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OPEN HOUSE

Verlagsprogramm FrĂźhjahr 2017


Sven Hannes: DIE BOMBE Der Mensch erweist sich als das schwächste Glied auf dem atomaren Schlachtfeld. Das zeigen Tests, in denen 55 kahlrasierte Schweine in maßgeschneiderte Uniformen gezwängt werden. Metallknöpfe, Gürtelschnallen, Armbanduhren und zum Beispiel auch militärische Ehrenabzeichen verwandeln sich im Atomkrieg in Wärmebrücken, die geeignet sind, die Hitzestrahlung durch alle Kleidungsschichten auf die Haut weiterzuleiten. Selbst die Farbe der Uniformen wird zum Problem, weil sie bei den gängigen Modellen zu dunkel ausfällt und zu viel Energie absorbiert. Beim Test Met am 15. April 1955 werden Schau­fensterpuppen auch mit sowjetischen und chinesischen Uniformen eingekleidet. Es wird bewiesen, dass der Gegner vor dem gleichen Problem steht: Die klassischen Tarnstoffe müssten idealerweise durch aluminiumbeschichtetes Latex ersetzt werden. Besonders gefährdet sind, wie eine andere Studie feststellt, Soldaten mit schwarzer Hautfarbe. ­Ihnen empfiehlt man, freiliegende Hautpartien mit einer speziellen Creme auf Fettbasis einzureiben, die bereits im 2. Weltkrieg für das Betankungspersonal von Flugzeugträgern

entwickelt wurde. Erst nach einigen Jahren ergeben weitere Tests, dass die Paste zwar bei Treibstoffbränden einen gewissen Schutz bietet, durch den Hitzeimpuls von Atombomben aber spontan entzündet werden kann. Daraufhin wird eine geeignetere Rezeptur entwickelt, die ohne Fett auskommt. Schwerer zu lösen ist das Problem der mentalen Belastungsgrenze. Bei den ­Manövern in der Wüste von Nevada zeigt sich bald, dass die gewaltige Detonation und der Anblick des aufsteigenden Feuerballs viele Soldaten in einen Zustand versetzt, der Zweifel an ­ihrer Einsatztauglichkeit aufwirft. Einige sind von dem Anblick so begeistert, dass sie sich nicht mehr von ihm losreißen können. Die Mehrzahl aber verfällt in apathische Schockstarre und traut sich nicht mehr aus ihren Gräben. Zitternde Hände sind ein häufig zu beobachtendes, schon aus den Artillerie-Exzessen des 1. Weltkriegs bekanntes Phänomen. Und so wird erforscht, ob die betroffenen Soldaten noch in der Lage sind, ihre Gewehre zu reinigen, Minen zu entschärfen oder andere feinmotorische Aufgaben zu meistern.

Interesse an Lesungen? Fragen Sie uns an, wir vermitteln gerne

geboren 1974, aufgewachsen im Rheinland, umgeben von Atomwaffenstandorten. Prägende Erlebnisse: NATO-Doppelbeschluss, Tschernobyl, Fall der Berliner Mauer. Studium der Geschichte, Politik und Soziologie in Berlin und Leipzig. sven hannes


Die Geschichte der Atombombentests von den Anfängen bis zur Gegenwart Nirgendwo kommt man dem Geheimnis der Bombe so nahe, nirgendwo ist ihre faszinierende, unheimliche Wirkung so direkt erfahrbar wie auf atomaren Testgeländen. Acht Nationen haben bis heute rund 2 000 Nuklearsprengsätze zu Testzwecken gezündet. Diese Experimente werden hier auf eine ganz neue Weise erzählt: als nationenübergreifende Wissenschafts- und Technologiegeschichte, die auch die vernachlässigte Phase von den 1960er Jahren bis zur Gegenwart umfasst. Und eine plastische Vorstellung dieser exotischen Sphäre liefert. Der atomare Rüstungswettlauf ist keine primäre Folge der Systemkonkurrenz zwischen Ost und West. Vielmehr wetteifern Rüstungslabore, Waffengattungen und Zulieferer um Anteile an einem gigantischen Markt und drehen die Spirale immer weiter. Genies werden früh von Technokraten verdrängt, die mit haarsträubender Sorglosigkeit ans Werk gehen. Der Variantenreichtum ihrer Versuche ist verblüffend, die Szenarien dahinter übertreffen düsterste Science-Fiction. Der Mythos dieser verborgenen Welt wird in diesem Buch mit großer Sachkenntnis und erstaunlichem Witz unterhaltsam entzaubert.

