Ab durch die Wiesen

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VINSCHGER THEMA

Landeshauptmann Arno Kompatscher mit Hartmann Nischler, Evelyn Tappeiner, Albert Gögele und Luis Forcher (v.l.) in der folgenreichen Bürgerversammlung des 25. November 2015.

Die Würfel fielen zum dritten Mal Nach 2008 und 2014 fiel am 26. April 2017 die 3. Entscheidung zur Umfahrung von Rabland. PARTSCHINS - In einer breit angelegten Medienoffensive hatten sich die Sprecher der Bürgerinitiative am Vorabend der entscheidenden Gemeinderatssitzung für die „Vereinsheimvariante opt.“ eingesetzt und schwerste Artillerie aufge­fahren. Einen Meinungsumschwung konnten sie trotzdem nicht herbei führen. Der am Sitzungstag abgefeuerte „Torpedo“ in Form eines Enthüllungsbeitrages im Nachrichtenportal „salto bz“ eröffnete zwar neue Sichtweisen – die andere Interessensgruppe sprach von neuer Hetze -, hatte aber den „Umschwung vom Umschwung“, also die Abkehr von der „Variante D opt.“ und Rückkehr zur „Variante V opt.“ nicht herbeiführen können. Südtirols bekanntester Enthüllungsjournalist Christoph Franceschini hatte unter dem Titel „Rablander Wiesen“ von einer 180 Grad-Wende des Gemeinderates berichtet und zwischen der verfahrenen Umfahrungsdiskussion eine Verbindung zum „Millionengeschäft eines bekannten Gastwirtes“ hergestellt.

Die Medien in der Kritik In der Einleitung zu Punkt 6 der Tagesordnung „Ortsumfahrung Rabland – Grundsatzentscheidung über eine Trassenführung“ hielt Bürgermeister Albert Gögele den Ball bewusst tief. Im Saal herrschte kontrollierte Spannung. Bis Punkt

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6 zur Sprache kam, hatten sich gut 30 Besucher fast 2 Stunden in Geduld zu üben. Bürgermeister Gögele blickte auf die Entwicklung seit der „Bürgerversammlung mit Landeshauptmann“ am 25. November 2015 zurück, fasste bemüht sachlich zusammen, ließ sämtliche Varianten und deren Optimierungen einblenden und verglich ausgiebig Vor- und Nachteile der Varianten „V optimiert“ und „D optimiert“. SS 38-Referent Hartmann Nischler sprach Klartext: „In den Presseartikeln sind Dinge geschrieben worden, die nicht der Realität entsprechen.“ Er teilte die Meinung des Bürgermeisters, dass beide Trassen nicht optimal seien. „Wenn die Variante V, die ursprüngliche Variante V, mit Bauzeiten und Besonderheiten, wie sie im Beschluss von 2014 drin waren, möglich wäre, wären wir sicher die ersten, die dafür wären“, sagte Nischler. „Man hat uns aber klar gemacht, dass diese Variante sicher nicht gebaut wird. Bei der optimierten Variante V kämen wir im Westen viel zu nahe an die Gebäude heran und das wäre keine Optimierung, sondern eine Verschlechterung.“ Die erste Wortmeldung aus der Gruppe der Gemeinderäte kam von Tobias ­Nischler (SVP): „Unser BM und der zuständige Referent haben gute Arbeit geleistet. Nichtsdestotrotz bin ich von Anfang an nicht glücklich gewesen mit der Varian-

te D. Das habe ich auch deponiert. Auch wenn ich heute den einen oder anderen in den Rücken fallen muss, tut mir leid, aber ich muss mit meiner Entscheidung leben und daher kann ich der Variante D nicht zustimmen.“ Christian Pföstl von den Freiheitlichen wollte den Wortlaut der Grundsatzentscheidung wissen: „Damit wir wissen, über was wir überhaupt abstimmen.“ Der Bürgermeister setzte ebenfalls zu einer Verurteilung der „verschiedenen Leute“ an, die versuchten, mit Artikeln andere unter Druck zu setzen: „Ich finde es nicht fair und korrekt. Am Ende sollten wir aber auf einem bestimmten Niveau miteinander reden. „Denn wer so etwas behauptet (Bezug auf den Artikel von Christoph F­ ranceschini, Anm.), der soll vortreten. Denn ich würde mich schämen, so etwas an die Öffentlichkeit zu posaunen. Jeder hat das Recht, ein Stück Grund zu kaufen, wie teuer auch immer.“

wird. Alle wissen, wie die Abstimmung ausgeht, aber wir wissen nicht mal, über was wir reden sollen.“ Ein 30-Millionen-Projekt hätte er gern auf dem Tisch und am besten schon 14 Tage vorher, meinte Fleischmann. Bürgermeister Gögele verlas den vorgeschlagenen Text, der sich an den Beschlusstext vom 30. September 2014 anlehnte. Rat Christian Pföstl kommentierte: „Ich habe mir vorgestellt, dass wir uns zwischen D und V entscheiden müssen. Wir können aber heute nicht über die bestmögliche der 2 Varianten abstimmen, weil uns nicht alle vorgelegt worden sind.“ Hier erinnerte der Bürgermeister: „Die bessere ist die gewesen, die wir 2014 gehabt haben, bis der Landeshauptmann gesagt hat, die sei ihm zu teuer, die sei ihm zu aufwändig zu realisieren. Wenn wir wieder die beschließen, sind wir da, wo wir vor 3 Jahren schon gewesen sind.“ Hier hakte Dietmar ­Weithaler (Südtiroler Freiheit) nach: „Es hat eingangs geheißen, wir müssen Das Abstimmungsergebnis stand fest ein klares Zeichen setzen, möglichst Druck aufbauen und dann Auf seine Bemerkung hin: „Heu- kommt heraus , dass die Variante te stimmen wir über die ‚Variante V, die wir beschlossen haben, die D opt.‘ ab“, merkte der Freiheit­liche Ingenieur Ebner überarbeitet hat, Matthias an: „Wir sehen den Text es nicht wert ist, in der Abstimhier zum ersten Mal, wie alle an- mung berücksichtigt zu werden. deren auch. Wir wissen nicht, ob Wieso?“ „Weil wir dann gleich weit ihr ihn so schon gesehen habt, aber sind wie 2014. Da haben wir einen wir wissen seit gestern zu Mittag, Tunnel gehabt, der im Westen um wie die Abstimmung ausgehen 80 m weiter gegangen wäre und