Stadt und Land: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunftsszenarien.

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Masterarbeit Riccardo Falletta 557838

Stadt und Land: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftsszenarien. Analyse einer Beziehung anhand der Systemtheorie. Teil II. Erstprüfer: Prof. Sebastian Feucht Zweitprüferin: Prof. Pelin Celik

Studiengang System Design Fachbereich 5, Gestaltung und Kultur HTW - Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin SS 2021


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Teil II Masterarbeit Stadt und Land: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftsszenarien. Analyse einer Beziehung anhand der Systemtheorie. Erstprüfer: Prof. Sebastian Feucht Zweitprüferin: Prof. Pelin Celik Riccardo Falletta 557838 Studiengang System Design Fachbereich 5, Gestaltung und Kultur HTW - Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin SS 2021

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Inhaltsverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Arbeit ­eigenständig und ohne fremde Hilfe angefertigt habe. Textpassagen, die wörtlich oder dem Sinn nach auf ­Publikationen oder Vorträgen anderer Autoren beruhen, sind als solche kenntlich gemacht. Die Arbeit wurde ­bisher keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt und auch noch nicht veröffentlicht. Mailand, 01.09.2021

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01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 XII XIII

Ankommen: ein neues Territorium E-Kutsche: Entschleunigung Amphitheater: Orchester und Fluten Skateanlage: Spiel und Fluten Parzellierung: Straßen und landeseigene Fläche Stadtmöbel: Karkasse für die post-autogerechte Stadt Das Nest: Kompromisse und Raumknappheit Der Grümturm: Symbiose Bambook: ein bambusbasiertes Bausystem Das menschliche Schachbrett: Problemlösung Abfliegen: ein Überblick Epilog: Ende der Reise Methode und Ansatzgestaltung

08-15 16-23 24-31 33-37 38-43 44-49 50-59 60-65 66-75 76-81 82-89 90-91 92-93

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Ankommen Ein neues Territorium

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Hallo! - Ich bin gerade durch einen Korridor von lächelnder Frauen gegangen...

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Willkommen! Lass dich mal umarmen!

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...die Fahnen schwenkten, oder? - Ja, genau! - Na ja, das ist die erste Überraschung. Hat es sich bei euch noch nicht durchgesetzt? - Wovon sprichst du? Ein solches Willkommen habe ich noch nicht erfahren. - Ok, dann hat es nicht. Ich erzähle es dir. Komm lass uns mal gehen. Alles begann in Frankreich, wo das französische Parlament Anfang 2021 ein umfassendes Gesetzespaket zum Klimaschutz besiegelte. Demnach sollten Kurzstreckenflüge innerhalb des Landes verboten werden, wenn eine Zugverbindung existiert die das Erreichen des Ziels innerhalb von zweieinhalb Stunden gewährleistet. Es war...

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- Ja, ich kann mich daran erinnern. Zudem wurde damals ein neues Delikt namens „Ökozid“ geschaffen, das mutwillige Umweltschädigungen nationalen Ausmasses unter Strafe stellte. - Ja, genau. Nach dem Senat stimmte auch die Nationalversammlung für die Vorlage der Regierung (Wiegel, 2021). Nach der Verabschiedung in Frankreich wurde das Gesetz auch in anderen Staaten eingeführt. Auch hierzulande stösst der Gesetzesentwurf auf grosses Widerhall. Was bringt es, von Berlin nach Hamburg oder von Köln nach Frankfurt zu fliegen? Brauchen wir das wirklich? Und das nur, um ein paar Minuten früher am Ziel anzukommen. Dafür wurden auch die Bahnlinien beträchtlich ausgebaut. - Und das hat, soweit ich sehen kann, mehrere Auswirkungen gehabt. - Natürlich. Flughäfen sind, wie du weisst, die Ein- und Ausgangstore eines Landes. Es sind besondere Orte. Meiner Meinung nach werden sie sehr unterschätzt, aber ich möchte dich nicht gleich mit diesen Argumenten langweilen. Nach dem Gesetzesentwurf haben Flughäfen zwar ihre Form und Funktion selbstverständlich beibehalten, aber sie haben zugleich einen völlig neuen Charakter angenommen. Wenn Individuen zusammenkommen, schaffen sie das Soziale

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und organisieren Orte (Augé 2008: 89). - Keiner dieser Passagiere kommt aus diesem Land? - Die meisten von ihnen nicht. Entweder kommen die Passagiere von weit her, aus allen Ländern ausser diesem einen, oder es sind Mitbürger, die nach einer Reise, einer Geschäftsreise, einem Besuch bei Verwandten oder Angehörigen in fernen Ländern nach Hause zurückkehren. In jedem Fall ist es ein guter Grund zum Feiern. - Und die Frauen mit den Fahnen? - Die Fahnenschwenkerinnen meinst du? Nun, sie begrüssen alle, die landen, und alle, die abreisen, darunter auch dich! Aber denken wir mal noch nicht schon daran, du bist ja soeben gelandet. Was ich vorhabe, wird dir gefallen. Es wird hier eine ständige Überraschungssammlung geben. Ich denke jetzt schon an das Amphitheater, das Nest, den Grünturm…Ich kann es kaum erwarten, dir alles zu zeigen. Alles wartet auf dich. Komm, lass uns mal gehen, unser Kutscher wartet schon auf uns... - Ein Kutscher wartet auf uns? - Ja genau, komm, gehen wir los!

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E-Kutsche

Als Konzept befindet es sich noch in einer Testphase aber soweit ist es sehr beliebt und kommt sehr gut an. Immer mehr Fahrgäste nutzen dieses Fahrzeug. Zweifellos sind sie langsamer als Taxis, aber sie bieten ein einzigartiges Erlebnis. Vor allem nach einem mehrstündigen Flug in einer Röhre voller Menschen ist es nicht verkehrt, in einer solchen Atmosphäre transportiert zu werden...

Entschleunigung

- Und das Geräusch der Hufe ist so rhythmisch, dass es fast hypnotisch wirkt. - Das kann doch nicht war sein.. - Doch! Ist das nicht schön! - Fahren wir echt mit einer Kutsche? - Nein, eine E-Kutsche! Wir sind doch nicht im mittelalter! Komm, lass uns mal einsteigen. - Man hat richtig das Gefühl, dass die Zukunft und die Vergangenheit ineinander verschwimmen. - Ja. Ich hätte es nicht besser sagen können. Ich weiss nicht genau, wer sie gestaltet hat. Ich weiss nur, dass sie nur in dieser Region zu finden sind.

