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Es ist jetzt 10 Jahre her, dass Olaf Bornemann seine Berliner Lampenmanufaktur im Stadtteil Prenzlauer Berg eröffnet hat. Repliken alter Berliner Messing-Pendelzuglampen und eine große Auswahl mundgeblasener Opalglasschirme gehörten zum Anfangsinventar des neuen Betriebs, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Pfade abseits der Massenproduktion zu gehen und zu erschwinglichen Preisen schöne Leuchten anbieten zu können. Das handwerklich schön gearbeitete Einzelstück bzw. Kleinserien standen und stehen im Mittelpunkt der Angebotspalette. Relativ schnell zeigte sich, dass Olaf Bornemann mit dieser Geschäftsidee den Zeitgeist traf. Ein langer Artikel in der Wirtschaftszeitschrift »  brand eins  « über Manufakturen in Deutschland, der die Berliner Lampenmanufaktur exemplarisch für diesen Trend herausstellte, würdigte dieses Unternehmen und hatte eine große Anzahl weiterer redaktioneller Beiträge über das Geschäft in Tageszeitungen, Stadtmagazinen und überregional erscheinenden Publikationen zur Folge.

Hierzu kamen Fernsehberichte im deutschfranzösischen arte tv, in der ARD, im RBB und auf N24. Inzwischen wurde die ange­b otene Produktpalette um elegante antike IndustrieDeckenlampen sowie Gelenkarm- und Tisch­ lampen, unter anderem von Midgard, Kaiser Idell, Siemens oder Kandem, erweitert. Zusätzlich wurde die Restaurierung und Reparatur alter Leuchten mit ins Programm genommen und das Geschäft so zu einem All­r ound­­­dienst­ leister in Sachen schöne Lampen ausgebaut. Zum 10-jährigen haben Olaf Bornemann, Arnd Bornemann sowie die Kommunikations­ designerin Olivia Güthling eine Broschüre angeregt, die all die bisher erschienenen Presse­ artikel und Dokumentationen zusammenfasst und so einem interessierten Publikum zugänglich macht. Diese halten Sie hier in den Händen.

Jens Pepper, Sommer 2013


Berlin, aber oho Carla Neuhaus, »  Tagesspiegel  « , 18.06.2012 Olaf Bornemanns kleine Ladenwerkstatt ist hellerleuchtet. Dabei ist nur ein Bruchteil der über 200 Steh-, Wand- und Hängelampen, die jeden Winkel seines Ladens füllen, eingeschaltet. Der Berliner arbeitet alte Original­ lampen auf und fertigt Kopien an – am liebsten von Stücken aus der Zeit der Jahr­ hundert­ wende. Typisch dafür sind der Lampenschirm aus Opalglas, die textilummantelten Kabel und die bleigefüllten Gewichte. »   Vor gut zehn Jahren wollte ich mir selbst so eine Lampe kaufen  «, erzählt Bornemann. »  Doch die waren mir alle zu teuer.  « Schließlich baute er sich eine ähnliche Lampe selbst zusammen und kam auf die Idee, sie zu verkaufen. Kurz darauf kündigte er seinen Job als Bau­ leiter und eröffnete seine Lampenmanufaktur in Prenzlauer Berg. Die Gegend habe er sich bewusst ausgesucht. »  Dort leben die Kunden, an die ich meine Lampen verkaufen will  «, sagt er, vor allem »  junge Familien, die die Bürgerlichkeit wieder für sich entdeckt haben  «.


