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Akzente

Dezember 2005 • Neues aus dem Unternehmen Aktuell

Rübe

Markt & Kunde

Deutlich geringeres Jahresergebnis erwartet 9

Ernte unter besten Bedingungen

Weltmarkt das unbekannte Wesen 14

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Nordzucker fit machen für die Zukunft Die gemeinsame Wettbewerbsfähigkeit erhöhen


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I Inhalt I Akzente Dezember 2005

Auf ein Wort

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Biodiesel oder Rapsöl als Kraftstoff? – Neue Felder informiert über Verwertung von Raps

Aktuell Nordzucker fit machen für die Zukunft – WTO-Urteil zwingt zu Kapazitätsanpassungen

Neue Felder

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Das süße Rezept

Wettbewerbsfähigkeit erhöhen – Auch die Rübenbezahlung muss auf den Prüfstand

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Pflaumen-Apfel-Strudel mit Nordzucker SweetFamily

Nordzucker erwartet für 2005/2006 deutlich geringeres Jahresergebnis

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Welches EU-Land stimmt mit wie viel Gewicht? – Neues Abstimmungsprocedere

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Der süße Riese, den keiner kennt – Zuckerwirtschaft in Indien

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Schneller besser werden – Ein Betrieb aus dem nördlichen Vorharzgebiet stellt sich vor

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Ertragspotenziale im Anbaugebiet der Nordzucker AG – Erträge steigern, Kosten senken

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Male Karpaty, Slowakei – Starke Regionen bei Nordzucker und was sie auszeichnet

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Dicksaft schont das Budget – Im Werk Tepla läuft die erste Nordzucker-Dicksaftkampagne

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Aufmerksamkeit für die süßen Augenblicke im Leben: Rezeptbeilagen in Zeitschriften und Rezeptheftchen auf den Deckeln der Zuckerträume setzen die SweetFamily-Backprodukte in Szene.

Markt und Kunde Zucker könnte künftig knapp werden – Zucker-Weltmarkt: Das unbekannte Wesen

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Kurz vorgestellt: Xylit – ein zahnpflegender Zuckeraustauschstoff

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Für die süßen Augenblicke im Leben – SweetFamily zeigt mehr Gesicht

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Treffpunkt Nordzucker Goetz von Engelbrechten im Aufsichtsrat von KWS

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Renaturierung im Fokus – Lehrter Teiche an Stiftung Kulturlandpflege übergeben

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Es ist fünf vor zwölf – Kampagnetreffen ehemaliger Führungskräfte

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SweetFamily zeigt Gesicht

Rübe Kampagne 2005 bisher zufriedenstellend Rübenernte unter besten Bedingungen

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Impressum Herausgeber: Nordzucker AG Küchenstrasse 9 · 38100 Braunschweig Telefon 0531 / 24 11 - 0 Telefax 0531 / 24 11 - 106 E-Mail akzente@nordzucker.de Redaktion: Gerald Dohme, Christian Kionka, Susanne Dismer-Puls (sdp) verantwortlich Layout und Satz: adconcept werbeagentur gmbh, Hannover Druck: CW Niemeyer Druck GmbH, Hameln, Aufl.: 17.500


Akzente Dezember 2005 I Auf ein Wort I

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Sehr geehrte Rübenanbauer und Aktionäre, die Beratungen über die Reform der Zuckermarktordnung kommen in die entscheidende Phase. Ende November soll der EU-Agrarministerrat über die Reform der Zuckermarktordnung erstmals abstimmen. Das Europäische Parlament hat erklärt, seine notwendige Stellungnahme „nachzureichen“, so dass mit einem Votum gerechnet wird, das eine „brauchbare“ Aussage für die WTO-Verhandlungen in Hongkong darstellt. Seitens der EU-Kommission ist keine Bereitschaft erkennbar, das Alles-außer-Waffen-Abkommen (EBA) mit den ärmsten Ländern der Welt (LDC) zu modifizieren und diese Staaten in ein Quotenmanagement im Rahmen der EU-Zuckermarktordnung einzubinden. Auf der einen Seite deutet vieles darauf hin, dass der Fischer-Boel-Vorschlag mit einigen Nachbesserungen beim Restrukturierungsfonds und den Ausgleichszahlungen verabschiedet wird, auf der anderen Seite drohen die so genannten elf Randstaaten einschließlich Polen und Ungarn damit, den gesamten Vorschlag im Ministerrat zu blockieren, da sie maßgebliche Teile ihres Rübenanbaus verlieren würden. Das WTO-Panel vom 28. April 2005 verbietet ab 2006 den Export von C-Zucker. Das Ende der Übergangsfrist ist inzwischen auf den 22. Mai 2006 festgelegt worden – d.h. nach diesem Zeitpunkt darf kein C-Zucker mehr exportiert werden. Nordzucker musste auf diese WTO-Panelentscheidung mit einer Anpassung seiner Werkstruktur reagieren. Rund 200.000 Tonnen CZucker sind betroffen. Diese Menge sowie die wirtschaftlich erforderliche Kampagnelänge führten zum Beschluss des Aufsichtsrats, das Werk Wierthe nach der Kampagne 2005 und das Werk Groß Munzel nach der Kampagne 2006 zu schließen. Aufgrund der erforderlichen Einschränkung der Zuckererzeugung

wird ab 2006 nur noch mit einer um rund 13 Prozent verminderten Anbaufläche und Rübenmenge zur Erfüllung der Höchstquote gerechnet. Eine planmäßige Erzeugung von Überschusszucker ist zu vermeiden. Die WTO-Verhandlungen in Hongkong werden ein weiter sinkendes Schutzniveau durch Zölle und Subventionen für landwirtschaftliche Produkte bringen. Mit der Liberalisierung der Märkte für den Handel von Hochtechnologie und Dienstleistungen gelangen landwirtschaftliche Interessen in Europa ins Hintertreffen und werden als Opfergabe gesehen. Zu groß sind die Interessen der Hersteller von Hochtechnologie, die in den Entwicklungs- und Schwellenländern zum Zug kommen wollen und das nur schaffen, wenn der Marktzugang für in erster Linie landwirtschaftliche Produkte aus diesen Regionen in Europa eingeräumt wird. Der durch den rasanten Anstieg der Rohrzuckerproduktion zu verzeichnende weltweite Trend zulasten des Rübenzuckers wird sich verstärken. Wachsende Zuckermärkte werden künftig nur auf den Weltmärkten und im Rohrzucker zu finden sein. Nordzucker und die Rübenanbauer haben sich auf die dringend erforderliche Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit einzustellen. Erträge steigern, Kosten senken, gilt für alle Beteiligten gleichermaßen. Nordzucker muss weiter wachsen, um Märkte zu sichern und zu besetzen. Das gilt zunächst für das Kerngeschäft Zucker aus Rübe in Europa. Aber die Beschäftigung mit dem Rohrzucker darf nicht außer Acht gelassen werden, um den Anschluss an die Märkte der Zukunft nicht zu verpassen. Nur wachsende Unternehmen, die Trends erkennen und handeln, werden bestehen.

Für landwirtschaftliche Betriebe gilt seit Generationen „wachsen oder weichen“. Gegen dieses Naturgesetz des Marktes lassen sich keine dauerhaften Alternativen etablieren. Der Markt bestimmt den Preis und daran hat sich die gesamte Wertschöpfungskette, vom Saatgut bis zum Zucker, zu orientieren. Glücklicherweise haben wir „nebenbei“ eine bislang erfolgreich verlaufende Kampagne mit hohen Rübenqualitäten und guten Verarbeitungsleistungen zu verzeichnen. Lassen Sie uns im Bewusstsein unserer Stärken die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das Kerngeschäft zu entwickeln, Kunden zu binden und uns auf den Weltmärkten zu etablieren. Der Vorstand Nordzucker AG Dr. Ulrich Nöhle Jens Fokuhl Günter Jakobiak


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I Aktuell I Akzente Dezember 2005

Nordzucker fit machen für die Zukunft WTO-Urteil zwingt zu Kapazitätsanpassungen Bereits seit dem 28. April 2005 haben wir es schwarz auf weiß: Die EU hat den Streit mit Brasilien, Thailand und Australien um unzulässige Subventionen im Zuckerexport endgültig verloren. Rund drei Millionen Tonnen C-Zucker, die die EU jährlich im Durchschnitt auf dem Weltmarkt verkauft hat, können nach dem Ende der Umsetzungsfrist, also zum 22. Mai 2006, nicht mehr exportiert werden. Auch der Reexport von jährlich 1,3 Millionen Tonnen AKP-Zucker wird dann nicht mehr zulässig sein. WTO-Entscheidung trifft direkt Die WTO-Entscheidung trifft uns direkt: Nordzucker hat im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre rund 200.000 Tonnen C-Zucker erzeugt und in Länder außerhalb der EU verkauft. Diese Menge entspricht der Jahresproduktion „Man kann sich von eineinhalb Werfragen, wer gibt der ken. ProduktionskaWTO eigentlich das pazität, die wir nach Recht zu bestimmen, Maßgabe des WTOwer was herstellen Urteils künftig nicht oder exportieren darf mehr benötigen, weil und wer nicht?“ wir sie nicht mehr nutzen dürfen. Diese Überkapazitäten gilt es nun ohne Zeitverzug abzubauen.

Nordzucker wird die notwendige Anpassung in zwei Schritten vornehmen und das Werk Wierthe nach der Kampagne 2005 sowie das Werk Groß Munzel nach der Kampagne 2006 stilllegen. Die Werksschließungen werden sozial verantwortlich ohne betriebsbedingte Kündigungen über ein unternehmensweites Vorruhestandsangebot umgesetzt. Europäische Union – das erfolgreiche Vorbild der WTO Man kann sich fragen, wer gibt der WTO eigentlich das Recht zu bestimmen, wer was herstellen oder exportieren darf und wer nicht? Wieso dürfen unsere Landwirte nicht das anbauen, was sie wollen? Und wieso darf Nordzucker ihren Zucker nicht in freier unternehmerischer Entscheidung zum Weltmarktpreis wettbewerbsfähig

Dr. Ulrich Nöhle, Vorstandsvorsitzender Nordzucker AG

anbieten? Antworten auf diese Fragen ergeben sich aus der bisherigen Entwicklung der Europäischen Union. Die heutige Staatengemeinschaft ist über Jahrzehnte zusammen gewachsen, indem sie durch Zollabbau, freien Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital „gerechtere“ Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Wirtschaft geschaffen hat. WTO: EU-ähnliches Konzept, aber niedrigeres Niveau Die Welthandelsorganisation (WTO, world trade organisation) verfolgt ein ähnliches Konzept – allerdings auf weit niedrigerem Niveau. Als reine Handelsorganisation beschränkt sie sich auf die Absenkung von Ein- und Ausfuhrzöllen, den Abbau von Exportsubventionen

Meilensteine der Entwicklung der EU • Gründung der Montan-Union für Kohle und Stahl in 1951/1953 (Unterzeichnung/Inkrafttreten) • Die Gründung der Europäischen Wirtschafts Gemeinschaft (EWG) sowie Euratom durch den Vertrag von Rom in 1957/1958. EWG und Euratom zusammen bilden seit dem Fusionsvertrag von1965/ 1967 die Europäischen Gemeinschaften mit Rat und Kommission.

• Der Maastricht Vertrag über die Gründung der Europäischen Union 1992/1993 bewirkte unter anderem die Umbenennung der EWG in EG. • Die Verträge von Amsterdam (1997/1999) und Nizza (2001/2003) brachten eine Konsolidierung von EU- und EGVertrag sowie eine institutionelle Reform.

Ergebnis dieses Prozesses ist der politisch und wirtschaftlich stabile Raum Europäische Union.


Akzente Dezember 2005 I Aktuell I

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WTO-Doha-Runde: Auf der Suche nach neuen Formeln für freieren Warenverkehr

und andere den Handel verzerrende Regelungen. Deutschland und die EU haben sich durch ihre Mitgliedschaft zur Einhaltung von WTO-Regeln und Vereinbarungen verpflichtet. Verbindlich für alle Mitglieder: WTO-Entscheidungen Bei Streitigkeiten zwischen WTOMitgliedern können einzelne Staaten eine Art Schiedsgericht anrufen, den so genannten Appelate Body in Genf. Eben das haben Brasilien, Thailand und Australien – die weltgrößten Zuckerexporteure – getan, weil sie der Meinung waren, dass die EU den C„Bemerkenswert ist Zucker nur durch dabei, dass nicht eine unzulässige etwa ein armes QuersubventionieLand geklagt hat, rung aus der Quotenum seine Exportchancen zu zuckererzeugung verbessern, sondern herstellen könne. eben die größten Konkret heißt das: Zuckerexporteure Nur weil die Rübender Welt.“ anbauer und die Zuckerindustrie auf der Grundlage der EU-Zuckermarktordnung Mindestpreise garantiert bekommen, konnten sie sich die Maschinen und Anlagen kaufen, mit denen sie über den EU-Verbrauch hinaus weiteren Zucker produzieren und zu Weltmarktpreisen absetzen. Ob nun richtig oder falsch – das WTO-Gericht hat entschieden, dass der C-Zucker nicht mehr exportiert werden darf und die EU und auch Deutschland müssen sich daran halten, ob wir als Nordzucker das nun wollen oder nicht. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht etwa ein armes Land geklagt hat, um seine Exportchancen zu verbessern, sondern eben die größten Zuckerexporteure der Welt, die schon heute 40 Prozent des Exportmarktes bedienen.

Die Ursprünge der WTO liegen in den GATT-Verhandlungsrunden (General Agreement on Tarifs and Trade = Vereinbarung über Zölle und Handel) aus den Jahren 1947 bis 1994, insbesondere in der so genannten UruguayRunde von 1986 bis 1994. Dem GATT folgte die Gründung der WTO im Jahre 1995. Die WTO hat insgesamt 148 Mitgliedstaaten. Sie konzentriert sich auf die Absenkung von Zöllen und Subventionen,

Wer die Tagespresse aufmerksam liest, entdeckt weitere Streitfälle ähnlicher Art: Prominente Beispiele sind der Bananenstreit zwischen der EU und den mittelamerikanischen Bananen exportierenden Staaten oder auch der anstehende Streit um unzulässige Subventionen zwischen Airbus und Boeing. Verschiebung ganzer Industriezweige Letztlich führt die neue „Welthandelsordnung“ zur Verschiebung von ganzen Industriezweigen und damit verbunden zur Verschiebung von Arbeitsplätzen. Eindrucksvolles Beispiel aus jüngster Vergangenheit ist der Textilstreit zwischen der EU und China. China ist 2001 der WTO beigetreten. Seitdem sind hunderttausende neuer Arbeitsplätze im Textilsektor in China entstanden, während die wenigen verbliebenen in Europa entfallen. Auf der anderen Seite kaufen diese Länder Maschinen und Dienstleistungen in der EU. Sie schaffen damit neue

um für gerechtete Handelsbedingungen zwischen den beigetretenen Staaten zu sorgen. Aktuell werden verschiedene so genannte „Zollbänder“ und „Zollsenkungsformeln“ intensiv diskutiert, deren Anwendung den freien Warenverkehr zwischen den 148 beigetretenen Staaten erleichtert. Die nächsten Verhandlungen der so genannten Doha-Runde (Doha ist die Hauptstadt von Katar) sind für den 13. bis 18. Dezember 2005 in Hongkong vorgesehen.

