Mut&Liebe 14/2015 Erfolgsgeschichten

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erfolgsgeschichten

m u t 14 liebe S t a d t ma g a z i n

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Familie & co. Ideale Bedingungen f체r Familien mit Kindern

Die GBO bietet familienfreundliche Wohnungen. Spielpl채tze, Kinderg채rten und Schulen befinden sich meist in der Nachbarschaft.

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mut&liebe

gude

Liebe Leserinnen und Leser, In Offenbach ist nicht alles rosig – doch herrscht irgendwie Frühlingsstimmung. Allerorten sprießen kleine und große Erfolgsprojekte, die gerade hier das richtige Klima und gute Bedingungen für sich gefunden haben. So z.B. 'speziell' – das junge Designerteam mit Studio in der Heyne-Fabrik sammelt mit mit seinen tollen Produktideen nationale und internationle Auszeichnungen von Chicago bis China. Ihre innovative Idee von 'beflockten' Tassen und Schüsseln entwickelte sich zum Bestseller des renommierten Porzellanherstellers KAHLA. Andere kochen Chutneys, backen Kuchen oder rösten eigenen Espresso. Der 'Scharfe Hesse' von der Manufaktur 'Genusswolke' oder die Tassenkuchen vom 'kuchenbäcker'Blog sind weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Daneben gibt es eine ganze Reihe alter und neuer Initiativen und Projekte, die die Kulturlandschaft Offenbachs bereichern und neue 'Wohlfühlorte' schaffen. Natürlich freuen wir uns als Mut&Liebe Team auch über unsere eigene kleine Erfolgsgeschichte. Unser Magazin hat sich etabliert und mit einem Kreis von MitstreiterInnen gelingt es uns immerwieder auf's Neue, interessante Themen und Geschichten aus Offenbach zu präsentieren. Die schöne Zusammenarbeit mit der Galerie Artycon am Wilhlemsplatz mit den Ausstellungen von Arbeiten der Künstlerinnen Renate Hampke und Katja M. Schneider im vergangenen Jahr führen wir ebenfalls fort. Den Anfang macht Stefan Kiess mit fotografischen Arbeiten vom 18. April bis 16. Mai. In diesem Sinne wünschen wir wieder viel Spaß beim Lesen und Entdecken und einen sonnigen Frühling Petra Baumgardt, Wolfgang Malik, Alexander Knöß

Impressum mut&liebe - Stadtmagazin Offenbach am Main V.i.s.d.P: Petra Baumgardt, Alexander Knöß, Wolfgang Malik GbR, Magazin Mut&Liebe, Brinkstr. 47, 63069 Offenbach, Tel.: 069 854541 • Mail: info@mutundliebeoffenbach.de www.mulionline.de

Kostenlose Auslage im ganzen Stadtgebiet, u.a.: OF InfoCenter, Gastronomie, Jugend- & Kulturstätten, vhs, OF-Bildungsbüro, Buchläden, Museen, Stadtbücherei, Einzelhandel, Arztpraxen, Sana Klinikum OF, Wochenmarkt

Redaktion: Petra Baumgardt, Alexander Knöß, Wolfgang Malik, Layout: Petra Baumgardt • www.grafikdesign-baumgardt.de Lektorat: Aliena Groß Fotos: Lemnitzer-Fotografie, weitere wie jeweils angegeben oder Rechte bei den jeweiligen Personen Titel: Fotos: Lemnitzer-Fotografie Druck: Berthold Druck GmbH, Offenbach

Die Veröffentlichung von Veranstaltungsterminen erfolgt ohne Gewähr. Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Herausgeber gestattet. Dieses gilt auch für Aufnahmen in elektronische Datenbanken und vervielfältigungen auf CD-ROM.

Nächste Ausgabe: Juni 2015 (Anzeigenschluss: 17.05.2015)

Für Druck und Satzfehler besteht keine Haftung. Auflage: 5.000 St. 3


t h e m a 6 Designstudio 'speziell' 10 Erfolgreich mit Rhein-Main-Couture 12 Wirtschaftsjunioren Offenbach Im Gespräch mit Marischa Altenheim 14 t-raum 18 Skinart-Tattoo Offenbach 22 Frauen & Erfolg – wie funktioniert's? 24 Senckenbergs – Survival of the finest 28 Genuss handmade im Starkenburgring 31 'Etagerie' Wohlfühlort im Quartier 75 Cartoon von Leonore Poth

P r oj e k t 21 HEROES – Gegen Ünterdrückung im Namen der Ehre 27 Klima.Schutz.Aktion! Offenbach 6 . M ä r z 2 0 1 5 • P o d i u m s d isk u ssio n 30 Terra Viva – die Foodcoop im Offenbacher Nordend Frauen & Erfolg, wie funktioniert's? 34 Ladenkino – Filmkultur im Fahrradladen 35 'Alte Schlosserei' 46 'BerufsBILDer' – Ausstellungsprojekt zur Dualen Berufsausbildung 49 Offenbach Card

g e s u n d h e i t

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36 Deutsche Psychiatriereform kommt aus Offenbach 39 Erfolgreich gestartet: Demenz-WG im 'StattHaus'

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Foto: René Spalek

M u sik 40 Stefan Arnold – Drummer aus Leidenschaft

A r b e i t 44 Beschäftigung mit Tod und Sterben ist kein Tabu

k u n s t w e r k

50 Stefan Kiess – Fotografische Arbeiten in der Galerie Artycon 53 Peter's Bakery Shop & Factory Reihe Künstlerpaare

G e schich t e n

55 Der 1. Weltkrieg und Offenbach (Teil 1) 58 Die Hoffnung kam auf Stahlketten 59 Aktionen um den 8. Mai in Offenbach

Go u r m e t

60 'Süßes aus dem Netz' 62 'Informal' – Madrider Lebensart im Salzgässchen

H ö r b a r 64 CD-Tipps von Udo Boll

E r l e b e n | s e h e n sw e r t 66 MUT&LIEBE Auswahl


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speziell®

© speziell®

erfolg mit dem besonderen 'Touch'

n 'TOUCH!' – der bisher größte Erfolg gelang dem Team gleich zu Beginn der gemeinsamen beruflichen Arbeit. Die Idee glattes Porzellan mit einer samtenen Oberfläche zu beschichten, wurde zu einer bahnbrechenden und mit zahlreichen Designpreisen ausgezeichneten Erfindung der jungen Designer. 'Beflockung' war schon während des gemeinsamen Studiums ihr bevorzugtes Interessengebiet. „Doch mit diesem Erfolg hatten wir nicht gerechnet,“ so Jens Pohlmann. „Dies war schon ein besonderer Glücksfall für uns.“ Sybille Fleckenstein, Jens Pohlmann und Thilo Schwer beschäftigten sich schon länger mit den vielseitigen, bisher aber eher selten genutzten Möglichkeiten dieser Oberflächenbeschichtung. Pflegeleicht, wasserfest, extrem strapazierfähig und lebensmittelecht aus Natur- oder Kunstfasern funktioniert Beflockung 6

auf nahezu allen Oberflächen. Für den Verband der Flockindustrie Europa e.V. entwickelte 'speziell' neue Anwendungsmöglichkeiten und Produktfelder. Die für den renommierten Porzellanhersteller KAHLA entwickelten Dekore für Tassen und Schlüsseln präsentieren eindrucksvoll die ästhetischen und funktionalen Vorzüge des besonderen Materials: Wärmeisolierend, rutsch- und sogar spülmaschienenfest ist die praktische Beschichtung, haptisch und ästhetisch reizvoll ist der Kontrast der samtartigen, farbigen Oberfläche zum glatten, glänzenden Porzellan. „Für uns, aber auch für KAHLA und zahlreichen Zulieferfirmen wurde das Produkt zu einem großen Erfolg." erklärt Thilo Schwer. „Bis heute entwickelt KAHLA damit neue Designs und Serien.“ m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


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Sybille Fleckenstein, Jens Pohlmann und Thilo Schwer studierten gemeinsam an der HfG Offenbach Produktdesign. Ihr Lieblingsthema: 'Beflockung'. Mit 'TouCH!' einem beschichteten Geschirr für den Porzellanhersteller KAHLA gelang dem Team eine völlig neue Produktentwicklung. Neben zahlreichen Designpreisen wurden sie dafür 2005 mit dem red dot "best of the best" ausgezeichnet. © Lemnitzer-Fotografie

Im lichtdurchfluteten, schick renovierten Atelier von 'speziell' in der Heynefabrik im Offenbacher Nordend begegnen wir weiteren schönen und verblüffend funktionalen Produkten. Z.B. Container für Schmalenbach design mit geräuschlos sich bewegenden Schubladen wegen beflockter T-Profile, die gleichzeitig die gestapelten Teile passgenau fixieren. Oder ein graziler Schlaufenstuhl (Girsberger), dessen Rücken- und Sitzteil durch eine raffinierte Faltung einer Stoffschlaufe zustande kommt. „Wir sind mit unseren Projekten breit aufgestellt,“ so Sybille Fleckenstein, „und haben jetzt nicht den Ehrgeiz alles zu beflocken. Vielmehr entwickeln wir unsere Ideen vom Material und der Funktion des jeweiligen m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

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Produkts. Und wir arbeiten dabei eng mit den Experten unserer Auftraggeber zusammen.“ Einen besonderen Materialzugang haben Sybille Fleckenstein und Jens Pohlmann auch durch eine handwerkliche Vorbildung. Die Designerin absolvierte vor dem HfG-Studium eine Goldschmiedeausbildung in Hanau, Jens Pohlmann eine Schreinerlehre. Thilo Schwer studierte im Grundstudium Grafk-Design. „Wir können unseren Kunden ein komplettes Paket anbieten. Für STUDIO DOMO z.B. entwickeln wir auch die Messestände für unsere Produkte.“ (S.F.) Mit der Möbelserie für den taiwanischen Hersteller STUDIO DOMO arbeitet 'speziell' auch erfolgreich für den asiatischen Markt. „Die Qualität deutscher Designer wird von den Asiaten sehr geschätzt. Im asiatischen Raum findet im Moment ein Umdenken statt. Man möchte nicht mehr nur produzieren, sondern auch eigene Marken entwickeln.“ (J.P.) Das charmante, praktische Tablett-Tischchen PORTER für STUDIO DOMO wurde 2009 gleich 2 mal ausgezeichnet: mit dem iF design award gold China und dem Good Design Award Japan. Im MoMA Store in New York steht es ebenfalls schon auf der Bestsellerliste.

International erfolgreich und unterwegs fühlt sich das Designerteam in Offenbach trotzdem gut aufgehoben. „Hier haben wir unsere Kontakte noch aus HfG-Zeiten, man kennt sich und es gibt alles in der Nachbarschaft,“ (S.F.) „Nach einer kurzen Zeit in Frankfurt, haben wir uns dann doch bewusst wieder für Offenbach entschieden.“  speziell®, Andréstr. 51a, OF, www.speziell.net

© speziell®

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© Lemnitzer-Fotografie

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kreative auszeit wandern

& zeichnscenana

in der To

Casentino, das ist der wilde Teil der Toskana, dort, wo statt sanften Hügeln und malerischen Zypressen steile Appenninen-Berge aufragen, bewachsen mit dunklen Nadelwäldern und knorrigen Steineichen. In dieser eindrucksvollen Gegend, die zum Wandern und Entspannen geradezu einlädt, veranstalten die Künstlerinnen Ruth Luxenhofer und Verena Lettmayer (die bis voriges Jahr im Atelierhaus MATO residierten) Ende Mai zum ersten Mal einen 7-tägigen Workshop: „Wandern & Zeichnen“:

„Ist KUNST nur Bilder malen? Ist WANDERN nur Sport? Und was sollen diese beiden Bereiche überhaupt miteinander zu tun haben? In der Kombination aus Wandern und künstlerischem Arbeiten wollen wir über herkömmliche Kategorien im wahrsten Sinne des Wortes „hinausgehen“. Das Wandern, das lange Unterwegssein auf den eigenen Beinen, ist im besten Sinne ganzheitlich, es beeinflusst Körper, Geist und Seele. Unser Rhythmus wird gleichmäßig und hilft uns aus vielen Gedanken heraus zum „Klar Werden“. Das konkrete Angebot besteht aus dem Kurs-Programm (mit mehrstündigen geführten Wanderungen in der Umgebung, Gelegenheit zu kreativer Tätigkeit und individueller künstlerischer Betreuung). Außerdem beinhaltet der Workshop: die Unterkunft, die Verpflegung und den Transfer vor Ort.

Gewohnt wird im Gästehaus „Fignano“, einem wildromantischen Ort; ein steinernes Gutshaus, die Fassade mit Trompeten-Blumen überwachsen, umgeben von kleinen Stein-Hütten, Lorbeerund Feigenbäumen und einem Kräutergarten. Der Komfort ist einfach, man ist der Natur sehr nahe; ein Ambiente, wie gemacht für eine Auszeit aus dem Trubel des Alltags. Über allem thront der MONTE PENNA, an dessen Felsen sich das Kloster LA VERNA schmiegt. Hier zog sich einst Franz von Assisi in die Einsamkeit zurück. La Verna wird auch eines der Wanderziele sein. Die Anreise erfolgt in Eigenregie; die Künstlerinnen geben daszu gerne Infos.

