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De u t s ch | N ° 57

MAI 2020

D I E HOSE


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Li ebe siste rMAG L eser / in n en , eine sehr lange Zeit ist seit der letzten sisterMAG Ausgabe vergangen – und was für Zeiten waren das! Auch das sisterMAG Team musste sich nach Ausbruch von Corona erst wieder finden und die eine oder andere Idee, die wir für diese und folgende Ausgaben hatten, waren erstmal hinfällig. Fragen, wie »Was bringt die Zukunft?«, »Wie kann die Zusammenarbeit von remote funktionieren?«, »Werden Aufträge wegfallen?« traten in den Vordergrund und die Absicherung der Existenz unserer Firma stand über allem.

machen. Alle Hintergründe und Infos dazu findet ihr in dieser Ausgabe ab S. 22 und natürlich unter www.sistermagpatterns. com . Passend dazu haben wir dieser Ausgabe dann auch einen klaren Modefokus gegeben: Bühne frei für die »HOSE«! Wir haben fast alle sisterMAG Hosenschnitte gradiert, die Anleitungen überarbeitet und erweitert und für euch in Hosentypen sortiert. Vielleicht inspiriert euch unser Shop, eure eigene sistermagpatterns Hose umzusetzen? Wir würden uns sehr freuen, eure Kreationen zu sehen! Einfach @sistermagpatterns taggen oder den #SISTERMAGPATTERNS Hashtag setzen. Wenn ihr Fragen zu unserem Shop habt oder euch Sachen auffallen, die noch fehlen oder auch etwas nicht funktioniert, schreibt uns gerne an mail@sistermagpatterns.com.

Jedoch, nachdem die ersten Wochen im Notzustand überstanden waren, erwachte die Lust auf Kreatives und wir beschlossen, die überschüssige Zeit durch abgesagte Aufträge zu nutzen, um endlich ein Herzensprojekt an Zurück zur Hose! Während der den Start zu bringen: Recherche zu dieser AusgaSISTERMAGPATTERNS be wurde uns schnell klar, wie Unser eCommerce Shop für die spannend dieses Kleidungsstück sisterMAG Schnitte zum Selber- ist. Schon lange ein fester Be3


standteil in der Männergarderobe, hielt sie erst im 19. Jahrhundert Einzug in die Frauengarderobe – und seither hat sie einen Siegeszug angetreten, wie ein Blick in unser aller Kleiderschränke zeigt. In unserem Artikel »Wie die Hose zur Frau kam« könnt ihr noch mehr über die Pionierinnen der Frauenhose erfahren. Die Hose steht auch wie kein anderes Kleidungsstück synonym für das Spiel mit Geschlechtern, deren Ambivalenz und auch nicht-Existenz. Im Artikel »Hosenrollen« erfahrt ihr, wie schon in früheren Zeiten im Theater Frauen zwischen den Geschlechtern changierten. Die Abwesenheit von definierten Geschlechtern – die sogenannte »Gender Neutrality« – sorgt für viele spannende Konzepte in Entertainment und Beauty. Einige davon stellen wir euch in unseren Artikeln zur Showtime-Serie »Billions« und »Genderless Beauty« vor. Wir freuen uns sehr, dass wir euch endlich #sisterMAG57 präsentieren können und sind sehr gespannt, von Euch zu hören! Wir schicken an alle sisterMAG Leser*innen, ob nah oder fern, viele Grüße – passt gut auf Euch auf und bleibt gesund!

eure Toni & das sisterMAG Team 4


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INHALTSVERZEICHNIS S I S T E R M A G # 5 7

KUNSTWERKE MIT HOSEN

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EDITORIAL

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KONTRIBUTOREN­V ERZEICHNIS

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DOWNLOAD-VERZEICHNIS

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IMPRESSUM

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SISTERMAGPATTERNS IST LIVE Teil 1: Hosen

HOSEN 36

HOSEN UND IHRE GESCHICHTE Ein Schelm, wer böses denkt

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FASHION FEATURE Hosen

MAUL- STATT HOSENTASCHEN

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BOHO-STYLE INSPIRATIONEN auf Instagram

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HOSEN IN DER KUNST Wer hat hier die Hosen an?

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DER HOSENBANDORDEN Ein Schelm, wer böses denkt

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TASCHEN-REZEPTE Von Carole Poirot

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KLEIDER MACHEN SPRACHE? Wie wir heute mit Sprichwörtern umgehen

HOSEN & IHRE GESCHICHTE


DER BOHO STYLE AUF INSTAGRAM

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DIE UNTERHOSE Vom Beinkleid zum G-String

SEITE 12 – SISTERMAG PATTERNS SHOP SEITE 158 – VIRTUELLES REISEN

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START-UP SPOTLIGHT Mit Fuckup Night Berlin

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HOSEN ACCESSOIRES Eine Auswahl von Hosenträgern, Gürteln...

GENDER IMAGES 128

HOSE GESCHICHTE Wie die Hose zur Frau kam

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HOSENROLLEN Wer trägt Hosen?

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GENDER IN DER SERIE "BILLIONS" They, theirs & them

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GENDERLESS BEAUTY Ein Trend mit Tiefgang

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DER SISTERMAG-ONLINEGUIDE Gegen die Langeweile

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DIE BUCHKOLUMNE VON SISTERMAG Vier Bücherempfehlungen


KONTRIBUTOREN Text

lektorat

übersetzung

Lea Becker lea-becker.net

Amie McCracken amiemccracken.com

Barbara Eichhammer the-little-wedding-corner.de

Barbara Eichhammer the-little-wedding-corner.de

Judith Remke intext-bremen.de

Ira Häussler

Martina Klaric @buchberuehrung

sisterMAG Team

Alexander Kords kords.net Elisabeth Stursberg @lizziemariees

Christian Näthler @iamvolta

sisterMAG Team

Dr. Michael Neubauer Elisabeth Stursberg @lizziemariees sisterMAG Team

foto & Video Carole Poirot @carole.poirot

FOOD Carole Poirot @carole.poirot

sisterMAG Team

MODEL Evi Neubauer @neu1bauer

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Styling Evi Neubauer @neu1bauer


DAS COVER MODEL & OUTFIT Evi Neubauer

FOTOGRAF Dr. Michael Neubauer

W ie sh oo te t m an w äh re n d e in e s L oc k d ow n s m it B ew e g u n g sb e sc h rä n k u n g e n e in C ov e r u n d e in e M od e st re ck e ? Indem unsere Fashion Directori n Evi nicht nur das Outfit kreierte, sondern dies es Mal vor die Kamera trat und sisterMAG Autor und Ehemann Michael die Fotos schoss. Danac h folgte ein intensiver Austausch über RAW-F iles und Übertragungen der Bilder ;)! Was w ährend dieses Shootings im luftigen Obergesch oss unseres Elternhauses entstanden ist, sind Fo tos der neuen Hosenkollektion in knalligen Fa rben, die jeglichen Corona-Trübsinn verscheuch en.

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CALZONE

MAULTASCHEN

RHABARBERTASCHEN

SISTERMAG PATTERN 48-1

SISTERMAG PATTERN 57-3

SISTERMAG PATTERN 40-5

DIY KARTOFFELSTEMPEL

DIY LEDERVOGEL

VIDEOS

DOWNLOADS

MULTIMEDIA


B L E I B I N KO N TA K T !

FOLGT UNS!

Folge unseren Geschichten und t채glichen Neuigkeiten aus dem sisterMAG-B체ro einfach 체ber Instagram! Du findest Inhalte aus dem Magazin, viele Behind-The-Scenes und Snapshots unserer Kontributoren. Zudem nat체rlich Gewinnspiele, Einladungen und andere exklusive Aktionen auf Instagram unter @SISTER_MAG.

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s i s te r M AG Pa tte r n s

Endlich live!

Ein Projekt, an dem wir schon eine Weile hinter den Kulissen arbeiten: Der sisterMAG Patterns Shop . Im ersten Schritt gehen wir mit 10 Schnittmustern für Hosen, Overalls und Shorts online. In den letzten Wochen haben zahlreiche Teammitglieder die Anleitungen geschrieben, die Schnitte wurden gradiert in den Größen 34 bis 44 und der Shop aufgebaut. Wir wissen: es ist noch nicht alles fertig, aber wir freuen uns, Euch endlich gradierte Schnitte zur Verfügung stellen zu dürfen und sind voller Ideen für weitere Shop-Teile und Inhalte! Ihr findet den Shop auf www.sistermagpatterns.com . Auf den folgenden Seiten stellen wir Euch noch einmal die ersten Schnittmuster vor, welche Ihr online findet.

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s i s te r M AG Pa tte r n s

Was Euch erwartet Was gehört eigentlich dazu, Euch die Schnitte in einem Shop anzubieten? Ein kleiner Blick hinter die Kulissen zeigte dem ganzen Team schnell: da wartet viel Arbeit auf uns. Die Schnittmuster von Evi, welche sie jetzt bereits seit 8 Jahren entwickelt und für uns kreiert, werden zunächst von ihr eingescannt und vom Design-Team digitalisiert, d.h. wir zeichnen die Beispielgröße einmal als Vektor.

dann noch lektoriert und ins Englische übersetzt werden, denn unser Shop ist als internationaler Shop zuvorderst auf Englisch angedacht. In den letzten Monaten haben wir zudem schon für viele Schnitte kleine Videos gemacht, die Euch klarer zeigen sollen, wie das Kleidungsstück am Ende aussehen soll – hier am Beispiel der Bundfaltenhose mit Handytasche:

Mit SCHNITT Berlin haben wir einen wunderbaren Partner für die Gradierung gefunden – Victoria und Johanna wandeln die Schnitte dann also in die Größen 34 bis 44 um. Ein anderes Team ist währenddessen dabei gemeinsam mit Evi ausführliche Anleitungen für Euch zu schreiben, damit dem Näh-Erfolg am besten nichts mehr im Wege steht. Diese ausführlichen Anleitungen müssen

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Im Shop findet Ihr heute neun ganz unterschiedliche Hosenschnitte, die keine Wünsche offen lassen: von elegant bis leger, kurz bis lang

40-3 WEITE BUND FA LT ENH O S E

49 -2 B ERMUDA SHORTS MIT SCHLEIFE

41-3 PAPERBAG HOSE

und aus verschiedensten Stoffen und Schwierigkeitsgraden. Hier ein kleiner Überblick über die ersten Schnitte im Shop:

40-5 LEINENSHORTS

57-3 JOGGINGHOSE

4 8-1 BUND FA LT ENH O S E

41-7 BUSINESS HOSE

50-6 KEILHOSE

41-5 HIGHWAIST HOSE

In den nächsten Tagen und Wochen werden regelmäßig neue Kleidungsstücke dazukommen, weshalb wir Euch einladen, uns auf Instagram sowie Facebook zu folgen, denn dort

werden wir die neuen Shop-Schnittmuster stets posten. Wir freuen uns sehr über Euer Feedback und lasst uns wissen, wenn Ihr Fragen habt oder einen Fehler findet – wir sind darüber ganz dankbar!

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Fotos: Robin Kater | Model: Latisha Nicholson

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PA T TE RN S

We i te B u n d fa l te n h o s e

Diese weite BUNDFALTENHOSE aus unserem Leinen Shooting der sisterMAG AUSGABE 40 wird idealerweise aus dem leichten Material Leinen gefertigt und eignet sich hervorragend für warme Sommertage. Die Hose sitzt hoch auf der Taille. An der Vorderseite befinden sich ein 16 cm langer Reißverschluss, zwei Knöpfe und zwei Hosentaschen. Um sicheren Halt zu gewährleisten, können die Gürtelschlaufen für einen passenden Gürtel genutzt werden.

4 8-1 OSE H N E T L A BUNDF

HIER ZUM SHOP Wenn ihr dieses Hosenmodell auch gut gebrauchen könntet, kommt ihr jetzt hier direkt zum Schnittmuster!

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PA T TE RN S

Fotos: Jaclyn Locke | Model: Kim Ahrens

Leinenshorts Diese luftige, kurze SHORTS aus unserem Leinen Shooting der sisterMAG AUSGABE 40 wird idealerweise aus dem leichten Material Leinen gefertigt und eignet sich hervorragend für heiße Sommertage. An der Vorderseite befinden sich ein 16 cm langer Reißverschluss und insgesamt 3 Knöpfe. Um sicheren Halt zu gewährleisten, können die Gürtelschlaufen für einen passenden Gürtel genutzt werden. HIER ZUM SHOP

Bereitet euch auf den Sommer vor und probiert das Schnittmuster selbst aus: Jetzt hier im Shop!

40-5 RTS O H S N E LEIN

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Fotos: Robin Kater | Model: Latisha Nicholson

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Fotos: Dr. Michael Neubauer | Model: Evi Neubauer

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PA T TE RN S

L o u n g ewea r Hose Eine neue Kreation für diese sisterMAG Ausgabe - Eine bequeme Jogginghose oder auch Loungewear Hose, die aus Jersey gefertigt wird. Ideal für eine gemütliche Zeit zuhause oder den kurzen Weg zum Supermarkt. Auch für ein Workout in den eigenen vier Wänden oder im Park gegenüber bestens geeignet. Cool kombiniert kann dieses Modell aber auch schnell lässig und gleichzeitig elegant wirken!

57-3 HOSE S G N I N I TRA

HIER ZUM SHOP

In verschiedenen Größen findet ihr hier das Schnittmuster zu dieser Jogging-Hose.

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PA T TE RN S

Bermuda Shorts

Diese

49 -2 A BERMUD

stylische, knielange BERMUDA HOSE aus dem Covershooting der sisterMAG AUSGABE 49 wird aus einem bequemen Material deiner Wahl gefertigt. Sie hat eine integrierte, praktische Handytasche und zwei Schleifen an den seitlichen Hosenbeinen, die das schlichte Design optisch aufwerten. Dieses Modell eignet sich hervorragend für wärmere Tage.

HIER ZUM SHOP

Wenn ihr dieses Modell selbst ausprobieren wollt, findet ihr hier im Shop das Schnittmuster in eurer Größe.

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Fotos: Cristopher Santos | Model: Julia Sophie Wagner

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PA T TE RN S

B u n d fa l te n hose Diese Damen BUNDFALTENHOSE aus dem Shooting im Rußwurmschen Herrenhaus der sisterMAG AUSGABE 48 wird aus leichtem Köper oder Gebardine aus Baumwolle, einem Mischgewebe oder Wolle gefertigt. Am Voderhosenbund sind Falten angesetzt und sowohl der Hüft- als auch der Gesäßbereich weiter geschnitten. An der Seite des linken Hosenbeins befindet sich eine praktische Handytasche. Die Hose hat an der Rückseite zwei Gesäßtaschen mit jeweils einer Klappe sowie zwei Hosentaschen an der Vorderseite.

