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Abschiedsfeier für Winfried Schmitz-Linkweiler am 23.08.2011 in Büderich

Musik: „Dolphin Dance“, Chet Baker

Tausend Worte können nicht sagen, wie groß die Bestürzung war, die unsere Herzen stocken ließ, als du plötzlich gehen musstest. Tausend Worte können nicht beschreiben, wie tief die Trauer in den Herzen derer liegt, die dich lieben und kannten. Tausend Gedanken werden dich begleiten auf deiner Reise durch die Unendlichkeit. Tausend Gedanken, in denen du bei uns sein wirst bis in alle Ewigkeit. Die Erinnerung an dich ist unsterblich. Ferdinand Schunk

Liebe Familie Schmitz-Linkweiler, liebe Angehörige und Freunde,

Mit diesen Worten von Ferdinand Schunk eröffne ich die Abschiedsfeier für Herrn Winfried Schmitz-Linkweiler, der von seinen Freunden immer Winni genannt wurde. Herr Winfried Schmitz-Linkweiler ist am 15. August 2011 im Alter von 57 Jahren verstorben. „Tausend Worte können nicht sagen, wie groß die Bestürzung war, die unsere Herzen stocken ließ, als du plötzlich gehen musstest“..... Der Dichter beschreibt die Betroffenheit und die Fassungslosigkeit, die auch wir spüren, weil sich ein Mensch, der zu uns gehörte, sehr plötzlich von uns verabschiedet hat. Winfried Schmitz-Linkweiler war ein leidenschaftlicher Künstler, der mit und für sein kreatives Schaffen lebte. Durch sein intensives Engagement für die Umwelt kam er zur grünen Politik und so war sein Leben auch geprägt durch seinen Einsatz für das Gemeinwohl.


Seine gute Gesundheit war viele Jahre der Garant für sein unermüdliches Schaffen und seinen auch ungewöhnlichen Lebensstil, denn er nutzte den Tag und auch viele Stunden der Nacht für seine Kunst, für seine intensiven Recherchen und für seine so geliebte Musik. So war er jahrzehntelang an wenig Schlaf gewöhnt, ja es scheint so, als hätte er etwas verpassen können vom so inspirierenden Leben, wenn er zu viel Zeit mit Schlafen vergeudet hätte. Kleinere Beschwerden kurierte er lieber selbst aus, denn er ging nur sehr ungern zum Arzt und auch nur dann, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden ließ. Schon vor sieben Jahren verfasste er eine eigene Patientenverfügung, in der er beschrieb, dass er auch nicht eine Sekunde lang eine lebensverlängernde Maßnahme für sich gewollt hätte. Vor sechs Wochen machten sich starke Schmerzen bemerkbar und auf Drängen seiner Freunde ging er dann doch zum Arzt, der ihn ins Krankenhaus schicken wollte. Winfried lehnte ab, doch er wollte auf jeden Fall die große Untersuchung machen lassen, die am 15. August stattfinden sollte. Es ist eine große Tragik, dass es durch seinen plötzlichen Tod nicht mehr dazu gekommen ist. Denn es gab keine Vorwarnung mehr für den Zusammenbruch, der sein Leben dann so unerwartet beendet hat. Sie alle hatten keine Zeit, sich auf diesen plötzlichen Abschied vorzubereiten. Winfried wurde aus dem Leben gerissen und Sie bleiben nun fassungslos zurück, und es fehlen die Worte, die Trauer über diesen schweren Verlust auszudrücken. Die Worte des Dichters Rainer Maria Rilke treffen den Kern dieser Erfahrung: „Der Tod ist groß, wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.“ Und so wird es viel Zeit brauchen, die Endgültigkeit des Todes zu begreifen, denn Winfried war ja ein liebenswerter Mensch, den Sie sicher noch lange vermissen werden.

Wir sind erschrocken über den Tod und wir sind traurig, dass er das Gespräch zwischen uns Menschen abreißen lässt und unserer Gemeinschaft Grenzen setzt. Wir brauchen nun Ruhe und Kraft für den Abschied. Und wir wünschen uns freundliche Erinnerungen an die Menschen, deren Leben sich vollendet hat.


