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ZUM FRESSEN GERN Eine Sammlung kulinarischer Geschichten Matthias Hohmann /Sebastian Wegerhoff


Liebe Leserinnen und Leser, Sie lesen jetzt „ZUM FRESSEN GERN“. Warum? Das wissen wir auch nicht. Aber wir wissen, warum sie es lesen sollten! Dieses Buch befasst sich mit internationaler Ess- und Trinkkultur in Form von Kurzgeschichten, Erzählungen und Interviews. Unser Konzept ist es eine leichte aber interessante Kost zu servieren. Große Romane, die den Magen belasten, gibt es zur genüge auf der Welt. Hier setzen ihnen Menschen aus verschiedenen Kulturen ihre Texte vor. Jeder hat eine andere Herkunft und eine andere Sichtweise, auf die Dinge die wir täglich zu uns nehmen und hat diese zu Papier gebracht. Es wird deutlich, dass aus etwas scheinbar selbstverständlichem eine ganz besondere Sache werden kann. Guten Appetit! Wir danken allen Beteiligten für die Unterstützung.

Gestaltung: Matthias Hohmann / Sebastian Wegerhoff Wir widmen dieses Buch: Jerzy Ludwik Janiszewski


Heute also wieder zu sp채t...

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Candlelight Camping

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Rezepte VZ

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Couscous 1968

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friesischer Brotsalat

22

Umami

26

Pizzeria Bianco

32

Fast kulinarisch...

36

The Royal Rocket Burger

40

Burma im Maggi

46

Moritz Rathjen Rosa Schielke & Jeldrick M체hl Jan Mendzigall Karlheinz Hohmann

Julian Sonntag Ly Than Le Brock Hanson

Stefan Wolf Thomas Quack Sabine Abraham


50

In vier Monaten um die Welt

52

Supamarkt

56

Menue al Tonno

62

Cheap & Dirty

64

I got my baby back

66

Bratwurst

68

Ein Leben hinterm Kläppchen

72

Feasting for St. George

76

Veganistan

78

Hm...Essen!

80

Maxokk

Sabine Abraham Sven Stephani Michael Dlugosch & Daniel Gründet Brock Hanson Philipp Lemm Aufgeschnappt Nils Beckmann Erin Hanson Kora Kaufmann Kama Frankl Ken Borg


Dalai Lama


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HEUTE ALSO WIEDER ZU SPÄT... Moritz Rathjen


Dreißig Minuten sind zum essen echt zu wenig. Man muss in der Uni ja noch von der Vorlesung in die Mensa und dann wieder zur nächsten Vorlesung. Da bleiben ja höchstens noch zwanzig Minuten effektive Essenszeit, abzüglich der Zeit die man braucht, um sich durch die Schlangen an der Essensausgabe zu drängeln. Der Prozess der Nahrungsaufnahme muss minutiös geplant sein: Besteck nehmen, Gabel, Messer, kleiner Löffel, großer Löffel – man muss auf alles vorbereitet sein. Das Tablett nehmen, Hauptgericht, Beilage, Nachtisch. Mehr schafft man in der kurzen Zeit eh nicht. Die Zeit die man anstehen muss, um das Essen mit der Mensa-Karte zu bezahlen, ist abhängig von der Anzahl der anstehenden Studenten und den Fähigkeiten der Kassiererin. Es bleibt jedoch immer ein nicht kalkulierbares Restrisiko: Hoffentlich hat nicht wieder so ein Idiot vergessen seine Karte aufzuladen, seine Karte vergessen oder kein Geld dabei. Wenn man seine Karte schon beim Betreten der Mensa in der Hand hat, um sie anschließend auf dem Tablett zu platzieren, spart man die Zeit, die man braucht, um die Karte an der Kasse aus dem Portemonnaie zu kramen, aber anscheinend habedas manche immer noch nicht geschnallt. Das Essen selbst bekommt man am schnellsten runter, wenn man die Gabel schon wieder neu belädt, während man noch den vorherigen Bissen kaut. Das Fleisch ist aber leider zu zäh. Verdammt, dass mach 30% mehr Kauzeit – ich komme heute also wieder zu spät…


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le d n a

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C t h g

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Wir nehmen euch mit auf einen unserer Campingtrips und führen euch kulinarisch durch den Tag. Wir starten Morgens gerne mit einem Sonntagsfrühstück. Dazu: Aufstehen (auch wenns schwer fällt). Wems am schwersten fällt, der muss Brötchen holen gehen um nen klaren Kopf zu kriegen. Der andere darf in der Zwischenzeit die Zwiebeln würfeln. Öl in der Pfanne erhitzen. Zwiebeln und Speck in der Pfanne anbraten und die Eier zu geben. Mit Schiller und Goethe, unserem Salz und Pfefferstreuer, würzen und alles gut verrühren. Morgens darf natürlich nicht die Latte fehlen. Dazu Wasser in den Espressokocher füllen, Sieb einsetzen und mit gemahlenen Espresso füllen. Wer es stark mag kann durch kräftiges drücken noch mehr Espresso einfüllen. Espressokocher verschrauben und ab auf die Gasflamme. Milch in den Milchschäumer und ebenfalls auf den Gaskocher. Sobald die Milch leicht dampft sollte sie von der Flamme genommen und sofort geschäumt werden. Milch in die Tassen geben und je nach Geschmack

1 kleiner Wohnwagen 2 mal gute Laune Meer & Strand gutes Wetter 2 Stühle 1 Tisch

Setup

e chielk Rosa S k Mühl Jeldric

Frühstück: 1 kleine Pfanne 3 Eier und 60g Speck Schiller und Goethe Jemanden der Brötchen holt 2 Brettchen 2 Messer Espresso Espressokocher ca. 200 ml Milch

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Mittags sind wir meist zu faul groß zu kochen. Außerdem sind in der Regel Reste vom letzten Abendessen übrig. Oft Nudel mit roter Soße. Diese kann man wunderbar mit den Resten des Rühreis mit Speck in einer Pfanne oder einem Topf anbraten. Einen Tropfen Öl dabei geben. Bei Bedarf mit weiteren Eiern und oder Speck aufstocken. Schiller und Goethe nicht vergessen und vielleicht ein paar Kräuter. Abends kochen wir frisch. Zu aller erst die Kartoffeln in reichlich Wasser aufsetzen. Schiller nicht vergessen. Salat waschen und klein zupfen, die Tomaten und den Schafkäse in Würfel schneiden. Zu dem Öl im Gläschen den Balsamico, Senf, Schiller und Goethe zugeben und mit geschlossenem Deckel kräftig schütteln. Das Dressing über den Salat

geben. Jetzt den Fisch anbraten. Bei Fisch ist es immer wichtig, ihn frisch und nach regionalem Angebot zu kaufen. Die Kartoffeln sollten mittlerweile auch fertig sein, können also abgeschüttet und geschält werden. Kartoffeln, Salat, Fisch und Kräuterquark schön auf den Tellern anrichten. Nicht vergessen etwas Zitronensaft über den Fisch zu träufeln. Noch etwas zum Kräuterquark: Wir hatten zufälliger Weise noch ein bisschen von unserem lieben Nachbarn dabei (der hatte mal wieder zu viel gemacht). Diesen müsst ihr nun selber zubereiten. Und so geht’s: 250g Magerquark 100 ml Schlagsahne, Schiller, Goethe, reichlich frische Kräuter und Knoblauch mischen. Viel Spaß und guten Appetit.

Für Später: 4 Flaschen Moritz Fiege Radler 1 Tüte Chips

Abendessen: 8 kleine Kartoffeln 1 Topf 2 frische Fischfilets 1 Zitrone 1 Kleine Pfanne 1 Kopfsalat 3 Tomaten 1 Schafskäse 1 TL Senf 1/2 Babybreiglas voll Olivenöl Balsamico Salatbesteck 1 Salatschüssel (emallie) Schiller und Goethe 1 Schälmesser 2 Gabeln 2 Messer 2 Emaille-Teller 1 Kräuterquark vom Nachbarn

Milchschäumer 2 Tassen Rohrohrzucker

Mittag: gebratene Nudeln vom Vortag Reste des Frühstücks 2 emaille Teller 2 Gabeln Schiller

den Espresso zugeben. Wer mag kann sich Zucker einrühren. Der Brötchenholer sollte langsam zurück sein. Jetzt kann man gemeinsam den Tisch decken. Guten Appetit.


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Kulinarische Vielfalt im Internet Jan Mendzigall


Das größte Kochbuch Deutschlands ist ziemlich klein. Die umfangreichste bebilderte Sammlung von Kochrezepten ist weder das Ergebnis eines über Generationen tradierten Kochfamilienalbums, noch ein Kompendium aus den Wälzern und -schinken unserer zahlreichen TV-Star-Brutzler. So ähnlich nämlich war das 2007 auf Ebay versteigerte Unikat angelegt, das 561 Rezepte von internationalen Promi- und Hobbyköchen enthielt und dabei knapp zwei Kilogramm auf die Waage brachte. Keine Flut aus Kochbüchern aber, und mögen die Mälzers und Olivers noch so fleißige Schreiber sein, wird es mit der geballten Zahl an Rezepten aufnehmen können, die uns die Internetcommunitys zur verfügung stellen und auf jedem Smartphone abrufbar sind. Die Plattform rezeptewiki.org, in Anlehnung an den großen Bruder wikipedia.de, bietet den Usern ein Angebot von 7.720 Rezepten, darüber hinaus aber auch einen umfangreichen Glossar von 465 Kochtechniken und 322 Küchengeräten. Vom Ablöschen zum Mijotieren, vom Holzbrett bis zum Taijine wird jeder Fachbegriff der Küche mal ausführlich, mal knapp erläutert. Das Portal lecker.de kocht da schon etwas heißer. Neben einem Magazin mit Literaturtipps, einem Forum und der Weinwelt mit Tipps und Erklärungen stellt die Datenbank 39.000 "Profi-Rezepte" zur Auswahl. Bei einem Rezept pro Buchseite müsste Großmutter 243 Kg Gedrucktes vom Regal auf den Küchentisch hieven, um ein vergleichbares Nachschlagewerk vorweisen zu können. Besonders Erwähnenswert ist die Möglichkeit der erweiterten Rezeptesuche, die die Auswahl nach Herkunft, Kalorienzahl, Zubereitungszeit, Zubereitungsart und Nahrungsmittelgruppe einzugrenzen weiß. Die Qualität der Auswahl zeigt sich außerdem an der Angabe von enthaltenem Eiweiß und Kohlenhydraten. Das Salz in der Suppe sind die erstklassigen Abbildungen der Gerichte, die allesamt von professionellen Food-Foto-Agenturen abgelichtet wurden. Leider wird bei der Größe und Anzahl der Bilder gespart. Der Maître de Cuisine der virtuellen Küchenwelt ist die Community Chefkoch.de mit über 170.000 eingetragenen Rezepten. Hier zeigt sich der Boom des Social Web am deutlichsten. Mit ca. 130 Millionen Seitenaufrufen

Seit der Gründung 1998 haben über 450.000 Benutzer zu 534.901 Themen 9.369.306 Beiträge verfasst. und 15,8 Millionen Unique Visits pro Monat (Stand: 06/2010) ist sie Europas größte Kochseite. Seit der Gründung 1998 haben über 450.000 Benutzer zu 534.901 Themen 9.369.306 Beiträge verfasst. Bei diesem Erfolg überrascht es nicht, dass der Verlag Gruner + Jahr die Plattform 2008 mit einem Anteil von 50,2% übernommen hat. Der Kaufpreis soll bei knapp 8 Millionen Euro gelegen haben. Die Vorteile des Internets gehen aber über Text und Foto hinaus. Waren zu Beginn des Jahrzehnts die Bandbreiten der DSL-Anschlüsse noch zu schmal für Video-Plattformen wie youtube.com und kino.to, können User heute riesige Datenmengen in Sekundenschnelle herunterladen. So nutzen auch die größeren Webseiten der Kochkunst die Möglichkeiten der heutigen Internetstandards und bieten kurze aber zahlreiche Lehrvideos an, in denen Rezepte erläutert oder Zubereitungstechniken vorgeführt werden. Auf der Website von essen-undtrinken.de hat man unter dem Menüpunkt "Videos" die Auswahl unter den Kategorien Rezeptvideos, Kochschulvideos und Backschul-videos. •


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• Dort wird anschaulich in nur wenigen Minuten erklärt, wie eine Ente richtig tranchiert oder ein Hummer ausgelöst wird. Die Mediathek der Website daskochrezept.de, aus dem Programm des Hubert Burda Media Verlags, hat ein noch breiteres Angebot vorzuweisen. Dort finden sich neben dem Standardprogramm auch Berichte und Interviews, z.B. über IFA-Geräte-Neuheiten oder die Weltmeister des Korkenrecyclings. Die Vorteile des Internetangebots gegenüber dem analogen Klassiker sind eindeutig. Den Umfang und die Vielfalt, die die digitalen Datenbanken erreichen, kann ein Buch praktisch nicht umfassen. Und wohl auch die ausführlichst ge-

Den Umfang und die Vielfalt, die die digitalen Datenbanken erreichen, kann ein Buch praktisch nicht umfassen.