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Ich erzähle dir gerne den Gedankengang dahinter. Man hat sich gefragt, in welcher Beziehung steht der Mann zur Maschine. Ausgangspunkt war die Betrachtung des Verkehrssystems als ein Ökosystem. In den Ökosystemen sind zwei Gruppen von Wechselbeziehungen zu finden, die das Verhalten seiner Bewohner regelt und steuert: Die eine ist negativ, die andere ist positiv. Zu der ersten Gruppe gehören die negativen Wechselwirkungen, und zwar Konkurrenz, die Räuber-Beute-Beziehung und der Parasitismus. Zu der

- Das finde ich auch. Ich finde, es ist ein ausserordentliches Produkt.

zweiten Gruppe gehören die positiven Wechselwirkungen, und zwar der Kommensalismus, die Kooperation und die Symbiose. So haben sich die Gestalter gefragt, nicht nur wie der Mensch, sondern auch wie die Tiere in diese Wechselwirkung eingebettet werden können. Und so ist die E-Kutsche entstanden. Das ist kein elektrobetriebenes Fahrzeug, sondern eine Kutsche, welche mit einem Dynamo versehen ist, die die mechanische Energie in elektrische Energie umwandeln und sie dann in Batterie speichern.

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...Die menschliche Zivilisation hat sich zum Schlimmsten geändert, als sie begann, die Intuition zu verunglimpfen. Ohne sie würden wir sterben (Lovelock 2020: 30)....

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- Es sieht aus wie etwas aus einer utopischen ­Zukunft. - Es geht nicht darum, eine utopische Zukunft zu schaffen, sondern aktiv die Vergangenheit wiederzuerlangen, eine Vergangenheit, in der der Mensch in der Lage war, den Konflikt zwischen Kultur und Natur wirksam zu lösen. - Je mehr man in die Vergangenheit schaut, desto weiter sieht man in die Zukunft (Winston Churchill). - ganz genau. Aber lass uns mal jetzt die erste Station besuchen. Kutscher, bringen sie uns bitte zum Hydroland, am besten bei dem ­Amphitheater...

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HYDROLAND?

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- Ja genau, wir sind jetzt nicht so weit von dem ­sogenannten Hydroland. - Ist das die offizielle ­Benennung? - Ich denke nicht, dass es ­offiziell einheitlich ­anerkannt und verwendet wird, aber auf einige Karten ist es schon zu finden... Bitte, nimm dir die Karte: Die habe ich für dich mitgebracht. Ich zeige dir wo wir sind und wohin wir hin wollen....

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Amphitheater: Orchester und Fluten

Heute ist das Wetter besonders schön...

...ein wilder Sturm hat die Nacht ­ausgekühlt. Guck mal da, wir sind ­angekommen...

Ist das, das ­Amphitheater?

Ja, ganz genau. Oder besser gesagt, nein. Wir nennen es Amphitheater. Diese Benennung hat sich ganz spontan durchgesetzt.

Multifunktionale Infrastrukturen auf dem Lande Teil 1

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Das ist aber ein ­multifunktionales ­Hochwasserrückhaltebecken. Sein Hauptzweck ist die ­Regulierung der ­Abflussmenge eines ­Fliessgewässers bei ­Hochwasser. Es dämpft die abfliessende Hochwasserwelle, indem es übermässige Zuflüsse zwischenspeichert und ­verzögert wieder ­abgibt. Sieben ähnliche Anlage sind schon in der Region ­verstreut und haben sich so weit als erfolgreiche ­Infrastrukturen erwiesen. Und sehr beliebt überhaupt...

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- Ich nehme an, dass der alte Freund, der Klimawandel der entscheidende Anstossß war...?

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- Selbstverständlich. Die grosse Hitze und ausbleibender Regen haben in den letzten Jahrzehnten immer stärken Dürren verursacht. Im südlichen Brandenburg ist der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht...

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- Trockenperiode kommen häufig auch bei uns vor.

- Trockenperiode sind nicht nur das einzige Problem, denn sie sind gekoppelt mit Überschwemmungen und Flussüberflutungen Problematiken…

- Und beide sind eine Folge des Extremwetters.

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- Genau. In den letzten Jahren ist es häufig zu Ausnahmezustand wegen sintflutartiger Regenfälle gekommen. Aufgrund des extremen Dauerregens und daraus resultierendem Hochwasser sind oft ganze Wohngebiete evakuiert worden. Deshalb wurden in den letzten 20. Jahren 7 Hochwasserrückhaltebecken in der ganzen Region gebaut. Sie wurden auch entwickelt, um das Wasser aufzunehmen, das bei Überschwemmungen oder starken Regenfällen von den Flüssen abfliesst. Diese Anlage, die du siehst, wurde genau wie seine Vorgänger entworfen. Sie weisen eine stufenartige Struktur auf und sieht wie ein Amphitheater aus. Im Gegensatz zu

den antiken Amphitheatern sind diese multifunktionalen Hochwasserrückhaltebecken jedoch wasserdicht und sind aber so konzipiert, dass sie auch im leeren Zustand verwendet werden können. - Die Mehrfachverwendung war bereits nach der Corona-Pandemie zu einer Konstante geworden. - Gewiss. Die Corona-Pandemie war nicht nur der ausschlaggebende Anstoss. Sondern ganz allgemein auch das Bevölkerungswachstum und eine stärker am tatsächlichen Bedarf orientierte Wirtschaft waren ebenso bedeutend für die Transition. Wir mussten einfach die Räume und deren Nutzung neu überdenken. Das wirst du merken, wenn wir in der

Stadt sind... - Und das gilt auch für diese Becken. - Ja, sie bestehen aus viele runden Terrassen, die sich nach unten hin verengen und können so für verschiedene Zwecke genutzt werden: Ihre stufenförmige Struktur ermöglicht eine hervorragende Akustik, ideal für Konzerte, Versammlungen und informellen Treffen. Im Jahr 2036 gab das Prager Orchester in der Arena Nr. 5 ein erhabenes Konzert, das von mehr als 16.000 Zuschauern besucht wurde. Viele von ihnen reisten eigens für diese Veranstaltung aus Polen und der Tschechischen Republik an. Das Konzert wurde landesweit live übertragen...

Aber lass uns mal weiter gehen. Nicht zu weit von hier, sind andere zu finden….

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Skateanlage: Spiel und Fluten Multifunktionale Infrastrukturen auf dem Lande Teil 2

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Die multifunktionalen ­Hochwasserrückhaltebecken sind auch ein Treffpunkt, ­einige davon (die ­Arena n3. und n4.) sind auch ­geeignet für Skater, wie du sehen kannst. Wenn die Natur ­entweder als ­rücksichtsloser ­Wettbewerbsmarkt oder als schöpferische und ­fruchtbare biotische ­Gemeinschaft aufgefasst werden kann, eröffnen sich zwei radikal divergierende Denk- und ­Empfindungsströmungen (...) Die eine führt zu einem totalitären und ­antinaturalistischen Endergebnis: Einer ­zentralisierten, ­statischen, ­technokratischen, ­korporatistischen und ­repressiven Gesellschaft. Die andere, eine soziale, freiheitliche und ­ökologische ­Morgendämmerung, ­dezentralisiert, ­staatenlos, kollektiv und ­emanzipatorisch (Bookchin: 1984).

