Schweizer Landtechnik 05/2019

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Mai 2019

HACKEN UND STRIEGELN Zinken statt Chemie? Mechanische Unkrautregulierung ist etabliert Biogas: Methanausbeute erhรถhen Frontkameras: Anforderungen und Angebote


www.agrartechnik.ch Occasionen Schäffer 3560 T, 2012, 60/45 PS/kW, 200h, Preis: SFR 59.800,- (Normalsatz (7,7 %)) Kronenberg Hans, 6130 Willisau, Tel.: +41 41 9702133, www.h-kronenberg.ch L2092622 New Holland 8560/M160, 1999, 161/119 PS/kW, 9070h, A, EHR, K, KL, PSH, Preis: SFR 39.800,- (Normalsatz (7,7 %)) Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L2016365 Grimme SE 140, 2019, Preis: auf Anfrage. Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L1973654 Iseki TH 4330, 2009, Preis: SFR 25.500,(Normalsatz (7,7 %)) Studer AG Lyssach, 3421 Lyssach, Tel.: +41 34 4474444, www.studer-landtechnik.ch

L1475395 Mengele ES 6700, 2015, 9m³, Preis: SFR 25.700,- (Normalsatz (7,7 %)) Kronenberg Hans, 6130 Willisau, Tel.: +41 41 9702133, www.h-kronenberg.ch

L2145643 Weidemann 2070 LP T, 50/37 PS/kW, Preis: auf Anfrage. Kuoni Landtechnik AG, 5062 Oberhof, Tel.: +41 62 8676060, www.kuoni-landtechnik.ch

L2115685 Pöttinger Vitasem 302 Classic, Preis: auf Anfrage. Kuoni Landtechnik AG, 5062 Oberhof, Tel.: +41 62 8676060, www.kuoni-landtechnik.ch

L2101478 Joskin Modulo2 5000 ME, 2019, 5000l, Preis: SFR 14.500,- (Normalsatz (7,7 %)) Kuoni Landtechnik AG, 5062 Oberhof, Tel.: +41 62 8676060, www.kuoni-landtechnik.ch

L1494017 New Holland 6090 Combi, 2008, Preis: SFR 28.500,- (Normalsatz (7,7 %)) Guthauser GmbH, Land- und Erntetechnik, 5024 Küttigen, Niklaus Guthauser, Tel.: +41 62 827 14 14, www.guthauser-gmbh.ch

L1436872 New Holland 5060, 2013, 120/89 PS/kW, 350h, KL, K, Preis: SFR 79.000,(Normalsatz (7,7 %)) Guthauser GmbH, Land- und Erntetechnik, 5024 Küttigen, Niklaus Guthauser, Tel.: +41 62 827 14 14, www.guthauser-gmbh.ch

L1176941 New Holland T7.185, 2011, 175/129 PS/kW, 750h, Preis: SFR 99.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Guthauser GmbH, Land- und Erntetechnik, 5024 Küttigen, Niklaus Guthauser, Tel.: +41 62 827 14 14, www.guthauser-gmbh.ch

L1113281 Hemek Steber BGS, 1997, 120/89 PS/kW, 6500h, Preis: SFR 75.000,- (exkl. Normalsatz (7,7 %)) KELLER Forstmaschinen AG, 4537 Wiedlisbach, Stefan Keller, Tel.: +41 32 636 04 44, www.keller-forstmaschinen.ch

L1243425 Palax 55T TR, 2011, Preis: SFR 1.889,(exkl. Normalsatz (7,7 %)) KELLER Forstmaschinen AG, 4537 Wiedlisbach, Tel.: +41 32 6360444, www.keller-forstmaschinen.ch

L1610282 Cranab CRH 16, 2000, 9500h, Preis: auf Anfrage. KELLER Forstmaschinen AG, 4537 Wiedlisbach, Stefan Keller, Tel.: +41 32 636 04 44, www.keller-forstmaschinen.ch

L2161503 John Deere 6105MC, 2018, 105/78 PS/kW, 54h, A, DLB, EHR, FH, K, KL, LS, PSH, Preis: SFR 89.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Hansruedi Schär, Tel.: +41 62 922 35 65, www.schaer-landtechnik.ch OL 3600, Preis: SFR 39.800,- (Normalsatz (7,7 %)) VÖLLMIN LANDTECHNIK AG, 4466 Ormalingen, Tel.: +41 61 9858666, www.voellmin-landtec hnik.ch

L2152280 Lemken EurOpal 5 3+1 N 100 4 Schar, 2019, STK, Preis: auf Anfrage. Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Tel.: +41 62 9223565, www.schaer-landtechnik.ch

L2149346 Krone Fortima V 1500, 2019, auto, NB, RNH, SW, Preis: SFR 56.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Hansruedi Schär, Tel.: +41 62 922 35 65, www.schaer-landtechnik.ch OL 1400, Preis: SFR 2.766,VÖLLMIN LANDTECHNIK AG, 4466 Ormalingen, Tel.: +41 61 9858666, www.voellmin-landtec hnik.ch

L2063973 John Deere 6130R, 2018, 155/114 PS/kW, 50h, A, DLB, EHR, FH, FZW, gVA, K, KL, PSH, Preis: auf Anfrage. Schär Landtechnik AG, 3368 Bleienbach, Hansruedi Schär, Tel.: +41 62 922 35 65, www.schaer-landtechnik.ch

L2163517

L2155000 Pöttinger Trend 1, 1990, 28m³, Preis: SFR 5.000,- (Normalsatz (7,7 %)) Erni Landmaschinen AG, 6122 Menznau, Patrik Erni, Tel.: +41 41 493 10 33, www.erni-landmaschinen.ch

L2162020

L2144710 Same Dorado 100.4, 2019, 100/74 PS/kW, 25h, A, FH, FZW, K, KRG, LS, PSH, Preis: SFR 59.900,- (Normalsatz (7,7 %)) Erni Landmaschinen AG, 6122 Menznau, Patrik Erni, Tel.: +41 41 493 10 33, www.erni-landmaschinen.ch

L1475418

L2162021 OL TDK 120, Preis: SFR 18.000,(Normalsatz (7,7 %)) VÖLLMIN LANDTECHNIK AG, 4466 Ormalingen, Tel.: +41 61 9858666, www.voellmin-landtechnik.ch

L2144687 Farmtech TDK 1300, 2019, 13m³, PBW, STL, Preis: SFR 18.800,- (Normalsatz (7,7 %)) Erni Landmaschinen AG, 6122 Menznau, Patrik Erni, Tel.: +41 41 493 10 33, www.erni-landmaschinen.ch


Mai 2019 | Editorial • Inhalt

Aktuelles

Editorial

4 Kurzmeldungen Markt 8 11 12 14 18 24 26

Michael Horsch fördert Hybrid-Landwirtschaft Isobus: zum Jubiläum neue Produkte Lely «Astronaut» aus zweiter Hand

Roman Engeler

Schwerpunkt: Hacken und Striegeln Mechanische Unkrautregulierung etabliert sich Zinken statt Chemie Schlüsselmaschine Striegel Alternative Methoden zur Unkrautbekämpfung gesucht

Impression 30 32 35 36

Halb Güllefass − halb Feldspritze Striegeln und Eggen mit Treffler Siloking mit «e-mix»-Umrüstung Rehkitzrettung mit der «BambiKam»

30

Management 40

Kamera-Monitor-Systeme: Prüfung und Zulassung

40

Plattform 44 46 48

Biogasanlagen: Optimierungen beim Substrat Bauma − die weltgrösste Baumaschinenmesse Neuheiten an der «Forst live» in Offenburg

Wissen 53

Schutzgas-Schweissen − effektiv und einfach

Sicherheit 54

Ein Zapfwellen-Unfall und seine Folgen

54

Passion 56

Fiat «Winner» bei Familie Krieg in Säriswil BE

SVLT 58 Maschinengemeinschaft setzt auf «FarmX» 59 Sektionsnachrichten 62 Portät: Simon Häfeli aus Seon AG 63 Kurse und Impressum

Titelbild: Die mechanische Unkrautbekämpfung nimmt einen immer grösseren Stellenwert ein. Entsprechend gross ist das Angebot an Striegeln und Hackgeräten.

www.youtube.com/­ agrartechnikCH

www.facebook.com/­ CHLandtechnik

«Die mechanische Unkrautregulierung etabliert sich» betitelt Ruedi Hunger seinen Einstiegsbeitrag zum Schwerpunktthema «Hacken und Striegeln» auf Seite 14. Dies ist nicht zuletzt modernen Technologien zu verdanken, die es heute – und wohl in Zukunft noch weit mehr – möglich machen, dass mechanische Methoden sich in Wirkung, vielleicht auch bald in Wirtschaftlichkeit, mit den rein chemischen messen können. Ob eher mit kleinen Feldrobotern oder doch mit grossflächig arbeitenden Maschinen, darüber sind sich auch die Spezialisten noch nicht einig. Diese Art der Unkrautbekämpfung werde die Nische des biologischen Landbaus verlassen und auch im konventionellen Ackerbau Anwendung finden, meint Michael Horsch im Interview auf Seite 8. Er hat dazu den Begriff der «Hybrid-Landwirtschaft» kreiert und will damit die positiven Elemente aus biologischer und konventioneller Landwirtschaft in neuen Maschinen verbinden. Solche Maschinen werden mehr und mehr mit Sensoren oder Kameras bestückt sein. Letztere sind heute schon nötig, will man die neuen gesetzlichen Möglichkeiten eines grösseren vorderen Überhangs ausnutzen. Heinz Röthlisberger hat die Fakten zusammengetragen und präsentiert auf Seite 40 die ersten zugelassenen Systeme. Kameras dienen der Sicherheit und vermeiden Unfälle – auch solche mit Rehkitzen. «Drohnen mit Wärmebildkameras können Tiere erkennen und vielleicht schon bald im grossen Stil vor dem Mähtod retten», berichtet Ruedi Burkhalter auf Seite 36. Beispiele, die zeigen, dass die Landtechnik sich im Sinne einer noch besseren Nachhaltigkeit verändert. Ausgabe Nr. 6-7 erscheint am 20.06.2019

Bild: Ruedi Hunger

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Aktuelles

In Kürze Die Sima wechselt den Ausstellungstermin vom Februar in den November. Die nächste Ausgabe wird deshalb schon vom 8. bis 12. November 2020 in Paris stattfinden. Apollo Vredestein hat eine Partnerschaft mit dem John-Deere-Werk in Mannheim zur Lieferung von Reifen angekündigt. Ab sofort kann man Traktoren der Bau­ reihen «6R» und «6M» mit Reifen der Serie ­«Traxion» in der Erstausstattung wählen. Kuhn erhält das Prüfzeichen «DLG ­anerkannt» für den «Prolander 6000». Der Grubber wurde bei der Einarbeitung einer Zwischenfrucht geprüft. Das «Manure Sensing»-System von John Deere misst den Güllenährstoffgehalt mit dem «HarvestLab 3000» während der Ausbringung und wurde nun kürzlich von der Jury des «Land and Soil Management Award» ausgezeichnet. Lely setzt seine Fokussierung fort und verkauft die Sparte Windkraftanlagen. Lemken teilt ab sofort seine Ersatzteile für Bodenbearbeitungsgeräte in die Linien «Dural» für Langlebigkeit und «DuraMaxx» für höchste Anforderungen ein. Trioliet hat die erste energieeffiziente Doppelpulverbeschichtungsanlage der Welt in Betrieb genommen. Der EU-USA-Handelsstreit könnte nun auch zu Strafzöllen auf Traktoren führen, die in den USA produziert werden. Die Homepage resi.ch gibt Auskunft, wie und wo Siloballenfolien recycelt werden können. Rapid übernimmt mit der deutschen KommTek GmbH ein in der Entwicklung und im Verkauf tätiges Unternehmen für Kommunalmaschinen, stärkt die Präsenz in Deutschland und erweitert die Produktepa­ lette um funkgesteuerte Raupenfahrzeuge. Sulky hat in Brasilien den 100. selbst­ fahrenden Düngerstreuer aufgrund einer strategischen Partnerschaft mit Jacto verkaufen können. Im Fanshop von Reform gibt es jetzt auch Arbeitskleider des österreichischen Spezia­ listen für Berglandtechnik zu kaufen. Schäffer startet die Serienfertigung seiner Elektrolader «23e» und «24e». Zur Wahl stehen zwei Lithium-Ionen-Batteriepakete. Zürn, Hersteller von Erntevorsätzen, hat sich mehrheitlich am englischen Hacktechnik-­ Hersteller Garford beteiligt.

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Von Beginn an schnittig Bereits im Jahr 2017 etablierte der ös­ terreichische Hartmetall- und Werk­ zeugspezialist Boehlerit mit Hartmetall-­ Grubberscharen (Breite 50 mm und 80 mm) einen neuen Qualitätsstandard im Bereich der Bodenbearbeitung. Nun wurde mit der Gänsefussschare ein Pro­ dukt zur Stoppelbearbeitung und Un­ krautbekämpfung entwickelt, das durch sein unverwechselbares Design ein No­ vum in der Branche darstellt. Der Fokus bei der neuen Entwicklung wurde auf eine durchgehende Schnittigkeit der Schare gelegt. Durch den mit Hartme­ tall segmentierten Schneidenbereich, der über den Grundkörper ragt, wird ein sogenannter Biberzahneffekt gene­ riert. Der weichere Stahl verschleisst schneller als das überstehende Hartme­

tall, wodurch sich dieses während der Bearbeitung selbst schärft – ein absolu­ ter Produktvorteil. Weiter zu erwähnen ist, dass sich durch die schmalen Hart­ metallsegmente keine Schmierschicht am Boden bildet, wodurch nicht nur Wasser weiterhin eindringen kann, son­ dern auch Kanäle für Regenwürmer ge­ öffnet bleiben.

«Strip Master» von Bednar Mit dem neuen «Strip Master EN» bietet Bednar nun ebenfalls ein Streifenbearbei­ tungsgerät an. Der Reihengrubber mit 6 m Arbeitsbreite arbeitet mit acht Werk­ zeugeinheiten über einen 70/75 cm Rei­ henabstand, die maximale Lockerungs­ tiefe liegt bei 35 cm. Ähnlich wie bei ver­ gleichbaren Strip-Till-Geräten enthalten die Einheiten eine Schneidstützwalze, Sternradräumer, einen Lockerungszinken, Zustreichscheiben und eine Nivellierungs­ rolle. Die Tiefenführung der einzelnen Einheiten erfolgt über eine Parallelo­ grammaufhängung. Die Einbringung von

Gülle, Gärresten oder Mineraldünger ist in zwei Höhenniveaus möglich. Der Rah­ men ist mit Stützrädern ausgerüstet. Der «Strip Master» soll dabei selbst grosse Mengen an organischen Rückständen aus den Saatstreifen räumen, wie sie bei­ spielsweise nach der Körnermaisernte vorhanden sind.

Der «Experte» von Steyr Wie die Konzernschwestern New Holland und Case IH so kommt nun auch Steyr mit einer neuen Traktor-Baureihe im 100-PS-Segment mit stufenlosem Ge­ triebe und 4,5-l-Motor, welche die Ab­ gasnorm der Stufe 5 erfüllt, auf den Markt. Mit einem typischen Look soll sich die Baureihe «Expert CVT» an jene Kunden richten, die einen leistungsstar­ ken Traktor in kompakter Grösse bei ho­ hem Komfort benötigen. Der Traktor wird in vier Modellen mit Nennleistun­ gen von 100 PS («4100 Expert CVT»), 110 PS («4110 Expert CVT»), 120 PS

(«4210 Expert CVT») und 130 PS («4130 Expert CVT») erhältlich sein. Das Abgas­ reinigungssystem ist in einer kompakten Einheit unter der Motorhaube integriert, die Kabine im 4-Pfosten-Design gehal­ ten und die Hydraulik leistet 110 l/min.


Aktuelles

Zeit für Hacke und Striegel «Herbizid-Verzicht in Ackerkulturen» – das war Thema an der Frühlingsausstellung der Robert Aebi Landtechnik AG in Ersigen BE. Markus Hofer vom Inforama zeigte die Grundsätze beim Verzicht von Herbizid auf, machte auf die verschiedenen Programme von Bund und des Kantons Bern aufmerksam, wies aber auch darauf hin, dass die Wirtschaftlichkeit beim Herbizid-Verzicht gerade im Kartoffelbau trotz des Herbizidbeitrages des Bundes zu einem Minderertrag führen kann. Tipps zum Einstellen von Hacke und Striegel machte Thomas Hatzenbichler. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Firma aus Österreich präsentiert das Striegel- und Hackgeräte-­Programm des Herstellers. Die Firma Thomas Hatzenbichler Agro-Technik GmbH, die 1952

«Pantera 4503» Beim Modell «Pantera 4503» verbaut Amazone das neue «Comfort-Paket 1» und eine innovative Gestängeführung. Weiter erfüllt die selbstfahrende Feldspritze die Abgasstufe 5 (6-Zylinder-Reihenmotor von Deutz mit 218 PS). Unter der Abdeckung auf der linken Seite verbirgt sich das «SmartCenter» mit dem Einspülbehälter und der kompletten Bedienarmatur samt Befüllanschlüssen für die Saugbefüllung. Das «Comfort-Paket 1» umfasst einen automatischen Befüllstopp für die Saugbefüllung, optional auch bei Druckbefüllung, und die automatische Reinigung, die sich komplett aus der Kabine fernbedienen lässt. Alternativ kann die Maschine inklusive einer zusätzlichen Spülwasserpumpe ausgestattet werden. Bei diesem Paket kann die Maschine dann kontinuierlich gereinigt und während der Saugbefüllung neben dem Spritzflüssigkeitstank auch der Spülwassertank gefüllt werden. Der Selbstfahrer lässt sich optional mit der neuen aktiven Gestängesteuerung «ContourControl» und der aktiven Schwingungstilgung «SwingStop» mit einer Arbeitsbreite bis zu 40 m ausrüsten.

gegründet wurde, hat ein grosses Fachwissen zu diesem Thema und bietet seit gut fünf Jahren auch eine kameragesteuerte Autolenkung an. Urs Galliker von Robert Aebi präsentierte die «AutoTrac» und AutoTrac-Vision»-Kombinationslösung von John Deere – eine aktive Anbaugerätesteuerung für die automatisierte und kamerabasierte Unkrautbekämpfung, mit der Geschwindigkeiten bis 16 km/h möglich sein sollen. Die benötigten John-Deere-­Komponenten dafür sind ein Traktor-integriertes «AutoTrac», «StarFire»-Empfang, ein 10-Zoll-Monitor entweder Typ «4600» oder Typ «4640» mit

Premium-­ Aktivierung sowie eine «AutoTrac-Vision-­ Kamera». Das System sei ab Herbst 2019 verfügbar, so Galliker. Das Bild zeigt eine Hatzenbichler Rollsternhacke 4-reihig für den Einsatz im Mais, bei der die aktive Anbaugerätesteuerung aufgebaut ist.

Kamera, die mehr sieht Fliegl hat seine hochauflösende Rückfahrkamera «Xpert+» mit einem leistungsstarken Scheinwerfer in einem System kombiniert. Das Ergebnis heisst Fliegl «Osprey», eine Fahrzeugkamera mit Arbeitsscheinwerfer für einen perfekt ausgeleuchteten Kamerabereich. Wo herkömmliche Kameras ins Schwarze blicken, schafft «Osprey» Helligkeit und hält die Augen offen. «Osprey» kombiniert eine kleine, weitwinklige und robuste Digitalkamera mit einem

leistungsstarken LED-Scheinwerfer in einem einzigen Gehäuse. Die Kamera liegt in der Mitte und ist umgeben von acht 40-Watt-Leuchtdioden.

Neue Europazentrale Mit viel Pomp hat der indische Reifenhersteller BKT anfangs April seine neue, weiterhin in Seregno bei Mailand gelegene Europazentrale eingeweiht. Bei der Einweihung stellte das vollständig anwesende Management aus Indien mit der Besitzerfamilie Poddar an der Spitze den neuen Werbeslogan «Next Level» vor. «Dieser Slogan stellt für uns ein strategisches Projekt dar mit dem klaren Ziel, die Nummer 1 im Markt für Off-Highway-Reifen zu werden», betonte Firmenchef Arvind Poddar und erwähnte, dass BKT im vergangenen Jahr einen Umsatz von 900 Mio. US-Dollar erzielt habe. Um der Knappheit zentraler Rohstoffe wie Kautschuk und Industrie-

russ zu begegnen, wird BKT eine eigene Anlage zur Herstellung von Industrieruss (Carbon black) in Betrieb nehmen. In der neuen Europazentrale ist auch eine digitale Ausbildungs- und Informationsanlage integriert, die interaktive, hochmoderne Räume umfasst. Weiter stellte BKT sein soziales Engagement vor und übergab einer wohltätigen Organisation der Region einen Scheck von 5000 Euro.

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Aktuelles

90 Jahre «Hürlimann» Die Traktormarke «Hürlimann» kann heuer das 90-Jahr-Jubiläum feiern und auf eine interessante Geschichte zurückblicken, die durch Hans Hürlimann gekennzeichnet ist. Der Landwirtsohn brachte 1929 einen Traktor mit einem 1- Zylinder-­ Benzin-Motor und Mähmaschine auf den Markt. Von diesem Modell wurden dann 416 Exemplare hergestellt. Später folgten weitere erfolgreiche Modelle, beispielsweise der legendäre «D90» im Jahre 1959. Ende der 1970er-Jahre verkauften die Erben von Hans Hürlimann die Firma an Same. Der italienische Traktorenbauer nannte sich fortan «Same Lamborghini Hürlimann» (SLH) und später, nach der Übernahme von Deutz-Fahr, dann «Same Deutz-Fahr» (SDF). Auf der Liebegg fand Ende April nun die Feier zum 90. Geburtstag statt. Nach einer Händlertagung folgte eine Neuheiten-Ausstellung mit Verkaufsaktionen. Mit 14 ausgestellten Traktoren konnten die Besucher aus jeder Leistungsklasse ein Modell begutachten. Erstmals vorgestellt wurde die neue Serie «XLPro», mit der Hürlimann die Palette bis 250 PS erweitert. Die Serie besteht aus 5 Modellen, ist mit stufenlosem und mit voll automatisiertem Getriebe lieferbar. Andere Kundensegments, nämlich Hügel- und Bergbetriebe, werden mit dem neuen «XF V-Drive Hillrider 2019» angesprochen. Das Topmodell erreicht mit 4-Zylinder-­M otor 113 PS, dies bei einer Bauhöhe von unter 2,49 m. Beim gut besuchten Anlass konnte man

«Master»-Pflüge Kuhn erweitert sein Angebot an «Master»-Pflügen um den neuen «Vari-Master L Onland». Dieser 4- bis 6-furchige Pflug eignet sich zum Anbau an Traktoren mit 200 bis 300 PS. Der «Master L» positioniert sich zwischen den Modellen «Master 153» und «183». Als Onland-Version kann er die gesamte Zugkraft eines Traktors mit Breitbereifung oder Raupenlaufwerk nutzen und bewahrt dabei den Boden vor Verdichtungen. Mit seiner Konzeption soll er die drei wichtigsten Anforderungen der Landwirte an die Pflugarbeit wie grosse Flächenleistung, hoher Einsatzkomfort und optimale Arbeitsqualität erfüllen. Die Kinematik des Pflugs verhindert, dass es nach einer Neueinstellung des Zugpunkts oder der Schnittbreite zum Abdriften kommt. «Der Pflug bleibt in Fahrtrichtung jederzeit optimal ausgerichtet, unnötige Kosten durch Verschleiss und Kraftstoffverbrauch werden so vermieden», heisst es bei Kuhn. Um das Abfliessen und Einarbeiten von Ernterückständen zu begünstigen, bietet Kuhn eine patentierte Einstellung für den Anstellwinkel der Vorschäler. Diese erfolgt werkzeuglos mit nur einer Betätigung.

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beim Kauf eines Traktors von einem Rabatt von 90% auf 90 Optionen profitieren. So kostete beispielsweise ein GPS-System mit Front­hydraulik an einem Hürlimann «XL 140» statt CH 19 581.– noch CHF 1958.–. Diese Aktion läuft noch weiter und ist auf insgesamt 45 Traktoren limitiert. Verkaufsleiter Thomas Hahme zog ein positives Fazit vom Anlass. Er will mit der Marke «Hürlimann» weiter Vollgas geben und freut sich bereits auf die 100-Jahr-Feier.

SPV sucht Nachwuchs Die Schweizerische Pflüger-Vereinigung (SPV) ist auf der Suche nach Pflüger-Nachwuchs. Der international erfolgreiche Pflüger Beat Sprenger hat an der Generalversammlung der Vereinigung einen entsprechenden Antrag gestellt. Mit der Gründung von neuen Kategorien sollen junge und vor allem neue Pflüger angesprochen und dank grösserem Teilnehmerfeld mehr Zuschauer an die Schweizer Meisterschaft angelockt werden. Eine Arbeitsgruppe wird nun die Rahmenbedingungen für die Einführung der zwei neuen Kategorien «Standard» (mit Pflug, wie er in der Praxis eingesetzt wird) und «Offen» (mit Beschränkungen gemäss internationalem Reglement) für die Schweizer Meisterschaft erarbeiten und der GV 2020 zur Beschlussfassung vorlegen. Einsitz nehmen in dieses Gremium die Pflüger Beat Sprenger (Leitung), Urs Winteler und Marco Angst sowie vom Vorstand Willi Zollinger, Christoph Rupp und Peter Ulrich. Weiter wurde der Vorstand für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt. Die 40. Schweizer Meisterschaft im Wettpflügen findet am 10./11. August 2019 in Bonau/Wigoltingen TG statt. Am 30./31. August 2019 werden Marco Angst und Peter Ulrich die Schweiz an der Weltmeisterschaft in den USA vertreten. Bild: Ehrung des EM-Teams 2018: Willi Zollinger (Headstewart), Michael Stamm (Richter), Toni Stadelmann (Pflüger), Markus Stöcklin (Coach) und Ueli Hagen (Pflüger, v. l. n. r.).


Aktuelles

«Precision Center» Um die Bedürfnisse der modernen Landwirtschaft im Segment der Digitalisierung besser abdecken zu können, bündelt Bucher Landtechnik alle seine Kompetenzen im neu geschaffenen «Precision Center». Die Landwirtschaft erlebe seit einiger Zeit grosse Veränderungen im Bereich Digitalisierung und Precision Farming, heisst es bei Bucher Landtechnik. Man werde diese Thematik deshalb in Zukunft noch vertiefter bearbeiten. «Aus diesem Grund haben wir eine spezielle Abteilung geschaffen». Man wolle dort das breit abgestützte Know-how in den Abteilungen «New Holland Center Schweiz», «Case Steyr Center», «Kuhn Center Schweiz» und den kürzlich übernommenen Teilbereichen von Grunderco SA nutzen und dieses in einem zentralen Kompetenzzentrum mit dem Namen «Precision Center» bündeln. Das «Precision Center» soll ein markenunabhängiges Center sein und hat das klare Ziel, sich als der Ansprechpartner Nr. 1 für GPS-Lenksysteme und Precision Farming im Schweizer Markt zu etablieren. Aufgebaut und geführt wird das neue Center von Fritz Hofer und André Laubacher.

Elektrischer Transporter Seit Anfang Februar 2019 fährt im autofreien Bergdorf Stoos SZ der Aebi «VT 450» Transporter mit voll elektrischem Antrieb. Der «EVT 450 Vario», wie der Elektro-Aebi heisst, ist das erste zu 100% elektrisch betriebene Transporter-Modell von Aebi. Entstanden ist die Maschine in Zusammenarbeit mit der Firma Ecovolta aus Brunnen. Das Unternehmen hat ein Batteriekonzept entwickelt und patentiert, das flexibel an unterschiedliche Fahrzeugtypen angepasst werden kann, schreibt Aebi. Die Batterielösung im Aebi «EVT 450 Vario» umfasst 12 Batteriepacks mit je 840 Zellen und insgesamt 120 kWh Energiekapazität. Das Getriebe wird mit 80 kW Leistung angetrieben. In der ersten Testphase habe der Transporter mit einer Ladung während 4 Stunden seinen Dienst geleistet. Das Nachladen auf 80% dauert nach Hersteller-Angaben ebenfalls 4 Stunden. Aebi will den Elektro-Transporter mit Raupenlaufwerk nun in einer Testphase auf Herz und Nieren prüfen.

«Momentum» Fendt will in Brasilien Fuss fassen und hat an der «Agrishow» nicht nur den Markteinstieg angekündigt, sondern an dieser vom 29. April bis 3. Mai dauernden Ausstellung in Ribeirão Preto neben den bekannten Grossmaschinen wie der Traktorbaureihe Fendt «1000 Vario» oder den Mähdreschern vom Typ «Ideal» auch erstmals die neue Einzelkornsämaschine Fendt «Momentum» präsentiert. Fendt «Momentum» gibt es als 24-, 30- und 40-Reihen-Modell mit 45 cm Abstand. Wenn im Basismodell auf zwei Reihen verzichtet wird, kann der Abstand auch auf 50 cm erhöht werden. Die kleineren Einzelkornsämaschinen haben ein Düngertankvolumen von 4000 kg, das 40-Reihen-Modell sogar von 5300 kg. Gemäss Angaben von Fendt soll es sich um die grösste Einzelkornsämaschine mit Reihendüngerstreuer handeln, die jemals in Brasilien erhältlich war. Das Sägerät wurde vollständig in Brasilien entwickelt und produziert. Es bedient sich unter anderem der Technologie «vApply» von Precision Planting, einem Unternehmen, das Agco vor einiger Zeit übernommen hat, deswegen mit John Deere aber noch in Patentstreitigkeiten steckt.

SMSWettbewerb Jeden Monat verlost die Schweizer Landtechnik in Partnerschaft mit einem Landmaschinen-Händler ein attraktives Traktoren-Modell.

In dieser Ausgabe ist es ein Modell des Fendt «724 Vario» von Siku im Massstab 1:32.

SMS – und gewinnen mit

LMG Landmaschinen AG Oberdorfstrasse 71 3365 Grasswil

Schreiben Sie ein SMS (1 Fr.) mit SVLT Name Adresse an die Nummer 880 und gewinnen Sie mit etwas Glück dieses Modell des Fendt «724 Vario» von Siku. Das New-Holland-Knicklenker-Modell mit Silagewagen von Siku, das in der April-Ausgabe der «Schweizer Landtechnik» ausgeschrieben war, geht an Eric Maeder in 2406 La Brévine NE.

