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19.06.2019

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Thema BRÜCKE, KUNST UND ROLANDSBOGEN EIN BESUCH IN REMAGEN

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inter Godesberg geht’s weiter – wenn mancher das auch nicht glauben mag. Und es geht nicht nur weiter, es wird richtig nett: Nur wenige Kilometer hinter Mehlem, bequem mit dem Rad (oder mit der Bahn) zu erreichen, liegt das Städtchen Remagen. Campingfreunden schätzen Remagen, weil es hier die Goldene Meile gibt, einen gehoben ausgestatteten und zugleich höchst romantisch gelegenen Campingplatz direkt am Rhein, dem ein (nicht ausschließlich Campern vorbehaltener) Biergarten angeschlossen ist: Hier kann man gemütlich einen zischen und dabei Enten beobachten. (camping-goldene-meile.de) Wem Enten zu mickrig sind, der kann sich auf dem Remagener Gemarkenhof umsehen, Deutschlands wahrscheinlich größter Straußenfarm, wo auf über 270.000 qm um 500 Strauße leben. Bei einer der rund 1,5 stündigen Führungen und auch im angeschlossenen Straußenmuseum kann man einiges über diesen außergewöhnlichen Vogel erfahren; beim Besuch des angeschlossenen Hofladens Teile dieses außergewöhnlichen Vogels kaufen: Federn, Eier oder auch Fleisch – wenn man das dann noch möchte. (straussenfarm-gemarkenhof.de)

umgeben von einem großen bewaldeten Park, Kulturdenkmal unter Denkmalschutz) beruht auf einer Sage: Der Teufel soll hier gehaust haben, wenn er sich nicht gerade in der Höhle seiner Großmutter aufhielt. Er war teuflisch erbost, als man ihn vertrieb, daher ließ der Bauherr in einer Felsspalte eine Grotte mit Mutter-Gottes-Statue errichten; sie sollte dem Volksglauben entgegenwirken, der Satan werde sich rächen und den Ort künftig heimsuchen. 1989 erwarb der Unternehmer und »Burgensammler« Herbert Hillebrand das Schloss im Namen seiner Tochter Katharina und ließ es für rund acht Millionen DM luxusrenovieren. 2004 kaufte Thomas Gottschalk Marienfels für 3,5 Millionen Euro und zog 2006 sogar ein. 2012 stand es wiederum zum Verkauf: einschließlich Einrichtung für 6,2 Mio. Euro zzgl. Maklerprovision: ein Schnäppchen für Frank Asbeck, der dringend ein Zweitschloss benötigte.

»FÜR DEN KRIEG GEBAUT, IM KRIEG ZERSTÖRT, SOLLEN DIE TRÜMMER IMMER MAHNEN«

Apollinaris hierher, der Sarkophag mit der Hauptreliquie in der Krypta der Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand nach Abriss der baufälligen Kirche ein neugotischer Bau (unter dem Architekten Ernst Friedrich Zwirner, zu dieser Zeit Architekt auch für den Kölner Dom) mit seinen berühmten Fresken: 69 Bilder mit etwa 580 Figuren. Seit Jahrhunderten und bis heute ist die Kirche Wallfahrtsort; zu den Blütezeiten kamen bis zu 100.000 Pilger zur Wallfahrt auf den Apollinarisberg. Im Jahr 2014 hat man in der Wallfahrtszeit (Juli bis August) rund 12.000 Gottesdienstteilnehmer gezählt. Der Name von Schloss Marienfels (im neugotischen Stil erbaute Villa aus dem 19. Jahrhundert, mit etwa 800 qm Wohnfläche in 18 Zimmern,

Dem Text auf der Tafel an einem der beiden schwarzen Basaltpfeiler entspricht die Thematik des Friedensmuseum Brücke von Remagen, des Museums im linksrheinischen Brückenkopf der ehemaligen Ludendorff-Brücke in Remagen. Die Ludendorff-Brücke wurde am 7. März 1945 von der 1. US-Armee eingenommen, der Versuch der Wehrmacht, die Brücke (unter anderem mittels V2-Raketen) zu zerstören, schlug fehl. Damit war der erste Übergang über den Rhein ermöglicht. Es heißt, General Eisenhower habe das mit dem Ausruf »Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert« kommentiert. Am 17. März 1945 stürzte die schwer beschädigte Brücke wegen Überlastung ein, mehr als 30 amerikanische Soldaten fanden den Tod. Die Ereignisse um die Brücke von Remagen wurden zum Mythos – und zum Stoff für Schreiber und Filmemacher. Der langjährige Bürgermeister der Stadt Remagen, Hans Peter Kürten, verfolgte indes hartnäckig das Ziel, in den Brückentürmen eine Gedenkstätte für den Frieden einzurichten. Seine Idee, kleine »Brückensteine

Schloss Marienfels

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FOTOS: (LINKS) WIKICOMMONS, (OBEN) BILD IN MOTION - STOCK.ADOBE.COM

Remagen ist aber auch etwas für Kulturbeflissene. Architekturliebhaber zum Beispiel schätzen Remagens schöne Kirchen, etwa die Pfarrkirche St. Peter und Paul, die auf einem ehemaligen römischen Kastell erbaut ist. In der Kirchenbefestigung sind Reste dieser Anlage erhalten. Ältester erhaltener Teil der Kirche ist der 1246 geweihte Chor. Die Apollinariskirche liegt oberhalb der Stadt, etwa 40 m über dem Rhein auf einer Anhöhe, dem Apollinarisberg, an dessen Fuß man 1892 christliche Gräber aus der Römerzeit entdeckte. Um das Jahr 1110 errichteten die Benediktiner der Abtei Michaelsberg von Siegburg auf Initiative und mit großer Unterstützung der Bevölkerung von Remagen hier eine Propstei. Im 13. Jahrhundert gelangten wahrscheinlich die Reliquien des heiligen

SCHNÜSS · 07 | 2019

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