Edle Jugend­stillampen mit viel Nostalgie Nils Rüdel, »   D ie Welt   « , 01.02.2008 Bei der Berliner Lampenmanufaktur ist Beleuchtung Ausdruck eines Lebensgefühls – und zwar eines antiquierten. Das kleine Unter­ nehmen am Prenzlauer Berg fertigt Lampen nach historischem Vorbild und zwar mit Originalmaterialen wie brunniertem Messing, Opalglas uns selbst die Kabel haben noch eine Textil-Ummantelung. Auf makelloses Parkett achten viele in ihren Altbauwohnungen. Auch rustikale Möbel für die behagliche Stube werden sorgfältig ausgewählt, ebenso wie Porzellan, Vasen oder Töpfe. Aber wer wählt schon seine Lampen mit Liebe aus ? Im Gegenteil  : Viele verschandeln ihre hohen Räume dadurch, dass sie schnöde Strahler anbringen oder charakterlose Leuchten. Für Olaf Bornemann ist eine Lampe kein profaner Lichtkörper. Die Beleuchtung sei vielmehr Ausdruck eines Lebensgefühls. Seine Lampen sind zumeist aus Messing und Opalglas gefertigt. Sie gleichen Alt-Berliner Messinglampen aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts bis aufs Ornament. Schlicht im Design. Bornemann verkauft gut 1500 Stück pro Jahr. Vor fünf Jahren hat der 49-jährige gelernte Bauingenieur die Lampenmanufaktur Berlin gegründet. Ein kleiner, über und über mit Pendelzug-Leuchten verhängter Laden, inmitten

des Gründerzeit-Viertels Prenzlauer Berg. Seine Kunden sind Menschen zwischen 30 und 40 Jahre, zumeist und im Übergang vom Studenten-Interieur zur bürgerlichen Einrichtung. Lampen nach Maß — Die können sich auch eine Art-déco-Lampe für 200 Euro an die Stuckdecke hängen. Oder von Bornemann für einen Obolus gleich montieren lassen. Die einfache Zuglampe gibt es für 75 Euro, größere Konstruktionen kosten schon mal bis zu 400 Euro. Er hat einen Geschäftspartner, der die Hälfte der Zeit mitarbeitet, und je nach Konjunktur eine Hand voll Helfer in der Werkstatt. Die befindet sich in einem Souterrain eines Hauses im Stadtteil Kreuzberg. Schleifmaschinen, Schraubstöcke und Werkbänke weisen darauf hin, dass die Späne fliegen. Ein bis zwei Stunden dauert es, bis eine von Bornemanns Lampen aus den zugelieferten Teilen aus Deutschland, Italien und der Türkei montiert ist. Lampen aus Leidenschaft — »  Ich nehme das alte, klassische Material  « , sagt der Meister : brunniertes, also in Säure behandeltes Messing, Kabel mit Textil-Ummantelung, geblasenes Opalglas. »  E hrlich und handfest  « , ganz so wie bei den Original-Lampen. Als Vorlagen


dienen alte Leuchten, von denen es nicht mehr viele gibt, oder Bilder. Wie man das macht, hat Bornemann sich selbst beigebracht. Das nötige Geschick brachte er als gelernter Maurer und Bauingenieur mit. Vor seiner Zeit als Lampen-Händler war der gebürtige Nürn­ berger als Bauleiter viel unterwegs, erlebte den Bauboom in Berlin, aber kehrte der Branche vor rund fünf Jahren den Rücken. Fürs Baugeschäft verloren und für die Welt der Lampen gewonnen war er spätestens, als er eine dieser alten Leuchten sah. »  D ie ging mir nicht mehr aus dem Kopf  «, erinnert er sich. Die Liebe blieb aber zunächst unerwidert, denn die Lampe war sehr teuer. So begann Bornemann zu recherchieren, sprach mit Händlern von Einzelteilen und schnupperte in die Branche hinein. Schließlich baute er sich die Lampe selbst. Ein Jahr brauchte er, bis er so weit war, sie in höherer Stückzahl professionell herzustellen. »  I ch wollte einfach mal probieren, ob man davon leben kann.  « Das kann er. Seitdem wächst sein Geschäft jedes Jahr ein wenig mehr. Zudem repariert er alte Lampen, die die Leute auf dem Dachboden gefunden, von Verwandten geerbt oder bei Ebay ersteigert haben. Insgesamt könne er vom Geschäft gut leben.