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Markt | Interview

Michael Horsch (1959) ist Gründer der Horsch Maschinen GmbH, mit Cornelia verheiratet (zuständig für Marketing, Service und Vertrieb) und Vater von vier Kindern. Die Firma leitet er mit seinem Bruder Philipp. Bilder: R. Engeler, zvg

Hybrid-Landwirtschaft als Zukunftsmodell Horsch hat sich einen Namen als Hersteller spezieller Landtechnik für den Ackerbau gemacht. Minimalbodenbearbeitung war lange das Zauberwort. Die «Schweizer Landtechnik» sprach mit Michael Horsch über die vergangene Entwicklung und die künftige Ausrichtung des Unternehmens. Roman Engeler Schweizer Landtechnik: Im letzten Jahr haben Sie mit Ihrem Unternehmen 402 Mio. Euro Umsatz erzielt, ein Wachstum von 12 % gegenüber 2017: Worauf führen Sie dieses Wachstum zurück? Michael Horsch: Ja, was soll ich dazu sagen? Wir haben in den letzten Jahren immer ein Umsatzwachstum gehabt, so gesehen führten wir im vergangenen Jahr nur unseren Trend weiter fort. Ich möchte aber betonen, dass es nicht unser primäres Ziel ist, immer zu wachsen und stets 8

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grösser zu werden oder gar Marktanteile zu kaufen. Wir wollen den Landwirten sinnvolle, geeignete Technik anbieten. Wie soll man das verstehen? Lassen Sie mich das erklären: Wir sehen vielleicht die Herausforderungen der Landwirtschaft besser als andere, weil wir – mein Bruder und ich – selbst Landwirte und so nahe an der Praxis sind. Wir sagen uns, lass uns doch für diesen spezifischen Zweck, für diese besondere Anwendung eine Maschine bauen, so dass man auf

diesem Boden beispielsweise den Weizen besser säen kann, als dies mit einem bereits bestehenden Gerät möglich ist. Dann werden Prototypen gebaut, diese auf unseren Feldern oder bei Kunden getestet und wenn das Resultat überzeugt, dann bauen wir diese Maschine. Wie viele Projekte haben Sie durchschnittlich in Bearbeitung? Wir haben ständig zwischen 20 bis 30 Projekte in Bearbeitung. Manche werden zu einem Erfolg und führen dann zu ei-


Interview | Markt

nem neuen Produkt, andere wiederum verschwinden in der Schublade. Sind es mehr eigene Ideen, oder set­ zen Sie mehr Kundenwünsche um? Wir gehen nicht zu unseren Kunden und fragen sie, was sie haben wollen. Wir sind selbst an der Front und arbeiten an spezi­ fischen Lösungen für besondere Situatio­ nen. So ist unser Unternehmen auch we­ niger von der Konjunktur abhängig. Wir kopieren auch den Wettbewerb nicht, sondern werden eher selbst kopiert. Aber Sie sichern Ihre Entwicklungen schon auch mit Patenten ab? Ja, das machen wir schon. Aber es ist zwischendurch auch gut, wenn die Mit­ bewerber uns kopieren. So können wir sagen, aber wir haben das Original – und der Kunde möchte ja lieber das Original als eine Kopie haben. Wir sehen dies als sportlichen Wettbewerb und schalten nicht gleich immer den Rechtsanwalt ein. Kommen wir zurück zu den Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres: Welche Maschinen standen im ver­ gangenen Jahr besonders im Fokus der Kunden? Grundsätzlich leben wir ja von der Vielfalt unserer Palette. Einzelne Produktgruppen zu nennen, die besonders im Fokus stan­ den, ist daher schwierig. Am ehesten noch – «nomen est omen» – die Produkt­ reihe «Focus», also unsere Sätechnik im Strip-Till-Verfahren, die mehr und mehr auch bei Raps auf den Schwarzerde-Bö­ den in Rumänien oder in der Ukraine nachgefragt wird. Wie gesagt, wir leben von unserer Produktevielfalt und von der weiteren Zunahme dieser Vielfalt, sei es zum Säen, für die Bodenbearbeitung oder in der Pflanzenschutztechnik. Die Stückzahlen bei uns sind ja nicht immer sehr gross. Unsere gesamte Fertigung und die Logistik sind jedoch so organi­ siert, dass wir diese Vielfalt mit eher klei­ nen Stückzahlen beherrschen. Und das ist auch ein Wettbewerbsvorteil. Welche Märkte haben besonders zum Wachstum beigetragen? Ich möchte da nicht einzelne Märkte nen­ nen, die besonders hervorstachen. Gut, wir leben natürlich schon ein wenig von den grossen Maschinen, die auf grossen Betrieben eingesetzt werden, die vorwie­ gend im Osten Europas – Polen, Tschechi­ en, Ungarn, Rumänien, Ukraine, Russland bis nach Kasachstan – liegen. Dieses Ge­

biet stellt für Horsch weiterhin einen stark wachsenden Markt dar. Dort ist unsere Vielfalt besonders gefragt. Die Traktorenhersteller wollen mehr und mehr zu Fulllinern werden und pochen auf Exklusivität beim Händ­ ler. Haben Sie, nun bezogen auf alle Märkte, keine Angst, den Platz beim Händler zu verlieren? Wer bestimmt im Endeffekt diese Exklusi­ vität? Die grossen Landtechnik-Hersteller, die Sie als Fullliner bezeichnen, oder ist es am Ende nicht der Kunde? Der Kunde bestimmt es wohl zu ei­ nem Teil mit seinem Kaufentscheid, aber der Händler liegt ja irgendwie zwischendrin … … ja, da haben Sie recht. Wir haben uns in den letzten Jahren beispielsweise vom John-Deere-Vertrieb bewusst etwas distan­ ziert, zwar nicht völlig getrennt, aber quasi

«Wir gehen nicht zu den Kunden und fragen dort, was diese haben wollen.» die Quote verringert, weil wir hier doch ei­ ne gewisse Gefahr geortet haben. Bei Agco und der CNH-Gruppe sehen wir das nicht so. Diese Unternehmen haben jetzt nämlich gesehen, dass Horsch seinen Umsatz stei­ gern konnte, obwohl man sich von gewis­ sen Händlern getrennt hat. Ich stelle fest,

dass wir heute gross genug sind und mit unserer Nähe beim Kunden, bei seinen Pro­ blemen doch über eine gewisse Stärke als Spezialist in der Bodenbearbeitung, Saat und im Pflanzenschutz verfügen. Vor 50 Jahren ist Ihr Vater auf den Stel­ zenhof ausgesiedelt und hat begon­ nen, ohne Pflug zu wirtschaften … … das Ganze liegt eigentlich schon etwas länger zurück. Meine Familie (Eltern und Onkel) konnten nach dem Zweiten Welt­

«Es braucht Kompromisse, die wir mit der Natur schlies­ sen müssen.»

krieg den Landwirtschaftsbetrieb flächen­ mässig recht stark ausdehnen und verfüg­ ten damals schon über 300 bis 400 ha Flä­ che. Vieles war aber steiniger Boden und man hat schon gleich einmal gemerkt, mit dem Pflug geht da gar nichts. Man musste also nach anderen Wegen suchen. Aber niemand konnte ihnen helfen. Alle haben gesagt, ohne Pflug geht das nicht, es gibt keine Alternativen. So hat man halt mit dem Experimentieren angefangen. Wie kam es dann zur Maschinenferti­ gung? Wir Kinder haben diese Experimentier­ freude mitbekommen, sind quasi mit dem Pioniergeist unserer Väter aufgewachsen. Wir wollten selbst auch einen grossen Be­

Michael Horsch ist als Kind mit dem Pioniergeist seines Vaters aufgewachsen, woraus sich dann später die heutige Maschinenfertigung ergeben hat.

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Markt | Interview

trieb haben und diesen pfluglos bewirt­ schaften, konnten aber nicht alle auf dem gleichen Hof bleiben, den schliesslich der Jüngste bekam. So haben mein Bruder und ich mit der Maschinenfertigung an­ gefangen, nicht primär, um damit ein Ge­ schäft zu entwickeln, sondern vielmehr, um mit dem Verkaufserlös einen eigenen Hof kaufen und diesen dann auch ver­ grössern zu können. Sie positionieren sich heute als Spezialist der minimalen Bodenbearbeitung. Haben Sie nicht Lust, in der Bodenbearbeitung zu einem KomplettAnbieter zu werden? Warum sollte ich? Oder anders gefragt: Sind wir denn nicht schon gross genug? Mich interessiert die Grösse oder das Wachstum eigentlich gar nicht. Freilich ha­ ben auch wir den Drang, Erfolg zu haben, aber es ist nicht das Hauptziel unserer Tä­ tigkeit. Wir wollen nicht den Mitbewerber wegdrücken und nur unsere Taschen füllen. Sie sehen in der Hybrid-Landwirtschaft einen neuen Trend. Können Sie das kurz umschreiben, was Sie damit meinen? Wer uns in den letzten Jahren beobachtet hat, der kennt uns: Horsch hinterfragt sich ständig. Ist das, was wir tun oder bis jetzt gemacht haben, richtig oder haben wir es allenfalls übertrieben? Kurzum, mit den heute in der intensiven Landwirtschaft übli­ chen engen Fruchtfolgen und der Verwen­ dung von viel Chemie gerät man doch un­ weigerlich in eine Sackgasse. Das ist meine klare Meinung. Die Natur wird zurückschla­ gen – wenn nicht heute, dann morgen. Es braucht also andere Konzepte, beispiels­ weise Kompromisse, die wir mit der Natur schliessen müssen. Neben der Natur spielt auch mehr und mehr die Gesellschaft mit ihren Vorstellungen und Bedürfnissen eine wichtige Rolle. Die bekannte Bio-Landwirt­ schaft kann aber nicht die Lösung sein. Wieso nicht? Wenn alle Landwirte umstellen, dann hat die Menschheit viel zu wenig Nahrungsmit­ tel. Da nützt uns dann auch all das viele Geld nichts mehr. Aber verstehen Sie mich richtig, es darf schon eine Bio-Landwirt­ schaft geben, aber es braucht beides, biolo­ gisch und konventionell. Die Mischung, die Vielfalt macht es aus – und das meine ich mit der Hybrid-Landwirtschaft. Nun gilt es festzustellen, wo Korrekturen notwendig sind. Wo sind die Grenzen der konventio­ nellen und wo jene der biologischen Land­ 10

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«Wir werden schon bald etwas in Richtung Automatisierung und Robotik bereit haben», verrät Michael Horsch.

wirtschaft? Wo gibt es allenfalls Gemein­ samkeiten. Wie das am Ende genau aus­ schaut, das weiss ich heute noch nicht. Aber Sie haben dazu sicher das eine oder andere Maschinenkonzept im Kopf? Ja, sicher. Wir haben jetzt schon gewisse Anwendungen, die man für die skizzierte Hybrid-Landwirtschaft einsetzen kann (siehe dazu auch die letzte Ausgabe des Kundenmagazins «terraHorsch» 17/2018, Anmerkung Redaktion). Wir kennen bei­

«Die Schwarm-Technologie ist aus meiner Sicht völliger Blödsinn.»

spielsweise auch die Problematik rund um die Resistenzen beim Ackerfuchsschwanz auf intensiven Getreidebetrieben. Da ist eine mechanische Unkrautbekämpfung angesagt. Mit einer Arbeitsbreite von 6 m säen ist ja noch okay, aber 6 m hacken, da wird man ja nicht mehr fertig. Will ich mit 12 m hacken, kann ich aber nicht mit 6 m säen. Da muss man auch breiter säen und die Sä-Elemente müssen alle auf ei­ ner Reihe sein, einen genügenden Strich­ abstand haben, damit man auch schnell mit einer Hacke fahren kann. Gibt es noch mehr Ideen? Oh ja, lassen Sie sich überraschen. Wir werden auch etwas in Richtung Automa­

tisierung und Robotik bereit haben. Bei diesen Themen wollen wir ganz vorne da­ bei sein – aber stets mit grossen Arbeits­ breiten. Also keine Schwarm-Technologie? Nein, die Schwarm-Technologie ist aus meiner Sicht völliger Blödsinn. Jeder Ro­ boter braucht ja eine Unmenge von Ka­ meras, Sensoren und Bordcomputern. Nur diese Infrastruktur alleine kostet schon bis zu 20 000 Euro. Dann kommt noch die Software hinzu. Sie können sich selbst ausrechnen, was das bei zehn klei­ nen Robotern am Ende kostet. Da nehme ich doch lieber eine grosse Maschine und habe diese Kosten nur einmal. Was auto­ nom agierende Fahrzeuge betrifft, so ha­ ben auch wir noch mit den gesetzlichen Fragen zu kämpfen. Wir arbeiten aber da­ ran, denn wir wollen, wie gesagt, hier ganz vorne dabei sein. Mit dem Portfolio Leeb sind Sie auch im konventionellen Pflanzenschutz unterwegs? Wie sehen Sie die Zukunft dieses Segments? Der Chemie-Einsatz wird zu einem immer sensibleren Thema. Die Gesellschaft, die Politik, alle wollen da mitreden. Komplett darauf verzichten – insbesondere auf Fun­ gizide und Insektizide – kann man nicht, sonst haben wir nichts mehr zu essen. Al­ so müssen wir einen schlauen Weg fin­ den. Das heisst, wir müssen immer weni­ ger Chemie immer exakter applizieren können. Es braucht dazu absolute High­ tech-Geräte – und in diesem Gebiet sind wir mit Leeb absolut dabei.


Neuheiten | Markt

Mit seinem 8-Zoll-Display bietet das «CCI 800» die optimale Grösse, um sich auf eine Anwendung zu fokussieren. Zwei weitere Apps werden kleiner angezeigt. Bilder: CCI

Steuerung der linken und rechten Dosierung möglich. Die Funktion «Tramline Control» erstellt per GPS die notwendigen Fahrgassen automatisch, vorausgesetzt, die Maschine unterstützt diese Funktion ebenfalls. Mit «Parallel Tracking» wird die Parallelfahrhilfe insofern erweitert, als dass die Abweichung von der Spur optisch und mit Masseinheiten angezeigt wird. Neu ist auch die Möglichkeit, per WLAN-Modul eine Schnittstelle zur ebenfalls Marken übergreifend nutzbaren Datenplattform «Agrirouter» herzustellen. So können Auftragsdaten oder Applikationskarten bequem über das Internet hin und her geschoben werden, einen USB-Stick braucht es daher nicht mehr zwingend.

«CCI A3»-Joystick

Neue Produkte zum Jubiläum Vor zehn Jahren wurde das «Competence Center Isobus» gegründet. Zum Jubiläum gibt es ein neues Display, einen neuen Joystick sowie ein Software-Update. Roman Engeler und Ruedi Hunger In der Elektronik sind zehn Jahre eine lange Zeit. Auch wenn Isobus präsent ist, haben die Landwirte in der Schweiz noch wenig Technik, die Isobus-tauglich ist. Es überrascht daher kaum, dass das 2017 vom «Competence Center Isobus» (CCI) vorgestellte neue und 12 Zoll grosse Isobus-Terminal «CCI 1200» erst seit wenigen Monaten richtig zur Anwendung kommt. Nun erweitert das CCI die neue Generation seiner Displays mit smartphone-analoger Multitouch-Bedienung um das Modell «CCI 800». Es ist mit 8 Zoll kleiner und ist für jene Anwender gedacht, die sich in der Anzeige auf eine Anwendung konzentrieren möchten. Einzigartig in dieser Grössenklasse ist die zusätzliche Anzeige von zwei weiteren Apps, ohne aber die Hauptanwendung zu überdecken. Software-mässig bietet das «CCI 800» jedoch den gleichen Funktionsumfang wie das grössere «CCI 1200».

Neue Software Weiter führt das CCI für seine Terminals eine überarbeitete Software ein. Diese

nennt sich «OS 2.0» und bietet zahlreiche, neue Funktionen. So werden bei angebauten Heckkameras deren Bilder beim Rückwärtsfahren automatisch auf dem Display angezeigt. Weiter ist ein «Fieldfinder» intergriert, der beim Einfahren in eine Parzelle diese automatisch erkennt und hinterlegte Applikationskarten lädt. Mit einer neuen Vorgewendefunktion können Flächen für die Bearbeitung gesperrt werden, um zunächst das Feldinnere zu bearbeiten (beispielsweise beim Legen von Kartoffeln, aber auch bei Pflanzenschutz-Anwendungen). Es ist nun auch möglich, umlaufende Vorgewende oder solche individuell nur an Kopfenden anzulegen. Neu können bis zu vier Einheiten mit «Section-Control-Funktionen» (sogenannte Booms) mit je bis zu 254 Teilbreiten und bis zu vier Applikationskarten gleichzeitig angewandt werden. Nicht weniger als 32 «Control Points» ermöglichen eine unterschiedliche Ausbringmenge pro Dosiereinheit. Bei Zweischeiben-Düngerstreuern ist so eine getrennte

Vor gut einem Jahr wurde er noch als Prototyp vorgestellt, nun hat der Joystick «CCI A3» seine Marktreife erlangt. Speziell an diesem Hebel ist, dass anstelle von Druckschaltern ein Display integriert ist und dass er je nach zu bedienendem Gerät mit verschiedenen Schablonen (Unterteilungen) konfiguriert werden kann und so jeweils die wichtigsten Schaltsymbole der Maschine in Form von Piktogrammen anzeigt. Der Joystick, über den AUX-N-Anschluss mit dem Terminal verbunden, ergänzt die bereits vorhandenen Bedienmöglichkeiten auf dem Touchscreen. Wird eine Funktionstaste betätigt, so gibt der Joystick nicht nur eine akustische Rückmeldung, mit einem kurzen Vibrieren des Hebels spürt der Fahrer auch sofort, dass die Maschine eine Funktion ausgeführt hat.

Revolutionär einfache Bedienung dank Touchdisplay sowie Akustik- und Vibrationsfeedback: Joystick «CCI A3».

«Competence Center Isobus» Das «Competence Center Isobus» (CCI) ist ein Verein zur Förderung des Isobus. Der Verein wurde 2009 von Amazone, Grimme, Krone, Kuhn, Lemken und Rauch gegründet. Heute sind mehr als 30 Landtechnik-Firmen dem CCI angeschlossen. www.cc-isobus.com

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Markt | Firmen

Ein zweites Leben für den «Astronaut» Wer nicht in einen neuen Melkroboter investieren will, für den könnte ein Occasionskauf eine Alternative sein. Im Lely-«Taurus»-Programm werden gebrauchte Melkroboter aufgerüstet und mit einer einjährigen Werksgarantie versehen. Heinz Röthlisberger

Im Lely Center Härkingen wird ein Melkroboter des Typs «Astronaut A3» auf den neusten Stand nachgerüstet. Der Melkroboter hatte seinen Ersteinsatz in Deutschland. Bilder: zvg/ H. Röthlisberger

Kein Zweifel, Melkroboter haben sich am Markt durchgesetzt und sind auch auf vielen Schweizer Milchwirtschaftsbetrieben nicht mehr wegzudenken. Für viele ist diese Art des Melkens aber nach wie vor zu teuer. Wer seine Kühe trotzdem automatisch melken lassen möchte, für den bietet sich die Alternative eines Occasions-Melk­ roboters an. An Angeboten mangelt es jedenfalls nicht. Wer auf internationalen Handelsplattformen das Wort «Melkroboter» oder den entsprechenden Namen eines Herstellers mit Typenbezeichnung eingibt, wird keine Probleme haben, einen gebrauchten Melkroboter zu finden. Vielleicht nicht gerade in der Schweiz, die gehen oft unter der Hand weg, aber doch irgendwo in Deutschland oder Holland.

Zertifiziert und ein Jahr Garantie Damit auch Occasions-Melkroboter erstklassig laufen, dafür hat Hersteller Lely vor Jahren für seine «Astronaut»-Melkroboter das «Taurus»-Programm eingeführt, mit dem gebrauchte Melkroboter auf den neusten Stand aufbereitet, zertifiziert und 12

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mit einem Jahr Garantie versehen werden. Seit gut zwei Jahren wird das «Taurus»-Zertifikat auch durch das Lely Center Härkingen angeboten. «Die Nachfrage nach Occasions-Melkrobotern ist sehr gross», sagt Fabian Fischer, Leiter Occasionen und After Market beim Lely Center Härkingen. Der Grund dafür sei, dass vermehrt auch Bauern mit weniger als 30 Kühen in einen Melk­roboter investieren würden. Für diese Betriebe sei die Anfangsinvestition in einen neuen oft zu hoch.

Günstiger, jedoch nicht pro kg Milch «Ein aufbereiteter Occasion-Lely-«Astro­ naut ist bei der Anfangsinvestition rund 30 bis 40 Prozent günstiger als ein neuer», sagt Fischer. Die effektiven Kosten pro Kilogramm Milch seien jedoch mit einem Occasionsroboter nicht günstiger, da die Abschreibedauer bei einem gebrauchten auch entsprechend kürzer sind, gibt Fischer zu bedenken. Zum Vergleich. Ein neuer «As­ tronaut»-Melkroboter kostet heute zwischen 160 000 und 230 000 Franken je nach Ausrüstung. Hinzu kämen dann noch

die Installationskosten, die für die Occasionen wie auch für neue gleich hoch seien.

Gute Planung wird vorausgesetzt Wie aber muss man sich diese Aufbereitung vorstellen? «Entweder der Landwirt findet selber irgendwo einen, kauft diesen ein und informiert uns, oder dann beschaffen wir ihm einen. Meist geschieht dies durch unser europäisches Lely-Händlernetz», beschreibt Fischer den Vorgang. Natürlich werde im Voraus ganz genau angeschaut, in welchem Zustand der Roboter ist, um welchen Typ es sich handelt, wie hoch die Kosten kommen, welche Optionen der Landwirt zusätzlich auf dem Roboter haben möchte, und natürlich werde auch die Planung für die Montage am neuen Standort genaustens angeschaut. Dazu gehören detaillierte Installationspläne sowie eine enge Projektbetreuung durch Lely während des Umbaus.

Risiko «versteckte Mängel» Tückische Mängel und schwer kalkulierbare Risiken können aber auch einen gebrauch-


Firmen | Markt

Lely «Astronaut» History Typ und Bauzeit A2 (1995 bis 2006) A3 (2006 bis 2010) A3 Next (2009 bis 2011) A4 (2011 bis 2018) A5 (ab 2018)

ten sehr schnell einmal teurer werden lassen. Oft würden zehnjährige Occasionen im Internet sehr günstig angeboten. Bei der Besichtigung sehe man oft nicht, welche Mängel der Roboter aufweise, vor allem, wenn man vorher noch nie etwas mit einem Melkroboter zu tun hatte. «Da mussten schon etliche Bauern Lehrgeld bezahlen. Zum Beispiel, wenn ein Budget von 80 000 Franken mit dem Euro-Wechselkurs und den technischen Anpassungen stark überschritten wird und der Roboter dann plötzlich 130 000 Franken kostet.» Deshalb sei es gut, wenn sie von Anfang an mit dabei seien, sagt Fischer. «So können wir zusammen mit dem Kunden eine realistische und ehrliche Einschätzung der Maschine machen und die Kosten abschätzen.»

Durch Mäuse angefressene und spröde Kabel werden konsequent ersetzt.

Elektroplatinen werden auf mechanische Beschädigungen und Korrosion kontrolliert.

Alle Pulsationskomponenten werden ersetzt und geprüft.

Die Vakuumpumpe wird auf ihre Kapazität geprüft und bei Bedarf ersetzt.

Sämtliche Luftzylinder werden neu abgedichtet und auf ihre Dichtheit geprüft.

Auch der ölfreie Luftkompressor wird als wichtige Roboter-Komponente revidiert.

Die milchführenden Teile werden einer genauen Prüfung unterzogen.

Fabian Fischer (links) und Christoph Brunner vom Lely Center Härkingen.

Muss von Anfang an laufen Fischer warnt denn auch, dass ein Kauf eines gebrauchten Melkroboters auf keinen Fall mit dem eines Occasions-Traktors zu vergleichen sei. Während man bei einem Gebrauchttraktor bei unerwartetem Ausfall meist noch ein paar Tage auf diesen verzichten könne, müsse ein Melkroboter am neuen Standort gleich von Beginn weg einwandfrei laufen. Der Melkroboter stelle das Herz des Milchviehbetriebes dar, betont er. «Deshalb dürfen bei aufbereiteten Melk­ robotern keine Kompromisse eingegangen oder Experimente gemacht werden.» Um das alles umzusetzen, hat das Lely Center Härkingen auch ausgebildetes Personal für die Aufbereitung der Melkroboter. Dafür zuständig ist Werkstattleiter Christoph Brunner. «Ist der Roboter einmal bei uns eingetroffen, wird er zuerst gründlich gewaschen. So sehen wir, welche Komponenten ausgetauscht werden müssen.»

Am Schluss in den Testlauf Silikon- und Kunststoffteile werden grundsätzlich ersetzt. Vakuum- und Milchqualitätssensoren werden ebenfalls ausgetauscht wie auch das komplette Pulsationssystem. Alle technischen Neuerungen, sowohl bei der Hardware als auch die Updates, werden ausnahmslos

nachgerüstet. «Dank modularer Bauweise kann man beim Lely-Melkroboter alles nachrüsten», betont Brunner. Auf Wunsch gebe es ein Zellzahlmessgerät, das «Pura»-Dampfgerät, den «Titania»Flüssigdosierer, die «Meteor»-Klauen­ waschanlage, die Tierwaage, Fett-, Eiweiss-, Laktose- und Milchtemperaturmessung oder eine Erweiterung der Würfel­zuführung für die Fütterung. Am Schluss wird der Roboter ausführlich getestet. «Wir schliessen Strom, Wasser, Luft und das Netzwerk an und überprüfen so, ob der Roboter für die Montage und für den Praxiseinsatz bereit ist.»

Mehr als zehn Roboter jährlich Insgesamt dauert eine Aufrüstung eines Melkroboters im Lely Center rund 160 Stunden. Eingebaut und nachgerüstet wird Material im Wert von über 25 000 Franken (Einstandspreis). Die Spezialisten können jedes «Astronaut»-Modell nachrüsten bzw. generalüberholen. Dass die Nachfrage hoch ist, zeigt die Tatsache, dass das Lely Center Härkingen jährlich rund 10 bis 15 gebrauchte «Astro­naut»Melkroboter überholt und ihnen ein «zweites Leben» schenkt.

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Hacken und Striegeln

Das Interesse für alternative Unkrautregulierung ist in der Praxis gross. Bilder: R. Hunger

Die mechanische Regulierung des Unkrauts etabliert sich Mit der Unkrautregulierung greifen wir direkt in das natürliche Konkurrenzverhältnis zwischen Kulturpflanze und unerwünschten Pflanzen ein. Dabei geht es in erster Linie darum, der Kulturpflanze Vorteile zu verschaffen, wenn es um die Vorherrschaft über Nährstoffe, Wasser und Licht geht. Ruedi Hunger Die ackerbauliche Nutzung, vor allem aber die unkrautregulierenden Massnahmen mit Pflug, Egge, Hackgeräten und der Einsatz von selektiven Herbiziden hat zur Bildung von Unkrautgemeinschaften geführt. Diese wiederum werden in ihrer Zusammensetzung beeinflusst durch den Zeitpunkt einer Massnahme und durch die Kulturpflanzen oder die Fruchtfolge 14

Schweizer Landtechnik 5 2019

generell. Unkrautgemeinschaften sind flexibel, das heisst, sie passen sich den gezielten Massnahmen, die zu ihrer Regulierung getroffen werden, an. Der Wandel geht langsam, aber stetig vor sich. Die Unkrautgemeinschaften der 60er und 70er Jahre setzten sich anders zusammen als die aktuellen. Es sei denn, Bodenbearbeitung, Kulturen und Regulierungsmass-

nahmen (inkl. der selektiven Herbizide) haben sich nicht verändert, was aber kaum der Fall ist.

Was ist «Unkraut»? Es gibt verschiedene Pflanzeneigenschaften, die schlussendlich dazu führen, eine Pflanze als Unkraut zu bezeichnen: • Die Konkurrenz. Eine Unkraut-Pflanze


Hacken und Striegeln

steht mit der Nutzpflanze in direkter Konkurrenz um Nährstoffe, Licht und Wasser. Damit wird der Ertrag negativ beeinflusst. • Das massenhafte Auftreten. Ein hohes Samenpotential im Boden und der ungehemmte Samenflug lassen einzelne Pflanzen massenhaft auftreten und sich rasch ausbreiten. Ebenfalls führen lange Wurzelgeflechte (Quecke) zu starker Ausbreitung. • Eine erschwerte Bewirtschaftung. Massenhaftes Auftreten unerwünschter Pflanzen erschwert die Bewirtschaftung durch Behinderung der Bodenbearbeitung, durch massive Erntebeeinträchtigung und durch erhöhten Aufwand bei der Nachernte-Aufbereitung (z. B. Getreide) bzw. führt zu Qualitätseinbussen. • Die Giftigkeit. Einzelpflanzen, die massenhaft auftreten, können den Ertrag negativ beeinflussen. Im Futterbau ist dies beispielsweise die Herbstzeitlose.

aber im Rahmen der biologischen Schädlingsbekämpfung durchaus seine Berechtigung hat.

Positive Aspekte von Unkraut?

Müssen macht mögen

Wenn man den Aufwand und die Mühe der Unkrautregulierung vor Augen hat, ist es schwierig, dem Unkraut auch positive Aspekte zuzugestehen. Beim genaueren Hinsehen muss man eingestehen, dass Unkräuter dazu beitragen, den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, und ihren Beitrag leisten zum Erosionsschutz in Reihenkulturen. Weiter bieten blühende Unkräuter verschiedenen Nützlingen Nahrung in Form von Nektar und Pollen, aber auch in Form von Schädlingen, die auf Unkräutern überleben, bevor sie auf die Kulturpflanze ausweichen. Letzteres ist ein zweischneidiges Schwert, das

Als Alternative zur Herbizidanwendung, die heute mit hoher Präzision möglich ist (siehe Schweizer Landtechnik 3/2019), hat die mechanische Unkrautregulierung ebenfalls ein hohes Potential erreicht. Die entscheidenden Kriterien für eine breite Anwendung in der Praxis sind Wirksamkeit, Zuverlässigkeit, Kosten und der damit verbundene Arbeitsaufwand. Die mechanische Unkrautregulierung sollte vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzbildung, wachsender Zulassungsbeschränkungen für neue Mittel und höherer Akzeptanz durch die Öffentlichkeit in die Überlegungen der Unkrautregulierung einbezogen

Roboter oder Grossflächentechnik? Mit kleinen, autonomen Feldrobotern können auch kleine und mittlere Betriebe am technischen Fortschritt teilhaben, ohne dass sie zur Auslastung von Grossflächentechnik zwangsläufig ihre Flächen ausdehnen müssen. So sehen es mindestens die Fachleute. Allerdings ist eine Flächenausdehnung nicht ohne weiteres möglich und der Weg, wohin sich Feldroboter entwickeln, ist noch nicht klar ersichtlich. Agronomisch gesehen bringt die deutlich kleinere und leichtere Robotertechnik endlich die gewünschte «Bodenentlastung». Folglich verbessern sich die Wachstumsbedingungen für die Kulturpflanzen und die Erosionsgefahr nimmt, mindestens

tendenziell, ab. Mit einem Einsatz rund um die Uhr ermöglicht der Feldroboter die Nutzung des günstigsten Einsatzzeitpunktes für eine entsprechende Massnahme. Grossflächentechnik hat es nicht nur innerhalb der Landwirtschaft schwer. Letztlich ist es auch eine Frage der Akzeptanz durch den Verbraucher. Das sehr lückenhafte und oft durch Fake News geprägte Denken lässt Grossflächentechnik oft bedrohlich und gefährlich erscheinen. So gesehen haben es kleine Feldroboter einfacher. Selbst wenn es bereits einzelne Stimmen gibt, für die Robotertechnik und biologische Feldbewirtschaftung nicht vereinbar sind.

werden. Gerade bei der mechanischen Unkrautregulierung ist der Kampf gegen das Unkraut auch immer ein Wettlauf mit der Zeit. Daher wirken sich die Schlagkraft und die verfügbaren Arbeitstage begrenzend aus. Es ist eine Illusion zu glauben, der Kampf gegen das Unkraut sei zu gewinnen. Wenn, dann ist dies nur mit hohem Aufwand und bestenfalls für die Dauer einer Vegetationszeit möglich.

