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SEKEMs Journal für Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in Ägypten

SEKEM Insight Nr. 75 - November 2008

Liebe Leserinnen, liebe Leser, im vergangenen Sommer veröffentlichten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit Berichte zum Stand der Bemühen, die offiziellen Finanzmittel für die Ärmsten (ODA) deutlich zu erhöhen. Die Berichte stellten fest, dass dieses Ziel nicht nur nicht erreicht wird. Auch würden die ODA-Ausgaben wieder sinken. Die Frage, welche Methodik besonders effizient ist, ist so alt wie die Entwicklungszusammenarbeit selbst. Trägt finanzielle Hilfe wirklich zur Entwicklung eines Landes bei? Sind dazu noch andere Fähigkeiten nötig? Und wie fördert man diese am Besten? Ein oft gepriesener, jedoch selten erfolgreicher Ansatz sind privat/ öffentliche-Kooperationen, bei denen Unternehmer und öffentliche Stellen zusammenarbeiten. Meist scheitern diese jedoch an den unterschiedlichen Interessen der Partner. In SEKEM wirkt wirtschaftliches und soziales Interesse Hand in Hand. Von vornherein „zieht“ SEKEM an einem Strang. Von einem Mehr an Lebensqualität auf dem Lande profitieren beide: Bürger und SEKEM, das sich über motiviertere Mitarbeiter freuen kann.

Ihr Redaktionsteam

Nachhaltigkeit

Sport in SEKEM

Musik in SEKEM

SEKEM veröffentlicht Nachhaltigkeitsbericht

SEKEM beim Mobinil-Turnier

In SEKEM entsteht Kammermusikorchester

SEKEM veröffentlicht ersten Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltigkeit ist in SEKEM auch und gerade eine Frage des Miteinanders von Mensch und Natur

In diesem Jahr hat SEKEM seinen ersten Sustainability Report veröffentlicht um allen Beteiligten und der Öffentlichkeit Rechenschaft abzulegen über sein Wirken und seinen Einfluss auf die (Um-)Welt. Die größten Probleme (Armut, Klimawandel, Wasserknappheit) mit denen die Menschheit konfrontiert ist, basieren zu einem großen Teil auf kurzfristigem oder einseitigem Denken. Um allen Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen muss jeder gesellschaftlicher Akteur nachhaltig (im Sinne von dauerhaft lebensfähig) wirken. In der heutigen Gesellschaftsordnung kommt der

Wirtschaft dabei eine besondere Verantwortung zu. Jedes Unternehmen beeinflusst die Welt um sich herum und steht somit in der Pflicht nachhaltig (im Sinne von dauerhaft lebensfähig) zu wirken; dem Konsumenten gegenüber durch gesunde Produkte, den Angestellten durch gesunde Arbeitsformen, den Partnern durch faire Verträge, der Umwelt durch die Vermeidung von Schädigungen und dem Rest der Welt durch positive Einflussnahme. Nachhaltiges Wirken ist schon immer Grundlage der Arbeitsund Lebensweise von SEKEM. Der

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Sustainability Report ist jedoch die erste umfassende Analyse der langfristigen Auswirkungen. Neben einer Darstellung der Arbeitsbereiche gibt er insbesondere detaillierte Auskunft über den Einfluss, den SEKEM auf die Umwelt nimmt. So wurde im Rahmen dieses Berichtes zum ersten Mal umfassend SEKEMs gesamter Energieverbrauch erfasst. Der Sustainability Report ist jedoch nicht als Statusbeschreibung zu verstehen. Er dient der Bewusstseinsbildung und ist ein erster Schritt um langfristig negative Einflüsse, wie z.B. die Emission von Treibhausgasen, zu vermeiden und positive Einflüsse zu fördern. Dazu hat sich SEKEM explizite Ziele gegeben, wie zum Beispiel den Ausbau erneuerbarer Energien oder eine Ausweitung der Projekte der SDF (SEKEM Development Foundation). Anders als bei den gesetzlich vorgeschriebenen Geschäftsberichten gibt es für Nachhaltigkeitsberichte kein verbindliches Format über Inhalt und Aufbau. Es herrscht jedoch ein Konsens vor der, in Anlehnung an

