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Nr. 94 - Juni 2010

Insight

SEKEMs Journal für Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in Ägypten

Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser wenn Sie sich als Leser von SEKEM Insight an uns von der Redaktion wenden, um uns Ihre Meinung, Kritik oder Anregung mitzuteilen, dann verwenden Sie dafür meist die e-mail. Die Zeiten, in denen Redaktionen Leserbriefe im buchstäblichen Sinne erhielten, sind lange vorbei. Heute schreiben Sie uns entweder elektronisch oder rufen uns an.

Nachhaltigkeit

Eurythmie

Auszeichnung

Helmy Abouleish spricht auf SusCon

Erste Ausbildung in Ägypten

Helmy Abouleish für Preis nominiert

Biodynamische Landwirtschaft schafft und fördert biologische Vielfalt Helmy Abouleish spricht auf der SusCon-Messe in Nürnberg zum Thema Nachhaltigkeit in landwirtschaftlichen Unternehmen.

Immer häufiger nutzen Sie allerdings auch soziale Netze, um mit uns und SEKEM selbst zu kommunizieren. Viele Freunde und Unterstützer SEKEMs folgen ihren verschiedenen Projekten zum Beispiel auf Facebook, das vor allem unter jungen Leuten beliebte Netzwerk. Auch Twitter wird immer beliebter. Der noch junge Dienst eignet sich besonders für Kurznachrichten. Helmy Abouleish spricht auf der SusCon 2010.

Mit dem Erscheinen dieser Ausgabe erreichen Sie auch die SEKEM-Insight-Redaktion in Deutschland sowie das Team für SEKEMs Öffentlichkeitsarbeit im deutschsprachigen Raum über die beiden bekannten Dienste. Wir würden uns freuen, wenn Sie die in dieser Ausgabe eingegliederten Links noch häufiger nutzen würden, um uns ihre Meinung zu sagen und unsere Arbeit zu unterstützen.

Ihr Redaktionsteam

B

ei der SusCon 2010, einer Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit und Unternehmertum, die im Juni in Nürnberg stattfand, demonstrierte Helmy Abouleish dem Fachpublikum anhand konkreter Beispiele, wie durch biodynamische Landwirtschaft Biodiversität geschützt werden kann, und wie sie zur Meisterung umweltbezogener Herausforderungen des 21. Jahrhunderts beitragen kann. Dazu stützte er sich in umfassender Weise auf Erfahrungen, welche die SEKEMInitiative im Verlauf der vergangenen

30 Jahre mit der Einführung neuer landwirtschaftlicher Techniken in Ägypten gemacht hat. Ökosysteme und ihre Leistungen Die heute noch bestehende biologische Vielfalt bildet die Grundlage der Ökosysteme, von denen das Leben des Menschen abhängig ist. Sei es aufgrund von Nahrung, von frischem Wasser, Gesundheit und Erholung, oder als Schutz vor Naturkatastrophen. Ihr Verlust hat für den Menschen nicht SEKEM Insight | Juni 2010 | Seite 1


Wirtschaft

zwei Hektar Land, hat SEKEM nun in diesem Jahr auch die Anbauflächen für dieses Projekt vergrößern können.

SEKEM rekultiviert einheimische ägyptische Bienenarten

nur materielle, sondern auch kulturelle und psychische bzw. seelische Auswirkungen. Aktuelle Entwicklungen nähern sich dabei einigen potenziell gefährlichen Wendepunkten, in deren Überschreitung Wissenschaftler katastrophale Auswirkungen für das menschliche Leben und die Kapazitäten der Ökosysteme ausgemacht haben, welche diese lebensnotwendigen Leistungen bereitstellen. Arme und Benachteiligte gehören weltweit zu den am stärksten von dieser Entwicklung betroffenen Bevölkerungsgruppen. Sie werden zuerst und besonders stark von ihr betroffen sein. Dadurch ist auch die Umsetzung der UN-Millenniumsvorhaben in Gefahr: Erhalt der Ernährungssicherheit, Armutsbekämpfung und eine insgesamt gesündere Weltbevölkerung. Potentiale der biologischdynamischen Landwirtschaft nutzen Der Erhalt der biologischen Vielfalt würde auch einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten. Darüber hinaus können auch dessen negative Langzeiteffekte verringert werden, da Ökosysteme und auch die Gesellschaft belastbar bleiben.