DATUM: 23. – 30.5.2015 ( PFINGSTEN )

Genaue INFOS: www.verenalettmayer.de/wandern-und-zeichnen. html KONTAKT: Tel.: 01 79 79 16 103, Ruth Luxenhofer mail@verenalettmayer.de

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© Malsy

erfolgreich mit 'rhein-main couture' n Mut&Liebe: Was macht 'Trendlabel And More' so besonders? Michael Mock: Wir wollen Qualität und keinen Mainstream vertreiben. Unser oberstes Ziel ist die Nachhaltigkeit und Langlebigkeit unserer Produkte. Was heißt das konkret? Das von uns vertriebene Label „Tranquillo“ wird nachhaltig in Nepal und Indien produziert. Die Couturestoffe für das Label „UVR“ kommen aus Italien und Frankreich, produziert werden die Kleidungsstücke in Deutschland 10

Fragen die Kunden nach den Produktionsbedingungen? IIn der Regel nicht, es sei denn, es gibt gerade eine aktuelle Meldung über die katastrophalen Zustände in den Produktionsstätten bekannter Unternehmen. Unsere Kunden möchten einfach ein individuelles Produkt mit Wiedererkennungswert. Wir legen Wert auf Nachhaltigkeit, das ist unsere Grundüberzeugung. Die von uns produzierten Kleider tragen wir auch selbst.

m u t & l i e b e D e z . / jan./feb. 2014/15


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© Rhein-Main Couture by Bembel-Rocker

Vor acht Jahren wurde die Handels- und Produktionsagentur „Trendlabel And More“ gegründet. Inhaber Michael Mock vertreibt Fashion- sowie Outdoormarken an Einzelhändler in Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg. Der Vollblutunternehmer stammt aus einer Frankfurter Kaufmannsfamilie, wo er bereits als Kind am Erfolg eines Familienunternehmens mitwirkte. Wir trafen ihn im „Showroom“ in der Heyne Fabrik. von Sabine Börner & Helena Malsy

In welchen Geschäftsfeldern ist Trendlabel And More außerdem tätig? Wir produzieren Merchandising-Produkte für RTL, Werksbekleidung in Zusammenarbeit mit Dickies für Drammen Karosserie Norwegen. Einen besonderen Bezug zur Region hat unser Label „Bembel-Rocker“. Hier bieten wir unseren Kunden „Rhein-Main Couture“. Ist Offenbach ein attraktiver Unternehmensstandort? Es gibt schöne Flecken in Offenbach, aber auch soziale Brennpunkte. Wenn ich mir die Innenstadt ansehe, wo sich ein 1-Euro-Laden an den anderen reiht, denke ich, da muß die Stadtplanung entgegensteuern. Das Stadtzentrum ist wenig attraktiv, der Einzelhandel wird in die Peripherie gedrängt. Dort kann er nicht überleben. Gegenüber der Heyne Fabrik entsteht das Hafenviertel... ...damit bewältigen wir keine Probleme, sondern erschaffen uns lediglich günstigen Luxus. Das wird Offenbach nicht helfen, ganz im Gegenteil. Das Viertel wird sich verselbstständigen und zum eigenen Stadtteil werden. Ich denke nicht, dass das Stadtentwicklung ist, sondern eher eine „Aufhübschung“. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

thema

Was ist daran problematisch? Noch bevor die Mietpreisbremse greift, werden die Mieten hier so hoch sein, dass sie sich z.B. Menschen mit kleiner Rente nicht mehr leisten können. So werden Offenbacher Bürger mit geringem Einkommen von hier verdrängt. Wie kann erfolgreiche Stadtentwicklung funktionieren? Sie müßte aus dem Kern heraus entstehen. Anreize schaffen, gezielt ansetzen, z.B. Start-Ups mit einem guten Konzept unterstützen. Es soll den Menschen Spaß machen, ihre Stadt mit zu entwickeln. So kann Offenbach erfolgreich sein. Was bedeutet Erfolg für dich? Niemandem gefallen zu müssen. Mich nicht verbiegen zu müssen. Welche Statussymbole markieren deinen Erfolg? Gutes Essen! Ich bin großer Südfrankreich-Fan. Mein Statussymbol ist z.B. in Frankreich zu sitzen und drei Zitronentörtchen zu essen.

 Trendlabel And More Andréstr. 51a, OF www.trendlabelandmore.de www.bembel-rocker.de 11


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Pioniergeist ist eine der zentralen Attribute für den wirtschaftlichen Erfolg und eben dieser kam in Offenbach vor mehr als 50 Jahren mit anhaltender Wirkung bis heute zum Tragen. Am 9. September 1964 trat erstmalig der Juniorenkreis der Industrie- und Handelskammer Offenbach am Main zusammen. Zunächst wurden Vortragsveranstaltungen und zwanglose Zusammenkünfte organisiert, bis 1968 der erste "Hessische Juniorentag" in Offenbach organisiert wird. So wurde Offenbach sprichwörtlich zum "Vorort der hessischen Junioren".

wirtschaftsjunioren offenbach im gespräch mit marischa altenheim von Kai Schmidt

n Im Januar diesen Jahres holten die Wirtschaftsjunioren Offenbach (WJ Offenbach) den 1. Platz als "Aktivster Kreis" Deutschlands (bis 50 Mitglieder), den der Bundesvorstand der Wirtschaftsjunioren in Berlin alljährlich auslobt. Um mehr über die Arbeit und den Erfolg der WJ Offenbach zu erfahren, sprach Mut&Liebe mit der frisch gewählten neuen Präsidentin Marischa Altenhein. Mut&Liebe: Marischa, zunächst herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Präsidentin und auch zum 1. Preis als bundesweit "Aktivster Kreis". Wie geht es Dir als Frischgewählte und welche Aufgaben stehen Dir jetzt bevor? Marischa Altenheim: Vielen Dank. Schon vor meiner Wahl zur Präsidentin war ich im Vorstand, durch die neue Aufgabe als Präsidentin fühle ich mich aber noch mehr mit den Wirtschaftsjunioren verbunden und werde mich jetzt noch intensiver einsetzen. Das Ganze ist ein Geben und Nehmen und das Großartige ist, dass man einfach sehr viel zurück bekommt in Form von Social Skills, man kann etwas für die Gesellschaft und die Wirtschaft beitragen, erhält persönliche Kontakte und darüber hinaus kann man sein Netzwerk international erweitern. Du bist ein waschechtes ''Frankfurter Mädsche". Was hat Dich zu den Offenbacher Wirtschaftsjunioren geführt? (lacht) Hätte man mir vor mehreren Jahren gesagt, dass ich Präsidentin der WJ Offenbach wäre, hätte ich das nicht glauben können. Die alten Muster der 12

Feindschaft zwischen den beiden Nachbarstädten haben damalig bei mir noch funktioniert. Als ich meine Design-Agentur BRANDICTION gegründet habe, war mein erstes Büro dann aber in Offenbach in der Kaiserstraße. Da hat sich meine Meinung über die Stadt und dieser albernen Feindschaft zum direkten Nachbar gründlich geändert. Den Wirtschaftsjunioren tritt man in der Regel in der Stadt bei, in der man arbeitet oder lebt und so kam eins zum Anderen. Und was mir bei den Offenbachern WJ gefällt: Wir sind eine Gruppe von Machern, so macht das Ehrenamt Spaß, denn so kann man viel bewegen. Erläutere bitte mal die Tätigkeitsbereiche der Wirtschaftsjunioren? Die Wirtschaftsjunioren sind ein überparteilicher Verband für junge Unternehmer, Selbständige und Fach- und Führungskräfte, zugänglich für Menschen unter 40 Jahren. Eng verbunden sind wir mit der IHK, die uns unterstützt. Wir treten für die soziale Marktwirtschaft ein und engagieren uns darüber hinaus stark im sozialen und politischen Bereich. Außerdem organisieren wir Landes-, Bundes- und Europakonferenzen, sowie Weltkongresse, auf denen sich Junioren aus der ganzen Welt treffen und austauschen. Die Wirtschaftsjunioren sind des weiteren Teil des international organisierten Junior Chamber International (JCI). Welche konkreten Aktionen verantworten die Wirtschaftsjunioren? Na, zum Beispiel mein Lieblingsprojekt "Nothing but m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


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Präsidentin der Wirtschaftsjunioren Offenbach Marischa Altenhein (4.v.l.) und Vize-Präsidentin Catharina Grünsfelder (3.v.r.) wurde die Urkunde und ein Scheck in Höhe von 500 Euro überreicht, durch den Senator, Klaus Tappe (3.v.l), den Bundessvorsitzenden der Wirtschaftsjunioren Deutschland, Daniel Senf (2.v.r.) mit seinem IPP Christian Wewezow (r.), sowie den Bundesvorstandsmitglieder Sion Wellkamp (l.) und Nadine Lexa (2.v.l).

Nets", das wir unterstützen. Hier geht es konkret um die Malaraiprävention in Afrika. 10 Dollar kostet ein Moskitonetz und hierfür haben wir zum Beispiel bei einem "Running Dinner" in Frankfurt über den Eintrittspreis viele Netze anschaffen können. So sind über diese Aktion mehrere Dörfer in Afrika heute de facto Malariafrei. Aktuell steht bei den Wirtschaftsjunioren Offenbach als eins unserer Leuchtturmprojekte wieder der Aktionstag "Schüler als Bosse" an. Dieser bietet Schülerinnen und Schülern am 21. Mai diesen Jahres die Möglichkeit, in Begleitung einer Führungspersönlichkeit einen Tag auf dem Chefsessel eines Unternehmens zu sitzen. So wird den Schülerinnen und Schülern ein intensiver Einblick in den Berufsalltag gewährt. Hierfür suchen wir aktuell noch Unternehmen, die dieses Projekt unterstützen wollen und einen Tag einem Schülerboss ihren Chefsessel zur Verfügung stellen. Wie ist Dein Eindruck? Bilden die Wirtschaftsjunioren in Offenbach auch den Querschnitt der Bevölkerung ab oder kann ich mir das Ganze als einen elitären Verein vorstellen? Elitär? Ganz und gar nicht. Bei uns sind sehr vielfältige Berufssparten vertreten: Vom Existenzgründer, m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

dem Studenten, über die Krankenschwester, dem Steuerberater bis hin zu erfolgreichen Unternehmern mit mehreren hundert Angestellten. Was uns ein wenig fehlt, sind zum einen junge Mitarbeiter der Unternehmen oder gerne auch Studenten, die ich hiermit einlade zu einem unserer Stammtische zu kommen, da sie bei uns durchaus auf Gleichgesinnte treffen werden und zum Anderen mehr Menschen mit Migrationshintergrund, denn gerade in Offenbach sollte sich die internationale Vielfalt der Stadt auch in der Zusammensetzung der stark international orientierten Wirtschaftsjunioren abbilden. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, dass wir eine Trainingsorganisation sind. Bei uns kann man sich ausprobieren, Personal Skills erweitern und Freunde fürs Leben finden. Bei mir selbst konnte ich erkennen, wie ich durch Lob und Anerkennung der Mitglieder zunehmend ein anderes Selbstbewusstein aufbauen konnte. Das hat mir nicht zuletzt auch im Beruflichen geholfen. Marischa, wir danken Dir für das Gespräch.

 Weitere Infos über die WJ Offenbach unter:

www.wj-offenbach.de 13


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n Es gibt sicher vieles, was sich rückschauend über ein Projekt, sagen ließe, das sich seit knapp 10 Jahren in Offenbach erfolgreich etabliert hat. Es ist eines der kleineren Theater, wenn nicht gar das kleinste in Offenbach und dem weiteren Umland, Es ist Zimmertheater mit Bühne so groß, wie die heimische Küche. Und darauf wird Theater gekocht nicht Hausmannskost, sondern Anspruchsvolles, reduziert auf das Wesentliche und keinem allgemeinen Geschmack verpflichtet: Haute Cuisine auf kleinstem Raum. Erfolgreich? Allemal: 800 Vorstellungen, mehr als 30000 Besucher, 27 Ausstellungen, 100 Gastspielen von Künstlern aus Nah und Fern, Talente und Amateur Förderung, Initiator der Großaktion KünstlerInnen für Menschenrechte 2012 und einem Etat über den höflich geschwiegen wird, lieber dankt man herzlich den vielen uneigennützigen Helfern. 14

Das erfordert viel Engagement und eine unbedingte Liebe zum Theater und der Schauspielerei. Die beiden, die dies stemmen, sind zum einen Sarah C. Baumann, „Frau Prinzipalin“ wie sie liebevoll von Freunden genannt wird, und Frank Geisler, der Germanist und Schauspieler als gleichberechtigter Partner und Mitbegründer. Sie findet, leicht geschmeichelt: „Es ist eine schöne alte Bezeichnung“ für Ihre Arbeit als Schauspielerin, Regisseurin, Intendantin und Mädchen für alles. Prinzipal: „… ist mir zu autokratisch“ und das ist Frank Geisler mit Sicherheit nicht. Sie teilen die Arbeit, die Produktionen, das Zimmer – Theaterleben. Zur Zeit der Gründung dachten die beiden noch über ein großes Theater, Kulturzentrum: „… naja über Grosses halt…“ nach. Heute sind sie froh, Unabhängigkeit und Freude am Theaterspielen behalten zu haben und nicht zu Verwaltern desselben geworden zu sein. Rückschau ist das eine, nach vorne schauen m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


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theaterraum, traumraum, theatertraumraum

t-raum

Offenbachs kleinster Theaterraum mit großem Programm. von Thomas Lemnitzer | Fotos: Frederick Lemnitzer

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etwas anderes, die Zukunft ist immer spannender weil gestaltbar. Sarah C. Baumann und Frank Geisler verstehen sich dabei „der Hochkultur“ verpflichtet, als Geschichtenerzähler mit Körper und Bild. Authentizität auf die Bühne bringen, dem realen Leben etwas aus dem Leben vorspielen, integer sein, Haltung haben und vertreten, ist Anspruch. Auch in der neusten Inszenierung, einem Stück vom Nobelpreisträger Dario Fo, das am Freitag dem 08.05.2015 Premiere haben wird, geht es um den Anspruch, Mensch zu sein und menschlich bleiben. „Johan vom Po entdeckt Amerika“ unter der Regie von Sarah C. Baumann folgt dem Prinzip des Erzähltheaters von Dario Fo und ist komödiantisch, frech, kritisch und stellenweise kabarettistisch. Das Stück erzählt die Geschichte der Entdeckung Amerikas aus der Perspektive eines respektlosen, schlauen Bauern aus der Poebene. Auf der Flucht vor der Inquisition gerät er unversehens auf das Schiff von Christoph Kolumbus und ein mitreißendes Abenteuer beginnt. Dabei hat Frank Geisler als Darsteller, nicht

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nur den Johan auf die Bühne zu bringen. Er spielt u.a. seine Gefährten, die spanischen Eroberer sowie indianische Kaziken mit und lässt bisweilen ganze Heere miteinander kämpfen. So muss sich Johan, bevor er sich zur Ruhe setzen kann, gegen Menschenfresser behaupten, auf Schweinen reiten, Wildpferde zähmen, schöne Mädchen beschlafen und mehr als einmal seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Was dabei entsteht, ist ein ganz eigener Blick auf die Eroberung eines Kontinents aus der Sicht eines gewieften Schelms, der auf seinem Weg ganz zwangsläufig und nebenbei auch die Fragen nach Gut und Böse in den Raum stellt.

„Johan vom Po entdeckt Amerika“ Premiere am Fr. 08.05.2015 Weitere Vorstellungen: Sa. 9.05; Fr. 15.05.; Sa. 23.05.; Fr. 29.05. u. Sa. 30.05.2015 jeweils 20.00 Uhr Eintritt: 15,- Euro/ermäßigt 12,- Euro Karten unter: 069 80108983 oder per Mail an info@of-t-raum.de Programminfos: www.of-t-raum.de

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20. Offenbacher City-Lauf 2015 powered by Rosbacher

16. Mai, 15.00 - 21.00 Uhr Start|Ziel: Aliceplatz, Komm

HAARmonie Inh. Manal Jaber

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Schülerläufe: 1,5 km Laufstrecke für Jedermann: 5 km Halbmarathon: 21 km Veranstalter: Sportamt Stadt Offenbach Info: Tel. 069/ 8065–2234 sportamt@offenbach.de

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Unsere Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 8.00 – 18.30 Uhr, Sa. 8.00 – 14.30 Uhr Wilhelmsplatz 11 • 63065 Offenbach • Tel. 069/88 36 03 • www.rosen-apotheke-offenbach.de

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Vor zwanzig Jahren wurde das bekannteste Tattoo-Studio Offenbachs in Bieber von Mirko Knauer gegründet. Seitdem wächst die Anzahl der begeisterten Kunden stetig. Der gute Ruf in Sachen Qualität und Kreativität hallt weit über Offenbach, Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet hinaus. Gründer, Tätowierer und Besitzer Mirko, Shop-Manager und Piercer Björn sowie Tätowiererin Steffi weihen uns in die Geheimnisse des Tätowierens ein. von Sabine Börner & Helena Malsy

"wir wollen einfach nur

gute tattoos

n Mut&Liebe: Mirko, wie bist du zum Tätowieren gekommen? Mirko: Mit meinem ersten Tattoo von einem Tätowierer war nicht zufrieden und dachte mir: „Das kann ich besser!“. Damals konnte man nicht einfach so in einen Laden gehen und fragen: „Bringt 18

stechen!"