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- Nun ist mir klar, warum ihr diesen Regionsteil Hydroland nennt... - Wir haben ihn nur zum Teil wegen der Becken so ­genannt. Diese ­Bezeichnung ergibt sich auch aus ­anderen Faktoren. ­Zuallererst wegen des Lausitzer ­Reviers, welches sich über ­Südbrandenburg bis nach ­Nordostsachsen zieht. Das Lausitzer Seenland ist ein künstlich angelegtes Seengebiet. Die damalige Braunkohlentagebaue wurden stillgelegt und geflutet. Das daraus entstandene Braunkohlereviers ist jetzt Europas grösste ­künstliche Wasserlandschaft und Deutschlands viertgrösstes Seengebiet. Und allen Seen sind durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden...

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Warum also diese Umbenennung?

Es ist keine offizielle Umbenennung. Aber auf einigen Karten ist es schon zu finden und es zielte darauf ab, die Anziehungskraft der Region zu verstärken und ihre Charakteristika hervorzuheben. Zum Beispiel das Steuersystem: das ist eigentlich die Hauptmerkmal von Hydroland. Es wurde ausschliesslich für Landwirte und Bauern entwickelt. Wir haben in die Vergangenheit geschaut, um eine Lösung für die Gegenwart zu finden. Und die Lösung reicht 4000 Jahre zurück. Dafür müssen wir den alten Ägyptern danken. Das Land selbst war ohne das Wasser des Nils und die Bewässerungskanäle wertlos. Bei den alten

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Ägyptern begann das Jahr am 19. Juli, dem Tag, an dem der Fluss der Flut das Delta erreichte. Ägypten verdankt seinen Reichtum und Opulenz auch den Bewässerungs- und Wasserwerken, die um 2000 v. Chr. rund um den Nil angelegt wurden und den Anbau von Getreide in überwiegend trockenen Gebieten ermöglichten. Seit der Ersten Dynastie wurden die jährlichen Steuern proportional zum Wasserstand festgesetzt, da der Ertrag der späteren Ernte ganz vom Nil abhing (Mumford 1967; bookchin, 1974: 37). Das war der Ausgangspunkt für die Steuerreform. Das Wasser und deren Steuerung waren an die Basis der Zivilität. Also dachten wir: Was wäre, wenn die Steuern proportional zur jährlichen Niederschlagsmenge wären? Das war die Ausgangsfrage. - Höhere Niederschläge bedeuten grössere Ernten, die daher stärker besteuert werden können. - Richtig. Und umgekehrt führen lange Dürre- und Hitzeperioden zu schlechten Ernten. Die Landwirte können nichts dagegen tun, es liegt nicht in ihrer Hand. Schlechte Ernten sollten daher durch niedrigere Steuern ausgeglichen werden. Wir befinden uns noch in einer Testphase. Aber bis jetzt sind alle zufrieden. Viele Interventionen hier in Brandenburg befinden sich in der Probephase, andere sind seit langem bereits institutionalisiert worden. Das menschliche Schachbrett beispielsweise...Komm, gehen wir...

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Parzellierung oder die Klammer Parzellierung von landeseigenen Flächen in urbanen Kontext

- Und guck mal. weisst du, wo wir sind. Wir ­befinden uns auf staats- bzw. ­landeseigenen Flächen, die parzelliert und zur ­Verfügung gestellt ­wurden. Saas wird es offiziell ­genannt, Space as a ­Service. Aber die ­umgängliche ­Benennung ist die ­Klammer. Die ­Anwohner der ­anliegenden Gebäude ­können diese ­Fläche frei ­mitgestalten. Wir ­nennen es eben die Klammer, weil die ­Flächen wie ein ­Bindemittel fungieren. Die ­4-tägige Arbeitswoche hat sich ­durchgesetzt, die Strassen sind leer. Leute ­verbringen ihre Zeit gern draussen.

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- Und diese Flächen bieten eine Möglichkeit, mit den Nachbarn in Kontakt zu treten, nehme ich an? - Ganz genau. Die ­ursprüngliche Idee war, das lokale Sozialegefüge zu stärken, ausgehend von der Grundeinheit der Stadt, der Strasse, ohne jedoch z­ usätzliche Räume zu schaffen. Die Strassen sind die Zimmer der ­Gemeinschaft (Luis Kahn). In einer Stadt muss die Strasse an ­erster Stelle stehen. Sie ist die erste Institution der Stadt. Die Strasse ist ein ­vertraglich ­vereinbarter Raum, ein ­Gemeinschaftsraum, ­dessen Wände den ­Stiftern ­gehören und der Stadt zur ­gemeinsamen Nutzung ­gewidmet ist. Ihre Decke ist der Himmel. ­Gestern waren die Strassen ­uninteressierte Bewegungen, die ­überhaupt nicht zu den Häusern ­gehören, die vor ihnen liegen (Louis Kahn). Die moderne Stadt ­nutzte den ­öffentlichen Raum, um Menschen von einem Ort zum anderen zu ­bewegen, und nicht, um sie ­zusammenzubringen und gemeinsame Aktivitäten in diesem Raum zu ­veranstalten (Zoja 2007: 31). Heute sind die Strassen etwa ganz ­anderes. Eine Strasse ist heute nicht mehr nur ein Ort des Fliessens, ein Ort zum Gehen, ein Raum zum Beobachten in Bewegung, sondern auch ein Ort zum Verweilen, zum Innehalten, zum Erleben sozialer ­Beziehungen. Und nicht nur das. Dies ist der ­Paradigmenwechsel dieses Projekts.

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- Und die Pflasterung ­markiert diese Insel, richtig? - Ja, richtig! Dort wo ­Asphalt war, ­wurde es ­entfernt und mit ­Steinpflasterung ersetzt. Abgesehen davon, gibt‘s keine andere Markierung. Es hat sich so viel geändert, als die Innenstadt ­autofrei wurde. Und diese kleinen parzellierten Flächen haben zweifelsohne einen grossen Beitrag geleistet. Einige reparieren ihre ­Fahrräder, andere zeigen, wie man Fahrräder ­repariert; manche verkaufen ­kleine Handarbeiten, andere kaufen und tauschen kleine ­Handarbeiten; Tücher und Kleider werden geflickt; an einem kleinen Tisch wird aus der Ferne unter den ­Baumkronen ­gearbeitet: die Kinder lernen, mit den ­Älteren zusammen zu sein und ihre Spielsachen zu verkaufen. Die Strassen sind ruhiger und sicherer, weil nur selten Fahrzeuge vorbeifahren, und die, die es tun, fahren elektrisch und hinterlassen nichts als ein leises Brummen. Auch Blinde können anhalten und sich ausruhen, da der Gehweg mit einem ­Bodenleitsystem ­ausgestattet ist. Diese kleinen Interventionen haben eine Hybridisierung der staatlichen Oberfläche ermöglicht. Komm, gehen wir weiter, ich zeige dir noch was anderes...

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Stadtmöbel für die post-autogerechte Stadt Mehr Raum, Symbole und Relikte aus der Vergangenheit

Nach langem Laufen könnten wir uns kurz entspannen. Hier hinter der Ecke sollten die...

Guck mal da. Lass uns mal hingehen.

Genau was ich dir zeigen wollte.

Ich dachte, es war ein Friedhof.

