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Frühling  &  Sommer 2012

Style league Der Buyer’ s Guide für den Mann

was mann braucht

On the streets of London

skate more, work less

Fussball, randale und mode

Unsere Produktentdeckungen der Saison

Santa Cruz Skateboards – Eine Erfolgsgeschichte

Unterwegs in der britischen Metropole

Die Casual Culture in Stadien

NEU !

406009

Die feine englische Art

4 192443

Paul Weller

02

Deutschland – EUR 6,00 Österreich – EUR 6,80 Schweiz – SFR 9,90 Luxemburg – EUR 6,90

Italien – EUR 8,00 Frankreich – EUR 8,00 UK – GBP 8,70 USA – USD 10,30

Jetzt im gepflegten Zeitschriftenhandel


2 — Style League Buyer’s Guide


Style League Buyer’s Guide Frühling & Sommer 2012

Liebe Leser, willkommen zur zweiten Ausgabe von Style League. Wenn es um Stil, Haltung und Coolness geht, macht den Briten so schnell keiner etwas vor. Paul Weller ist ein klassischer Vertreter der feinen englischen Art, immer stilbewußt, immer am Puls der Zeit. Zunächst mit der Band The Jam, danach mit The Style Council und schließlich als Solokünstler erfand der Musiker sich stets neu und blieb sich dennoch treu. Es ist also kein Zufall, dass das Style Council-Album „Our Favourite Shop“ Pate für unsere Shop-Empfehlungsrubrik stand. Wir trafen den Godfather of Britpop zum Interview. In der englischen Hauptstadt haben wir uns auf die Suche nach den aktuell spannendsten Orten gemacht. Dabei bekamen wir Unterstützung von drei jungen Briten, die auf ihren jeweiligen Gebieten Mode, Werbung und Design, echte Experten sind. Was es Neues aus der Stadt des charmanten Chaos und der Olympischen Spiele 2012 gibt, erfahrt ihr in unserer großen LondonReportage. Bereits im Juni steht ein weiteres sportliches Großereignis an: Die Fußball-Europameisterschaft. Jenseits von Spielerbeurteilungen, Stationchecks und Prognosen haben wir ein modisches Phänomen beim Fußball unter die Lupe genommen, das seinen Ursprung in englischen Stadien hat: die sogenannte „Casual Culture“. Außerdem erfahrt ihr, was echten Mezcal so besonders macht, wie Hunter S. Thompson zur Kultfigur wurde, wie sich Santa Cruz zur wohl populärsten Marke der Skateboardwelt entwickelte und vieles andere mehr. Last but not least gibt es auch diesmal wieder die schönsten und aufregendsten Produkte der Saison zu entdecken. Viel Spaß beim Lesen. Die Redaktion P.S.: Wir haben uns sehr über Anregungen, konstruktive Kritik und Lob via E-Mail und sogar per Telefon gefreut. Wir hoffen, dass euch auch diese Ausgabe gefällt und freuen uns weiterhin über Feedback an feedback@styleleague.net


4 — Style League Buyer’s Guide

contribut0rs

Jan Joswig lebt in Kreuzberg, solange er zurückdenken kann, und schreibt über Menschen, Mode, Motoren. Der

Robert G. Bartholot erzeugt am liebs-

studierte

ten grafische und mystisch-ironische

als freier Autor für diverse Magazine,

Bildwelten in leuchtenden Farben.

hat bei Buchprojekten (zuletzt German

Seine Arbeiten betrachtet er als Stillle-

Fashion Design 1946-2012, Distanz Verlag)

ben, selbst wenn Menschen darauf zu

mitgewirkt, lehrte Modejournalismus

sehen sind.Der gelernte Grafiker fand

an der AMD Berlin und durchquerte

während eines dreijährigen Aufenthalts

im Occupy-Sommer für vier Monate auf

in Madrid zur Fotografie, wo er an der

seinem Motorrad Südeuropa.

Kunstgeschichtler

arbeitet

Seite des spanischen Fotografen Álvaro Villarrubia arbeitete. Mittlerweile fotografiert er unter anderem für den

Architectural Digest, Diesel, das Zeit Magazin und Playstation.

Kathryn: bewhoyoudare.tumblr.com

gänge mit Kathryns Hunden in den Parks von London.

Alexandra: www.lounoir.com

Arbeitsalltag reichlich bunte Eiscreme und lange Spazier-

Communication und Editorial. Beide arbeiten zurzeit bei

Dazed & Confused. Sie lieben als Ausgleich zum harten

chen Projekt Management, Digital Marketing, Visual

im Herzen Kreativdirektorin und arbeitet in den Berei-

gnerin, Stylistin und Fotografin.

Jonas Gempp arbeitet und lebt seit zehn Jahren in Berlin.

sprünglich aus Frankfurt kommend, fühlt er sich seiner

Dort gibt er mit Freunden das HATE Magazin heraus. Ur-

Heimat nach wie vor tief verbunden. Das drückt sich,

neben seiner fanatischen und bedingungslosen Liebe zu

Eintracht Frankfurt, im Konsum von Apfelwein und einer

leuchtet er das Phänomen der Casual Culture.

Affinität zur Frankfurter Schule aus. In dieser Ausgabe be-

www.hate-mag.com

Kathryn Easthope ist eine leidenschafltiche GrafikdesiAlexandra Plesner ist

www.bartholot.net

daavidmoertl.com physischen erzählen. immerwährenden Präsenz des Metavon Gegenstandsystemen und einer rungen und Interieurbildwelten, die

Foto: Mary Scherpe  

illustrationen,

de Prada-Kollektion geschrieben.

rellen befinden sich Portraits, Mode-

diese Ausgabe hat er über die kommen-

Unter seinen Zeichnungen und Aqua-

gerne über Menschen und Mode. Für

Arbeit und zweckmäßiger Illustration.

teur bei De:Bug und schreibt besonders

schen

beitet in Berlin als Journalist, ist Redak-

Architekturvisualisie-

eigenständiger

künstlerischer

Daavid Mörtl im Grenzgebiet zwi-

sich

mag er den großen Himmel dort. Er ar-

Als freischaffender Illustrator bewegt

ner Großstadt entfernt liegt. Bis heute Deutschland, der am weitesten von eiim Norden geboren, an dem Ort in

Timo Feldhaus

wurde vor 31 Jahren


Style League Buyer’s Guide — 5

Inhalt 9 10 11 12 13 14

16 20 28 32

38 40

88

Kurz gesagt

Christian Kracht: Man darf sich nicht täuschen lassen — Text: Nina Scholz Mezcal: Das Herz der Agave — Text: Christoph Claudius Petersen Treehotel: Baumhäuser für Große — Text: André Uhl Brandt Brauer Frick: Zukunftsmusik — Text: Peyman Farahani In fünf Schritten... zum selbstgebauten Kanu — Text: André Uhl, Illustration: Daavid Mörtl Motorcycle Diaries — Text: Jan Joswig, Illustration: Myriam Heinzel

Genauer Betrachtet

Die feine englische Art: Ein Interview mit Paul Weller — Text: Carlos de Brito, André Uhl On the Streets of London: Unterwegs in der britischen Metropole — Text: Alexandra Plesner It’s a Casual Life: Fußball, Randale und Mode — Text: Jonas Gempp Skate More, Work Less: Santa Cruz Skateboards — Text: Renko Heuer

Wärmstens Empfohlen

Picture This: Produktstrecke — Fotos: Robert G. Bartholot Die besten Produkte der Saison

Stilvoll gekleidet

Modestrecke: Into the White — Fotos: Jonas Lindström mit den Schauspielern Werner Daehn, Lars Eidinger, Stipe Erceg, Vinzenz Kiefer und Franz Rogowski

98 99

Stilikone: Hunter S. Thompson — Text: Dörte Lange Objekt der Begierde: Das Hawaiihemd — Text: Paul Schlosser

106

Our Favourite Shop — Text: Carlos de Brito, André Uhl Blick in die Zukunft: Prada und die alten Männer — Text: Timo Feldhaus

104

Hersteller- und Shopverzeichnis

105

Impressum

100


Kurz gesagt

Endlich kann man wieder vermehrt seine Zeit im Freien verbringen. Zum Beispiel in seinem eigenen Kanu. Wir erläutern euch, wie man sich selbst eins baut. Oder auf dem Motorrad. Unser Autor Jan Joswig berichtet von seiner Zweiradtour in Marokko. Oder draußen im Wald. Wir sagen euch, wo die besten Schlafplätze hoch über den Bäumen schwedischer Wälder zu finden sind. Darüber hinaus haben wir Christian Krachts Imperium gelesen, die Besonderheiten von Mezcal erschmeckt und mit Brandt Brauer Frick über Initialmomente gesprochen. Los geht’s.


10 — Style League Buyer’s Guide

mezcal – Das Herz der Agave Text  Christoph Claudius Petersen Foto  Daniel Robeles

Auf dem Weg zu einer Mezcal-Probe in einer Berliner Mezcal-Bar gehen mir verschiedene Dinge über das edle Getränk durch den Kopf. Vor allem jede Menge gefährliches Halbwissen, wie sich noch an diesem Abend herausstellen wird. Axel Hahn, Agavenexperte und Chef der Mezcalería Lupita, gibt sich persönlich die Ehre. Viele interessante Geschichten über das göttliche Gewächs hat er zu erzählen. Und er will aufklären. Das ist auch bitter nötig, wie ich kurz darauf erfahre. Um mit dem ersten Gerücht aufzuräumen: Mezcal ist kein Tequila. Umgekehrt: Tequila ist ein Agavenbrand und somit eine Mezcal-Art. Der Schnaps  wird durch Destillation von Maische aus den gedämpften Herzen verschiedener Agavenarten gewonnen. Womit wir beim nächsten Punkt wären: Die Agave ist ein Spargelgewächs, kein Kaktus und keine Lilienart, wie oft halbwissentlich vermutet wird. Historisch gesehen ist Mezcal der Sammelbegriff für alle in Mexiko hergestellten Agavenbrände. Seit 1994 existiert jedoch eine geschützte Herkunftsbezeichnung, welche die Erzeugung von Agavendestillaten unter dem Namen Mezcal auf bestimmte Regionen in Mexiko beschränkt. So ist auch Tequilla ein Agavenbrand, der einem bestimmten Gebiet

zugeordnet sein muss, um diesen Namen tragen zu dürfen – wie etwa Parmesan aus der Region um Parma oder Champagner aus der Champagne. Ebenso wie diese exklusiven Produkte ist auch Mezcal aus reiner Agave kostbar und edel – eine Flasche kostet nicht selten über 100 Euro. Kein Wunder, handelt es sich dabei oft um Erzeugnisse aus Familienbetrieben, hergestellt in Handarbeit und abgefüllt in sehr kleinen Auflagen. Richtige Schätze also. Und wie alle Edelbrände genießt man ihn bei Zimmertemperatur aus einem Gefäß, welches ausreichend Luft an die Oberfläche der Flüssigkeit lässt. Zunächst überwiegt der Geschmack von Rauch und Erde, der vom Dämpfen der Agaven herrührt. Dazu kommen Karamell und Pflanzensaft und – je nach verwendeter Agavenart – verschiedene Aromen wie Zitrusfrüchte, Minze, Vanille, Feigen und viele weitere. Mein persönlicher Favorit: Pierde Almas Joven. Hergestellt von Don Alfonso Sanchez & Familie in San Baltazar Chichicapam, Ocotlan, Oaxaca, Mexiko. Und dann wäre da noch der Wurm. Das Einzige, wo der Wurm drin ist, ist die Behauptung, dieser müsse in einem guten Mezcal enthalten sein. Abgesehen davon, dass er eigentlich eine Schmetterlingsraupe der Hypopta agavis ist, hat sie in einem anständigen Agavenbrand nichts verloren. Und wenn wir schon dabei sind: Dieses Insekt hat auch keine psychoaktive Wirkung, genauso wenig wie der Mezcal selbst. Die sprachliche Nähe zu Meskalin ist eben nur eine solche. ~ www.facebook.com/mezcaleria.lupita


Style League Buyer’s Guide — 11

TreeHotel – Baumhäuser für Große Text  André uhl Foto  Mit freundlicher Gebehmigung von TreeHotel