Skinart Tattoo Offenbach

ihr mir das Tätowieren bei?“, also gab es für mich nur eine Option: „learning by doing“. Probiert wurde an Freunden, die sich gern zur Verfügung stellten und ich habe auch an mehreren Tattoo-Conventions teilgenommen. 1995 wurde dann Skinart von mir gegründet. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


| LAndtagswahl | Warum lassen sich Menschen tätowieren und piercen? Björn: Die Leute wollen sich mit ihren Tätowierungen abgrenzen, verändern und selbst modellieren. Das Tätowieren ist eine Art Grenzerfahrung. Welche Tattoo war eurer erstes? Mirko: Mein Kumpel und ich haben uns mit dem Klassiker „Nadel, Faden und Tusche“ im Alter von 15 Jahren gegenseitig tätowiert. Er hat mir das AnarchieZeichen gestochen, ich ihm eine Spinne. Steffi: Mein erstes Motiv war ein Pinsel, da ich schon immer gerne gezeichnet habe. Tätowieren ist eine Kunstform, die ich seit fünf Jahren ausübe. Was macht Skinart so besonders? Mirko: Bei uns herrscht eine familiäre, lockere und entspannte Stimmung. Es gibt immer was zu lachen und einen Kaffee gibt’s auch, genauso wie eine Nackenmassage bei verspannten Kunden.

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Björn: Der Kunde soll sich wohl fühlen und Vertrauen haben. Das wirkt sich auch auf den Tätowierer aus. Er kann kreativ arbeiten, Vorschläge bzgl. der Gestaltung des Motives machen. Wenn der Kunde seinem Tätowierer vertraut, geht er auch eher auf die Gestaltungsvorschläge des Tätowierers – die künstlerische Freiheit – ein, die Zusammenarbeit ist entspannt und klappt super. Welches Publikum kommt zu euch in den Laden? Björn: Zu uns kommen alle Leute, von 18 bis 78 Jahren. Da gibt’s keine Regeln: Akademiker, Assis, Hooligans oder ein Staatsanwalt, der sich die Biene Maja stechen lässt. Ebenfalls bei uns im Laden: Der Polizist auf der Liege im ersten Stock und der Typ, der von ihm gesucht wird, im Erdgeschoß. Mirko: Selbst Frankfurter Hooligans lassen sich von uns tätowieren und das in Bieber – in der OFC-Hochburg. Viele unserer Kunden kommen aus Frankfurt, aber auch bundesweit und aus dem Ausland.

Gründer Mirko Knauer (kariertes Hemd & Mütze), Shop-Manager Björn (Mütze & Bart) mit Team

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Gibt es bei euch auch No-Go’s? Mirko: Natürlich, Kunden unter 18 Jahren tätowieren wir nicht, selbst wenn die Einwilligungserklärung der Eltern vorliegt oder diese mit im Laden stehen. Negative Symbole sowie verfassungsfeindliche Tätowierungen lehnen wir ebenfalls ab. Steffi: Jede Tätowiererin/Tätowierer hat seine eigenen Maßstäbe und entscheidet für sich, welche Symbole er ablehnt oder nicht. Habt ihr regelmäßige Gasttätowierer? Mirko: Ja, von Russland bis nach Südamerika ist alles vertreten. Jede/r hat seine eigene Stilrichtung. Unserer Gasttätowierer werden auf der Skinart-FacebookSeite angekündigt und tätowieren während ihres Aufenthaltes bei uns, z. B. ein bis zwei Wochen. Was legt ihr den Leuten, die sich tätowieren lassen wollen, ans Herz? Björn: Teilweise kommen Leute zu uns in den Laden, die unbedingt am besten sofort ein Tattoo haben müssen. Sie sind sich nicht im Klaren darüber, dass ein Tattoo endgültig ist und das man nicht mehr einfach so entfernen kann. Manchmal haben die Leute auch keine Vorstellung, welches Motiv und wollen das von uns wissen. Man sollte schon eine Vorstellung haben, was auf die Haut kommt. Die Idee hierfür braucht Zeit. Und sofort ein Tattoo haben zu müssen geht nicht einfach so.

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Wie ist der Ablauf, bevor ich mein Tattoo gestochen bekomme? Björn: Bei Skinart werden die Kunden beraten, Termine ausgemacht und geschaut, welcher Tätowierer oder Gasttätowierer die Idee verwirklichen kann. Dies geschieht individuell und deshalb beantworten wir auch per Mail weder Beratungsbitten, noch Terminanfragen. Also immer persönlich vorbeikommen. Teilweise haben wir bis zu 100 Anfragen pro Tag. Was ist sonst noch wichtig? Für ein gutes Tattoo muss man Geduld haben. Die Leute, die das nicht verstehen und unseren Laden verlassen, stehen nach ein paar Wochen teilweise wieder bei uns im Shop – diesmal allerdings mit einem verhunzten Tattoo, welches wir dann „richten“ sollen. Das ist sehr schade, denn wir wollen ja letzten Endes einfach nur gute Tattoos stechen!

 Skinart Tattoo Offenbach Aschaffenburger Str. 123, OF Tel. 069/895998 www.skinart-tattoo.de

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P r oj e k t

gegen Unterdrückung im Namen der Ehre ein Projekt für Gleichberechtigung des DRK-Kreisverbands Offenbach e.V.

HEROES – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Für Gleichberechtigung. Ab Mai 2015 im DRK-Kreisverband Offenbach e.V. Das Deutsche Rote Kreuz – Kreisverband Offenbach e.V. und das Netzwerk gegen Gewalt haben das Projekt „HEROES – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Für Gleichberechtigung“ lange herbeigesehnt, welches erstmalig in Hessen, in der Stadt Offenbach an den Start geht. In dem auf drei Jahre ausgelegten Gleichstellungprojekt engagieren sich ausgewählte junge Männer mit Migrationshintergrund im Alter von 16 – 21 Jahren für Gleichberechtigung und gegen die Unterdrückung von Frauen im Namen der Ehre. In regelmäßigen Trainings bekommen sie Fachwissen von ausgebildeten Gruppenleitern/innen zu Themen wie Ehre, Identität, Gewalt, Geschlechterrollen und Menschenrechten vermittelt und die Möglichkeit sich mit persönlichen Erfahrungen und Sichtweisen untereinander auszutauschen. Nach Beendigung der einjährigen Trainingsphase werden sie im Rahmen einer öffentlichen Anerkennungsfeier unter Beteiligung ihrer Familien zu anerkannten "HEROES" zertifiziert. Anschließend sind die ausgebildeten HEROES in der Lage eigenständig Workshops in Schulen und Jugendeinrichtungen anzubieten. In den Workshops sollen Schülerinnen und Schüler durch Rollenspiele angeregt werden, sich mit verschiedenen kulturellen Ansichtsweisen und Rollenmuster auseinanderzusetzen. Ziel des Projekts ist es Formen psychischer und körperlicher Gewalt sowie die Unterdrückung von Mädchen und jungen Frauen im Namen der Ehre abzubauen, sich für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in „Ehrenkulturen“ einzusetzen. Dafür suchen wir hochqualifizierte und motivierte Mitarbeiter/innen, die die Basis des Erfolges für das Projekt sein sollen. Das Projekt wird durch die Aktion Mensch und durch Eigenmittel des DRK – Kreisverband Offenbach e.V. finanziert. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Ab 01. Mai 2015 sucht der DRK-Kreisverband Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Projekt HEROES! (Sozialarbeiter (m/w), Sozialpädagoge (m/w), Psychologe (m/w), Theaterpädagoge (m/w) oder vergleichbare Studienabschlüsse mit mehrjährige Berufserfahrung im Bereich Jugendarbeit in Verbindung mit Migrationshintergrund.) Wenn Sie an dieser verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Aufgabe interessiert sind, wenden Sie sich bitte für die genaueren Stellenunterlagen und Informationen an: Herr Patric Dietzel Deutsches Rotes Kreuz - Kreisverband Offenbach e.V. Spessartring 24, 63071 Offenbach Telefon 069/85005 - 0, E-Mail: sozialarbeit@drk-of.de

Heroes gesucht! Männliche Jugendliche und junge Männer mit Migrationshintergrund im Alter von 16 - 21 Jahren mit Interesse am HEROESProjekt wenden sich bitte an: E-Mail: sozialarbeit@drk-of.de od. Tel.: 069/85005 - 0 Anja Straubel, Projektleitung/Projektkoordinatorin DRK-Kreisverband Offenbach e.V. Für die erste Offenbacher HEROES Gruppe werden ca. 10-12 Jugendliche gesucht.

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frauen & erfolg – wie funktioniert's? n Eigentlich sollte es selbstverständlich sein: erfolgreiche Frauen im Beruf, im Sport, in Kunst und Kultur. Frauen haben die besseren Schulabschlüsse, an den Hochschulen sind 48% der Studierenden weiblich und die Zahl der beruftstätigen Frauen in Deutschland liegt über dem EU-Durchschnitt. Trotzdem sind es immernoch meist ungewöhnliche, individuelle Erfolgsgeschichten, wenn Frauen Karriere machen; in Führungspositionen, gutbezahlten Jobs oder Vorstandsetagen dominieren weiterhin die männlichen Kollegen. „Wir möchten erfolgreiche Frauen in Offenbach vorstellen und einen Einblick in ihren beruflichen Werdegang geben“, so Konstanze Schneider Initiatorion des Netzwerks 'Frauen für Offenbach'. „Und damit auch anderen positive Vorbilder aufzeigen.“ Bereits zum 7. Mal organisiert das Netzwerk eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungen um den Internationalen Frauentag im März. Jeweils drei Frauen aus verschiedenen Bereichen berichten von ihren individuellen Erfolgsgeschichten und dem Umgang mit Führungspositionen.

7. Podiumsdiskussion Frauen & Erfolg - wie funktioniert's? Fr. 6. März '15 | 19.00 Uhr | Filmklubb, Isenburgring 36 Auf dem Podium: Evren Gezer, Publizistin & Moderatorin, Cordelia von Gymnich, Bereichsleiterin Messe Frankfurt Heike Heim, Dipl.-Wirt.-Ing., Vorstandsvorsitzende EVO. Durch die Diskussion führt Konstanze Schneider. Eintritt 5,- Euro inkl. Tapas-Imbiss Anmeldung & Kontakt: Netzwerk@Frauen-fuer-Offenbach.de Tel. 069 8570 9005 | www.frauen-fuer-offenbach.de

„In Offenbach gibt es viele interessante Frauen, wir hatten bisher kein Problem Teilnehmerinnen für unser Podium zu bekommen. Allein bei den Amtsleitungsstellen bei der Stadt gibt es einen Frauenanteil von 31%.“ erklärt Anneliese Medem, Mitorganisatorin der Veranstaltungen. „Es gab auch noch keine Absagen. Die Schwierigkeit besteht hauptsächlich darin, einen gemeinsamen Termin zu finden.“

"Frauen & Erfolg" 2013 im Türkisch Deutschen Club. (v.l.n.r.): Elena Kotschergina-Schultheis, Eleni Margariti, Konstanze Schneider, Yadel Coskun, Ezhar Cezairli

Foto: Hamide Kücükler

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2010 waren z.B. Elisabeth Fritz, Juristin und Präsidentin des Offenbacher Amtsgerichts; Daniela Matha, Diplom-Ingenieurin und Geschäftsführerin der OPG Projektverwaltungsgesellschaft mbH und Pei-Fang Wagner, Geschäftsführerin eines Offenbacher Zentrums für Traditionelle Chinesische Medizin zu Gast bei der Podiumsdiskussion in der Stadtbücherei. Im letzten Jahr fand eine gut besuchte Veranstaltung im Türkisch-Deutschen Klub in der Strahlenbergerstraße statt, diesmal mit drei starken Frauen, die neben der beruflichen Karriere auch von erfolgreichen Integrationgeschichten erzählen konnten. Die Gastgeberin und Vorsitzende des TürkischDeutschen Clubs Ezahr Cezairli ist ebenfalls eine Expertin in Sachen Erfolg: die zweifache Mutter engagiert sich neben der Arbeit in ihrer eigenen Zahnarztpraxis als CDU-Stadtverordnete in Frankfurt und in der Deutschen Islamkonferenz. Auf dem Podium waren an diesem Abend: die Pianistin Elena Kotschergina aus Offenbachs russischer Partnerstadt Orijol; Eleni Margariti, Offenbacherin mit griechischen Wurzeln und Mitbesitzerin des Restaurants "Mainpromenade" in Bürgel und Yadel Coskun, Lehrerin an der Mathildenschule. „Gerade in unserer Stadt finden wir es wichtig, auch erfolgreiche Frauen mit Migrationshintergrund vorzustellen, die positive Beispiele für berufliche Karrieren besonders auch für junge Frauen darstellen,“ meint Konstanze Schneider. In diesem Jahr lädt das Netzwerk ein zu einer "Frauen & Erfolg" Diskussion in den Filmklubb, Isenburgring 36. Gäste sind: Evren Gezer, Publizistin und Moderatorin; Cordelia von Gymnich, Bereichsleiterin der Messe Frankfurt und Heike Heim, Dipl.-Wirtschaftsingenieurin und Vorstandsvorsitzende der EVO.

 www.frauen-fuer-offenbach.de

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Fotos: © Cengiz Onat

senckenbergs –

survival of the finest n Zunächst ging es nur um das Logo. Im Dezember 2014 eröffnete nun ein völlig neu konzipiertes und durchgestyltes Restaurant in den Räumen des ehemaligen 'Bastos' in Bockenheim. Maziar Rastegar, bekennender Offenbacher, KickersFan und HfG-Absolvent designte neben Typografie und Speisekarte den kompletten Style der neuen Location. „Vassilios Konstantinidis und Michele Iannelli, die Inhaber, riefen mich in der Umbauphase alle paar Tage an und fragten nach Ideen für den Boden, die 24

Wände usw.“, erzählt Maziar. „Da bin ich eingestiegen und habe ein Gesamtkonzept entwickelt.“ 'Senckenbergs' (der Name ist Programm) und die Nähe zum Senckenberg Museum inspirierten den Designer zu ungewöhnlichen Lösungen.