HIER ZUM SHOP

Hier

kommt

ihr

direkt

zum

Schnittmuster-Kauf und Download dieses Hosenmodells. Probiert es aus!

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Fotos: Oh Hedwig | Model: Sophia Werner

4 8-1 HOSE N E T L A F BUND

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Fotos: Marco Di Filippo | Model: Gudy Herder

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PA T TE RN S

Business Hose Diese schmale Damen Business Hose aus dem »SUITS« Shooting der sisterMAG AUSGABE 41 kann aus mittelschwerer Köper oder Gabardine aus Baumwolle, einem Mischgewebe oder einer Wolle mit Elastananteil gefertigt werden. Die Seitennähte weisen Details einer Zierstepperei auf. An der Vorderseite befindet sich ein 18 cm langer Reißverschluss, ein Haken mit einer Öse zum Verschließen und seitlich zwei Hosentaschen.

HIER ZUM SHOP

An die Schere, fertig, los! Hier kommt ihr direkt zum Schnittmuster dieser stylischen Business Hose.

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41-7 SE O H S S E N BUSI


41-3 HOSE G A B R E P PA

Pa p e r ba g Hose Diese lockere Damen »PAPERBAG« Hose aus dem »Suits« Shooting der sisterMAG AUSGABE 41 wird aus Baumwoll-Popeline gefertigt. Sehr gut sieht eine Baumwolle mit »PAPER TOUCH« aus, die beim Greifen leicht raschelt. An der Vorderseite befindet sich ein 18 cm langer Reißverschluss und ein Knopf zum Verschließen. Wie ein amerikanischer »Paperbag« wird die Hose oben mit einem Gürtel zusammengerafft. HIER ZUM SHOP

Das coole »Paperbag« Design findet ihr jetzt hier im Shop in verschiedenen Größen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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Fotos: Marco Di Filippo | Model: Gudy Herder

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PA T TE RN S

50-6 E KEILHOS

Ke i l h o s e Diese schmale, bequeme Damen KEILHOSE mit elastischen Fußbändern aus der 50. SISTERMAG JUBILÄUMSAUSGABE wird zum Knöchel hin verengend und hat insgesamt eine schmale Beinweite. Der Steg unter dem Fuß verhindert das Hochrutschen der Hose. Dieses Modell kann ein hochwertiger Leggings-Ersatz sein. Als geeignetes Material bietet sich Baumwoll-Stretch an. INTERESSANT: Die deutsche Modedesignerin MARIA BOGNER

erfand 1931 die elastische Keilhose zum Skifahren - Die berühmte New York Times berichtete über die Sensation. Eine »Bogner« wurde zu einem Synonym für Skihosen.

HIER ZUM SHOP

Diese Keilhose gibt es jetzt für euch hier im sisterMAG Patterns Shop in verschiedenen Größen zum Ausprobieren.

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Fotos: Dr. Michael Neubauer | Model: Evi Neubauer

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Model: Gudy Herder

Fotos: Marco Di Filippo 32


PA T TE RN S

H i g hwa i s t Hose Diese bequeme Damen Highwaist Hose aus dem »SUITS« Shooting der sisterMAG AUSGABE 41 ist aus Köper oder Feinpanama, einer dickeren Baumwolle, gefertigt. Auf der Vorderseite befindet sich ein 18 cm langer Reißverschluss und seitlich zwei Hosentaschen. Insgesamt 6 Knöpfe werden für die vorderen und hinteren Hosentaschen sowie den Verschluss auf der Vorderseite verwendet.

HIER ZUM SHOP

Hier entlang, wenn ihr dieses Hosenmodell auch ausprobieren wollt - in der passenden Größe für euch im Shop.

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41-5 OSE H T S I A HIGHW


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S C H E L M ,

W E R

B Ö S E S

D E N K T «

Nicht ganz unerwartet, waren die Germanen in Mitteleuropa die ersten, die Hosen trugen. Gegen Kälte, unwegsames Gelände, gefährliche Tiere oder beim Reiten war der Schutz einer der wichtigsten Körperregionen durch ein Feigenblatt oder einen Lendenschurz einfach zu wenig.

» E I N

Hosen – und ihre Geschichte

GE SCH ICH T E

Text : M I C H A E L N E U B A U E R

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BRUO CH S

Fu stanella

DIE HOSENÄHNLICHEN GEBILDE – FEST UM BEIDE BEINE GEWICKELT UND KNÖCHELLANG – WURDEN AUS LEDER, NATURFASERN ODER FELLEN GEFERTIGT UND BEREITS DAMALS MIT EINEM GÜRTEL GEHALTEN. Lange vorher im 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. bedienten sich Naturvölker in den eurasischen Grenzregionen hosenähnlicher Gebilde. Sie waren Nomaden und Reitervölker. Aber auch in den zentralen Regionen Europas, wo wir die Menschen in der Zeit zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert v. Chr. als Kelten bezeichnen, führte die Erfindungsgabe zu einer schamfreundlichen, hosenähnlichen

Bedeckung, die von den Germanen übernommen wurde. Nicht aber von den Römern! Eine »MODE« , die den Wilden, den Barbaren anstand, war für Rom nichts. Erst im Laufe der Zeit lockerte sich diese Aversion, weil nämlich auch die römischen Soldaten die Beinkleider sehr praktisch fanden. Im frühen Mittelalter, manche bezeichnen es als eine »dunkle, rückständige« Epoche passierte in der Mode sehr wenig. Erst im 11./12 Jahrhundert, wir befinden uns im Hochmittelalter und die Salier und Stauffer bestimmten das Tun. Riesige Kirchenbauten entstanden und die Männer trugen

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S cha mk a p s e ln

Pu mp hosen

erstmals kurze Unterhosen, so genannte BRUOCHS . Wurde es plötzlich kalt, ließen sich Beinlinge anknüpfen. Die eigentlichen Hosen waren enganliegend, lang und wurden mit langen Strümpfen und knöchelhohem Schuhwerk kombiniert, dazu ein kurzer, anliegender und stets umgürteter Rock mit Stehkragen. Zwar trennte sich in diesen Jahren die weltliche von der klösterlichen Kleidung, aber die Hose setzte sich endlich zum Statussymbol für den Mann durch. Ausnahmen waren der KILT der Schotten und die FUSTANELLA (Männerrock) der Griechen. In der Renaissance blieben die Hosen

zunächst schmal, enganliegend, wie Strumpfhosen, aber man erleichterte das Leben der Männer durch eingenähte »SCHAMKAPSELN« . Wo aber blieb das Kreative? Schweizer und süddeutsche Landser nahmen sich der Sache an und schnitten ihre Gewänder an den sie störenden Stellen, meist im Bereich der Gelenke, auf, die offenen Stellen wurden mit gebauschtem Futter unterlegt und alsbald sprach man von Pluderhosen, in Spanien nannte man sie Heerpauken. Wie 2 Kugeln umschlossen sie den Beckenboden mit all seinen Geheimnissen, so dass die in Strumpfhosen ge-

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bundenen Beine in ganzer Länge und Schönheit zu bewundern waren. In ihren besten Zeiten zierten sie die Mode am Hofe mit und ohne Schamkapsel. Einfache Leute trugen auch im 16. Jahrhundert (Reformationszeit) normale Hosen, die bis über das Knie reichten und unter dem Knie gebunden wurden, so genannte PUMPHOSEN . Das Barock, die Zeit des Franzosenkönigs LUDWIG XIV . kürte sich mit breiten, bis zu den Knien reichenden, am Ende mit Spitzen besetzten Beinkleidern, die eher an einen kurzen Frauenrock erinnerten. Zahlreiche Bänder zierten diese »RHEINGRAFENHOSEN« und verstärkten den weiblichen Eindruck. Allerdings vereinfachte sich die Männermode zum ausgehenden 17. Jahrhundert mit relativ engen Hosen, die bis unter das Knie reichten und mit dem Jackett harmonierten. Sie nannten sich »CULOTTES« (Höschen!). Die FRANZÖSISCHE REVOLUTIONSZEIT verbürgerlichte die Mode. Angelehnt an Ideen, die vom fortschrittlichen England herüberwehten, wurden die Hosen bequemer, gerade und knöchellang und hießen deshalb »SANSCULOTTEN« . Diese einfachen,

Sans cu lottes den unsrigen schon sehr ähnlichen langen Hosen mussten im Laufe des 19. Jahrhunderts vor allem in Preußen noch einige Barrieren überspringen, waren aber bald in ganz Europa anerkannt. Die französischen Revolutionäre allerdings schmückten sich zum großen Teil mit sogenannten PANTALONS , besonders röhrenförmigen Beinen und hohen Husarenstiefeln. In der Mitte des 19. Jahrhunderts bekamen die Hosen einen knüpfbaren Hosenschlitz. Die um die Jahrhundertwende des 19./20. Jahrhundert einsetzende Sport- und Freizeitbewegung ließ den Knickerbocker entstehen. Länge und Weite dieser

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Fahrr a dfa h r er in Me l bourne 1 895 an die historischen PUMPHOSEN erinnernden Hosen haben oft gewechselt. Sie sollten eine Handbreit unterhalb der Kniekehle enden. Die langen Hosen sind uns Männern geblieben, variierte man sie mal weiter, mal enger, mit und ohne Hosenumschlag, mal aufsitzend, mal knöchellang, gestreift oder glatt, mit Seitenborde oder ohne, aber letztlich fühlen wir uns damit angezogen. Das Bild ist insgesamt bunter geworden. Kurze Hosen, halblange, aus Stoff, Leder oder feinstem Tuch und das in allen Farben sind heute möglich. Einer Revolution gleich kam die Einführung

von JEANS . Schon 1873 war die Hose aus blauem, derben Baumwollstoff patentiert wurden. LEVI STRAUSS hatte eine aus Genua nach Amerika eingeführte Hose zum Vorbild für starke, robuste Arbeitskleidung genommen, verwendete den blauen Stoff und sicherte die Ecken mit Nieten. Aus dem Französischen »GENES« für Genua machten die Amerikaner den Begriff »JEANS« . Einen ungebrochenen Siegeszug in alle Bereiche des Lebens vollzog diese Hose. Und wie vor 500 Jahren sind auch heute diejenigen die coolsten, die ihre Jeans einschneiden, über dem Knie oder darüber …

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Geor ge S a n d Man sagt, man hätte hosentragende Frauen in der Antike gesehen, dann aber nie wieder. Von weiblichen Hosen sprechen wir erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als Beinkleider unter der Oberbekleidung, die Frauen vor Ungemach schützten. Im Zuge der Frauenemanzipationsbewegung entschlossen sich immer mehr weibliche Avantgardistinnen, den Rock abzulegen, allen voran Persönlichkeiten wie AMELIA BLOOMER oder GEORGE SAND . Die im 19. Jahrhundert beliebten Hosenrollen in Oper, Operette und Schauspiel förderten ebenso den Weg zur Hose für die Frau wie Varietés oder der Sport. Vor allem das Reiten und das Fahrradfahren, die für die Frauen bequeme und angepasste Kleidung verlangten, ermöglichten ihnen, Hosen immer selbstbewusster zu tragen. Typisch hierfür waren die Stiefelhosen für die Reiterinnen, die so genannten Breeches. Große Weite am Oberschenkel ermöglichten den sicheren Sitz auf dem Sattel. Für das Fahrrad kamen

Hosenröcke in Mode. Die folgerichtige zunehmende Beteiligung der Frau am Arbeits- und Gesellschaftsleben, im Sport und in der Armee förderten im Laufe des 20. Jahrhunderts die Übernahme der Hose auch in die Frauenmode. Verschiedene modische Varianten zeigen, wie attraktiv die »HOSE« auch der Frau zu Gute kommt. Sei es die weite MARLENE-DIETRICH HOSE , die gerade fallende Business-Anzugshose, die Pumphose oder die enge, körperbetonte schmale Jeans. Der Siegeszug der Frauenhose war nicht störungsfrei, bis in die jüngste Vergangenheit wurden Frauen in Hosen angefeindet. Das sollte vorbei sein, sisterMAG liebt die Frauen in Hosen sehr, aber ab und zu auch mal im Rock …

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Während der Entstehungszeit dieser Ausgabe blieben wir zu Hause. Das COR ONA-Vir us hielt die ganze Welt in Atem – und auch heute ist noch nicht alles wieder "nor mal". Unsere Fashion Direktorin Evi blieb auch zu Hause und nutzte die Zeit für vier wunderschöne Designs, die man sowohl zu Hause genießen wie auch bei einem Spaziergang gut nutzen kann. Dazu gehören zwei Hosen, die ihr – neben anderen Schnittmustern – nun in verschiedenen Größen im sisterMAG Patterns Shop finden könnt. Freut euch auf eine bequeme Jogginghose, die keinesfalls nur zuhause getragen werden darf, und einen weiten Overall mit Reverskragen. Hinzu kommen unsere bemalte Cover-Jacke und ein kurzer Mantel. Foto g raf i er t zu Hau s e von Dr. Michael Ne uba ue r | M o d el: E vi Neu bau er

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PAT T E R N S

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HIER P O H S ZUM

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57-1 BEMALTE JACKE


Schaut, wie diese Jacke entstand:

Diese Jacke bringt gute Laune ins Gemüt! Sie ist aus dickem und recht derbem Stoff gearbeitet und Oversized, aber über und über mit Blumen bemalt. Die Textilfarben mit ihren kräftigen Farben führen zu einem echten Hingucker!

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57-2 KURZMANTEL R ER H H IIE P OP O H H S S M UM ZZU

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Super kombinierbar mit unserer Jogging-Hose in Hellblau!

Ein Kurzmantel perfekt für kühlere Sommertage und als stylishe Jacke für den kurzen Weg zum Kiosk oder Supermarkt. Mit übergroßen Taschen passt da auch direkt das Portmonee und die Schlüssel hinein.

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Z

HIER OP H S UM

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57-3 JOGGINGHOSE


Eine neue Kreation für diese sisterMAG Ausgabe -

Eine bequeme JOGGINGHOSE oder auch Loungewear Hose, die aus Jersey gefertigt wird. Ideal für eine gemütliche Zeit zuhause oder den kurzen Weg zum Supermarkt. Auch für ein Workout in den eigenen vier Wänden oder im Park gegenüber bestens geeignet. Cool kombiniert kann dieses Modell aber auch schnell lässig und gleichzeitig elegant wirken! 49


57-4 OVERALL MIT REVERSKRAGEN

Dieser weitgeschnittene OVERALL wird aus einem leichten Material deiner Wahl gefertigt. Ein Reverskragen ziert den Ausschnitt und an der Vorderseite befindet sich eine Knopfleiste mit 3 Knöpfen. Kombiniert mit einem Taillengürtel wird das Kleidungsstück zu einem echten Hingucker!

