SAUDI ARABIEN PROJEKT TEIL II: LOB UND ENTSCHEIDUNGEN
Meinung zur EU
Gespaltene Einstellung zu den USA
me Dinge getan haben, sonst hätte Hitler sie nicht so bestraft). • Gut, dass die Deutschen es den Amerikanern gezeigt haben mit der Verweigerung der Beteiligung am Krieg im Irak. Ihr Land hat damit Selbstbewusstsein bewiesen: dass gefällt uns. Wir Saudis trauen uns nicht, eine solche klare Haltung zu irgendetwas einzunehmen. • Ein Syrer: ‚wir haben jeden Tag dafür gebetet und gehofft, dass Hitler den Krieg gewinnt. Daran waren wir interessiert, um endlich die französische Herrschaft loszuwerden. • Wenn man mal nach Deutschland kommt, dann fällt einem sofort auf, wie sauber und geordnet alles ist (kein Chaos wie bei uns). Es gibt vielleicht mehr Vorschriften für die Menschen, aber dann weiß man doch, dass man sich darauf wirklich verlassen und sicher fühlen kann. Kein Vergleich zu Saudi Arabien! Wenn man die fast immer sehr positiven Meinungen vorsichtig zu relativieren versucht (innenpolitische Situation, Judenverfolgungen, Israel, Arbeitslosigkeit, deutsches OstWest-Problem etc.), dann wird man rasch korrigiert: ‚Jedes Land hat doch seine Probleme, aber ihr Deutschen packt sie wenigsten an und macht – aus unserer Sicht – fast alles richtig. Interessant: die EU wird immer wieder angesprochen als kommender Gegenpol zu den USA und als – positiv bewerteter – Machtfaktor in der Welt. Frankreich wird hier praktisch nirgendwo erwähnt, die Engländer gelten – wie wir – als zuverlässige Fachleute. Zu den USA gibt es eine gespaltene Einstellung: positiv
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bei Vielen der Oberschicht (die dort studiert haben), negativ in der unbedingten und praktisch immer positiven Haltung gegenüber Israel. Positiv auch wegen der guten Kontakte der USA gegenüber Ägypten und Jordanien (die beide hier sehr geschätzt werden und zuverlässige Experten nach Saudi Arabien schicken; mit dem Vorteil, sprachlich voll mit den Saudis mithalten zu können). Schaut man in das Straßenbild, so sind neben den arabischen Hinweisen und Werbetafeln fast nur US-amerikanische in sehr großer Zahl zu sehen. Und: wenn der Computer verschiedene Sprachen anbietet, so ist es – neben Arabisch – immer nur ‚Englisch (USA)‘
Datteln und Begegnungen Anfang September kam die Vorankündigung und dann die Einladung: der Sekretär meines Deputy Ministers brachte zweimal hintereinander große Plastikschachteln voller köstlicher Datteln von der Farm seiner Familie mit ins Büro: als Geschenk an die deutschen Kollegen (auch Herrn Frank wurde eine solche Ladung durch Besucher in seinem Stuttgarter Büro abgeliefert). Verbunden mit diesen Präsenten war die Einladung, seine Großfamilie und ihn an einem Donnerstag auf seiner Farm zu besuchen. Am 30. September konnten wir endlich fahren: die beiden Hruschkas, der deutsche Mitarbeiter und ein Kollege von der deutschen Botschaft in Riyadh (die beiden letzteren Arabisch sprechend!). Es ging mehr als 200 Kilometern auf guten Straßen westwärts, überwiegend durch meist unbewohntes Gelände, alles gelblich in der sandigen Wüstenfarbe. Vieles war steinige Einöde, manches bebautes
und bewässertes Land (ohne fast permanente Wasserzufuhr wachsen hier keinerlei Kulturpflanzen), im Norden zum Teil schroffe Hügelketten, an den Rand des Grand Canyon erinnernd. Zunächst in das Familiengebäude des Clans hinein: natürlich ohne Schuhe, Sitzgelegenheiten rundum an den Wänden. Die Familie in drei Generationen war vertreten, Frauen tauchten – außer Hedwig – nirgendwo auf. Die Begrüßung: die jüngeren Araber grüßten die älteren Saudis mit Küssen auf die Stirn oder oben auf den Kopf, auch den Ausländern wurden freundlich die Hände geschüttelt (hier auch dem deutschen weiblichen Gast). Wie überall: zur Begrüßung gab es mehrere Teesorten, kleine Schalen mit Datteln wurden hingestellt (und daraus kräftig zugelangt). Small talk, besonders mit dem sehr interessierten Senior der Familie sowie seinen Enkeln und Enkelinnen. Danach per Autokarawane mitten auf die Felder, wo ein großes Zelt aufgestellt war, das etwa 25 Familienangehörige und Freunde mühelos aufnehmen konnte: der Boden war mit dicken Teppichen ausgelegt: alle hockten sich auf den Boden, wieder gab es Tee, Saft, Datteln, dann Vorspeisen (hauptsächlich verschiedene Arten gebratenes Fleisch – auch von Tauben –, das köstlich zubereitet war und von allen per Hand in kleinere Stücke zerrissen wurde). Bald darauf die Hauptmahlzeit: alles saß weiterhin auf dem Boden, auf den Teppichen wurden große kreisrunde Tücher und Plastikplanen ausgebreitet, darauf silberne (?) Platten mit Bergen von Reis, Nudeln, Gemüse und Teilen eines Hammels. Es gab für jeden Teller und Löffel, der Hammel wurde auch
Stadtforschung und Statistik 2/ 05