Webcode: @alrpv

Der kanadische Teeniestar Justin Bieber tritt am 8. April im Hallenstadion Zürich auf.

Die Erzrivalen Real Madrid und der FC Barcelona treffen sich Ende April dreimal zu El Clasico.

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MAI

Basler Frühling im Zeichen der Freiräume Während die Menschen im arabischen Raum auf die Strasse gingen, fand auch hier eine kleine Revolution statt. Von Martina Rutschmann, Yen Duong

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ausbesetzer und Schrebergärtner sind das wohl Gegensätzlichste, was man sich vorstellen kann. Die einen rebellieren um der Rebellion willen und um anders zu sein, die anderen verkriechen sich in ihrem Kosmos grenzenloser Spiessigkeit und lehnen die Rebellen genauso ab, wie diese umgekehrt Schrebergärtner verachten. Alles Blödsinn, oder sagen wir: vieles. Im Grunde haben Hausbesetzer und Schrebergärtner viel mehr gemeinsam, als ihnen – und auch vielen anderen – lieb sein mag. Das Bedürfnis nach Freiräumen nämlich. Und die Fähigkeit, hart dafür kämpfen zu können, wenn die Gefahr droht, dass diese Freiräume Neubauten oder etwas anderem weichen müssen, das mit Freiraum nichts mehr zu tun hat. Kampf um Erhalt von Gärten 15. Mai 2011. Die Basler stimmen über die Familiengarten-Inititative und den Gegenvorschlag dazu ab. Etliche Gärtner in Basel und der nahen Umgebung fürchten sich vor Baggern, die ihre Blumen und Kopfsalate plattwalzen, um Raum für «Wohnungen und Parks» zu schaffen. Es ist ein hochemotionaler Abstimmungskampf. Die Radikalen unter den Gärtnern wollen mit der Initiative erreichen, dass alle Gärten in der Stadt am jetzigen

In Deutschland infizieren sich mehrere Tausend Menschen mit dem Darmvirus Ehec.

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Standort geschützt werden. Der Gegenvorschlag will einen Grossteil der Gärten erhalten – auch im Baselbiet und im Elsass – und gleichzeitig Wohnraum schaffen. Die Initiative unter Federführung von SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser wird mit 64 Prozent NeinStimmen abgelehnt, der von SPRegierungsrat Hans-Peter Wessels unterstützte Gegenvorschlag mit 55 Prozent Ja-Stimmen angenommen. In der Zwischenzeit hat das Bau- und Verkehrsdepartement beschlossen, über vierzig Hektaren Freizeitgarten-Areale im Zonenplan durch Nutzungsvorschriften zu sichern. Damit ist die Anforderung erfüllt, mindestens achtzig Prozent der Freizeitgarten-Areale in der Stadt zu erhalten. Ebenso kontrovers diskutiert wurde das Thema Zwischennutzungen, ausgelöst durch die Besetzung des alten Kinderspitals am Kleinbasler Schaffhauserrheinweg mit einem Schwerverletzten und Sachbeschädigungen. Dort werden in den nächsten Jahren siebzig bis achtzig gehobenere Wohnungen gebaut. Nachdem der Kanton keine Bereitschaft für eine Zwischennutzung signalisierte, obwohl das Gebäude monatelang leer stand, nahmen an einem Nachmittag rund 200 Aktivisten das Kinderspital-Areal in Beschlag. Webcode: @amdaf

Die Schweiz ist dank Anna Rossinelli wieder im Finale des Eurovision Song Contests dabei.

Tausende Menschen strömten auf das Areal des alten Kinderspitals am Kleinbasler Schaffhauserrheinweg. Die Besetzung lief aus dem Ruder.

Das tragische Ende einer illegalen Party In der Nacht auf den 1. Mai feierten bis zu 3000 Personen auf dem Areal des alten Kinderspitals. Ein Organisator erzählt, wie er die Besetzung erlebte. Von Yen Duong

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rgendwann geriet die Situation ausser Kontrolle. Dabei hatte die Besetzung des alten Kinderspitals am Schaffhauserrheinweg so friedlich begonnen. Vielversprechend irgendwie auch. Mit der Aktion wollte das Netzwerk «DeRIVAt», das sich für diesen Anlass gebildet hatte, sich für «Kunst

Ein Spezialkommando der USArmee tötet Al-Qaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan.

und Kultur im Zwischenraum» einsetzen, das Kinderspital-Areal für die Stadt öffnen und eine Diskussion über Stadtentwicklung lancieren. Doch es kam alles anders. Ganz anders. Die Besetzung war gut organisiert, gut durchdacht. Zwei Wochen lang bereitete man sich auf diesen grossen Tag

Die Besetzung des alten Kinderspitals löst in Basel Diskussionen um Freiraumnutzung aus.

Dominique Strauss-Kahn (DSK) wird in New York verhaftet und tritt als Chef des IWF zurück.

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RĂźckblick

Der Verunfallte ist querschnittgelähmt Ăœber den Zustand des 18-Jährigen, der vom Balkon stĂźrzte und sich dabei schwer verletzte, kursierten unmittelbar nach der Besetzung viele GerĂźchte in der Stadt. Hartnäckig hielt sich das GerĂźcht, wonach der junge Mann tot sei. Die Basler Staatsanwaltschaft weiss nicht, wie es dem Verunfallten geht. Laut Sprecher Peter Gill wurde das Verfahren eingestellt. Man gehe davon aus, dass er ohne Fremdeinwirkung von der Terrasse gefallen sei. Wie verschiedene Personen aus der Kinderspital-Besetzerszene der TagesWoche sagten, sei der junge Mann nun querschnittgelähmt und befinde sich in der Rehaklinik.

vor. Wer genau die Idee hatte, weiss Christian nicht. Er war einer von vielen Organisatoren und mÜchte nur mit dem Vornamen erwähnt werden. Die geplante Besetzung wurde sehr breit gestreut. Viele konnten nicht nachvollziehen, weshalb der Kanton das riesige Gebäude nicht fßr Zwischennutzungen zur Verfßgung stellt, sagt der junge Kßnstler. Zwei Treffen fanden vor der Aktion statt, das erste mit rund 30 Personen in einer Wohnung, das zweite mit etwa 60 Personen in einem CafÊ. In Arbeitsgruppen wurde fast alles bis ins letzte Detail geplant.

die Nachbarn ßber die Zwischennutzung zu informieren, sagt Christian. Wir haben das ganze Kinderspital umgestaltet. Wir wollten die Sicherheit in diesem grossen Haus so gut wie mÜglich gewährleisten. Einige Räume wurden komplett zugemacht – so auch das Zimmer mit Medizingeräten, die das Kinderspital in Schwellenländer schicken wollte. Langsam begann sich

Bis 22 Uhr war alles in Ordnung

Niemand schien die Party des Jahres verpassen zu wollen.

Es war Samstagnachmittag, der 30. April 2011, als sich rund 200 Personen im Solitude-Park trafen und sich gemeinsam auf den Weg zum Areal machten. Als wir beim Kinderspital ankamen, waren bereits Polizisten vor Ort, erzählt Christian. Doch davon wollten sich die Aktivisten nicht einschßchtern lassen. Kurz nach 14 Uhr rissen sie eine Plastiksperrung nieder und stßrmten aufs Areal. Die Besetzung konnte beginnen. Wir haben alles verbarrikadiert, weil immer mehr Polizisten eintrafen. Erst als den Besetzern ein Bleiberecht bis Sonntag gewährt wurde, lÜste man die Barrikaden. Dann habe man begonnen, die Leute zu mobilisieren und

das Areal zu fßllen. Und irgendwann wurde der Strom abgestellt. Aber auch darauf waren die Aktivisten vorbereitet. Die Stimmung war grossartig. Bis 22 Uhr war alles gut. Dann wurde es mßhsam und unßbersichtlich. Immer mehr Leute strÜmten aufs Areal – sie alle schienen die Party des Jahres auf keinen Fall verpassen zu wollen. Man sei ßberrannt worden, sagt Christian. Die Besetzung lief aus dem Ruder. Es wurden Fenster eingeschlagen, es wurde herumgesprayt. Der Raum mit den Medizingeräten musste immer wieder neu verbarrikadiert werden, da die Partygäste die Absperrungen wegrissen. Etwa um Mitternacht hiess es plÜtzlich, dass die Musik abgestellt

werden mßsse. Es habe einen Unfall gegeben. Als ich raus ging, sah ich tatsächlich einen Mann bewusstlos am Boden liegen. Ein 18-Jähriger stßrzte von der Terrasse des zweiten Stocks und zog sich schwerste Verletzungen zu. Gleichzeitig wurden im Innenhof des Spitals Mulden in Brand gesetzt. Fßr uns war klar, dass wir das Ganze beenden und alle wegschicken mßssen. Wir konnten die Situation nicht mehr kontrollieren. Mit einem Megafon wurde den 3000 Leuten das Ende der illegalen Party bekannt gegeben. So schnell, wie sich das Areal fßllte, so schnell leerte es sich auch wieder. Christian ist sehr betroffen, dass es an einem Anlass, den er mitorganisiert hatte, einen Schwerverletzten gab. Er bereut es aber nicht, involviert gewesen zu sein. Ich wßrde es nochmals machen. Es wäre alles gut gegangen, nur leider fehlte die Selbstbeherrschung einiger Leute. Fßr ihn ist klar, dass bei kßnftigen Besetzungen nicht mehr so viele Leute mobilisiert werden dßrfen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden von 150 000 Franken aus. Dem widerspricht Christian: Es stellte sich heraus, dass die Medizingeräte doch noch brauchbar waren. Man musste den Schaden auf 20 000 Franken herunterkorrigieren. Und wie sich dieser Betrag zusammensetzt, konnte mir noch niemand erklären. Das ist reine Propaganda. Webcode: @amdag



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Rückblick

Heimat für die Ewigkeit – auch nach 20 Jahren Pause Hansruedi und Doris Suter sind untypische Gärtner – aber treue. Wie 22 400 andere Basler stimmten sie für den Erhalt der Familiengärten. Von Martina Rutschmann keine haben. Ein Garten war ein Stück Heimat für die Ewigkeit. Mai 2011. Die Basler stimmen über die Familiengarten-Inititative und den Gegenvorschlag dazu ab. Hansruedi Suter verfolgt die Debatte in den Medien. Er will den Gegnern der Initiative nicht so recht abnehmen, dass sie Wohnraum für Menschen mit niedrigem Einkommen schaffen wollen und stimmt Ja für den Gegenvorschlag und damit für den Erhalt der meisten Gärten. «Für viele Familien wäre es schlimm, würde man ihnen den Garten wegnehmen. Sie haben einen grossen Teil ihres Lebens dort verbracht.» Ganz im Gegensatz zu seiner Frau und ihm.

Die Kinder waren gross, die Wohnung blieb klein. Zeit für ein Stück Freiheit.

Früher waren reine Rasenflächen in Familiengärten verboten. Heute dürfen Hansruedi Fotos: Cedric Christopher Merkli und Doris Suter hier ganz legal Sonnenblumen anpflanzen.

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-p-i-n-a-t. In gut sichtbaren Buchstaben hatte er die Samenkörner ausgelegt. Und so wuchs er dann auch, der Spinat. Jeder konnte lesen, um welches Gemüse es sich in diesem Beet handelte. Vierzig Jahre ist das nun her. Spinat pflanzen Hansruedi (77) und Doris Suter (76) inzwischen keinen mehr an. Im Garten aber, da sind sie immer noch gern. Oder besser: wieder. Das Paar ist der Beweis, dass «Schrebergärtner» entgegen dem Klischee keine Spiesser sein müssen. Und dass ein Garten ohne Schweizerfahne auskommen kann. Und und und. Aber alles der Reihe nach. Es begann 1972. Stadtentwicklung als Fremdwort Auf dem Feld neben dem Familiengarten-Areal Bruderholz in Binningen an der Grenze zu Basel standen Dutzende Kirschbäume. Die vier Kinder von Do-

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ris und Hansruedi Suter waren keine Babys mehr, zum Teil schon Teenager. Die Wohnung aber, die blieb klein. Es war Zeit für ein Stück Freiheit. Die Familie übernahm einen Schrebergarten und die Verantwortung für das Beizli und den Verkauf von Dünger, Bast und anderem Gartenbedarf auf dem Areal. Das Wort Stadtentwicklung gab es noch nicht. Vielleicht sprachen Architekten im stillen Kämmerlein davon. Schrebergärtner aber hatten mit Stadtentwicklung nichts am Hut. Warum auch? Verdichtetes Wohnen war kein Thema. Als Hochhaus galt ein Gebäude, das die Nachbarshäuser überragte. Pächter von Familiengärten mussten nicht um ihr Stück Freiheit bangen. Sie mussten es richtig bewirtschaften, mit genügend Gemüse und ohne Rasen; sie hatten sich an die Regeln des Vereins zu halten. Angst, dass ihr Garten Neubauten weichen muss, mussten sie aber

1986 wandern Doris und Hansruedi Suter nach Italien aus. Von ihrer Wohnung aus sehen sie Olivenbäume und Felder. Aus Altersgründen kommen sie 2004 zurück in die Schweiz. Hier ist die Wohnung wieder klein. Und die Natur fern. Doris Suter verbringt viel Zeit bei einer Freundin im Familiengarten. Sehnsüchtig schaut sie zu ihrem ehemaligen Garten gegenüber. «Ich wollte wieder einen pachten, aber nicht irgendeinen – sondern wieder diesen.» Diagonal angeordnete Blumen Als ob das so einfach wäre. Neulich starb der älteste Gärtner auf dem Areal. Er pflegte sein Gärtchen seit 1959. Die meisten Familiengärtner geben ihr Pachtland nur ab, wenn es gute Gründe gibt. Als das Ehepaar Suter im Süden lebte, bewirtschaftete ein Maurer ihren ehemaligen Garten. Er baute einen Brunnen, eine Aussenküche, vollendete das Holzhaus, das Doris und Hansruedi Suter einst selber gebaut hatten. Da sass sie also und bewunderte das Stück Land, das sie einmal pflegte. Beobachtete, wie ehemalige Gemüsegärtner Blumen pflanzen, weil Gemüse im Laden heute günstiger ist als im Eigenanbau. Und wie die Gärtner Dünger anschleppen. Sah zu, wie Migrantenfamilien einziehen und ebenfalls Schweizerfahnen hissen. Wie Fertighäuser angeliefert werden und ihr ehemaliges

Für viele Gärtner stimmt das: «Wer einen Garten hat, hat alles, was er braucht.»

Haus herausragt. Und wünschte sich ihren Garten zurück. Dann passierte das kleine Wunder: Der Pächter gab den Garten ab. Das Ehepaar Suter bewarb sich und bekam zurück, was es zwanzig Jahre zuvor verlassen hatte. Wo früher Kirschbäume blühten, weiden Kühe auf einem baumlosen Feld. Es fliegen mehr Flugzeuge über das Areal. Sonst ist vieles, wie es war. Im Winter gehen Suters kaum in den Garten, im Sommer umso mehr. Sie feiern ihre Geburtstage hier, die ihrer Kinder und Enkel. Für das Clubbeizli sind andere Pächter verantwortlich. Doris und Hansruedi haben die Zeiten hinter sich, in denen sie sackweise Würste für Salat in den Garten trugen. Im Sommer fällt ihr Platz wieder aus der Reihe. Die Sonnenblumen sind diagonal angeordnet. Für den entsprechenden Schriftzug hätte das Rasenstück aber kaum gereicht. Webcode: @amdah

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JUNI

Der Festival-Flop zu St. Jakob Basel war nach langer Zeit wieder Schauplatz eines grossen Rock-Festivals – und die Veranstalter danach konkurs. Von Marc Krebs

Alice Cooper zündete am Sonisphere ein Schockrock-Spektakel. Aus Sicht einiger Besucher waren auch andere Aspekte des Festivals ein kleiner Horror. Foto: Dominik Plüss

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an hätte sich so gerne ein Heavy-Metal-Happening mit Happy End gewünscht. Ein Musikfest, das Basel wieder unübersehbar auf die Open-Air-Landkarte der Schweiz gesetzt hätte. So wie in den 80er- und 90er-Jahren, als die grössten Popstars auf ihren Welttourneen im Joggeli Halt machten: U2, AC/DC, Michael Jackson oder Pink Floyd. Die grösste Konzertagentur der Schweiz, Good News, hatte diese jeweils nach Basel gebracht. Bis, ja, bis diese 2004 nach dem Konzert des altehrwürdigen Duos Simon & Garfunkel eine Rechnung für das Polizeiaufgebot erhielt, die vermuten liess, dass BaselStadt von einem Hochrisiko-Konzert, einem Aufmarsch von Folkmusic-Hooligans ausgegangen war: 56 000 Franken. Ein zweiter Anlauf Good News erachtete dies als unverhältnismässig, ging bis vor Bundesgericht, verlor den Fall – und kehrte dem St.-Jakob-Park fortan den Rücken. Auf einmal musste man für ein FreiluftKonzert von U2 nach Zürich und für eines von AC/DC nach Bern pilgern. So wurde es in den Sommermonaten ruhig im Grenzbereich zwischen Basel, Muttenz und Münchenstein. Die Mauern des Fussballstadions wurden fast ausschliesslich von den Schlacht-

Die beliebte Website kino.to wird vom Netz genommen und mehrere der Betreiber werden verhaftet.

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rufen der Fussball-Fans erschüttert. Dass es, abgesehen vom charmanten Kulturfloss, still geworden war um die einst stolze Open-Air-Stadt Basel, entging auch den Behörden nicht. Weshalb sie die Konzertagentur Free & Virgin mit offenen Armen empfingen, als diese einen neuen Standort für das Sonisphere Festival suchte. Dieses fand 2010 erstmals in der Schweiz statt, im sanktgallischen Jonschwil, wo es eine grosse Schlammspur hinterlassen hatte. Das Gelände: ein Sumpf. Der Goodwill bei der Gemeinde: verspielt. Immerhin war der Publikumsaufmarsch zufriedenstellend gewesen, die Headliner Metallica hatten rund 50 000 Besucher angelockt. Das erhoff-

Das Sonisphere Festival blieb hinter den Erwartungen zurück. te man sich auch von der zweiten Ausgabe, bei der die Äxte nun auf zwei Basler Bühnen geschwungen werden sollten: im Fussballstadion und in der St. Jakobshalle. Alte Grössen wie Iron Maiden oder Alice Cooper standen gross auf der Affiche, aber auch Vertreter des Nu-Metal, wie zum Beispiel Slipknot.

Das Schweizer Model Angela Martini sorgt mit einem «Untenohne-Fauxpas» für Aufsehen.