Links rezeptewiki.org lecker.de chefkoch.de essen-und-trinken.de daskochrezept.de

schriebene Schilderung zum korrekten Aufschneiden einer Ente wird nicht die veranschaulichende Qualität erlangen, die ein Video zu vermitteln im Stande ist. Letztendlich tauchen hier die gleichen Argumente auf, die bei der gesamten Debatte über den "Untergang der Gutenberggalaxis" zu finden sind. Warum soll man sich also für ein teures Buch entscheiden, wenn man im Internet vergleichbare Rezepte kostenlos finden kann? Genau im Finden liegt das Problem. Dem Buch eines namhaften Autoren oder Kochs ist mit seinem Namen ein Qualitätssiegel aufgedrückt. Im idealen Fall zeigt das dem Kenner sofort, ob ihm die beschriebenen Gerichte zusagen werden oder nicht. Hobby- und Semiprofiköche werden selten dieses Maß an stilsicherer Auswahl treffen können. Nur den erfahrensten Köchen ist die Fähigkeit vorbehalten, den Geschmack an Hand der Zutaten ablesen zu können. In den Communitys sind die beliebtesten Gerichte meist nur das Ergebnis eines Durchschnittsgeschmacks oder Empfehlungen völlig unbekannter Autoren. Die Schwarmintelligenz mag bei Wissenswikis funktionieren, aber eine kollektive Geschmacksbewertung wird dem einzelnen nicht gerecht. Echte Gourmet-Perlen und frische Kreationen und Ideen verschwinden im Wust von unüberschaubar vielen Italienischen Nudelsalaten oder Indischen Currygerichten. Kochbücher erstklassiger Feinschmecker hingegen sind Perlenketten, in denen jedes Gericht eine Delikatesse ist.


Wer also ein Gericht für Zwischendurch sucht oder einen besonders experimentierfreudigen Gaumen hat, der ist im Internet gut aufgehoben. Wer erstklassige Qualität und Stilsicherheit finden möchte, der sollte zu einem Kochbuch greifen. Des weiteren spricht der Aspekt der ästhetischen Darstellung auch eindeutig für das Kochbuch. Die Qualität und Anzahl der Abbildungen in Fotos und Illustrationen sowie die gesamte Gestaltung des Buches vermittelt ein besseres Gefühl für das Rezept. Das Auge isst mit, sagt der Volksmund. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Mahlzeit. In den Communitys erinnern die Fotos entweder an mikroskopische Aufnahmen von Bakterienkulturen oder werden nur äußerst spärlich eingesetzt. Dabei

Wer erstklassige Qualität und Stilsicherheit finden möchte, der sollte zu einem Kochbuch greifen. entscheiden wir nicht selten nach den Abbildungen, mit welcher Speise wir bei unseren Schwiegereltern punkten wollen. Und sollte es mit dem Gericht nicht geklappt haben, zeigt die physische Präsenz ausgewählter Exemplare im Bücherregal, dass zukünftige Enkel kulinarisch nichts zu befürchten haben. Wer sein theoretisches Wissen über Techniken und Tipps über die Gestaltung und Zubereitung eines Menüs vergrößern möchte, der kann sich in den Weiten des Internets verlieren oder einen Blick in "Die große Schule des Kochens" von Anne Willan werfen. In diesem Standard-Nachschlagewerk wird auf 500 Seiten kompakt fundiertes Hintergrundwissen für Anfänger und Fortgeschrittene vermittelt. Lehrreiches über die Ausbildung seines Geschmackssinns sucht man im Internet vergebens. Abhilfe schafft hier die "Geschmacksschule" von FAZ-Chefgourmetkritiker Jürgen Dollase, der den Leser Häppchen für Häppchen in die Künste des Schmeckens einführt. Wie in allen gestalterischen gestalterischen Disziplinen aber gilt: Die Kreativität und Fähigkeit innovative Erlebnisse und Eindrücke zu schaffen, ist das Ergebnis langer Übung, Erfahrung und zahlreicher Experimente. Die Kunst des Kochen kann man letztendlich nicht von Buchseiten oder Bildschirmen ablesen, man lernt sie in der Küche beim Nappieren, Bardieren, Parfümieren, Abschmecken und Anrichten seiner selbst zubereiteten Kochgedichte.


„ Junge Hähnchen, sanft gebraten, dazu kann man dringend raten.“ Wilhelm Busch

deutscher Dichter und Zeichner


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inz Karlhenn a Hohm


S U O C T S R U E D CO N U H N H E Z NEUN DSECHSZIG N U T H C A

Couscous Ein Hartweizengrieß, der bereits vorgegart und anschließend getrocknet wurde. Man übergießt ihn mit kochendem Wasser und kann ihn dann bereits nach wenigen Minuten essen. In türkischen Lebensmittelgeschäften, Reformhäusern und Bioläden vorrätig.


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In Berlin waren Fritz Teufel und Rainer Langhans mit seinem schönen Groupie Uschi Obermaier. Sie machten die Straßen unsicher und warfen Stinkbomben. Sie lebten zusammen in der berühmten Kommune Eins. Vor allen Dingen war Rudi Dutschke in der SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund). Er war Führer der kommunistischen Studentenbewegung. In Paris kamen dann im Mai viel Unruhe unter den linken Studenten auf. Es wurden Bäume umgeworfen und Autos in Brand gesetzt. Daniel Cohn-Bendit war die Hauptfigur unter den Studenten. Er hatte Ärger mit dem damalgen Präsidenten Pompidou. Davon hatte ich aber kaum Ahnung. Ich war damals gerade erst siebzehn Jahre alt. Im April 1968, wollten u.a. Hans, Felix und ich nach Paris fahren. Wir waren aufgeregt und hatten wirklich keine Ahnung was wir sonst noch erleben würden. Nur Paris, alles andere war egal. Zum ersten Mal. Heute ist vieles anders in Paris. Zum Beispiel ist der Eiffelturm beleuchtet. Der Louvre hat eine Pymamiden aus Glas bekommen. Der Markplatzt ist schon längst nicht mehr da. Heute ist dort die Centre Pompidou. Dort konnte man eine Zwieb-


elsuppe bekommen, großartig. Nur die Kirche St. Eustache ist noch da. In der Nähe der Sorbonne gingen wir essen, ganz in der Nähe des Panthéon. Ich hatte nähmlich immer Hunger. Da sah ich etwas komisches. Bei dem Louvre und dem Theater sah ich ein Restaurant, ein algerisches oder marokkanisches Restaurant. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Jedenfalls damals noch nie. Hans, Felix und ich guckten durch das Fenster und staunten. Da war etwas, viele Dinge, die wir noch nie gesehen hatten. Zum Beispiel dieses Couscous. Nie gesehen. Und schon kriegte ich wieder Hunger! Ich suchte mein Geldbeutel hervor, es war nicht mehr viel Geld da. Trotzdem! Wir gingen in das Lokal und ich bestellte mir eine Portion Couscous. Ich bekam einen Teller, darauf war eine Menge zu sehen. Etwas Hähnchenfilet, angebraten. Dazu Zwiebeln und Paprikschoten und etwas Tomatenmark. Zu viel Tomate! Passiert. Dann noch Pilze und Brühe. Ja, und dann der Couscous. Couscous ist aus Hartweizengries. Er wird mit Wasser zubereitet und aufgequollen. Er ist wirklich einfach und köstlich. Nachher bekamen wir noch Tee, obligatorisch. Der Ober schob unsern Tisch beseite und holte aus. Er bekletterte ganzen meinen Arm. Aber das macht nicht. Wir beklatschen ihn. Großartig! Ich bin noch viermal in Paris gewesen, aber das erste Mal war das schönste.


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FRIESISCHER BROTSALAT Erstklassiger Fang sag ich: Man nehme nen ordentlichen Packen geröstetes Weissbrot und Pumpernickel und ein bisken vonnem Blattsalat dazu. Nur schön gruen musser sein, sonst gehter über Bord. Feinen Käse vom Deichschaf, ( darf auch ausm Lädchen sein) und großzügig Essig und Öl, wer mag noch Honig-Senf Dressing dabei. Leuchturmrote Tomaten dazu, ordentlich was aus der Pfefferpistole und schon kann auch die gewaschenste Landratte in See stechen. Ach ja, Flasche Küstennebel nicht vergessen!!! Nur nicht alles auf einmal süppeln, sonst gibt´s Mast und Schotbruch und die Gastronomie liegt kieloben aufm Trockenen.

Bild & Text Julian Sonntag Dornumersiel / Recklinghausen


„Das Essen ist einer der vier Zwecke des Daseins. Welches die anderen drei sind, darauf bin ich noch nicht gekommen!“ Charles-Louis de Montesquieu französischer Schriftsteller, Philosoph


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Umami, Eine Liebeserklärung an den fünften Geschmack Ly Than Le


Glutamat spaltet die Gemüter. Es wird von denen verteufelt, die ihm nervenschädigende Eigenschaften zuschreiben. Nur Wenigen ist bewusst, dass unser Körper selbst lebenswichtiges Glutamat produziert und es auch ganz natürlich in vielen Lebensmitteln vorkommt, die eben dadurch so wohlschmeckend und unverzichtbar für uns sind. Kann es zu Überdosierungen kommen wenn man auf hohe Mengen künstlichen Glutamat verzichtet, aber dafür aus den vollen quellen des natürlichen Glutamats schöpft? Hannah und ich beschlossen also ein Fest zu Ehren des fünften Geschmacks zu veranstalten und fünf Gäste, die verschiedener kaum sein können, zu verwöhnen mit einem Dinner, das Umami in seiner reinsten Form verspricht. Um unser Umamifest zu planen machten wir uns im Internet auf die Suche nach den größten GlutamatBomben der Welt. Es wurde verglichen, lebhaft diskutiert, mutig kombiniert und fabuliert. So entstand ein Menü mit der kulinarischen Fusion zweier Welten:


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konbu-venusmuschel-suppe mit tofu, enokipilzen, frühlingslauch und frittiertem stint • vietnamesischer gedämpfter reispudding mit gerösteten crevetten und schnittlauch • amuse gueule von serranoschinken mit ziegenfrischkäse und himbeeren • umami rindsburger mit tomaten, parmesan, sardellen und frittiertem salbei • shïtakepilze gedämpft in teriyaki mit forellenfilets und gepökeltem schweinebauch • limonen-thymiansorbet • blauschimmel-pralinen mit karamelisierten walnüssen und birnen-ingwer chutney • rote curryküsse mit schlagrahm und mango