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Eine neue Kreation für diese sisterMAG Ausgabe -


Overall mit Reverskragen

Z

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HIER OP H S UM


B O H O - S T Y L E - I N S P I R A T I O N E N

A U F

I N S T A G R A M

frĂźhling in den kleiderschrank

H O L ' DIR DE N

foxytrash

vintagecloudds

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celine_lavieboheme

In dieser sisterMAG Ausgabe stehen die Outfits und Looks ganz unter dem Motto »BOHO« . Was wir damit verbinden? Fließende Stoffe, florale Muster, Spitze, Hüte und ausgefallene Kombinationen! »Boho« Styles versprühen immer einen Hauch von Freiheit und Leichtigkeit – Ein Gefühl, das wir derzeit mehr als gebrauchen können. Deshalb haben wir uns auf die Suche begeben und sind eingetaucht in die BOHO-STYLES auf Instagram. Wir haben ein paar tolle Accounts gefunden, die Boho auf ihre ganz individuelle Art und Weise leben und nach außen tragen. Wer sich auch gerne ein paar Frühlingsgefühle in den Kleiderschrank holen möchte, findet hier sicherlich die ein oder andere Inspiration...

Viel Spaß beim Stöbern! 53


madebyalana madebyalana. com

Alana

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a s y l A

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alysamaebeck


drea_catalea

a e r d n A

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e n i l ĂŠ C

celine_lavieboheme lavieboheme.ch

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emmbecks ampersandandattire. com

Emily

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Jessica

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vintagecloudds


Jess

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jgoodtime


luna.li nd s a y lunalindsay.com

Luna

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foxytrash

Michaela

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Sarah

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sarahjudgee


Tori

brunetteboheme

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Yvon

ibizabohogirl ibizabohogirl.com

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H O S E N

I N

D E R

K U N S T

wer hat denn hier die hosen an?

KUN ST W E RKE


HOSEN WER HAT DENN HIER DIE HOSEN AN? In einer neuen Serie stellen wir euch in 2020 in jeder sisterMAG Ausgabe eine Auswahl von mehr oder weniger bekannten Kunstwerken und ihren Künstler*innen vor. Ein KLEIDUNGSSTÜCK steht dabei jeweils im Mittelpunkt und gibt den roten Faden vor. In unserer zweiten Ausgabe 2020 dreht sich alles um HOSEN . Reithosen, Marlene Hosen, Cordhosen, die beliebte Jeans, Strumpfhosen oder Culottes... Es gibt sie in abertausenden Varianten und Ausführungen. Doch in welchen Kunstwerken lassen sich interessante Hosenmodelle finden und wer trägt sie eigentlich? Eines ist sicher: Auch die Kunstgeschichte hat da einiges (Humorvolles) zu bieten! Hier ein kleiner Überblick. Text: CAROLIN KRALAPP

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Mary Cassatt (1844 - 1926) Die US-amerikanische Malerin MARY CASSATT , die ihr Leben gegen den Wunsch ihres Vaters der Kunst verschrieb und dem IMPRESSIONISMUS IN AMERIKA zu großer Popularität ver-

half, hat in diesem Kunstwerk ihren Neffen Eddy mit einem Hund portraitiert. Gänzlich gekleidet in einem tiefroten Ensemble, trägt er eine knielange Hose, die mit Rüschen aus weißer Spitze besetzt ist. Heute vielleicht nicht mehr unbedingt modern, galt dieses Outfit sicher zur damaligen Zeit als totschick (auch wenn der Gesichtsausdruck des Jungen auf den ersten Blick vielleicht etwas anderes vermuten lässt).

Mary Cassatt, »Eddy Cassatt (Edward Buchanan Cassatt)«, 1875, 32,4 x 44 cm, National Gallery of Art Washington DC

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henri ToulouseLautrec (1864 – 1901) HENRI

TOULOUSE-LAUTREC ,

der vor allem für seine Plakatentwürfe für das Pariser Varieté Moulin Rouge bekannt wurde und damit das Bild der legendären »BELLE ÉPOQUE« festhielt, portraitierte auf der anderen Seite aber auch gerne einzelne Personen fernab vom Gemenge. So z.B. diese Ballerina, die ihr Tutu unter dem Kinn festgeklemmt hat, um ihre rosa Strumpfhose in die richtige Position zu bringen. Alle, die häufiger mal Strumpfhosen tragen (mich eingeschlossen), werden dieses Gefühl wohl sehr gut nachempfinden können...

Henri Toulouse-Lautrec, »Tänzerin, ihre Strumpfhose ordnend – Die erste Strumpfhose«, 1890, 59 x 46 cm, Öl auf Karton, Privatbesitz

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Egon Schiele (1890 - 1918) Der

österreichische Maler EGON SCHIELE , der zu den bedeutendsten Vertretern der »WIENER MODERNE« gehört, zeigt hier eine unbekannte Dame in feuerrotem Gewand, die gerade dabei ist, sich eine Hose über die Beine zu ziehen – ein unverzichtbarer Akt vor dem Tragen einer Hose. Außerdem gestalterisch markant an dieser Zeichnung: Alle Farbflächen werden durch Schiele mit einer klaren Kontur begrenzt und so fest in der Gesamtfläche des Bildes verankert. Egon Schiele, »Weibliches Modell in rotem Gewand«, 1914, 48,1 x 31,9 cm, Zeichnung, Graphische Sammlung Albertina Wien

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Ernst Ludwig Kirchner (1880 - 1938) Sehr effektvoll sind in dem expressionistischen Werk des deutschen Künsters ERNST LUDWIG KIRCHNER die farbigen, wenig detailliert ausgearbeiten, Hosenmodelle der zwei Brüder, die sich wie Wanderer in einer Berglandschaft bewegen. Bei einer Wanderung kommt es vor allem darauf an, dass die Kleidung bequem und funktional ist. Hoffen wir mal, dass dies bei den Modellen der zwei Herrschaften hier zutreffend war. Ernst Ludwig Kirchner, »Zwei Brüder M. (Mardersteig)«, 1921, 168 x 120,2 cm, Öl auf Leinwand, Pinakothek der Moderne München

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David Hockney ER IST EIN PIONIER DER

BRITISCHEN »POP ART« UND EINER DER TEUERSTEN LEBENDEN KÜNSTLER DER WELT.

*1937

Bis 2019 sogar DER Teuerste, denn sein Werk »PORTRAIT OF AN ARTIST (POOL WITH TWO FIGURES)« wurde für sagen-

David Hockney, »Maurice Payne«, 2008, 30,3 x 45,4 cm, The David Hockney Foundation

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hafte 90,3 Millionen US-Dollar durch das Auktionshaus Christie’s versteigert. In dem Kunstwerk hier wird HOCKNEY s enger Freund Maurice Payne dargestellt, den der Künstler häufig als Bildthema wählte. Payne hat in einer lässigen Blue Jeans, die wir wohl alle im Kleiderschrank haben, auf einem Hocker Platz genommen und blickt direkt in Richtung der Betrachter*innen. Hockneys Interesse an Einzelportraits zieht sich durch sein Oeuvre: Seine Serie »82 PORTRAITS AND 1 STILL-LIFE« beispielsweise, die auch

eine Ausstellung kreierte, zeigt ähnliche Szenerien wie die hier dargestellte.


Erwin Wurm *1954 LAST BUT NOT LEAST SOLL DIESES AUSGEFALLENE HOSENMODELL NICHT UNBEACHTET BLEIBEN!

Die Acryl-Figur »TELEKINETISCHER MASTURBATOR « des österreichischen Konzept-Künstlers ERWIN WURM zeigt einen armlosen Mann mit einer sehr eng anliegenden, silber glänzenden Hose, die nicht nicht auffallen kann. In der Öffentlichkeit definitiv ein mutiges Stück! Diese Ansammlung von Kunstwerken mit verschiedenen Typen von Hosen ließe sich noch unendlich weiter spinnen... Begebt euch doch auch mal auf die Suche und haltet die Augen offen, bestimmt findet auch ihr bald ein Kunstwerk mit verrückter Hose!

Erwin Wurm, »Telekinetischer Masturbator«, 2009, 47 x 12,1 x 10,2 cm

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D E N K T « B Ö S E S W E R S C H E L M , » E I N

Der Hosenbandorden

GE SCH ICH T E

Zu allen Zeite n w a re n K ön ig e, Präsid ente n, Revolu tionäre o d er Militärs in ihren Zielen davon a b h ä ngig, eine g esc hlossene Handlung sfäh igkeit der Beteilig te n herzustellen . Nur so waren Erg ebn isse erzielbar, u na b h ä ngig davon, ob es fortsc hrittlic h e o d er zweifelhafte w a ren.

Text : M I C H A E L N E U B A U E R

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ED UA RD I I I .

Das e r k a nnte a uc h K ö nig Edua rd I I I . vo n E ngl a nd ( 13 1 2 - 1 3 7 7 ), d er zu de n b e d e utend sten engl isc h en He r rsc h e r n de s M ittel a l te rs zä h l t.

Über 50 Jahre führte er sein Land von 1327 bis zu seinem Tode. Ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger und Vater, KÖNIG EDUARD II. (1284 – 1327) erkannte er, dass er in seinen kulturellen, künstlerischen und vor allem militärischen Vorhaben nur vorankommen konnte, wenn er Adel und andere Untertanen in seine Interessen einband. Eduard kannte die Geschichte um König Artus. Artus scharte die besten Männer des Reiches, edle Ritter und Edelleute um sich, gewann ihr Vertrauen, indem er sich regelmäßig mit ihnen an einem

großen runden Tisch traf und ihre Meinungen hörte. Der Tisch war »rund« – so vermied er Streitigkeiten um die besten Plätze. Einigkeit war das Ziel! Die brauchte EDUARD III. auch! Streit um den französischen Thron, das »Englische« als Nation galt es zu stärken, ebenso wie die englische Sprache und Kultur. Artus nachahmend lud Eduard deshalb 24 tugendhafte Männer an seine »RUNDE TAFEL« und verlieh großzügig britische Adelstitel (Earl und Duke). Aber noch etwas fehlte, um das Einigende herauszustellen – ein Zeichen der

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Zusammengehörigkeit, der Würdigung und der besonderen Erlesenheit. Ein Orden fehlte, ein ganz ausgefallener, dessen Exklusivität und Originalität alles Bisherige überstieg. Eduard schuf 1348 das Besondere: den HOSENBANDORDEN . Mit dem Ruf »Ein Schelm, wer Böses denkt« hob der König das Strumpfband seiner Geliebten galant auf, dass sich beim Tanzen gelöst hatte und knüpfte es sich um sein eigenes Bein. Die Idee war geboren und das Motto des Ordens bis heute dazu: 77


»Ein Sc h el m, w er B ö ses d e n k t .«

Es ist der älteste und wichtigste Orden des Vereinigten Königreichs, zugleich der höchste Ritterorden des Landes. Man nennt ihn auch: ― Orden des blauen Hosenbandes, oder ― Orden des Heiligen Georg in England (Der Heilige Georg ist der Schutzpatron) ― Hochedler Orden vom Hosenbande ― Order of the Garter ― The Most Noble Order of the Garter Das Hosenband ist blau und wird unter dem linken Knie getragen. Frauen (seit 1987 können sie gleichberechtigt aufgenommen werden (»LADY OF THE GARTER« )), tragen das Ordensband am linken Oberarm. Zum Orden gehören immer der König, der PRINCE OF WALES und maximal 24 weitere, lebende, vom König eingesetzte Ritter. Kriterien für eine Kandidatur sind Verdienste um das Land und die Krone. 78


Mitglieder des Königshauses und ausländische Ritter zählen extra, das gilt auch für ausländische Monarchen, sie zählen als Ehrenmitglieder. 2008 wurde PRINZ WILLIAM von

seiner Großmutter KÖNIGIN ELISABETH II. als 1.000. Mitglied in den Hosenbandorden aufgenommen. Mit der Verleihung des Hosenbandordens rückt man automatisch in den Adelsstand auf. Man ist »SIR« oder »LADY« . Der Orden hat eine feste und klare Struktur mit sechs feststehenden hohen Ämtern. Wichtig für die Ordenstracht sind die Insignien, die aus einer Ordenskette, an der eine Miniatur des heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen hängt und einem Bruststern mit dem Georgskreuz bestehen. Bei Aufnahmefeierlichkeiten werden besondere Riten in der Kleiderordnung beachtet. Jedes Jahr im Juni, an einem Montag, dem »GARTER DAY« (Garter = Strumpfband) findet ein festliches Treffen der Ordensmitglieder statt. Im Thronsaal

von SCHLOSS WINDSOR erhalten Neuaufnahmen ihre Insignien. Nach gemeinsamem Essen prozessieren sie in ihren blauen Ordensgewändern und ihren mit Straußenfedern geschmückten Kappen vor zahlreichen Schaulustigen zum Gottesdienst in die ST. GEORG’S CHAPEL . Hier hat jedes Ordensmitglied seinen festen Platz. Die Kirche ist mit den Standarten aller Ordensmitglieder geschmückt. Das Ritual des Gottesdiensts ist fest vorgeschrieben, es endet nach einem großen Hosenbandgebet, einer Hymne und dem Abschluss-Segen. Danach trennen sich alle, um sich sicher in der kurz danach stattfindenden Royal Ascot-Rennwoche, dem wichtigsten und ältesten Pferderennen unter Schirmherrschaft des Königshauses in Ascot wiederzutreffen.

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Nicht ganz unerwartet, waren die Germanen in Mitteleuropa die ersten, die Hosen trugen. Gegen Kälte, unwegsames Gelände, gefährliche Tiere oder beim Reiten war der Schutz einer der wichtigsten Körperregionen durch ein Feigenblatt oder einen Lendenschurz einfach zu wenig.

Text : M I C H A E L N E U B A U E R

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Gut verpackt schmeckt die Füllung besonders lecker

Taschen Rezepte

Food Fotografin und Stylistin Carole Poirot hat sich für unsere neue Ausgabe mit dem Oberthema »Die Hose« etwas ganz Besonderes ausgedacht: »Taschen-Rezepte« mit leckeren Füllungen. Lasst es euch schmecken!

Calzone Maultaschen Rhabarbertaschen R E Z E P T E & FOTO S :

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Carole Poirot


P izCalzone za Tasche n FÜR 2 hungrige Personen oder als kleine Pizza für 4 Personen

ARBEITS ZEIT 1 Stunde

BACKZEIT 15-20 Minuten

Z U T AT E N FÜR DEN TEIG

FÜR DIE FÜLLUNG

300 g

Mehl

5 g

Trockenhefe

8 EL (ca. 200ml) Tomatenpassata

4 g

Salz

100 g

scharfe Peperoni

200 ml

warmes Wasser

150 g

geriebener Mozarella

8 ml

Olivenöl

2 Knoblauchzehen, gehackt Ca. 12 Blätter frischer Basilikum, in Stücke gezupft

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1.

