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2012

D: 7,00 €

Pictures Magazin

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A: 7,90 € CH: 13,00 CHF

L: 7,90 €

Magazin

. . . mehr Spaß am Fotografieren Besser Fotografieren

So gelingen Hingucker

Richtiges Farbmanagement Ausdrucksstarke Posings Faszinierende Bildlooks

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Hintergrundwissen

Outdoor-Shootings So fotografieren Sie Wildvögel

Software-Test

Lightroom 4 Adobe legt in der Oberliga nach

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Portfolio

Dirk Behlau Der Rock‘n‘Roller unter den Fotografen

Erfahrungsbericht

Canon PowerShot G1 X: Kraftpaket mit kleinen Mängeln


PORTFOLIO Dirk Behlau

Wem die Stunde schlägt* Dirk Behlau gilt als kreativer Rock’n’Roller und Chronist der „Kustom Kulture“ der Hot Rod Szene. Sein Credo dabei: „Feeling ist wichtiger als Technik“. 26

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VICTORIA VAN VIOLENCE AND THE HOT ROD Aufnahmedaten: Canon EOS 7D mit EF-S 15-85mm f/3.5-5.6 IS USM bei 15 mm, f/8, 1/80 sek., ISO 400.

* „For whom the bell tolls“ ist der Titel von Dirk Behlaus Lieblingssong von Metallica und findet sich als Tätowierung auf seiner Brust.

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PORTFOLIO Dirk Behlau

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irk Behlau, bekannt unter dem Künstlernamen „The Pixeleye“, ist ein Multitalent: Seit 1999 führt er sein eigenes Designstudio, produziert Dokumentarfilme und Musikvideos und ist Miteigentümer einer Rock‘n‘Roll-Biermarke namens „Hell Yeah“. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist Behlau durch seine Fotos vom Hot Rod & Tattoo-Lifestyle und seinen Protagonisten. Behlau gelingt es, ehrlich und nahezu beiläufig Customizer, Hot Rodder, Pin-ups, Tätowierer und Pin-up Stripper zu porträtieren und ist, wie er selbst sagt, immer mit dem Herzen dabei. Seit knapp zehn Jahren ist er in der Szene zu Hause, fotografiert deren Lifestyle und lässt seine Bilder Geschichten erzählen.

FLAGGIRL Aufnahmedaten: Canon EOS 5D Mk. II mit EF-S 70-200mm f/4L USM bei 109 mm, f/6.3, 1/250 sek., ISO 100.

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Menschen sind etwas Besonderes Für Behlau geht es dabei vor allem um Persönlichkeiten – die alten, aufgemotzten Autos gehören dazu, aber letztlich sind sie nur ein Puzzlestein im Gesamtbild. Viel wichtiger ist die Attitüde der ganz

unterschiedlichen Menschen, die sich in dieser Szene finden und die für eine faszinierende Mischung sorgen. Entsprechend geht es bei seinen Fotos in erster Linie um eine Geschichte, die erzählt wird. Die richtige Stimmung, die passende Bildkomposition und der richtige Moment, um auf den Auslöser zu drücken.

Vom Thema gefunden „Das Thema hat eher mich gefunden. Ich bin aktiver Teil der Szene und nicht nur Betrachter“, so beschreibt Behlau, wie er auf die Idee gekommen ist, das Thema Rockabilly und Hot Rods fotografisch umzusetzen. „Die Hot Rods sind aber nur ein Thema unter vielen, wenn auch ein sehr großes. Ich fotografiere generell alles, was ich interessant finde und gerade die Mischung macht es.“

Autodidakt und „kreativer Rock’n’Roller“ Der gebürtige Kölner kennt die Fotografie noch aus der vordigitalen Zeit und fotografiert, seit er als

