„Katschtal in fru?heren Zeiten“

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„Katschtal in früheren Zeiten“

Soziale Aktion von der Firmgruppe Marlene Peitler


Im Rahmen der „Sozialen Aktion“ der Katschtaler Firmlinge haben wir, Denise Ölschützer, Helena Lax, Leonie Kendlbacher, Magdalena Bliem und Sophia Koller, uns im Katschtal umgeschaut und umgehört, alte Katschtaler Ausdrücke gesucht und nachgeforscht, welche Berufe oder Besonderheiten es früher bei uns gegeben hat. Wir haben sehr viele interessante Gespräche geführt und auch einige Fotos bekommen, sodass wir über so manche Besonderheit aus jeder Rennweger Ortschaft berichten können. Wir haben versucht, möglichst viel über den damaligen Alltag herauszufinden. Wir sind uns allerdings darüber im Klaren, dass dies keine lückenlose Darstellung ist und es sicherlich noch einiges mehr gegeben hätte. Mit dem Reinerlös dieses Buches unterstützen wir das Dorfservice in Rennweg. So soll dieses Buch eine Art Brücke zwischen Alt und Jung sein. Die Firmlinge und ich möchten uns bei ALLEN bedanken, die uns dabei geholfen haben, dass wir dieses Buch zusammenstellen konnten: Den Katschtalerinnen und Katschtalern, die uns Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt haben und all unseren Sponsoren (private, gewerbliche und öffentliche). Ohne euch wäre dieses aufwändige Projekt nicht gelungen! Vergelt´s Gott! Denise, Helena, Leonie, Magdalena, Sophia und Firmbegleiterin Marlene Peitler Frühjahr 2018

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Abwerzg

Auf dieser alten Postkarte sieht man noch den alten Mühlenweg von Zanaischg nach Abwerzg. In dessen Verlauf hatten die Bauern ihre Mühlen – daher auch der Name. Die Namen Abwerzg und Zanaischg stammen übrigens noch aus der „Slawen-Zeit“. Zanaischg bedeutet: „Wiesen, die vom Tal aus bewirtschaftet werden“. In Abwerzg beim „Brandstätter“ gab es wie an vielen anderen Orten auch eine Mühle. Diese war aber etwas Besonderes. Bereits 1927 wurde sie mit einer Turbine angetrieben und ab 1942 konnte man beim Brandstätter mit einem kleinen Dynamo Strom für den Eigengebrauch erzeugen. Diese Mühle war eine sogenannte „Lohnmühle“, zu der die Nachbarn unter anderem „Troad“ und „Polenten“ brachten, um es mahlen zu lassen. Der Mühlbetrieb ging etwa bis ins Jahr 1950, ab da gab es eine „Kunstmühle“ im Lungau. Infolge dessen rentierte sich dieser Zuverdienst sich nicht mehr. Auf dem alten Bild mit der Mühle sieht man Hermann Payer mit seiner Familie. Auch Abwerzg wurde von einem Hochwasser getroffen. Dieses Foto zeigt die Verwüstung die der Bach anrichtete.

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Rennweg Rennweg veränderte sich in den letzten 100 Jahren sehr stark. Im Laufe der Zeit gab es hier sehr viele Betriebe. Um deren Beschreibung etwas übersichtlicher zu gestalten, sind sie hier nach Berufsständen gegliedert. Vorweg ist es uns noch wichtig festzuhalten, dass es neben den hier beschriebenen Betrieben zum einen sicherlich noch weitere gegeben hat. Viele der angeführten Betriebe gibt es noch in veränderter Form. Und an manchen Orten im Gemeindegebiet sind neuere Betriebe und Gaststätten dazu gekommen.

Auf dem ersten Foto sieht man rechts noch das alte „Uhrmacherhaus“. Hier arbeitete Herr Michael Egger Anfang des 20. Jhdts. als Uhrmacher. Er hatte Verbindungen nach Gmünd zum Uhrmachermeister Meisnitzer, und er eröffnete später in Rennweg eine eigene Werkstatt.

Auf demselben Foto sieht man noch das alte „Schuster-Melcher Haus“. Hier arbeitete früher ein Schuster. Wenn man auf dem Bild etwas weiter nach oben schaut, kann man auch das Haus erkennen, in dem Herr Peter Dullnig zwischen 1938 und 1958 als Schuster arbeitete. Es gab auch noch einen dritten Schusterbetrieb in Rennweg, die Familie Lintscher. Hier arbeitete man über drei Generationen als Schuhmacher (Urgroßvater Andreas, sein Sohn Helmut und später auch Helmut Lintscher). Helmut in dritter Generation begann noch in Rennweg zu lernen und musste dann in Spittal seine Lehre als Schuster abschließen. Das Foto, welches die Werkstatt zeigt, stammt aus den 1930er Jahren. Auf einem Foto sieht man auch die Schusterfrau Anna, welche auch mithalf. Bedenkt man, dass es keine bzw. nur wenig maschinelle Unterstützung gab, kann man sich vorstellen wie viel Arbeit in einem solchen Schuh steckte.