Stolz präsentierten Free & Virgin, das Standortmarketing und die Betreiber der Sportanlagen ihr gemeinsames Vorhaben und stellten in Aussicht, dass man dieses Festival jährlich nach Basel bringen wolle. Doch der Vorverkauf lief harzig. In Fan-Foren war zu lesen, dass der Preis für das Programm mit 160 Franken hoch angesetzt sei. Im Frühjahr 2011 schraubte Free & Virgin die Erwartungen herunter: Statt im St.-Jakob-Park sollten die grössten Bands nun im Leichtathletik-Stadion auftreten. Wer ein Sitzplatzticket erworben hatte, würde mit Getränkebons für die Umstellung entschädigt. Der Eröffnungsabend, zu dem rund 9000 Besucher angereist waren, offenbarte organisatorische Mängel: Der Campingplatz war rasch überfüllt, zahlreiche Metal-Fans richteten sich auf eine Übernachtung in den Rabatten ein. Die Schlange vor dem Eingang zur Halle war lang, die Verpflegungsstände geschlossen, die Sicherheitsvorkehrungen wiesen Lücken auf. «Satte Sets, dürftiges Drumherum», titelte die «Basler Zeitung» tags darauf. Ein schaler Nachgeschmack Am Freitag meldeten sich lärmempfindliche Anwohner, am Ende blieben Organisation und Publikumsaufmarsch hinter den Erwartungen zu-

Das Metal-Festival Sonisphere im St.-Jakob-Stadion wird zum grossen Flop.

rück. War Free & Virgin ursprünglich mal von einer Kapazität von 45 000 Besuchern ausgegangen, so zählte man nur 21 000 Eintritte. Der Flop hatte weitreichende Konsequenzen: Viele Rechnungen blieben unbezahlt. Im Herbst meldete Free & Virgin, eine GmbH mit Sitz in Zürich, Konkurs an. Für einen schalen Nachgeschmack sorgte die Tatsache, dass die beiden Gesellschafter fast gleichzeitig eine neue Konzertagentur gründeten. Von einem Reinfall mag das offizielle Basel nicht sprechen, auch wenn Michel Loris-Melikoff, Geschäftsführer der St. Jakobshalle, Verbesserungspotenzial ortet. «Es ist nun mal viel einfacher, auf einer Wiese ein Festivalgelände zu errichten als in der Agglomeration einer Stadt, in einem Leichtathletikstadion und einer Eventhalle», sagt er. Ob 2012 wieder ein Sonisphere Festival in der Schweiz stattfinden wird, ist fraglich. Gerüchten zufolge soll sich die Agentur Good News für die Lizenz interessieren und Standorte in der Westschweiz prüfen. Ein zweites Festival, das 2011 erstmals in Basel stattfand, hält der Stadt die Treue: Mit «Summer Stage» brachte die lokale Agentur Act Entertainment im August Sinéad O’Connor und die Söhne Mannheims auf die Kunsti Margarethen. Es soll 2012 erneut stattfinden. Allerdings an einem neuen Standort. Webcode: @amcwe

Ende Juni findet das Tennisturnier in Wimbledon statt. Roger Federer scheitert im Viertelfinal.

Am 15. Juni kommt es zu einer totalen Mondfinsternis, der längsten seit zehn Jahren.

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Bildstoff: Bilder erzählen keine Geschichten. Sie lösen sie nur im Kopf des Betrachters aus. Die TagesWoche hat zum Jahreswechsel ihre Fotografen gebeten, die bemerkenswertesten – nicht unbedingt besten – Fotografien des Jahres vorzustellen. Webcode: @aemmi

Pascal Mora: Kabul, 23. September 2011. Ein Mann ruht sich nach der Beerdigung des ehemaligen Präsidenten Burhanuddin Rabbani auf dem Wazir-Akbar-Khan-Hügel aus. Rabbani war von einem Selbstmordattentäter getötet worden.

Nadja Frey: Keine gute Aussicht für den einsamen chinesischen Take-Away-Verkäufer in Irishtown in Dublin, der sich angesichts des schleichenden Geschäftsgangs am 13. Februar 2011 seiner Lektüre widmet.

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Basile Bornand: Beim sogenannten Location-Scouting entdeckte der Fotograf die Picknicker direkt unter der brummenden Hochspannungsleitung. Der Hund der Sommerfrischler schlug ihn in die Flucht, bevor er mit den Leuten reden konnte.

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Cedric Merkli: «Bambi», ein persönliches Geschenk, überblickt das Atelier des Fotografen und ist ihm Motivation und Inspiration zugleich. Inzwischen hat das Porzellan-Rehkitz auch Eingang ins eine oder andere Shooting gefunden.

Stefan Bohrer: Dieselbe Lockerheit wie auf dem Platz versprühte FCB-Jungtalent Xherdan Shaqiri beim Fotoshooting mit dem TagesWoche-Fotografen, der sein schelmisches Lächeln einfangen wollte.

Nils Fisch: Ein Mann tanzt allein in einem Park in Guangzhou, China. Vor allem ältere Menschen jenseits des Pensionsalters von 55 sind tagsüber in den Parks anzutreffen.

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Fabian Biasio: Liquidator Vilia Prokopov mit seiner Frau Anna in Slawutitsch, Ukraine. Propokov wurde bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl schwer verstrahlt.

Michael W端rtenberg: Fischer am Tschad-See bringen am 7. Februar 2011 ihren Fang ans Land.

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Mara Truog: Acht Freunde, acht verschiedene Vorspeisen, Hauptgänge und Desserts, viel Alkohol, aber kein Sex: Inspiriert vom Klassiker «La Grande Bouffe» inszenierten Truog und Grafikerin Sabina Albanese im November 2011 ein grosses Fressen. Die dabei entstandenen Collagen sind Zeugnis wohlkalkulierter Dekadenz und sind – als Postkarten-Serie – auch bestens dazu geeignet, die eigenen Freunde zum ausgedehnten Völlern einzuladen.

Claude Giger: Spalentorwegfest, Zmorge, Plastik-Kuh.

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Hans-Jörg Walter: Mein liebstes Bild aus dem Jahr 2011 – es muss nichts umsetzen, kommunizieren, abbilden oder abstrahieren – just smile!

Moritz Hager: Jamie (l.) und Carlos aus Los Angeles am 13. Juli 2011 im Whirlpool auf dem Kreuzfahrtschiff Nieuw Amsterdam während einer Gay Cruise im Mittelmeer von Rom nach Livorno, Marseille, Barcelona.

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J U LI

Als die norwegische Polizei am 22. Juli auf Utoya eintrifft, sind bereits 68 Menschen tot. Ein Boot birgt am nächsten Tag die Opfer und bringt sie ans Ufer.

Vom 2. bis 24. Juli findet die 98. Tour de France statt. Es gewinnt Cadel Evans aus Australien.

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23. Juli: Die britische Sängerin Amy Winehouse stribt 27-jährig an einer Alkoholvergiftung.

Der Norweger Anders Breivik tötet am 22. Juli mit Anschlägen in Oslo und Utoya 77 Menschen.

Prinz Albert von Monaco heiratet Anfang Juli die Schwimmerin Charlène Wittstock.

Foto: Stefan Bohrer

Das Ende Juni lancierte soziale Netzwerk Google+ ist vor allem in Onlinemedien ein Thema.

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Rückblick

Gefangen auf der Insel Emma Martinovic hat das Massaker auf Utoya überlebt. Sie konnte fliehen und hat es doch nie weggeschafft. Von Renato Beck

E

mma Martinovic hat Angst vor Silvester. Sie fürchtet den Neujahrsabend, wenn Schlussstriche gezogen werden und gute Vorsätze gefasst. Vergangenheit und Zukunft haben sich bei ihr untrennbar ineinander verhängt. Ein schweres Bündel, das an ihr zieht. Wie nasse Kleider am Körper beim Schwimmen. Neujahr will sie also so begehen: «Ich will mich bei meiner Familie verkriechen und den ganzen Tag verschlafen.» Mit Tabletten, ohne findet sie keine Ruhe. Ohne kommt «der Bastard», wie sie ihn nennt, sobald sie die Augen schliesst. Sie hört ihn rufen: «Ihr werdet hier nicht wegkommen!» Der Bastard steht auf dem Felsen, er trägt eine Polizeiuniform, hat blonde Haare, eine weisse Haut. Sie sieht die Polizeimütze, sie sieht seine Waffe. Er scheint in ihre Richtung zu schauen und zu sehen, wie sie davonschwimmt. Er legt an. «Poof, einer vor mir wird erschossen, ich sehe das Blut heraustreten, ich schwimme schneller. Ich lege mich auf den Rücken und sehe, wie er auf die schiesst, die sich im Wasser verstecken. Ich sehe die Panik, ich will an Land zurück und alle ins Wasser stossen. Ich schreie ‹schwimmt oder rennt!›, aber der Lärm ist zu gross. Ein Helikopter über uns und der Bastard, der schiesst.» Therapie Blogschreiben Die Geschichte ihrer Flucht von der Insel Utoya lässt Emma Martinovic nicht mehr los. Sie versucht, sie wegzuschreiben, in einem Blog, den sie bereits am zweiten Tag nach dem Massaker angefangen hat. Insgesamt 15 Überlebende von Utoya haben solche Blogs eingerichtet. Die meisten meiden das Persönliche, schreiben über Politik, über die sozialdemokratische also, die Anders Behring Breivik am 22. Juli erledigen wollte zur Verwirklichung

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seiner rechtsradikalen Fantasien, als er erst im Regierungsviertel von Oslo eine Autobombe zündete und danach nach Utoya übersetzte und gesamthaft 77 Menschen tötete. Emma Martinovic schreibt vor allem über sich und die Wunden, die Breivik in ihre Seele geschlagen hat. Vom Jugoslawienkrieg geflohen Martinovic ist gerade 19 Jahre alt geworden, sie lebt in Kristiansand, einer Stadt in Südnorwegen mit 80 000 Einwohnern. Auf einer kleinen Polizeiwache im Dorf Sogne lässt sie sich zur Polizistin ausbilden. Mit 12 ist sie der

Sie schreibt über die Wunden, die Breivik in ihre Seele geschlagen hat. Jugendorganisation der regierenden Arbeiterpartei beigetreten, dieser starken, stolzen Partei, die seit 60 Jahren die Politik Norwegens bestimmt. «Ich wollte mich immer für die Gesellschaft einsetzen, deshalb bin ich so früh in die Politik gegangen», sagt Martinovic. Bereits ihr Vater war Politiker, allerdings noch in Sarajevo, wo sie zur Welt gekommen ist. Während des Jugoslawienkriegs flüchtete die Familie aus Bosnien nach Norwegen. Man kann Martinovic auf Videos der Arbeiterpartei sehen, wie sie an einem Parteitag im Frühjahr spricht, sich verhaspelt und den Tritt wiederfindet. Man kann sich die Alten der Partei in der ersten Reihe denken, wie sie erleichtert und ein bisschen stolz auf die junge Frau blicken, die wie viele Nachwuchsleute der Sozialdemokraten aus einer Migrantenfamilie stammt und für den Erfolg der norwegischen Integrationspolitik steht.

Utoya war das Sommerfest der Partei. Eine Insel im Tyrifjord, die aus der Luft ausschaut wie ein Herz. Wo sich die Partei Jahr für Jahr erneuerte und die Blutbahnen aus dem ganzem Land zusammenliefen, die Alten ihr Wissen weitergaben und die Jungen sich in Workshops die Zukunft erdachten. Wie wichtig Utoya ist, zeigt sich daran, dass Premierminister Jens Stoltenberg seit seinem 14. Lebensjahr jeden Sommer dort war. Wie war es auf der Insel? «Es war eine unbeschreibliche Freude», sagt Martinovic. Utoya war ein Lagerfeuer, an dem einer die Gitarre auspackte und bis vier Uhr morgens gesungen wurde, ein Weg im Wald, den sie Liebespfad getauft haben, weil dort die Teenager ihre grosse Lagerliebe fanden. Und jetzt ist Utoya ein Grab, unendlich tief und dunkel. Die Arbeiterpartei will auch in Zukunft ihr Sommerlager auf Utoya abhalten. Sie will sich die Insel zurückholen. Mehr als das Leben von 77 Menschen will sie Breivik nicht überlassen. Genauso wie Stoltenberg nach den Anschlägen gesagt hat, die Norweger würden sich ihre Toleranz nicht kaputt machen lassen und dass die Gesellschaft offen bleiben würde. Nicht zurechnungsfähig Dazu passt, dass zwei gerichtliche Gutachter Breivik für nicht zurechnungsfähig erklärt haben, weil er bei seinem Massaker aus einem Zustand der psychotischen Schizophrenie heraus gehandelt haben soll. An dem Tag, so sahen es viele Beobachter, hat die offene Gesellschaft Norwegen sich ihres Eindringlings entledigt. Für Emma Martinovic war das ein schrecklicher Tag. «Ich war enttäuscht und wütend», sagt sie. Seither versuche sie, nicht mehr daran zu denken. Die Vorstellung, dass Breivik nicht die vol-

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RĂźckblick

le Verantwortung tragen muss fßr seine Taten, ist ihr unerträglich. Mit einem Freund ist sie durchgegangen, mit welchen Foltermethoden sie ihn quälen wßrde. Sie hat ßberlegt, ob die Todesstrafe fßr ihn angemessen wäre, aber den Gedanken wieder verworfen, weil das heissen wßrde, ein Stßck ihrer Werte aufzugeben. Sie sagt, sie habe in ihrem Leben noch nie zuvor gehasst. Jetzt wird Breivik der Prozess gemacht. Martinovic will im Gerichtssaal dabei sein. Als Zeugin oder als Beobachterin. Sie will Breivik gegenßberstehen, wenn er keine Waffe und Uniform trägt und verletzlich und unsicher ist. Leser wundern sich Breivik hat ihr viel genommen. Einmal schrieb ein Leser auf ihrem Blog, er habe sie in Kristiansand im McDonald’s gesehen und den Eindruck gehabt, sie sei aggressiv und verhärtet. Leider hat sich meine PersÜnlichkeit verändert, sagt sie dazu, fßnf Monate nach Utoya. Ich registriere jede Bewegung der Leute und jedes Geräusch. Ich bin misstrauisch. Ich fßrchte mich. Ich weine, ohne zu verstehen warum. Ich weine, wenn es am wenigsten angebracht ist. Es gibt Leute auf meinem Blog, die fragen, warum ich so wßtend dreinschaue. Ich will mich nicht verteidigen mßssen, warum ich wßtend dreinschaue. Manche Leute sollten verstehen, dass sich

eine Person verändert, wenn sie ihre Freunde hat sterben sehen.Âť Andere (Norweger) schreiben ihr, ob es nicht an der Zeit sei, Ăźber Utoya hinweg zu kommen. Geschehen sein lassen, was geschehen ist. Von den anderen Ăœberlebenden wĂźrde man auch nicht mehr so viel hĂśren. Es gibt selbst solche, die Breivik in Schutz nehmen. Die behaupten dann, dass Breivik auch zum Opfer geworden sei. Mehrfach sogar. Von Migranten in seiner Jugend. Martinovic antwortet

ÂŤIch fĂźrchte mich. Ich weine, ohne zu verstehen warum.Âť Emma Martinovic

auch darauf: ÂŤIch muss in den sauren Apfel beissen und ihnen hĂśflich zurĂźckschreiben. Obwohl ich weinen will und sie anschreien, sie mĂśgen doch zur HĂślle fahren. Aber ich stelle meine GefĂźhle zurĂźck und antworte mit Fakten und Wissen.Âť Die Ă–ffentlichkeit ist manchmal unbegreiflich bĂśsartig. Martinovic stellt sich ihr, weil ihr das helfen soll. Sie bittet darum, ihr Fragen zu stellen, die sie sich nicht stellen wĂźrde. So will sie das Trauma Ăźberwinden, das dem von Kriegsversehrten entspricht, wie ihr die Psychologen attestiert haben.

schliesslich ein Boot, das sie aufnimmt und ans Ufer bringt. Wie soll sie das hinter sich lassen, an was fßr eine Zukunft kann sie denken? Es ist die einzige Frage in unserem Interview, die sie unbeantwortet lässt. Hoffnung Heimat

Emma Martinovic (19) lässt sich zur Polizistin ausbilden. Foto: Tore Andre Aardsen Es ist ein weiter Weg, von dem sie immer wieder abgebracht wird. Ein platzender Ballon, der Schrei eines Kindes im Spiel, und die Bilder sind wieder da, erzählt sie. Dann denkt sie an die Freunde, die vor ihren Augen hingerichtet worden sind. Sie sieht den Helikopter ßber ihr, der nicht von der Polizei ist, sondern vom norwegischen Fernsehen, das die Kamera voll auf sie richtet. Sie sieht sich schwimmen im eiskalten Wasser. Sie sieht das Blut, das aus einer Einschusswunde am linken Arm läuft. Sie schwimmt immer weiter weg von der Insel, vom Chaos, von den Schreien. Hinter ihr ist kaum mehr jemand. Sie sieht einen kleinen Jungen im Wasser. Er schaut sie an: Mein Vater ist tot. – Du darfst nicht zurßckblicken, sagt sie. Sie sieht eine Freundin, die kaum mehr kann. Sie nimmt ihren Arm ßber ihre Schulter und schleppt sie mit. Zu dritt erreichen sie

Vielleicht kann das Heimatland eine Antwort geben. Es hat ihr Briefe geschickt und Bilder und Blumen. Vor allem aber ist es zusammengerßckt. Ich bin so stolz!, sagt Emma Martinovic. Die norwegische Nation ist stärker als je zuvor. Ich war so stolz, als nach dem Anschlag all die Leute in Oslo zusammenkamen und alles voller wunderschÜner Rosen war. Und ich bin immer noch stolz, wenn ich sehe, wie die Menschen in diesem Land miteinander umgehen, ungeachtet der ParteizugehÜrigkeit, des Geschlechts, der Religion, der Sexualität, der Hautfarbe. Norwegen habe sich verändert. Trotz – nicht wegen Breivik. Als sich unlängst ein Mitglied der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet ßber die Opferrolle der Sozialdemokraten beklagte, ging ein Aufschrei durch das Land. Emma Martinovic schliesst mit einem Satz, der vielleicht der schÜnste und aussergewÜhnlichste ist: Norwegen hat am 22. Juli mehr Liebe als Hass gezeigt. Webcode: @amdze

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AUGU ST

Steve Jobs beherrschte die Kunst, mit Neuauflagen Innovation zu machen. Von Peter Sennhauser

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ls «Revolutionär der Computerindustrie», Visionär mit Zukunftsblick, genialer Erfinder und mehr wurde Apple-Chef Steve Jobs nach seinem Rücktritt im August und nach seinem Tod im Oktober gepriesen. Die Superlative sind durchaus angebracht. Bloss sind es meist die falschen. Jobs’ Genie bestand nicht darin, sich eine Zukunft auszudenken, Technologien zu «erfinden» und neue Anwendungsmöglichkeiten zu lancieren. Es bestand darin, das Gegenteil zu tun. Jobs war ein Revolutionär im wahrsten Sinne des Wortes: Er blickte in die Vergangenheit und griff alte Ideen auf. Er beseitigte überflüssige Möglichkeiten und verhalf so Vorhandenem zum Durchbruch. Und er machte aus dem Resultat ein Gesamterlebnis für den Anwender. Das ist deshalb genial, weil es den Grundsätzen der Trend- und Innovationsforschung entspricht und ein Erfolgsrezept befolgt, das den technokratischen Geeks im Silicon Valley abgeht: Sie denken nicht an das Erlebnis der Anwender, Design interessiert sie nicht, und bevor sie eine technische Anwendung fertig entwickelt haben, stürzen sie sich bereits auf die nächste. Sie betreiben Grundlagenforschung, aber von Marketing haben sie keinen Schimmer. Innovation ist, was ankommt Innovation, heisst eine Marketinggrundregel, ist nicht, was Ingenieure erfinden (egal, wie grossartig es ist), sondern ausschliesslich, was die Leute annehmen. Eine «Erfindung» wird zur

Der Hurrikan Irene hält die Ostküste der USA in Atem, Teile New Yorks werden evakuiert.