»  Ich mache keine großen Sprünge, aber ich kann meine Miete zahlen und in den Urlaub fahren.  «


Renaissance der Alt-Berliner Messinglampe Stefan Klug, »  M ärkische Oderzeitung  « , 15.02.2012 Sie hat längst wieder in den Wohnungen oder Büros Einzug gehalten – die Alt-Berliner Messinglampe. Über ein Vierteljahrhundert hin­weg bestimmte sie das Bild in den Alt-Berliner Wohnungen, bevor sie neuen Stilen weichen musste. Vor allem ab den 90er Jahren erlebte sie eine Renaissance, wenn auch zu recht kräftigen Preisen. Olaf Bornemann fertigt sie in seiner eigenen kleinen Berliner Manufaktur, öffnete dazu einen Laden mit Werkstatt. Er wollte diesen Design-Klassiker auch für Kunden mit etwas schmaleren Geldbeuteln erschwinglich machen. »  1999 hatte mich der Bau-Boom nach Berlin geschwemmt  «, erzählt Olaf Bornemann. Der gelernte Maurer und Bautechniker suchte deshalb eine Wohnung. »  Mir fehlte noch eine Deckenlampe. Doch die, die ich bezahlen konnte, gefielen mir nicht. Und die Alt-Berliner Messinglampen waren mir zu teuer  « , erinnert er sich. Aber in diese Lampe hatte er sich verliebt. »   Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf.  « Also machte er sich selbst ans Werk. Er beschäftigte sich mit der alten Herstellungstechnik und bestellte sich über einen Bekannten, der in der Fabrik »  Berliner Messinglampen  « arbeitet, einige Einzelteile und baute sie mit seinen geschickten Händen zusammen

– für wesentlich weniger Geld. Diese Erfahrung war der Türöffner in ein neues Leben. Und da er ohnehin gerade dabei war, sich beruflich neu zu orientieren, sah er hier eine neue Perspektive. »  Von einer Baustelle zu anderen zu ziehen, dazu hatte ich keine Lust mehr.  « Doch der geborene Münchener wollte nichts übereilen. Zunächst musste er sich in der Herstellung solcher Lampen professionalisieren. Ein Jahr brauchte er, bis er so weit war, sie in höherer Stückzahl und in entsprechender Qualität zu produzieren. Rund 20 Alt-Berliner Zug- und Doppelpendelleuchten aus Messing baute er und verkaufte sie übers Internet. Das klappte so gut, dass er sich darüber Gedanken machte, selbst eine Produktion aufzu­ bauen. Dazu brauchte er entsprechende Zulieferer, fand sie für Glas in Tschechien, für die Messingelemente in der Türkei und Standardrohre, Schalter, Kabel und Fassungen in Deutschland. All das brauchte seine Zeit. Doch 2003 war es soweit. Er öffnete seine kleine Lampenmanufaktur. Eine größere Werkstatt hatte er sich in Berlin-Kreuzberg eingerichtet. Seinen Laden mit einer kleinen Reparaturwerkstatt eröffnete er in Prenzlauer Berg nahe des Kollwitzplatzes.


Wer heute seinen Laden betritt, taucht in die alte Zeit vor rund 100 Jahren ein. Damals wuchs Berlin in einem Vierteljahrhundert um rund eine Million Menschen, und die Haus­ halte wurden elektrisiert. Ein Lampen-Boom begann, und eine ganze Lampenindustrie siedelte sich an. Die Renner waren die heute so genannten Alt-Berliner Messinglampen – ob als Steh- und Tischlampen, als Deckenlampen mit Pendelzug, als Kronleuchter oder Wand­ lampen. Sie bestehen aus brüniertem, also in Säure behandeltem Messing, versehen mit Schirmen aus Keramik oder mundgeblasenem Opalglas sowie mit Textil ummanteltem Kabel. Doch dieses Design der Alt-Berliner Lampen war ab den 30er Jahren nicht mehr zeitgemäß. Es kam der Salonstil auf, Kronleuchter mit dunklem Holz oder die Lampenschirme aus Stoff. Auch der Bauhausstil sowie große, klare Formen hielten Einzug. Erst in den 80er Jahren wurde der Jugendstil wieder ausgegraben, und einige Unternehmen belebten die Alt-Berliner Lampe wieder neu.