die Agenda 21 der Vereinten Nationen, Nachhaltigkeit vornehmlich unter den drei Aspekten, Umwelt, Wirtschaft und Sozialem betrachtet. Darüber hinaus setzt SEKEM auf die drei Aspekte Wirtschaft, Kultur und Soziales. Ein nachhaltiger Umgang mit der Umwelt war für SEKEM schon seit jeher selbstverständlich, da diese Voraussetzung jeder landwirtschaftlichen Tätigkeit ist. Die Umwelt kommt somit nicht zu kurz, sondern ist vielmehr Grundlage alles Anderen. Die Kultur hat bei SEKEM jedoch einen höheren Stellenwert als bei anderen Unternehmen und Organisation wie sich in den vielfältigen Aktivitäten der SDF zeigt. Wir sind überzeugt, dass Kultur und Kunst wesentliche Bestandteile eines nachhaltigen Lebens sind, indem sie Mensch und Gesellschaft bilden. In der Schule sehen wir täglich den Erfolg dieser Herangehensweise an dem positiven Einfluss der Musik und der Eurythmie auf jeden einzelnen Schüler und die Klasse. Der Bericht kann auf www.sekem. com heruntergeladen werden. Martin Haagen

SEKEM nimmt an RamadanFußballturnier teil ina Susta

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Im Rahmen einer festlichen Abschlussveranstaltung des diesjährigen Fastenmonats Ramadan hat Helmy Abouleish, Geschäftsführer der SEKEM Un te r n e h m e n s g r u p p e, jetzt das neu aufgestellte SEKEM-Fußballteam zu seinem dritten Platz bei dem diesjährigen MobinilFußballturnier ausgezeichnet. Das Turnier fand im AlJazeera Sports Club während des RamadanMonats statt und wurde bereits zum fünften Mal von t

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dem ägyptischen Mobilfunkanbieter ausgerichtet. An dem Turnier nahmen 32 Teams in 8 Gruppen teil. Die SEKEMMannschaft schlug zunächst das Pepsico-Team mit einem verdienten fünf zu eins und gewann auch gegen das Team von Acceed mit fünf zu eins im Viertelfinale die Oberhand.

Das SEKEM-Fußballteam ist stolz auf seine Siege

Auch gegen das Expo-Team konnte es einen Sieg mit vier zu eins im Halbfinale verbuchen und zog so in das Finale ein, in dem es dem Team von MES unterlag. Das Team der ägyptischen Initiative zog so am Ende des Fastenmonats an dritter Position vom Platz. Die hervorragenden Leistungen des SEKEM-Teams wurden durch die persönliche Unterstützung durch Helmy Abouleish wirkungsvoll getragen. Er sprach dem Team, das wöchentlich zum Training auf den Platz kam, Mut zu. Sowohl die Trainer als auch das Sportkomitee zeichnet sich durch die moralische Unterstützung, die sie dem Team gewährten, aus und halfen den Spielern dabei, innerhalb kurzer Zeit in Bestform zu sein. Das Team bestand aus Mohamed Abdulaah (Sekem), Emad Degheedy, Amro Fayez (Atos), Waleed Alyamany, Samir Mansour (Naturetex), Mohamed Gamal, Amro Alsayed, Said Abdulghany, Ikram Abdulmonem (Mizan), Said Shehata (EBDA), Ahmed Mokhtar (Isis) und Ramadan Ahmed (Lotus). Sobhy El Saadany

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SEKEM weiht Regionales Exzellenzzentrum ein Am 5. November 2008 trafen viel versprechende Nachrichten in SEKEM ein: Das Ubuntu Komitee empfahl der United Nations University, einer Bildungs- und Forschungsinitiative der Vereinten Nationen, die Anerkennung und damit Aufnahme des RCE Kairo. Das RCE Kairo ist eine neue Institution der SEKEM Initiative, hervorgegangen aus der bisherigen Akademie für angewandte Wissenschaften und steht für Regional Center of Expertise on Education for Sustainable Development (Regionales Kompetenzzentrum für Bildung zum Thema nachhaltige Entwicklung). “Die Vorstellung des RCE Kairo überzeugte durch gute Ausarbeitung und ein hervorragendes Verständnis der Prinzipien der ESD/RCE”. Im Rahmen der UN Dekade für Bildung für Nachhaltigkeit (DESD, 2005-2014)