Wer keine Lust mehr auf langweilige Hotels, muffige Pensionen oder überfüllte Hostels hat, sollte einen Trip nach Schweden wagen. Genauer gesagt nach Harads im Norden des Landes der Elche. Dort, etwa eine halbe Autostunde vom Polarkreis entfernt, liegt das Treehotel, hoch in den Baumwipfeln nahe dem Fluss Lule. Vielreisende, die meinen, schon alles gesehen zu haben, werden hier eines Besseren belehrt. Baumhäuser wecken Erinnerungen an eine Zeit, in der man mit dem besten Freund durch die Nachbarschaft streifte, den Großteil des Sommers im Freien verbrachte und sich mit ein paar Brettern, rostigen Nägeln und einer Menge Fantasie einen Rückzugsraum schaffte, zu dem niemand außer einer eingeschworenen Gemeinschaft Zugang hatte. Karten spielen, Pläne schmieden, Playboy lesen, über Mädchen quatschen, sich vor den Hausaufgaben drücken – alles war im Baumhaus möglich. Und das Tollste: Man saß über allem. Was sich unten in der normalen Welt abspielte, konnte einem nichts anhaben. Auch wenn sich die Interessen mit der Zeit ändern, die alte Sehnsucht nach einem eigenen Thron in der Natur, von dem aus man auf den Alltag herabschauen kann, bleibt. Das haben die Macher des Treehotel, Britta und Kent Lindvall, erkannt. Im

schwedischen Harads, einer riesigen Wald- und Seenlandschaft 60 Kilometer südlich des Polarkreises, schufen sie ein Ensemble aus Baumhäusern, das sowohl der alten Sehnsucht nach einem Rückzugsraum in der Natur als auch den veränderten Ansprüchen großer Jungs (und Mädels) gerecht wird. Jedes der bislang fünf bewohnbaren Baumhäuser wurde von unterschiedlichen Architekten entworfen und ist sowohl das Äußere als auch Innenarchitektur und Möblierung betreffend einzigartig. Die Cabin (siehe Foto) zum Beispiel besteht aus einer länglichen Kapsel, die hoch in den Baumwipfeln am Hang errichtet wurde. Dem Gast wird so ein einzigartiger Blick auf das Tal des Lule-Flusses ermöglicht. Das Bird’s Nest hingegen bildet einen größtmöglichen Kontrast zwischen äußerlicher Form und Innendesign: Von außen wird es in verblüffender Weise seinem Namen gerecht und passt sich perfekt der natürlichen Umgebung an, innen findet der Gast eine hochmoderne Ausstattung vor. Das UFO bildet das Gegenstück zum Bird’s Nest – es wirkt wie geradewegs vom Himmel in die Baumkrone gefallen. Eher traditionell kommt der Blue Cone daher, dessen Material und Design am ehesten an ein Baumhaus aus der Kindheit erinnert. Unangefochtener Star der fünf Häuser ist aber der Mirrorcube, ein von allen Außenseiten verspiegelter Würfel, der sich durch die Reflexion seiner Umgebung tatsächlich in dieser aufzulösen scheint. Dazu gibt es noch ein sechstes Haus, das für alle Bewohner des Treehotels offen ist und in Schweden natürlich nicht fehlen darf: die Tree Sauna. ~ www.treehotel.se


14 — Style League Buyer’s Guide

Motorcycle Diaries Text  Jan Joswig   Illustration  Myriam Heinzel Achtung, jetzt wird es realistisch, nicht mythologisch: Motorradfahrer sind nicht frei, sie sind ausgestoßen. Jeder, der schon mal verschmiert vom Straßendreck in insektenleichenverklebter Ledermontur nach einem Acht-Stunden-Ritt in einer feierabendlaunigen Innenstadt steifbeinig vom Bock stakste, kennt dieses Gefühl: Man wirkt wie der Komposthaufen in einem blühenden Kirschgarten. Crocodile Dundee könnte im Vergleich dazu für Parfüm-Werbung posieren. Der Motorradreisende fällt in ein vor-urbanes Stadium zurück, er wird zum zivilisatorischen Fremdkörper – und er tappst in Fettnäpfchen (zum Glück haben meine Bikerstiefel eine ölresistente Sohle).  Nachdem ich in Tanger den schlüpfrigsten Teerbelag der Welt in die Neustadt hinaufgeeiert war, steuerte ich meine alte BMWEnduro (das typische Berlin-Chamissoplatz-Motorrad für lakonische Alt-68er) auf eine Pension zu, die mich mit tief hängenden Kletterpflanzen an der kolonialen Fassade heranwinkte. Ich stellte das Motorrad auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig so ab, dass ich es vom Eingang der Pension Juliette sehen können müsste. All mein Gepäck – die zwei Seitenkoffer und die Querrolle – war nur mit Gummischnüren über dem Hinterrad befestigt, ein Griff würde ausreichen, um es zu stehlen. Ja, das Gepäck war so wenig gesichert, dass man nicht einmal von Stehlen sprechen könnte. (Aber anscheinend traut niemand einem Motorradfahrer zu, etwas Lohnendes mit sich zu führen. Auf meiner viermonatigen Tour wurde mir nie etwas entwendet.) Im dämmrigen Flur der Pension Juliette saß eine alte Frau auf einem schäbigen Sofa, flach hingegossen in Kittelschürze, und blinkte mit

ihren Goldzähnen. Ob im ersten Stock die Rezeption sei, fragte ich auf Englisch. Sie deutete mit ihrem Stock auf die Toilettentür ihr gegenüber und nuschelte: „Chambre. Pas des chambres.“ Das Weitere verstand ich nicht. Ich drehte mich leicht zur Eingangstür zurück. Die alte Frau rückte höher und versuchte, mit ihrem Stock einen Lichtschalter zu erreichen. Ich sprang herbei und drückte den Schalter. Sie nickte mir hoheitsvoll zu und fiel in ihre alte Position zurück. Ich wendete meinen Oberkörper eine Minute lang (mindestens) zwischen dem Sofa und dem Ausgang hin und her. Das Motorrad stand unverändert gegenüber, die alte Frau hing unverändert auf ihrem Sofa. Auf meine Pantomime kam keine Reaktion. Ich ratschte den Reißverschluss meiner Lederjacke in der schattigen Stille nach oben, die Wände warfen das Geräusch höhnisch zurück. Im Hotel London um die Ecke war alles klipp und klar, hell und zweckmäßig, ich atmete auf. „Ah, aus der Pension Juliette kommst du“, musterte mich mein neuer Kumpel an der Rezeption, der mir einen Garagenplatz fürs Motorrad empfohlen hatte („If you give money, the garage is guarded, if you don’t give money, your bike is gone …“), und boxte mich gegen den Oberarm: „Aber du weißt schon, dass in Marokko Prostitution verboten ist?“ Ich musste meine Gummikuh erst 6.000 Kilometer gen Süden schaukeln (und ihr bei der Überfahrt nach Afrika beruhigend den Tank tätscheln), um das erste Mal in meinem Leben in einem Puff zu landen – und dann registriere ich es nicht einmal. Was bin ich für ein Teufelskerl! ~


Genauer betrachtet London erfindet sich immer wieder neu. Aktuelle Trends aus Englands Metropole erfahrt ihr in unserer großen Reportage. Auch Paul Weller kennt sich bestens in London aus. Er gab uns Tipps für einen Nachmittag in der britischen Hauptstadt und sprach mit uns über sein neues Album, sein Verhältnis zu Mode und seine Arbeit mit beiden Gallagher-Brüdern. Mit It’s a Casual Life bleiben wir auf der Insel, wo es jenseits von hässlichen Kutten auch Modebewusstsein auf den Fußballrängen gibt. Jenseits des Atlantiks haben wir uns in Santa Cruz, Kalifornien umgesehen, wo sich die gleichnamige Firma Mitte der siebziger Jahre aufmachte, die Skatewelt zu erobern.


16 — Style League Buyer’s Guide


Style League Buyer’s Guide — 17

Die große Rockstarpose ist nicht sein Stil. Mit gepflegtem Understatement und stets gut gekleidet liefert Paul Weller seit mehr als dreißig Jahren kontinuierlich musikalischen Output auf der Höhe der Zeit. Ans Aufhören denkt der ehemalige The Jam- und Style CouncilFrontmann noch lange nicht – warum sollte der 53-Jährige auch? Sein aktuelles Album Sonik Kicks ist auf Platz Eins der britischen Charts eingestiegen, zum Tourauftakt war das Londoner Roundhouse fünf Nächte lang ausverkauft. Mit seiner eigenen Kollektion bei Liam Gallaghers Label Pretty Green beweist Weller einmal mehr, dass Musik und Style eine für ihn untrennbare Einheit bilden. Im Interview erklärt uns der Modfather und Godfather of Britpop, wie er ehrfurchtsvoll genannt wird, was ihn immer wieder antreibt.

Die feine englische Art Ein Interview mit Paul Weller

Text  Carlos de Brito & André Uhl  Fotos  Mit freundlicher Genehmigung von Paul Weller


18 — Style League Buyer’s Guide

„F

ür mich ist die ModMusik, der Mod-Look und die Philosophie dahinter, in die Zukunft zu schauen, immer ein Antrieb gewesen.“

Dein aktuelles Album klingt deutlich anders als seine Vorgänger, trotzdem hast du damit die britischen Charts auf Platz Eins gestürmt. Hattest du jemals Zweifel, ob deine Fans diesen neuen Weg mit dir gehen oder dass dieses Album eventuell zu elektronisch für sie ist? Nun, der Gedanke schwirrt immer ein bisschen im Hinterkopf herum, dass man es etwas zu weit getrieben hat. Aber letztendlich mache ich ja ein Album, an das ich glaube und dann hofft man einfach auf das Beste. Ich versuche erstmal meine eigenen Erwartungen zu erfüllen, etwas Anderes, etwas Neues, Intelligentes für mich zu machen. Im Anschluss hofft man dann, dass die Leute es mögen und verstehen. Das weiß man vorher nie.

Beim Tourauftakt zu deinem neuen Album hast du kürzlich fünf aufeinanderfolgende Konzerte im Londoner Roundhouse ausverkauft. Dabei hast du fast ausschließlich Songs vom neuen Album gespielt. Passen deine älteren Songs nicht zum neuen Material oder was war die Idee dahinter?

Drei Tipps von Paul Weller für einen Nachmittag in London:

1. The Golden Hind Hier gibt es meiner Meinung nach die besten Fish & Chips in ganz London. Der Laden wird von Griechen geführt, die haben noch richtig frischen Fisch; nicht diesen gefrorenen Müll, den man sonst so bekommt.

The Golden Hind, 73 Marylebone Lane,

Die Idee dahinter ist ganz einfach: Ich wollte mal etwas anderes machen. Es sind so viele Bands und Künstler unterwegs, die Songs von vor 20 Jahren spielen, die einfach ihre Klassiker herunterleiern. Ich wollte ein Statement setzen und das komplette neue Album spielen. Mir geht es darum, nach vorne und nicht zurückzuschauen. Das macht es auch spannend für mich und meine Band, das ist sowohl für uns eine Herausforderung, als auch für unser Publikum. Es ist nicht gerade selbstverständlich, von den Leuten zu fordern, dass sie sich 14 brandneue Songs anhören. Das macht sonst kaum jemand.

U-Bahnhof Bond Street 2. Hyde Park Ein sehr bekannter, aber wie ich finde immer noch sehr spezieller Ort und wunderschöner Park. Hier kann man bei einem entspannten Spaziergang seine Fish & Chips verdauen.

Du bist demnach nicht wirklich allzu nostalgisch, oder? Nein, überhaupt nicht. Ich mag natürlich meine alten Songs, aber ich denke vor allem an die Sachen, die ich jeweils in dem Moment mache. Da steckt mein Herzblut drin.

Hyde Park, U-Bahnhof Marble Arch 3. Selfridges & Co Und danach empfehle ich einen Besuch bei Selfridges, das sich in Laufweite zum Hyde Park befindet. Ein riesiges Kaufhaus, das viel Designermode führt. Hier kann man wunderbar Frustshoppen.

Selfridges, 400 Oxford Street, U-Bahnhof Bond Street

Was für neue Musik inspiriert dich, was hörst du aktuell gerne? Nun, ich höre wirklich eine Menge verschiedenes Zeug, aber neue Sachen... Weißt du, es gibt eigentlich immer gute Musik da draußen, man muss sie nur finden. Warte mal, was hab ich denn kürzlich nochmal gehört? Lass mich kurz überlegen... Eine Band, die ich aktuell wirklich

sehr gut finde, ist Erland & The Carnival. Ich mag Baxter Dury, sein letztes Album mag ich sehr. Und Alabama Shakes, die finde ich auch richtig gut. Ansonsten war ich natürlich viel damit beschäftigt, mein Album einzuspielen und zu hören.

Du bist kürzlich erneut Vater geworden. Herzlichen Glückwunsch! Danke sehr.

Man könnte meinen, nachdem du unzählige Alben veröffentlicht hast, seit mehreren Jahrzehnten auf Tour und damit auch sehr erfolgreich bist und jetzt kürzlich auch noch Vater geworden bist, du hättest vielleicht genug von dem ganzen Musikzirkus. Was treibt dich eigentlich an, immer noch weiterzumachen? Ich liebe es einfach. Ich liebe Musik, ich liebe es zu spielen, ich liebe, es Texte zu schreiben. Und ich glaube, ich habe wirklich sehr, sehr viel Glück, das auch so sagen zu können. Musik ist eine ständige Inspiration für mich, man kann einfach nie zuviel lernen oder wissen. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Und in diesem Prozess befinde ich mich auch heute noch. Nach all den Jahren finde ich immer noch neue Dinge heraus und das ist genug Inspiration für mich.