Wir brauchen Mut zum Weiterleben Und die starke Hand eines Freundes Der uns Trost spendet in den Zeiten unserer Trauer. In dieser Abschiedsstunde möchte ich Sie nun begleiten mit einem Blick auf das Leben von Winfried Schmitz-Linkweiler. Winni wurde am 06. Mai 1954 in Düsseldorf-Heerdt geboren. Zusammen mit seinem Bruder Jochen ist er in Büderich in einem bürgerlichen Elternhaus aufgewachsen. Nach dem Abitur ging er nach Köln, wo er ein Semester Jura studierte. Dann holte ihn die Bundeswehrpflicht ein und Winfried musste seinen Wehrdienst ableisten, weil sein Antrag auf Verweigerung abgelehnt wurde. Die Bundeswehrzeit war eine sehr harte Prüfung für den sensiblen Winfried, der es zum einen durch die Verweigerung, zum anderen durch seinen Widerspruchsgeist sehr schwer hatte, sich den strengen Regeln zu beugen. Irgendwie verging diese schreckliche Zeit, doch seine erste große Liebe überstand diese Zeit der Trennung nicht und Winfried musste seinen ersten schweren Kummer bewältigen. Dann begann er in Aachen ein Lehramtsstudium mit den Fächern Kunst und Deutsch. Im Studium lernte er alle Grundlagen der künstlerischen Arbeit und hier konnte er sein angeborenes Talent zum Ausdruck bringen. Seine Leidenschaft für die Kunst erwies sich um vieles stärker als sein Wunsch, als Pädagoge tätig zu werden und so beschloss er, sein Leben ganz auf sein künstlerisches Schaffen auszurichten. Dieser Weg war nicht leicht, denn Winfried wollte sich ganz auf die Kunst konzentrieren und er weigerte sich, seine Zeit mit unwichtigen Arbeiten zu vergeuden. So musste er jahrelang mit sehr wenig Geld zurechtkommen, aber er bewahrte sich seine Unabhängigkeit und er hätte sich nie auf festgelegte Auftragsarbeiten eingelassen, nur um mehr Geld zu verdienen. So ist er seinen eigenen Grundsätzen immer treu geblieben. Seine Werke sind vielseitig, ideenreich und abwechslungsreich durch verschiedenste Materialien, die er gekonnt verwendet hat. Als ihn einmal ein CDU-Ratskollege darauf ansprach, „ob er denn auch richtig malen könnte“ verblüffte er seinen Kritiker stante pede mit einer klassischsoliden Bleistiftzeichnung von einem Pferd, das er im Nu detailgetreu und sehr realistisch-lebendig aufs Papier bannte.


Seine solide Ausbildung war eben die Grundlage für seine Werke und es gibt viele Bilder, die er nur mit dem Kugelschreiber oder mit dem Bleistift gezeichnet hat.

Neben seiner künstlerischen Arbeit waren ihm der Erhalt der Umwelt und sein Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte sehr wichtig. Seit einigen Jahren betreute er die Meerbuscher „Künstlerwand gegen Ausländerfeindlichkeit“, die er gemeinsam mit Künstler-KollegInnen laufend aktualisiert hat. Auch sein Privatleben war geprägt von seinen Überzeugungen und so erledigte er auch bei Wind und Wetter alle Wege mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit seiner großen Liebe Annelie erlebte er einige glückliche Jahre und mit ihr wollte er gerne zusammen sein. Doch eine schwere Krankheit, die sich über ein ganzes Jahr hingezogen hat, kostete Annelie das Leben und für Winni brach eine Welt zusammen. Diesen Abschied hat er wohl nie wirklich verkraftet und so trug der an sich fröhliche und positive Winfried sein Leben lang schwer an seiner inneren Traurigkeit. Manche Freundschaft pflegte er über viele Jahre und auch mit seinem Bruder blieb er immer verbunden. Die Familienfeste wurden gern gemeinsam gefeiert und Winni verstand sich auch bestens mit seinen beiden Nichten Melina und Caroline. Er hat sich gerne ausgefallene Geschenke ausgedacht und so schrieb und illustrierte er auch ein Märchen für seine Nichte, das eigentlich noch eine Fortsetzung haben sollte. Aber nicht jedes Vorhaben wurde von ihm beendet und nun wird auch das sein Geheimnis bleiben. Ruhe und Entspannung fand er in der Natur, denn Winfried liebte die Sonne und er nutzte jede Gelegenheit, sie zu genießen. Auch seine Reisen führten immer in den Süden, wo er die Sonne und das unglaubliche Licht in der Wüste und am Meer bewundern konnte. Dann nahm er sich auch Zeit, die Architektur, die Kunstschätze und die religiösen Bauwerke alter Epochen zu studieren. Auch im heimischen Büderich genoss er den Wechsel der Jahreszeiten, vor allem immer den Sommer (!) - und die grünen Landschaften. Ob mit dem Fahrrad oder zu Fuß, Winfried war gern in der grünen Umgebung der Heimat unterwegs und es war ihm sehr wichtig, für den Erhalt seiner Umwelt zu kämpfen. Er nutzte viel Zeit, um sich ausgiebig über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fakten zu informieren und durch sein hervorragendes Gedächtnis konnte er sein Wissen jederzeit in seine Ausführungen einfließen lassen.


