Stilethik Magazin - Der Slow Fashion-Guide für Baden-Württemberg

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Stilethik MAGAZIN

DER SLOW FASHION-GUIDE FÜR BADEN-WÜRTTEMBERG 1


IMPRESSUM

Impressum Stilethik Magazin: Der Slow Fashion-Guide für Baden-Württemberg Januar 2021 Verantwortlich für den Inhalt: Helena Sicko Untere Bergstraße 34 76703 Kraichtal Kontakt: E-Mail: stilethik@gmail.com Alle Bildrechte wurden an der jeweiligen Stelle aufgeführt. Ist kein Bildnachweis vorhanden, liegen die Bildrechte bei der Autorin. Cover-Illustration: Helena Sicko via canva.com

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EDITORIAL

Willkommen W

ie schön, dass DU dich für Slow Fashion in Baden-Württemberg interessierst. Vielleicht kaufst du schon lange fair und nachhaltig produzierte Kleidung oder Second Hand und möchtest in diesem Magazin neue Adressen und Talente kennenlernen. Ich wette, es wird hier viel Neues für dich zu entdecken geben! Vielleicht ist das Thema Slow Fashion aber auch ganz neu für dich und du weißt noch gar nicht so recht, was du darunter verstehen sollst. Kurz gesagt ist Slow Fashion all das, was kein Fast Fashion ist. Fast Fashion bedeutet Massenware. Es bedeutet, dass neue Kollektionen nicht mehr nur ein- oder zweimal im Jahr erscheinen, sondern beinahe wöchentlich. Es bedeutet Überproduktion und -konsum und damit riesige Mengen an Textilabfällen, schlechte Arbeitsbedingungen für die Menschen in den Produktionsländern und eine dramatische Ressourcenverschwendung. Slow Fashion ist der Gegenentwurf dieses Geschäftsmodells. Es ist eine Philosophie, die den Wert eines Kleidungsstückes anerkennt und ihm ein möglichst langes Leben schenken möchte – egal, ob durch Upcycling, Second Hand oder den Kauf von fair und ressourcenschonend produzierter Kleidung. Warum ausgerechnet Slow Fashion in Baden-Württemberg? Durch die COVID-19 Pandemie ist einigen von uns klar geworden, dass die Globalisierung ihre Grenzen hat und viele gute Dinge unweit unserer eigenen Haustür liegen. Im Laufe meiner eigenen Slow Fashion Reise lernte ich immer mehr Labels, Menschen und Shops kennen, die mich faszinierten und sich nur wenige Kilometer von mir entfernt für eine nachhaltigere Modewelt einsetzen. Es wurde für mich zu einer Herzensangelegenheit, über faire und nachhaltige Mode in unserer Region zu sprechen und meinen modebegeisterten Freunden Alternativen für ihre nächste Shoppingtour zu zeigen. So entstand die Idee hinter Stilethik und diesem Magazin. Ich wünsche dir nun ganz viel Freude beim Lesen und hoffe, du findest Inspiration für eine Slow Fashion Shoppingtour abseits des Massenwaren-Mainstreams.

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INHALT

Was gibt es zu entdecken?

STUTTGART 8 Slow Fashion rund um Stuttgart 12 Drei Fragen an Corinna Borucki

KARLSRUHE 20 Slow Fashion rund um Karlsruhe 22 ALLES FÜR DEN FUNKEN: Der Weg des Karlsruher Labels Spirits & Sparks

RHEIN-NECKAR-REGION 24 Slow Fashion rund um die Rhein-Neckar-Region 26 UPCYCLING MADE IN MANNHEIM: Amy Jarrett von Port Amelie über Slow Fashion und nachhaltige Upcycling-Mode 29 HEARTLIGHT VINTAGE: Vom Uniprojekt zum Vintage-Onlineshop

SCHWÄBISCHE ALB 32 Slow Fashion rund um die Schwäbische Alb

FREIBURG 36 Slow Fashion rund um Freiburg

BODENSEE 40 Slow Fashion rund um den Bodensee

Jacqueline Stolz, Gründerin von Spirits & Sparks, im Interview auf S. 22

Foto: Jacqueline Stolz

Wie Studierende lernen, die Mode von Morgen zu gestalten auf S. 14

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Foto: Jessica Reissfelder


INHALT

INSPIR ATION SLOW FA SHION L AB Y R INTH 11 Was sind die Unterschiede zwischen Slow, Fair, Eco und Fast Fashion? ZWISCHEN ETHIK UND ÄSTHETIK 14 Wie Studierende lernen, die Mode von Morgen zu gestalten INSTA INSP O 21 Slow Fashion Sinnfluencerinnen aus Baden-Württemberg MODE AUF DEN OHR EN 34 Diese Podcasts sind die perfekten Begleiter für deine Slow Fashion Journey FAIR NETZT 38 Slow Fashion Initiativen in Baden-Württemberg Impressum Editorial Inhalt

Upcycling-Expertin Amy Jarrett von Port Amelie im Interview auf S. 26

Foto: Amy Jarrett

Slow Fashion Newcomer: Über das Label Heartlight Vintage aus Mannheim auf S. 29

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Foto: Heartlight Vintage/ Robert Edelmann

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GUIDE

SLOW FASHION

RUND UM

Stuttgart

THE HUNGRY PALMTREE

GLORE

Schöne faire Mode, coole Accessoires und ausgefallene Geschenkartikel gibt es im Concept Store The Hungry Palmtree in der Schwabstraße. Übrigens: THP gibt es auch in München.

Be green in any colour you like! Glore bietet in der Filiale in Stuttgart neben einer liebevoll zusammengestellten Auswahl an stylisher Mode auch einen kostenlosen Reparatur-Service an.

Schwabstr. 197, 70193 Stuttgart @thehungrypalmtree

Eberhardstr. 10, 70173 Stuttgart @glore_stuttgart

SHOP

SHOP

somskat

www. raythecollection.com @raythecollection

Wer nach Second Hand und Vintage Kleidung sucht, sollte unbedingt die Tübinger Straße in Stuttgart entlang schlendern! Hier reiht sich ein Second Hand Store an den nächsten, unter anderem auch der Vintage Markt oder Second Dreams.

SHOP Mit der Shoperöffnung 2015 ist der Onlinehändler Greenality endgültig zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für faire und nachhaltige Mode in Stuttgart geworden. Greenality vertreibt Fair Fashion sowohl über den stationären Handel als auch über einen Online-Shop. Besonders cool: Für jedes verkaufte Teil finanziert das Unternehmen eine Schulstunde für Kinder in Bangladesh! Friedrichstr. 39, 70174 Stuttgart // Fürstenstr. 5, 70173 Stuttgart www.greenality.de // @greenality

www.somskat.com @somskat

LABEL Tolle Mode im Ethno-Look gibt es bei RAY. Das Label arbeitet mit Textilproduktionsfirmen aus Indien und unterstützt dort lokale NGOs.

SECOND HAND

Greenality

LABEL Einen neuen Nachhaltigkeitsansatz präsentiert das Label somskat (dän. „wie ein Schatz“). Die zeitlosen Designs des Labels werden nämlich nur dann produziert, wenn genügend Menschen die Kleidunsstücke im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne vorbestellt haben. So werden Ressourcen gespart und Konsumierende erhalten eine direkte Verantwortung für ihre Kaufentscheidungen. Faire Mode on demand!

RAY THE COLLECTION

TÜBINGER STRASSE

VIDA BRAUTATELIER

ECONIC GOODS

BRAUTMODE Bei der nachhaltigen Hochzeit unterstützt das Vida Brautatelier. Dort gibt es wunderschöne Second Hand Brautkleider zu (ver-)kaufen.

SHOP Das GERBER in Stuttgart beherbergt mit Econic Goods einen hauseigenen Shop mit fairen und nachhaltig produzierenden Fashionlabels.

Ludwigstraße 97, 70197 Stuttgart @vida.brautatelier

Sophienstraße 21, 70178 Stuttgart @econic.goods

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Glore

Greenality

GUIDE

Loyale

Foto: Goldmarlen/ Marlen Albrecht

EYD

LABEL Beim Label eyd stehen die Produzentinnen der Kleidung im Vordergrund. In jedem Kleidungsstück des Labels findet man daher den Stempelabdruck einer Näherin, die an dem Kleidungsstück mitgearbeitet hat. @eydclothing

SCHLECHTMENSCH STORE

LOYALE

SHOP Finest Fair Fashion shoppen und danach nebenan ein Käffchen im Cäffchen trinken – das kann man bei Loyale. Seit Dezember 2020 gibt es Loyale auch im Breuningerland Sindelfingen. Senefelderstr. 76, 70176 Stuttgart @loyale_fair

MILK WOOD STORE

Bei Schlechtmensch gibt es Fair Fashion für alle. Unter anderem verkauft der Store auch Mode vom britischen Label People Tree.

Allerlei Schmuck, Naturkosmetik, coole Mode und Designs aus Athen gibt es im Milk Wood Concept Store in der Traubenstraße.