Verfügbare Feldarbeitstage Die verfügbaren Feldarbeitstage werden in erster Linie durch das Wetter bestimmt, ebenso spielt die Bodenart eine grosse Rolle. Die Unterschiede können zwischen den einzelnen Landesteilen gross sein. Bezüglich Bodenart haben bereits kleinräumliche Unterschiede grossen Einfluss. Die unkrautwirksamen, wichtigen Regulierungsmassnahmen im zeitigen Frühjahr sind oft nur in einer Bandbreite von vier bis etwa zwanzig Tagen möglich. Die tiefsten Werte reichen gerade mal für einen Striegeldurchgang und sind vergleichbar mit dem Zeitbedarf für den Herbizideinsatz mit der Pflanzenschutzspritze. Die Tendenz zu mehr Frühjahrstrockenheit verlängert für schwierige Böden die Anzahl verfügbare Feldarbeitstage.

Zeitbedarf wächst

Am Anfang braucht es Mut, wenn ein Systemwechsel vorgenommen werden soll.

Der Gesamtzeitbedarf für die Unkrautregulierung wird durch die Mechanisierung bestimmt. Bei tiefem Mechanisierungsgrad und beispielsweise zwei Hektar grosser Ackerfläche beanspruchen Pflanzenschutzspritze und Striegel etwa 0,5 Akh/ha (Striegel zwar mit kleinerer Arbeitsbreite, dafür höherer Fahrgeschwindigkeit und weniger Rüstzeiten). Der Einsatz einer Präzisionshacke beansprucht 5 2019 Schweizer Landtechnik

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Hacken und Striegeln

schon über 2,0 Akh/ha und die Kombina­ tion Striegel/Hackgerät manuell erreicht nahezu 3,0 Akh/ha. Mit zunehmender Ackerfläche reduziert sich der Gesamtzeit­ aufwand rasch, so dass das letzte Verfah­ ren (Striegel/Hackgerät manuell) bei 20 Hektaren nur noch etwa 0,6 Akh/ha erfor­ dert (KTBL).

Nicht nur das Positive sehen Für die Renaissance von Hacke und Strie­ gel spielen agronomische Gründe eine tragende Rolle. So treten zunehmende Resistenzen gegen Herbizide auf und Rückstandprobleme beschäftigen jeden verantwortungsvollen Ackerbauern. In der kleinen Schweiz, wo jeder sieht, was der andere macht und schon beim Auf­ tauchen einer Pflanzenschutzspritze Hor­ rorszenarien geschrieben werden, fehlt immer mehr die gesellschaftliche Akzep­ tanz für den Herbizideinsatz. Trotz be­ rechtigter Sympathie und teilweise auch Euphorie für die mechanische Unkrautre­ gulierung sollten die negativen Auswir­ kungen nicht vergessen werden. Jeder mechanische Eingriff in den Boden hat Auswirkungen auf Bodenlebewesen (je­ der Herbizideinsatz auch), fördert die Bo­ denwasserverdunstung und begünstigt die Bodenerosion. Thermische Verfahren für die grossflächi­ ge Unkrautregulierung sind sehr aufwen­ dig und teuer. Zudem sind sie mitunter schwierig zu handhaben. Sie haben des­ halb viel eher die Berechtigung in Sonder­ kulturen und vor allem bei kleinen Flä­ chen und dort, wo wirklich Unkraut steht. Ob dereinst das Unkraut mit Strom, der über die Pflanzen in den Boden und zu­ rück zur Quelle fliesst, unterdrückt wer­ den kann, wird die Zukunft zeigen.

Alternativ kann auch heissen: Dampf statt Sprühnebel.

Sensor-Unterstützung Innovationen der nächsten Jahre werden in erster Linie die Unkrautregulierung inner­ halb der Reihe betreffen. Dies umso mehr als sich die digitale Reihenführung etabliert hat. Dazu braucht es Sensoren und Kame­ ras. Die Aufgaben der Sensoren bestehen in der bestmöglichen Unterstützung bei der Geräte- und Werkzeugführung. Funktionie­ rende Sensorlösungen gibt es auch bereits für das Arbeiten in der Reihe. Die eigentliche Innovationsleistung liegt zukünftig darin, die Unterscheidungs­ merkmale immer besser zu differenzieren und den Anwendungszeitraum für die di­ gitale Technik zu vergrössern.

Bilderkennung gestern und morgen Die Aufgabe bildgebender Systeme besteht in der bestmöglichen Unterscheidung von

Kulturpflanze und Unkraut. Gestern war: Unterscheidung von Kulturpflanze und Un­ kraut durch Farbe (Blattfarbe usw.). Zukunft ist: Phänotypisieren der Einzelpflanze. Das heisst, die Einzelpflanze wird zusätzlich auf­ grund ihrer Blatt- und Wuchsform erkannt. Damit die Arbeitsgeschwindigkeit und die damit verbundene Schlagkraft gesteigert werden können, braucht es sowohl mehr Sicherheit als auch mehr Geschwindigkeit bei der Erkennung von Pflanzen. Techni­ sche Lösungen für die automatisierte me­ chanische Unkrautregulierung sind verfüg­ bar. In der Praxis ist das Interesse gross. Fachleute gehen dennoch davon aus, dass der Umbruch bereits etablierter Anbausys­ teme in Form eines Paradigmenwechsels re­ lativ langsam verläuft. Investitionen in inno­ vative digitale Technik werden folglich nicht abrupt, sondern mit kontinuierlichen Zu­ nahmen Fuss fassen.

Fazit

Den Vorwurf der Untätigkeit kann man der Schweizer Landwirtschaft nicht machen, auch mit abbaubarer Folie wird im Bereich der Unkrautregulierung geforscht.

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Unkraut wird auch künftig den Ackerbau­ ern und die Gemüseproduzenten beschäfti­ gen. Auch wenn der Kampf gegen uner­ wünschte Pflanzen nicht zu gewinnen ist, sind verschiedene Wege gangbar. Geräte für die mechanische Unkrautregulierung haben heute einen mit den Pflanzenschutz­ spritzen vergleichbar hohen technischen Stand erreicht. Allerdings kann sich der durchschnittliche Schweizer Betrieb diese hochstehende Technik vielfach gar nicht leisten. Es wird also auch zukünftig den sechs Meter breiten Striegel und das hand­ gesteuerte Hackgerät, inkl. der zweiten Person, brauchen. Damit bleiben die Ver­ fahrenskosten weiterhin ein Thema.


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Hacken und Striegeln

Lenken mit Ultraschall. Als Leitlinie dienen Fahrgassen, Dammkanten oder Pflanzreihen. Bild: Reichhardt

Zinken statt Chemie – zurück zum Ursprung? Alternativ zum Einsatz von Herbiziden bekommt die mechanische Unkrautregulierung einen immer grösseren Stellenwert. Die Vielfalt des Marktangebots ist gross. Für eine umfassende mechanische Unkrautkontrolle sind meistens mehrere Geräte erforderlich. Das verursacht Kosten. Ruedi Hunger Bei der Unkrautregulierung geht es in erster Linie darum, dass der Mensch in das Konkurrenzverhältnis zwischen Kulturpflanze und unerwünschten Pflanzen eingreift. Dabei geht es um die Vorherrschaft über Nährstoffe, Wasser und Licht. Die Nährstoffkonkurrenz beginnt bereits während der Keimung und kann ab diesem Stadium nachhaltige Folgen für die Kulturpflanze haben. Die Lichtkonkurrenz kann sich je nach Unkrautdichte ebenfalls schon früh bemerkbar machen. Während die Wasserkonkurrenz zu einem späteren Zeitpunkt und vor allem während Trockenphasen, dann aber umso ausgeprägter, wirksam wird.

Renaissance von Hacke und Striegel Das Hacken war bis zur Einführung von Herbiziden eines der Standardverfahren der Unkrautregulierung. Parallel zur Verbreitung der chemischen Unkrautvernich18

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tung blieben die Hackgeräte auf vielen Betrieben immer öfters in der Remise stehen. Lange Zeit hackten nur noch Bio-­ Betriebe. Wenn aktuellerweise wieder vermehrt von Hacktechnik für den Ackerund Gemüsebau gesprochen wird, dann, weil der Einsatz von Herbiziden zunehmend hinterfragt wird. Wer die Kontrolle über das Unkraut erlangen will, muss bei der Fruchtfolge, den Zwischenfrüchten und der Bodenbearbeitung beginnen. Bereits in der 50er-Jahren bestätigten Untersuchungen, dass nach dem Eggen zur Saatbeetherstellung eine grosse Anzahl Unkrautsamen keimen und auflaufen. Folglich ist dieser Zeitpunkt das Startsignal für eine erfolgreiche mechanische Unkrautkontrolle.

Grosse Vielfalt Nachfolgend wird unterschieden zwischen Geräten für die ganzflächige Un-

krautregulierung und Geräten für den Zwischenreihenbereich sowie für den heiklen Bereich in der Pflanzreihe. Schliesslich sind auch die Maschinen erwähnt, mit denen das Unkraut bei Dammkulturen, wie den Kartoffeln, kontrolliert werden kann.

Ganzflächige Unkrautregulierung • Rollhacke (Rotary Hoe) Die Rollhacke arbeitet reihenunabhängig und ganzflächig. Sie verfügt über abrollende Werkzeuge, die mit löffelartigen Spitzen krustenbrechend und lockernd wirken. Die Rollen sind versetzt angeordnet und haben eine flexible Federung. Die löffelförmigen Zinken entwurzeln oder verschütten die Unkräuter. Für optimale Wirkung muss das Gerät in frühen Entwicklungsstadien der Unkräuter eingesetzt werden. Verkrustete oder verschlämmte Böden werden gut gelockert.


Hacken und Striegeln

Mit der Rollhacke wird mit vergleichswei­ se hohen Arbeitsgeschwindigkeiten im Bereich von 15 bis 20 km/h gefahren. • Rollstriegel Der Rollstriegel wird reihenunabhängig eingesetzt und arbeitet ganzflächig. Die Wirkung lässt sich mit dem Zinkenstriegel vergleichen, das heisst, ausreissen und verschütten. Wobei die Wirkung in der Reihe (Kulturpflanze) intensiver ist als beim Zinkenstriegel. Die mit Stiften be­ stückten Kunststoffräder haben einen

Jede Bodenbearbeitung ist auch ein Startsignal, den Unkrautsamen in Keimstimmung zu bringen. Dies ist umso wichtiger, je tiefer die Konkurrenzkraft der Kulturpflanze ist.

Anstellwinkel von 30° (zur Fahrtrichtung). Die Stifte/Zinken vermögen auch verhär­ tete und/oder verschlämmte Böden zu lo­ ckern. Eine Kombination mit einem Schar­ hackgerät und einem teilbestückten Roll­ striegel ist sinnvoll. • Netzegge/Striegel/Hackstriegel Der Striegel war ursprünglich eine Weiter­ entwicklung der Netzegge, die über kur­ ze Stifte unter einem Ketten- oder Draht­ netz verfügte. Zu Beginn der 80er-Jahre kam Rabe erstmals mit einem Hackstrie­ gel auf den Markt. Heute ist der Kultur­

hackstriegel die Schlüsselmaschine zur mechanischen Unkrautregulierung. Die Aggressivität der Zinken wird weitgehend direkt und zentral eingestellt. Vor rund zehn Jahren wurde von einem Praktiker in Bayern ein Striegel entwickelt, bei dem jeder Striegelzinken indirekt und einzeln über eine Feder vorgespannt wird. Da­ durch bleibt der Zinkendruck über den gesamten Federweg konstant, auch bei unterschiedlichem Höhenniveau wie bei­ spielsweise bei Dammkulturen. Treffler entwickelte den neuen Striegel weiter und brachte ihn zur Marktreife. Seit zwei Jahren ist APV mit einem vergleichbaren Konzept, dem Vario-Striegel, auf dem Markt.

Unkrautregulierung zwischen den Reihen • Hackbürsten Querliegende Nylonbürsten sind eine be­ währte Technik zur frühen Unkrautregulie­ rung in Gemüsekulturen. Hackbürsten sind modular aufgebaut, das heisst, sie können bei Bedarf den unterschiedlichen Zwi­ schenreihenabständen angepasst werden. Sie sind geeignet für aufrecht wachsende Kulturen. Die Kulturpflanzen werden durch einen Tunnel geschützt. Die hydraulisch angetriebenen Reihenhackbürsten eignen sich speziell für Gemüsekulturen und sind nicht steinempfindlich. • Bügelhacken Die Bügelhacke hat zwei hintereinander angeordnete Korbelemente, die sich in ei­ ner Arbeitstiefe von ein bis vier Zentime­ ter zwischen den Pflanzreihen drehen. Der vordere Korb treibt den hinteren über eine Kette (inkl. Übersetzung) an. Bei grö­ sseren Arbeitsbreiten werden die Bügel­

Die Kamera liefert Bilder zur exakten Geräteführung entlang der Pflanzreihen. Bild: Carré

GPS-Gerätesteuerung mithilfe hydraulischer Seitenstreben an den Unterlenkern. Bild: John Deere

körbe beidseitig angetrieben. Der (in Fahrtrichtung) erste Korb bricht Verkrus­ tungen ohne Schiebewirkung. Der nach­ laufende Bügelkorb – mit gleichem Durchmesser – dreht durch eine Überset­ zung schneller, krümelt den Boden und legt Unkraut und Keimfäden auf der Oberfläche ab. Das Gerät eignet sich für Kulturen mit einem Reihenabstand ab 20 cm. Feste Bügelbreiten gibt es von 14 bis 38 cm. Die Fahrgeschwindigkeit ist zwischen 5 bis 12 km/h wählbar. • Sternhackgeräte (Rollhacken) Altbewährt zur Unkrautregulierung in Maisäckern ist das Sternhackgerät. Die Sternwerkzeuge arbeiten nach links oder rechts und können entsprechend von der Maisreihe «weghacken» oder zur Reihe hin häufeln. Entsprechend ist die Wirkung neben dem Ausreissen vor allem auf das Verschütten der Unkräuter ausgerichtet. Die Hackkörper sind auf verschiedene Reihenabstände einstellbar. Beispielswei­ se können einzelne Sterne entfernt wer­ den. Sternhackgeräte sind mässig stein­ empfindlich. • Zwischenreihenmulcher Dieses Mulchgerät hat eine Gesamtbreite von 3 m und kann den Zwischenreihen­ bereich (50 cm) von sechs Reihen bear­ beiten. Der Anbau erfolgt vorzugsweise an der Fronthydraulik. Alternativ auch an der Heckhydraulik mit Rückfahrvorrich­ tung. Mit dem Zwischenreihenmulch­ gerät kann der Aufwuchs zwischen den Kulturreihen kontrolliert bzw. gemulcht werden. Das mit aktivem Antrieb ausge­ stattete Gerät greift nicht in den Boden ein, seine horizontal drehenden Messer arbeiten oberflächennah. Die Kultur sel­ ber bleibt unbeschädigt. Oben aufliegen­ de Steine beschädigen die Messer. • Scharhackgeräte Scharhackgeräte sind auf vielen Hack­ frucht-Betrieben neben dem Striegel das 5 2019 Schweizer Landtechnik

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Hacken und Striegeln

Definition Unkraut Pflanzen werden als Unkraut bezeichnet, wenn sie … … eine Konkurrenz sind. … die Bewirtschaftung erschweren.

… sich massenhaft verbreiten.

… giftig sind.

Unkraut steht mit der gezielt angebauten Nutzpflanze in Konkur­ renz um Nährstoffe, Licht und Wasser und beeinflusst damit den Ertrag der Nutzpflanze.

Unkraut verbreitet sich massenhaft durch Samenflug, extrem lange Wur­ zelgeflechte und Verdrängung von Konkurrenten (z. B. Nutzpflanzen).

Pflanzen, die durch ihr massen­ haftes Auftreten und ihre Giftig­ keit den Ertrag einer Fläche stark negativ beein­ flussen.

Unerwünschte Pflanzen erschweren die Bewirt­ schaftung einer Fläche, indem sie (oder deren Samen) in das Erntegut ge­ langen und das Erntegut dadurch verunreinigen.

Oberfläche durch den Boden. Wenige Zentimeter vor den Tellern laufen Spur­ kranzräder, die den Boden ihrerseits verti­ kal einschneiden und damit einen ver­ stopfungsfreien Lauf sichern. Der Chop­ star-Hybrid kann optional mit einer automatischen Kameralenkung ausgerüs­ tet werden.

Unkrautregulierung in der Reihe • Finger-Rotor «Ecoweeder» Das über die Zapfwelle aktiv angetriebe­ ne Gerät hat pro Reihe jeweils zwei senk­ rechtstehende Rotoren, die gegenläufig drehen. Die eigentlichen Arbeitswerkzeu­ ge sind Stäbe oder Finger, die mit den Ro­ toren verschraubt sind. Die Arbeitstiefe wird durch das vertikale Verstellen der Rotoren vorgewählt. Mit der manuellen Steuerung werden die Rotoren individuell zwischen den einzelnen Pflanzen in die Reihe hinein und wieder heraus oder um die Kulturpflanze herumgeführt. Pro Rei­ he ist daher eine Steuerperson nötig, da­ für entfällt teure Kameratechnik. Das Ge­ rät ist in erster Linie für den Gemüsebau gedacht. Die Kombination aus Kreisbe­ wegung und oszillierender Bewegung um die Kulturpflanzen herum, reisst die Un­ kräuter aus oder verschüttet sie.

• Torsionshacke Die Hackelemente bestehen aus zwei fle­ Schutztunnel geschützt. Im späteren Sta­ xiblen Federstahlzinken pro Reihe, sie dium verschütten Scharhackgeräte durch werden zusätzlich an bestehende Hack­ ihren Häufeleffekt viele Unkräuter ent­ geräte angebaut. Die Hack-Elemente lang der Kulturpflanze. Die Wirkung wird werden an gängigen Hackrahmen ange­ durch die Fahrgeschwindigkeit bestimmt. baut. Aufgrund der geringen Grösse eig­ net sie sich auch für den Front- und/oder Scharhackgeräte eignen sich für den Front-, Zwischenachs- und Heckanbau. Zwischenachsanbau. Die beiden Feder­ zinken entwurzeln und verschütten Un­ kräuter durch vibrierende und schleifende • Tellerhacke Unter der Bezeichnung «Chopstar-­ Bewegungen bis nah an die Pflanzenrei­ Hybrid» führt Einböck eine Tellerhacke hen heran (abhängig von der Einstellung). mit 40 cm Durchmesser im Programm. Sie ist vorgesehen für stark verunkrautete • Fingerhacke Reihenkulturen (auch Mulchsaaten). Die Fingerhacken greifen seitlich in die Pflanz­ Tellerscheiben schneiden knapp unter der reihen und um die Kulturpflanze herum.

Wer früh beginnt, hat gute Chancen, dem Unkraut Herr zu werden. Bild: Kongskilde

Standardgerät. Als Werkzeuge kommen Federzinken, Gänsefussscharen oder Winkelmesser (und andere) in Frage. Die Werkzeuge, die mittels Parallelogramme mit dem Tragrahmen verbunden sind, werden gleichmässig flach durch den Bo­ den gezogen. Eine exakte Tiefenführung garantieren Parallelogramm und Tast­ rollen. Bei starren Zinken kann die Ar­ beitstiefe einzeln pro Hackgarnitur einge­ stellt werden. Auch mit gefederten Zin­ ken erfolgt die Tiefeneinstellung über die Tasträder am Parallelogramm. Im frühen Stadium werden die Kulturen durch die seitlichen Hohlscheiben oder einen

Eigenschaften von Hackgeräten in Pflanzreihen Ganzflächig arbeitend

Automatisierte Unkrautregulierung ist insbesondere für den Gemüsebau interessant. Bild: Garford

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Schweizer Landtechnik 5 2019

Antrieb

Arbeitsbreite

Beeinflussung der Wirkung

Wirkung auf Unkräuter

Finger-Rotor «Ecoweeder»

aktiv, reihenabhängig horizontal (in der Reihe) drehend

Fingerhacke

passiv

reihenabhängig

Torsionshacke

passiv

reihenabhängig

Arbeitstiefe, Einstellung der Zinken

entwurzeln, verschütten

ScheibenHäufelgerät

passiv

reihenabhängig

Arbeitstiefe, Fahrgeschwindigkeit

verschütten, entwurzeln

Arbeitstiefe, Fahrgeschwindigkeit

ausreissen, ent­ wurzeln, verschütten ausreissen, ent­ wurzeln, verschütten


Hacken und Striegeln

Damit werden die vorhandenen Unkräuter entfernt. Sie arbeiten folglich in einem Bereich, wo herkömmliche Hackgeräte nicht hinkommen. Die Fingerhacke setzt voraus, dass die Kulturpflanze bereits gut verwurzelt ist. Die Arbeitsgeschwindigkeit liegt in einer Bandbreite von etwa 4 bis 15 km/h. Die Kunststoff-Finger haben eine hohe Verschleissfestigkeit. Optional werden unterschiedliche Kunststoff-­ Härtegrade angeboten. Damit wird Rücksicht genommen auf die speziellen Anforderungen verschiedener Kulturen. Fingerhackgeräte werden üblicherweise in Kombination mit Scharhackgeräten eingesetzt. Die Tragelemente sind vertikal

von 40°. Für grössere Kulturen und bei hoher Unkrautdichte wird der Einstellwinkel 20° empfohlen. • Flachhäufler (in Kombination) Ein «Flachhäufler» wird als Zusatz an Scharhackgeräte angebaut. Die Werkzeuge werden für diesen Zweck hinter den Gänsefussscharen an den Hackrahmen geschraubt. Die Werkzeuge sind ausziehbar und können damit verschiedenen Reihen­abständen angepasst werden. Die V-förmigen Flachhäufler schieben das Bodenmaterial zur Kulturpflanze hin und erzielen damit einen Häufeleffekt. Unkräuter werden verschüttet.

Unkrautregulierung bei Dammkulturen • Scheibenhäufelgerät Das Scheibenhäufelgerät mit Hohlscheiben ist im weitesten Sinn (auch) ein «Hackgerät», das die Unkräuter verschüttet. Sie haben einen ausgeprägten Häufel­ effekt (Kartoffeln) und dienen zum Aufschütten des Damms. Der Häufeleffekt wird durch die drehenden Hohlscheiben welche Erde aufnehmen, erzielt. Die Scheiben sind paarweise als Garnitur mit dem Tragrahmen verbunden. Die Bauweise ermöglicht ein verstopfungsfreies Arbeiten. Scheibenhäufelgeräte sind weitgehend steinunempfindlich.

Eine Kamerasteuerung ist vor allem aus arbeitswirtschaftlicher Sicht dann sinnvoll, wenn sich der Arbeitszeitbedarf durch die Einsparung einer Arbeitskraft deutlich reduzieren lässt.

und horizontal schiebbar. Neu ist, dass sie in ihrer Neigung anhand von zwei Positionen verstellt werden können. Damit wird der Aggressionsgrad an die Nutzpflanze angepasst. Schmotzer empfiehlt bei empfindlichen Kulturen einen Einstellwinkel

Um einer möglichen Spätverunkrautung Herr zu werden, werden Scharhackgeräte bevorzugt. Bild: R. Hunger

Eigenschaften von Hackgeräten für den Zwischenreihenbereich Ganzflächig arbeitend

Antrieb

Arbeitsbreite

Beeinflussung der Wirkung

Wirkung auf Unkräuter

Sternhackgerät

passiv, abrollend

Zwischenreihenbereich

Anstellwinkel, Fahrgeschwindigkeit, «zu- oder weghäufeln»

Bügelhacke

passiv/ aktiv

Zwischenreihenbereich

Unterschiedliche Drehzahl der beiden ausreissen, oberflächlich ablegen Bügel-Körbe

Scharhackgerät

passiv

Zwischenreihenbereich (teilflächig)

Arbeitstiefe und Reihenabstand beeinflussen den Häufeleffekt

schneiden und verschütten

Flachhäufler

passiv

Zwischenreihenbereich

(Kombination mit Scharhackgerät)

verschütten und Häufeleffekt (Reihe)

Hackbürsten

aktiv, vertikal drehend

Zwischenreihenbereich

Reihenmulcher

aktiv, horizontal Zwischenreihenbereich drehend

Drehzahl, Fahrgeschwindigkeit

abschlagen (mulchen)

Tellerhackbürste

aktiv, horizontal Zwischenreihenbereich drehend

Drehzahl, Fahrgeschwindigkeit, Drehrichtungsänderung

ausreissen, leichter Häufeleffekt

ausreissen, verschütten

ausreissen, oberflächlich ablegen

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Hacken und Striegeln

Ausgangsgrössen für die ökonomischen Berechnungen (KTBL 2018/2019) Arbeitsbreite (m)

Traktor (kW)

km/h

Anschaffungspreis in €

Feldspritze mit 1000-l-Tank

18

45

7

25 800.–

mit 3000-l-Tank

24

67

7

51 100.–

Striegel

3

37

10

2 500.–

6

67

10

6 800.–

18

120

10

37 000.–

Hackgerät mit 4 Reihen

3

45

4.5

6 200.–

mit 8 Reihen

6

63

4.5

15 000.–

mit 12 Reihen

9

83

4.5

24 500.–

Präzisionshacke mit 4 Reihen

3

37

7

24 200.–

mit 8 Reihen

6

67

7

40 000.–

mit 12 Reihen

9

83

7

49 500.–

Abflammgerät

3

45

3.5

17 000.–

6

67

3.5

33 500.–

Arbeitsgerät

Speziell heikel ist die Unkrautkontrolle rund um die Nutzpflanze. Bild: zVg

Trends und Neuheiten Wer Erfahrung mit der mechanischen Unkrautregulierung hat, kennt die nachlassende Konzentration, wenn längere Zeit zwischen den Reihen hin- und hergefahren wird. Es überrascht daher wenig, wenn mit kameragestützten Lenksystemen der Fahrer entlastet wird. Die Hersteller befassen sich auf breiter Front mit dieser Thematik. Nachfolgend einige Beispiele: • Elektronische Tiefenführung für Striegel Treffler rüstet den Präzisions-Zinkenstriegel auf Wunsch mit einer elektronischen Tiefenführung aus. Dazu werden einzelne Zinken, sogenannte Referenzzinken, mit einem Positionssensor ausgerüstet. Ein Steuersystem regelt mit den Positionsdaten die hydraulische (Feder-)Vorspannung und gewährleistet damit eine gleichbleibende Arbeitstiefe. • Kamerabasierte Steuerung Bereits zur letzten Agritechnica (2017) wurden für Steuersysteme an Hackgeräten Silbermedaillen vergeben. Zum einen wurde das Gemeinschaftsprojekt von John Deere und Monosem «AutoTrac Implement Guidance» für automatische Anbaugeräte-Steuerung ausgezeichnet. Das System kommt ohne den üblichen Verschieberahmen aus. An seiner Stelle übernehmen hydraulische Seitenstabilisatoren an den Unterlenkern die Querverschie-

bung des Hackgerätes. Das System benutzt eine auf der Hackmaschine montierte Kamera zur vorausschauenden Berechnung der Spur entlang der Pflanzreihen. Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt von Claas mit den Hackgeräteherstellern Carré, Einböck, Hatzenbichler und Bednar, hat das Ziel, auch unter schwierigen Einsatzbedingungen eine präzise Reihenführung zu ermöglichen. Es wurde ebenfalls ausgezeichnet. Die neue Stereokamera ermöglicht eine 3D-Erfassung der Pflanzenbestände. Die für das Hacken zwischen den Reihen bekannten Systeme von Claas oder Garford funktionieren nach demselben Grundprinzip: Die Kamera hat zwei Pflanzreihen im Sichtfeld, analysiert deren Verlauf und steuert den Querverschieberahmen. Geschwindigkeiten über 10 km/h sind möglich (Agroscope Transfer, 130/2016). Eine Sensorsteuerung für Hackgeräte kostet je nach Ausführung zwischen CHF 10 000.− und CHF 30 000.−.

Arbeitsprinzip reihenunabhängige Hackgeräte

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Antrieb

Arbeitsbreite

Beeinflussung der Wirkung

Wirkung auf Unkräuter

Hackstriegel

passiv

reihenunabhängig, ganzflächig

Fahrgeschwindigkeit und Zinkenstellung

verschütten und ausreissen

Rollhackgerät (Rotary Hoe)

passiv

reihenunabhängig, ganzflächig

Fahrgeschwindigkeit (je langsamer, desto aggressiver)

freilegen, entwurzeln, verschütten

Rotorstriegel

passiv

reihenunabhängig, ganzflächig

Fahrgeschwindigkeit

ausreissen und verschütten

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• Ultraschallbasierte Steuerung Das System von Reichhardt hat Ultraschall-Sensoren, die sich an den Feldstrukturen wie Pflanzenreihen oder Pflanzdäm-

Die mechanische Unkrautregulierung wirkt am besten, wenn mit zwei verschiedenen Geräten in Kombination gearbeitet wird. Neben der Technik entscheidet in erster Linie der richtige Zeitpunkt über den Erfolg.

men orientieren. Im Gegensatz zu den Kamerasystemen gibt es bei der Ultraschall-Steuerung keine minimalen Beleuchtungsanforderungen. • Satellitenbasierte Steuerung Wurde die Saat oder das Pflanzen bereits mit einem satellitengesteuerten Traktor durchgeführt, dann kann die aufgezeichnete Spur auch beim Hacken genutzt werden. Damit ist sichergestellt, dass es nur zu minimalsten Abweichungen kommt. Im Vergleich zu kamera- und ultraschallgesteuerten Geräten werden satellitengesteuerte Systeme nicht durch Bestandseigenschaften beeinflusst. Die satellitenbasierten Lenksysteme kosten zwischen CHF 15 000.− und CHF 25 000.− (ohne die Zusatzkosten für Korrektursignale).


Hacken und Striegeln

• Parallel-Verschiebung Zunehmende Hebelkräfte lassen an Hang­ lagen bei herkömmlich eingesetzter Linearverschiebung und grossen Arbeitsbreiten den Traktor abdriften. Mithilfe eines horizontalen Parallelogramms lässt sich dieses Problem umgehen und die Hackmaschine kann auch am Hang sicher den Kulturreihen entlanggeführt werden. Der Verschiebeweg beträgt bis über 60 cm. Die dazu notwendige Kamera zur Reihenerkennung kann in der Fahrspurmitte installiert werden. • Section Control Elektronik und GPS-Steuerung machen auch vor den Geräten zur mechanischen Unkrautbeseitigung nicht Halt. So bietet Einböck eine hydraulische Aushebung der einzelnen Hackelemente an. Die Aushubhöhe reicht bis zu 30 cm. Das Ausheben kann sowohl manuell per Kippschalter als auch über eine GPS-Steuerung anhand eines vordefinierten Feldrades oder Vorgewendes erfolgen.

Fazit: Billiger wird’s nicht! Im Gegenteil. Wie beim Herbizideinsatz mit der Feldspritze sind je nach Kultur ein

Die Technik hat grosse Fortschritte gemacht, selbst Section Control wäre heute möglich. Bild: R. Hunger

oder mehrere Durchfahrten mit einem «Hackgerät» notwendig. Mit einem einfachen Hackgeräte ist zusätzliche eine Person zur Gerätesteuerung notwendig. Inzwischen kann die Steuerung zwar weitgehend automatisiert werden. Diese Spezialanwendung ist insbesondere für Gemüsebaubetriebe interessant. Der Auto­ matisierungsgrad ist grundsätzlich nach oben offen, hat dann natürlich ihren

(hohen) Preis. Für eine sinnvolle Amortisation ist eine entsprechende Auslastung oder die Einsparung von teurer Handarbeit notwendig.

Anmerkung: Steine sind die «Feinde» jeder mechanischen Unkrautregulierung. Im Internet finden Sie eine zusätzliche Marktübersicht zu Steinsammel-Geräten. www.agrartechnik.ch > «Schweizer Landtechnik» > «Downloads»

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Hacken und Striegeln

einen gewissen Stress. Wenn nicht noch zusätzliche Stressfaktoren wie beispielsweise ein Frost dazukommen, wird der Striegelstress bald durch die positiven Folgen der Bearbeitung überlagert, insbesondere durch den Mineralisierungsschub.

