„Die Impfung ist ein Segen“

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Neuer Präsident BOZEN/SCHLANDERS - Bei der jährlichen Mitgliederversammlung des Südtiroler Speck Konsortiums, die heuer mittels Videokonferenz stattfand, wurde auf 2020 zurückgeblickt. Auch die Weichen für die Zukunft wurden gestellt. David Recla (im Bild) wurde als neuer Präsident des Speck Konsortiums gewählt und wird für die nächsten 3 Jahre die Interessen der Südtiroler Speck Produzenten vertreten. Das Jahr 2020 stand ganz im Zeichen der Corona – Krise, welche die Speck Produzenten das ganze Jahr über beschäftigt hat. Die Gesamtproduktion ist nach jahrelangem Aufwärtstrend rückläufig. Dennoch konnte der Anteil von Südtiroler Speck g.g.A. gesteigert werden. „Der Markt verlangt in Krisenzeiten ein sicheres Qualitätsprodukt mit strikten Vorgaben, wie den Südtiroler Speck g.g.A.“, betonte der neue Präsident David Recla. 66,5% der Produktion wurden in Italien und Südtirol verkauft, wichtigster Exportmarkt bleibt Deutschland (28%). Im Jahr 2020 hat vor allem der verpackte Speck in der Selbstbedienung den gesteigerten Sicherheitsbedürfnissen der Konsumenten entsprochen. Mit immer kleiner werdenden Haushalten konnten besonders die kleinen vorgeschnittenen Verpackungseinheiten überdurchschnittlich gut abgesetzt werden. Mit 28,1 Millionen verkauften 100 -g-Packungen Südtiroler Speck g.g.A. bleibt diese die erfolgreichste Verpackungstypologie. David Recla blickt trotz Krise optimistisch in die Zukunft. Trotz begrenzter finanzieller Mittel bleibt die Fortführung der Marketingkampagne „In realtá é Speck Alto Adige IGP“ in Italien eines der Hauptthemen im Konsortium. „Mit der Schließung der Gastronomie ist es noch wichtiger geworden, dass der Südtiroler Speck g.g.A. bei jedem Kunden auf der Einkaufsliste steht“, betonte der Präsident. Neben David Recla wurden Vizepräsident Günther Windegger sowie Florian Siebenförcher, Walter Nocker, Peter Moser und Roland Obermair in den RED Verwaltungsrat gewählt.

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DER VINSCHGER 07-08/21

Tiefe Einblicke Reinhold Messner: „Wenn ich Verantwortung abgebe, gebe ich auch Freiheit ab.“ VINSCHGAU - Hinter jedem Gipfel gibt es einen neuen Berg, hinter jedem Tal eine neue Landschaft und hinter jedem Horizont ein neues Blickfeld. „Es war die Neugierde, die mich bis heute getragen hat“, sagte Reinhold Messner kürzlich auf Einladung des Teams „Welt & Wir“ im Online-Stream. Rund zwei Stunden lang gewährte der Bergsteiger, Abenteurer, Grenzgänger, Museumsgestalter, Autor, Filmemacher und Bergbauer einen teilweise sehr tiefen und persönlichen Einblick in sein Leben und beantwortete zudem eine Reihe von Fragen, die das Online-Publikum im Vorfeld formuliert hatte. Reinhold Messner spannte einen weiten Bogen. Ausgehend von seinen Kinder- und Jugendjahren in Villnöß - „für mich war dieses Tal damals die ganze Welt“ - und dem Felsklettern in den Dolomiten erzählte Messner von seinen Besteigungen und Abenteuern in den Alpen, dem Höhenbergsteigen in der Welt der Achttausender - 1978 erreichten er und Peter Habeler als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff - und der Überquerung von Eis- und Sandwüsten.