Und was ist mit dem eher anstrengenden Touren, brauchst du den Kontakt zu den Fans? Das ist das, was ich schon immer mache, seit ich 14 oder 15 Jahre alt bin. Und es begeistert mich nach wie vor. An einem guten Abend, wenn der Saal so richtig abhebt und alle fliegen, das ist einfach das beste Gefühl! Du versuchst, die Leute und letztendlich auch dich zu begeistern. Ganz ehrlich, ich kann mir einfach nichts Besseres vorstellen. Und das Gefühl hat für mich nie nachgelassen, es ist immer noch sehr intensiv.

Vor einigen Jahren hast du einen Verdienstorden des British Empire abgelehnt. Dann meldete sich der konservative David Cameron zu Wort und listete The Eton Rifles von The Jam als seinen Lieblingssong, was bei dir nicht gerade Begeisterung ausgelöst hat, politisch ordnest du dich ja eher links und anti-establishment ein. Wie schützt man sich eigentlich vor Lob von den falschen Leuten? Nun, ich ignoriere es. Oder versuche zumindest, es nicht zu beachten. Davon abgesehen kann ich nicht viel machen. Ich


Style League Buyer’s Guide — 19

habe auch nie mit Cameron darüber gesprochen. Aber lustigerweise besucht sein Sohn den gleichen Skatepark wie mein Sohn, somit sehe ich ihn manchmal dort. Es ist wirklich fuckin’ weird ihn in einem Skatepark zu sehen. (lacht)

Deine Musik ist seit jeher mit der Mod-Szene in UK verbunden. Was bedeutet Mod Culture für dich heutzutage? Existiert sie noch und inwiefern fühlst du dich ihr verbunden? Ich denke, das ist etwas, für das du dich entscheidest. Entweder du bist es oder du bist es nicht. Für mich ist die ModMusik, der Mod-Look und die Philosophie dahinter, in die Zukunft zu schauen, immer ein Antrieb gewesen. Und auch wenn es eine klassische Haltung aus der Vergangenheit ist, denke ich, dass sie adaptierbar und nachhaltig bleibt. Jede neue Generation stößt darauf. Sie entdeckt sie für sich und verändert sie, spielt mir ihr. Die Mod Culture passt sich neuen Umgebungen an.

Der Titel The Modfather, wie du oft bezeichnet wirst: Magst du ihn? Empfindest du ihn als Ehre oder eher als Last?

ich auch von Kleidung besessen. Für mich gehen Kleidung und Musik schon immer Hand in Hand. Das sind die beiden Sachen, die mich, seit ich zwölf Jahre alt bin, immer noch am meisten interessieren, mehr als alles andere. Das wird immer so sein, das gehört zur gleichen Kultur. Die Kultur, mit der du aufgewachsen bist, die Musik, die du gehört hast, die Bands, die du mochtest, waren immer mit dem verbunden, was du an hattest, wie du deine Haare getragen hast, wie dein ganzer Look aussah.

Gibt es schon weitere Pläne in diese Richtung? Pläne gibt es noch nicht, aber ich würde es natürlich sehr gerne noch mal machen, wenn mich jemand fragt. Irgendwann hätte ich sogar gerne mein eigenes Label. Mal schauen, wann es soweit ist.

Du bist für einen eleganten, eher dandyhaften Stil bekannt; edle, ausgewählte Anzüge, Einstecktücher... Deine Vorliebe für Poloshirts kommt dem, was man als Street Fashion bezeichnen würde, noch am nächsten. Würdest du auch mal Sneaker tragen oder ist dir das zu sportlich?

Ich weiß nicht, in ein paar Jahren werden sie mich dann wohl The Grandfather nennen... Ich denke, es ist nett gemeint, im Grunde genommen ist es ein Kosename. Ich kann mir jedenfalls wesentlich schlimmere Bezeichnungen vorstellen. Es ärgert mich nicht. Aber ehrlich gesagt, denke ich nicht viel darüber nach, wie ich bezeichnet werde oder was mein Image in der Öffentlichkeit ist. Ich selbst mache und trage, was ich für richtig halte. Letztendlich entzieht sich die Art, wie ich wahrgenommen werde, und was Leute über mich denken, meiner Kontrolle.

Ja, doch. Tatsächlich trage ich gerade welche. Ich hab ein Paar Adidas Japan an. Ein frühes Modell aus den Siebzigern, das kürzlich nochmals aufgelegt wurde. Jack Purcells trage ich auch gerne und die weißen Converse Basketballschuhe sind auch sehr cool.

Kleidung und Style spielen schon eine wichtige Rolle für dich, oder?

tion veröffentlicht. Wie sind diese Ausflüge in den Fashionbereich zustande gekommen? Ich bin von Fred Perry und den Pretty Green-Leuten jeweils angefragt worden.

(lacht) Ehrlich gesagt, hat sich keiner der beiden dazu geäußert. Die beiden haben nie nette Sachen über den anderen zu sagen, aber die Arbeit mit dem Bruder wird nie thematisiert. Weißt du, ich bin mit beiden befreundet, das macht die Sache etwas schwierig. Ich denke, sie sind beide großartige Menschen, aber ihr Verhältnis, oder besser ihr Nicht-Verhältnis, ist eine sehr private Angelegenheit. Das kommt bei uns nie zur Sprache.

Es hat mich sehr gefreut, das machen zu dürfen, denn ich liebe Kleidung. So sehr ich von Musik besessen bin, so sehr bin

2012 ist ein wichtiges Sportjahr mit zwei großen Events: die Fußball-EM in Polen und

Auf jeden Fall.

Du hast vor einigen Jahren Poloshirts für Fred Perry entworfen und im letzten Jahr für Liam Gallaghers Label Pretty Green eine Kollek-

Du hast mit Liam Gallagher an der Pretty Green-Kollektion und mit seinem Bruder Noel als Gastmusiker auf deinem Album gearbeitet. Die beiden verstehen sich ja dieser Tage nicht allzu gut. Hat sich einer der beiden dazu geäußert, dass du mit dem jeweils anderen kooperiert hast?

der Ukraine steht vor der Tür und später die Olympischen Spiele in London. Interessierst du dich dafür? Kannst du was mit Fußball anfangen? Auf jeden Fall! Ich mag es, wenn Chelsea gewinnt. Ich würde auch gerne sehen, wenn mein Land den Cup holt. Ansonsten Olympia... Könnte interessant werden, ja. In London wird dieses Jahr ganz schön was los sein. Aber ehrlich gesagt, werde ich wohl eher versuchen es zu umgehen und zu flüchten.

Bekommst du die Vorbereitungen zu Olympia bereits mit? Nein, im Moment noch nicht. Das findet sowieso alles eher in East London statt, ich lebe im Westen. Aktuell merke ich keinen Unterschied.

Hypothetische letzte Frage: Wenn du deine Karriere noch mal starten könntest, würdest du etwas anders machen? Nein. Ich würde es genauso noch mal machen... allerdings noch mehr davon!

Paul, wir danken dir für dieses Gespräch. ~ Out Now: Paul Weller – Sonik Kicks (Cooperative Music)


28 — Style League Buyer’s Guide

FuSSball, Randale und mode

It’s a Casual Life Text  Jonas Gempp

Fußball ist in weiten Teilen Europas Volkssport Nummer Eins. Seit der Professionalisierung des Spielbetriebs Anfang des 20. Jahrhunderts in England und der Mobilisierung der Massen zum Besuch der Stadien entstanden in den Fanblöcken über die Jahrzehnte diverse Subkulturen wie Kutten, Ultras oder Hooligans. Haupterkennungsmerkmal dieser Gruppen war und ist die Kleidung. Die klassischen Kuttenträger der siebziger und achtziger Jahre in Deutschland pflegten den modischen Super-GAU. Mit Aufnähern bestückte Jeanswesten, das ungepflegte, lange Haupthaar, der obligatorische Schnauzbart. Doch aus der Fußballstadionkultur ist auch eine Subkultur hervorgegangen, die sich weniger auffällig kleidet und den gepflegt-arroganten Habitus einer elitären Avantgarde mit teuren Markenklamotten auszudrücken weiß. Die Rede ist von der Casual Culture, die Anfang der achtziger Jahre aus England nach Deutschland herüberschwappte.


Style League Buyer’s Guide — 29


30 — Style League Buyer’s Guide

Von Anfang an spielte hoch emotionalisierter Fanatismus beim Fußball eine große Rolle. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es bei Derbys in Großbritannien zu Ausschreitungen. Später folgten die Jugendrandalen der fünfziger und sechziger Jahre im Rahmen von Rockkonzerten und eben samstags und sonntags in den Stadien. Auch in Deutschland kam es vermehrt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen verfeindeter Fangruppen. Als Folge zunehmender Polizeipräsenz und eines harten Vorgehens gegen die Beteiligten der wochenendlichen Fanausschreitungen Mitte der achtziger Jahre wurde von Teilen der Fanszene – den englischen Vorbildern folgend – die Montur des betrunken grölenden Fußballfans abgelegt, um nicht mehr sofort als potentieller Störenfried ausgemacht zu werden. Ein akkurates Äußeres und Markenkleidung sollten es der Polizei schwer machen, gewaltbereite Fußballfans auf den ersten Blick zu erkennen. Das war die Geburtsstunde der Casual Culture, die vor allem in Großbritannien das Bild der Fankultur abseits des normalen Fans prägte. Der englische Autor und Falkland-Veteran Dougie Brimson ist Anhänger des Watford FC, war jahrelang Hooligan und hat seine Erlebnisse unter anderem in dem Kurzfilm It’s A Casual Life verarbeitet. Für den Kinofilm Greenstreet Hooligans mit Elijah Wood assistierte er beim Schreiben des Drehbuchs, er selbst hat drei Romane geschrieben. Anfang der achtziger Jahre kam er das erste Mal mit der Casual Culture in Berührung: „Es muss so um 1980 rum gewesen sein, als ich das erste Mal gut gekleidete Lads im Block sah. Ihr Style überraschte mich, aber es dauerte noch ein Jahr, bis ich begann, mich so zu kleiden und mein erstes Stück zu kaufen: ein gelb-blaues Polohemd von Fila. Es war wunderschön.“ In den folgenden Jahren wurde Brimson ein begeisterter Stadiongänger und entwickelte ein Gespür für die spezielle Mode und Marken, die es zu tragen galt. In diesen Tagen war ein gepflegtes Äußeres im Stadion zwangsläufig mit Hooliganismus verknüpft: „In den Anfangsjahren gehörten Gewalt und Casual Culture fest zusammen. Man muss sich klarmachen, dass es wahrscheinlich die einzige Jugendkultur ist, die nicht auf einen Musikstil zurückgeht, daher waren

Fußball und Randale die Hauptbezugspunkte.“

Unter dem subkulturellen Aspekt der Aneignung ist das etwa vergleichbar mit der schwarzen amerikanischen HipHopKultur, die klassische PreppyStatussymbole adaptierte, was sich vor allem im Tragen von Tommy Hilfiger-Klamotten Mitte der neunziger Jahre ausdrückte. Auf der Insel kamen und blieben vor allem klassische britische Marken wie Burberry, Aquascutum, Henry Lloyd, Hackett, Paul & Shark oder Lyle & Scott in Mode. Bis Mitte der achtziger Jahre sprach man in Deutschland von Fußball-Rowdys oder Fußball-Rockern, die für Ausschreitungen und Gewalt verantwortlich waren. Mit der Formulierung des Begriffs „Hooligan“ änderte sich das Erscheinungsbild der erlebnisorientierten Fußballfans. Vorreiter war auch hier der britische Fußball. Schon zehn Jahre zuvor hatten die Fans des FC Liverpool neue, bis dato unbekannte Marken von Europacupspielen in Italien mitgebracht und für neue modische Impulse auf den Rängen gesorgt: „Ich liebte diese Klassiker... Diadora, Fila, Ellesse und Sergio Tacchini, aber natürlich auch die obligatorischen Adidas Trainers“, schwärmt Brimson. Längst diente die bewusste Ausstattung mit teuren Markenklamotten nicht mehr nur dem ursprünglichen Ziel der Tarnung, sondern wurde elementarer Bestandteil, sich selbst als Elite zu verstehender Fangruppierungen, die die handfeste Auseinandersetzung mit gegnerischen Fans suchte. Die bevorzugten Marken änderten sich im Laufe der Jahre. In Deutschland wurden Anfang der neunziger Jahre zu AdidasTorsion-Sneakern und Diesel-Saddle-Jeans Chevignon-Jacken über Best-Companyoder Iceberg-Pullovern getragen, in Groß-