SEKEMs biologisch-dynamische Landwirtschaft macht sich die Potenziale verschiedener komplexer Ökosysteme und die Synergien zwischen Pflanzen und Tieren zunutze. Denn um die Produktivität landwirtschaftlicher Ökosysteme zu steigen, versorgt die Natur den Menschen mit einer Vielzahl an Leistungen, die meist kein Geld kosten und dazu oft mehrfach Vorteile aufweisen. SEKEM strebt sowohl nach der Wiederbelebung traditionellen landwirtschaftlichen Wissens und seiner Anpassung an verschiedene geographische und klimatische Bedingungen, als auch nach der Entwicklung neuer und innovativer Lösungen. Beispiele umfassen unter anderem erste Erfolge in der Kultivierung gesunder Völker der in Ägypten beheimateten Bienenart „Apis mellifera lamarckii“, welche durch Pestizide, intensive Landwirtschaft und importierte Königinnen vom Aussterben bedroht war. Zur natürlichen Bekämpfung von Schädlingen hat SEKEM ebenfalls begonnen, Insekten zu züchten und zu verkaufen, die in Gewächshäusern die Ernte vor Schädlingen schützen (SEKEM Insight berichtete). Beim Anbau von Trauben und Obstbäumen arbeitet SEKEM bereits seit Jahren erfolgreich mit Gründüngung und synergetischer Schädlingsbekämpfung. Nach einem Versuch von Agroforstwirtschaft auf

So können die Vorteile dieser Synergien, die von der Natur bereitgestellt werden, noch besser genutzt werden. Eine Zusammenstellung ausgewählten Saatguts, von Bäumen und Sträuchern verbessert zum Beispiel die Bodenstruktur und ist gleichzeitig darauf ausgerichtet, die Synergien zwischen Arten bezüglich der Verfügbarkeit von Nährstoffen und der Schädlingsbekämpfung zu nutzen. So bieten Reihen von Obstbäumen auf Feldern zum Beispiel Kräutern Schatten, deren Blüten wiederum Bienen und Raubinsekten nähren, die ihrerseits für die Bestäubung der Obstblüten benötigt werden. Richtige Sorten auswählen Trotz eines breiten Katalogs von Maßnahmen liegt das größte Potenzial in der sorgfältigen Auswahl geeigneter Sorten. SEKEM hat hier Pionierarbeit geleistet. Zusammen mit der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft ist man bemüht, Wissen zu mehren und zu teilen. So wird seit langem daran gearbeitet, durch Aufzeichnung der ursprünglichen Flora der Region mithilfe eines Herbariums die gefährdeten Pflanzen Ägyptens zu erhalten. Regionale Sorten wurden für ein Programm zur Verbesserung der Qualität geprüft und ausgewählt, wodurch Qualitäts- und Effizienzsteigerungen des Saatgutes von rund 200% erreicht werden konnten. SEKEMs Beteiligung am „Nationalen Programm für genetische Ressourcen“, die Zusammenarbeit mit einer Genbank, das Engagement für die Entwicklung einer „Nationalen Strategie zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von wilden Heilpflanzen“ sowie die Beteiligung an Veranstaltungen gehören zu den Anstrengungen, die lokale und regionale biologische Vielfalt zu erhalten. Magdalena Kloibhofer Klicken sie für Neues über Helmy Abouleish auf Facebook.

SEKEM Insight | Juni 2010 | Seite 2


Wirtschaft

“One World Award”: Helmy Abouleish für SEKEM unter den Finalisten Fünf Finalisten wurden von der Jury für den “One World Award 2010” ausgewählt, der auf dem Rapunzel-Festival im September vergeben wird.