Handmade in Germany Thomas Ramge, »  B rand Eins  « , September 2007 Manufakturen stehen vor einer Renaissance. Sie stellen Produkte für eine neue Zielgruppe her, die das Authentische schätzt. Und für die der Preis nicht das Maß aller Dinge ist. Olaf Bornemann hat Maurer gelernt. Die Bautechnikerschule hat er dann noch drangehängt. Mehr als zehn Jahre war er als Bau­ leiter auf Großbaustellen in ganz Deutsch­l and unterwegs. »  Das hat mir schon auch Spaß gemacht   «, sagt der Endvierziger mit den dichten grauen Haaren. »  Mit dem, was ich heute mache, ist das aber nicht zu vergleichen.   « Heute macht Bornemann Lampen. Alt-Berliner Messinglampen. Berliner Pendelleuchten. Tisch-, Steh- und Wandlampen. Hunderte hängen in dem kleinen Laden seiner »   Lampenmanufaktur Berlin   « unweit vom Wasserturm im Bezirk Prenzlauer Berg. Seit fünf Jahren gibt es das Zwei-Mann-Unternehmen. Bornemann und sein Partner bauen Berliner Designklassiker aus der Zeit nach der Jahrhundertwende zu bezahlbaren Preisen nach. 80 Euro kostet eine Schreibtischleuchte mit dunkelgrünem Glasschirm und dem Namen »  Bankier  «. Eine solide Stehlampe ist für rund 250 Euro zu haben. In seinem früheren Leben als Bauleiter ging es um deutlich höhere Summen. Aber die Grundstimmung war auch eine

andere. Die Bauherren verlangten von ihm, bei den Baufirmen möglichst viel Leistung für möglichst wenig Geld herauszuholen. Die Baufirmen wiederum versuchten, wann immer möglich, Zusatzkosten geltend zu machen. »  Ich stand dazwischen und musste ständig aufpassen, dass mich nicht irgendeiner übers Ohr haut  « , erinnert sich Bornemann. Mit solchen Problemen hat er im sozial aufstrebenden Kiez rund um Wasserturm und Kollwitzplatz nicht mehr zu kämpfen. Bornemann ist freundlich. Die Kunden sind freundlich. Die Lampen sind ihr Geld wert. Ein gutes Geschäft für alle Beteiligten. Das glaubt man, wenn der Chef über seine Manufaktur redet. »  Mindestens die Hälfte meiner Kunden sind junge Familien aus dem Viertel, die ihre Ikea-Leuchten aus der Studienzeit aussortieren  «, sagt der Lampenbauer. 300 Euro für eine Nachttischleuchte – mindestens so viel würde das Original kosten – sind an der Eingangsschwelle zum bürgerlichen Lebensstil nicht drin. Bornemann und sein Partner machen trotzdem ihren Schnitt. Messingrohre, Keramikschirme und Opalglas sind seine Werkstoffe, die er aus Deutschland, Osteuropa und Italien bezieht. Hinzu


kommen Schalter, Kabel und Standardfassungen. Um Altberliner Messinglampen nachzubauen, muss man kein Elektroingenieur sein. Rund ein Jahr hat der Autodidakt Bornemann gebraucht, um seine Bastelfertigkeiten auf professionelles Niveau zu heben. In ein bis zwei Stunden ist heute eine Lampe in der Kleinwerkstatt aus den zugelieferten Einzel­ teilen zusammengeschraubt. Die Kalkulation ist relativ simpel : »  Wir rechnen alle unsere Kosten für eine Lampe zusammen. Material, Arbeitsstunden, anteilig Miete, Berufsgenossenschaft, Honorar für Aus­ ­h ilfen und so weiter. Dann multiplizieren wir mit 2,3.  « Die Berliner Lampenmanufaktur ist dennoch preiswert, denn sie kennt keinen Verwaltungsapparat, keine Vertriebskosten, keine Händlerspanne, keine Transport- und Lagerkosten. Dafür kennt sie ihre Kunden fast immer persönlich. Bornemann berät freundlich und zurückhaltend. Wenn ein Kunde einen Sonderwunsch hat – hier ein größerer Schirm, da den Arm ein wenig länger –, ist das kein Problem. Es muss nicht einmal teurer werden als ein originalgetreuer Nachbau. Der Käufer bestellt und bezahlt. Am nächsten Tag kann er seine Lampe abholen oder gegen einen Zehner oder Zwanziger zusätzlich

