Von der Idee zum Produkt

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Die Palabirne und das Kochbuch Einst wichtiger Bestandteil der Ernährung der armen Bevölkerung SCHLUDERNS - Nicht nur in Glurns stand vergangene Woche die Palabirne im Mittelpunkt, sondern auch in Schluderns. Der Bildungsausschuss, die Bi­ bliothek und der Katholische ­Familienverband luden nämlich zur Produkt­verkostung und zur Buchvorstellung in den Dorflodn. Thea Fabi, die Leiterin des BA Schluderns, konnte zahlreiche interessierte Besucher im Garten des Dorflodens begrüßen. Lukas Im Bild (von links): Manfred Ziernheld, Lukas Tschenett, Theresia Tschenett vom Tälerhof erzählte Ruepp, Sonja Abart und Thea Fabi servierten den Besuchern viel Wissenswertes um die uralte Köstlichkeiten von der Palabirne. Kultursorte Palabirne, ihre Ge­ schichte, ihren Anbau und vor allem ihren hohen gesundheitli­ derzeit von 25 hochstämmigen Uhr. Die Baumsorte, die wie viele chen Wert. Sämlingen und besitzt ungefähr andere aus dem Mittelalter stam­ 120 kleinere Birnbäume; dazu men, wurde auf der Churburg werden zwölf verschiedene alte bereits im 17. Jahrhundert er­ Apothekerbirne Apfelsorten angebaut. wähnt und bestätigt somit, dass Die süße Palabirne mit ihrer Schluderns zu den traditionel­ ledrigen Schale, nicht umsonst Fruchtmehl aus der Palabirne len Anbaugebieten der Palabirne auch Apothekerbirne genannt, zählt. Die knorrige, unförmige hat sehr viele wertvolle sekundäre Der Hof in Schluderns ist Ita­ Frucht war jahrhundertlang ein Inhaltsstoffe, viel Vitamin C und lienweit der erste Hersteller von wichtiger Bestandteil der Ernäh­ Kalium und sie ist verdauungs­ Fruchtmehl aus der Palabirne, rung der armen Bevölkerung, fördernd. Dass viele Palabirnen­ erzählte Lukas Tschenett. Damit hat allerdings eine geringe La­ bäume verschwunden sind, hat hatte man früher das kostbare gerfähigkeit und ist anfällig für auch mit dem großen Arbeits­ Getreidemehl gestreckt. Jeden Druckflecken. So entsprach sie aufwand und der umständlichen Freitag gibt es auf dem Tälerhof später auch nicht der EU-Norm Pflege der 14 bis 18 Meter hohen Führungen mit Produktverkos­ und ist der Sortenbereinigung der Bäume zu tun. Der Tälerhof erntet tung um 9.30 Uhr und um 14.30 EU zum Opfer gefallen. Nichts­

destotrotz kann man mit der ­ illi-Palli-Birne, wie die Palabirne P früher unter anderem genannt wurde, die köstlichsten Gerichte zubereiten. Manfred Ziernheld, passionierter Koch und Buch­ autor, hatte für das Publikum drei unterschiedliche Gerichte aus seinem Lese- und Kochbuch „Die Palabirne“ gezaubert. Mit Frischkäse auf Palabirnenbrot und Bergblüten, Rehrücken mit Palabirnen-Kartoffel-Rösti so­ wie eine Yogurt-Topfen-Schnit­ te und ein Schokoladenmousse mit ­Palabirnen-Walnusskrokant setzte er die Birne als Vor- und Hauptspeise sowie als Dessert in Szene. 51 kreative Rezepte Das reich bebilderte Buch „Die Palabirne“ beinhaltet insgesamt 51 kreative Rezepte um diese herbstliche Delikatesse. Ergänzt wird das Buch durch einleitende Beiträge zur Geschichte, Verbrei­ tung, Verwendung und Pflege der Palabirne. Das Lese- und Koch­ buch „Die Palabirne“ von Man­ fred Ziernheld ist im Folio-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. INGE

WORT|SPALTUNG (87)

Luchsusreise Die momentan unberechenbarsten Zeitgenossen sind (nein, nicht Donald Trump und Kim Jong-un) wohl (Problem-)Bär und (Schad-)Wolf. Zumindest bei uns. 1999 als ehrgeiziges Projekt zur Wiederansiedlung in der Brentagruppe begonnen, werden sie jetzt zu den sprichwörtlichen Geistern, die man gerufen hat und nicht mehr los wird. Ob es die großen Räuber der Wälder schaffen würden, wieder sesshaft zu werden, sei fraglich, hieß es noch vor Jahren im „Standard“; zu Gesicht hätte die Tiere kaum jemand bekommen. So kann man sich täuschen. Auch das Pestbakterium gehört zur Natur, genau wie Apfelwickler, Rüsselkäfer und Röhrenblattlaus. Aber nach den Initiativen „Mehr Pest für alle!“ oder „Rettet den Apfelwickler!“ sucht man vergebens. Wie viel Natur wollen wir und zu welchem Preis? Von einem sicheren Büro aus schauen die ­großen Beutegreifer eben anders aus – und einfach jeden Tierriss durch eine finanzielle Entschädigung aus der Welt zu schaffen, kann es nicht sein. Wenn zudem Leben und Arbeit des Menschen in Gefahr sind, erscheint der Artenschutz in einem anderen Licht und sollte für die Zukunft überdacht werden. Denn vielleicht Z ist ja der Luchs das nächste Raubtier, das gerne in Südtirol lebt.

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