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- Ah ah. Sieht so aus und es gibt sicherlich jemanden, der es so nennt. Aber nein, es ist kein Friedhof. Es sind Stadtmöbel. Liegen und Sitzflächen. Eher eine nutzbare Gedenkstätte. Es sind mehrere davon auf die Stadt verteilt. Viele liegen auf damaligen Parkplätzen, einigen in anderen Geländen. Sie sind aber auch in Grünanlage zu finden, wenn ich mich nicht irre, aber ich hab sie bisher noch nicht gesehen. - Sie sehen wirklich wie ein Skelett aus. - So war die Idee. Alles begann 2021 mit einem Gesetzesentwurf. Vorgeschlagen wurde der von Nina Noblé. Sie wollte mit der Initiative „Berlin autofrei“ den Autoverkehr im Zentrum der Hauptstadt massiv reduzieren. Das war doch schon mal ein erster Schritt. Das war der ausschlaggebende Impuls. - Es ist gelungen soweit ich sehen kann. Diese Liegestühle sind auch gar nicht unbequem. - Stimmt, oder? Ich finde sie auch ganz cool. Per Volksentscheid wollten die Aktivist:innen von „Berlin autofrei“ ein Gesetz verabschieden, das den gesamten Bereich innerhalb des Berliner S-Bahnrings für Autos weitestgehend sperrt. Ausgeschlossen wären Busse, Müllabfuhr, Feuerwehr und privater Wirtschafts- und Lieferverkehr. Im Vergleich zu anderen Grossstädtern besassen relativ wenige Berliner ein Auto. Also wurden auch weniger Strecken damit zurückgelegt als in anderen Metropolen (Heidtmann: 2021).

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- Grosse Veränderungen ­erfordern immer einen hohen Zeit- und Energieaufwand. Es sieht so aus, als ob ihr sehr offen für Neues seid. - Absolut. Grundsätzlich scheinen die Berliner auch ziemlich offen zu sein, Neues auszuprobieren. Es mag daran liegen, dass wir in dem letzten Jahrhundert so viel Unterschiedliches erlebt haben, dass wir uns daran angewöhnt haben, immer was neues zu unternehmen. Weisst du, die Veränderung ist die einzige Konstante im Leben. Na ja es war ja inzwischen weltweit klar, dass es eine lebenswerte Zukunft in den Innenstädten nur mit deutlich weniger Autos gibt. Die Stadt ist um das Auto, nicht um den Mensch herum gebaut. Ab dem Athen Charts in 1933…, na ja das erspare ich dir gerne. - Ich kann mir vorstellen, dass das nicht von heute auf morgen passiert ist. - Ganz genau. Sieben Jahr-

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zehnte autogerechte Stadtplanung liessen sich nicht von heute auf morgen umkehren (Achternbosch: 2021). Dieser Zustand hat lange das Denken über Alternativen versperrt. Anders denken klingt wie ein Spiel, ist aber ein Vollzeitjob. Zur Umsetzung des Gesetzes kam es 2030, also gut 10 Jahre nach der Abfassung des Vorschlages. Ändern ist gar nicht so einfach. Aber das ist jetzt die grösste Auto-reduzierte Zone der Welt. Und das, auf dem wir liegen, ist ein Denkmal, das uns daran erinnert. Wir haben es endlich geschafft. wir sitzen gerade auf den Skeletten von den damaligen Königen der Stadt, wie Räuber auf den Kadavern der Beute. Lass uns mal hier bisschen Zeit verbringen, ich ruhe mich mal kurz aus, dann machen wir uns auf den Weg zum Nest...

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Das Nest Kompromisse und Raummangel im urbanen Kontext

- Und das ist das Nest. Das ist ein Studentenwohnheim. Die Wohnzellen sind auf alle Etage miteinander verbunden und können bei Bedarf durch Durchgangstüren von den Nachbarn betreten werden... - Es scheint kein idealer Ort zum Wohnen zu sein. - Ist es nicht. Es ist ein neues, innovatives Format. Die Raummangel-Problematik in der Stadt ist immer noch akut. Manche sagen, dass wir in die Breite gehen müssen, d.h. die Zwischenräume in den heutigen Städten wiederherstellen und neu gestalten. Nicht jeder findet dieses Wohnkonzept attraktiv. Man muss auch persönlich so eingestellt sein, in einem solchen Wohnkontext leben zu können. Man hat doch seine eigene Privatsphäre, die aber hier und da aufgehoben werden soll, um die Bedürfnisse der Gemeinschaft zu erfüllen und neue, temporäre Räumlichkeiten einrichten zu können.

Neue Raumkonfiguration erfordern neue Lebensgewohnheiten.

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- Man kann sich dessen nicht entziehen, das ist der ­einzige Deal. Dabei spielt die ­Kollektivität eine wesentliche Rolle. Zuweilen sind Kompromisse erforderlich. Die 10 bis 12 qm Wohnungen sind durch Schiebetüren miteinander verknüpft (B), welche bei Bedarf ­verschoben werden können, um die jeweilige Wohnzellen miteinander zu verbinden und grössere Räumlichkeiten zu ermöglichen. Das schafft ein ­ausserordentliches ­Klima und eine ­einzigartige ­Wohnatmosphäre. Die ­Schiebetüren werden nach aussen verschoben und nicht nach innen. Dies ­ermöglicht ein direktes visuelles Feedback (c). Auf diese Weise nimmt die Fassade je nach Belegung der Wohnungen ­unterschiedliche Konfigurationen an.

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Den Einwohnern ist es somit möglich zu wissen, ob ihre Wohnung besetzt ist oder nicht, bevor sie die Wohnung betreten. - Aber der Begriff Nest ­verweist bereits auf einen einladenden, gemütlichen Ort. Es wirkt, als ­würde es eine ganz positive ­Konnotation aufweisen. - Der Termitenhügel (a): So nennen ihn die ­Skeptiker. Manche halten es für ein inszeniertes soziales ­Experiment, womit getestet werden soll, wie Menschen reagieren, wenn ihnen ihr ­Lebensraum entzogen wird. Die meisten Investoren waren skeptisch und hatten sich dagegen gewehrt. Aber es wurden unzählige Umfrage geführt und deren Ergebnissen nach wurde diese Lösung umgesetzt. Wie ­hätten die Studenten reagiert, welche Probleme

wären entstanden, ­welche Risiken. Anfangs klang das wie ein Irrsinn, es sind ­zahllose Studien zurate gezogen worden. Manche nennen es WG. 3.0. Ich nenne es einfach das Nest. - Würdest du hier leben? - Ob ich hier leben würde? Spinnst du? Ich lebe doch hier!

A

B

C

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schau mal, meine Wohnung ist nicht besetzt. Komm, lass uns nach oben gehen. Die Aussicht vom Dach ist atemberaubend. Und um Mitternacht geschieht etwas Besonderes...

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Warte bitte auf 01:00 Uhr. - Was denn?