Arbeitsplätze – auch und insbesondere beim Exportweltmeister Deutschland. Zurzeit gewinnt nur der Billigste – Nachholbedarf bei den WTO-Statuten „Unter den jetzigen Diese Entwicklung Bedingungen gewinnt lässt sich unter dem eben nicht der beste, Schlagwort „Globaliumweltfreundlichste sierung“ zusammenfassen. Zollabsenoder sozialste Marktteilkungen und Subvennehmer, sondern eintionsabbau führen fach nur der billigste“ zu neuen Warenströmen. Umwelt- und Sozialbedingungen spielen jedoch – noch – keine Rolle bei den WTO-Verhandlungen. Unter den jetzigen Bedingungen gewinnt eben nicht der beste, umweltfreundlichste oder sozialste Marktteilnehmer, sondern einfach nur der billigste. Die Errungenschaften unserer mitteleuropäischen Zivilisation seit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts u


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I Aktuell I Akzente Dezember 2005

werden durch solch eindimensionale Sichtweise zum Teil wieder rückgängig gemacht! Hier gibt es in der Tat einen deutlichen Nachholbedarf in den Statuten der WTO. Kein „Globalisierungsopfer“ Ist Nordzucker also ein Globalisierungsopfer? Die Antwort könnte „ja“ lauten – in die Zukunft gerichtet heißt sie: „Die Welt ändert sich – wir verändern uns mit ihr und machen Nordzucker fit für die Zukunft!“ In vielen Schritten bereiten wir uns jetzt auf die bevorstehende Reform der Zuckermarktordnung vor. Die angekündigten deutlichen Preisabsenkungen fordern von uns neue betriebswirtschaftliche Konzepte, um im Markt bestehen zu bleiben – und um immer etwas besser zu sein als unser nächster Wettbewerber.

Prozent Zuckergehalt und 80 Tonnen Rüben je Hektar) • 120 Tage Kampagne • 1.500 Tonnen erzeugter Zucker pro Mitarbeiter in unseren Werken • kundenorientierte Unternehmensführung • schlanke Strukturen • Kapitalmarktorientierung der Nordzucker AG • europaweites und langfristig weltweites Geschäft mit Zucker und süßen Kohlenhydraten

Nordzucker stellt sich diesem zunehmenden Wettbewerb. Die langfristigen Ziele sind klar formuliert:

Mit den anstehenden Werkschließungen geht Nordzucker einen weiteren Schritt in diese Richtung. Für alle betroffenen Mitarbeiter zweifellos ein harter Schritt – aber der richtige und notwendige Schritt für Nordzucker, für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens und damit für uns alle.

• Saatgut und landwirtschaftliche Flächen für die 18/80 Rübe (18

Wir machen Nordzucker fit für die Zukunft – helfen Sie mit!

Klare Ziele

Entscheidungsparameter Werksstruktur Die Werke Wierthe und Groß Munzel wurden auf Basis breiter Analysen als Schließungsstandorte identifiziert. Einzelne Parameter geben kein umfassendes Bild über die Zusammenhänge. Entscheidend war das entwickelte Gesamtbild auf Basis aller Faktoren.

• Lage zu unseren Kunden (Transportentfernung Fertigware)

Strategische Parameter • relative Vorzüglichkeit der Rübe • Potential Anteil der Rübenfläche • Ertragsmesszahl (Bodenpunkte)

Umwelt- und Standortbedingungen • Wasser • Emissionen • Lage

Ökonomische Parameter • Einmaleffekte • Mehraufwendungen • laufende Einsparungen


Akzente Dezember 2005 I Aktuell I

Die gemeinsame Wettbewerbsfähigkeit erhöhen Auch die Rübenbezahlung muss auf den Prüfstand Die Reform der Zuckermarktordnung sieht drastische Preissenkungen bei Rüben und Zucker vor. Die EU-Kommission ist der Ansicht, dass sich der zu erwartende Mengendruck aus dem „Alles außer Waffen“ - Abkommen (EBA) mit den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde (LDC-Staaten) durch drastische Preissenkungen zumindest teilweise vermindern lässt. Darüber hinaus strebt die EU-Kommission an, dass nur die wettbewerbsfähigsten Regionen in der Europäischen Union die Rüben- und Zuckerproduktion aufrechterhalten. Wettbewerbsfähig sind die Regionen, die zu Preisen produzieren können, die am Markt erzielt werden und darüber hinaus einen höheren Gewinn erwirtschaften als mit einer anderen Kultur zu erzielen ist. Nordzucker teilt mit seinen Rübenanbauern in Norddeutschland eine Region, die zu den wettbewerbsfähigsten in Europa zählt. Die Zuckererzeugung aus Rübe wollen wir in gemeinsamer Anstrengung und unter Ausschöpfung aller Potenziale dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich gestalten. Bisherige Maßnahmen reichen nicht aus Schließungen von Werken sind nur ein Mittel zur Kostensenkung, das immer einen gravierenden Einschnitt bedeutet. Um unseren Zucker wettbewerbsfähig zu halten, reichen die bisher durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen zukünftig nicht mehr aus. Deshalb müssen auch bei der Rübenbezahlung eine Reihe von Nebenleistungen auf den Prüfstand und mit dem Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauerverbände e. V. (DNZ) neu verhandelt werden.

Nordzucker lässt sich bei den Überlegungen zur Rübenbezahlung ab 2006 von folgenden Grundsätzen leiten: Anbauer- und Aktionärsinteressen berücksichtigen Die Rübenbezahlung muss sich an der Ertragskraft des Unternehmens, der Notwendigkeit zu innovativen Aufgaben unter Berücksichtigung von Marktund Zukunftsrisiken orientieren. Außerdem sind die Interessen von Aktionären und Rübenanbauern gleichermaßen zu berücksichtigen. Diese nach wie vor aktuelle Vorgabe aus dem Celler Zielsetzungspapier meint nichts anderes, als dass die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens (Wachstum) und die Verzinsung des dafür zur Verfügung gestellten Kapitals gesichert sein muss und die Rübenbezahlung in einem angemessenen Verhältnis dazu steht. Leistung für Gegenleistung Eine (Neben-) Leistung wird für Gegenleistung gewährt. Das heißt, der Wert der Leistung und die dafür aufgewendeten Zahlungen, beziehungsweise Prämien müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Dienstleistungen werden nach Marktgesichtspunkten entlohnt. Dienstleistungen, für die ein Wettbewerb besteht, werden zu wettbewerbskonformen Tarifen entlohnt. Das bedeutet ausdrücklich auch die Einhaltung eines definierten Qualitätsniveaus bei der Arbeitserledigung. Als Beispiele gelten dafür die Tarife für Rübenfrachten, Laden und Reinigen sowie Dienstleistungen zur Mietenpflege. Außerdem müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um un-

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Günter Jakobiak, Vorstandsmitglied Nordzucker AG

günstige Einflüsse auf die Zuckererzeugung zu minimieren. Ein wichtiges Thema ist die Vermeidung von Überschusszucker aus Quotenrüben, da durch die Entscheidung des WTO-Panels am 28. April 2005 der Export von C-Zucker untersagt wurde. Für diesen so genannten „Überschusszucker“ lässt sich im ungünstigsten Fall ab Mai 2006 überhaupt kein Erlös mehr erzielen. Insofern ist Nordzucker gezwungen, die Zuckererzeugung aus Mehrrüben nur in dem Rahmen zuzulassen, wie Absatzmöglichkeiten im Inland, so, wie sie die Zuckermarktordnung vorsieht, bestehen. u

Ziele und Maßnahmen • 15 Tonnen Rübe = 80/18, (80 Tonnen pro Hektar Rübenertrag mit 18 Prozent Zuckergehalt) • Anbaustrukturen optimieren • Arbeitserledigungskosten reduzieren • Die Rübenbezahlung nach folgenden Grundsätzen: - marktgerechte Vergütung der Dienstleistungen Transport, Laden und Reinigen, Mietenpflege - ausgewogenes Verhältnis von Nebenleistung und Wert der Leistung • Verlängerung der Kampagnen von 95 auf 100 Tage, mittelfristig auf 120 Tage • Senkung der Verarbeitungs- und Vertriebskosten


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I Aktuell I Akzente Dezember 2005

120 Tage müssen erreicht werden Die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Rübenzuckerproduktion ist am wirksamsten durch eine Verlängerung der Kampagnen zu erzielen. Die Maßnahmen der vergangenen Jahre, als unter stagnierendem Zuckerpreis die Wirtschaftlichkeit ebenfalls ständig erhöht werden musste, führten bereits zu Kampagnelängen von 90 bis 95 Tagen. Das heißt, ein Kampagnezeitraum von Mitte September bis Weihnachten kann als normal angesehen werden. Kurzfristig werden 100 Tage Kampagnelänge angestrebt, mittelfristig müssen sogar 120 Tagen erreicht werden. Wichtig bleibt eine wirksame Mietenpflege, die in den vergangenen Jahren etabliert wurde. Rübenanbauer und Nordzucker profitieren durch verbesserte Qualität und geringere Verluste beziehungsweise höhere Verarbeitbarkeit der Rüben. Gemeinsame Anstrengung Die Steigerung der Rübenerträge und -qualität (80 Tonnen Rübenertrag pro

Hektar mit 18 Prozent Polarisation für 15 Tonnen Zucker) verlangt viele gemeinsame Anstrengungen und eine effektive Beratung. Die Berater des Nordzucker-Rübenmanagements werden die Multiplikatoren und Landwirte bei diesen Aufgaben unterstützen. Die Rübenbezahlung der Nordzucker wird auch weiterhin zur Wettbewerbsfähigkeit der Zuckerrübe an unseren norddeutschen Standorten beitragen.

Gemeinsame Anstrengungen in den Strukturen und bei den Produktionsund Stückkosten sind jedoch erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Zuckers bei den Kunden zu sichern. ■

2005 zum letzten Mal auf Hochtouren: die Zuckerfabrik Wierthe (oberes Bild) Das Nordzucker-Werk Groß Munzel wird nach der Kampagne 2006 geschlossen (unten)


Akzente Dezember 2005 I Aktuell I

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Nordzucker erwartet für 2005/2006 deutlich geringeres Jahresergebnis Verspätete Deklassierung bringt Einbußen für die gesamte EU-Zuckerbranche Nordzucker wird das sehr gute Ergebnis des Vorjahres im laufenden Geschäftsjahr 2005/2006 nicht erreichen. Der mit der Vorjahreskampagne vergleichbaren guten Kampagne 2005 mit hohen Rüben- und Zuckererträgen, hohen Zuckergehalten und einer guten Qualität der Rübe stehen deutlich gestiegene Energiekosten und ein verstärkter Wettbewerb in der Europäischen Union gegenüber. Zuckerabsatz und -preise haben sich im ersten Halbjahr 2005/ 2006 aufgrund des unerwartet hohen Zuckerangebotes aus den zehn neuen EU-Staaten sowie der von der EUKommission für die Kampagne 2004 unterlassenen Deklassierung wenig erfreulich entwickelt. Verbunden damit sind deutliche Erlösminderungen beim

Export von Quotenzucker. Erstmalig seit 20 Jahren wurde in der EU wieder Zucker zur Intervention gegeben. Die insgesamt zu erwartenden Erlöseinbußen werden das Nordzucker-Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr 2005/2006 deutlich vermindern. Die angespannte Situation auf dem europäischen Zuckermarkt trifft ebenfalls unsere osteuropäischen Beteiligungen. So wird insbesondere Polen, wo 2004 positive Einmaleffekte realisiert werden konnten, nicht an das hervorragende Vorjahresergebnis anknüpfen. Nordzucker hat sowohl in Polen als auch in Ungarn Zucker der Intervention angedient. Schnelle Wende vorerst nicht in Sicht

Termine Hauptversammlungen 2005 In Abstimmung mit den Holdings der Nordzucker AG sind für die Haupt-, beziehungsweise Gesellschafterversammlungen folgende Termine vorgesehen: Union Zucker Südhannover GmbH Mittwoch, 05. Juli 2006, 10.00 Uhr Nordharzer Zucker AG Mittwoch, 12. Juli 2006, 10.00 Uhr Nordzucker Holding AG Donnerstag, 13. Juli 2006, 10.00 Uhr Nordzucker AG Freitag, 14. Juli 2006, 10.00 Uhr Versammlungsorte sind wie gewohnt die Stadthalle Braunschweig, beziehungsweise das Berghölzchen Hildesheim für die Gesellschafterversammlung der Union-Zucker.

Im September 2005 hatte die EU-Kommission für das Zuckerwirtschaftsjahr 2005/2006 die aus Sicht der Branche lange überfällige Deklassierung in Höhe von 1,9 Millionen Tonnen Quotenzucker entschieden. Das bedeutet EU-weit 10,4 Prozent Kürzung der A-B-Quote, für die Nordzucker AG entspricht dies 14,3 Prozent der nationalen Höchstquote. Perspektivisch rechnen wir durch diese EU-Entscheidung mit einer Entlastung und Trendwende auf den europäischen Inlandsmärkten. Diese Trendwende ist allerdings abhängig von einem mit der Zuckernachfrage ausgeglichenen Zuckerangebot innerhalb der EU, das heißt insbesondere die Vermarktung des Interventionszuckers innerhalb der EU oder als Exportware wird unter anderem die weitere Entwicklung auf dem europäischen Binnenmarkt entscheidend beeinflussen. Die Deklassierung bedeutet vorerst jedoch noch keine schnelle positive Wende für das Zuckergeschäft. Zunächst führt die Deklassierung aufgrund geringerer

Jens Fokuhl, Vorstandsmitglied Nordzucker AG

Quotenzuckermengen bei Nordzucker zu rückläufigen Umsätzen. Drastisch gestiegene Energiepreise In der laufenden Kampagne erhöhen außerdem erheblich gestiegene Energiepreise die Produktionskosten. Durchgehend hohe Qualitäten der Rüben und die damit verbundene gute Verarbeitbarkeit können die drastisch gestiegenen Energiekosten bei weitem nicht ausgleichen. Einmaleffekte aus Sozialplan und Abschreibungen Belastet wird das Ergebnis des Geschäftsjahrs 2005/2006 darüber hinaus durch die Bildung von Rückstellungen für den nach den Schließungsbeschlüssen für die Werke Wierthe und Groß Munzel verabschiedeten Sozialplan sowie durch zusätzliche Abschreibungen. Das Marktgeschehen in der Europäischen Union zeigt, wie sehr die Reform der Europäischen Zuckermarktordnung ihre Schatten bereits voraus wirft. Trotz kontinuierlicher Optimierung aller Kostenpositionen in den vergangenen Jahren zeigt der Verlauf des diesjährigen Geschäftsjahres, wie intensiv weiterhin alle Einsparmöglichkeiten und Erlösverbesserungen genutzt werden müssen. Die eingeleitete Maßnahme mit der Schließung der Werke Wierthe und Groß Munzel ist ein wichtiger Beitrag, um die Ertragsfähigkeit der Nordzucker langfristig zu sichern. ■


10 I Aktuell I Akzente November 2005

Welches EU-Land stimmt mit wie viel Gewicht? Neues EU-Abstimmungsprocedere bei der ZMO-Reform Die Verabschiedung der künftig geltenden Zuckermarktordnung steht an. Während Entscheidungstermin und endgültiger Inhalt offen sind, ist der Weg durch die EU-Instanzen klar geregelt. Nach Artikel 37 Absatz 2 des EG-Vertrages werden Verordnungen für die gemeinsame Agrarpolitik der Gemeinschaft durch den Rat mit qualifizierter Mehrheit auf Vorschlag der Kommission und nach Anhörung des Europäischen Parlaments erlassen. Aus dieser Vorschrift ergibt sich für die Verabschiedung der ZMO-Reform folgender Verfahrensablauf: 1. Die EU-Kommission unterbreitet dem EU-Parlament einen Vorschlag zur zukünftigen Zuckermarktordnung. Dieser Verordnungsvorschlag liegt seit dem 22. Juni 2005 vor und sieht eine Kürzung des Rübenmindestpreises von 42 Prozent und eine Kürzung des Zuckerpreises um 39 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau vor. 2. Das EU-Parlament nimmt Stellung zu dem Vorschlag. Dieser Beschluss des Parlaments wird gemäß Artikel 198 des EG-Vertrages mit der absoluten Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefasst. Zwischenzeitlich hat das Parlament, trotz eindringlicher Appelle der Kommission, die Arbeiten zu beschleunigen, angekündigt, seine Stellungnahme erst im Januar 2006 abgeben zu wollen. Da der Europäische Rat ohne Stellungnahme des Parlaments die Verordnung zur Zuckermarktordnung nicht beschließen kann, ist mit einer Beschlussfassung über die zukünftige Zuckermarktordnung vor dem Beginn der WTO-Verhandlungen in Hongkong, die im Dezember 2005 stattfinden, nicht zu rechnen.