Im Rat der Stadt Meerbusch waren seine mit fundiertem Wissen gespickten Reden gefürchtet und geachtet, denn er überzeugte durch Fakten und so hat er manche Forderung mit seinen schlüssigen Argumenten durchsetzen können. In den letzten drei Jahren konnte er seine pädagogische Ausbildung doch noch nutzen, denn er unterrichtete Kunst an einer Mädchenschule in Neuss. Mit seinen Schülerinnen hat er einige interessante Projekte realisiert und viel Freude an der Arbeit gehabt. Das Kollegium der Schule schätzte ihn und seine unkonventionelle Art der Kunstvermittlung. Sehr viel Zeit widmete er der Musik und den Filmen. Seine große Schallplatten- und Video-Sammlung hat er im Lauf von Jahrzehnten zusammen getragen und er kannte sich auch hervorragend mit der Musikgeschichte und dem Leben geschätzter Künstler aus. Sehr gerne stöberte er auf Trödelmärkten und hier fand er manche Rarität für seine Sammlungen. Obwohl er durchaus nicht technikfeindlich war, hielt er immer an seinen Schallplatten fest, denn die Qualität der wiedergegebenen Musik gefiel ihm deutlich besser als der Klang von CD- Musik. Was man bei einem Künstler eher selten vermutet ist ein ausgeprägter Sinn für Ordnung und Struktur. Winni war – wie sein Vater - der geborene Büromensch, denn er konnte systematische Ordner anlegen, er überwachte den Verkauf seiner Bilder und er führte genau Buch darüber, wen er zu welcher Ausstellung eingeladen hat. Auch sein Tagesablauf folgte einem genauen Plan, den er sich selbst erarbeitet hat und er ließ sich nur ungern von seinen Plänen abbringen. Obwohl er durch sein politisches Wirken oft in der Öffentlichkeit stand, wollte er nie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Und auch heute würde er sich am liebsten bescheiden im Hintergrund aufhalten, die Szenerie beobachten und vielleicht die eine oder andere Frage beantworten, wenn jemand das Wort an ihn richten würde. Und dann würde er gehen, mit einem leisen Lächeln, langsam, ohne Hast, immer der Sonne entgegen. Nehmen Sie in diesem Sinne Abschied von Winfried Schmitz-Linkweiler, der sein Schicksal mit all den Höhen und Tiefen so gut er konnte gemeistert hat. Möge er seinen Frieden finden in der Ewigkeit.


Musik: „Cirrus Minor“, Pink Floyd

Ansprache von Herrn Oliver Keymis, ein Freund der Familie

Aus Irland stammen die folgenden kurzen Gedanken, die Winfrieds Einstellung widerspiegeln:

Wenn ich gestorben bin Singt keine traurigen Lieder Pflanzt keinen Baum über meinem Grab Ich will ruhen unter dem Rasen Den der Regen nässt und der Tau berührt Lasst mich liegen Wenn Ihr wollt, erinnert euch Und wenn Ihr wollt, vergesst

Als Zeichen Ihres Dankes für alle Ermutigung, für alle Liebe und Fürsorge, für alle Freundschaft, die Ihnen durch Winfried SchmitzLinkweiler zuteil geworden ist, bitte ich Sie, nun aufzustehen.

Abschied nehmen Nun habe ich den Gipfel des Berges erreicht, und mein Geist schwebt in einer Atmosphäre von Freiheit und Erlösung. Ich bin weit entfernt von Euch, Freunde. Nebel bedeckt die Gipfel der Berge und entzieht sie meinen Blicken. Die Weite der Täler ist eingetaucht in ein Meer des Schweigens, und die Hand des Vergessens hat die Wege und Pfade verwischt; Wiesen und Täler verbergen sich hinter Fantomen, die weiß wie Frühlingswolken sind, gelb wie Sonnenstrahlen und rot wie der Himmel beim Sonnenuntergang. Die Lieder der Wellen des Meeres sind verklungen – ebenso wie das Plätschern des Baches in den Feldern.


Die Stimmen der Menschen sind verstummt, und ich höre nichts als die Hymne der Ewigkeit, die sich der Sehnsucht meiner Seele zugesellt. (Khalil Gibran, Eine Träne und ein Lächeln)

Lieber Winfried Schmitz-Linkweiler Wir danken dir für all deine Liebe und Fürsorge Wir danken dir für deine Freundschaft und Zuwendung Wir danken dir für all die Kraft, die du uns schenktest. Nun aber übergeben wir deinen erloschenen Körper der Verwandlung und wir lassen dich los für den Weg in das Licht Unsere Liebe begleitet dich Unsere Gedanken folgen dir Und in unseren Herzen lebst du weiter fort. Mögest du in Frieden ruhen.

Musik: „April“, Deep Purple “April is a cruel time Even though the sun may shine And world looks in the shade As it slowly comes away Still falls the April rain And the valley's filled with pain And you can't tell me quite why As I look up to the Gray sky where it should be blue Gray sky where I should see you Ask why, why it should be so I'll cry, say that I don't know Maybe once in a while I'll forget and I'll smile But then the feeling comes again Of an April without end Of an April lonely as they come In the dark of my mind I can see all too fine But there is nothing to be done When I just can't feel the sun And the springtime is the season of the night Gray sky where it should be blue Gray sky where I should see you Ask why, why it should be so I'll cry, say that I don't know I don't know”


Trauerrede Gabriele Jöhren