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Wir haben zehn Büros bzw. Professionellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – allesamt ExpertInnen für Orientierungssysteme – zehn Fragen zur Thematik dieser Ausgabe gestellt. Ein Interview mit hundert Antworten unter- schiedlicher Positionen und Perspektiven.
Andreas Uebele Joachim Sauter Atelier Weidner Händle Erwin K. Bauer Gourdin & Müller Ingeborg Kumpfmüller Sascha Lobe Stefan Nowak Ruedi Baur Frank Abele
1 � Viele Schriftgestaltungen für Leit- und Orientierungssysteme streben eine optimale Lesbarkeit an. Was halten Sie von einer solchen, funktional begründeten Ästhetik? Andreas Uebele Ein Orientierungssystem muss in erster Linie gut aussehen, dann wird es akzeptiert und man liest es dann auch gerne. Das Schöne ist von sehr vielen Faktoren abhängig, nicht nur von der optimalen Lesbarkeit einer Schrift – die im Vergleich zu einer normalen, gut lesbaren Schrift – die zur Verbesserung des Gesamtbildes eine nicht messbare, aber von mir behauptete Rolle im Promille-Bereich spielt. Diese auf Lesbarkeit frisierten Fonts sehen alle aus wie orthopädische Stützstrümpfe und gefallen mir nicht. Dass man eine Schrift wählt, die gut lesbar ist, ist naheliegend. Aber die Lesbarkeit (den Hinweis auf Leserlichkeit vernachlässige ich) wird von sehr viel mehr Faktoren beeinflusst: Größe, Kontrast, Zeilenabstand, Laufweite usw. Eine gut angewandte Schrift, von mir aus die viel geschmähte Helvetica, ist also mindestens so gut zu lesen bei einem Orientierungssystem wie eine hausbackene Designlösung mit einer Mega-Meta (Lieber Erik, verzeih mir diesen Kalauer, die Meta habe ich sogar mal gekauft und für ein Projekt eingesetzt). Diese optimierten Schriften haben natürlich ihre Berechtigung, aber das ist eine sehr wissenschaftliche und auch berechtigte Herangehensweise an den Entwurf einer Schrift, aber das sieht man – meines Erachtens – den Schriften auch an. Funktional begründete Ästhetik ist richtig, aber man vergisst darüber, dass Design auch einen abseitigen, irritierenden und rational nicht zu erklärenden Aspekt haben muss, wenn es schön sein soll. Kaputt schön auch ist. Joachim Sauter Eine gute Funktionalität schließt eine starke, besonders kreative Ästhetik ja nicht aus. Optimale Lesbarkeit, schnelle, intuitive Erfassbarkeit und Verständlichkeit sind selbstredend die Pflicht bei der Gestaltung von Orientierungssystemen – die individuell- ästhetische, identitätsstiftende Umsetzung ist die Kür. Das kreative Potential der Kür steht bei Verkehrsleitsystemen allerdings sicher weniger im Fokus, als beispielsweise in Museen oder Unter nehmensräumen.
Slanted 18 — Interviews
10 × 10, P 153–156
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