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tung wie alle im Silicon Valley: Er wollte die leistungsfähigste, modernste Computerplattform bauen, die es je gegeben hatte – und scheiterte an der Überforderung der Nutzer. Es ist alles schon mal da gewesen

Apple-Gründer Steve Jobs erfand das Rad immer wieder neu.

«Innovation», wenn sie vom Mainstream akzeptiert wird. Wie schwierig es deshalb ist, Innovation zu schaffen, zeigen unzählige trotz Systemen wie dem Technologie-Akzeptanz-Modell (TAM) gescheiterte Erfindungen. Sollte Steve Jobs seiner in den Biografien kolportierten Verachtung für Marktforschung nachgelebt und regelmässig allein bestimmt haben, was den Anwendern gefallen wird, dann beruhte das wohl auf der banalen Erkenntnis, dass Menschen mit technischer Vielfalt schnell überfordert sind. Wahlmöglichkeiten gelten zwar als Freiheit, aber Psychologen haben längst ent-

In London kommt es zu heftigen Ausschreitungen, die als London Riots bekannt werden.

Foto: Keystone

deckt, dass zu viele Alternativen Menschen unglücklich machen. Steve Jobs hat dies in den AppleProdukten und in der Firmenkultur umgesetzt: Er war die bestimmende Instanz, und entsprechend kohärent waren die Geräte seiner Firma. Der Verzicht auf Optionen war nie ein Kompromiss, sondern immer strategisches Kalkül. Und das war spürbar. Die erfolgreiche Reduktionsstrategie war auch kein Talent, das Jobs in die Wiege gelegt worden war. Nach seinem Rauswurf bei Apple 1985 strebte er mit NeXT und dem Geld des Texaners Ross Perrot in die gleiche Rich-

Steve Jobs tritt am 24. August krankheitsgeschwächt als CEO von Apple zurück.

Aber im Blick zurück liegt ein weiterer Schlüssel zur Innovation. Paul Saffo, Trendforscher und Stanford-Professor, erklärt seine Vorhersage-Trefferquote mit dem Blick in die Vergangenheit. «Jede Technologie, die sich durchsetzt, ist bereits einmal am Markt aufgetaucht und gescheitert.» Der Zeitraum? Rund zwanzig Jahre, Tendenz sinkend. Dem iPhone (2007) ging Handsprings Visor voraus (1998), dem iPad (2010) der glücklose Newton von Apple (1987). Die iCloud (2011) hat einen Vorläufer in Microsofts debakulöser «Net»-Strategie (2000), und selbst SIRI, die intelligente Spracherkennung, ist Enkelin einer Reihe von Projekten für «digitale Assistenten». Steve Jobs hat mit jedem Produkt für Innovation gesorgt, indem er ein altes neu aufgelegt, seine wesentlichen Funktionen verbessert und die überflüssigen weggelassen hat. Sein Genie bestand darin, bestehende Technologie nutzerfreundlich, schön und kompromisslos zu machen. Und darin, das alles – «boom!» – an den Keynotes als Neuerfindung zu verkaufen. Das grösste Phänomen rund um Steve Jobs besteht darin, dass sich im Silicon Valley und der Welt bis jetzt kein einziger Mensch gefunden hat, der den Mut hat, sein Rezept zu kopieren. Webcode: @amcwf

Libyens Machthaber Gaddhafi, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, taucht unter.

Der Schweizer DJ Energy stirbt in der Nacht nach der Street Parade aus ungeklärten Gründen.

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SE PTE M B E R

Nationalbank steckt in der Zwickmühle Im Spätsommer wurde der Franken so stark wie noch nie und drohte die Schweiz in eine Rezession zu treiben. Am 6. September zog die Nationalbank die Notbremse – und soll nun sogar nachlegen. Dabei kann sie nur Fehler machen. Von Gerd Löhrer

A

m 6. September verkündete die Schweizer Nationalbank (SNB), sie werde den Euro-Kurs nicht mehr unter die Marke von 1.20 Franken sinken lassen. Dieses Ziel wolle sie, so bekräftigte SNB-Präsident Philipp Hildebrand, «mit aller Konsequenz» verfolgen; sie sei bereit, zu diesem Zweck «unbeschränkt» Devisen zu kaufen. Seither bewegt sich der Euro-Kurs dauerhaft zwischen Fr. 1.20 und Fr. 1.26. Dies war ein währungspolitisch historisches Ereignis. Letztmals hatte die Nationalbank solches vor 33 Jahren unternommen, als sie den Mindestkurs für die Deutsche Mark mit 80 Rappen bezifferte. Das Los des sicheren Hafens In beiden Fällen war die Nationalbank damit erfolgreich. 1978 startete der DM-Kurs auf über 90 Rappen durch – allerdings mit einer unerwünschten Nebenwirkung: Die Teuerung zog an. Das ist nach der ak tuellen Intervention noch nicht eingetreten. Es kann aber noch kommen. Wie stark die Teuerung anzieht, hängt davon ab, wie viele Devisen die Nationalbank tatsächlich vom Finanzmarkt wegkaufen muss, um den Kurs zu stützen. Je mehr neue Franken in Umlauf gesetzt werden, desto grösser wird das Inflationsrisiko – in der Folge

UBS muss bekannt geben, dass einer ihrer Banker in London über 2 Milliarden verzockt hat.

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Roger Federer scheidet in einem dramatischen Spiel an den USOpen gegen Novak Djokovic aus.

der 1978er-Intervention stieg die Teuerungsrate auf über sieben Prozent. In beiden Fällen handelt es sich um eine Notbremse. Der immer stärker werdende Franken drohte und droht das Wachstum abzuwürgen. Was für

Der immer stärker werdende Franken würgt das Wachstum ab. die Schweizer Konsumenten im kleinen Grenzverkehr ein Segen ist, ist für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft – inklusive des Tourismus – ein Albtraum. Ein vernünftiger Wechselkurs, bei dem die Preise auf beiden Seiten der Grenze für die gleiche Ware etwa gleich wären (Kaufkraftparität), läge wohl irgendwo zwischen Fr. 1.40 und Fr. 1.50. Mit dem Mindestkurs der Nationalbank sind die Produkte von Schweizer Unternehmen im Ausland immer noch um rund 20 Prozent teurer als jene ihrer Konkurrenten. Kein Wunder, fordern Firmen, Wirtschaftsverbände, aber auch Gewerkschaften und Politiker von links bis rechts, dass die SNB den Mindestkurs weiter anhebt: Die Wünsche reichen von Fr. 1.25 bis Fr. 1.40 pro Euro. Bislang sperrt sich die SNB gegen dieses

Die Euro-Krise zwingt die Schweizer Nationalbank dazu, den Franken abzuschwächen.

Ansinnen. Noch schätzt sie das Inflationsrisiko als gravierender ein als jenes einer lang anhaltenden Rezession, verbunden mit steigender Arbeitslosigkeit. Das ist alles andere als ein neues Problem. Der immer mal wieder zu starke Franken beschäftigt die Schweizer Wirtschaft seit vielen Jahrzehnten. Ältere Mitbürger erinnern sich: Ein Dollar kostete einst Fr. 4.32, ein britisches Pfund über zehn Franken, ein Euro … nun ja, den gab es 1971/72 noch nicht. Das war in der Zeit fester Wechselkurse. 1973 brach dieses System auseinander, weil die Amerikaner ihre Zahlungsbilanz- und Schuldenprobleme «lösten», indem sie den Rest der Welt mit Dollars fluteten. Bis den Notenbanken, allen voran der schweizerischen, der Kragen platzte und sie sich schlicht weigerten, weiterhin Dollars entgegenzunehmen. Seither sind die Wechselkurse flexibel. Dollar und Pfund befanden sich vorübergehend im freien Fall. Zu den stärksten Währungen zählte seither der Franken. Bis der Euro kam. Währungskraftprotz Euro Der wurde im Januar 1999 virtuell, im Januar 2002 auch in Form von Noten und Münzen eingeführt, und war zunächst ebenfalls ein Währungskraftprotz, sogar gegenüber dem Franken.

Der FC Sion wird wegen Lizenzverstössen aus der Europa League ausgeschlossen.

Alina Buschacher wird zur Miss Schweiz gekrönt und löst Kerstin Cook ab.

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30. Dezember 2011

Rückblick

Artwork: Hans-Jörg Walter

2007 kostete 1 Euro Fr. 1.68. In dieser Zeit und bis ins Jahr 2009 profitierte die Schweizer Wirtschaft von einem tendenziell unterbewerteten Franken. Das heisst: Schweizer Exporte in den Euro-Raum waren im Vergleich zu den Konkurrenten eher zu billig. Der Schweizer Exportboom im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends beruht also zum Teil auf den gleichen Währungsmechanismen wie die heutige Exportflaute – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Das sollte man bei allem Jammern über den zu teuren Franken nicht ganz aus dem Auge verlieren: Vor knapp vier Jahren war der Franken für die Konkurrenten im Euro-Raum noch «zu billig». Dennoch: Die Schweizer Nationalbank steht vor einer unmöglichen Wahl. Soll sie sich weiterhin wie in der Franken-Hausse 1978 verhalten und den Mindestkurs in Richtung Kaufkraftparität erhöhen? Oder soll sie wie in der Franken-Hausse 1995 aus Angst vor der drohenden Inflation nichts mehr unternehmen und dafür wie damals eine Rezession riskieren? Die Schweiz ist zu erfolgreich «Wir könnten den Fehler von 1978 wiederholen – oder den Fehler von 1995»,

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sagt der Zürcher Banken-Professor Urs Birchler in einem Aufsatz in der «Zeit», der unter dem Titel «Fluch des Segens» kurz vor dem absoluten Höchststand des Frankens gegenüber dem Euro (Fr. 1.007, am 9. August) publiziert wurde.

Die Nationalbanker sind immer schuld – egal, was sie entscheiden. Der Titel trifft das eigentliche, das strukturelle Problem sehr genau. Die Schweiz ist zu erfolgreich: Das stabile politische System, in dem die föderalen Strukturen für die Bodenhaftung der Politiker sorgen, das Bewusstsein, dass Minderheiten gebührend zu berücksichtigen sind, die sozusagen bäuerliche Erfahrung, dass man nur ernten kann, was man zuvor gesät hat, die Mentalität des braven Bürgers, nicht mehr auszugeben, als man eingenommen hat, die Zuversicht, dass die Mitbürger auch so denken, man sich also auf Abmachungen verlassen kann – das sind die Bausteine, aus denen die Erfolgsstory der Schweiz

besteht. Dem Land geht es wirtschaftlich gut, weil seine Bürger fleissig, sparsam und zuverlässig sind. Das ist ein Segen. Der Fluch ist, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Die gleichen Faktoren, vor allem die Zuverlässigkeit und die Rechtssicherheit, machen neben einigen Steuervorteilen die Schweiz auch für Ausländer attraktiv – und bei jedem Umsturz und jeder Krise irgendwo auf der Welt zum sicheren Hafen für ihre Vermögen. Das bringt der Schweiz günstiges Geld, unter anderem für die Finanzierung des Wohlfahrtsstaats. Aber es treibt eben auch den Frankenkurs in die Höhe – zuweilen bis zur Schmerzgrenze, ab der das wirtschaftliche Wachstum gefährdet wird. Das Los des sicheren Hafens Aus der Zwickmühle, in der sich die Nationalbank befindet, gibt es fast kein Entrinnen. Schliesslich sitzt die Schweiz, um abermals ein Bild von Urs Birchler zu zitieren, währungsmässig im gleichen Boot wie der Elefant USA und der Stier Europa. Wenn der Elefant unruhig wird oder der Stier verrückt spielt, dann wackelt das Boot und droht zu kentern. Da hilft weder ein

Elefantendompteur noch ein Torero. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, schon gar kein schweizerisches. Dennoch muss die Nationalbank gerade in solchen Situationen handeln. Das Problem ist nur: Wenn die grossen Währungen ins Trudeln geraten, wird der sichere Hafen immer häufiger angesteuert. Der Franken-Kurs steigt und steigt – völlig losgelöst von den realen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Heute sind die USA das höchst verschuldete Land der Welt (die Probleme Griechenlands sind im Vergleich dazu «peanuts»), grosse europäische Länder wanken und mit ihnen der Euro. Unter diesen Umständen kann die Nationalbank den Währungsdampfer Schweiz nicht einmal mehr dann auf dem richtigen Kurs halten, wenn sie wirklich wüsste, wo der durchgeht. Wahrlich, die Schweizer Nationalbank und ihre Lenker sind nicht zu beneiden. In Zeiten grosser und wachsender Unsicherheit müssen sie über Massnahmen entscheiden, die unser aller Wohlergehen in den nächsten paar Jahren beeinflussen. Was immer die Nationalbanker entscheiden, kann sich als Fehler herausstellen. Nur eines ist ganz sicher: Sie werden schuld sein – woran auch immer. Webcode: @alrnl

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OK TO B E R

Aufstieg und Fall Erleben wir tatsächlich das Ende der Ära Christoph Blocher? Von Urs Buess und Philipp Loser

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as eidgenössische Wahljahr kommt im Frühling auf Touren und endet jeweils mit den Bundesratswahlen im Dezember. Höhepunkt sind die Nationalratswahlen im Oktober. Wie in den vergangenen 20 Jahren dominierte die SVP auch in diesem Jahr die Debatten, aber weniger stark als auch schon. Die Wählereinbussen der Schweizerischen Volkspartei, die in diesem Oktober resultierten, sind mit 2,3 Prozent zwar gering – wenn aber eine Partei zwei Jahrzehnte lang regelmässig zulegt und neue Höchstwerte anstrebt und prophezeit, dann sind mehr als zwei Prozent Verlust schon fast ein Absturz. Oder gepflegter ausgedrückt: eine Trendwende. Was nun? Wird die SVP nun wieder zu einer ganz normalen Partei, die sie schon einmal war, bevor Christoph Blocher die Zügel der Zürcher Kantonalpartei in die Hände nahm und zum Siegeszug in der ganzen Schweiz durchstartete? Stark wird sie weiterhin bleiben, die SVP, doch wenn «Parteiführer Blocher», wie ihn Fraktionschef Caspar Baader auch schon genannt hat, an Einfluss verlieren sollte, dürften Flügelkämpfe zwischen Gemässigten und Hardlinern die Partei weiterhin schwächen. Dass Blocher die SVP geprägt und gestaltet hat wie kaum je ein anderer Politiker dies in der Schweiz mit irgendeiner Partei getan hat, ist unbestritten. Sein Macht- und Geltungs-

Das neue iPhone 4S wird am 4. Oktober vorgestellt. Grosser Abwesender: Steve Jobs. Denn:

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drang gepaart mit Intelligenz und Schlauheit zeichnen ihn aus. Und waren entscheidend für den Aufstieg der SVP zur stärksten Partei der Schweiz, der parallel zu Blochers Entwicklung zur umstrittensten politischen Figur des Landes verlief. Dem Start in die politische Karriere ging die geschäftliche voran. Blocher rühmt sich, ein guter Unternehmer zu sein. Zu seinem Reichtum kam er aber vor allem, indem er es verstand, andere über den Tisch zu ziehen – wie es der «Tages-Anzeiger» Ende Dezember schön nachzeichnete. Blocher sicherte sich so die Millionen, die er einsetzte, um seiner Partei und seiner Politik zur grosser Publizität zu verhelfen (etwa mit dem Versand von Propagandamaterial an alle Schweizer Haushalte). Politisch startete er national mit einer Niederlage, als er 1985 das neue Eherecht an vorderster Front bekämpfte. Aufsehen erregte Blocher drei Jahre

Er sah sich als unfehlbarer Hüter der echten Schweizer Werte. später: Er bodigte zur Überraschung vieler Bürgerlicher das AKW Kaiseraugst. Was politisch nur unter grössten Kollateralschäden durchzubringen sei, so seine Ansicht, würde zu teuer. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Am 5. Oktober erliegt AppleGründer Steve Jobs 56-jährig seiner Krebserkrankung.

Nicht kleinzukriegen: Christoph Blocher, der ewige Missionar, nach der Bundesratswahl 2011. Foto: Keystone

Man konnte Blochers Ansichten teilen oder nicht, sein unbedingtes Engagement war ihm nicht abzusprechen. Und Originalität auch nicht. Wie ein Lausbub freute er sich, als er im militärischen Rang eines Obersten Anfang der 90er-Jahre sein Regiment auf der Zürcher Sechseläutenwiese abgab. Verbotenerweise hatte er das Ritual im Zentrum Zürichs angesetzt, um die etablierten Kreise zu ärgern. Als die Polizei kam, war das Regiment schon auf und davon. Die Mission Die Etablierten ärgern, die «Classe politique» verunglimpfen – das war ihm neben seinem Engagement für konservative Werte sein vorderstes Anliegen. Mit seinem Einsatz gegen den Beitritt der Schweiz in den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) wich das Engagement der Mission. Christoph Blocher

Bei den Nationalratswahlen in der Schweiz geht die «Neue Mitte» als Siegerin hervor.

gewann die wohl umkämpfteste Abstimmung der letzten 50 Jahre knapp, hatte sich dabei nicht nur mit der Mehrheit seiner verhassten «Classe politique» überworfen, sondern auch mit der wirtschaftlichen Elite. Umso leidenschaftlicher sein Kampf gegen alles Fremde, Unschweizerische, er sah sich als unfehlbarer Hüter der echten Schweizer Werte, eroberte Anhängerinnen und Anhänger in Kantonen und Talschaften, die noch nie ein SVP-Plakat gesehen hatten. Als Bürgerlicher hätte er eigentlich in der SP und bei den Grünen seine Hauptgegner sehen sollen, in der Realität aber schwächte er tatkräftig die anderen bürgerlichen Parteien. Sein Wille, die Schweiz fernzuhalten von fremden Mächten, Richtern und dergleichen, wurde zur Obsession. Wer blind mit ihm ging, wurde getragen. Wer querdachte, fallen gelassen. Die Partei funktioniere wie eine Bruder-

Muammar al-Gaddhafi wird von Oppositionellen bei Sirte gefunden und getötet.

Der italienische Motorradfahrer Andrea Simoncelli verunglückt beim GP von Malaysia tödlich.