Style League Buyer’s Guide — 31

britannien wurde das Augenmerk zunehmend auch auf Brands gerichtet, die sich eigentlich an eine solvente, sehr traditionalistische Upperclass-Kundschaft wendeten. Unter dem subkulturellen Aspekt der Aneignung ist das etwa vergleichbar mit der amerikanischen HipHop-Kultur, die klassische Preppy-Statussymbole adaptierte, was sich vor allem im Tragen von Tommy-Hilfiger-Klamotten Mitte der neunziger Jahre ausdrückte. Auf der Insel kamen und blieben vor allem klassische britische Marken wie Burberry, Aquascu-

tum, Henry Lloyd, Hackett, Paul & Shark oder Lyle & Scott in Mode. Zu zeitlosen Klassikern entwickelten sich aber auch Kleidungsstücke französischer und italienischer Firmen wie Lacoste oder Stone Island, deren charakteristischer KompassBadge am linken Ärmel Ende der Neunziger schnell zum Markenzeichen der Casual & Hooligan Culture avancierte. Eine zunehmende Etablierung und Popularisierung dieses Kleidungsstils und dem damit verbundenen Hang zur Gewaltbereitschaft brachte den Casuals einige Schwierigkeiten ein: Ende 2003 begannen Pubbesitzer in England, an Spieltagen Anhängern den Zutritt zu verweigern, wenn sie Logos bestimmter Marken trugen. Da sich inzwischen sogar schon Gruppen gewaltaffiner jugendlicher Anhänger des Portsmouth FC voller Stolz House of Burberry nannten, reagierte Burberry, um einen Imageschaden abzuwenden. Sie stellten die Produktion der beliebten Baseballcaps mit dem charakteristischen Nova CheckMuster gänzlich ein. Ganz im Gegensatz zu Stone Island, die ihre treue Teilzielgruppe mit einem inzwischen eingestellten Fußballblog zu binden versuchte. Aber auch innerhalb der Casual-Szene wuchs die Abneigung gegenüber einer neuen Generation von Casual-orientierten Burberry Muppets. Deren Markenfimmel sorgt bei Dougie Brimson nur für Kopfschütteln: „Einige Casuals verstehen ihre eigene Kultur nicht. Bei Casual ging es nie nur und ausschließlich um Labels, sondern darum smart, selbstbewusst, aber auch arrogant aufzutreten. Es geht nicht darum, die Leute zu informieren, was man trägt, sondern du selber musst wissen, was du trägst und wie du es trägst. Ich habe großartig gekleidete Lads gese-

hen, bei denen hast du nirgends ein Logo oder einen Schriftzug erblicken können, aber dennoch ist klar, dass sie einfach gute Stücke tragen, einfach weil sie dem Casual-Gedanken verpflichtet sind. Als Casual geht es um eine gewisse Haltung.“ Auch wenn Brimson inzwischen Familienvater ist, sich von Gewalt distanziert und nicht mehr jeden neuen Trend mitmacht, spielt die Frage nach der angemessenen Kleidung für ihn nach wie vor eine große Rolle: „Ich habe die Klassiker der Anfangstage geliebt. Heute trage ich vornehmlich Lacoste, denn das ist die einzige Marke, die es geschafft hat, durchgängig hochwertige Sachen zu produzieren. Außerdem sammle ich Adidas Gazelle.“ Beim Schuhwerk gibt es in England kaum eine zweite Meinung. Auch wenn durchaus Marken wie Clarks, Red Wing oder Timberland getragen werden, ist Adidas in Sachen Sneaker der unangefochtene Liebling der Szene. Das war in Deutschland ähnlich: Adidas Torsion, am liebsten in Babyblau, waren in den Neunzigern ein absolutes Muss zur Chevignon-Jacke und der Karottenhose. Seit einigen Jahren spielen neben New Balance in allen möglichen Ausführungen auch Nike Air Max eine immer größere Rolle. Vor allem das Auftauchen der Ultras in deutschen Stadien und ihre Dominanz als eine der größten und anziehungsstärksten Subkulturen in Deutschland im Jahr 2012 hat die Stadionmode verändert und die Anzahl der gut gekleideten Casuals sinken lassen. Der Einheitslook, bestehend aus Jogginghose, Bauchtasche und schwarzer Überziehjacke dominiert die deutschen Fankurven. In England trauert Dougie Brimson der guten, alten Zeit nach: „Die Szene hat sich komplett verändert. Natürlich gibt es noch eine Menge Casuals, aber im Vergleich zum Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger ist sie nicht mehr so edgy. Eine Ausnahme sind die besonderen Spiele, dann kommen all die Alten aus ihren Löchern und es ist ein bisschen wie früher. Ich liebe solche Tage…“ ~


36 — Style League Buyer’s Guide


Wärmstens empfohlen Auch für diese Ausgabe hat sich unser Team wieder auf die Suche nach schönen, besonderen und unverzichtbaren Produkten gemacht. Wie zum Beispiel ein Holzwürfel, der Platz für ganz persönliche Heiligtümer bietet. Oder ein ganz persönlicher, aus verschiedenen Scotches hergestellter Whisky. Oder eine Elektrokettensäge aus dem Hause Lamborghini. Oder vieles andere mehr. Herausragende Produkte, die nicht überall zu haben sind.


42 — Style League Buyer’s Guide

SüSSes auf dem zeltplatz Campen mit Field Candy

FieldCandy, ein Zelt-Label aus Großbritannien, vertreibt die einfallsreichsten Designs, die je auf mobile Behausungen gedruckt wurden – ja, sogar Stencils und Tags von Streetartists wie Banksy oder BLU sehen neben einem dieser Zelte ziemlich langweilig aus! Denn der FieldCandy-Camper findet sich beispielsweise plötzlich eingehüllt in einem XXL-Clubsandwich. Oder in einer Schafswiese – inklusive den Tieren. Oder im leicht abgewetzten Union Jack. Oder in einer Backsteinmauer. Oder in einem aufgestellten, überdimensionalen Buch. Oder in einem bereits dreimal um die Welt gereisten Lederkoffer mit Stickern oder... Die Designs werden von einem Heer an Grafikern, Künstlern, Artdirectors und anderen visuellen Gestaltern entworfen. Eines der neuesten Zelte wurde beispielsweise von Terry Pastor, der sich mit den Covern von David Bowies legendären Alben Hunky Dory und Ziggy

Stardust einen Namen machte, kreiert. Auch die Kinderbuchillustratorin Emily Golden Twomey und der Interaktionsdesigner Jack Maxwell legten bereits Hand an. Jedoch geht es bei diesen Zelten nicht nur darum, die meisten Blicke auf sich zu ziehen, sondern auch um Funktionalität – schlussendlich sollen die Dinger in erster Linie vor Kälte und Nässe schützen. Und dafür sorgt eine altbekannte Formel: Das Außenzelt der Behausung besteht aus reißfestem und wasser- sowie winddichtem Polyester, lässt also nichts Unerwünschtes ins Zelt eindringen. Das Innenzelt hingegen wird ausschließlich aus natürlicher Baumwolle hergestellt; so kann die Luft im Innern zirkulieren und bleibt entsprechend frisch. Die Zelte sind im FieldCandy-Webshop ab 395 Britischen Pfund erhältlich. (RB) www.fieldcandy.com


Style League Buyer’s Guide — 43

der hausbrand

Schnaps vom Hotel Michelberger Das Hotel Michelberger ist nicht nur bei BerlinBesuchern und Künstlern als Schlafstätte, sondern auch bei Einheimischen als Party-Location beliebt. Was lag da also näher, als einen hauseigenen Drink zu kreieren? Weil es in der Hauptstadt schnell gehen muss, gibt man sich gar nicht erst mit Niedrigprozentigem ab. In Zusammenarbeit mit der Preußischen Spirituosen Manufaktur entstanden so nach uralten Rezepten zwei Schnäpse: 35 Prozent Alkoholgehalt hat der Kräuterlikör, 45 Umdrehungen der Anis-Schnaps. Ersterer fließt mit Enzian, Koriander und Vanille sanft den Rachen runter, letzterer peppt Müde mit Anis, Salbei und Pfefferminz wieder auf. Das Design stammt aus den hauseigenen Studios. Na denn: Prost! Preis: 25 Euro pro Flasche, erhältlich im Michelberger Hotel, Warschauer Straße 39-40, Berlin. (BL)

www.michelbergerbooze.com

suv + minivan

schön wie der ozean

ein vans wird erwachsen

Tesla Motors wurde 2003 im Silicon Valley von einer Gruppe unerschrockener Ingenieure mit dem erklärten Ziel gegründet, Elektroautos sexy und effizient zu machen. Mit dem Tesla Model X stellt das mittlerweile 1.400 Mitarbeiter starke Unternehmen nun einen Wagen an der Schnittstelle zwischen SUV und Minivan vor – mit Elektromotor, versteht sich. Dieser beschleunigt den Wagen von 0 auf 100 km/h in lediglich 4,4 Sekunden! Das Beste an Teslas Model X sind aber die Flügeltüren, die den Wagen auch optisch von der Konkurrenz abheben. Produziert wird leider erst ab Ende 2013, vorbestellen kann man aber bereits jetzt. Preis: ab 50.000 US-Dollar. (RB) www.teslamotors.com

Warum in aller Welt ist es so wahnsinnig schwierig, eine gute Badehose zu finden, die Qualität mit schlichtem Design und optimaler Passform verbindet? Auf diese heilige Dreifaltigkeit legen die meisten Männer großen Wert. Badehosen müssen perfekt sitzen, widerstandsfähig sein und natürlich gut aussehen – also keine labbrigen Hawaiishorts, Klötenkiller oder Ähnliches. Mit Badeshorts von Onia kann man was dagegen unternehmen, zum Beispiel mit der Amaury Board Short in wunderbarem Ozean-Blau, die auch in Schwarz, Rot oder sonnengegerbtem Orange erhältlich ist. Preis: 130 US-Dollar. (PF)

Du fühlst dich zu alt für einen Skater, aber zu jung für Ledersohlen an den Füßen? Dann hat Vans genau das richtige Schuhwerk für dich. Die Treter der OTW-Linie („Off The Wall“) der legendären Skate-Brand verfügen zwar über den lässigen Komfort eines Skate-Schuhs, unterscheiden sich aber in Design und Ästhetik erheblich davon – Vans für Erwachsene sozusagen. Verwendete Materialien sind Glatt- und Wildleder, für Frühjahr und Sommer 2012 gibt es neun Modelle. Unser Favorit ist der Pritchard aus Nubuck und kostet knapp 100 Euro. (BL)

Tesla Model X

Onia Amaury Board Short

The Pritchard

www.vans.de

www.onia.com

UNSERE FAVORITEN


44 — Style League Buyer’s Guide

aPeritif für die haut

verlosung!

Juniper Sling

Das Parfumhaus Penhaligon’s wurde unter Queen Victoria in London in Zeiten purer Dekadenz gegründet. Wer sonst könnte ein Eau de Toilette auf den Markt bringen, das sich laut eigener Beschreibung vor der Ikone unter den Spirituosen verbeugt, dem London Dry Gin. Juniper Sling ist eine Hommage an die Bright Young People, einer Gruppe feierlustiger, aristokratischer Bohemiens im Machtzentrum des britischen Empire in den 1920ern, zu der zum Beispiel auch der Fotograf Cecil Beaton zählte. Das Duftwasser ist für alle, die den Geist dieser Zeit auch heute versprühen wollen, ob Mann oder Frau. Die Kopfnote besteht aus Wacholderbeere, Zimt und Orange-Brandy, die Herznote kommt ledrig und pfeffrig daher. Das Ganze wird unterlegt mit dem Duft von braunem Zucker und Sauerkirschen. Also genau das Richtige für Freunde von langen Nächten. Ab sofort fängt der Aperitif schon beim Zurechtmachen an. Cheers! Eau de Toilette 50ml für 95 Euro.