D

ie fünf Finalisten des „One World Awards“ 2010, die jetzt von der Jury nominiert wurden, tragen, so das Komitee „mit außergewöhnlichem Engagement dazu bei, der Globalisierung eine Chance, aber vor allem eine positive Dimension zu geben. Durch ihr Handeln setzen sie sich in besonderen Maßen für eine lebenswerte Zukunft ein.“ Für SEKEM tritt in diesem Jahr Helmy Abouleish an. Die übrigen Finalisten sind:

Beti Minkin, der sich seit 1994 aktiv für die Entwicklung nachhaltiger Dorfprojekte in Anatolien/Türkei einsetzt. 2006 gründete sie die „Anatolia Foundation“ mit dem Ziel, die kulturellen Traditionen und die Biodiversität in der Region zu bewahren. Eines der wichtigsten Projekte der Stiftung ist die Förderung der biologischen Landwirtschaft und der Erhalt alter Getreidesorten, wie z.B. Emmer. Beti Minkin ist es gelungen, über 200 Familien in das Projekt zu integrieren und Einkommensmöglichkeiten für sie zu schaffen. Vor allem für die Frauen vor Ort ist sie ein sehr wichtiges Vorbild. „EL CEIBO“ ist ein Zusammenschluss von 1.200 Kakao-Bauern in Bolivien. Gegründet 1977 gehört die Produzentengenossenschaft zu den Pionieren des biologischen Kakaoanbaus. Das Angebot reicht vom hochwertigen BioKakao als Rohware bis zu BioSchokoladenprodukten. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette handelt „EL CEIBO“ nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus und des Fairen Handels. Die Genossenschaft engagiert sich auch im sozialen Bereich: Neben Altersvorsorge, Gesundheits- und Ausbildungsunterstützung arbeitet

sie mit einer Mikrofinanzorganisation zusammen und ermöglicht Bauern Kredite, damit sie in ihre Arbeit investieren können. Dr. Hans Rudolf Herren gründete 1998 die Stiftung Biovision in der Schweiz mit dem Ziel, die Lebenssituation der Menschen in Afrika nachhaltig zu verbessern und die Natur als Grundlage allen Lebens zu erhalten. Der weltweit anerkannte Insektenspezialist Hans Rudolf Herren hat in den 80er Jahren mit der biologischen Bekämpfung von Schmierläusen im Grundnahrungsmittel Maniok Millionen von Menschen in Afrika vor dem Hungertod gerettet. 1995 wurde er dafür als erster und bisher einziger Schweizer mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet. Biovision leistet Hilfe zur Selbsthilfe und fördert ökologisches Denken und Handeln. Weitere Projektschwerpunkte sind: Malariaprophylaxe und Bekämpfung, Förderung des Kleingewerbes und Schutz der Biodiversität.

nominiert. Die Jury lobt das „ganzheitliche Konzept, das die drei Säulen Ökonomie, Sozial und Kultur verbindet. SEKEM steht für qualitativ hochwertige Lebensmittel , die mit dem Einsatz von Methoden der biodynamischen Landwirtschaft hergestellt werden.“ Spannend bleibt die Frage, wer die handgefertigte „One World Award“Statue und das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro – gestiftet von RAPUNZEL NATURKOST – erhält. Am 17. September 2010, im Rahmen des Rapunzelfestivals in Legau, heißt es dann „And the winner is ...“ Der „One World Award“ wurde 2008 erstmals verliehen. Die International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) hat die Schirmherrschaft übernommen. Das Rapunzel-Festival steht auch der allgemeinen Öffentlichkeit offen. Bijan Kafi mit Material des „One World Award“

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Mehr Informationen: www.one-world-award.de

Franziska Kaguembèga-Müller ist Gründerin der Schweizer „newTree Foundation“. Unter dem Slogan: „Daring visions – living dreams“ (Visionen wagen – Träume leben). In Burkina Faso leitet sie das Projekt zur Wiederbewaldung der Sahelzone Afrikas, um die Lebensgrundlage der ländlichen Bevölkerung zu verbessern und eine Regeneration des Bodens und der Vegetation zu ermöglichen. Helmy Abouleish und SEKEM wurden für ihren Beitrag zu einer „globalen nachhaltigen Entwicklung von Individuum, Gesellschaft und Umwelt“

