Brennpunkt

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Die BASIS und ihre Breitenwirkung SCHLANDERS - Seit über einem Jahr verbringt Lucas Counter sehr viel Zeit in der BASIS, wo er im Coworking-Space einen Bürotisch hat. Coworking auf dem Land ist eine relativ neue Arbeitsform, bei der sich meist Selbstständige, Startups oder kreative Menschen einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz in einem offen gestalteten Büro anmieten und alle darin enthaltenen Vorteile nutzen können. Lucas Counter lebt und arbeitet zum ersten Mal auf dem Land. Geboren ist der 31-Jährige in der australischen Großstadt Brisbane. Sein Masterstudium in „Urban Management“ (kulturelle Stadtentwicklung) absolvierte Lucas in Berlin, die Stadt, die zu seinem Lebensmittelpunkt geworden ist. Dort hat Lucas Counter auf einer Veranstaltung Hannes

Götsch und die BASIS Vinschgau kennengelernt. Daraufhin hat er im Coworking-Space in der ehemaligen „Palazzina Servizi“ der Drusus-Kaserne einen Arbeitsplatz und eine temporäre Projektwohnung angemietet. „Die BASIS bietet einen sehr guten Ort, um konzentriert zu arbeiten, aber auch Platz für Kunst und Kultur, welche mich inspiriert. Wenn es die BASIS nicht gäbe, würde ich Schlanders und den Vinschgau nicht kennen“, erzählt Lucas in sympathischem Englisch. Nur ab und zu muss er zurück nach Berlin, um sein Netzwerk zu treffen und Ideen zu sammeln, die er hier in der BASIS verarbeiten kann. Lucas arbeitet mit Organisationen, aber auch mit öffentlichen Institutionen wie z.B. dem Senat zusammen, um Lösungen

Lucas Counter

zu finden, wie öffentliche Räume erhalten und intelligent verteilt werden können. Er erarbeitet internationale und lokale Projekte auch gemeinsam mit der BASIS und mit der European Cultural Foundation. Lucas unterstützt die BASIS und den gesamten Vinschgau in der Erstellung und Ausarbeitung von EU-Projekten. Besonders beschäftigt Lucas die

Frage, wie ein Ort wie die BASIS die Bestandswirtschaft diversifizieren kann, ohne seinen sozialen und kulturellen Anspruch zu verlieren. „Die BASIS hat eine große Breitenwirkung“, erzählt Lucas. „Sogar meine Freunde aus Tiflis in Georgien sind beeindruckt, was hier passiert; und ein Freund aus Berlin hat auch schon Interesse gezeigt, hier zu arbeiten.“ Ob er seine Familie in Australien in letzter Zeit besucht habe, frage ich ihn. „Nein, meine Familie besuchte mich im September im Vinschgau. Meine Eltern haben eine Woche lang in einer Pension in Kortsch gewohnt“. Alle seien überrascht vom Vinschgau und den Dörfern in den Bergen; auch er habe einen falschen Stereotyp vom Leben in den Alpen im Kopf INGE gehabt.

Gegen die Verbrauchskultur unserer Gesellschaft SCHLANDERS - Das traditionelle Repair Café an jedem letzten Dienstag im Monat ab 18:00 im Salotto in der BASIS möchte ein Zeichen gegen die Verbrauchskultur unserer Gesellschaft setzen. Egal ob die kaputte Bügelstation, der defekte Laptop oder die Stichsäge, die uns im Stich gelassen hat: die geschickten Tüftler im Repair Café schauen sich die Geräte an, versuchen sie wieder funktionstüchtig zu

machen und ihre nutzbare Zeit zu verlängern. Am Tisch daneben arbeiten zwei Frauen an ihren Nähmaschinen: sie bessern eine Bluse aus, flicken eine Wanderhose und beraten eine Hobbyschneiderin. Ihnen allen gemeinsam ist der Wunsch, Materialien einen höheren Wert zu geben, den Dingen ein zweites Leben zu schenken und sie vor der Endstation Mülleimer zu retten. INGE

Simon Laimer ist jetzt Professor SCHLANDERS/INNSBRUCK - Simon Laimer aus Schlanders ist seit Anfang September Universitätsprofessor für Bürgerliches Recht und Rechtsvergleichung an der Universität Innsbruck. Laimer hat Rechtswissenschaften in Innsbruck, Padua und Mailand studiert, war als Rechtsanwalt tätig, promovierte an der Universität Innsbruck und erwarb einen postgradualen Abschluss an der Universität Heidelberg. Dazu kommen Forschungs- und Studienaufenthalte, unter anderem in Bern, Hamburg, Rom und

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DER VINSCHGER 22/22

London. 2017 habilitierte er sich in Innsbruck für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht, Europäisches Privatrecht sowie Rechtsvergleichung und wurde am Institut für Zivilrecht als Professor assoziiert. Im März 2020 ging er an die Universität Linz, wo er als Professor für Zivilrecht, Leiter der Abteilung für Internationales Privatrecht und Einheitsprivatrecht sowie in der Folge als Sprecher des Fachbereichs Zivilrecht tätig war. Seit dem vergangenen September ist Simon Laimer Inhaber des Lehrstuhls für Bürger-

Im Anschluss an die Antrittsvorlesung (v.l.): Rektor Tilmann Märk, Universitätsprofessor Simon Laimer und Walter Obwexer, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät.

liches Recht und Rechtsvergleichung am Institut für Zivilrecht der Universität Innsbruck. Das Thema seiner Antrittsvorlesung am 4. November lautete „Vertragsanpassung in Krisenzeiten“. 2009 hatte Simon Laimer den Franz Gschnitzer-Förderungspreis der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und den Wissenschaftspreis der Alois Mock-Europa-Stiftung gewonnen. 2013 folgte der Preis des Fürstentums Liechtenstein und 2017 erhielt er den Preis der Landeshauptstadt Innsbruck für wissenschaftliche Forschung. SEPP


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