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30. Dezember 2011

RĂźckblick

Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat im Jahr 2007 lässt sich aber erst heute ermessen, im Dezember des Jahres 2011. Ein einziges Ziel

schaft, sagt eine Insiderin. Als eine der Ersten hat das die Zßrcher SVPNationalrätin Lisbeth Fehr erlebt. Am Anfang noch Liebkind von Blocher, geriet sie in Ungnade, als sie europapolitisch eigene Ansichten zu vertreten begann. Sie erhielt 2003 keinen Platz mehr auf der Zßrcher Nationalratsliste. Einer der prominentesten Abweichler dßrfte der ehemalige Bundesrat Samuel Schmid sein, der sich nicht in Blochers Mission einspannen liess. Aber die Bruderschaft wuchs dennoch. Und wuchs. Sammelte Unterschriften fßr Initiativen und Referenden, sammelte Anhänger. Die Partei

bekam einen Auftrag – nämlich den Sonderfall Schweiz zu bewahren – und sie schuf und definierte ein Gedankengut. Das SVP-Gedankengut. Der Kult um Christoph Blocher schien 2003 zu kulminieren, als seine Partei zum weiteren und vorletzten Mal eine Rekordsumme von Wählerstimmen einfuhr und er in den Bundesrat gewählt wurde. Doch Blocher sollte sich noch steigern. Vor vier Jahren zog die Partei mit SVP wählen, Blocher stärken in die Wahlen, gewann sie wieder und verlor sie irgendwie dennoch. Was danach geschah, wurde schon in ungezählten Varianten erzählt und beschrieben. Das wahre Ausmass der

Die vergangenen vier Jahre waren durchtränkt von nur einem Gedanken: die Schmach von damals zu rächen. Auch wenn Blocher nach seinem Abgang aus Bern gegen aussen schnell wieder den Anschein erweckte, ganz der Alte zu sein, herumpolterte und schwadronierte, scherzte und stichelte, so hat ihn die Abwahl doch in seinem Tiefsten getroffen. Es war die eigentlich logische Reaktion des Establishments, den Ausgrenzer in einer konzertierten Aktion selber auszugrenzen; Blocher und mit ihm die ganze SVP hatten mit einer derartigen Reaktion auf ihren Erfolg rechnen mßssen. Und dennoch traf es die Fßhrungsriege im Mark. Es ist das Kennzeichen jeder Mission, dass ihre Anhänger mit aller Macht an ihre Botschaft glauben und nicht verstehen kÜnnen, wenn diese bei Andersdenkenden nicht ankommt. Wenn diese sich dann sogar erdreisten, etwas gegen die verkßndete Heilsbotschaft zu unternehmen, dann begreifen die Missionare gar nichts mehr. Die Reaktion darauf ist Ignoranz. Das ist der Grund, warum sich die SVP im Wahljahr 2011 auf alte Kräfte konzentrierte – und damit glorios scheiterte. Die Wahlen 2011 waren der Versuch der Partei, den Erfolg von 2007 mit den exakt gleichen Mitteln zu kopieren. Die Konzentration auf wenige Fßhrungsfiguren, der Sturm aufs StÜckli, die Fixierung bei den Bundesratswahlen auf den einen Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf: Alles war bei diesen Wahlen auf die Wiederherstellung der alten Ordnung ausgerichtet. Und alles nahm ein Ende am Abend des 23. Oktobers. In einem der vielen dunklen Gänge des Medienzentrums des Schweizer Fernsehens stieg Christoph Blocher auf ein Podest, umringt von mindestens zwanzig Journalisten, und versuchte, die Niederlage seiner Partei, seine Niederlage, in einen Sieg umzudeuten. Seit diesem 23. Oktober macht Blocher nichts anderes mehr.

Der schwache zweite Wahlgang bei den Ständeratswahlen, die Erbschaftsaffäre von Bruno Zuppiger, die wirre Wahlstrategie während den Bundesratswahlen, die lauten und manchmal ausfälligen Interviews des Chefstrategen in den Wochen nach der Wahl – alles Signale eines von den Medien und einer SVP-fremden Öffentlichkeit gierig herbeigesehnten Abstiegs des Patriarchen. Passend dazu war sein aufgeflogenes Engagement bei der BaZ. Es ist kein Problem, wenn ein rechtsgerichteter Politiker eine Zeitung besitzt. Ein Problem ist es, wenn dieser rechtsgerichtete Politiker nicht den Mut hat, das der Öffentlichkeit mitzuteilen. Jene Mitglieder der Bruderschaft, die vier Jahre lang Eveline WidmerSchlumpf eine Verräterin und Lßgne-

Die Wahlen 2011 waren der Versuch, den Erfolg von 2007 zu kopieren. rin geschumpfen haben, verklären heute die Vernebelungstaktik von Blocher bei der BaZ als notwendiger Schutz der Privatsphäre. Zu schnell Aber. Und dieses Aber ist ein gewichtiges. Sind wir vielleicht zu schnell? Sagt die vielbeschriebene Saga des Endes einer Ära nicht mehr ßber den Wunsch der Öffentlichkeit links der SVP aus, die Partei mÜge in der Bedeutungslosigkeit versinken, als ßber die wahren Verhältnisse? Die Partei hat zwar nur einen Bundesrat, hat zwar bei den Wahlen verloren, aber sie ist weiterhin die stärkste Kraft im Land. Sie hat die Kraft, mit Referenden und Initiativen Abstimmungen zu gewinnen, sie befindet sich in der Halb-Opposition – ihrer liebsten Position – und sie hat einen Blocher an der Spitze, der die Ereignisse der vergangenen Monate seltsam zuversichtlich ßberstanden hat. Vielleicht ist die meistbeschriebenste Karriere der Schweiz eben doch nicht zu Ende. Webcode: @amcwg

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NOVE M B E R

«Ich habe nie von Zensur gesprochen» Der Basler Regierungspräsident Guy Morin über Ärger mit den Medien, seine Gesundheit und seine Wahlkampfstrategie für 2012. Interview: Yen Duong und Remo Leupin, Fotos: Stefan Bohrer

W

enige Tage vor seiner Tumoroperation Mitte Dezember empfängt uns ein gut gelaunter und optimistisch gestimmter Guy Morin zum Gespräch. Thema ist der bewegte Monat November, in dem die Basler Regierung mehrmals in die Schlagzeilen geriet. Mitte November war dem Basler Regierungspräsidenten der Kragen geplatzt. Auf seiner Facebook-Seite kritisierte Morin die lokalen Medien scharf und forderte die Chefredaktoren auf, journalistischen Verstössen künftig mit einem «Qualitätszirkel» vorzubeugen. Grund für Morins Ärger: «Telebasel» hatte Regierungsrat Hans-Peter Wessels in einer kompromittierenden Pose blossgestellt. Der Baudirektor hatte nach einem Interview über den U-Abo-Streit beim Herumalbern mit dem «Telebasel»-Journalisten kurz die Zunge herausgestreckt – nicht ahnend, dass der Journalist diese Szene nachträglich in seinen Bericht einbauen würde. Die «Basler Zeitung» wiederum nutzte den journalistische Fauxpas des Lokal-TV für eine Generalabrechnung mit Hans-Peter Wessels. Nur wenige Tage später wurde erneut über die Qualität der Medien debattiert, nachdem Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass mitgeteilt hatte, dass er bei der Gesamterneuerungswahl 2012 nicht mehr antreten werde. Gass war im Zusammenhang mit den Vandalenakten auf der Voltamatte von den lokalen Medien zum Teil harsch angegriffen worden. Nach Gass’ Rücktrittsankündigung machte der Vorwurf der «Medienhetze» in Basler Politikerkreisen die Runde.

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30. Dezember 2011

Rückblick

Guy Morin: «Ich glaube, dass ich ein relativ offenes Verhältnis zu den Medienschaffenden habe.»

Herr Morin, Sie forderten kürzlich auf Facebook einen «Qualitätszirkel» für Medien. Sind Sie so unzufrieden mit den Medien? Nein, im Allgemeinen nicht. Aber diverse Berichterstattungen hinterliessen bei mir den Eindruck, dass die Medien ihre Sorgfaltspflicht nicht immer wahrnehmen. Gerade bei HansPeter Wessels: «Telebasel» hat seine Mimik mit der Zunge in einen redaktionellen Zusammenhang gestellt. Das finde ich sehr heikel. Ich spüre, dass die Medien stark unter Druck sind. Das führt wohl auch dazu, dass die Sorgfalt zuweilen darunter leidet. Ich wollte mich mit diesem Facebook-Eintrag hinter meinen Kollegen stellen und diese Idee einfach mal ins Spiel bringen. Eine Idee, die nach Zensur klingt. Ich habe nie von Zensur gesprochen, sondern von Qualitätssicherung. Es liegt nicht an Politikern, zu sagen, was die Medien zu tun haben. Aber Medienschaffende erwarten von uns ja

Roger Federer gewinnt zum Saisonende die Turniere in Basel, Paris-Bercy und London.

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auch Sorgfalt in der Kommunikation. Es ist deshalb nicht zu viel verlangt, wenn auch wir das einfordern. Gebracht hat Ihr Vorstoss nichts. Das finde ich nicht. Der Qualitätszirkel hat auf Facebook und auch bei den Medienschaffenden für Diskussionen gesorgt. Genau das wollte ich damit erreichen. Mehr war nicht angedacht. Vielleicht haben Sie den Qualitätszirkel ja ins Spiel gebracht, weil Sie selber oft kritisiert werden und eine dünne Haut haben? Nein, überhaupt nicht. Ich habe in letzter Zeit eher den Eindruck, dass die Medien sehr wohlwollend und sachlich mit mir umgehen. Was für ein Verhältnis haben Sie eigentlich zu den Medien? Ich glaube, dass ich ein relativ offenes Verhältnis zu den Medienschaffenden habe. Ich spreche das aus, was ich denke – ohne irgendeine versteckte

Der tschetschenische XamaxPräsident Bulat Chagaev hat offenbar Geldprobleme.

Agenda. In den sieben Jahren als Regierungsrat hatte ich nur zweimal das Gefühl, dass ich falsch dargestellt und missverstanden wurde. Ich habe dann auch dagegen interveniert. Sonst mach ich das nie. Und ich glaube auch, dass ich relativ grosszügig beim Gegenlesen von Interviews bin. Kommen wir auf die BaZ zu sprechen: Vor Kurzem wurde bekannt, dass Christoph Blocher tatsächlich seine Finger im Spiel hat und der Tessiner Finanzier Tito Tettamanti wieder das Sagen hat. Die BaZ ist für Sie als Grüner bestimmt in falschen Händen. Die Basler Regierung hat Transparenz gefordert, die haben wir jetzt. Nun können die Leserinnen und Leser eigenständig entscheiden. Wichtig ist, dass die redaktionelle Unabhängigkeit gewahrt bleibt. Und mir ist es wichtig, dass es in der Region eine Medienvielfalt gibt. Für Basel ist es wichtig, dass wir eigenständige Medien haben, die

Die Wirren um die «Basler Zeitung» und Blochers Einfluss interessieren in der ganzen Schweiz.

auch südlich des Juras wahrgenommen werden. Hans-Peter Wessels hat die BaZ gekündigt, weil er mit deren Ausrichtung unzufrieden ist. Haben Sie sie auch abbestellt? Nein. Ich will und muss mich auch mit Beiträgen auseinandersetzen, die nicht meiner Meinung entsprechen. So lese ich auch die «Weltwoche». Ich lese allgemein sehr viele Zeitungen: neben der BaZ auch «20 Minuten», die «Basellandschaftliche Zeitung» oder den «Blick». Sie scheinen als Regierungspräsident viel Zeit zu haben. (lacht) Mit der Zeit weiss man, was man alles überspringen kann. Apropos Präsidium: Die Bürgerlichen werden nicht nur den Sitz von Hanspeter Gass verteidigen, sondern auch Ihnen den Sitz streitig machen. Nervt Sie das? Nein.

Teeniestar Justin Bieber veröffentlicht am 4. November sein Weihnachtsalbum.

Silvio Berlusconi tritt am 12. November als Ministerpräsident Italiens zurück.

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30. Dezember 2011

RĂźckblick

Fßr Basel ist es wichtig, dass wir eigenständige Medien haben, die auch sßdlich des Juras wahrgenommen werden.

Und wenn es so wäre, wßrden Sie es nicht zugeben. Im Ernst: Ich habe keine Angst. Es ist gut, wenn das Amt eine Ausstrahlung hat. Es ist das erste Mal, dass die Bßrgerlichen das Präsidium als erstrebenswert erachten. Vor drei Jahren wollte keiner gegen mich antreten. Jetzt schon. Das zeigt doch, dass ich eine wichtige Funktion habe. Das spßre ich auch in der BevÜlkerung: Man schätzt meine Funktion. Ich stelle mich dem Wettbewerb gern und bin zuversichtlich, dass ich es nochmals schaffe. Sie und Ihr Departement werden im kommenden Wahljahr bissige Kritik zu hÜren bekommen.

Das gehÜrt im Wahlkampf zum Spiel. Es ist logisch, dass SVP und FDP mich angreifen – sie mßssen ja! Aber die Wähler sind sehr sensibel und entscheiden sofort, ob die Kritik berechtigt oder nur rein parteipolitisch ist. Bei Ihnen wurde vor Kurzem ein Tumor diagnostiziert ‌ Dßrfen wir Sie danach fragen und mÜgen Sie antworten? Ja, das ist schon in Ordnung. Der Tumor wurde in einem frßhen Stadium entdeckt, bei einer Vorsorgeuntersuchung. Ich hatte also keine Symptome. Die Ärzte haben mir gesagt, dass der Tumor mit einem einmaligen chirurgischen Eingriff ent-

fernt werden kann und die Chancen sehr gross sind, dass ich dann geheilt bin. Ich gehe mal davon aus, dass es so ist. 100 Prozent sicher ist man natßrlich nie. Aber ich glaube, dass ich demnächst wieder gesund bin und wieder normal arbeiten kann. Und wenn es das Schicksal anders will, muss ich weiterschauen. Es ist eine mßhsame Sache. Aber jeder Mensch muss mit Krankheiten umgehen kÜnnen. Klar hätte ich es mir anders gewßnscht. Was werden Sie unternehmen, um Ihren Sitz zu verteidigen? Ich werde einfach meinen Job gut machen. Und ich werde weiterhin authentisch, aufrichtig und sorgfältig sein. Das ist der beste Wahlkampf. Werden Sie wieder eine Stilberaterin anstellen? Die hatte ich ja schon! (lacht laut) Wie finden Sie die Vorstellung, dass FDP-Gewerbedirektor Peter Malama demnächst mit Ihnen in der Regierung sitzen kÜnnte? Das entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Ich habe in den letzten Jahren einige Wechsel in der Regierung mitbekommen. Wenn jemand Neues kommt, muss er sich halt einfßgen. Wichtig ist, dass wir immer geschlossen als Gremium auftreten, auch wenn wir in der Regierung viel streiten. Ich sehe es als Regierungspräsident auch als meine Aufgabe, die Geschlossenheit herzustellen. Falls es mit dem Regierungspräsidium nicht mehr klappen sollte, kÜnnen Sie doch Sicherheitsdirektor werden. (schweigt lange) Davon gehe ich nicht aus. Ich kandidiere fßr das Präsidium. Glauben Sie Hanspeter Gass, dass er nie im Sinn hatte, mehr als zwei Legislaturperioden im Amt zu bleiben und nicht die zum Teil harsche Kritik der Medien an seiner Person Grund fßr seine Rßcktrittsankßndigung ist? Er hat mir in einem persÜnlichen Gespräch sehr glaubhaft dargelegt, dass dies schon immer sein Plan war

und sein Rßcktritt nichts mit den Medienberichten rund um die Villa Rosenau und die Voltamatte zu tun hat. Selbstkritisch kann ich sagen: Wir als Regierung hätten diese Sache professioneller angehen mßssen. Inwiefern? Bei den Sachbeschädigungen rund um den Voltaplatz hätten wir besser kommunizieren mßssen. Das heisst, wir hätten schneller hinstehen und sagen sollen, was Sache ist. Das war nicht der Fall, deshalb ist es zu Verunsicherungen gekommen. Unsere Botschaft war von Anfang an nicht klar und geschlossen. Es gab ein Schwarzpeter-Spiel zwischen der Polizei und den politisch Verantwortlichen. Das finde ich heikel. So etwas darf nicht passieren. Bei der Kommunikation haben wir noch ein wenig Optimierungsbedarf. Und was haben Sie dagegen unternommen? Wir haben Gespräche mit der Polizei und mit dem Medienverantwortlichen der Polizei gefßhrt. Es ist klar, solche Ereignisse wie am Voltaplatz lasssen sich nie vermeiden, aber wir kÜnnen als Regierung klare Botschaften bringen. Wir mßssen nach solchen Ereignissen mit einer Stimme reden. Was war das beste Erlebnis fßr Sie im Jahr 2011? Unsere BevÜlkerungsbefragung. Die Leute fßhlen sich in Basel wohl. Der Anteil von Leuten, die sich gerne bis sehr gerne in Basel aufhalten, hat sich gegenßber 2007 nochmals auf 98 Prozent gesteigert. Auf diesen Wert kÜnnen wir sehr stolz sein. Das war jetzt ein sehr fachliche Antwort. Etwas persÜnlicher? Die vielen Kontakte mit der BevÜlkerung, die ich hatte. Und was ist Ihr Ziel fßr das kommende Jahr? Ganz klar: Wieder gesund werden! Und dann mÜchte ich mich natßrlich voller Elan fßr die BevÜlkerung und die Region einsetzen. Es gibt viel zu tun fßr diesen Kanton. Darauf freue ich mich. Webcode: @alrnk

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DEZ E M B E R

Halte durch, Basel, halte durch! Das 2:1 des FC Basel gegen Manchester United – eine Nacht, in der nicht nur Sporthistorie geschrieben wurde. Von Christoph Kieslich

Da die Daten von Google mit einigen Tagen Verzögerung publiziert werden, standen bei Redaktionsschluss die Kurven nur bis am 19. Dezember fest.

Der Sturm Joachim fegt über die Schweiz. Die Schäden sind weniger schlimm als befürchtet.

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Die 5. Staffel der deutschen Fernsehsendung «Das Supertalent» geht zu Ende.

Der FC Basel schlägt Manchester United und zieht ins Achtelfinale der Champions League ein.

Bundesratswahlen in der Schweiz. Die SVP bemüht sich erfolglos um einen zweiten Sitz.

Eine Enthüllung der «Weltwoche» zwingt SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger zum Rückzug.