Zubereitung

Für den Teig alle trockenen Zutaten in einer großen Schüssel vermischen.

delholz ausrollen .

9 . Drücken / rollen, bis ein Kreis

von ca. 30cm Durchmesser entsteht .

2 . Zusammen

mit Wasser und Olivenöl zu einem groben Teig verarbeiten.

1 0 . Ofen

auf 220°C vorheizen. Passata und Knoblauch mischen.

3 . Den

Teig auf eine bemehlte Oberfläche geben und 10 Minuten, oder bis weich und dehnbar, kneten.

1 1 . Passata gleichmäßig auf den

beiden Teig-Kreisen verteilen, dabei einen fingerbreiten Rand lassen.

4 . Den Teig zu einer Kugel rol-

len und mit etwas Olivenöl bestreichen.

1 2 . Jetzt immer nur DIE HÄLFTE eines Kreises mit Basilikum, Peperoni und Mozarella belegen

5 . In eine Schüssel geben, mit

einem sauberen Tuch abdecken und für mindestens 1 Stunde gehen lassen.

1 3 . Diese

Hälfte dann mit der ‘leeren’ Hälfte bedecken und die Teigtasche so zuklappen.

6 . Den gegangenen Teig in zwei Stücke teilen.

7 . Auf

einer gut bemehlten Oberfläche zu einem Kreis ausdrücken.

8 . Hierbei den Teig immer wieder drehen, um einen Kreis zu bekommen. Alternativ kann man den Teig mit einem Nu-

1 4 . Den Rand mit den Fingern zusammendrücken, um die Tasche zu verschließen

1 5 . Calzones für ca. 15 Minuten,

oder bis goldbraun und aufgepufft, backen.

1 6 . Mit Salat und einem Glas Wein servieren.

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Mmitaul Brühe Tasche n FÜR

4 Personen

ARBEITSZEIT 1 Stunde

KOCHZEIT

ca. 30 Minuten

Z U T AT E N FÜR DEN NUDELTEIG

FÜR DIE FÜLLUNG

260 g

Mehl

200 g

Rinderhackfleisch

3 Eier

plus 1 weiteres

100 g

frischer Spinat

1 EL

Olivenöl

1 TL

Salz

1 mittlere Zwiebel, fein gewürfelt 1 kleiner Bund Petersilie

ZUM SERVIEREN

1 großes Ei + 1 Ei (aufgeschlagen) zum Einpinseln

800-1000 ml Hühnerbrühe

2 EL

Paniermehl

Petersilie zum Garnieren

¼ TL

gemahlene Muskatnuss

Salz und Pfeffer nach Bedarf 1 EL 86

Olivenöl


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Zubereitung 1.

Für den Teig Mehl und Salz auf einer Arbeitsplatte anhäufen. Eine Kuhle in der Mitte formen und die Eier und das Olivenöl hineingeben.

2.

Mithilfe einer Gabel die Eier in der Mitte verrühren und hierbei immer wieder von außen etwas Mehl mit der Gabel zu den Eiern dazuschubsen, sodass sich langsam ein Teig bildet.

3.

4.

5.

Sobald ein grober Teig entstanden ist, mit den Händen weiterkneten bis der Teig glatt ist und dann zu einer Kugel formen. Die Teigkugel gut in Frischhaltefolie einwickeln und für eine halbe Stunde in den Kühlschrank geben. Den Spinat für 3 Minuten in kochendes Wasser geben, dann gut abschütten und zum Abkühlen auf die Seite stellen.

6.

Die Zwiebel im Olivenöl bei niedriger Hitze dünsten (dies dauert einige Minuten). Wenn die Zwiebeln durchsichtig gedünstet sind, das Rindfleisch dazugeben und gut mischen.

7.

Anbraten, bis das Fleisch durchgebraten, aber nicht zu stark gebräunt, ist.

8.

Die Pfanne dann von der Hitze nehmen und das Fleisch in eine große Schüssel geben.

9.

Den Spinat mit einem Großteil der Petersilie (etwas zum Garnieren aufheben) hacken und zum Fleisch geben.

1 0 . Semmelbrösel / Paniermehl und Ei dazugeben und alles gut vermischen.

1 1 . Muskatnuss, Salz und Pfeffer dazugeben.

1 2 . Den Nudelteig aus dem Kühlschrank nehmen und in 4 Stücke teilen.

1 3 . Einen

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großen Topf Wasser


zum Kochen bringen, damit er bei Bedarf bereit ist.

nach unten streichen, sodass die oberen und unteren Ränder zusammenkleben und der Teig sich ohne Luftblasen über die Füllung legt.

1 4 . Auf

einer bemehlten Oberfläche den Teig so dünn wie möglich ausrollen (ca. 1 mm). Alternativ kann man eine Pasta-Maschine verwenden.

1 9 . Mit

einer Gabel den Rand festdrücken.

1 5 . Aus dem Teig 13cm x 8 cm 2 0 . Die

gefüllten Maultaschen vorsichtig in das kochende Wasser geben – je nach Topfgröße können mehrere gleichzeitig gekocht werden. Achtung, dass die einzelnen Taschen nicht aneinander kleben.

große Stücke ausschneiden. Die Teigmenge sollte insgesamt 16 Rechtecke ergeben.

1 6 . Einen gehäuften Esslöffel der Fleischmischung in die Mitte eines Teigstücks geben.

1 7 . Den

Rand mit dem aufgeschlagenen Ei einpinseln.

1 8 . Ein zweites Teigstück oben-

2 1 . Kochzeit: ca. 10 Minuten. 2 2 . In der heißen Hühnerbrühe

auf legen und von der Füllung in der Mitte aus vorsichtig

mit Petersilie garniert servieren.

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Tei g mit Rhabarber Tasche n FÜR

4 Personen

ARBEITSZEIT

BACKZEIT

1,5 Stunden

20 Minuten

Z U T AT E N FÜR DIE FÜLLUNG

FÜR DEN TEIG

250g Rhabarber, in 5cm große Stücke geschnitten

140g

1 Stück Ingwer (ca. 3cm), gerieben

1EL

Zucker

3-4 EL

eiskaltes Wasser

1 Prise

Salz

1 Ei,

aufgeschlagen

80g

Zucker

Mehl

100g kalte Butter, gewürfelt

Ungefähr 2 EL Demerara / Vollrohrzucker 92


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1. 2.

3.

4.

5.

6. 7.

Zubereitung

Für den Teig Mehl, Zucker und Salz in einer großen Schüssel mischen.

Die gewürfelte Butter zum Mehl geben und mit einem Messer die Butterstücke im Mehl hacken, bis ein grober Teig entsteht. Einen Löffel Wasser hinzugeben, mit dem Messer rühren bis das Wasser eingearbeitet ist. Wiederholen, bis ein Teig entsteht. Den Teig mit den Händen zu einem Ball formen und in Frischhaltefolie gewickelt für eine Stunde in den Kühlschrank geben. Ofen auf 200°C vorheizen. Rhabarber in 5cm-Stücke schneiden und auf ein Backblech geben. Geriebenen Ingwer und Zucker mit dem Rhabarber auf dem Blech vermischen. Das Blech mit Alufolie bedecken und für 15 Minuten backen.

8.

Die Folie abnehmen und für weitere 15 Minuten backen.

9.

Rhabarber aus dem Ofen nehmen und komplett abkühlen lassen.

1 0 . Den

Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf einer bemehlten Fläche ca. 2mm dick ausrollen.

1 1 . 8 Kreise mit 12cm Durchmesser ausstechen. 4 der Kreise auf ein Backblech legen.

1 2 . Jeweils ¼ der Rhabarber-Mi-

schung auf einen Kreis geben. Die Ränder mit dem Ei einpinseln.

1 3 . Jeweils den zweiten Kreis auf die Füllung legen und andrücken. Die Ränder entweder mit den Fingern oder mit einer Gabel andrücken.

1 4 . Die Taschen mit Ei einpinseln und etwas Zucker drüberstreuen.

1 5 . Für ca. 20 Minuten, oder bis goldbraun, backen.

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U M G E H E N S P R I C H W Ö R T E R N M I T H E U T E W I R W I E

kleider machen sprache?

J O GGIN GH O SE N UN D SO

Text: Elisabeth Stursberg An den Federn erkennen wir den Vogel. Und was sagt uns die Sprache? Ohne Metaphern könnten wir überhaupt nicht sprachlich kommunizieren. Und auch Sprichwörter und Redewendungen sind eigentlich nicht wegzudenken. Warum sie dennoch manchmal unterschätzt werden, und das völlig zu Unrecht, erklärt Elisabeth Stursberg in dieser Kolumne. Warum haftet Sprichwörtern oft etwas Antiquiertes an? Diesem Thema widmeten wir uns schon in der letzten Ausgabe. Heute geht es um die Gegenwart. Interessant ist doch die Frage: Wie entstehen neue Sprichwörter? Und welche Sätze aus unserer heutigen Sprache werden später wohl einmal sprichwörtlich sein? Viel Potential haben prägnante Zitate, zum Beispiel vom unvergessenen KARL LAGERFELD , der meint: »Jogginghosen sind ein Zeichen der Niederlage. Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.« In Zeiten von Athleisure und #healthgoals ist es unwahrscheinlich, dass Lagerfeld damit Jogginghosen pauschal verdammt. 96


Vielmehr spielt er wohl auf einen besonderen soziologischen Kontext an. Vor allem auf den speziellen Anspruch eines Menschen an sich selbst, den sich Lagerfeld wünscht. Er mag sich in der Kleiderwahl zeigen, aber auch weit über sie hinausreichen. In diesem Sinne ist die Jogginghose nicht nur als Sportbekleidung zu sehen, sondern als Lebenseinstellung. Und genau damit hat der Ausspruch von Karl Lagerfeld den ersten Schritt in Richtung Sprichwort getan. Denn wie wir bei GEORG BÜCHMANN nachlesen können (»Geflügelte Worte – der Citatenschatz des deutschen Volkes«), nimmt der kreative Charakter einer Redewendung zu, »je mehr sich ihr Sinn von der Bedeutung der Einzelwörter entfernt.« BÜCHMANN (1822 bis 1884) wurde dank seiner Arbeit zu geflügelten Worten übrigens selbst sprichwörtlich – eine rare Art von Berufsrisiko. Auch Lagerfelds Ausspruch bewegt sich bis jetzt noch mehr im Bereich des geflügelten Wortes, das sich von einem Sprichwort in einigen Aspekten unterscheidet. Dazu kommen wir in der nächsten Ausgabe.

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Unsere Sprache ist in ständigem Wandel, wie wir wissen. Nur, in welchem Umfang betrifft das auch die traditionsorientierte Spezies der Sprichwörter? Ein Erneuerungswille ist da, das beweist das Internet: Schon 2016 fragte Deutschlandfunk Nova seine Hörer, welche Sprichwörter »MAL EIN UPDATE« brauchen. Im Mai 2018 gab es auf Twitter eine Art Wettbewerb für die besten Neuschöpfungen. Das Nachlesen lohnt sich . Auch die MEMES-SZENE blüht, eine weitere vielversprechende Quelle zukünftiger Sprichwörter. Meme von »mimeme, griechisch für »etwas nachahmen«, sind humorige Inhalte, in Aussprüchen, Ideen oder Verhaltensweisen, die sich von Mensch zu Mensch verbreiten – z.B. über Bilder Hyperlinks oder Videos. Hinzu kommt ein neues Bewusstsein für Genderfragen und politische Korrektheit. Auch Sprich-

wörter werden kritisch unter die Lupe genommen. Ironischerweise sind sie es, die uns besonders anschaulich vorführen, wie überholt die Gesellschaftsordnung ist, in der sie entstanden sind. »JEMAND HAT DIE HOSEN AN«, hat also das Sagen, trifft die Entscheidungen – ist ein gutes Beispiel dafür. Die Hose, einst das männliche Kleidungsstück, gehört schon lange ganz selbstverständlich zur weiblichen Garderobe. Wir verwenden die Redewendung auch gerade in Bezug auf Frauen. Übrigens wuchsen Hosen ab dem 13./14. Jahrhundert aus zwei Teilen zusammen: der obere war die »BRUOCH« oder »BRUCH«, eine frühe, robuste Variante der Boxershorts. »IN DIE BRÜCHE GEHEN« hat deshalb vermutlich trotzdem nicht die gleiche Herkunft wie das Hosen-Pendant. Der untere Teil bestand aus langen Strümpfen, den »HOSAS«.

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Blaustrumpfgesellschaft Apropos Strümpfe: Eines Abends, MITTE DES 18. JAHRHUNDERTS, erschien ein Gast in Lady Elizabeth Robinson Montagus »LONDONER SALON« in blauen Strümpfen. Die Anwesenden waren verwundert über diesen Traditionsbruch, denn üblich waren schwarze Seidenstrümpfe . Außenstehende nutzten diese Gelegenheit gleich, um der ganzen Frauen-Szene einen griffigen Namen zu verpassen: BLAUSTRUMPFGESELLSCHAFT. Schnell

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»Zu große Schritte zerreißen die Hose.« zum Sprichwort geworden, waren damit vor allem Frauen gemeint, die sich intellektuell betätigten und eine emanzipatorische Haltung vertraten, allerdings ohne organisiert zu sein wie ihre radikaleren Nachfolgerinnen, die Suffragetten. Wir könnten auch sagen, jener Gast damals hätte sich »ANGEHOST«, angezogen mit einer Doppeldeutigkeit von »UNGEWÖHNLICH«, »UNERWARTET«. In diesem Sinne also ein durchaus üblicher Vorgang in der Modewelt. »Der Mode entkommt man nicht. Denn auch

wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode«, noch so ein Lagerfeld-Klassiker. Diesen Prozess haben zum Beispiel die Hochwasserhosen durchgemacht. Halten wir fest: Unser heutiger Umgang mit Sprichwörtern lässt sich am besten mit kreativ und spielerisch beschreiben. Ein russisches Sprichwort mahnt: »Zu große Schritte zerreißen die Hose.« Im Sinne Büchmanns sollten wir also nicht zu ungeduldig sein: Es ist nicht zu erwarten, dass etwas über Nacht zum Sprichwort wird.

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Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode. - KARL LAGERFELD

An dieser Stelle schreibt Elisabeth Stursberg über Mode in Sprichwörtern und Redewendungen und deren Vorzüge.