Verschieden Striegelbauarten Die grösste Anzahl der angebotenen Zinkenstriegel verfügen über direkt gefederte Zinken. Die Aggressivität lässt sich über eine Änderung des Anstellwinkels variieren. Alternativ zur händischen Verstellung

Frühes Striegeln ist das Erfolgsrezept. Mit zunehmender Vegetation nimmt die Unkrautwirkung des Striegels rasch ab.

Die Striegelwirkung besteht zu 70 % im Verschütten und zu 30 % im Ausreissen der Unkräuter. Bild: zvg

Der Zinkenstriegel – die Schlüsselmaschine Striegeln braucht Mut und kostet immer wieder Überwindung. Selbst wenn es scheint, dass der Striegel ein einfaches Gerät ist, gilt es vor allem zu Beginn einer Bewirtschaftungs-Umstellung die richtige Verwendung auszuloten. Ruedi Hunger

«Schau vorwärts und niemals zurück», dieser Grundsatz hilft einem Neueinsteiger bei der Überwindung seiner Hemmschwelle. Und es braucht wirklich Mut, wenn ein Bauer dem chemischen Pflanzenschutz den Rücken kehrt und erstmals im Begriff ist, mit dem Striegel durch seine Felder zu fahren. Die Striegelwirkung besteht zu einem grossen Teil im Verschütten und zu einem kleineren Teil im Ausreissen der Unkräuter. Daraus lassen 24

Schweizer Landtechnik 5 2019

sich bereits zwei entscheidende Voraussetzungen ableiten: Zum einen muss der richtige Zeitpunkt gewählt werden, zum anderen muss der Boden in einem Zustand sein, der das Verschütten auch erlaubt. Es gilt also, den richtigen Zeitpunkt auszuloten. Dabei spielen insbesondere die Grenzen von «zu früh» oder «zu spät» ebenso wie «zu scharf» oder «zu vorsichtig» eine entscheidende Rolle. Das Striegeln versetzt die Kulturpflanze vorerst in

gibt es auf Wunsch die hydraulische Verstellung von der Kabine aus. Zu den bekannten Striegel-Hersteller mit einem umfassenden Angebot zählen Carré, Einböck und Hatzenbichler. Einen neuen Ansatz verfolgt die Firma Treffler mit ihrem Zinkenstriegel. Dieser unterscheidet sich zu allen anderen Anbietern in der indirekten Aufhängung der Striegelzinken. Jeder Zinken ist einzeln über eine Zugfeder aufgehängt und jede Zugfeder ist ihrerseits über ein Stahlseil (Drahtseil) mit einer zentralen Welle verbunden. Der Zinkendruck wird verstellt, indem die Welle verdreht und die Federn gespannt werden. Damit ist nicht der Neigungswinkel, sondern die Federvorspannung für die Zinken­ aggressivität verantwortlich.

Vom «richtigen» Zeitpunkt Wenn man sich die verschüttende Wirkung des Striegels vor Augen führt, versteht es sich von selbst, dass bereits das Saatbeet möglichst eben und krümelig sein muss. Nur so kann der Striegelzinken genügend Bodenmaterial bewegen, um damit Keimlinge zu verschütten. Des Weiteren können die Unkräuter nur in einem frühen Stadium wirksam verschüttet oder ausgerissen werden. Das heisst, die Striegelwirkung ist umso besser, je früher die Massnahme, bezogen auf das Entwicklungsstadium, durchgeführt wird. Wenn die Witterung mitspielt, ist das Blindstriegeln besonders effizient. Tief gesäte Kulturen wie beispielsweise Körnerlegumino-


Hacken und Striegeln

sen erhalten durch das Blindstriegeln wertvolle Unterstützung im Konkurrenzkampf gegen die flachkeimenden Unkräuter.

Zwangspause Der Moment, in dem die Kulturpflanzen kurz vor dem Durchstossen der Bodenoberfläche sind und bis zu deren Dreibis Vierblattstadium, bleibt der Striegel auf dem Hof. Andernfalls geschieht mit der Kulturpflanze das Gleiche wie mit dem Unkraut, sie wird verschüttet oder ausgerissen. In schweren Böden sind die Zeitfenster für den richtigen Striegelzeitpunkt oft nur ein bis drei Tage gross. In diese Böden hat der Striegel nicht selten eine ungenügende Schüttwirkung. Gegebenenfalls ist ein vorheriges Walzen zum Brechen der Kruste angezeigt.

Mögliche Zeiträume für das Striegeln Abschleppen

Ein erster Striegelstrich vor der Saatbeetbereitung vernichtet die erste Unkrautwelle.

Blindstriegeln

Effiziente Massnahme, zwischen der Saat und kurz vor dem (Boden)Durchstossen der Kulturpflanze. Erstreckt sich über einen Zeitraum von drei bis acht Tagen. Je nach Kultur, Temperatur und Feuchtigkeit.

Striegeln

Ab dem Drei- bis Vierblattstadium des Getreides, bzw. bei entsprechender Wuchshöhe anderer Kulturen, kann der Striegel erfolgreich eingesetzt werden.

Ein später Striegeleinsatz ist in der Regel nicht erfolgversprechend. Es gibt aber eine Berater-Empfehlung: Mit einem modernen Striegel mit grossem Gezielt zu spät Durchgang besteht die Möglichkeit, sehr spät durch den Bestand zu fahren, um damit die bereits hochrankenden Unkräuter (Klebern) herauszukämmen.

Effekt einer Stickstoffmineralisierung. Der Striegel kann aber keine Managementfehler wie eine ungeeignete Fruchtfolge, einen falschen Einsatzzeitpunkt oder Strukturschäden im Boden korrigieren. Der Kul-

turpflanzenbestand muss weitgehend selbst in der Lage sein, dem Unkrautwachstum ausreichende Konkurrenz zu bieten. So gesehen, ist der Striegel nur ein unterstützendes Hilfsmittel.

Viel – bringt wenig Ein Striegeleinsatz nach dem Motto «viel bringt viel» ist nicht empfehlenswert. Das Striegeln muss nicht in jedem Fall sein, insbesondere dann nicht, wenn man durch wiederholte Feldkontrollen keinen Bedarf sieht (Getreide). In der Regel reicht ein einmaliger oder zweimaliger Striegel­ einsatz. Je nach Kultur kann nach dem Blindstriegeln und einem ersten frühen Durchgang, noch ein zweiter Striegelstrich sinnvoll sein. Grundsätzlich sind häufigere Arbeitsgänge aber meistens unproduktiv, da die Unkrautwirkung mit zunehmender Vegetation rasch abnimmt.

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Verträglichkeit Nicht alle Unkräuter reagieren gleich empfindlich auf den Striegel. Die Unterschiede ergeben sich insbesondere durch die unterschiedlichen Wachstumsstadien. Zudem sind mehrjährige Unkräuter dank ihrer kräftigeren Wurzelausbildung widerstandsfähiger. Die Aggressivität kann bei jedem Striegel eingestellt werden und richtet sich nach dem Bodenzustand, dem Zeitpunkt und der Kulturpflanze. Die Aggressivität wird auch durch die Fahrgeschwindigkeit beeinflusst. Nicht alle Kulturpflanzen ertragen einen (oder mehrere) Striegeldurchgang gleich gut. Weizen, Dinkel, Ackerbohnen und Hafer weisen eine gute Striegel-­ Verträglichkeit auf. Empfindlicher reagieren Triticale, Gerste, Mais und Sonnenblumen. Schliesslich haben Erbsen (und Roggen) eine geringe Verträglichkeit.

Fazit Das Striegeln unter optimalen Bedingungen verbessert die Bodendurchlüftung und bringt damit als Zusatznutzen den positiven

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Hacken und Striegeln

Abflammtechnik als Alternative zum chemischen Pflanzenschutz. Bild: R. Hunger

Brauchbare Alternativen gesucht Politische und gesellschaftliche Entwicklungen verpassen dem chemischen Pflanzenschutz zunehmend einen negativen Status. Gibt es neben der mechanischen Unkrautbekämpfung noch weitere Alternativen? Ja, aber die sind nicht alle für die Landwirtschaft brauchbar. Ruedi Hunger

Alternativen zur chemischen Unkrautbekämpfung haben derzeit Hochsaison. Doch eignen sie sich auch für die Landwirtschaft? Neben mechanischen Geräten, die laufend weiterentwickelt werden, kommen thermische, aber auch elektrische Geräte zum Einsatz, vorwiegend aber nur für den Kommunalbereich.

Thermische Geräte Als thermische Unkrautbekämpfungsverfahren werden der Einsatz von direkter Flamme oder indirekter Wärmestrahlung bzw. von Heisswasser oder Dampf verstanden. Um Unkräuter durch Hitzeeinwirkung zu vernichten, sind Temperaturen von 50 bis 70 °C notwendig. Durch die Hitzeeinwirkung wird in den Pflanzen26

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zellen (bei 42°C) das Eiweiss zerstört und die oberflächlichen Pflanzenteile sterben ab. Vorhandene Samen sind aber in der Regel noch keimungsfähig. Ein vollständiges Abbrennen der Pflanzen ist meistens nicht notwendig und aus energetischen Gründen auch nicht sinnvoll. Resistenzen bilden sich keine bei den thermischen Verfahren, aber es gibt thermisch-tolerante und thermisch-sensible Arten. Bei den thermisch-toleranten Pflanzen liegen die überlebenswichtigen Pflanzenteile gut geschützt im Innern der Pflanze und werden von mehreren Schichten Zellgewebe vor eindringender Hitze geschützt. Anders bei den thermisch-sensiblen Arten. Bei diesen ist das empfindliche vegetative Gewebe näher und un-

geschützt an der Pflanzenoberfläche. Sicherheitstechnische Gesichtspunkte sind zu beachten. • Abflammgeräte Die Idee, Unkräuter mit einer Flamme zu verbrennen, ist nicht neu. Schon in den Achtzigerjahren wurden Abflammgeräte zur Kartoffelkraut-Vernichtung eingesetzt. Ein Problem dieser Methode ist die fehlende Selektivität, das heisst, auch Kulturpflanzen können beschädigt werden. Kommt dazu, dass ein Grossteil der Energie auf dem Weg vom Abflammgerät zur Pflanze verloren geht. Letzteres hat einen hohen Energieaufwand und damit hohe Kosten zur Fol-


Hacken und Striegeln

Laut CNHi soll die XPower-Technologie zur Einleitung von Strom in den Boden «ab» 2019 verfügbar sein. Bild: CNH/Zasso

ge (Dierauer, 2000). Die Wirkung des Abflammens kann ebenso gut sein wie jene eines Kontaktherbizides, allerdings mit unterschiedlichem Wirkungsgrad, sie ist stark abhängig vom richtigen Einsatzzeitpunkt, der Witterung und der Anzahl/Arten der Unkräuter. • Dampfgeräte/Heisswassergeräte Heisswasser oder Heissschaum können zur chemiefreien, thermischen Unkrautkontrolle eingesetzt werden. Diese Blattkontakttechnik wirkt durch die Wärmeübertragung auf Pflanzenteile, welche auf eine letale (tödliche) Temperatur erhitzt werden. Der Schaum dient zur Isolierung und soll eine schnelle Abkühlung des Dampfes verhindern. Die Langzeitwirkung auf Wurzelunkräuter ist abhängig von den

Nährstoffreserven und der Position des Vegetationspunktes (Pflanze). Gleichzeitig beeinflussen die Tropfengrösse, der Wasserdurchfluss, die Wassertemperatur und der Benetz­ungsgrad die Wirksamkeit. Gemeinden und Kommunalbetriebe setzen diese Technik zur Unkrautvernichtung auf Plätzen und entlang von Gehwegen und Strassen ein. In der Landwirtschaft sind Heissdampf- und Heisswassergeräte zur selektiven Bekämpfung von Blacken bekannt und haben sich dazu auch bewährt. • Infrarotbrenner Giftfrei, geräuschlos und ohne offene Flamme, so wird die Bekämpfung des Unkrauts mit Infrarotgeräten durch die Werbung beschrieben. Funktionsprin-

zip: Die Keramik-Brennelemente erzeugen eine Temperatur von über 1000 °C. Wenn diese intensive Infrarot-Strahlung auf Pflanzen (hoffentlich Unkraut) trifft, platzen die Eiweisszellen. Dies mit der Folge, dass der Verwelkungsprozess beginnt. Flugsamen auf der Bodenoberfläche werden ebenfalls vernichtet. Die Infrarotstrahlung dringt aber nur wenige Millimeter in den Boden ein, folglich werden die Mikrolebewesen nur unbedeutend geschädigt. Einsatzschwerpunkte: Verbundsteine, Kies- und Plattenwege, Flachdächer. Eingesetzt bei Stadtgärtnereien, Gemeinde-, Friedhof- und Liegenschaftsverwaltungen.

Elektroherb-Technologie Alternative Ideen machen auch vor Strom nicht Halt. Ursprünglich in Brasilien gross-

Übersicht über verschiedene Pflanzenschutzmassnahmen Chemische Verfahren Pestizide Fungizide Insektizide Herbizide Nematizide Bioregulatoren

Physikalische Verfahren

Mechanisch Thermisch Bestrahlung

Ackerbauliche Verfahren Bodenbearbeitung Fruchtfolge Ausrottung von Befallsherden der Neben- und Zwischenwirte Saat- und Vermehrungsmaterial

Biologische Massnahmen Nutzarthropoden (Gliederfüsser) Pathogene Nutzung von Antagonisten Resistente Sorten Induzierte Resistenz

Biotechnische Verfahren Physikalische, chemische Reize Verwendung von Pheromonen Fertilitäts- und Entwicklungs-­ Regulatoren

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Hacken und Striegeln

Verfahren der thermischen Unkrautkontrolle Heisswassergeräte

Heissschaumgeräte

Heissdampfgeräte

Bis 98 °C. Töten oberirdische Pflanzenteile und die darunterliegenden Wurzeln mit heissem Wasser ab.

>100 °C. Dampfgerät mit zusätzlicher Schaumausbringung. Der Schaum dient zur Isolierung und soll eine schnelle Abkühlung des Dampfes verhindern.

>100 °C. Töten überirdische Pflanzenteile ab. Wärmeübertragung von Dampf schlechter als Heisswasser. Wurzel wird nicht wirkungsvoll angegriffen.

>350 °C. Töten Wildkräuter durch intensive Hitze von heisser Luft ab.

>400 °C. Durch Verbrennen von Gas werden die Pflanzen stark erhitzt, diese sterben durch teilweises Verbrennen ab.

Umweltbelastung

gering

gering

mittel

gering

gering

Wirkung

Pflanze, Wurzeln und getroffene Samen werden geschwächt und/oder zerstört.

Pflanzen werden geschwächt und/oder zerstört. Eingeschränkte Tiefenwirkung.

Pflanzen werden geschwächt und/oder zerstört. Eingeschränkte Tiefenwirkung.

Oberflächenbewuchs wird zerstört. Eingeschränkte Tiefenwirkung.

Oberflächenbewuchs wird verbrannt. Eingeschränkte Tiefenwirkung.

Lärmbelastung

gering

gering

mittel

mittel

mittel

Besonderheiten

Auf allen Untergründen einsetzbar, auch für kritische und schlecht zugängliche Bereiche geeignet.

Auf allen Untergründen einsetzbar, auch für kritische und schlecht zugängliche Bereiche geeignet.

Auf allen Untergründen einsetzbar, auch für kritische und schlecht zugängliche Bereiche geeignet.

Ineffizient bei Feuchtigkeit.

Keine Anwendung bei extremer Trockenheit. Ineffizient bei Feuchtigkeit.

flächig auf Bio- und Direktsaatflächen eingesetzt, absolvieren «Elektroherb»-­ Geräte seit Kurzem auch in Europa erste Testeinsätze. Funktionsprinzip: Bei der Elektroherb-­ Technologie werden die Pflanzen über ­ihre Blätter von Hochspannungs-Gleichstrom oder hochfrequentem Wechselstrom durchströmt. Dieser Strom wird von einem zapfwellenbetriebenen Generator mit einer Leistung von 5000 bis 15 000 Volt bei 30 Ampere zur Verfügung

gestellt. Ganz ohne Chemie werden auf diese Art Pflanzen «systemisch» vernichtet. Die systemische Wirkung besteht aus fliessendem Strom, der bis in die Wurzeln reicht und die Pflanzenzellen zerstört. Der Strom fliesst über einen elektrischen Applikator durch die Pflanzen in den Boden. Da Strom nur wirksam ist, wenn der Kreislauf geschlossen wird, braucht es einen zweiten Applikator (Erdungsapplikator). Dieser berührt den Boden und schliesst den Stromkreislauf.

Heissluftgeräte

Abflammgeräte

Mit Stromstoss Damit die wasserleitenden Zellen so weit zerstört werden und die Pflanze innerhalb weniger Stunden austrocknet, wird je nach Pflanze und Grösse ein Stromstoss zwischen 5000 und 15 000 Volt bei 30 Ampere fliessen. Nach Angaben des Herstellers lassen sich mit der Energie aus einem Liter Dieselöl zwischen 15 000 und 150  000 Pflanzen abtöten. Zwar eine schwierig definierbare Grössenordnung, denn wer weiss schon, wie viele Unkrautpflanzen auf seinem Acker stehen. Eine besser vorstellbare Grössenordnung: Je nach Unkrautdruck werden zur Energieerzeugung mit dem Generator zwischen drei und 30 Liter Diesel pro Hektar benötigt. Bei einer Arbeitsbreite von 3 m beträgt die Arbeitsgeschwindigkeit (abhängig von der Bewuchsdichte) zwischen 3 und 6 km/h. Verfügbarkeit: CNH Industrial (CNHi) hat vor rund einem halben Jahr mit der Firma Zasso GmbH in Aachen (D) eine strategische Zusammenarbeit gestartet. Im Mittelpunkt steht das strombetriebene «XPower»-System.

Laserbasiertes Jäten

Infrarot-Geräte gibt es handgeführt und als Anbaugeräte. Bild: Adler

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Schweizer Landtechnik 5 2019

Laser zeichnen sich gegenüber konventioneller Strahlung durch spezielle Eigenschaften aus: Sie haben eine geringe spektrale Linienbreite, eine starke Bündelung, eine hohe Strahlintensität (bzw. Strahlungsenergie) und haben die Eignung zur Erzeugung


Hacken und Striegeln

ultrakurzer Lichtimpulse. Wie andere thermische Verfahren entwickelt die CO2-Laser-Strahlung hohe Temperaturen, die gezielt in die Pflanzen eingeleitet werden können. Die laserbasierte Unkrautbekämpfung zeichnet sich dadurch aus, dass die Strahlung schnell und präzise auf einzelne, ausgesuchte Pflanzen ausgerichtet werden kann. Kulturpflanzen und Tiere dürfen aber nicht beeinträchtigt werden. Das Fraunhofer Institut für Lasertechnik in Aachen (D) hat dazu spektroskopische Untersuchungen angestellt, um zu erkennen, welche Wellenlängen vom Pflanzenmaterial gut absorbiert werden, welche reflektiert werden und welche durch das Gewebe transmittieren.

«Verschmort» Der Laserstrahl wird auf das «Herz» bzw. auf das sensible Wachstumszentrum ausgerichtet und «verschmort» dieses. Resistenzen, wie sie bei chemischen ­ Wirkstoffen auftreten, gibt es nicht. Der Energieaufwand richtet sich nach der ­Bestrahlungsstärke und setzt sich aus der

Leistung des Lasers, der Applikationszeit und dem Strahldurchmesser zusammen. Die minimale Applikationsenergie mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit beträgt ­ 25 Joule. Auch für den Laser trifft zu: Je früher die Unkräuter behandelt werden, desto tiefer sind der Energie-Input und damit die Kosten. Voraussetzung für den Lasereinsatz ist ein elektronisches Pflanzenerkennungssystem. Die Hauptbestandteile des Systems sind: die Datenerfassung mittels Kamera, eine Bildanalyse (Bildverarbeitung) und ein Lasersystem. Damit ist die Lasertechnik Teil des Präzisionspflanzenschutzes.

Thermische Geräte für den Frontanbau und für Dammkulturen sind eher die Ausnahme. Bild: Reinert

Fazit Ernüchterung macht sich breit. Die hier aufgelisteten Alternativen zur chemischen Unkrautregulierung werden oft medienwirksam vorgestellt, aber mit Ausnahme der Elektroherb-Technologie sind die Alternativen vorerst noch nicht auf grossen Ackerflächen einsetzbar, sei es aufgrund zu geringer Flächenleistung oder zu hoher Kosten.

Randbehandlung mit heissem Wasser oder Heisswasser/Dampf. Bild: Keckex

Hersteller von thermischen Geräten Elmo Therm D-48432 Rheine

Heisswasser-/Ökoschaum-System als Aufbaugerät oder fahrbar ­(HD-Reiniger-Grösse). Vario-System aufgebaut auf einem PW-Anhänger.

Heatweed D-59199 Bönen

Heisswasser-Systeme. Anbau- und Aufbaugeräte sowie selbstfahrende Systeme und auf PW-Anhänger aufgebaute Systeme.

https://heatweed.com www.zimmermannag.net

Geysir D-39326 Loitsche

Heisswasser-/Heissdampfgemisch-Geräte zur chemiefreien Unkrautbekämpfung auf gepflasterten und wassergebundenen Wegen, Plätzen und Flächen.

www.geysir-pur.de

Keckex GmbH A-6832 Sulz

Heisswasserdampf-Geräte für die chemiefreie Unkrautbekämpfung im Bereich Kommunaltechnik, Dienstleistungssektor, Landwirtschaft, Garten-/Obstbau.

www.keckex.com

Mantis ULV D-21502 Geesthacht

Heisswassersprühsysteme für die thermische Wildkrautbeseitigung auf kleinen und grossen kommunalen Flächen sowie Reihenkulturen im Bio-Anbau.

www.mantis-ulv.com

Stella GmbH Engineering Handgeschobene Abflammtechnik. Speziell zur Bekämpfung von Unkraut an D-51789 Lindlar schwer zugänglichen Stelle. Propangas. Lufttemperatur 320 °C.

www.elmotherm.eu

www.stella-engineering.de

Werner GmbH D-66482 Zweibrücken

Infrarotgeräte zur thermischen Unkrautbekämpfung auf Wegen, Plätzen, Verbundsteinflächen und wassergebundenen Flächen, Wasserrinnen oder Gleisanlagen.

www.werner-zw.de

BB Brühwiler Maschinen AG 8362 Balterswil

Infrarot-Wildkrautvernichter für die giftfreie, chemielose Bekämpfung bei Stadtgärtnereien, Gemeinde-, Friedhof- und Liegenschaftsverwaltungen und im Bio-Anbau.

www.infraweeder.ch

Adler GmbH D-48356 Nordwalde

Handgeführte und angebaute Infrarot-Heater für Traktoren zur Wildkrautbekämpfung auf gepflasterten Flächen, Gehwegen und wassergebundenen Flächen.

www.adler-arbeitsmaschinen.de

Reinert Metallbau D-91746 Weidenbach

Abflammgeräte, entweder aus der Gasphase oder aus der Flüssigphase. Geräte für die Landwirtschaft in der Flächen-, Band- oder Unterblattabflammung in Reihen-, Beet- oder Dammkulturen.

www.abflammtechnik.de

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Impression | Einsatzbericht

Dank seiner guten Pflanzenverträglichkeit kann «Brinotato» vor der Saat oder in stehende Pflanzenbestände ausgebracht werden – entweder als Aufwertung von Gülle oder direkt als reiner NPK-Dünger. Dann wird aber eine spezielle Ausbringtechnik benötigt. Bei einer Aufwandmenge zwischen 2 und 5 t je Hektar ist die Menge zu gross für eine konventionelle Spritztechnik, aber auch zu klein, um dafür ein gewöhnliches Güllefass mit Schleppschlauch-Gestänge zu verwenden.

Ausbringtechnik

Das Pumpfass bringt den Dünger via 10 Teilbreiten und insgesamt 60 Ventile über feine Schläuche bodennah und emissionsmindernd aus. Bilder: R. Engeler

Halb Güllefass – halb Feldspritze Spezielle Anwendungen verlangen nach spezialisierter Technik – beispielsweise für das Ausbringen eines Flüssigdüngers, der in seiner Konsistenz irgendwo zwischen Gülle und einer wässrigen Lösung besteht. Roman Engeler Peter Briner handelt mit organischen Hofund Recyclingdüngemitteln. Zudem bietet er auch einen Liefer- und Ausbringservice mit Traktoren oder Selbstfahrern für seine Düngemittel. Weiter betreibt Briner einen Nährstoffpool für flüssige und feste Hof- sowie für Recyclingdünger. Eigentlich mag und macht Peter Briner mit seinem Team ja keine halben Sachen. Mit seiner neusten Entwicklung hat er sich aber für einmal für eine halbe Sache entschieden, denn diese Innovation ist quasi halb ein Güllefass und halb eine Feldspritze.

Düngemittel eingesetzt werden. In der Schweiz ist «Brinotato» als organischer Mehrnährstoffdünger für den biologischen Landbau zugelassen. Seine Gehaltswerte liegen bei 2,5 % Gesamtstickstoff, 1,2 % Phosphor und 7 % Kalium. Der TS-Gehalt beträgt 42 %, jener der organischen Substanz 27,5 %.

So hat Peter Briner mit Partnern eine spezielle Lösung entwickelt – eine Mischung von Güllefass und gezogener Feldspritze. Diese Lösung umfasst einmal ein Güllefass von Jansky und Partner mit einem Inhalt von 8 m3. Zusätzlich gibt es bei diesem Fass einen Frischwassertank mit einem Volumen von 850 l. Alles ist aufgebaut auf einem Fahrgestell von Wienhoff mit 14 t Achslast. Die Aussenbreite des Gefährts beträgt 2,98 m – und ist mit braunem Kontrollschild eingelöst. Das Fass kann in knapp fünf Minuten mit einem Rüssel ab Feldrand von einem Tankwagen oder via Schlauchanschluss von einem Tanklager beladen werden. Vorgeschaltet ist weiter ein Filter mit einem 3-mm-Sieb, damit kleinere Festkörper abgefangen werden können und die Ausbringtechnik nicht verstopfen. Die 750er-Bereifung in Kombination mit einer Reifendruckregelanlage soll für maximale Bodenschonung sorgen. Im Feld wird mit einem Reifeninnendruck von 0,8 bar gefahren, auf der Strasse sind es dann 2,5 bar. Das Abpumpen dauert rund zweieinhalb Minuten, für den Druckaufbau muss rund das Dreifache dieser Zeit aufgewendet werden.

Neuer Flüssigdünger Anlass für die neuste Entwicklung gab ein neuer Flüssigdünger, den Briner unter dem Namen «Brinotato» vermarktet. Der Dünger fällt bei der Kartoffelstärke-Produktion als Nebenprodukt an. Zunächst werden bei dieser Produktion Rohfasern, Kartoffelbrei und Fruchtwasser getrennt. Aus dem Kartoffelbrei wird dann die Stärke, aus dem Fruchtwasser das Kartoffelprotein gewonnen. Das restliche Fruchtwasser wird eingedickt und kann so als 30

Schweizer Landtechnik 5 2019

Anstelle von Düsen gibt es am Spritzbalken sogenannte Quetschventile aus Edelstahl.


Einsatzbericht | Impression

Spritzgestänge Anstelle eines Schleppschlauch-Gestänges ist beim Pumpfass ein 15 m breiter, dreifach klappbarer Spritzbalken von Amazone angebaut. Er ist in zehn Sektoren eingeteilt, die per GPS-Funktion des Traktors nach dem Prinzip des «Section Control» automatisch zu- oder abgeschaltet werden können. Für die Applikation des «Brinotato»-Flüssigdüngers mussten im Vergleich zu einer Feldspritze aber grössere Leitungsquerschnitte und Regelventile gewählt werden. Weiter sind – wegen der höheren Ausbringmenge – pro Sektor zwei parallel geschaltete Teilbreiten-Ventile montiert. Zudem sind speziell dünne Schleppschläuche für die genaue, bodennahe und emissionsmindernde Ablage angebracht. Anstelle von Düsen gibt es sogenannte Quetschventile aus Edelstahl. Diese Ventile des Herstellers Festo garantieren bis zu einem Mediumsdruck von 6 bar dank entsprechend ausgelegten Federn ein sicheres Abschalten. Die Ventile selbst sind besonders für feststoffhaltige Flüssigkeiten, hochviskose oder abrasive Medien ausgelegt. Für die exakte Mengenrege-

Der melasseartige Dünger verlangt nach einer besonderen Ausbringtechnik.

lung wird jeweils der Vor- und Rücklauf im System gemessen und daraus die Differenz berechnet.

Kosten Für die Entwicklung und den Bau dieses Fasses mit dem speziell ausgerüsteten Spritzbalken hat Peter Briner rund CHF 280 000.– investiert. Die Ausbringmengen liegen zwischen 1000 und 7000 l/ha, je nach Nährstoffbedarf der Kultur. Gefahren wird mit Geschwindigkeiten von 8 bis 10 km/h. Die Kosten für den Dünger betragen CHF 300.– pro Tonne. Zusätz-

Die 750er-Bereifung sorgt in Kombination mit einer Reifendruckregelanlage für maximale Bodenschonung.

lich werden Fr. 100.– pro Hektar für das Ausbringen verrechnet. Briner rechnet, mit diesem Fass pro Jahr rund 4000 Tonnen dieses Düngers ausbringen zu können.

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Impression | Einsatzbericht

9 m Arbeitsbreite, 5 Zinkenfelder, 6-Rad-«Fahrwerk» und Sägerät zeichnen diesen Striegel von Treffler aus. Bilder: R. Hunger

Volltreffer mit Treffler Hansjörg und Walter Egloff haben seit letztem Jahr einen 9 m breiten Striegel und eine Federzinkenegge von Treffler im Einsatz. Die «Schweizer Landtechnik» konnte die beiden Präzisionsgeräte im Praxiseinsatz beobachten. Ruedi Hunger

«Es war ein Hinweis eines Berufskollegen, der uns vor einigen Jahren auf den Treffler-Striegel verwiesen hat», sagt Hansjörg Egloff auf die Frage, wie man auf Treffler gestossen sei. Schliesslich hat dann die Landwirtschaftliche Genossenschaft 2016 einen Treffler-Striegel gekauft, der nun von verschiedenen Landwirten gemeinsam genutzt wird. Im Wissen darum, dass sich der Erfolg einer mechanischen Unkrautregulierung dann einstellt, wenn man die Keimlinge früh entfernen kann, haben die Gebrüder Egloff 2018 einen neun Meter breiten Präzisionsstriegel für 32

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den eigenen Betrieb gekauft. Dieser Striegel ist sowohl im Getreide, in Hackfrüchten als auch auf den Wiesen verwendbar.

Präzision ist keine leere Floskel

nicht von ungefähr. Was Treffler unter Präzision versteht und von den Kunden geschätzt wird, ist einerseits die Zinkenaufhängung und anderseits die hydraulisch stufenlose Zinkendruckverstellung.