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Rückblick

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iers Morgan muss man nicht auf Anhieb sympathisch finden. Als junger Mann hat er sich beim Revolverblatt «The Sun» verdingt, mit 28 Jahren war er der jüngste Chefredakteur von «News of the World», dem grössten Revolverblatt überhaupt. Aber Piers Morgan ist Fan des FC Basel, zumindest für eine kurze Weile am 7. Dezember, so um die Mittagszeit in den USA. Man könnte auch sagen: Piers Morgan hat es doch noch zu etwas gebracht. Im Januar hat der 46-jährige Engländer auf CNN den Sendeplatz des berühmtesten Fragestellers mit Hosenträgern, Larry King, übernommen. Also ist Morgan an diesem 7. Dezember in der Anflugschneise auf Chicago quasi auf dem Weg zur Arbeit. «Boom! Was für ein Kerl. Marco Streller – jetzt mein liebster Spieler auf der ganzen Welt», lässt Morgan seine Follower auf Twitter wissen, als es ein paar Zeitzonen weiter östlich im St.-Jakob-Park bei Manchester United einschlägt. Streller. Der Captain des FC Basel, über den sich die Fussball-Schweiz in diesem Herbst so wundert, von dem die Zeitungen schwärmen, den sie plötzlich als besten Streller aller Zeiten entdecken. Man fragt sich: Wo haben die Leute die letzten zweieinhalb Jahre hingeschaut? So lange schon geniesst Basel nämlich diesen Streller in der Post-Gross-Ära. Und Volleyabnahmen mit einem gesegneten linken Fuss. Gegen 20.55 Uhr MEZ stösst das Wort «Streller» unter über 100 Millionen Microbloggern weltweit in die Top Ten vor. Dort hält Twitter die grössten Zuwachsraten einzelner Begriffe für einen Moment fest. Für Piers Morgan aus dem kleinen Dörfchen Newick in Sussex, unweit der Kanalküste, ist es der Zeitpunkt, seine ganze herzliche Abscheu für alles, was aus Manchester kommt, auszuleben. «Bleibt gelassen», wendet er sich maliziös an die Fans der United unter seinen immerhin 1,6 Millionen Followern, «es ist ja nicht so, dass ich euch nicht gewarnt hätte.» Mit einem Grossen angelegt

Was für ein Kerl! Marco Streller trifft am 7. Dezember 2011 gegen 20.55 Uhr zum 1:0 gegen Manchester United und schafft es für einen kurzen Moment in die Top Ten bei Twitter. Foto: freshfocus

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Nun kann man nur schwer abschätzen, ob Piers Morgan auch nur eine ungefähre Ahnung davon hat, was sich 7000 Kilometer entfernt von ihm abspielte. Dass sich da eine kleine, aber leidenschaftliche Fussballstadt mit einem Hochkaräter anlegt. Dass schon mit dem 3:3 zehn Wochen zuvor im Old Trafford etwas geschafft worden war, was weit über die Biegung des Rheins hinaus Beachtung fand. Dass sich da ein Club klug aufgestellt hat und die Mannschaft von einem Trainer-NoName ebenso geschickt aufgestellt wird. Für jemanden wie Piers Morgan, der früher hinter irgendwelchen Prominenten herumspioniert hat und mit Unappetitlichkeiten Auflage gebolzt hat, sind das eher Peanuts. Aber wenn es taugt, um gegen Manchester zu geifern – nun gut. Die Halbzeit in Basel ist schon rum, als Morgan

nach der Landung in Chicago zwitschert: «Minus vier Grad hier. Also ungefähr die Temperatur, die in 40 Minuten in der Kabine von ManU herrschen wird.» Dass Manchester City gleichzeitig scheitert, passt ihm gut in den Kram. Dabei kann Morgan keine Vorstellung davon haben, was in Basel vor sich geht. David hat Goliath getroffen, und es ist die Phase, in der Manchester dem Ausgleich ein paar Mal sehr nahe kommt. Vor einem Publikum, das eine merkwürdige Kulisse abgibt für das Spektakel. Gefangen in der Hoffnung Im ManU-Sektor tut sich schon lange nichts mehr, das kennt man inzwischen von englischen Fans. Die wurden im Zuge der Enthooliganisierung in den letzten 20 Jahren einmal rundum ausgetauscht. So, wie es sich jetzt in der Schweizer Sicherheitsdebatte ein paar Leute auch vorstellen. Der Rest im mit 36 000 Zuschauern vollbesetzten St.-Jakob-Park ist zweigeteilt. Die Muttenzerkurve klingt wie immer, sie singt unentwegt und damit auch ein wenig gegen die Furcht vor

Der dicke rote Strich im Kalender der Fans des FC Basel. dem 1:1 an. Der Grossteil der Leute jedoch scheint wie gebannt. Gefangen in der Hoffnung, dass dieses grosse Manchester zum richtigen Zeitpunkt in Basel aufgetaucht ist. Dass die winzige Durststrecke des englischen Rekordmeisters, des Vorjahresfinalisten in der Champions League, des übergrossen Gegners, sich noch für diesen einen Europacupabend fortsetzen möge. In der Hoffnung und Überzeugung aber auch, dass dieser FC Basel in seiner vielleicht einmaligen Zusammensetzung, mit all den Alten und den Jungen, die aus der Region stammen, mit seinem über Nacht zum gefeierten Mann emporgestiegenen Cheftrainer Heiko Vogel, dass dieser FC Basel auch bereit ist für eine neue Heldentat. Es werden viele im Stadion sein, die auch am 12. November 2002 dabei waren und sich nach dem 3:3 gegen den FC Liverpool und dem Aufstieg in die Zwischenrunde der Champions League einen dicken roten Strich in den Kalender gemacht haben. Mit der Fussnote: Das war so schön, das kommt so schnell nicht wieder. Nicht für einen Club aus der Schweiz. Es hat ja auch lange genug gedauert, bis es so weit war. Vergessen geht dabei manchmal, dass der FCB seit über einem Jahrzehnt ununterbrochen international spielt. Nach einer solchen Bilanz würde sich mancher mit grossem Namen aus einer grossen Liga die Finger schlecken. Aber die Europa League finden halt auch in Basel viele schon nicht mehr sexy genug.

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30. Dezember 2011

RĂźckblick

Es muss schon wieder so ein Showdown wie gegen Manchester United sein. Und dann sitzen sie also da, die meisten rotblauen Fans, und wissen gar nicht mehr wohin mit ihrer Aufregung. Das 1:0 reicht, aber das nächste Tor fßr Manchester lässt den grossen Traum platzen. Das verdichtet sich im Stadion zu einer zähneklappernden Atmosphäre mit einem Herzstillstandmoment. Als Markus SteinhÜfer sich mit seinem Befreiungsversuch an die Lattenunterkante des eigenen Tores so gut wie unsterblich macht im Gedächtnis des FCB. Und Piers Morgan twittert: Halte durch, Basel, halte durch! Ahnt er doch, dass in Basel gerade Sportgeschichte geschrieben wird? Der Moment des Finisseurs Der FC Basel jedenfalls wird belohnt fßr seinen LÜwenmut, fßr die grosse Solidarität auf dem Platz. Xherdan Shaqiri: grossartig, die Reifeprßfung fßr einen jungen Mann mit blendenden Zukunftsperspektiven. Bereitet das 1:0 vor und auch das 2:0 fßr Alex Frei. Der ist in den 83 Minuten zuvor nicht zu sehen, aber immer dann zur Stelle, wenn es den grossen Finisseur braucht. Den Stßrmer mit der unvergleichlichen Geste im entscheidenden Augenblick. Come on Basel, make my night, schreit Piers Morgan per Twitter.

Mit LÜwenmut und grosser Solidarität: Alex Frei (oben) und Marco Streller feiern ein sporthistorisches Ergebnis. Foto: freshfocus

Warum sich Morgan selbst in einem seiner Bßcher als britisches Grossmaul bezeichnet? Weil die TV-Plaudertasche, als die United und City endgßltig raus sind aus der Champions League, noch mal richtig zu Hochform aufläuft. Weiss jemand, ob es Direktflßge von Chicago nach Manchester gibt heute Nacht? Habe gehÜrt, da soll ne riesige Party in der Stadt abgehen ... Nun, da hätte er sich besser auf den Weg nach Basel machen sollen, vielleicht hätte es an Johnny Freemans Tresen gerade noch so fßr ein letztes Bier gereicht – lange genug wird in der Bodega zum Strauss am Barfßsserplatz jedenfalls gefeiert. Morgan hätte sich viele Male das Lied anhÜren dßrfen, dass die Fans fßr Markus SteinhÜfer gefunden haben, und das Bonmot erzählen lassen kÜnnen aus einem von fast einer halben Million Tweets dieser Nacht zum FC Basel: Sohn: Papi, Barça hat ManU geschlagen! – Vater: Nein, mein Junge, es war Basel. Sie haben einfach Barças Farben getragen, um ihnen einen Schreck einzujagen. Das hätte Piers Morgan gefallen, aber wie es sich fßr ein Grossmaul gehÜrt, hat er das letzte Wort: Morgen allerseits, lästert er Richtung England, denkt ihr, die United- und City-Spieler haben all die jßngsten ‚Wir mßssen raus aus dem Euro›-Schlagzeilen gelesen – und das schlicht missverstanden? Webcode: @amdzf

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30. Dezember 2011

Dialog

Leserbriefe an die Redaktion

Heim-Leiter schwindelt mit Doktortitel, Webcode: ajbaw

Rahmen passende Grossanlässe. Und da gehören «Orange Cinema», Weihnachtsmarkt und Herbstmesse von uns aus gerne dazu. Keine Rede davon, dass die Kirche «den Platz leer haben will». Lukas Kundert, Münsterpfarrer, Kirchenratspräsident Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Stadt

Druck statt Motivation Bereits die Bezeichnung als «Direktor» für eine operative Leitung von gut 30 Mitarbeitenden machte mich schon stutzig. Warum hat der Stiftungsrat der Wegwarte die Hilferufe der Mitarbeitenden nicht wahrgenommen und früher die Konsequenzen gezogen? Bekanntlich leiten inkompetente Führungspersonen mit Druck und Repression anstatt mit Motivation und Anleitung, das heisst: mit Professionalität. Margreth Spöndlin

Kranke Kinder an den Stadtrand abgeschoben, Webcode: @akhsy

Das Wohl der Kinder Ob die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik an das Kinderspital angebaut wird oder doch auf dem Areal der UPK ein Neubau entsteht, ist doch egal, die Abgrenzung der sogenannt normalen Leute von den psychisch angeschlagenen Patienten geschieht leider trotzdem. Wenn denn die jetzige Situation mit verschiedenen stationären Einrichtungen, die überall in der Stadt verteilt sind, wirklich besser, aber teurer ist, sollte man diese teure Lösung so belassen – denn es geht ums Wohl der jungen Patienten. Chriss Graf

Heimverantwortliche und Behörden müssen Warnrufe ernst nehmen – und handeln, Webcode: ajbax

Gewagte Verbindung Mir scheint, auch Ihr Titel schwindelt: Von einer Institution auf das ganze heikel. Auch die Verbindung der Themen Titelschwindel, schlechte Personalführung, Institution mit sexuellen Übergriffen ist etwas gewagt. Den Teil der Anstellung in Baselland, wenn er sich so zugetragen hat, fand ich hingegen spannend. Peter Ettlin

Korrigenda

Eric Sarasin Im Artikel «Die Sarasins – Aufstieg einer Dynastie» (TW 51) hat sich ein Fehler eingeschlichen: Eric Sarasin hat sich 2007 nicht aus der Geschäftsleitung der Bank Sarasin zurückgezogen. Er ist nach wie vor in der GL und zuständig für das Private Banking. Wir bitten um Entschuldigung für das Versehen.

Kulturkampf ums Münster, Webcode: @ajssk

Geschichte geklittert Der Autor hat seine vorgefasste Meinung über die Kirche als «Spassbremse» und «Verhinderin» in die neue Zeitung mitgebracht und lässt jede Differenzierung ungerührt durch den Raster seiner Vorurteile fallen. Dazu kommt, dass in diesem Text in unzulässiger Weise Geschichte geklittert wird. Wer mit den Vorgängen rund um die Reformation in Basel vertraut ist, weiss beispielsweise, dass die gezeigte Darstellung des gewaltsamen Bildersturms in Bezug auf die damaligen Vorgänge im Münster eine katholisch zugespitzte Karikatur ohne Bezug zur damaligen Realität ist. Zudem wird im Text – ungeachtet aller gesellschaftlichen, städtebaulichen und politischen Entwicklungen in den vergangenen 500 Jahren – die Verwendung des Platzes im 14. Jahrhundert als verbindliches Muster für die heutige Nutzung postuliert. Wir setzen uns ein für einen unverstellten Münsterplatz, der offen bleiben muss für würdige und in den

TagesWoche 1. Jahrgang, Ausgabe Nr. 10 Gerbergasse 30, 4001 Basel Auflage: 50 932 Exemplare Abo-Service: Tel. 061 561 61 61 Fax 061 561 61 00 abo@tageswoche.ch Redaktion Tel. 061 561 61 61 redaktion@tageswoche.ch

TagesWoche 52

Leserbrief der Woche von Christian Vontobel zu «Pratteln öffnet Zivilschutzanlage für Flüchtlinge, Webcode: @akbtb

Bild verwechselt

Die Gemeinde Pratteln hat ein warmes Herz für Menschen in Not bewiesen, wo andere Gemeinden die Probleme dieser Welt nicht wahrhaben wollen. Der Gemeindepräsident hat von seinem Aufenthalt im Herkunftsgebiet der Flüchtlinge nicht nur deren Sprache mitgenommen, sondern auch ein Verständnis für die schwierige Lage einzelner Menschen und Familien in dieser Region. Er kann deshalb auch besser und glaubwürdiger mit den Frustrationen und zu grossen Hoffnungen dieser Menschen umgehen. Das gilt leider nicht für die vielen Touristen, die bloss ihre Ferien geniessen wollen und nun nicht mehr nach Tunesien und Ägypten reisen wollen, obwohl die Bürger dieser Länder einen eigenen Schritt hin zu normalen gesellschaftlichen Zuständen unternommen haben. Weihnachten wäre die passende Zeit, um über die Suche nach dem wahren Leben nachzudenken!

Verlag Tel. 061 561 61 61 verlag@tageswoche.ch Herausgeber Neue Medien Basel AG Geschäftsleitung Tobias Faust Verlagsassistenz/ Lesermarkt Martina Berardini

Redaktionsleitung Urs Buess, Remo Leupin Redaktionsassistenz Béatrice Frefel, Esther Staub Redaktion David Bauer, Renato Beck, Yen Duong, Karen N. Gerig, Tara Hill, Christoph Kieslich, Matieu Klee, Marc Krebs, Philipp Loser, Florian Raz,

Michael Rockenbach, Martina Rutschmann, Peter Sennhauser, Dani Winter, Monika Zech Bildredaktion Hans-Jörg Walter, Michael Würtenberg Korrektorat Céline Angehrn, Noëmi Kern, Martin Stohler, Dominique Thommen, Andreas Wirz

Im Artikel «Heimleiter schwindelt mit Doktortitel» (TW 51) veröffentlichten wir ein Bild des TSM Münchenstein statt des Übergangsheims Wegwarte – wir bedauern diesen Fehler.

Hans Rudolf Gysin Hans Rudolf Gysin musste sich beim Lesen der TagesWoche gleich zwei Mal ärgern. In Ausgabe 50 machten wir ihn zum Direktor der Handelskammer, in Ausgabe 51 liessen wir ihn als Direktor der Wirtschaftskammer zu früh abtreten. Dafür entschuldigen wir uns in aller Form. Zudem legt Gysin Wert auf die Aussage, dass ihm die Berufsschau äusserst wichtig sei.

Layout/Grafik Carla Secci, Petra Geissmann, Daniel Holliger; Designentwicklung: Matthias Last, Manuel Bürger Anzeigen Andrea Obrist (Leiterin Werbemarkt) Druck Zehnder Druck AG, Wil

Abonnemente Die TagesWoche erscheint täglich online und jeweils am Freitag als Wochenzeitung. 1 Jahr: CHF 220.– (50 Ausgaben); 2 Jahre: CHF 420.– (100 Ausgaben); Ausland-Abos auf Anfrage. Alle Abo-Preise verstehen sich inkl. 2,5 Prozent Mehrwertsteuer und Versandkosten in der Schweiz.

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30. Dezember 2011

Dialog

JA

Die Wochendebatte

NEIN «Vertiefter Blick ins eigene Innere»

Ben Moore Professor für Astrophysik

Edith Scherrer Astrologin in Basel

Foto: NASA Images

«Sterne haben keinen Einfluss bei der Geburt»

Können Himmelskörper uns beein-

flussen? Ist dieser Einfluss relevant? Warum ist er es ausgerechnet im Moment der Geburt? Und: Gibt es Beweise dafür? Jedes Teilchen im Universum wirkt auf jedes andere Partikel ein, einschliesslich des neuronalen Netzes in unserem Gehirn und seinen molekularen Komponenten. In dieser Hinsicht haben die Astrologen also recht. Sterne und Planeten bestehen vornehmlich aus Wasser- und Sauerstoff, – den Elementen im Wasser. Nehmen wir an, ein Vater trinke während der Geburt seines Kindes ein Bier. Berechnen wir die relative Anziehungskraft zwischen dem Gehirn des Babys, dem Bier und den Himmelskörpern, wäre die Anziehungskraft des Biers dabei viel stärker als die des nächsten Himmelskörpers – des Mondes. Zum Glück für das Baby vermag allerdings weder das Bier noch der Mond auch nur ein einziges Molekül in seinem Körper zu verschieben. Der Einfluss der Himmelskörper zum Zeitpunkt der Geburt ist also vollkommen irrelevant. Funktioniert Astrologie? Machen wir den Test! Ich habe mehrere Vorhersagen für einen Tag zusammengesucht. Die erste sagt mir Entwicklungen in der Liebe und eine impulsive Handlung voraus. Eine zweite besagt, dass sich an meinem Liebesleben gerade gar nichts ändert. Und eine dritte warnt mich, ich sollte mich möglichst nicht nach draussen begeben. Müssten die Vorhersagen nicht wenigstens ähnlich sein, wenn sie auf einer nachvollziehbaren Theorie beruhen? In einer Studie mit 2000 Zwillingen, die jeweils mit wenigen Minuten Abstand geboren wurden, haben die Geschwister keine der von den Astrologen vorhergesagten Charakteristika geteilt. Auch grösser angelegte Untersuchungen mit kontrollierten Experimenten und doppelten Blindtests ergaben keine Hinweise, dass astrologische Einschätzungen zutreffen. Ich bin überzeugt, dass unsere Persönlichkeit und unser Schicksal ausschliesslich von unseren Genen, der Erziehung und der Umwelt bestimmt werden. Und obwohl ich Zwilling bin, ist meine Haltung diesbezüglich eindeutig.

TagesWoche 52

Astrologie – nichts weiter als reiner Unsinn? Wenn sich das alte Jahr dem Ende zuneigt, füllen die Zeitschriften wieder die Seiten mit Prognosen zum bevorstehenden Jahr. Erstellt von alterslosen Frauen, die sich mit Horoskopen in den Medien goldene Näschen verdienen. Da liest man dann, was der Welt und einem selbst alles blüht. Allerdings, so betonen praktizierende Astrologinnen und Astrologen, nicht so, wie wir es aus den Horoskop-Spalten kennen. Das sei eher der Unterhaltung zuzuordnen und habe nur beschränkt mit seriöser Astrologie zu tun. Ein guter Astrologe, sagen sie, sei in der Regel auch psychologisch geschult. Er zeige auf, welche planetarischen Einfüsse auf einen Menschen wirken und wie er damit umgehen könne. Hier sind beide Seiten vertreten: Astrophysiker Ben Moore hält Astrologie für Unsinn, während die Astrologin Edith Scherrer sie als alte Wissenschaft verteidigt. Webcode: @alrgq

Ist der Festtagsschmaus ungesunde Völlerei? Die Wochendebatte vom 23. Dezember: Das Ergebnis der Abstimmung stand sofort fest. Professor Beda Stadler hatte so kurz vor den Festtagen leichtes Spiel: Griesgrämigkeit sei schädlicher als ein bisschen über die Stränge zu schlagen. Aus manchen ihm zustimmenden Wortmeldungen der Leserschaft ist die Ermüdung über ständige Ermahnungen herauszulesen. Just damit argumentierte Sportmediziner Matteo Rossetto, vergeblich zwar, aber engagiert. Und nicht ganz von der Hand zu weisen ist sein Hinweis, dass wir mit dem Appetit von Ahnen ausgestattet sind, die ein völlig anderes Bewegungsmuster aufwiesen. Touché, hatte doch Stadler mit der genetischen Veranlagung der Menschen argumentiert. Trotzdem blieb Rossetto chancenlos und verlor die Umfrage mit ziemlich genau einem gegen zwei Drittel.