Stefan Mühl, Justitiar (li.), Thomas Graf, Marktordnungsfragen

ZMO-Reform braucht qualifizierte Mehrheit 3. Der EU-Ministerrat erlässt, wenn die Stellungnahme des Parlaments vorliegt, die neue Verordnung zur Zuckermarktordnung. Voraussichtlich wird dies wegen der erst im Januar 2006 zu erwartenden Stellungnahme des Parlaments nicht vor Februar 2006 möglich sein. Gemäß Artikel 37 Absatz 2 des EG-Vertrages ist die zukünftige Zuckermarktordnung durch den Rat mit qualifizierter Mehrheit zu beschließen, wobei Artikel 205 des EG-Vertrages regelt, welche Hürden der Rat im einzelnen zu nehmen hat. Die qualifizierte Mehrheit im Rat ist erreicht, wenn: • Die Mehrheit der Mitgliedstaaten dem Reformvorschlag zustimmt und gleichzeitig • mindestens 232 von insgesamt 323 Stimmen im Rat der neuen Verordnung zustimmen. Dies entspricht einer Mehrheit von 72,3 Prozent aller Stimmen im Rat der Europäischen Union. Die 25 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verfügen – ähnlich wie im Bundesrat der Bundesrepublik Deutschland – über unterschiedliche Stimmgewichte im Rat. Die Stimmenverteilung berücksichtigt zwar die Größe der Mitgliedsländer, entspricht aber nicht dem genauen Bevölkerungsverhältnis. So verfügt zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland mit 29 Stimmen im Rat über genauso viele Stimmen wie Frankreich, obwohl in Deutschland etwa 23 Millionen EU-Bürger mehr leben als in unserem westlichen Nachbarland. (Zur Verteilung aller Stimmen des Rates auf die einzelnen Mitgliedsstaaten der EU vergleiche Tabelle Stimmverteilung).

• Darüber hinaus kann ein Mitgliedstaat fordern, dass überprüft wird, ob durch die befürwortenden Stimmen mindestens 62 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU vertreten werden. Ist das nicht der Fall, gilt der Beschluss als abgelehnt. Kleinere EU-Staaten werden gestärkt Zum besseren Verständnis des Abstimmungsprocederes ist auf die seit dem 01. November 2004 geltende Stimmenverteilung im Rat auf die einzelnen Länder einzugehen (vgl. Tabelle). Diese Gewichtung der Stimmen im Rat gilt gemäß Artikel 12 der EU-Beitrittsakte nach der Aufnahme von Tschechien, Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, Polen, der Slowakei und Slowenien. Die bevölkerungsreichen Staaten der EU haben im Europäischen Rat je 29 Stimmen: Deutschland (83 Mio. Einwohner), Frankreich (60 Mio.), Großbritannien (59 Mio.) und Italien (57 Mio.) Mittelgroße Länder wie Polen (38 Mio.) und Spanien (42 Mio. Einwohner) haben mit je 27 Stimmen im Rat nur zwei Stimmen weniger als die vier deutlich bevölkerungsreicheren Länder. Grundsätzlich stärkt die geltende Stimmverteilung bevölkerungsschwächere EU-Staaten und schwächt den Einfluss bevölkerungsstarker Mitgliedsstaaten. So können kleinere Länder zum einen durch ihr im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße stärkeres Stimmengewicht leichter eine Sperrminorität zustande bringen. Eine Sperrminorität liegt dann vor, wenn von den 321 Stimmen im Rat genau 90 Stimmen gegen einen Vorschlag der Kommission abgegeben werden. In diesem Fall würde zwar mit


Akzente November 2005 I Aktuell I 11

231 Stimmen eine deutliche Mehrheit für den Kommissionsvorschlag abgegeben werden, jedoch wäre dies immer noch eine Stimme weniger als die erforderlichen 232. Der Kommissionsvorschlag wäre abgelehnt. Die Stimmverteilung im Rat erleichtert zum anderen aber auch das Erreichen einer qualifizierten Mehrheit im Rat gegen die großen EU-Mitgliedsstaaten. So wäre eine qualifizierte Mehrheit im Rat auch dann erreicht, wenn die größten Mitgliedsstaaten, nämlich Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich gegen einen Vorschlag der Kommission stimmen, alle anderen Staaten aber dafür. Die drei größten EU-Mitgliedsländer verfügen nämlich lediglich über 87 Stimmen im Rat, so dass alle anderen Länder zusammen mit ihren verbleibenden 234 Stimmen jederzeit gemeinsam die qualifizierte Mehrheit von 232 Stimmen aufbringen könnten. Im Einzelfall muss eine qualifizierte Mehrheit 62 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren In derartigen Fällen und um zu vermeiden, dass wichtige Verordnungen oder andere Entscheidungen des Rates gegen die Meinung der bevölkerungsreichsten Staaten der EU in Kraft treten können, sieht der EG-Vertrag vor, dass auf Antrag eines Landes überprüft werden kann, ob die Mitgliedsstaaten, die eine qualifizierte Mehrheit bilden, mindestens 62 Prozent der Bevölkerung der EU repräsentieren. Im dargestellten Fall, also einer Beschlussfassung im Rat gegen die Stimmen von Deutschland, Frankreich und das

Vereinigte Königreich, repräsentieren die zustimmenden Länder nämlich lediglich 254,4 Millionen der 455,7 Millionen Einwohner und damit lediglich 56 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU. Somit könnte im Rat – vermutlich auf Antrag eines dieser drei Länder – festgestellt werden, dass die Bedingung, wonach der Beschluss 62 Prozent der Bevölkerung repräsentieren muss, nicht erfüllt ist. Der betreffende

Beschluss käme dann nicht zustande. Allerdings setzt der dargestellte Fall voraus, dass die entsprechende Überprüfung auf Antrag eines Landes durchgeführt wird. Stellt bei einer Beschlussfassung gegen die Stimmen der drei größten EU-Staaten kein Mitglied des Rates diesen Antrag, so ist der Beschluss gefasst, auch wenn die zustimmenden Länder nicht 62 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. ■

Stimmen- / Sitzverteilung im Europäischen Rat / EU-Parlament ISO code

Bevölkerung (in Mio.)

Stimmen im Europäischen Rat *

Sitze im EU-Parlament **

Deutschland

DE

83

29

99

Frankreich

FR

60

29

78

Großbritannien

GB

59

29

78

Italien

IT

57

29

78

Spanien

ES

42

27

54

Polen

PL

38

27

54

Niederlande

NL

16

13

27

Griechenland

EL

11

12

24

Tschechien

CZ

10

12

24

Belgien

BE

10

12

24

Ungarn

HU

10

12

24

Portugal

PT

10

12

24

Schweden

SE

9

10

19

Österreich

AT

8

10

18

Slowakei

SK

5

7

14

Dänemark

DK

5

7

14

Finnland

FI

5

7

14

Irland

IE

4

7

13

Litauen

LT

3

7

13

Lettland

LV

2

4

9

Slowenien

SI

2

4

7

Estland

EE

1

4

6

Zypern

CY

0,6

4

6

Luxemburg

LU

0,5

4

6

Malta

MT

0,4

3

5

451,1

321

732

Mitgliedsstaat

Summe

* Vertretung der Mitgliedsstaaten Entscheidungsfindung: Die qualifizierte Mehrheit besteht aus einem dreifachen Mehrheitssystem. 1. Die Mehrheit der Staaten muß zustimmen; 2. Mindestens 72,3 % (232/321) der Stimmen müssen zustimmen; 3. Die Entscheidung muß mindestens 62 % der EU-Bevölkerung repräsentieren. ** Vertretung der Bürger Entscheidungsfindung: 1. Einfache Mehrheit: 50 % der anwesenden Parlamentsmitglieder +1; 2. Qualifizierte Mehrheit (im Fall von Dissenz zwischen Parlament und Rat): 50 % aller Parlamentsmitglieder +1 (367)


12 I Aktuell I Akzente Dezember 2005

Der süße Riese, den keiner kennt

Thomas Graf, Marktordnungsfragen, Neue Felder

Die Unterschiede zwischen den Anbauregionen sind groß: In Uttar Pradesh

Trotz eines bestehenden staatlichen Förderprogramms für die Beimischung von Ethanol zum Benzin und bestehender Destillerien wird von der Verwendung von Ethanol im Kraftstoff bisher nur eingeschränkt Gebrauch gemacht.

Zuckerrohranbaugebiete in Indien Region

Niederschl. (mm/Jahr)

Breitengrad

ø Jahrestemperatur

Uttar Pradesh

700 - 1.200

25 - 28˚N

700

18 - 21˚N

1.300

8 - 13˚N

Maharashtra Tamil Nadu

Quelle: Sweetener Analysis, April 2004

Bewässerung

Fläche Rohr (ha)

Rohrertrag

Zuckerertrag/t Rohr

26˚C

ergänzend

923.000

57 t/ha

97 kg

25˚C

notwendig

635.000

80 t/ha

120 kg

28˚C

notwendig

170.000

109 t/ha

100 kg

Herstellungskosten in €/t Zucker

700

600

500

400

300

200

100

le n Uk ra i n US e A (R oh US r) A (R üb D e) eu ts ch la nd

di In

Po

en

0

n

Die Herstellungskosten von Zucker in Indien liegen bei rund 300 Euro je Tonne Zucker und damit auf Rang fünf der wichtigen Zuckerhersteller.

Ber. Kosten Verarbeitung Transport Nebenprodukte, Sonstiges Rohstoff

ie

Zur Zuckerindustrie Indiens gehören derzeit etwa 430 aktive Rohrmühlen. Die Verarbeitungskapazität ist mit rund 2.500 Tonnen Rohr je Fabrik und Kampagnetag sehr niedrig. Die Auslastung ist dank der langen Kampagne günstiger als zum Beispiel in der deutschen Zuckerwirtschaft.

Herstellungskosten von Zucker im internationalen Vergleich

ra lie n Th ai la nd Sü da fri ka

Zuckerindustrie – niedrige Kapazitäten mit günstiger Auslastung

Eine Besonderheit im indischen Süßungsmittelmarkt ist die Produktion von Gur (Jaggery) und Khandsari. Diese Süßungsmittel werden ebenfalls aus Zuckerrohr von Konkurrenten der Rohrmühlen auf traditionelle Weise in offenen Pfannen hergestellt. Der Anteil dieser Produktion ist jedoch rückläufig.

st

Auf den insgesamt 163 Millionen Hektar Ackerfläche Indiens wirtschaften 116 Millionen landwirtschaftliche Betriebe mit durchschnittlich 1,4 Hektar Ackerfläche. Die rund eine Million Betriebe mit Rohranbau bewirtschaften insgesamt über vier Millionen Hektar. Sie sind im Durchschnitt größer, nach europäischem Maßstab aber immer noch klein strukturiert. Etwa 85 Prozent der indischen Zuckerrohrfläche können beregnet werden. Die Feldarbeiten werden vorwiegend von Hand mit geringer Arbeitsproduktivität verrichtet. Überraschend ist, dass Rohr in Indien nur für eine relativ kurze Nutzungsdauer von zwei Jahren angebaut wird.

Der Zuckerrohranbau in Indien hat neben konkurrierenden Früchten wie Reis, Weizen, Ölsaaten, Nüssen und Kaffee eine hohe Wettbewerbsfähigkeit – nicht zuletzt weil die Zuckerbranche staatlich gefördert wird.

Die Energieerzeugung aus Bagasse existiert nur in den Anfängen.

as il

Landwirtschaft – klein strukturiert mit großen Unterschieden zwischen den Rohranbauregionen

beträgt die Kampagnedauer 117 Tage und läuft von November bis April. In Tamil Nadu erstreckt sich die Kampagne sogar über 206 Tage im Zeitraum Oktober bis Juli. Die Zuckererträge pro Hektar variieren in den einzelnen Regionen von 5,5 Tonnen Zucker je Hektar im Norden bis 10,9 Tonnen im Süden.

Br

Nach den Akzente-Zuckerportraits über Brasilien, Australien und Thailand – den Ländern, die vor der WTO erfolgreich gegen die EU-Zuckerexporte geklagt haben – setzen wir die Vorstellung wichtiger Zuckerländer der Welt fort. Thomas Graf hat Indien unter die Lupe genommen, ein Schwergewicht unter den Zuckererzeugerländern, das wenigen ein Begriff ist. Mit rund 21,7 Millionen Tonnen Rohwert ist das Land nach Brasilien zweitgrößter Zuckererzeuger der Welt. Unter den Zuckerverbrauchern hält Indien sogar Platz eins.

Au

Zuckerwirtschaft in Indien

Quelle: Zimmermann, B.; Zeddies, J.: „Zuckerrübe contra Zuckerrohr“, in: Die Zuckerrübe, Ausg. 5/2003, vgl. LMC International, 2005

Staatlich reglementiert: Zuckerabsatz und Rohrpreis Die Zuckerproduktion Indiens wuchs auf 21 Millionen Tonnen und übersteigt derzeit den Inlandsverbrauch (19 Millionen Tonnen). Der Pro-Kopf Verbrauch liegt bei 18 Kilogramm pro Jahr. Mittelfristig wird von Verbrauchssteigerungen von etwa vier Prozent pro Jahr ausgegangen. Die im Inland nicht benötigte Menge – je nach Erntejahr bis zu zwei Millionen Tonnen Zucker – geht in den Export.


Akzente Dezember 2005 I Aktuell I 13

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Quellen: CEFS (2005): „An analysis of sugar policy reform and trade liberalisation“; Der Fischer Weltalmanach 2005; Gudoshnikov, S.; Jolly, L.; Spence, D.(ISO): The world sugar market (2004); F. O. Licht: World Ethanol and Biofuels Report, International Sugar and Sweetener Report; Europäisches Zuckerjournal

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Indien in Zahlen Einwohnerzahl

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Im Rahmen einer extrem dirigistischen Agrarpolitik werden insbesondere die Rohrpreise und die Absatzmengen staatlich kontrolliert. Die Fabriken profitieren von Finanzierungshilfen. Mit Importzöllen ist der heimische Markt vom internationalen Wettbewerb abgeschottet. So liegt der Großhandelspreis für Zucker im Inland bei 40 US-Dollar je Tonne über dem Weltmarktpreis.

Schwache Position in Welthandelsrunde Diese Praxis schwächt die Position Indiens in der laufenden Welthandelsrunde, in der sich das Land grundsätzlich für den Abbau von Handelsbarrieren stark macht und vor allem den Zugang zu den Märkten in Industrieländern fordert. Im Jahr 2002 hat die indische Zentralregierung die komplette Liberalisierung des indischen Zuckermarkts angekündigt. Da die Reform stark in das soziale Gefüge des Landes eingreift, wurde 2003 eine Verlängerung des Marktsteuerungssystems für weitere 30 Monate beschlossen.

470 US-$

Arbeitslosigkeit (2003)

10,9 %

Währung

1 Indische Rupie (INR) = 100 Paise

Kurs (am 01.08.2005)

1 € = 53,1 INR

Inflation (Ø 1990-2001)

7,6 %

Gesamtexport 2003 davon Nahrungsmittel

52,2 Mrd. US-$ < 3%

Zuckererzeugung 2003 davon Inlandsverbrauch davon Export

21,7 Mio. t Rohwert 18,6 Mio. t 1,6 Mio. t

Zuckerverbrauch / Kopf

18,1 kg Rohwert

Gesamtfläche (Position im Weltrang)

3.287.263 km² (Rang 7)

Zuckerrohrfläche

4,3 Mio. ha

Zuckerrohrbetriebe

ca. 1 Mio.

