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Nr. 97 - September 2010

Insight

SEKEMs Journal für Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in Ägypten

Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser Vom 14.-19. September fand in Bonn die Jubiläumskonferenz des “Alternativen Nobelpreises” statt. Sie fand in den deutschen Medien weite Beachtung. Nicht nur zahlreiche Journalisten waren für Interviews angereist. Auch die Preisträger selbst nahmen an Veranstaltungen in Bonn und im Umland teil, die im Radio und im Fernsehen übertragen wurden. Auch Jakob von Uexküll, Gründer des „Right Livelihood Award“, war ein gefragter Gesprächspartner. Dr. Ibrahim Abouleish und Helmy Abouleish nahmen an mehreren Veranstaltungen teil, die der Öffentlichkeit zugänglich waren, und gaben zahlreiche Interviews. Einige dieser Beiträge sind über das Internet abrufbar, so zum Beispiel die Beitragsserie „Resonanzen“ des WDR und Hörfunkproduktion des Deutschlandfunks Köln. Auch zahlreiche, zum Teil umfassende Beiträge über den Preis selbst, produziert beispielsweise vom Bayrischen und Hessischen Rundfunk, sind digital weiterhin zugänglich. Wir haben Ihnen in dieser Ausgabe eine Auswahl zusammengestellt. So können Sie auch nachträglich noch etwas an der Veranstaltung teilhaben, selbst wenn Sie nicht persönlich in Bonn sein konnten.

Ihr Redaktionsteam

Gemeinschaft

Zukunft

Meinung

Soziales Leben in SEKEM

Preisträger diskutieren an Alanus Hochschule

Interviews und Berichterstattung

Gemeinschaft in Vielfalt SEKEM bietet allen, die das Leben und Arbeiten in ihr prägen, einen Platz als Mitarbeiter und Mitgestalter.

Individuum und Gemeinschaft: in SEKEM erhalten alle Teilhaber an der Gemeinschaft die Möglichkeit, produktiv zu ihrer Entwicklung beizutragen, wie dieser Schüler der heilpädagogischen Einrichtung.

W

ie die “Blüte der Nachhaltigkeit”, SEKEMs neues Leitbild für Nachhaltigkeit, zeigt (siehe SEKEM Insight 08.2010), entfaltet sich gesunde Entwicklung in der Sozialgemeinschaft der Initiative in den Dimensionen des Geisteslebens, des Rechtslebens, des Wirtschaftslebens und der Ökologie. Innerhalb SEKEMs umfasst das kulturelle Leben vor allem die Bereiche Bildung und Kultur, das Rechtsleben die Aspekte gesellschaftlicher Übereinkünfte und sozialer Strukturen

und das Wirtschaftsleben die ökonomische Tätigkeit der Betriebe. SEKEM Insight setzt die Beitragsreihe zur Einführung in die Kernthemen des neuen Nachhaltigkeitsberichts fort. Diesmal im Fokus: das Rechtsleben. Das Rechtsleben umfasst diejenigen Regeln, die sich die Gemeinschaft der Menschen in SEKEM zur Regelung ihres gemeinsamen Lebens und Arbeitens gibt. Es geht dabei jedoch auch um die Rolle, die SEKEM als SEKEM Insight | September 2010 | Seite 1