L

ange war die Astrologie gemeinsam mit der Astronomie eine anerkannte Wissenschaft. Nach der Aufklärung wurde sie in den Bereich des Mythischen abgeschoben und ihr die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit abgesprochen. Trotzdem behielt sie ihre Faszination für die Menschen. Im Gegensatz zu früher, als die Bestimmung und das Schicksal des Menschen im Zentrum der Sterndeutung standen, wird die Astrologie heute mit psychologischem Wissen kombiniert. Die psychologische Astrologie sieht das Horoskop als symbolisches Bild der Psyche, der vorhandenen Anlagen und Energien, die in der Welt ihren Ausdruck finden wollen. Das Geburtsbild, erstellt auf den Moment der Geburt eines Menschen, bildet die Gestirnskonstellationen dieser Zeit ab und kann als Landkarte der Seele mit all ihren Möglichkeiten und Potenzialen gesehen werden. Da die Astrologie mit Symbolen arbeitet, braucht es jedoch eine Übersetzung, eine Interpretation, um das Horoskop in eine verständliche Form zu bringen. Dabei wird auch das soziale und kulturelle Umfeld des Menschen berücksichtigt. Die Astrologie zeigt Möglichkeiten, wie die vorhandenen Anlagen bestmöglich zum Ausdruck gebracht werden können. Weiter kann sie die Zeitqualität beschreiben. Welche Themen und Bereiche in einer bestimmten Zeitspanne angeregt sind und welche Auseinandersetzungen und Entwicklungsschritte damit verbunden sein können. Das ermöglicht ein vertieftes Verständnis für Prozesse und Ereignisse und bietet – gleich einem Wetterbericht – die Möglichkeit, mit den vorhandenen Energien optimal umzugehen. Entgegen einem alten «Aberglauben» wird in der heutigen Astrologie weder eine Schicksalsdeutung gemacht, noch werden konkrete Ereignisse vorausgesagt. Die Menschen, welche sich astrologisch beraten lassen, werden nicht festgelegt, bevormundet oder «durchleuchtet». Ziel einer Beratung soll sein, dass die Menschen einen vertieften Blick in ihr Inneres erhalten und sich bewusster mit ihren Stärken und Problembereichen auseinandersetzen können.

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AG E N DA Was läuft wo? Täglich aufdatierte Kulturagenda mit Veranstaltungen aus der ganzen Schweiz – auf tageswoche.ch

FREITAG 30.12.2011 AUSSTELLUNGEN Anatomisches Museum der Universität Basel Die verschiedenen Gesichter des Gesichts Pestalozzistr. 20, Basel Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig Sex, Drugs und Leierspiel St. Alban-Graben 5, Basel Cargo Kultur Bar Regionale 12 – Modern Jesus & Co – Project 3. St. Johanns-Rheinweg 46, Basel Cartoonmuseum Basel How to Love St. Alban-Vorstadt 28, Basel Galerie Carzaniga Rolf Iseli / Albert Steiner Gemsberg 8, Basel Galerie Eulenspiegel 10 Jahre Galerie Eulenspiegel Gerbergässlein 6, Basel Galerie HILT Weihnachtsausstellung 2011 Freie Str. 88, Basel Galerie Karin Sutter Blossom Rebgasse 27, Basel

Wochenstopp Die Nacht der Nächte Dutzende von Silvesterpartys buhlen um Feierfreudige – doch nur im «Hinterhof» wird zu jeder Stunde gejubelt. Von Tara Hill Jedes Jahr dieselbe Prozedur (böse Zungen behaupten gar: Tortur): Schon Wochen im Voraus löchern einen die lieben Freunde mit der Frage aller Fragen. Nämlich: wo man Silvester, die Nacht aller Nächte, verbringen wird. Nun gibt es natürlich die superfleissigen Menschen, die den ganzen Abend bis in die Morgenstunden minutiös (vor-)verplant haben – und als Organisationstalente meist selber etwas auf die Beine stellen. Oder die Leute, die sich (durchaus vernünftig) dem Trubel um Neujahr gleich ganz verweigern, indem sie zuhause bleiben oder – noch schlauer – weit weg verreisen. Für das Gros der Menschen heisst es aber: abwarten, Optionen abwägen, möglichst viele Türchen offen halten. Zugleich gilt es zu vermeiden, dass man dann verzweifelt von Anlass zu Anlass hetzt und sich schliesslich, endlich bei der perfekten Party angekommen, vor einem unbarmherzigen Türsteher wiederfindet, der ungerührt meint: «Sorry, wir sind voll.» Wie stets handelt es sich bei der Frage nach der rauschendsten Sause um Geschmackssache: Muss es gross, laut und lärmig sein, wird man sich beim Massenevent «Big Bang» in der St. Jakobshalle wiederfinden und zu Acts wie dem unvermeidlichen DJ Antoine schwofen, die man aus den Peopleseiten der Gratisblätter kennt. Mag man es noch lärmiger, ist man in der Halle nebenan beim «Hard Soundz»-Rave richtig. Schätzt man es zwar rebellisch und laut, hasst aber Techno, entscheidet man sich

fürs Hirscheneck, wo die Progrock-Combo Flashmob durch den Abend schrummelt – oder fürs Sud, wo DJ Fett aus Berlin heisse Funkscheiben serviert. Für Freunde gediegener Cüplistimmung ist dagegen das Areal ums Nachtigallenwäldeli zu empfehlen, wo in der Kuppel zum «Groovy Glitter & Glamour»-Abend geladen wird. Ältere Semester werden die gesetztere Alternative auf dem Gundeldinger Feld vorziehen: Hier feiert man bei der Ü40-Tanznacht ohne Jungspunde. Im Nordstern schwoft man alljährlich «mit Hut und Brille» (und Resident DJs), während bei der traditionell knallvollen «Silvester Heat» in der Kaserne mit dem Müncher DJ-Gigolo Hell die Hölle los ist. Wer allerdings die beste aller Welten will, der sollte sich zum Jahresende in den «Hinterhof» hinaus wagen: Hier geben sich sowohl ein internationaler Headliner (nämlich das exzentrische Electro-Duo «Local Suicide» aus Berlin) als auch die Lokalmatadoren Zaber Riders oder die DJ-Damen Herzschwester und Féline die Ehre. Der Clou: Angestossen wird bei «Around the World» (auf mehreren Floors und mit allerlei Showeinlagen) die ganze Nacht lang jeweils zur vollen Stunde – denn man feiert von Reykjavik über die Azoren bis in die Karibik mit – so lange, «bis die Luft raus ist». Webcode: @altad

«Silvester – Around the World»: Sa, 31. 12., 22 Uhr, Hinterhof Basel, Münchensteinerstrasse 81. www.hinterhof.ch

Galerie Katharina Krohn Alle Jahre wieder Grenzacherstr. 5, Basel

Museum für Gegenwartskunst Hopelessness Freezes Time St. Alban-Rheinweg 60, Basel Naturhistorisches Museum Basel Knochenarbeit Augustinergasse 2, Basel Nicolas Krupp Contemporary Art Diango Hernández Rosentalstr. 28, Basel Pep + No Name Galerie China Unterer Heuberg 2, Basel Puppenhausmuseum Brillen / Viktorianische Weihnachten Steinenvorstadt 1, Basel S AM – Schweizerisches Architekturmuseum The Object of Zionism Steinenberg 7, Basel Stampa Udo Koch – Josef Felix Müller Spalenberg 2, Basel Tony Wuethrich Galerie Markus Gadient Vogesenstr. 29, Basel Von Bartha Garage Bernar Venet Kannenfeldplatz 6, Basel balzerARTprojects Malerei ist das Anbringen von Farbe ... Riehentorstr. 14, Basel mitart Peekaboo Reichensteinerstr. 29, Basel

Kunsthalle Palazzo Regionale 12: If Six Was Nine (J.H.) Poststr. 2, Liestal

Graf & Schelble Galerie Heinrich Gohl Spalenvorstadt 14, Basel

Museum am Burghof 90 Jahre – ein Künstlerleben / Rolf E. Samuel Basler Strasse 143, Lörrach

Kunsthalle Basel 6 Künstler aus Basel x2 Steinenberg 7, Basel

Haus für elektronische Künste Basel Regionale 2011 Oslostr. 10, Münchenstein

Kunstmuseum Basel Arbeiten auf Papier / Die Landschaften / Malerei auf Papier St. Alban-Graben 16, Basel

Fondation Beyeler Dalí, Magritte, Miró – Surrealismus in Paris / Louise Bourgeois Baselstr. 101, Riehen

Laleh June Galerie Crystel Ceresa Picassoplatz 4, Basel

Spielzeugmuseum Riehen Krippen aus aller Welt – Sammlung Roth / Tempo, Tempo! Kleine schnelle Autos Baselstr. 34, Riehen

Maison 44 Terra Luminosa Steinenring 44, Basel

TagesWoche 52

Museum der Kulturen Buon Natale! / Chinatown / EigenSinn – Inspirierende Aspekte der Ethnologie / On Stage – Die Kunst der Pekingoper Münsterplatz 20, Basel

Goetheanum Goetheanum EinszuEins Rüttiweg 45, Dornach

Gallery Daeppen Alien Interviews: We’ve Made Contact / Bane Begins Müllheimerstrasse 144, Basel

Messe Basel Körperwelten – Eine Herzenssache Messeplatz 25, Basel

Museum Tinguely Robert Breer / Tinguely und das Auto Paul Sacher-Anlage 2, Basel

Exzentrisches Electro-Duo: «Local Suicide» lassen im Hinterhof Gläser und Boxen klirren.

Vitra Design Museum BioMorph / Die Alchemie des Alltags Charles-Eames-Str. 1, Weil am Rhein

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30. Dezember 2011

Agenda

Freitag 30.12.2011 Aargauer Kunsthaus Auswahl 11 / Winterwelten aus der Sammlung Aargauerplatz, Aarau Historisches Museum Bern Mord und Totschlag Helvetiaplatz 5, Bern Kunsthalle Cantonale Berne Jura Helvetiaplatz, Bern Kunstmuseum Bern Amiet / Anna Blume und ich / Mysterium Leib / Passion Bild / Rectangle and Square Hodlerstr. 12, Bern Museum fßr Kommunikation Warnung: Kommunizieren gefährdet Helvetiastr. 16, Bern Zentrum Paul Klee Eiapopeia. Das Kind im Klee / Paul Klee. ßbermßtig / ßber Glßck Monument im Fruchtland 3, Bern Historisches Museum Rßstungen Pfistergasse 24, Luzern ETH Zentrum Annette Gigon / Mike Guyer Rämistrasse 101, Zßrich Kunsthaus Zßrich Bilderwahl! Encoding Reality / Landschaft und Pastell / The Nahmad Collection Heimplatz 1, Zßrich Landesmuseum Zßrich Die Uhrmacherkunst erobert die Welt / SchÜne Seiten Museumsstr. 2, Zßrich Museum fßr Gestaltung Zßrich Die Besten 2011 in Architektur, Landschaft und Design / Hochhaus / Schwarz Weiss Ausstellungsstr. 60, Zßrich

THEATER Charley’s Tante FÜrnbacher Theater, Schwarzwaldallee 200, Basel. 20 Uhr Das siebente Siegel Schauspielhaus, Steinentorstr. 7, Basel. 20 Uhr Der Babbe wird’s ßberläbe Häbse Theater, Klingentalstrasse 79, Basel. 20 Uhr Die SchÜne und das Biest Congress Center Basel, Basel. 19.30 Uhr Die Unterrichtsstunde Stßck von Eugène Ionesco mit einem Prolog von Jean Tardieu Theater Basel, Theaterstr. 7, Basel. 20.15 Uhr Grease Musical Theater, Feldbergstr. 151, Basel. 19.30 Uhr

TagesWoche 52

Numme kai Stress! Theater Fauteuil-Tabourettli, Spalenberg 12, Basel.

Das Schiff, Westquaistr. 19, Basel. 20 Uhr

Schneewittchen ... oder: Vom Problem zu schÜn zu sein! Eine Produktion des Tamalan Theaters Theater Arlecchino, Amerbachstrasse 14, Basel. 14.30 & 17.00 Uhr Sex isch gsßnder als Kopfsalat Dialektlustspiel mit Yvette Kolb und Ensemble Theater Fauteuil-Tabourettli, Spalenberg 12, Basel. 20 Uhr Sturm Gastspiel des Burgtheaters Wien Schauspielhaus Pfauen, Rämistrasse 34, Zßrich. 20 Uhr

POP/ROCK Dexter Doom & the Loveboat Orchestra Balkanbrass, Reggae, Ska Kuppelstage, CD-Taufe Kingston, We Have A Problem. DJ Comoustache Kuppel, Binningerstr. 14, Basel. 21.30 Uhr Radar 2011 – New Music on Tour Electro, Indierock, Mundart Mit My Heart Belongs to Cecilia Winter, The Jamborines, Alvin Zealot, Hecht, We Love Machines Sommercasino, Mßnchensteinstrasse 1, Basel. 19.30 Uhr Raymaluz Bachata, Merengue, Rumba 8 Bar, Rheingasse 8, Basel.

22 Uhr

Acoustical Mountain Marc Storace, Claudio Matteo und Charly Preissel Sissy’s Place, Muttenzerstr. 17, Birsfelden. Philipp Fankhauser Blues, R&B, Soul Das Zelt (Bern), Allmend, Bern.

20 Uhrr

The Tarantinos Pimps, Punks, Prostitutes & Politicians Tour. Warm-Up & Aftershow by DJ Kid Kah Meleon Schßßr, Tribschenstr. 1, Luzern. 22 Uhr Eluveitie mit Coroner, Korpiklaani, Blutmond, Exelsis, Powerwolf Volkshaus, Stauffacherstr. 60, Zßrich. 17.30 Uhr Michael von der Heide Theater am Hechtplatz, Hechtplatz 7, Zßrich.

20 Uhr

New York Ska Jazz Ensemble Moods, Schiffbaustrasse 6, ZĂźrich. 20.30 Uhr

PARTY 5 Rhythms Wave Latin Tanzpalast, GĂźterstr. 82, Basel.

23 Uhr

19.30 Uhr

Bliss – Silvester Pre-Party (Free Entry) House, Minimal, Techno DJs Gin Tonic Soundsystems, Le Roi, Multitask

Brazilian Touch Silvester Special Singerhaus, Am Marktplatz 34, Basel. 23 Uhr DJ Gent (Tuesdance) & Guest 80s, Crunk, Dirty South Acqua-Lounge, Binningerstr. 14, Basel. 22 Uhr Disco vs Salsa DJ Carlos Rivera Bar Rouge, Messeplatz 10, Basel.

SAND Ein Tanztheaterprojekt von Sebastian NĂźbling und Ives Thuwis-De Leeuw Schauspielhaus Schiffbau, Schiffbaustrasse 4, ZĂźrich. 20 Uhr

22 Uhr

Friday Is Fame Day 80s, Charts, Latin, Partytunes DJ Branco Fame, Clarastr. 2, Basel. 22 Uhr Just Like That House, Techno DJs Gianni Callipari, Rare Movement, Mehmet Arslan, Dalibox, Falletta Nordstern, Voltastr. 30, Basel. 23 Uhr Mixer Breakbeats, Dub, Funk, Mash Up DJs Rough J., Ren Le Fox SUD, Burgweg 7, Basel. 22 Uhr Red Lip Stick & Mustaches House DJs Charles Per-S, Fred Licci Atlantis, Klosterberg 13, Basel. 23 Uhr Silvester Warm-Up mit Joseph Capriati Detroit, House, Minimal DJs Joseph Capriati, Tony White, JosĂŠ Parra, Miss Torn, Junksound Live, Everstone, Alma Negra, Tonton, Cooljack, Antonio Milone, Dermasen Radau, Mary C. Jane Borderline, Hagenaustr. 29, Basel. 22 Uhr

23 Uhr

ÂŤMarina Del SoulÂť A Musical Journey DJ Johnny Eastwood Cafe Bar Agora, Feldbergstr. 51, Basel. 22 Uhr

19.30 Uhr

Die Lustige Witwe Thalia Theater Wien Kongresshaus, Gotthardstrasse 5, ZĂźrich. 20 Uhr Palestrina Opernhaus, Theaterplatz 1, ZĂźrich. 18.30 Uhr

Galerie Katharina Krohn Alle Jahre wieder Grenzacherstr. 5, Basel

Graf & Schelble Galerie Heinrich Gohl Spalenvorstadt 14, Basel Hebel_121 Danger + Track Hebelstrasse 121, Basel Kunsthalle Basel 6 KĂźnstler aus Basel x2 Steinenberg 7, Basel

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VORTRAG/LESUNG Heinrich BÜll: ‌ und nicht nur zur Weihnachtszeit Jupp Saile (Sprecher), Rudi Linder (Trompete) Maison 44, Steinenring 44, Basel. 19.30 Uhr Rosenkreuzertum und empfindende Ich-Kraft. Zu Rudolf Steiners Musikimpuls Vortrag von Michael Kurtz. Goetheanum, Rßttiweg 45, Dornach. 16.30 Uhr

DIVERSES Circus Klezmer Burghof, Herrenstr. 5, LĂśrrach.

20 Uhr

SamStag 31.12.2011

JAZZ/KLASSIK

AUSSTELLUNGEN

Orgelspiel zum Feierabend Louis van Niekerk, Basel. Werke von J. S. Bach Leonhardskirche, Leonhardskirchplatz, Basel. 18.15 Uhr

Cargo Kultur Bar Regionale 12 St. Johanns-Rheinweg 46, Basel

Ensemble Phœnix Basel Miriam Sabba (Sopran), HansChristian Jaenicke, Nicola Kruse (Violine), Arthur Weinbrenner (Cembalo), Matthias Hahn-Engel (Violoncello). Die Musik des Grafen St. Germain Goetheanum, Rßttiweg 45, Dornach. 20 Uhr

Galerie Karin Sutter Blossom Rebgasse 27, Basel

Gallery Daeppen Alien Interviews: We’ve Made Contact / Bane Begins Mßllheimerstrasse 144, Basel

OPER The Rake’s Progress Stadttheater Bern, Kornhausplatz 20, Bern.

E>> Hits DJs Pat Farell, Purple Project Excellent Clubbing Lounge, Binningerstr. 7, Basel. 22 Uhr

The Perfect Friday Charts, Electro, House CU Club, Steinentorstr. 35, Basel.