Dampfende Schälchen mit Genmai- 04 Nach dem Amuse-Gueule und dem erfrischendem Zitronensorbet mit der cha gingen um. Der sanfte grüne Tee Zugabe von Thymian und Kaffirlimetbot die perfekte Einleitung zur Kombutenblättern folgte eine Komposition aus suppe. Die Venusmuscheln öffneten butterzartem Sousvide gegartem, und sich wie kleine Orchideen in der heißen anschließend 48 Stunden in Fischsauce Dashibrühe, die drei Stunden mit den und Zucker gepökeltem SchweineKombualgen vor sich hin simmerte. fleisch, gedämpfte Forellenfilets, in SojaDer Geschmack weckte die Erinnerung sauce geschmorten Shiitakepilzen und an eine salzige Meeresbrise und war doch angenehm zurückhaltend, obwohl knackigen Frühlingzwiebeln. Die zarten saftigen Texturen von Fisch, Fleisch und wir mit dem Kombu nicht gegeizt hatPilzen gingen unter dem Schleier der ten. Wir freuten uns über den zartkörsalzigsüßen Teriyaki-Reduktion eine nigen Rogen, der reichlich in den kross frittierten salzigen Stints vorhanden war. wundersame Fusion ein. Ohne Atempause ging es weiter mit 05 Das doppelte Dessert wurde eingeleitet durch die Kombination zweier Blaueinem winzigem Schälchen Banh Beo, schimmelkäse, dem schmelzig-cremigen einer zentralvietnamesischen SpezialiSaint Augur und würzig-scharfen Roquetät, die zuvor in eigens dafür angefertigfort, umarmt von zwei karamellisierten ten Stahlförmchen gedämpft wurde. In Walnusshälften auf einem Bett aus der bernsteinfarbenen, feurig scharfen Birnen-Ingwer-Chutney. Am Tisch wurFischsauce schwammen hauchdünne de gescherzt, dass dieses Gericht doch Reisteigplätzchen mit der Reinheit von an die achtziger Jahre Cocktailpartys Lotusblütenblättern, gekrönt von einer Wolke gerösteten Crevetten und hauch- erinnern würden. Dank des Ingweraromas bekam das klassische Bouquet feinem Schnittlauch. der Geschmäcker eine frische Note. 03 Wir servierten unseren Gästen den Die rosa Curry-Küsse wurden mit Umami-Burger, die ultimative Verbindung einem von mir selbstgemischten roten der glutamathaltigsten Ingredienzien: Dessertcurry aus Kurkuma, KorianderRindfleisch, Tomaten und Parmesan. Wir samen, Kumin, Anatosamen, Ingwer, bissen uns durch knusprig getoastetes, selbstgebackenes Brot, aromatische Salbei- Chilipulver und Bockshornklee gewürzt. Beim reinbeißen in die Pavlova Baisers blätter, black-prince Tomaten, schmelzige zerbrach knackend die eierschalenselbstgemachte Mayonnaise mit einem artige Schale und der Kuss entfaltete hauch Sesamöl, geschmorte Kirschtomaten mit fruchtiger Süße und dem gereiften seine doch gar nicht so unschuldige Wirkung. Innen cremig, durchströmten Parmesan, um endlich auf den saftigen unterschiedlichste Gewürze den Mund. Burger zu stossen, medium rare gegrillt. Die betörende Süße der reifen pakistaDas Geheimnis, das ihn so intensiv fleinischen Mangos und die pfefferige Note schig und unwiderstehlich machte, war die Zugabe von zehn gesalzenen Sardellen der rosa Beeren machten das Dessert zum Abschluss dieses abends zu einem und einem guten Schuss Fischsauce. sinnlichen Abschiedkuss. • 02


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• Fazit der Gäste zum Schluss: es war ein wahres Geschmacksfest, alle sind mit neuen eindrücken und Geschmacksüberraschungen bombardiert worden, und trotzdem fühlt sich niemand voll oder von der allgemeinhin bekannten Glutamatträgheit befallen. Immerhin hatte jeder Gast insgesamt 10000 mg pures Glutamat zu sich genommen. Glutamat ist zwar nicht schädlich sowohl künstlich als auch natürlich, trotzdem: Wer braucht schon das Abendessen mit billgen Geschmacksboostern wie Maggifix oder Vegeta nachzuwürzen, wo es die Natur doch reichlich für uns vorgesehen hat?

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Ly Thanh Le 24 Kreative mit Kopf und Küchenmesser. Ly führt einen Blog voller kulinarischer Leckerbissen. lacuisineblanche.blogspot.com

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Pizzeria Bianco Brock Hanson Good pizza in the United States is not hard to find. When you get 370 million people together they’re going to figure it out. However, the conversation usually starts and ends with New York and Chicago. Not for me. For me it starts and ends in Phoenix, Arizona. After my first meal at Pizzeria Bianco my preconceived notions about where great pizza in the U.S. had to come from were erased. It had less to do with the most wellknown publications in the country telling me that this place was the best but much more to do with experiencing it for myself. A four hour wait for an $11.00 Margherita pizza? Yeah, it’s worth it. Don’t take my word for it, ask the people behind me who will continue to wait. In the case of Chef and Proprietor Chris Bianco, it’s all about the ingredients and the method. This theory comes to life in his pizzas. The herbs, grown outside the retaurant walls, are used in unison with the fresh mozzarella which is smoked by Chef Bianco himself on a daily basis. The crust is thin and just crispy enough. It’s amazing how overlooked the crust is at so many restaurants. It is quite simple but often made poorly. To me it is the most important part and Bianco nails it. The method, an ultra-hot, wood-burning oven, is best explained by the Chef who willingly talks to any guest who has an interest in his craft. The first time I was at Pizzeria Bianco, I asked him if he used cornmeal underneath his pies. •


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• He took the time to explain to me, using logistical pizza details, that he much preferred a light flour base to place and pull pizzas from his wood-fire oven. I prefer to sit at the bar at Bianco’s because you get a great view of the converted early 19th century house. Most of his small staff has been with him for several years. I asked the bartender about the last time he ordered fast-food style pizza at home. He wasn’t sure but knew it had been more than 10 years. The staff is friendly without being overbearing and they seem to recognize and greet guests personally. After living in the culinary capital of the world for a few months in Paris and after traveling to the supposed birthplace of pizza in Naples, I still crave Pizzeria Bianco.

I can’t wait to go back to Phoenix for another taste.


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FAST KULI NARI SCH...


Wolf Stefan

Wie gut schmeckt eigentlich der Döner nach einer durchzächten feucht fröhlich alkoholtrunkenen Nacht? Die Burger-Pommes Kombination nach einem arbeitsintensiven Tag? Die Pizza an einem warmen Sommerabend? Oder das Rinderfilet beim gepflegten Essengehen mit der Freundin? Gut? Hammer oder gar perfekt? Und warum eigentlich? Weil aus dem Umstand der Situation und dem Ereignis Essen eins wird. Wir lieben Abwechslung im Leben. Und somit auch bei der Ernährung (auch wenn die Abwechslung bei mir oft zu kurz kommt: Pizza-Pasta-Pizza-DönerPizza-Pizza. Kommt euch bekannt vor? Nicht entmutigen lassen. Einfach besser machen. Das nehm ich mir nämlich auch immer wieder aufs Neue vor, gerade wenn ich gut Essen war, wie zuletzt vor 3 Tagen. Ich war mit einem Freund in einem schick-schäbichen Restaurent essen. Genial: Entenbrust auf Vanillepolenta mit gedünsteten Apfelstücken in Zwiebelsoße. Dazu einen feinen Rotweintropfen und einen KirschMandel-Auflauf zum Nachtisch. Ich war wirklich schonlänger nicht mehr edler Essen und war von dem Geschmackserlebnis wirklich überwältigt. Dazu ein Ambiente, das aus einer Mischung aus gemütlichem Barockstil und leicht abgeranzter Atmosphäre

bestechen sollte. Und das auch tat. Das perfekte Essen für einen schicken aber nicht luxuriösen-abgehoben Abend. Danke „ShäbbyChic“. Doch nur einen Tag später erwisch ich mich dabei, wie ich schon wieder CurrywurstPommes esse. Und das auch genieße. An sich kein Problem. Denn Abwechslung machts ja aus. Ich habe aber nur wieder die Befürchtung, dass ich bei FastFood länger hängen bleibe, als mir lieb ist und ich erst wieder in unabsehbarer Zeit was feines, gesundes zu mir nehme. Nicht im Restaurant, da auch zu teuer, noch selbstgemacht, da Zeit und Muse fehlt. Wie überwinde ich jetzt diesen Teufelskreis? I dont know, MAN! Das was ich hier schreibe dient zumindest einmal als erster Schritt zur Besserung. Eine Art Selbsttherapie durch Eingestehen der Problematik. Auch wenn es lächerlich klingt, aber das Problem macht mich und uns irgendwann kaputt. Schau dir die fetten in Amerika an. Die bekommen wir auch alle. Und vielleicht gehör ich dann auch dazu!? Oder du!? So: Zeit das Thema ernst zu nehmen und sich zu ändern. ABER ICH LIEB DEN FETTEN DÖNER NACH DEM SUFF Scheisse Stefan, du wirst dich nie ändern...


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„Man soll dem L etwas Gutes b damit die Se hat, darin Winston Churchill britischer Staatsmann


Leib bieten, eele Lust n zu wohnen.“


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THE ROYAL ROCKET BURGER gesund, mobil und improvisiert Thomas Quack


Auf zu neuen Sphären und Galaxien im Kosmos des Fast Foods mit “The Royal Rocket Burger!“ Essgewohnheiten sind schwer umzustellen, dabei reicht es, sie unserem Lebensstil anzupassen. Die Ernährung mit Fast Food hat einen negativen Beigeschmack. In erster Linie denkt man an fettiges und ungesundes Essen. Dabei bedeutet Fast Food nicht fett machend, kalorien-, vitamin- und nährstoffarm, sondern lediglich schnell zubereitetes Essen. Die besten Beispiele für schnelles, gesundes und abwechslungsreiches Essen finden wir auf den Strassen dieser Welt. Jede Kultur hat ihre eigenen Essgewohnheiten. Warum also nicht das Beste aller Kulturen sammeln und richtig nutzen? Street Food erlebt auch hier in Europa eine Neuentdeckung auf nachhaltige und gesunde Weise. Der „Royal Rocket Burger“, ein absolut selbstgemachter Hamburger, soll als Anekdote den Sprung zu einer nachhaltigen Ernährung symbolisieren. Mike Meiré, Art Director, Designer, Architekt und Kurator, hat sich in seinem aktuellen Beitrag zur Reihe der Dornbracht Edges mit dem Thema „Global Street Food“ beschäftigt. Dazu sammelte er improvisierte, inszenierte Küchen im öffentlichen Raum, auf und an den Straßen. Diese brachte er im Rahmen der Kölner “Passagen“ Anfang 2009 zu einer Ausstellung zusammen. Herr Meiré, worum geht es in Ihrem aktuellen Beitrag zur Reihe der Dornbracht Edges „Global Street Food“? Es geht darum zu erkennen, dass wir tatsächlich in einem “Global Village“ – der Begriff stammt ja aus den 90er Jahren – leben. Spannend ist doch, und das zeigt „Global StreetFood“, dass verschiedene kulturelle Identitäten gelebt werden: Man sieht, wie in den verschiedenen Ländern Essen aufbereitet wird, mit welchem Material und wie man damit umgeht. Die Welt, in der wir leben, ist sehr komplex geworden. Und ich finde es schade, dass am Anfang des 21. Jahrhunderts versucht wird die Komplexität und die Vielschichtigkeit dieser unterschiedlichen Kulturen einfach gegen einen minimal Style auszumerzen. •

Mike Meiré 45 Mike ist deutscher Grafikdesigner, Art Director, Künstler und Kurator. Seine letzte grosse Ausstellung hatte 2010 in London: Icons of a Modern Age, Bartha Contemporary


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• Die Küche ist für mich der Ort, den man am besten beschreibt als Marktplatz für das Leben. Ich möchte eben, dass wir zusammen kommen. Ich mag keine Monokulturen. Warum verfolgen Sie nicht mehr die private häusliche Ästhetik wie bei „The Farm Project“ von 2006, sondern verlagern den Kontext in den öffentlichen Raum?

irgendwo, irgendwelche Produkte, die wir vor Jahren gekauft haben und jetzt wegschmeißen wollen, weil sie irgendwie nicht mehr trendy sind, nicht mehr hip sind? Das finde ich sehr dekadent. Es wäre doch sehr interessant, genau diese Dinge zu nehmen, sie vielleicht auseinander zu nehmen und daraus etwas Neues zu entwickeln.