Nutzungsdauer Zuckerrohrpflanzung

2 Jahre

Anzahl aktive Zuckerrohrmühlen (2001) davon mit Annex Destillerie

436 108

Zuckerrohrernte

Oktober bis Juli

Erntemethode

meist Handernte ohne Abbrennen

Marktordnung

• Einfuhrzölle für Zucker • staatliche Festsetzung der Rohrpreise • Stützung des Zuckerpreises • Programm zur Liberalisierung des Marktes wurde wieder ausgesetzt

Subventionen

• für Produktionsmittel • für F+E Maßnahmen • Umschuldungsprogramme für Fabriken • Exportförderung

Ausbaupläne Indiens Zuckerwirtschaft ist durch die Reglementierung nur verhalten gewachsen. Durch den immensen Inlandsbedarf tritt das Land bisher nur unwesentlich als Exporteur auf. Ob die großen Ausbaupläne für die Zucker- und Ethanolwirtschaft des Landes seine Rolle im Markt verändern, wird sich in Zukunft erweisen. Die Konsolidierung des Mühlensektors und das Ausmaß der tatsächlichen Liberalisierung werden dabei wesentliche Faktoren sein. ■

1.048,6 Mio.

Bruttosozialprodukt pro Kopf (2002)

Quellen: Fischer Weltalmanach 2005, Zuckerrübe 3/2002, vlg. Bartens Zuckerwirtschaft 2004, ISO 2003


14 I Rübe I Akzente Dezember 2005

Kampagne 2005 bisher zufriedenstellend

Claus Pommerehne (li.), Rübenmanagement National; Dr. Gerd Jung, Rübenmanagement International

Rübenernte unter besten Bedingungen

Kampagneergebnisse bis 18.11.05

Die Aussaat und die Entwicklung der Zuckerrüben in Norddeutschland ist im Frühjahr/Sommer 2005 unter recht günstigen Bedingungen verlaufen. Auch die Rübenbestände der 4700 Hektar Umbruchfläche, die aufgrund der Nachtfröste im April nochmals gedrillt werden mussten, haben sich gut entwickelt. Die Ertragsfeststellungen im August und Anfang September ließen einen guten Rübenertrag in Höhe von rund 58 Tonnen je Hektar im Durchschnitt der Nordzucker AG, ähnlich der Kampagne 2004, erwarten.

Abzüge GA

(%) K/B

Zucker (%)

K

Clauen

8,65

3,50

17,524

33,5

5,1

13,3

1,26

Güstrow

8,29

3,55

17,847

38,1

4,4

12,4

1,29

Groß Munzel

8,09

3,73

17,841

34,6

3,7

13,8

1,27

Nordstemmen

8,55

3,40

17,506

34,4

4,5

12,0

1,23

Schladen

8,93

3,51

18,113

33,9

5,7

13,4

1,28

Uelzen

7,84

3,84

17,706

36,3

3,3

14,0

1,29

Wierthe

8,20

3,60

17,548

34,2

4,4

12,7

1,25

Klein Wanzleben

9,22

3,86

17,645

33,5

7,0

16,3

1,36

Nordzucker National

8,47

3,67

17,693

34,8

4,8

13,8

1,29

Wierthe und Munzel starteten erst am 26. September mit der Rübenanlieferung und werden eine Kampagnelänge von rund 85 Tagen haben. Nordstemmen liegt mit 93 Tagen Kampagnelänge im Mittelfeld. Die Rübenanlieferung soll in allen Werken bis Weihnachten beendet sein.

Die Kampagnetermine 2005 wurden unter Berücksichtigung der Verarbeitungskosten der Zuckerrüben in den Werken, den Zuckerlogistik-, den Rübenfrachtkosten und dem Früh- und Spätlieferausgleich optimiert. Die Rübenanlieferung in den Werken Clauen, Uelzen und Klein Wanzleben begann bereits am 13./14. September. In den drei Werken ist eine 100-Tage-Kampagne geplant. Die Werke Güstrow, Schladen,

Die Rübenverarbeitung verlief in den meisten Werken sehr zufriedenstellend. Bereits am 23./24. September verarbeiten die vier Werke etwa 55.000 Tonnen

Aufgrund der bisher günstigen Witterung in dieser Kampagne erfolgt die Rübenernte und der Rübentransport annähernd reibungslos und ohne größere Störungen

Na AmN (mmol/ 1000g Rüben)

SMV (%)

Rüben am Tag. Nachdem die anderen Werke die Verarbeitung aufgenommen haben, hat Nordzucker am 3./4. Oktober 94.000 Tonnen Rüben am Tag verarbeitet. Der Kampagnedurchschnitt ist mit 90.200 Tonnen je Tag geplant. Durch die günstige Witterung verliefen die Rübenernte und der Rübentransport annähernd reibungslos. Die Rüben haben eine gute innere (niedriger Standardmelasseverlust) und äußere Qualität und lassen sich daher gut verarbeiten. Die Einschätzung des Rübenertrages für die Kampagne 2005 liegt (Stand 18.November 2005) bei 58,1 Tonnen/ Hektar und einem Zuckergehalt von 17,71 Prozent. Nordzucker National erzeugt aus etwa 8,4 Millionen Tonnen Rüben 1,3 Millionen Tonnen Weißzucker, wobei, erhöht durch die Deklassierung von 14,31 Prozent, etwa 300.000 Tonnen C-Zucker erzeugt werden.

Kampagneerwartung 2005 – Nordzucker National GÜS

MUN

999.000

760.000

653.300

1.177.000

799.000

1.906.000

861.000

1.276.000

8.435.000

Lieferbeginn

14. Sept.

26. Sept.

26. Sept.

19. Sept.

26. Sept.

14. Sept.

26. Sept.

13. Sept.

13. Sept.

1. Verarbeitungstag

15. Sept.

27. Sept.

27. Sept.

20. Sept.

27. Sept.

15. Sept.

27. Sept.

14. Sept.

14. Sept.

9.900

8.800

7.700

12.500

9.700

19.200

10.200

12.800

90.800

100

86

87

93

82

101

83

99

93

23. Dez.

21. Dez.

22. Dez.

21. Dez.

16. Dez.

24. Dez.

18. Dez.

20. Dez.

23. Dez.

Tgl. Verarbeitung Verarbeitungstage Lieferende

NST

SLA

UEL

WIE

gesamt

CLA Verarbeitungsmenge

WZL


Akzente Dezember 2005 I Rübe I 15

In den drei Ländern Polen, Slowakei und Ungarn werden 100 Prozent der Rüben am Feldrand mit Verladebändern oder mit einer Maus vorgereinigt. Das linke Bild zeigt die neue GeBo Maus, von der Gerätebau Bottmersdorf (oben). Die Rübentransporte erfolgen überwiegend mit modernen rückwärts kippenden Muldenkippern (unten).

Polen, Slowakei und Ungarn Die Ausgangsvoraussetzungen für eine gute Rübenernte waren in den Ländern Polen, Slowakei und Ungarn unterschiedlich. In Polen herrschte während der ganzen Vegetationsperiode überwiegend Trockenheit. In der Slowakei und Ungarn war die Niederschlagsverteilung ausgesprochen positiv für eine gute Rübenernte. Die Erntebedingungen sind bisher als optimal zu bezeichnen. Wir rechnen mit Zuckererträgen zwischen 8,4 und 9,2 Tonnen pro Hektar, womit wir unserem mittelfristigen Ziel von 10 Tonnen pro Hektar einen Schritt näher kommen werden. Aufgrund der Verarbeitungskapazität unserer zwei Werke in Polen mit 11.200 Tonnen pro Tag, in der Slowakei in der „neuen“ Zuckerfabrik Tepla mit 5.300 Tonnen pro Tag und unseren zwei Werken in Ungarn mit 12.100 Tonnen pro Tag haben wir Kampagnelängen zwischen 94 und 120 Tagen geplant. Die Kampagne begann zwischen dem 9. und 16. September 2005. Geplantes Kampagneende ist in Polen vor Weihnachten. In Ungarn und in der Slowakei erst Anfang Januar 2006. Während der Kampagnebeginn in den polnischen und ungarischen Werken geradezu vorbildlich erfolgte, gab es in der Slowakei am Anfang Probleme. Durch die Schließung des Werkes Trnava nach der Kampagne 2004 musste die Leistung im Werk Trencianska Teplá von 2.200 auf 5.500 Tonnen pro Tag ausgebaut werden. Der komplette Vorderbetrieb des Werkes wurde entkernt und zwischen den Kampagnen neu aufgebaut. Da die Zuckererzeugung gleich bleiben soll, muss knapp die Hälfte der Zuckererzeugung als

Dicksaft zwischengelagert werden, um dann im Frühjahr eine Dicksaftkampagne fortzusetzen. Damit wurde ein für Nordzucker vollkommen neues Konzept in sehr kurzer Zeit realisiert. Mittlerweile läuft die Fabrik stabil auf hohem Niveau, so dass die anfangs erlittenen Minderverarbeitungsmengen weitestgehend kompensiert werden können. Trotzdem wird die anfängliche Verzögerung und insbesondere der erhebliche Rübenertragszuwachs von rund 40.000 Tonnen das Kampagneende bis in den Januar hinein verschieben. Die Gesamtrübenverarbeitungsmenge in Polen, Ungarn und der Slowakei beträgt rund 2,9 Millionen Tonnen Rüben, die zu insgesamt etwa 420.000 Tonnen Zucker verarbeitet werden. In allen Ländern werden 100 Prozent der Rüben per Spedition angeliefert und damit entsprechend zu 100 Prozent vorgereinigt. Die Rübenanfuhr erfolgt überwiegend mit rückwärtskippenden Muldenkippern, um den Anforderungen eines trockenen Rübenhofes gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang

ist der umgestaltete Rübenhof in Szolnok, Ungarn, zu erwähnen, der mit geringen Investitionen umgerüstet wurde. Auf Grund seiner geringen Kapazität gelangt die Rübe ohne große Lagerverweildauer nahezu direkt vom Feldrand zur Verarbeitung. ■

Kampagneerwartung 2005 – Polen, Slowakei und Ungarn (Stand: 10.11.05) Rübenerzeugung Anzahl Anbauer

PL

SK

HU

Nordzucker Int.

5.537

127

261

5.925

Anbaufläche pro Betrieb

ha

4,1

93,4

79,0

9,3

22.596

11.864

20.627

55.087

46,7

53,5

58,8

52,7

1.055000

635.000

1.212.000

2.902.000

Anbaufläche

ha

Ertrag

t/ha

Rübenmenge

t

Polarisation

%

18

16,5

15,7

16,7

Zuckerertrag

t/ha

8,4

8,8

9,2

8,8

Rübenverarbeitung und Zuckererzeugung

PL

SK

HU

Nordzucker Int.

1.055.000

635.000

1.212.000

2.902.000

11.500

5.250

11.800

28.550

Verarbeitung

t

Tato

t/d

Kampagne

d

92

122

102

102

Kampagne-Beginn

16. Sep.

9. Sep.

13. Sep.

9. Sep.

Kampagne-Ende

18. Dez.

7. Jan.

1. Jan.

7. Jan.


16 I Rübe I Akzente Dezember 2005

„Schneller besser werden!“ Ein Betrieb aus dem nördlichen Vorharzgebiet stellt sich vor

Der Betrieb mit 95 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche liegt am nördlichen Rand des Harzes. Betriebsleiter Friedrich-Wilhelm Gehlhar hat von seinem Vater den Betrieb 1986 mit

Schulte: Die Böden im Vorharzgebiet können stark schwanken. Wie haben Sie die Fruchtfolge abgestimmt? Gehlhar: Auf den besseren Böden wird die Zuckerrübe dreijährig angebaut. Sie hat einen Fruchtanteil von gut zwölf Prozent in meinem Betrieb. Winterweizen, oder auch mal Wintergerste, stehen zwischen den Rüben. Auf den nicht so guten Standorten steht der Raps in der Fruchtfolge mit Winterweizen oder Wintergerste. Diese Fruchtfolge erfolgt auch schon mal vierjährig. Den Raps in eine Rübenfruchtfolge zu integrieren ist nicht das Problem. Er wird zukünftig ohnehin einen größeren Anteil einnehmen. Schulte: Der Betrieb hat in der Vergangenheit einige Veränderungen mitgemacht. Welche hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung? Gehlhar: Ab 1984 habe ich mit einem 120 Hektar Betrieb zusammengearbeitet. Ich habe meine Arbeitskraft eingebracht, der andere Betrieb das Maschinenkapital. Im eigenen Betrieb ist der Maschinenbesatz folglich auf ein Minimum abgebaut worden. Bis 1990 haben wir so 150 ha bewirtschaftet. Nach Flächenzupacht habe ich seit 1991 zu meinem landwirtschaftlichen einen Gewerbebetrieb gegründet, der sämtliche für unsere Region typischen Ackerarbeiten anbietet. Nur das Roden der Rüben ist bis heute nicht im Programm. Bei Bedarf kaufe ich aus dem Gewerbebetrieb notwendige Arbeiten für meinen

31 Hektar Eigenfläche übernommen. Heute bewirtschaftet er 95 Hektar und der Anteil der Pachtfläche liegt bei 36 Prozent. Der Hof außerhalb des Ortes Vienenburg, verfügt über

Matthias Schulte, Rübenmanagement Werk Schladen

eine gute Infrastruktur. 35 Hektar des Betriebes sind in arrondierter Lage. Die Autobahn liegt nur zwei Kilometer entfernt, die Pachtflächen liegen in einer Entfernung von 13 und 40 Kilometer.

landwirtschaftlichen Betrieb als Dienstleistung zu. Zusätzlich wird aus diesem Bereich Lohnarbeit das Laden und Reinigen, der Transport und die Mietenpflege von Zuckerrüben bedient. Mit der Tätigkeit Laden und Reinigen habe ich 1991 begonnen, seit 1998 betreibe ich eine Rübenmaus für diese Arbeiten, die in der letzten Kampagne rund 100.000 Tonnen Rüben verladen hat. 2004 habe ich als Dienstleister mit der mechanisierten Mietenpflege begonnen. Ich sehe in diesen beiden Bereichen die Notwendigkeit eines dynamischen Wachstums, um alle Forderungen bedienen zu können. Durch steigende Energiekosten fordere ich auf der einen Seite eine höhere Vergütung für meine Dienstleistung. Auf der anderen Seite deuten aber alle Zeichen auf einen geringeren Vergütungssatz hin. Wenn ich weiterhin einen Überschuss erwirtschaften will, muss ich die Kosten reduzieren. Das Motto heißt: „Schneller besser werden.“ Die Verschmelzung mit anderen Lade- und Reinigungsgruppen ist durch abnehmende Rübenmengen im Gespräch und notwendig. In diesem Geschäft schätze ich die Zusammenarbeit mit Nordzucker als einem verlässlichen Partner.

Betriebsleiter Friedrich-Wilhelm Gehlhar mit seiner Tochter Sabine

Als Betriebsleiter ist der praktische Einsatz auf dem Schlepper noch Tagesgeschäft

Schulte: Sie führen einen landwirtschaftlichen Betrieb und einen Lohnbetrieb. Wie ist die Ausstattung mit Arbeitskräften? Gehlhar: Für den landwirtschaftlichen

Öffentlichkeitsarbeit hat einen hohen Stellenwert: Vorstellung der Verlademaus vor Personen aus Behörden und Ämtern


Akzente Dezember 2005 I Rübe I 17

Betrieb stehe ich mit meiner Arbeitskraft als Betriebsleiter, wobei mich meine Frau im Büro tatkräftig unterstützt. Für die Dienstleistungen habe ich zwei ständige Mitarbeiter und zusätzliche Saisonkräfte. Die Mitarbeiter kommen vorwiegend aus der Landwirtschaft und sind vielseitig qualifiziert. Nicht nur das, sie sind auch interessiert an der Entwicklung in der Landwirtschaft und an der meines Betriebes.

in der Umsetzung. Der Mähdrusch und der Pflanzenschutz werden zu 100 Prozent als Dienstleistung zugekauft. Bei der Bodenbearbeitung werden Teilarbeiten aus dem landwirtschaftlichen Betrieb erledigt. Der Transport von Getreide und Zuckerrüben wird nach Bedarf als Dienstleistung für den Betrieb durchgeführt. Bei allen Tätigkeiten und Maßnahmen muss die Rentabilität gewährleistet sein.

Schulte: Ihr Einkommen stammt nicht nur aus Ihrem landwirtschaftlichen Betrieb. Welche weiteren Einkommen haben Sie?

Schulte: Wie können die Betriebsmittelkosten zu einer Rentabilität beitragen?