Neckarstraße 86, 70190 Stuttgart @schlechtmensch.de

Traubenstraße 60, 70176 Stuttgart @milkwoodstuttgart

WIEDERBELEBT

UPCYCLING Stoffreste und Textilabfall von großen Modefirmen liefern für die beiden wiederbelebt-Gründer Sarah Kürten und Oguzhan Deniz die perfekte Grundlage für neue Upcycling-Designs. Zu kaufen im Online-Shop und im Store. Esslinger Straße 14, 70182 Stuttgart @_wiederbelebt_

TOLD

LABEL Hochwertige Kapselkollektionen made in Germany: Dafür steht das Stuttgarter Label Told. Die überschaubaren und limitierten Kollektionen sind zeitlos und fernab der Massenware. Zu kaufen gibt es Mode von Told online. www.toldthebrand.com @toldthebrand 7

Goldmarlen JEWELLRY

Das Schmucklabel Goldmarlen steht für Zeitlosigkeit. In liebevoller Handarbeit und unter Verwendung recycelter Materialien, zum Beispiel RecyclingGold oder Plexiglas, werden die Stücke im Stuttgarter Atelier gefertigt. Hinter Goldmarlen steckt die Designerin und Gründerin Marlen Albrecht. Nach ihrem Studium für Schmuckdesign an der Hochschule Pforzheim zog es die Absolventin zunächst für ein Praktikum nach Stockholm zu H&M. Schnell merkte die Designerin, dass die große Mode- und Schmuckindustrie nichts für sie ist – aus ethischen Gründen und aufgrund des niedrigen Designanspruchs. 2018 gründete Marlen dann ihr eigenes Label, präsentierte auf der Designmesse Blickfang ihre Kollektion und eröffnete schließlich in Stuttgart ihren ersten eigenen Showroom. Goldmarlen wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Tübingerstr. 97, 70178 Stuttgart www.goldmarlen.com @goldmarlen


GUIDE

„Die Verbundenheit mit der Natur als Rückzugsort und Inspirationsquelle begleitet Marlen Albrecht seit ihren Kindheitstagen. Die neue Kollektion Gaia ist eine Hommage an die gleichnamige mythologische Göttin“ - Goldmarlen Foto: Marlen Albrecht

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GUIDE

ILA ILA

STYLE AFFAIRE

Der schöne Concept Store Ila Ila befindet sich mitten in der Fußgängerzone in Kirchheim unter Teck. Neben fairer Mode gibt es auch tollen Schmuck und edle InteriorProdukte.

Style AfFAIRe versorgt Tübingen schon lange mit nachhaltiger und fairer Mode. Man findet hier ebenfalls regionale Labels wie eyd oder LOVJOI. Die Produkte gibt es auch im Online-Shop.

SHOP

Marktstr. 49, 73230 Kirchheim u.T. @ilaila.de

GREEN LAVADEE SHOP

Faire Mode für Frauen, Männer und Babies in Winnenden? Ja, im Green Lavadee! Der sympathische Shop hat Marken wie Lanius oder Armedangels. Marktstraße 10, 71364 Winnenden @greenlavadee

SHOP

wasni Foto: wasni

SHOP // LABEL Wasni steht für „Wenn anders sein normal ist“ - Der Name ist bei dem Esslinger Inklusionsunternehmen Programm. Seit 2015 arbeiten in der Hoodie-Manufaktur Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam an inklusiver Mode. Die Hoodies von wasni sind nicht nur made in Esslingen und aus GOTS-zertifizierter BioBaumwolle, sondern auch noch maßgeschneidert. Das Team wurde schon mehrfach für sein inklusives Unternehmensmodell ausgezeichnet. Küferstr. 52, 73728 Esslingen a.N. www.wasni.de @wasni_esslingen

Hafengasse 1, 72072 Tübingen @styleaffairetue

BEYAVISTA SHOP

Auch in Ludwigsburg kann man fair shoppen! Im BEYAVISTA Concept Store findet man neben Eco-Mode auch nachhaltige Accessoires und Pflegeprodukte. Kirchstr. 18, 71634 Ludwigsburg @beyavista_eco_lifestyle

stillthrifting VINTAGE LABEL

Nachdem Leonie Kunze und Paul Kümmerle des Öfteren gefragt wurden, woher sie denn ihre Vintage-Kleidung hätten, beschlossen die beiden jungen Stuttgarter Ende 2018, ihr eigenes Label zu gründen. Stillthrifting vertreibt seither handverlesene Vintage Kleidungsstücke und Merchandise über den eigenen Online-Shop. www.stillthrifting.de @stillthrifting

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Fotos: stillthrifting


GUIDE

FUTURE FASHION STORE x SECONTIQUE SECOND HAND STORE // EVENT-HUB Im Juli 2020 eröffnete im Kaufhaus GERBER in Stuttgart der Future Fashion Store x SECONTIQUE. Neben hochwertiger Second Hand-Kleidung und ausgewählten Fair Fashion-Artikeln findet man im Store auch regelmäßig Talks, Workshops und andere Events: „Wir verstehen den Store als einen Ort der Begegnung. Er ist ein Treffpunkt, um zusammenzukommen, sich über nachhaltige Mode und Ideen für eine zukunftsfähige, faire Modewelt auszutauschen. Wir wollen somit eine Schnittstelle von Kommerz, Sozialem und einer Einrichtung mit Bildungsauftrag sein“, so Raquel Dischinger, Projektleiterin der Future Fashion Initiative. Der Future Fashion Store x SECONTIQUE ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung EntwicklungsZusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) sowie der Aktion Hoffnung der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Letztere betreibt neben dem Store in Stuttgart bereits drei weitere SECONTIQUE-Filialen – also Boutiquen für Second Hand Kleidung – in Albstadt, Ulm und Aalen.

Kleiderschrank ausmisten? Das Future Fashion Store Team freut sich über eure gut erhaltenen Kleiderspenden. Mit dem Erlös der verkauften Kleidung werden Hilfsprojekte unterstützt!

@futurefashionstore.de www.futurefashion.de/future-fashion-store www.aktion-hoffnung.org/second-hand-shops Fotos: Markus Karl/ SEZ

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GUIDE

Slow Fashion Labyrinth ECO, FAIR, SUSTAINABLE ?! WIE SOLL MAN HIER DEN ÜBERBLICK BEHALTEN? UND IST DAS NICHT SOWIESO ALLES DASSELBE?

Mit diesem kleinen Test findest du heraus, wie du ein beliebiges Kleidungsstück kategorisieren kannst und wo die Unterschiede zwischen den Bezeichnungen liegen.

Start Wurde dein Kleidungsstück von einem Fast Fashion Unternehmen produziert?

NEIN

Ist dein Kleidungsstück aus umweltschonenden Materialien wie Bio-Baumwolle, Hanf, recyceltem Polyester oder Lyocell?

JA

NEIN

NEIN

Wurde dein Kleidungsstück unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt und die TextilarbeiterInnen angemessen entlohnt?

Dann war es vermutlich doch Fast Fashion!

JA

JA

FAIR FASHION Mode, die fair hergestellt wurde (aber nicht zwangsläufig ökologisch)

Ist dein Kleidungsstück aus zweiter Hand?

Wurde dein Kleidungsstück unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt und die TextilarbeiterInnen angemessen entlohnt?

NEIN

JA

NEIN

Mode, die umweltfreundlich hergestellt wurde (nicht zwangsläufig fair)

JA

Trägst du dieses Kleidungsstück schon sehr lange/sehr oft oder kannst dir vorstellen, es mindestens dreißigmal zu tragen?

ECO FASHION

NEIN

JA

Slow Fashion

SUSTAINABLE FASHION Mode, die sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig ist

FAST FASHION PHILOSOPHIE Made to be thrown away: Das ist die Fast Fashion Philosophie

Der Begriff Slow Fashion umfasst den nachhaltigen Umgang mit Kleidung: Gebrauchte oder nachhaltig produzierte Kleidung gehört ebenso zur Slow Fashion wie reparierte Kleidung oder solche, die jahrelang getragen wird. 11


GUIDE

Lieblings-Shops von Corinna

(Stuttgart & Umgebung) • • • • •

Glore Greenality Loyale Green Lavadee (Winnenden) Ila Ila (Stuttgart-Kirchheim)

Corinna Borucki ist Gründerin des nachhaltigen Unterwäschelabels Coco Malou und gewährt gleichzeitig fast sechzigtausend Followerinnen und Followern täglich Einblicke in ihren nachhaltigen Lifestyle. Auf ihrem Instagram-Kanal @kissenundkarma zeigt die sympathische Stuttgarterin tolle Outfitkombinationen aus nachhaltiger und Second Hand-Mode. 12

Fotos: Yvonne Jung/ Coco Malou


Fair ist sexy

GUIDE

DREI FRAGEN AN CORINNA BORUCKI Als du deine eigene Marke Coco Malou gegründet hast, warst du bereits sehr erfolgreich mit deinem Instagram Account. Wie bist du dazu gekommen, die Marke zu gründen und wie schaffst du es, diese beiden Standbeine zu vereinen?

sind sich der Problematik der Modeindustrie bewusst. Ich bin jetzt seit zwei Jahren mit Coco Malou auf dem Markt und in dieser Zeit hat sich bereits einiges getan, da nun auch große Firmen das Thema ansprechen. Klar, es wird da auch viel Greenwashing betrieben, meiner Meinung nach. Nur weil nachhaltige Materialien verwendet wurden, heißt das nicht, dass die Kollektion nachhaltig ist oder die Produktionsbedingungen für die Näherinnen und andere Menschen in der Lieferkette gut und nachhaltig sind. Trotzdem würde ich sagen, dass die Verwendung von nachhaltigen Materialien bei großen Herstellern schonmal ein Schritt in die richtige Richtung ist.