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Kind seine erste Agfa-„Ritsch-Ratsch“ Kamera bekam. Und noch etwas anderes hat ihn geprägt: Sein Vater war leidenschaftlicher Hobbyfotograf und verbrachte viel Zeit damit, die Familie zu porträtieren. So wundert es nicht, dass auch Behlau am liebsten Menschen in ihrer natürlichen Umgebung aufnimmt. Wenn man seine durchweg gut komponierten Fotos sieht, mag man kaum glauben, dass „The Pixeleye“ keine „richtige“ Fotoausbildung hat. Er ist, so sagt er, bei allem, was er macht, ein Autodidakt, der beim Ausprobieren neuer Dinge lernt. „Neben der Fotografie bin ich primär Grafikdesigner und Filmemacher und seit über zehn Jahren selbstständig unter dem Banner ‚Pixeleye Interactive’, meinem Designstudio, in dem ich für weltweite Kunden neue Lösungen und Produkte entwickele“, erläutert Behlau. Seine Kunden kommen dabei aus ganz unterschiedlichen Bereichen und neben Europa auch aus Amerika. Die Spanne reicht von Plattenlabeln über Magazine, Agenturen, Musikbands und Motorradhersteller bis zu Modelabeln und Videogameherstellern. Seinen Erfolg erklärt er ganz einfach: „Die Kunden kommen zu mir, weil sie meinen Stil mögen und einfach wissen, dass ich meine ganz eigene Handschrift habe.“ Daneben produziert er gerade einen Dokumentarfilm im Bereich „Kustom Kulture“, ein Begriff aus der Customizing-Szene, in der Autos und Motorräder umgebaut und aufgestylt werden. Für den Film

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reiste Behlau mit seinem dänischen Partner um die Welt. Außerdem arbeitet er eng mit der finnischen Rockband Leningrad Cowboys zusammen, für die er diverse Musikvideos produziert hat. Nicht zu vergessen seine eigene Biermarke „Hell Yeah“.

MAUREEN VAN MORTIS Aufnahmedaten: Canon EOS 5D bei 28 mm, f/5, 1/60 sek., ISO 320.

Bilder im Kopf Wenn es um seine Motive geht, weiß Behlau meist schon vor dem Shooting genau, was er will und setzt es entsprechend um. Dennoch arbeitet er dabei nicht statisch oder verkrampft: „Ich mache mir vor dem Shooting nicht allzu viele Gedanken, sondern handele instinktiv in der jeweiligen Situation. Das finde ich viel spannender, als sich vorher einen genauen Plan zurechtzulegen.“ Auch bei den Shootingvorbereitungen hilft ihm seine enge Verbindung zur Szene. Da er viele Leute kennt, lassen sich Fahrzeuge und Models recht schnell organisieren. Anderes ergibt sich spontan auf Veranstaltungen wie etwa der jährlich stattfindenden „Bottrop Kustom Kulture“ (www.bottropkustomkulture.com). „Planung ist eher bei größeren Werbeshootings nötig, was einem aber auch meistens eine Agentur abnimmt. So kann ich mich vollkommen auf das Wichtigste konzentrieren: die Fotografie“, erklärt er. Zu seinen Fotos inspiriert wird er durch viele Dinge: Musik, Filme, andere Künstler: „Ich sauge alles auf und picke mir hier und da Sachen heraus, die ich spannend finde.“