Dieses Produkt verlosen wir ab dem 4. 6. 2012 auf www.styleleague.net

(BL)

www.penhaligons.com

ein wahrer vintage-finder understated bling Bureau of Trade

Raf Simons Chain Derby Shoes

alles sofort zur hand

Es war eine erfreuliche Entdeckung, als wir mehr oder weniger zufällig über die Seite von Bureau of Trade gestolpert sind. Wir waren sofort hin und weg, zutiefst begeistert, endlich gefunden zu haben, wonach wir schon immer gesucht haben: ein schön aufbereitetes Blog, das täglich Seiten wie eBay oder Craigslist durchkämmt, um solche Schätze zu finden wie zum Beispiel einen 1974 Mercedes Benz S600 Pullmann für stolze 255.000 US-Dollar oder The Black Book von Robert Mapplethorpe für schlappe zehn US-Dollar. (PF)

Raf Simons steht für klar definierte Mode ohne Kompromisse. Im vergangenen Jahr wusste der Jil Sander-Chefdesigner mit einer Kollektion zu überraschen, die an eine synthetische Eisdiele erinnerte. Er verteilte im Chaosprinzip Neontöne auf Hosen, Hemden und Pullovern, was bis dato nicht zum sonst für seine Subtilität bekannten Männerrepertoire des belgischen Visionärs gehörte. Während er letzten Sommer für Jil Sander noch den klassischen Derby-Schuh mit fluoreszierender Sohle im Farbverständnis von Walt Disney kombinierte, brilliert die aktuelle Variante vor allem durch Understatement, Maskulinität und unaufgeregten Luxus. Gesehen bei Mr Porter für 950 Euro. (PS)

Grillen ist mehr als Kohle aufschütten und ein paar Nackensteaks auf den Rost klatschen. Grillen ist eine Wissenschaft für sich. Damit nichts schief geht, das Steak mit der richtigen Flammenintensität geküsst wird und der BBQ-Freude nichts im Wege steht, gibt es den Grillslinger. Klingt nach wildem Westen, Männerblut und Gefahr? Zu Recht, denn der Grillslinger ist ein BBQ Belt, dessen Äußeres durchaus an Pistolengürtel erinnert. Dort finden Messer, Zange und Wender Platz, um bei Bedarf sofort eingreifen zu können. Außerdem gibt es noch Fächer für Grillgewürze, Getränke, Handy oder Flaschenöffner. Erhältlich bei www.bbq-heaven.de für 79,90 Euro. (JG)

www.bureauoftrade.com

Grillslinger BBQ Belt

www.mrporter.com

UNSERE FAVORITEN


Style League Buyer’s Guide — 45

die rückkehr der seekiste

Method Furnitures Journeyman Unordnung im Koffer: Hate it! Zerknitterte Hemden tragen, wenn auf Reisen: Hate it! Fremde Koffer versehentlich vom Kofferband am Flughafen mitnehmen, weil einer der anderen Fluggäste das gleiche Gepäckstück besitzt: Hate it! Kaputter Reißverschluss am Koffer nach dem ersten Gebrauch: Hate it! Gepäckbestimmungen der Fluggesellschaften: Hate it! Die mitreisende Partnerin hat den Größeren: Hate it! All diese Frustrationen, die den Urlaub noch vor Ankunft am Reiseziel zu einer Enttäuschung machen können, werden mit einem Journeyman von Method Furniture ganz einfach aus der Welt geschafft. Natürlich kann dieses Gepäckstück nicht von der Stange kommen: Die nur auf Anfrage hergestellte Seekiste wird aus über 600 Einzelteilen von Hand zusammengebaut – eine Arbeit, die locker 300 Stunden dauern kann. Diese Zeit nehmen sich die Möbelbauer von der schottischen Schreinerei jedoch gerne, denn Method ist der Weg genauso wichtig wie das Ziel. Die Macher des Labels sind übrigens Marissa, eine nach immer neuen Herausforderungen suchende Architektin, und Callum, ein traditionsbewusster und materialbewusster Tischler. Mit dem Projekt Method Furniture versuchen die beiden scheinbare Gegensätze miteinander zu verbinden. So steht in dieser Tischlerei Design auf Augenhöhe mit Handwerk, modern geht Hand in Hand mit traditionell und ländlich verträgt sich sehr gut mit urban. Diese Verbindungen gelingen allen Kreationen im Portfolio des schottischen Hauses – sei es der an die Arts and Crafts-Bewegung erinnernde Stuhl Grand Royal, das nach Bauhaus schreiende Sideboard Flux oder eben der Journeyman. Letzterer ist jedoch eindeutig Method Furnitures stärkster Wurf: Einzigartig, robust, geräumig, massiv – also im Grunde alles, was das Reisegepäck hergeben muss. Darüber hinaus macht das Stück daheim als Möbel eine sehr gute Figur. Preis: ab 13.500 Euro. (RB)

www.methodfurniture.co.uk


52 — Style League Buyer’s Guide

fixies never die, but hiPsters will The Kinfolk Bicycle Co.

Man sollte keinen Hehl daraus machen: Fixies are a hipster’s best friend. Das bedeutet aber nicht, dass diese Art von Fahrrädern lediglich ein Mode-Phänomen wäre. Denn lange bevor sich junge, mit Hornbrille, lustiger Gesichtsbehaarung und farbigen Sneakers ausgerüstete Menschen für diese Räder interessierten, wurden sie in unscheinbaren Werkstätten gefertigt; natürlich mit viel Liebe zum Detail und unfassbarem Handwerkswissen und -können. Einer der Altmeister dieser Disziplin ist der 72-jährige Japaner Kusaka. In einem kargen Schuppen irgendwo in Akashi, einer alten Burgstadt an der Südküste der Präfektur Hyõgo, stellt Kusaka Räder für Keirin-Fahrer (Keirin ist eine aus Japan stammende Disziplin des Bahnradsports, die seit 2000 auch bei den Olympischen Spielen ausgetragen wird) her. Und das schon seit Jahrzehnten. Kein Wunder, dass The Kinfolk Bicycle Co., ein von vier Freunden aus den USA gegründetes Unternehmen, das sich den Vertrieb von Qualitätsrädern zum Ziel gesetzt hat, auf Kusaka aufmerksam wurde. Es war Nemoto, selber ein Fahrradbauer aus Tokio, der wegen eigener Kapazitätsengpässe die Radenthusiasten von Kinfolk zu Kusaka schickte. Dieser willigte einer Zusammenarbeit ein und so entstehen seit 2008 einzigartige und hochwertige Fixies. Zur Einzigartigkeit trägt mitunter der in Hollywood ansässige Künstler Tazroc bei – bereits drei Modelle hat dieser von Hand bemalt. Natürlich wurden Medien wie Treadlie, UK Observer Magazine oder Fixed Magazine auf die exklusiven Fahrräder von Kinfolk aufmerksam. Wallpaper* würdigte 2010 die amerikanischjapanische Kollaboration mit dem hauseigenen Design Award in der Kategorie Best Ride. Und Sportwarenhersteller Nike wiederum wollte unbedingt ein Kinfolk Fixie bei dessen interdisziplinären und interkontinentalen Benefizrennen Red Tied Together dabei haben. Fernab und wenig beeindruckt von diesem Rummel baut die Kinfolk Bicycles-Crew mit Kusaka und Co. weiterhin Qualitätsräder – auch dann noch, wenn die Faszination der Hipster wieder abflacht, beziehungsweise dem nächsten Objekt gelten wird. Um es mit den (leicht abgewandelten) Worten der Postrocker von Mogwai auszudrücken: Fixies never die, but hipsters will. Erhältlich ab 3.000 Euro. (RB)

exakt trübsal blasen

mediterrane frische

Mal ehrlich: So manches Gläschen hat uns über den einen oder anderen Kummer hinweg getröstet. Mit den Good Grief Glasses lässt sich die Alkoholmenge je nach Gemütslage dosieren oder umgekehrt, der Grad der Verstimmung mithilfe der Messskala ablesen. Die puristischen Whiskygläser aus Kristallglas begleiten Trauerklöße durch die fünf typischen Phasen von Kummer – von oben nach unten versteht sich. Also: Wenn schon Trübsal blasen, dann mit Stil und nach Maß! 38 US-Dollar. (KG)

Gin Mare ist der erste mediterrane Gin welt-

Good Grief Glasses

www.jackspade.com

Gin Mare aus Spanien

weit. Der edle Tropfen wird in einem kleinen Fischerdorf südlich von Barcelona hergestellt, seinen frischen Geschmack erhält er durch die vier typischen Mittelmeergewächse Rosmarin, Thymian, Basilikum und Arbequina-Oliven. Gin Mare eignet sich zum Mixen von Longdrinks und Cocktails, ist aber auch pur ein Hochgenuss. Selbst Daniel Brühl kann nicht die Finger davon lassen und lässt seine Bar Raval in Berlin mit den Produkten von Vinogusta ausstatten. 39,90 Euro. (KG)

www.vinogusta.com

www.wegotways.com/kinfolkbicycles/

UNSERE FAVORITEN


Style League Buyer’s Guide — 53

in geheimer mission

obJets trouvés

oscar wildes rückkehr

Eines der beeindruckendsten Gadgets in alten James Bond-Filmen waren Minikameras, die im Auftrag ihrer Majestät geheime Dokumente ablichteten und sich in Kugelschreibern oder Feuerzeugen verbargen. Inzwischen hat auch Otto Normalverbraucher in seiner Freizeit die Möglichkeit, den Agenten zu spielen oder spontan Schnappschüsse zu machen, ohne eine normale Digitalkamera mit sich rumzuschleppen. Zum Beispiel mit der Clap. Diese überträgt über den USB-Stick die Fotos in Nullkommanix auf den Computer und lässt sich über diesen auch aufladen. Mit einer 2GB–Speicherkarte lassen sich rund 8.000 Fotos speichern. Der fröhlichen Jagd auf Goldfinger steht also nichts mehr im Wege. Preis: 45 Euro. ( JG) www.superheadz.com

Nur wenige Schritte von der Isar entfernt liegt das Münchner Atelier der Schmuckdesignerin Saskia Diez. An ihrem Ufer werden die Steine für die gleichnamige Schmuckserie gefunden. Die Farben variieren dabei von Schwarz über verschiedene Grauschattierungen bis hin zu Beige oder Weiß. Mal mit, mal ohne Maserung werden die Steine in einer Edelsteinschleiferei geschliffen und poliert und im Anschluss im Atelier Diez zu Manschettenknöpfen weiterverarbeitet. Die Gegenkugel ist aus Silber und jedes Stück ein Unikat. Wer Glück hat, der findet ein Paar wie oben abgebildet, das an die legendären Grundig Audiorama-Boxen aus den Siebzigern erinnert. Preis: 129 Euro pro Paar. (BL)

Er ist schwarz, hat einen Rückenschlitz, zwei Blazer-Knöpfe, eine schräge Brusttasche sowie zwei Pattentaschen und ist innen komplett ausgekleidet – ein wunderbar dandyhaftes Kleidungsstück mit klassischen Details. Ein Blazer, den man genauso gut zum Ausgehen tragen kann, wie auch für den kurzen Sprung zum Spätkauf. Wir finden das Teil verlockend. In diesem Sinne überlassen wir Oscar Wilde das Resümee: „Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht.“ Gesehen im SOTO Store für 339 Euro. (PF)

Clap USB-Kamera

Manschettenknöpfe von Saskia Diez

Acne Dandy Cotton Blazer

www.sotostore.com

www.saskia-diez.com

hang loose deluxe Dedon Nestrest

Da haben sich die Designer Daniel Pouzet und Fred Frety was ganz Feines einfallen lassen: Nestrest ist eine Art futuristische Kreuzung aus Gartensofa und Hängematte, eine durch natürliche Formen, Texturen und Farben inspirierte All-in-One-Ruheoase, die den Ruhesuchenden auf ultimative Weise „aufhängt“. Dank seiner organischen, schützenden und gleichzeitig offenen Verarbeitung schickt dieses Objekt die herkömmlichen gepolsterten Sitzgelegenheiten in die Dinosaurier-Abteilung und wiegt den glücklichen Besitzer formvollendet der sorgenlosen Zukunft entgegen. Die luftige Lounge ist ein wunderbarer Ort, um sich einfach mal fallen zu lassen. Zugegeben, fallen wäre unter diesen Umständen womöglich weniger angenehm, man lasse vorsichtshalber einfach die Seele baumeln. Nestrest gibt es in Weiß oder Beige, zum Aufhängen oder Hinstellen. 8.400 Euro. (KS)

www.dedon.de

UNSERE FAVORITEN


56 — Style League Buyer’s Guide

stimmungsring 2.0 I like Bikes

Der Ire J.W. Anderson entwirft genderübergreifende Streetwear mit Charakter und Tiefe, zum Wohlfühlen und miteinander teilen. Die Kollektionen des Modedesigners stehen unter dem romantischen Aspekt, dass SIE schon mal IHM mit ihrer Garderobe aushelfen kann und umgekehrt. Unisex als Basis für die Liebe. In Washington D.C. machte der junge Designer die ersten Erfahrungen mit Mode auf amerikanischem Boden. Seine Handschrift lässt sich am besten als „Uptown-Grunge“ mit einer Prise Romantik beschreiben. Dabei entzückt er mit dramatischem Stilgefühl und seiner Vorliebe für Kontraste, wie die Ringe aus massivem Horn mit mal mehr, mal weniger zimperlichen Gravuren (wie etwa Hate, Assassin, I’m with you,

9¢ off oder wie hier abgebildet I like bikes) unter Beweis stellen. Inzwischen sind sie fester Bestandteil seiner Kollektion. Trägt man jeden der jeweils zweieinhalb Zentimeter breiten Ringe gleichzeitig, läuft man sicher Gefahr, mit der Werbetafel eines Alanis-Morissette-Songs verwechselt zu werden. Behutsam eingesetzt aber sehen sie wahnsinnig cool aus. 55 Britische Pfund. (PS) www.togsandclogs.com

black is beautiful

stimmungsgeladen

die Persönliche note

Aus der neuen G-Shock-Kollektion sticht für Freunde der dezenten Accessoires das sogenannte Solid Colours Pack heraus. Neben einer DW-6900 und der GD-100 (beide ganz in weiß) und dem schwarzen Hybridmodell GA-120 gehört noch das hier abgebildete, klassische DW5600-Modell in schön mattem Schwarz dazu. Unser Favorit ist stoßfest und wasserdicht bis 200 Meter, verfügt neben Stopp- und Timerfunktion über Multifunktionsalarm, automatischem Kalender und einen Illuminator für die Zeit im Dunkeln. Preis: 89 Euro. (CDB)