Viele Objekte, die man sich hier in der Ausstellung „Global Street Food“ anschaut, sind nicht unter Designaspekten entwickelt worden. Sie sind von Menschen gestaltet, die versuchen zu überleben. Das ist Genau deswegen habe ich mich heute wirklich so, wie wir immer sagen, „Dritte Welt“. Diese morgen noch gefragt, ob nicht die Farm Menschen improvisieren. Diese Form der Improvihätte nach „Global Street Food“ kommen sation ist uns abhanden gekommen und das muss man sollen. Mit „The Farm Project“ von 2006 als Designer wieder reinholen: Dinge neu zu verhanwollte ich ein Statement gegen den deln. Etwas Neues aus unseren Dingen zu generieren Minimalismus definieren, der sich auf und dadurch vor allem eine neue Geschichte zu entwiGrund der Globalisierung der Märkte im- ckeln. Dinge, an die man sich erinnern will. mer stärker durchsetzt. Deswegen wollte ich ein Chaos orchestrieren aus Dingen die billig sind, die hochwertig sind, die selbst gemacht sind, die maschinell produziert sind. Ein Chaos aus all dem, was es einfach gibt. Und mit „Global Street Food“ möchte ich bewusst machen, dass wir aufgrund von Internet und vielem mehr eine globale Welt sind. Wir haben jeden Monat oder jede Woche Magazine, die aus Spanien, England usw. kommen. Wir haben alles da und sind trotzdem immer noch darauf erpicht, eine Art überkulturelle Gleichschaltung zu gestalten. Deshalb glaube ich, dass viel Design momentan relativ belanglos ist. Weil es sich nicht wirklich mit unserer Gegenwart auseinander setzt. Ich finde auch diese Diskussion über den richtigen Umgang mit unseren Ressourcen im Sinne von Recycling zu eindimensional. – Sind nicht in unseren Kellern oder auf unserem Dachstuhl

Die Küche ist für mich der Ort, den man am besten beschreibt als Marktplatz für das Leben.


Wie weit sind wir noch von einem neuen ästhetischen Bewusstsein entfernt? Ich hoffe natürlich nicht mehr all zu weit. Ich bin seit mehreren Jahren mit einer Amerikanerin verheiratet, die in Haiti geboren und dann in Amerika aufgewachsen ist. Wir haben inzwischen drei Kinder, die sehr viel von der amerikanischen Kultur aber auch die Roots aus Haiti mitbekommen. Wir und unsere Kinder sind natürlich auch Deutsch geprägt. Diese Fusion von unterschiedlichen Kulturen generiert ein Leben, dass viele immer versucht haben zu kontrollieren. Dahinter steckt dieses Schubladendenken. Ich glaube, dass es ein wichtiger Schritt ist, uns zu „entkonditionieren“. Diese Dritte-Welt-Länder-Produkte bieten einen Anlass, darüber nachzudenken: Wie kann man ein Produkt anpreisen, wie kann man sich schnell und effizient bewegen? Natürlich ohne unsere hygienischen oder formal ästhetischen Vorstellungen. Es geht den Menschen dort um Überlebensstrategien. Diese Objekte bürgen viel mehr Notwendigkeit in sich. Viele Produkte hier werden einfach so gemacht, und das finde ich fragwürdig. Die Dinge müssen wieder viel mehr Charakter bekommen. Ist es nicht ein Widerspruch, wenn sie mit „The Farm Project“ an das gesunde Kochen appellieren und nun mit „Global Street Food“ auch eine Form des Fast Food aufgreifen? Das ist genau der Punkt! Man muss ehrlich mit sich selbst sein. Wir haben unsere Rituale. Wir frühstücken morgens, wir essen mittags und haben unser Abendbrot. Wenn man berufstätig ist, geht man mal schnell in ein Fast-Food-Restaurant oder isst einen Hot Dog oder eine Currywurst an der Straße. Wir werden unser Verhalten niemals ändern. Dafür sind wir einfach zu schwach. Jetzt gibt es ja generell die Diskussion: „Unsere Kinder werden immer dicker, sie ernähren sich falsch“. Jamie Oliver beispielsweise fängt an, den Kindern in Londoner Schulen zu zeigen, dass man auch sehr schnell effizient ein gesundes Essen aufbereiten kann. Wäre es jetzt nicht gerade interessant zu überlegen: Können wir nicht Fast Food entwickeln, das mobil ist, das Komplexität in sich birgt und gleichzeitig auch gesund ist? •


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• Ich stelle mir vor, dass man als junger Student über die Ausstellung „Global Street Food“ denkt: „Das ist aber primitiv“. – Ja, es ist primitiv. Aber im Primitiven steckt auch immer eine archaische Qualität. Es gibt viele Designer, wie etwa auch Konstantin Grcic, die interessiert das Archaische, auch wenn sie diese ganz neu verhandeln. Aber das ganze kommt aus einem kulturellen Kontext und ist an verschiedenen Codes zurückzuführen auf eine Identität, die gelebt wird. Ich habe oft das Gefühl, dass das heutige Design keine Identität besitzt. Es ist ein Marketingprodukt, um schnell vertrieben zu werden. Und das ist fragwürdig. In welchem Kulturkreis sehen Sie die authentischsten und bemerkenswertesten Küchen im öffentlichen Raum? Den Grillwagen aus Ruanda finde ich großartig. Er erinnert mich im Kunstkontext an das Readymade von Marcel Durchamp. Ich mag auch sehr den geklauten Einkaufswagen aus Argentinien, denn er gehört zu einer Supermarktkette und ist somit illegal. Er ist also ein Stück Anarchie. Darauf liegt eine Marketingstrategie,


die man sieht, wenn man die Decke abhebt: Die Produkte, also Käse und Wurst werden auf einem Tischtuch angeboten. Und das bildet eine ganz perfide Situation. Es sagt sehr viel über die politischen und wirtschaftlichen Zustände in Argentinien aus. Der geklaute Einkaufswagen wird illegal genutzt, dennoch versucht der Verkäufer das Ritual der Tischdecke hineinzubringen. Ich weiß nicht, ob derjenige das genauso reflektiert, aber ich lese das folgendermaßen: Bei uns überlegt man sich, ob man in ein Restaurant mit oder in eins ohne Tischdecken auf den Tischen geht. Weil das Tischtuch an sich schon damit wieder „premium Restaurant“, also teuer, kodiert ist. Sich so etwas bewusst zu machen, ist doch sehr interessant. Deshalb ist diese Ausstellung eher gestisch: Einfach mal versuchen die Gesten aus der Kultur zu verstehen. Die Menschen haben doch bestimmt ein Stück Vergangenheit mit diesen selbst aufgebauten Objekten verbunden. War es sehr schwierig, die Objekte für die Ausstellung „Global Street Food“ zusammen zutragen? Jedes Exponat hat tatsächlich eine persönliche Geschichte. Manche Sachen haben wir auch nicht bekommen, weil eine Form von Aberglauben in anderen Kulturen herrscht, die dann gedacht haben, gäbe man das Objekt weg, bliebe der Berufserfolg aus. Der Berufserfolg in Dritte-Welt-Ländern ist natürlich existentiell. Wir haben mit Agenten vor Ort, die Nativ-Speaker waren, die also in deren Sprachen gesprochen haben, gearbeitet. Den Menschen haben wir soviel Geld geboten, dass sie davon mindestens zwei bis drei Monate ohne Probleme leben konnten. Gleichzeitig hatten sie die Möglichkeit, sich wieder eine neue Existenz aufzubauen. Also nichts ist hier gegen deren Willen geschehen. Und so musste ich als Kurator sehr viele unterschiedliche Positionen einnehmen. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Meiré!


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BURMA IM MAGGI Sabine Abraham


DDR, 1964 auf dem Weg nach Berlin um das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park zu besichtigen - Meine Mutter, damals 6 Jahre, schlich mit ihrer Schwester durch den Zug und begegnete einer Gruppe aus Asien stammender Studenten. Mit Seidentüchern im Haar begrüßten meine Mutter und ihre 8 jährige Schwester die Zuggäste und wollten wissen, ob man in ihrem Heimatland Vietnam? – den die Mädchen durch den Krieg dort bekannt, nicht ebenfalls die Frauen mit Tüchern schmückte. Schnell war auf beiden Seiten das Interesse geweckt und die Reisenden stellten sich als Burmesen vor. Ins Gespräch vertieft erreichten sie 2 Stunden später Berlin. Die aus Burma stammende Gruppe lebte in Leipzig in einem Wohnheim zusammen mit Komilitonen aus China und Vietnam. Weil Sie so von meiner Mutter und meiner Familie angetan waren luden Sie die gesamte Sippe zu sich ins Wohnheim zu einem Festessen ein. Als meine Familie im Wohnheim einige Wochen später erschien erlebten sie die wahre Bedeutung von Gastfreundschaft. Die Gruppe Burmesen aus dem Zug wurde um ein vielfaches erweitert. Es kamen burmesische Studenten aus 100 km Entfernung angereist nur um meine Familie kennenzulernen und Willkommen zu heißen. Da das Wohnheim nur eine winzige Kochnische für 20 Wohneinheiten besaß wurde eine lange Tafel in den Flur des Stockwerkes gestellt und den ganzen Tag über verschiedenste Leckereien gezaubert.

Dieses Erlebnis war so überwältigend, dass meine Familie die Burmesen ebenfalls einlud und ein Festmahl mit deutscher Küche ausrichtete. Daraus entstand eine jahrelange Freundschaft zwischen beiden Sippen und Kulturen die nicht nur das gemeinsame Kochen und Essen verband, sondern den Austausch der unterschiedlichen Lebensarten und Tratitionen. Noch lange nach der Rückkehr der letzten Studenten aus Burma in ihr Heimatland bestand eine enge Brieffreundschaft. Eines der Rezepte die meine Mutter noch heute für mich kocht heißt „Burmesische Nudeln“. Heute weiß ich, dass es ein Gericht ist, welches aus vielen Kompromissen besteht. Die Zutaten waren nur begrenzt damals verfügbar und so kamen schnell Kohlrabi, Blumenkohl und Erbsen in den Topf und statt Sojasoße wurde Maggi in unbegrenzten Mengen verwendet. Ich weiß die Herkunft des Rezepts wirklich zu schätzen und koche es nun selbst für Freunde. Natürlich nur mit den Zutaten von damals, die ich auch nie ändern wollen würde, denn es schmeckt nach einer schönen Tradition aus der Kindheit meiner Mutter die es wert ist sie weiterzugeben, 1974, als Ne Win zum Staatspräsident ernannt wurde mussten die Freunde meiner Mutter nach Burma zurückkehren. Akademiker wurdem im Land gebraucht und die Auslösesumme die alterniv geleistet werden musste war für jede der Familien nicht ansatzweise bezahlbar. Meine Familie hat sie nie wieder gesehen und noch 40 Jahre später hat meine Mutter den Traum nach Myanmar zu fliegen und ihre Freunde ausfindig zu machen.