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Strafner Kathi führte in Rennweg einen Eisenwarenhandel. Serafine Pleschberger (geb.1888 - +1989) führte in Rennweg ein Lebensmittelgeschäft. Damals war es üblich die Kunden zu bedienen – Selbstbedienung gab es damals noch nicht. Die meisten Lebensmittel waren nicht verpackt, sodass es im Geschäft viele große und kleine Schubladen gab, in denen die Waren lose gelagert wurden. Die Grundnahrungsmittel (Zucker, Mehl, Salz,…) wurden nach verlangter Menge in Papiersäcke gefüllt und eingewogen. Öl, Essig, Rum und andere flüssige Waren wurden mit einem Trichter in mitgebrachte Flaschen abgefüllt. Gewürze, Zuckerln u.a. in Papierstanizel gegeben. Es war üblich, mit einer Einkaufstasche oder einen Korb einkaufen zu gehen. Außer Lebensmittel konnte man damals auch Bekleidung, Unterwäsche, Geschirr, Haushaltswaren, Stoffe, Schulsachen, Nägel – ja fast alles bekommen. Damals gab es noch keinen Taschenrechner oder eine Registrierkassa, die Rechnungen für das Eingekaufte wurden per Hand geschrieben und im Kopf zusammengerechnet. Stammkunden hatten ein „Einkaufsbüchrtl“. Dieses brachte man beim Einkauf mit, damit die gekaufte Ware eingeschrieben werden konnte. Am Ende des Monats blieb das Bücherl im Geschäft und die Pleschberger-Muata rechnete alle Büchl im Kopf zusamme, dann bezahlten die Kunden. Damals lieferten unsere Bauern die Milch noch nicht an die Molkerei. Wenn sie Butter übrig hatten, konnten sie diesen vorbeibringen. Dies wurde als Guthaben hinten im Büchl gutgeschrieben und am Monatsende von der Rechnung abgezogen. Für die Tiefkühlwaren stand eine normale Haushaltstiefkühltruhe im Geschäft, die Auswahl darin war eher gering. Die Rennweger hatten auch die Möglichkeit ihr Tiefgefrorenes in der Gemeinschaftstiefkühlanlage beim Abwerzger vlg. Wurzi einzulagern. Bei Pleschberger Muata gab es auch eine kleine Trafik und eine Gaststube.

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Primiz In unserer Pfarre konnten drei Priester ihre Primiz feiern.

Josef Ramsbacher „Zickerpfarrer“ – am 03.01.1925

Hermann Koller – „Grabnerpfarrer“ 1957

Peter Koch „Graimann“ – am 04.07.2004

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Zanaischg Wenn man an Zanaischg denkt, fallen einem sofort die Knappenlöcher ein. Ab den 15. Jhdt. wurde hier Bergbau betrieben. Beim „Pfeifer“ in Zanaischg hatte man seit damals das Schürfrecht. Hermine Peitler („die Pfeiferin“) berichtet, dass zu dieser Zeit auch der Name „Ramsbacher“ nach Rennweg gekommen ist. Die beiden oberen Fotos zeigen den Eingang zu denKnappenlöchern.

Altes Pfeiferhaus – beim Neuaufbau, Aischger Wiesen: Bei diesem Bild denkt man zwar nicht unbedingt an Winter, aber im Winter fuhren die Zanaischger immer hier Ski. Einige Rennweger besuchten bereits sehr früh in Gmünd die Hauptschule. Unter ihnen auch Hermine und ihre Geschwister. Sie selbst besuchte die Schule in Gmünd von 1943-1945. Sie musste hierfür eine Aufnahmeprüfung machen und konnte dann in die 2. Schulstufe einsteigen. Da es damals keine tägliche Busverbindung gab, mussten sie montags um 6 Uhr mit dem Lastauto mit Herrn Heiß nach Gmünd und am Freitagabend wieder zurück nach Rennweg fahren. Sie schliefen bei einer Familie in Gmünd. Damals absolvierten sie bereits einen Skikurs bei der „Sorgerhütte“ in der Innerkrems und einen Schwimmkurs beim Millstättersee. Auf diesem Bild kann man auch noch den alten Weg vom Waldhauser nach Zanaischgerkennen.

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Mundart nocha – später marodig – etwas krank Fixla – Eierschwamm Kumpf – Gefäß für Wetzstein Schottraugn - eine Art Germteig aus dem mit dem Löffel Nocken gestochen werden und anschließend in Fett gebacken werden Naber – Bohrer Grumet – 2. Heuernte Halbscheid – Hälfte blächn – weinen klifrasig – heikel beim Essencht

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