gleich vom Hersteller persönlich aufhängen lassen. Die Kunden kaufen bei Bornemann nicht nur Lampen, sondern ein Gefühl. Sie erwerben ein Produkt, das um die Jahrhundertwende in Berlin entworfen wurde, zum Stil ihrer Altbauwohnung aus der gleichen Epoche passt und von einem sympathischen Mann eigens für sie angefertigt wird. Mit diesem regional verwurzelten Geschäftsmodell kann kein Art-déco-Plagiat aus Vietnam konkurrieren. Zumindest nicht in einem Milieu neubürgerlicher Konsumenten, die Wert auf Individualität legen. Diese Gruppe werteorientierter Konsumenten wächst rasant. Amerikanische Marketingstrategen haben auch schon einen schönen Begriff für sie gefunden : Lohas. Das steht für Life­ style of Health and Sustainability, also einen Lebensstil, bei dem Gesundheit und Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle spielen. Verbraucherorganisationen schätzen, dass heute rund jeder sechste erwachsene Amerikaner zu den Lohas zählt. Das wären 50 Millionen in der Regel zahlungskräftige Menschen, die jährlich rund 300 Milliarden Dollar für werthaltige Produkte ausgeben. Wie viele Lohas es in Deutschland gibt, hat noch niemand seriös geschätzt.


Doch der Boom der Bio-Lebensmittel lässt darauf schließen, dass es auch in diesem Industrieland mit einer Unikate zu vernünftigen Preisen – das Geschäftsprinzip der Manufakturen seit langem etablierten Öko-Bewegung einen großen Markt für handgefertigte Produkte gibt, die idealerweise aus der Region stammen. Das ist eine Chance für Selbstständige, die Möbel, Kleidung, Mode-Accessoires oder was auch immer herstellen können. Oder Massenkonsumgüter für Lohas individualisieren. »  Immer mehr Menschen haben keine Lust auf Produkte, bei denen die Wertschöpfung komplett verschleiert wird  « , sagt Christoph Hinderfeld. Der Wachenheimer Unternehmer ist Vorsitzender des Beirats der Zunft AG, die Kooperationsmöglichkeiten für Kleinunternehmen mit ökologischer und nachhaltiger Produktionsweise schafft. Hinderfeld redet schnell und benutzt viele Schlagworte, die beim Gesprächspartner trotz seines Sprech­ tempos gut in Erinnerung bleiben. Eines davon ist »  True Economy  «, in der mehr »  Sein als Schein  « ist. Ein anderes beschreibt die Warenwelt, wie sie nicht sein sollte : »  D esignprodukt  «. Damit meint der Zunft-AG-Aktivist zum Beispiel sündhaft teure Hemden, die in Asien in denselben Nähereien gefertigt werden wie die No-Name-Produkte der Billig­

heimer. Gegen Billigprodukte ist in Deutschland – in kaum einem anderen Land sind die Menschen preissensibler – kein Kraut gewachsen. Das weiß auch Hinderfeld. Er will mit seiner lokal verwurzelten, qualitätsorientierten »  True Economy  « nicht Aldi, sondern die überteuerten Designprodukte angreifen. Denn bei denen bestimme nicht die Ware den Wert. Überflüssige Posten wie »  g igantische Marketingbudgets, absurd hohe Ladenmieten oder vollkommen überzogene Gewinnspannen  « trieben den Preis.