Sven Hannes: Die Bombe. Die Geschichte der Atombombentests von den Anfängen bis zur Gegenwart 13,5 x 21,5 cm | 272 Seiten | Hardcover, Prägung | Preis: 25,00 Eur [D] | 25,70 Eur [A] Erscheint: Februar 2017 ISBN: 978-3-944122-34-2 | Auch als E-Book erhältlich

Sven Hannes hat sich in akribischer, langjähriger Recherche zum unabhängigen Experten entwickelt.

Souverän, spannend, humorvoll »Auch heute werden Gefahren unter dem Vorwand, sie verhindern zu wollen, erst erzeugt.«


James A. Grymes: Die Geigen des Amnon

Amnon Weinsteins Eltern, Moshe und Golda Weinstein, kamen 1938 als Zionisten nach ­Palästina, wo ein Jahr später Amnon zur Welt kam. Ihre gesamte Familie wurde nach dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion 1941 ermordet. Moshe war Geiger, aufgewachsen in Brest-Litowsk, der im litauischen Vilnius am Konservatorium studiert hatte. In Israel ­wurde er zum Geigenbauer, der seinen Beruf an Amnon weitergab. Amnons früheste Erinnerung ist die an seine Familie, wie sie in den 40er Jahren bei großen jüdischen Festen am Tisch sitzt: »Sie waren vier. Amnon, seine kleine Schwester Esther und ihre Eltern Moshe und Golda. Und vierhundert Geister. Die Geister seiner Verwandten …« Viele Musiker zerbrachen ihre Geigen. Dann kamen sie zu meinem Vater und drohten: ­»Entweder du reparierst sie, oder ich verschrotte sie.« Also kaufte mein Vater sie alle.

james a . grymes ,

Professor für Musikwissenschaft, Lehrstuhlinhaber am Institut für Musik an der University of North Carolina in Charlotte. Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter wichtige Bücher zum ­ungarischen Komponisten Ernst von Dohnányi, Vater des deutschen ­Widerstandskämpfers Hans von Dohnányi.


Weinstein

Gewinner des National

Jewish Book Award Nachdem er jahrelang die Zerstörung seiner ­Familie im Holocaust verdrängte, beginnt der ­Geigenbauer Amnon Weinstein in seiner Werkstatt in Tel Aviv in den 1990er Jahren damit, Geigen zu restaurieren, die von jüdischen Musikern während des Holocausts gespielt wurden. Denn vor ihm steht ein Mann, der im ­Orchester von Auschwitz spielte, seine Violine über ­Jahrzehnte nicht angerührt hat und sie nun für seinen Enkel ­reparieren lassen will. Als Weinstein das ­Instrument öffnet, ­entdeckt er im Inneren Asche, die aus den ­Krematorien stammen muss. Grymes erzählt das Schicksal von sieben Geigen, die Weinstein in den folgenden Jahren zu neuem Glanz und Leben erweckt. Hinter jeder dieser Geigen steht eine faszinierende und inspirierende Geschichte jüdischer Musiker. Zusammen mit dem ­erschütternden Versuch A ­ mnon Weinsteins, die ­Erlebnisse der eigenen Familie zu verarbeiten, verbinden sich diese Ge­schichten zu einem zutiefst bewegenden, neuen Weg, den Holocaust zu verstehen.

James A. Grymes: Die Geigen des Amnon Weinstein 13,5 x 21,5 cm | 304 Seiten | Hardcover, Lesebändchen | Preis: 25,00 Eur [D] | 25,70 Eur [A] Erscheint: Februar 2017 ISBN: 978-3-944122-32-8 | Auch als E-Book erhältlich

»Die Nazis wollten nicht nur uns, sondern die

gesamte jüdische Kultur zerstören – und nun sind wir hier.

Die jüdische Kultur, sie lebt.«

amnon weinstein anlässlich des Konzerts der berliner philharmoniker zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz mit den von Weinstein restaurierten Geigen.