Ich bin selbst vor einigen Jahren auf faire, nachhaltige und Second Hand Mode umgestiegen, nachdem ich mich mit der Textilindustrie auseinandergesetzt habe. Gerade im Bereich Unterwäsche und Dessous habe ich allerdings einfach nicht das Richtige gefunden – so kam mir die Idee, selbst ein Label für nachhaltige Wäsche zu gründen. Mein Instagram war mir dabei schon eine große Hilfe, weil ich dadurch auch das Bedürfnis nach nachhaltiger Unterwäsche bei meinen Followerinnen entdeckt habe. Ich wurde auch häufig nach Empfehlungen gefragt, die ich irgendwie nicht so richtig geben konnte. Auch bei der Crowdfunding-Kampagne hat mir meine Community viel geholfen. Wie nischig ist das Thema Nachhaltigkeit in der Mode noch? Sind deine Follower klassische Vertreterinnen der „Öko-Bubble“ oder hat sich da etwas verändert über die Zeit hinweg?

Hast du persönliche Tipps oder Lieblingsläden für faire Mode in Stuttgart? Wie findest du das Angebot in der Region? Ich finde das Angebot an fairer Mode in Stuttgart ist schon ziemlich gut. Schon seit mehreren Jahren gibt es hier Shops mit fairer Kleidung. Man merkt, dass sowohl das Bewusstsein bei den Konsumentinnen und Konsumenten als auch das Angebot steigt.

Sowohl von meinen Followerinnen als auch von meinen Kundinnen kommen natürlich viele aus der „Instagram-ÖkoBubble“. Aber es sind auch junge Frauen, die sich informieren und einen kleinen vorsichtigen Schritt in Richtung faire Mode machen möchten. Es sind also nicht alle „dark green“ unterwegs und leben komplett nachhaltig, aber die meisten

@kissenundkarma @coco_malou_ethical_lingerie coco-malou.com

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MODENACHWUCHS

Zwischen Ethik und Ästhetik

Wie Studierende lernen, die Mode von Morgen zu gestalten

FOTOS: JESSICA REISSFELDER

In Pforzheim werden Modedesigner von Morgen ausgebildet. Verantwortungsbewusste Mode setzt auf umweltfreundliche Materialien und gute Produktionsbedingungen. Doch der Pforzheimer Mode-Nachwuchs steht vor weiteren wichtigen Entscheidungen, die im Hintergrund getroffen werden müssen.

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sich die Studentin auch bei der Initiative Future Fashion. Ihre Designs möglichst innovativ und nachhaltig zu gestalten, war für sie daher selbstverständlich: „Wir als Designer sind die Entscheidungsträger, wenn es darum geht, welches Material verwendet wird. Darum war es mir wichtig, auf nachhaltige Materialien zu setzen. Im Studium wird uns immer vermittelt, dass wir als Designer die Zukunft gestalten. Daher möchte ich die Zukunft so verändern, dass wir als Gemeinschaft unser Leben verbessern können und dass niemand durch meine Designs zu Schaden kommt.“

us Teeblättern und Laub Textilien herstellen, mit Erdpigmenten färben oder sogenannte „No Waste Cuts“, also Schnitte ohne Textilreste kreieren – die Studierenden des Bachelorstudiengangs Mode an der Hochschule Pforzheim werden zum Weiterdenken ermutigt. Dabei ist Nachhaltigkeit einer der wichtigsten Schritte, um verantwortungsbewusste Designerinnen und Designer von Morgen auszubilden. Eine dieser Studierenden ist Jessica Reissfelder. Die 24-Jährige befindet sich mittlerweile im siebten und damit letzten Semester ihres Modestudiums. Nachhaltige Mode ist für Jessica auch privat eine Herzensangelegenheit. Neben einem absolvierten Praktikum beim Stuttgarter Fair Fashion Label eyd engagiert

Dass zu nachhaltigem Design aber noch mehr dazu gehört, als die Wahl umweltfreundlicher 14


MODENACHWUCHS Textilien, erklärt Prof. Dr. Sybille Klose, Studiengangsleiterin des Bachelorstudiums Mode an der Hochschule Pforzheim. Das Wort Nachhaltigkeit ist für Klose zu subjektiv. Gerade in Bezug auf Materialien gilt es, das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Vermeintlich nachhaltige Materialien, etwa Bio-Baumwolle, bringen neben ökologischen Vorteilen gleichermaßen Nachteile mit sich. Sie ermutigt ihre Studierenden daher, direkt beim Design anzusetzen und Konzepte kritisch zu überdenken: „Das Thema Responsible Fashion ist ein komplexes System. Man kann nicht alles gleichzeitig abdecken“, so die Wahl-Pariserin. Die Studierenden müssen sich mit komplexeren Fragen beschäftigen als nur der Wahl der Textilien. Wie viele Kollektionen soll es pro Jahr geben? Biete ich Designs in sieben verschiedenen Größen an oder vielleicht doch nur in drei Universalgrößen? Und wie positioniere ich meine Marke, um meine Zielgruppe zu erreichen? Für Designer kann das Thema Nachhaltigkeit schnell zur Frustration führen. Die Studierenden möchten etwas bewegen, sehen sich aber auch mit der Frage konfrontiert, wie viel sie überhaupt bewegen können. Der Handel mit Kleidung ist am Ende auch eine Kostenfrage. Und diese treffen die Manager. Sie entscheiden über den Produktionsstandort oder auch, wie eine Kollektion vermarktet wird. Sybille Klose ist daher überzeugt, dass Designerinnen und Designer auch die Sprache lernen müssen, mit denen sie als Kreative die Businessmanager argumentativ von ihren Ideen überzeugen können. Es sei wichtig, anders zu denken, aber gleichermaßen realistisch zu bleiben.

schaffen. Am Ende darf trotz ökologischer und sozialer Verantwortung die kreative Arbeit nicht verloren gehen. „Mode ist so nah am Körper und am Menschen. Mit Mode drückt ein Mensch aus, wie er sich selbst sieht, wie er sich selbst gerne sehen würde und wie er gerne gesehen werden möchte. Mode ist nach wie vor etwas Emotionales. Man darf den Leuten nicht vorwerfen, etwas zu kaufen, weil es attraktiv ist. Das Ziel eines Designers ist es, etwas zu kreieren, was begehrenswert ist und gleichzeitig Verantwortungsbewusstsein in der DNA trägt.“ Mode wird nicht gekauft, weil sie nachhaltig ist, sondern weil sie attraktiv ist. „Responsible Fashiondesigner sind da ein bisschen wie Eltern, die ihren Kindern das Gemüse ins Essen unterjubeln“, lacht die Dozentin. Zuerst muss das Design die Menschen überzeugen. Für die Studiengangsleiterin ist Nachhaltigkeit somit vor allem auch Langlebigkeit und emotionale Bindung: „Vielleicht besteht die Aufgabe darin, ein Design so zu gestalten, dass es einfach zum absoluten Lieblingsteil wird, das man niemals wegwerfen wollen würde.“

Responsible Fashiondesigner sind wie Eltern, die ihren Kindern das Gemüse ins Essen unterjubeln. Jessica Reissfelder sieht in der Verbindung von Attraktivität und Verantwortungsbewusstsein eine besonders spannende Herausforderung. Mit ihren Designs, etwa ihrer jüngsten Upcycling-Kollektion WASA, trifft sie den heutigen Zeitgeist. „Das Tolle an der Mode und insbesondere am Studium in Pforzheim ist, dass wir uns ständig an etwas Neuem versuchen. Wir dürfen nicht stehenbleiben, sondern müssen innovativ an unsere Designs herangehen.“

Nachhaltigkeit wird im Pforzheimer Modestudium nicht als separates Fach gelehrt, denn das Thema gehöre laut Klose quasi zur Grundausstattung. Getreu den Ansprüchen des Studiengangs setzt man auch hier auf Interdisziplinarität. Durch zukünftige Kooperationen mit den Pforzheimer Studiengängen Ressourceneffizienz Management sowie Life Cycle & Sustainability sollen Synergien entstehen, die für die angehenden Designerinnen und Designer neue Perpektiven

Informationen rund um das Modestudium an der Hochschule Pforzheim findet ihr hier: @fashion_design_pf www.designpf.hs-pforzheim.de/ba_m 15


MODENACHWUCHS

Fotos: JESSICA REISSFELDER Kollektion: WASA by JESSICA REISSFELDER Die Abschlusskollektion für das Sommersemester 2020 zeigt Upcycling-Designs, welche aus Second Hand Kleidung gefertigt wurden.

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MODENACHWUCHS

WASA „WASA zeigt den Weg in neue Sphären. Vergangenheit und Zukunft vereinen sich. WASA ruft dazu auf, ‚selbst - wirksam‘ zu werden. Alte Kleidungsstücke wurden liebevoll auseinander genommen und wie Puzzleteile neu zusammengesetzt. So erzählt jedes Teil seine ganz eigene Geschichte. Sportswear wird im Alltag getragen und die Grenzen sind fließend. WASA stellt die Frage, wie unsere Kleidung in Zeiten des immer wärmer werdenden Wetters überhaupt ausgestattet sein muss.“ - JESSICA REISSFELDER

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MODENACHWUCHS

Fotos: JESSICA REISSFELDER Kollektion: WASA by JESSICA REISSFELDER Die Abschlusskollektion für das Sommersemester 2020 zeigt Upcycling-Designs, welche aus Second Hand Kleidung gefertigt wurden.