" Zwei Chromosomen unterscheiden den Mensch vom Primaten – es ist also ziemliches Glück, dass Du jetzt hier stehst und nicht im Wald! Willkommen im Senckenbergs" steht in großen Lettern m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


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MAZIAR RASTEGAR, Designer und Künstler aus Offenbach konzipierte in direkter Nachbarschaft zum Senckenberg Museum eine anspruchsvolle Location

über der Theke, in Anspielung auf die Evolutionsgeschichte. Die Porträts der Familie Johann Christian Senckenberg (einschließlich Katze) in Öl hängen an den Wänden und edle Materialen wie Eiche, Kupfer und Naturtöne finden sich in den Räumen. Einen starken Kontrast dazu bilden betongraue Wände, weiße Tische und neonfarbene Lettern auf den Gemälden. Modern und elegant, gleichzeitig aber angenehm und freundlich gelang Maziar Rastegar eine besondere Atmosphäre. "Mein Konzept ist auch offen für m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Veränderung, die Betonwände und Decken sind z.B. mit farbloser Tafelkreide gestrichen, sodaß man darauf schreiben kann," so Maziar. "Zur Eröffnung haben die Gäste ihr Feedback direkt auf die Wände geschrieben." 25


leute

Das anspruchsvolle Konzept findet sich auch in einer spannendes 'Cross-over-Küche': Ganz im Sinne der Naturkunde geht es Küchenchef und Partner Ümit Coskun im SENCKENBERGS darum, neue Gerichte zu kreieren und alt Bekanntes weiter zu entwickeln. Neben kulinarischen Genüssen sollen die Gäste auch mit Ausstellungen und kleinen Vorträgen angeregt werden.

"Der Mensch sucht seit jeher seinen Platz in der Welt. Bis zu 80 davon bietet das SENCKENSBERGS" In diesem Sinne lohnt sich 'ausnahmsweise' ein Besuch auch über die Stadtgrenze hinaus in ein besonderes Ambiente mit Offenbacher Wurzeln.

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senckenbergs Restaurant GräfstraSSe 45 60486 Frankfurt / M Reservierungen: 069 7706777–7 oder auf senckenbergs.com info@senckenbergs.com Öffnungszeiten: MO – DO 17.00 – 24.00 Fr – Sa 17.00 – 02.00 SO 17.00 – 24.00

Fotos: © Cengiz Onat

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Die KLIMA.SCHUTZ.AKTION! Offenbach Mit ihrem Beitritt zum Klima-Bündnis im Jahr 1998 hat sich die Stadt Offenbach die Klimaschutzziele dieses Städtenetzwerks zu Eigen gemacht: Reduktion des CO2-Ausstoßes alle 5 Jahre um 10% Reduktion des CO2-Ausstoßes um 50% bis 2030 in Relation zum Basisjahr 1990 Langfristig: Erreichen eines nachhaltigen Niveaus von 2,5 t CO2-Äquivalent pro EinwohnerIn und Jahr. Um diese zahlenmäßigen Ziele umsetzbar und messbar zu machen, ist es notwendig, auf eine konzeptionelle Grundlage zurückgreifen zu können. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Offenbach hat deshalb im Jahr 2010 das Klimaschutzkonzept beschlossen. Drei der erfolgreich umgesetzten Projekte werden hier beschrieben. Haus-zu-Haus Beratung Seit 2010 werden die BesitzerInnen von Ein- und Zweifamilienhäuser in verschiedenen Offenbacher Stadtteilen beraten. Die HausbesitzerInnen erhalten eine kostenlose Thermografieaufnahme ihres Hauses, dann gehen die von der Stadt beauftragten Energieberater von Haus zu Haus und bieten

kostenlose Energieberatungsgespräche an. In den Stadtteilen Tempelsee, Carl-Ulrich-Siedlung, Lauterborn, in den Wohngebieten zwischen der Beethovenschule und der Humboldtschule, zwischen der Feldstraße und der Rhönstraße und am Buchhügel wurden in den letzten 4 Wintern 2400 HausbesitzerInnen angeschrieben, mit rund 40% kamen die Energieberater ins Gespräch. Mit der Haus-zu-Haus Beratung gewann die Stadt Offenbach 2012 den Wettbewerb kommunaler Klimaschutz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Deutschen Institutes für Urbanistik. In diesem Winter werden die HausbesitzerInnen in Bieber beraten, weitere Stadtteile sollen folgen.

KLIMA.SCHUTZ.AKTION!

OFFENBACH KOMMT NACH BIEBER Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Herzliche Einladung zu unseren Informationsveranstaltungen: 05.03.15 Für Mieter:

Heizkostenabrechnung verstehen und Energie sparen!

17.03.15 Für Wohneigentümer:

Geförderte Energieberatung - Welche Sanierung ist dran?

24.03.15 Für Kirchen und Vereine: Einfache Mittel - große Wirkung! Gemeinsam zum Ziel! Alle Informationsveranstaltungen finden um 19.00 Uhr im Clubraum TV 1861 Bieber, Seligenstädter Straße 34 statt. Für die ersten 10 Interessenten aus jeder Zielgruppe ist eine kostenlose, individuelle Vor-Ort-Energieberatung möglich. Melden Sie sich an.

Energiesprechstunden für Alle! Treffen Sie uns in Bieber, wir stehen für Ihre Fragen zur Verfügung: 14.03.15, 11.00-14.00 Uhr, Edeka • 21.03.15, 11.00-14.00 Uhr, Ostendplatz Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz Berliner Str. 60, 63065 Offenbach am Main Tel.: 069 8065-2557, umweltamt@offenbach.de www.offenbach.de/klimaschutz


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Energieeffizienzberatung für Unternehmen Ein weiterer Schwerpunkt der Offenbacher Klimaschutzaktivitäten liegt im Bereich der Unternehmen. Die Stadt bietet seit Juni 2013 eine Energieeffizienzberatung für Firmen an, also ein Pendant zur oben genannten „Haus-zu-HausBeratung“: Kostenlos und unverbindlich werden Unternehmen durch unabhängige qualifizierte Energieberaterinnen und -beratern über Handlungsoptionen und Fördermöglichkeiten in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien beraten und unterstützt. Ziel der 2013 gestarteten und nunmehr in zwei Gewerbegebieten abgeschlossenen Beratungsaktion ist es, zur Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen und Sanierungen anzuregen. Analog zur Haus-zuHaus-Beratung in den Stadtteilen werden hierbei alle Gewerbegebiete gezielt besucht. Auf diese Weise kommt die Beratung zu den Unternehmen, die dann nach Terminvereinbarung oder direkt vor Ort durchgeführt wird. Ein im Nachgang vorgestellter Auswertungsbericht enthält die vorhandenen CO2- und Kosteneinsparpotenziale und die möglichen Effizienzmaßnahmen. Die KLIMA.SCHUTZ.AKTION! kommt nach Bieber Um für alle BewohnerInnen in Bieber einen Energieberatungsbaustein anbieten zu können, wurde die beiden erfolgreichen Projekte für den Stadtteil Bieber zum Winter 2014/15 mit weiteren Bausteinen ergänzt. So gibt es die Möglichkeit eine offene Energiesprechstunde zu nutzen und Vortragsabende für Mieter, Wohneigentümer und Kirchen und Vereine zu besuchen. Für die ersten 10 Interessenten bietet das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz eine kostenlose VorOrt-Energieberatung an.

 Informationen zur KLIMA.SCHUTZ.AKTION! in Bieber erhalten Sie beim Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Tel. 069 8065 2557 oder umweltamt@offenbach.de

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Foto: Marina Caktas

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n Über dem hohen Altbaudachgiebel des Starkenburgrings Nummer 79 schwebt immer eine Wolke – und zwar von der feinen Art. Denn hier werden täglich leckere Brotaufstriche, Chutneys, Gelees und Saucen gekocht – in der Manufaktur der Marke Genusswolke. Wer die Stufen erklimmt ins „JamLab“, in dem alle Genüsse entstehen, kommt womöglich mit Tüten voll liebevoll gefüllter Gläschen wieder herunter. Aber inzwischen ist die Genusswolke schon weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und beliebt. Ihre Produkte gibt es in ausgewählten Geschäften, im Hessenshop, in verschiedenen Edeka-Märkten und online. „Ich möchte mit meinen Produkten ein Stück Lebensqualität weitergeben und wenn die Menschen in Deutschland sie mögen, ist das der beste Beweis, dass meine Idee funktioniert“, sagt Marina Caktas. Ein Stück des Weges ist bereits gemacht und er begann in Offenbach. Im obersten Stockwerk des Starkenburgrings Nummer 79 fand Marina Caktas im Sommer 2011 die geeigneten Räume für ihr Vorhaben und nur wenig später wurde sie bereits von der Zeitschrift „Für Sie“ und der Firma „Freixenet“ mit einem Preis ausgezeichnet, der Startgeld und einen Pop-up-Store in der Zeilgalerie beinhaltete. „Der Dezember 2011 in der Zeilgalerie war meine Feuerprobe. In diesem ziemlich anstrengenden Monat merkte ich, dass den Menschen meine Idee gefällt und dass sie meine Produkte mögen“, beschreibt Marina die Anfänge. Unter der geschützten Eigenmarke Genusswolke vertreibt die gelernte Hauswirtschafterin selbst kreierte und handgemachte Brotaufstriche, Chutneys, Gelees, Grillsaucen, Marmeladen, Pestos und andere Toppings. Die erfolgreichsten Produktkollektionen sind derzeit: die Hessen-Chutneys, das Grilldip und die ApfelweingeleeKollektion. Nachdem sie im Frühjahr 2012 ihr Marmeladenlabor mit einer professionell ausgerüsteten Küche ausgestattet hatte, ging es zügig weiter. „Die erste Zeit war super anstrengend, aber auch toll. Ich habe mich


genuss handmade im starkenburgring

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thema

so schmeckt offenbach! von Ingrid Walter, Walter Wortware

Frankfurt. Andere Edeka-Märkte folgten. Ein weiterer fester Standort ist der „Markt im Hof“ in Sachsenhausen, wo jeden Samstag kleine feine Erzeuger aus der Region hochwertige Produkte anbieten.

Foto: Peter Grüger

Wie nachhaltig sie ihre Vision mit der Lebensqualität verfolgt, das zeigen auch einige Charity-Projekte, die sie von Anfang an realisierte: So hat sie ein „Power Gelee“ für den Verein für krebskranke Kinder e.V. entwickelt, von dem pro Glas 40 Cent and die Organisation gehen. Außerdem betreibt sie eine Kooperation mit den Streuobstwiesenrettern an der Hessischen Bergstraße. (www.streuobstwiesenretter.de). gefühlt, als würde ich täglich einen Marathon laufen“, erzählt Marina. Sie musste viele Aufgaben unter einen Hut bringen, Produkte entwickeln, ihr Büro aufbauen, Lieferanten suchen, einen Webauftritt realisieren, Kunden akquirieren, den Vertrieb organisieren, den Markenaufbau vorantreiben, die Arbeit strukturieren und schließlich auch noch einkaufen und kochen. Schon bald hat sie sich Hilfe geholt und ein kleines Team aufgebaut, das heute aus zwei Angestellten, zwei Aushilfen und einem Praktikanten besteht. Außerdem hat sich Marina früh ein großes Netzwerk geschaffen und auf allen Kanälen kommuniziert, auch über die Sozialen Medien im Netz. Im Oktober 2012 war sie zum ersten Mal im Hessen Fernsehen zu sehen und ist seitdem ein regelmäßiger Gast, wenn es ums Einkochen geht und um leckere Toppings aus Gemüse, die echte Alternativen zu Blut- und Leberwurst sind. Einige ihrer Produkte sind sogar zertifiziert vegan wie beispielsweise Goldener Hesse, Lila Hesse, Kirsch-Senf-Dressing oder Grilldip für Alles und entsprechen damit ganz den Kundenbedürfnissen unserer Zeit. Im März 2013 war es dann soweit: Marina bestückte mit ihren Produkten ein eigenes Regal im Edeka Scheck-in Center in m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Andere fruchtbare Partnerschaften brachten beispielsweise ein Apfelweingelee „Frau Rauscher“ für Possmann (im Hessenshop und direkt bei Possmann), eine Serie von Märchenmarmeladen für www.mainmaerchenschiff.de oder Produkte, die mit dem Agavensirup eines mexikanischen Produzenten gesüßt sind, der sie als Kundengeschenke nutzt. Der Kontakt kam auf einer Foodmesse in Paris zustande. Denn eine Erfahrung, die Marina immer wieder macht ist, dass man aktiv sein und auf die Menschen zugehen muss. „Wenn der Druck zu groß wird und die Aufgaben zu viele, bringt es gar nichts, nur zuhause zu sitzen und nachzudenken. Mir hat es immer geholfen, über meine Ideen und die nächsten Schritte mit vielen kompetenten Menschen sprechen.“ Diese waren durchaus auch in Offenbach zu finden: Gemeinsam mit Andrea L’Abbate, die ihre Produkte im Hofladen in der Bieberer Straße vertreibt, entwickelte sie beispielsweise das „Offebacher Gelee der Kulturen“ – eine süßwürzige Komposition aus Apfel und Quitte, Pimentpfeffer, Koriander und Rosenblüten …so schmeckt Offenbach.

 www.genusswolke.de 29


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bio-lebensmittel aus der region

direkt ins nordend! n „Bio“ gibt’s inzwischen in jedem Supermarkt, aber eine kleine Gruppe im Offenbacher Nordend will mehr: Erzeuger und Konsumenten stehen in direktem Kontakt, Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau in der Region kommen ohne Umweg zu den Verbrauchern. Ende letzten Jahres hat sich deshalb die Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Terra Viva e.V. gegründet. Vereinsziel ist die Bewusstseinsbildung zu nachhaltiger Ernährung und neuen Formen des Konsums. So wird bei Hofbesuchen und mittels tatkräftiger Unterstützung bei Aktionen wie Kartoffeln sortieren oder Apfelsaft pressen über Herkunft und Anbau von Lebensmitteln informiert und zu einer Auseinandersetzung mit unseren Lebensgrundlagen angeregt. „Aber wir sind eben auch organisatorisches Bindeglied zwischen Bio-Landwirt und Endverbraucher, und fördern dadurch kleinbäuerliche, ökologisch wirtschaftende Strukturen.“ betont Birgit Lorberg vom Vorstand. Derzeitige Erzeuger bei Terra Viva sind der

Einfach Mitglied werden! Wer Interesse hat, kommt am besten samstags zwischen 10.00 und 12.00 in die Bettinastr. 61 (Hinterhof ) und nimmt gleich das KennenlernAngebot – einen Monat ohne Mitgliedsbeitrag, aber mit vollem Bezug leckerer Lebensmittel – in Anspruch.

