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Übergewicht: Schlafmangel macht Menschen dick Wer schlecht schläft, hat einen deutlich erhöhten Energiebedarf | Seite 14

gesundheitsbote B O NN

IHRE REGIONALE GESUNDHEITSZEITUNG

AUSGABE Bonn | Nr. 10 | 2. Jahrgang

kostenlos

September 2013 | www.gesundheitsbote.com

In dieser Ausgabe... Mit Tabak und Alkohol altert das Hirn schneller

Michael Maicher HERAUSGEBER Gesundheitsbote

Raucher mit erhöhtem Alkoholkonsum beschleunigen den Alterungsprozess ihrer grauen Zellen. Binnen zehn Jahren altert ihr Hirn deutlich. Gesundheit | Seite 9

Editorial

Ursache und Wirkung vertauscht?

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Medikamentenmißbrauch schadet Sportlern Schmerzmedikamente können langfristige Folgen für die Sportler haben. Gesundheit | Seite 8

Gesundheitskurse bei Ihnen vor Ort Zertifizierte Gesundheitskurse werden von den Kassen unterstützt. Wir stellen Ihnen ein paar davon vor. Bonn | Seite 8

www.gesundheitsbote.com

Treffpunkt für Fans facebook.com/gesundheitsbote Folgen Sie uns auf Twitter twitter.com/gesundheitsbote Regelmäßig für Sie gesundheitsbote.com/abo Nachrichten an uns info@gesundheitsbote.com

Cola ist gesund Warum das Absurde mehr als ein Fünkchen Wahrheit enthält, lesen Sie im Innenteil | Seite 10 und 11

ola ist gesund! Diese Schlagzeile bringt mir wieder zahlreiche Leserpost ein. Der Zuckerkonsum soll doch gesenkt werden und dann berichtet eine Gesundheitszeitung auch noch positiv über die Cola. Doch so einfach ist es nicht. Nach neuesten Studien bedient Cola den erhöhten Zuckerbedarf z.B. unter Stress. Hier werden Ursache und Wirkung vertauscht. Denn nicht der erhöhte Cola-Genuß macht krank, sondern die Ursache für den erhöhten Bedarf: der Stress. Braucht das Gehirn unter Stress mehr Zucker, so ist es fahrlässig, den Bedarf zu ignorieren. Der richtige Weg ist, den Zuckerbedarf zu bedienen und sich Gedanken zu machen, wie man dem Stress besser begegnet. So sinkt der Bedarf und damit auch der Cola-Genuß. Ein Umdenken ist hier wichtig, weil die Zuckerhysterie impliziert, dass derMensch fehlerhaft ist, wenn er es nicht schafft, sich zu zügeln. Dabei ist hier das genauen Gegenteil der Fall.


Auftakt

Ihre Gesundheitszeitung

Kindermund...Haben Sie sich das nicht auch schon mal gefragt?

Muskelkater typischerweise nach Bergablaufen

+ Gesundheitsnachrichten +

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erkwürdig: nach dem Berglauf ist man zwar müde, doch Muskelkater stellt sich meist nicht ein. Läuft man dagegen in welligem Terrain, meldet sich der Muskel verlässlich innerhalb von 48 Stunden und beschwert sich über die vorangegangene Belastung.Woran liegt das bloß? Die Erklärung ist relativ einfach. Beim Bergauflaufen ziehen sich unsere Muskelfasern zusammen, um uns nach oben zu transportieren. Diese soganannte konzentrische Muskelkontraktion ist die typische Bewegung für den Muskel. Beim Bergablaufen treibt uns schon die Schwerkraft nach unten. Unsere Muskeln müssen uns also bremsen. Bei diesem Abbremsvorgang finden kleine Zerreißungen des Muskels statt. Dies nennen wir exzentrische Muskelkontraktion. Und diese führt zu dem bekannten Phänomen desMuskelkaters.

Rheuma-Patienten leben 10 Jahre länger Berlin. Die Rheuma-Erkrankung hat viel von ihrem Schrecken verloren - dank vieler Arznei-Innovationen. 20 Prozent mehr Erkrankte als 1997 können gar arbeiten gehen. Im Vergleich von 2007 zu 1997 stieg die Quote der erwerbstätigen Patienten mit dieser Erkrankung um mehr als 20 Prozent (Frauen: 24 Prozent, Männer 21 Prozent). Die Lebenserwartung bei RA ist zudem um zehn Jahre gestiegen. Das geht aus dem Arzneimittel-Atlas 2013 hervor, der in Berlin vorgestellt worden ist. Defizite gebe es allerdings in der fachärztlichen Versorgung: In den ersten sechs Krankheitsmonaten suchten lediglich 40 bis 60 Prozent der Patienten einen Rheumatologen auf.

Wohlstand: Chinesen werden immer dicker Peking. Zunehmender Wohlstand und mangelnde Bewegung lassen die Chinesen immer dicker werden. Fast ein Drittel der Einwohner des Landes sei übergewichtig oder fettleibig, berichtete die Zeitung China Daily unter Berufung auf eine Studie im Auftrag der staatlichen Sportbehörde. Der Trend sei vor allem bei jungen Erwachsenen zu bemerken: Fast zwei Kilogramm habe jeder der 20- bis 39-jährigen Chinesen im Schnitt seit 2010 zugenommen. In der Studie wurden 43.000 Chinesen zwischen 20 und 69 Jahren untersucht. Mehr als elf Prozent der unter 39-Jährigen sind demnach fettleibig; zwei Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren. Gut die Hälfte dieser Altersgruppe treibt kaum Sport. Damit sind die 20- bis 39-Jährigen die am „wenigsten aktiven“ Erwachsenen des Landes.

Erste Hilfe

Richtlinien haben sich geändert

W

er vor Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs besuchte, sollte jetzt sein Wissen überprüfen. Denn auch bei der Erstversorgung von Unfällen haben sich Dinge geändert. Ein Mensch mit einer Brandwunde bekommt schnell eine Unterkühlung, wenn der Ersthelfer ihn falsch behandelt. Kühlen habe nur in den ersten zehn Minuten einen positiven Effekt auf die Wunde und auf die Schmerzen. Wer länger kühlt, riskiert eine Unterkühlung. Auch andere Richtlinien haben sich in den vergangenen Jahren geändert. Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung seien 30 Herzmassagen notwendig. Dann müssten zwei Atemspenden folgen. Am wichtigsten sind aber die Herzmassagen.

2 | gesundheitsbote

Psychische Erkrankungen

Fehlzeiten sind für Viele tabu Umfrage Jeder dritte psychisch Kranke geht zur Arbeit. Psychische

Krankheiten sind immer noch ein Tabu im Job. Hamburg. Aus Angst vor Nachteilen im Job geht mehr als jeder dritte Berufstätige trotz psychischer Probleme zur Arbeit. Das geht aus einer in Hamburg veröffentlichten Umfrage der DAK-Gesundheit hervor. Häufig verschweigen die Betroffenen demnach gegenüber dem Arbeitgeber ihre seelische Erkrankung. Die Befragung von 3.000 Männern und Frauen durch das Forsa-Institut zeigt laut DAK zudem, dass psychische Erkrankungen in Deutschland trotz der öffentlichen Debatte um Depressionen und Burn-out nach wie vor ein Tabu sind.

Psychische Erkrankungen beim Fehlen immer noch tabu 65 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen ein Arbeitsausfall durch ein Seelenleiden unangenehmer sei als eine Krankschreibung wegen körperlicher Symptome. Vielen falle es schwer, sich zu ihrer Depression oder Angststörung zu bekennen. Jeder dritte Erkrankte glaubt zudem, dass es im Job nur wenig Verständnis dafür geben würde, wenn ein Mitarbeiter wegen seelischer Probleme ausfällt.Viele versuchen deshalb, ihre Probleme zu verheimlichen. Depressionen, Angststörungen und andere Seelenleiden sind laut DAK-Gesundheitsreport, in des-

Psychisch krank? Da gehen viele Menschen trotzdem zur Arbeit, da Sanktionen befürchtet werden.

sen Rahmen die Befragung lief, der dritthäufigste Grund für Fehlzeiten im Job. 13 Prozent aller Fehltage gingen im ersten Halbjahr 2013 auf diese Diagnosen zurück. Häufigste Ursachen für Krankschreibungen sind Muskel-SkelettErkrankungen wie Rückenschmerzen sowie Atemwegserkrankungen

wie zum Beispiel Erkältungen. Für den Gesundheitsreport wurden die Daten von 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten der Krankenkasse DAK ausgewertet. Parallel befragte das ForsaInstitut 3.000 Männer und Frauen zum Thema psychische Erkrankungen.


die Seite 3

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Tipps gegen Schlaganfälle Prävention Um einem Schlaganfall vorzubeugen ist es insbesondere wichtig, den Blutdruck ausreichend zu kontrollieren.

Atlanta/Berlin. Wer das Risiko für einen Schlaganfall senken möchte, sollte bei seinem Lebensstil besonders auf einen normalen Blutdruck und gute Blutzuckerwerte achten und außerdem nicht rauchen. Allein ein gut eingestellter Blutdruck senkt das Risiko um 60 Prozent. Das berichten die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Sie beziehen sich dabei auf eine in der Fachzeitschrift Stroke erschienene Studie, die untersucht, ob und gegebenenfalls wie sich die sieben Lebensregeln der USamerikanischen Herzgesellschaft zum Schutz vor einem Herzinfarkt auch auf das Schlaganfallrisiko auswirken. Diese sieben Regeln beziehen sich auf Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker. Außerdem sollte man viertens körperlich aktiv sein, fünftens Übergewicht vermeiden, sich sechstens gesund ernähren und siebtens nicht rauchen. In der Studie begleiteten Wissenschaftler unter der Leitung des Departments of Epidemiology der Emory University Atlanta mehr als 22.000 US-Amerikaner im Alter über 45 Jahre über fast fünf Jahre. Die Teilnehmer füllten zu Beginn der Studie Fragebögen zu ihren Lebensgewohnheiten aus. So konnten die Forscher den Einfluss einzelner Lebensregel auf die Schlaganfallhäufigkeit untersuchen. „Die Teilnehmer mit einem optimalen Lebensstil erlitten nur

Organspendeausweis in Apotheken Köln/Berlin. Kunden können ab diesem Monat in Apotheken auch Organspendeausweise erhalten. Darauf haben die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hingewiesen, die die Ausweise zur Verfügung stellen. „Auf der Warteliste für ein Organ stehen in Deutschland derzeit rund 12.000 potenzielle Organempfänger“, erklärte Direktorin Elisabeth Pott. Täglich stürben drei Menschen aufgrund des Mangels an gespendeten Organen. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass Menschen sich mit ihrer Haltung zur Organ- und Gewebespende auseinandersetzen.