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DAS REZEPT Zutaten 1 Packung Spaghetti 1 Flasche Maggi 1 große Zwiebel 2 Knoblauchzehen 1 Blumenkohl 1 Kohlrabi 3 Eier 500 g Gehacktes (halb & halb) 200 g Dosenerbsen 4 el Öl (Sonnenblumenöl) 3 tl Currypulver 2 tl Paprika Salz& Pfeffer

Vorbereitung Zwiebeln und Knoblauchzehen in kleine Würfel schneiden. Blumenkohl waschen (mit etwas Essig im Wasserbad verschwinden kleine Tierchen) und anschließend die einzelnen Röschen vom Stiel ausgehend in Scheiben schneiden (oder vierteln) Kohlrabi waschen und in Stifte schneiden Zubereitung Das Öl wird in einer großen Bratenpfanne (ideal ca. 40 cm Länge mit Deckel – normalerweise genutzt für Gänsebraten o.ä.) bei mittlerer Stufe erhitzt. Darin werden die Zwiebeln und der Knoblauch glasig gebraten. Jetzt können die Blumenkohlscheiben und Kohlrabistifte zu den Zwiebeln gegeben mit dem Bratentopfdeckel langsam für ca. 10 Minuten gegart. Sobald das Gemüse einigermaßen etwas bissfest geworden ist wird das Gehackte mit der Hand dazu gegeben. Am besten formt man walnussgroße Kugeln beim Dazugeben. In einem Messbecher werden nun die Eier aufgeschlagen und mit einer halben Falsche und Pfeffer verrührt. Die Soße, Salz, Curry und Paprika werden anschließend über das Gehackte und Gemüse verteilt und gut untergehoben. Gehacktes und Gemüse werden nun abgedeckt für rund 10 - 15 Minuten mit gelegentlichem Umrühren garen. Parallel dazu werden die Spaghetthi mit etwas Salz gekocht. Sobald die Spaghetthi al dente sind werden sie ebenfalls in die Bratenpfanne gegeben und mit dem Gehackten und Gemüse vermischt. Jetzt können auch die Dosenerbses (vorher abtropfen lassen) in der Bratenpfanne garen. Nach rund 5 Minuten ziehen empfiehlt es sich zu kosten und ggf. nach belieben mit Maggi nachzuwürzen. Anrichten Am besten schmecken burmesische Nudeln, wenn sie rund 1 Stunde gut durchziehen können. Burmesische Nudeln werden ohne Reibekäse oder Parmesan angerichtet und schmecken besonders gut mit Bier oder Rotwein. Guten Appetit!


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IN VIER MONATEN UM DIE WELT Sabine Abraham


Mein Auslandssemster in Budapest war eine kulinarische Weltreise die sich über vier Monate erstreckte. Zum einen waren da die vielen Kochabende in meinen WG mit Mitbewohnern aus Belgien, Kanada und Macao. Jede Woche war einer von uns an der Reihe einen Abend für das leibliche Wohl zu sorgen und die WG zu bekochen. Für diese Anlässe hatte meine Mitbewohnerin aus Belgien eigens ihre Fritten-Maschine importiert welche regelmäßig zum Einsatz kam. Mit jedem Mal wurden diese Abende größer und größer. Bald kamen ungarische Komilitonen und Erasmusstudenten aus Spanien, den Niederlanden, Amerika, China, Mexico, Brasilien, Schweden, Kasachstan, Russland, der Ukraine und Frankreich dazu.

Es wurde zur Tradition das nun jeder der zu uns kommt ebenfalls einen Abend im Namen seines Landes veranstaltet. Jede Woche reisten wir kulinarisch in ein anderes Land. Es drehte sich alles um das Essen, die Zubereitungsarten der Landesküche, Tischkulturen und natürlich die Trinksprüche in der jeweiligen Landessprachen. Was ich in Budapest gelernt habe ist, dass Essen verbinden und es keinen besseren Weg gibt sich einen Zugang zu fremden Kulturen zu verschaffen. Meine Bilanz lautet daher, dass es in Mexico tatsächlich die beste Guacamole * gibt, eine Peking Ente ein wahres Heiligtum ** für ihre Landsleute ist, die Amerikaner schlicht die abartig leckersten Sauereien *** zaubern können und man in Russland und der Ukraine den Luxus **** auf der Zunge trängt solange man zu den oberen 5% gehört. Alle anderen kulinarischen Ausflüge waren nicht weniger beeindruckend, doch manches muss man einfach selbst erlebt haben, um eigenen Erfahrungen machen zu können. Im Übrigen könnte man gleich heute damit beginen eine Deutschlandreise zu unternehmen. Denn Deutschland allein bietet schon unzählige kuliarische Eigenarten die bislang unentdeckt sind. Denn wieviele von Euch haben schon Laubskaus gegessen und wissen das Leipziger Allerei eigentlich ein Eintopf ist der mit Flusskrebsen serviert wird? * Es gab so viele Variationen und nicht ein einziges Rezept wurde preisgegeben – das einzige worauf die ganz öffentlich Wert gelegt haben war die Qualität der Avocado und die Frische des Knoblauchs ** Soweit wir es mitbekommen haben dauerte die Vorbereitung für das chinesische Festmal den ganzen Tag – auch wenn sie es nie zugegeben hätten – Das tatsächliche Verspeisen nach traditioneller Art dauerte mindestens genau so lange *** Toast mit Erdnussbutter, Ahornsirup und Banane – ich schätze dieses 10 x 10 cm Wunder auf 1800 kcal und 590 g Fett **** Stör-Kaviar und feinster Vodka aus Honig der wie Wein sein Aroma entfaltete


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Sven Stephanie Du bist, was Du frisst. Ich bin, was ich fresse, was ich trinke, was ich rauche, was ich atme. Mein Körper wächst. Körper wachsen, immer weiter, bis ins Alter, bis zum Tod, zum letzten Verfall eines Lebens. Jetzt zum Essen, Fressen, zur Völlerei unser westlichen Welt, zum Überfluss, dem möglichen Zugang zu verschiedensten Lebensmitteln aus zahlreichen Ländern. Unsere Macht die sich vergisst. Hier sind wir, weil wir essen. Jeder muss essen. Essen ist essentiell. Nur das trinken nicht vergessen. Willkommen im Stoffwechselkreislauf. Willkommen in deinem Körper. Bisweilen wollte ich im Supermarkt schreien, oder mich in Luft auflösen, um irgendwo im Garten Eden wieder anzukommen, aber diese verdammten Äpfel schmecken einfach zu gut. Ich kaufe doch irgendetwas ein, was sich mit irgendeinem Biosiegel auszeichnet oder was irgendwie vertrauenswürdig erscheint. Im Schein verwirrte Ungereimtheiten, doch Bio bleibt mein Standart. Das geringere Übel entgegen konven-


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tioneller Pestizid-Power-Partys mit Gengästen. Die Kupfer-Fungizid-Party für Biobauern soll bald verboten werden, hoffentlich. Da freuen sich die Regenwürmer. Wer schafft es „vernünftige Ideale“ konsequent durchzusetzen? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis dahin wird Mutternatur weiterhin kräftig geohrfeigt. Mama, das Leben ist hart! Klatsch. Gemüse, am besten aus der Region, am besten saisonales Grünzeug. Viel frische rote Bete, Kohlrabi, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch, Currywurst und Affenhirn, aber Bio, alles Bio, so gut wie immer Bio. Was ist Bio? Deine Pseudorecherche, Dein Ingwer von Sonstwoher. Dazu Vollkornbrot, Reis, Vollkornnudeln, Nüsse, Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Joghurt. Vegan? Klingt wie Rahmschnitzel. Südfrüchte sind Luxus, oder Tomaten- bzw. Gemüsesäfte, aber nach durchzechten Nächten sehr empfehlenswert, genau wie Brennesseltee, oder Kamille. Bla, bla, bla. Interessiert keine Sau, bis zum Bolzenschuss.

Hat jemand das Recht sich über konventionelle Betriebe aufzuregen, welche Gifte in den Kreislauf pumpen, wenn man selbst säuft und raucht? KLAR UND NEIN, DU ESEL, DU DUMME GANS! In Frage gestellt bleibt die Lage der Schuhe, oder welches Auto schneller Pferd. Klischeegelaber nervt doch einfach. Dann bitte auch die Pharmaindustrie in Frage stellen, oder nachprüfen, ob das Gummi am Fahrradlenker nicht mit krebserregende Weichmachern belastet ist. Fuck it, lasst uns grillen bis wir schwarz werden. Wir sind freie Radikale! Aber Feuerwerk macht uns weich. Das ist vielleicht wie die Kuschelrock LP zwischen Störkraft und den Onkelz. Pssst! Das Geheimnis ist weniger zu essen. Denn weniger ist... ja, ja, JAAA!!! Wo Sprichworte recht haben, essen sie weniger, dann klappt es auch mit dem Konto. Doch die Gewöhnung fickt dein Gehirn. Verdrängtes Gefängnis, ohne Verhängnis eine Tat. Gute Führung für den Freigang. Wohin? Ins Takatukaland. Du bist, was Dich geformt hat, deine Ketten rosten nicht. Nicht zuletzt sind Deine Eltern dafür verantwortlich, aber wehe Dir, sie dafür zu verurteilen. Verurteile doch Eva, das ist schön einfach. Wir sind unverbesserliches Menschenvieh. Zumindest ist diese Meinung weit verbreitet, wie zerstörerisch sie auch sein mag. Ich brate viel weniger als früher. Und wenn, dann bevorzugt mit Kokosfett- Öl, Butter oder Wasser. Habe gelesen und gehört, dass dies die gesündesten Erhitzungsvarianten seien, wobei die Butter sicherlich am fragwürdigsten zu betrachten ist. Am liebsten esse ich mittlerweile frisch. Das Gemüse kleingeraspelt und dann mit dem Reis oder Nudeln vermengt. Dazu Olivenöl und Ketchup. Ja, Ketchup, die Gewöhnung meiner selbst. Gehirnburning. Was ist jetzt mit Fleisch? Heute schon gutes Karma gehabt? Bitte was? Bei Mc Donalds essen oder sich selbst in den Hals scheißen? Fertigprodukte sind doch toll! Schau Dich mal im Supermarkt um. Da gibt es auch sehr viel leckere Kacke. Und Fisch? Bitte mit einer Extraportion Quecksilber. Der Mensch passt sich an. Ist doch super. Das ist doch alles absolut kein Problem. Hauptsache Wachstum, wie auch immer, Klischees ficken.


Und was ist eigentlich mit Fair-Trade? Sollte wohl gleichzeitig auch Bio sein. Sonst könnten die sich ihren fairen Handel gern sonstwohin stecken. Oder? Noch was? Es gibt kaum etwas Schöneres als ein Essen zu teilen. Und wenn ich dem geschenkten Gaul ins Maul schaue, haue ich meinem Bewusstsein eine Ohrfeige rein, wie Mutter Erde, jeden Tag, weil ich furze, wie Deine Milchkuh. Ich bin das, was ich schreibe. Heute. Bis morgen dann, und putz Dir vor dem Schlafengehen die Zähne. Ich komme später ins Bett, weil ich noch eine Bombe legen muss. Bin ja auch nur ein Mensch. Deswegen jage ich den Blumenstrauß in die Luft. Diese Zuchtblumen duften einfach nicht.

Bin ja auch nur ein Mensch. Deswegen jage ich den Blumenstrauß in die Luft. Diese Zuchtblumen duften einfach nicht.

Pause. Ich liebe es zu essen. Wer tut das nicht. Alleine genießen oder beim gemeinsam schönen Dasein. Gestern gab es Börek. Eine deutsch-türkische Freundin hat den Teig selbst zubereitet. „Maschallah“ sagte der arabische Kaufmann in positiver Verwunderung, weil er ihr zuerst eine Fertigbackmischung andrehen wollte. Auf keiner ihrer Zutaten für diese würzige Variante des Strudels war ein Biosiegel. Mehl, Hefe, Milch, Spinat, Petersilie, eine Art Schafskäse, Knoblauch, Ei. Wir Freunde und Bekannte verbrachten einen sehr schönen Abend miteinander, bei sehr leckerem Essen. Willkommen in unserer Zeit. So, wie es jetzt ist, war es noch nie, und ich meine: Noch nie. Ich wünsche angenehme Stuhlgänge und eine immundiverse Anpassungsfähigkeit. Auf unsere Lungen und Mägen. Ja, auf unseren Organismus! Darauf, dass wir immer weiter wachsen! Wie, wohin und zu was auch immer! Wie traurig kann Zynismus sein. Die rhetorische Frage braucht kein Zeichen. Liebe wird siegen, und wenn sie nur gut gekocht durch den Magen geht. Bis dahin, alles Gute.