Wirtschaft

Ganzes in der ägyptischen und internationalen Gemeinschaft der Menschen und ihrer Institutionen einnimmt. Die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft formt soziale Beziehungen, während die Regeln einer Gemeinschaft gleichzeitig die Möglichkeiten und Spielräume des Einzelnen bestimmen. Eine gerechte Gesellschaft basiert auf der Anerkennung der Menschenrechte des Individuums, der Gleichheit vor dem Gesetz sowie gleichen Möglichkeiten gesellschaftlicher Partizipation. Eine faire Kooperation der Menschen, heute und mit Blick auf künftige Generationen, ist eine zentrale Bedingung für friedliche Entwicklung. Der SEKEM Verhaltenskodex Im August 2009 hat SEKEM einen Verhaltenskodex eingeführt, der einen kompakten Überblick über den Werterahmen verschafft, der schon immer die Grundlage der Arbeit aller Institutionen SEKEMs bildete. Auch von allen Kooperationspartnern wird eine Orientierung an diesen Werten erwartet. Das Dokument enthält explizite Selbstverpflichtungen hinsichtlich der Einhaltung von Gesetzen, ethischem Verhalten auch in geschäftlichen Angelegenheiten, dem Kampf gegen Korruption, der Schaffung angemessener Arbeitsbedingungen, der Einhaltung der Menschenrechte sowie dem Umweltschutz. Fairer Handel und Menschenrechte Der Verhaltenskodex bekräftigt den Schutz der Menschenrechte sowie Engagement für ihre Einhaltung überall dort, wo SEKEM Einfluss hat. Um seine Umsetzung in der Wertschöpfungskette der SEKEM-Unternehmen gewährleisten zu können, kommen die Prinzipien des fairen Handels zur Anwendung. Faire Preisgestaltung und langfristige Verträge mit den Vertragsbauern federn diese gegen die Unwägbarkeiten des Weltmarktes ab. Ein Großteil der Produkte ist von der Fairtrade Labeling Organization (FLO) zertifiziert. Bei Produkten die

Stand und Entwicklung: jedem Indikator des sozialen und rechtlichen Lebens korrespondiert ein Zustand- und ein Entwicklungswert gemäß der drei Ampelfarben.

davon nicht abgedeckt sind, kommen andere Zertifikate wie der demeterStandard zum Tragen. Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter Die SEKEM Unternehmensgruppe möchte als Vorbild dienen und bietet allen Mitarbeitern auch in Ägypten noch immer ungewöhnliche Leistungen wie eine sichere Arbeitsumgebung, permanenten Krankenversicherungsschutz und medizinische Leistungen. Alle SEKEM Firmen wenden ein international anerkanntes System für den Arbeitsschutz an (OHSAS 18001) und setzen Mitarbeiter ein, die dies ständig überprüfen. Die SEKEM Krankenstation steht allen Mitarbeitern zur Verfügung. Sie bietet auch Leistungen für die umliegenden Dorfgemeinschaften. Kulturelle Vielfalt und Gleichberechtigung SEKEM vertritt das Recht jedes Einzelnen auf faire Behandlung und der Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft sowie am Arbeitsplatz. In allen Institutionen SEKEMs werden Respekt und Wertschätzung für kulturelle Unterschiede gelebt. Islamische und christliche Bräuche können gleichberechtigt praktiziert werden. 2009 hat SEKEM an einem Programm der UNIFEM-Organisation der Vereinten Nationen zum Thema Chancengleichheit von Frauen teilgenommen. In dessen Zuge hat ISIS den „Gleichberechtigungspreis 2009“ gewonnen und wurde mit großem Abstand als frauenfreundlichstes Unternehmen in Ägypten ausgezeichnet.

Vielfalt in SEKEM bedeutet auch angemessene Arbeitsplätze für behinderte Mitarbeiter zu schaffen, die nur in einem geschützten Umfeld produktiv tätig sein können. Im Arbeitsalltag begleitet sie das heilpädagogische Zentrum SEKEMs. Teamgeist und Zusammenarbeit SEKEM ist bestrebt, in allen Institutionen bewusst gelebtes Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. SEKEM möchte nicht „nur“ die materielle Zufriedenheit der Mitarbeiter durch angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen sicherstellen. Zugehörigkeitsgefühl und Teamgeist bilden den Rahmen, die persönliche Entwicklung aktiv zu fördern. Abgesehen von wöchentlichen Zusammenkünften, zu denen jeder seine Anregungen für das Leben und Arbeiten in SEKEM beitragen kann, werden im Zuge des Nachhaltigkeitsberichtes nun regelmäßig auch eine Vielzahl punktueller Daten systematisch ausgewertet. Tabellen wie diese (siehe Abbildung) zeigen, was bereits erreicht wurde und wo noch Nachholbedarf besteht SEKEM als engagierter ‘Weltbürger’ Im Vordergrund stehen im Rahmen von SEKEMs politischem Engagement auf nationaler und internationaler Ebene das Potenzial nachhaltiger Landwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel, die Wichtigkeit nachhaltigen unternehmerischen Handelns für ein neues Weltwirtschaftsmodell der Zukunft sowie die Notwendigkeit von Forschung und Innovation für eine umweltfreundlichere und sozial verträglichere Wirtschaftsweise. Magdalena Kloibhofer