Bei einem Schlaganfall droht das Absterben von gesundem Hirngewebe. Daher gilt ein schnelles Handeln als unbedingt notwendig.

halb so häufig einen Schlaganfall wie Teilnehmer, die gegen viele Regeln verstießen“, erläutert der DSG-Pressesprecher Joachim Röther von der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona. Die Studie dokumentiert erstmals, dass auch die Einhaltung einzelner Lebensregeln das Schlaganfallrisiko günstig beeinflusst. Die größte Wirkung hat danach der Blutdruck. Optimale Werte senkten das Schlaganfallrisiko um 60 Prozent. „Der Bluthochdruck kann heute mit Medikamenten ohne Ein-

schränkung der Lebensqualität wirksam behandelt werden“, sagte Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen: „Alle betroffenen Erwachsenen sollten diese Möglichkeit nutzen.“ Einen deutlichen Einfluss hatte auch der Verzicht auf das Rauchen. „Studienteilnehmer, die seit mindestens einem Jahr nicht mehr geraucht hatten, erlitten um 40 Prozent seltener einen Schlaganfall“, berichtet Diener.

Viele junge Bayern haben Organspendeausweis Umfrage Ein Drittel der bis 25-Jährigen in Bayern zur Organspende bereit. München. Die Appelle zum Tragen eines Organspendeausweises scheinen besonders bei jüngeren Menschen zu wirken. Das legt eine Umfrage der AOK Bayern nahe. Danach hat fast jeder Dritte der Befragten bis 25 Jahre einen Organspendeausweis, aber nur 23 Prozent der 26- bis 40-Jährigen. Insgesamt sind 40 Prozent der Befragten zur Organspende bereit. Die meisten von ihnen begrüßen es, wenn ihre Krankenkasse sie über das Thema informiert. „Die große Spannweite zwischen der Bereitschaft, Organe zu spenden und dem Besitz eines Organspendeausweises belegt, dass wir weiterhin auf umfassende Aufklärung setzen müssen“, sagte Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern. Er wies daraufhin, dass die AOK Bayern in diesem Jahr

+ Gesunde Nachrichten +

Jüngere Menschen sind wieder häufiger Träger von Spendeausweisen.

bislang 3,7 Millionen Organspendeausweise und Informationen an ihre Versicherten über 16 Jahre verschickt habe. Seitdem vor einem Jahr Manipulationsvorwürfe in Zusammenhang mit der Vergabe von Spenderorganen laut wurden, sind die Organspendezahlen in Deutschland zurückgegangen. So verzeichnet die Deutsche Stiftung für Organtransplantation für das erste Halbjahr 2013 einen bundesweiten Rückgang der Organspender von 18,3 Prozent. Dabei schadet der Rückgang der Spendenbereitschaft in erster Linie den betroffenen Kranken. Bislang konnte auch noch nicht nachgewiesen werden, ob es bei den Manipulationen um Geld ging oder ob die behandelnden Ärzte sich - in diesem Fall illegal - über Gebühr für ihre Patienten eingesetzt haben.

Unfallrisiko bei der Arbeit gesunken Berlin – Die Sicherheit bei der Arbeit und beim Schulbesuch hat im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Das geht aus den Geschäfts- und Rechnungsergebnissen der Deutschen Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hervor. Obgleich demnach die Zahl der Berufskrankheiten leicht gestiegen ist, blieb die durch­ schnittliche Belastung der deutschen Wirtschaft durch Arbeitsunfälle und Berufs­krankheiten stabil.

IMPRESSUM Herausgeber: Michael Maicher (Arzt) Verlag: Der Gesundheitsbote Verlags-UG (haftungsbeschränkt) Am Heider Kopf 29, 58339 Breckerfeld Telefon 02338 / 872755 Fax 02338 / 872755 info@gesundheitsbote.com Chefredakteur (V.i.S.d.P.): Michael Maicher Kontakt zur Redaktion: 0211 / 99540439 redaktion@gesundheitsbote.com Anschrift: Redaktion gesundheitsbote Am Heider Kopf 29, 58339 Breckerfeld Druck: Rheinisch-Bergische Druckerei, Zülpicher Straße 10, 40549 Düsseldorf Telefon: 0211 / 505-0 Vertrieb und Kommunikation: Schranz-Control, Prof.-Oehler-Straße 7, 40589 Düsseldorf | 0211 / 99540439 Erscheinungsweise: alle zwei Monate kostenlos mit einer Gesamt-Auflage von 43.500 Exemplaren. ABO: 9,00 Euro inkl. 7% MwSt. für ein Jahr (6 Ausgaben) bei Belieferung alle 2 Monate. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen. Der Gesundheitsbote und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ist eine Verwertung ohne Einwilligung des Verlages strafbar. Alle Anbieter von Beiträgen, Fotos und Illustrationen stimmen der Nutzung in den Ausgaben des Gesundheitsboten im Internet, auf DVD sowie in Datenbanken zu.

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Vermischtes

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Unbekannte Gefahr

Sean Connery offenbar an Alzheimer erkrankt

Junge Ärzte: der Job muss m Lebensqualität ermögliche

S

Bewerbungen Ansprüche der Bewerber haben sich deutlich gewandelt. In

Das Promi-Lazarett

ean Connery soll einem Medienbericht zufolge an Alzheimer erkrankt sein. Bereits seit mehreren Jahren lebt der Schauspieler zurückgezogen in Spanien und New York und meidet die Öffentlichkeit. Nun soll es schlimm um ihn stehen. Sean Connery ist an Alzheimer erkrankt. Dies will die „Bild am Sonntag“ erfahren haben. Er verliere zunehmend sein Erinnerungsvermögen, und vergesse ständig, wo er sich gerade aufhalte, berichteten Freunde des Schauspielers demnach. Oscar-Preisträger Connery, der vor drei Jahren bekanntgab, keine Lust mehr auf die Schauspielerei zu haben, lebt zurückgezogen in Spanien oder in seiner New Yorker Wahlheimat. Interviews gibt er schon lange nicht mehr. Nur noch Vertraute wie Connerys Kollege Michael Caine hätten laut „Bild am Sonntag“ Zugang zum einstigen James-Bond-Darsteller. „Er ist nicht mehr Herr seiner Sinne“, zitiert das Blatt Michael Caine. Connery sei nur noch ein Schatten seiner selbst. Caine: „Man muss sich ernste Sorgen machen.“ (mma)

Gesundheit im Job

Chef beeinflusst die Gesundheit Überlingen. Sind Mitarbeiter physisch und/oder psychisch krank, so liegt das mitunter an den Führungskräften, warnt eine Studie. Forscher der Universität St. Gallen haben herausgefunden, dass den Chefs eine zentrale Rolle bei der psychischen Gesundheit ihrer Mitarbeiter zukommt. Zudem zeigte sich, dass eine gesunde Führung erst in 24 Prozent der untersuchten Unternehmen sehr gut oder gut ausgeprägt ist. Sind die Mitarbeiter mental gesund, dann steigt auch die Leistung des Unternehmens der Studie nach um bis zu 15 Prozent. Negative Faktoren verminderten sich sogar deutlich: die Kündigungsabsicht sank um 75 Prozent, das destruktive Engagement um 63 Prozent und der Resignationsgrad um 52 Prozent.

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Ärzten achten junge Kollegen auf eine ausgeglichene Work-Life-Balan

„„Die junge Generation tickt anders und legt mehr Wert auf Freizeit und Familienleben. Aufopfern für den Job gehört offenbar der Vergangenheit an. von Michael Maicher

Heidelberg. Die junge Generation tickt einfach anders - auch Praxisund Klinikchefs bekommen dies zunehmend zu spüren, wenn sie Jobs neu besetzen wollen. Nur noch für den Job zu leben, erscheint jungen Assistenzärzten heute wenig attraktiv. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist das erklärte Ziel. „Die Ochsentour hat ausgedient“, bestätigte Professor Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) aus Ludwigshafen beim 3. Expertengespräch an der Uniklinik Heidelberg. Die nach 1985 Geborenen seien rational, selbstbewusst und wüssten ihre Chancen zu nutzen. Möglich mache dies nicht zuletzt der zunehmende Fachkräftemangel.