Alte neue Lampen Carla Neuhaus, »  Q iez  « , 18.06.2012 Olaf Bornemann fertigt in seinem Laden im Prenzlauer Berg Lampen nach historischem Vorbild für moderne Stadtwohnungen. Alles strahlt. Und das, obwohl nur einige der 200 Lampen, Leuchten und Lichter in Olaf Bornemanns kleinem Werkstattladen in Betrieb sind. Bis in die hinterste Ecke stapeln sich Stehlampen, Schreibtischleuchten oder Kronleuchter. Bornemann setzt alte Lampen wieder instand und fertigt Nachbildungen an. Besonders Lichtquellen aus der Zeit um 1900 liegen ihm am Herzen. Damals wurden besonders gerne Schirme aus Opalglas hergestellt. Auch Bleigewichte und ummantelte Kabel zeichnen diese Stücke aus. »  Vor gut zehn Jahren wollte ich mir selbst so eine Lampe kaufen   «, berichtet Bornemann. »   D och die waren mir alle zu teuer.  « So fertigte er sich aus Versatzstücken kurzerhand selbst ein leuchtendes Sammlerstück an. Daraus entstand die Idee, nachgebildete Lampen zum Verkauf anzubieten.

Nachdem er seinen Beruf als Bauexperte aufgegeben hatte, eröffnete Bornemann seine Lampenmanufaktur. Die Ansiedlung im Prenzlauer Berg sei damals kein Zufall gewesen : »  Dort leben die Kunden, an die ich meine Lampen verkaufen will.  « Vor allem junge Familien will er für die Ästhetik eines untergegangenen Bürgertums begeistern.


Berlin zum Anfassen Mechthild Bausch, »  M obil  «, November 2008 An das Design des vergangenen Jahrhunderts knüpft auch Olaf Bornemann an. Er baut Lampen im Gründerzeitstil, wie die »   Berliner Messinglampe   «, deren Verbreitung mit der Elektrifizierung der Mietshäuser einherging. Der Laden in Prenzlauer Berg ist prächtig illuminiert. Bornemann verwendet stilechte Elemente : weißes und farbiges Opalglas, das er überwiegend aus Tschechien bezieht, Textilkabel und dunkles Messing. »  Privates Inter­ esse  « brachte den gelernten Hochbautechniker zur neuen Profession. Er möchte »  gute Qualität zum fairen Preis   « verkaufen  : Die Küchenhängelampe gibt es für 75 Euro, 200 Euro kostet die zweiflammige Pendel­ z ug­ leuchte. »  V iele unserer Kunden sind zwischen 30 und 40. Sie tauschen ihre Studenten­ einrichtung gegen Solideres  « , so Borne­m ann. »  Aber es gibt genug Wohnungen, in denen unsere Lampen noch nicht hängen  « . Der 49jährige Familienvater, der nach der Wende mit seiner Firma auf Berlins Megabaustellen arbeitete, schätzt das »  s orgenfreie Leben  « bei gemächlicherem Tempo.


Made in Berlin Christian Titze, Abendschau, 09.04.2012 »  Im Prenzlauer Berg ist ja einiges hip und jung und, wie einige sagen würden : langzeitjugendlich. Ein Kiez voller Neuberliner, in dem auch ein gebürtiger Franke heimisch geworden ist. Als Bauleiter hat er den Bauboom bei uns erlebt und vor 10 Jahren im Kiez seine Lampenmanufaktur eröffnet. Eine kleine Werkstatt, in der hochwertige Messingleuchten im Jugendstil entstehen.  «


Marke Eigenbau Holm Friebe und Thomas Ramge, erschienen im Campusverlag 2008 Die Lampenmanufaktur Berlin ist in diesem Buch und Filmbeitrag als klassischer Vertreter der ›Marke Eigenbau‹ portraitiert. »   Wir erleben die Rebellion des Selbermachens gegen eine anonyme industrielle Mas­ sen­produktion. Die Marke Eigenbau verlässt den Hobbykeller und entert Ladenlokale, Laufstege und das Internet. Sie verändert die Spielregeln von Arbeit, Produktion und Konsum. Holm Friebe und Thomas Ramge belegen anhand vieler Beispiele, warum Masse künftig die Summe der Nischen sein wird, wo die Grenzen zwischen Produzenten und Käufern verschwinden und wie auch Unternehmen von der neuen individualistischen Massenbewegung profitieren können, die dem globalen Kapitalismus eine neue Wendung geben wird.   « Das Video ist unter folgendem Link zu sehen : www.youtube.com/watch  ? v=oVfmMJNRn84