 Weitere Infos:

https://terravivaof.wordpress.com

biologisch-dynamisch wirtschaftende Quellenhof in Steinbach im Taunus, der Demeterhof „Lebensgemeinschaft Bingenheim“ in Echzell und die Vollkornbäckerei Mulinbeck. Mit der Foodcoop Gelbe Rübe e.V. in Fulda wurde ein hervorragender Kooperationspartner gefunden, um das Angebot um weitere Produkte, wie Kräuter, Öl, Nüsse u. ä. aufzustocken. Neu im Angebot ist jetzt die Milch vom Sonnenhof der Nieder-Ramstädter Diakonie. Und typisch Offenbach: Die Käsefabrik L‘Abbate stellte sich sofort als kostenlose Übergabestation für die Lieferungen aus dem Odenwald zur Verfügung. Das Ganze funktioniert, weil jeder nach seinen Möglichkeiten mit anpackt. Als „Vereinsheim“ und Verteilstation dient die Backstube der ehemaligen Bäckerei Bildstein an der Ecke Ludwig-/Bettinastraße im Nordend. Sobald die Außentemperaturen es zulassen, wird der Raum noch ein wenig „aufgehübscht“, aber ansonsten ist alles funktionstüchtig: Jeden Samstagvormittag wird die alte Backstube zum lebhaften Treffpunkt für alle Menschen, die sich gesund und fair zu Umwelt und Gesellschaft ernähren wollen.

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(v.l.): Linda Hoekstra, Heike Hamann und Eva Kirchhoff – Inhaberinnen der ETAGERIE

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die 'etagerie'

wohlfühlort im quartier n „Warum machst Du Dich in Offenbach und nicht in Frankfurt selbständig“ wurde sie oft gefragt. Heike Hamann, Innenarchitektin und Mitinhaberin des Manufakturladens ETAGERIE muss über diese Frage nicht lange nachdenken: „In Offenbach sind die Menschen anscheinend noch nicht so übersättigt wie in vielen Großstädten. Interessante Geschäftskonzepte werden eher wahrgenommen.“ Außerdem fehle es in Offenbach nicht nur an schönen Geschäften, sondern auch an Wohlfühlorten – beides bietet die ETAGERIE seit nunmehr eineinhalb Jahren. So vielfältig wie die beruflichen Erfahrungen der Betreiberinnen ist auch das Konzept der ETAGERIE. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Während sich Heike Hamann um die Inneneinrichtung und Dekoration kümmert und Eva Kirchhoff nach Jahren der Sozialarbeit Buchhaltung und Pressearbeit zu ihren Schwerpunkten zählt, gilt Linda Hoekstra, gelernte Hotelkauffrau, als die Küchenfee, die dafür sorgt, dass stets eine kleine Köstlichkeit am großen, zentralen Tisch gereicht werden kann. So wird der Verkaufsraum gleichzeitig ein Ort zum Genießen und Verweilen. Die Einrichtung ist eine gekonnte Mischung aus Großmutters Erbstücken und modernen Designs zum Anfassen. Den Verkaufstresen hat Hamann aus den alten Türblättern der ehemaligen Gaststätte “Zur Webbs” zusammengezim31


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mert, die bis in die 1960er Jahre in dem geklinkerten Eckhaus residierte und sich selbst als gemütlichste Kneipe Offenbachs bezeichnete. Und die Idee kommt an: Zur Mittagszeit und auch bei den zahlreichen Veranstaltungen treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Während die Einen auf einen Schwatz vorbei schauen, beginnen die Anderen ihren Feierabend mit ein paar gestrickten Maschen oder einem frischen Kaffee.

Ort eine Alternative zum Massenkonsum der Innenstädte und den damit zumeist verbundenen Produktionsbedingungen zu finden. Neben einer Vielzahl von Postkarten und ausgewählter Papeterie bereichern individuell gestaltete Kleidung für Kinder und Erwachsene, Taschen und besondere Schmuckstücke das Sortiment. „Bei uns“, fasst Heike Hamann die Ladenphilosophie zusammen, „finden die Kunden ein Produkt, das mit Herzblut hergestellt wurde.“

Die ETAGERIE versteht sich insgesamt als Raum für kreative Betriebe. Die verschiedenen Produkte, die zumeist von Manufakturen aus der gesamten Region stammen, sind überall im großzügigen Verkaufsraum verteilt und laden zum Stöbern ein. Für kleine Label bieten sich hier gute Absatzmöglichkeiten und Präsentationsflächen jenseits von einschlägigen Internetportalen. So werden auch Sonderwünsche und Einzelaufträge zeitnah und ohne Portokosten erfüllt. Die Kundschaft zeigt sich entsprechend erfreut, vor

Auch Co-Working, also das gemeinsame Arbeiten unterschiedlicher Firmen unter einem Dach, gehört zum Konzept. Der Wollladen “Maschenwahn” von Ulrike Janssen hat seit Herbst ein Zuhause in den großzügigen Räumen der ETAGERIE gefunden und bietet den hochwertigen Rohstoff für allerlei kreative Projekte an. Wo früher die Familie der Kneipenwirte ihre Wohnräume hatten, betreibt Johann Kneissl seine Kommunikationsagentur AlleMunde. Und auch Dr. Kirsten Prinz,

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kreative Germanistin mit Lehrauftrag an der Gießener Hochschule und erst vor kurzem Mieterin, schätzt die Möglichkeit, Tastatur und Bleistift zwischendurch beiseite zu legen, um den öffentlichen Bereich der ETAGERIE zu genießen. Was trägt am meisten zum Erfolg der ETAGERIE bei? „Menschen zusammen zu bringen, damit sie gemeinsam arbeiten und etwas Schönes erleben, das ist vielleicht das Wichtigste“, meint Linda Hoekstra. „Wir wollen zukünftig den Stadtteil noch stärker einbeziehen.“ Es gibt sehr viel Zuzug in Offenbach. Damit die Menschen sich schneller zu Hause fühlen, hat Linda eine Aktion aus ihrem Herkunftsland Holland “importiert”, die im kommenden Frühjahr starten wird: „Nur soviel sei verraten, es hat mit der bunten Bank zu tun, die stets vor der ETAGERIE zum Verweilen einlädt.“

Foto: Flyodine – fotolia.com

„Ja, wir sind Idealistinnen und haben sicherlich Mut bewiesen mit der Eröffnung der ETAGERIE.“ Eva Kirchhoff nennt aber auch Wirtschaftlichkeit als Gradmesser des Erfolges. „Da ist noch Luft nach oben“, schmunzelt sie und freut sich schon auf die nächste Aktion.

 Etagerie, Taunusstr. 1, Offenbach Tel: 069 26940141 Di. u. Mi. 11.00-18.00 Uhr, Do. u. Fr. 11.00-19.00 Uhr Sa. 11.00-15.00 Uhr Für den Newsletter mit dem aktuellen Veranstaltungsund Kursprogramm bitte eine E-Mail an info@etagerie.eu schreiben. Weitere Infos: www.etagerie.eu

03.05.2015, 10.00 bis 17.00 Uhr Coaching mit Genuss – Welches Früchtchen bin ich? Ina Manthey - Fliegende Fische Coaching Elke Bretzigheimer - Brigid-Reisen Ort: Etagerie, Taunusstr. 1, Offenbach Kontakt: coaching-mit-genuss@web.de Welches Früchtchen bin ich? Dieser Frage wollen wir in unserem Workshop nachgehen. Anhand von ausgewählten Coaching-Übungen können Sie Ihren Standpunkt in entspannter Atmosphäre bestimmen. Finden Sie heraus, ob Sie Themen haben, zu denen Sie sich Veränderungen wünschen. Schauen Sie, wer oder was Sie antreibt oder bremst und wie Sie dieses lösen können. Der Spaß und Genuss sollen an diesem Tag auf keinen Fall zu kurz kommen, daher werden wir das Thema auch kulinarisch begleiten. Sie haben die Möglichkeit, Ihre individuelle Marmelade als Ausdruck für Ihre Ziele zu kochen und ein Glas davon mit nach Hause zu nehmen. Vielleicht tun Sie den ersten Schritt auf einem neuen Weg. Verbindliche Anmeldung bitte per E-Mail oder Telefon: coaching-mit-genuss@web.de bzw. 0174/2676000 (Ina Manthey) oder 0178/7902524 (Elke Bretzigheimer) Infos: https://www.facebook.com/coachingmitgenuss Kosten: 79,- Euro (inkl. Mittagssnack, kalte/warme Getränke, Coaching-Materialien, sowie die Zutaten für die Marmelade), Teilnehmerzahl mind. 6 max. 12


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Im Januar wurde das Ladenkino feierlich mit einer ausverkauften Vorstellung und jeder Menge Euphorie eröffnet. Der Laden artefakt Offenbach, der bislang hauptsächlich für Taschen, Fahrräder, Radsport und Reparaturen stand, präsentiert dort nun einmal im Monat das Ladenkino im Starkenburgring 4.

ladenkino –

Lemnitzer-Fotografie

offenbacher filmkultur im fahrradladen

n Der Laden wird Kino! Die Betreiber des Laden artefakt Offenbach, Anja Bamberger und Jürgen Blümmel, haben diesen von Beginn an immer auch als Raum für Kunst, Kultur, Spontaneität und Austausch verstanden und präsentiert. Jetzt wechselt die Radbewegung für einen Tag im Monat zum bewegten Bild. Als professionelle Unterstützung für ihr neues Vorhaben konnten die beiden den Kinomacher Daniel Brettschneider gewinnen. Der gebürtige Offenbacher liebt Filme und seit jeher das gemeinsame Erleben im Kino. Er gründete 2010 das Hafenkino und leitet heute den Lederpalast sowie das Freiluftkino Frankfurt. Natürlich wählt er für das Ladenkino vorwiegend Filme, die das Rad, das Radfahren, die Mobilität im Blick behalten, doch geht es den drei Freunden mindestens genauso um die Unterhaltung, die Haltung zum jeweiligen Film, den Spaß, das lustvolle Staunen, das Miteinander. 34

Die nächsten schönsten Filme im Ladenkino: SA 14.03.15 „Molière auf dem Fahrrad“ SA 18.04.15 „Rushmore“ SA 02.05.15 „Sommer vorm Balkon“ Einlass: 19.30, Filmbeginn gegen 20.00 Uhr. Der Eintrittspreis von 12,- Euro umfasst den Film, alle Getränke sowie die Knabbereien. Der Vorverkauf findet ausschließlich im Laden artefakt statt. Aus organisatorischen Gründen kann es im Ladenkino keine Reservierungen geben. Ladenkino ist ein gemeinsames Projekt von Laden artefakt Offenbach und Daniel Brettschneider.

 Ladenkino

Starkenburgrring 4, OF www.artefakt-offenbach.de m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


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alte schlosserei der EVO – neue location für kultur

Foto: Jaewon Chung

n Wo früher gefeilt, gefräst und gehämmert wurde, präsentiert die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) künftig Kunst und Kultur überraschend anders – und zwar in ihrer rundum erneuerten „Alten Schlosserei“. „Wir bauen unser kulturelles Engagement aus und setzen auf sinnvolle Kooperationen mit Vereinen und Institutionen in der Region“, berichtet die EVOVorstandschefin Heike Heim. „Kultur kommt bei uns nicht aus dem Katalog von Veranstaltungsagenturen. Mit unseren Partnern haben wir hochwertige Projekte entwickelt, die sich von anderen Kulturangeboten in der Region unterscheiden.“ Der Verein „Kino im DLM“ präsentiert künftigt zweimal jährlich einen besonderen Filmgenuss in der neuen Location. Das erfolgreich etablierte Konzept aus dem "Kino Kulinarisch" von Daniel Brettschneider wird zu einem Galaabend für 350 Gäste mit 6-Gang-Buffet zum Film erweitert. Die Kooperation ist für zumindest drei Jahre geplant.

Das Ladenkino möchte an die frühe Geschichte des Kinos erinnern, als in Gaststätten und Kaufläden Räume für öffentliche Projektionen entstanden, meist temporär, recht schlicht, vollkommen improvisiert. Alles kann Kino sein – sofern Publikum, Ort und Atmosphäre für ein paar Stunden diesen cineastischen Bund eingehen. Für 12 Euro kann man ab sofort (und immer ausschließlich direkt vor Ort im Laden selbst) die Eintrittskarten erwerben, die neben einem wunderbaren Film zugleich immer auch die Verkostung von Rot- und Weißwein, Wasser, Espresso und Knabbereien beinhalten. So bereichert das Ladenkino von nun an nicht nur das kulturelle Leben des Stadtteils, sondern erweitert auch die Offenbacher Kinokultur um eine entscheidende – gemütlich wie spontan gestaltete – Facette.

Kino Kulinarisch GALA am 20.2. in der 'Alten Schlosserei'

Die „Offenbacher Lesung“, die von der Max Dienemann/Salomon Formstecher-Gesellschaft in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Offenbach und der EVO veranstaltet wird, findet nunmehr ebenfalls in der 'Alten Schlosserei' statt. Der bekannte Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz liest u.a. Auszüge aus Franz Kafkas „Brief an den Vater“. Die Lesung beginnt am 19. April um 20.00 Uhr; Karten sind zum Preis von 20,- Euro im OF InfoCenter erhältlich. Auch mit der Gesellschaft und dem Kulturbüro ist die EVO eine Verbindung über zunächst drei Jahre eingegangen. „Wir freuen uns auf diese Kooperation und die Lesungen in der Alten Schlosserei“, sagt Anton Jakob Weinberger, Initiator und Vorsitzender der Gesellschaft. „Die Alte Schlosserei ist Zeugnis der Offenbacher Industriegeschichte und somit selbst ein Stück Kultur.“ Darüber hinaus hat die EVO noch weitere Partnerschaften für die „Alte Schlosserei“ schließen können, die das Kulturangebot in Offenbach in Zukunft bereichern. Die Halle mit ihren rund 600 Quadratmetern Nutzfläche ist nun nach dem Umbau mit moderner Veranstaltungstechnik ausgestattet und daher nicht nur für Kunst- und Kulturveranstaltungen, sondern auch für Tagungen, Konferenzen und Seminare geeignet.