Bis zu 6,5 Millionen Fachkräfte könnten fehlen „Die Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt haben sich verschoben“,sagte Rump. Nicht die Stellen seien das knappe Gut, sondern die potenziellen Kandidaten für einen neuen Job. „Bis 2030 werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt 6,5 Millionen Fachkräfte fehlen“, prognostizierte die Ludwigshafenerin Institutschefin vor Klinikdirektoren und Vertretern der Kassen und Politik. Rump ist eine von acht Kommissionsmitgliedern, die im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung die Studie „Die Zukunft der Arbeitswelt - auf dem Weg ins Jahr 2030“ erstellt haben. Ihre Auswertung wurde im März 2013 an die Bundesregierung übergeben. Rump und ihre Kommissionskollegen fordern hierin einen ra-

Junge Arbeitnehmer legen mehr Wert auf eine ausgeglichene Work-LifeBlance und machen das in Bewerbungsgesprächen schon deutlich.

dikalen Systemumbau: Die Arbeitszeit müsse verlängert, das Renteneintrittsalter auf 69 Jahre angehoben, die Teilzeitquote gesenkt werden. Berufstätige müssen sich künftig auf ein längeres Arbeitsleben einrichten, ist man sich einig. Und dennoch: Die Zeiten, in denen sich Assistenzärzte am Krankenhaus eine Stelle teilen mussten, Dienste und Überstunden ohne

Ende schoben oder auf Freizeit, Urlaub und Familienleben zugunsten ihres Berufslebens verzichteten, seien vorbei. „Wer bis 67 Jahre oder länger arbeiten soll, muss zusehen, dass er einen Job bekommt, bei dem er über viele Jahre leistungsfähig, motiviert und gesund bleibt“,so Rump. „Ich hatte vor Kurzem einen sehr gut qualifizierten Bewerber, der am Ende des Bewerbungsge-


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Pflegenotstand

mehr en

nsbesondere bei den nce. sprächs eine umfassende Checkliste auf seinem Smartphone öffnete und mit seinen Fragen loslegte“, erzählte sie von ihrem Alltag als Institutschefin.

„Sie kommen in meine engere Wahl!“ Und ihr Bewerber wollte es genau wissen: Wie sehen die Aufstiegschancen aus? Wann bietet sich die Chance für ein eigenes Projekt? Gibt es flexible Arbeitszeitangebote? Darf an manchen Tagen von zu Hause gearbeitet werden? Werden vom Arbeitgeber gesundheitsfördernde Maßnahmen angeboten? „Er fragte abschließend sogar nach familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen, ob-

""

Als Arbeitgeber muss man sich den Herausforderungen stellen.“ wohl er derzeit noch keine Frau und Kinder hat“,berichtete Rump. Ein selbstbewusster Kandidat? Sicherlich ja. „Zum Schluss sagte der Bewerber zu mir sehr freundlich: Ich glaube, Ihr Haus kommt bei mir in die engere Auswahl!“ Rump war verblüfft, stellte ihn dennoch ein. „Der hat bei mir eine ganz kurze Anlernzeit bekommen. Ich habe ihn schnell in Projekte gesteckt und dafür verantwortlich gezeichnet. Mir ist völlig bewusst, dies ist ein zielstrebiger junger Mann, der nicht ewig bei mir arbeiten wird.“ Aber auch falls er kündigen sollte, werde man mit ihm in Kontakt bleiben, ihn zu Sommerfesten einladen, ihm jede Stellenausschreibung schicken „Die Belegschaft ist beweglich“, bestätigt Heidelbergs Uni-Chefin Dr. Irmtraut Gürkan. Als Arbeitgeber müsse man sich diesen neuen Herausforderungen eben heutzutage stellen.

Spanische Pflegekräfte verstärken Uniklinik Düsseldorf 19 spanische Pflegekräfte verstärken nun das Team der Universitätsklinik Düsseldorf. Im Kampf gegen den Pflegekräftemangel geht das Uniklinikum Düsseldorf neue Wege. Es hatte im vergangenen Jahr in Spanien erfolgreich um neue Mitarbeiter geworben: Inzwischen verstärken 19 spanische Kollegen das Pflegeteam des Düsseldorfer Krankenhauses. „Unsere Bilanz nach einem guten halben Jahr ist ausgesprochen positiv“, resümierte Pflegedirektor Torsten Rantzsch, „das sehen wir als Vorstand und Klinik genauso wie unsere neuen spanischen Mitarbeiter.“ Damit der Erfolg des binationalen Modells von Dauer ist, brauche es aber vor allem eins: Gute Unterstützung bei der Integration in Beruf und Lebensumfeld in Deutschland. In Spanien findet die Krankenpflegeausbildung an einer universitären Schule statt und wird mit dem Hochschulabschluss beendet. Das Ausbildungsniveau ist hoch. Für die Arbeit in Deutschland wa-

ren außerdem Deutschkenntnisse eine wichtige Voraussetzung. Vorkenntnisse gab es beim Großteil der spanischen Kollegen bereits, zudem absolvierten sie einen weiteren begleitenden Sprachkurs mit zertifiziertem Abschluss (B 1). Darüber hinaus ist nach Einschätzung der Klinik ein gutes Integrationsangebot ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor. „Wir haben aus Erfahrungen anderer Häuser gelernt und für alle Aspekte des Einlebens persönliche Unterstützung zur Verfügung gestellt“,verwies Elisabeth Schreurs von der Pflegedirektion der Uniklinik. So halfen Mitarbeiter der Uniklinik bei der Wohnungssuche, begleiteten Ämterbesuche und stellten Kontakte zur spanischen Gemeinde der Rheinmetropole her. Angesichts der anhaltend hohen Arbeitslosenquote in Spanien bietet der Umzug nach Düsseldorf den Südeuropäern eine neue Lebensperspektive.

Ärztemangel nun auch in der Schweiz In großen Städten fehlen schon Ärzte Zürich. Der Ärztemangel in der Schweiz ist bei den Krankenhäusern in den großen Städten angekommen. Das berichtete die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) gestern. Zwar sei es nach wie vor kein Problem, genug Assistenzärzte zu finden, aber Oberärzte und leitende Ärzte würden zusehends knapper, berichtet Andreas Zollinger, Ärztlicher Direktor des Stadtzürcher Triemlispitals in der NZZ. Besonders gesucht werden laut der Zeitung Pädiater, aber auch Rheumatologen, Gynäkologen und Intensivmediziner. Zollinger kritisiert, die Politik in der Schweiz habe den Ernst der Lage noch nicht erkannt. „In fünf Jahren werden wir darüber sprechen müssen, welche Leistungen wir mit dem vorhandenen Personal überhaupt noch erbringen können“,so der Ärztliche Direktor. Das neue Modell komme den unterschiedlichen Präferenzen der Mitarbeiter entgegen, erklärt er. Manche wollten primär sehr gute klinische Ärzte werden, andere seien dagegen stärker an der Forschung interessiert.

Spielcasinos in den USA

Nachgefragt

Rauchstopp entlastet die Notaufnahmen

Sind schwarze, tanzende Punkte vor den Augen gefährlich?

San Francisco. In den USA gibt es strikte Rauchverbote. Nur Kasinos sind in vielen Regionen davon ausgenommen. Eine Studie in Circulation zeigt jetzt, dass die Einführung eines Rauchverbots in den Spielstätten die Notfallambulanzen entlasten könnte. Als der US-Staat Colorado 2006 ein Rauchverbot an Arbeitsplätzen und Restaurants einführte, ging die Zahl der Anrufe in den Notfallambulanzen um 22,8 Prozent zurück. Dies hat Stanton Glantz recherchiert, der Leiter des Center for Tobacco Control Research and Education in San Francisco und langjährigerVerfechter des Nichtraucherschutzes ist. Die Spielkasinos waren damals in Colorado vom Raucher-

schutz ausgenommen worden. Das Glücksspiel ist in den USA nur in bestimmten Orten erlaubt und in Colorado ist der Bezirk Gilpin, eine Stunde Autofahrt von Denver entfernt, ein solches Zentrum. Auf 3 Quadratmeilen gibt es dort nicht weniger als 26 Kasinos, die jährlich von mehr als 40.000 Touristen besucht werden bei einer Einwohnerzahl des Bezirks von 5.604 Personen. Im Jahr 2008 wurde auch in den Kasinos das Rauchen verboten, und damit ging auch im Gilpin County die Zahl der Anrufe in den Notfallambulanzen zurück, dieses Mal um 19,1 Prozent, wie Glantz berichtet. Der Wissenschaftler führt dies auf akute Auswirkungen von Tabakrauch auf die Blutgefäße zurück.

D

ie Situation ist akut nicht bedrohlich. Im fortgeschrittenenAlter sind die schwarzen Punkte vor den Augen lästig, aber ungefährlich. Im Alter jenseits der 60 führen Alterungsprozesse im Glaskörper des Auges zu Ablagerungen. Sie machen sich als dunkle Punkte bemerkbar, die in der Glaskörperflüssigkeit schwimmen und sich so im Blickfeld hin und her bewegen. Es muss nicht behandelt werden. Vermehren sich die dunklen Punkte aber so rasch, dass Sie einen „Rußregen“ vor dem Auge wahrnehmen, kann dies auf eine Netzhautblutung hindeuten. Dann heißt es: sofort zum Augenarzt! Haben auch Sie medizinische Fragen? Dann schreiben Sie uns: info@gesundheitsbote.com oder an „Der Gesundheitsbote“ Am Heider Kopf 29 58339 Breckerfeld

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Vermischtes

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Aus dem Trainingslager

Ernährung im Sport

RennradTestcenter in Fuschl am See

Die Sportler sind auf die Kirsche gekommen

Wer einmal Radfahren gelernt hat, verlernt es nie wieder“, das stimmt, viel schwieriger ist heutzutage die Frage: Welche Art von Radfahren passt zu mir? Im Testcenter am Fuschlsee können Sie verschiedene FahrradTypen testen und Ihr Geschick bei geführten Touren optimieren. Rennradfahren liegt voll im Trend. Motiviert von sensationellen Aufnahmen der Österreich-Radrundfahrt oder der Tour de France möchten sich immer mehr Hobbysportler in den Sattel schwingen und es auch spüren,

das Rennradfeeling. Im Rennradhotel Mohrenwirt können Sie die sportlichen Geräte testen und herausfinden, ob Rennradfahren Ihre neue Lieblingssportart wird. Die 7,3 kg leichten Carbonräder der Marke Airstreeem sind mit SRAM Berggruppe Apex und einer Übersetzung von 50/30 vorne und 11/32 hinten ausgestattet. Damit erklimmen Sie jeden Berg im Salzkammergut. Schon ab € 17,- können Sie die schnittigen RR Storm Rennräder für einen halben Tag mieten. Wer lieber ungestört auf romantischen Wegen und Trails Höhenmeter und Panoramen sammelt, der greift besser zum robusteren Modell, dem Mountainbike. Auch hier sollte man vor einer größeren Investition ein paar Testtage einlegen, um sich ein Bild davon zu machen wie es so ist, im Mountainbikesattel zu sitzen.