...Alles begann noch mal mit einem in ­Frankreich ­vorgeschlagenen ­Gesetzespakets, das 2007 im Kern für den Klimaschutz ­beschlossen wurde. Seit dem 1. Juli 2013 gilt dort die ­Regel, dass ab ein Uhr nachts öffentliche ­Gebäude, wie ­Rathäuser, ­Bahnhöfe, ­Schulen, ­Büros und ­Geschäfte ihre ­Beleuchtung ­ausschalten müssen. Auch ­Lichtreklame, ­Werbung und die Schaufenster-Beleuchtung sollen ­abgeschaltet ­werden (Wüpper 2013). Aus energetischen Gründen. Ich finde es ­fantastisch. Seitdem ist das ­Gesetz auch in diesem und ­anderen Ländern in Kraft getreten. - In der Dunkelheit kann man Dinge besser sehen...

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Heute ist der Mensch Herr über den ­unendlichen Raum. Hans hollein

Im Leben einer Stadt wie im Leben eines Menschen sind die wesentlichsten Eigenschaften oft nicht erkennbar und in undurchdringlicher Dunkelheit verborgen (Hilberseimer 1955: 61).

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Grünturm N3 Urbane Symbiose und Raumknappheit

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- Das mit dem Raummangel ist nicht nur ein Problem dieser Stadt, sondern von vielen urbanen Gebieten. Und schau mal jetzt. - Ist es eine vertikale Farm? - Ganz genau! Das ist der grünturm. Die Nummer 3, um genauer zu sein. - Und das ist ein ganz ­besonderer Bau, kann ich mir vorstellen? - Und wie! Der Green Turm ist vollständig in seine ­Umgebung integriert, in einer symbiotischen Beziehung. Er wird mit ­Abwärme versorgt, die von den ­Kühlsystemen des ­unterirdischen ­Einkaufszentrums erzeugt wird. - Aufgrund von Raummangel wurden die Kaufzentren nicht auf die Oberfläche gebaut, richtig? - Richtig. Gehen wir mal hin, ich zeige sie dir kurz. Unter der ­Erdoberfläche gebaute kommerzielle ­Infrastrukturen sind seit dem ersten ­unterirdischen Einkaufszentrums ­Berlins, entworfen von ­Bastian Winkler im Jahr 2025, zu einer ­Konstante in ­hochverdichteten ­städtischen Gebieten ­geworden. Im Winter wird die ­Abwärme zur ­Beheizung des ­12-stöckigen ­Gewächshauses und teilweise zur ­Warmwasserbereitung ­genutzt. Ab Juni wird die Abwärme zur ­Warmwasserbereitung für das Hotel und zwei ­anliegende ­Wohnkomplexe genutzt. zwölf ­Stockwerke hoch, mit einem ­Fahrstuhlkörper aus Beton und CLT-Geschossen, ist der gesamte Turm mit ­Polycarbonatplatten

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­verkleidet. Die ­Strassenkanalisation in diesem Stadtteil sammelt sowohl das Regenwasser als auch das Grauwasser der ­umliegenden Gebäude. Das angesammelte ­Wasser wird zu der im ­Einkaufszentrum ­eingebauten Kläranlage kanalisiert und dann in die ­vertikale Farm ­weitergeleitet, wo es schliesslich für die ­Bewässerung der ­Hydrokulturen ­verwendet wird. Diese ­Massnahmen machen es zu einer ­äusserst nachhaltigen, ­hierarchielosen ­Konstruktion. Murray ­Bookchin, ich glaube, du kennst ihn, wies darauf hin, dass „es keinen Sinn ­ergibt, in einem Ökosystem von Hierarchie zu sprechen (...). In Ökosystemen sind Ameisen genauso wichtig wie Löwen und Adler; durch das Recycling von organischem Material spielen sie eine entscheidende Rolle bei

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der Aufrechterhaltung der ­Stabilität und ­Integrität ­eines Gebiets. Der Green Tower N3 ist nicht nur zu ­einem ­Wahrzeichen des ­Stadtteils, sondern der ­ganzen Stadt geworden. Wenn, wie der ­Raumtheoretiker ­Henri Lefebvre sagt, “der Ü ­ bergang von einer ­(Produktions-)Art zu einer anderen die ­Produktion eines neuen Raums nach sich ziehen muss“, dann sollte der Übergang von ­industriellen Systemen ­(geschlossene, ­isolierte, lineare ­Systeme, die Waren und Abfälle ­produzieren) zu ­städtischen Wirtschaftssystemen ­(offene, integrierte, ­zirkuläre Systeme, die aus Abfällen Waren erzeugen) auch neue Räume und neue Geografie hervorbringen. Wenn Abfall natürlich und notwendig ist, wie sollen wir dann unsere Zukunft gestalten?

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- Die Utopie der Zukunft baut die Gegenwart auf (Ilya Prigogine)

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- Das denke ich auch. Komm, machen wir uns auf dem Weg...

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Bambook Ein bambusbasiertes Bausystem

- Und das da vorne? Was ist das denn? - Kutscher, machen Sie bitte einen Umweg, können wir bitte an jener Baustelle vorbeifahren? - Natürlich... - Danke! Na ja, es ist immer das gleiche Thema. Wie viele Ressourcen werden benötigt, um den Menschen und sein Hab und Gut unterzubringen? Beton wird heute nur noch sparsam eingesetzt. Über das Amphitheater und den Skatepark wurde dabei sehr lang diskutiert. Würde es sich lohnen? ­Müssen wir wirklich die Technosphere erweitern, um die Ökosphäre zu retten? Aber beim Unterkünfte ist es schon was anderes. Dies war der Ausgangspunkt für das Projekt. Bambook heisst das. Das ist ein bambusbasiertes Bausystem. - Wie funktioniert es denn? - Na ja es geht eigentlich um ein Bausystem. Ich weiss nicht, wer es gestaltet hat, frag mich einfach nicht. Ich weiss nur, dass man sehr oft auf Konstruktionen stösst, die mit diesem System realisiert wurden, wie jetzt zum Beispiel. Das System ermöglicht die Errichtung von temporären und nicht temporären, einfachen Konstruktionen.

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A

E

B

F

C

G

D

H

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K

I

J 70

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- Das Hauptelement ist ein Verbindungselement, ein Knoten. Es besteht aus einer zentralen ­Metallplatte (a), an der radial drei ­Zylinder (b) befestigt sind, in die ­Bambusstäbe (h) eingesetzt sind. Bambushalme haben aber nicht alle denselben ­inneren Durchmesser. Daher sind die Verbindungsstellen mit einer schwammartigen Hülse versehen (f), welche das ­Einfügen der Halme ­ermöglicht, ­unabhängig von ihrem ­Innendurchmesser. Der Knoten wird dann mit ­einem ­Holzgehäuse ­abgedeckt (c, d), das keine ­mechanische ­Funktion hat. In die Metallplatte werden Löcher gebohrt, um sechs Spanner - ­Metallseile - zu befestigen, die mit ­Karabinerhaken an einer zentralen Scheibe ­verankert sind (g, h). Nach dem ­Anbringen der Spanner steht das ­entstandene sechseckige Element (i) unter Spannung.