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G - S T R I N G Z U M B E I N K L E I D V O M

Die Unterhose

GE SCH ICH T E

Text: L E A B E C K E R

Die Geschichte der Unterwäsche – besonders die der Unterhose – ist eng mit den gesellschaftlichen Normen und Regeln und dem Diktat der Mode verknüpft. Wie und warum mit einer langen Unterhose alles begann und mit einem G-String endete? Wir analysieren Vergangenheit und Gegenwart.

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Ein Blick in die Wäschekommode zeigt sowohl schwarze Spitzen-BHs, als auch bunte Sport-Bras und alltagstaugliche Wäsche aus Baumwolle. Die Vielfalt an Farben, Formen und Materialien ist enorm. Gut so, denn so kann jeder nach Lust und Laune das passende Dessous wählen und anziehen. Schaut man noch genauer hin, so finden sich bei den Unterteilen mindestens genauso viele verschiedene Schnitte wie bei den BHs. Vom ultra-knappen G-String über Pants bis zum Miederhöschen bleiben keine Wäschewünsche offen. Doch das war nicht immer so...

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Die erste Unterhose: Lang und weit

Unten ohne Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts trugen Frauen keine Unterhosen. Erst ab 1805 gab es »Beinkleider« aus Leinen oder Baumwolle für Damen. Sie reichten bis unters Knie oder gar bis zu den Knöcheln und waren weit geschnitten. Im Schritt waren die Hosen offen. Das hatte praktische Gründe für den Toilettengang, der damals meist draußen in der Kälte verrichtet worden ist – da sollte es möglichst schnell gehen und praktisch sein.

Um 1840 wurde die Unterhose salonfähig und bei den oberen Schichten der weiblichen Gesellschaft Symbol für Reichtum, Stil und Etikette. Während die Frauen vom Land noch »unten ohne« auf dem Feld arbeiteten, flanierten die feineren Kreise in ihren Pluderhosen durch die Parkanlagen. Fast 40 Jahre später kam die Unterrockhose oder Hemdhose in Mode. Die Einteiler waren allerdings wenig praktisch. Es dauert noch 30 Jahre bis der Schlüpfer, wie wir ihn heute kennen, erfunden wurde. 1914 war es soweit. Erleichterung und Freude über diese Erfindung waren bei den Frauen groß. Natürlich hielten die älteren Generationen den Schlüpfer erst mal für frivol – entdeckten aber nach und nach seine Bequemlichkeit.

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Vom Alltäglichen zum ausgefallenen Chic ab 1900 In den zwanziger und dreißiger Jahren war die Mode von der Kunstepoche Art Deco inspiriert. Die Wäsche wurde farbenfroh, elegant und schick. Sie war nicht mehr nur reiner Bedarfsartikel für den Alltag, sondern wurde zum detailverliebten Textil mit Verführ-Funktion. Verspielte Culottes

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aus Seide kombinierte die modebewusste Frau zum weichfließenden Hemdchen mit Spitzenbesatz. Hosen, geschnitten wie kleine wippende Röckchen, waren der Trend. Vorbild dafür waren die damals als exotisch geltenden Bühnenoutfits der Tänzerin Josephine Baker. Kleine Randnotiz: Der Look von »The Great Gatsby« und den »Roaring Twenties« ist bis heute eine der größten Inspirationsquellen für Dessousdesigner.


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Nach dem Krieg ist vor dem Krieg? Während des 2. Weltkriegs lag der Fokus der Frauen weniger auf ihrem Aussehen und der Unterwäsche. Das änderte sich allerdings schlagartig in der Nachkriegszeit. Die Stimmung des Neuanfangs lag in der Luft und wehte von Paris bis nach Deutsch108


WAS SIe mit sich brachte? land. Was sie mit sich brachte? Miederhosen, Korsagen, Eistüten-BHs. Nach den Jahren der Angst und Entbehrung sollte die Wäsche Frauen wieder weiblich aussehen lassen. Das gelang mit Eistüten-BHs, die die Brust anhoben und spitz formten. Die taillenhohe Miederhose mit angeschnittenem Bein formte den Bauch flacher und die dazugehörigen Strumpfhalter sorgten für den richtigen Sitz der halterlosen Strümpfe. Mit nacktem Bein ging in den fünfziger Jahren keine Frau, die etwas auf sich hielt, aus dem Haus. Dass Korsage und Miederhose nicht besonders bequem waren, störte die Damen wenig. Erst die Verwendung von elastischen Fasern wie Lycra und Nylon brachte ein angenehmes Tragegefühl und die Unterwäsche wurde angenehmer zu tragen. 109


Die Frau befreit sich

In den Sixties sollte sich die Wäschemode komplett verändern. Grund dafür war die Revolution der Frau, die sich ihrer Rolle als Hausmütterchen und Vorzeige-Ehefrau befreite. Sie entsorgte nicht nur die Schürze, sondern auch gleich die Miederhose. Statt adretter Midiröcke waren nun Miniröcke angesagt. Der Eistüten-BH wurde gegen ungefütterte Modelle aus Baumwolle eingetauscht.

Erlaubt ist, was gefällt

Seit den achtziger Jahren kommt die Unterhose mit immer weniger Stoff aus. Die Modelle werden immer knapper und können dank neuer Techniken saumlos ver-

Zur Hippiezeit war die Wäsche kein großes Thema: Die progressive Frau ging »oben ohne« und verbrannte ihren BH als Zeichen von Emanzipation und sexueller Freiheit. In den Achtzigern zog sich die Powerfrau wieder an. Es wurde sportlich, denn der Aerobic-Trend mit Vorturnerin Jane Fonda eroberte die Fernsehbildschirme in unseren Wohnzimmern. Die Leggings aus Kunstfaser ersetzte zwar nicht die Unterhose, wurde aber das Modesymbol einer ganzen Dekade.

arbeitet werden. Aktuell ist ein Trend zu einem hohen Beinausschnitt klar zu sehen, der sich an den Stil der Achtziger anlehnt. Da sich darin aber nicht alle wohlfühlen, setzen die Dessousdesigner heutzutage auf ein breites Angebot an Schnittformen: Hotpants, Boxershorts, French Knickers, Brazilian Pants und diverse Arten von Tangas sind bei fast allen Labels zu finden.

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Welche Hose für welchen Po? Gut so, denn nicht jede Hosenform schmeichelt jeder Po-Form. Wer Wert auf einen stilecht verpackten Allerwertesten legt, sollte Folgendes wissen. Eine Person mit V-förmiger Figur (breite Schultern und schmale Hüfte) hat oftmals auch einen Po in V-Form. Er ist oben breiter als unten. Dieser Form stehen Pantys wie Hipster, Jazzpants oder Miederhöschen im Stile der Fifties gut. Ist der Po eher flach, liegen die Linien zwischen Hüftknochen und dem Ansatz der Oberschenkel auf einer Höhe – ohne eine ausladende Rundung. Knappe Tanga-Schnitte, aber auch Pantys und Hipster machen aus weniger optisch ein bisschen mehr. Wenn die Hüften breit sind, der Po schmaler, aber das untere

Drittel wieder üppiger geformt ist, so sieht der Po aus wie ein umgedrehtes Herz. Was diesem steht? Taillenslips, Jazzpants und hübsche Bodys. Bei einem Birnen-Po machen String, Boxerstring, French Knicker, Shorty und Hosen mit hohem Beinausschnitt die Rückseite zum Hingucker. Sieht der Po aus wie ein Apfel, sind Strings genauso vorteilhaft wie Pants. Ganz unabhängig von der Form Eures Pos ist die Freude über die neuen Dessoustrends, die jeder unabhängig von Konfektionsgröße und Figur mitmachen kann. Bei den Hosen sehen wir aktuell sportive Modelle mit breiten Elastikbändern und Logoprints. Verspielter sind Modelle, die sowohl an der Vorder- beziehungsweise Rückseite schicke Verzierungen haben. Rüschenkanten, kleine Schleifchen, Cut-outs oder Mini-Schmuckanhänger über dem Po machen die Höschen zu etwas Besonderem. Davon haben die Ladies vor 1900 nicht mal zu träumen gewagt...

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p u t r sta t h g i spotl

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p u t r a st t h g i l t o sp

FUCKUP NIGHT BERLIN

BRANCHE

FUCKUPS.DE

EVENT & BERATUNG HAUPTSITZ BERLIN GRÜNDER P R O F. R A L F K E M M E R PAT R I C K W A G N E R FUCKUP NIGHT BERLIN FUCKUP NIGHTS BERLIN

STELLE EUCH KURZ VOR. WER SEID IHR UND WAS MACHT IHR?

Ralf und ich veranstalten seit 5 Jahren im 2 Monatsrythmus die Fuckup Night Berlin und beraten Unternehmen im Rahmen von Führungskräftenschulungen bei der Implementierung von Fehlerkultur. WAS IST EINE »FUCKUP NI G H T«?

Die FuN (kurz für Fuckup Night) ist eine öffentliche Veranstaltung (200-400 Zuhörer &

Besucher), bei der Unternehmer*innen über ihre wirtschaftlichen Pleiten und deren Folgen sprechen. Die Veranstaltung findet immer an anderen Orten statt, bei Firmen, Coworkingspaces bis hin zu einer katholischen Kirche. Wir versuchen immer eine enge inhaltliche Zusammenarbeit mit unseren Gastgeber*innen zu erarbeiten. WOHER STAMMT DA S FORM AT »F U C K U P NI G H T«? U ND SEIT WANN GIBT ES DIESES SCHON IN DEUTSCHLAND?

Das Format wurde ursprünglich in Mexiko City gegründet 2014. In 2015 schwappte die Welle nach Europa und Deutschland.

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p u t r sta t h g i l spot

WIE BIST DU DAZU GEKOMMEN, DIE »FUCKUP NI G H T« IN DEU T S C HL A ND EINZUFÜHREN?

Ich war als Sprecher bei der zweiten Fuckup Night überhaupt in Düsseldorf geladen. Spiegelonline hat meine Rede in einem Artikel verwurstet, so war es folgerichtig mit Freunden die Fuckup Night in Berlin zu veranstalten.

ÜBER WELCHE »FUCKUPS« WIRD GESPROCHEN? UND WER DARF SICH BEI DIR/ EUCH MIT EINEM PERSÖNLICHEM »FUCKUP« MELDEN?

Grundsätzlich jede(r) Unternehmer(in) oder Angestellte, die mit einer Firma oder einem Projekt gescheitert ist und darüber sprechen will. Dabei geht es weniger um die Fallhöhe, als um die Reflektion des Scheiterns. W EM FÄ LLT E S LEICHTER »FUCKUPS« ZUZUGEBEN FRAUEN ODER MÄNNERN?

WAS IST DAS ZIEL DIESER V ER A N S TA LT UNG SREIHE?

Es war von Beginn an unser Ziel, das tabuisierte Thema »Scheitern« in der Gesellschaft salonfähig zu machen und neu aufzuladen. Anfangs wurde das Thema eher belächelt im Sinne von »jetzt heroisieren die Künstler aus dem Prenzlauerberg auch noch ihre Pleiten«. Doch dann wendete sich das Blatt. Spätestens, als wir Wirtschaftsaufmacher bei »Der Zeit« wurden und darüber gesprochen wurde das die typisch deutsche Eigenschaft, Fehler nicht zugeben zu können, sowohl die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hemmt, Innovation verhindert, als auch die einzelnen Gescheiterten über die gesellschaftliche Stigmatisierung aus produktiven Prozessen verbannt.

Wir können da nur wenige Unterschiede feststellen und inzwischen auf einen Frauenanteil von ca. 40% verweisen. Großartig ist aber auch, dass unser Publikum zu 60% weiblich ist und sich auch sehr rege an den Diskussionen beteiligt. Nach 5 Jahren können wir auf jeden Fall festhalten, dass die Empathiefähigkeit und das Reflexionsniveau, die Grundvorraussetzungen für eine neue Fehlerkultur sind, weibliche Stärken sind. WA S HAT DIE ARBEIT MIT GESCHEITERTEN PROJEKTEN MIT EUCH GEMACHT?

Ich denke, es hat unser Leben als solches verändert. Wir verzeihen uns selbst mehr. Wir führen durch unsere Rolle als Veranstalter der Fu-

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ckup Night andere, oft spannender Gespräche mit Fremden, da viele sich den Quatsch bei uns sparen mit »Mein Haus, Meine Frau/Mann, Mein Auto«. Stattdessen wird von vornherein darüber geredet, was die Menschen wirklich umtreibt. Innerhalb unserer Firma fällt es uns übrigens immer noch sehr schwer über unsere Fehler zu sprechen. 20 Jahre falsches Schul- und Bildungssystem, sowie 20 Jahre Berufsleben hinterlassen tiefe Spuren in uns. Aber wir zwingen uns immer wieder.

WAS IST SCHEITERN FÜR DICH?

Diese Frage lässt sich nicht einfach und kurz beantworten. Für mich persönlich besteht das größte Scheitern darin, aus Angst vor Misserfolg/ negativen Reaktionen, bestimmte Ziele oder Ideen erst gar nicht anzugehen. Mit einer Idee zu scheitern, für die man alles getan hat und für die man gebrannt hat, nehme ich als reinen Prozess war, aus dem wir lernen.

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p u t r a st t h g i l spot

ER Z Ä HLT EINER »F RY«, DIE SONDERS

UNS VON UCKUP STOEUCH BEIN SP IR IE R T.

Bei über 120 Fuckup Stories unterschiedlichstem Facon, fällt es uns immer schwer, die inspirierenste Geschichte herauszustellen. Einen interessanten Fehler machte ein 23 Jähriger-Startupper, der 1,6 Mio € für eine App sammelte und dann total paranoid wurde und mit niemandem über diese App sprechen wollte (nicht einmal mit seiner Freundin), alles bei sich behielt, weil er Angst hatte jemand könne ihm die Idee klauen. Dadurch wurde er so langsam, dass eine andere Firma seine Idee entwickelte und an den Markt brachte. Die Geschichte war sehr absurd und man hatte das Gefühl, dass dieser energetische Jungunternehmer etwas verrückt sei. Abschließend verkündete er, dass er bald (das war 2016) das Bankensystem angreifen würde und hatte alle Lacher auf seiner Seite. Kurz darauf gründete er die Online

Bank »Penta«, die inzwischen mit N26 die erfolgreichste »neue« Bank in Deutschland ist. IN EUROPA IST DER ANTEIL AN STARTUPS UM EINIGES NIEDRIGER ALS IN NORDAMERIKA. WORAN KÖNNTE DAS DEINER/EURER MEINUNG NACH LIEGEN?