SEKEM Insight | Juni 2010 | Seite 3


Kultur

Erster Eurythmieabschluss in SEKEM beschließt Pilotprojekt Der erste ägyptische Eurythmiestudent beendet sein siebenjähriges Studium erfolgreich mit dem Diplom. der Vorbereitungen für mein Diplom und auch während der Übungsstunden im Verlauf der vergangenen 7 Jahre ging ich in meinem Leben durch viele Höhen und Tiefen. Auch mein soziales Leben hat sich während dieser Zeit gemeinsam mit meinem spirituellen Leben verändert. Mein Ausblick auf die Welt ist toleranter, buchstäblich weltoffener geworden und ich habe oftmals neue Motivation erfahren, mich selbst noch mehr auszubilden und durch ein intensiveres Studium mir mehr Kenntnisse über den Menschen und die Welt anzueignen“.

Eurythmie kann seit 2003 im Rahmen eines Pilotprojektes in SEKEM studiert werden

Am 20. und 24. Mai 2010, hat nach 7-jährigem Studium der erste ägyptische Eurythmiestudent seine eurythmische Grundausbildung beendet.

würde. Inzwischen wird die Eurythmie intensiv in der SEKEM-Schule, im Berufsbildungszentrum und in den Betrieben gepflegt.

Die Diplomaufführung fand auf der Bühne der Heliopolis Akademie statt. Zusammen mit seinen 7 Kollegen und Kolleginnen des 4. und 2. Ausbildungsjahres stellte Mohamed Mamdouh sein Können und seine künstlerische Ausdruckskraft in Stücken für Gruppen und Solodarstellung unter Beweis. Mit ihm zusammen hat auch Viola Zweifel als „europäische Kollegin“ ihren Abschluss absolviert. Mit seinem Abschlussvortrag „Eurythmie als Weg, Methode und Erfahrung im Leben“, den er vor den 70 LehrerkollegInnen der SEKEM-Schulen hielt, stieß er auf großes Interesse.

Praxis schon im ersten Jahr

Als SEKEM die EurythmieAusbildung vor 7 Jahren im Juni 2003 als Pionierkurs begann, war durchaus noch nicht vorauszusehen, wie sich ein solches Vorhaben entwickeln

Ein Charakteristikum der SEKEM Eurythmieausbildung ist, dass die Studenten vom ersten Jahr an in der praktischen eurythmischen Unterrichtstätigkeit stehen. Es ist zu erleben, wie die StudentInnen an der praktischen Erfahrung des Unterrichtens der Kinder aller Altersstufen und der Mitarbeiter in den Betrieben innerlich wachsen und sich zu künstlerisch geschulten, ausdrucksvollen Persönlichkeiten entwickeln. Denn sie erlernen parallel zu ihrer Ausbildung bereits im Alltag den Umgang mit den „eurythmischen Arbeitsfeldern“ und sie eigenständig und selbstständig vertreten zu können. Im Rückblick auf die Jahre seiner Ausbildung sagte Mohamed am Tag seines Diplomabschlusses: „Während

Auch die Studenten des 2. Jahres blickten auf ihrer ersten Erfahrungen mit der Eurythmie. Alle äußerten, dass sie durch die Eurythmie eine Bewusstseinserweiterung erfahren hätten, ruhiger geworden seien und ihre Alltagsprobleme besser zu meistern gelernt hätten. Sie verspüren nach eigener Aussage eine Veränderung in sich selbst vorgehen und lernten mit ihren Gefühlen besser umzugehen. „Ich schaue auf das Leben und die Dinge um mich her nicht mehr nur auf eine Weise, sondern sehe, dass es viele Möglichkeiten gibt, sie zu betrachten“, sagt Fawzy, der nach 6 Jahren Sportunterricht an der SEKEM Schule nun im 2. Jahr Eurythmie studiert. Es bleibt nun zu hoffen, dass nach der ersten Pionierphase die ägyptische Eurythmieausbildung in eine neue Phase eintreten kann, in der die ersten Absolventen mit der Eurythmie im Land wirksam werden. Durch sie und ihre Nachfolger kann die Eurythmie im ganzen Land besser bekannt werden. Martina Dinkel, Christoph Graf Klicken sie für Neues über SEKEM auf Facebook.