Gehlhar: Im letzten Jahr bin ich in die Stromerzeugung aus Sonnenlicht eingestiegen. Ich möchte mehr und mehr zu einem Energiewirt werden, denn ich glaube, dass darin für mich eine betriebliche Chance liegt. Natürlich zählt die Dividende von Nordzucker auch zu meinem Einkommen. Leider hat sie innerhalb meines Betriebes nur einen eher geringen ökonomischen Stellenwert. Aber die Kapitalverzinsung ist zurzeit recht gut. Schulte: Die Maschinenkosten sind ein wichtiger Teil der Arbeitserledigungskosten. Wie halten Sie diese Kosten niedrig? Gehlhar: Im landwirtschaftlichen Betrieb habe ich nur noch einen 95PS-Schlepper. Drei weitere Schlepper stehen als Dienstleistung zur Verfügung und werden nach Bedarf „zugekauft“. Ziel ist es, eine Schlepperauslastung von 1000 Stunden pro Jahr zu erreichen. Das ist sehr viel und nicht leicht

Gehlhar: Ich kaufe Betriebsmittel alleine ein. Ich nutze viele Informationsquellen, nicht zuletzt auch das Internet. Jedoch ist der niedrigste Preis am Ende nicht immer der beste. Mir sind zuverlässige Partnerschaften wichtig. Bei den Treibstoffen für meine Maschinen habe ich im letzten Jahr auf Pflanzenöl umgestellt, um Kosten zu sparen. Jedoch erreiche ich die höchsten Einspareffekte im Ackerbau über eine Vergrößerung der Flächeneinheiten. Darüber können die Arbeitserledigungskosten am besten gesenkt werden. Schulte: Zwei Betriebe zu führen bedarf sicher einer guten Organisation. Wie schätzen Sie den Zeitbedarf dafür ein und welche Instrumente nutzen Sie zur Unterstützung? Gehlhar: Die Anforderungen an die Organisation und das Management haben in der Vergangenheit deutlich zugenommen. Die Zeit am Schreibtisch ist länger geworden und ich müsste noch mehr Zeit daran verbringen. In

Zukunft wird sich das kaum vermeiden lassen. Über den Beratungsring stehe ich in ständigem Austausch mit dem Berater und anderen Betrieben. Die Kennzahlen des Betriebes werden fortlaufend kontrolliert und verglichen. Informationen beziehe ich aber auch aus Fachzeitschriften und dem Internet. Diese Informationen und der Austausch mit Berufskollegen sind wichtig für die Bewältigung der zukünftigen Aufgaben. Die Arbeit auf den Betrieben muss organisiert werden. Dabei stellt die umweltgerechte Produktion innerhalb der Landwirtschaft, die konform mit den Cross ComplianceAuflagen gehen muss, eine wachsende Herausforderung dar. Die Erfolgsparameter müssen unter diesen Auflagen ständig beobachtet werden. Eine Zertifizierung des Betriebes in naher Zukunft ist kaum zu vermeiden. Schulte: Auch Nordzucker muss sich entwickeln. Welche Erwartungen haben Sie für Ihren Betrieb? Gehlhar: Weiterhin ein gutes Rübengeld und eine Dividende zu bekommen. Das ist das Hauptziel für meinen Betrieb. Eine Standortsicherheit für diese Region, damit die Dienstleistungen leichter in landwirtschaftlicher Hand bleiben können. Wenn sie dann noch wirtschaftlich vertretbar und fair entlohnt werden, kann ich durch die Rübe einen positiven Beitrag für meinen Betrieb erwirtschaften. Schulte: Vielen Dank für Ihre Ausführungen und noch einen guten Verlauf der Kampagne. ■


18 I Rübe I Akzente Dezember 2005

Ertragspotenziale im Anbaugebiet der Nordzucker AG

Dr. Andreas Windt, Rübenmanagement Werk Wierthe

Erträge steigern, Kosten senken Um auch zukünftig im Rübenanbau erfolgreich zu sein, müssen im wesentlichen zwei Punkte realisiert werden: Erträge steigern, Kosten senken. Bei den Möglichkeiten zur Kostensenkung ist vor allem der Bereich Arbeitserledigung zu beachten. In erster Linie führen strukturelle Maßnahmen zu Verbesserungen. Es lassen sich allerdings zwischen den Betrieben sehr hohe Schwankungen feststellen. Das gilt auch für die Erträge, die sich in einer sehr großen Spanne bewegen, wie nordzuckerweite Auswertungen durch das Rübenmanagement national belegen. Ertragsgruppen Verteilung Landwirte/Ertragsgruppen in %* Rübenmenge in den Ertragsgruppen in % 64 60 55 50

40

30

38

28

20

10

7

8

0 < 9 t/ha

9-12 t/ha

>12 t/ha

* Exakte Definition ist Anzahl Anbaustandorte (Astos), da ein Landwirt in einer Statistik mehrfach genannt sein kann.

Die nebenstehende Abbildung zeigt, dass die Ertragsunterschiede im Zuckerertrag innerhalb eines Naturraumes größer sind als zwischen den Naturräumen. Unter Naturräumen sind Gebiete zu verstehen, die in Bezug auf Klima und Boden weitestgehend homogen sind. Die Auswertung zeigt, dass die besten 25 Prozent der Landwirte einen Zuckerertrag von nahezu 13 Tonnen pro Hektar erreichen, und somit der Weg zur Rübe mit 15 Tonnen pro

Hektar Zuckerertrag – zumindest in dieser Region – gar nicht mehr so weit ist. Der Unterschied zwischen den Naturräumen ist deutlich geringer und beträgt nur rund 1,25 Tonnen pro Hektar. Fazit: Nicht nur der Standort ist entscheidend, sondern vor allem das Know-how des Landwirts. Die Analyse über alle Nordzucker-Rübenanbauer zeigt die Anzahl der Landwirte und die Rübenmenge, die sich in einzelnen Ertragsgruppen wieder finden: • Betriebe mit Zuckerertrag über zwölf Tonnen pro Hektar (potentielle Zukunftsbetriebe) • Betriebe mit Zuckerertrag von neun bis zwölf Tonnen pro Hektar (Zukunft dieser Rübenbaubetriebe hängt von Ertragssteigerung und Kostenstruktur ab) • Betriebe mit Zuckerertrag unter neun Tonnen pro Hektar (bei ungünstigen Kostenstrukturen haben diese Betriebe zukünftig vermutlich große Probleme) Nur sieben Prozent der Landwirte haben im Mittel der Jahre von 2002 bis 2004 über zwölf Tonnen pro Hektar Zuckerertrag geerntet, dagegen liegen 38 Prozent aller Betriebe unter neun Tonnen pro Hektar.

produzieren acht Prozent der Rübenmenge. Somit ist der prozentuale Anteil fast deckungsgleich. Dagegen gibt es große Unterschiede im Bereich unter neun Tonnen pro Hektar: Während 38 Prozent der Landwirte in diesem Bereich liegen, verbergen sich dahinter nur 28 Prozent der Rüben. Dies bedeutet, dass in diesem Segment offensichtlich eine beträchtliche Anzahl von Betrieben mit einer geringen Anbaufläche liegt. Insbesondere dort, wo die Rübe heute schon eine geringe Bedeutung im Betrieb hat und gleichzeitig niedrige Zuckererträge erzielt werden, muss über den zukünftigen Rübenanbau kritisch nachgedacht werden! Fazit: Auf allen Betrieben müssen Anstrengungen unternommen werden, die Zuckererträge weiter zu steigern. Dieses gilt auch für die Betriebe, die heute schon mehr als zwölf Tonnen Zucker pro Hektar ernten. Die große Zahl der Betriebe, die zwischen neun und zwölf Tonnen Zucker pro Hektar ernten, müssen zukünftig die Erträge steigern und zum anderen die Kosten senken. Sollte der Rübenanbau unter zukünftigen Rahmenbedingungen nicht wirtschaftlich sein, so muss auch über einen Ausstieg aus der Rübenproduktion nachgedacht werden. ■

Sieben Prozent der Landwirte, die mehr als zwölf Tonnen pro Hektar ernten, Vergleich der Zuckererträge in Naturräumen (in t/ha) 2004 Durchschnitt Differenz:

Beste 25 %

Zwischen den Naturräumen: 1,25 t/ha

Schlechteste 25 % In den Naturräumen: 4,28 t/ha

14

12,93

12 10

10,85

8 6

8,65

4 2 0 Rethen

Ambergau

LeineWeser

Nordstemmen

GronauAlfeld

Einbeck

Bad Gandersheim

Göttingen

Gieboldehausen

Kassel

Durchschnitt


Akzente Dezember 2005 I Rübe I 19

Male Karpaty – nicht nur der Veltliner gedeiht in den kleinen Karpaten Starke Regionen bei Nordzucker und was sie auszeichnet In Akzente 1/2005 haben wir mit einer Portraitreihe starker Anbauregionen im Einzugsgebiet der Nordzucker begonnen. In dieser Ausgabe stellen wir die Region Male Karpaty (kleine Karpaten) in der Slowakei vor. Rund 70 Kilometer südöstlich vom slowakischen Werk Trencianska Tepla liegt die Anbauregion Male Karpaty (kleine Karpaten). In diesem Gebiet werden im weitläufigen Tal der „Vah“ rund 2.000 Hektar Rüben von 22 Betrieben angebaut. Die durchschnittliche Rübenanbaufläche beträgt 92 Hektar. Die Betriebe bewirtschaften eine durchschnittliche Gesamtbetriebsfläche von etwa 1.300 Hektar und sind als Agrargenossenschaften organisiert. Es handelt sich um Gemischtbetriebe, die neben dem Acker- und Feldfutterbau auch Tierproduktion betreiben. Besonders sympathisch macht die Region der in den Talrandlagen verbreitete Weinanbau. Wohlschmeckende Weißweine wie der Veltliner, der Silvaner oder der Riesling machen der Region alle Ehre. Ein Ackerbaugebiet mit Potenzial Die natürlichen Voraussetzungen für den Ackerbau mit fruchtbaren Braunerden aus Löss und einem mittleren Jahresniederschlag von rund 620 MilliNordzucker-Anbaugebiete Slowakei

Trencianska Tepla

Trnava

metern sind hervorragend. Allerdings sind aufgrund der schlechten produktionstechnischen Voraussetzungen, bedingt durch die geschichtliche Entwicklung, noch im Jahr 2000 nur 34 Tonnen Rüben pro Hektar mit einem Zuckergehalt von 15,6 Prozent geerntet worden. Durch enorme Umstellungen in der Produktionstechnik in Verbindung mit großen Investitionen im Bereich der Sä-, Bodenbearbeitungsund Erntetechnik konnten im Jahr 2004 bereits 47 Tonnen pro Hektar mit 17,6 Prozent Zuckergehalt erzielt werden. In 2005 liegt die Ertragserwartung bei 54 Tonnen pro Hektar und 16,5 Prozent Zuckergehalt. Volle Nutzung der Vegetationszeit bei ausgefeilter Produktionstechnik In der Region Male Karpaty beginnt die Aussaat möglichst früh, etwa ab 20. März jeden Jahres. Von der gesamten Saatfläche werden mit steigender Tendenz etwa 35 Prozent in Mulchsaat und 65 Prozent konventionell nach Pflugfurche bestellt. Dabei zeigen die Erfahrungen mit der Mulchsaat eine Wasserersparnis, die im typischerweise trockenen Monat Juli den Rüben zu Gute kommt. Die Ertragsschwankungen zwischen den Jahren haben sich auf diesen Flächen deutlich reduziert. Die mineralische Düngung wird an die vorhandenen Nährstoffgehalte der Böden angepasst, jede Fläche wird nach der EUF-Methode analysiert. Im Mittel beträgt die Stickstoffdüngung 75 Kilogramm Stickstoff (N) pro Hektar. Auch die Unkrautbekämpfung wurde konsequent an die auflaufende Unkrautflora angepasst. Prophylaktische Maßnahmen im Vorauflauf gehören nahezu der Geschichte an.

Dr. Ulf Wegener, Rübenmanagement International

Nach flacher Saatbettbereitung erfolgt die Zuckerrübenaussaat mit moderner Drilltechnik

Um das Zuckergehaltsniveau zu steigern, werden ausschließlich rizomaniatolerante zuckergehaltsbetonte Sortentypen (Zund NZ-Sorten) angebaut. Das Saatgut ist zu 100 Prozent mit Montur gebeizt. Entwicklung von Rübenertrag und Zuckergehalt in der Region Male Karpaty Rübenertrag (t/ha)

Zuckergehalt (%)

*Schätzung t/ha

15,6

40

45 15

%

54*

50

50

15,5

40

16,8

47 17,6

20 16,5*

15

34 30

10

20

5 0

0 2000

2001

2002

2003

2004

2005

In der Infektionszeit ab Ende Juni wird die Entwicklung der relevanten Blattkrankheiten intensiv beobachtet, um termingerecht Bekämpfungsmaßnahmen vorzunehmen. In diesem Zusammenhang hat sich die Warnung der Betriebe über zentral verschickte SMS bewährt. Entscheidend auf dem Weg der Ertragssteigerung war aber auch die Reduzierung der Ernteverluste. Dazu wurde die sechsreihige Rodung im Umfang deutlich ausgebaut. Mittlerweile wird nahezu die gesamte Fläche mit modernen sechsreihigen Rodesystemen geerntet. u


20 I Rübe I Akzente Dezember 2005

Die erreichte durchschnittliche Bestandesdichte von 91.000 Pflanzen pro Hektar ist die Grundlage für hohe Erträge bei guter Qualität

Alle Rüben werden vorgereinigt und mit LKW zur Fabrik transportiert. Im Vergleich mit den noch im letzten Jahr anteilig praktizierten Bahntransporten entfallen somit die doppelte Verladung und die damit erhöhten Verlustquellen. Fazit In den letzten Jahren haben die Betriebe im Gebiet Male Karpaty enorme Energie in die Entwicklung einer mit westeuropäischem Niveau vergleich-

baren Rentabilität beim Rübenanbau gesteckt. Flexibilität und die Fähigkeit zur Integration von innovativen Verfahren in die praktizierten Betriebsabläufe zeichnen die Betriebsleiter aus. Auf der Basis der dokumentierten Leistungs- und Kostenanalysen in Verbindung mit den natürlichen und strukturellen Voraussetzungen sehen sich die Betriebe für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt. ■

Winterveranstaltungen 2006 (Stand November 2005) Tag

Datum

Uhrzeit

Mi.

25.01.

9:00 9:00 14:00

Meine, Gemeindezentrum, Neue Straße Sternberg, Seehotel, Johannes-Dörwald-Allee 4 Upahl, Gaststätte Dubbe, Hauptstr. 32

Veranstaltungsort

ZAV Nds.-Ost ZAV Güstrow ZAV Güstrow

Verband

Do.

26.01.

14:00

Wunstorf, Hotel Wehrmann, Kolenfelder Str. 86

ZAV Nds.-Mitte

Fr.

27.01.

9:00 14:00 9:00 14:00

Clauen, Zuckerfabrik (südlicher Bereich) Clauen, Zuckerfabrik (nördlicher Bereich) Stendal, Rathaus, Markt 1 Winterfeld, Rasthaus Wieseneck, Dorfstr. 7

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte ZAV Magdeburg ZAV Güstrow

Mo.

30.01.

9:00 14:00 9:00 14:00

Salzgitter-Bad, Ratskeller, Marktplatz 10 Schladen, Zuckerfabrik (westlicher Bereich) Satrup, Satrup-Krog, Glücksburger Str. 1 Jevenstedt, Möhl´s Gasthof, Dorfstr. 12

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte ZAV Schl.-Holstein ZAV Schl.-Holstein

Di.

31.01.

9:00 14:00 9:00 14:00

Bönnien, Gasthaus Maas, Störyer Str. 8 Nordstemmen, Zuckerfabrik (nördlicher Bereich) Breitenfelde, Siemers Gasthof, Dorfstr. 21 Bosau, Gasthaus Frohsinn, Bischof-Vicelin-Damm

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte ZAV Schl.-Holstein ZAV Schl.-Holstein

Mi.