Die in der Nähe von Augsburg beheimatete Firma Treffler Maschinenbau produziert neben Biogas-, Mühlen- und Schleusentechnik auch Agrartechnik. Letztere besteht ausschliesslich aus Geräten für die flache Bodenbearbeitung und die Unkraut- bzw. Beikrautregulierung. Dabei fällt auf, dass in der Werbung der Begriff «Präzision» bei Treffler grosse Bedeutung hat. Das kommt

• Zinkenaufhängung Anders als bei Konkurrenzprodukten sind die Zinken in der Fahrtrichtung pendelnd gelagert und seitlich fix geführt. Die Zinkenlänge und der Durchmesser ergeben die Torsion, um den Nutzpflanzen zu weichen bzw. immer im Strichabstand von 2,8 cm das Unkraut zu verschütten. Diese


Einsatzbericht | Impression

patentierte Zinkenaufhängung ermög­ licht den effektiven Ausgleich von Boden­ unebenheiten. Der Zinkendruck ist über den grossen Bereich von 200 bis 5000 Gramm verstellbar. Die Vorspannung er­ folgt beim «TS 920/M3/5» hydraulisch. Treffler verwendet zur Einstellung der Ag­ gressivität bei jedem Zinken das ausge­ klügelte System einer Zinken-Feder-Ver­ bindung, die über ein Stahlseil mit einer zentralen Welle verbunden ist. Wenn der Traktorfahrer das Steuergerät bedient, wird mittels Hydraulikzylinder und Draht­ seil die Welle in Drehung versetzt und da­ mit jede einzelne Feder gleichmässig stark vorgespannt oder gelockert. Der Fahrer überwacht die Einstellung an einer Skala mit grossen Zahlen von 0 bis 9. Die Zinkenaufhängung ermöglicht auch den Vorauflaufeinsatz des Striegels im Kartof­ felacker. Dank gleichmässiger Vorspan­ nung ist der Zinkendruck auf und neben dem Damm nahezu gleich hoch. • Sechs Stützräder Treffler begnügt sich nicht einfach mit zwei Tasträdern, die ein Aufschaukeln verhin­ dern. Das zweite «Präzisionselement» am «TS 920/M3/5» ist das «Fahrwerk», beste­ hend aus vier höhenverstellbaren Stützrä­ dern (aussen-Mitte-Mitte-aussen) in Fahr­ richtung vorne und zwei Nachlauf-Stütz­ rädern am mittleren Zinkenfeld hinten. Der Striegel wird zwischen den Stützrädern exakt in der Tiefe geführt. Dazu wird der Oberlenker in einem Langloch geführt. Mittels Steckbolzen sind alle Räder in der Höhe verstellbar.

Übersaaten wo notwendig Egloffs haben den Striegel dieses Jahr im zeitigen Frühjahr auch auf den Wiesen ein­ gesetzt, und das mit gutem Erfolg: «Das Resultat ist besser als mit den herkömmli­ chen Wieseneggen», wie beide überein­ stimmend feststellen. Mit dem aufge­ bauten pneumatischen Sägerät (Krumme­ nacher «EPS 5») wurde dort, wo es nötig

Bei 9 m Arbeitsbreite übernehmen die Stützräder die gleichmässige Tiefenführung.

war, eine Übersaat-Mischung gesät. Das Gebläse für die Förderluft wird hydraulisch angetrieben und hat einen Ölbedarf von rund 15 bis 20 l/min. Dank variablem Zin­ kendruck hat das Saatgut grösstenteils Bo­ denkontakt erhalten.

Treffler-Präzisionsfederzahnegge Nach den guten Erfahrungen mit dem Striegel haben sich Hansjörg und Walter Egloff auch für den Kauf der Präzisions­ federzinkenegge entschieden. Diese Fe­ derzahnegge wird gemeinsam mit einem benachbarten Betrieb genutzt. «Wir ha­ ben ein Gerät gesucht für die gleichmäs­ sige, flache Stoppelbearbeitung und zu­ sätzlich wollen wir damit auch ein Saat­ beet herstellen können», betont Walter Egloff. Ihrem Wunsch entsprechend sind sie überzeugt, mit der Treffler-«TF 530»Federzahnegge das richtige Gerät gefun­ den zu haben. Auffallend ist der grosse Durchgang, sowohl der Federzinken als auch beim nachfolgenden Striegel. Das bedeutet, dass das Gerät auch mit viel

Mit dieser Halterung werden zwei Zinken unabhängig voneinander fixiert.

Die Feder-Vorspannung kann der Fahrer anhand einer Skala mit grossen Zahlen wählen.

Striegel «TS 920/M3/5» Arbeitsbreite Transportbreite Klappung Anzahl Zinkenfelder Gewicht Anzahl Stützräder Zusatzausrüstung Leistungsbedarf / Traktor Preis (Grundausstattung)

9.00 m 3.00 m Hydraulisch 1 × 3,00 m + 2 × 2,35 m + 2 × 0,75 m 900 kg 4 vorne + 2 hinten (nachlauflenkend) Pneumatisches Sägerät 44 kW (60 PS) CHF 21 000.− inkl. MwSt.

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Impression | Einsatzbericht

aufliegendem Material verstopfungsfrei arbeiten kann.

Betrieb Egloff

Der etwas andere Federzahn Der S-förmige Federzinken ist seit Jahr­ zehnten das bewährte Werkzeug an Fe­ derzinkeneggen für die gezogene Boden­ bearbeitung. Weniger bewährt hat sich der S-förmige Zinken bei der Stoppel­ bearbeitung. Grund genug, dass Treffler auch hier einen anderen Weg gegangen ist und sich für einen geschwungenen Flachzinken aus Federstahl entschieden hat. Mit dieser Zinkenform bleibt der Scharwinkel bei grösserem Bodenwider­ stand auf der eingestellten Arbeitstiefe und holt keine Steine an die Oberfläche. Gerade für die flache Stoppelbearbei­ tung, bei der das Werkzeug nur wenige Zentimeter im Boden läuft, ist es wichtig, dass die Zinken bei plötzlich höherem Bo­ denwiderstand nicht einfach seitlich aus­ weichen können. Er hat folglich keine ande­re Wahl, als den rund neuneinhalb Zentimeter breiten Strichabstand einzu­ halten. Die 55 Zinken sind auf sechs Bal­ ken verteilt. Als Verschleissteil sind ver­ schiedene Schartypen möglich. Auf dem Betrieb Nagel­hausen hat man sich für die schmalen Wendescharen entschieden. Die Fein­arbeit übernimmt als «Nachläu­ fer» ein dreireihiger Striegel, bestehend aus einer Kombination von Flach- und Rundstahlzinken. Dieser Striegel lässt sich über ein feines Lochraster mit Steckbol­ zen fix oder pendelnd einstellen. Auch am «TF 530» fallen sofort die massi­ ven Stützräder auf. Jedes Federzahnfeld ist mit einem Rad der Grösse 18 × 8,5 ver­ sehen. Die Höhenverstellung erfolgt mit­ tels Handkurbel, als Anhaltspunkt dient eine Skala von 0 bis 16.

Kompakt geklappt, gibt man der «TF 530» die über 5 m Arbeitsbreite nicht.

Trotzdem oder gerade deshalb gehen Hansjörg und Walter Egloff davon aus, dass sie dieses Gerät viele Jahre problem­ los nutzen können.

Die Gebrüder Hansjörg und Walter Egloff bewirtschaften in Tägerwilen TG den Betrieb «Nagelhausen» seit der Übernah­ me von ihrem Vater gemeinsam. 2017 haben sie beschlossen, eine neue He­ rausforderung anzunehmen und den Betrieb künftig nach den Bio-Richtlinien zu bewirtschaften. Die Betriebsfläche teilt sich auf in 20 Hektar Ackerland und 17 Hektar futterbaulich genutzte Fläche. Zu den Ackerkulturen zählen Weizen, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln. Im Stall stehen 30 Milchkühe.

Sicherheit Sowohl der klappbare Striegel als auch die Federzinkenegge haben einen Klapp­ mechanismus, der so ausgelegt ist, dass die Zinken der eingeklappten Felder in­ nerhalb des festen, mittleren Feldes lie­ gen. Es besteht also keine Gefahr durch überstehende Zinken. Zudem sind die Ge­ räte mit der vorschriftmässigen Signalisa­ tion inkl. Beleuchtung ausgerüstet.

Fazit Die zwei Treffler-Produkte, welche die «Schweizer Landtechnik» auf dem Be­ trieb Nagelhausen der Gebrüder Egloff im

praktischen Einsatz verfolgen konnte, überzeugen durch ihre praxisnahe Kon­ struktion. Bereits in der Werbung betont Treffler, dass ihre Konstrukteure immer wieder Inputs aus der Praxis bekommen und diese umsetzen. Für einmal kann man überzeugt sein, dass dem so ist. Striegel wie Federzahnegge sind robust gebaut. Das hat auch seinen Preis.

Robust und stabil Die Egge besteht nicht nur aus einer Rah­ menkonstruktion, sondern die einzelnen Felder sind jeweils diagonal (übers Kreuz) verstärkt. Dies mit der Folge, dass das Ge­ wicht natürlich etwas höher ist als üblich.

Der flache Federstahlzinken und das massive Fahrwerk sind Merkmale der «TF 530».

Federzahnegge «TF 530» Arbeitsbreite Transportbreite Klappung Anzahl Federzahnfelder Gewicht Anzahl Zinken / Strichabstand Anzahl Stützräder Leistungsbedarf / Traktor Preis (Grundausstattung)

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5,30 m 2,99 m Hydraulisch 1 × 2,99 m + 2 × 1,15 m 1100 kg 55 / 9,70 cm 2+2 66 kW (90 PS) CHF 17 000.− inkl. MwSt.


Einsatzbericht | Impression

Siloking «TrailedLine Compact 8» mit 8 m3 Volumen in der Ausführung «e-mix» mit elektrischem Antrieb von Schnecke und Fahrwerk. Bilder: R. Engeler

gummi-Rad mit 2,9 t Tragkraft, das sich in einem Winkel von 150° einschlagen lässt. Die Stromzufuhr wird über einen 63-A-Ste­ cker und ein bis zu 55 m langes Kabel si­ chergestellt, das in einer robusten Trom­ mel auf- und abgerollt werden kann. Die Maschine arbeitet mit einem gross di­ mensionierten Frequenz-Umrichter, damit der Mischer auch im Schweranlauf funk­ tioniert und die Maschine auch mit gan­ zen Grassiloballen klarkommt. Nach dem Start wird der Elektromotor so sukzessive hochgefahren und erreicht nach rund zehn Sekunden bei 50 Hertz die normale Drehzahl. Die Restmengenentleerung erfolgt auto­ matisch. Sobald sich weniger als eine am Display definierte Restmenge der Ration im Mischer befindet, wird die Drehzahl der Schnecke bis zum dreifachen Wert gesteigert, so dass nach rund eineinhalb Minuten der Behälter geleert ist.

Die Bedienungsarmatur mit Lenkrad kann man nach links und rechts schwenken. Bilder: R, Engeler

Nicht direkt ab Werk

Elektrisch mischen und füttern Wegen geringerer Emissionen sowie den insgesamt günstigeren Energie- und Gesamtkosten liegen elektrisch angetriebene Futtermischwagen im Trend, obschon sie in der Anschaffung rund doppelt so teuer sind.

Hersteller Siloking bietet die «e-mix»-Va­ riante nicht direkt aber Werk an, sondern arbeitet in dieser Sache mit Vertriebspart­ nern in den verschiedenen, regionalen Märkten zusammen. Diese rüsten auf Wunsch die Serienmodelle mit der hier vorgestellten Lösung von Brunner Spezi­ alwerkstatt um. Für die Kosten dieser Umrüstung muss dann etwa nochmals der Betrag wie für den Mischwagen selbst investiert werden, was sich aber langfristig lohnen soll.

Roman Engeler

Seit kurzem bietet Thomas Hollenstein, In­ haber von Brunner Spezialwerkstatt AG aus Schwarzenbach SG, eine Umrüstung für den elektrischen Antrieb von Futter­ mischwagen der Baureihen «TrailedLine 4.0 Compact» und «Premium» des deut­ schen Herstellers Siloking an. Der von Brunner Spezialwerkstatt entwickelte Fahrkopf für den Elektroantrieb wird an­ stelle der Deichsel an den bestehenden Verbindungsstellen angeflanscht, besteht aus einer Plattform mit Geländer und ei­ ner nach links sowie rechts schwenkbaren Armatur mit Lenkrad und einem luftge­ kühlten Steuerungskasten. Bei Bedarf ist es möglich, die originale Deichsel wieder zu montieren und den Mischer konventio­ nell über die Zapfwelle mit einem Traktor zu betreiben. Für die Mischer bis 10 m³ In­ halt wird ein 22-kW-Elektromotor ver­

baut, für solche bis 14 m³ ein Motor mit 30 kW – beide Aggregate stammen von Nord Drivesystems, die auch bei den stati­ onären Mischern von Siloking verbaut werden. Bei den noch grösseren Zwei­ schneckenmodellen (14–30 m³) kommen dann jeweils zwei Motoren zum Einsatz.

Funktionsweise Der Elektro-Getriebemotor treibt über ei­ ne Klauenkupplung direkt das Planeten­ getriebe des Futtermischers an. Elektrisch angetrieben wird auch die Tandem-Hy­ draulikpumpe, die für den Ausgangs­ schieber, für das beidseitig austragende Förderband und für das Lösen der Feder­ speicherbremse benötigt wird, aber auch für die Lenkung mittels Lenk-Orbitrol und für den Fahrantrieb sorgt. Dieser Fahr­ antrieb erfolgt stufenlos über ein Voll­

Blick in den Steuerungskasten mit dem Frequenzumrichter (links).

Kurzbewertung + Gute Übersicht dank schwenkbarer Bedienung + Aktive Restmengenentleerung − Technisch aufwändig, oberes Preisseg­ ment − N och geringe Praxiserfahrungen

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Impression | Einsatzbericht

Die «BambiKam» ist ein Bausatz für Drohnen, die damit in eine Rehkitz-Suchmaschine verwandelt werden können. Ziel ist es, die Rehkitzrettung damit günstiger zu machen. Solche Bilder wie links soll es nicht mehr geben. Bilder: Martin Baumgartner / R. Burkhalter

Rettung mit «BambiKam» Die Saison der Rehkitzrettung hat begonnen. Dank der neuen «BambiKam»-Drohne ist die Hürde für die Beschaffung eines Rehkitzsuchsystems deutlich weniger hoch als bisher. Ruedi Burkhalter

Das Gefühl, wenn man einem Rehkitz mit abgemähten Beinen einen Gnadenschlag versetzen muss, macht sich manch einem im Magen bemerkbar – der Tag ist gelaufen. Technisch ist es heute problemlos möglich, diese Rehkitzverluste zu vermeiden. Unter anderem dank «BambiKam», einem Bausatz, mit dem handelsübliche Drohnen vom Typ «DJI Mavic 2» ohne spezielles Fachwissen mit wenigen Handgriffen in eine professionelle Rehkitz-Suchmaschine verwandelt werden können. Entwickelt wurde das System von Martin Baumgartner, Konstantin Fuchs und Bruno Holliger. Diese drei Drohnenpiloten gehören dem Verein «Rehkitzrettung Schweiz» an. 36

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Befestigung ohne Schrauben Herzstück des «BambiKam»-Bausatzes ist eine leichte Konsole, an der alle benötigten Komponenten einfach befestigt werden können. Die Konsole wird entweder mit einem Laser aus leichtem Aviatik-­ Sperrholz ausgeschnitten oder alternativ mit einem 3D-Drucker aus Kunststoff hergestellt. An der Konsole befestigt man die benötigte «FLIR Boson»-Wärmebildkamera sowie einen Transmitter mit Antenne. Die raffinierte Gestaltung der Konsole macht es möglich, diese Komponenten als eine Einheit mit einer schraublosen Klickverbindung an der Standarddrohne zu befestigen. An der Drohne selber sind keine weiteren Anpassungen erforderlich, das

heisst, auch die originale Kamera bleibt unverändert erhalten und ist während der Rehkitzsuche in Verwendung. Der Bausatz kann jederzeit wieder entfernt werden, sodass die Drohne auch weiterhin für herkömmliche Anwendungen zur Verfügung steht. Bei der Beschaffung der benötigten Komponenten (siehe Tabelle) hat der Anwender die Wahl zwischen verschiedenen Optionen.

«BambiKam Easy» Die Stromversorgung der «BambiKam» ist auf zwei Arten realisierbar. Bei Variante 1 wird der Flugakku der Drohne angezapft. Zu diesem Zweck wird als einzige Anpassung an der Drohne ein kleiner Ste-


Einsatzbericht | Impression

cker installiert. Martin Baumgartner nutzt Variante 2 und klebt auf jeden Flug­akku einen kleinen zusätzlichen Lithium-Polymer-Akku, der dann separat geladen werden muss. Der Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass die Stromversorgung der Drohne nicht beeinflusst wird. Variante 1 spart zwar Fluggewicht ein, hat jedoch möglicherweise Auswirkungen auf die Herstellergarantie der Drohne. Auch bei der Wärmebildkamera an sich gibt es zwei Varianten zur Auswahl, nämlich ein Objektiv mit Winkeln von 50° oder 34°. Der weitere Winkel hat den Vorteil, dass besser schräg unter Bäumen und an Waldrändern gesucht werden kann, jedoch erfordert die geringere Flughöhe mehr Sorgfalt bei der Flugplanung. Am sichersten ist es, wenn mit einer Flughöhe von rund 50 m gesucht werden kann, weil dann die meisten Hindernisse wie Bäume oder Strommasten überflogen werden können.

Fünf mal 18 Minuten Damit ein Rettungsteam, das immer mindestens aus einem Drohnenpiloten und einem Retter besteht, das für die Rettung verfügbare Zeitfenster bis etwa 9 Uhr morgens voll ausnutzen kann, wird die Anschaffung von fünf Flugakkus empfohlen. Ein Akku bietet rund 16 bis 18 Minuten Suchzeit, abhängig vom Entladungsgrad, den man nicht unterschreiten will. In dieser Zeit lässt sich an einem Stück bis zu 6 ha Fläche absuchen. In der

Die benötigten Komponenten werden mit einer ultraleichten Konsole als Einheit an der Drohne befestigt.

Praxis ist es aber meist deutlich weniger. Ein Blick in Martin Baumgartners Aufzeichnungen zeigt, dass an einem ganz ausgebuchten Morgen zwölf Parzellen mit insgesamt 18 ha Fläche abgesucht wurden. Je nach Parzellengrösse, Distanz zwischen den Parzellen und der Anzahl der gefundenen Rehkitze kann dieser Wert stark schwanken. «BambiKam» kann auf drei Wegen beschafft werden: Geübte Bastler können über www.bambikam.ch gratis einen Plan zum selber Anfertigen anfordern. Über die gleiche Adresse ist auch ein Bausatz zum selber Zusammenbauen und ein fertig aufgebautes System erhältlich, das im aufwendigen Stereolithografie-­Verfahren gefertigt und mit 60 g inklusive Wärme-

bildkamera, Transmitter und Antenne ein Leichtgewicht ist. Bei dieser Variante muss nur noch die Kamera eingesteckt, die Stromversorgung angeschlossen werden und die Suche kann beginnen.

Piloten gesucht Die Anzahl der vom Verein «Rehkitzrettung Schweiz» ausgebildeten Rehkitzretter ist auf die unmittelbar bevorstehende Saison 2019 so stark gewachsen wie noch nie. Aber sie ist noch viel zu klein. Rund 1500 Rehkitzverluste durch Mähmaschinen werden jährlich gemeldet. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus, sodass jährlich mehrere Tausend Mähtode passieren dürften. Der Verein schätzt, dass die Anzahl der ausgerüsteten und ausgebildeten Drohnenpiloten von heute unter 100 auf auf ein Mehrfaches gesteigert werden müsste, um während der Futterernte alle betroffenen Flächen in der Schweiz absuchen zu können.

Plattform im Aufbau

So sieht ein Wegpunkte-Flugplan nach HAFL-Methode aus, der von der Drohne automatisch abgeflogen wird.

Es ist geplant, dass Landwirte, die ihre Flächen gerne mit einer Drohne absuchen lassen möchten, diese auf ­w ww.rehkitzrettung.ch anmelden können. Der Verein würde dann die elektronischen Aufträge inklusive fertige Flugpläne über die zu diesem Zweck entwickelte Plattform ­«UAVEditor» an die örtlich verfügbaren Rettungsteams verteilen. Da sich das System zurzeit noch im Aufbau befindet, ist zumindest noch in dieser Saison ein vorgängiger, direkter Kontakt zum Drohnen­ piloten und/oder Jagdaufseher unerlässlich. Das gilt auch in einigen Kantonen wie AI und GR, wo sich kantonale Projekte im Aufbau befinden, bei denen noch manuell ohne Wegpunkteplan gearbeitet wird.

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Impression | Einsatzbericht

HAFL-Methode praxisreif Zur Anwendung kommt heute eine Such­ methode, die an der HAFL Zollikofen entwickelt wurde und technisch ausgereift ist. Bei dieser Methode fliegt das Fluggerät die zu mähenden, vorgängig auf dem Computer elektronisch erfassten Wiesen mit 14 bis 18 km/h über einen Autopiloten gesteuert ab. Die Überlappung der Bahnen ist dabei so gewählt, dass das Rehkitz auf dem Hin- und Rückweg erfasst wird, was eine maximale Sicherheit ergibt. Die Bilder werden live auf je einen Bildschirm beim Piloten und Retter am Boden übertragen, wo die Kitze aufgrund ihrer Körpertemperatur als helle Flecken in der dunklen Wiese erscheinen. Wird während des Flugs ein verdächtiges Objekt gesichtet, wird die Suche nicht unterbrochen, sondern dessen Position mit ­einem Screenshot festgehalten. Mit teureren Varianten von Suchtechnik lässt sich die Position eines Rehkitzes sogar speichern und später wieder anfliegen. Das ist aktuell mit dem hier abgebildeten System noch nicht möglich. Erst wenn das ganze Feld abgesucht ist, wird der Multikopter zu den zuvor festgehaltenen Wegpunkten zurückgeflogen. Der Retter begibt sich dann unter Anleitung des Piloten zum gesichteten Rehkitz und hält dieses während des Mähens mit einer Holzkiste an Ort fest. Die Drohne ist also nicht nur beim Auffinden der Tiere, sondern auch bei deren Rettung von Nutzen, da sie über dem gefundenen Wärmepunkt an der Stelle schwebt und dem Retter den Weg weist. Die rettende Kiste wird mit Gras beschattet, mit einem Stein beschwert und mit einem mobilen Zaunpfahl in der hohen Wiese markiert. Diese Utensilien sollte der Landwirt für einen zügigen Ablauf der Rettung am Abend vorher am Feldrand deponieren. Es ist ihm freigestellt, das Rehkitz an den Waldrand zu tragen oder im Bestand zu belassen und drumherum zu mähen. Nach getaner Arbeit entfernt er die Kiste. Rehkitz und Mutter finden durch Rufe wieder zueinander.

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gross ist. Sobald die Sonne die Umgebung erwärmt, erscheinen auch Maulwurfhügel, Steine und Grasbüschel auf dem Bildschirm als helle Punkte. Die Suche wird dann schwierig und vor allem unzuverlässig. Aus diesem Grund werden angemeldete Felder oft auch bereits in den Wochen vor der Mahd abgesucht. Auf diese Weise kann ein Rettungsteam die Felder von mehreren Landwirten überwachen und dann vor dem Mähen effizienter arbeiten. «Wir sehen die Rehkitzrettung als Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Jägern, Drohnenpiloten und Helfern», betonen die drei Entwickler. Bei der Rettung müssen einige Punkte beachtet werden. So sollten Rehkitze nicht länger als 2 bis 3 Stunden in einer Kiste festgehalten werden. Sind die Jungtiere schon etwas grösser und flüchten bei der Rettung, besteht die Gefahr, dass sie schnell wieder in den Bestand zurückkehren. Das Mähen sollte aus diesen Gründen möglichst unmittelbar nach der Drohnensuche erledigt werden. Die «Schweizer Landtechnik» wird im Herbst detaillierter über das Vorgehen bei der Rettung und die für die Saison 2020 anlaufenden Vorbereitungen und Kurse für Drohnenpiloten informieren.

Fazit Die Rehkitzrettung mit Drohne und Thermalkamera gilt heute als die sicherste und

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An der «Mavic»-Drohne sind keine Anpassungen nötig. Sie kann jederzeit auch wieder ohne «BambiKam» benutzt werden. Am Flugakku wird der Zusatzakku geklebt.

schnellste verfügbare Methode. Andere sich in der Entwicklung befindende Technologien, beispielsweise der direkt am Mähwerk angebrachte optische Infrarot-­ Sensor «Sensosafe» von Pöttinger, konnten ihre Wirksamkeit in der Praxis noch nicht unter Beweis stellen. Mit der «BambiKam» steht aber heute ein wirkungsvolles System zur Verfügung, das sowohl bei der Beschaffung als auch im Einsatz anwenderfreundlich ist. Trotzdem ist es in den meisten Fällen zu empfehlen, einen vom Verein «Rehkitzrettung Schweiz» angebotenen Kurs zu besuchen und so mit dem System vertraut zu werden. Ausgebildete Rettungsteams werden zurzeit vom Verein Rehkitzrettung mit CHF 50.– pro Arbeitstag und CHF 5.– pro Hektar abgesuchter Fläche entschädigt.

Vorausschauend planen An der Technik fehlt es also nicht. Damit sich das Verfahren grossflächig durchsetzen kann, braucht es aber noch etwas mehr. Oft wird über den Erntezeitpunkt noch so kurzfristig entschieden, dass eine Suche mit der Drohne nicht mehr möglich ist. Problematisch ist, dass die Suche nur in den frühen Morgenstunden funktioniert, wenn die Temperaturdifferenz zwischen Rehkitz und Umgebung möglichst 38

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Gefundene Rehkitze werden mit einer Holzkiste (Harasse) während des Mähens festgehalten und später wieder von der Mutter gefunden.


MLT 625 Elite – gut gerüstet für eine erfolgreiche Zukunft «Flexibel und wendig im Hofbereich ist der Manitou MLT 625 Elite eine super Ergänzung zu meinen anderen Maschinen.» Albert Schmid Landwirt, Weisslingen

In Weisslingen, idyllisch auf einer Anhöhe im Zürcher Oberland gelegen, bewirtschaftet Albert Schmid einen grösseren Landwirtschaftsbetrieb mit Munimast und Ackerbau. Weil der Materialumschlag in seinem wachsenden Betrieb immer anforderungsreicher wurde und das Umrüsten des Traktors für verschiedene Arbeiten mühsam und zeitaufwändig war, entschied er, eine flexible, wendige Ergänzung zu evaluieren. An der Agritechnica in Hannover schaute er sich im Herbst 2017 erstmals nach einer passenden Lösung um und sammelte Informationen zu verschiedenen Teleskopladern. An der Tier & Technik im darauffolgenden Februar machte Albert Schmid schliesslich Bekanntschaft mit der Marke Manitou. Beeindruckt haben ihn damals nicht nur Flexibilität und Wendigkeit der präsentierten Maschinen, sondern vor allem die Kompetenz, der Erfahrungsschatz und die Dienstleistungsbereitschaft, welche er am Messestand antraf. Perfekte Partner Nach Probefahrten mit mehreren Manitou-Modellen auf dem Areal des Lieferanten war für Albert Schmid klar, der MLT 625 Elite passt am besten auf seinen Betrieb. Überzeugt haben ihn die enor-

me Hubkraft von 2.5 t sowie die Hubhöhe von 6 m, verpackt in einer unschlagbaren Kompaktheit mit einer Breite ab 1.8 m und einer Höhe von unter 2 m. Kombiniert mit

Wenn er früher eher überlegt habe, ob es sich lohne, für eine bestimmte Arbeit den Traktor umzurüsten, sei der MLT 625 heute mit wenigen Handgriffen bereit und damit seien die jahreszeitlich bedingten Spitzen wesentlich besser zu bewältigen. Dies trage letztlich zur Optimierung des Betriebserfolgs bei. Albert Schmid setzt seinen Manitou mit verschiedenen Anbaugeräten ein. Da wären der Palettengabelträger mit Seitenschub, um Düngerund Kraftfutterpaletten zu stapeln, eine Greiferschaufel, um den Stall in engen Verhältnissen zu misten, eine grossvolumige Leichtgutschaufel, um die Holzschnitzel zu lagern und die Heizung zu beschicken oder eine Kombiballenzange für das Handling von Rund- und Quaderballen. Besonders schätzt Albert Schmid an seinem MLT 625 Elite die präzise Arbeitsweise, die Sicherheit und die leichte Bedienbarkeit, welche auch die anfänglich skeptische ältere Generation und die Bäuerin nicht mehr missen möchten.

MANITOU-VERTRETUNGEN

einer ganzen Reihe von Pluspunkten wie dem geringen Wenderadius, dem komfortablen Einstieg, der aufgeräumten Kabine mit Klimaanlage und dem patentierten JSM Joystick, welcher eine sehr feinfühlige Bedienung ermöglicht, ist der MLT 625 Elite der perfekte Partner für alle Arbeiten auf dem Hof von Albert Schmid. Gute Gründe Betrieblicher und gesundheitlicher Natur seien die Gründe gewesen, sich einen Lader anzuschaffen, erinnert sich Albert Schmid. Die Arbeiten auf seinem Hof führe er hauptsächlich alleine, mit eigenen Maschinen und Geräten aus.

Zürich/Ostschweiz/FL/Tessin: Aggeler AG, 9314 Steinebrunn TG Tel. 071 477 28 28, www.aggeler.ch

Zentral-/Nordwestschweiz/Bern: A. Leiser AG, 6260 Reiden LU Tel. 062 749 50 40, www.leiserag.ch


Management | Ausrüstung

Bei einem vorderen Überhang von mehr als 4 m ist ein in der Schweiz zugelassenes Kamera-Monitor-System Pflicht. Bilder: zvg / H. Röthlisberger

Nur mit geprüftem Kamera-System Seit dem 1. Mai 2019 ist bei Traktoren ein vorderer Überhang bis 5 m erlaubt. Erlaubt ist das aber nur mit einem geprüften und in der Schweiz zugelassenen Kamera-MonitorSystem. Derzeit sind zwei geprüfte Systeme erhältlich. Zusätzlich braucht es auch ein gelbes Gefahrenlicht vorne auf dem Anbaugerät. Heinz Röthlisberger

Was von vielen Seiten schon länger gefordert wurde, ist seit dem 1. Mai 2019 erlaubt: der vordere Überhang von 5 m. Das heisst: Traktoren mit Anbaugeräten an der Traktorfront dürfen neu mit einem vorderen Überhang von 5 m gemessen ab Mitte Traktorlenkrad unterwegs sein (siehe auch «Schweizer Landtechnik» Nr. 1/2019). Bedingung dafür ist: Bei einem vorderen Überhang ab 4 m muss vorne auf dem Anbaugerät ein geprüftes und in der Schweiz zugelassenes Ka­mera-­M onitor-System montiert sein. Aus­genommen von dieser Regelung sind Schneeräumungsgeräte. Das Kamera-Monitor-System, auch Querverkehrskamera genannt, ist möglichst weit vorne anzubringen und darf vom vordersten Punkt höchstens 2,50 m zurückversetzt sein. Ebenfalls muss bei einem vorderen Überhang von mehr als 40

Schweizer Landtechnik 5 2019

4 m auf dem Anbaugerät ein gelbes Gefahrenlicht (Blinklicht) vorhanden sein, das nach vorne und auf beide Seiten wirkt. Dieses darf nur eingeschaltet werden, wenn es die Sicherheit des Verkehrs erfordert. Das gelbe Gefahrenlicht muss nicht in der Schweiz geprüft sein, muss aber der Norm «ECE-R65» (europäische Richtlinie für Kennleuchten) entsprechen. Bei Traktoren, welche mit einem Mo­nitorKamera-System ausgestattet sind, müssen die Fahrzeugpapiere und das Prüf­ zertifikat auf dem Traktor mitgeführt werden.