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MODENACHWUCHS

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GUIDE

SLOW FASHION

RUND UM

Karlsruhe

FAIREWARE

LADEN ZWEI

SHOP

SHOP

Neben einer Auswahl an fairer Mode findet man im FaireWare Store in der Karlsruher Herrenstraße auch schöne Home-Accessoires. Coole Sneaker von Veja, Nine To Five oder Flamingo sowie nachhaltige und faire Taschen und Rucksäcke stechen besonders aus dem Sortiment heraus. Seit Sommer 2020 bietet FaireWare ausgewählte Artikel auch über den gleichnamigen Online-Store an.

Nicht weit vom Gutenbergplatz versteckt sich ein weiterer Slow Fashion Store: Der LADEN ZWEI bietet faire Mode und Accessoires abseits des Mainstreams an. Dort findet man Labels wie King Loui, Degree Clothing, Blutsgeschwister und viele mehr. Auch im Bereich Übergrößen bietet der LADEN ZWEI eine gute Auswahl. Inhaberin Manuela Seith versucht außerdem, lokalen Labels eine Plattform zu bieten.

Herrenstraße 46, 76133 Karlsruhe www.faireware.de @faireware

Goethestraße 41, 76135 Karlsruhe www.ladenzwei.com @ladenzwei

SHARING PLATTFORM

Fotos: KLYDA

Der Abiball, die Hochzeit der besten Freundin oder ein anderes schickes Event steht an und wir brauchen natürlich noch unbedingt etwas zum Anziehen! Das Karlsruher Start-Up KLYDA schafft genau für diese Fälle Abhilfe und hat deshalb eine Plattform entwickelt, auf der man Abendbekleidung leihen und verleihen kann. Ganz im Sinne der Sharing Economy sollen kaum genutzte Kleidungsstücke wieder getragen und so der Konsum reduziert werden: “Wir wollen Frauen eine einfache Möglichkeit bieten, sich ein günstiges Outfit aus dem Kleiderschrank einer anderen Nutzerin zu leihen, die ihr Outfit gerade selbst nicht benötigt. Fast so, als würde man sich etwas aus dem Kleiderschrank seiner besten Freundin leihen”, erklärt Mitgründerin Daria Morosow. Zusammen mit Stefan Maier entwickelte sie mit KLYDA ein System, von dem sowohl Mietende als auch Verleihende profitieren können. www.klyda.de @klyda.de 20


INSPIRATION

Insta Inspo SLOW FASHION SINNFLUENCERINNEN AUS BADEN-WÜRTTEMBERG

Foto: Instagram @doandlive

Foto: Instagram @liiisio

Diana

Lisa

Foto: Instagram @mariejohnson

Marie

@DOANDLIVE

@LIIISIO

@MARIEJOHNSON

Diana Scholl kommt aus Stuttgart und zeigt auf ihrem Instagram Account gerne Vegan Food und Second Hand Outfits. Die Bloggerin kennt die besten Anlaufstellen für nachhaltigen Konsum in der baden-württembergischen Hauptstadt und ist Expertin für stylische Second Hand Funde.

Veganismus, Fair Fashion und Second Hand Shopping aus Karlsruhe – Lisa zeigt auf ihrem Instagram-Kanal @liiisio ihr buntes Leben zwischen Flohmärkten, veganem Essen und Reisen im eigenen Campervan. Bei Lisa wird es definitiv nicht langweilig und trotzdem ist sie herrlich bodenständig.

Bloggerin Marie Johnson aus Tübingen liebt faire Mode – so sehr, dass sie sogar ihr eigenes Fair Fashion Label Manda gegründet hat. Neben Outfit- oder Rezeptideen, die Marie auf Instagram und Youtube mit ihren Followerinnen und Followern teilt, betreibt sie nebenbei ihren eigenen Online-Shop.

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PORTRAIT

Alles für den Funken DER WEG DES KARLSRUHER LABELS SPIRITS & SPARKS

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Jacqueline Stolz, Gründerin des Labels Spirits & Sparks, hat Kampfgeist in sich. Mit Anfang 20 erarbeitete sich die sympathische Nachwuchs-Designerin den steinigen Weg zu ihrem eigenen Label. Im Gespräch erzählte sie unter anderem vom nachhaltigen Siegel-Dschungel, der Corona-Pandemie und wie sie viele kleine Hürden kreativ meistert, um ihren Wunsch vom eigenen Label weiterhin konsequent zu verfolgen. Fotos: Jacqueline Stolz

ach ihrer Ausbildung als Modedesignerin im Jahr 2016 verschlug es Jacqueline Stolz zunächst für ein Praktikum zum Modekonzern Betty Barclay bei Heidelberg. Den Wunsch nach einem eigenen Label hatte Jacky schon während ihrer Ausbildung: „Es stand schnell fest, dass es für mich in die Selbstständigkeit gehen soll“, erzählt sie im Gespräch. Mit ihren damals 21 Jahren gar keine so leichte Aufgabe, denn wie macht man sich überhaupt als Designerin selbstständig? Ein eigenes Unternehmen während des Praktikums zu gründen war für Jacqueline nervenaufreibend: „Es waren zwei Vollzeit-Jobs gleichzeitig.“ Außerdem musste die Designerin bei Businesspartnern und Kreditgebern um Anerkennung kämpfen, denn gerade im Modebereich ist es für junge Gründerinnen oft nicht leicht, Banken vom eigenen Businesskonzept zu überzeugen. Doch mit Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft machte Jacqueline auch das möglich und eröffnete im Frühjahr 2019 ihr Label Spritis & Sparks.

Fashion Made in Germany – oder doch nicht? Spirits & Sparks steht für Fairness. Günstig in Ländern wie Bangladesh oder China zu produzieren, wo bekanntermaßen sehr schlechte Arbeitsbedingungen in der Produktion herrschen, kam für Jacky nicht in Frage: „Während und nach meiner Ausbildung habe ich gesehen, wie große Modeunternehmen ihre vielen Kollektionen produzieren lassen. Manchmal 22


PORTRAIT das junge Label hauptsächlich präsentiert, wurden abgesagt. Allgemein wurde über die Pandemie hinweg weniger gekauft. Um diese Trockenzeit für sich zu nutzen, eröffnete Jacqueline zusammen mit ihrer Businesspartnerin Regina Rieger den Onlineshop MuSchuKi. Hier verkauft das Duo Mund- und Nasen-Masken sowie Loopschals, die ebenfalls als Maske funktionieren. Auch nach dem Ende der Pandemie sieht Jacky noch Potenzial in MuSchuKi: „Die Maske wird uns noch lange begleiten und die gesteigerte Hygiene, die wir durch die Pandemie erlernt haben, wird zur Gewohnheit werden. Wenn irgendwann alles zum Alten zurückkehren sollte, dann erweitern wir die Produktpalette eben um schöne Tücher.“

habe ich mich gefragt, ob ich mir den falschen Beruf ausgesucht habe“, so Jacky. Ihre femininen Kleidungsstücke lässt die Designerin daher in einer deutschen Näherei bei Chemnitz produzieren. Ihre Stoffe bezieht sie aus einer spanischen Stoffmanufaktur. Neben fairen Arbeitsbedingungen bietet der Produktionsstandort Deutschland auch andere Vorteile, beispielsweise kurze Transportwege und eine einfache und schnelle Kommunikation. Theoretisch ist Spirits & Sparks ein Fair Fashion Label. Bei den großen Online-Shops für faire und nachhaltige Mode kann sie ihre Kollektion trotzdem nicht verkaufen. Spirits & Sparks hat nämlich kein Made in Germany-Siegel und das ist Voraussetzung für den Verkauf bei dieser Art von Online-Marktplätzen. Für Jacqueline ist die Bürokratie rund um den nachhaltigen Siegel-Dschungel sehr frustrierend: „Ich arbeite hier in Deutschland, meine Buchhaltung, meine Schnitte, meine Produktion – alles kommt aus Deutschland.“ Das Problem liegt in der Herkunft der Textilien: Keine deutschen Textilien, kein Made in Germany-Siegel. In Deutschland hergestellte Stoffe, aus denen sie ihre Kleidung fertigen könnte, gebe es laut der Designerin aber so gut wie kaum. Um aus diesem Siegelchaos herauszukommen, plant Jacqueline ihre nächste Kollektion mit GOTS-zertifizierter Baumwolle. Für ein kleines Label sind die Zertifizierungskosten allerdings enorm – genauso wie die Provision, die nachhaltige Online-Shops für den Weiterverkauf auf ihren Plattformen verlangen.