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Kultur

Mehr Nachhaltigkeit auch in der Bildung Träger des alternativen Nobelpreises entwerfen an der Alanus Hochschule Visionen für eine nachhaltige Bildung

Martin Pacheco, Patrick van Rensburg, Dr. Ibrahim Abouleish, Sulak Sivaraksa, Swami Agnivesh, Prof. Dr. Marcelo da Veiga, Dr. Ponna Wignaraja, Prof. Dr. Raúl Montenegro, dahinter Studierende der Hochschule.

A

cht Menschen stehen sich auf der Bühne paarweise gegenüber, geben sich die Hand und versuchen mit der gefassten Hand ihren Partner an der Hüfte zu berühren, wer die meisten Treffer hat gewinnt. Einer der acht ist Alyn Ware, Friedensaktivist aus Neuseeland und Träger des alternativen Nobelpreises. Mit dieser praktischen Übung veranschaulicht er einen Ansatz der Konfliktlösung. Sieger des Spiels ist das Paar, das nicht miteinander kämpft, sondern sich einvernehmlich im Wechsel immer wieder gegenseitig berührt.

Im Rahmen einer Tagung zum Thema „Bildung neu denken“ an der Alanus Hochschule, an der auch Dr. Ibrahim Abouleish teilnahm, gab Ware Einblicke in die Friedenserziehung in Neuseeland, für die er 2009 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden war. Er demonstrierte damit Beispiele für die Bedeutung von Bildung zur Gestaltung einer lebenswerten Zukunft. Gemeinsam mit Ware und Abouleish diskutierten rund 300 Teilnehmer

und weitere sieben Träger des Alternativen Nobelpreises zwei Tage lang Perspektiven für zukunftsfähige Bildung. Die Preisträger sind einflussreiche Wegbereiter sozialer und ökologischer Bewegungen und wurden in den vergangenen Jahren von der Right Livelihood Foundation geehrt, weil sie sich in herausragender Weise für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Nachhaltigkeit - auch in der Bildung Dass bei der Lösung der weltweiten ökologischen und sozialen Probleme Bildung eine wichtige Rolle spielt, daran besteht kein Zweifel. „Doch welche Form von Bildung benötigen wir, um langfristig die natürlichen und sozialen Grundlagen der Welt zu bewahren und unsere Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten?“, dies ist laut Marcelo da Veiga, Rektor der Alanus Hochschule eine der entscheidenden Fragen. Das gegenwärtige westliche Bildungssystem scheint dafür ungeeignet. Denn es ist, so kritisiert unter anderem der Thailänder

Sulak Sivaraksa, der im Jahr 1995 den Alternativen Nobelpreis erhielt, „allein auf Wissen und Denken fixiert“. Descartes Sinnspruch „Cogito ergo sum – ich denke also bin ich“ symbolisiert für den Buddhisten eine gefährliche, da Ich- und Intellektbezogene Einstellung. Nicanor Perlas von den Philippinen, der sich für eine gerechte Globalisierung einsetzt und 2003 gemeinsam mit Dr. Ibrahim Abouleish von der Right Livelihood Foundation ausgezeichnet wurde, sieht außerdem die Gefahr, „dass Bildung heute nicht den Menschen, sondern der Wirtschaft, der Technologie und dem Markt dient“. In vielen Bildungsinstitutionen würden lediglich Fertigkeiten vermittelt, die Heranwachsende benötigen, um im globalisierten Wirtschaftssystem bestehen zu können und sich „angepasst in einer materialistischen und technisierten Welt zu verhalten“. Beide plädieren dafür, geistigen und spirituellen Elementen in der Bildung einen höheren Stellenwert zuzuweisen. Denn nur so können laut Perlas „wirkliche Werte gebildet werden“, eine der wichtigsten Voraussetzungen für gesellschaftliches und ökologisches Engagement. Das Ziel jeder nachhaltigen Bildung muss sein, „wahrhaftig Mensch zu werden“, betont Perlas. „Zu verstehen, wer wir sind und was unsere Aufgabe in der Welt ist.“ Eigene Fragen stellen lernen Die Veranstaltung, die für Studenten und die allgemeine Öffentlichkeit geöffnet war, stieß auf große Resonanz. „Wir alle können etwas bewegen, müssen uns aber selbst fragen, was wir mit unserem Leben ermöglichen möchten“, diese Erkenntnis ist für Clara von Recklinghausen zwar nicht neu, für die BWL-Studentin der Alanus Hochschule SEKEM Insight | September 2010 | Seite 3