01.02.

9:00 14:00 9:30 14:00

Bornum, Lindenhof, Im Winkel 23 Wierthe, Zuckerfabrik Lockstedt, Zur Erholung, Dorfstr. 24 Meldorf, Zur Erheiterung, Rosenstr. 6

ZAV Nds.-Ost ZAV Nds.-Mitte ZAV Schl.-Holstein ZAV Schl.-Holstein

Do.

02.02.

9:00 14:00 9:00 14:00

Nienburg-Holtorf, Krügerhof, Landstr. 26 Walsrode, Forellenhof, Hünzingen Halberstadt, Bildungs-/Gesundheitszentr., Kirschallee 6 Hundisburg, Landesforst „Haus des Waldes“, Schloss

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte, RAN ZAV Magdeburg ZAV Magdeburg

Fr.

03.02.

9:00 14:00 9:00 14:00

Stederdorf, Hotel Schönau, Peiner Str. 17 Schladen, Zuckerfabrik (östlicher Bereich) Bergen, Stadthaus, Lange Str. 1 Gr. Oesingen, Gasthaus Zur Linde, Hauptstr. 15

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Ost RAN RAN

Mo.

06.02.

9:00 14:00 9:30

Northeim, Stadthalle, Grafenhof 7 Gieboldehausen, Niedersachsenhof, Am Schützenpl. 1 Ahlerstedt, Schützenhof Bockelmann, Stader Str. 2

ZAV Südnds. ZAV Südnds. RAN

Di.

07.02.

9:00 14:00 9:00

Rheden, Ebelings Gaststätte, Am Thie 3 Nordstemmen, Zuckerfabrik (südlicher Bereich) Uelzen, Stadthalle, An der Zuckerfabrik 1

ZAV Südnds. ZAV Südnds. RAN

Mi.

08.02.

9:00 14:00

Lüchow, Ratskeller, Lange Str. 56 Deutsch Evern, Haus Niedersachsen, Bahnhof 1

RAN RAN


Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 21

Dicksaft schont das Budget Im slowakischen Werk Tepla läuft die erste Nordzucker-Dicksaftkampagne Wie die Rübenmenge von bisher zwei Zuckerfabriken Budget schonend an einem Standort verarbeitet werden kann, lässt sich derzeit im Werk Tepla der Nordzucker-Tochter Povazský Cukor a.s. in Trencianska Teplá studieren. Mit Beginn der diesjährigen Rübenkampagne am 9. September 2005 starteten die Ingenieure die erste Dicksaftkampagne in dem slowakischen Werk. Premiere auch für Nordzucker. Die parallele Produktion von Zucker und Dicksaft wird bisher dank ausreichender Lager- und Produktionskapazitäten in keinem der übrigen zwölf Nordzuckerwerke praktiziert. Bereits bei der Übernahme der vier Zuckerfabrikation in Trencianska Teplá und Trnava durch Nordzucker im Jahr 1998 stand fest, die Rübenverarbeitung perspektivisch an einem Standort zu konzentrieren. Obwohl Teplá mit einer Verarbeitungskapazität von 2.200 Tonnen Rüben pro Kampagnetag die kleinere Fabrik war, bekam sie aufgrund der deutlich günstigeren Lage den Zuschlag für den Ausbau. Das vorhandene Zuckerhaus hatte bereits eine größere Kapazität und wurde in mehreren Stufen modernisiert. Die Zuckerhausleistung von 4000 Tonnen pro Tag reichte aber nicht, um die gesamte Rübenmenge des rund 80 Kilometer südwestlich gelegenen Werks Trnava zu verarbeiten. Der Tank ist günstiger als das Silo „Die Lücke zwischen Zuckerhauskapazität und Vorderbetrieb, der für 5.700 Tonnen Rüben pro Tag ausgebaut wurde, füllt seit dieser Kampagne der Dicksafttank“, erläutert Werner Küster. „Der Tank zur Einlagerung von Dicksaft als Zwischenprodukt ist um die Hälfte günstiger als der Bau entsprechender Silokapazitäten für Zucker“,

Der Dicksafttank im Werk Tepla sparte erhebliche Investitionen bei der Konzentration der Rübenverarbeitung von zwei auf einen Standort.

rechnet Küster vor. „Außerdem erspart uns die parallele Produktion von Zucker und Dicksaft erhebliche zusätzliche Investitionen im Zuckerhaus.“ Als Nachteil der Dicksaftproduktion nennt er einen insgesamt höheren Energieverbrauch. Der neue Tank im Werk Tepla fasst Dicksaft für die zeitversetzte Gewinnung von rund 30.000 Tonnen Zucker. Noch eine Premiere: (Dicksaft-) Kampagne nach Ostern Eine zweite Premiere steht den 174 Mitarbeitern im Werk Tepla noch bevor: 2006 wird der Fabriksschornstein zum ersten Mal in der 105-jährigen Geschichte der Fabrik nicht nur im Herbst, sondern auch nach Ostern bis in den Mai dampfen. Dann nämlich, wenn wieder Platz ist in den Silos für den Zucker, der aus dem zwischengelagerten Dicksaft gewonnen wird. sdp

Dicksaft ist der auf ca. 70 - 75 Prozent Trockensubstanz eingedickte, gereinigte Zuckersaft. Er entsteht am Ende der Verdampfstation bevor die eigentliche Kristallisation des Zuckers in den Kochapparaten im Zuckerhaus folgt.


22 I Markt und Kunde I Akzente Dezember 2005

Zucker könnte künftig knapp werden Zucker-Weltmarkt: Das unbekannte Wesen In kaum einer der vielfältigen Diskussionen oder Abhandlungen zum europäischen Zuckermarkt wird der Bezug auf den „Weltzuckermarkt“ fehlen, meist als Hinweis auf die positive, offene, faire, wettbewerbsorientierte Alternative zum angeblich dirigistischen, protektionistischen und zutiefst unfairen System der EU-Marktordnungen. Insbesondere wird unterstellt, der Weltmarkt verkörpere sozusagen die realen Verhältnisse, während innerhalb der EU ein „künstlicher“ Markt aufrechterhalten werde, der natürlich insbesondere die Zucker-Verbraucher von den Segnungen des freien Welthandels ausschließe. Kleiner als er klingt Was ist das also, der Welt-Zuckermarkt? Dazu zunächst ein paar Zahlen: Weltweit werden zurzeit knapp 150 Millionen Tonnen Zucker produziert, und auch konsumiert. Allerdings wird der weitaus größte Teil dieser Menge innerhalb des Ursprungslandes (oder einer Ländergruppe) konsumiert, meist im Rahmen geschützter Binnenmärkte. Die EU ist das naheliegendste Beispiel, hier werden bei einer Produktion (EU 25) von knapp 20 Millionen Tonnen (Weißwert) etwa 16 Millionen Tonnen EU-intern gehandelt. In Indien wurden letztes Jahr rund 14 Millionen Tonnen produziert und im Lande selbst verbraucht. Brasilien verbraucht über 10 Millionen Tonnen, die Reihe lässt sich fortsetzen. Zusammengezählt werden so etwa 110 bis 120 Millionen Tonnen Zucker in Binnenmärkten hergestellt und verbraucht. Lediglich der Rest macht das aus, was man üblicherweise als den „Weltmarkt“ bezeichnet, ob er diesen Namen zu Recht trägt, kann jeder selbst beurteilen.

Viel beschworen: Der Weltmarktpreis für Zucker Mindestens genauso oft wie der „Weltmarkt“ wird der „Weltmarktpreis“ beschworen, als Ausdruck des „realen“ Wertes von Zucker im Gegensatz zu den „willkürlichen“ und „natürlich viel zu hohen“ EU-Preisen. Da muss man zunächst fragen: welcher Weltmarktpreis? Der gegenwärtige, US-$ 280,00 pro Tonne, oder der von vor vier Wochen, US-$ 314,00? Oder der Preis von vor einem Jahr, US-$ 235,00, oder vor zwei Jahren, US-$ 173,00 (alles Weißzucker, in Säcken, fob gestaut Seehafen). Oder sehen wir uns die Rohzuckernotierungen an (es gibt sie schon sehr viel länger als die für Weißzucker), mit Jahres-Durchschnittswerten von 1,76 US-cents per lb (= US$ 38,80 p. 1.000 kg) in 1966, aber ¢ 29,71 (= US-$ 654,98) in 1974 (mit ¢ 63,76 = US-$ 1.405,60 als höchste Notierung des Jahres)! Es ging wild hin und her in den letzten 30 Jahren. Mitte der 70er, und dann noch mal Anfang der 80er Jahre überstieg der Weltmarktpreis das EU-Niveau erheblich, sodass beim Export von EUZucker nichts erstattet, sondern große Abschöpfungen fällig wurden. Kurz, die Berufung auf „den Weltmarktpreis“ ist irreführend, und er muss keineswegs immer so viel niedriger sein, als zum Beispiel der EU-Preis. Große Schwankungen Wie kommt es zu diesen großen Preisschwankungen? Ganz simpel: durch Angebot und Nachfrage. Wer fragt nach, wer bietet auf dem Weltmarkt an? Die Käufer, etwas schematisch gesehen, sind die Länder, die keinen Zucker produzieren (das sind recht

Henning Koch, August Töpfer & Co KG, Hamburg

wenige) und die, die Zucker produzieren, aber weniger als den Eigenbedarf (das sind recht viele). Die Verkäufer sind die, die mehr produzieren als sie verbrauchen. Die einen decken ihren (Rest-) Bedarf, die anderen „entsorgen“ ihre Überschüsse. Der Preis richtet sich danach, ob mehr Bedarf gedeckt oder mehr Überschüsse entsorgt werden müssen, und das wiederum danach, was jeweils produziert und konsumiert wird. Hier aber wirkt sich das Gefälle zwischen den jeweiligen Mengen der Welt-Produktion und des „Weltmarktes“ aus. Eine witterungsbedingte Einbuße von zwei Prozent der Gesamterzeugung entspricht drei Millionen Tonnen – das sind aber 7,5 oder gar 10 Prozent des Angebots auf dem Weltmarkt. Wenn, wie während der Asien-Krise, der Verbrauch eines Marktes für über 50 Millionen Tonnen um zehn Prozent einbricht, geht dem Weltmarkt Nachfrage von fünf Millionen Tonnen, rund 15 Prozent verloren. Nur ein Viertel des weltweit erzeugten Zuckers wird auf dem Weltmarkt gehandelt Zucker, der auf dem freien Weltmarkt gehandelt wird. Zucker, der nicht auf dem Weltmarkt verkauft wird, sondern unter dem Schutz nationaler Marktregelungen und Handelsabkommen produziert und gehandelt wird. ca. 33 Mio. t 23%

ca. 109 Mio. t 77%


Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 23

Weltzuckererzeugung 2002/2003 und Verbrauch 2001 Angaben in Mio. t Rohwert Rohrzucker

Zuckerverbrauch

Rübenzucker

24

Brasilien, Thailand und Australien • nicht AKP

21

• nicht LDC • keinerlei Präferenzen • aber die weltgrößten Überschusshersteller!

18

15

12

9

6

3

0 Brasilien

Indien

EU

China

USA

Thailand

Australien

Mexiko

Pakistan

Kuba

Südafrika

Ukraine

Russland

Quelle: ISO Sugar Year Book 2002 & Zuckerwirtschaft Europa 2004

Auch bei schlechten Preisen wird verkauft, weil Lagerung Geld kostet Genauso fatal ist die geringe Preiselastizität dieses „Weltmarktes“. Mit wenigen Ausnahmen verkaufen die Produzenten den größeren Teil ihrer Produktion vor ihrer Haustür – in mehr oder weniger offiziell geschützte Märkte. Hier verdienen sie ihr Geld. Die Übermengen gehen in den Export – zu möglichst guten Preisen, aber auch zu weniger guten, wenn es nicht anders geht. Auch bei schlechten Preisen, unter tatsächlichen Kosten, wird noch verkauft. Weil die Alternative, die Lagerung, Geld kostet und auch meist keine Lösung darstellt, denn die nächste Ernte wächst schon heran. Wir haben hier etwas abstrakt von „Ländern“ als Käufer und Verkäufer gesprochen. In einigen Fällen sind es tatsächlich noch die Regierungen, die über öffentliche Ausschreibungen Rohoder Weißzucker kaufen oder verkaufen. Dagegen gibt es in anderen Ländern offene Märkte, in denen Händler dem Produzenten überschüssige Ware abkaufen und sie an Importeure, aber auch an Verbraucher wie Abpacker oder

Verarbeiter (zum Beispiel von Süßwaren oder Erfrischungsgetränken) in Übersee absetzen. Der sogenannte „InterOperator-Handel“, also der Handel zwischen zwei europäischen Firmen, die sonst möglicherweise heftige Konkurrenten sind, ist seltener geworden. Zuckerhandel über Warenterminbörsen Last not least kann Zucker auch an die Zucker-Terminbörsen in New York und in London geliefert, beziehungsweise von diesen abgenommen werden.

Waren-Termin-Börsen haben in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf. Zu Unrecht. Die wichtigsten Zucker-Terminmärkte sind die in New York für losen Rohzucker und in London für gesackten Weißzucker. Hier kann jeder, der will, und die finanziellen Garantien stellt, Roh- und Weißzucker kaufen und verkaufen – für spätere Lieferung, deshalb der Name „Termin-Markt“. Allerdings schreiben die Börsen die Bedingungen genau vor: Die Mengen-Einheiten (50 Tonnen = 1 „lot“), Qualitäten, Verpackungen, Liefertermine – bestimmte Monate bis zu zwei Jahre im Voraus – und die Parität „fob gestaut“. 30 Ursprünge, 50 Häfen – logistische Unsicherheiten Auch die Ursprünge, beziehungsweise die Ladehäfen sind vorgegeben – allerdings rund 30 Ursprünge für Rohzucker und über 50 Häfen für Weißzucker. Der Käufer erfährt erst nach dem Auslaufen des jeweiligen Terminmonats, bei der „Andienung“, in welchem Hafen – oder welchen Häfen – er die Ware abzuholen hat. Dafür hat er aber wiederum zwei Monate Zeit, während derer er sein Schiff „präsentieren“ muss.