Mohrenwirt

S

eit Jakob Schmidlechner den Triathlonsport für sich entdeckt hat wird nicht nur privat, sondern auch im Triathlon-Hotel Mohrenwirt am Fuschlsee bei Salzburg das Thema groß geschrieben. Als Finisher mehrerer Olympischen Distanzen und eines Ironman unterstützt er unsere Leser mit den Erfahrungen in seinem Heimrevier. Der Gesundheitsbote arbeitet schon seit einiger Zeit mit ihm erfolgreich zusammen und hofft über das Thema „Sport im Urlaub“ mehr Menschen zu Bewegung animieren zu können. Info-Hotline Fuschl: 0043 / 6226 / 8228 www.mohrenwirt.at

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Regeneration Studien zeigen einen regenerativen Effekt der

Montmorency-Kirsche nach sportlicher Aktivität.

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ontmorency Kirschen sind die beliebtesten Sauerkirschen Amerikas. Das größte Anbaugebiet der befindet sich im Bundesstaat Michigan. Dort werden sie bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kultiviert. Getrocknete Montmorency Kirschen sind weich, hocharomatisch und haben einen intensiven Kirschgeschmack, der den vieler anderer Kirschsorten übertrifft. Für die „amerikanische Superfrucht“ gibt es vieleVerwendungsmöglichkeiten: Ausdauersportler schätzen sie zum Beispiel als praktischen und schnellen Energielieferanten. Inzwischen werden Sie auch in Deutschland immer beliebter. Das reine, natürliche Konzentrat schmeckt nicht nur intensiv und gut. Es fördert durch den Melatonin-Gehalt den Schlaf und hilft Sportlern bei der Regeneration. Eine Studie der Universtität von Vermont in den Vereinigten Staaten zeigte nach Muskeltraining eine deutlich verbesserte Regeneration der Muskulatur. 14 College-Studenten haben 8 Tage lang das Kozentrats der Montmorency-Kirsche getrunken. Nach vier Tagen wurde mit dem Krafttraining begonnen. Zuvor und nach dem Muskeltraining wurde die Kraft, Dehnbarkeit und die Schmerzintensität gemessen. Die

Farbenpracht: die Montmorency-Kirschen.

Ergebnisse wurden mit einer Placebo-Gruppe verglichen. Nach zwei Wochen fand die selbe Untersuchung umgekehrt. Die Placebo-Gruppe erhielt jetzt das Konzentrat und vice versa. Dabei zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten der KonzentratTrinker. Hier waren der Muskel-

kraft-Verlust nach dem Training deutlich geringer. Ebenso traten deutlich weniger Schmerzen auf. Auf beim Wechsel der Gruppen zeigte sich dasselbe Ergebnis. Die Autoren schlossen hieraus, dass der Extrakt der Montmorency-Kirsche die Muskelregeneration fördert.

Frühstück ist wichtig für die Herzgesundheit Prävention: Fällt das Frühstück weg, treten häufiger Herzerkrankungen auf. Boston. Üppige Mahlzeiten am späten Abend und der Verzicht auf ein Frühstück sind zwei ungesunde Ernährungsgewohnheiten, die in der Health Professionals Followup Study jeweils mit einem erhöhten Risiko auf eine koronare Herzkrankheit assoziiert waren, wie eine Studie zeigt. Viele überwiegend jüngere Männer starten den Tag ohne Frühstück, was manchem nicht schwer fällt, da er am Abend zuvor zu später Stunde noch gut gegessen (und getrunken) hat. Diese Angewohnheit ist, wie Cahill feststellte, mit anderen Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und höherem Alkoholkonsum assoziiert.

Die Auswertung ergab, dass Männer, die den Tag ohne Frühstück beginnen, während der 16-jährigen Beobachtungszeit zu 27 Prozent häufiger eine koronare Herzkrankheit entwickelten. Späte Mahlzeiten am Abend erhöhten das Risiko um 55 Prozent. Cahill vermutet, dass der Verzicht auf das Frühstück Männer dazu verleitet, im Verlauf des Vormittags ihren Hunger durch ungesunde Snacks zu stillen. Sie nehmen dann am Vormittag mehr Kalorien zu sich als bei einem gesunden Frühstück und schädigen auf Dauer den Zuckerstoffwechsel. Dafür spricht, dass der Verzicht auf das Frühstück häufig mit Adipositas, hohem Blutdruck, hohen

Cholesterinwerten und Typ 2-Diabetes assoziiert war. Schädlich ist der Frühstücksverzicht auch dann, wenn spät abends keine Extramahlzeit erfolgt. Insgesamt 76 Prozent der Männer, die spät abends noch essen, nahmen auch ein Frühstück zu sich. Diese Kombination ist ebenfalls ungesund, da es zu einem täglichen Kalorienüberschuss kommt, der auf Dauer nicht ohne gesundheitliche Folgen bleibt. Ernährungswissenschaftler wie Cahill raten dazu, spät abends nicht mehr zu essen und sich morgens für das Frühstück Zeit zu nehmen. Neben Vollkorntoast oder Müsli sollte auch frisches Obst auf dem Tisch stehen.


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Sport und Bewegung

Bonn

Übergewicht

Kinderhospizverein betreut Familien

Stigmatisierung schadet erheblich

Betreuung Der Deutsche Kinderhospizverein unterstützt

Familien mit sterbenskranken Kindern über den Tod hinaus.

D

er Deutsche Kinderhospizverein e.V. unterstützt Kinder und Jugendliche mit einer lebensverkürzenden Erkrankung sowie ihre Eltern und Geschwister bereits seit mehr als 20 Jahren. Der Verein wurde im Februar 1990 von betroffenen Familien als Selbsthilfeorganisation gegründet, um das Thema schwerstkranke und sterbende Kinder aus einem Tabubereich herauszuholen sowie bedürfnisorientierte Unterstützung und Begleitung für die Familien zu erreichen. Der bundesweit aktive Verein betreibt 21 ambulante Kinderhospizdienste (davon zwei in Kooperation mit einem anderen Träger). Unter seinem Dach bietet die Deutsche Kinderhospizakademie jährlich mehr als 50 Seminar-, Begegnungs-, Tagungsangebote und Weiterbildungen für Familien, Begleiter und Interessierte an. Der Ambulante Kinderhospizdienst Bonn feierte im März 2013 sein 1-jähriges Bestehen. Die Räume befinden sich in der Reuterstraße 161. Von hier aus wird der Einsatz der ehrenamtlichen Mitarbeiter koordiniert, hier findet der Befähigungskurs für neue ehren¬amtliche Mitarbeiter statt und hier treffen sich auch die betroffenen Familien zu den Veranstaltungen. Aktuell unterstützt der Verein in Bonn und dem westlichen Rhein-Sieg-Kreis 16 betroffene Familien. 26 ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten die Familien oder unterstützen die Arbeit des Vereins auf vielfältige Weise. Zuvor wurden sie in einem 90-stündigen Befähigungskurs

Bei einem sterbenskranken Kind braucht die ganze Familie Unterstützung.

für diese anspruchsvolle Tätigkeit ausgebildet. Auch danach wird unentwegt durch regelmäßige Praxis-treffen und Supervision an der Qualitätssicherung der ehrenamtlichen Mitarbeiter gearbeitet. Der Kinderhospizverein begleitet Familien mit sterbenskranken Kindern. Neben den Eltern und den erkrankten Kinder werden auch die Geschwisterkinder begleitet. Die Arbeit ist eng an die Wünschen und Bedürfnissen der betroffenen Familien angelehnt. Der Verein begleitet direkt

nach Diagnosestellung. Er begleitet das Leben, das Sterben und über den Tod hinaus. Oftmals findet die Begleitung über viele Jahre statt. Hier zeigt sich der große Unterschied zu einem Erwachsenenhospiz. Jeweils im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten, wird mit dem Kind gespielt, gesungen, vorgelesen, spazieren gegangen o.ä. Wenn Sie nun weitere Informationen wünschen, dann erreichen Sie den Verein im Internet unter www. deutscher-kinderhospizverein.de

Therapeutische Hilfe ist oft notwendig Leipzig. Auf die gesellschaftliche Abwertung stark übergewichtiger Menschen haben die Abteilung für Medizinische Psychologie und Soziologie der Universitätsmedizin Leipzig sowie das Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) Adipositas Erkrankungen nach einer gemeinsamen Studie hingewiesen. „Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung hat eine negative Meinung von adipösen Menschen. Die Überzeugung herrscht vor, sie seien faul, dumm, disziplinlos und selbst schuld an ihrem Übergewicht“, hieß es aus Leipzig. Die Untersuchung mit 1.158 übergewichtigen und adipösen Studienteilnehmern ab 14 Jahren mittels spezieller Fragebögen sollte beleuchten, wie sich dies auf die Betroffenen auswirkt. Es zeigte sich laut den Leipziger Forschern, dass Studienteilnehmer, die diese Stigmatisierung annehmen, weniger Selbstachtung und Selbstvertrauen haben und dass dies vermehrt Ängste und Depressionen nach sich zieht. „Wenn das negative Fremdbild zum Selbstbild wird, benötigen diese Menschen psychotherapeutische Hilfe, um das schädliche Selbststigma zu überwinden. Auch in der Behandlung der Adipositas ist es wichtig, darauf zu achten und es nicht weiter zu vertiefen“,so die Studienleiterin Anja Hilbert.