Die Region hat Potenzial In Baden-Württemberg sieht Jacqueline das größte Potenzial, um faire Mode an die Frau oder den Mann zu bringen: „Hier im Süden leben die Menschen bereits den nachhaltigen Lifestyle und haben gleichzeitig die Kaufkraft, die faire Mode benötigt.“ Außerdem besinnt sich die Rastätterin auf die Wurzeln des Modedesigns zurück. In Zukunft will sie sich nämlich stärker auf die Maßschneiderei konzentrieren und nimmt Aufträge über ihren Online-Shop entgegen. Regionale Verbundenheit spielt für ihre Maß-Aufträge eine große Rolle und liegt ihr persönlich besonders am Herzen. Auch bewusster Konsum beginnt mit der Regionalität. Kleine Unternehmen oder regionale Landwirtschaft und Handwerkskunst zu unterstützen, ist für sie einer der wichtigsten Schritte in eine faire und nachhaltigere Zukunft.

Slow Fashion Tipps von Jacky

Das Beste aus der Krise machen

1. Second Hand, Upcycling & Kleidertauschparties! Was nicht zu 100% gefällt, kann man umnähen!

Blusen und Kleider mit floralen Mustern verkaufen sich saisonbedingt vor allem im Frühjahr und Sommer. Die Corona-Krise traf die 23-Jährige daher besonders hart. Designmessen, auf denen sich

2. Lieber ein besonderes und faires Teil als zehn Fast Fashion Teile, die man nie trägt! 23


GUIDE

SLOW FASHION

RUND UM DIE

Rhein-Neckar-Region Fotos: glore

FREUDENHAUS HD

GLORE SHOP

SHOP

Globally responsible Fashion findet man in der Friedich-Ebert-Anlage in Heidelberg. Der moderne und übersichtliche Store, neben dem sich direkt das hippe Café Friedrich befindet, lädt zum Stöbern ein. Unter der großen Auswahl findet ihr hier zum Beispiel die Kollektionen von Veja, Armedangels, CUS Barcelona, Nine To Five oder auch JAN ‘N JUNE.

Bereits seit 15 Jahren hat das Freudenhaus Heidelberg in der Plöck faire und nachhaltige Mode im Sortiment. Im Store legt man zudem viel Wert auf persönliche Beratung. Plöck 7, 69117 Heidelberg @freudenhausheidelberg

Friedrich-Ebert-Anlage 1, 69117 Heidelberg www. glore.de // @glore_heidelberg

fremdformat JEWELLRY Fair, nachhaltig und unisex – so lauten die Grundsätze des Schmucklabels fremdformat. Durch Re- und Upcycling industrieller Materialien verzichtet das Heidelberger Label auf herkömmliche Edelmetalle und setzt sich somit für einen bewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen ein. Die in Heidelberg von Hand gefertigten Schmuckstücke sind unisex – nicht zuletzt, weil sich das queere Label besonders die LSBTTIQ Community unterstützt. Foto: fremdformat

Bergheimer Straße 29, 69115 Heidelberg www.fremdformat.de // @fremdformat

TEXTILSAMMLUNG MAX BERK MUSEUM Wer in die Welt der Textilien und Stoffe eintauchen möchte, der sollte die Textilsammlung Max Berk in Heidelberg-Ziegelhausen besuchen. Die Textilsammlung erinnert an eine kleine Reise durch verschiedene Modeepochen und präsentiert Kleidung, wie sie dringend wieder gesehen werden muss: Als etwas Wertvolles mit künstlerischem Anspruch, entstanden durch aufwendige Handwerksarbeit. Es werden regelmäßig Sonderausstellungen im Museum gezeigt. Geöffnet Mi, Sa, So von 13 - 18 Uhr, Brahmsstraße 8, 69118 HD-Ziegelhausen

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Foto: baketown for PHYNE

GUIDE

UMGEKREMPELT

SHOP // REPARATUR // WORKSHOPS In den M-Quadraten befindet sich die wohl wichtigste Anlaufstelle für faire und nachhaltige Bekleidung in ganz Mannheim: umgekrempelt ist mehr als „nur“ ein Fair Fashion Shop. Inhaberin Isabelle Kempf verfolgt mit ihrem Store ein ganzheitliches Konzept, das Kleidung auch nach dem Kauf weiterdenkt. Dazu gehört zum Beispiel ein Reparaturservice, Upcycling-Mode und -Workshops, die Vermietung von Nähplätzen sowie gelegentliche Events zum nachhaltigen Umgang mit Kleidung.

Phyne

M2, 15a; 68161 Mannheim @umgekrempelt.mannheim

TEXTILEREI

STREET WEAR LABEL

FASHION START-UPS

This is not fashion – It‘s an attitude! Streetwear und nachhaltige Kleidung – bis vor gar nicht allzu langer Zeit wäre das noch undenkbar gewesen! Das Mannheimer Label PHYNE trifft den Zeitgeist einer jungen, dynamischen und verantwortungsvollen Generation. Durch Kollaborationen mit namhaften Künstlern wie Noah Becker oder Nikeata Thompson gelingt es PHYNE, sich immer wieder neu zu erfinden und nachhaltiger Mode einen frischen Look zu verpassen.

In einem denkmalgeschützten Barockhaus in C4 sitzt seit 2015 die TEXTILEREI. Als Kompetenzzentrum für Mode- und Textilwirtschaft unterstützt sie junge Start-Up Labels, in der Modeindustrie Fuß zu fassen. Die Labels, die bereits Teil der Community sind, verkaufen im TEXTILEREI-Shop ihre Unikate, Accessoires, oder sogar ganze Kollektionen. Viele Start-Ups – darunter AMILLION, Lotta Grote oder BELLE IKAT – fertigen ihre Designs aus veganem Leder oder anderen umweltfreundlichen Materialien. C4 6, 68159 Mannheim @textilerei

Seit 2015 mischt das Mannheimer Label nun schon in der Fair Fashion Szene mit und konnte sogar schon die deutsche VOGUE von seinem Konzept überzeugen. Der VOGUE-Merchandise wird nämlich von PHYNE produziert und ist dadurch GOTS-zertifiziert und mit dem Grünen Knopf ausgezeichnet.

COCCON HD

SHOP

In HD-Neuenheim befindet sich das Coccon Bekleidungshaus. Dort findet ihr neben Casual Fashion auch eine Auswahl an fairen Labels. Good to know: Zum Coccon Bekleidungshaus gehört auch das Freudenhaus in Q5 2, Mannheim! Brückenstraße 10, 69120 Heidelberg @cocconheidelberg

www.phyne.com @phynefashion

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PORTRAIT

UPCYCLING MADE IN MANNHEIM Amy Jarrett von Port Amelie über Slow Fashion und nachhaltige Upcycling-Mode

Fotos: Amy Jarrett

B

auchtaschen aus alten Kissenbezügen und Wickelblusen aus Vintage-Hemden – Amy Jarrett aus Mannheim ist die Anlaufstelle für Upcycling-Mode im Rhein-Neckar-Kreis. Auf ihrem Instagram Kanal portamelie zeigt Amy ihre Liebe zur Mode und ganz besonders ihre Begeisterung rund um die Themen Vintage und Upcycling. Ihre eigenen Designs verkauft sie im gleichnamigen Online-Shop. Vor acht Jahren kam die gebürtige Kalifornierin nach Deutschland, weil sie genug von der Fernbeziehung zu ihrem deutschen Freund hatte. Mittlerweile sind die beiden verheiratet und Amy zu einer der zentralen Akteurinnen der regionalen Slow Fashion-Bewegung geworden: „Um ehrlich zu sein, hätte ich niemals geglaubt, so lange hier zu bleiben, aber je länger ich in Deutschland wohne, desto mehr verliebe ich mich in das Land“, erzählt sie. Im Interview spricht Amy über ihre persönliche Slow Fashion Journey und warum die Bewegung die Modeindustrie nachhaltig beeinflussen könnte. 26


PORTRAIT Amy, wie hat deine ganz persönliche Slow Fashion-Reise begonnen?

Natürlich wäre es toll, wenn noch mehr Menschen über die Fair Fashion-Bewegung in unserer Region Bescheid wüssten. Aber noch wichtiger finde ich, dass man von dem Slow Fashion-Prinzip persönlich angesprochen und mitgenommen wird. Die Bewegung sollte nicht nur ein bloßer Trend, sondern im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig sein. Ich glaube, dass viele Menschen gerne Teil des Wandels wären, aber nicht wissen, wo sie beginnen können. Hier sehe ich mich als Teil der Bewegung, indem ich eine simple, aber einflussreiche Lösung zeige: Der Wandel beginnt in deinem eigenen Kleiderschrank!

Auf nachhaltige Mode bin ich vor ein paar Jahren aufmerksam geworden. Viele Puzzleteile haben sich zusammengefügt, zum Beispiel mein Studium in Modedesign und meine große Liebe für Textilien. Zudem bin ich überzeugt, dass wir alle dringend damit beginnen sollten, bewusster zu konsumieren – für unsere Mitmenschen, unseren Planeten, aber auch für unser mentales Wohlbefinden.

Was ist deiner Meinung nach das Problem an der Modeindustrie?

Ganz konkret zeigst du, wie Mode durch Upcycling und DIY nachhaltiger werden kann. Was zeichnet deine UpcyclingDesigns aus?

Viele Menschen sehen Mode als etwas Oberflächliches, aber tatsächlich ist der Einfluss dieser Industrie immens. Die Branche kämpft mit vielen Problemen, darunter Kinderarbeit, schreckliche Arbeitsbedingungen, aber auch Umweltzerstörung. Modeunternehmen sind außerdem Meister im Greenwashing. Sie möchten das Gewissen der Kundinnen und Kunden beruhigen, indem sie Container aufstellen und dazu aufrufen, gebrauchte Kleidung zu spenden. Im Gegenzug erhält man einen Gutschein, um noch mehr Kleidung zu kaufen. Immerhin werden viele Menschen durch diese Maketingkampagnen mit den Begriffen „faire Mode“ oder „Conscious Fashion“ bekannt gemacht.