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Es ist also nicht einmal notwendig, die Enden der ­Bambusstäbe einzuklemmen oder zu ­befestigen. Sie sind einfach an ihrem Platz fixiert und können sich nicht bewegen. Und dies ist das ­Hauptelement, das auf der vertikalen oder ­horizontalen Achse wiederholt werden kann (k). In der Praxis lassen sich damit sowohl ebene als auch gekrümmte Flächen konstruieren. Die ­Bambussegmente können während des ­Trocknungsprozesses nach Belieben gebogen werden, je nach Art der zu ­bearbeitenden Fläche. Die so entstandenen ­Flächen werden dann durch ein ­zusätzliches ­Spannseil ­verstärkt, das über die gesamte Länge der ­Fläche verläuft (j). Schliesslich werden sie mit ­dreieckigen LKW-Planer-segmenten ­abgedeckt (l), die wiederum

die entstandene Oberfläche weiter dehnen und versteifen und sie teilweise wasserdicht machen. Mir wurde gesagt, aber ich habe sie noch nicht gesehen. Ich glaube, es ist im Leerrevier, wo jemand die sechseckigen Module auch paarweise verwendet hat. Also ich denke eine Art Sandwich-Oberfläche. Zwischen den beiden ­Elementen befindet sich eine verdichtete, ebenfalls sechseckige Heufüllung, die als Wärmedämmung dient. Sonst sind auch die ­Sonnensegel einiger ­Amphitheater davorne mit Bambook gemacht. wenn es Versammlung im Sommer gibt, werden sie aufgebaut. - gehen wir mal kurz hin, ich zeige sie dir gern. dann machen wir uns auf dem Rückweg zum schachbrett, unserer letzten station...

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Das menschliche Schachbrett Grenze und Zusammengehörigkeit

- Fantastisch. - Ja, oder? - Wird hier Schach gespielt? - Es wird hier menschlich gespielt, genau. Jedes Gebiet ist anders. Jede hat ihre eigenen Besonderheiten. Dennoch haben sie einen gemeinsamen Nenner. Was ist das gemeinsame Merkmal der Territorien? - Die Grenzen. - Richtig, Grenzen. Die Grenzen definieren die Territorien. Nächsten Monat spielt Oderland gegen die Lausitz. Die Linie die du nicht siehst, markiert die Grenze zwischen den beiden Landkreisen. Aber das Gras, das wächst, ist dasselbe, der Wind, der das Gras bewegt, ist derselbe und der Regen, der darauf fällt, ist derselbe. Grenzen sind ein viel interessanterer Gegenstand, als es den Anschein hat, und eine sehr lange Rede… - Leute die zu angrenzenden Territorien gehören, weisen häufig unterschiedliche

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Sitten, Bräuche und Dialekte auf. Sie sind nur durch eine unsichtbare Linie getrennt. Es gibt kaum Konzepte, die ich so faszinierend finde, wie die von Grenzen. - Absolut. Letztes Jahr ist mir Folgendes passiert. Wenn ein internationaler Flug Saudi-Arabien überquert, kündigt die Stewardess an, dass während des Überflugs der Genuss von Alkohol im Flugzeug verboten ist. Dies bedeutet das Eindringen des Territoriums in den Raum. Land = Gesellschaft = Nation = Kultur = Religion (Augé 2008: 95). - Auch die Geschichte der menschlichen Migration wurde durch das geprägt, was wir „natürliche Grenzen“ nennen (Flüsse, Ozeane, Gebirge). Diese Grenzen beflügelten die Phantasie, als die Menschheit die Kontinente kolonisierte. Die erste Grenze war der Horizont (Augé, 2008: Einleitung, XIV). - Stimmt.

- Oder nehmen wir zum Beispiel die Sprache. Die Sprache ist keine unüberwindbare Barriere: Sie ist eine Grenze. Die Sprache oder den Dialekt des anderen zu erlernen, bedeutet, eine elementare symbolische Beziehung zu ihm herzustellen, ihn zu respektieren und sich ihm anzuschliessen; die Grenze zu überschreiten. Eine Grenze ist keine Mauer, sondern eine Schwelle. (Augé 2008: Einleitung, XIV). - Ganz genau. Und das ist, was wir hier versucht haben, hervorzuheben: die Aspekte von Grenzen und Zusammengehörigkeit zusammenzubringen. Nah und entfernt, Information und Spiel, Problemlösen und Ausbildung. - Wann wird hier eigentlich gespielt? - Ausschliesslich im Frühling. Keiner will unter der sommerlichen Sonne, beim Schnee oder Regen einfach herum stehen. Bei unterschiedlichen Anlässen.

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- Und wer gewinnt, was gewinnt? - Unterschiedliches. Manchmal eine Steuersenkung, manchmal Geld, manchmal Energie. All dies zeigen im Endeffekt genau dasselbe, nur in unterschiedliche Formen. - Komm, gehen wir weiter... Kutscher!

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Abfliegen Verlassen der Region und kleiner Überblick

- Das langsam Fahren hat mir sehr gefallen. - Entschleunigung sollte auch sein. Wo hat uns die ganze Geschwindigkeit hingebracht? Einfach langsamer zu fahren... - Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte… - Hätte ich dir viel anderes zeigen können. Aber du kommst schon wieder, oder? - Bestimmt. - Viel mehr wartet auf dich. Das Leerrevier werde ich dir zeigen, im Norden der Region. Da hat man lange aufgehört, gegen die Schrumpfung zu kämpfen. Das Gebiet ist immer leerer und leerer geworden. Neue Biotope sind entstanden, es wurde nicht mehr neues gebaut, der Leerstand wurde vollkommenen umgewidmet. Einzigartige Gemeinschaften sind dort entstanden...Geothermburg werde ich dir ebenso zeigen, wo die Geothermiequelle als Energiequelle für Thermen benutzt werden. Dort gehen meistens alte Leute und Rentner hin aber ist sicherlich interessant zu sehen. Landschaftlich ist es fantastisch. Es gibt Terrassen mit heissem Wasser. Ausserdem habe ich dir den Zylinder nicht gezeigt. - Was ist denn der Zylinder? - Es handelt sich um ein zylindrisches Objekt, das mit einer besonderen Art von Brille gekoppelt werden kann, durch die man die verschiedenen historischen Phasen in Brandenburg nacherleben kann. Angefangen bei Karl dem Grossen, über die Gründung des Heiligen Römischen Reiches, die Entstehung Preussens unter den Hohenzollern bis hin zur

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DDR und ihrer Auflösung. Der Zylinder ermöglicht es dir, die historischen Epochen dieses Gebietes wieder zu erleben. Sie enthält eine materielle und immaterielle Karte von Brandenburg. Durch die Verwendung des Zylinders ist es möglich, die historischen Schichtungen, die zum heutigen Brandenburg geführt haben, durch eine, wie kann man sagen, diffuse und virtuelle Musealisierung nachzuvollziehen. - Das nächste Mal... - Sicher, das nächste Mal. Du kommst sicherlich wieder hierher. - Bestimmt. Es war zweifellos eine hochinteressante Stadt. - Absolut. Ich freue mich sehr, dass du gekommen bist. Wir haben alle gekämpft, um eine bessere Region aufzu-