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Sport und Bewegung

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Gefährliche Selbsttherapie Markus Friesdorf B9! FITNESS Bonn

Ihr Ansprechpartner

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ie erreichen ihn im Studio B9! Fitness unter der Rufnummer 0228 / 2421424 oder unter bonn@gesundheitsbote.com.

Gesunde Kurse Montag, 20.00 Uhr Rückenfit

Präventive Kurse unterstützen bei Rückenbeschwerden und verbessern Ihre Körperhaltung und Kondition.

Mittwoch, 20.00 Uhr Pilates & more Diese einzigartige Trainigsform stärkt besonders die Bauch-, Beckenboden- und Rückenmuskulatur.

Freitag, 11.00 Uhr Gerätezirkel Der Kurs umfasst 60 Minuten Ganzkörpertraining an den Kraftgeräten zum Muskelaufbau oder zur Ausdauersteigerung. Mehr Kurse finden Sie unter www.b9-fitness.de

Nahrungsergänzung

Vorsicht bei dubiosen Quellen Stuttgart. Vor Nahrungsergänzungsmitteln, die angeblich besondere Wirkungen haben sollen, haben das Verbraucherschutzministerium und das Sozialministerium in Baden-Württemberg gewarnt. Solche im Internet oder auch auf sogenannten Kaffeefahrten erworbenen Produkte könnten Arzneimittel in hohen Konzentrationen enthalten. Anlass für die Warnung ist eine „Honig-Gewürzmischung“, die Händler im Internet als natürliches Lebensmittel mit potenzsteigender Wirkung angeboten hatten. Bei der Analyse ergaben sich hohe Konzentrationen des Potenzmittel-Wirkstoffes Sildenafil.

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Sportmediziner warnen vor Medikamentenmißbrauch Selbstüberschätzung Schmerzen sind ein wichtiges Warnzeichen. Werden sie ignoriert, drohen langfristige Probleme.

Remscheid. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) warnt professionelle Athleten und Breitensportler davor, ohne ärztlichen Rat Medikamente einzunehmen, um ihr Befinden beim Sport zu verbessern. Im Fokus der Fachgesellschaft stehen dabei besonders Schmerzmedikamente. „Wer Schmerzen hat, sollte in jedem Fall zunächst einen Arzt oder Sportarzt aufsuchen, wer verletzt ist, sollte seine Blessur auskurieren und auf andere Sportarten wie Aquajogging ausweichen“, sagte der DGSP-Ehrenpräsident Herbert Löllgen. Er betonte, Schmerzen seien ein Warnzeichen des Körpers. Wer dennoch Sport treibe, riskiere langfristige Schäden. „Wundermittel bei Verletzungen gibt es nicht“,so Löllgen. Der DGSP-Ehrenpräsident weist darauf hin, dass es unklar sei, ob nichtsteroidale Schmerzmittel überhaupt eine Verbesserung oder schmerzfreie Leistung zum Beispiel beim Marathonlauf ermöglichen. Bei Verschiebungen im Salzhaushalt, die bei langen Ausdauerleistungen vorkommen, könnten Schmerzmittel sogar zu akuten Schäden führen. Bei längerer Einnahme drohten die bekannten Nebenwirkungen. Die Fachgesellschaft weist da-

Schmerzmittel beim Laufen vermitteln das Gefühl, alles sei in Ordnung. Es drohen aber dauerhäfte Schaden, wenn der Warnmechanismus fehlt.

rauf hin, dass Medikamentenmissbrauch im Sport nicht nur Doping sei, sondern neben den Schmerzmedikamenten auch Diuretika zur Gewichtsabnahme oder Beruhigungsmittel zur Ver-

meidung von Zittern umfassen. Nahrungsergänzungsmittel und Kreatinin stellten eine Grauzone dar. „Hier bestehen vor allem Gefahren durch Verunreinigungen“, so Löllgen.

Ergotherapie hat positive Wirkung auf Demenz Prävention Mit ergotherapeutischen Maßnahmen länger selbständig sein Köln. Ergotherapie hat positive Effekte bei mittlerer und schwerer Demenz. Sie verbessert die Lebensqualität und den Gemütszustand von Demenzkranken. Das berichten Wissenschaftler im Health Technology Assessment-Bericht (HTABericht) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Wichtig sei, dass die Therapiemaßnahmen an die jeweiligen Bedürfnisse des Patienten angepasst sind. Neben der Entlastung der Patienten und ihrer Angehörigen im alltäglichen Leben, kann die Ergotherapie dazu beitragen, dass Demenzkranke bis zu eineinhalb Jahre später ins Heim kommen. Zudem

Ergotherapie hilft den Demenzkranken, lange selbständig zu bleiben.

können dem HTA-Bericht zufolge gegebenenfalls Kosten eingespart werden, da die ergotherapeutischen Maßnahmen den medizinisch-pflegerischen Aufwand reduzieren. Die Auswirkungen sind je nach Behandlungsverfahren unterschiedlich: Kognitive Stimulation verzögert bei leichter bis mittlerer Demenz den geistigen Abbau und vermindert Verhaltensauffälligkeiten. In allen drei Stadien der Demenz hilft die sensorische Stimulation für das Sozialverhalten und tägliche Aktivitäten. In Kombination mit anderen Verfahren kann das Funktions- und Fertigkeitstraining Lebensqualität, Stimmung und Gesundheitszustand verbessern.


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Mit Tabak und Alkohol altert das Gehirn deutlich schneller

REHA-Sport

Rehasport vom Arzt verordnet

Genussmittel Raucher mit erhöhtem Alkoholkonsum

beschleunigen den Alterungsprozess ihrer grauen Zellen.

R

aucher mit erhöhtem Alkoholkonsum beschleunigen den Alterungsprozess ihrer grauen Zellen. Binnen zehn Jahren altert ihr Hirn im Vergleich zu nicht rauchenden Wenigtrinkern um zwei zusätzliche Jahre. Dazu haben Wissenschaftler der Universität London Daten der Whitehall-II-Kohortenstudie analysiert. An dieser Studie hatten sich zwischen 1997 und 2007 knapp 6500 Erwachsene im Alter von 45 bis 69 Jahren beteiligt. Die Probanden absolvierten während dieser zehn Jahre viermal Tests mit Prüfungen zu verbalen und mathematischen Fähigkeiten. Im Vergleich zum Ausgangswert ergab sich im Mittel bei den Teilnehmern nach zehn Jahren eine geistige Leistungseinbuße von rund 40 Prozent. Die britischen Forscher wollten nun wissen, welchen Einfluss Tabak- und Alkoholkonsum auf den Abbau der geistigen Kräfte hatten. Dazu bildeten sie Gruppen abhängig von Alkoholkonsum und Raucherstatus. Referenzgruppe waren die ewigen Nichtraucher mit mäßigem Alkoholkonsum.

Niedergang beim logischen Denken Der Rückgang der geistigen Leistung über zehn Jahre hinweg entsprach in der Referenzgruppe dem Durchschnitt. Am schlechtesten von allen Gruppen schnitt jene der Raucher ab. Ihre geistige Leistungskraft baute um 36 Prozent stärker ab, als dies bei den nicht rauchenden Referenztrinkern der Fall war. Die Wissenschaftler aus

Wenn Raucher noch trinken, leiden ihre grauen Zellen erheblich.

London rechneten aus, dass das Hirn rauchender Trinker in zehn Jahren um zwölf Jahre altert. Am stärksten machte sich der Niedergang beim logischen Denken sowie in der semantischen und phonemischen Sprachkompetenz bemerkbar. Für Rauchen plus Trinken gibt es also zwei Jahre extra an geistigem Verfall. Das ist mehr, als jeder einzelne der beiden Faktoren allein an Schaden

anrichtet. Wer seine grauen Zellen länger behalten will, dem raten die Forscher, weniger zu rauchen, am besten gar nicht. Auch heftiger Konsum alkoholischer Getränke sollte vermieden werden. Und auf keinen Fall sollte man beide Laster kombinieren - besonders nicht ab dem mittleren Lebensalter aufwärts.

Ältere haben weniger Leistungsschwankungen Studie Leistungsfähigkeit bei älteren Menschen ist verlässlicher. Berlin. Ältere Menschen haben weniger Leistungsschwankungen als jüngere. Das erklären Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung aufgrund einer „Cogito“ genannten Studie. Darin haben die Forscher untersucht, wie stark die menschliche Leistungsfähigkeit abhängig vom Alter von Tag zu Tag schwankt. „Weitere Auswertungen weisen darauf hin, dass für die höhere Zuverlässigkeit bei den Älteren erlernte Strategien bei der Aufgabenbearbeitung, eine gleichblei-

bend hohe Motivation sowie ein ausgeglichener Alltag mit stabiler Stimmungslage eine Rolle spielen“, sagte Florian Schmiedek, der an der Durchführung der Studie beteiligt war. „Die Produktivität und Zuverlässigkeit der älteren Mitarbeiter ist unter dem Strich höher als die der jungen“, sagt Axel BörschSupan, Direktor des Munich Center for the Economics of Aging am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik. Eine Studie in der Automobilproduktion zeige,

dass ältere Mitarbeiter deutlich seltener schwere und teuer zu beseitigende Fehler machten als jüngere. Die Studie zeigte auch, dass Leistungsschwankungen bei Alten wie Jungen eher über kürzere Zeitspannen auftreten. „Die tatsächlichen Schwankungen von Tag zu Tag sind vergleichsweise gering“, so Schmiedek. In der Cogito-Studie bearbeiteten 101 Personen im Alter von 20 bis 31 Jahren und 103 Personen im Alter von 65 bis 80 Jahren zwölf verschiedene Aufgaben an 100 Tagen.