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e u n Me onno al T nge Vier Gä Tonne aus der

el Micha

ründet

Dlugo

aniel G sch & D


Es gibt Menschen, die durchwühlen regelmäßig die Müllcontainer von Supermärkten auf der Suche nach Essbarem. Von Obdachlosen ist jedoch nicht die Rede. Denn die Leute, die wir meinen, haben ein Dach über dem Kopf und ein Einkommen, mit dem sie sich eigentlich Nahrungsmittel kaufen könnten. Doch wozu einkaufen, wenn man es auch geschenkt haben kann? – Na gut, ein bisschen mehr steckt schon dahinter. Und mit ein bisschen mehr meinen wir eine politische Bewegung. Denn was bei Supermärkten im Müll landet ist viel und noch lange nicht schlecht. Diese Verschwendung von Nahrungsmitteln nimmt mittlerweile Dimensionen an, die den Aktivisten von „Food Not Bombs“ gegen den Strich geht. Und deshalb gehen sie containern. Nach einem ersten, einigermaßen erfolgreichen Streifzug durch Düsseldorfs Supermarkt-Container traf sich Rakete mit einem Vertreter der „Food Not Bombs“ - Gruppe aus Düsseldorf, um sich erklären zu lassen, wie man richtig containert und was dahintersteckt.

Food not Bombs ist eine weltweite politisch motivierte Bewegung, die 1980 in Boston, USA entstanden ist. Derzeit gibt es etwa 400 Chapter, davon alleine über 200 außerhalb der USA. In Deutschland existieren derzeit Gruppen in Köln, Düsseldorf, Essen, Bonn und Bremen. FNB-Gruppen sammeln Nahrungsmittel von Supermärkten und Produzenten ein, die nicht mehr zum Verkauf geeignet sind. Daraus wird in der Regel vegetarisches und veganes Essen bereitet, das an öffentlichen Plätzen an Passanten, Obdachlose, Touristen etc. verteilt wird.


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Ich habe selbst versucht zu containern. Aber länger als zwei Tage konnte ich das nicht durchhalten. Der erste Tag war o.k.: Obst, Gemüse, Brot. Doch schon am zweiten Tag verriet ein Blick in meinen Beutesack ich müsste mich den Rest der Woche ausschließlich von Möhren ernähren. Und dabei habe ich schon alle Supermärkte in meiner Umgebung abgesucht. Kann man sich vom Containern wirklich vielseitig ernähren? Das erste Mal, als wir gekocht haben, gab es ein VierGänge-Menu: Selbst gemachte Knödel in einer PilzZuchini-Creme-Sauce, Rosenkohlsuppe, dazu grüner Salat mit Feldsalat und Radieschen und Obstsalat zum Nachtisch. Bis auf das Paniermehl stammte alles vom Containern. Du musst nur wissen, wo du hinfährst. Bei den ersten ein, zwei Beutezügen mussten wir auch erstmal gucken, wo man was kriegt und wie man drankommt ... Es gibt Supermärkte, die wissen, dass containert wird. Sie versuchen, dem entgegenzuwirken. Lidl zum Beispiel baut Käfige um seine Müllcontainer. Es gab Supermärkte, die Reinigungsmittel über die Lebensmittel im Container kippten. Das dürfen sie jetzt übrigens dank Gerichtsbeschluss nicht mehr. Da gab es nämlich einen Fall, wo ein Obdachloser eine Vergiftung erlitten hat. Aber wie gesagt: jetzt bauen viele Supermärkte Käfige um die Container, mit dicken Stahlgittern aber losen Scharnieren. Also hängen wir einfach die Türen aus und bauen sie nachher wieder ein. Man muss eben erfinderisch sein.

Jetzt bauen viele Supermärkte Käfige um die Container, mit dicken Stahlgittern aber losen Scharnieren.

Steht ihr bei allen Supermärkten vor solchen Problemen? Es gibt Läden, die toleranter und manchmal sogar sehr zuvorkommend sind. Sie legen einigermaßen frische Sachen oben rein oder stellen sie in Kisten neben die Tonnen, als würden die Angestellten uns kennen und extra für uns selektieren. Wir haben da schon Pilze bekommen, die sahen besser als die im Laden aus. Meine Vermutung ist, dass die Supermärkte nicht wollen, dass man da rumwühlt. Sie haben eben Angst, dass der Platz danach aussieht wie Sau, deshalb werden die brauchbaren Sachen gern oben drauf gelegt. Die Chefetage der Supermärkte hat wahrscheinlich am ehesten etwas gegen das Containern, denn wer abends im Müll findet, was er braucht, der geht am nächsten Tag nicht mehr einkaufen. Lidl hat anscheinend strenge Anweisungen, das Containern zu verhindern. Die frischen Lebensmittel werden da gerne mal nach unten gelegt, damit die Schweren sie zermatschen. Manchmal wird da auch eine offene Packung Milch über die anderen gekippt, damit die anderen vollgekleckert werden, obwohl die noch gut sind.


Ich habe mal einen ganzen Container voller Milch gefunden. Die Päckchen waren alle noch ein halbes Jahr haltbar. Das war schockierend. Obwohl ich selbst keine Milch trinke, musste ich die Milch einfach mit nach Hause nehmen, um sie wenigstens zu verschenken. Apropos offene Packung: In Belgien - da heißt Containern übrigens Skipping - schmeißen die Leute Lebensmittel auf den Boden, wenn sie nichts bezahlen möchten. Denn sie können davon ausgehen, dass genau diese abends in der Tonne landen und da holen sich die Leute ihre Lebensmittel dann. Defekte Verpackung ist nämlich auch gleich Ausschuss. So gehen manche Belgier halt „einkaufen“. Milch beispielsweise darf auch hier nicht verkauft werden, wenn der Deckel weg ist, weil sie dann nicht mehr wieder verschließbar ist, obwohl sie natürlich immer noch diesen Sicherheitsverschluss hat. Verbeulte Dosen müssen auch weg. Welche Strafen drohen euch, wenn ihr beim Containern erwischt werdet? Es gibt Gerichtsbeschlüsse, die besagen, dass Containern Diebstahl ist. In Köln wurden schon Leute dafür verurteilt. Es ist erstens Einbruch und zweitens Diebstahl, weil der Müll dem Supermarkt gehört bis die Müllabfuhr kommt. Dann gehört er ihr. Das ist wie mit dem Sperrmüll. Diebstahl ist eine Straftat, die nur auf Anzeige ermittelt werden darf. Das heißt nur wenn der Bestohlene dich anzeigt, kann auch der Staatsanwalt etwas gegen dich tun. Wie sieht es mit der Hygienne aus? Ihr wühlt da ja immerhin im Müll. Kommt da nicht auch manchmal Ekel auf? Containern ist gar nicht so sehr im Müll rumwühlen wie man sich das vorstellt. Ich habe zum Beispiel schon bei mehreren Läden entdeckt, dass genießbare und ungenießbare in getrennte Mülltonnen kamen. Ich habe zum Beispiel Brot gefunden, das noch verpackt und bloß ein bisschen eingedrückt oder zum Teil hart geworden war. Wie gesagt, oft liegen eingepacktes Gemüse und Obst oben: Salat, Broccoli, Erdbeeren und Pilze. Super sind Bananen, denn sie sind meistens noch einmal extra verpackt. •


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• Aber auch sonst haben sie ja die Schale. Außerdem sind sie gerade erst richtig reif, wenn sie in die Mülltonne wandern. Das ekligste was ich bisher mitbekommen habe, waren abgelaufener Joghurt oder Säfte, die über alles verschüttet wurden. Aber das ist auch kein Problem, wenn man das Essen gründlich abwäscht und kocht. Von anderen habe ich aber auch schon gehört, dass sie ganze Container voll mit abgelaufenem Fleisch aufgetan haben, das ist dann natürlich unappetitlich. Handschuhe habe ich selbst zwar dabei, benutze sie aber nur im Notfall. Oder ich nehme welche mit abgeschnittenen Fingern, weil man sonst so schwer greifen kann. So lange mir nicht irgendeine Suppe in den Ärmel läuft, finde ich es auch okay, mal ein matschiges bis verschimmeltes Salatblatt zu erwischen. Wichtiger finde ich es, eine Plastiktüte dabei zu haben, statt die Sachen einfach so in den Rucksack tun zu müssen. Im Internet gibt es heutzutage für fast alles ein Forum. Wieso gibt es das noch nicht fürs Containern? Eine Art Tauschbörse käme euch doch bestimmt sehr gelegen. Eine Tauschbörse wäre auf jeden Fall sinnvoll. Denn unsere Aktionen kommen gut an. Viele sagen: „Ja, prima. Das will ich auch mal machen.“ Das Potential ist also da. Es wäre erstrebenswert, sich soweit zu organisieren, dass bestimmte Gruppen von uns gleichzeitig zum Containern losfahren und das Essen dann an einem zentralen Ort unterbringen, so dass wir nach dem gemeinsamen Kochen unseren Überschuss auch tauschen. Ein fester Ort und ein fester Termin wären schon gut, um auch neue Leute, in diesen Prozess zu involvieren und ihnen unsere Alternative zu zeigen. Ich will bei unserem nächsten Treffen einen Stadtplan auf dem Tisch liegen haben, auf dem wir dann die einzelnen Supermärkte nach dem Ampelsystem markieren: Grüner Punkt = guter Supermarkt. Roter Punkt = scheiß Supermarkt. So dass wir festhalten, wo wir gut an Lebensmittel rankommen und wo es Schwierigkeiten gibt. Erst dann können wir spektakuläre Aktionen planen.

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Worin liegt nun die politische Intention bei der ganzen Sache? In Russland gab es kürzlich ein „Food Not Bombs-Plenum“. Da wurde versucht, dass Containern auf theoretischer Ebene zu diskutieren. Das Plenum beschäftigte sich mit Fragen wie: Inwieweit unterstützen wir das System, wenn wir das Container-Essen ausschenken?* Und ist es nicht besser, wenn wir „Linken“ das nur für uns machen, um uns als Gruppe vom System abzukapseln? – Aber wir mit unserer Gruppe hier in Düsseldorf wollen das Containern als Aktionsform nutzen, um den Leuten aufzuzeigen, was gesellschaftlich falsch läuft. Wir wollen es nicht bloß für uns allein machen. Kann man sich allein vom Containern ernähren, ohne einzukaufen? Ich und meine Freunde, wir gehen zwei bis drei Mal die Woche containern. Das bedeutet aber immer noch nicht, dass wir ohne Supermarkteinkauf leben können. Denn ein paar Basiszutaten musst du immer kaufen, die findest du nicht im Container. Vielen Dank für das Interview.


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CHEAP

&

DIRTY Brock Hanson


PHOENIX IS A GREAT PLACE TO EAT MEXICAN FOOD

Being three hours from the Mexican border has paved the way for some outstanding cuisine. For me however, the food of the country south of the border is done best when it’s simple and a little dirty. One of my favorite spots is called Carolina’s just south of downtown. The building might have trouble passing the health-code laws but the food is great. I recommend ordering a machaca enchilada for $1.85. It is served on a Styrofoam plate with a plastic fork and drenched in spicy gravy. The slow roasted machaca beef is covered in cheese, wrapped in a flour tortilla, covered in more cheese, topped with the gravy and baked. Standing in line you’ll find an interesting mix of people including college students, Mexican-American families, and young professionals. The restaurant looks thrown together and is set in a neighborhood that a foreigner might think should be avoided, but one would be hard-pressed to find a better lunch for the money. If I was short on time I would usually use the drive through service of one of the many Mexican fast food restaurants. There are dozens such as Raliberto’s, Filiberto’s, Humberto’s, basically any place that ends in ‘berto’s. These places are essentially the same. The specialty from these run-down looking shacks is the burrito. I like the California burrito (some-times called the Arizona burrito) which is stuffed with carne asada, pico de gallo, Monterey-jack cheese, and fried potatoes. Ask for extra hot sauce and you’ve got a meal that can easily feed two people for under $5. I also used to frequent a sit-down style restaurant called Tee Pee. The informal theme is continued here with cracked vinyl booths and tables that were last considered stylish in the mid 1970’s. It doesn’t matter. The food and value are fantastic. Ordering a combination plate with a taco, 2 small enchiladas, rice and beans will set you back around $7. Everything served here is spicy which is nicely balanced with a cold beer. The atmosphere is kind of dark and dreary and it looks like the type of place where there’s a little too much hard drinking done in the middle of the day. That’s part if the appeal. You don’t go here to be noticed or to show off your newest outfit. It’s a place for good food in a casual atmosphere, period.