Meine Upcycling-Projekte sind immer ein „work in progress“. Es gibt ständig Neues zu lernen, zum Beispiel wie man einen neuen Schnitt mit einem begrenzten Stoffvorrat umsetzt. Ich bin ein sehr praktischer Mensch, deshalb muss auch Mode für mich praktisch sein. Bei meinen Designs denke ich immer an das Endprodukt, ob es einen Nutzen erfüllt und gleichzeitig gut aussieht.

Dein erlerntes Wissen gibst du in Form von Upcycling Workshops weiter, richtig? Genau, meine Upcycling Workshops finden im Action House in Heidelberg statt. Wir beginnen meistens mit einer kleinen Gesprächsrunde zum Thema Slow Fashion und diskutieren, was der Begriff für jeden individuell bedeutet. Ich will mit den Menschen zusammenkommen, um etwas Neues zu schaffen. Natürlich möchte ich meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch bewusst

Wie schätzt du das Bewusstsein für faire und nachhaltige Mode in der Region ein? Der Trend geht auf jeden Fall in die richtige Richtung! Ich entdecke immer mehr Shops, die versuchen, den Ansprüchen dieser bewussten Konsumenten gerecht zu werden. 27


PORTRAIT machen, welchen Einfluss dieses Wiederverwerten hat. Die Leute zeigen großes Interesse, allerdings ist es für viele nach wie vor eine Herausforderung, auch tatsächlich an einem Workshop teilzunehmen. Ich glaube vor allem der Umgang mit der Nähmaschine ist etwas abschreckend. Es kostet Zeit und Geduld, sich eine neue Fähigkeit wie das Nähen anzueignen. Aber das ist völlig in Ordnung. Es ist, wie der Name „Slow Fashion“ schon sagt, ein langsamer Prozess.

Mein Ratschlag für alle, die eine bewusstere, nachhaltigere Garderobe kreieren wollen, ist eine grundätzliche Vorüberlegung. Man sollte sich immer zuerst fragen, warum man kauft, was man kauft. Hilft dir das Kleidungsstück dabei, langfristig selbstbewusst aufzutreten oder deine eigene Persönlichkeit auszudrücken? Kaufst du etwas, weil du eine schlechte Woche hattest und ein bisschen Aufmunterung brauchst? Eine bekannte Regel in der Slow Fashion-Bewegung besagt, dass man ein Kleidungsstück mindestens dreißig Mal tragen sollte. Wenn man also etwas kauft, sollte man die Langlebigkeit und Qualität der Stoffe mitbedenken. Wenn man auf der Suche nach einem Statement-Look ist, empfehle ich Vintage Kleidung.

Ein fair und nachhaltig hergestelltes Kleidungsstück zu kaufen, obwohl es mir eigentlich nicht wirklich gefällt, halte ich nicht für sinnvoll.

Welchen Einfluss hat nachhaltige Mode deiner Meinung nach?

Wie würdest du dein eigenes Konsumverhalten beschreiben?

Die Problematik rund um die Modeindustrie passiert auf einer globalen Ebene, aber hat auf jede und jeden einen direkten Einfluss. Es beginnt im kleinen, lokalen Raum und wird schließlich immer größer. Ich sehe so viele Menschen in Mannheim, die bei kleinen Unternehmen, Künstlern oder Designern aus der Region einkaufen. Viele verlagern ihren Fokus weg von großen Modemarken hin zu kleinen lokalen Anbietern, die alle an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten. Baden-Württemberg ist definitiv auf einem sehr guten Weg.

Mein Motto ist: Do it yourself! Egal ob Oberteil, Rock oder Kleid – ich designe und nähe so oft ich kann selbst. Wenn ich etwas kaufe, dann meistens Second Hand oder von Fair Trade-Labeln. Ich sage „meistens“, weil ich nach wie vor ein- oder zweimal im Jahr bei Fast Fashion-Marken einkaufe. Gerade bei Jeans habe ich einfach noch nicht die perfekte nachhaltige Marke gefunden. Und jede Frau weiß, wie schwierig es ist, eine passende Jeans zu finden. Wenn ich ein Kleidungsstück weder bei fairen Labels noch gebraucht finde, kaufe ich es bei Zara und Co. Ein fair und nachhaltig hergestelltes Kleidungsstück zu kaufen, obwohl es mir eigentlich nicht wirklich gefällt, halte ich nicht für sinnvoll. Wenn ich also doch einmal Fast Fashion kaufe, trage ich die Teile dafür sehr lange. Meine beiden H&M-Pullover habe ich schon seit 2016 und trage sie ständig.

Port Amelie Informationen und News zu neuen Upcycling-Workshops von Amy Jarrett gibt es unter:

Welche Tipps hast du für Fair Fashion Einsteiger? Auch für die, die sich vielleicht nicht selbst an die Nähmaschine trauen?

@portamelie www.port-amelie.com

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PORTRAIT

Heartlight Vintage VOM UNIPROJEKT ZUM VINTAGE ONLINE-SHOP

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annheims Vintage-Szene hat einen neuen Player: Das Duo Robert Edelmann und Timothy Bolle gründete im Mai 2020 den Online-Shop Heartlight Vintage. Mit ihrem Start-Up möchten die langjährigen Freunde und Mitbewohner ein Gefühl von Freiheit, Selbstbewusstsein und Individualität vermitteln – all das eben, was die Fast Fashion Industrie schon lange nicht mehr bieten kann.

Wir wollten nicht noch ein T-Shirt Label gründen, das irgendwelche Logos auf unifarbene Shirts druckt

Den Wunsch nach einer eigenen Marke hatten die beiden besten Freunde Robert und Tim schon lange. Als sie im Studium schließlich ein Konzept für ein eigenes Unternehmen entwickeln sollten, entstand die Idee für Heartlight Vintage: „Wir wollten nicht noch ein T-Shirt Label gründen, das irgendwelche Logos auf unifarbene Shirts druckt“, so Robert Edelmann. Als studentisches Start-Up sind die finanziellen Mittel zudem gering und Anschaffungskosten meist hoch, weshalb sich das Team schnell auf Second Hand Kleidung fokussierte. Dass aus Heartlight Vintage letztendlich ein Online-Shop wurde, lag zum einen am eigenen Interesse für E-Commerce und zum anderen an der Leidenschaft für Fotografie, welche Tim und Robert verbindet.

Nur ausgewählte Second Hand-Kleidungsstücke finden ihren Weg in den Heartlight Vintage Shop. Anfangs waren das vor allem solche Teile, die Robert und Tim nach persönlichem Geschmack auswählten: „Um das Risiko gering zu halten, denn alles was nicht gekauft wird, hätten wir am Ende selbst behalten“, lacht Robert. Dass die eigenen Kleiderschränke der Gründer nun nicht mit Second Hand-Kleidung überquellen, beweist, dass sie mit ihrer Auswahl den richtigen Nerv getroffen haben.

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PORTRAIT

Mittlerweile suchen Robert und Tim gezielt nach beliebter Vintage-Ware, beispielsweise nach Sweatern mit Logo. Auch über private Vintage-Zusendungen freut sich das Team. Mit Heartlight Vintage möchte das junge Start-Up nachhaltiges Online-Shopping erleichtern. Obwohl es mittlerweile einige Online-Shops für Vintage und Second Hand Kleidung gibt, mangelt es in diesem Bereich noch immer an zwei Dingen: Auswahl und Zeit. „Je mehr Auswahl online zur Verfügung steht, desto leichter und zeitsparender kann Second Hand Shopping werden“, meint das Duo. Gebrauchte Mode zu finden, die gleichzeitig gut erhalten und stylisch ist, kann durchaus zeit- und nervenaufreibend werden und führt schnell zu Frustration. „Wir möchten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Vintage-Shopping nachhaltig und gleichzeitig bequem sein kann, indem wir den Markt mit unserem Angebot und Service erweitern“, erklärt Robert.

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Good to know: Neue Vintage-Drops gibt es bei Heartlight Vintage übrigens jeden Donnerstag um 18 Uhr!

www.heartlight-vintage.com @heartlight.vintage


PORTRAIT

Robert und Tim versenden die ausgewählten Vintage-Teile aus ihrer WG in der Neckarstadt West in Mannheim. Fotos: Heartlight Vintage/ Robert Edelmann

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GUIDE

SLOW FASHION

RUND UM DIE

Schwäbische Alb MEY BODYWEAR

TRIGEMA

Seit 1928 produziert mey auf der Schwäbischen Alb Unterwäsche. Die Traditionsmarke hat sich in Deutschland schon seit vielen Jahrzehnten etabliert. Als nachhaltiges Unterwäschelabel nimmt man mey aber erst seit Kurzem wahr – und das, obwohl das Unternehmen schon seit über 90 Jahren in Deutschland produziert. Für die Unterwäsche-Linie Organic wird GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle verwendet. Die Produktion in Deutschland und im europäischen Ausland wird zudem streng kontrolliert.