SEKEM Insight | Juni 2010 | Seite 4


Kultur

„Wer Ziele hat, dem wachsen Flügel“: Dr. Ibrahim Abouleish erhält Ehrendoktorwürde Nach der Auszeichnung der Medizinischen Universität Graz erhält Dr. Ibrahim Abouleish nun auch die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität.

Dr. Ibrahim Abouleish empfängt die Ehrendoktorwürde aus der Hand von Rektor Prof. Hans Sünkel

Am 2.Juni 2010 vergab die Technische Universität Graz ihre höchste akademische Auszeichnung: Prof. Dr. Ibrahim Abouleish erhielt das Ehrendoktorat der technischen Wissenschaften „in wissenschaftlicher Anerkennung seiner einzigartigen Innovationen auf dem Gebiet des sozio-kulturellen Unternehmertums und der nachhaltigen Entwicklung“. Ibrahim Abouleish, der 1937 in Mashtul im Nildelta geboren wurde, kam 1956 nach Graz zum Studium der Medizin und der Technischen Chemie. Der Festakt fand in der Aula der Technischen Universität Graz statt, in jenem Raum, in dem Ibrahim Abouleish im Jahre 1965 zum Diplomingenieur graduiert und 1969 zum Doktor promoviert wurde. Groß war der Kreis der Gratulanten: Neben der Familie (Ehefrau Gudrun, deren Schwester Erika, Sohn Helmy mit Frau Konstanze, die Enkelkinder Sarah, Soraya, Mariam, Junis) waren

auch zahlreiche Persönlichkeiten der Technischen Universität, der Karl-Franzens-Universität Graz und der Medizinischen Universität Graz gekommen, die mit SEKEM bzw. der in Gründung befindlichen Heliopolis-Universität wissenschaftliche Kooperationen haben. Vertreten waren natürlich auch der deutsche und der österreichische Förderverein, aber auch – und das war eine besondere Freude für Dr.Abouleish – Frau Mag. Helga Broschek und ihr Sohn Pascal Broschek von der Gebro Pharma Gmbh. Das ist jenes Unternehmen in Tirol, in dem Dr.Abouleish nach seinem Studium die Forschungs- und Entwicklungsabteilung geleitet hatte. Gegen Lähmung und Fatalismus Die Laudatio hielt der Rektor der Technischen Universität Graz Prof. Dr. Hans Sünkel, der auch der Präsident der Österreichischen Universitätenkoferenz ist und der SEKEM bereits besucht hat. „Ich bin

ganz einfach überwältigt von diesem fantastischen Werk, das die Handschrift einer Person trägt: Ibrahim Abouleish“ so Sünkel bewegt in seiner Ansprache. „Als Vision ist SEKEM eine Philosophie einer sich ständig entwickelnden Gesellschaft. Als Modell ist SEKEM ein aus Farmen, Wirtschaftsbetrieben, Forschungseinrichtungen, Bildungsund therapeutischen Institutionen bestehendes integratives Netzwerk. Als Initiative ist SEKEM eine fortwährende Handlungsorientierung dafür, wie nachhaltige Entwicklung auf allen Gebieten des Lebens realisiert werden kann. SEKEM ist ein Organismus, der in der Gegenwart lebt und nachhaltig in die Zukunft wirkt und der gesellschaftlicher Lähmung und dem Fatalismus bewusst entgegen handelt.“ Sünkel setzte in seiner Laudatio die durch SEKEM gelebte Nächstenliebe und Wohltätigkeit für die ägyptische Bevölkerung in direkte Beziehung zur eigenen Lebenserfahrung Dr. Abouleishs: „Und diese gelebte Hilfsbereitschaft, die er zunächst seinen Schulkameraden und in späteren Jahren seinem Land und seinen Menschen gegenüber angedeihen lässt, ist seine menschliche Trägerwelle, auf der die vielfältigen Aktivitäten des Ibrahim Abouleish gleichsam aufmoduliert sind.“ Abouleish war im Jahr 2003 bereits zum Professor an der Universität Bonn und im Folgejahr zum Ehrenbürger der Stadt Graz ernannt worden. Wiederum ein Jahr später erhielt er das Ehrendoktorat der Medizinischen Universität Graz. Dr. Hermann Becke