Paula Bomer: Madeleine. Erzählungen

Foto: Natalie Brasington

»Ich rieche Rauch.« Genau in dem Moment, als ich die Tür öffnete, ging der Feueralarm los. Durch den Flur zog Rauch. Wir waren im 21. Stock. Schnell schloss ich die Tür. »Oh, Gott, oh Gott«, sagte Lise. »Wir müssen hier raus«, rief ich. Nervös ging ich auf Lise und Dylan zu. »Die Katzen!« Lise lief in die Küche. »Scheiss auf die Katzen!«, schrie ich. Ich packte den großen Kater, Dave, wie einen Sack Müll und rammte ihn in den Korb. »Los geht’s!«, schrie ich. Den Aufzug probierten wir erst gar nicht. Im 19. Stock sprangen wir rein in den Flur. Der Rauch war auch da, aber bei weitem nicht so schlimm. Und so schlugen wir uns durch, bis wir auf einer Bank in einem winzigen New Yorker Park saßen, während die ­Abenddämmerung um uns hereinbrach. »Es tut mir leid«, sagte ich. »Ich hatte Angst.« Und da wurde mir klar, dass sie mich endlich wahrgenommen hatte, mich, mich, ihre Freundin, die bisher nur ihr Fußabtreter war. Ihre prollige Freundin. Die zu nah neben ihr ging, die nicht wusste, was Crossroads oder Sonic Youth war. Ich hatte endlich Eindruck

bei ihr hinterlassen. Einen schlimmen, aber immerhin einen Eindruck. Das war, bevor ich wusste, dass wir im Auto unseres eigenen kleines Verstandes ­herumkurven, in unserer geschlossenen Welt. Als ich noch dachte, dass ich auch wichtig wäre, dass die Leute mich sehen, tief in mich hineinsehen, all meine Liebe und ­Lebensfreude sehen, das funkelnde Überschäumen meiner Lebendigkeit. Aber wir sind nur wichtig, wenn wir etwas Schreckliches tun. Dann sieht uns jemand, und nur dann. Wir waren in Sicherheit. Der Himmel wurde ganz plötzlich dunkel. Die Lichter in den hohen Gebäuden ringsum waren Nadelstiche, kleine Löcher in der Welt, die Löcher eines Sicherheitsnetzes, das uns umgibt. Eine Zeit in meinem Leben war vorbei und sie war ziemlich schlimm zu Ende gegangen. Und doch, wie schön, jung zu sein, noch nicht einmal meinen eigenen Körper entdeckt zu haben (was Stunden unter dem Duschkopf der Badewanne schließlich änderten), a­ nderen ausgeliefert zu sein, noch so viel vor mir zu haben und so leicht einen anderen Menschen enttäuschen zu können.

lebt in New York. Aufgewachsen in South Bend, Indiana. In deutscher Übersetzung erschienen von ihr bei Open House 2014 der Erzählungsband Baby und 2015 ihr Roman Neun Monate. paula bomer


»Bomer ist sehr gut darin,

ohne Weichzeichner zu schreiben.«

missy magazine

Neun Erzählungen über heranwachsende junge Frauen. Sie alle lernen den eigenen Körper kennen, wie man ihm vertrauen kann und Macht über ihn gewinnt. Und damit auch Macht über andere. Geschichten darüber, was es heißt, von einer n ­ euen ­E rfahrung, einem anderen Menschen berührt zu ­werden. Über Freundschaft, Liebe, Sex, Magersucht, Macht, Abgrenzung von den Eltern. Über Diskriminierung unter Jugendlichen wegen ­sozialer Unterschiede, Geschlecht oder Hautfarbe. Über Musik, Drogen und Liebe. Über den jugendlichen Wunsch, zu wachsen, so viel wie möglich in sich aufzunehmen, sich zu verändern und so viel und intensiv zu fühlen wie nur möglich. Über jugendliche Angst. Über die jugendliche A ­ ngstlosigkeit, durch die Erfüllung der eigenen ­Wünsche zum Außenseiter zu werden. Die Schönheit und die Verwirrung, das Sanfte, die ­Kompromisslosigkeit, die Einsamkeit, die überbordende Energie und ungebremste Liebesfähigkeit junger Frauen in all ihrer Kraft. Botschaft für Jung und Alt: Auch andere haben eine seltsame Jugend. Keine Angst und viel Spaß am Leben!

