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Nr 6 1932

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Der Skilauf ist alt, uralt. In fast verknöcl-ierten Formen hat er sich Jahrhunderte lang als nicht mehr entwicklungsfähiger Greis durch die nordischen Lande gescl-ileppt. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts fing der etwas taperige Greis ein Verhältnis an mit dem jugendkräftigen Sport, der grade damals durch alle Länder Europas reiste. D a dies ein Märchen ist, so wundert es uns weiter nicht, dass dieser vielleicht ein wenig unnatürlichen Verbindung ein kräftiges Kind entsprosste : Der Skisport. Skisport ist inzwischen zum Manne gereift und stark und gross geworden. Unnötig wohl zu sagen, dass er in seiner Jugend ganz anders aussal-i, dass er andere Kleider trug, sich anders benahm, dass der Junge viel ungebärdiger und origineller, aber auch liebenswürdiger war als der ausgewachsene Mann. Das ist nun einmal immer so im Leben . . . Glücklicherweise fällt seine ganze Entwicklung in eine Zeit, in der die Pl-iotographie schon erfunden war und mit Eifer ausgeübt wurde. Und tatsächlich besitzen wir auch eine ganze Reihe hübscher Bilder von dem jungen Burschen, aufgenommen auf seinen ersten Propagandareisen durch Mitteleuropa. Es ist ganz lustig sich diese Bildcl-ien einmal anzusehen neben den Aufnahmen von heute. Beginnen wir, wie das üblich und recht ist, mit den Damen. Unser Bild Nr. I (Seite 216) stammt aus dem Jahre 1897 und zeigt die Siegerin des Schauinsland-Damenrennens 1) im Augenblick, da sie glückstral-ilend die Pfosten durchläuft - beileibe nicht durchfährt. Denn die ganze Strecke von etwa 1000 Meter war sozusagen eben. Natürlich trägt sie ihr schönstes Sonntagsgewand zu diesem festlichen Anlass - und beinahe unnötig zu sagen, dass es eine ((Einheimische))ist : die Tochter des Schauinsland-Wirtes. Die begeisterte Menge von etwa 30 Leuten bricl-it in lebhafte Ovationen aus. Der Ruf Skiheil)) ertönt aber erst vereinzelt, er ist noch nicht offiziell . . . Zweites Bild (Seite 214). W i r sind schon im neuen Jahrhundert, im Jahre 1903. Moderne Technik ist hereingebrochen. Der Kampf gegen die Einstöckigen neigt sich auf Seite der Zweistöckler, der siechen Spitalbrüder I), wie die Alpen Ski Klub »-Leute voll Hohn sie nannten. Aber es war Hohn am falschen Subjekt. Die Siegerin auf unserem Bild, die einzige, die mit Doppelstock lief, zeigt deutlich, dass es so schneller geht. Sie hat auf der fast anderthalb Kilometer langen Strecke einen gewaltigen Vorsprung herausgearbeitet - denn natürlich gab es nur Massenstarts)). W i e solche bei einem Langlauf aussahen, das zeigt uns sehr schön ((

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