Bisher zwei Systeme geprüft Wichtig ist: Einfach irgendein Kamera-­ Monitor-System zu kaufen, zu montieren und zu kombinieren, das geht nicht. Zulässig sind nur Kamera-Monitor-Systeme, die entweder vom Prüfzentrum DTC Dyna­mic

Test Center AG in Vauffelin BE oder vom Prüfzentrum Fakt AG in Sennwald SG geprüft worden sind und eine entsprechende Konformitätsbewertung erhalten haben. Bis jetzt haben Remund + Berger aus Oberbottigen und Rizenbach BE für ihr VorbauKamera-­Monitor-System VKMS (Hersteller Motec/Ametek) sowie die Firma W. Blaser AG, Burgdorf BE, für das Blaser-Visio-­QVK-

Bereits geprüfte Systeme In der Schweiz geprüfte und zugelassene Kamera-Monitor-Systeme (Stand bei Redaktionsschluss, weitere in Prüfung): • Remund + Berger, Rizenbach/Oberbottigen BE, Vorbau-Kamera-Monitor-System VKMS (Hersteller Motec/Ametek) • W. Blaser AG, Burgdorf BE, Blaser-­ Visio-QVK-System (Hersteller Mekra)


Ausrüstung | Management

Das Vorbau-Kamera-Monitor-System VKMS (Motec) mit Blinklicht, aufgebaut auf einem Schnellwechselsystem von Remund + Berger.

Der Motec-Monitor zeigt die zwei Kamera-Bilder gesplittet auf einem 7-Zoll-Bildschirm an.

System (Hersteller Mekra) die Konformitäts­ bewertung erhalten. Die Firma Blaser ver­ kauft keine Sets direkt, diese werden ausschlies­ slich über die Importeure, die Grossisten und die Landmaschinenhändler verkauft. Bei Remund + Berger ist das auch so, zusätzlich kann direkt bestellt werden. Der «Schweizer Landtechnik» ist bekannt, dass derzeit mindestens noch ein weiteres System eines anderen Anbieters in der Prü­ fung steht. Ob und wann dieses System die Zulassung erhält, ist nicht bekannt.

Korrekte Montage ist wichtig Das beste Kamera-Monitor-System nützt nichts, wenn dieses nicht richtig montiert wird. Die speziellen Halterungen und Schnellverschlüsse, welche die richtige Position gewährleisten sollen, wurden denn auch zusammen mit dem KameraSystem geprüft. Die Montageanleitungen müssen beim Anbau zwingend beachtet und die Vorgaben bezüglich Sichtfeld und Kameraeinstellung eingehalten werden. Das System kann zwar auch selber mon­ tiert werden, eine Montage durch einen Fachmann oder von einer Landmaschi­ nen-Werkstätte wird aber dringend emp­ fohlen. Dazu gehört auch eine genaue Abklärung, welche Halterungen genau benötigt werden. Wer mehrere Front­ geräte hat, bei dem macht ein Schnell­ wechselsystem Sinn. Damit können die Kameras auch bei anderen Geräten ge­ nutzt werden. Möglich ist aber auch die Festmontage. Nicht zu vergessen ist das zusätzlich benötigte gelbe Blinklicht (sie­ he Kasten).

Kamera seitlich am Anbaugerät Bei «hohen» Frontanbau-Geräten wie Schlauchhaspeln, Düngerstreuern und Front­ tanks bietet Remund + Berger zu­ sätzlich eine Montage der Kamera seit­

Für «hohe» Frontanbaugeräte bietet Remund + Berger eine Montage-Variante seitlich des Gerätes an.

Seitensichtfeld mit Frontkamera direktes Sichtfeld des Fahrers

Zum Anbau des Kamerasystems müssen die Anweisungen der Montageanleitung beachtet und die Vorgaben bezüglich Sichtfeld und Kamera­ einstellungen ein­ gehalten werden.

max. 2,50 m zulässiger Anbaubereich optimaler Anbaubereich

Augenpunkt

Das Kamera-Monitor-System sollte möglichst weit vorne am Anbaugerät angebracht werden. Es kann aber auch bis 2,50 Meter zurückversetzt montiert werden. Schema: Remund + Berger

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Management | Ausrüstung

Achslasten und ReifenTragfähigkeit kontrollieren Wichtig beim Anbau von Front­ anbaugeräten ist: Die zulässigen Achslasten der Traktoren und die Tragfähigkeiten der Reifen dürfen nicht überschritten werden. Es ist ratsam, dies zu kontrollieren. Die Achslasten, die Reifentragfähigkeit sowie die Gewichtsverteilung dürf­ ten wohl in vielen Fällen nach wie vor die limitierenden Faktoren beim vorderen Überhang darstellen.

lich an, welche auch geprüft ist. Die Ka­ meras werden dabei links und rechts am Anbaugerät montiert. Auch hier sind Grundplatten mit Schnellkuppler erhält­ lich, so dass die Kameras «umgesteckt» werden können. Achtung: Bei hohen Frontanbaugeräten ist zu beachten, dass der Traktorfahrer, bei einer Augenhöhe von 0,75 m über der Sitzfläche, ausser­ halb eines Halbkreises von 12,0 m Radius die Fahrbahn frei überblicken können muss. Es ist ratsam, die verschiedenen Anbau-Möglichkeiten der Lieferanten im Voraus genau anzuschauen.

Nur Qualitätsmonitore Unterschiede gibt es auch bei den Moni­ toren. Wichtig ist grundsätzlich, dass der Monitor den Qualitätsvorgaben entspricht (siehe Kasten). Weil diese geprüft worden sind, sollte das aber kein Problem sein. So­ wohl Blaser wie auch Remund + Berger haben einen geprüften 7-Zoll-Monitor im Querformat im Programm, auf dem die Bilder der zwei Querverkehrs­ kameras gleichzeitig angezeigt werden. Blaser hat zudem ein Monitorset mit zwei getrenn­

ten 7-Zoll-Monitoren im Hochformat. Die­ se Variante braucht zwar etwas mehr Platz in der Kabine, zeigt dafür aber die doppelte Bildgrösse an. Auf diesen Moni­ toren beider Anbieter können im Feld­ einsatz auch Bilder beispielsweise von ei­ ner Heckkamera angezeigt werden, das heisst, der Monitor darf auf dem Feld für die Anzeige von Zusatzkameras gebraucht

Seitenblickspiegel Bis zu 3 m (gemessen ab Mitte Lenkrad) sind auch weiterhin keine besonderen Massnahmen notwendig. Bei mehr als 3 m bis maximal 4 m vorderem Überhang ist wie bis anhin die Montage von Seiten­ blickspiegeln notwendig. Allerdings müs­ sen diese Spiegel heute eine konvexe (nach aussen gewölbte) Fläche von min­ destens 500 cm2 aufweisen. Die Spiegel sollen vorne angebracht werden, dürfen aber maximal 2,50 m vom vordersten Punkt des Anbaugeräts zurückversetzt angebracht sein. Geräte, welche vor dem 1. Mai 2019 in Betrieb genommen wur­ den, dürfen noch mit kleinen Spiegeln (300 cm²) betrieben werden. Eine Nach­ rüstung ist aber empfehlenswert. Anstel­ le der Seitenblickspiegel kann auch ein geprüftes und in der Schweiz zugelasse­ nes Kamera-Monitor-System verwendet werden. (Bild: Pöttinger Schweiz)

Beim Kamera-Monitor-System von Blaser kann zwischen einem gesplitteten 7-Zoll-Monitor oder der Kombination von zwei 7-Zoll-Monitoren gewählt werden.

«Blaser-Visio-QVK»: Bei dieser Anbau-Variante sind die Kameras direkt auf dem bestehenden Doppelspiegelhalter montiert.

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Hier ist das Kamera-System «Blaser-Visio-QVK» in Kombination mit einem Blinklicht auf dem Anbaubock montiert.


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Anforderungen an Kamera-Monitor-Systeme

Zusätzliches Blinklicht

• Die Kamera-Monitor-Systeme müssen aus mindestens zwei Seitenblick-Kameras und mindestens einem Monitor bestehen. • Die horizontalen Öffnungswinkel aller linken und aller rechten SeitenblickKameras müssen je 50 bis 70 Grad betragen. • Die Bilder müssen verzögerungsfrei auf die Monitore übertragen werden (das geht mit Funkübertragung nicht). • Die Bilder der linken und der rechten Seite müssen in der Standardeinstellung gleichzeitig angezeigt werden. • Bei der Verwendung eines einzelnen Monitors müssen die Bilder der linken und der rechten Seite auf dem Monitor eindeutig zugeordnet sein.

Frontanbaugeräte mit einem vorderen Überhang von mehr als 4 Meter (gemessen ab Mitte Lenkrad) müssen zusätzlich zu einem Kamera-Monitor-System mit mindestens einem nach vorne und einem nach der Seite links und rechts wirkenden gelben Gefahrenlicht ausgerüstet sein. Dieses Blinksystem muss nicht in der Schweiz geprüft werden, muss aber der Norm «ECE-R65» (europäische Richtlinie für Kennleuchten) entsprechen. Das gelbe Gefahrenlicht darf nur eingeschaltet werden, wenn es die Sicherheit des Verkehrs erfordert. Das Blinklicht-System von Remund + Berger schaltet sich nach Betätigung des Traktorblinkers selbstständig zu und nach rund 15 Sekunden automatisch wieder aus. Beim Blaser-­ System wird das Warnlicht mit einem Schalter manuell zugeschaltet.

werden. Auch hier ist es empfehlenswert, die konkreten Möglichkeiten der Anbieter zu prüfen. Kosten Je nach Anbieter muss man für ein Kamera-­ M onitor-System mit Kosten ab CHF 3000.− für ein Set mit Kameras, Halter, Stecker und Anschlusskabel rechnen. Das ist aber ohne Montage. Je nach Anzahl Befestigungshalter, Elektrokabel, Schnellwechselsystem, Gefahrenlicht und zusätzlicher Montagearbeit kann das schnell mal, je nach Anbieter, über CHF 5000.− ausmachen. Wenn mehrere Traktoren und Anbaugeräte ausgerüstet werden müssen, wird es noch teurer.

Zeit knapp bemessen Auch wenn es jetzt schon geprüfte Systeme zu kaufen gibt, die Zeit für die Umrüstung aller in Frage kommenden Traktoren

• Die Bilder müssen eine diagonale Grös­ se von mindestens 4,5 Zoll aufweisen. • Ein Objekt mit einer Frontfläche von 1,80 m Höhe und 0,60 m Breite, das 70 m entfernt ist, muss auf einem Mo­ nitor-­Bild erkennbar und mindestens 3 mm hoch sein. • Die Helligkeit muss einstellbar sein. • Blendungen auf den Monitoren müssen wirksam verhindert werden. • Die Seitenblick-Kameras müssen auch bei grellem Sonnenlicht in der Lage sein, Bilder zu erzeugen. Der Blooming-­ Wert (um Überbelichtung zu verhindern) muss eingehalten werden. • Die Kameralinsen oder Deckscheiben müssen aus Materialien bestehen, die stets klar bleiben.

mit ihren Anbaugeräten war enorm knapp und die grosse Mehrheit ist noch längst nicht damit ausgerüstet. Erst im letzten November, kurz vor der Agrama, wurde die neue Bestimmung vom Bundesrat beschlossen. Lange Zeit wusste dann niemand so genau, welche Anforderungen Kamera-Monitor-Systeme zu erfüllen haben, damit sie für den Einsatz auf Schweizer Strassen konform sind. Das war auch der Grund dafür, dass das erste System erst Mitte März geprüft worden ist. Erst danach, also gerade mal 6 Wochen vor dem Inkrafttreten der neuen Bestim­ mung zum vorderen Überhang, konnte der Verkauf von Kamera-Monitor-Systemen regulär gestartet werden. Nachfrage ist gross Seither ist die Nachfrage gross und es ist nicht auszuschliessen, dass es zu Lieferengpässen kommen kann. Nach Schät-

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zungen aus der Praxis müssen mehr als 2000 Traktoren mit ihren Anbaugeräten mit solchen Kamera-Monitor-Systemen ausgerüstet werden. Gerade bei 6-Zylinder-Traktoren werden die 4 m vorderer Überhang meist überschritten und oft werden sogar 5 m vorderer Überhang ohne Probleme erreicht. Eine Nachmessung ist unbedingt zu empfehlen.

Vorbau-KameraMonitor-System (VKMS) Ihre Vertretung in der Schweiz: Remund + Berger AG Tel.: 031 981 36 27 Mobil: 079 651 68 84 E-Mail: berger@remund-berger.ch www.remund-berger.ch

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Plattform | Forschung

Biogasanlagen-Betreiber müssen eine eventuelle Substratvorbehandlung auf das Ausgangsmaterial abstimmen. Bild: Ruedi Hunger

Optimierung beim Substrat­input und -output In der Schweiz gibt es knapp 160 Biogasanlagen. In den nächsten Jahren dürften weitere 40 bis 50 Anlagen in Betrieb gehen. Dies könnte lokal zu einer Erschwerung der Substratbeschaffung führen. Ruedi Hunger

Eine Möglichkeit, das energetische Potenzial von Biomasse zu verbessern, ist die mechanische Aufbereitung des Substrats. Ziel dieser Massnahme ist der schnel­lere Abbau der Biomasse und die Steigerung des Methanpotenzials. Nicht ausser Acht zu lassen sind auch die Verbesserung der Rührbarkeit im Fermenter und eine bessere Pumpfähigkeit des Substrates. An der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft LfL hat man verschiedene Zerkleinerungstechnologien bei unterschiedlichen Substraten untersucht. Dabei zeigten zwei Verfahren, vom Substrat abhängig, bessere Resultate als andere Zerkleinerungstechnologien. Zum einen war es die Hammermühle, ein Verfahren mit kinetischer Schlagwirkung. Diese Technik brachte insbesondere beim Einsatz von Gras­ silage und Rindermist eine Steigerung von 10 % bzw. 15 %. Das zweite Verfahren, welches bei Rindermist eine 10%ige Steigerung 44

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des spezifischen Methan­ertrags brachte, war die physikalische und mechanische Konditionierung. Dieses Verfahren brachte neben dem besseren Resultat bei Rindermist auch eine Verbesserung bei Verwendung von Energiepflanzen-Silage. Die Steigerung des Methanertrags lässt sich damit begründen, dass durch den Einsatz von Zerkleinerungstechnologie die Oberfläche des Substrats vergrössert wird. In den Versuchen der LfL konnte die Methan­ produktivität bei Maissilage um bis zu 8 % und bei Rindermist um bis zu 22 % erhöht werden.

Einsatz von Pferdemist Laut Agroscope zählte der Equiden­ bestand der Schweiz im Jahr 2016 rund 100 000 Tiere. Bei einem Mistanfall von etwa 15 t je Pferd und Jahr ergeben sich daraus rund 1,5 Millionen Tonnen Pferdemist. Der durchschnittliche Strohanteil

liegt bei 50 bis 70 %. Solange keine Sägespäne oder Sägemehl beigemischt werden, lässt sich der Pferdemist sinnvoll zur energetischen Nutzung in Biogasanlagen einsetzen. Allerdings ist der hohe Fasergehalt eine verfahrenstechnische Herausforderung. Frischer Pferdemist bringt gegen­über gelagertem Pferdemist einen spezifischen Methanmehrertrag von bis zu 24  %. Stroh sind Pflanzen bzw. Pflanzen­ teile mit hohem Faseranteil. Ligno­ cellulose erschwert den Abbau, weshalb eine mechanische Aufbereitung die anschliessende anaerobe Abbaubarkeit verbessert. Die Verkleinerung der Partikelgrösse von zehn auf einen Millimeter steigert den spezifischen Methan­ ertrag laut Universität Hohenheim (D) um 30 %. Zur Substratzerkleinerung wurde unter anderem ein Querstromzerspaner eingesetzt. Die Versuche in Deutschland zeigen, dass Pferdemist mit Stroheinstreu


Forschung | Plattform

bis zu einem Substratanteil von 50 % gut als Substrat für den Biogasprozess ge­ nutzt werden kann. Mit mechanischer Vorbehandlung wurde eine Ausnutzung von 89 % erreicht. Bedingung ist, dass der Pferdemist sofort nach der Aufberei­ tung in den Fermenter kommt (Verluste).

Biologische Vorbehandlung Mechanische oder thermische Vorbehand­ lung zerkleinert das Substrat, schliesst Strukturen auf, schafft damit Oberfläche und macht so das Substrat für den folgen­ den Abbau besser zugänglich. Die mikro­ bielle oder enzymatische Vorbehandlung baut im Substrat gezielt einzelne Kompo­ nenten so weit ab, dass sie der Fermenta­ tion und damit der Methanproduktion schneller oder in höherem Umfang zu­ gänglich sind. Um die Vorgänge genauer zu untersuchen, setzt die Zürcher Hoch­ schule für Angewandte Wissenschaften ZHAW (Prof. Urs Baier) verschiedene Mikro­ organismen ein, die üblicherweise im Fermenter nicht vorhanden sind. Damit werden Substratanteile vergärt, welche sonst nicht oder nur unvollständig abge­ baut werden. Zur Vorbehandlung einge­ setzt wurden Enzyme, aerobe Mikroorga­ nismen, Milchsäurebakterien (Silierung),

anaerobe Mikroorganismen sowie aerobe oder anaerobe Pilze. Die Forscher kommen zum Schluss, dass sich biologische Verfahren lohnen. Biologi­ sche und mechanische Verfahren können sich gut ergänzen. Bei einzelnen Substra­ ten sind 20 % bis 30 % mehr Biogas realis­ tisch. Fragezeichen gibt es zur oft höheren Verweilzeit und einem evtl. zusätzlichen Bioreaktor sowie zum unerwünschten Sub­ stratkonsum durch Mikroorganismen. Im industriellen Massstab ist dieses Verfahren weitgehend unerforscht.

Aufkonzentrieren Ein Verfahren der Substratoptimierung der anderen Art ist die Vakuumverdampfung. Nicht selten beschäftigen Lager- und Transportprobleme die Biogasbetreiber. Eine Entschärfung der Problematik kann über die Entwässerung der Gärreste er­ reicht werden. Dabei wird eine möglichst umfassende Abtrennung der Nährstoffe angestrebt. Trennverfahren wie das Sepa­ rieren, Filtrieren oder das Trocknen der Faser­stoffe erzielen entweder geringe Wir­ kung oder sind im Betrieb teuer. Laut Oliver Arnold, von Arnold & Partner AG in Schachen, ist das thermische Eindamp­ fen pumpfähiger Gärreste eine optimale

Lösung. Nach der Endstufe stehen zwei Produkte zur Verfügung. Einerseits ein «Konzentrat», anderseits das «Konden­ sat». Laut Arnold erreicht man mit dem Kondensat eine Volumenverminderung der zu lagernden bzw. zu transportieren­ den Gärreste um 90 %. Das Konzentrat seinerseits weist einen Trockensubstanz­ gehalt von bis zu 30 % auf und enthält über 99,99 % aller im Ausgangsprodukt enthaltenen Nährstoffe. Da der ganze Vor­ gang unter Vakuumbedingungen abläuft, ist der Betrieb geruchsfrei. Durch Mehrstu­ figkeit erzielt das Verfahren bis zu 4 l Was­ serverdampfung pro kWtherm Leistung.

Fazit Die verschiedenen Verfahren zur Optimie­ rung und mögliche Alternativen beim Sub­ strat­ input und -output wurden an einer Weiterbildungstagung für Biogasbetreiber vorgestellt und diskutiert. Jede Biogas­ anlage ist in sich eine «Besonderheit». Das heisst, das Ausgangssubstrat ist von Anlage zu Anlage so unterschiedlich, dass Optimie­ rungsmöglichkeiten kaum verallgemeinert werden können. Das bedeutet, dass sich je­ der Biogasbetreiber mit einem geeigneten Optimierungsverfahren an bessere Methan­ ausbeutung herantasten muss.

Biogasanlagen in der Schweiz 180 180

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Der heutige Stand von etwa 160 Biogasanlagen in der Schweiz wird sich in den nächsten Jahren um rund 50 Einheiten erhöhen. Grafik: Biomasse Suisse

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Die weltgrösste Baumaschinenmesse zog auf 60 ha Ausstellungsfläche über 600 000 Besucher in den Bann. Bilder: R. Engeler, zvg

Digitaler und elektrischer An der internationalen Baumaschinenmesse «Bauma» in München präsentierten die Hersteller neben viel konventioneller Technik zahlreiche Innovationen im Bereich alternativer Antriebe. Die Digitalisierung hält auch in der Baubranche Einzug. Roman Engeler

Was hat eigentlich ein Landtechniker auf einer Baumaschinen-Messe wie der «Bauma» in München verloren? Nun, wenn man sich die Messe-Schlagzeilen wie «Roboter und Drohnen sind im Vormarsch», «Motorenhersteller suchen nach alternativen Antrieben», «Maschinen bald elektrisch und autonom unterwegs», «App zur Maschinenvermietung» oder «alles wird digital» anschaut, dann erkennt man schnell, dass es zwischen den Land- und Baumaschinen doch viele Schnittpunkte oder Gemeinsamkeiten gibt. Kommt hinzu, dass nicht wenige Hersteller in beiden Segmenten aktiv sind. Letztlich geht es ja in beiden Branchen um sogenannte «Off-Road-Maschinen». Ein Ausstellungsgelände von 60 ha mit seinen rund 3700 Ausstellern in nur einem Tag abzuscannen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. So bleibt es einerseits bei der Erfassung genereller Trends, anderseits bei der Dokumentation von einzelnen, vielleicht zufällig angetroffenen Highlights. 46

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darlösung mit Canbus-Technik entwickelt, die auch unter widrigen Arbeitsbedingungen – wie starkem Schneefall oder dichten Staubwolken – die Sicherheit garantieren soll. Das Radarsystem minimiert sowohl Fahrzeugschäden als auch Kollisionen und informiert den Fahrer über den Abstand zwischen Fahrzeug und Hindernissen – beweglichen und stationären. Das System soll mechanischem Schock bis 100 G widerstehen und ist für eine Betriebstemperatur von –40 bis +85 °C ausgelegt. Das Radarsystem garantiert eine Rundumüberwachung von Arbeitsmaschinen mit bis zu acht Sensoren und kann zudem über die Integration ins Netzwerk des Fahrzeugs bei einer Gefahr aktiv in den Betrieb eingreifen und die Bewegung notfalls stoppen. Ein ähnliches Produkt konnte man bei Preco Electronics sehen, dessen Sensortechnik beispielsweise beim autonom agierenden Traktor «Magnum» von Case IH zum Einsatz kommt. Autonome Fahrzeuge, die sich ohne menschliches Zutun bewegen, gehören zwar noch nicht zum Alltag – weder in der Land- noch in der Bauwirtschaft. Sie sind aber schon in greifbarer Nähe, was man auf der «Bauma» am Stand von Hamm in Form des Konzepts einer autonomen Walze sehen konnte. Tests, so konnte man hören, seien aber vielversprechend und mit den autonom fahrenden Walzen hätten sich Qualität sowie Wirtschaftlichkeit der Verdichtung spürbar steigern können.

Sensoren für mehr Sicherheit Das sichere Handling von Geräten mit sensorbasierten Assistenz-Systemen thematisierten einige Aussteller. So präsentierte Liebherr ein Paket von intelligenten Assistenzsystemen für grosse Radlader, darunter eine aktive heckseitige Perso­ nenerkennung. Sie unterscheidet mit Hilfe von Sensoren selbstständig zwischen Menschen und statischen Objekten. Bei Personen im Gefahrenbereich warnt das System auf grössere Entfernung als bei Wänden oder Säulen. Herstellerunabhängig ist eine Applikation des Softwareund Systementwicklers ITK Engineering. Das kamerabasierte Assistenzsystem erkennt Personen und Objekte auf unwegsamem Gelände und warnt den Fahrer vor möglichen Gefahren. Neben Kameras kommt vermehrt die Radartechnologie zum Einsatz, die einerseits über eine hohe Reichweite verfügt, anderseits gegenüber Schmutz beinahe unempfindlich ist. Brigade Elektronik hat für die Bau- und Landwirtschaft eine Ra-

Telematik Neue oder verbesserte Lösungen gab es im Flotten- und Maschinenmanagement zu sehen – angefangen bei der Motorsäge von Stihl über den Sattelkipper von Schmitz bis hin zum grossen Verdichter von Ammann. So kann beispielsweise der Sensor «Smart Connector» von Stihl mit einem Durchmesser von knapp 5 cm auf kleinen Geräten montiert werden, erfasst die Betriebsstunden und übermittelt sie via Smartphone an eine Cloud. Die allgegenwärtigen Smartphones können auch auf dem Bau zur Maschinenausleihe verwendet werden. Mit der App «klickcheck» von Zeppelin lassen sich alle Dokumente, die bei der Geräteübergabe benötigt werden, in einer Cloud sammeln. Die Maschinen werden über einen QR-Code identifiziert und mithilfe individueller Checklisten am Smartphone überprüft. Dabei können Nutzer und Vermieter gleich auch Schäden und Mängel per Fotos und Texten digital dokumentieren.


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Elektrisch unterwegs Ob bei Abgasen oder Lärm – auch die Baubranche steht unter dem Druck, Emissionen zu vermeiden. Insbesondere bei innerstädtischen Arbeiten werden schon heute Baumaschinen gefordert, die entweder Null- oder Ultra-Niedrig-Emissionsfahrzeuge sein müssen. Eine Massnahme auf diesem Weg kann der verstärkte Einsatz von Elektroantrieben sein. Bei kleineren Maschinen haben die Hersteller schon elektrische Lösungen entwickelt. Auf der Messe gab es bei Wacker Neuson (Kramer) einen Pavillon, der mit «Zero-Emission» bezeichnet war und wo die ersten elektrisch betriebenen Maschinen präsentiert wurden. Das Unternehmen will bald ein komplettes Elektro-Produktprogramm – vom Akkustampfer bis zum Radlader – aufbauen. Auch bei Volvo setzen die Ingenieure zunehmend auf die Elektrifizierung. Das schwedische Unternehmen hat sowohl einen elektrischen kompakten Radlader als auch einen vollelektrischen Kompaktbagger – vorerst als Prototyp im Einsatz – entwickelt. Bobcat zeigte mit dem «E10e» nach eigenen Angaben den ersten im Handel erhältlichen vollelektrischen Minibagger der 1-t-Klasse in Kurzheckbauweise. Die Maschine basiert auf dem Design des konventionellen Minibaggers «E10», von dem über 10 000 Stück bereits im Markt platziert sind. Emissionsfrei und geräusch­ arm kann der Bagger mit einer Breite von nur 72 cm durch Türen gefahren werden, was ihn für Innenanwendungen prädestiniert. In Arbeitspausen kann die Maschine an den Bobcat-Schnellader angeschlossen wird, soll aber einen ganzen Arbeitstag betrieben werden können.

Hybridlösungen Im Hochleistungsbereich tut man sich mit elektrischen Lösungen aber noch schwer, da der Leistungsbedarf für die anfallenden Arbeiten zu hoch ist. Um einen Bagger mit einem Gewicht von 15 t ausreichend mit Energie für eine Tagesschicht zu versorgen, würde der benötigte Akku-Satz bei aktuellem Technologiestand rund 8 t wiegen, rechnen Spezialisten vor, weshalb man Hybrid-Motoren als bessere Lösung betrachtet. Für leichte Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Fahren, wird das Gerät elektrisch betrieben, bei geforderter Höchstleistung schaltet sich dann der Verbrennungsmotor mit ein. Kubota zeigte dazu das Micro-Hybrid-System «Power Assist», das für An-

wendungen konzipiert wurde, die eine schnelle Reaktion auf Spitzenüberlastungen erfordern. Eine zusätzliche Leistungssteigerung (elektrisch) unterstützt den Verbrennungsmotor mit bis zu 10 kW. Dies bedeutet, dass ein mit drei Zylindern ausgestatteter Micro-Hybrid-Motor eine ähnliche Leistung wie ein herkömmlicher 4-Zylinder-Motor erreichen und so ein weiteres Downsizing von Motoren ermöglichen kann. Hybrid-Lösungen zeigte auch Perkins, und dies gleich in dreifacher Ausführung, nämlich in einem mechanischen (mit Integration eines Schwungrads), hydraulischen (Hydraulik-Speicher) und elektrischen (Generator) Ansatz. Gemäss Aussagen von Perkins sollen diese Technologien schon bald in Motoren von 10 bis über 600 PS Eingang finden.

Methan im Tank Mit dem Projekt «Tetra» zeigte Case einen mit Methan angetriebenen Radlader als pragmatische Lösung für die Bau­ industrie. Der Motor von FPT, der bis zu 230 PS und 1184 Nm liefern soll, wird vorzugsweise mit Biomethan betrieben, das in Kompostieranlagen erzeugt wird. Bei der CO2-neutralen Produktion bietet Biomethan einen geschlossenen Energiezyklus, der Abfall in nützliche Energie umwan­ delt. Die wichtigen Leistungs­ kennzahlen liessen sich durchaus mit denen eines herkömmlichen Dieselmotors vergleichen, betont der Hersteller. Im Unterschied zum Diesler sei der neue Motor aber leichtgängiger und leiser.

Kleiner «Knopf» von Stihl: Erfasst die Betriebsstunden und kann diese über ein Smartphone an eine Cloud übermitteln.

Das Radarwarnsystem «Backsense» von Brigade-Elektronik warnt Fahrer mit abgestuften Hinweisen vor beweglichen oder stationären Hindernissen.

Perkins zeigte Konzepte von Hybrid-Motoren mit elektrischem, hydraulischem und mechanischem Ansatz.

Fortschrittliche Dieseltechnologie Aber auch der Dieselmotor an sich wird innovativer, effizienter, sauberer sowie zusehends vernetzter und automatisierter. Die meisten Motorenhersteller sind überzeugt, dass eine fortschrittliche Dieseltechnologie auch in den nächsten Jahren die dominierende Rolle im «OffRoad»-Segment spielen wird. Dieselmotoren seien nicht zuletzt dank der Energiedichte des Kraftstoffs in der Lage, die kommerziellen Anforderungen der Kunden zu erfüllen und gleichzeitig die Umweltleistung zu verbessern. Die Abgasnorm der Stufe 5 ist von den Herstellern in allen notwendigen Leistungsklassen nahezu vollständig umgesetzt. Obschon es dazu verschiedene Strategien gibt, basieren die meisten auf der SCR-Technik in Kombination mit einem Partikelfilter – viele davon in einer kompakten «All-in-one»-Lösung.

Das Projekt «Tetra» eines Radladers mit Gasmotor von Case, ausgestattet mit «Tweel»-Reifen von Michelin, die ohne Luft funktionieren.

Klein und elektrisch: Erster vollelektrischer Minibagger «E10e» von Bobcat in der 1-t-Klasse mit Kurzheckbauweise.

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Die Hochleistungs-Brennholzsäge «RS 703 VarioCut» von Boschert arbeitet mit horizontalem Beschickungsrotor und bis zu drei Sägeblättern.

Viele Späne und Neuheiten Die «Forst live» steht wie keine andere Messe im Forstbereich für Maschinen in Aktion. Ruedi Burkhalter Die «Forst live» auf dem Messegelände Offenburg (D) steht für einen einzigartigen Charakter aus Demo-Show für Forsttechnik und Holzenergie, kann doch der Besucher auf dem 4,6 ha grossen Frei­ gelände einen ungewöhnlich grossen Teil der ausgestellten Maschinen gleich in Aktion beobachten. Zusätzlich wurden im Fachforum aktuelle Themen wie Hitze, Trockenheit oder Borken­ käfer aufgegriffen. Der Einsatz elektrisch betriebener Motorsägen bei der Waldarbeit, Feinstaubemissionen von Holzfeuerungen sowie die Unfallverhütung waren weitere aktuelle Themenschwerpunkte.