„„ Viele Menschen mit chronischen Krankheiten oder anderen körperlichen Funktions-störungen, z.B. der Muskeln und Gelenke, entscheiden sich für Rehasport im Verein, um den Erfolg ihrer Behandlung zu stützen. „„ Rehasport wird auf Ihre individuellen körperlichen und gesundheitlichen Bedürfnisse abgestimmt. Die Qualität wird durch den Behindertensportverband, die betreuenden Ärzte und die qualifizierten Übungsleiter sichergestellt. Art und Intensität des Rehabilitationssports wird anhand der Verordnung in enger Abstimmung zwischen den Ärzten und den zertifizierten Übungsleitern bestimmt. „„ Die Erfahrung zeigt, dass durch eine langfristig angelegte und aktiv ausgerichtete Betreuung eine deutliche Verbesserung der Beschwerden zu erzielen ist. „„ Die Leistungen des RehaVitalisPlus e.V. sind von allen Kostenträgern anerkannt und die Kostenübernahme nach Bewilligung gesichert.

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Ursache und Wirkung

Noch gesund?

35 Millionen Deutsche haben Bluthochdruck Heidelberg. Rund 35 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Hypertonie. Davon erreichen nur etwa 15 Prozent ihre Blutdruckzielwerte. Darauf hat die Deutsche Hochdruckliga (DHL) hingewiesen. „Nur etwa die Hälfte aller Betroffenen weiß von ihrer Erkrankung“, sagt HermannJoseph Pavenstädt, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik D des Universitätsklinikums Münster und Kongresspräsident des 37. Wissenschaftlichen Kongresses der DHL. Studien wiesen darauf hin, dass auch chronischer Stress zu dauerhaft hohen Blutdruck­ werten führen könne, erläutert Siegfried Eckert, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie am Herzund Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität in Bad Oeynhausen. Stress nehme im Arbeits- und Lebensalltag deutlich zu und sei daher immer häufiger Ursache körperlicher Beschwerden, so Eckert weiter. 35 Millionen, das entspricht nahezu der Hälfte der Bevölkerung. Das bedeutet, dass wir entweder bald alle krank sind oder die Grenzwerte sind schlichtweg zu niedrig angesetzt. Vielleicht lebt man mit einem Blutdruck von 100/60 mmHg ja ewig. Aber will man das überhaupt?

Gesundes Gemüse

Rote Beet senkt unseren Blutdruck London. Ein hoher Nitratgehalt macht Rote Beete und einige andere Gemüsesorten zu einem effektiven Mittel, um den Blutdruck zu senken. Eine Studie dokumentiert einen überraschend deutlichen Rückgang der systolischen Blutdruckwerte. Die Pharmakologin Amrita Ahluwalia erforschte an der Queen Mary Universität in London zunächst die Wirkung von Nitriten auf den Blutdruck. Nitrite werden im Körper enzyma­tisch zu Stickstoffmonoxid reduziert, das Gefäße weiten kann und somit den Blutdruck senkt.

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Warum Zucker gegen Stres

Ernährung Als gesund gilt alles, was wenig Zucker enthält. Weil Zucker

Wer viel Zucker zu sich nimmt, hat in der Regel viel Stress. Ist der Zuc

„„Wer unter Stress auf Kohlenhydrate verzichtet, erntet wieder Stress. Den Zuckerbedarf unseres Gehirns sollten wir nicht ignorieren. Von Michael Maicher

C

ola ist ungesund, ja pures Gift. Besteht ja fast ausschließlich aus Zucker. Und Zucker ist der Teufel, Zucker gehört verbannt, verboten. Nur ohne Zucker gehen in unserer süßen Birne die Lichter aus. Vor allem unter Stress. Es ist eigentlich völlig unverständlich, warum „Ernährungsexperten“ gerade den Nährstoff verteufeln, auf den unser Gehirn

ständig angewiesen ist. Denn ein Mangel an Glukose im Oberstübchen führt zur Ausschüttung von Stresshormonen. Dabei scheint die Argumentationsweise plausibel: Zucker macht dick, verklebt die Gefäße und ist eben einfach nicht en vogue. Die Realität sieht aber anders aus. Hier wurden Ursache und Wirkung verwechselt. Zucker, im spezifischen Fall also Glukose, ist der wichtigste Nährstoff für unser Gehirn. Unter Stress steigt der Bedarf erheblich an. Hat die Nervenzelle Hunger, dann schüttet sie Adrenalin und Cortisol aus, um sich die im Blut zirkulierende Glukose zu sichern. Wir haben somit Stress, wenn das Gehirn seinen Zuckerbedarf nicht ausreichend gedeckt hat. Ei-

gentlich ist es überraschend, welche Logik uns die Ernährungswissenschaften bieten. Der Mensch ißt zuvielZucker, was bedeutet, dass er keine Disziplin besitzt, sich gesund zu ernähren. Er wird dick und ist somit selbst Schuld daran. Und da es immer mehr dicke Menschen gibt, schreien die Ernährungsexperten immer lauter, dass sich was ändern muss. Auf die Idee, dass die kohlenhydratreiche Ernährung ein Kompensationsmechanismus unseres gestressten Organismus ist, kommen sie erst gar nicht. Das ist bedauerlich. Denn der Verzicht oder die Reduktion von Kohlenhydraten in stressigen Situationen ist für unseren Organismus sehr schädlich. Wenn Stress durch einen Zuckermangel entsteht, ist es höchst verwerflich dies da-


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Sichtweise

ss helfen kann

Wenn es bei Migräne keine Linderung gibt

r uns alle irgendwann umbringt. Wirklich? cker also gar nicht Schuld, sondern Symptom?

Leserbrief: Therapieresistente Migräne kann sogar die Ausbildung ruinieren.

durch zu bekämpfen, in dem man dem Gehirn noch mehr Zucker vorenthält. Um auf das Thema Cola zurückzukommen: die Cola therapiert auf schnelle und effektive Art und Weise unseren Zuckermangel im Gehirn. Daher ist sie auch so beliebt. Sie ist allerdings ein „Medikament“ mit Nebenwirkungen. Die Konsequenz ist nun eine ganz andere. Hier müssen wir deutlich umdenken. Es macht keinen Sinn, sich die Cola zu verkneifen.Viel wichtiger ist es, zu registrieren, dass ein hoher ColaBedarf ein Zeichen für Stress ist. Es ist nämlich beruhigend zu wissen, dass man bei Stressreduktion auch wieder deutlich weniger Cola trinkt und der Zuckerbedarf wieder geringer ist. Was ist

also die Lösung des Problems? Decken Sie Ihren Zuckerbedarf ausreichend. Ihr Körper signalisiert Ihnen, was Sie brauchen. Erscheint der Bedarf zu hoch, reduzieren Sie den Stress, hanitieren Sie aber nicht mit Ihrer Ernährung. Doch wie läßt sich der Stress reduzieren? Den größten Stress haben wir, wenn wir nicht erholsam schlafen oder im Job nachts wach sind. Daher sollte der erholsame Schlaf in der Priorität weit vor der vermeintlich gesunden Ernährung stehen.Nehmen Sie sich Zeit dafür und reduzieren Sie die Informationsaufnahme vor dem Zubettgehen. Gehen Sie diesen Weg, werden Sie schon bald merken, dass Ihre Lebensqualität steigt, der Zuckerbedarf sinkt und Ihr Gewicht gleich mit.

Sehr geehrte Damen und Herren, das Fernsehen zeigt Sendungen und Dokumentationen, in denen es um Migräne geht. Die Ärzte empfehlen dringend Triptane und Ruhe in einem abgedunkeltem Zimmer. Dies funktioniert bei den meisten Betroffenen, doch es werden immer Patienten vorgestellt, die über 40 Jahre sind, in Rente gehen können, oder es schon lange sind. Was aber ist mit den jungen Patienten, die mitten in der Berufsausbildung stecken, oder aufgrund der Migräne nicht einmal ihr Abitur schaffen? Wie sieht ihre Zukunft aus? Darum geht es nie. Sie müssen alles selbst ausprobieren, die Ärzte schieben es auf die Pille, weil die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ja nichts anderes im Kopf haben, als saufen, rauchen und feiern. Dann sollen sie sich nicht über Kopfschmerzen wundern. Migräne in der Jugend wird beschönigt, in dem Alter hat man das Leben ja noch nicht hinter sich, da ist sowas ‚‘normal‘‘. Und dann wird blöd geguckt, wenn man Depressionen bekommt und sich das Leben nimmt. Bei mir ist das der Fall, ich bin 19 Jahre alt und leide seit 5 Jahren unter Migräne, war im Krankenhaus, auf Kur, habe etliche Medikamente nehmen müssen, bis ich innerhalb 2 Monate über 150 Tabletten genommen habe. Dann bekam ich einen Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz. Nun habe ich an mittlerweile 25 von 31 Tagen Kopfschmerzen und 2 mal in der Woche Migräne. Und das mit 19 Jahren. Diverse Antidepressiva, Antiepileptika, Muskelentspanner, Psychotherapie, Physiothera-

pie, Ergotherapie, Atemtherapie, Maltherapie, antroposophische Therapien, stationärer Aufenthalt auf der Palliativstation, Psychosomatische Station. Und nun? Ich musste in der 13. Klasse das Abitur abbrechen, dank meiner Migräne. Ich werde keine Ausbildung anfangen können, bis die Migräne in den Griff bekommen wird. Und der Kopfschmerz durch die Tabletten, denn das ist ein riesiger Teufelskreis: Ich nehme Tabletten gegen die Migräne und die Tabletten verursachen den Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz. Dagegen nehme ich wieder Tabletten. Es geht immer so weiter, ich komme nicht mehr raus. Immer hört und liest mal alles mögliche über Migräne. Was es für Wege gibt, die Schmerzen zu lindern. Bei mir hilft aber nichts. Ich habe Depressionen bekommen, wollte mir das Leben nehmen, ich hatte einige Suizidversuche. Was mir und vielen Bekannten von mir fehlt, ist aber, was man macht, wenn die Schmerzen mit nichts zu lindern sind und man aufgrund der Schmerzen nicht mal mehr in der Lage ist, sein Abitur zu schaffen? Mit freundlichen Grüßen Marie M. M. Der Gesundheitsbote sieht sich als authentisches Gesundheitsmedium, der nicht nur über geschönte Therapievorschläge, die nur nach Lehrbuchmeinung helfen berichtet, sondern auch die Realität abbilden möchte. Daher berichten wir in Zukunft regelmäßig über Medizin, die nicht nach Lehrbuch verläuft.