Paula Bomer: Madeleine. Roman Aus dem Amerikanischen von Rainer Höltschl | 12 x 20 cm | 224 Seiten | Hardcover, Leineneinband, Lesebändchen | Preis: 22,00 Eur [D] | 22,60 Eur [A] Erscheint: Frühjahr 2017 ISBN: 978-3-944122-30-4 | Auch als E-Book erhältlich

»Erforscht die

Beziehungen von jungen Außenseitern, Einzelgängern,

Sonderlingen in der amerikanischen

Gesellschaft und

glüht förmlich in seiner aufrichtigen und rauen Ehrlichkeit«

publishers weekly


Open House ist ein Independent-Verlag. Wir setzen auf junge deutschsprachige und internationale Literatur, die sich in neuen, ungewöhnlichen Erzählweisen mit den Themen der Gegenwart auseinandersetzt und offen ist für unterschiedliche Weltanschauungen. Eine Sachbuch-Reihe behandelt aktuelle Fragen aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft. Intensive Zusammenarbeit mit den Autoren, gründliches Lektorat und hochwertige Buch-Gestaltung liegen uns besonders am Herzen. Open House Verlag R. Höltschl, C. Lang GbR Beethovenstr. 31 04107 Leipzig T 0341 – 222 873 83 kontakt@openhouse-verlag.de www.openhouse-verlag.de Web-Shop www.openhouse-shop.com AUSLIEFERUNG GVA Postfach 2021 37010 Göttingen T 0551 – 384200 0 F 0551 – 384200 10 bestellung@gva-verlage.de www.gva-verlage.de

VERTRETUNG Christiane Krause | krause@buero-indiebook.de | Bremen, Hamburg, Niedersachsen, NordrheinWestfalen, Schleswig-Holstein Michel Theis | theis@buero-indiebook.de | Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland Regina Vogel | vogel@buero-indiebook.de | Berlin, Brandenburg, Hessen, MecklenburgVorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen büro indiebook | Bothmerstr. 21 | 80634 München | T 089 – 12 28 47 04 | www.buero-indiebook.de

Aus der BACKLIST Ingvild H. Rishøi: Winternovellen 12 × 20 cm | 192 S. | Aus dem Norweg. v. Daniela Syczek | Leineneinband mit Prägung Preis: 19,50 Eur [D] | 20,00 Eur [A] ISBN: 978-3-944122-15-1 | Auch als E-Book

Drei Novellen über das, was uns trägt, wenn die Träume von großer Liebe und Familie verflogen sind: die Unschuld der Kinder und die Wärme menschlichen Mitgefühls. HOTLIST 2016, Bestes Buch des Jahres in Norwegen 2015.

Paula Bomer: Neun Monate. Roman 12 × 20 cm | 288 S. | Aus dem Amerikan. v. C. Koschmieder | Schutzumschlag, Prägung Preis: 22,00 Eur [D] | 22,60 Eur [A] ISBN: 978-3-944122-13-7 | Auch als E-Book

Die New Yorkerin Sonia gerät durch ihre dritte Schwangerschaft völlig aus der Bahn. Sie verlässt Mann und Kinder und macht sich auf die Suche nach der Frau, die sie war: unabhängig, lustbetont, kompromisslos. »Ein heftiges, bissig-witziges Buch mit hohem Suchtfaktor.« Library Journal

Paula Bomer: Baby. Erzählungen 12 × 20 cm | 192 S. | Aus dem Amerikan. übers. v. C. Koschmieder u. R. Höltschl Preis: 21,00 Eur [D] | 21,50 Eur [A] ISBN: 978-3-944122-08-3 | Auch als E-Book

Zehn großartig geschriebene, bissig-witzige Erzählungen über Paare, Familie und Kinder. – »›Baby‹ fällt den Leser an wie ein tollwütiger Hund – und man ist dankbar dafür. Diese Art zu schreiben gehört zum Rauesten und Eindringlichsten, was mir je begegnet ist.« Jonathan Franzen

Open House Verlag – Programm Frühjahr 2017  

Das Programm des Open House Verlags. Gegenwartsliteratur und Sachbuch. Mit der ersten umfassenden, weltweiten Geschichte der Atomtests – fes...

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