Kultur

ist sie durch die Veranstaltung aber noch einmal unterstrichen worden. Sie hat sich vorgenommen, nun genauer zu untersuchen, in welcher Gemeinschaft sie lebt, sich ihr bewusster und verbindlicher zu öffnen. Für Mathias Wanner, Psychologie-Student aus Münster war die Veranstaltung vor allem die Gelegenheit, „konkrete Lebensweisheiten von sehr aktiven, erfahrenden Menschen übermittelt zu bekommen“. Studenten in direkten und persönlichen Austausch mit den vielfältigen Visionären zu bringen und die Diskussion ihrer Denkansätze zu ermöglichen, ist, so Rektor da Veiga, auch eines der wichtigsten Anliegen der Hochschule. Einen ganz eigenen, neuen Weg in Sachen Studium geht die Studentin Tania Zuur, die eigens aus Schweden angereist ist, um an der Veranstaltung teilzunehmen und die Nobelreisträger zu erleben. Sie gehört zu einer internationalen Gruppe von jungen Menschen, die ihr Studium fern von universitärer Institutionalisierung selbst organisieren. „Jeder muss für sich seine Frage, sein Thema finden, dann sucht er sich den Ort und den Lehrer, von dem er etwas lernen kann“. Wichtig ist ihr dabei vor allem, sich selbst zu entwickeln; ein Hochschuldiplom findet sie hierfür überflüssig. Rolle der Universitäten heute Welche Rolle spielen Universitäten im globalen Bildungsprozess? Rául Montenegro, Umweltaktivist aus Argentinien sieht sie als „Fabriken, in denen kulturelle Klone produziert werden“. Und auch Nicanor Perlas beobachtet kritisch die Entwicklung der Universitäten hin zu Institutionen, die Menschen zum funktionierenden Element in der globalisierten Wirtschaft bilden wollen. Aufgabe eines Studiums sei es vielmehr, zum Fragestellen anzuregen, Menschen darin zu bilden, Dinge zu reflektieren und bestehende Systeme zu hinterfragen. Aufgabe der Universitäten ist es Rebellen zu produzieren“, spitzte Swami Agnivesh, Aktivist aus Indien und Preisträger 2004, seine Vision im Schlussstatement zu.

Engagierter Austausch zwischen Jung und Alt: Studenten diskutieren mit Preisträger Dr. Ponna Wignaraja auf der Veranstaltung an der Alanus Hochschule

Für Innovationen benötige es, so betonte Dr. Ibrahim Abouleish, neben wissenschaftlichen Inhalten auch Kunst und Philosophie. 2003 hatte er für SEKEM den alternativen Nobelpreis für das Geschäftsmodell der Initiative entgegengenommen, das wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer und kultureller Entwicklung verbindet. Die entstehende Heliopolis Universität für nachhaltige Entwicklung verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und verbindet Naturwissenschaften mit Geistes- und Kulturwissenschaften. „Unser Planet leidet an zu viel Linearität“ meint Abouleish. Ein wissenschaftliches Studium fördere allein das lineare Denken. „Wir brauchen Kunst und Philosophie, um die Vorstellungskraft zu entwickeln, um auf neue Ideen zu kommen“. Nur so könne nachhaltige Entwicklung und das Potential zur Veränderung entstehen. Bei der Entwicklung des Bildungsmodells der Heliopolis Universität, die unter anderem auch ein im arabischen Raum neues „Studium Fundamentale“ anbieten möchte, hat auch die Alanus Hochschule Pate gestanden. Heliopolis Universität vor Eröffnung Abouleish ist der Meinung, dass eine Universität für nachhaltige Entwicklung weltweit und speziell in

