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Surprise 596/25

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Mauern, die Länder aufteilen – ob in Israel und Palästina (1+3) oder auf Zypern (2), fast immer sind sie Zeichen von Konflikten und tief sitzenden Feindbildern.

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Mauern und Grenzen: Für die einen ein Trost, denn sie wollen Sicherheit, für die anderen ein Gräuel, denn sie wollen Frei­ heit. So einfach ist es natürlich nicht. Und doch haben sie immer beides an sich: Sie beschützen und wehren ab, sie frieden ein und sperren aus, sie verbinden und tren­ nen, sie teilen auf in hier und dort, in privat und öffentlich, in Wir und die Anderen, in mein und dein, in «dieses ist erlaubt» und «jenes verboten», in «das ist normal» und «so was gehört sich nicht». Mauern und Grenzen – zumal politische, kulturelle, wirtschaftliche, soziale, sprachliche, reli­ giöse oder kosmische – gehören ohne Zweifel zu den ältesten und mächtigsten Kulturtechniken des Menschen. Man möchte meinen, liberale, offene Gesellschaften hätten Mauern überwun­ den. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wir leben mehr denn je in einer Welt aus Mau­ ern, Zäunen, Stacheldraht, Barrieren und Palisaden. Zusammengenommen machen sie 41 000 Kilometer aus, das entspricht Surprise 596/25

dem Erdumfang. Seit dem Berliner Mauerfall 1989, dem Ende des Kalten Krie­ ges, wurden sechzig neue Mauern erbaut, davon haben die meisten nur einen Zweck: Eindringlinge und Feinde fernzuhalten. Eine der wohl berüchtigtsten und auch konfliktträchtigsten Grenzen ist jene Mauer, die Israel vom Westjordanland trennt; sie wurde zwischen 2000 und 2005 errichtet und gilt der einen Seite als Sicherheitsbar­ riere, der anderen als Ausdruck von Unter­ drückung. Die meisten Absperrungen je­ doch wurden seit 2015 in europäischen Ländern errichtet, um Migrant*innen auf­ zuhalten: in Ungarn entlang der serbischen Grenze (160 km lang, Kostenpunkt 400 Mio. Euro), in Slowenien an der Grenze zu Kro­ atien (176 km, 320 Mio. Euro), in Polen und Litauen jeweils entlang der Grenze zu Be­ larus (186 km, 350 Mio. Euro bzw. 550 km, 150 Mio. Euro), in Griechenland und Bul­ garien an der Grenze zur Türkei (75 km, 110 Mio Euro bzw. 260 km, 450 Mio. Euro), in Grossbritannien beim Tunneleingang in

Calais (1,5 km, 5 Mio. Euro) und in Spanien entlang der beiden Exklaven Ceuta und Me­ lilla (20 km, 55 Mio. Euro). Beispiele wie diese vermitteln das Bild der «Festung Europa», einem «Bollwerk gegen Migration». Doch sind nicht alle Migrant*innen unerwünscht. Im Gegen­ teil, die meisten werden von EU-Ländern gezielt angeworben, etwa um den gestiege­ nen Bedarf an Arbeitskräften in Landwirt­ schaft, Bau, Industrie oder Gesundheitswe­ sen zu decken. Für diese Zuwanderer*innen spielen Grenzen innerhalb der EU keine Rolle, zumal sich die Bestimmungen puncto Aufenthalt und Arbeitsbewilligung in den vergangenen Jahrzehnten gelockert haben. In der Schweiz, einem Land mit einem Ausländer*innen-Anteil von 25 Prozent, kommen 75 Prozent der Zuwan­derer*innen aus EU/EFTA-Staaten wie Italien, Portugal oder Deutschland. Die übrigen stammen aus europäischen Ländern, die nicht der EU angehören, oder aber aus Ländern au­ 13


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