Reinhold Messner (auf der InterviewCouch beim Online-Stream): „Ich bin kein Konsument. Amazon ist mir ein Greuel. Anstatt mir etwas zu kaufen, gehe ich lieber im Wald spazieren oder mache sonst etwas.“

zu langsam ist.“ Und in solchen Situationen ist es der Instinkt, der greift: „Der Instinkt wächst uns in der Wildnis zu.“ „Der Instinkt wächst uns zu“

Die Entwicklung seines Instinktes gehe auf seine Kindheitserfahrungen zurück. Es sei oft dieses im Bauch entwickelte Wissen gewesen, das ihm in Grenzsituationen geholfen habe. Ein „einsamer Wolf“ sei er im Grunde nicht. „Die Einsamkeit gehört mit zum Schwersten. Wenn man mit Partner unterwegs ist, denen man zu 100 Prozent vertraut, kann „Schlüsselberg“ Nanga Parbat man Ängste und Freuden teilen.“ Als seinen „Schlüsselberg“ Für ihn seien Alleingängen eine nannte Messner den Naga Parbat. Art Selbstprüfung: „Es ist allein Dort habe er 1970 die schlimmste nicht schwieriger, aber emotional Tragödie seines Lebens erlebt. härter.“ Er fühle sich in der Familie Sein Bruder Günther wurde beim und in der Gemeinschaft wohler Abstieg über die Diamirflanke von als allein. einer Lawine verschüttet und kam ums Leben. Auch über seine Nah- „Wer viel Freiheit will, …“ tod-Erlebnisse erzählte Messner, über seine Ängste und GrenzerDie Corona-Pandemie zog sich fahrungen. Zum Thema Angst wie ein roter Faden durch die Vormeinte er, dass er ein ängstlicher tragsstunden. „Wer viel Freiheit und vorsichtiger Mensch sei: „Die will, muss viel Verantwortung größten Ängste hatte ich immer übernehmen“, sagte Messner. Die im Vorfeld. Die Angst sei wie Pandemie zeige, was geschieht, ein Zaun „und sie ist die beste „wenn wir viel Verantwortung an Lebensversicherung, die es gibt.“ den Staat und an Institutionen Nicht zu unterschätzen sei der abgeben.“ Wer Verantwortung Wert des Instinkts: „Es gibt Situ- abgibt, gebe auch Freiheit ab. Die ationen, in denen der Verstand Menschheit habe ein bisschen

die kollektive Fähigkeit verloren, Dinge vorauszusehen und vorbeugend zu handeln: „Wie sind in unserer Lebensfähigkeit nicht mehr so stark und müssen zuschauen, wie uns ein kleines Virus an die Wand spielt.“ Messner hofft, dass es gelingt, die Pandemie mit wirksamen Impfstoffen und Medikamenten zu überwinden. Die Corona-Krise habe auch seine Museen hart getroffen, „aber ich bin zuversichtlich, sie im Sommer und Herbst öffnen zu können.“ Erbe des Alpinismus weitergeben Damit das Erbe des traditionellen Alpinismus der vergangenen rund 250 Jahre und vor allem die Haltung zu den Bergen weitergegeben werden kann, arbeitet Messner schon seit einiger Zeit an einer weltweiten Veranstaltungstour, die sich wegen der Corona-Pandemie verzögert hat. Er wolle nicht moralisieren oder urteilen, sondern das Erbe des traditionellen Alpinismus möglichst wahrheitsgetreu für die Nachwelt erhalten. „Gipfel werden weniger wichtig“ Der Titel des Stream-Vortrages lautete „ÜberLeben“ und war inhaltlich dreigeteilt: „Üb Leben“, „Überleben“ und „Über Leben“. In den letzten Bereich ist Messners Feststellung einzuordnen, „dass die Gipfel für mich mit zunehmendem Alter weniger wichtig geworden sind und die Menschen immer wichtiger.“ Vor allem die Menschen, die in den Bergen leben. Er sei mittlerweile selbst mehr Bergbauer als Bergsteiger oder sonst etwas. „Wenn wir die Berglandwirtschaft in den Alpen verlieren, verlieren wir auch an touristischen Möglichkeiten.“ Den Tourismus gelte es nachhaltig zu gestalten, also „nicht allzu viel und nicht allzu groß.“ Der OnlineStream mit Reinhold Messner stieß auf sehr viel Zuspruch. SEPP