Kopfschmerzen können das ganze Leben bestimmen.

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Falsche Spritze

Modernste Technik

Staatsanwalt ermittelt doch gegen Klinik

Super-MRT in Bremer Radiologie

Köln. Nach der Verurteilung eines Medizinstudenten wegen fahrlässiger Tötung ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld nun doch gegen die Klinik. Es sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Der Blick richte sich auf die „Verantwortlichen der Kinderklinik“ im Evangelischen Krankenhaus Bielefeld. Zu klären sei, ob es zu einer „Sorgfaltspflichtverletzung seitens der Klinik gegeben habe und wenn ja, wer dafür verantwortlich ist“, so der Sprecher. Es bestehe ein Anfangsverdacht auf fahrlässige Tötung. Das Verfahren werde „völlig ergebnisoffen“ geführt. Das Landgericht Bielefeld hatte in einem Berufungsverfahren das Urteil wegen fahrlässiger Tötung gegen einen Arzt bestätigt. Als Student im

Praktischen Jahr (PJ) hatte der Beklagte vor etwa zwei Jahren eine für die orale Gabe bestimmte Spritze einem Baby intravenös appliziert. Der Säugling war daraufhin gestorben. In der Urteilsbegründung attestierte das Landgericht dem früheren PJler zwar Fahrlässigkeit, sah aber auch eine „Organisationsproblematik“ im Krankenhaus. Die Gefahr der möglichen Verwechslung sei in Fachkreisen bekannt gewesen. Spritzen für die orale Gabe, die nicht auf intravenöse Infusionssysteme passen, seien bereits auf dem Markt gewesen.

Hyperaktiv

Hamburg Spitze bei Ritalin-Verordnung Hamburg. In Hamburg erhalten Kinder so viele Medikamente gegen eine Aufmerk­ sam­ keitsdefizitsstörung (ADHS) wie sonst nirgendwo in Deutschland. Dies ergab eine Auswertung der Arzneimittelabrechnungsdaten des Verbands der Ersatz­ kassen (vdek). Demnach nehmen rund 5.000 gesetzlich versicherte Hamburger Kinder und Jugendliche täglich das unter dem Handelsnamen Ritalin bekannte, verschreibungs­pflichtige Betäubungsmittel Methylphenidat. Damit liegt die Verordnungsrate des Wirkstoffs rund 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

12 | gesundheitsbote

„„Bremer Radiologen haben ein MRT-Gerät angeschafft, das es sonst nur in wenigen Unikliniken gibt. von Michael Maicher

Bremen. Radiologe Dr. Markus Lentschig aus Bremen ist von seiner großen Entscheidung überzeugt. Zusammen mit seiner Kollegin Professor Christiane Franzius und seiner Ehefrau Dr. Ursula Rausch-Lentschig hat er 2008 Millionenbeträge auf den Tisch gelegt und den „Siemens Biograph mMR 3T“ gekauft. Dabei handelt es sich um den ersten simultan arbeitenden molekularen Ganzkörper MRT, der MRT und PET in einem Scanner vereinigt. „Vor allem bei Tumorpatienten haben Aufnahmen aus unserem Gerät das Therapie-Management der Patienten komplett zu ihrem Nutzen geändert“,erklärt Lentschig den besonderen Nut-

zen des Gerätes. Aber viele Zuweiser zögern noch, ihre Patienten zu Lentschig und seinen Kollegen zu schicken. Nobel und entspannt geht es zu in der im zweiten Stock eines Ärztehauses gelegenen Praxis an der Bremer Heerstraße. Eine Glaswand trennt das große Wartezimmer samt supermoderner Möbel von der Geschäftigkeit der vierspurigen Straße vor der Tür. Große Flachbildschirme zeigen Unterhaltsames. Übervolle Wartezimmer, wie in vielen Hausarztpraxen, sind hier fremd. „Wir behandeln zwei bis sechs Patienten am Tag“,erklärt Lentschig. „Zentrum für moderne Diagnostik“ (ZEMODI), haben die Ärzte ihre Praxis getauft. Im Rahmen einer überörtlichen radiologisch-nuklearmedizinischen Gemeinschafspraxis arbeiten die drei ZEMODI-Ärzte zusammen mit vier weiteren Bremer Praxen und insgesamt zehn Kolleginnen und Kollegen. Das acht Tonnen schwere Gerät steht in einem eigens geschützten

Hochmoderne Technik: der neue Kernspintomo noch zurückhaltend in Anspruch genommen.

Raum: Übermannshoch mit einer Röhre von einem Innendurchmesser von großzügigen 70 Zentimetern, die - so die Betreiber - adipösen und klaustrophobischen Menschen die Untersuchung erleichtert.

Stockwerk musste vertsärkt werden Als die Praxis gebaut wurde, haben die Ärzte ihr Stockwerk eigens für den Scanner verstärken lassen. Der Energiehunger der

Gesetzliche Krankenkassen stehen unte

Prüfung Haben Krankenkassen bei den Krankheiten übertrieben, um mehr Geld Bonn/Berlin. 59 von derzeit 134 Krankenkassen in Deutschland stehen im Verdacht, die Krankheiten ihrer Versicherten unkorrekt gemeldet. Das geht aus einem Schreiben des Bundesversicherungsamtes an den Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) hervor. Die Rheinische Post berichtete jüngst über diesen Brief vom 12. August. Betroffen sind laut dem Bundesversicherungsamt Krankenkassen aller Kassenarten und Größenordnungen. Demnach forderte das Bundesversicherungsamt beispielsweise eine Betriebskrankenkasse auf, plausibel zu machen, warum in einem Jahr die Zahl der Herzinfarkte bei ihren Versicherten um mehr als 280 Prozent gestiegen ist,

Haben die Kassen manipuliert? Bundesversicherungsamt prüft Unregelmäßigkeiten.

während sie durchschnittlich bei allen Kassen um weniger als ein Prozent in die Höhe ging. Eine Ersatzkasse wiederum verzeichnete dem Bericht zufolge eine Vermehrung von Hautgeschwüren bei ihren Versicherten um mehr als 30

Prozent, während dieses Krankheitsbild im gesamten Kassensystem um gerade einmal 1,5 Prozent anstieg Hintergrund ist, dass die Kassen für Patienten mit bestimmten Krankheiten mehr Geld aus


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ograph in einer Bremer Radiologen-Praxis. Großer Nutzen für den Patienten, wird aber

Maschine ist gewaltig. Durch zwei armdicke Kabel zieht sie stündlich so viel Strom, wie einVier-Personen-Haushalt an einem halben Tag verbraucht. Ähnliche Geräte stehen in Deutschland nur noch in den Unikliniken in München, Tübingen, Leipzig und Essen. Der weiße Riese in Bremen ist der Einzige, der ausschließlich der Untersuchung von Patienten mit klinischen Fragestellungen dient. Wer den Untersuchungsraum

betritt, sollte Schlüssel, Münzen, Gürtel oder Taschenmesser abgelegt haben. Denn ist der „mMR 3T“ erst von der Leine, erzeugt er ein Magnetfeld von drei „Tesla“. Damit ist das Bremer Gerät 60.000 bis 100.000 Mal stärker als das Magnetfeld der Erde. Es beträgt in Europa etwa 0,000048 und am Äquator gerade mal noch 0,00003 Tesla. Gegenüber anderen MRT ist die Bremer Maschine aber noch bescheiden. ForschungsMRTs bringen es auf bis zu sieben

Tesla. 95 Prozent der Patienten sind Tumorpatienten. „Aber wir untersuchen Patienten zum Beispiel mit Demenz oder unklaren Entzündungen.“ Rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten kommen auf Überweisung. „Wir haben mehr erwartet. Die Kollegen sind noch zurückhalten“, sagt Lentschig. „Sie sagen, was nicht in den Leitlinien steht, das machen wir nicht.“ Mit regelmäßig Fünf Patienten am Tag wäre alle Ärzte im ZEMODI beruhigter. Tatsächlich stehe eine PETUntersuchung nur beim Lungenkarzinom in der Leitlinie. „Aber unsere Technik ist neu!“,argumentiert der Radiologe. „Weil neue Leitlinien einige Jahre brauchen, kann unsere Untersuchung noch gar nicht in den Leitlinien stehen.“ Viel für den Patienten und den Kassengeldbeutel überflüssige Therapie könnte vermieden werden. Bei einem Patienten mit Prostatakrebs konnten die Bremer Radiologen zeigen, dass der PSAWert von „6“ nach der OP auf Metastasen in den Lymphdrüsen zurückzuführen war. „Hätte man vor der OP untersucht, hätte man die Therapie optimieren können“,sagt Lentschig. Bevor ZEMODI an den Start ging hatte man mit den Kassen eine Vereinbarung über 300 Patienten im Jahr getroffen, berichtet Lentschig. „Und natürlich haben wir den Markt sondiert.“ Allerdings: Die anderthalbstündigen Untersuchungen in der Bremer Praxis sind teuer. Allein die radioaktive Substanz, die den Patienten vor dem Scan gespritzt wird, kann bis zu 1500 Euro kosten. Die gesamte Untersuchung ist noch deutlich teurer.