24 I Markt und Kunde I Akzente Dezember 2005

Weltzuckererzeugung und Verbrauch seit 1995/96 (Angaben in 1000 t Rohwert) Erzeugung

Verbrauch

160.000

140.000

120.000

Das heißt, der Verkäufer muss damit rechnen, den Zucker irgendwann innerhalb dieser Frist zu liefern. Man sieht also, eine Lieferung an, beziehungsweise vom Terminmarkt ist mit gewissen logistischen Unsicherheiten belastet. Dennoch werden sie in großem Maße genutzt. Von den „Professionellen“, also Zucker-Produzenten, Zucker-Händlern und Zucker-Verbrauchern in erster Linie, um Preise abzusichern. Der klassische Fall wäre ein Hersteller von Rohzucker in Brasilien, der für die Planung seiner Produktion, angefangen bei der Anpflanzung vom Rohr, einen verlässlichen Erlös kalkulieren muss – die Ware steht aber erst in zwölf oder gar 18 Monaten zur Verfügung. Dafür einen individuellen Käufer zu finden ist in aller Regel nicht möglich. Die Börse garantiert die korrekte Abwicklung Da liegt es nahe, sich des Terminmarktes zu bedienen, der für alle notierten Termine immer aktuelle und realisierTermingeschäfte aus Verarbeiterperspektive Der Zuckerverarbeiter, sagen wir, ein BonbonKocher in Singapur, wird sich mit einigen der technischen Fragen des Terminmarktes auseinander setzen müssen. Denn ob er die Ware in Hamburg, in Buenos Aires oder Ulsan (Süd-Korea) abholen muss, beeinflusst seine Kalkulation erheblich. So wird er wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt, wenn konkrete Verkäufer konkrete Partien anbieten, jemanden finden, der ihm die Ware da anbietet, wo er sie braucht, und so, wie er sie braucht, in Containern und mit einer bestimmten Sackmarkierung. Alles das, was mit dem starren Börsen-Reglement nicht zu vereinbaren ist. So wird unser Bonbon-Kocher eine Partie erwerben wollen, die ihm zum Beispiel von einer in Hamburg alteingesessenen Zucker-Handelsfirma angeboten wird – zum aktuellen Preis, der vielleicht US-$ 30,00 pro Tonne höher ist als der, den er am Terminmarkt bezahlt hat. Dieses Terminmarkt-Engagement verkauft er nun – und verdient

100.000 1995/96

1996/97

1997/98

1998/99

1999/2000

2000/01

2001/02

2002/03

2003/04

2004/05

Quelle: F. O. Licht, World Sugar Balances – 1995/96 - 2004/05

bare Kauf- und Verkaufskurse bietet. Durch den Verkauf einer entsprechenden Menge „Lots“, zum entsprechenden – späteren – Liefertermin weiß unser Produzent, wie viel Geld er für die Ware bekommen wird, und wenn er auch noch die börsen-gemäßen Lagermöglichkeiten hat, braucht er nichts weiter zu tun, als den Zucker zu produzieren und abzuwarten, dass zu gegebener Zeit der – bis zur Andienung anonyme – Käufer sein Schiff zum Laden stellt. Die korrekte Abwicklung beider Seiten wird durch die Börse garantiert, wofür sie sich wiederum von allen Beteiligten üppige Garantien stellen lässt. Die meisten Kontrakte werden vor dem Auslaufen wieder aufgelöst Der Terminmarkt erfüllt seinen Zweck voll, auch wenn die jeweiligen Engagedabei US-$ 30,00 pro Tonne, die er in seiner Kalkulation vom Preis, den er beim Hamburger Händler bezahlt hat, in Abzug bringen kann. Mit anderen Worten, für seine Planung ist weiterhin nur der Preis relevant, den er mal am Terminmarkt bezahlt hat, auch wenn er dieses Engagement zurückgehandelt hat. Termingeschäfte aus Handelssicht: größere Käufe preislich absichern Der Terminmarkt dient dem Handel, um größere Käufe oder Verkäufe, für die er nicht sofort einen “Gegen-Partner“ findet, preislich abzusichern. Nehmen wir an, Nordzucker meldet sich beim besagten Hamburger Händler, und bietet eine Partie von 5.000 Tonnen C-Zucker an, zum Preis von € 250,00. In US-$ umgerechnet ergibt das US-$ 294,00. Der März in London handelt gerade mit US-$ 295,00. Der Händler gibt seinem Broker in London die Order zum Verkauf von 100 lots = 5.000 Tonnen zu US-$ 295,00. Sobald diese Order ausgeführt wurde, bestätigt

ments vor dem Auslaufen des Termins wieder aufgelöst werden. Das ist bei dem überaus größten Teil der Transaktionen der Fall. Das normale „Volumen“ in New York kann an einem Handelstag, der nur drei Stunden dauert, zwischen 20.000 und 50.000 lots, also eine bis 2,5 Millionen Tonnen betragen, es gab auch schon Tage mit 150.000 lots (= 7,5 Millionen Tonnen). Aufs Jahr gerechnet ergeben sich so ohne weiteres Umsätze von 500 Millionen Tonnen oder mehr. Die „Andienungen“ beschränken sich dagegen meist auf einige 100.000 Tonnen. Eine halbe Million gilt bereits als ungewöhnlich groß. Finanzfonds blähen Terminmarkt-Umsätze auf Hierzu muss allerdings auf die Rolle der Händler der Nordzucker den Kauf. Die Zeiten sind schlecht, der Markt fällt, die Kundschaft in Übersee wacht auf und der Händler bekommt eine Anfrage aus Sri Lanka für 5.000 Tonnen Zucker. Der März in London notiert mittlerweile bei US-$ 265,00 der Händler kalkuliert Fracht- und andere Kosten von US-$ 50,00 pro Tonne und verkauft zu US-$ 320,00. Das entspricht einem Netto-Erlös von US-$ 270,00. Flugs erteilt er seinem Broker den Auftrag, 100 lots = 5.000 Tonnen März bei US-$ 265,00 zu kaufen. Aus der Terminmarkt-Operation (Verkauf US-$ 295,00/Kauf US-$ 265,00) entsteht ein Gewinn von US-$ 30,00. Aus dem Kauf von Nordzucker (= US-$ 294,00) und Verkauf nach Sri Lanka (netto US-$ 270,00) entsteht ein Verlust von US-$ 24,00. Gewinn US-$ 30,00 minus Verlust US-$ 24,00 gleich Netto-Netto-Gewinn von US-$ 6,00. Der „Umweg“ über den Terminmarkt hat es also möglich gemacht, an dieser Transaktion Geld zu verdienen, obwohl der Preis nach dem Kauf bei der Nordzucker erheblich gesunken ist.


Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 25

Weltmarktpreise Zucker cents/pound (Ib) 1979-2005 Weltmarktpreis cents/pound (lb)

30

Durchschnittspreis cents/pound (lb)

25

20

anderen zu zwingen, hinter ihnen herzulaufen, erfüllt sich sehr oft auch nicht.

15

Weltmarktpreise sagen nichts über Kosten

10

5

0 1979 Stand: 30.08.2005

1981

1983

1985

1987

1989

1991

1993

1995

1997

1999

2001

2003

2005

Quelle: F. O. Licht, World Sugar Balances – 1995/96 - 2004/05

der Spekulation verwiesen werden, die zu dieser Aufblähung der Umsätze einen kräftigen Teil beiträgt. Man hat sich angewöhnt, in diesem Zusammenhang von „den Funds“ zu sprechen. In der Tat sind es oft Pensions-Fonds, oder reine Finanz-Fonds, die Geld aus verschiedensten Quellen verwalten und permanent nach den besten Anlagemöglichkeiten suchen. Diese Fonds müssen nun an den Terminmärkten entweder kaufen – sie „gehen long“, oder verkaufen – sie “gehen short“, um Geld zu verdienen. Sie tun das, was die professionellen Nutzer aus unseren Beispielen nicht tun – sie spekulieren, mal mit Erfolg, mal ohne. Solange sie aktiv sind, können sie viel bewirken. Da sie sich mit den Grundlagen, den „Fundamentals“ des

Marktes, wie zum Beispiel Produktion/ Verbrauch möglichst nicht befassen, werden sie normalerweise keine eigenen Strategien entwickeln, sondern darauf warten, dass eine Preisbewegung entsteht, um sich ihr dann anzuschließen. Durch ihre geballte Finanzkraft können sie diese Bewegung dann oft gewaltig verstärken, manchmal bis zur grotesken Verzerrung der Werte. In solchen Situationen wird dann mitunter von „manipulierten“ Märkten gesprochen. Wenn dies vielleicht auch nicht ganz falsch ist, wird man doch darauf hinweisen müssen, dass man einen Preis nur dann erfolgreich nach oben oder nach unten „manipulieren“ kann, wenn man selbst, mit eigenem Geld, den Preis nach oben hinaufkauft, oder eben nach unten verkauft. Die Hoffnung der Manipulateure, schließlich die

Der Weltmarkt ist ein „Rest“-Markt, auf dem Verkäufer und Käufer agieren, die hier nur einen kleine Teil ihrer Aktivitäten abwickeln, und auch nur teilweise mit eindeutiger kommerzieller Logik. Dargestellt wird der Weltmarkt an den Terminmärkten, die natürlich, um ein weiteres Vorurteil auszuräumen, die Preise nicht bestimmen, sondern nur registrieren. Die Preise haben viel mit Angebot und Nachfrage und der Spekulation, aber nur wenig mit Produktionskosten des einen oder anderen Anbieters zu tun. Ein Überschuss von Angebot über Nachfrage drückt die Preise, egal übrigens, von wem diese Überschüsse stammen und ob sie subventioniert sind oder nicht. In Zukunft sind „knappe Verhältnisse“ möglich Hier mag ein Blick in In Märkten die Zukunft angebracht ohne Überschüsse sein – der weltweite bestimmt der Zuwachs des Zuckerversolventeste Käufer brauchs mit 1,5 bis 2,5 den Preis Prozent pro Jahr scheint ungebrochen. Dagegen ist die Zunahme der Produktion keineswegs so sicher. Im Gegenteil, die EU schickt sich an, einen radikalen Schnitt ihrer Erzeugung und ihrer Exporte zu vollziehen und schneller Ersatz ist durchaus nicht sicher. Die Zeiten der MegaÜberschüsse scheinen erstmal vorbei zu sein, ausgeglichene, wenn nicht knappe Verhältnisse sind möglich. Und in Märkten ohne Überschüsse bestimmt nicht der billigste oder verzweifelteste Verkäufer die Preise, sondern der solventeste Käufer. ■


26 I Markt und Kunde I Akzente Dezember 2005

Kurz vorgestellt: Xylit Nordzucker Süßungsmittel im Portrait – Ein maßgeschneiderter zahnpflegender Zuckeraustauschstoff Karies entsteht infolge eines gestörten Gleichgewichts zwischen De- und Remineralisierung an der Schmelzoberfläche des Zahnes. Dabei spielen auch vergärbare Kohlenhydrate, die über die Nahrung in die Mundhöhle gelangen, eine Rolle. Sie werden durch Mikroorganismen im Zahnbelag (Plaque) in kariesverursachende Säuren umgewandelt. Bei häufigem Kohlenhydratangebot – insbesondere auch beim Genuss von an der Zahnoberfläche klebenden Snacks – bleibt die Remineralisierung des Zahnschmelzes unvollständig. Folglich sind eine sorgfältige Mundhygiene und die Fluoridzufuhr zur Förderung der Remineralisierung der Zahnoberfläche wichtige Maßnahmen zur Verhinderung der Karies. Einen weiteren Beitrag zur Vorbeugung der Karies leistet der Einsatz von Zuckeralkoholen. Sie verleihen dem Nahrungs- und Genussmittel die gewünschte Süße, können aber von den Mikroorganismen im Mund nicht oder nur sehr langsam verwertet werden. Verwendung von Xylit in Europa Bonbons & andere Süßwaren 12 %

Pharma 8%

Kaugummi 80 %

Attraktive Eigenschaften für den Konsumenten Xylit hat besonders zahnpflegende Eigenschaften und eignet sich besonders

gut zum Austausch von Kohlenhydraten. Das Produkt hat einen hemmenden Effekt auf die Mikroorganismen der Mundflora. Dieser für den Konsumenten besonders attraktive Zusatznutzen gegenüber anderen Zuckeralkoholen (zum Beispiel Sorbit, Mannit oder Isomalt) kann speziell in Europa, auf Grund entsprechender Kennzeichnung, vermarktet werden. Der Markt für Zahnpflege-Kaugummis und -Bonbons, deren Konsum besonders nach den Mahlzeiten empfohlen wird, wächst stark. Produkte der Anbieter Wrigley oder Mentos und das neue zuckerfreie tictac ICEGLOO® von Ferrero, das zu 97 Prozent aus Xylit besteht, sind vielen bekannt. Weitere starke Anwendungseigenschaften von Xylit sind die sehr hohe Süße (ca. 90 Prozent im Vergleich zum Zucker) sowie der Kühleffekt, der beim Schmelzen im Mund das angenehme Frischegefühl hervorruft. Daneben ist Xylit kalorienreduziert und diabetikergeeignet. Ausschließlich pflanzliche Rohstoffe Xylit wird heute ausschließlich aus pflanzlichen Materialien, die einen hohen Xylangehalt aufweisen, hergestellt. Als besonders geeignet gelten Holz (Birke und Buche), Stroh, Maisspindeln, Bagasse sowie Mandelund Nussschalen. Bei der industriellen Herstellung wird zunächst das Xylan mittels Schwefelsäure herausgelöst und zur Xylose hydrolysiert. Die nach mehrstufiger Reinigung kristallisierte Xylose wird anschließend

Dr. Volker Diehl, New Products InnoSweet GmbH

Schematischer Herstellungsprozess Holz, Stroh, Maisspindeln, etc.

Auflösen

Hydrolyse

Hydrierung

Aufreinigung

Aufreinigung

Verdampfung / Kristallisation

Verdampfung / Kristallisation

Xylose

Xylit

wieder aufgelöst, katalytisch mit Wasserstoff hydriert und als kristalline oder sprühgetrocknete Ware vermarktet. Der Xylit-Markt verzeichnet hohe Zuwachsraten. Der weltweit führende Anbieter von Xylit ist die dänische Danisco, daneben wird der Markt von Roquette (F) und Cargill (USA) bzw. deren europäischer Tochter Cerestar sowie einigen chinesischen Anbietern versorgt. Die Nordzucker Tochter InnoSweet GmbH aus Braunschweig bietet Xylit seit diesem Jahr an. ■ Der Markt für Zahnpflege-Kaugummis und -Bonbons wächst


Akzente Dezember 2005 I Markt und Kunde I 27

Für die süßen Augenblicke im Leben SweetFamily zeigt mehr „Gesicht“ Mit Abschluss der Einmach- und Cocktailzeit endete im August auch die seit November 2004 andauernde Einführungsphase der Marke „SweetFamily“. In diesem Zeitraum erfolgten für jeden SweetFamily-Sortimentsbereich Kommunikationsmaßnahmen zum Markenwechsel, indem das neue Verpackungsdesign zusammen mit der neuen Marke präsentiert wurde. Ziel war es, in allen Verwendergruppen Bekanntheit für die Marke SweetFamily aufzubauen. Ab September greifen die Vermarktungsmaßnahmen nun verstärkt das Markenversprechen „SweetFamily – Für die süßen Augenblicke im Leben“ auf, um den Konsumenten das näher zu bringen, was unsere Marke gegenüber anderen Hersteller- und Handelsmarken einzigartig, sympathisch und begehrenswert macht. Da sich Bilder mit Menschen, die unsere Produkte genießen, dazu besser eignen als reine Verpackungsabbildungen, zeigen die Kommunikationsmaßnahmen im wahrsten Sinne des Wortes nun „mehr Gesicht“. Im September läutete die Kampagne mit dem Jungen, der beim Kuchen naschen einen süßen Augenblick erlebt, die Blechkuchenzeit ein. Dabei spielten Zuckerträume Zimt sowie Brauner Zucker die Hauptrolle. Durch Rezeptbeilagen in den Zeitschriften Lisa und Tina, kleinen runden Rezeptheftchen auf den Deckeln der Zuckerträume und einem Puzzlegewinnspiel im Internet (www.sweet-family.de) wurden den Konsumenten die leckeren Anwendungsmöglichkeiten der Markenprodukte schmackhaft gemacht. Von Oktober bis Dezember werden die Zuckerträume Vanille, der Puderzuckerstreuer und der Feinste Zucker durch sympathische Momentaufnahmen während des Backens in der heimischen

Küche in Szene gesetzt. Erneut werden die Verbraucher mittels Rezeptbeilagen in den Zeitschriften Lisa und Tina und kleinen runden Rezeptheftchen auf den Deckeln der Zuckerträume auf unsere Backprodukte aufmerksam gemacht. Ein 5-Euro-Gutschein auf den Kilo- und 500-Gramm-Verpackungen von Feinstem Zucker schafft in der Zeit vom 1. November bis 31. Dezember zusätzliche Kaufanreize. Auf der Rückseite des Gutscheins ist ein individueller Code vermerkt, der beim Einkauf im OnlineShop www.buch.de eingelöst werden kann (Mindestwarenwert 25 Euro).

Dr. Marcus Fuchs, Produktmanagement

Diese Verkaufsförderung via 5-Euro-Gutschein findet zeitgleich auch bei unserem Weißen und Braunen Teezucker Anwendung, deren Vermarktung dann im Januar und Februar mit „Lassen Sie es knistern“-Anzeigen in BUNTE und Reader’s Digest fortgesetzt wird.


28 I Treffpunkt Nordzucker I Akzente Dezember 2005

Goetz von Engelbrechten im Aufsichtsrat von KWS sichtsrat, ist seit dem 7. November neues Aufsichtsratsmitglied der KWS Saat AG. Er wurde durch das zuständige Amtsgericht bestellt, nachdem Philip von dem Bussche sein Aufsichtratsmandat zum 1. Oktober 2005 niedergelegt hatte und in den Vorstand der Gesellschaft gewechselt ist.