Das hat natürlich erst einmal mit der Gründermentalität zu tun. Aber natürlich auch mit einer Systematik. Das deutsche Insolvenzrecht (aus dem 19. Jh.), das Bildungssystem, die Schufa, Banken und Dienstleister. Überall treffen wir ausschließlich auf Blockaden. Wir

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hatten Sprecher*innen, die mit einer Firma in jungen Jahren Pleite gegangen sind, inzwischen Geschäftsführer bei einem Daxunternehmen sind und immer noch keinen privaten Handyvertrag oder keine Kreditkarte bekommen. Das ist doch absurd. IN WELCHEN DEUTSCHEN STÄDTEN WERDEN REGELMÄSSIG »FUCKUP NIGHTS« ORGANISIERT?

Berlin, Düsseldorf, München, Frankfurt, Mannheim, Leipzig, Ruhr, Köln.

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Wie die Frau zur Hose kam

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Dass Frauen Hosen tragen, erscheint für uns heute selbstverständlich. Allerdings ist das weibliche »Hosenrecht« sehr jung. So galten beispielsweise in internationalen Luxushotels noch in den 1970er Jahren Hosenverbote für Frauen. Auch das Nobelkaufhaus Harrods in London durften hosentragende Kundinnen bis 1970 nicht betreten. Die Geschichte der Frauenhose ist daher auch eine Geschichte der Emanzipation. Unser kleiner Überblick zeigt euch, wie die Hose tatsächlich in einem jahrhundertelangen Kampf zur Frau kam. Text: BARBARA EICHHAMMER

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»I make fashion women can live in, breathe in, feel comfortable in and look younger in.«

- COCO CHANEL

Pionierin der Frauenhose

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Hosen = Männersache? Bereits frühchristliche Reitvölker kannten hosenähnliche Kleidung. Aber erst im Mittelalter gehörte die Hose zur ritterlichen Kriegstracht. Seit dem 14. Jahrhundert war sie in den USA und Europa als Bekleidung ausschließlich dem Mann vorbehalten. Für Frauen im Westen waren Hosen also jahrhundertelang tabu; teils war dies sogar gesetzlich festgehal-

ten. Die Hose wurde allmählich zum ideologischen Zeichen für Stärke, Kampfeskraft und Männlichkeit in einer patriarchalen Gesellschaft. Tatsächlich galt die Vorstellung, dass Frauen Stoff zwischen den Beinen tragen bis ins 20. Jahrhundert als skandalös. Trotz dieses patriarchalen »HOSENBANNS« gab es über die Jahrhunderte hinweg jedoch

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immer wieder kühne Frauen, die sich in Hosen in der Öffentlichkeit zeigten. Sei es, um Sport zu machen, zu reisen oder bewusst gegen Geschlechterkonventionen zu rebellieren. Wie etwa die Sansculottinnen, die während der Französischen Revolution 1789 zu ihren Pantalons griffen. Paris erließ daraufhin ein Gesetz, das Frauenhosen nur dann erlaub-

te, wenn es die städtischen Behörden persönlich genehmigten. Schriftstellerin GEORGE SAND verstieß im 19. Jahrhundert gerne dagegen. Ein Kuriosum: dieses Gesetz wurde übrigens erst 2013 aus der französischen Verfassung gestrichen.

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Amelia Bloomer Wie sehr die Frauenhosenbewegung an die feministische Emanzipationsbewegung geknüpft war, zeigt sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Ruf nach Hosen für Frauen wurde zu der Zeit immer lauter. Für Aufsehen sorgte in diesem Zuge die US-amerikanische Frauenrechtlerin Amelia Bloomer. Als Herausgeberin der Frauenzeitschrift »THE LILY« machte sie sich für Reformkleidung stark. 1851 entwarf sie eine knöchellange Hose für Frauen, die Bloomers genannt wurden. In der breiten Allgemeinheit kam die Hose aber nur zögerlich an. Im Nordosten der USA trugen manche Damen der Gesellschaft die Bloomers zwar zu offiziellen Anlässen, in Europa aber trauten sich kaum Frauen, im »BLOOMER KOSTÜM« auszugehen. Denn für lange Zeit galten die weiten Frauenhosen als zu radikal.

Paul Poiret

Erst in den 1910er Jahren gab es einen neuen Vorstoß im Kampf um die Hose. Inspiriert vom damaligen Trend des Orientalismus entwarf der Pariser Designer PAUL POIRET ein bodenlanges Hosenrock-Kostüm. Es endete in einer Art Pluderhose, die über den Knöcheln zusammengehalten wurde. Gegen diese Haremshosen machte sich in der Gesellschaft jedoch großer Widerstand breit. Als Poiret 1911 mit Models in seinem Hosenrock ein öffentliches Pferderennen besuchte, musste er die Mannequins gar mit einem Stock gegen die entrüstete Menge verteidigen. Der Grund: Frau-

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en in Hosen kannte man fast nur aus pornographischen Bildern. Die Darstellung von Schritt und Beinen galt als anrĂźchig. So kam es in Berlin gar zu Verkehrsstaus, wenn eine Dame im Hosenkleid auftauchte. 133


Der erste Weltkrieg Was dem Hosenbann erstmals in der breiten Masse ein Ende bereitete, war der ERSTE WELTKRIEG. Viele Frauen mussten plötzlich wichtige Erwerbsarbeiten übernehmen. Dafür wurden sie mit Arbeitskleidung ausgestattet, die zuvor den arbeitenden Männern gehört hatte. So trugen Fabrikarbeiterinnen Overalls. Frauen im öffentlichen Dienst bekamen im Winter eine Uniform mit langer Hose. Hilfsbeamtinnen erhielten Hose, Gamaschen und Mütze. Dass Frauen plötzlich männliche Kleidung trugen, wurde jedoch nicht als Grenzüberschreitung von Geschlechterrollen angesehen. Frauenhosen stufte die Kriegsgesellschaft eher als zweckdienliches, aber gleichzeitig als vorübergehendes Phänomen ein. Und tatsächlich: Sobald der Krieg vorbei war, kehrte die patriarchale Modetrennung im Alltag wieder ein. 134


»Mode ist vergänglich. Stil niemals« - COCO CHANEL

Pionierin der Frauenhose

Coco Chanel:

Die Pionierin

Als Pionierin der Frauenhose zeigte sich nach dem ersten Weltkrieg die französische Modedesignerin COCO CHANEL. In den 1920er Jahren entwarf sie eine Hose für sich selbst, um während ihres Venedig Urlaubs besser in die schaukelnden Gondeln steigen zu können. Der Vorläufer ihrer bis heute legendären Segelhose war geboren. Zu ihrem endgültigen Durchbruch verhalf Chanel der Frauenhose, als sie die sogenannten YACHTING PANTS kreierte. Weit geschnittene Hosen für alle Freizeitaktivitäten, die gleichzeitig eine gewisse Eleganz ausstrahlten. Die Inspiration dazu kam ihr während eines Strandurlaubs an der französischen Küste. Vorbild war die Herrenmode: Sie entlehnte die geraden, weiten Schnitte der Matrosenhosen und führte für Frauen Accessoires wie Krawatten ein. Zu135


nächst schneiderte sie die Hosen für Strandurlauberinnen, später für alle Frauen. COCO CHANEL schaffte damit, was vielen Designer*innen nicht gelungen war: die breite Masse der Frauen von der patriarchalen Kleiderordnung zu befreien. Dem Korsett sagte sie ebenso den Kampf an wie Volants, Spitzen oder Rüschen. Sie wagte sich als erste Designerin überhaupt an Baumwolljersey, einen Stoff, der zuvor nur für männliche Unterwäsche verwendet wurde. Das weiche elastische Material eignete sich ideal für ihre bequemen, fließenden Schnitte und war nach dem ersten Weltkrieg günstig erhältlich. Coco Chanel revolutionierte nicht nur die Modebranche, sondern brach auch mit den vorherrschenden Geschlechterkonventionen. Emanzipation durch Mode war das Motto. Mit ihrem schwarzen, kurzen Bubikopf, der Zigarettenspitze und ihren Jersey Hosen machte sie den androgynen Garçonne Stil in Paris zum Modetrend der Goldenen Zwanziger. Der Begriff GARÇON-

NE (französisch für »KNABENHAFTE FRAU«) geht dabei auf den 1922 erschienenen Roman La Garçonne von VICTOR MARGUERITTE zurück. Das Buch löste einen regelrechten Skandal aus, da die Protagonistin in Männerkleidung auftrat, Karriere machte und ein selbstbestimmtes Liebesleben wählte. Den Trend zum androgynen Look brachte MARLENE DIETRICH 1930 nach Hollywood. Im Film Marokko trug sie eine gerade geschnittene Hose mit weitem Bein, die fortan nach ihr MARLENE HOSE benannt wurde.

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Yves Saint Laurent: Le Smoking

Bis Frauenhosen endgültig gesellschaftlich akzeptiert wurden, mussten jedoch noch einige Jahrzehnte vergehen. Modegeschichte schrieb dabei YVES SAINT LAURENT mit seinem »LE SMOKING«. 1966 brachte der Modedesigner erstmals einen Hosenanzug für Frauen im Stil eines Männersmokings heraus. Catherine Deneuve war 1967 seine erste Kundin. Berühmte Schauspielerinnen und Starlets der Zeit wie Liza Minelli, Lauren Bacall und Bianca Jagger folgten. Letztere wählte sogar ein weißes Modell des Hosenanzugs zu ihrer Hochzeit mit Rockstar

Mick Jagger. Le Smoking revolutionierte außerdem die moderne Arbeitskleidung: Yves Saint Laurents Kreation leistete bürotauglichen Hosenanzügen für Frauen weltweit Vorschub. Die Fashion Fotografie spiegelte den weitreichenden Einfluss dieses Hosenanzugs auf das Frauenbild wider. HELMUT NEWTON setzte den Smoking für Damen für die französische Vogue in cleanen Schwarz-Weiß-Bildern in Szene - mit androgynen Models und streng nach hinten gekämmten Haaren.

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»Du kannst das schickste Persönchen der Welt sein in nur einem T-shirt und einer Jeans, es liegt ganz bei dir.« - KARL LAGERFELD

Karl Lagerfeld In den Achtziger Jahren machte KARL LAGERFELD die Frauenhose zum neuen It Piece. Er verhalf dem leicht angestaubten Pariser Modehaus Chanel zu neuem Glanz, indem er die großen Chanel Klassiker gleich einem postmo-

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dernen Pastiche neu interpretierte und chic-sexy für die Gegenwart umsetzte. 1984 entwarf er mit seiner ersten Prêt-à-Porter-Kollektion die allererste Chanel Jeans. Das klassische Chanel Kostüm modernisierte er als Motorradkluft für Frauen inklusive Helm. CHANEL war damit eines der ersten Haute Couture Häuser weltweit, die bewusst Streetwear Elemente in die High Fashion integrierten. Und auch jungen Frauen einen modernen, unkonventionellen Hosen Look gaben, der dem Zeitgeist und der Gleichstellung der Geschlechter entsprach. Seine Musen wie Claudia Schiffer, Kate Moss oder später Kristen Stewart kleidete Lagerfeld fortan in maskulin-sexy Outfits, die einen zeitgemäßen Gender Mix populär machten. So erscheint Kate Moss 1997 im freizügigen braunen Tweed Hosenanzug super sexy und lässig auf dem Laufsteg; eine gewagte Neuinterpretation

des klassischen Chanel Tweed Kostüms. Ein Befreiungsschlag für die weibliche Kleiderordnung. Dabei bringt Lagerfeld den legendären Garçonne Look in die Populärkultur des 21. Jahrhunderts. Bei einem Shooting für die deutsche Vogue fotografierte er 2010 Schauspielerin Diane Kruger unter dem Titel »DANDY DIANE« ganz androgyn mit Glencheck Anzug, Hut, Krawatte und Männerhemd. Selbst die Freizeithose machte er High Fashion tauglich: 2014 präsentierte Lagerfeld mit Cara Delevingne auf dem Catwalk die erste Chanel Jogginghose. Der Spur der Frauenhose nachzugehen zeigt auf, wie im jeweiligen Zeitalter Geschlechterrollen definiert und gelebt wurden. Mode ist eine kulturelle Praxis, die die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht nur widerspiegelt, sondern ihrerseits erst hervorbringt und verfestigen kann.

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Text: MIC HAEL NEUBAUER

H O S E N ? T R Ä G T W E R

Hosenrollen

DIE H O SE

ho S WER IST EINE FRAU, WER IST EIN MANN? Wurde diese Frage früher mit einem vorsichtigen Blick in den jeweiligen Schoß beantwortet, keimten nach den 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Zweifel auf, ob damit alles gesagt sei. Forscher im anglo-amerikanischen Raum führten den Begriff »GENDER« für die Beschreibung des gefühlten gesellschaftlichen Geschlechts, also der sozialen Dimension des Geschlechts, ein.

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E N R oL LEN

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DER BEGRIFF »GENDER-IDENTITÄT« WURDE DAFÜR GEPRÄGT, DASS PERSONEN, DIE SICH BIOLOGISCH EINDEUTIG ALS WEIBLICH ODER MÄNNLICH ZUORDNEN LASSEN, DIESE ZUORDNUNG NICHT SO EMPFINDEN.

Das subjektiv empfundene soziale Geschlecht weicht von der Bestimmung durch die Geschlechtskörper ab. Gender-Studies umfassen mittlerweile einen großen Fo rs c h u n g s bereich, auch weil die geschilderte Auffassung von anderen Wissenschaftlern nicht unwidersprochen geblieben ist. Wo heute ernsthaft gestritten wird, ja Standpunkte selbst erst vor Gericht entschieden werden müssen, handelten Dichter, Intendanten, Theatergruppen im 19. und 20. Jahrhundert ohne Beklemmung und steckten Frauen, sei es aus Mangel an männlichen Schauspielern oder aus Respekt vor ihrem Können oder ihrer tollen »MEZZOSOPRANISCHEN« Stimme in Hosen und ließen sie spielen.

Hosenrollen – EIN FESTER BEGRIFF IN DER THEATER- UND TANZWISSENSCHAFTLICHEN WELT!