Eine App, die Songplaylisten auf Basis der aktuellen Stimmung erstellt – wie das? Entwickelt von Gravity Mobile und Gracenote funktioniert HABU mittels eines Koordinatensystems mit zwei Achsen, auf der Songs aus der eigenen Musiksammlung je nachdem, ob sie „positiv“ oder „düster“ (Y-Achse) und „ruhig“ oder „energetisch“ (X-Achse) sind, geordnet werden. Auf diese Weise muss man selbst nicht mehr suchen, HABU kümmert sich um die passende Musik zur gegebenen Gemütslage. Im Android Market für 0,75 Euro. Bald auch als iPad-App. (PF)

www.g-shock.eu

play.google.com

Wer kennt sie nicht, die ewig nörgelnden Feinschmecker: der Fisch zu durch, das Fleisch zu roh, der Wein zu sauer. Da kann man nur noch „Dann mach’s halt selbst!“ entgegnen. Aber kein Problem – zumindest nicht, wenn es um Whisky geht. Beim Whisky Blender stellt jeder seinen eigenen Blend aus sieben verschiedenen Scotches her. Die Geschmacksrichtungen sind einfach beschrieben und auch für Laien verständlich (Burnt Puddin’ oder Taste of the Sea) und werden in die maskulinste Flasche abgefüllt, die ein Whisky je von innen gesehen hat. Ab 45 Britischen Pfund. (BL) www.whiskyblender.com

G-Shock Solid Colors Pack

Musikmapping von Habu

Whisky Blender

UNSERE FAVORITEN


Style League Buyer’s Guide — 57

starkult für zuhause

The Impossible Cool – Sonic Editions Was haben Mick Jagger, Audrey Hepburn, Sean Connery, Ernest Hemingway, Mohammed Ali und Serge Gainsbourg gemeinsam – mal davon abgesehen, dass sie entweder nicht mehr unter uns verweilen oder der Zahn der Zeit an ihnen nagt? Richtig, sie gehören zu jenen Weltstars aus Film, Musik und Literatur, deren Coolness auch über ihren Tod hinaus bestehen bleibt. Getreu dem Motto „Style is knowing who you are, what you want to say and not giving a damn“, wie einst der US-amerikanische Schriftsteller und Drehbuchautor Gore Vidal meinte. Gerne schmücken wir unsere heimischen Wände mit Bildern eben dieser Stilikonen, um ihnen unsere Bewunderung zu zollen. Nicht selten aber auch in der heimlichen Hoffnung, dass etwas Glanz auch auf uns abfällt. Bisher gab es die Porträts unserer Lieblingsstars entweder nur als billiges Wandposter in minderwertiger Qualität oder als überteuerte, ungerahmte Drucke aus Galerien. Mit Sonic Editions ändert sich das. Das Unternehmen arbeitet mit den weltweit besten Fotografen und Archiven zusammen und vertreibt in seinem Onlineshop hochwertige Drucke in limitierter Auflage. Die einzigartige Impossible Cool Collection enthält Porträts berühmter Ikonen, und das in der gleichen Qualität und Berahmung, wie es für Galerien üblich ist. Vor allem aber sind sie für Normalsterbliche bezahlbar. Da es von den Fotografien weltweit gerade einmal 50 Stück pro Motiv gibt, wird man sie auch nicht so schnell bei Freunden und Bekannten hängen sehen. Alle Bilder sind von Hand gedruckt und gerahmt sowie mit Zertifizierungsnummer, Namen des Fotografen und Geschichte des Bildes auf der Rückseite versehen. Die Drucke sind als Digital C Types auf Fuji Crystal Archive-Papier oder Gicleés auf säurefreiem Papier und mit stabilem Holzrahmen vorrätig. Die Preise variieren zwischen 79 (ungerahmt) und 109 US-Dollar (gerahmt). (KG)

www.SonicEditions.com/ImpossibleCool


60 — Style League Buyer’s Guide


Style League Buyer’s Guide — 61

Foto oben links:

Zerstäuber und Parfumtrichter von Acqua di Parma, 160 Euro Foto oben rechts:

Nagelknipser von Rubis Switzerland, 49 Euro Gravel Cologne von Michael Knudsen, 125 Euro Acqua di Parma LuxusRasierset, 500 Euro Tailor of Old Bond Street – Rasierseife in Holzschale, 38 Euro Foto mittig:

Handgesiedete Seife von Musgo Real, 10 Euro FLORIS – Santal, aromatisches Bath & Shower, 35 Euro Marvis-Zahncreme – Amarelli Licorice, 9,50 Euro alles gesehen bei www.ausliebezumduft.de


64 — Style League Buyer’s Guide

150 wochenenden in den usa und kanada The New York Times: 36 Hours

Ob die USA wirklich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, sei dahingestellt. Sicher ist, dass die 51 Staaten zum Teil so unterschiedlich sind, wie die beiden Nachbarländer Kanada und Mexiko und deshalb Erlebnishungrigen eine unbegrenzte Vielzahl an spannenden Reisezielen bieten. Von der Wüste über die Berge bis ans Meer, von schrägen Kleinstädten bis hin zu den berühmten Metropolen haben Amerikareisende die Qual der Wahl. Wer sich einmal häppchenweise quer durchs Land arbeiten möchte, dem bietet die wöchentliche Kolumne 36 Hours der New York Times, die nun gesammelt in einem praktischen Reiseführer erschienen sind, die Möglichkeit, ein vollgepacktes Zweitageprogramm zu planen. Die Autoren der New York Times haben für die gleichnamige Kolumne jeweils 36 Stunden an 150 Orten in den USA und Kanada verbracht. Beliebig kombiniert, ergeben diese Tipps viele wunderschöne Kurzreisen. Die Empfehlungen sind ungewöhnlich und auch so geschrieben. Vor allem aber schaffen sie es, das Lebensgefühl des jeweiligen Ziels genau auf den Punkt zu bringen; stets mit dem Plan, möglichst viel aus einem Kurzurlaub herauszuholen. So kann man erfahren, welche Erkundungen der Autor Sam Sifton in seinem geliebten Brooklyn vorschlägt, wie sich David Carr in Minneapolis am liebsten die Zeit vertreibt und was John Eligon in Harlem empfiehlt. Die Wege führen von angesagten Clubs in New York und Blues-Pinten im Mississippi-Delta über versteckte architektonische Perlen in den Hügeln Pennsylvanias zur Steilküste und Hollywood-Coolness Kaliforniens. Zudem finden sich auch einige Abstecher nach Kanada dokumentiert. So wird die Weite Nordamerikas schnell zur eigenen Westentasche. Wer eine Reise in die USA plant und noch keinen endgültigen Fahrplan vor Augen hat, wird im Buch sicherlich die eine oder andere brauchbare Anregung finden. Untermalt sind die Geschichten mit wunderschönen Illustrationen und rund 1.000 Farbfotos aus dem Archiv der New York Times; auch für alle Daheimgebliebenen ein Augenschmaus. Zusammengestellt von Barbara Ireland ist 36 Hours im TASCHEN Verlag erschienen und kostet 29,99 Euro. (AK)

www.taschen.com

verlosung! Dieses Produkt verlosen wir ab dem 2. 7. 2012 auf www.styleleague.net


Style League Buyer’s Guide — 65

für den kosmoPoliten wanderer Rucksackweste von Julian Zigerli

Es wandert der Mensch schon seit dem Mittelalter und im Zuge der Romantik mit stetiger Begeisterung. Bergwandern ist besonders in der Schweiz naheliegend und als gebürtigem Schweizer dürfte dem vielversprechenden Jungdesigner Julian Zigerli das Wandern quasi in die Wiege gelegt worden sein. Seine erste Sommerkollektion steht ganz im Zeichen des einsamen Bergbezwingers, dessen naturgewaltige Sehnsucht sich weit über die Täler und Schluchten der modernen Großstadt spannt. Hyperfunktionale, detailverliebte Sportswear aus High-Tech-Materialien trifft auf wild gemusterte Prints in Flora- und Fauna-Optik, Gesamtoutfits in leuchtendem Blau und Orange auf kurze Hosen für luftige Beine. Erinnerungen an Raf Simons’ SS 2008- und Junya Watanabes SS 2003-Kollektionen werden wach. Das Highlight: eine sommerliche Weste mit eingebautem Rucksack als besonderes Gimmick. 370 Euro. (DL)

www.julianzigerli.com

moderne tradition Derby von House of Billiam

House of Billiam – das hört sich nach Tradition an, was aber nur bedingt stimmt. Falsch ist, dass es das Label schon seit Generationen gibt. Erst 2007 hat es im Londoner Bezirk Hackney seine Pforten eröffnet (siehe auch Artikel auf Seite 20 ff.). Richtig ist, dass man sich bei House of Billiam an britischer Klassik orientiert, die aber vor allem auf beliebte Sportswear-Mode umgelegt wird. So ist eine Spezialität des Hauses die College-Jacke mit ihren typischen Kontrastärmeln. Oft ist der Korpus aus Stoff, die Ärmel aus Leder – matt versus glänzend. Einen ähnlich anmutenden Materialmix wenden die Designer nun auch auf einen anderen Klassiker der britischen Garderobe an, den Derby-Schuh. Der Twist: Auf dem Glattleder ist eine Ferse aus Wildleder angebracht, die an einen Brogue erinnert. Und weil Kollaborationen gerade so angesagt sind, entstanden die Treter in Zusammenarbeit mit den Londoner Schuhmachern T&F Slack Shoemakers und werden in Walthamstow in East London gefertigt. Preis: rund 185 Britische Pfund. (BL) www.houseofbilliam.com

UNSERE FAVORITEN


72 — Style League Buyer’s Guide


Style League Buyer’s Guide — 73

Im Uhrzeigersinn von obens:

One-Touch Premium Kugelgrill von Weber, 140 Euro Gemüsegrillkorb von Weber, 40 Euro Long-Lasting Premium Briketts von Weber, 13 Euro Painmaker Whiskey BBQ Sauce, 9 Euro Australian Tomato Ketchup for Grownups, 6 Euro Fischgrillkorb von Napoleon, 15 Euro Steven Raichlen Turbocharger zum schnellen Marinieren, 27 Euro 3-Seitige Grillbürste von Weber, 15 Euro Weber Holzkohlezange, 40 Euro Jack Daniels Wood Smoking Chips, 12 Euro alles über Grillshop Berlin Hohenstaufenstr. 42, 10779 Berlin www.grill-shop-berlin.de


Stilvoll gekleidet Wenn herausragende Mode auf starke Persönlichkeiten trifft, kann es passieren, dass die Umgebung verblasst, bisweilen sogar zu verschwinden scheint. Für unsere Modestrecke haben sich fünf Schauspieler und Charakterköpfe in Kleider gehüllt, die von Minimalismus und Zeitlosigkeit geprägt sind. Auch Hunter S. Thompson besaß die Gabe, zum Mittelpunkt des Geschehens zu werden, nicht zuletzt durch seine prägnanten Hawaiihemden, die in dieser Saison in überraschend vielen Kollektionen aufgegriffen werden.


88 — Style League Buyer’s Guide


into the white

Stipe Erceg trägt Hemd und Blazer von YOHJI YAMAMOTO, Shorts von YVES SAINT LAURENT und Sandalen von DAMIR DOMA.

Mit Fotograf Moderedaktion & Styling haare & make-up

Stipe Erceg, Vinzenz Kiefer, Lars Eidinger, Werner Daehn, Franz Rogowski Jonas Lindström  Dörte Lange, Paul Schlosser Catrin Kreyss 


Vinzenz Kiefer trägt einen Anzug von DIOR HOMME, ein Hemd von DAMIR DOMA, Schmuck von WERKSTATT MÜNCHEN und Socken von falke.