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PORTFOLIO Dirk Behlau

EXPERTENTIPP Dirk Behlau www.pixeleye.de www.dirkbehlau.de www.beastwood.de

Der 1971 geborene Dirk Behlau („The Pixeleye“) hat mit seinem 1999 gegründeten Designstudio „Pixeleye Interactive“ schon für zahlreiche internationale Kunden und Marken gearbeitet, darunter Canon, Saturn Media, Burger King, Stern.de, Tres Noir, die Leningrad Cowboys und Sony Playstation. Seine Werke sind nicht nur in zahlreichen Magazinen zu sehen, sondern auch in Buchform in den Bänden „Speed Kings“ (Die Gestalten Verlag, 2007), „Hot Rod Empire, Inc.“ (Huber Verlag, 2008) und „Kool Fellas, Ltd.“ (Huber Verlag, 2010). Sein Tipp für gute Fotos: Feeling ist wichtiger als Technik. Eigene Ideen sind wichtiger als Regeln aus dem Lehrbuch. Folgen Sie nicht den abgetretenen Pfaden des Mainstreams und imitieren Sie andere, sondern suchen Sie sich Ihre eigene Welt, die Sie auf Ihre ganz eigene Art festhalten. Sie können theoretisch alles über Fotografie wissen, aber trotzdem nur langweiligen Durchschnitt produzieren. Eigentlich ist es heutzutage zudem fast egal, womit man fotografiert, ich persönlich benutze abseits der DSLR nur noch mein iPhone dazu. Interessanterweise können die wenigsten Leute unterscheiden, ob ein Foto mit einer iPhone-Foto-App aufgenommen wurde oder mit einer teuren DSLR. Wer meint, dass teures Equipment automatisch gute Bilder produziert, liegt also völlig daneben. Erwähnte ich Feeling?

LENINGRAD COWBOYS Aufnahmedaten: Canon EOS 5D Mk. II mit EF 28-135mm f/3.5-5.6 IS USM bei 28 mm, f/9, 1/200 sek., ISO 100.

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PORTFOLIO Dirk Behlau KATY GOLD  REVAMPED Aufnahmedaten: Canon EOS 5D Mk. II mit EF-S 70-200mm f/4L USM bei 109 mm, f/4, 1/200 sek., ISO 100.

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Für ihn ist es wichtig, dass ihn das Ergebnis begeistert – dann gefällt es in der Regel auch seinen Kunden.

Weniger ist mehr Für seine Arbeit setzt Dirk Behlau auf Kameras von Canon, betont aber, dass es sich hier in erster Linie um eine Geschmacksentscheidung handelt. Daneben ist er ein Freund von möglichst wenig Equipment. Sperrige Fotokoffer, drei Zoomlinsen und anderen Schnickschnack beispielsweise auf einem Musik-Festival durch die Gegend zu schleppen, nervt ihn und er sieht sich dann eher bei der Arbeit behindert. „Ich bin gerne mittendrin im Geschehen und bewege mich schnell - da stört zu viel Ballast nur. So einfach wie möglich, so kompliziert wie nötig“, betont er.

Pro Foto eine Minute Ganz ähnlich geht er auch bei der Nachbearbeitung seiner Fotos vor: Photoshop kommt in seinem Fotografie-Workflow nicht vor. „Meine Einstellung dazu ist total old-school. Das Foto entsteht in der Kamera und nicht am Rechner“.

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So beschneidet und manipuliert er seine Fotos kaum – die notwendige Nachbearbeitung erfolgt in Lightroom und auch dort dreht er nur zurückhaltend an den Farben. „Klar, ich stempele auch mal einen Pickel weg, wenn das Model einen schlechten Tag hatte, aber das war’s auch schon. Aufwendige Bearbeitungen lehne ich in der Regel in der Fotografie ab, mein Credo lautet in etwa ‚Pro Foto eine Minute Bearbeitung’, mehr nicht, sonst taugt es für mich nichts.“

KATY GOLD Aufnahmedaten: Canon EOS 5D Mk. II mit EF-S 70-200mm f/4L USM bei 109 mm, f/5.6, 1/250 sek., ISO 100.

Fotografie, Spaß und Leidenschaft Die Fotografie macht einen großen Teil von Dirk Behlaus Leben aus. Für das „Unikat und Ein-MannMaschine“, wie ihn der Stern einmal beschrieb, gehören dabei neben der Fotoausrüstung auf jeden Fall Spaß, Leidenschaft und entspannte Atmosphäre dazu. „Mir ist generell eine harmonische, lustige, stressfreie Stimmung sehr wichtig“, betont der Fotokünstler. „Ich verdiene zwar auf der einen Seite mein Geld damit, aber wenn es mir keinen Spaß machen würde, würde ich es gleich sein lassen.“ Von Torsten Kieslich

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The Pixeleye - Picture Magazine Feature