Shakespeare hatte kein Herz für Frauenrollen. Er schrieb für reine Männer-Ensembles, die auch die Frauenfiguren übernahmen. Und manchmal spielten die als Damen verkleideten Herren Damen, die sich als Herren verkleideten. Das Geschlecht der Dargestellten musste nicht mit dem der Darsteller übereinstimmen. Darüber machte man sich lange

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keine Gedanken. Deshalb war das Auftreten von Frauen in Männerrollen für das Publikum ein zusätzliches Vergnügen, eine Belustigung, weil im Alltag Frauen in Hosen noch unvorstellbar waren. Zu von Frauen geführten Schauspieltruppen (z.B., »DIE NEUBERIN« 1697 - 1760) schreibt Kristina Hecker in ihrem Aufsatz »DIE FRAUEN IN DEN FRÜHEN COMMEDIA

DELL’ARTE-TRUPPEN« :

»In dieser Bewunderung für die

geistige Brillanz der Schauspielerinnen, die nach Meinung der Zeitgenossen den besten Rednern, den bedeutendsten Gelehrten und Dichtern nicht nachstanden, schwingt eine Komponente mit, die auch eindeutig artikuliert wird: Die Schauspielerinnen ähnelten nicht nur in ihrer Eloquenz den Männern – ihr Geheimnis war vielmehr auch, dass sie bei ihren Auftritten Frau und Mann zugleich sein konnten.«

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DIE STIMMLAGE VON FRAUEN (UND KNABEN) ZWISCHEN ALT (TIEF) UND SOPRAN (HOCH), DAS MEZZOSOPRAN, EIGNET SICH BESONDERS FÜR HOSENROLLEN. DIE JUGENDLICHE TONFÜLLE REIZTE EINE REIHE VON KOMPONISTEN, EINE MÄNNLICHE PARTIE MIT DIESER STIMMLAGE MIT EINER FRAU ZU BESETZTEN.

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Der Bogen spannt sich von Händels RADAMISTO in der Titelrolle (1720), über Mozarts CHERUBINO in »DIE HOCHZEIT DES FIGARO« (1786), Rossinis TANCREDI in der Titelrolle (1813) und Offenbachs NICKLAUSSE in »HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN« (1881) bis hin zu Strauss’ OCTAVIAN in »DER ROSENKAVALIER« (1911) oder dem KOMPONISTEN in Strauss’ »ARIADNE AUF NAXOS« (1912). Auch in Operetten findet man typische und bekannte »HOSENROLLEN« . Johann Strauss schrieb die Rolle des PRINZEN ORLOFSKY in der Fledermaus für eine Frauenstimme (1874) und in der »SCHÖNEN GALATHEE« Suppe’s singt GANYMED (1865) im Mezzosopran. Hosenrollen sind auch heute nicht von modernen Bühnen wegzu-

denken. Ob als Hamlet oder als Karl in Schillers »RÄUBERN« , Frauen stehen »IHREN« Mann in jeder Beziehung. Theaterwissenschaftler unterscheiden dabei 3 Typen: Frauen spielen eine Männerrolle von Anfang bis zum Ende eines Stücks (echte Hosenrolle), Frauen verhalten sich in ihrer Rolle durch Gebärden, Sprüche und Auftreten sehr »MÄNNLICH« (falsche Hosenrolle) und die verkleidete Hosenrolle meint die weiblichen Figuren, die sich während des Stückes optisch in Männer verwandeln. Wir sehen, dass zumindest auf den Bühnen der Welt das »GENDERN« schon seit langer Zeit gang und gäbe war, ohne Streit und Kontroversen.

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I N D E R S H O W T I M E - S E R I E » B I L L I O N S « M I S C H T E I N A N D R O G Y N E S F I N A N Z G E N I E E I N E N J U N G S - C L U B A U F

t h e y, t h e i r s & t h e m

GE N DE RN E UT RA L ITÄT

They, them In »Billions« liefert Taylor Mason eine unwiderstehliche Studie zur Geschlechterspezifik ab – und das in einer Serie über Finanzen und Recht. Gespielt wird die Figur von Asia Kate Dillon, einer Person, die sich als nichtbinär identifiziert. Und mit was für einem Auftritt:

»Hallo, mein Name ist Taylor. Meine Pronomen lauten they, theirs und them.«

Text: CHRISTIAN NÄTHLER 146


theirs

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Billions

Als ich die Zusammenfassung der Showtime-Serie »Billions« gelesen habe, dachte ich: Hab ich diese Geschichte nicht schon mal irgendwo gesehen? Und zwar ungefähr eine Million Mal? Die zwei Protagonisten sind ein hinterlistiger Finanzvorstand und ein gerissener Anwalt. Korruption in der Wirtschaft, Machtpolitik, die Wiesel der Wall Street. Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort hat mich bereits auf diese Reise mitgenommen. Und trotzdem fing ich mit dem Schauen an — dank eines besonders ereignislosen Winters, in dem ich den größten Teil des Netflix-Angebots bereits ausgeschöpft hatte. »Billions« ist ein wendungsreiches Katz-undMaus-Spiel. Die Maus ist Robert »Bobby« Axelrod, ein Hedge-Fond-Manager, der von Damian Lewis verkörpert wird. Die Katze ist der US-Anwalt Chuck Rhoades, gespielt von Paul Giamatti, welcher versessen darauf ist, Axelrod wegen Insider-Handels zu verklagen. Zwei Dinge sind besonders fragil in der Finanzwelt: der Markt und Männlichkeit. Wir bekommen einen Eindruck von Letzterem, als Wendy, Axelrods Psychotrainerin, die gleichzeitig seine Ehefrau ist, während sie vor

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»Wo, wenn nicht aus der Umkleidekabine h e r a u s , w ä r e e s b e s s e r , d i e B r o C u lt u r e zu zwicken?«

einer Gruppe von Tradern über Performance spricht eine Flasche Viagra präsentiert (mit durchaus gewollter Doppeldeutigkeit). »Wenn die Zeit gekommen ist, wenn Sie entscheiden müssen, ob Sie kaufen oder verkaufen, dann müssen Sie so hart sein wie Stein und bereit loszulegen.«, erklärt sie. Dies ist eine Männerwelt. Da zählt Machismus. Es war nicht nötig, in einer Serie über Wertpapierhandel, geschlechterspezifische Leistungen infrage zu stellen. »Billions« hat es trotzdem getan. In der ersten Folge der zweiten Staffel lernen wir eine Figur kennen, deren schiere Existenz die Dynamik zwischen geschlechtsspezifischem Verhalten und Macht zu einem faszinierenden Unterthema macht. »Hallo, mein Name ist Taylor. Meine Pronomen lauten they, theirs und them.«

Taylor Mason wird gespielt von Asia Kate Dillon – einer Person, die sich, wie ihre Figur, als nichtbinär identifiziert. Alison Willmore, die für Buzzfeed schreibt, bezeichnete die Rolle als »Meilenstein der Repräsentation«. Eine Serie wie »Billions« ist ein ungewöhliches Format um Androgynitäts-Repräsentationen voranzubringen, aber genau deshalb funktioniert es. Es wäre zu schrill, wenn eine Frau die Geschlechterdynamiken der Serie stören würde; genauso unglaubwürdig wäre es, wenn sich ein Mann auf dem Börsenparkett verwundbar zeigen würde. Es ist die gelassene

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Asia Kate Dillon

Ausstrahlung von Taylor und nicht die Geschlechteridentität, die die Unsicherheiten der dreisten Männlichkeit bloßstellt. Wie die Fernsehkritikerin Emily Nussbaum in »The New Yorker« schrieb: »Wo, wenn nicht aus der Umkleidekabine heraus, wäre es besser, die Bro Culture zu zwicken?«

Für Dillon war es wichtig, dass Mason nicht als Gimmick eingesetzt wird. »Ich hätte Taylor niemals spielen wollen, wenn es nur für eine einzige Folge gewesen wäre, und wenn sich diese Folge nur um Geschlechteridentität gedreht hätte.«, sagt Dillon und gibt zu, beim ersten Lesen des Drehbuchs geweint zu haben.

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»Wenn es kein voll entwickelter Charakter gewesen wäre, hätte ich es nicht tun wollen, weil diese Repräsentation, ehrlich gesagt, ein alter Hut und nicht besonders interessant ist.«


As i a Kate D i l lo n

»[Ich habe] Nachrichten von Menschen [ e r h a lt e n ] , d i e s a g t e n , d a s s m e i n e F i g u r ihre Herzen und Meinungen verändert h at « , s a g t D i l l o n . » I c h h a b e d a s G e f ü h l , d a s s d i e K u n s t w i r k l i c h d i e K u lt u r v e r ä n d e r n k a n n . . . d a h e r h a lt e i c h d i e Kunst für so mächtig.« Nichtbinäre Charaktere werden typischerweise auf zwei Arten repräsentiert: als Karikatur oder – noch schlimmer – als Persiflage. »All«, das von Benedict Cumberbatch gespielte androgyne Model in »Zoolander 2«, kommt einem als besonders groteske Darstellung in den Sinn. »Man kriegt entweder einen eindimensionalen Trans-, nichtbinären oder nicht geschlechterkonformen Charakter, und darum geht es in der Geschichte – und die ist üblicherweise tragisch – «, erzählte Dillon bei NBC News, »oder man kriegt das andere Ende, wo gerade weil man eine Trans-, nichtbinäre oder nicht geschlechterkonforme Person verkörpert perfekt und engelsgleich sein muss, damit wir mit Sicherheit sagen können: »Oh,

sie sind nicht verstörend, sie können auch gute Menschen sein.« Nicht erst seit David Bowie als Ziggy Stardust in Erscheinung trat oder Tilda Swinton Orlando in der Filmadaption von Virginia Woolfs gleichnamigem Roman spielte, wurde vor einem Mainstream Publikum Androgynität mit Tiefgang oder auch Nuancierungen versehen. Niemand hat die Pflicht, diesen Kampf anzuführen, obwohl Dillon gerne die sprichwörtlichen Hosen dabei anhat. »[Ich habe] Nachrichten von Menschen [erhalten], die sagten, dass meine Figur ihre Herzen und Meinungen verändert hat«, sagt Dillon. »Ich habe das Gefühl, dass die Kunst wirklich die Kultur verändern kann ... daher halte ich die Kunst für so mächtig.«

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»Genderless Beauty«

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PFLEGE FÜR ALLE! Mit geschlechtsneutralen Beautyprodukten macht Ihr Eure Schönheitspflege praktischer, kostengünstiger und umweltfreundlicher. Wir verraten Euch alles Wissenswerte rund um den neuen Trend in Badezimmer und Beautybag.

TEXT: LEA B ECKER

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Genderless

BEAUTY

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MANN, FRAU ODER DRIT TES GESCHLECHT ? Tuben, Tiegel und Flakons akzeptieren, was Ihr seid oder wie Ihr Euch fühlt. Mode und Beauty setzen keine Grenzen mehr; sie bieten für jede(n) das Passende. Ein Rock für den Mann, ein Hosenanzug für die Frau – alles ganz normal. Nun zieht auch die Beautybranche nach: Der neue Trend heißt »GENDERLESS BEAUTY«.

Früher nannte man es Unisex, was so viel bedeutet wie »FÜR BEIDE GESCHLECHTER«, und bezog sich auf Männlein oder Weiblein. Genderless ist das neue Unisex 2.0 und bezieht das dritte Geschlecht »divers« mit ein. Eine erfreuliche Entwicklung, die wir gesellschaftlich und im Badezimmer herzlich willkommen heißen.

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Aber was macht die »GENDERLESS BEAUTY« so besonders? Zum einen sind es die Düfte der Haarund Körperpflege. Viele geschlechtsneutrale Produkte sind duftneutral oder kommen mit Aromen daher, die sich keinem Geschlecht zuordnen lassen. Beispiele? Zitrone, Grapefruit, Bergamotte, Eisenkraut, Pfefferminz, Hanf, Lavendel. Diese Duftnoten sind im Gegensatz zu Vanille, Erdbeere, Karamell und Rose oder Tabak, Leder, Moschus und Kiefer bei allen Geschlechtern beliebt.

Ein weiterer Unterschied ist das Design der Produkte. Während sich Frauen bei den für sie bestimmten Pflegeprodukten in der Farbwelt Pink, Rosa, Lila, Flieder und Weiß bewegen, so finden sich für die Herren oftmals Schönmacher in Schwarz, Grau, Blau, Grün und Rot. »GENDERLESS BEAUTY« entzieht sich diesem stereotypen Farbschema und setzt stattdessen auf schlichte Farben wie Weiß, Grau, Schwarz und Braun. Dabei ist das Packaging minimalistisch, meist am skandinavischen Design orientiert. 155


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Gibt’s ab heute im Badezimmer. Das Ganzköper-Peeling mit Kaffeepulver von Alverde befreit die Haut von abgestorbenen Hautschüppchen und kurbelt die Mikrozirkulation an.

Wer sich nun fragt, welche Wirkstoffe in der geschlechtsneutralen Skincare zu finden sind, darf sich auf bewährte Klassiker freuen: HYALURONSÄURE versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und hilft ihr, diese zu speichern. ALOE VERA ist optimal, um die Haut nach einem Sonnenbad zu beruhigen und zu kühlen. OLIVENÖL macht raue und reife Haut geschmeidig, SHEABUTTER versorgt sie mit den nötigen Fettsäuren. ALGENEXTRAKT ist reich an Meeresmineralien, die glättend bei Linien und Fältchen wirken. VITAMIN C hat einen leicht peelenden Effekt und sorgt bei fahler Haut für einen gesunden Glow. GRÜNTEEEXTRAKT hilft bei einer geschwollenen Augenpartie am Morgen. SALICYLSÄURE kann beim Abheilen von Pickeln

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weniger Müll Ein weiterer Benefit von »GENDERLESS BEAUTY« ist, dass, wenn zwei Personen pro Haushalt die gleichen Pflegeprodukte wie z. B. Rasierschaum, Augencreme, Haarshampoo nutzen, weniger Müll entsteht. Darum setzen immer mehr kleine Beautylabels auf neutrale Produkte und verfolgen damit auch die Philosophie der Müllvermeidung (#zerowaste, #lesswaste). Außerdem spart das gemeinsame (Be-)Nutzen Platz und Geld. Wer mit speziellen Hautproblemen oder Hautkrankheiten zu tun hat, sollte natürlich eine darauf abgestimmte Pflege benutzen. Was Ihr Euch allerdings teilen könnt, zeigen wir Euch... 157

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L A N G E W E I L E D I E G E G E N

der sisterMAG-Onlineguide

WA S E RL E BE N GE H T A UCH VIRT UE L L !

#STAYHOME In den vergangenen Wochen und Monaten hieß die Devise: STAYTHEFUCKHOME und #FLATTENTHECURVE. So wurde es auf einmal wichtig Antriebslosigkeit, Langeweile und kreative Blockaden in den eigenen vier Wänden zu bekämpfen. Mal eben einen Ausflug machen, zum Quatschen mit Freunden treffen oder Kuchen essen im Lieblingscafé – nur sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich. Deswegen ist es uns in der sisterMAG Redaktion ein besonderes Anliegen gewesen, einen Onlineguide für euch zusammenzustellen, der zwar keinen vollständigen Ersatz für die real life experience bietet aber dennoch eine hilfreiche Stütze sein kann, die Zeit zuhause um einiges spannender zu gestalten.