Style League Buyer’s Guide — 91

Mantel Pendleton Hose Acne Strümpfe Falke

Schuhe Thom Browne, www.soto-store.com Blazer Chelsea Farmer’s Club Hemd, Krawatte & Einstecktuch Herr von Eden

Hemd Ben Sherman Weste Chelsea Farmer’s Club Blazer Chelsea Farmer’s Club

Hose Tommy Hilfiger Gummistiefel Hunter, www.chelseafarmersclub.de Krawatte Tommy Hilfiger


98 — Style League Buyer’s Guide

Stilikone

hunter s. thompson Text: Dörte Lange  Foto: mueredecine@Flickr

Sonnenbrille: Mykita No 1 Sun Cassius, 299 Euro www.mykita.com

Hut: Norse Projects, 55 Pfund www.oki-ni.com

PoloHemd: Kitsuné, 160 Euro www.mrporter.com

Kette: Werkstatt München, 390 Euro www.werkstatt-muenchen.com

Buch: The Curse of Lono, 40 Euro www.amazon.de  DVD: Where the Buffalo Roam, 9 Euro www.amazon.de

Hunter S. Thompson schoss mit Worten wie mit Gewehren und das am liebsten simultan. Er jagte durchs Leben und schrieb, was er lebte: Wild, maßlos, torkelnd, ganz seinen eigenen Gesetzen folgend, angefeuert von Drogen und Alkohol, immer im Zentrum der Aktion. Journalistische Distanz als Lüge entlarvend, galt für ihn nur das eigene Erleben. Sein hypersubjektiver Reportagestil wurde als Gonzo-Journalismus berühmt und zur radikalsten Form des New Journalism. Er steckte immer mittendrin. Als dunkler Ritter der Gegenkultur reiste er in die Alpträume der amerikanischen Gesellschaft und feuerte ihr wie ein Hofnarr den Spiegel entgegen. Er soff und prügelte mit den Hell’s Angels,

lebte seine Paranoia im Roman Fear and Loathing in Las Vegas: A Savage Journey to the Heart of the American Dream aus und jagte sein liebstes Hassobjekt Richard Nixon in Fear and Loathing: On the Campaign Trail ‘72 mit scharfen Wortgranaten aus dem Amt. Schon zu Lebzeiten, gleichermaßen gehasst wie verehrt, wurde der grell gekleidete Desperado mit der Aviator-Brille zur Kultfigur und in Filmen verewigt. Hunter S. Thompson brannte, bis er ausbrannte und zu alt war, um auf die Jagd zu gehen. 2006 erschoss er sich in seinem Haus in Woody Creek in den Rocky Mountains mit seiner 45er Magnum. Spaß und Schrecken warteten woanders. ~


Style League Buyer’s Guide — 99

Objekt der Begierde

Das HawaiiHemd Text: Paul Schlosser

Im Uhrzeigersinn: Prada, George Clooney, Galliano, Givenchy

Das Hawaiihemd zählte zu Hunter S. Thompsons prägnantesten Wiedererkennungsmerkmalen. Ein markantes Kleidungsstück, dessen Ansehen wie eine Sinuskurve sinkt und steigt. Seine letzte Glanzzeit hatte es in den 80er Jahren. Hier gab Tom Selleck als Privatdetektiv Magnum im farbenfrohen Shirt ein polarisierendes männliches Modevorbild ab. Parker Lewis, der Coole von der Schule, trug es in der gleichnamigen Sitcom zur Ray Ban, Rockabillytolle und weißen Turnschuhen. In den 90ern verhalf Leonardo DiCaprio dem Textil in Romeo and Julia zu einer kurzen Renaissance; nie hat er wieder so gut ausgesehen wie als junger Spross des Montague-Clans im offenen Hemd. Das verschriene Touristenmitbringsel, das einst als Vorbote der Popkultur galt und im Sommerurlaub gerne mal als pfundiger Farbklecks an Touristen wahrgenommen wurde, erlebt diese Saison ein gewaltiges Revival. George Clooney verpasste als gehörnter Anwalt im Hawaiihemd in The Descendants nur knapp seinen

zweiten Oscar und auch in der Modebranche scheint man Gefallen an der tropischen Farbpracht gefunden zu haben. Bei Burberry Prorsum kommt es mit afrikanischen Batikmustern zum Einsatz, Prada beweist mit tanzenden ClipArt-Motiven im Retro-Look auf hellblauem Grund Humor und Viktor & Rolf gehen mit weißen Delfinen auf Rosa bis an die Grenzen des guten Geschmacks. Klassische Hawaiimotive mit Palmen- und Feuillage-Prints gibt es dagegen bei Kenzo, Moschino und Jean-Paul Gaultier. Dagegen wirkt das psychedelische Strelizien-Rorschach-Motiv, das sich konsequent durch die Sommerkollektion Riccardo Tiscis für Givenchy zieht, wiederum sehr futuristisch. Das Shirt mit dem Lebensgefühl der ewigen Freiheit fällt wesentlich legerer aus als ein Anzughemd und wird für gewöhnlich über der Hose getragen. Kombiniert mit Leinensakko und leichter Chino lassen sich die hochwertigen Neuinterpretationen jedoch ideal in den Büroalltag integrieren. ~


100 — Style League Buyer’s Guide

our favourite shop Texte: Carlos de Brito, André Uhl  Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Shops

Deutschland

Hamburg: PLY PLY ist die Kurzform für Plywood, zu deutsch Schichtholz, das häufig beim Bau von Möbeln verwendet wird. Im gleichnamigen Hamburger Store finden Liebhaber des Vintage- und Industrialdesign exklusive Möbel, Lampen und Dekoratives vorrangig aus den zwanziger bis sechziger Jahren. Eine kleine Auswahl an modernen Designerstücken bildet einen hübschen Kontrast zum übrigen Sortiment. Wer einmal in der Nähe ist, sollte PLY unbedingt einen Besuch abstatten, denn hier kann man wunderbar in die Vergangenheit eintauchen. Möbelklassiker mit einer reizvollen Patina aus der Schulzeit der Großeltern, eine aufwendig restaurierte ehemalige Fahrzeughalle und gar eine alte Korrex-Druckmaschine aus den fünfziger Jahren, auf der heute noch Kunstdrucke in limitierter Stückzahl gefertigt werden: All dies gibt es an diesem wunderbar nostalgischer Ort im Westen Hamburgs zu entdecken. (AU) PLY unestablished furniture, www.ply.de Kleine Rainstraße 44a, 22765 Hamburg

Berlin: do you read me?! Für Liebhaber des bunten, bedruckten Papiers ist do you read me?! ein außerordentlich reizvolles, gleichsam gefährliches Pflaster, zumindest wenn Zeit und Geld knapp sind. Der im Herbst 2008 eröffnete Magazinladen mitten im Berliner Scheunenviertel bietet über 700 ausgewählte Titel mit dem Schwerpunkt auf Mode, Architektur, Fotografie, Kunst und Typografie, aber auch Bücher und Zeitschriften aus den Bereichen Musik, Gesellschaft, Sport, Film und Essen & Trinken und Co. sind dort erhältlich; über 75 Prozent stammen davon aus dem Ausland. Seit Ende 2011 gibt es zusätzlich den Reading Room in der Potsdamer Straße, wo sich neben einem weiteren Shop ein Raum mit Präsenzbibliothek für Lesungen, Ausstellungen und Diskussionen dazugesellt. Damit hat sich do you read me?! solch einen festen und selbstverständlichen Platz im Herzen der Magazinliebhaber gesichert, dass man sich fragt: Wo habe ich eigentlich vor 2008 meine Zeitschriften gekauft? (CDB) do you read me?!, www.doyoureadme.de Shop: Auguststraße 28, 10117 Berlin, Reading Room & Shop: Potsdamer Str. 98, 10785 Berlin

Fulda: 43einhalb Limitierte oder extravagante Sneakers fernab vom Sportladenmainstream, das ist Metropolenbusiness. Denkt man jedenfalls. Doch die Macher hinter dem Blog SNEAKERIZED, Mischa Krewer & Oliver Baumgart, beweisen mit ihrem im Sommer 2011 eröffneten Shop 43einhalb in ihrer Heimatstadt Fulda das Gegenteil. In einem kleinen Laden in der Barockstadt bieten sie ein buntes Sortiment, das von Puma x UNDFTD-Collabos, Jeremy Scotts durchgeknallten Entwürfe für Adidas bis zu limitierten Nikes, Asics und New Balances kaum Wünsche offen lässt. Nun mag die osthessische Stadt für viele nicht auf ihrer Route liegen, aber moderne Jäger und Sammler wissen: Wenn in der Metropole alles bereits untern Nagel gerissen worden ist, muss man sich jenseits der urbanen Zentren auf die Jagd begeben. Und das ist im digitalen Zeitalter heute nur noch ein bis zwei Klicks entfernt. (CDB) 43einhalb Sneaker Store, www.43einhalb.com Peterstor 7, 36037 Fulda


Style League Buyer’s Guide — 101

europa

Stockholm: Mr Mudd & Mr Gold Aufmerksamen Lesern dieses Magazins ist diese Stockholmer Adresse sicherlich ein Begriff, taucht sie doch in beiden bisherigen Ausgaben auf. Benannt nach einem Song des Country- und Folksängers Townes Van Zandt, steht Mr Mudd & Mr Gold geradezu prototypisch für die Verbindung von skandinavischem Minimalismus und hochwertigen, zeitlosen Produkten. Das klare, simpel gehaltene Interieur, in dem unbehandeltes Pinienholz dominiert, lässt Raum für eine feine, handverlesene Palette an Männermode, Accessoires und Gadgets mit einer starken Tendenz zu modischer Work- und Armywear; allesamt von eher unbekannten und seltenen Herstellern wie z.B. Warehouse, Eric Schedin und Albam. Wem ein Aufenthalt in Stockholm nicht vergönnt ist, der kann auch online shoppen. (CDB) Mr Mudd & Mr Gold, www.mrmuddandmrgold.com Åsögatan 174, 116 32 Stockholm, Sweden

Amsterdam: 290 square meters Concept Stores gehören mittlerweile zu europäischen Großstädten wie Touristeninfos oder Tiefgaragen. Meistens geht es darum, eine mehr oder weniger gelungene Mischung von ausgewählten Produkten stylisher Brands anzubieten, um so eine Kundschaft anzuziehen, die sich zwischen kreativer Avantgarde und modebewussten Young Professionals bewegt. Manchmal ist es aber auch umgekehrt. So hatte Ido, ein Junge aus Amsterdam, 2001 die Idee, einen Raum bereitzustellen, um kreative Talente zusammenzubringen. Im Laufe der Zeit fanden hier immer häufiger Modenschauen, Lesungen, Ausstellungen und schließlich Produktpräsentationen statt. Heute, elf Jahre später, ist 290 square meters einer der weltweit angesagtesten Shops, in dem sogar Nike sein berühmtes Nike ID-Projekt launchte. Ein Concept Store, der diese Bezeichnung mehr als verdient. (AU) 290 square meters, www.290sqm.com Houtkopersdwarsstraat 3, 1011 NK Amsterdam, Niederlande

Wien: KNIZE Dunkle Holzbalustraden, ausladende Orientteppiche, gläserne Schaukästen und Möbel im Art-deco-Stil. Jedes Detail verströmt den Atem der Geschichte, mehr klassischer Chic geht nicht. Seit über hundert Jahren erfüllt der Herrenausstatter KNIZE im ModeSalon Am Graben in Wien die Wünsche einer anspruchsvollen Kundschaft. 1922 wurde KNIZE mit Hilfe des Mode-Designers Ernst Dryden als weltweit erstes Herren-ModeLabel der Moderne berühmt. Seit jeher steht das Traditionshaus für Eleganz, Individualität und Zeitlosigkeit. Dass hier nach Maß gefertigt wird, versteht sich von selbst. Und wer immer noch nicht weiß, wo er bei der Suche nach dem eigenen Stil anfangen soll, bekommt hier einen guten Rat gratis mit dazu: „Die unausweichliche Frage nach dem eigenen Stil beginnt mit der Überwindung der Mode.“ Wie wahr. (AU) Mode-Atelier KNIZE, www.knize.at Graben 13, 1010 Wien, Österreich


104 — Style League Buyer’s Guide

Hersteller- und Shopverzeichnis 0-9 14 oz Berlin, www.14oz-berlin.com 290 square meters, www.290sqm.com 43einhalb, www.43einhalb.com

A A. D. Deertz, www.addeertz.com A Kind of Guise, www.akindofguise.com Acne, www.acnestudios.se Acqua di Parma, www.acquadiparma.it Adidas, www.adidas.com Akai Professional, www.akaiprompc.com Advance, www.advance.ch Amazon, www.amazon.de AMV BBDO, www.amvbbdo.com Anderson & Shephard, www.anderson-sheppard.co.uk Android, play.google.com Angels & Bermans, www.angels.uk.com A.P.C., www.apc.fr Area Ware, www.areaware.com Audi, www.audi.de Audio Cubes, www.audiocubes.com Aus Liebe zum Duft, www.ausliebezumduft.de

B Barbecue Bible, www.barbecuebible.com BBQ Heaven, www.bbq-heaven.de Beyond Retro, www.beyondretro.com BMW, www.bmw.de The Boomcase, www.theboomcase.com Brembo, www.brembo.com Burberry, www.burberry.com Bureau of Trade, www.bureauoftrade.com

C Champion, www.championusa.com Chevignon, www.chevignon.com Clarks, www.clarks.de Clear, www.realmacsoftware.com Cocktail Kingdom, www.cocktailkingdom.com Cocktailian, www.cocktailian.de Collection Rolf Heyne, www.collection-rolf-heyne.de Copenhagen Parts, www.copenhagenparts.com Corpse Corps, www.corpsecorpsboards.com Creature Skateboards, www.creatureskateboards.com

D Damir Doma, www.damirdoma.com Dedon, www.dedon.de Deja Vu Refinery, www.dejavurefinery.com Diadora, www.diadora.com Diesel, www.diesel.com Dior Homme, www.dior.com Dodge, www.dodge.de Dover Street Market, www.doverstreetmarket.com do you read me?!, www.doyoureadme.de Dries Van Noten, www.driesvannoten.be

E Ellesse, www.ellesse.com Estudio Estres, www.estudioestres.com

F Falke, www.falke.com Ferrari, www.ferrari.com FieldCandy, www.fieldcandy.com Fila, www.fila.com Filson, www.filson.com Fleet Ilya, shop.fleetilya.com FLIP, www.flipskateboards.com Ford, www.ford.de Fortnum & Mason, www.fortnumandmason.com