SEKEM können sie auch besuchen: www.SEKEM-reisen.de

SEKEM Insight | Juni 2010 | Seite 5


Impressionen

Impressionen aus SEKEM

Am 11.Mai fand dieses Jahr in der SEKEM Schule das schon traditionelle Musikvorspiel zum Schuljahresende statt. Insgesamt 70 Schüler führten vor, was sie sich im letzten Jahr auf Geige, Cello, Blockflöte, Trompete oder Trommel erarbeitet hatten. Da konnte man bei den Erstklässlern die ersten Bogenstriche miterleben und sehen, wie das Instrument Jahr für Jahr sich mehr zu eigen gemacht wird und die Melodien immer selbstverständlicher und schöner klingen. Mit dem mehrstimmigen Zusammenspiel wurde der Nachmittag beschlossen. Die Schüler waren stolz und erleichtert und die Eltern haben sich sehr gefreut. Das Vorspiel war gleichzeitig ein Abschiedskonzert für Liliane Christen, die in den letzten 13 Jahren in der SEKEM-Schule Geigespielen unterrichtet hat. Sie wird in diesem Sommer wieder nach Europa zurückgehen. Wir danken ihr ganz herzlich für ihre liebevolle Geduld und Strenge, mit der sie die kleinen und großen Schüler an das Geigenspiel und die Musik herangeführt hat.

SEKEM Insight | Juni 2010 | Seite 6


Kurznachrichten

SEKEM Nachhaltigkeitsbericht 2009 veröffentlicht

Alanus-Hochschule jetzt institutionell anerkannt

Demeter fordert BRD zum Umdenken auf

Zum dritten Mal hat die SEKEM Unternehmensgruppe einen umfassenden Jahresbericht über aktuelle Aktivitäten, Neuigkeiten und Erfolge in allen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung herausgegeben. Wie bereits im letzten Jahr gliedert sich der Bericht in die vier Dimensionen des Geisteslebens (Bildung und Kultur), Rechtslebens (gesellschaftliche Übereinkünfte und Vereinbarungen), Wirtschaftslebens und der Ökologie, in die alles menschliche Wirken eingebettet ist. Der Bericht bringt diese Aspekte im Rahmen der „Blüte der Nachhaltigkeit“ in eine visuell ansprechende und verständliche Form.

Als erste nichtstaatliche Kunsthochschule Deutschlands ist die Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn jetzt vom Wissenschaftsrat institutionell akkreditiert worden. Zusätzlich zur zehnjährigen Akkreditierung erhält die Hochschule das eigenständige Promotionsrecht für den Fachbereich Bildungswissenschaft.

Angesichts der dramatischen weltweiten Probleme im Agar- und Ernährungsbereich hat der Demeter e.V. die Bundesregierung aufgefordert, sie solle sich stärker für eine faire und nachhaltige Landwirtschaft engagieren und so die Konsequenz aus dem Weltagrarbericht ziehen. SEKEM hat den Aufruf mitunterzeichnet.