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bauen. Es hat eine Menge Zeit und Mühe gekostet. - Ich denke, es mag manchen fast utopisch erscheinen, dass es eine solche Region gibt. Ich hatte es mir persönlich nicht vorstellen können. - Kann sein, das stelle ich mir auch vor. - Die Utopie ist wie der Horizont: Ich laufe zwei Schritte, und sie entfernt sich zwei Schritte. Ich laufe zehn Schritte, und sie entfernt sich zehn Schritte. Der Horizont ist nicht zu erreichen. - Wozu also ist die Utopie gut? - Dafür ist sie da: um weiterzugehen. (Eduardo Galeano) - Wir müssen auch anfangen eine andere Richtung einzuschlagen, bevor es zu spät ist. Es wird Widerstände geben, das ist sicher, aber ein Richtungswechsel ist notwendig. Gemeinsam können wir es schaffen. Ich wünsche dir eine gute Reise zu deinem entfernten Land. Eines Tages werde ich auch zu dir fliegen und du wirst mir die Sehenswürdigkeit deiner Stadt-Region zeigen. - Sehr gerne. - Habe eine schöne Reise. - Danke, du auch. Nimmst du noch die E-Kutsche um zurück zu deinem Nest zu fahren? - Natürlich, wie sonst!

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Don´t fight forces, use them. Richard Buckminster Fuller

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the end

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XII

Epilog: Ende der Reise

E10 Die im zweiten Teil vorgestellten Projekte sind keine Lösungen,

sie lösen kein Problem und versuchen auch nicht, es zu lösen, es sei denn auf spekulative Weise. Sie sind eher Stoßdämpfer, Süßstoffe. Die tatsächliche Lösung der dargestellten Probleme würde einen viel breiteren konzeptionellen Rahmen erfordern als den in dieser Ausarbeitung dargestellten. Eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums in städtischen Räumen würde von den Städten verlangen, dass sie eine Obergrenze für ihre Bevölkerung festlegen oder den Zustrom in die Städte begrenzen. Eine Lösung für Überschwemmungen und die Wiederverwendung des Wassers, das sie verursachen, würde viel mehr erfordern als ein paar Amphitheater in der Nähe von Flüssen. Diese Interventionen sollen vor allem einen anderen Ansatz, die Möglichkeit, anders zu denken, sich (mögliche, wahrscheinliche, plausible) alternative Szenarien vorzustellen, hervorheben. Bei allen vorgestellten Szenarien steht die kollektive und nicht die private Dimension im Mittelpunkt. Die oben vorgestellten Szenarien sollen neue soziale, wirtschaftliche und ökologische Welten abbilden. Obwohl das Endbild größtenteils positiv ist, wurde ein gewisser Raum für Phänomene mit eher versteckten, negativen Aspekten gelassen. Das Nest wäre wahrscheinlich kein schöner Ort zum Leben, aber es beantwortet die Frage nach den Kompromissen, die in nicht allzu ferner Zukunft notwendig sein könnten, um in einer Metropole zu leben. Sowohl Amphitheater als auch Skateranlage würden einen besonders invasiven Eingriff in die Natur und ebenfalls eine riesige Menge an Materialien erfordern, um gebaut zu werden. Ein solches Projekt führt uns zu der Frage, inwieweit es tatsächlich notwendig ist, die Technosphäre zu erweitern, um unsere Ökosphäre zu regulieren. Erfolgt die Gestaltung nur durch Addition oder ist sie auch durch Subtraktion möglich? Gleichzeitig erinnert es uns daran, dass Multifunktionalität heutzutage ein notwendiger Faktor ist und dass verschiedene Räume unterschiedliche Funktionen übernehmen können. Es wurde bewusst vermieden, ein zu rosiges Abbild der nahen Zukunft zu zeichnen. Die Parzellierung eines landeseigenen Fläche macht uns bewusst, wie wichtig der Raum ist: Die Unterteilung kleiner Flächen auf dem Bürgersteig kann zwar bereichernde Dynamiken unter den Bewohnern eines Viertels auslösen, aber gleichzeitig bringt sie uns zum Nachdenken über den immer weniger verfügbaren Raum. Was werden die Bewohner mit den letzten städtischen Zwischenräumen machen? Was ist ihnen am wichtigsten?

oder Jahrhunderte später projiziert, ein Bild der Stadt der Zukunft ergeben. Bei der Erarbeitung und Gestaltung dieser Szenarien war daher ein gemischter, interdisziplinärer und sehr spekulativer Ansatz erforderlich. Es wurde daher versucht, die Faktoren aufzuzeigen, die das emergente Verhalten Brandenburgs in einem hypothetischen Jahr 2040 bestimmen könnten. Auf einer reinen fiktiven Ebene, zielen die Interventionen aber auch darauf ab, die Konkurrenzfähigkeit der Region zu verstärken. So wie die Städte im Wettbewerb stehen, können sich auch die Stadtregionen dem europäischen und globalen Wettbewerb nicht entziehen. Jegliche Art von Romantisierung und Pauschalisierung muss vermieden werden. Die so entstandenen Szenarien stellen einen über ganz Brandenburg verteilten Interventionenkatalog dar, dessen Orchestrierung darauf abzielt, ein harmonisches und koordniertes Verhalten zu schaffen, das den Ballungsraum Berlin-Brandenburg so nachhaltig, proaktiv, vielfältig, sozialorientiert und nützlich wie möglich macht. Diese Ausarbeitung ist deshalb auch dazu gedacht, Fragen, Zweifel und Verwirrungen aufzuwerfen. Einige der hier vorgestellten Szenarien sind während meines vier- E12 monatigen Aufenthalts in Batzlow im Märkischen Oderland in Brandenburg entstanden. Als ich mich entschloss, mich mit dem ländlichen Raum zu beschäftigen, musste ich zunächst zugeben, dass ich die Region Brandenburg überhaupt nicht kannte. Ein kurzer Aufenthalt hätte mir geholfen, dieses Problem zu umschiffen. Also beschloss ich, eine Art Selbst-Experiment durchzuführen. Wer versucht, eine Kultur und ein Gebiet in nur vier Monaten kennenzulernen, wird schnell feststellen, dass diese Zeitspanne kaum ausreicht, um dasselbe Gebiet, die dort entstandene und entwickelte Kultur und die dort lebenden Menschen zu verstehen. Geboren werden bedeutet, an einem Ort geboren zu werden, einen Wohnsitz zu haben. In diesem Sinne ist der tatsächliche Geburtsort ein Bestandteil der individuellen Identität (vgl. Augé 2008: 43). So wurde mir bald klar, dass es ohne jegliche territoriale Beziehung zu diesen Gebieten wenig Sinn machte, sich mit den damit zusammenhängenden Fragen zu befassen. Probleme, die sich in einer bestimmten Region herausbilden, haben oft tiefe Wurzeln und weit entfernte Ursprünge. Mein Aufenthalt kam mir jedoch sehr gelegen, um meine Absichten in Bezug auf diese Ausarbeitung neu zu formulieren und umzudenken. Ohne einen viermonatigen Aufenthalt an einem mir unbekannten und isolierten Ort - Batzlow hat derzeit 211 Einwohner - hätte diese Ausarbeitung nicht die endgültige Form erhalten, die es angenommen hat.