 Info: www.evo-ag.de

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mut&liebe

Gesundheit

deutsche psychiatriereform kommt aus offenbach LEBENSRÄUME geht mit der Integrierten Versorgung neue Wege in Rhein-Main von Johann Kneißl | alleMunde – anders kommunizieren | www.allemunde.de Vorweg das Aktuelle: 2010 wurde in der Gesundheitsversorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen eine brandneue Ära in Deutschland eingeleitet. Im RheinMain-Gebiet brachte die Techniker Krankenkasse mit der Stiftung LEBENSRÄUME den Stein ins Rollen. 2015 bilden sieben Partner aus sozialen Trägern und Kliniken vom Hochtaunus bis Groß-Gerau, von Bingen bis Main-Kinzig den Verbund VERSA RheinMain. In einem Einzugsgebiet mit 5 Millionen Menschen profitieren 5 000 Kassenversicherte von medizinischen, therapeutischen und psychosozialen Leistungen. Alles aufeinander abgestimmt und bestens koordiniert. Foto: Jörg Baumann

n Ich bin zu Gast bei Stephanie Proske in der Herrnstr. 55 in Offenbach. Lichtdurchflutete und farbenfrohe Räume empfangen mich bei LEBENSRÄUME Gesundheitsdienste im Büro- und Wohnkomplex des Stadtforums am Büsingpark. Mein Blick fällt auf die grünen Hinterhöfe. „Wir haben hier eine Willkommenskultur mit Wohlfühlatmosphäre entwickelt und arbeiten an einer bestmöglichen ambulanten Versorgung“, erzählt die Betriebsleiterin von LEBENSRÄUME und Leiterin der Koordinationsstelle VERSA Rhein-Main. Die engagierte und aufgeschlossene Sozialpädagogin mit Master für Management in Social Organisations ist seit 2011 für die praktische Umsetzung des Gesundheitsprogramms verantwortlich. Foto: Johann Kneißl

Stephanie Proske, ist Leiterin der Koordinationsstelle VERSA Rhein-Main. Der repräsentative, gut ausgestattete Gruppenraum in der Herrnstr. 55 kann für Bildungsveranstaltungen und Gesundheitskurse angemietet werden. 36

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Psychosoziale Dienste für Mensch und Gemeinschaft

Proske erstellte integrierte Behandlungspläne, besuchte Facharztpraxen, organisierte Infoveranstaltungen, entwickelte Schulungsprogramme und warb um Kooperationspartner. Was aber hat die Integrierte Versorgung mit der Psychiatriereform zu tun? Ein kurzer Blick zurück in die Geschichte: 1976 brachte der Pädagoge Walter Picard (MdB, CDU) im Deutschen Bundestag seine berühmte Anfrage zur Lage der Psychiatrie in Deutschland ein. Der Mediziner Dr. Horst Schmidt war Stadtverordneter und hessischer Sozialminister (MdL, SPD). Mit der Psychiatrie Enquete entstand ein großes Reformprogramm mit Auflösung der Anstaltspsychiatrie. 1980 wurde mit Prof. Dr. Manfred Bauer die Psychiatrische Klinik am Stadtkrankenhaus, heute Sana Klinikum, nach neuem Vorbild gegründet und der Verein LEBENSRÄUME zur Förderung seelisch Behinderter e.V. ins Leben gerufen. Die erste Erfolgsgeschichte zum Nutzen

Die Stiftung lebensräume Offenbach am Main ist seit 1982 als gemeinnützige Organisation regional tätig. Wir kümmern uns um Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen und unterstützen sie in allen Lebensbereichen: Von der Wohnung bis zur Arbeit, von der Behandlung bis zur Betreuung. In den Zweckbetrieben und Beteiligungsgesellschaften von lebensräume bieten qualifizierte Mitarbeiter spezialisierte Dienste an, immer individuell und abgestimmt auf den Einzelnen.

LEBENSRÄUME Gesundheitsdienste für Offenbach

und im Rhein-Main Gebiet

 Integrierte Versorgung Psychiatrie | Netzwerk psychische Gesundheit | Psychotherapie Beratung

LEBENSRÄUME Gemeindepsychiatrie in Stadt, Ost- und Westkreis Offenbach Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen | Tagesstätten | Betreutes Wohnen | Wohnheime für psychisch behinderte Menschen

LEBENSRÄUME Tagespflege für Stadt Offenbach u. Umkreis  Tagespflege (auch Demenz, Gerontopsychiatrie) | Hol- und Bring- Dienst | Weitere geplant 

LEBENSRÄUME Arbeitshilfen für Stadt u. Kreis Offenbach Integrationsfachdienst für Schwerbehinderte im Arbeitsleben | Arbeitsdiagnostik | Arbeitstraining und Belastungserprobung | Fallmanagement | Job Coaching

Lwerk Integrationsfirma in Offenbach und der Region  Versanddienste | Datenbearbeitung | Beschäftigungsmaß nahmen | Arbeitstraining | Berufsbildung 

ESSwerk Integrationsfirma in Stadt und Kreis Offenbach Verpflegungsdienste an Schulen | Catering | Beschäftigungsmaßnahmen | Arbeitstraining | Berufsbildung | Ausbildung (geplant)

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Stiftung LEBENSRÄUME Offenbach am Main Starkenburgring 31 | 63069 Offenbach T +49 69 838316-0 F +49 69 838316-16 www.lebsite.de | info@lebmail.de


mut&liebe

Gesundheit

psychisch erkrankter Menschen mit gemeindepsychiatrischen Hilfen in allen Lebenslagen nahm ihren Lauf. (Angebote siehe Anzeige S. 29). Nach 30 Jahren wird die Erfolgsgeschichte neu aufgerollt: Die Anfrage der Techniker Krankenkasse nahmen Klaus-D. Liedke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LEBENSRÄUME, und Prof. Dr. Ansgar Klimke, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Offenbach, heute Chefarzt bei Vitos Hochtaunus, in ihre Hände. Sie führten Gespräche mit Krankenhäusern und -kassen, entwickeln Verträge, organisierten Arztkonferenzen. Heute bilden in der Herrnstraße fünf Mitarbeiter aus Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeiter mit Zusatzausqualifikationen das Kernteam. Neben Einzelberatungen und Hausbesuchen haben sie ein umfassendes Schulungs- und themenspezifisches Gruppenangebot wie Psychoedukationskurse, Achtsamkeitstraining, Autogenes Training, Freizeit- und Sportgruppen aufgebaut. Es gibt eine psychotherapeutische und eine ärztliche Sprechstunde. Ein Behandlungsplan wird gemeinsam mit Arzt und Patienten erstellt und abgestimmt. Der Versicherte erhält über drei Jahre einen persönlichen Gesundheitslotsen (Fallmanager). Innerhalb von 48 Stunden gibt es ein Erstgespräch, spätestens nach zwei Wochen

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einen Termin beim Facharzt und Psychotherapeuten. Für Krisen stehen das 24-Stunden-Telefon und Rückzugsräume zur Verfügung. Schnelle Hilfe ist bei psychischen Erkrankungen gefragt. Auch soll niemand Angst vor Stigmatisierung oder Repressalien haben müssen. „Zu uns kommen alle Alters- und Berufsgruppen, Arbeitslose wie leitende Angestellte, Frauen und Männer, vorwiegend mit dem Krankheitsbild Depression“, erzählt Stephanie Proske. LEBENSRÄUME wird künftig mit VERSA Rhein Main Leistungen der Integrierten Versorgung auch Privatunternehmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements anbieten. Auch Privatpatienten sollen als Selbstzahler das Angebot nutzen können. Und der ebenso repräsentative wie gut ausgestattete Gruppenraum kann für Bildungsveranstaltungen und Gesundheitskurse an Wochentagen wie Wochenenden angemietet werden.

 Kontakt: LEBENSRÄUME Gesundheitsdienste Herrnstr. 55, 63065 Offenbach am Main Tel. 069 9399 645-0 Stephanie.Proske@lebmail.de www.lebsite.de/gesundheitsdienste www.versa-rm.de

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mut&liebe

Gesundheit

erfolgreich gestartet: demenz-WG im 'StattHaus' n Nach umfassender Sanierung und Umbau der denkmalgeschützten Gründerzeitvilla in der Geleitsstraße in Offenbach konnte im vergangenen Jahr das Demenzzentrum "StattHaus" eröffnet werden. Die Hans und Ilse Breuer-Stiftung hat sich mit dem Haus zur Aufgabe gemacht hat, verschiedene Angebote im Bereich Beratung, Betreuung, Wohnen und Begegnung für Menschen mit Demenz und deren Familien unter einem Dach zu vereinen, sowie insgesamt deren Lebenssituation zu verbessern und bedarfsgerechte Hilfestellung zu geben. In Offenbach gibt es nun die erste selbstorganisierte Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. Im November sind die neun Mieterinnen und Mieter in die großzügen und gut ausgestatteten Räume eingezogen. Unterstützt von einem ambulanten Pflegedienst, der mit einem Team rund um die Uhr vor Ort ist, gestalten die Bewohner/innen ihren Alltag und den Haushalt weitgehend selbst. Freiwillige Helfer, sogenannte WG-Paten, übernehmen je nach Wunsch und Möglichkeit organisatorische Aufgaben oder verbringen Zeit mit den Mietern. Neben Aktivitäten im Haus wie Spiele und Basteln begleiten die Paten Spazier- und Kinogänge sowie andere Ausflüge mit der Gruppe oder mit einzelnen Personen. Die Bilanz nach "100 Tagen Demenz-WG im StattHaus Offenbach" war von allen Beteiligten positiv. Die Bewohner/innen fühlen sich in der neuen Wohnsituation gut aufgehoben und schätzen die Gemeinschaft. Im Gegensatz zu einem Pflegeheim bietet die Wohngemeinschaft mehr individuelle Freiheit und auch die Angehörigen haben mehr Einflußmöglichkeiten. Gleichzeitig soll das 'StattHaus' Begegnungsstätte und Informationszentrum für Betroffene und deren Familien werden. Als „One-Stop-Shop“ wird Hilfesuchenden der ganze Bereich niedrigschwelliger m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Beratungs- und Betreuungsangebote zum Thema Demenz zwischen häuslicher Versorgung und professioneller Tagespflege angeboten. Dazu gehören der Aufbau und die Begleitung von Gesprächsgruppen, die Veranstaltung von Informationsseminaren für Angehörige, freiwillige Helfer und Interessierte sowie die stundenweise Entlastung pflegender Angehörige durch die Einrichtung von Betreuungsgruppen. Gemeinsam mit dem Pflegestützpunkt, der Betreuungsbehörde, dem Fachbereich Psychosoziale Gesundheit, dem Seniorenzentrum, Freiwilligenzentrum und der Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen hat das 'StattHaus' das Demenz Netzwerk Offenbach initiiert und einen gemeinsamen Veranstaltungsflyer „Leben mit Demenz – Offenbacher Veranstaltungen rund um das Thema Leben mit Demenz“ entwickelt. (Genaue Informationen finden Sie unter: www.breuerstiftung.de/statthaus-offenbach)

 Ansprechpartnerin StattHaus: Jutta Burgholte-Niemitz, Leiterin StattHaus OF, Tel.: 069/2030 5546 E-Mail: statthaus-of@breuerstiftung.de www.breuerstiftung.de/statthaus-offenbach 39


mut&liebe

M u sik Stefan Arnold ist seit 20 Jahren der Schlagzeuger der Heavy Metal Band „GRAVE DIGGER“ und reiste mit dieser bereits mehrfach in die Welt. So zog es den Offebacher Bub unter anderem nach Japan, Ecuador, Chile oder jüngst auf der „70.000 tons of metal“-Kreuzfahrt nach Jamaika. Seine Wurzeln liegen im Lauterborn und seine Karriere starte im MSO im alten Schlachthof. Er spielte Schlagzeug bei den legendären Bands WALLOP, GRINDER und CAPRICORN, bevor er 1995 zu GRAVE DIGGER wechselte. In seinem Haus am Rande von Bieber trafen wir uns und kamen ins Gespräch über die Jugend, Offenbach, die Kickers, die Musik und den Erfolg.

stefan arnold

von Alexander Knöß

drummer aus leidenschaft n Mut&Liebe: Danke, dass es geklappt hat mit unserem Termin. Du warst ja gerade auf der Kreuzfahrt „70.000 tons of metal“ in der Karibik. Stefan Arnold: Ja, wir haben als eine von 60 Bands auf der Cruise gespielt und sind gerade aus der Karibik zurückgekommen. Für Fans und Bands gibt es vielleicht keinen schöneren Event! Auf dem Schiff waren 3000 Menschen aus 70 Nationen aus aller Welt und verschiedenster Kulturen und Religionen, die friedlich miteinander gerockt haben. Und obwohl die Bands und die Fans keine getrennten Bereiche auf dem Schiff hatten und nebeneinander wohnten, haben die Leute den Musikern ihren Raum und ihre Privatsphäre gelassen. Das kann man kaum glauben bei den ganzen Leuten auf engen Raum und den Vorurteilen, die von manchen gepflegt werden. Alle waren hilfsbereit, zuvorkommend und darauf aus 40

Spaß zu haben und einfach eine super Party zu feiern. Ich habe auf dem Schiff nicht mitbekommen, dass es Schlägereien, genervte Leute oder sonst irgendein Stress unter den Leuten gab. Und das obwohl sehr viel Alkohol geflossen ist. Beim Wacken Open Air ist es genau dasselbe. Über 100.000 Menschen sind auf dem Gelände und machen 4 – 5 Tage Party. Da können sich manch andere eine Scheibe von Abschneiden. Da geht es friedlicher zu als auf jeder Demo oder in der Disco. Bist Du eigentlich gebürtiger Offenbacher? Wo bist Du aufgewachsen? Nun ja, fast. Ich wurde am 29. August 1965 in Rüsselsheim geboren. Genauer gesagt während dem Umzug von Walldorf nach Offenbach. Auf der Fahrt setzten bei meiner Mutter plötzlich die Wehen ein und so wurde ich in Rüsselsheim geboren. Meine Großeltern betrieben die Stadtapotheke in der Waldstraße. Wir m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


mut&liebe wohnten dort alle im gleichen Haus, bis wir später ins Lauterborn zogen, wo ich meine Wurzeln und heute noch viele Freunde habe. Ich bin Offenbacher und das mit vollem Herzblut. Wie waren Deine ersten Berührungspunkte zur Musik und zum Schlagzeug? Da gibt es zwei bewusste Ereignisse, die mich zur Musik gebracht haben. Der Sohn eines Freundes meines Vaters hatte Bandproben und ich wurde eingeladen mitzukommen. Als wir ankamen, musste der Schlagzeuger der Band gerade nach Hause. Ich war natürlich enttäuscht, weil ich mich auf die Probe freute. Dann fragte man mich, ob ich es mal versuchen möchte. Man zeigte mir den Vier-Vierteltakt und irgendwie hatte ich Talent und konnte das sofort spielen. Ich hörte früher unter anderen ABBA und Sweet und bekam irgendwann von einem Bekannten die KISS-LP „ALIVE II“ geschenkt. Als ich das Plattencover aufklappte und die Bilder sah, wusste ich sofort, dass ich genau so etwas machen will. Dann schaute ich mir die Masken von KISS genauer an und die von Peter Criss (The Cat) sagte mir sofort zu. Er hat Schlagzeug gespielt und so entschied ich mich eben dazu auch Schlagzeug zu spielen. Hätte er Flöte gespielt, würde ich heute vielleicht Dudelsack spielen. Und Deine Mutter freute sich bestimmt auf Deine Proben im heimischen Kinderzimmer. Da brauchte ich viel Überzeugungskraft. Aber damals wollte jeder eines dieser Herkules Mokicks haben und das machte es mir etwas einfacher, denn ich stellte sie vor die Wahl Mokick oder Schlagzeug. So bekam ich mein erstes Schlagzeug. Das war zwar laut, aber weniger gefährlich für mich. Von der Lautstärke war das auch kein Problem. Ich probte im Keller und unser Nachbar, der JAZZ-Trompeter Conny Jackel, ebenfalls. Das war für uns beide von Vorteil: Ihn hat mein Schlagzeugspiel nicht gestört und er konnte Trompete spielen.