G George, Gina & Lucy, www.george-gina-lucy.com Gestalten Verlag, www. gestalten.com Goms, www.goms.ch Gravity Mobile, www.gravitymobile.com Grill Shop Berlin, www.grill-shop-berlin.de Grillslinger, www.grillslinger.com

H Hackett, www.hackett.com Hamboards, www.hamboards.com Henry Lloyd, www.henrilloyd.com HHV, www.hhv.de Hostem, www.hostem.co.uk House of Billiam, www.houseofbilliam.com

S Liberty, www.liberty.co.uk Lillet, www.lillet.com Living Art Museum, www.nylo.is LN-CC, www.ln-cc.com Logic3, www.logic3.com Lookk, www.lookk.com Louis Vuitton, www.louisvuitton.com Love Hulten, www.lovehulten.com Lyle & Scott, www.lyleandscott.eu

M Maglite, www.maglite.com McQ, www.m-c-q.com Merz b. Schwanen, www.merz-schwanen.com Mercedes-Benz, www.mercedes-benz.de Messer Freund, www.messerfreund.de Method Furniture, www.methodfurniture.co.uk Mark McNairy, www.markmcnairy.com Michelberger Booze, www.michelbergerbooze.com Midori, www.midori-japan.co.jp Motto Distribution, www.mottodistribution.com Möve, www.moeve-shop.de Mr Mudd & Mr Gold, www.mrmuddandmrgold.com Mr Porter, www.mrporter.com Mulberry, www.mulberry.com Murmann Verlag, www.murmann-verlag.de Mykita, www.mykita.com

N

Iceberg, www.iceberg.com I Don’t Like Mondays, www.idontlikemondays.us

Nanamica, www.nanamica.com Napoleon, www.napoleongrills.com Net-A-Porter, www.net-a-porter.com New Balance, www.newbalance.de Nike, www.nike.com Nikon, www.nikon.de Norse Projects, www.norsestore.com

J

O

I

Jack Daniels, www.jackdaniels.com Jack Spade, www.jackspade.com Jil Sander, www.jilsander.com Julian Zigerli, www.julianzigerli.com Juniper Ridge, www.juniperridge.com

K Kasumi, via www.kochmesser.de Kex Hostel, www.kexhostel.is Kitsuné, www.kitsune.fr Knize, www.knize.at Koji Tatsuno, www.kojitatsuno.com Kruz, www.santacruzskateboards.com

L Labour & Wait, www.labourandwait.co.uk Lacoste, www.lacoste.com Lazareth, www.lazareth.fr les halles, www.les-halles.ch Levi’s, www.levis.com Les Ateliers Ruby, www.rubyrider.com

Oi Polloi, www.oipolloi.com Old Truman Brewery, www.trumanbrewery.com Onia, www.onia.com Onepiece, www.onepiece.com oki-ni, www.oki-ni.com

P Paul & Shark, www.paulshark.it Panta Rhei, www.panta-rhei.es Penfriend, www.penfriend.co.uk Penhaligon’s, www.penhaligons.com PLY, www.ply.de Pukka Dank, www.pukkadank.com Pyrolia, www.pyrolia.com

R Raf Simons, www.rafsimons.com RCR, www.rcrcrystal.com Red Wing, www.redwingshoes.com Rimowa, www.rimowa.de Rubis Switzerland, www.rubis.ch

Sandqvist, www.sandqvist.net Saskia Diez, www.saskia-diez.com Schoolhouse Electric, www.schoolhouseelectric.com Schumanns, www.schumanns.de Shoreditch House, www.shoreditchhouse.com Sleaze, www.sleazemag.de Sonic Editions, www.soniceditions.com Sony, www.sony.de Soto Store, www.sotostore.com Ssense, www.ssense.com Super Headz, www.superheadz.com

T Taschen Verlag, www.taschen.com, Tesla Motors, www.teslamotors.com Thames & Hudson, www.thamesandhudson.com The Boundary, www.theboundary.co.uk The Kinfolk Bicycle Co., www.wegotways.com The North Face, www.thenorthface.com The Original Australian, www.shop.all-australian.com The White Cube, www.whitecube.com Timberland, www.timberland.com Togs and Clogs, www.togsandclogs.com Tommy Hilfiger, www.tommy.com Tonino Lamborghini, www.tonino-lamborghini-garden.com Toshiba, www.toshiba.de Town Hall Hotel, www.townhallhotel.com Treehotel, www.treehotel.se Très Bien Shop, www.tresbienshop.com Tsovet, www.tsovet.com

V Vanmoof, www.vanmoof.com Vans, www.vans.de Vetted, www.vettedshop.com Vogue, www.vogue.de Victor&Rolf, www.viktor-rolf.com Vino Gusta, www.vinogusta.com Vision Street Wear, www.visionstreetwear.com Vizio, www.vizio.com Volkswagen, www.volkswagen.de Voo Berlin, www.vooberlin.com

W Weber, www.weberstephen.de We Got Ways, www.wegotways.com Wenger, www.wenger.ch Werkstatt München, www.werkstatt-muenchen.com Whisky Blender, www.whiskyblender.com Wood Wood, www.woodwood.dk

Y Yohji Yamamoto, www.yohjiyamamoto.co.jp Young Vic, www.youngvic.org Yves Saint Laurent, www.ysl.com


Style League Buyer’s Guide — 105

Impressum Frühling & Sommer 2012

Herausgeber Toni Kappesz

Verlag Vollstrudel GmbH — Schröderstraße 12, 10115 Berlin, +49 30 84 71 21 08-31

Chefredaktion Carlos de Brito — carlos@styleleague.net, André Uhl — andre@styleleague.net

ArtDirection  &  Moderedaktion Dörte Lange — doerte@styleleague.net

Grafikdesign  &  Bildrecherche Michael McDonnell, Nicole Pieloth

Text Remo Bitzi, Carlos de Brito, Peyman Farahani, Timo Feldhaus, Katharina Geißler, Jonas Gempp, Renko Heuer, Jan Joswig, Anne Kammerzelt, Dörte Lange, Björn Lüdtke, Christoph Claudius Petersen, Alexandra Plesner, Paul Schlosser, Nina Scholz, Ksenia Stroganova, André Uhl

Fotografie, Illustration, Styling, Haare &  Make-up Robert G. Bartholot, Kat Easthope, Myriam Heinzel, Catrin Kreyss, Jonas Lindström, Daavid Mörtl, Paul Schlosser

Anzeigen Anzeigenleitung: Tina Fraas — info@styleleague.net, +49 30 84 71 21 08-34 Nielsen 1: Dirk Struwe — d.struwe@struwe-media.de, +49 40 28 05 80-80 Nielsen 2: Andreas Fuchs — afuchs@medienservice-und-beratung.de, +49 21 31 40 63-70 Nielsen 3a: Helmut Weipert jun. — helmutjun@weipert-net.de, +49 61 73 32 50 97-0 Nielsen 4: Bruno Machenbach — info@mms-marrenbach.de, +49 89 43 08 85-55

PR-Kontakt Pelén Boramir — pelen@styleleague.net, +49 30 28 87 77-20

Webseite www.styleleague.net

Druck Hofmann Druck Nürnberg GmbH & Co. KG, Nürnberg — www.hofmann-infocom.de

Vertrieb DPV Network GmbH, Hamburg — www.dpv.de

Dank an: Tina Adams, Thomas Bird, Brandt Brauer Frick, Dougie Brimson, Becky Burchell, Werner Daehn, Lars Eidinger, Franka Eisenschenk, Stipe Erceg, Axel Hahn, Leonard Jakovina, Vinzenz Kiefer, Pete Lewis, Tamas Locher, Ken Nordheider, Bianca Richter, Franz Rogowski, Alfonso Ruano Canales, James Wignall, Paul Weller © 2012 Vollstrudel GmbH. Der Nachdruck unserer Artikel und Bilder – auch im Internet und auch nur auszugsweise – ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion gestattet. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Verlages oder der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos wird keine Haftung übernommen. Aufträge zur Erstellung von Fotos und Texten werden schriftlich erteilt. Erscheinungsweise: halbjährlich. Heftpreis: 6 Euro.


106 — Style League Buyer’s Guide

Blick in die Zukunft

PRADA UND DIE ALTEN MäNNER text: Timo Feldhaus

Hans ist ein sehr gut aussehender Mann. Er trägt seit einiger Zeit einen schönen Schnäuzer, überhaupt sieht er ein bisschen altdeutsch aus, irgendwie klassisch. Ein Gesicht wie geschnitzt aus einem Stück Kantholz. Und doch habe ich mich gewundert, als er im Januar über den Laufsteg der Prada-Show flanierte. Ein absolut außergewöhnlicher Laufsteg obendrein, der aus einem 20 mal 35 Meter großen roten Teppich bestand, wie ein drei Tennisplätze großes Art-Deco-Quadrat. Hans ist weit über dreißig, er ist Familienvater und Künstler. Diesen Sommer verbringt er mit seiner Frau für ein Stipendium in der Villa Romana in Florenz. Er freut sich schon sehr darauf, erzählt er mir kürzlich in Berlin bei einer Vernissage in der italienischen Galerie Isabella Bortolozzi. Von den Männermodeschauen der letzten Monate wurde die Prada-Show Il Palazzo. A Palace of Role Play mit Abstand am meisten diskutiert. Wenn Hollywood in Fashion hereinragt, dann wird es gerne groß. Mode mag Celebrities, das ist spätestens so, seit Anna Wintour Ende der Achtziger damit begann, Schauspielerinnen auf das Cover der amerikanische Vogue zu hieven. Bei Prada liefen insgesamt neun Schauspieler über den Teppich, zum Ende die große Parade, die mit Adrien Brody, Willem Dafoe und Gary Oldman stilsicher schloss. Letztere zogen es offenbar vor, diesen Teppich zu begehen, statt den ebenso roten in Los Angeles, wo zeitgleich die Golden Globes stattfanden.

foto: Mit freundlicher Genehmigung von Prada

Hans wurde lange nicht für solch einen Auftritt gebucht. Eigentlich ist er eh zu alt zum Modeln. Bei Prada fungierte er allerdings als ästhetische Verbindung von den honigsüßen Jungsmodels hin zu den älteren Herren. Der Clou der PradaShow: zum einen der Einsatz der Hollywoodstars, zum zweiten aber der Einsatz älterer Typen, die eben nicht nur schillernde Figuren und erfolgreiche Schauspieler sind, sondern vor allem alt und gut aussehend. Oder sagen wir mal: Echt aussehend.

ge und Nadelstreifen mit einer Blume im Knopfloch, Mäntel, die Astrachan-Krägen zierten, wie man sie vor allem von Winston Churchill oder dem Duke of Windsor kennt – all das erzählte auf den ersten Blick von einer fast historistischen Mode. Es schien geradezu, als würden die Männer eine Rolle spielen in einer queeren Militäroperette. Denn queer war es allemal: Auf den zweiten Blick nämlich eröffnete sich eine Welt, die Miuccia Prada wohl meinte, als sie Backstage von einer „Parodie männlicher Macht“ sprach.

Dieser Trend ist auch anderorts festzustellen: Der New Yorker Ari Seth Cohen dokumentiert auf seinem Blog Advanced Style seit einiger Zeit jene schicken Spaziergänger, die siebzig, achtzig oder gar neunzig Jahre alt sind. Die ältere Generation rückt in den Fokus, weil die immergleichen glatten Gesichter, die aus den zahllosen Fashion-Blogs und -Magazinen herausschauen, uns zu langweilen beginnen. Der Designer Umit Benan Sahin präsentiert seine Kollektionen schon seit einiger Zeit an älteren Männern, auch über ihn wurde in Mailand viel gesprochen. Wie Prada konzentrierte er sich auf einen Wachruf des Militärischen in der Männermode.

Da wunderte man sich plötzlich über die weißen Unterbuchsen auf dem Laufsteg. Genau wie über die runden, leicht schwachsinnigen Sonnenbrillen, die durch rot gefärbte Gläser bestachen und aus den Taschen der Models schauten. Bei genauem Hinschauen war nichts mehr, wie es zunächst schien: Formelle Kleidung aus dunklem Denim, auf den Hemden Muster, die aus klitzekleinen lächerlichen American-Football-Helmen oder Indianerschmuck bestanden – seltsame Ornamente der Macht, an denen die oft bunten Turtle Necks wie ironische Fälschungen daherkamen. Die Show war eine hintergründige Highbrow-Vorstellung perfekten Wissens, die an Grünschnäbeln kaum gut gewirkt hätte. Es bleibt abzuwarten, ob sich die grandiose Verbindung, die Prada und Umit Benan Sahin in Mailand vorgestellt haben, Schule macht. Zu wünschen ist es. ~

Ebenso wie seine strahlte die Prada-Kollektion pure Männlichkeit aus, vor allem gedeckte Farben, formidables Layering, klassische Silhouetten, an den Füßen Brogues und Wingtips. Zweireihige Anzü-


Style League Buyer’s Guide — 107



Style League Frühling & Sommer 2012 (Auszug)