E11 Oft besteht der Akt der Vorhersage darin, schwache Zeichen der

Innovation in der heutigen Welt zu erkennen, die, Jahrzehnte

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XIII

Methode und Ansatzsgestaltung M10 Dieser zweite Teil der Arbeit besteht aus einem Katalog von Szena-

rien, für deren Erstellung eine hybride Methode verwendet wurde. In der ersten Jahreshälfte wurden erste Studien zu den Methoden durchgeführt, mit denen Zukünfte erstellt und produziert werden. Viele der in der ersten Recherchephase gesammelten Informationen wurden jedoch nicht in ihrer ursprünglichen Form verwendet, sondern für die Verwendung in der eigentlichen Projektphase angepasst und verändert. In gewisser Weise ist die angewandte, als futurecraft bekannte Methode nicht besonders unähnlich. Diese Methode hat mehrere Vorbilder […] Einer der Vorläufer ist die sogenannte Comprehensive Anticipatory Design Science (CADS), die von dem amerikanischen Erfinder Buckminster Fuller vorgeschlagen und im Rahmen eines Kurses am MIT im Jahr 1956 entwickelt wurde. Fullers Arbeit basiert auf der Überzeugung, dass Design, Spekulation und Wissenschaft Hand in Hand gehen (Ratti und Claudel 2017: 7). Um diese Methode in vollem Umfang nutzen zu können, ist daher ein Science-Fiction-Charakter erforderlich. Science-Fiction ist von Natur aus interdisziplinär, fasst die Vergangenheit und die Gegenwart zusammen und bewertet sowohl Laienmeinungen als auch professionelle Strategien in dem Versuch, Voraussicht zu entwickeln und mögliche Zukünfte zu entwerfen (Lim 2017: 7). Ziel der Methode war es, mögliche Zukünfte zu generieren und sie als Instrumente zum besseren Verständnis der Gegenwart zu nutzen.

Um Inspiration zu finden, war es notwendig, über das Design M12 hinaus auf die methodologischen Spielwiesen von Kino, Literatur, Wissenschaft, Ethik und Politik zu schauen. Um diese in die Zukunft projizierten Szenarien zu entwickeln, war eine Recherche in der Vergangenheit unerlässlich. Es ist unabdingbar gewesen, zu erforschen, zu hybridisieren, zu leihen. Es war ebenso nötig, die vielen Werkzeuge zu nutzen, die nicht nur für die Gestaltung von Dingen, sondern auch von Ideen zur Verfügung stehen: fiktive Welten, warnende Erzählungen, Gedankenexperimente, Trends und Signale, kontrafaktische und reductio ad absurdum-Experimente. Indem auf allen Ebenen der Gesellschaft mehr spekuliert und alternative Szenarien erkundet werden, kann die Realität gestaltbarer werden, und obwohl die Zukunft nicht vorhergesagt werden kann, können wir als Gestalter dazu beitragen, schon heute Faktoren zu schaffen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich wünschenswertere Zukünfte ergeben. Und ebenso können Faktoren, die zu unerwünschten Zukünften führen können, frühzeitig erkannt und angegangen oder zumindest begrenzt werden (vgl. Dunne und Raby 2013: 3). Designer sollten der Welt ihre Ideen nicht aufzwingen. Es spielt keine Rolle, ob eine Idee verwirklicht wird oder nicht: Allein die Tatsache, dass ein Konzept vorgeschlagen, erforscht und diskutiert wurde, hat zwangsläufig eine Wirkung erzielt (Ratti und Claudel 2017: 8).

M11 Ausgehend von einer Was-wäre-wenn-Frage (Was wäre, wenn

wir unsere Privatsphäre aufheben sollten, um in hochverdichteten Gebieten leben zu können? Was wäre, wenn Inlandflüge verboten wären? Was wäre, wenn Bambus als Konstruktionsmaterial hierzulande zugelassen wäre? Was wäre, wenn Berlin verkehrsfrei wäre? Was wäre, wenn der Raummangel nicht mehr zu lösen wäre, usw.) nehmen solche Zukünfte die Form fiktiver Szenarien an und sollen Fragen, Zweifel und Diskussionen auslösen; daher sind sie notwendigerweise provokativ, absichtlich vereinfacht und fiktiv. Ihr fiktiver Charakter verlangt von den Betrachtern, ihren Unglauben aufzuheben (mentale Modelle) und vorübergehend zu vergessen, wie die Welt jetzt ist, und sich zu fragen, wie die Welt sein könnte. Diese spekulativen und polemischen Visionen der städtischen Zukunft, ob sie nun verwirklicht werden oder nicht, zielen darauf ab, die sozioökonomischen Beziehungen zu verändern, die Sicherheit der Gemeinschaft zu gewährleisten und letztlich ein neues Paradigma für das städtische Leben zu fördern (Lim 2017: 7).

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Quellen:

Achternbosch, Y., 2021, „Berlin autofrei“ will die größte autoreduzierte Zone der Welt schaffen, in: Der Tagesspiegel, 18.02.2021. URL: https://www.tagesspiegel.de/berlin/innerhalb-des-gesamten-s-bahn-rings-berlinautofrei-will-die-groesste-autoreduzierte-zone-der-welt-schaffen/26928802.html. Augé, M., 2008, Non-places: introduction to an anthropology of supermodernity, 2nd English language ed. London, New York, Verso. Bookchin, M., 1974, The limits of the city, Harper colophon books/CN. Harper & Row, New York. Übersetzung It: I limiti della Città, Feltrinelli Editore, I nuovi Testi, Milano, 1975. Dunne, A. and Raby, F., 2013, Speculative everything: design, fiction, and social dreaming, Cambridge, Massachusetts, London, The MIT Press. Heidtmann, J., 2021, Die Stadt ist um das Auto herum gebaut, in: Suddeutsche Zeitung, 25.02.2021. URL: https://www.sueddeutsche.de/politik/berlin-autofrei-verkehr-1.5216984. Hilberseimer, L., 1955, The Nature of Cities: Origin, Growth, and Decline; Pattern and Form; Planning Problems. Paul Theobald & Co, Chicago. Lim, C.J., 2017, Inhabitable infrastructures: science fiction or urban future, New York, NY: Routledge/Taylor & Francis Group. Lovelock, J.E., 2020, Novacene: l’età dell’iperintelligenza, Torino: Bollati Boringhieri. Ratti, C. and Claudel, M., 2017, La città di domani: come le reti stanno cambiando il futuro urbano, Torino, Einaudi. Wiegel, M., 2021, Frankreich verbietet kurze Inlandsflüge, in: Frankfurter Allgemeine, 05.05.2021. URL: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/frankreich-verbietet-kurze-inlandsfluege-17326781.html. Wüpper, G., 2013, Licht aus für den Staatshaushalt, in: die Welt, 07.03.2013 URL: https://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wirtschaft/article117658323/Lichtaus-fuer-den-Staatshaushalt.html. Zoja, L., 2007, Giustizia e bellezza, Bollati Boringhieri, Torino.

Milano, 01.09.2021

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