M u sik

erleben dürfen, als ich interessante Gespräche mit Kollegen anderer Bands, wie dem Schlagzeuger von VENOM oder aber mit Max Calavera von SOULFLY, seiner Frau und dem Manager hatte. Was ich aber in den letzten 25 Jahren gelernt habe ist, dass der Charakter vom Menschen durchaus zum Instrument passt. Gitarristen zum Beispiel sind immer ein bisschen neidisch auf ihre Kollegen und glauben sich ständig gegenseitig beweisen zu müssen. Bei uns Schlagzeugern kenne ich das so kaum, bis gar nicht. Ein guter Freund von mir ist Mickey Dee von MOTÖRHEAD. Wir begegnen uns mit Respekt und tauschen uns aus. Wenn ich ihn frage, wie er einen Break spielt, dann zeigt er es mir einfach. Zurück zum Anfang! Wie startete eigentlich Deine Karriere im Musikbusiness? Während und nach dem Gymnasium habe ich als Stagehand Konzerte für Bands, wie ACCEPT, MEAT LOAF, KLAUS LAGE und viele mehr aufgebaut. Lars Ullrich von METALLICA lernte ich im Volksbildungsheim in Frankfurt kennen. Ich baute sein Schlagzeug mit auf, wir fachsimpelten und tauschten schließlich die Telefonnummern aus. Mit ROGER CHAPMAN spielte ich in der Stadthalle sogar den Soundcheck, als seine Band im Stau steckte. Diese Zeit hat mir sehr viel gegeben, aber ich wollte mehr und unbedingt in einer Band spielen. Damals war unser Treffpunkt der MSO, ein Jugend-Musik-Club im alten Schlachthof von Offenbach.

Gibt es in dem Business eigentlich Konkurrenzen zwischen Bands oder Musikern? Grundsätzlich ist es sicher schwierig sich heute als Band zu behaupten, aber im Business gehen wir fair miteinander um und begegnen uns auf Augenhöhe. Das habe ich gerade jetzt eben auf der Cruise wieder m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

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Viele Bands haben dort geprobt und deren Freunde haben im Jugendraum ein Bier getrunken. Als der Drummer von der Band DIAMONDS aufhörte, war meine Stunde in meiner ersten Band gekommen. Später lernte ich in der MSO den Bassisten Stefan Fleischer kennen und wir gründeten WALLOP. Das war unsere erste Band mit einer Fangemeinde, einem Plattenvertag und Konzerten in der ganzen Region. Wir haben unser Ding wirklich konsequent durchgezogen und wollten mehr, als eine Schülerband sein. Hucky Reinhardt hat uns zu dieser Zeit sehr unterstützt, doch für den großen Coup fehlten uns schließlich die Kontakte und es kam zum Stillstand. Woran lag das und wie ging es weiter? Damals gründeten sich viele junge Bands, wie SODOM, KREATOR, HALLOWEEN oder TANKARD. Dort waren Leute im Management, die sehr gute Kontakte in die Szene hatten. Bei uns war dies einfach nicht gegeben. Viele Bands und Musiker haben genau in dieser Phase aufgegeben, weil sie keine Geduld hatten. Du musst an diesem Punkt aber weiter machen und positiv bleiben, egal was kommt und wie nervig etwas zu sein scheint. Wie willst Du das sonst aushalten? Ich muss auch heute noch stundenlang, ja tage42

lang üben, üben, üben und denselben Break spielen, weil irgendwas nicht passt, bis sogar die Stöcke an die Wand fliegen. Doch ich bin da durch, wollte immer weiter kommen und habe durchgehalten. Nach WALLOP kam GRINDER. Als sich GRINDER auflöste gründeten wir CAPRICORN und da lernte ich, dass man auch im Erfolg weiter an sich arbeiten muss. Dann geschah es, dass wir Vorband von GRAVE DIGGER wurden. Ich wusste, dass deren Drummer kurz vor dem Ausstieg stand. Als es dann soweit war, nutzte ich diese einmalige Chance, habe mich beworben, vorgespielt und den Zuschlag bekommen. Das war vor 20 Jahren, wie gehst Du mit dem Leben als bekannter Musiker um? Auch in Bezug auf die Fans? Manchmal ist das schon surreal und ich denke mir, da ist der Offenbacher Bub auf Augenhöhe mit all diesen bekannten Musikern. Es wurde aber irgendwann normaler und routinierter. Als ich bei Grave Digger anfing war ich echt nervös. Aber durch das Beobachten der Kollegen hab ich festgestellt, dass auch sie Fehler machen und ganz normale Menschen sind. Der Erfolg ist am Anfang schon schwer zu verarbeiten. Ich habe damals ein Leben auf der Überholspur geführt, aber heute bin ich ruhiger geworden. Wir können uns aber auch keine Exzesse erlauben. Alle 2 – 3 Jahre arbeiten wir an einem neuen Album und entwickeln uns ständig weiter. Unsere Platten und die Konzerte verkaufen sich gut, das verdanken wir unseren treuen Fans. Diese bezahlen Geld für eine ordentliche Leistung und die wollen wir auch bringen. Durch die Touren und Auftritte, wie beim Festival in Wacken oder auf der Cruise können wir mit einem guten Gig viele neue Fans erreichen. Unser Verhältnis zu unseren Fans ist super, da hat es die eine oder andere Band sicher schwieriger. Das liegt aber auch daran, dass wir uns treu und auf dem Boden geblieben sind. Apropos Treue: Du bist ein bekennender Offenbacher! Absolut 100%! Ich lebte eine Zeit lang in den USA und zog dann aus verschiedenen Gründen wieder zurück nach Deutschland. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, woanders hin zu ziehen als nach Offenbach. Das sagt doch alles aus: Hier bin ich zu Hause, hier sind meine Familie, meine Freunde und die Kickers. Ich m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


mut&liebe

thema

schäme mich nicht dafür, dass ich aus Offenbach komme. Wenn wir auf Tour sind, sitze ich hinterm Schlagzeug immer auf meinem Kickers-Handtuch. Das ist ein Stück Heimat für mich. Es erdet mich in gewisser Weise auch, in Offenbach zu wohnen und hier einen ganz normalen Beruf nachzugehen. Leben kann ich trotz der vielen Erfolge und Reisen nicht von der Musik. Das zu realisieren und auch zu akzeptieren hält mich am Boden. Ich arbeite hauptberuflich als Drucker. Mein Chef ist da sehr kulant, wenn ich Termine habe, sag ich frühzeitig Bescheid und manchmal bekomme ich auch kurzfristig frei, wenn es der Betrieb zulässt. Aber einen Starbonus bekomme ich da nicht. Es gab aber auch schon Fälle, wo wir Gigs absagen mussten, weil ich oder andere keinen Urlaub bekommen haben.

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Offenbach Fr., 20. März 19.00 Uhr Einlass ab 18.00 Uhr Capitol OF Sportamt

Aber im Ernst: Ich wünsche mir und meinen Lieben einfach gesund zu bleiben. Ein Ziel wäre für mich nochmal eine Tour in Japan zu spielen. Wir waren 1997 dort, aber da war ich neben einem DauerJetleg ständig unter Strom und hab von der Kultur und den Menschen in Japan sehr wenig mitbekommen. Das sind sehr treue Fans und ich würde so einen Trip heute wirklich genießen. Und naja… für die Kickers wünsche ich mir natürlich den Aufstieg! Es ist alles drinnen und wenn die Jungs so weiter machen, dann sogar irgendwann wieder die 2. Liga.

Gal a

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sport

Was wünschst Du Dir für die Zukunft? Hast Du noch Ziele? Oh ja: Ich wünschte, dass so mancher Veranstalter in eigener Halle duschen und sich umziehen müsste. Manchmal sind die Zustände unerträglich. Die schaffen es noch nicht mal einen Haken fürs Handtuch oder eine Ablage für das Duschzeug anzubringen. Mal abgesehen von den hygienischen Zuständen (lacht).

Ehrung der Offenbacher Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2014 und Jahresempfang für die Verantwortlichen der Offenbacher Sportvereine, Freunde und Förderer des Sports Moderation: Evren Gezer Eintritt: 20,- e, Karten: Sportamt, Berliner Str. 60, (nach Absprache) oder an der Abendkasse, ab 18.00 Uhr, Sportamt, Tel. 069/8065–2724 oder: sportamt@offenbach.de


mut&liebe

arbeit

Mehmet Karaaslan absolvierte mit Hilfe der Agentur für Arbeit die Ausbildung zur IHK-geprüften Bestattungsfachkraft in Rekordzeit: statt 24 benötigte er nur 8 Monate.

beschäftigung mit tod und sterben

ist kein tabu

Mehmet Karaaslan (rechts) ist die erste türkisch-stämmige IHK-geprüfte Bestattungsfachkraft in Offenbach. Michael Winter, Integrationsberater der Agentur für Arbeit Offenbach beriet den gelernten Dreher bei der Umschulung.

n Mehmet Karaaslan ist in Deutschland geboren und lebt seit 2007 in Offenbach. In seiner Freizeit hatte er in den letzten Jahren viel mit dem Thema Tod und Bestattung zu tun. Das kam so: Durch einen Todesfall in seiner Familie kam er mit dem Thema Bestattungen nach muslimischen Vorgaben in Berührung. In deutschen Pietäten war man auf seine Wünsche nicht eingestellt und er musste feststellen, dass es in der gesamten Region nicht allzu viele Fachleute auf diesem Gebiet gab. Also kümmerte er sich selbst darum. Später half er Freunden und Bekannten, die ebenfalls mit dem Problem konfrontiert waren. Der 47-jährige fand Gefallen daran, seinen Landsleuten in dieser schwierigen Situation beizustehen und dafür zu sorgen, dass alles seinen richtigen Gang geht. In den letzten Jahren kümmerte er sich vor allem um türkische Bestattungen und Überführungen. Da er innerhalb der türkischen Gemeinde gut vernetzt war, 44

ging er bei immer mehr muslimischen Bestattungen zur Hand und eignete sich ein fundiertes Wissen an. Er war bekannt dafür, dass er wusste, worauf es ankommt, dass er sensibel mit dem Thema Tod umging und dass man sich hundertprozentig auf ihn verlassen konnte. Hauptberuflich arbeitete Karaaslan mehrere Jahre in seinem erlernten Beruf als Dreher. Als er im April 2013 arbeitslos wurde, kam er in die Arbeitsvermittlung zu Integrationsberater Michael Winter. Der Gedanke, sich im Bereich Bestattungen und Überführungen zu professionalisieren, stand recht bald im Raum: „Wenn Angehörige sterben, sind vielen Menschen die Dinge wichtig, mit denen sie groß geworden sind und die zu ihrem Kulturkreis gehören. Das ist manchmal nicht einfach umzusetzen und bürokratisch. Aber es geht – und diese Erfahrung wollte ich weitergeben“, erläutert Mehmet Karaaslan seine Motivation. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


mut&liebe Nach einigen Beratungsgesprächen mit Michael Winter begab er sich auf die Suche nach einem Institut, das in diesem Bereich ausbildet. Michael Winter: „Herr Karaaslan wusste schon vor der Weiterbildung sehr viel von dem Thema und war mit Herz und Seele bei der Sache. Der Bildungsgutschein soll helfen, Arbeitslosigkeit dauerhaft zu beenden. Das wird Herrn Karaaslan sicher gelingen.“ Ein Bildungsgutschein kann von der Agentur für Arbeit ausgestellt werden, wenn eine bestimmte Qualifikation fehlt. Der Gutschein wird an das zertifizierte weiterbildende Institut gegeben, das seine Leistungen mit der Agentur für Arbeit abrechnen kann. Der Bewerber erhält während der Weiterbildung das Arbeitslosengeld I weiter gezahlt und außerdem die Fahrtkosten zum Bildungsort. Mit Hilfe des Bildungsgutscheines begann Karaaslan im Januar letzten Jahres die Weiterbildung zur IHKgeprüften Bestattungsfachkraft, die auf zwei Jahre

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arbeit

angesetzt war. Der engagierte Offenbacher durchlief sie im Rekordtempo von nur acht Monaten und legte im Dezember 2014 mit Erfolg die Prüfung ab. Jetzt ist Mehmet Karaaslan die erste türkisch-stämmige IHK-geprüfte Bestattungsfachkraft in Offenbach und hat sich als nächsten Schritt zur Meisterprüfung angemeldet. Irgendwann würde er gern junge Leute ausbilden und ihnen die Berührungsängste vor der Beschäftigung mit Sterben und Tod nehmen. Am liebsten möchte er auch Migrantinnen und Migranten eine Chance geben. Arbeitsuchende oder arbeitslose Menschen, die meinen, dass sie mit Hilfe eines Bildungsgutscheines schneller eine neue Arbeit finden, sollten mit ihrer Arbeitsvermittlerin oder ihrem Arbeitsvermittler darüber sprechen. Termine gibt es unter der kostenlosen Hotline 0800 4 5555 00

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mut&liebe

P r oj e k t

n Der im letzten Jahr gegründete Verein MainBildungsWeg e.V. möchte für realistische Bildungschancen eintreten. Jugendliche und junge Erwachsene sollen – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft – durch verschiedene Projekte und Initiativen darin unterstützt werden, sich zu sozial kompetenten, ideen- und erfolgreichen Menschen zu entwickeln. Dabei stehen Persönlichkeitsbildung, Teilhabe an der Gesellschaft und Zugänge zum Arbeitsmarkt im Vordergrund. Hierfür initiiert der Verein Angebote, die die Autonomie unterstützen, Kompetenzen stärken und Lust am Lernen wecken. „Junge Menschen sollen inspiriert werden, die eigene Zukunft aktiv zu gestalten“, meint der Vorstand des Vereins Rüdiger Reisch und fügt hinzu, 46

dass er eine Berufsausbildung als eine wesentliche Basis für das eigene Selbstvertrauen sieht. Insofern passt das im letzten Jahr realisierte Projekt „berufsBILDer“ sehr gut zum Verein und seinem Zweck. Mit unterschiedlichen Partnern (Kunstverein Offenbach, Edith-Stein-Schule, Übergangsmanagement der Stadt Offenbach) ist es gelungen, gemeinsam für duale Berufsausbildung zu werben. Im September 2014 wurden Schüler/innen, die sich mit dem Berufseinstieg beschäftigen, für das Projekt gewonnen. In wöchentlichen Treffen haben sie sich mit ihren Berufswünschen, ihren Zielen und Visionen beschäftigt. Dabei standen Fragen wie: Welchen Beruf möchte ich ergreifen? Welcher passt zu mir? Wer unm u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


mut&liebe 

P r oj e k t

(ganz links) Tarek Al-Wazir, hessischer Wirtschaftsminister und Khaoula Majaoute (links) Boris Hof, Dachdeckermeister und Hendrik Schumacher (rechts) Martina Acht, Friseurmeisterin und Elmedina Karasik