Ägypten dringend gebraucht wird. Die in Ismailia beheimatete Institution, die im Oktober 2011 die ersten Studenten zulassen will, ist auf der Suche nach weitsichtigen Antworten und innovativen Problemlösungen. Daher wird sich die neue Einrichtung in ihrer Arbeit auch besonders praxisorientiert Themen wie dem Kampf gegen den Klimawandel, die Ressourcenknappheit, das Bevölkerungswachstum oder die extreme Armut als den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts annehmen. Die nicht profit-orientiert arbeitende Institution habe sich zur Erreichung dieser Ziele nachhaltige Entwicklung und besonders nachhaltige Bildung explizit auf die Fahnen geschrieben. Denn um sie langfristig zum Erfolg zu führen sei nichts dringlicher als ein Paradigmenwechsel in Bildung und Forschung. Alanus Hochschule mit Material von Bijan Kafi

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Mehr Informationen: Alanus Hochschule www.alanus.edu Heliopolis Universität http://bit.ly/bYgD7l

SEKEM Insight | September 2010 | Seite 4


Impressionen

Impressionen aus SEKEM

ATOS Pharma, SEKEMs phytopharmazeutischer Betrieb, wurde 1986 gegründet. Die Firma produziert auf natürlichen Wirkstoffen beruhende Pharmazeutika und Nahrungsergänzungsmittel, die in Ägypten und Ländern des Mittleren Ostens vertrieben werden. ATOS hat in den vergangenen Jahren besonders intensiv mit dem ägyptischen Zentrum für industrielle Modernisierung (IMC) kooperiert um wettbewerbsfähiger zu werden. Im Zuge derartiger Projekte wurden unter anderem die Gehaltsstruktur der Firma überarbeitet und Verbesserungen an der Maschinenauslastung, Produktivität und an der Verringerung des Abfallaufkommens während der Produktion vorgenommen. Insgesamt produziert die Firma heute 55 verschiedene Produkte. Unter ihnen finden sich zum Beispiel Sirupe, Dragees, Kapseln, Tabletten und Teepräparate. 198 Mitarbeiter arbeiten heute für die Firma, die rund 14 Prozent des Absatzes der gesamten SEKEMGruppe erwirtschaftet und weiter wächst. ATOS ist übrigens für ca. 15 Prozent der Abfälle, die SEKEM produziert, verantwortlich. Alle geschäftlichen Flüge von ATOS-Mitarbeitern werden durch CO2-Zertifikate ausgeglichen und das Abwasser, das der ATOSProduktion entstammt, wird zur Bewässerung von nicht landwirtschaftlich genutzten Pflanzen auf dem Betriebsgelände benutzt.

SEKEM Insight | September 2010 | Seite 5


Kurznachrichten

„One-World-Award“ auf Rapunzel-Festival verliehen

In Rahmen einer festlichen Gala mit über 700 geladenen Gästen aus aller Welt wurden am 17.09.2010 in Legau die Preisträger des 2. Internationalen „One World Awards“ geehrt. Die OWAStatue und der Scheck in Höhe von 25.000 Euro – gestiftet von RAPUNZEL NATURKOST – gingen an Dr. Hans Rudolf Herren, Gründer der Stiftung Biovision in der Schweiz, und BioBäuerin Rachel Agola aus Kenia. Den „One World Lifetime Achievement Award“ erhielt Bio-Pionier Bhaskar H. Save aus Indien. Prof. Wangari Matu Maathai aus Kenia bekam den „One- World-„VIP“-Award“. SEKEMs Geschäftsführer Helmy Abouleish nahm als Finalist teil. „Globalisierung ist nur dann zukunftsfähig, wenn vorhandene Ressourcen auf allen Gebieten ausgeglichen und geteilt werden: materiell und ökonomisch, geistig und sozial.“, so Joseph Wilhelm, Gründer und Vorstand RAPUNZEL Naturkost. „Unsere fünf ‚OWA’-Finalisten tragen genau dazu mit außergewöhnlichem Engagement bei.“ Finalist Helmy Abouleish fasste die Stimmung bei der Vergabe treffend zusammen: „Ohne Sie, unsere Freunde, wären wir nicht das, was wir heute sind. Wir alle haben es selbst in der Hand, diese Welt besser zu machen.“ Joseph Wilhelm hatte den Preis 2008 eingerichtet. Er soll dabei helfen einen Weg zu finden die Chancen der Globalisierung zu nutzen und die Welt besser und fairer zu machen. Der „One World Award“ ist mit 25.000 Euro dotiert. Die International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) hat die Schirmherrschaft übernommen. Der Preis wird alle zwei Jahre übergeben.