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I GOT MY BABY BACK Phillip Lemm

Vier Jahre war es her. Vier lange Jahre. Ich wusste nicht so recht wie ich mich verhalten sollte als ich sie zum ersten mal wieder sah. Ich war sichtbar aufgeregt. Ein wenig verlegen blickte ich zu meinen Freunden hinüber. Sie erwiderten die Blicke voller Erwartung. Der Laden war brechend voll. Viel Zeit war vergangen und es hatte sich wohl rumgesprochen. Alle schienen nur für sie hier zu sein. Ich merkte wie meine Nervosität stieg. So war es auch schon früher, kurz bevor es so weit war. Nostalgie machte sich breit als ich anfing in freudigen Erinnerungen zu schwelgen. Ich konnte es kaum noch abwarten sie so reglos und anmutig vor mir liegen zu haben. Da sah ich sie auf dem Nachbartisch. Purer Neid! Ihr feurig, süßlicher Duft stieg mir in die Nase. Ihr Anblick war überwältigend, so verlockend.


„Sie scheinen einen angeregten Appetit zu haben“ ...ich bemerkte dass mein Mund offen stand und ich sabberte. Die Bedienung wirkte amüsiert. „haben sie sich bereits entschieden?“ „Die Rippchen“ schallte es im Chor. „Gute Wahl“, mit einem Zwinkern wandte sie sich ab und verschwand. Es folgten geschlagene zwanzig Minuten Kopfkino. Ich spielte jeden bevorstehenden Bissen voller Vorfreude in Gedanken durch. Mehr Mundwasser. Wir bestellten eine Runde Bier um die Wartezeit erträglicher werden zu lassen. Wir tranken auf den Abend und dass er uns bescheren würde, was wir uns von ihm erhofften. Die Tür der Küche schwang auf. Das Raum-Zeit-Kontinuum verlangsamte sich auf Zeitlupe. Ein Geistesblitz sagte mir: das sind unsere Teller, die dort vielzählig gestapelt, von einem leicht ins Schwitzen geraten zu scheinendem Kellner in unsere Richtung getragen wurden. Innerlich machte ich Luftsprünge, als sich meine Vermutung bestätigte. Die Teller hatten noch nicht ganz den Tisch berührt, da hatte ich schon die erste Rippe abgenagt. Gott, liebe ich diese Dinger. Knusprig braun, zur Perfektion gegrillt. Innen zart und weich. Glasiert mit einer aromatisch scharfen und zugleich süßlichen BBQ-Sauce. Es war eine Geschmacksexplosion. Ein Orgasmus im Mund. Als Beilage hatte ich wie immer die Ofenkartoffel mit Sauerrahm, Schnittlauch, Speck und drei verschiedenen geschmolzenen Käsesorten. Dazu den Haussalat mit einem gefühltem Liter Ranch-Dressing. Das ganze mit einem kühlem 22oz. runter zuspülen – für mich der Himmel auf Erden. Ich arbeitete mich durch meine Hügellandschaft aus Essen. Mit chirurgischer Sauberkeit entfernte ich auch den letzten Fitzel Fleisch von jeder einzelnen Rippe. Ich überprüfte den Vorgang wiederholt. Nachdem ich Gesicht und Hände von der Schlacht gereinigt hatte nahm ich einen letzten Schluck von meinem Bier und stieß einen kräftigen Rülpser hervor: ein genussvolles Zeichen meiner Zufriedenheit. Wie hatte ich sie vermisst.


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Ich ess ganz gerne mal ne Bratwurst. Die muss dann aber auch vernünftig gegrillt sein. Wenn man die irgendwo so normal kauft, machen die ja immer nur von zwei Seiten. Ist zwar auch ganz ok, ist ja immernoch Bratwurst, wenn ich die selber mache, drehe ich die aber zusätzlich noch mal auf die anderen Seiten. Die halten


da zwar nicht so gut, weil die ja leicht gebogen sind, kommt aber auf den Rost an. Irgendwann hole ich mir mal einen richtig ordentlichen Grill. F端r den Balkon. So einen aus Edelstahl, mit Gas betrieben. Die halten ja ewig die Dinger, da hat man dann so richtig was f端rs Leben. (Aufgeschnappt, in der Kantine)


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EIN LEBEN HINTERM KLÄPPCHEN

Nils Beckmann


Als ich sechsen war, hatte ich fast alle Budenphasen hinter mir. So kommt es mir zumindest jetzt vor. Wenn ich heute Heißhunger auf Süßes habe, dann kommt es ganz selten vor, dass ich an irgendeiner Tankstelle fertig eingepackte Haribotüte für 1,50 € kaufe. Da ist doch nur eine Sorte drin. Und diesen Coloradomix kann ich nicht mehr sehen. Also fahr ich zum Rettenbacherbude im Kreuzviertel, der Bude meiner Kindheit, und suche mir zielsicher für 2 Euro ein paar Nummern aus, Saure Gurken, Lakritzschnecken, die Erdbeeren und ein paar Schlümpfe. Vom Rest von den neuen mit Joghurtfüllung. Aber dafür musste ich erst einmal die Phasen der Budensozialisation durchlaufen. Ich kann sagen, die Bude hat mich mitgeprägt. Ich schmeck noch genau mein Lieblingseis von der Langnesetafel aus dem Sommer 92, es war Cheesy und wurde im nächsten Sommer schon wieder gestrichen, aber den Vanillegeschmack und die Maus auf der Tafel vergess ich einfach nicht. Zum Aufwachsen im Ruhrgebiet gehört das Hineinwachsen in die kleine, oft unüberschaubare, immer spannende Welt des Kiosks, der Trinkhalle, der Bude eben, dazu. Du kannst dich der Anziehungskraft dieser engen Räume einfach nicht entziehen. Da macht es auch nichts, wenn du in mancher Bude das Gefühl hast, du kommst in das Wohnzimmer der Leute und störst sie beim Fernsehen. Als Junge zum Beispiel, gab es bei uns im Kreuzviertel eine einfache Hierarchieliste: Du kannst nichts und du bist nichts, wenn du nicht weißt, wo es den besten Aschenplatz gibt, auf dem man ungestört Fußball zocken kann, ohne dass einen die Asis aus der Siedlung wieder vollquatschen und man heulend nach Hause gehen muss. Du kannst nichts und du bist nicht, wenn du nicht mindestens zwei gute Plätze am Kanal kennst, einen zum Schwimmen und einen Nachts zum Knutschen, das erleuchtete Kraftwerk als romantischen Leckerbissen im Rücken. Du kannst nichts und du bist nichts, wenn du nicht weißt, wo du die letzten Paninisticker bekommst, selbst die Tüten mit dem Mannschaftsfoto vom BVB aus der Saison 95/96, oder zumindest, wo es lose Zigaretten für 10 Pfennige gibt. Geraucht haben zwar nur die Sinkowskis und Marcel, aber man musste es wissen. •


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• Mit den Zigaretten, das kommt erst später, da hab ich jetzt schon etwas vorgegriffen. Denn die hast du nicht von jeder Budenfrau oder jedem Budenmann gekriegt. Du brauchtest entweder eine Bude, an der du völlig unbekannt warst, was schwierig ist, wenn du jahrelang wie ein Irrer auf der Jagd nach frischen Paninitüten warst. Oder aber du brauchtest die Bude deines Vertrauens, wo du unbedenklich eine Schachtel Kippen für deine Mutter kaufst und die neue Sportbild als Tarnung für dich. Und dann geht das in Ordnung mit den Kippen, weil du schon immer deiner Mutter eine Schachtel Luckys mitgebracht hast und es nicht auffällt, dass es diese Woche eine zuviel war. So ein Vertrauen muss man sich erarbeiten, das macht aber auch den Unterschied zur Tanke aus. Aber zurück zu den Phasen. Meine Budensozialisation verlief nach einem gängigen Muster. Es gibt ja eine Menge unterschiedlichster Buden und unterschiedlichster Inhaber und Verkäufer. Es gibt den kleinen zwischen Wohnhäuser gequetschten Verkaufsraum, du musst eine Klinge drücken und es öffnet sich ein kleines Schiebefenster. Dann gibt es den großen Laden, mit den etwas leeren Regalbrettern, auf denen mal ein alter Apfelsaft steht, zwei Packungen Landbrot, geschnitten oder ein paar Filtertüten, ansonsten die üblichen Zeitschriften und die Theke fürs Süße. Hier sollte man aber ganz genau auf das Verfallsdatum achten. Dann gibt es noch den völlig zugestopften Laden. Hier kriegst du jede Wundertüte, Eis aus der neusten Softeismaschine, jede TVZeitschrift, selbst die aus dem Stadtspiegel wird verkauft und auf jeden Fall auch Wasserbomben oder Esspapier. Meine erste Bude war ein kleinerer

Laden mit einer schönen Theke aus Holz und einer Glasplatte oben auf. Wenn die Glocke an der Tür anschlug, schlurfte eine alte Frau mit grauen Haaren den Nacken ausrasiert aus ihrer Wohnung in den Verkaufsraum, sie schob einen Vorhang aus Holzperlen zur Seite und ihr Mann hustet im Hintergrund unangenehm seinen Raucherschleim hoch. Sie musterte mich jedes Mal mit einem unfreundlichen Blick, der noch unfreundlicher wurde, je länger ich brauchte um mich für ein Eis oder Süßigkeit zu entscheiden. „Was willste?“ Ich schluckte: „Eine gemischte Tüte bitte für 50 Pfennig“. Ich hatte gerade Taschengeld von meiner Oma bekommen. Dann griff Sie mit ihrer alten Hand ohne Handschuhe in die Kläppchen und zählte die Bonbons in die Tüte ab. Damit fängt alles an: Zuerst zögerliche, vorsichtige Annäherungen an eine Bude - ich hatte das unbeschreibliche Glück, direkt neben einer zu wohnen - und langsames Durchprobieren des Weingummi- und Lakritzsortmient für Kleinstbeträge: Ich hätte gerne für 5 Pfennige von den Brausetabletten, für 10 Pfennige von den Veilchenpastillen, für 5 Pfennige von den da oben, nein mehr rechts, ja von den, ähm, wie viel hab ich noch? Diese erste Phase hält wahrscheinlich ein Leben lang. Klar, die Beträge werden höher und die Auswahl sicherer, aber ich stehe immer noch oft vor den Kläppchen und kann mich nicht entscheiden. Aus dieser Phase geht es direkt in die Wassereisphase. Die hält nicht ganz so lange an, zumindest bei mir, weil ich mir mal beim Aufreißen der Plastikfolie übel die Lippe aufgerissen habe. Die Wassereisphase ist nicht ganz trennscharf von der Paninistickerphase und der Bravosport-/ Sportbildphase zu unterscheiden und


sie ergänzen sich unglaublich gut. Ich konnte mir nichts schöneres vorstellen, als die neuen Tüten aufzureißen, die Doppelten auszusortieren und die fehlenden ins Album zu kleben, dabei zehn Bussyschleckmixdrinks zu lutschen, am liebsten Rot, und hinterher nachzulesen, wer von den elf Paninibildern auch in der wirklichen Startaufstellung stand. Als ich kein Interesse mehr an den Klebebildchen hatte und mir aufging, was für Scheiß in der Sportbild steht, war die Phase durch. Ich wurde ein wenig erwachsener und ging seltener zur Bude. Donnerstags für den Kicker und am Wochenende für vier bis fünf DAB Pilsener oder Export. Niki, zwei Jahre älter als ich, holte auch schon mal ne Pulle Korn, aber das war mir immer peinlich. Da hatte mich die gute Frau fast zehn Jahre meines Lebens begleitet und genau wie meinen Eltern wollte ich ihr diese Wochenendsauferei verheimlichen. Ich hab mich gefragt, was denkt diese Frau über mich. Als mir das deutlich wurde, hab ich mein Bier an der Tanke gekauft. Die süße Tüte hol ich aber immer noch an der Bude.