TRIGEMA steht seit 1919 für Sport- und Freizeitbekleidung made in Germany. Das Unternehmen setzt sich nach eigenen Angaben mit seiner Inlandsproduktion für den Erhalt des Produktionsstandortes Deutschland ein. Auf ökologischer Ebene ist TRIGEMA seit einiger Zeit Cradle-to-Cradle zertifiziert und folgt somit dem Prinzip der Circular Economy, also der Kreislaufwirtschaft. Die eingesetzten Ressourcen fügen sich schließlich am Lebensende des Kleidungsstückes wieder in einen Nährstoffkreislauf ein.

LABEL

LABEL

www.mey.com @umgekrempelt.mannheim

www.trigema.de @trigema_de

www.stillthrifting.de @stillthrifting

Fotos: Lovjoi

www.lovjoi.com @lovjoi_com

Lovjoi

LABEL Als Verena Paul-Benz 2014 in Dürmentingen das Label Lovjoi gründete, hatte die junge Unternehmerin eine starke Vision: Ein Modelabel, welches eine verantwortungsvolle und stylische Alternative zu herkömmlicher Fast Fashion darstellt. Gleichzeitig wollte die Lovjoi-Gründerin einen Arbeitsplatz erschaffen, der zur Gemeinwohl-Ökonomie beiträgt und bei dem die Menschen über dem Profit des Unternehmens stehen. Geschaffen hat sie somit eine Fashion Brand, die sozial, ökologisch und auch ökonomisch nachhaltig arbeitet und dabei noch zeitlose und trotzdem ausgefallene Kleidung designt. 32


GUIDE

A Dreamer‘s Journal Autumn/Winter 2020 Foto: Lovjoi

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PODCASTS

Mode auf den Ohren DIESE PODCASTS SIND DIE PERFEKTEN BEGLEITER AUF DEINER PERSÖNLICHEN SLOW FASHION JOURNEY

FASHION AFRICA NOW

TALK SLOW

Beatrace Angut Oola & Future Fashion

Bridge&Tunnel

Afrika gilt häufig als der „vergessene Kontinent“ – dies zeigt sich auch in der Modebranche. Eine verschwindend geringe Anzahl der Kleidung, die wir tragen, wird in Afrika produziert. Allgemein weiß man wenig über die Modeszene in den verschiedenen Teilen Afrikas. Zu wenig, findet Beatrace Angut Oola. Die Gründerin der Plattform Fashion Africa Now hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Netzwerk aus Kreativen der afrikanischen und europäischen Modeszene zu erschaffen. Im gleichnamigen Podcast, der gemeinsam mit der Initiative Future Fashion ins Leben gerufen wurde, nimmt Moderatorin Beatrace ihre Hörerinnen und Hörer mit in die vielseitige afrikanische Modewelt, stellt innovative Akteurinnen und Akteure der afrikanischen Diaspora vor und stellt Fragen zu den Themen Nachhaltigkeit und Slow Fashion.

Das Hamburger Label Bridge&Tunnel ist eigentlich bekannt für seine Upcycling-Designs aus recyceltem Jeansstoff. Seit Ende November 2020 hat das Fair Fashion Label nun auch einen eigenen Podcast, in dem die Gründerinnen Conny und Lotte über nachhaltige und faire Mode sprechen.

International

Ein Tipp unter den internationalen Podcasts: Die Journalistin Clare Press gilt als eine der wichtigsten internationalen Slow Fashion-Aktivistinnen. In ihrem eigenen Podcast The Wardrobe Crisis und dem Ethical Fashion Podcast der UN spricht Clare Press mit wichtigen Vertreterinnen und Vertretern der Modeszene über nachhaltige Entwicklung. 34


PODCASTS

NEONYT – PODCAST FOR FASHION, INNOVATION & SUSTAINABILITY

STEP INTO THE FUTURE

MELAWEAR Das Fair Fashion Label MELAWEAR aus Kassel teilt auf seinem Podcast nicht nur eigene Geschichten, sondern bietet auch eine Plattform für andere Unternehmen, die fair und nachhaltig agieren. Interessante Interviews und spannende Insights in die Fair Fashion Branche warten auf das Publikum dieses Podcasts.

Die NEONYT hat sich als Messe für nachhaltige Mode als eine der wichtigsten Plattformen der Branche etabliert. Aufgrund der Corona-Pandemie veröffentlichte die Messe einen Podcast mit einer Auswahl der Talks aus vergangenen Ausgaben der NEONYT. Spannend, um die Business-Perspektive hinter der Fair Fashion-Branche kennenzulernen.

WE ARE FASHION REVOLUTION

MODCAST – DER MODE PODCAST

Fashion Revolution gilt als eine der größten globalen Initiativen für eine nachhaltigere Modeindustrie. Die Organisation veranstaltet jährlich die Fashion Revolution Week, um über die Missstände der Branche aufzuklären. Im April 2020 startete die deutsche Landesgruppe ihren eigenen Podcast und plant, diesen 2021 fortzuführen.

Der ehemalige MTV-Moderator Patrice Bouédibéla widmet sich im Modcast Lebensund Liebesgeschichten rund um Mode. Welchen Platz nimmt Mode in der (Pop-)Kultur ein? Und wer macht die Modebranche aktuell eigentlich zu dem, was sie ist? Der Modcast versucht, diese Fragen zusammen mit spannenden Gästen zu beantworten.

Patrice Bouédibéla

Fashion Revolution Germany

VOGUE STORIES

FAIRQUATSCHT

Marisa Becker (@mysustainableme) Wenn sich Bloggerin Marisa Becker fairquatscht, dann geht es nicht immer nur um Mode – es geht um nachhaltige Unternehmen, grüne Landwirtschaft oder um umweltfreundliches Reisen. Kurz gesagt: Marisa Becker spricht mit kompetenten Gästen über die Themen, die sie auch auf ihrem Instagram-Account mysustainableme behandelt.

VOGUE Deutschland In ihrem Podcast reflektiert die deutsche VOGUE nicht nur sich selbst, sondern auch die Mode an sich. Wie hat sich das Magazin über die Jahrzehnte hinweg verändert und wie kann es weiterhin in einer Branche relevant bleiben, die sich laufend neu erfindet und zunehmend inklusiver wird? Diesen Fragen geht VOGUE Stories in bislang zehn Folgen auf den Grund.

1) Fashion Africa Now || Foto: F.A.N. 2) Talk Slow || Foto: Bridge & Tunnel 3) NEONYT || Foto: Neonyt/ Messe Frankfurt Exhibition GmbH 4) Step Into The Future || Foto: Melawear 5) We Are Fashion Revolution || Foto: Fashion Revolution Germany 6) MODCAST || Foto: Podstars by OMR 7) Fairquatscht || Foto: Marisa Becker 8) VOGUE Stories || Foto: VOGUE/ Condé Nast Germany

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GUIDE

SLOW FASHION

RUND UM

Freiburg

Kleiderei VERLEIH

Die Fast Fashion Industrie hat uns antrainiert, ständig nach etwas Neuem im Kleiderschrank zu suchen. Gleichzeitig steigt der Ressourcenverbrauch, der mit diesem Konsumverhalten einhergeht, ins Unermessliche. Die Kleiderei hat mit ihrem Konzept eine mögliche Lösung für dieses Problem gefunden: Im Monatsabo Kleidung leihen! So kann das Bedürfnis nach modischer Abwechslung möglichst ressourcenschonend gestillt werden.

ZÜNDSTOFF SHOP

Online und im Freiburger Sedanviertel sorgt Zündstoff für eine breite Auswahl an nachhaltigen Modealternativen. Kleidung, Accessoires, Schuhe und andere Lifestyle-Produkte von über 40 Marken warten im Shop auf ein neues Zuhause. Zündstoff bietet online eine versandkostenfreie Lieferung und Kauf auf Rechnung an. Moltkestr. 31, 79098 Freiburg www.zuendstoff-clothing.de @zuendstoff_clothing

Das Fashion-Sharing Modell wurde erstmals 2012 in Hamburg ins Leben gerufen. Die heutige Geschäftsführerin Lena Schröder verlegte die Kleiderei 2016 schließlich nach Köln und Geschäftspartnerin Maria Schorn eröffnete 2019 einen weiteren Store in Freiburg. Die Kleiderei kooperiert auch mit ausgewählten Fair Fashion Labels und bietet die Möglichkeit zum Kauf der Kleidung an.

Foto: minzundkunst

Klarastraße 80, 70196 Freiburg www.kleiderei.com @kleiderei_freiburg

BE IT! SHOP

Be it – dress different! Unter diesem Motto steht der Freiburger Fair Fashion Store, der sich gezielt an „Mode-Freigeister“ richtet. Marken wie Blutsgeschwister, Skunkfunk oder King Louie finden sich im Sortiment von Be It!. Der Fokus liegt hier vor allem auf individuellen Styles fernab vom Mode-Mainstream. Gerberau 5, 79098 Freiburg www.be-it-freiburg.de

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FAIRJEANS LABEL

Fairjeans aus Freiburg werden aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle und unter fairen Arbeitsbedingungen gefertigt. Das kleine Öko-Label sitzt im Freiburger Stadtteil Vauban, einem der ersten Quartiers für nachhaltige Stadtentwicklung. Neben Damen- und Herrenjeans verkauft Fairjeans auch Shirts und Pullover. Vaubanallee 13a, 79100 Freiburg www.fairjeans.de @tfairjeans


GUIDE

Kleiderei Store Freiburg Foto: minzundkunst

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FAIRNETZT

Fairnetzt!