Die neuen Gebäude des RCE Kairo

hatte die United Nations University (UNU) das globale RCE -Netzwerk gegründet. Bisher umfasst es 55 RCEs weltweit, 21 RCEs baten im Jahre 2008 um Aufnahme. Nur sechs von ihnen waren nun ausgewählt worden, darunter RCE Kairo. RCEs sollen Institutionen, Organisationen und Individuen zusammen bringen, die im Bereich der nachhaltigen Entwicklungsfragen tätig sind, darunter auch wirtschaftliche und soziale Entwicklung sowie

Umweltschutz auf regionaler und lokaler Ebene. Sie sollen Plattformen der Innovation und Erfahrung bilden und den Dialog zwischen regionalen und lokalen Initiativträgern durch Partnerschaften anregen. Für das ägyptische RCE gehören die Sekem Development Foundation, die Heliopolis University (in Entwicklung), die Bildungsinitiativen Sekems (Kindergarten, Schule, Berufsbildungszentrum etc.), die EBDA sowie die Sekem Firmengruppe zu den 25 Projektträgern des RCE Kairo. Die Idee des RCE Kairo entstand erstmals im Oktober 2007. Seit damals haben Dr. Hani Sewilam, Vizepräsident für internationale Angelegenheiten der Heliopolis University und sein Team an dem RCE Kairo-Konzept und der Bewerbung bei der UNU gearbeitet. Zunächst war eine Interessensbekundung einzusenden, begleitet von einem Bericht, der den aktuellen Entwicklungsstand wiederzugeben hatte. Im Juli 2008 fand die jährliche weltweite RCE-Konferenz in Barcelona statt. Sie diente dazu, das Netzwerk der Partner kennenzulernen und Repräsentanten der UNU und anderer RCEs zu treffen. Nach einem ersten Entwurf wurde die Bewerbung des RCE Kairo im Juli an die UNU gesandt, eine überarbeitete Version wurde im September nachgereicht und nun im November bestätigt. Damit ist das RCE Kairo offiziell ein Mitglied des Netzwerkes. Das RCE-Kairo-Team dankt an dieser Stelle allen, die das Projekt im Verlauf der vergangenen Monate unterstützt und vorangetrieben haben. Der Arbeitsbereich des RCE Kairo’ wird die Gouvernorate Kairo, Giza, Qalyubia, Sharkia, Helwan und 6th of October umfassen. Damit erreicht es mit rund 24 Millionen Einwohnern etwa 30% der ägyptischen Bevölkerung. Deren Einkommensverhältnisse decken die

gesamte Spannweite von den sehr armen Bauernfamilien und Arbeitern bis hin zu den wohlhabenden Bevölkerungsgruppen der oberen Einkommensschichten ab. Während die ärmsten Familien sich in der Regel keine besondere Bildung für ihre Kinder leisten können, sind es die reicheren Bevölkerungsgruppen des Zielbereiches gewöhnt, ihre Jüngsten auf teure Privatschulen zu schicken. Dieser Einzugsbereich wurde bewusst gewählt um mit Bildung für nachhaltige Entwicklung Vertreter aller wichtigen Bevölkerungsschichten zu erreichen. Das RCE Kairo besteht dem Aufbau nach aus einer allgemeinen Mitgliederversammlung, einem gewählten Leitungsgremium, einem Koordinationsteam sowie Arbeitsgruppen. Dem Team wird Dr. Hani Sewilam vorstehen. Es wird seine Basis in den Gebäuden der Sekem Development Foundation haben. Die vier Arbeitsgruppen werden als die operativen Arme des Netzwerkes tätig sein: “Formale und nicht-formale Bildung”, “Umwelt, Gesundheit und Landwirtschaft”, “Forschung und Innovation”, “Bewusstseinsbildung und soziale Entwicklung”. Die Arbeitsgruppen werden vor allem Besprechungen und andere Aktivitäten organisieren um die Ziele des Netzwerkes umzusetzen. Im kommenden Jahr sind zunächst Aktivitäten wie Trainings, Kampagnen zur Bewusstseinsbildung sowie spezielle Programme geplant, die von einer Auftaktveranstaltung eingeleitet werden. Dr. Hani Sewilam