Text & So urci n g : C A R O L I N K R A L A P P

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Neben den »klassischen« Tipps, Netflix durchzuschauen, ein Buch zu lesen oder eine gute Platte zu hören, möchten wir hier INTERESSANTE PORTALE und PL ATTFORMEN mit euch teilen, die ihr vielleicht noch nicht kennt.

So wird eine virtuelle Reise, ein Museums- oder Konzertbesuch bequem vom Sofa aus möglich. 163


Reisen und Tourismus 360° STADTTOUR DURCH DIE HAUPTSTADT Die spannendsten Sehenswürdigkeiten Berlins könnt ihr hier in 360°-Ansicht und ohne große Menschenansammlung ablaufen und betrachten. Das Brandenburger Tor, die Museumsinsel, der Berliner Dom – alles mit dabei!

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360° STEREO 3D PORTAL – TOURISMUS TOUREN UND VIRTUELLE REISEN Interessante Orte können allerdings ebenso fast vor der Haustür zu finden sein. So könnt ihr hier z.B. das Hundertwasserhaus in Magdeburg mal genauer unter die Lupe nehmen

Ein Besuch lohnt sich auch besonders auf folgendem Portal: 360° Stereo 3D. Es ermöglicht euch virtuelle Reisen und Tourismus Touren.

Wer von fernen Zielen träumt, kann hier zum Beispiel auf den Malediven am Strand entlang spazieren

EINE ÜBERSICHT MIT WEITEREN VR-ANGEBOTEN FINDET IHR AUSSERDEM HIER BEI OCULUS

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Kulturelle Angebote MUSEUMSBESUCHE Das Tool »Arts & Culture« von Google bietet eine umfangreiche Übersicht von Online-Kunstsammlungen, die einen Museumsbesuch vom Computer aus anbieten: Das Museum of HIER Modern Art in GEHT’S ZUR New York ist ÜBERSICHT dabei, das Van Gogh Museum in Amsterdam, die Uffizien in Florenz und viele mehr!

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KONZERTBESUCHE Sicherlich kein Insider mehr, aber dennoch immer wieder empfehlenswert: ARTE Concert. Ein tolle Plattform, um sich LiveAuftritte verschiedener Acts und Genres anzuhören. Außerdem überträgt ARTE jeden Tag die Live-Sets internationaler sowie lokal bekannter DJs und DJanes der Berliner Clubszene von »UNITED WE STREAM« .

ZUR ARTE CONCERT MEDIATHEK KOMMT IHR HIER

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Unabhängig von den großen Plattformen bieten Künstler*innen und Bands (teilweise in Kooperationen mit den Veranstaltungslocations) auf ihren Social-Media-Kanälen Livesessions an. Also auch hier lohnt es sich, mal bei den Lieblingsacts Augen und Ohren offen zu halten.


THEATERBESUCHE Die Schaubühne Berlin bietet derzeit einen OnlineSpielplan an, der verdammt gut aussieht. Wer schon immer mal eine (ältere) Inszenierung des Hauses sehen wollte, aber (wie es leider so oft der Fall ist) keine Karten mehr bekommen hat, sollte hier nicht lange zögern und in der ersten Reihe Platz nehmen. DIE SCHAUBÜHNE Die Schaubühne Berlin ist nur eines von vielen Theatern, dass das Programm auf OnlineVorstellungen umgestellt hat. Das Schauspielhaus Graz, das Staatstheater Dortmund, die Münchener Kammerspiele und viele weitere bieten ebenfalls alternative Formate an.

HIER GEHT’S ZUM ONLINE-ERSATZSPIELPLAN

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Nachtleben CLUBBESUCHE MIT »UNITED WE STREAM« »United We Stream« macht derzeit Clubbesuche ohne Anstehen möglich. Jeden Tag könnt ihr in verschiedenen Clubs in Berlin (und darüber hinaus) euren LieblingsDJ*anes oder denen, die es vielleicht bald werden, lauschen und im Wohnzimmer bei einem Gläschen Wein oder einem Bierchen zu den Sounds tanzen. Auf ARTE Concert könnt ihr euch außerdem auch alle vergangen Streams anhören. Es ist eine unterstützenswerte Initiative, mit dem Anliegen, die besondere Partyszene, für die Berlin weltweit bekannt ist, zu KLICKT HIER FÜR retten. DIE TÄGLICHEN UPDATES

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VIRTUELLE HAUSPARTY MIT DEINEN FREUNDEN Die wohl derzeit beliebteste App, um mit Freundinnen und Freunden zusammenzukommen, ist »HOUSEPARTY« . Hierüber kann man sich kostenfrei verabreden und in einem virtuellen Raum treffen. Außerdem bietet die App vier Mini-Spiele an, die das Beisammensein noch lustiger gestalten sollen. Wir finden, ein überzeugendes Konzept! Leider sind die Datenschutzbestimmungen der App nicht so überzeugend: Unter anderem erlauben diese das Teilen der persönlichen Daten mit Dritten und auch die Kontaktlisten auf dem Handy und Facebook sind hier nicht sicher. Ob ihr die App trotzdem nutzen wollt oder lieber doch nicht - das müsst ihr für euch selbst entscheiden.

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ALTERNATIV Für das gemeinsame Quizzen z.B. erlebt vermutlich auch die App »QUIZDUELL« gerade einen Boom in ihren Nutzerzahlen. Auch wenn man sich hier nicht face-toface sehen kann, bietet sie ordentlich Spielspaß für dich und deine Liebsten und eine begleitende Chatfunktion. HIER KÖNNT IHR DIE APP KONSTENLOS HERUNTERLADEN

Und die altbekannten Tools wie SKYPE oder FACETIME (bei Iphone Usern) können ja auch problemlos zu einer virtuellen Hausparty mit Drinks und Spielen umfunktioniert werden. ;)

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V I E R

B Ü C H E R E M P F E H L U N G E N

die buchkolumne von sistermag

H E UT E MUSST DU L E SE N !


Text: MARTINA KLARIC

Buc hk o lu m ne In diesen schwierigen Zeiten von Corona sehen wir, wie wichtig das Lesen ist. Es hilft uns, für eine Zeit alles um uns herum zu vergessen und in eine andere Welt einzutauchen. Sei es mit einem spannenden Krimi, einem Klassiker oder Reisebericht. Umso mehr freuen wir uns, dass Martina Klaric mit ihrer neuen Buchkolumne wieder 4 Bücher herausgegriffen hat, die unsere Ausgaben-Schwerpunkt von unterschiedlichen Seiten beleuchten und uns zuhause etwas Abwechslung ermöglichen.

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»NACHTHIMMEL MIT AUSTRITTSWUNDEN«

»Ich wusste nicht, dass der Preis / dafür, ein Lied zu betreten – der Verlust / des Rückwegs ist. / Also trat ich ein. Also verlor ich. / Ich verlor alles, meine Augen / weit geöffnet.« Keiner schreibt in einem Atemzug so verträumt und tragisch wie der vietnamesisch-US-amerikanische Schriftsteller Ocean Vuong. Nun ist sein Gedichtband Nachthimmel mit Austrittswunden in erster

Deutschübersetzung erschienen. Und spätestens jetzt weiß man: Vuong schreibt derzeit Literaturgeschichte. Denn nur selten gelingt es einem Autor, Worte und Sätze in einer Weise zu bauen, dass sie gänzlich neu erscheinen, etwa so, als wären sie just in diesem Augenblick zum ersten Mal in die Welt geboren worden. Statt Wiederholung von Phrasen, setzt Vuong auf Außergewöhnlichkeit. Statt Verschachtelung, liest man berührende Poesie in purster Klarheit. Seine Lyrik ist durchsetzt von Gedanken über die eigene Vergangenheit, vor allem über die mentale Gewalt, die Vuong als homosexueller Einwanderer erfahren hat. Das Besondere: Vuong schreibt sich keine Zeile lang in Rage. Sein Werk ist weit entfernt davon, Selbstmitleid oder Wut zu versprachlichen. Vielmehr zeugt es von der persönlichen Verarbeitung eines Lebens durch die Kunst. Wow! »Nachthimmel mit Austrittswunden« on Ocean Vuong, erschienen am 17. Februar 2020 im Hanser Verlag (176 Seiten), ISBN: 978-3-446-26643-8, € 19,00 [D],

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»WAS WIR SIND« Der in Manchester geborenen Autorin Anna Hope ist mit »Was wir sind« ein wichtiger Roman über unerfüllte Träume gelungen. Kein Wunder, denn Manchester ist schon lange für seine hervorragende Literaturszene bekannt. An einem frühen Morgen Mitte Mai, so beginnt Hopes Roman, treffen drei Freundinnen aufeinander, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit Mitte dreißig stellen sie dann fest:

Ihnen fehlt etwas. Während sich Hannah trotz erfüllter Beziehung nach einem Kind sehnt und Cate auch mit Kind das Gefühl hat, das eigene Ich nach und nach zu verlieren, steht Lissa vor dem Trümmerhaufen einer gescheiterten Beziehung und droht ihren Traum zerplatzen zu lassen. Wie kann das sein? Erwarten wir zu viel oder Falsches vom Leben? Weshalb gehen Traum und Wirklichkeit niemals d’accord? Und vor allem: Was können wir tun, um dies zu ändern? Anna Hope streut in ihrem Roman Gedanken solcher Art behutsam, aber mit größtem Nachdruck ein. Damit greift sie akute Fragen der Gegenwart auf, spricht an, was viele von uns denken: Warum stehe ich hier, wenn ich doch dort sein wollte? Berührend, ehrlich und nahbar!

»Was wir sind « von Anna Hope, erschienen am 17. Februar 2020 im Hanser Verlag (368 Seiten), ISBN: 978-3-446-26563-9, € 22,00 [D]

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»AUFERSTEHUNG«

Die

Einstiegssätze

von

Lew

Tolstois Auferstehung (Ersterscheinung

1899)

gehören

zu

den schönsten der Weltliteratur. Beschrieben wird die Szene eines Jahreszeitenwechsels, des Übergangs vom Winter in

den Frühling, von einem Alten in ein Neues. Nirgends ist die Kraft der Natur so stark mit dem Begriff der Auferstehung verschränkt, wie hier. Die Eingangsszene gleicht einer österlich-biblischen Ankündigungsszene, deren weiser Unterton in jeder Zeile erklingt. Gleichzeitig lesen wir die herzzerreißende Liebesgeschichte zwischen dem Fürst Nechljudow und der aus armen Verhältnissen stammenden Katja Maslowa, die der Fürst in jungen Jahren verführt hat. Jahre später trifft er sie auf der Anklagbank wieder. Sie, nun Prostituierte, ist des Giftmordes angeklagt. Ihr Schicksal trifft Nechljudow tief ins Herz. Er erkennt, dass er alleinig an ihrer Lebenstragödie Schuld trägt. Rettet sie der Fürst nochmal? Aber vor allem: Wird sich Katja retten lassen? Ein Meisterwerk der Literatur! Unbedingt lesen! »Auferstehung« von Lew Tolstoi, Neuübersetzung erschienen am 26. September 2016 im Hanser Verlag (720 Seiten), ISBN: 978-3-446-25285-1, € 38,00 [D]

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»HOW TO FAIL« »Eine meiner frühsten Erinne-

jährigen Partner/in, ob es das

rungen ist eine ans Scheitern«,

unverhoffte Karriereaus oder die

schreibt Elizabeth Day, um auf

emotionale Zerrüttung ist: Kri-

den nächsten Seiten detailliert

sen sind dazu da, um gemeistert

darzulegen, wie es sich anfühlt,

zu werden. Und vor allem: Sie

als Dreijährige die große Schwes-

sind kein individueller Misserfolg.

ter zu enttäuschen: nämlich prä-

Stattdessen sind sie als Begrün-

gend! Damit bringt sie auf den

dungsmomente wahrer innerer

Punkt, dass Momente des Schei-

Stärke zu verstehen. Elizabeth

terns von Anfang an Teil unseres

Day schafft es in »How to fail:

Lebens sind. Ganz gleich, ob es die Trennung von dem/der lang-

Warum wir erst durch Scheitern richtig stark werden«, einfühlsam und motivierend von ihren Lebenskrisen zu erzählen. Ihre Geschichte wirken dabei authentisch und sind ein echter »Positivity Boost«! Leicht und inspirierend – eine wunderbare Lektüre für Zwischendurch.

»How to fail: Warum wir erst durch Scheitern richtig stark werden« vonElizabeth Day, erschienen am 16. März 2020 im Goldmann Verlag (352 Seiten), ISBN: 978-3641-24909-0, € 12,00 [D]

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PARTNER

2020

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NÄCHSTE AUSGABE erscheint im Juni 2020

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OPERATIONS

THEA Chief Editor & Design

SOPHIA Content Management

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MARIE Design & Kreation

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IMPRESSUM

SISTERMAG – JOURNAL FÜR DIE DIGITALE DAME www.sister-mag.com Chefredaktion

Theresa Neubauer, Antonia Sutter

Operations

Lisa Bagdadjan, Theresa Baier, Carolin Kralapp, Beatrice Lambardt, Medea Moir, Christina Rücker, Sophia Werner

Fashion

Eva-Maria Neubauer (Fashion Dir.)

Design 

Theresa Neubauer (Art Dir.), Marie Darme, Gabriela Morales, Lale Tütüncübaşı, Ilaria Trombí

Redakteure (Text)

Lea Becker, Barbara Eichhammer, Martina Klaric, Christian Näthler, Dr. Michael Neubauer, Elisabeth Stursberg, sisterMAG Team

Redakteure (Foto & Video)  Übersetzung

Endkorrektur

Carole Poirot, sisterMAG Team Barbara Eichhammer, Ira Häussler, Alexander Kords, Elisabeth Stursberg, sisterMAG Team Amie McCracken, Judith Remke, sisterMAG Team

sisterMAG erscheint in der Carry-On Publishing GmbH, Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin, Deutschland. Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Die Carry-On Publishing GmbH übernimmt keinerlei Garantie und Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Kontakt: mail@sister-mag.com Geschäftsführung Vermarktung Marketing

Antonia Sutter, Theresa Neubauer, Alex Sutter Alex Sutter (Sales Dir.) Antonia Sutter (Marketing Dir.)


D I E N Ä C H S T E A U S GA B E ERSCHEINT IM JUNI! FO LGT U N S A U F I N S TAG R A M F Ü R A L L E NEUIGKEITEN UND VIEL I N S P I R AT I O N !


Wir freuen uns schon auf die nächste sisterMAG Ausgabe! Bis dahin könnt ihr mit uns in Kontakt bleiben über Social Media oder abonniert unseren Newsletter!

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