Goetz von Engelbrechten, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Nordzucker AG und Mitglied im Nordzucker-Auf-

„Goetz von Engelbrechten schätzen wir aus langjähriger Erfahrung“, so Vorstandssprecher Andreas J. Büchting. „In seiner früheren Tätigkeit für die

KWS-Gruppe (1970-1992), zuletzt als Geschäftsführer unserer Getreidegesellschaft Lochow-Petkus, hat er das Hybridroggengeschäft erfolgreich aufgebaut.“ Goetz von Engelbrechten wird der Hauptversammlung der KWS am 18. Januar 2006 zur Nachwahl für die laufende Amtsperiode vorgeschlagen werden. KWS/sdp

FDP-Abgeordnete in Braunschweig Über den aktuellen Stand der ZMO informierten sich am 20. Oktober 2005 die Mitglieder des Landtages Jan-Christoph Oetjen, Gesine Meißner und Carsten Lehmann sowie Dieter Lüddecke, Vorsitzender der FDP-Regionsfraktion Hannover. Schwerpunkt der Ausführungen von Gerald Dohme (3. von re.) waren die Schließungen der beiden Zuckerfabriken Wierthe und Groß Munzel in diesem und im kommenden Jahr als Reaktion auf die EUZuckerexportverbote ab 2006 durch den verlorenen WTO-Panel-Entscheid.

Renaturierung im Fokus Lehrter Teiche an Stiftung Kulturlandpflege übergeben Am 13. September übergab Günter Jakobiak das 38 Hektar große Teichgelände der ehemaligen Zuckerfabrik Lehrte an die niedersächsische Stiftung Kulturlandpflege. Für Nordzucker das flächenmäßig größte Projekt bisher. Nachdem 1998 die letzte Rübe im Werk verarbeitet worden war, musste eine Nachnutzung des Industrieareals und der Teichanlagen her. Beides ist in der Zwischenzeit erfolgreich unter Dach und Fach. Im Beisein von zahlreichen Stiftungsvertretern,

Politikern und dem Umweltausschuss der Stadt Lehrte richtete Jakobiak auch den Blick nach vorn und betonte, dass Nordzucker seit Mitte der 80er Jahre kontinuierlich auf die Übergabe renaturierter Flächen in weitere Umweltnutzungen setze und keine Industriebrachen an ehemaligen Standorten akzeptiere. „Der Umgang mit der Nachnutzung ehemaliger Standorte ist Bestandteil unseres Nachhaltigkeitskonzepts“, hob Jakobiak hervor. So entstanden an zahlreichen

Standorten wie auch in Lehrte Nachnutzungskonzepte, die Zukunftschancen und Arbeitsplätze bieten, wo durch Werksschließung zunächst der Rückbau im Vordergrund stand. Tanja Schneider-Diehl


Akzente Dezember 2005 I Treffpunkt Nordzucker I 29

„Es ist fünf vor zwölf“ Starkes Interesse ehemaliger Führungskräfte an Entwicklung der Nordzucker AG auf Kampagnetreffen Den Zug haben sie zwar schon verlassen, doch Richtung, Lokführer und Geschwindigkeit – das interessiert die ehemaligen Zuckertechniker und Werkleiter der Nordzucker weiterhin sehr. So trafen sich im Oktober 50 Ehemalige im Werk Klein Wanzleben, um den Kontakt zum Unternehmen zu halten und mehr zu hören zu den Entwicklungen auf WTO-Ebene und innerhalb der EU. „Es ist fünf vor zwölf“ – sagte Dr. Ulrich Nöhle zur Reform der ZMO. Die Verhandlungen in Hongkong im Dezember seien für die WTO der Schlüssel zu mehr Liberalisierung auf den Weltmärkten. „Betroffen hiervon sind landwirtschaftliche Produkte, also auch wir und unser Zucker“, der als Gut gegen Dienstleistungen und Hochtechnologie ins Rennen geschickt werde. Von politischen Veränderungen auf WTOEbene seien aber auch die Änderungen im Rahmen der Zuckermarktordnung betroffen. Wenn der im Sommer vorgelegte Vorschlag der EU-Kommission so umgesetzt werde, komme es vor allem darauf an „die Anreize für den Ausstieg dann nicht mehr konkurrenzfähiger Marktteilnehmer attraktiver zu gestalten, um eine horizontale Quotenkürzungen zu vermeiden“, hob Nöhle

hervor. „Wir gehören zu den Besten, wir müssen aber noch deutlich besser werden, wenn wir nach 2015 am Markt bestehen wollen.“ Günter Jakobiak berichtete über den bisherigen Verlauf der Kampagne 2005 in Deutschland und im Bereich International, über Investitionen und Produktionserwartungen. So sei ab 2015 mit größeren Zuckerfabriken und deutlich längeren Kampagnen zu rechnen. Um dies organisieren zu können, sei die Langzeitlagerung der Rübe von züchterischer Seite zu lösen. „Nordzucker trägt mit einigen Pilotprojekten dazu bei, effizienter und kostengünstiger zu werden“, betonte der Technik-Vorstand.

So werde das Projekt „Bahntransport von Rüben“ ab Ende Oktober ausloten, ob sich clevere und kostengünstige Transportlösungen für die Zukunft ergeben. Auf die just-in-time-Anlieferung der Rüben setze das Projekt „7-TageAnfuhr in Klein Wanzleben“. „Wir wollen von den Wochenendlagern für Rüben wegkommen, auch das spart Kosten“, erklärte Jakobiak. Im Bereich Mitarbeiter bestehe das Ziel, ab 2006 auf bezahlte Überstunden zu verzichten. Werkleiter Karl Meier beschloss mit einem ausführlichen Rundgang den informativen Teil des Besuchsprogramms. Tanja Schneider-Diehl

Besucher aus dem Reich der Mitte Eine rote Fahne am Werkstor, ein Plakat mit chinesischen Zeichen am Eingang in Klein Wanzleben, Uelzen und im Flüssigzuckerwerk Nordstemmen. Der Grund dafür: Vertreter von zwei chinesischen Firmen, Geschäftspartner der InnoSweet, waren zu Besuch in Deutschland und konnten unter anderem diese Werke besichtigen. Die beiden Firmen Hope und Green stellen in China Süßungsmittel her.

Während der Rundgänge in den Werken wurde intensiv über technische Ausrüstung und Qualitätsmanagement diskutiert. In technischen Fragestellungen konnte man sich auch über Kulturgrenzen hinweg sehr gut verständigen. Bei Fragen, die das Qualitätsmanagement betreffen, spielen die unterschiedlichen Erfahrungen in China bzw. in Deutschland eine deutlich größere Rolle. Dr. Rahel Buczys, InnoSweet GmbH

Diskussion in Klein Wanzleben - Lee Chang (InnoSweet) und Liu Jicai (Hope), oben; Herr Liu Huixing (Hope) und Dr. Rahel Buczys (InnoSweet), unten


30 I Neue Felder I Akzente Dezember 2005

Biodiesel oder Rapsöl als Kraftstoff? Neue Felder informiert über Verwertungsmöglichkeiten für Raps

Thomas Graf, Marktordnungsfragen, Neue Felder

Durch den verstärkten Anbau als nachwachsender Rohstoff wurde die Rapsfläche in Deutschland auf 1,26 Millionen Hektar ausgedehnt. Die weit überwiegende Verwendungsrichtung von Raps als nachwachsender Rohstoff erfolgt derzeit in Form von Biodiesel (RME).

sich mit dem Thema Umrüstung von Motoren im landwirtschaftlichen Bereich zu befassen. Bei Entscheidungen zur Umrüstung ist zu empfehlen, die Kriterien Kraftstoffpreis, Einsatztauglichkeit und Betriebssicherheit gleichermaßen zu berücksichtigen.

grenzwerte, sondern auch deutlich weniger Begrenzungen in der Biomassebasis, da er aus Ganzpflanzen verschiedenster Art hergestellt werden kann.

Motoren umrüsten – Ja oder nein?

SunFuel wird Biodiesel den Rang ablaufen

Immer mehr Landwirte prüfen den Einstieg in die Gewinnung von Rapsöl als flüssiger Industrie- und Energierohstoff. Die Rapsölgewinnung ist inzwischen nicht nur im großtechnischen, sondern auch im dezentralen Maßstab ausgereift. Neben einzelbetrieblichen Lösungen bieten sich Beteiligungen an Erzeugergemeinschaften oder genossenschaftlichen Ölverarbeitungsanlagen an. Erfolgsfaktoren sind die Wahl einer geeigneten Pressengröße, hohe Auslastung der Anlage, strengste Kostendisziplin, die Gewährleistung einer definierten Qualität der Produkte und der Aufbau stabiler Absatzmärkte.

Der Einsatz dieses Kraftstoffs in Reinform sollte nach Einbau entsprechender Dichtungen nur in dafür freigegebenen Motoren erfolgen. Deutlich umfangreichere technische Eingriffe sind nötig, wenn ein Dieselmotor mit (unverestertem) Rapsöl betrieben werden soll. Hierfür bieten spezielle Umrüstfirmen ihre Dienstleistungen an. In der Regel verliert der Nutzer jedoch mit dem Umbau auf Rapsöl die Garantie des Motorenherstellers. Neuerdings gibt es Versicherungen gegen Motorschäden bei Verwendung von reinem Rapsöl. Bei steigenden Mineralölpreisen vergrößert sich der Preisvorteil von Rapsöl. Dies nehmen immer mehr Landwirte zum Anlass,

Bislang machte der Anteil von Rapsöl als Reinkraftstoff am gesamten in Deutschland eingesetzten Kraftstoff weniger als 0,01 Prozent aus. Reines Rapsöl ist damit bislang ein Nischenprodukt im Kraftstoffmarkt. Dem gegenüber betrug der Anteil von Biodiesel immerhin schon 1,4 Prozent. Prognosen zur künftigen Entwicklung des Kraftstoffmarktes lassen ein begrenztes weiteres Wachstum des Biodieselmarktes erwarten. Etwa ab dem Jahr 2010 wird Biodiesel voraussichtlich mehr und mehr durch SunFuel ergänzt beziehungsweise ersetzt werden. Dieser neue Kraftstoff hat nicht nur Vorteile hinsichtlich der Einhaltung niedrigerer Emissions-

Rapsverarbeitung – Eine Option für Landwirte

Möglich ist auch die weitere Veredelung des Rapsöls auf betrieblicher Ebene zu RME im so genannten


Akzente Dezember 2005 I Neue Felder I 31

Batchverfahren. Hierbei handelt es sich um absetzige Produktion in Chargen. Mit der Einspeisevergütung nach EEG bietet sich ferner der Rapsöleinsatz in Blockheizkraftwerken (BHKW) an. Eine hohe Wertschöpfung ist möglich, wenn die bei der Herstellung von Strom anfallende Wärme möglichst vollständig genutzt wird und eine gute Auslastung der Anlage gesichert ist. Weitere Verwendungsmöglichkeiten für Raps Noch in der Erprobungsphase ist die Verwendung von Rapsöl als Heizöl. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Möglichkeiten: den Einsatz von Rapssaat als Schmierstoff, als Asphaltzusatz, als Betontrennmittel, als Hilfsstoff in der Blechverarbeitung und als Rohstoff für Kosmetikprodukte. Schließlich wird Rapsöl in der Energietechnik sowie in der Chemischen Industrie eingesetzt.

Herstellungskosten von Rapsöl in Abhängigkeit von Anlagengröße und Auslastung der Anlage Die Herstellungskosten von Rapsöl sinken • mit zunehmender Größe der Anlage • mit zunehmender Auslastung. 5.000 Betriebsstunden 6.000 Betriebsstunden 8.000 Betriebsstunden Ölmindestpreis in €/l

0,5

0,48

0,46

0,44

0,46

0,44 0,43

0,4

0,43

0,41 0,40

0,3

0,2

0,1

0 150

750

1.000

Leistung der Anlage in kg/h Quelle: Graf, Torsten, TLL, Jena: „Betriebswirtschaftliche Aspekte der dezentralen Ölsaatenverarbeitung“, in „Dezentrale Ölsaatenverarbeitung“, KTBL- 427

Festzuhalten ist, dass Raps durch vorteilhafte Eigenschaften eine ganze Reihe von Nutzungsmöglichkeiten hat. Das Mengenpotenzial für die energetische Verwertung erscheint dabei

jedoch ungleich höher als das der stofflichen Nutzung. Die Steigerung der Kosten für fossile Brennstoffe und die Förderung von Biokraftstoffen beschleunigen die stärkere Nutzung.

Neue Felder für innovative Pflanzennutzung bietet interessierten Landwirten eine aktuelle Dokumentation über Verwertungsmöglichkeiten von Raps, wirtschaftliche Effekte der Umrüstung auf Rapsöl, Fördermöglichkeiten für Anbau, Verwertung

und Vermarktung sowie über Risiken durch die Abhängigkeit der Ölsaatenpreise vom internationalen Handel. Die Langfassung mit 70 Seiten können Sie per Fax unter 0531 2411-103 oder per E-Mail unter thomas.graf@nordzucker.de abrufen.

Literaturtipps zum Thema Biomasse als Energieträger Mit Blick auf extreme Steigerungen der Energiepreise findet Biomasse als Energieträger starke Beachtung. In vielen Betrieben wird erwogen, stärker auf Holz zur Wärmebereitung zurückzugreifen. Zu diesem Themenbereich bietet die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe folgende kostenlose Veröffentlichungen an: Das Handbuch Bioenergie Kleinanlagen (2003) deckt ein breites Themenspektrum ab, welches von der Bereitstellung von Festbrennstoffen über Brennstoffeigenschaften bis hin zu Feuerungs- und Anlagentechnik, rechtlichen Anforderungen und Kostenangaben reicht. Das Handbuch wird durch den aktuelleren Leitfaden Bioenergie 2005 ergänzt, der die vorgenannten Themen und zusätzlich die Organisation und Umsetzung eines Bioenergieprojekts behandelt. Die Marktübersicht Pellets-Zentralheizungen und Pelletöfen hilft bei der

Wahl des richtigen Pelletkessels. Sie listet die im Handel erhältlichen Biomassekessel auf und gibt auch viele Tipps zu Einbau und Betrieb der Kessel. Die Marktübersicht Scheitholzvergaserkessel, Scheitholz-Pellet Kombinationskessel gibt Hinweise zur Planung und Installation dieser Anlagen. Einen Schwerpunkt bilden die Empfehlungen zur technischen Bewertung der Kesselsysteme. Für den Investor sehr hilfreich sind die Gegenüberstellungen der betrachteten Heizanlagen im Hinblick auf technische Ausstattung und Preise. Die genannten Schriften sind als Download zu beziehen bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., und zwar über die Internetseite: http://www.bio-energie.de. Bitte verwenden Sie auf dieser Website den Pfad Literatur/Allgemein oder Literatur/Feste Biomasse. Wegen des großen Datenvolumens sind die Kapitel zum Teil einzeln nacheinander herunterzuladen.


Nordzucker AG, Küchenstraße 9, 38100 Braunschweig ���� ������������������ ���������

Pflaumen-Apfel-Strudel Aus Mehl, Wasser und Ei einen Nudelteig kneten. Die Oberfläche befeuchten und den Teig 30 Minuten ruhen lassen. Den Teig auf einem bemehlten Tuch ausrollen und ziehen. Schnell mit flüssiger Butter bestreichen und die vorbereiteten Zutaten der Füllung auf dem Teig verteilen. Die Seiten einschlagen und die Teigplatte zu einem Strudel aufrollen. Den Strudel in eine Auflaufform legen und 45 Minuten bei 160 °C backen. Noch warm mit Vanillesoße oder Vanilleeis verzehren.

Für den Teig: 250 g Mehl 1/8 l Wasser 1 Ei Für die Füllung: 50 g flüssige Butter 1 Msp. Salz 400 g Äpfel 350 g Pflaumen 60 g SweetFamily Zuckerträume Vanille 50 g gehackte Mandeln Zum Dekorieren: SweetFamily Puderzucker

2005-12_Akzente  

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