ISBN 978-3-593- 38675-1


Adieu Karriere – Glückliche Absteiger Marion Schmidt, Dokumentation, 01.12.2009 »  R aus aus dem Hamsterrad - davon träumen viele Menschen. Doch wie schafft man den Ausstieg ohne im gesellschaftlichen Abseits zu landen ? Der Film erzählt die Geschichte von drei Menschen, die sich beruflich völlig neu orientiert haben. In ihrem alten Beruf kürzer zu treten erschien ihnen unrealistisch. Etwas völlig Neues zu versuchen war verlockend und riskant zugleich. Schließlich haben sie es gewagt. Olaf war jahrelang als Bau­leiter für große Baustellen im In- und Ausland verantwortlich, heute verkauft er handgefertigte Lampen. Meike hat Softwarelösungen an Unternehmen verkauft und stand ständig unter dem Druck, hohe Vertriebszahlen zu erreichen. Heute bietet sie in Hamburg Hafentouren an. Claus, der ein sehr erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat, galt als einer der Stars der New Economy. Sein jetziger Beruf ist Kinderfotograf. Alle verdienen weniger als früher. Hat sich der Schritt ins Ungewisse dennoch ausgezahlt  ?  «


Der Beleuchter Erik Heier, »  t ip Berlin  « , Dezember 2008 Seine Werkstatt : ein Kabuff hinten im Laden. Der Arbeitstisch : voller Schraubenzieher, Seitenschneider, Zangen. Darunter : Kartons mit Lampenfassungen. Sein Drehhocker : winzig. Selbst für Leute, die fast zwei Meter groß sind wie er. Olaf Bornemann muss ein genüg­samer Mensch sein. In Prenzlauer Berg, Nahe Wasserturm, verspricht Bornemanns Berliner Lampenmanufaktur ganz besondere Erleuchtung : Altberliner Messinglampen im Jugendstil, meist Unikate, nach Kundenwunsch. Er malt sogar die Preisschilder selbst, mit Kuli. Bornmann bewegt sich in jedem wiegenden, zeitlupenhaften Gang durch sein 45-Quadrat­ metergeschäft, wie es große Menschen oft tun. Er ist 50, langähriger Nürnberger, gelernter Bauingenieur. 1999 zog er nach Berlin. Bauleiter wie er waren damals viel unterwegs. 2001 suchte er sich eine zweiflammige Esstischlampe. In einem Laden gefiel im eine. Ihr Preis weniger. »   Irgendwas mit 760 Mark.  « Er besorgte sich die Einzelteile, baute die Lampe selbst. Materialwert  : rund 100 Mark. Dann fand er sie zu klein, stellte sie bei eBay ein, zum doppelten Materialwert. Sie war sofort weg. Bornemann sah, dass er da ein Geschäftsmodell hatte.

Jetzt betreibt er in Kreuzberg noch eine Werkstatt mit zwei Mitarbeitern. Die Bauteile besorgt er von Lieferanten. 1000 Lampen verkauft er pro Jahr, meist für 50 bis 250 Euro. Nicht sehr teuer. Einem Kunden sag er am Telefon : »  B ei der Lampe, die Sie wollen, müssen wir uns Mühe geben, dass wir über 100 Euro kommen.  « Es ist eine kleine Marktlücke. Bornemann will nicht, dass sie zu groß wird, ihm über den Kopf wächst. »  K lar könnte ich mich ausbauen   «, sagt er, »   Aber ich fühle mich mit meinem Arbeitsleben wohl.  « Wirklich genügsam, der Mann. Und glücklich. Das wohl am allermeisten.


Lampenmanufaktur Berlin Rykestr. 51 10405 Berlin www.lampenmanufaktur-berlin.de Layout : Olivia Gßthling www.oliviaguethling.de

Berliner Lampenmanufaktur