SLOW FASHION INITIATIVEN IN BADEN-WÜRTTEMBERG

D

ass Nachhaltigkeit in der Mode schon lange kein Nischen-Thema mehr ist, zeigen die vielen Initiativen und Verbände, die sich in den letzten Jahren formiert haben. Auch in Baden-Württemberg drängen sich die Missstände in der Modeindustrie und die Suche nach nachhaltigeren Alternativen in das Bewusstsein der Zivilgesellschaft. Welche Initiativen und Verbände sich aktiv der Bildungsarbeit zu nachhaltigem Konsum widmen oder selbst nachhaltige Innovationen in der Modebranche vorantreiben, zeigt diese kleine Auswahl.

Hochschulgruppen

SÜDWESTTEXTIL e.V. Der Verband der Südwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie kümmert sich um den Stoff, aus dem die Zukunft ist. Als Interessenvertretung der Textilbranche in Baden-Württemberg berät Südwesttextil nicht nur Unternehmen, die die Autoindustrie oder Luft- und Raumfahrt mit innovativen Stoffen beliefern, sondern auch Wohntextilien und Modeunternehmen. Auf Instagram zeigt Südwesttextil spannende Facts über seine Mitgliedsunternehmen. www.suedwesttextil.de @suedwesttextil

LANDFRAUENVERBAND WÜRTTEMBERG-BADEN e.V. Der LandFrauenverband gilt als die größte Interessenvertretung für Frauen im ländlichen Raum in BadenWürttemberg. Neben Themen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Frauen in agrarwirtschaftlichen Betrieben steht auch die Aufklärungsarbeit über Konsum und faire Mode auf der Agenda des Verbandes. Die Landfrauen stellen beispielsweise Materialien für Bildungsarbeit und Aktionen zum Thema faire Mode zur Verfügung. www.landfrauen-bw.de/projekte/faire-mode

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Nach Bayern ist Baden-Württemberg das Bundesland mit den meisten Studierenden. In den letzten Jahren haben sich viele Hochschulgruppen dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben und zeigen Alternativen für einen nachhaltigen Kleiderkonsum. INFINITY DEUTSCHLAND e.V. Studierendennetzwerk für Social Entrepreneurship mit sechs Regionalgruppen, u.a. in Mannheim, Heidelberg und Stuttgart. @infinity_deutschland HSG NACHHALTIGKEIT ULM Studierendeninitiative der Universität Ulm mit vielen Themen rund um Slow Fashion. @hsg_nachhaltigkeit_ulm HDM USCHI Die Umweltschutzinitiative der HdM Stuttgart versorgt die Studierenden mit nützlichen Facts zum Thema Nachhaltigkeit und veranstaltet u.a. Kleidertauschpartys. @hdm.uschi


Future Fashion

FAIRNETZT

EINE INITIATIVE FÜR MODE VON MORGEN

S

pätestens nach dem verheerenden Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza* in Dhaka, Bangladesch, am 24. April 2013, bei dem über 1000 Textilarbeiterinnen und -arbeiter ums Leben kamen, wachte die Welt auf: Die Modeindustrie, wie sie bis dahin gelebt wurde, ist skrupellos und nimmt weder auf die Umwelt noch auf Menschenleben Rücksicht. Aus diesem Anlass gründete sich 2017 unter dem Dach der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) die Initiative Future Fashion. Die Bewegung möchte Bewusstsein für die Missstände der Fast Fashion Industrie schaffen und Alternativen für ein nachhaltigeres Konsumverhalten aufzeigen. Außerdem erkannte Future Fashion schon früh das Potenzial von fairer und nachhaltiger Mode: „Wir möchten zeigen, dass fair produzierte Mode nicht automatisch mit ‚Jute‘ und ‚unmodern‘ verknüpft wird, sondern dass faire Mode durchaus modern sein kann“, so Projektleiterin Raquel Dischinger. Mit ihrer Aufklärungsarbeit setzen die Köpfe hinter Future Fashion

direkt bei den Konsumentinnen und Konsumenten an. Neben Aktionstagen, Kleidertauschpartys oder regelmäßiger Präsenz auf der Stuttgarter Messe Fair Handeln bietet die Initiative auch nachhaltige Stadtführungen an und bildet Interessierte zu Future Fashion Experts aus. Außerdem konnte durch die Eröffnung des Future Fashion Stores x SECONTIQUE im GERBER in Stuttgart nun auch eine physische Anlaufstelle realisiert werden. Damit die Mode von Morgen aber keine Zukunftsmusik bleibt, freut sich die Bewegung auf engagierte Menschen, die Lust haben, sich aktiv einzubringen. Mit zahlreichen Möglichkeiten zum Mitmachen bietet Future Fashion das Dach für Engagement im Bereich Slow Fashion: „Wir freuen uns, wenn Future Fashion weiter wächst und in Baden-Württemberg auch über Stuttgart hinaus immer präsenter wird“, so Dischinger. @futurefashion.de www.futurefashion.de

Future Fashion on Tour...

* Zahlreiche Dokus zum Unglück von Rana Plaza findet ihr auf YouTube!

...auch digital

Einen hautnahen Einblick in die faire Modeszene von Baden-Württemberg geben die Future Fashion Touren. In Kooperation mit der Jugendinitiative der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg werden regelmäßig Stadtführungen durch Stuttgart angeboten. Neben coolen Anlaufstellen zu fairer und nachhaltiger Mode gibt es auch viele Informationen rund um Textilien, Zertifizierungen oder Recycling. Good To Know: Die Future Fashion Touren gibt es auch digital mit der App Digiwalk- für Stuttgart und Ulm! Informationen findet ihr hier: www.futurefashion.de/projekt/akademie/future-fashion-on-tour/ www.wir-ernten-was-wir-saeen.de/jin-tour 39

Foto: SEZ


GUIDE

SLOW FASHION

RUND UM DEN

Bodensee CHACHA

FRISCHMUT

MANALI

frischmut steht für zeitloses und nachhaltiges Design. Alle Kollektionen des Labels werden in Deutschland konfektioniert. Seinen Showroom hat frischmut auf der Insel Lindau, direkt neben dem hauseigenen Atelier.

Im Manali Store in Konstanz findet man neben fairer Mode auch Yoga-Zubehör und Naturkosmetik. Der Concept Store hat Marken wie Lovjoi, People Tree, Wild Fawn oder Lanius im Sortiment – auch im Online-Shop.

Zweimal in Konstanz, einmal in Ludwigsburg: Der Chacha Store hat eine große Auswahl an Modelabeln abseits des Mainstreams, unter anderem faire und nachhaltige Marken wie Thinkung Mu, Got Bag, Saint James oder Veja.

Ludwigstr. 26, 88131 Lindau www.frischmut.de @frischmut_official

Neugasse 33, 78462 Konstanz www.manali-online.com @manali-store

St. Stephansplatz 16, 78642 Konstanz www.chacha.eu @chachawomen

LABEL

SHOP

SHOP

MAAS NATUR

ANZA FAIR FASHION

FIRLE UND FRANZ

Inhaberin und Designerin Annalisa Zaiss bietet mit ihrem Label ANZA Fair Fashion Upcycling-Designs sowie Maßschneiderei an. Nachhaltige Accessoires aber auch Brautmode findet man im Store in Überlingen.

In Ravensburg macht faire Mode Spaß! Im Store Firle und Franz gibt‘s nicht nur das eigene Label emmypantum, sondern auch Marken wie Kings of Indigo oder KUYICHI. Auch für die ganz Kleinen findet man bei Firle und Franz nachhaltige Alternativen.

Maas Natur gibt es bereits seit über 35 Jahren und begann zunächst als Katalogversanddienst. Mittlerweile gibt es elf Ladengeschäfte, davon eines in Freiburg und eines in Konstanz. Das Unternehmen verkauft nachhaltig produzierte Mode, etwa von Armedangels.

Marktstraße 20, 88212 Ravensburg www.firleundfranz.de @firleundfranz

Wessenbergstr. 32, 78462 Konstanz www.maas-natur.de @maas_natur

LABEL

Christophstraße 32, 88662 Überlingen www.fairfashion-anza.de @anzafairfashion

SHOP

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SHOP


GUIDE

CHACHA Women in Konstanz Foto: Chacha Women

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DANKE

Danke Danke an alle Unterstützerinnen und Unterstützer dieses Magazins. Ein ganz besonders großes Danke an Future Fashion, die mich bei der Planung und Umsetzung des Magazins unterstützt haben. Danke an alle Interviewpartnerinnen und -partner, die mir ihre Geschichten erzählten. Danke an alle, die mir im Prozess ihr wertvolles Feedback gegeben haben. Danke an einen besonders geduldigen Lieblingsmenschen. Aber vor allen Dingen: Danke, dass DU dir Zeit für mein Magazin genommen hast. Über Feedback, Fragen, Gedanken oder Austausch freue ich mich! Schreibt mir gerne unter stilethik@gmail.com @stilethik

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Stilethik Magazin Der Slow Fashion-Guide fĂźr Baden-WĂźrttemberg 44


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