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SEKEM plant eigenes Kammerorchester Seit September 2008 ist der Dirigent und Chorleiter Bernhard Sieberer aus Österreich auf Sekem, um hier Menschen zum Klingen zu bringen. Die bereits vorhandenen musikalischen Aktivitäten werden dadurch aufgegriffen und weitergeführt. Im kommenden Jahr sollen drei Orchesterprojekte zusammen mit professionellen Musikern und Musikerinnen aus Kairo stattfinden. Aus den gesammelten Erfahrungen soll dann im Sommer 2009 ein festes Kammerorchester gegründet werden. Damit können kulturelle Aktivitäten auf verschiedensten Ebenen verwirklicht werden: Es sind Konzerte auf der Sekem Farm und in der Heliopolis Universität sowie in Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltern z.B. in Kairo, Alexandria und überregional geplant. Das Orchester soll zum kulturellen Exportartikel von Sekem werden. Die Konzertprogramme sollen durch spezielle Einführungen in die klassische Musik für das Publikum von den Musikern vorbereitet werden. Bestimmte Programme können auch in Form von Gesprächskonzerten den Zuhörern nähergebracht werden. Die Probenarbeit des Orchesters soll in einzelnen Phasen für Schüler, Studenten, Lehrer und Mitarbeiter zugänglich sein. So wird das Publikum aktiv in den musikalischen Entstehungsprozess mit einbezogen.

Ensembles und kleine Orchester mit den Schülern bilden, die ihr Vorbild in dem Kammerorchester ihrer Lehrer sehen und hören. Ein grosses Vorbild ist hier die Arbeit rund um das „Simón Bolívar Jugendorchester“ aus Venezuela. Es wird spezielle Projekte geben, in denen die Lehrer mit ihren Schülern gezielt Stücke vorbereiten und diese dann gemeinsam musizieren werden. So werden die Musikschüler schon früh an professionelles Arbeiten und an die klassische europäische und arabische Musik herangeführt. Von den Musikern und ihrem Dirigenten werden Seminare zu klassischer Musik abgehalten, in denen Musiktheorie und Musikgeschichte sowie die kulturellen Hintergründe von Meisterwerken zunächst für Schüler und Sekem-Mitarbeiter und später für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Durch die Zusammenarbeit des Orchesters mit internationalen Musikern werden weitere kulturelle Impulse gesetzt und neue Brücken geschlagen. Die endgültige Gründung des Kammerorchesters wird von drei großen musikalischen Projekten im Januar, März und Mai 2009 vorbereitet. Um hierfür die Wege zu ebnen, gibt es verschiedene Modelle, die zum Teil bereits verwirklicht sind oder demnächst anlaufen sollen: Zusammenarbeit mit Musikpartnerschulen in Europa, Zusammenarbeit mit ägyp-

Der genaue Name steht übrigens noch nicht ganz fest, Vorschläge sind willkommen. Auch sonst sind wir für jede Hilfe und für Anregungen bereits jetzt in der Planungsphase dankbar. Wer Herrn Sieberer durch seine bisherige Arbeit kennenlernen möchte, dem sei folgende CD empfohlen, von ihm produziert: „Weihnachtsmusik aus Europa“, erhältlich bei Frau W. Bandel für €15,- plus Versandkosten Telefon: +49 711 791995 oder waltraud.bandel@web.de. Mit dem Kauf der CD unterstützen Sie die Finanzierung der dargestellten Musikaktivitäten Konstanze Abouleish, Mariam Abouleish und Bernhard Sieberer

Impressum: Herausgeber: SEKEM, Egypt Die Redaktion von SEKEM Insight dankt allen Korrespondenten, die an dieser Ausgabe mitgewirkt haben.

Da jedes Mitglied des Orchesters auch unterrichten wird, entsteht die Möglichkeit für Sekem-Schüler und Schüler aus dem Großraum Kairo, Musikunterricht von professionellen Musikern zu bekommen. Dies wird europäische und arabische Musik umfassen. Je mehr Schüler unterrichtet werden, desto leichter lassen sich

tischen Firmen, Schaffen eines Musikschulbetriebes, Kontakte zu Konzertveranstaltern, Musiker über das Programm „weltwärts“, Bekanntmachung und Unterstützung des Projektes in Ägypten und international, gezieltes Fundraising bei öffentlichen Stellen und internationalen Stiftungen, selbstverständlich wie bisher Unterstützung durch die SEKEM GROUP, Stipendien und Patenschaften von Privatpersonen für besonders begabte Musikschüler, die sich sonst den Unterricht nicht leisten könnten.

Redakteure: Christina Boecker Bijan Kafi Kontakt: SEKEM-Insight c/o Sekem Holding P.O.Box 2834, El Horreya, Heliopolis, Cairo, Egypt insight@sekem.com

Berndhard Sieberer engagiert sich für das Orchester

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