TANZ

Galerie Carzaniga Rolf Iseli / Albert Steiner Gemsberg 8, Basel Galerie Eulenspiegel 10 Jahre Galerie Eulenspiegel Gerbergässlein 6, Basel Galerie HILT Weihnachtsausstellung 2011 Freie Str. 88, Basel

Kunstmuseum Basel Arbeiten auf Papier / Die Landschaften / Malerei auf Papier St. Alban-Graben 16, Basel Laleh June Galerie Crystel Ceresa Picassoplatz 4, Basel Messe Basel KÜrperwelten – Eine Herzenssache Messeplatz 25, Basel Museum Tinguely Robert Breer / Tinguely und das Auto Paul Sacher-Anlage 2, Basel Museum der Kulturen Buon Natale! / Chinatown / EigenSinn – Inspirierende Aspekte der Ethnologie Mßnsterplatz 20, Basel Museum fßr Gegenwartskunst Hopelessness Freezes Time St. Alban-Rheinweg 60, Basel Naturhistorisches Museum Basel Knochenarbeit Augustinergasse 2, Basel Nicolas Krupp Contemporary Art Diango Hernåndez Rosentalstr. 28, Basel Pep + No Name Galerie China Unterer Heuberg 2, Basel Puppenhausmuseum Brillen / Viktorianische Weihnachten Steinenvorstadt 1, Basel S AM – Schweizerisches Architekturmuseum The Object of Zionism Steinenberg 7, Basel

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30. Dezember 2011

Agenda

Stampa Udo Koch – Josef Felix Müller Spalenberg 2, Basel Tony Wuethrich Galerie Markus Gadient Vogesenstr. 29, Basel Von Bartha Garage Bernar Venet Kannenfeldplatz 6, Basel

Lichtspiele Der coolste Film «Cool» kam nicht an Bord eines überfüllten Dampfers: Die Einbürgerungsgeschichte eines Wortes. Von Hansjörg Betschart

balzerARTprojects Malerei ist das Anbringen von Farbe ... Riehentorstr. 14, Basel mitart Peekaboo Reichensteinerstr. 29, Basel

Historisches Museum Bern Mord und Totschlag Helvetiaplatz 5, Bern Kunstmuseum Bern Amiet / Anna Blume und ich / Mysterium Leib / Passion Bild / Rectangle and Square Hodlerstr. 12, Bern Museum für Kommunikation Warnung: Kommunizieren gefährdet Helvetiastr. 16, Bern Kunsthaus Zürich Bilderwahl! Encoding Reality / Landschaft und Pastell / The Nahmad Collection Heimplatz 1, Zürich Landesmuseum Zürich Die Uhrmacherkunst erobert die Welt / Schöne Seiten Museumsstr. 2, Zürich

THEATER Charley’s Tante Förnbacher Theater, Schwarzwaldallee 200, Basel. 17 Uhr Der Babbe wird’s überläbe Häbse Theater, Klingentalstrasse 79, Basel. 14.30 & 18.30 & 22.30 Uhr Der zerbrochne Krug Theater Basel, Theaterstr. 7, Basel. 19.15 Uhr

TagesWoche 52

16 Uhr

Lo Stimolatore Cardiaco Uraufführung Theater Basel, Theaterstr. 7, Basel.

19 Uhr

Sex isch gsünder als Kopfsalat Dialektlustspiel mit Yvette Kolb und Ensemble Theater Fauteuil-Tabourettli, Spalenberg 12, Basel. 19.45 & 22.45 Uhr

Haus für elektronische Künste Basel Regionale 2011 Oslostr. 10, Münchenstein

Aargauer Kunsthaus Auswahl 11 / Winterwelten aus der Sammlung Aargauerplatz, Aarau

Grease Musical Theater, Feldbergstr. 151, Basel.

Numme kai Stress! Theater Fauteuil-Tabourettli, Spalenberg 12, Basel. 16.45 & 19.45 & 22.45 Uhr

Kunsthalle Palazzo Regionale 12: If Six Was Nine (J.H.) Poststr. 2, Liestal

Vitra Design Museum Die Alchemie des Alltags Charles-Eames-Str. 1, Weil am Rhein

21 Uhr

Die Schöne und das Biest Congress Center Basel, Basel. 19.30 Uhr

Magic Moments mit Magrée Theater Fauteuil-Tabourettli, Spalenberg 12, Basel. 19 Uhr

Goetheanum Goetheanum EinszuEins Rüttiweg 45, Dornach

Fondation Beyeler Dalí, Magritte, Miró – Surrealismus in Paris / Louise Bourgeois Baselstr. 101, Riehen

Die Hugentoblers Folge 6. Silvester Spezial Vorstadttheater, St. AlbanVorstadt 12, Basel.

Eingeborener und Einwanderer: Annäherung in «Le Havre».

Mein Neffe meint, es sei sein coolstes Jahr gewesen. (Er meint das wärmste Jahr seines Lebens.) Was aber meint er dann, wenn er Kaurismäkis «Le Havre» den coolsten Film des Jahres findet? Wie ist das Wort «cool» in unsere Sprache eingewandert? Wartete es lange in einem Auffanglager, mischte sich mit Turnschuhen unter Jugend-Gangs, tauchte in Szenekneipen auf, redete bald auch bei Bauarbeitern mit? Woher kam «cool» in alle Munde? Da es bereits vor etwas mehr als vierhundert Jahren als Verb bei Shakespeare auftauchte, spricht viel dafür, dass es aus England kam. Zuvor war es allerdings mit den Normannen bei den Briten eingewandert und mit den Schweden (kul!) nach Amerika ausgewandert. Erst vor siebzig Jahren kehrte es in den passiven Wortschatz der Europäer zurück. Über Filmleinwände und im Mundgepäck von hippen Jazzbands verbreitete es sich. Bald machte es sich im aktiven Wortschatz der jungen SchweizerInnen breit: Es kam fast in jedem «coolen» Alltagssatz zum Einsatz. Reden ohne «cool» schien bald manchen ebenso undenkbar wie miteinander reden ohne Handy. Heisst das, «cool» ist eingebürgert? Mein patriotischer österreichischer Freund sagt, nur die Österreicherinnen seien «fesch». Er täuscht sich. Das österreichische Mädchen mag bildhübsch sein. Aber fesch ist nicht österreichisch. Fesch ist eigentlich englisch. Wie wanderte das Wort «fesch» nach Österreich ein? Strandete es in überfüllten Booten? Nein. Es kam per Handelsschiff und mit den modebewussten jungen Österreicherinnen im neunzehnten Jahrhundert aus London zurück. Die Londonerinnen nannten damals alles, was fashionable war, fashionable, und so taten es bald auch die Wienerinnen, die nicht so

moderne Frühjahreskollektionen wie die Londonerinnen hatten und stattdessen nun deren «fashionable» für ihre Dirndl verwendeten, so oft und so rasch und so für alles, dass bald nur noch «fäsch» übrig blieb und alles mit einem Mal fesch von Mund zu Mund ging, auch bei hübschen Mädchen. «Cool» findet heute Verwendung, wo es gilt Bewunderung auszudrücken, kann aber auch Gelassenheit, Entspannung, Freude, Verachtung, Begeisterung, Triumph, Stillhalteabkommen, Wichtigkeit, Hochachtung, Kontostände, Reifenprüfdruckkontrollen, Unterbodenrostschutzfaktoren, Ruhezeiten, Biofruchtgehalt, Zahnstandesämter, kurzum: irgendetwas ausdrücken. «Cool» bedeutet praktisch alles. Das ist das Coole daran. Selbst Schweizer Politiker schrecken nicht davor zurück, etwas uncool zu finden, zumal das vor Wahlen nicht in eine andere Landessprache übersetzt werden muss. Auch hier gilt, wie überall bei Wahlen: Ein Missverständnis liegt nur vor, wenn es keine Miss versteht. Dazu drei Beispiele: 1. Eine Katholikin findet den Islam cool. 2. Eine junggebliebene Mutter zieht die coolen Hotpants der Tochter an. 3. Ein Lehrjunge entnimmt dem Kühlfach einen coolen Drink. Damit gilt «cool» wohl als in die Schweizer Sprache eingebürgert. Uff Baseldytsch: kuul, auf Bärndütsch: kuuu, auf Züritütsch: khuull, auf Fribourgerisch: ghôule, und auf Kleinhüningerisch: kühlmann! Also: «Le Havre» ist der coolste Film des Jahres. Webcode: @abknz

Die «Lichtspiele» von Hansjörg Betschart gibt es auch als Blog auf blogs.tageswoche.ch. Weitere filmische Highlights des Jahres 2011 finden Sie unter www.tageswoche.ch/kultur.

Viva Varieté! Silvestervorstellung Basler Marionetten Theater, Münsterplatz 8, Basel.

21 Uhr

POP/ROCK Amorphis, Leprous, the Man-Eating Tree Z7, Kraftwerkstr. 4, Pratteln.

20 Uhr

Fehlt Ihre Veranstaltung in der OnlineAgenda? Erfassen Sie Ihre Daten auf tageswoche.ch/agenda Titanic Silvesterparty mit Buffet, Konzert Titanic, anschl. Party mit DJ Galery, Rütiweg 9, Pratteln. 19 Uhr Funkybrotherhood feat. Noel McCalla, Gigi Moto & James Gruntz Moods, Schiffbaustrasse 6, Zürich. 20.30 Uhr Lilly Martin & Polo Hofer Waldhaus Dolder, Kurhausstr. 20, Zürich. 19 Uhr

PARTY A Night of Fame Fame, Clarastr. 2, Basel.

22 Uhr

Big Bang DJs Antoine, Sir Colin, Mr. Da-Nos, Mike Candys, Eveline, Christopher S., Slice, Tatana, Eric Preston, Josephine, Jack Holiday, Mad Morris, Kwan Hendry, Gabri A.k.a G.I, Andràs, S. St. Jakobshalle, Brüglingerstr. 21, Basel. 21 Uhr

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30. Dezember 2011

Agenda

Kreuzworträtsel

SamStag 31.12.2011 Cosmic Bang Electro, House, Partytunes DJs Taylor Cruz, Mary Volkshaus, Rebgasse 12, Basel. 22.30 Uhr Hardsoundz – Biggest Hardstyle & Hardcore New Year’s Party Hardcore, Hardstyle DJs D-Block & S-te-Fan, Technoboy, Promo, Neophyte, Mad Dog, Anime, Protesu u.a. St. Jakobshalle, Brüglingerstr. 21, Basel. 21 Uhr Kiss me Now & Love me Later Silvester Edition Electro, Funk, House, Mash Up DJs Andrew Leone, David La Palma, Alex Constanzo, Hotfingerz, Flash, Kaiser Dias, Danielson, Norbert.to, Cem Demir, Moritz, Max, Francesco Ballato, Seve Ische, Bastian Vogt, Ned O’ Neal, Nesha, Nico E-Halle-Lounge, Erlenmattstrasse 5–11, Basel. 22 Uhr Mit Hut und Brille ins neue Jahr Big Beatz, Funk, House, Techno DJs Andrea Oliva, Oliver K., Michel Sacher, Nik Frankenberg, Michael Deep, Adrian Martin, Mia Milano, Gianni Callipari, Gregster Browne, Sgt. Risk Nordstern, Voltastr. 30, Basel. 23 Uhr

Auflösung des Kreuzworträtsels in der nächsten Ausgabe.

SUDOKU

BIMARU

So lösen Sie das Sudoku: Füllen Sie die leeren Felder mit den Zahlen von 1 bis 9. Dabei darf jede Zahl in jeder Zeile, jeder Spalte und in jedem der neun 3 x 3-Blöcke nur ein Mal vorkommen. Viel Spass beim Tüfteln!

So lösen Sie Bimaru: Die Zahl bei jeder Spalte oder Zeile bestimmt, wie viele Felder durch Schiffe besetzt sind. Diese dürfen sich nicht berühren, auch nicht diagonal, und müssen vollständig von Wasser umgeben sein, sofern sie nicht an Land liegen.

Auflösungen von SUDOKU und BIMARU in TagesWoche 51

Conceptis Puzzles

4 7

3 7

2 6 9

3

1

3 5

3

5 4 3

2 5 3

8 4 1 5

1 0

1

Conceptis Puzzles

TagesWoche 52

1

2

2

6

9 1

06010031070

8 1 4 3 5 6 7 9 2

3 5 7 1 2 9 8 6 4

6 2 1 5 9 7 4 8 3

4 7 9 8 3 2 5 1 6

5 8 3 6 4 1 9 2 7

1 4 5 2 8 3 6 7 9

7 3 8 9 6 5 2 4 1

2 9 6 7 1 4 3 5 8 06010031069

2

7 3 6

6

8 7

08010000208

9 6 2 4 7 8 1 3 5

2

0

0

4

0

3

0

5

1

5

08010000207

New Years Eve Celebration Bücheli Café Bar Lounge, Steinenvorstadt 50, Basel.

21 Uhr

New Years Jam Partytunes DJ Nick Schulz Atlantis, Klosterberg 13, Basel.

23 Uhr

Oriental, House, Hip-Hop, R&B, Reggaeton DJ Dlo Harrem, Steinentorstr. 26, Basel.

20 Uhr

Saint Tropez House, Partytunes DJs Claudio, Fred Licci, Gin Tonic Soundsystems, Fabio Gullone, Pepe, Davidon Bar Rouge, Messeplatz 10, Basel. 22 Uhr Silvester 80s, 90s, Disco, Funk, Soul DJs Local Suicide, Diskomurder, Ed Luis, Eskimo, Herzschwester, Mario Robles, Mehmet Aslan, Michael Berczelly, TimTime, She DJ Feline Hinterhof, Münchensteinerstr. 81, Basel. 22 Uhr Silvester Heat Electro DJs Hell, Lord Jazz, Dario Rohrbach, Thom Nagy, Freezer Kaserne, Klybeckstrasse 1b, Basel. 22.30 Uhr Silvester Night Charts, Hip-Hop, House, Mash Up Singerhaus, Am Marktplatz 34, Basel. 23 Uhr

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30. Dezember 2011

Agenda

Leibspeise Pastete mit Stil

Silvester Special House, Techno DJs Monika Kruse, Felix KrĂścher, Extrawelt, Format:B, Andhim, Marcos Del Sol, Fenomen, Danielson, Paul Dakboog u.a. Borderline, Hagenaustr. 29, Basel. 22 Uhr Silvester-Party mit Buffet Bossa Nova, Cha Cha Cha DJ Emigrante Allegra, Aeschengraben 31, Basel.

Diese Woche zeigen die Montagsplausch-KĂśche Tenger & Leuzinger, wie Pastete ohne Filet geht. Und ohne SĂźlze. 22 Uhr

Silvesterparty des Jahres DJ Angelo; Moderation: Tom Ryser Theater Basel, Theaterstr. 7, Basel. 22.30 Uhr Starship 80s Silvester Party & Dinner DJs Kraut und RĂźben, Das Mandat Das Schiff, Westquaistr. 19, Basel. 19 Uhr Tanznacht40 – Silvesterparty mit Ăœberraschung Quartierhalle Querfeld, Dornacherstr. 192, Basel. 21 Uhr The Groovy Glitter & Glamour Silvesterparty House DJs Robert Nesta, Le Roi, Fiume Junior Acqua-Lounge, Binningerstr. 14, Basel. 22 Uhr The Groovy Glitter & Glamour Silvesterparty Charts, Partytunes DJs Fabio Tamborrini, G-Dog Kuppel, Binningerstr. 14, Basel. 22 Uhr danzSilvesteria Partytunes DJ Sunflower Stadtcasino, Steinenberg 14, Basel.

Weihnachten haben wir ßber die Runden gebracht, Neujahr steht vor der Tßr. Neben Klassikern wie zum Beispiel Fondue chinoise hat der eine oder andere von euch sicherlich eine Pastete serviert oder serviert bekommen. Meist sind die leckeren Pasteten gefßllt mit bis zu einem Dutzend Zutaten wie Brät, Kalbfleisch, Poulet, Morcheln, Trßffel und Pistazien. Natßrlich fehlt auch die von den einen verabscheute, von den anderen geliebte Sßlze nie. Klappt es beim Zubereiten auch noch mit dem mittigen Platzieren des Filets, macht die klassische Pastete nicht nur geschmacklich eine gute Falle. Es gibt aber auch weniger bekannte Pasteten, die einfacher zuzubereiten sind und Abwechslung in den trßben Januar bringen. Eine unserer Favoritinnen mÜchten wir euch ans Herz legen: die Krautstielpastete. Wir versprechen selbst denjenigen, die beim Wort Krautstiel die Mundwinkel nach unten gezogen haben, dass dieses Rezept einen Versuch wert ist. Krautstiel oder Stiel-/Rippenmangold ist ßbrigens ein sehr schweizerisches Gemßse, das es ausser in Italien im Ausland kaum zu kaufen gibt. Bei uns ist das Gemßse fast ganzjährig zu kriegen,

Hochsaison hat es zwischen April und November. Krautstielpastete fĂźr 4 Personen: Zirka 500 Gramm Krautstiel, in mundgerechten StĂźcken, im Salzwasser kurz blanchieren, auskĂźhlen und gut abtropfen lassen. 200 Gramm Schinkenstreifen und 200 Gramm Emmentaler grob gerieben mit dem Krautstiel in eine SchĂźssel geben. Zwei El Mehl mit etwas Butter anschwitzen und 1,5 dl Sauerrahm dazugiessen. Mit Knoblauch, Salz, Pfeffer und etwas Muskat wĂźrzen. Sauce unter den Krautstiel mischen. Eine Springform mit einem Kuchenteig auskleiden, Krautstielmischung darin verteilen. Den Teigrand mit Eiweiss bestreichen und mit einem zweiten Kuchenteig als Deckel schliessen. Mit Eigelb anstreichen und bei 200 Grad ca. 30 Minuten backen. Wie verwendet ihr den Krautstiel? Welches ist eure Alternative zu den klassischen Pasteten? Wir freuen uns wie immer auf eure Kommentare mit Stil: Webcode @aluok

Gabriel Tengers und Benjamin Leuzingers ÂŤMontagsplauschÂť finden Sie unter blogs.tageswoche.ch

Orpheus in der Unterwelt Stadttheater Bern, Kornhausplatz 20, Bern.

19 Uhr

Le Comte Ory Opernhaus, Theaterplatz 1, ZĂźrich. 18.30 Uhr

COMEDY Silvester mit dem Cabaret WORTissimo mit Silvester-Dinner Theater Arlecchino, Amerbachstrasse 14, Basel.

19 Uhr

VORTRAG/LESUNG Die Geheimnisse ein Weihnachts- und Ostergedicht von Johann Wolfgang von Goethe Goetheanum, RĂźttiweg 45, Dornach. 16.30 Uhr

DIVERSES Silvester in der Stille der Leonhardskirche Leonhardskirche, Leonhardskirchplatz, Basel.

21 Uhr

Circus Klezmer Burghof, Herrenstr. 5, LĂśrrach.

20 Uhr

SoNNTAG 1.1.2012 AUSSTELLUNGEN

JAZZ/KLASSIK

Anatomisches Museum der Universität Basel Die verschiedenen Gesichter des Gesichts Pestalozzistr. 20, Basel

Ausklang Solisten des Kammerorchester Basel unter der Leitung von Yuki Kasai. Ackermannshof, St. JohannsVorstadt 19–21, Basel. 22 Uhr

19 Uhr

Silvesterkonzert Elisabethenkirche, Elisabethenstr. 10–14, Basel. 17 Uhr 21st Century Symphony Orchestra Ludwig Wicki (Leitung), Stephan Klapproth (Erzähler). Ein musikalischsatirischer Jahresrßckblick KKL, Europaplatz 1, Luzern. 21.30 Uhr Tonhalle-Orchester Zßrich Silvester-Lunchkonzert Tonhalle, Claridenstr. 7, Zßrich. 12.15 & 19.00 Uhr

TagesWoche 52

OPER

22 Uhr

Russian Nights DJs Miller, Strauss Biomill, Delsbergerstrasse 177, Laufen. 22 Uhr

Basler Festival Orchester Thomas Herzog (Leitung). Silvesterkonzert 2011 Stadtcasino, Steinenberg 14, Basel.