Automat schärft wie von Hand «Die Revolution im Schärfen von Sägeketten» stellte der Westschweizer Feilenhersteller Usines Métallurgiques aus Vallorbe als Neuheit vor. Dieses automatische 48

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Schärfsystem nennt sich «V OAK» und ist insofern neuartig, als nicht wie bei Schärf­ automaten üblich mit einer rotierenden Scheibe, sondern mit den vom manuellen Schärfen bekannten Rund- und Flach­feilen gearbeitet wird. Im Vergleich zu Schleifscheiben hat dies den Vorteil, dass sich

Der neue Schärfautomat von Vallorbe imitiert mit herkömmlichen Rund- und Flachfeilen das manuelle Schärfen. Bilder: R. Burkhalter

Zähne und Tiefenbegrenzer durch den Schleifvorgang nicht erhitzen und dass ein qualitativ hochwertiges Schliffbild mit regelmässigen, im idealen Bereich liegenden Winkeln erzielt wird. In einem Vergleichstest der Zeitschrift «Wald und Holz» erzielte das Gerät sowohl bei den Winkeln der Schneidzähne als auch bei der Tiefenbegrenzernivellierung beste Ergebnisse. Die «V OAK» verbindet moderne Technologie und Tradition, indem sie gleichzeitig zwei runde und zwei flache Feilen verwendet und so das Handschärfen nachahmt. Jeweils eine Rund- und eine Flachfeile sind an einer der beiden Führungsschienen montiert, so dass Schneidzähne und Tiefenbegrenzer in einem Durchgang bearbeitet werden. Während des Schleifvorgangs kommen die über Zahnstangen bewegten Führungsschie-


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nen abwechslungsweise für linke und rechte Zähne zum Einsatz. An der Bedienungseinheit mit Digital­anzeige gibt man vor dem Schleifvorgang die Anzahl der Kettenglieder sowie den gewünschten Druck und die Anzahl Schleifstösse ein. Das Gerät führt die ersten zwei Schleifstösse jeweils etwas stärker aus, damit am Schluss keine Brauen entstehen. Der Schärfwinkel ist von 10 bis 35° einstellbar und kann so an die Bedingungen und die Vorlieben des Sägenführers angepasst werden. Die Verwendung ist so einfach, dass kein extra ausgebildetes Personal nötig ist. Die grösste Herausforderung besteht darin, dem Gerät immer korrekt mitzuteilen, ob mit einem linken oder rechten Zahn begonnen wird. Eine 72-gliedrige Kette wird in rund einer Viertelstunde geschliffen. Der Antrieb benötigt nur wenig Leistung mit 12 oder 24 Volt, so dass auch unterwegs mit einer herkömmlichen Starterbatterie geschliffen werden kann. Preislich bewegt sich das neue Gerät mit rund CHF 5000.– im Mittelfeld der bisher bekannten Schärfautomaten.

Wertastung in wenigen Sekunden Ein weitere «Revolution» stellte Advaligno im Bereich der Wertholzastung vor. Die

neue Technik nennt sich «Patas» und ist passend nach einem der schnellsten Kletteraffen benannt. Durch Hoch­ entastung kann eine bedeutende Wert­steigerung des heranwachsenden Holzes erzielt werden, jedoch wird dies bisher vorwiegend mit manueller Arbeit realisiert. Bisherige Entwicklungen zur maschinellen Hochentastung konnten sich wegen Pannenanfälligkeit und zu grosser Beschädigung der Rinde nicht durchsetzen. Der neue Kletteraffe soll nun dank um über 70 % reduzierten Gesamtkosten und einer völlig neuen Arbeitsweise das Kosten/Nutzen-Verhältnis der Wertholzastung ganz neu definieren. Eine Person kann maximal vier bis sechs Bäume pro Stunde entasten, wobei meist spätestens bei einer Höhe von 8 m Schluss ist. Mit der «Patas» hingegen erreichen zwei Personen eine Leistung von 40 bis 60 Bäumen pro Stunde, wobei der Nutzen dank Ent­astungshöhen von 12 bis 15 m noch deutlich höher ausfällt. Das System besteht aus einem am Dreipunkt eines mindestens 50 PS starken Traktors angebauten Hydrauliksystem und einer damit über ein 25 m langes Schlauchpaket angetriebenen Klettereinheit. Die 50 kg schwere Klettereinheit wird von zwei Personen an Bügeln getra-

Die Hochentastung wird mit der Advaligno Patas neu erfunden. Ein kompletter Entastungsvorgang ist in 8 Sekunden abgeschlossen.

gen und am Stamm angesetzt. Für einen kompletten Entastungsvorgang mit Hochund wieder Herunterfahren benötigt die Klettereinheit nur gerade unglaubliche 8 bis 10 Sekunden. Die Kombination der präzise geführten, scharfen Spezial-Bogenmesser mit der hohen Geschwindigkeit von 4 m/s soll einen sauberen Schnitt ohne Ausfransen oder andere Beschädi-

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baren Zusatzaufbau für die Rückeanhänger «Forest Master RW12-RW14» ein Hakenliftsystem vor. Damit lassen sich ausserhalb der Forstsaison auch Standardcontainer, Tanks, Ladepritschen und vieles mehr bis hin zu Spezialanfertigungen wie Aufbau-Holzhackern in kurzer Zeit auf den Rückeanhänger hieven, um Fahrwerk und Kran ganzjährig auszulasten. Das Hakenliftsystem kann auch für andere Rückewagen mit Doppelrahmen verwendet werden und ist nachrüstbar.

Ladungstrennwand für Kipper Mit dem neuen Hakenlift-Aufbau macht Engel Forsttechnik den Rückewagen zum ganzjährig einsetzbaren Multitalent.

Der Fällkeil «TR300» von Forstreich kann über Funk aus einer sicheren Distanz von bis zu 100 m bedient werden.

gungen ermöglichen. Astdurchmesser bis 3,5 cm können bewältigt werden. Die Standardmesser eignen sich für Stammdurchmesser von 23 bis 11 cm, optional können Durchmesser bis 25 cm (Brusthöhe) bearbeitet werden. Für den nötigen Grip sorgen zwei im 90°-Winkel angebrachte Antriebsriemen aus einem weichen, schonenden Material. Der Druck des gegenüberliegenden Andrückrads kann pneumatisch eingestellt werden. Die Bedienung erfolgt über eine handliche Funkfernsteuerung oder direkt an der Klettereinheit.

greifern oder weiteren Werkzeugen am Holzkran lässt sich dieser auch als «Selbstbefüller» für Losetransporte, Ballentransporte und viele andere Zwecke einsetzen. Dank steckbarer Rungen ist aber auch der Stammholztransport jederzeit möglich. Als Neuheit im Bereich der Multifunktionalität stellte Engel als einfach demontier-

Multifunktionalität in einem etwas anderen Sinn präsentierte Sigg Fahrzeugbau für Brennholzlieferungen. Viele kennen das Problem: Es liegen mehrere kleinere Brennholzbestellungen vor, die eigentlich zusammen in den Kippanhänger passen würden. Mangels Einrichtung werden dann entweder mehrere Fahrten mit Teilbeladung gemacht oder die kleineren Posten getrennt und dann manuell entladen. Sigg bietet mit der «Ladungs-Trennwand für Kipper» eine saubere Lösung, die sich an unterschiedliche Postengrössen über Steckverbindung anpassen lässt. So können mehrere Kunden auf einer Fahrt beliefert werden und die Kosten der Fahrten werden minimiert. Dank der stabilen Trennwände lassen sich die Bestellungen einzeln auskippen, ohne dass das im Anhänger verbleibende Holz am falschen Lieferort herauszurutschen droht.

Spaltaxt und Schonhammer kombiniert Eine weitere Neuheit unter dem Motto Multifunktionalität stellte Erwin Halder KG mit dem «Simplex»-Spalthammer vor, der Spalthammer und Schonhammer vereint und sowohl zum Spalten von Brennholz als

Multifunktionale Eigenmechanisierung Schwere Erntemaschinen waren zwar an der Messe auch vertreten, jedoch nicht dominant, denn die Messe ist besonders für das Angebot für Eigenmechanisierungen im Privatwald beliebt. Hier ist die Multifunktionalität des Krananhängers immer wieder ein Thema, wie das Beispiel des Ausstellers Engel zeigt. Die Firma zeigte verschiedene Varianten des Forstkippers. Dank Schalen50

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Die dynamische Trittstufe «Grifa softstep» wird beim Aufsteigen automatisch eingefahren.


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auch zum Einschlagen von Keilen und Holzpfählen eingesetzt werden kann. Die beiden Einsätze werden mit einem massi­ ven, geschraubten Stahlgussgehäuse mit massiver Stielschutzhülse mit dem Hicko­ rystiel verbunden. Dank der Schraubver­ bindung sind alle Einzelteile einfach und in kurzer Zeit austauschbar. Der Schlagein­ satz aus Superplastik kann je nach Einsatz­ profil beliebig mit den drei Varianten Spalt­ axt, Spaltaxt mit Keilstegen oder Spalt­ hammer kombiniert werden.

Fällkeil mit Fernbedienung Einige Neuheiten gab es im Bereich der Fäll­ hilfen zu sehen. Forstreich Maschinenbau stellte gleich mehrere Neuheiten aus: Zum einen den fernbedienbaren Fällkeil «TR300», der es dem Anwender erlaubt, aus sicherer Entfernung Bäume mit der Funkfernbedienung zu Fall zu bringen. Im Gegensatz zum bekannten «TR30-AQ» wird das neue Modell nicht mit einem han­ delsüblichen Aufsteck-Schlagschrauber be­ trieben, sondern mit einem fest verbauten Schlagschrauber-Antrieb. Das Gerät bietet eine maximale Druckkraft von 25 t bei ei­ ner Hubhöhe von 60 mm. Die Funkfernbe­ dienung mit bidirektionaler Kommunikati­

«Simplex» vereint Spaltaxt und Schonhammer in einem Werkzeug.

on hat eine Reichweite bis 100 m. Für nor­ male Arbeitstage soll ein 5-Ah-Akku ausreichen, womit das Gesamtgewicht knapp unter 10 kg bleibt. Für intensivere Einsätze ist optional ein 9-Ah-Akku erhält­ lich. Als weitere Neuheit wurde der kleine­ re Fällkeil «TR24-AQ» nun auch als Akku­ variante für den Betrieb mit einem kleine­ ren Schlagschrauber vorgestellt. Dieses 4,8 kg schwere Modell bietet eine maximale Druckkraft von 8 t bei 40 mm Hubhöhe

und ist somit speziell für mittelstarkes Holz geeignet. Beide Grössen sind auch weiter­ hin in einer manuellen Variante für den Be­ trieb mit Tele­skopknarre lieferbar. Eine ganz andere Fällhilfe stellte die schwe­ dische Firma Reipal mit dem «RH-Pusher» erstmals im deutschsprachigen Raum vor. Dieses Waldwerkzeug wird in Skandinavi­ en seit mehr als 50 Jahren verkauft, ist je­ doch weiter südlich kaum bekannt. Bei die­ sem Gerät handelt es sich um eine telesko­

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pierbare Winde, mit der zu fällende Bäume auf Höhen von bis zu 270 cm direkt vom Boden aus gestossen werden. Das hat den Vorteil des im Vergleich zum Fällkeil langen Hebels. Zudem soll die Arbeitsweise des Geräts auch die Präzision der Fällrichtung unterstützen. Bei Bedarf kann die Winde mit dem im Inneren eingebauten Seil­ mechanismus auch völlig erschütterungs­ frei wieder verkürzt werden. Den «RHPusher» gibt es in sechs Grössen mit 1500 bis 3600 kg Hubkraft und er wiegt 12 bis 24 kg. Die Arbeitslänge beträgt von 115 bis 255 cm beim kleinsten; 135 bis 270 cm beim längsten Modell, der Hub beträgt bei allen Modellen 85 cm. Am Baum stützt sich das Gerät über eine scharfe Zahnung ab. Eine vorgängige Kerbe ist nur bei festgefro­ renem Stamm erforderlich.

Absteigen ohne Aufprall Auch betreffend Arbeitssicherheit gab es Neuheiten zu sehen. «Grifa softstep» bie­ tet mit einer dynamischen Trittstufe die Lö­ sung für ein im Forstbereich überall be­ kanntes Problem: Die unterste Stufe des Aufstiegs zur Fahrerkabine kann im Einsatz fast nicht hoch genug sein, um nicht früher oder später beschädigt zu werden. Das Ab­ steigen von zu hohen Stufen verursacht im­

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mer wieder schwere Unfälle. Bei diesem neuen Aufstiegssystem wird die unterste Stufe beim Aufsteigen automatisch einge­ fahren und die maximale Bodenfreiheit für Fahrt und Arbeit mit der Maschine ist wie­ der gegeben. Beim Absteigen gleitet die unterste Stufe mit dem Fahrer in Richtung Boden und ermöglicht so einen leichten, bodennahen Abstieg. Beim Absteigen wird das Fahrergewicht von einer verschleiss­ freien, einstellbaren Wirbelstrombremse abgebremst. Der gespeicherte Druck wird durch den Tritt auf die dritte Stufe beim Aufsteigen wieder freigegeben. Das Sys­ tem lässt sich auf allen Traktoren, Forstund Baumaschinen und ähnlichen Fahrzeu­ gen einfach selber nachrüsten.

Boom der Brennholzsägen Zahlreiche Neuheiten sind Ausdruck da­ für, dass die Stückholzproduktion zurzeit einen neuen Boom erlebt. Bei den Brenn­ holzfräsen wurden als günstige Alter­ native zur Trommelsäge mehrere neue Schrägsäge-Automaten vorgestellt. Oeh­ ler präsentierte das neue Modell «Diacut OL 700 SSM/SSH». Die Leistung von Schrägsägeautomaten ist zwar geringer als bei der Trommelsäge. Die Bedienung ist aber anwenderfreundlich und weniger

ermüdend als bei der manuell betätigten Schrägsäge. Die Scheite werden in opti­ maler Höhe in die Wippe eingelegt und schlagen automatisch an dem eingestell­ ten Holzlängenanschlag an. Das Holz­ stück wird automatisch bewegt, während der Anwender bereits das nächste Stück bereitlegen kann. Für Aufmerksamkeit sorgte eine neue Art von Hochleistungs-Brennholzsägen mit horizontalem Zufuhrrotor. Das Modell «RS 703 VarioCut» wurde von der Firma Bo­ schert entwickelt und arbeitet im Gegen­ satz zur Trommelsäge mit bis zu drei Sä­ geblättern gleichzeitig. Innerhalb weniger Minuten kann die Schnittlänge auf 50, 33 oder 25 cm verstellt werden. Bei 25 cm Schnittlänge wird das Holzstück durch drei nebeneinander angeordnete, mecha­ nisch angetriebene Sägeblätter geführt. Alle zwei Sekunden kann ein neues Holz­ scheit auf den Beschickungstisch gelegt werden, wodurch bis zu 90 Schnitte pro Minute möglich sind. Die Leistung ist also höher als bei der Trommelsäge, zudem ist die Beschickung ergonomischer und we­ niger ermüdend. Das gesägte Holz wird über ein stufenlos in der Höhe verstellba­ res und um 90° schwenkbares Förderband abtransportiert.


Landtechnik-Begriffe | Wissen

und die günstigsten bereits ab 200 Franken in jedem Hobbymarkt erhältlich sind. Wer langfristig damit arbeiten will, sollte eine Anschaffung im Fachhandel mit einer guten Beratung in Betracht ziehen. Nachfolgend die drei Verfahren etwas näher erklärt.

Moderne Schutzgasschweissanlagen gibt es heute auch handlich und tragbar für den mobilen Einsatz. Bilder: zvg

Universell und einfach Das Schutzgas-Schweissen hat sich als sehr effektive und einfach durchzuführende Schweissmethode etabliert, die sich für die verschiedensten Metallarten eignet. Heinz Röthlisberger Schweissen − wie beispielsweise Autogenund Elektrodenschweissen – benötigt viel Geschick und Übung und eignet sich eher für Profis. Daneben gibt es das Schutzgasschweissen. Ein Schweissverfahren, das auch von ambitionierten Laien und Hobby-­Handwerkern relativ leicht erlernt werden kann. Schutzgas-Schweissgeräte sind sehr beliebt, auch weil sie universell und leicht zu handhaben sind. Neben MIG/MAG-Schweissgeräten zählen auch WIG-Schweissgeräte zu den Schutzgasschweissgeräten. Gebräuchlich ist vor allem das MIG/MAG-Verfahren.

Funktionsweise MIG/MAG-Schweissgeräte eignen sich für die Verbindung sehr vieler Metallwerkstoffe. Da der Schweissbrenner die Schweissstelle berühren darf, ist damit die Herstellung einer guten Schweissnaht

einfacher. Bei diesem Verfahren wird ein Schweissdraht durch einen flexiblen Schlauch in einen Schweissbrenner mit Schutzgasdüse geführt. Dort dient er als stromführende Elektrode, die den Lichtbogen erzeugt. Er ist gleichermassen aber auch Zusatzwerkstoff, der kontinuierlich abschmilzt und die Werkstücke verbindet. Ein Vorteil ist auch, dass durch die Verwendung von Schutzgas der Oxidation effektiv vorgebeugt wird.

MAG (Metall-Aktivgas-Verfahren): Beim MAG-Schweissen mit aktiven Gasen kommen Kohlendioxid und Sauerstoff oder ein Gasgemisch mit Argon zum Einsatz. MAG-Schweissen wird hauptsächlich bei unlegierten Stahlsorten eingesetzt. Aus diesem Grund findet man das MAG-Schweissgerät unter anderem beim Karosserie- und Fahrzeugbau. Bei diesem Verfahren entsteht eine hohe Festigkeit der Schweissnaht. MIG (Metall-Inertgas-Verfahren): Während beim MAG-Schweissen mit aktiven Gasen gearbeitet und vorrangig Stahl verbunden wird, werden beim MIG-Schweissen Nichteisenmetalle mit inerten Gasen verschweisst. Inert bedeutet sehr reaktionsträge, also Gase, die sich nur an wenigen chemischen Reaktionen beteiligen. Hier wird am häufigsten Argon, aber auch Helium genutzt. Das MIG-Schweissen wird hauptsächlich beim Verbinden von Kupfer, Aluminium sowie anderen Nichteisenmetallen eingesetzt. WIG-Schweissen (Wolfram-Inertgas-­ Schweissen): Im Gegensatz zu den beiden anderen Schutzgasschweiss-Verfahren wird bei Anwendung des WIG-­ Verfahrens eine Elektrode aus Wolfram verwendet, die nicht abbrennt. Als Schutzgase werden Argon, Helium, Wasserstoff und deren Gemische verwendet. Mit dem WIG-Schweissen sind besonders hohe Nahtqualitäten zu erreichen, es ist aber etwas langsamer als das MIG-­ Schweissen mit abschmelzender Draht­ elektrode. Das Thema Plasma-Schweissen behandelte die «Schweizer Landtechnik» in der März-Ausgabe.

Günstig oder teuer?

«Landtechnik-Begriffe»

Für ein perfektes Schweissergebnis müssen Drahtvorschub, Drahtdurchmesser, Stromstärke sowie Gaszufuhr inklusive Vorström- und Nachströmzeit gut geregelt werden können. Bei einem Kauf ist deshalb gut auf diese Funktionen zu achten. Gute Geräte können sehr fein justiert werden. Auch wenn Einsteigermodelle

In der Serie «Landtechnik-Begriffe» sind erschienen: «AdBlue», «Common Rail», «Drehmomentwandler», «Ejektor», «Feuerverzinkt», «Metalldampflampe», «Load­ Sensing», «DOC», «LED-Lampe», «NIR-­ Sensor», «Wastegate», «Touchscreen», «Telematik», «Droplegs», «ALB-Regler» und «Plasmaschneider».

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Sicherheit | Reportage

Das Unfallopfer Dominique Menoud beim Umlegen des Hebels beim Kompressor (Szene nachgestellt). Bild: D. Senn

Beinahe-Tod bei Zapfwellen-Unfall Bei Selbstunfällen werden die Strafverfahren meistens bald und ohne umfangreiche Ermittlungen eingestellt. Bei schweren Selbstunfällen mit voraussichtlich bleibenden Schäden ist es ratsam, frühzeitig einen Anwalt beizuziehen. Dominik Senn Landwirt Dominique Menoud startet auf seinem Betrieb in Besencens FR den Traktor und die Zapfwelle, die über die Gelenkwelle den Kompressor des Güllefasses antreibt. Zwischen Traktor und Fass stehend, legt er den Handgriff des Kompressors zum Ansaugen der Gülle aus der Grube um – ein folgenschwerer Handgriff, der innert Sekundenfrist das Leben des dreifachen Familienvaters komplett aus geordneten Bahnen wirft. 54

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Was passiert? Im Moment des Zugriffs verfängt sich die Innenseite der rechten Westentasche im Bereich der dem Güllefass zugewandten Schutzglocke. Neun Umdrehungen pro Sekunde genügen, die halbe Weste, den Pullover und das Leibchen darunter satt um die Gelenkwelle zu wickeln. Der darin gefangene Körper schlägt an den Kompressor des Güllefasses. Er wird regelrecht eingeschnürt und dabei schwer ver-

letzt. Drei offene Frakturen am rechten Arm und Rippenverletzungen sind die Folge. Zudem sind das rechte Schulterblatt und das rechte Ohr zertrümmert. 14 Knochenbrüche werden im Nachhinein gezählt. Rückblickend festigt sich bei Dominique Menoud die Vermutung zur Gewissheit: Die Schutzglocke habe den Arm zurückgehalten und um die Gelenkwelle gewickelt. Die Schutzkette, die stets an der Gelenkwelle befestigt sein muss, sei gerissen. «Es ging derart schnell, dass ich nicht einmal schreien konnte. Stattdessen fiel ich sofort in Ohnmacht und wäre in dem Gemenge der Kleiderstoffe erstickt. Es war grosses Glück, dass mir mein Vater beim Hantieren zusah.» Blitzschnell realisiert Vater Paul Menoud (72), was geschehen ist, springt herbei, steigt in den Traktor, stoppt die Zapfwelle, ergreift sein Sackmesser und schneidet die Kleidungsstücke seines Sohnes auf, der immer noch ohnmächtig ist und wie leblos zu Boden sinkt – aber zu atmen beginnt. Der Vater benachrichtigt die Ambulanz und anschliessend die Polizei. Die Ambulanz ist schnell zur Stelle. Es pressiert, denn Dominique Menoud erwacht nach kurzer Zeit aus der Ohnmacht. Die Schmerzen wachsen, sie werden schlimmer und schliesslich «fürchterlich». Die Ambulanz alarmiert umgehend den Rettungshelikopter, der den Verunfallten ins Universitätsspital nach Lausanne abtransportiert, wo er ersten Operationen unterzogen wird.

Künstliches Koma «Mir wurde dort gesagt, man habe mich anderthalb Tage lang ins künstliche Koma versetzt. Die Hauptoperation habe neun Stunden lang gedauert», berichtet Dominique Menoud. Jedenfalls habe das Ärzteteam ganze Arbeit geleistet, auch bei den Folgeoperationen: Die Muskelsehnen genäht oder umgeleitet, Hautverpflanzungen vom Bein zum Arm vorgenommen, die Brüche fixiert und das Ohr wieder angenäht. Glücklicherweise sei die Lunge nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Inzwischen ist er wieder auf den Beinen. Die sichtbaren Verunstaltungen nimmt er achselzuckend in Kauf, auch die psychischen Beeinträchtigungen durch den hohen Medikamentenverbrauch. Jedoch die Bewegungsbehinderungen des rechten Arms und der gefühllose Daumen machen ihm zu schaffen, denn der Viehhalter kann nicht mehr selber melken. Die Aushilfen in den ersten Monaten kosten


Reportage | Sicherheit

Fragen an den Rechtsanwalt Schweizer Landtechnik: Was sagt der Artikel 310 der StPO? Stephan Stulz: Die Staatsanwaltschaft verfügt die Einstellung des Strafverfahrens, beziehungsweise deren Nichtanhandnahme, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass eindeutig keine Straftatbestände oder Prozessvoraussetzungen erfüllt sind. Im vorliegenden Fall war auf Grundlage der Schilderungen sowie den Feststellungen der Polizei keine Drittperson beteiligt und folglich erweist sich die Durchführung eines Strafverfahrens als obsolet. Welche Konsequenzen hat die Einstellungsverfügung für den Verunfallten? Vorab bedeutet dies, dass keine weiteren Abklärungen der Polizei zum Unfallhergang mehr getroffen werden. Es wird auch nicht weiter danach geforscht, wie sich der Unfall effektiv genau abgespielt haben muss. In solchen Fällen werden die Verfahrenskosten vom Staat übernommen. Wenn kein Strafverfahren durchgeführt wird, hat der Verunfallte keinen Anspruch auf Leistungen der Opferhilfe. Im vorliegenden Fall waren keine Drittpersonen unmittelbar am Unfallort. Das heisst aber nicht in allen Fällen und zwangsläufig, dass überhaupt kein Drittverschulden vorliegen kann. Es ist etwa denkbar, dass eine Maschine gefährliche Zustände produzieren kann oder Konstruktionsfehler aufweist. In solchen Fällen ist es wichtig, dass bereits die Strafbehörden, also die Polizei und die Staatsanwaltschaft, dafür sorgen oder dazu angehalten werden, die notwendigen Beweise zu sichern und allenfalls ein Gutachten über den Unfallhergang zu erstellen. Diese im Strafverfahren gesicherten Beweise und Gutachten sind später Grundlage für allfällige Schadenersatzforderungen sowie für Versicherungsleistungen. Wer bezahlt nun was? In diesem Fall besteht ja kein strafrechtliches Urteil. Deshalb kommen die Vorschriften des Zivil- und des Verwaltungsrechts zur

eine Menge Geld. «Dies und die diversen Spitalaufenthalte waren schwierig, aber ich akzeptiere mein Schicksal. Die Invalidenversicherung ist informiert, denn ich wüsste nicht, wer sonst die Wiedereingliederung berappen könnte.»

Befragung durch Polizei Einen Monat nach dem Unfall wird Dominique Menoud von der Polizei zum Her-

Anwendung. Vorliegend ist der Unfallhergang (in der Sprache des Juristen: Sachverhalt) nicht wirklich erstellt worden. Beispielsweise fehlt ein Gutachten der BUL über den Zustand der Verbindungseinrichtungen der Gelenkwelle auf der Seite des Güllefasses. Nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörden sollen hier keine Mängel bestanden haben. Im Unfallprotokoll und in der Verfahrenseinstellung ist bloss die Aussage des Maschinenhalters vermerkt, die Gelenkwelle sei korrekt montiert gewesen. Das Nichtdurchführen genauer Sachverhaltsabklärungen kann für den Versicherten negative Folgen haben, wenn eine Versicherung die Leistungen einstellt und geltend macht, es treffe sie keine Schuld oder der Verunfallte hätte ein grosses Selbstverschulden (Vorwurf der Grobfahrlässigkeit). In solchen Fällen muss der Verunfallte dann den Beweis erbringen, dass ein Dritter schuld ist oder keine Grobfahrlässigkeit vorliegt. Dieser Beweis ist für den Versicherten fast nicht mehr zu erbringen, weil die Beweise dann schon längstens verändert worden sind oder nicht mehr vorhanden sind. In der Regel übernimmt die obligatorische Unfallversicherung erst einmal die Kosten für die Operationen und Spitalaufenthalte, aber auch für entstandene Sachschäden und Auslagen für die Anstellung eines Betriebshelfers. Sobald aber grössere Zahlungen auf dem Spiel stehen, so unternehmen die Versicherungen viel, um die finanziellen Verpflichtungen zu reduzieren. Nach diesem schweren Unfall ist absehbar, dass der Landwirt seinen Hof nicht mehr selbst bewirtschaften kann, vielleicht verpachten und einen Berufswechsel ins Auge fassen muss. Was soll Dominique Menoud unternehmen? Bei einem solchen schweren Unfall rate ich dem Opfer, schnellst möglich eine Auslegeordnung – mit Beizug von Fachleuten – vorzunehmen und sich Gedanken zu machen: Was kann ich noch wie machen? Welche Arbeiten kann ich nicht mehr verrichten?

gang befragt. Ein Unfallrapport wird erstellt, wenig später erfolgt dann die Einstellungsverfügung gemäss Artikel 310 der Strafprozessordnung StPO durch die Staatsanwaltschaft. Die Begründung lautet: Es sei durch den Betroffenen keine strafbare Handlung vorgenommen worden, und gemäss Abklärung durch die Strafverfolgungsbehörde sei keine Drittperson direkt am Unfallhergang beteiligt

Was kann ich auf dem Betrieb ändern? Die Unfallversicherung und die IV sind grundsätzlich an der bestmöglichen Wiedereingliederung geschädigter Personen interessiert. Sind Langzeitschäden und (Teil-) Invalidität absehbar, dient diese Auslegeordnung zur bestmöglichen Integration ins Berufsleben. Damit sind die die Möglichkeiten, im Erwerbsleben wieder Fuss zu fassen und sei es – falls nicht auf dem eigenen Betrieb – durch Umschulung in einem anderen Beruf, am besten gewahrt. Was raten Sie grundsätzlich bei schweren Unfällen? Als erstes sollte der Verunfallte die genauen Umstände des Unfallhergangs wahrheitsgetreu festhalten und wenn möglich dokumentieren. Dann sollte man umgehend eine Auslegeordnung des «Wie weiter?» vornehmen. Dabei rate ich dringend, einen Anwalt beizuziehen. Bei Befragungen und Kontaktaufnahmen durch die Versicherungen muss man sich bewusst sein, dass dies alles dokumentiert wird. Erfahrungsgemäss wird dabei so dokumentiert, damit allfällige spätere Versicherungsleistungen minimiert werden können. Aktuell habe ich beispielsweise einen Fall, bei dem ein Arzt nach einer Operation an der Wirbelsäule einen guten Heilungsverlauf dokumentierte. Die Patientin sei praktisch beschwerdefrei. Dieser dokumentierte Heilungsverlauf und der Vermerk des Arztes wird nun nach Jahren von der Haftpflichtversicherung als Grund genommen, die Versicherungsleistungen zu reduzieren, nachdem die Patientin über Jahre immer Rückenschmerzen zu erleiden hatte.

gewesen. Die Verfahrenskosten seien dem Staat aufzubürden.