Der Jahresbericht 2009 bietet einen Überblick über SEKEM von der Vision über einzelne Institutionen und Projekte bis zu den besonderen Arbeitsweisen der Initiative in den unterschiedlichen Aktivitätsbereichen. Dazu wurde eine Vielzahl von Daten und Fakten aufbereitet, zum Beispiel zur Zusammensetzung des Mitarbeiterstabs, dem Ressourcenverbrauch und der Entsorgung von Abfällen, zu sozialen Investitionen oder zur CO2-Bilanz. Auf der Basis einer kritischen Selbstbeurteilung werden Verbesserungsziele formuliert. Der Bericht ist nicht nur ein großer Schritt in Richtung einer transparenten Unternehmenskommunikation, sondern auch für das eigene Management von bedeutendem Nutzen. Denn die umfangreiche Datenerhebung soll vor allem helfen, Mitarbeitern die Auswirkungen ihrer Arbeit zu verdeutlichen und Verbesserungspotentiale aufzudecken. In den kommenden Ausgaben von SEKEM Insight werden die wichtigsten Ergebnisse aus den vier Bereichen vorgestellt. Um den Bericht in digitaler Form zu erhalten, wenden Sie sich bitte an: sustainabledevelopment@ sekem.com Quelle: Philipp Maximilian Boes

Der Hochschule sei es gelungen, in der Verbindung von Kunst und Bildungswissenschaft ein eigenes Profil zu entwickeln. „Die Besonderheiten des Hochschulkonzepts sind eine Quelle für interdisziplinäre Fragestellungen und viele internationale künstlerische Entwicklungsvorhaben“, heißt es in der Stellungnahme des Wissenschaftsrats zur Akkreditierung. Ausdrücklich lobt das Akkreditierungsgremium, das vom Bundespräsidenten berufen wird, auch die bisherigen Forschungsleistungen im Fachbereich Bildungswissenschaft. Hier sei ein spezifisches Forschungsprofil in der Auseinandersetzung mit reformpädagogischen Ansätzen entwickelt worden. „Die Entscheidung des Wissenschaftsrats ist eine tolle Anerkennung für die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen der Alanus Hochschule“, sagte der nordrhein-westfälische Innovationsminister Andreas Pinkwart. Besonders freue er sich, dass es die Hochschule geschafft habe, den Wissenschaftsrat von ihren hohen wissenschaftlichen Standards zu überzeugen, so dass sie nunmehr als zweite private Hochschule in NRW das Promotionsrecht erhalte. Quelle: NNA

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Mehr Informationen: www.alanus.edu

Dieser Bericht, der 2008 von einem internationalen Expertengremium im Auftrag der UN vorgelegt wurde und den die Bundesregierung bis jetzt nicht unterzeichnet hat, geht von aktuell einer Milliarde hungernder Menschen auf der Welt aus. 70 Prozent von ihnen leben auf dem Land. „Sie brauchen Unterstützung zur Selbsthilfe, keine Agrarindustrie“, heißt es in der Resolution. Außerdem fordern die Demeter–Landwirte, -Händler und -Konsumenten eine verstärkte Forschung zu standortgemäßen Methoden unter Einbezug des Wissens von Praktikern wie Landwirten. Das europäische Agrarmodell einer multifunktionalen, regionalen und nachhaltigen Landwirtschaft ohne Gentechnik müsse ausgebaut werden. Quelle: NNA

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Mehr Informationen: www.demeter.de

Herausgeber v.i.S.d.P.: SEKEM, Egypt Die Redaktion von SEKEM Insight dankt allen Korrespondenten, die an dieser Ausgabe mitgewirkt haben. Redakteure: Christina Boecker Bijan Kafi Kontakt: SEKEM-Insight c/o SEKEM Holding P.O.Box 2834, El Horreya, Heliopolis, Cairo, Egypt insight@SEKEM.com Bildnachweis: 1,2, 5: SEKEM; 4l+r, 6: Sandra Poettrich Keine Vervielfältigung ohne schriftliche Einwilligung des Herausgebers.

SEKEM Insight | Juni 2010 | Seite 7


SEKEM Insight  

SEKEMs monatliches Journal für Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in Ägypten. Deutsche Ausgabe.

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