TANZ SAND Ein Tanztheaterprojekt von Sebastian NĂźbling und Ives Thuwis-De Leeuw Schauspielhaus Schiffbau, Schiffbaustrasse 4, ZĂźrich. 20 Uhr

Cargo Kultur Bar Modern Jesus & Co – Project 3. St. Johanns-Rheinweg 46, Basel JĂźdisches Museum Schweiz Am Ăœbergang – Bar und Bat Mizwa Kornhausgasse 8, Basel

GemĂźse gewordene Swissness: Krautstiel. Foto: Nils Fisch

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30. Dezember 2011

Agenda

SONNTAG 1.1.2012 Kunsthalle Basel 6 KĂźnstler aus Basel x2 Steinenberg 7, Basel Kunstmuseum Basel Arbeiten auf Papier / Die Landschaften / Malerei auf Papier St. Alban-Graben 16, Basel

Kultwerk #10 Dinner for One An Silvester zu Hause? Da gibt es fĂźr viele seit Jahren nur eines: Ab vor den Fernseher! Von Karen N. Gerig

Museum der Kulturen Buon Natale! / Chinatown / On Stage – Die Kunst der Pekingoper Mßnsterplatz 20, Basel

Museum Rietberg ZĂźrich Mystik Gablerstr. 15, ZĂźrich

Naturhistorisches Museum Basel Knochenarbeit Augustinergasse 2, Basel

Museum Strauhof Literaturausstellungen Charles Dickens (1812-1870) Augustinergasse 9, ZĂźrich

Puppenhausmuseum Brillen / Viktorianische Weihnachten Steinenvorstadt 1, Basel

Haus fßr elektronische Kßnste Basel Regionale 2011 Oslostr. 10, Mßnchenstein Fondation Beyeler Dalí, Magritte, Miró – Surrealismus in Paris / Louise Bourgeois Baselstr. 101, Riehen Spielzeugmuseum Riehen Krippen aus aller Welt – Sammlung Roth / Tempo, Tempo! Kleine schnelle Autos Baselstr. 34, Riehen

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TagesWoche 52

Historisches Museum Bern Mord und Totschlag Helvetiaplatz 5, Bern

Kunsthaus ZĂźrich Bilderwahl! Encoding Reality / Landschaft und Pastell / The Nahmad Collection Heimplatz 1, ZĂźrich

Museum fĂźr Gegenwartskunst Hopelessness Freezes Time St. Alban-Rheinweg 60, Basel

Kunsthalle Palazzo Regionale 12: If Six Was Nine (J.H.) Poststr. 2, Liestal

Aargauer Kunsthaus Auswahl 11 / Winterwelten aus der Sammlung Aargauerplatz, Aarau

Kunstmuseum Bern Amiet / Anna Blume und ich / Mysterium Leib / Passion Bild / Rectangle and Square Hodlerstr. 12, Bern

Messe Basel KÜrperwelten – Eine Herzenssache Messeplatz 25, Basel

S AM – Schweizerisches Architekturmuseum The Object of Zionism Steinenberg 7, Basel

Vitra Design Museum Die Alchemie des Alltags Charles-Eames-Str. 1, Weil am Rhein

THEATER Ups, da schwankt einer! Butler James muss sich kurz festhalten.

Viele giessen Blei, noch mehr trinken Champagner, die meisten verteilen Kßsse oder schreiben SMS. An Silvester gibt es unzählige Traditionen. Eine davon ist es, sich vor den Fernseher zu setzen und Butler James und Miss Sophie beim Geburtstagfeiern zuzugucken: Dinner for One ist der TV-Klassiker schlechthin. Seit bald 40 Jahren stolpert Butler James jeden 31. Dezember ßber das Tigerfell. Er serviert seiner Hausdame immer wieder dieselbe Suppe, denselben Fisch, dasselbe Hßhnchen und dasselbe Obst. Zu jedem Gang gehÜrt ein Getränk, das die alte Dame auswählt. Und weil die Gäste, die sie traditionell zum Geburtstag einlud, alle bereits verstorben sind, muss Butler James jeweils ein Gläschen pro Gast und Gang mittrinken: eines fßr Sir Toby, eines fßr Admiral von Schneider, eines fßr Mr. Pommeroy und eines fßr Mr. Winterbottom. Macht vier Gläser Sherry plus vier Gläser Weisswein plus vier Gläser Champagner plus vier Gläser und einen grossen Schluck aus der Flasche vom Portwein. Es erstaunt nicht, dass die wßrdevolle Haltung des Butlers mit der Zeit verloren geht. Dass die Begeisterung des TV-Publikums ßber diesen Sketch auch durch die schwarzweisse Patina des Films nicht getrßbt wird, kann hingegen kaum dem ßbermässigen Alkoholkonsum zugeschrieben werden – schliesslich liegen die Sendetermine meist im Vorabendprogramm, wie auch dieses Jahr: SF1 zeigt den Sketch um 19.05 Uhr, diverse deutsche Sender ziehen nach. Witzigerweise geniesst Dinner for One nur im deutschsprachigen und skandinavischen Raum Kultstatus. In England kennt den Sketch des britischen Komikerduos Freddie Frinton und May Warden kaum jemand. Der Grund dafßr: Beim Film handelt

es sich um eine Produktion des Schweizer Fernsehens, und bei diesem liegen auch heute noch alle Vertriebsrechte. Frinton und Warden fßhrten den Sketch des britischen Autors Lauri Wylie 1945 erstmals auf einer Bßhne auf. 1963 wurden sie damit im deutschen Fernsehen gezeigt, wo sie der damalige Leiter Unterhaltung des Schweizer Fernsehens entdeckte. Er lud sie in die Schweiz ein, und im Studio Bellerive in Zßrich entstand so die Aufnahme, die wir uns alljährlich im TV angucken. Auch der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zeichnete den Sketch dort mit auf. Deshalb existieren zwei Filmversionen, die sich hauptsächlich in Details unterscheiden. Trotzdem ist jene des NDR einige Minuten länger als jene des SF. Das liegt einerseits am knapperen Schnitt der Schweizer Version, andererseits daran, dass fßr den NDR der Schauspieler Heinz Piper eine längere Einfßhrungsrede hält. Doch braucht diese heutzutage noch jemand? Schliesslich wissen wir es doch längst: The same procedure as every year, James. Webcode: @altae

In dieser Rubrik stellen wir jeweils ein Kultwerk vor, das in keiner Sammlung fehlen sollte.

Komikerduo Freddie Frintons bßrgerlicher Name war Frederic Bittener Coo (1909–1968). Der englische Komiker spielte vor allem kleinere Rollen in Filmen, bis er Ende der 50er-Jahre von der BBC entdeckt wurde und mit deren Comedy-Serie Meet the Wife zum Serienstar avancierte. Seine Bßhnenpartnerin May Warden (1891–1978) wurde erst im Alter von 71 Jahren entdeckt – mit Dinner for One. Danach spielte sie in einigen Filmen mit.

Grease Musical Theater, Feldbergstr. 151, Basel.

18 Uhr

Krabat Schauspielhaus, Steinentorstr. 7, Basel. 16 Uhr

JAZZ/KLASSIK Sinfonieorchester Basel Axel Kober (Leitung). Neujahrskonzert Theater Basel, Theaterstr. 7, Basel.

17 Uhr

ZĂźrcher Kammerorchester Neujahrskonzert Tonhalle, Claridenstr. 7, ZĂźrich.

17 Uhr

OPER Le convenienze ed inconvenienze teatrali/ I pazzi per progetto Opernhaus, Theaterplatz 1, ZĂźrich. 14 Uhr Otello Opernhaus, Theaterplatz 1, ZĂźrich.

20 Uhr

DIVERSES NeujahrsapÊro Galerie Gisèle Linder, Elisabethenstr. 54, Basel.

16 Uhr

Neujahrs-Dinner Kaffi Sandwich, Tellplatz 6, Basel.

18 Uhr

Sonntagsfßhrung Knochenarbeit. Wenn Skelette erzählen Naturhistorisches Museum Basel, Augustinergasse 2, Basel. 14 Uhr

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30. Dezember 2011

Agenda

Noch hat Friedensapostel Max Daetwyler seine legendäre Fahne nicht ausgerollt – aber bald wird er sie hissen auf seinem Gang durch New York.

Aus dem Fotoarchiv von Kurt Wyss

Dem Frieden verpflichtet Friedensapostel nannte man ihn – einige mit spöttischem Unterton. Max Daetwyler, 1886 geboren, 1976 gestorben, zog mit einer weissen Fahne durch die Welt und rief zum Frieden auf. Von Georg Kreis TagesWoche 52

M

an wäre sozusagen vergeblich dort gewesen, wenn man unterwegs in wichtiger Mission an wichtigem Ort war und kein Fotograf dann ebenfalls da gewesen wäre, um der Welt den Auftritt weiterzugeben. Dieser Mann reiste mit seiner Friedensfahne ein Leben lang um die ganze Welt. 1964 war er, wie ein anderes Bild zeigt, auf dem Roten Platz in Moskau. 1962 war er hier in New York und im Vorjahr, wie nochmals ein anderes Bild belegt, in Havanna. Wir wissen fast zufällig, wer diesen Mann ebenfalls fast zufällig hier in New York abgelichtet hat: Es war eben der Basler Fotograf Kurt Wyss nach einer Zufallsbegegnung beim Frühstück in der CVJM-Absteige beim Grand Central Terminal. Der Mann wünschte ein Bild – natürlich vor der Freiheitsstatue. Kurt Wyss liess es mit sich machen. In Moskau vor dem Kreml und in Havanna vor dem dortigen Kapitol dürfte es kaum der gleiche Fotograf gewesen sein. Für einen Moment fragt man sich, aus welchen Zufallsbegegnungen die Bilder dort entstanden sind. Den Mahatma Gandhi hat der Berufspazifist, der in Zumikon zusammen mit seiner Frau eine kleine Bioproduktion betrieb, gemäss höherer Fügung in Genf vielleicht auch nur zufällig getroffen. Hier nun das Bild – ohne Freiheitsstatue – in den weiten und bei dieser Kälte stets leicht dampfenden Schluchten von Manhattan. Hinweg oder Rückweg? Jedenfalls alleine, einsam. Der Mann, Max Daetwyler aus Arbon, bei uns als Friedensapostel bekannt, als Kauz tole-

riert, darum aber auch nicht ernst genommen und seit seinem ersten Auftritt von 1917 unterwegs. Hier, bereits 75-jährig, befindet er sich auf dem Rückweg. Für ihn ist aber jeder Rückweg auch ein Hinweg. Das Bild entstand an einem 31. Dezember, Silvester, passt also ins heutige Blatt. 31. 12. 62: Zugleich ist das aber auch eine zeitlose Ikone. Der selbst ernannte Missionar geht, nicht wie ein strahlender Held, mit Blick

Für den Friedensapostel ist jeder Rückweg auch ein Hinweg. leicht nach unten und leicht gebeugt, wie ein Kreuz tragender Jesus seinen Weg, ein Fuss fest am Boden, der andere, den nächsten Schritt vorbereitend, bereits leicht abgehoben. In der Linken die Fahne, nicht eingerollt, aber auch noch nicht aufgesteckt. Wie andere Bilder belegen, in der Rechten immer das gleiche Mäppchen mit der gleichen, so einfachen wie ernsten Botschaft unterwegs. Eine Inkarnation von Lukas 2/14: «Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.» Inzwischen geht nicht mehr Daetwyler, sondern – gleichsam an seiner Stelle – sein Bild weiter um die Welt. Webcode: @alrdq

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30. Dezember 2011

Agenda

Basel

CAPITOL

Steinenvorstadt 36, kitag.com Mission: Impossible 4 [14/11 J] 14.00/17.00 D 20.00 E/d/f Sherlock Holmes 2 [14/11 J] 14.00/17.00/20.00 E/d/f

KULT.KINO ATELIER Theaterstrasse 7, kultkino.ch Happy Happy [14 J] 15.15/19.15 Ov/d/f Les neiges du Kilimandjaro [12 J] 16.15/20.45 F/d Poulet aux prunes [12 J] 16.30/18.30/20.30 F/d Die Kinder vom Napf 17.15 Dialekt Der Verdingbub [12 J] 18.30 Sa-Mi 14.00 Dialekt The Future [14 J] 21.15 Mo-Mi 13.30 E/d/f Sylvesterchlausen Sa/So 13.30 Dialekt Pina Sa-Mi 14.15 D Gatos Viejos Mo-Mi 12.15 Sp/d/f Le Havre [12 J] Mo/Mi 12.20 F/d

KULT.KINO CAMERA Rebgasse 1, kultkino.ch Melancholia [14 J] 20.30 Fr-Di 14.00 Ov/d Eine ruhige Jacke 14.15/18.45 Dialekt Fenster zum Sommer [14 J] 16.00/20.45 D Medianeras [14 J] Fr-Di 16.45 Sp/d/f Gerhard Richter Painting 18.30 D Zauberlaterne Mi 14.00/16.00 D

KULT.KINO CLUB Marktplatz 34, kultkino.ch Habemus Papam 15.30/18.00/20.30 I/d

NEUES KINO Klybeckstr. 247, neueskinobasel.ch L’uomo nero Fr 21.00 Ov/d

PATHÉ ELDORADO Steinenvorstadt 67, pathe.ch Carnage [14/11 J] 12.40 D 19.30 Fr/So-Mi 21.30 E/d/f Tage des Verrats – The Ides of March [12/9 J] 12.45/17.00 D 15.00/17.15/19.30 Fr/So-Mi 21.45 E/d/f A Dangerous Method [14/11 J] 14.30 E/d/f

PATHÉ KÜCHLIN Steinenvorstadt 55, pathe.ch The Twilight Saga: Biss zum Ende der Nacht – Teil 1 [13/10 J] 12.15/15.15 Fr 23.00 D Die Abenteuer von Tim & Struppi – 3D [9/6 J] 12.40 D Arthur Weihnachtsmann – 3D [6/3 J] 12.45 D Mein Freund der Delfin – 3D [6/3 J] 13.00 D Happy Feet 2 – 3D [6/3 J] Fr/Sa/Mo-Mi 13.00 D Happy New Year [10/7 J] 13.00/20.00 D Fr/So-Mi 20.30 Sa 18.00 E/d/f Alvin and the Chipmunks 3 [6/3 J] 13.10 E 13.30/15.40 D Rubbeldiekatz [12/9 J] 14.45/19.40 Fr 00.40 Mo-Mi 17.15 D

Sherlock Holmes: Spiel im Schatten 15.00/17.45 Fr/So-Mi 20.30 Fr 23.30 D 15.20 Fr/So-Mi 18.10/21.00 Fr 00.01 E/d/f Mission: Impossible – Phantom Protocol [14/11 J] Fr/Di 15.00/20.30 Sa-Mo/Mi 17.45 E/d/f Fr/Di 17.45 Fr 23.30 Sa-Mo/Mi 15.00 So/Mo/Mi 20.30 D The Darkest Hour – 3D [13/10 J] 15.20 Fr/Di 21.45 Fr 23.50 Sa-Mo/Mi 17.30/19.30 D Fr/Di 17.30/19.30 So/Mo/Mi 21.45 E Deine Zeit läuft ab – In Time [14/11 J] 15.30 Fr/So-Mi 22.10 D Fr/So-Mi 17.50 Fr 22.45 E/d/f Vacanze di Natale a Cortina Fr-So 17.15 I Finalmente la felicità [13/10 J] 17.45 I Blutzbrüdaz [13/10 J] 17.45/19.45 Fr/So-Mi 21.50 Fr 00.01 D Silvesterkonzert Sa 18.30 Ov Tage des Verrats – The Ides of March [12/9 J] So 12.30 E/d/f Pathé Nuggi Kino – Vorstellung

PATHÉ PLAZA Steinentorstrasse 8, pathe.ch Der gestiefelte Kater – 3D [8/5 J] 14.15/16.30 D 18.40 Fr 23.30 E/d/f Vacanze di Natale a Cortina Fr/So-Mi 20.45 I

REX Steinen 29, kitag.com Der gestiefelte Kater – 3D [8/5 J] 14.30/17.30/20.30 D Rubbeldiekatz [12/9 J] 15.00 D The Ides of March [12/9 J] 18.00/21.00 E/d/f

STADTKINO Klostergasse 5, stadtkinobasel.ch My Man Godfrey Fr 15.15 E/e The Boss of it All Fr 17.30 Ov/d/f

Mes petites amoureuses Fr 20.00 Sa 15.00 F/e Lollipop Monster Fr 22.15 Ov/d His Girl Friday Sa 17.30 E/d The Lady Eve Sa 20.00 E/d Bluebeard’s Eighth Wife Sa 22.15 E/d/f La traversée de Paris So 13.30 F/e/nor Il grande silenzio So 15.15 E/d/f Le quai des Brumes So 17.30 F/d Monte Walsh So 20.00 E/d/f True Grit Mo 18.30 E/d Touchez pas au Grisbi Mo 21.00 F/d Le clan des siciliens Mi 18.15 F/d Heaven’s Gate Mi 20.30 E/d

STUDIO CENTRAL Gerbergasse 16, kitag.com Carnage [14/11 J] 15.15/17.30/20.00 E/d/f

Frick MONTI Kaistenbergstr. 5, fricks-monti.ch Der Verdingbub [14/12 J] Fr 10.30 Mi 17.30 Dialekt Happy Feet 2 [6/4 J] Fr/Mi 13.30 D Alvin und die Chipmunks 3 [6/4 J] Fr/Mi 15.30 D Der gestiefelte Kater [6/4 J] Fr 17.30 D Sherlock Holmes: Spiel im Schatten [14/12 J] Fr/Mi 20.15 D

Liestal ORIS Kanonengasse 15, oris-liestal.ch Der gestiefelte Kater – 3D [8/5 J] Fr-Mo/Mi 13.30 D Alvin und die Chipmunks 3 [6/3 J] Fr-Mo/Mi 15.45 D Mission: Impossible – Phantom Protocol [14/11 J] Fr/So-Mi 17.45 D Sherlock Holmes: Spiel im Schatten [14/11 J] Fr/So-Mi 20.30 D

SPUTNIK Poststr. 2, palazzo.ch Die Kinder vom Napf [7 J] Fr 16.00 So 12.45 Dialekt Carnage [14 J] 18.15 E/d/f Happy Happy [14 J] 20.15 Norw/d/f Eine ruhige Jacke [10 J] Sa/So 14.30 Mo 16.30 Dialekt Habemus Papam [12 J] Sa/So 16.00 Mo 14.15 I/d/f

Sissach PALACE Felsenstrasse 3a, palacesissach.ch Der gestiefelte Kater – 3D [6/3 J] Fr-Mo/Mi 13.00 D Alvin und die Chipmunks 3 [6/3 J] Fr-Mo/Mi 14.30 D Happy Feet 2 – 3D [6/3 J] Fr-Mo/Mi 16.30 D New Year’s Eve [10/7 J] 18.15 D Sherlock Holmes: A Game of Shadows [12/9 J] 20.30 D The Twilight Saga: Biss zum Ende der Nacht – Teil 1 [14/11 J] Fr/So 22.30 D

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TagesWoche 52

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