Erläuterung des Sachverhalts Die «Schweizer Landtechnik» bat Rechtsanwalt Stephan Stulz (Baden AG) um die Erläuterung des Sachverhalts und um eine Einschätzung der Folgen, die sich aus der Einstellung des Strafverfahrens für Dominique Menoud ergeben (siehe Kasten). 5 2019 Schweizer Landtechnik

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Passion | Youngtimer

Christoph Krieg, Vater Fritz und Bruder Adrian (v. l.) vor dem Fiat «Winner F110» an einem New Holland «Bigbaler». Bilder: zVg/D. Senn

Ein Fiat «Winner» war der Gewinn Der «Lohnbetrieb Krieg Säriswil» und der dazu gehörende Ackerbau- und Milchwirtschaftsbetrieb stehen seit 2015 als Generationengemeinschaft unter Obhut von Fritz Krieg und seinen Söhnen Marcel, Adrian und Christoph. Den Grundstein für den Lohnbetrieb legte er mit einem Fiat-Traktor «Winner F110» Jahrgang 1991. Dominik Senn Landwirt Fritz Krieg mit Jahrgang 1958 hatte sich auf seinem Pachtbetrieb in Krauchthal BE parallel zum Ackerbauund Milchwirtschaftsbetrieb ein Lohn­ unternehmen – hauptsächlich Mähdreschen, Ballenpressen und Winterdienst – aufgebaut. Vier Jahre nach der Heirat mit Theres, geborene Marbot, wurde der Pachtbetrieb verkauft und das Paar übernahm daraufhin den elterlichen Betrieb der Ehefrau in Säriswil BE. «Ich baute dort von null weg wieder ein Lohnunternehmen auf», erzählt er, «das liegt mir im Blut. Entweder man ist ein Lohnunternehmer oder nicht.» Hilfreich beim Aufbau seien zu Beginn der Laverda «3350» mit Vollhangausgleich und der 1995 erworbene Fiat «Winner F110» mit Jahrgang 1991 gewesen, den er an seine erste, braune Quaderballenpresse NH «4820» 56

Schweizer Landtechnik 5 2019

anhängte. «Mit dem ‹Winner› legte ich den Grundstein, er wurde für mich zum Lohnunternehmen-Traktor par excellence», so Fritz Krieg.

Eine Generationengemeinschaft seit 2015 Der «Lohnbetrieb Fritz Krieg Säriswil» entfaltete sich, angetrieben vom «Winner» und weiteren Traktoren, einem Fiat «70-90», einem New Holland «TM 150» 2003, einem New Holland «TM 140» 2006 und einem New Holland «7050» 2009. Ab dem Jahr 2014 bis 2019 kamen noch ein Fendt «818», ein Fendt «516» und ein Fendt «310» dazu. Das Angebot an Dienstleistungen ist breit abgestützt: Säen, Mähen, Schwaden, Pressen, Dreschen, Transporte (auch Gülle). Mit den Söhnen Marcel (Landwirt), Adrian (Meis-

terlandwirt) und Christoph (Landwirt und Landmaschinenmechaniker) sind Kriegs seit 2015 in einer Generationengemeinschaft erfolgreich unterwegs. «Nicht nur der ‹Winner›, sondern auch meine Söhne waren am Wiederaufbau des Lohnunternehmens mitverantwortlich», betont Fritz Krieg. «Die drei waren von Kindsbeinen an wann immer möglich mit viel Herzblut im Einsatz und an der Weiterentwicklung des Betriebes beteiligt.»

Jetzt 13 500 Stunden Inzwischen zeigt der Fiat «Winner» 13 500 Betriebsstunden auf dem Zähler an. Am 110 PS starken Fiat-Iveco-Motor – «Holz alänge» − sei bis dato keine einzige Reparatur vonnöten gewesen; der Sechszylinder reagiere «ausgesprochen elastisch und durchzugsstark», sagt Chris-


Youngtimer | Passion

toph Krieg, der sein landtechnisches Fachwissen einfliessen lässt, um den ansehnlichen Maschinenpark in Schuss zu halten. Lobesworte findet er auch für das Getriebe 32+16-Gang Hi-Lo mit einer synchronisierten Wendeschaltung und für die Allradbremse, das seien damals fortschrittliche Elemente des Traktorenbaus gewesen. Typisch für diese erste Generation Traktoren mit elektronischer Bedienhilfe ist die Schadenanfälligkeit elektronischer Bauteile; allerdings sei nur wenig Ersatz nötig gewesen, der finanziell nicht gross ins Gewicht gefallen sei. Ersatzteile, auch mechanische, stünden jedenfalls immer noch vollumfänglich zur Verfügung.

Schlüsselrolle mit moderner Technik Neben dem Lohnbetrieb ist auch die Milchviehhaltung in den letzten Jahren stark angewachsen. Aktuell benötigt der Betrieb zur Bewältigung der auszuführenden Arbeiten rund acht Vollzeitarbeitskräfte. In Zeiten von steigenden Personalkosten und Fachkräftemangel ist das Krieg’sche Quartett laufend auf der Suche nach Optimierungen zur Steigerung der Arbeitseffizienz. Der Einsatz von Melk- und Entmistungsrobotern, Grossflächentechnik, GPS-Spurführung im Ackerbau und cloudbasierter Datenverwaltung ist auf dem Betrieb bereits seit einigen Jahren Tatsache. Eine hohe Auslastung sei für die Wirtschaftlichkeit effizienter Technik oft entscheidend. Gerade in diesem Bereich komme den Lohnunternehmern und Maschinengemeinschaften in der Schweiz eine Schlüsselrolle zu, meinen Kriegs unisono.

Nach holländischem Vorbild Ein Beispiel: Im Vorjahr erwarben Kriegs in einer Maschinengemeinschaft mit benachbarten Landwirten einen selbstfahrenden Futtermischwagen der Marke Strautmann. Das Besondere: Der Futtermischwagen wird zwar von jedem Beteiligten täglich beansprucht. Jedoch gefahren, gewartet und nach Bedarf repariert wird er durch den Lohnbetrieb Krieg. Das heisst, die Landwirte stellen stets die Futterquellen bereit, und einer der Fahrer arbeitet die momentan fünf Betriebe vormittags ab und rüstet das Futter auf. In den Wintermonaten werden so an die 400 Milchkühe und 100 Jungviehtiere versorgt. Gemäss Fritz Krieg ist diese Dienstleistung in Holland gang und gäbe.

Praktische Halterung für die Rockinger-Anhängekupplung; so ist die Zugöse auch bei Nichtgebrauch immer mit dabei.

Von Fiat zu CNH In der Schweiz existieren keine genauen Angaben zu Verkaufszahlen der Fiat-Traktoren, weil sie nicht elektronisch erfasst wurden. Im Jahre 1899 gründeten Gio­ vanni Agnelli und weitere Teilhaber die «Fabbrica Italiana Automobili Torino», «Fiat». Ab 1919 baute Fiat den ersten in Serie hergestellten Traktor, das Modell «702», ab 1950 kam die Serie «50» mit Allrad, ab 1973 gelangten Traktoren mit über 100 PS auf den Markt. 1984 wird Fiat Trattori zu Fiatagri, die Traktorenmarke des Fiat-Konzerns bis zur Übernahme der Traktorenproduktion der Ford Motor Company. 1991, kurz vor der Übernahme der Ford-New-Holland-Gruppe, tritt die

Serie «Winner» von Fiatagri an. Die Traktoren der Serie «90» verfügen über Leistungen von 55 bis 180 PS, über eine schalldichte Komfortkabine, elektronische Regelungen und Bedienungen, ein voll synchronisiertes Getriebe oder Power­ Shift-Getriebe und Fiat-Iveco-Motoren. Ab 1995 werden die Traktoren unter dem Namen New Holland vermarktet, der Name ist von Ford an Fiat mitverkauft worden. 1999 fusionieren New Holland und der Land- und Baumaschinenhersteller Case Corporation zu Case-New Holland, CNH, zu 90 % im Besitz des Fiat-Konzerns. Heute ist CNH nach John Deere zweitgrösster Traktorenhersteller der Welt.

Der «Lohnbetrieb Fritz Krieg Säriswil» ist mit der ersten Presse am «Winner» in eine erfolgreiche Zukunft gestartet.

5 2019 Schweizer Landtechnik

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SVLT | Dienste

Vermieten und Mieten via Smartphone: Dank «FarmX» nun eine Leichtigkeit. Bilder: R. Engeler

«FarmX» eingeführt

Schweizer Plattform

Die Maschinengemeinde Rheinklingen (TG) verwendet nun «FarmX» als Tool für das Management von Reservationen und Abrechnungen der vermieteten Maschinen. Roman Engeler Anfang März 2019 haben die rund 30 Mitglieder der 1963 gegründeten Maschinengemeinde Rheinklingen (TG) beschlossen, das Management von Reservationen und die dazu erforderlichen Abrechnungen der vermieteten Maschinen künftig elektronisch zu verwalten. Die Wahl fiel dabei auf die neue, seit Mitte Februar 2019 startklare Plattform «FarmX». Für den Präsidenten der Maschinengemeinschaft, Daniel Vetterli, war ausschlaggebend, dass die Vermietung mit einem Abrechnungstool verknüpft ist und damit der Geschäftsführer effektiv entlastet wird. Zudem, so Vetterli weiter, seien die Kosten der Nutzung dieser Plattform überschaubar und im Voraus zu kalkulieren. In einem ersten Schritt wurden nun, mit Unterstützung des Maschinenrings

von Maschinen zu vereinfachen und zu reduzieren. Für jede Maschine, die während eines Jahres auch tatsächlich vermietet wurde, stellt man dem Vermieter am Ende des Jahres eine Pauschale pro Maschine in Rechnung. Bei wenigen Maschinen beträgt diese Pauschale CHF 40.–, sind es mehr, so reduziert sich der Betrag auf CHF 20.–. «Andere Kosten für die Nutzung der Plattform fallen weder beim Mieter noch beim Vermieter an», hiess es an der Kickoff-Veranstaltung der Maschinengemeinde Rheinklingen. Bei «FarmX» geht man davon aus, dass diese Plattform bis Ende 2019 zum Standard des überbetrieblichen Maschineneinsatzes wird.

Schweiz, die Maschinen- und die Mitgliederdaten elektronisch auf der Plattform erfasst. Nach Ostern fand dann im Rahmen einer Kickoff-Veranstaltung eine erste Schulung aller Mitglieder statt, damit die «Umstellung vom Notizbuch aufs Smartphone dann auch in der Praxis funktioniert». Die Verantwortlichen der Maschinengemeinde Rheinklingen und des Maschinenrings sind überzeugt, dass sich die Mitglieder rasch an den digitalen Prozess bei der Maschinenreservation gewöhnen werden.

«FarmX» ist eine Schweizer Plattform für den Austausch von landwirtschaftlichen Maschinen. Die Plattform wurde in Zusammenarbeit mit Landwirten und diversen Maschinengemeinschaften entwickelt und vor dem Live-Gang getestet. Seit Mitte Februar ist das Tool, das als App via Smart­ phone, aber auch übers Internet am PC benutzt werden kann, online. Ursprünglich vom jurassischen Bauernverband mit Unterstützung des Bundesamts für Landwirtschaft initiiert, wird «FarmX» heute von zahlreichen Partnern unterstützt und weiterentwickelt, darunter sind der Schweizerische Verband für Landtechnik (SVLT) und die Maschinenringe Schweiz.

Über 900 Landwirte Auf «FarmX» sind derzeit über 900 Landwirte registriert. Für die Verantwortlichen der Plattform ein Erfolg und gleichzeitig Anlass, die Tarifstruktur für das Vermieten

Pumpsysteme

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Die 30 Landwirte der Maschinengemeinde Rheinklingen besitzen gemeinsam 45 Maschinen und verwenden dazu «FarmX».

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Schweizer Landtechnik 5 2019

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Sektionen | SVLT

BL

BS

Theoretische Führerprüfung Kat. F/G Der Verband für Landtechnik beider Basel und Umgebung organisiert für Jugendliche, welche im Jahre 2019 14 Jahre alt (Jahrgang 2005) oder älter werden, Vorkurse und Prüfungen für die theoretische Führerprüfung Kat. F/G. Vorkurs: Mittwoch, 30.10.2019, 13.30 Uhr. Prüfung: Samstag, 16.11.2019. Durchführung der Vorkurse: 13.30 Uhr, Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain, Sissach, Kurslokal 1 Durchführung der Prüfungen: 9 Uhr, Motorfahrzeugprüfstation (MFP), Münchenstein Kurskosten: Mitglieder CHF 40.– plus Lern-CD CHF 40.–, Nichtmitglieder CHF 80.– plus Lern-CD CHF 40.–. Anmeldung bis spätestens 30 Tage vor Kursbeginn an: Marcel Itin, Hof Leim 261, 4466 Ormalingen, 076 416 27 13, marcelitin@gmx.ch; bitte unbedingt Kurs und Geburtsdatum angeben.

FR Bremsenkontrolle 2018 Der Freiburgische Verband für Landtechnik (FVLT) erhält die Bremstestkampagne aufrecht. Dieser Test ist gedacht für Karren und Anhänger aller Art, 30 oder 40 km/h, die während des ganzen Jahres im Einsatz stehen und deren Wartung leider oft vernachlässigt wird. Am Ende der Kontrolle werden die Eigentümer im Besitz einer genauen Diagnose ihrer Fahrzeuge sein, die von akkreditierten Fachbetrieben für Anhängerbremsen erstellt wird. Sie findet in der Nähe Ihres Wohnortes in dafür ausgerüsteten Ateliers statt. Die Liste der Werkstätten ist auf der Website unter www.­­agrotecsuisse.ch zu finden. Wichtig: Für die Prüfung müssen die Anhängerzüge mit pneumatischen oder hydraulischen Betriebsbremsen ausgerüstet sein. Für seine Mitglieder bietet der FVLT einen Rabatt von CHF 50.– pro Achse. Dazu genügt es, eine Kopie der Rechnung an folgende Adresse zu senden: AFETA/FVLT, Robert Zurkinden, Heitiwil 23, 3186 Düdingen. Dieses Angebot gilt nicht für den Kauf von neuen Geräten oder bei einem später folgenden Aufgebot zur Expertise.

LU

Aktuelles Kursangebot Mofa- und Traktorenprüfung: Die Vorbereitungskurse für die Mofaund Traktorenprüfung finden jeweils an Mittwochnachmittagen statt. Kurskosten inkl. Lernplattform im Internet (Theorie-24-Kärtli): für Mitglieder des Verbands CHF 70.–, für Nichtmitglieder CHF 90.–. Nächste Termine: Mittwoch, 3. Juli 2019, in Sursee, 13.15–17.30 Uhr Mittwoch, 28. August 2019, in Sursee, 13.15–17.30 Uhr Roller- und Autoprüfung: Theorieprüfung online lernen für CHF 29.– Grundkurse für Roller und Motorräder finden jeweils in Büron und Sursee statt. Die Kosten betragen für Mitglieder CHF 300.–, für Nichtmitglieder CHF 320.–. Nächste Termine: Kurs 605: jeweils Samstag 15./22. Juni 2019, 7.30–11.30 Uhr Verkehrskundeunterricht in Sursee, Schüpfheim und Hochdorf: für Mitglieder CHF 220.–, für Nichtmitglieder CHF 240.– Nächste Termine: Kurs Nr. 404: 4 Abende: Mittwoch/Donnerstag, 12./13./19./20.  Juni 2019, 19.00–21.00 Uhr, in Sursee Die Kurse werden nur bei genügender Teilnehmerzahl durchgeführt. Kombipaket für Rollerfahrer nochmals günstiger als zum Einzelpreis. Theorie online lernen / Grundkurs 1 + 2 (8 Lektionen) / VKU (4 × 2 Lek­ tionen): für Mitglieder CHF 539.–, für Nichtmitglieder CHF 579.– Der Lastwagentheoriekurs dauert 32 Lektionen, während vier Wochen jeweils einen Tag pro Woche. Der Kurs ist modular aufgebaut und der Einstieg ist jederzeit möglich. Der nächste Kurs beginnt am 3. August 2019; Durch­führung jeweils in Luzern. Infos und Anmeldung (Änderungen, z. B. Kursort, -inhalt, -preis, -zeit bleiben vorbehalten): LVLT-Fahrschule, Sennweidstrasse 35, 6276 Hohenrain, Tel. 041 467 39 02, Fax 041 460 49 01, info@lvlt.ch

SG

AR

AI

GL

Kreisversammlungen mit Referaten Es können auch Kreisversammlungen anderer Kreise besucht werden.

Traktoren-Theoriekurs mit Prüfung 2019 Kursleiter ist Hans Popp, Karrersholz 963, 9323 Steinach Kursort 1. Kurstag 2. Kurstag + Prüfung Nachmittag Mittwoch nachmittag

12. Luzerner Traktoren-Geschicklichkeitsfahren

Salez, Rheinhof Sa, 25. Mai 19 Wangs, Parkhotel / StVA Mels

19. Juni 19

Sonntag, 16. Juni 2019, ab 9 Uhr Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) Hohenrain

Wittenbach, Oberstufenzentrum Mi, 29. Mai 19 Rorschach, Aula Schulh. Burghalde / StVA

26. Juni 19

Der Luzerner Verband für Landtechnik lädt zum Luzerner Traktoren-­ Geschicklichkeitsfahren am Sonntag, 16. Juni 2019, ab 9 Uhr ein. Die zwölfte Ausgabe findet beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) in Hohenrain statt. Nebst einem spannenden Parcours warten tolle Preise und Festbeizli auf die Liebhaber der Wettkämpfe geübter Traktorfahrer, die überdies technisches Wissen in den Bereichen Motoren, Traktoren, Unterhalts- und Wartungsarbeiten sowie Strassenverkehr mitbringen sollten. Die Anmeldung kann unter www.lvlt.ch erfolgen.

Widnau, Rest. Rosengarten Sa, 8. Juni 19 Rorschach, Aula Schulh. Burghalde / StVA

3. Juli 19

Niederbüren, Schulh. Probelokal Sa, 22. Juni 19 SG-Winkeln, Kath. Pfarreiheim, Winkeln / StVA

17. Juli 19

Wangs, Parkhotel Sa, 6. Juli 19 Wangs, Parkhotel / StVA Mels

14. Aug. 19

5 2019 Schweizer Landtechnik

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SVLT | Sektionen

Kaltbrunn, Rest. Löwen Mi, 10. Juli 19 Kaltbrunn, Rest. Löwen / StVA Kaltbrunn

28. Aug. 19

Trogen, Rest. Krone Mi, 21. Aug. 19 Trogen, Rest. Krone / StVA Trogen

11. Sept. 19

Traktoren-Geschicklichkeitsfahren

Mosnang, Oberstufenzentrum Sa, 31. Aug. 19 SG-Winkeln, Kath. Pfarreiheim, Winkeln / StVA 18. Sept. 19

Sonntag, 16. Juni 2019, Areal Landi Subingen

Wittenbach, Oberstufenzentrum Mi, 4. Sept. 19 Rorschach, Aula Schulh. Burghalde / StVA 25. Sept. 19 Salez, Rheinhof Sa, 14. Sept. 19 Wangs, Parkhotel / StVA Mels

9. Okt. 19

St. Peterzell, Schulhaus Sa, 21. Sept. 19 SG-Winkeln, Kath. Pfarreiheim, Winkeln / StVA

16. Okt. 19

Neu St. Johann, Klostergebäude Sa, 28. Sept. 19 Kaltbrunn, Rest. Löwen / StVA Kaltbrunn

23. Okt. 19

Widnau, Rest. Rosengarten Mi, 30. Okt. 19 Rorschach, Aula Schulh. Burghalde / StVA

27. Nov. 19

Niederbüren, Schulh. Probelokal Sa, 9. Nov. 19 SG-Winkeln, Kath. Pfarreiheim, Winkeln / StVA

SO

Die Sektion Solothurn führt ihr diesjähriges Geschicklichkeitsfahren am 16. Juni 2019 auf dem Areal der Landi Subingen durch. Anmelden kann man sich auf Platz, und zwar von 9 bis 14 Uhr. Es gibt einen Parcours für Teilnehmende ab 14 Jahren und einen für Junioren im Alter von 10 bis 13 Jahren. Für kleinere Kinder wird ein Traktor-Rennen organisiert. Am Nachmittag (15 Uhr) kann zu einem Gruppenwettkampf gestartet wer­ den. Alle Teilnehmenden erhalten einen Preis.

VD Grosser Landtechnik-Tag

4. Dez. 19 Donnerstag, 29. August 2019, ab 14 Uhr in Aigle

Kaltbrunn, Rest. Löwen Mi, 20. Nov. 19 Kaltbrunn, Rest. Löwen / StVA Kaltbrunn

11. Dez. 19

Wangs, Parkhotel Sa, 23. Nov. 19 Wangs, Parkhotel / StVA Mels

18. Dez. 19

Vorbereitungskurse zur Traktorenprüfung 15. Juni / 21. Sept. / 16. Nov., je von 9.30 bis 15.30 Uhr Die Teilnahme ist 4–6 Monate vor dem 14. Geburtstag möglich (Not­ helfer- und Verkehrskundeausweis sind in dieser Kategorie noch nicht vorgeschrieben). Die Kosten betragen CHF 110.–, für Mitglieder des SVLT Zürich CHF 80.–. Im Preis inbegriffen sind eine Lern-CD oder Stick sowie eine Mittagsverpflegung mit Getränk. Onlineanmeldung: www.fahrkurse.ch, www.svlt-zh.ch, SVLT Zürich, Auskünfte unter 058 105 99 52

SH Traktoren-Geschicklichkeitsfahren Sonntag, 2. Juni 2019, GVS Getreidesammelstelle, Gächlingen Beim «TRAGEFA» können die Teilnehmer ihr Können und Geschick im Umgang mit den landwirtschaftlichen Maschinen zeigen. Der Parcours besteht aus 8 Einzelposten. Die Ersten in den Kategorien «Damen», «Ju­ nioren» und «Herren» qualifizieren sich für die Schweizermeisterschaft 2019. Zusätzlich kann als Gruppe beim Mannschaftsparcours mitge­ macht werden. Teilnehmen kann man ab 14 Jahren, sofern man mindes­ tens im Besitz der Fahrerlaubnis «Kat. G» ist. Anmeldung und Wett­ kampfbeginn ist ab 9.00 Uhr bei der GVS Getreidesammelstelle in Gächlingen. Ab 11.30 Uhr gibt es ein Frühschoppenkonzert mit der Trachtenkapelle Obermettingen.

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Schweizer Landtechnik 5 2019

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Präsentation von Ladefahrzeugen und allgemeiner Fördertechnik Vorstellung von Maisversuchen von UFA-Samen Besichtigung des Mastbetriebs der Familie Angst Festwirtschaft auf Platz Information: www.asetavaud.ch


Sektionen | SVLT

Theoriekurse Kategorie F/G Im Theoriekurs Kat. F / G werden die Grundlagen aufgezeigt und erklärt. Die bestandene Prüfung berechtigt zum Lenken von landwirtschaftlichen Motorfahrzeugen bis 30 km/h.

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SVLT | Porträt

Höhenflüge «Die Zeit auf dieser Welt ist für alle begrenzt. Ich für mein Teil will sie gut nutzen und stecke mir hohe Ziele.» Das sagt nicht etwa ein abgeklärter Senior, sondern ein Junglandwirt, Simon Häfeli mit Jahrgang 1992 vom Fornholz in Seon AG. Und wie er die Zeit nutzt: Der gelernte Landwirt ist seit beendeter Lehre zu hundert Prozent auf dem elterlichen 60-ha-Betrieb mit extensiver Grossviehmast (110 Plätze), Wiesenmilchproduktion (53 Plätze) und Ackerbau (12 ha Dinkel, 12 ha Mais, 12 ha extensive Wiesen) angestellt. Der Betrieb bietet weiter diverse Lohnarbeiten an. Daneben hat er die Handelsschule sowie die landwirtschaftliche Meisterprüfung abgeschlossen und in den USA einen Sprachaufenthalt absolviert, fährt Lastwagen für das Lohnunternehmen Hirter & Tschanz AG in Safenwil sowie auf Abruf bei der Firma Hauri Seon und bedient die Lademaus bei der Genossenschaft Rübenumschlag Aargau; er ist seit 2018 deren Vorstandsmitglied und seit 2019 im Vorstand des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer. Sein Hobby hat allerdings mit Landwirtschaft wenig bis gar nichts am Hut: Er ist Pilot für Kleinflugzeuge und arbeitet als Aushilfe als Flugplatzchef auf dem Regionalflugplatz Birrfeld und ist damit verantwortlich für den Flugbetrieb, die Zollanmeldungen und die Sicherheit. Er fährt eigenhändig das Feuerwehrauto der Flugplatzfeuerwehr, falls Gefahr im Verzug ist. Als ob das nicht genügte, ist er momentan in der Ausbildung zum Helikopterpiloten. «Das Schweben in der Luft an Ort und Stelle ist ein zusätzlicher Kick», so seine Motivation. «Das Fliegen ist für mich der eher kopflastige Ausgleich für die eher körperliche Arbeit», sagt er, obwohl heute beispielsweise ein Traktor ebenso viel Technik aufweise wie ein Kleinflugzeug. Mit dem Flieger-Virus infiziert habe er sich vor zwanzig Jahren. Ein Luftbildfotograf startete vom Fornholz aus seine Rundflüge für Luftaufnahmen und liess nachts die Maschine dort stehen. Er habe ihn mehrmals mitfliegen lassen. «Da nahm es mir den Ärmel rein», so Simon Häfeli. In rund fünf Jahren, wenn sein Vater in Pension geht, will er den Betrieb übernehmen. Seine Schwester Sabine habe diesbezüglich keine Ansprüche gestellt, sie ist beim Bauernverband Aargau angestellt. Der Junglandwirt hat konkrete Vorstellungen, wie es weitergehen soll: «Ich werde die Automatisierung auf dem Betrieb vorantreiben. Als erste Massnahme wird die Automatisierung der Melk- sowie Fütterungstechnik verwirklicht, das verleiht mir eine gewisse Flexibilität. Mich interessiert generell das Smart Farming, dessen Einsatz ich als Chance betrachte, das Ansehen der Landwirtschaft wieder zu heben.» Auch hier lässt er Taten folgen: Seit zwei Jahren beteiligt sich der Betrieb Fornholz am Feldversuch Untersaaten im Mais der ETH Zürich, des landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg sowie der Landi Unteres Seetal zum Zweck der Reduktion der Pflanzenschutzmitteleinträge. Aufgezeichnet von Dominik Senn

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Schweizer Landtechnik 5 2019


Kurse | SVLT

Aus- und Weiterbildungskurse des SVLT Kursorte G40

Die G40-Fahrkurse 2019

1260 Nyon VD* 1302 Vufflens-la-Ville VD* (Neu) 1315 La Sarraz VD* 1510 Moudon VD* 1562 Corcelles-près-Payerne VD* 1630 Bulle FR** 1786 Sugiez FR** 1860 Aigle VD* (neuer Kursort) 1920 Martigny VS* 1964 Conthey VS* 2208 Les Hauts-Geneveys NE* 2720 Tramelan BE* 2852 Courtételle JU* 3150 Schwarzenburg BE 3186 Düdingen FR 3250 Lyss BE 3270 Aarberg BE 3421 Lyssach BE 3510 Konolfingen BE 3550 Langnau i. E. BE 3770 Zweisimmen BE 3800 Interlaken BE 3818 Grindelwald BE 3930 Visp VS 4222 Zwingen BL 4415 Lausen BL 4538 Oberbipp BE 4702 Oensingen SO 5040 Schöftland AG 5505 Brunegg AG 6056 Kägiswil OW

6130 Willisau LU 6170 Schüpfheim LU (Neu) 6210 Sursee LU 6276 Hohenrain LU 6430 Schwyz SZ 6472 Erstfeld UR 6702 Claro TI*** 7130 Ilanz GR 7302 Landquart GR 7430 Thusis GR 7524 Zuoz GR**** 7550 Scuol GR**** 7742 Poschiavo GR*** (Neu) 8180 Bülach ZH 8200 Schaffhausen SH 8315 Lindau ZH 8460 Marthalen ZH 8500 Frauenfeld TG 8625 Gossau ZH 8836 Biberbrugg SZ 8856 Tuggen SZ 8867 Niederurnen GL 8932 Mettmenstetten ZH 9133 Sitterdorf TG 9436 Balgach SG 9465 Salez SG 9602 Bazenheid SG * Sprache Französisch ** Sprache Deutsch u. Französisch *** Sprache Italienisch **** Sprache Italienisch u. Deutsch

Der Traktorkurs G40 des Schweizerischen Verbandes für Landtechnik ist vom Bundesamt für Strassen, ASTRA, anerkannt und wird im Führerausweis eingetragen. Mehr Informationen und Homepage: www.fahrkurse.ch

CZV – Weiterbildungskurse

Kursort: Riniken AG

Kursart Kursdatum Erste Hilfe im Strassenverkehr, Deutsch

auf Anfrage

ARV1 / Digitaler Fahrtenschreiber, Deutsch

22.07.2019

Ladungssicherung, Deutsch

auf Anfrage

Moderne Fahrzeugtechnik, Deutsch

05.08.2019

Hebegerätekurse SUVA-anerkannt: Gegengewichts- und Teleskopstaplerkurs; Instruktion Hoflader

Kursort und Sprache

Kurstag 1

Kurstag 2

Ardon VS, Französisch

auf Anfrage

auf Anfrage

Chavornay VD, Französisch

auf Anfrage

auf Anfrage

Goldach SG, Deutsch

29.10.2019

30.10.2019

Oberbipp BE, Deutsch

16.10.2019

17.10.2019

Oberbipp BE, Deutsch

18.10.2019

19.10.2019

Rümlang ZH, Deutsch

auf Anfrage

auf Anfrage

Schweisskurse

Direkt zu den «G40»-Fahrkursen Über diesen QR-Code gelangen Sie direkt zu den Terminen und Anmeldungen der diesjährigen «G40»-Fahrkurse des SVLT.

Kursort: Riniken AG

Kursart Kursdaten Metall-Schutzgasschweissen (MAG/MIG), Deutsch

04. und 05.11.2019

Lichtbogen-Handschweissen (E-Hand), Deutsch

11. und 12.11.2019

Wolfram-Schutzgasschweissen (TIG), Deutsch

20. und 21.11.2019

Informationen und Auskünfte: www.agrartechnik.ch oder www.fahrkurse.ch 056 462 32 00 oder zs@agrartechnik.ch

Impressum 81. Jahrgang www.agrartechnik.ch Herausgeber Schweizerischer Verband für Landtechnik SVLT NR Werner Salzmann, Präsident Aldo Rui, Direktor Redaktion Tel. 056 462 32 00 Roman Engeler: roman.engeler@agrartechnik.ch Heinz Röthlisberger: heinz.roethlisberger@agrartechnik.ch Dominik Senn: dominik.senn@agrartechnik.ch Ruedi Hunger: hungerr@bluewin.ch Ruedi Burkhalter: r.burkhalter@agrartechnik.ch Mitglieder- und Abodienste, Mutationen Ausserdorfstrasse 31, 5223 Riniken Tel. 056 462 32 00, Fax 056 462 32 01 www.agrartechnik.ch

Verlagsleitung Dr. Roman Engeler, Postfach, 5223 Riniken Tel. 079 207 84 29 roman.engeler@agrartechnik.ch Inserate/Anzeigen Alex Reimann Anzeigen-Verkauf Tel. 062 877 18 50 / 079 607 46 59 inserate@agrartechnik.ch Anzeigentarif Es gilt der Tarif 2019. Kombinationsrabatt bei gleichzeitigem Erscheinen in «Technique Agricole» Herstellung und Spedition AVD GOLDACH AG, Sulzstrasse 10–12, 9403 Goldach Erscheinungsweise 11-mal jährlich

Abonnementspreise Inland: jährlich CHF 110.– (inkl. MwSt.) SVLT-Mitglieder gratis Ausland: CHF 135.– (exkl. MwSt.)

Nächste Ausgabe Schwerpunkt: So gelingt der Stoppelsturz Wissen: Teilelektrifizierung am Mähwerk Management: Wann lohnt sich ein Maschinenkauf? Plattform: Agrartechnik aus dem Drucker

Nr. 6-7/2019 erscheint am 20. Juni 2019 Anzeigenschluss: 7. Juni 2019

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DIE NEUE RUNDBALLENPRESSE V451M HÖCHSTE LEISTUNG IN ALLEN ERNTEBEDINGUNGEN

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ANMELDUNG

FÜR VORFÜHRUNG Simon Krähenbühl 044 842 50 30