er Manipulationsverdacht

d aus dem Gesundheitsfonds zu bekommen? dem Gesundheitsfonds bekommen. Seit Längerem wird darüber debattiert, ob deshalb Versicherungen bei der Meldung von Krankheiten übertreiben. Das fünfte Sozialgesetzbuch verpflichtet das Bundesversicherungsamt, die Datenmeldungen der Krankenkassen für den Risikostrukturausgleich auf Zulässigkeit zu überprüfen. Der GKV-Spitzenverband und das Bundesversicherungsamt bemühen sich seit Bekanntwerden der Vorwürfe, diese abzuwiegeln: Der Sprecher des Bundesversicherungsamtes, Tobias Schmidt, sagte, es sei durchaus möglich, dass die Kassen die statistischen Auffälligkeiten ausreichend erklären könnten. Hinter hohen Veränderungsraten können bei

kleinen Krankenkassen wenige Fälle stehen. Bei dem genannten 280 prozentigen Anstieg der Herzinfarkte bei einer BKK handele es sich um einen Anstieg von 5 auf 19 Fälle. Die Zahl der auffälligen Kassen sei nicht außergewöhnlich, die Prüfungen reagierten sensibel auf Veränderungen. Insgesamt seien weniger Kassen aufgefallen als bei der vorangegangenen Prüfung. Bei den vielen auffälligen Fällen des Jahres 2008 seien zu-

dem nur in drei Fällen wirkliche Manipulation festgestellt worden. Die Bundesregierung reagierte gelassen. „Das ist ein Routineverfahren“, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Habe es Fehler gegeben, müssten die betroffenen Kassen Geld zurückzahlen und hätten eine Strafe zu schultern. Konkret müssten diese Kassen zu viel erhaltenes Geld plus einen 25-prozentigen Aufschlag als Sanktion zurückbezahlen.

""

Zahl der Herzinfarkte steigt bei einer Kasse um 280 Prozent in einem Jahr.“

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Gesundheit

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Fehlende Erholung

Schlafmangel macht dick Gemüse des Monats

Schwarzwurzel: Spargel des Winters

L

eider ist die Schwarzwurzel so etwas wie das Stiefkind unter dem Wintergemüse. Wir finden sie viel zu selten oder gar nicht auf unseren Tellern - zu Hause nicht und in den Restaurants steht sie auch selten auf der Speisekarte. Dabei ist sie eine Delikatesse und erinnert mit ihrem zarten, süßlichen Geschmack an Austern, Spargel und Artischocken. Schwarzwurzeln zählen zu den wertvollsten Gemüsen überhaupt - nicht umsonst werden sie auch Winterspargel genannt. Neben den Vitaminen A, B1- B3, C und E enthält die Schwarzwurzel sehr viel Kalium, Magnesium, auch Kalzium und Phosphor und reichlich Eisen, dazu Glykoside, Asparagin und den Wirkstoff Allantoin, der heute in vielen Salben verarbeitet wird, weil er die Zellerneuerung beschleunigt, desinfiziert und die Wundheilung fördert. Und im dicken weißen Milchsaft stecken wieder reichlich Bitterstoffe und Inulin. Die Bitterstoffe regen die innersekretorischen Drüsen an. Schwarzwurzeln gelten als schweiß- und harntreibend. Weiter machen Stoffe im Milchsaft die Schwarzwurzeln zu einem Antistress - Gemüse. Abends gegessen, versprechen sie Beruhigung, Entspannung und guten Schlaf.

Schnuller doch ablecken Eltern sollen Schnuller nicht in den Mund nehmen: Diese alte Weisheit bringen schwedische Forscher nun ins Wanken. Sie haben den Zusammenhang zwischen der Methode, Schnuller zu reinigen, und dem Auftreten von Allergien bei Kleinkindern untersucht - mit überraschendem Ergebnis. Die Kinder haben einer schwedischen Studie zufolge seltener Asthma oder Ekzeme und entwickeln eine andere Mundflora als Kinder mit ausschließlich wassergereinigtem Schnuller.

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Zuckerhunger Schlafmangel löst bei den Menschen einen

erheblichen Kalorienhunger aus und sorgt für Übergewicht.

Berkeley. Schlafmangel macht hungrig. Nach einer durchwachten Nacht zeigten die Probanden einer Studie in Nature Communications einen gesteigerten Appetit auf hoch-kalorische Nahrungsmittel und im Gehirn war die Selbstkontrolle ausgeschaltet. Epidemiologische Studien haben in den letzten Jahren die Zunahme des Körpergewichts in westlichen Ländern immer wieder mit einer Abnahme der Schlafdauer inVerbindung gebracht.Wie sich der Schlafmangel auf den Appetit auswirkt, war jedoch wenig erforscht. Das Team um Matthew Walker von der Universität von Kalifornien in Berkeley lud deshalb 23 gesunde und nicht übergewichtige Probanden ein, zwei Nächte im Schlaflabor zu verbringen. In der ersten Nacht erhielten sie acht Stunden Schlaf, die zweite Nacht mussten sie durchwachen, wobei sie ihren nächtlichen Hunger mit Äpfeln und Erdnuss¬butterCracker stillen durften. Am Morgen gab es ein leichtes Frühstück, danach wurden ihnen Bilder von 80 verschiedenen Nahrungsmitteln gezeigt, aus denen sie die leckersten als Belohnung aussuchen sollten. Nach der durchwachten Nacht zeigten die Teilnehmer eine ausgesprochene Vorliebe für die Speisen, die die meisten Kalorien enthielten. Sie japsten nach Desserts, Schokolade und Kartoffelchips und zwar umso stärker, je müder sie sich fühlten. Laut Walker summierten sich die Verzehrwünsche zu 600 Extra-Kilokalorien. Mit der funktionellen Kernspintomographie registrierte

Ein gesunder und erholsamer Schlaf ist die wichtigste Basis für ein gesundes Körpergewicht.

Walker, welche Hirnzentren durch den Anblick der Nahrungsmittel angeregt wurden. Der fehlende Schlaf brachte im Gehirn vor allem die Corpora amygdaloideum zum „Leuchten“, die für die emotionale Bewertung von Sinneseindrücken zuständig sind. Gleichzeitig wurden die Regionen des Frontalhirns abgeschaltet, die normalerweise die Mandelkerne und andere primitive Hirnstrukturen kontrollieren. Damit entfielen die Hemmungen, die normalerweise zu einer vernünftigen Wahl der Nah-

rungsmittel geführt hätten, berichtet Walker, der in Übereinstimmung mit den epidemiologischen Studien dazu rät, eine Diät immer mit ausreichendem Schlaf zu verbinden. Dieses Phänomen kann man gut bei Menschen beobachten, die nachts arbeiten. Hier findet die kulinarische Versorgung häufig mit Cola und Süssigkeiten statt. Auch Ärzte werden nach anstrengenden 24-Stunden-Diensten nicht selten am Tag darauf zu Süssigkeiten-Junkies, wenn die Nacht ohne Schlaf blieb.

Betablocker schützten vor Herztod Erfolg Zahlreiche Studien zeigen die schützende Wirkung für‘s Herz

D

er Nutzen von Betablockern bei Herzinsuffizienz ist durch mehrere große Studien belegt. Zur Frage, ob sie auch den plötzlichen Herztod verhindern können, gab es bislang eine gewisse Unsicherheit. Diese konnten französische Forscher jetzt mit einer Analyse der großen Studien ausräumen. Das Risiko, dass ein Herzinsuffizienzpatient innerhalb eines Jahres am plötzlichen Herztod

stirbt, wird in der Literatur mit 4 bis 13% angegeben. Französische Forscher haben nun anhand von 30 Studien ermittelt, inwieweit Betablocker, eingenommen über mindestens einen Monat, dieses Risiko beeinflussen. Die Metaanalyse enthält Daten

von knapp 25.000 Patienten. Bei den 12.768 Patienten, die unter Betablockern standen, schlug der plötzliche Herztod in 5,27% der Fälle zu. Diese Rate war mit 7,69% deutlich höher, wenn die Patienten statt Betablockern Placebo erhalten hatten.


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Imposantes Farbenspiel

Rollende Arztpraxis ist gestartet Hannover. Eine neue Form der medizinischen Versorgung auf dem Land erprobt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen zusammen mit dem niedersächsischen Sozialministerium und anderen Partnern: Eine sogenannte rollende Arztpraxis fährt dazu an festen Wochentagen zunächst sechs Dörfer an, in denen kein Hausarzt niedergelassen ist. Es handelt sich dabei um die Gemeinden Dahlum, Roklum, Cramme, Flöthe, Winnigstedt und Hedeper. Die Ärzte in dem medizintechnisch ausgestatteten Wagen übernehmen in den Dörfern hausärztliche Aufgaben. Außerdem betreut das Team der rollenden Arztpraxis Patienten, die selber keine Praxis aufsuchen können.

Buchtipp

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uch, da braut sich etwas zusammen. Jetzt aber schnell nach Hause. Aber unser Düsseldorf sieht grau wie blau, gleichermaßen interessant aus. Diese Zeilen schrieb uns Walter Tillmann aus Düsseldorf. Er darf sich dieses Mal über 100 Euro freuen. Was finden Sie zur aktuellen Jahreszeit schön? Was geniessen Sie bei schlechtem Wetter?

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Der Gesundheitsbote, Am Heider Kopf 29, 58339 Breckerfeld oder noch einfacher per Mail an info@gesundheitsbote.com (Die Bilder sollten im jpg-Format abgespeichert sein und 300dpi aufweisen)

„Mein Buch vom guten Schlaf“ ist im Goldmann-Verlag erschienen und kostet 9,95 Euro.

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Gesundheitbote Bonn September 2013