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Feasting for

ST.GEORGE Erin Hanson


When I realized with very little notice that I would be living in Bulgaria, one of the aspects that excited me most was the Eastern European food I would try. After a few weeks in Varna, St.George’s Day arrived and my husband and I were invited to celebrate this holiday in the village home of our Bulgarian friend. I had visions of an American style backyard barbecue. I was way off. We entered the home and were immediately ushered into a room that had a large table in the center, filled with plates, food, and alcohol. The room was decorated with framed pictures of Varna sports teams of the past and in the corner were two televisions stacked on top of each other, the top one tuned into the all-Bulgarian music and dance channel. Already on the table were shopska salad (the traditional salad composed of tomatoes, cucumbers, peppers, and cheese), banitsa (a delightful dish made from phyllo dough and feta cheese), and a couple small plates of what at first appeared to be ground meat and rice. Our glasses were filled with rakia (Bulgarian brandy) immediately and our plates were filled with shopska. These two are almost never consumed separate from each other, we were told. Before starting to drink, the toast “nostrave!” is mandatory, glasses must be clinked with each and everyone present, and as we learned through mistakes made, eye contact during clinking is necessary. Each time I finished my plate, the gentleman beside me refilled it with more salad. Apparently one who keeps on drinking rakia must keep on eating shopska salad. Every 5 or 10 minutes, the rounds of

Each time I finished my plate, the gentleman beside me refilled it with more... toasting recommenced, although the more everyone drank, the more slurred the toast sounded; „nostrave” became „nostrah” and then „noz-ve”, then just a loud „Nahz!” I was prompted by the man of the house to taste what I thought was meat and rice. This request was translated by my friend, as the man of the house spoke only Bulgarian to us. I took a better look at the plate and realized it was definitely not rice, it looked more like a whitish curdled gel mixed with gray canned cat food. I smiled and avoided committing to trying it. A bit later, the prompt was made again, and this time the translation included that it would be rude not to try. So I took a very small spoonful of it with everyone at the table watching me intently. I wondered how it was rude for me to abstain while everyone else was doing just that. I took a few small bites, asking words like, “Brains? Stomach? Heart?” Each word I uttered was met with the same eager nod which made my nausea grew. It was not the worst thing I’ve ever tasted; it was more the idea that made it difficult to enjoy. Finally it was nearing the time for the main course: lamb and rice. Before they would cut into the lamb, we were led out to the garden where a large clay stove sat in the middle. The lamb was pulled out of the oven presumably for us to admire. I couldn’t help but notice that the dogs tied up in the yard, the chickens, and the goats were feasting on remnants of the lamb that didn’t make it into the dish. •


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• The lamb was then brought to us back in the main room. It was delicious! It was smoky, juicy, and wonderfully spiced. It took awhile, but I managed to finish my plate, assuming this was the polite thing to do despite how full I was. My friend came to take my plate from me and moments later he returned with another full plate. I guess I shouldn’t have finished my plate after all. I got the feeling one should eat very slowly in this country or they are liable to eat for 10 people. I ate as much as the second plate as I could, which was not much, and I continued to drink rakia, hoping it would burn up some of what was in my stomach. Five hours after our arrival, we left to visit another Bulgarian home, and I prayed I wouldn’t be expected to eat any more.Fortunately, they only had cold fish. This was certainly my most memorable day in Bulgaria and I was honored and appreciative to be part of it. And while the memories will last a lifetime, the indigestion only lasted a week or so.


Leo Tolstoi

russischer Schriftsteller


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VEGANISTAN Kora Kaufmann

Wie jeder Lebensstil ist auch der Veganismus für jeden, der sich für ihn entschieden hat, ganz persönlich definiert. Gemeinsam ist allen Veganern die Vermeidung tierischer Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Milch, Eier und Honig. Ethisch motivierte Veganer lehnen nicht nur tierische Nahrungsmittel ab, sondern sie verzichten soweit möglich auch auf andere Produkte, bei deren Gewinnung Tiere leiden müssen (z.B. Kleidung mit Wolle, Leder und Seide).


Der TOFUCLUB ist eine Gruppe von Vegetariern und Veganern, die sich zum Ziel gesetzt hat sich selber und andere über die Themen Vegetarismus, Veganismus und Tierrechte zu informieren, veganes Essen auf Konzerten und anderen Veranstaltungen anzubieten und regelmäßig vegane Suppenküchen auszurichten. Den Tofuclub gibt es seit 2005, gegründet im Ruhrgebiet im AKZ Recklinghausen und seit 2009 auch in Hamburg. Natürlich gehen alle Spenden, die durch die Catering-Aktionen gesammelt werden in die gemeinsame Kasse. Die Kohle dient dazu, die Ausgaben, die durch die Herstellung des veganen Essens entstehen, wieder rein zu kriegen und um weiterhin auch die Möglichkeit zu erhalten bei Veranstaltungen für eine vegane Verköstigung zu sorgen. Alles nach dem alten Hardcore-Prinzip: diy - do it yourself! - denn da sehen wir für uns auch unsere Wurzeln. Obwohl Vegetarismus, Veganismus und Ernährung ohne tierische Produkte auch vom Mainstream entdeckt wurden und es inzwischen in vielen Supermärkten vegane Erzeugnisse gibt, verbinden wir mit Veganismus auch eine prinzipiell linke, antikapitalistische Einstellung, die sich positiv auf diverse Formen der direkten Aktionen gegen Tierausbeutung und Tierbefreiungen bezieht. Dieser Ansatz findet im Tofuclub und unserer Lebensweise seine praktische Umsetzung.

Hier noch ein Einblick in unsere Kochtöpfe der deutlich macht, dass veganes Kochen nicht kompliziert sein muss. Kürbis-Kokossuppe: Es braucht: einen Hokkaidokürbis (wird mit Schale gegessen), zwei Möhren, eine Zwiebel, Gemüsebrühe und eine Dose Kokosmilch. Zum Abschmecken Petersilie und etwas Zimt. Den Kürbis, die Möhren und die Zwiebel grob würfeln. Mit ein bis zwei Tassen Gemüsebrühe ca. 10-15 min weich kochen. Kokosmilch dazu und mit dem Pürierstab bearbeiten. Suppe mit Petersilie, etwas Pfeffer und Zimt abschmecken. Fertig und lecker!


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Hmm...Essen! Kama Frankl


Du rufst mich kurz vor 22 Uhr an... „Ein paar Zeilen über Essen“, lautet die Bitte... Nun sitze, nein, viel eher liege ich hier im Bett... Mit meinem Laptop auf dem Bauch und versuche einpaar Zeilen zu finden, die zumindest im geringsten Maße meine Beziehung zum „Essen“, irgendwie deutlich machen sollten. Zunächst das regelmäßige und gesunde Essen ist mir sehr wichtig. Wenn ich nicht regelmäßig esse und meine Nahrungszufuhr sich nur über den ständigen Verzehr der Bahnhofsbrötchen beschränkt, nehme ich zu und werde schneller müde und manchmal anfälliger für Erkältungen. Dies ist aber nur meine Beobachtung.Leider ist diese, doch ungewollte Form, der Ernährung, meine fast Alltäglichste. Somit kann ich an dieser Stelle nur davon träumen, wenn ich es mal schaffe mir mein Lieblingsessen vorzustellen: Tomatensuppe mit Reis und Salat. Ja, ist gar nicht so spektakulär. Dafür ist dieses Essen für mich am leckersten. Zum Dessert kann ich das heutige nur empfehlen ein Glass mit Granatapfelkernen bedeckt mit Kakistücken. mhhm... Für diejenigen die es noch süßer lieben: Kaki, die „Frucht des Zeus“ in dünnen Scheiben schneiden, diese auf die Granatapfelkernen legen und mit flüssiger Sahne gießen, darüber Zucker und genießen. Für mich ist meistens weniger mehr. So genieße ich beim Mittagessen die

Einfachheit der Mahlzeiten. Was jedoch selbst diese Einfachheit stört, ist die Zeit sich einfach hinzusetzen und in Ruhe das Essen zu sich zu nehmen. Viel zu oft, werde ich, werden wir, von den Aufgaben eingeholt die unsere Zeit und unseren Raum bestimmen. So enden die Mahlzeiten und Getränke zu oft auf dem Wege zum Zug, im Auto oder auf der Strasse. Wir sollten die Kultur des Essens wieder zurückrufen, in der noch das Essen auf dem Tisch stand, die Mikrowelle ein Fremdwort und „Cofee-to-Go“ noch eine Beleidigung für den Kaffee war. Tatsächlich finden sich noch diese Orte, wo das gemeinsame Tee trinken einen tieferen Sinn der Bekanntschaft und des Beisammenseins besitzt. Doch leider, und damit muss ich auch auf mich selber den Zeigefinger richten, hat sich die Esskultur in den meisten Städten an die Geschwindigkeit des Alltags angepasst, der Globalisierung, dem Mainstream der Produkte, Bar-, und Restaurantketten bis hin zur eigenen Küche. Wo der selbe Mais, in Deutschland wie in Tokyo, verkauft und verwendet wird. Wo das Colagetränk in jedem Land seinen Platz findet. Und wo die Frage nach dem eigenen und individuellen oder traditionellen Rezept, offen bleibt. Und so bleibt der Traum offen, dass unsere Gesellschaft, eines Tages zurück kehren wird, in diese Kultur. Aber vielleicht finden wir, lasst es mich an dieser Stelle sagen, in kleinen Kreisen, zu bestimmten Momenten, diese Kultur. Wenn Essen zu Begegnung wird, wo das Anstoßen der Weingläser mit einem Lächeln enden und der letzte Krümmel nach den nächtelangen Gesprächen erst am nächsten Morgen vom Teller vernascht wird.


M A X O K K

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K E N B O R G

Every time I travel back to my country of birth Malta, my brain triggers a memory of the genuine taste and smells of organic foods and genuine traditional home made meals. If I had to ever try and describe to someone the food culture of my country I would only have one word for them, ‘Maxokk’. This is like a magic word that whenever pronounced brings to mind an explosion of mouth watering smells. Maxokk (pronounced Ma-shock) is a small stone oven bakery probably the size of your walk in wardrobe located in a tiny village called Nadur on the island of Gozo.


After the mission to find the place, following a mind map through and intricate maze of little alleys in the heart of this farming village, one will find a little old bakery, which in my opinion is an international embassy for a unique culinary experience. As soon as you enter the place via the insect screen on the front one cannot be surprised to cross the path to a cat or a hen, and that is when you think, yes I am at the right place. You might wonder, what is on the menu? The easy answer would be pizza, but surely that word is not enough to describe the goodness of the food you get at this place. Bread dough instead of pizza dough, fresh goat’s cheese, fresh sardines and anchovies and to top it all up, thin slices of potatoes on top! To die for! You do have to wait a while to get your much-awaited pizza, but it is worth it. If you would have already experienced the food from this bakery, the waiting time feels like the anxiety felt my a teenager awaiting eagerly for his first date. Just enough time to take a look at the surroundings, the scorching sun, a nice gentle summer breeze, and pure silence. The wait is over, and you get called back in to collect this beauty of a pizza. You realize how much love and care is put in this food when the hot pizza is served to you wrapped in parchment paper or occasionally news paper almost giving you the feeling of receiving a gift. What happens next is quick and fast thinking. A short drive to one of the many beautiful gold sandy beaches on the little island, and then, the most awaited moment arrives. A celebration of genuine tastes and a food feast right in your mouth! Pure bliss. I just feel that these few words are not enough to describe such an experience. It is wonderful to be able to experience and feel the culture and tradition of a whole country in just a mouthful of genuine food. I can only suggest to anyone who ever travels to the lovely islands of Malta, to try it for themselves. If you really want to experience some genuine culinary experience, a visit to this bakery is a must. Remember the magic word, ask any local for ‘Maxokk’ and boy you are in for a treat!


Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Kotzen mĂśchte. Max Liebermann

deutscher KĂźnstler und Grafiker


ZumFressenGern