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Bachelorarbeit
Der ICT-Fachkräftemangel in der Schweiz – ökonometrisch basierte Prognose des ICT-Fachkräftemangels der Schweiz Diplomandin Leunita Saliji Dozent Matthias Litzke, Dipl.-Kfm.
Der ICT-Fachkräftemangel auf Arbeitsmärkten ist ein Pro-
tierungsaufwand, die Lohnkosten inländischer Fachkräfte
blembereich, der insbesondere seitens der Arbeitgeber
sowie die Einarbeitungskosten steigen.
thematisiert wird. In dieser Arbeit wurde eine ökonometrisch basierte Prognose des ICT-Fachkräftemangels der
Deshalb ist es unabdingbar, dass Unternehmen ausländi-
Schweiz bis ins Jahr 2020 durchgeführt. Die zukünftige
sche ICT-Fachkräfte rekrutieren können. Dies könnte durch
Entwicklung des Angebots und der Nachfrage an ICT-
die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative er-
Fachkräften bis ins Jahr 2020 wurde mithilfe des stochas-
schwert werden. Ein Handlungsvorschlag dazu ist, dass es
tischen ARIMA-Schätzverfahrens von Box und Jenkins
betroffenen Unternehmen nicht durch neue, administrativ
prognostiziert.
aufwändige Bewilligungsverfahren erschwert wird, diese benötigten Fachkräfte zu rekrutieren. Eine weitere Möglich-
Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass ab dem Jahr 2004
keit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, besteht
die Anzahl der ICT-Beschäftigten kontinuierlich gestiegen
darin, den bisher geringen Frauenanteil im ICT-Bereich zu
ist. Der prognostizierte Anstieg der Nachfrage der ICT-
erhöhen. Es ist wichtig, die ICT-Branche als attraktives Be-
Fachkräfte kann bis ins Jahr 2020 nicht durch einen prog-
rufsfeld zu positionieren und das Imageproblem bereits auf
nostizierten Anstieg des Angebotes gedeckt werden. Dies
Primarstufenebene zu lösen. Viele Frauen wissen nicht,
führt bis ins Jahr 2020 zu einem Nachfrageüberschuss
wie gross der Anteil von Dienstleistung und Kommunika-
bzw. einem Fachkräftemangel von 8.5 Prozent.
tion an der Entwicklung von IT-Lösungen ist. Eine Möglich-
Wirtschaftsinformatik
keit, um ein adäquates Berufsbild zu vermitteln, wäre, beAufgrund der hohen Nachfrage der ICT-Fachkräfte bis ins
reits in der Primarschule oder in der Oberstufe Informatik
Jahr 2020 und des Umstandes, dass die Entgegenwirkung
als ein Pflichtfach zu integrieren und auf diesem Weg die
dieses Mangels erst in der langen Frist ihre volle Wirkung
Sensibilisierung dieser Berufe zu erreichen. Des Weiteren
entfaltet, sind negative Auswirkungen für die Schweizer
bietet sich ein Online-Studium als Handlungsvorschlag.
Volkswirtschaft zu erwarten. Es ist mit volkswirtschaft
Beruf, Lohneinbussen, Kinder oder sonstige Gründe kön-
lichen Verlusten zu rechnen, da der Arbeitsmarkt die not-
nen Interessierte an einem Studium im ICT-Bereich hin-
wendigen Fachkräfte nicht mehr aufbringen kann. Eine
dern. Ein Online-Studium würde dieser Zielgruppe ermög-
mögliche Auswirkung wird das Offshoring sein, da gewisse
lichen, orts- und zeitunabhängig zu studieren.
Arbeiten durch die Verknappung des Angebots ins Ausland ausgelagert werden. Mit der Auslagerung von Arbeitsleistungen geht somit Wissen und Intelligenz (brain drain) verloren. Aus mikroökonomischer Sicht wird ein ICT-Fachkräftemangel negative Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmen haben, die diese Fachkräfte benötigen. Es ist mit erhöhten Personalkosten zu rechnen, da der Rekru-