Internationale Pressekonferenz mit SEKEM-Beteiligung

Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum und das Rudolf-Steiner-Archiv in Dornach, Schweiz, veranstalten am 4. November 2010 eine internationale Pressekonferenz, an der auch kulturkreative Vertreter der Anthroposophie aus allen Kontinenten anwesend sein werden. Vertreter SEKEMs werden bei der Pressekonferenz an einem runden Tisch zum Thema „Initiative – Grundbedingungen für Friedensfähigkeit und Kultur“ teilnehmen. Möglichkeit zu Gesprächen wird im Anschluss gegeben sein. Die Pressekonferenz ist Teil der Vorbereitungen zum 150. Mal wiederkehrende Geburtsjahr Rudolf Steiners im Jahre 2011. Der gesellschaftskritische Denker und Autor (1861–1925) inspiriert bis heute zeitgenössische Künstler, Unternehmer und Wissenschaftler auf der ganzen Welt. Er trat ein für ein ganzheitliches Verständnis von Mensch und Erde, gründete die Waldorfschulen und war Pionier der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Seine Innovationen prägen heute in vielfältigen Formen das Kultur- und Alltagsleben – ob in einem anderen Umgang mit Natur und Technik, Medizin und Kosmetik oder in Raum- und Farbgestaltung. Über tausend Waldorfschulen und mehrere hundert sozialtherapeutische Einrichtungen, Bankinstitute, Kliniken und landwirtschaftliche Betriebe auf allen Kontinenten zeugen von der Nachhaltigkeit von Steiners Gedanken. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts haben seine Impulse zur ökologischen Verantwortung, zum Verhältnis von Arbeit und Geld und zur Prävention gesundheitlicher und sozialer Missstände neue Brisanz erhalten.

Quelle: One-World-Award

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Mehr Informationen: www.one-world-award.de

Quelle: Rudolf-Steiner-Archiv

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Mehr Informationen: www.rudolf-steiner-2011.com

“Alternative Nobelpreis” mit großer Medienwirkung

„Ein Unternehmen, das sich um Forschung, Bildung, Kunst - und um Gesundheit und Menschenrechte kümmert, das Tausenden von Menschen nicht nur Einkommen, sondern Lebenssinn und Perspektive gibt, das Ökologie ganz groß schreibt und obendrein ökonomisch floriert und expandiert: Das klingt nach Wunder.“ schrieb WDR3 anlässlich des Interviews mit Dr. Ibrahim Abouleish vergangene Woche über SEKEM. Das Interview ist nun zusammen mit einer Vielzahl an Radiound Fernsehbeiträgen über die Jubiläumswoche des „Alternativen Nobelpreises“ und die Arbeit einzelner seiner rund 130 Preisträger auch im Internet abrufbar. Wir haben Ihnen hier eine Auswahl zusammengestellt. Mit einem * markierte Links verweisen auf Interviews mit Dr. Ibrahim Abouleish.

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WDR Resonanzen* http://bit.ly/aHRFKu Bayrischer Rundfunk http://bit.ly/b3Cst7 Hessischer Rundfunk http://bit.ly/aaVBvb Deutschlandfunk Köln* http://bit.ly/bphPCa

Herausgeber v.i.S.d.P.: SEKEM, Egypt Die Redaktion von SEKEM Insight dankt allen Korrespondenten, die an dieser Ausgabe mitgewirkt haben. Redakteure: Christina Boecker Bijan Kafi Kontakt: SEKEM-Insight c/o SEKEM Holding P.O.Box 2834, El Horreya, Heliopolis, Cairo, Egypt insight@SEKEM.com Bildnachweis: 2,3: Alanus Hochschule; 1,5: Bijan Kafi Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Einwilligung des Herausgebers. Markenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Markeninhaber.

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