(Fotos von René Spalek)

berufsBILDer – ausstellungprojekt zur dualen berufsausbildung

terstützt mich dabei? Wer hat es geschafft? im Mittelpunkt. Bei der Überlegung, wer sie dabei unterstützen könnte, haben sich die Schüler/-innen Persönlichkeiten ausgesucht, die es eben geschafft haben und bereits im Beruf stehen. Die Ergebnisse aus diesem Projekt sind in der Ausstellung „berufsBILDer“ zu sehen. Gemeinsam mit René Spalek, einem Fotodesigner aus Offenbach, sind 13 großformatige Bilder entstanden. Eröffnungsausstellung im KOMM In einer Eröffnungsausstellung in den Räumen des Kunstvereins Offenbach im KOMM (Aliceplatz Offenbach, 1. Stock) kann man sich die Fotos in der Zeit vom 09. bis zum 14. März 2015 anschauen, danach werden die Bilder „weiterwandern“. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Für Khoula, die mit dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir auf einem Bild zu sehen ist, war das Projekt mehr als Spaß. Sie hat sich im letzten Jahr von der Realschule auf den gymnasialen Schulzweig hochgearbeitet und wurde darin bestärkt ihre berufliche Vision weiterzuverfolgen. „Berufsbildung ist und bleibt ein Schlüssel zur Persönlichkeitsbildung und zur Teilhabe an unserer Gesellschaft“ meinen die Macherinnen des Projektes (Christina Beyer und Astrid Braun-Hubert). Hierfür werden Betriebe und Unternehmen gebraucht, die jungen Menschen eine Chance geben sich zu beweisen. Die bereit sind, Praktikumsplätze bereit zu stellen und für die Ausbildung eine gute Möglichkeit zur Nachwuchs47


mut&liebe

P r oj e k t (von links) Fotograf René Spalek beim Fotoshooting mit Kristijan Marinkovic und Immobilienkaufmann Thomas Messer. Rechts: Astrid Braun-Huber, Mitinitiatorin vom Verein MainBildungsWeg e.V.

 'BerufsBILDer' Eröffnungsausstellung 09. bis 14. März 2015 im Kunstverein im KOMM, Aliceplatz 11, OF Vernissage: 10.03., 19.00 Uhr

gewinnung darstellt. Diese Ausstellung steht für duale Berufsausbildung! Für weitere Informationen können Sie sich gerne an den Verein  Weitere Infos: oder die Initiatoren Christina Beyer und Astrid Braun-Hubert wenden. MainBildungsWeg e.V. (MainBildungsWeg e.V., Sinnweg 35, 63071 Offenbach am Main, Sinnweg 35, 63071 OF www.mainbildungsweg.de) mainbildungsweg@gmx.de www.mainbildungsweg.de Realisiert wurde „berufsBILDer “ aus dem Programm „Künste öffnen Christina Beyer und Welten“ der Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendarbeit Astrid Braun-Hubert (BKJ mit der Förderung durch das Bundesprogramm “Kultur macht stark Bündnisse für Bildung” es Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Allen Unterstützern ein herzliches Dankeschön!

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offenbachcard


mut&liebe

K UN S t w e r k

galerie artycon + mut&liebe präsentieren:

stefan kiess

ruinenbau – fotografische arbeiten von Thomas Lemnitzer

n Als mir Stefan Kiess das erste Mal Anfang der 1990er begegnete, es war eine Gemeinschaftsausstellung glaube ich, da beeindruckten mich die grafisch klar strukturierten Architekturaufnahmen: Schwarz/ weiß, auf Infrarotfilm belichtet, eine Offenbarung der analogen Möglichkeiten. Später sah ich Aufnahmen, die den Begriff des Lichtbildners neu definierten: Stills von Highend-Geräten aus der Musikbranche, die im Studio in der Bernardstraße entstanden waren. Stefan Kiess beherrschte den Spagat, Architektur wie Stills aussehen zu lassen und Stills wie gigantische Architektur der Moderne. Diese grafische Präzision zeichnet auch seine heutigen künstlerischen Arbeiten aus. Es war ein längerer Weg, den der 1955 in Düsseldorf geborene Absolvent der FH für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und Dortmund von der Werbefotografie zur ausschließlich künstlerischen Arbeit gegangen ist. Von Offenbach nach Hamburg über Berlin nach Köln, wo er heute lebt und in einer alten Fabrik Atelier und vor allem eine großzügige Dunkelkammer betreibt. Seine dort entstehenden Arbeiten sind keine Fotografien, sondern „fotografische“ Bilder aus Fotografien. In komplexen Montageverfahren werden die Vorlagen der fotorealen architektonischen Welt dekliniert und neu assoziiert. Am Ende stehen Bilder, die in der avantgardistischen Tradition der Moderne zu verorten sind: Stringent, konsequent, konsistent und grafisch. Wenn sich Stefan Kiess vom Original, dem Negativ, 50

Stefan Kiess Galerie Artycon Wilhelmsplatz 2, OF 18. April bis 16. mai 2015 Vernissage: Sa. 18. April | 11.00 – 18.00 Uhr weitere Öffnungszeiten nach Vereinbarung, Tel. 069/985 583 51 od. 0179 1065469 Finissage: Sa. 16. Mai | 11.00 – 14.00 Uhr www.artycon.de • www.mulionline.de www.stefan-kiess.com

löst und durch Zerstörung desselben mit analogen fotografischen Mitteln der Gegenständlichkeit entzogene Bilder entwirft, nähert er sich ganz im dialektischem Sinn von Erscheinung und Abbild des Gegenstandes dessen Wesen in einer autonom-konstruierten, dem Material nachfühlenden Form. Der Kunsthistoriker Christian Welzbacher schrieb einmal: „Stefan Kiess hat sich mit einem Schnitt davon befreit, reale Eindrücke mit den Mitteln medialer Repräsentation herzustellen. Er nahm die Schere, zerschnitt die Negative und setzte die Fragmente neu zusammen. Die Konsequenzen dieser Schnitte … sind kaum abzusehen. Denn damit ist der Weg zum Negativ abgeschnitten, kurz: Zur Tradition der klassischen Fotografie.“ m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


mut&liebe

Kunstwerk

© Stefan Kiess, OT, 2011

Immer wenn ich mit dem Konvolut der Arbeiten von Stefan Kiess konfrontiert werde, erscheint es mir, im Zeitalter der digitalen Massenvervielfältigungen, dass die neu entstandenen Urbilder in ihrer Einzigartigkeit, im Kosmos des Neuen Sehens gut aufgehoben sind. Die Bilder reizen zu einer Bestandsaufnahme unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten. Sie bieten Geheimnisse und Interpretationsspielräume, die wir sonst nur aus der abstrakten Malerei in der bildenden Kunst gewohnt sind. Auf die Suche nach dem Innersten hat sich Stefan Kiess bei den Illustrationen zum Buch „Bunker – Expeditionen zum Nullpunkt der Moderne“ des oben schon zitierten Autors Christian Welzbacher (der, nebenbei bemerkt in Offenbach geboren wurde) begeben. Durch die Montagetechniken wird hier die m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

dialektische Widersprüchlichkeit von Handlungsebenen in der Architektur besonders hervorgehoben. „So wie jeder Bau bereits die Vorwegnahme seiner eigenen Ruine, so ist der Schutzraum nur das Gegenbild des Ausgeliefertseins, Ruinen des Fortschritts, die im Zuge von Industrialisierung, Kolonialisierung oder Krieg entstanden sind.“ (Christian Welzbacher). Die Montage, das Zerstören des Negatives, des originalen Abbildes des Gegenstandes, um ein neues Abbild zu schaffen, bewegt sich auf derselben Ebene. Die Zerstörung, Verwitterung des fotografierten Gegenstandes wird so vorweggenommen und zu etwas gänzlich Neuem gestaltet. 51


© Stefan Kiess, OT, 2011

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© Stefan Kiess, OT, 2011


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K UN S t w e r k

PETERS BAKERY SHOP & FACTORY

Mit Peters' Bakery in der Friedrichstraße, unweit des Wilhelmsplatzes hat sich in den letzten Jahren ein kleiner, in schönen Atelierräumen befindlicher Veranstaltungsort etabliert. Die ehemalige Backstube ist Ambiente für Vortragsreihen, wie sie nur selten zu finden sind. n „Jazz für Einsteiger“ und „Jazz Geschichte(n) die ersten 50 Jahre“ im letztem Jahr und einer „Vortragsreise“ nach Paris zur Ausstellung von NIKI DE SAINT PHALLE Anfang diesen Jahres. Die BAKERY BLUES NIGHT und Ausstellungen runden das vielseitige Program ab. Man darf gespannt sein, welchen Themen sich Doris und Michael Peters als nächstes widmen. Seit Anfang 2014 läuft die Reihe „KÜNSTLERPAARE in Peters’ Bakery“, die nun schon in die zweite Runde geht. „Betrachtet werden Künstler, die als Paar arbeiten, deren Beziehung sowohl in ihr Leben, als auch ihre Kunst hineinspielt“. So Auguste Rodin und Camille Claudel, Frida Kahlo und Diego Rivera, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle, Robert Rauschenberg und Jasper Johns, Anna und Bernhard Blume und viele mehr. Gehören Künstlerpaare heute zum Alltag des Kunstbetriebes, so wurden diese im 20. Jahrhundert durchaus noch argwöhnisch betrachtet und nicht immer von der Kritik positiv aufgenommen. In der Veranstaltungsreihe werden Paare aus Malerei, Bildhauerei, Fotografie oder Design vorgestellt, ihre individuelle Entwicklung wird aufgezeigt und über den Kontext ihrer Zeit berichtet. Es wird den Fragen nachgegangen: „Wer inspiriert wen, auf welche Weise? Gewinnen die beiden Beteiligten durch die Gemeinschaft oder wirkt sie sich hemmend auf die künstlerische Arbeit aus? Wie gingen Künstlerpaare mit Konkurrenzen um? Inwieweit wird m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Künstlerpaare II jeweils Dienstags, 19.30 bis 21.00 Uhr: 03.03.2015 Charles und Ray Eames 10.03.2015 Jackson Pollock und Lee Krasner 17.03.2015 Bernd und Hilla Becher PETERS' BAKERY ART SHOP e.K., Friedrichstr. 16, OF Anmeldung erforderlich, da nur eine begrenzte Teilnehmerzahl möglich ist. Kontakt und Anmeldung: Doris Peters, Tel.: 0171 2849108, doris.peters@peters-bakery.de Eintritt: 18,- Euro pro Abend einschließlich Getränke und Snack

die Beziehung in der künstlerischen Arbeit reflektiert? Profitiert der unbekanntere Teil des Paares vom bekannteren?“ Mit profunden Kenntnissen referiert die Kunsthistorikerin Ulrike Kuschel, über diese und sich ergebende Fragen. Bereits vorgestellt wurden die anfangs genannten Paare sowie Natalia Gontscharowa und Michail Larionow, Sonia Delaunay-Terk und Robert Delaunay, Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, Georgia O’Keeffe und Alfred Stieglitz. Fortsetzugen finden im März, immer Dienstags von 19.30 bis 21.00 Uhr statt: 03.03.2015 Charles und Ray Eames 10.03.2015 Jackson Pollock und Lee Krasner 17.03.2015 Bernd und Hilla Becher 53


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leute

Die Namen Ray und Charles Eames stehen synonym für das amerikanische Nachkriegsdesign. Sie lebten eine nahtlose Koexistenz von Leben und Arbeiten. Lange war der Part von ihr eher unbekannt. Heute weiß man, dass in der Arbeitsbeziehung sie den eher künstlerischen und er den eher technischen Teil übernahm. Lee Krasner hatte sich bereits einen Namen in der New Yorker Kunstszene gemacht, als sie den jüngeren Außenseiter Jackson Pollock traf. Hier ließ der künstlerische Dialog vor allem den männlichen Künstler wachsen. Die Fotografen Hilla und Bernd Becher widmeten sich über Jahrzehnte intensiv der fotografischen Dokumentation von Gebäuden der Industriearchitektur. Bei ihnen handelt es sich um ein sich kongenial ergänzendes Künstlerpaar, mit einem eigenen subjektiven Kunstbegriff.

 www.peters-bakery.de

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G e schich t e n

Der Beginn des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren hat ein überraschend hohes Interesse in der deutschen Öffentlichkeit gefunden. Dazu trug eine Fülle interessanter Publikationen bei, die nicht zuletzt die Verwandtschaft der Motive der beteiligten „Schlafwandler“, die zum Krieg führten oder seinen Eintritt nicht hinderten, ins Bewusstsein hoben. Vielleicht noch mehr als dies könnte aber auch ein tiefes Entsetzen den hohen Grad der Aufmerksamkeit erklären: Entsetzen darüber, wie jäh auf eine unerhörte Erfolgsgeschichte – und das war die Entwicklung von Wissenschaft, Technik, Kultur und Wohlstand in den europäischen Kernländern und insbesondere im Deutschen Reich bis 1914 – ein so entsetzliches Abschlachten, ein so tiefgreifender Zusammenbruch folgen konnte.

Abbruch einer großen Entwicklungslinie –

der 1. weltkrieg und offenbach TEIL 1

von Jürgen Schomburg

n Am Ende des vierjährigen Krieges ist alles ganz anders

geworden. Millionen Tote sind zu beklagen, Reiche sind untergegangen und der Wohlstand ist verspielt. Am Ende gibt es schwer geschlagene Verlierer, schwer beschädigte Sieger und nur einen großen Gewinner: die außereuropäischen Vereinigten Staaten von Amerika. Schwere Hypotheken lasten nach dem Krieg auf Verlierern und Siegern. In Deutschland werden die Nachkriegsjahre zu bitteren Jahren ohne Rast und nachhaltigen Aufbau. Die Weltwirtschaftskrise trifft dann 1929 auf eine geschwächte wirtschaftliche Substanz und eine zerrüttete politische Kultur – und Verbrecher werden in kürzester Zeit zu Hoffnungsträgern. Gleiches gilt im Kleinen für Offenbach. Auch für diese Stadt führen die Ereignisse im Gefolge des 1.Weltkriegs zu einem folgenschweren Abbruch einer überaus positiven Entwicklung, die – mit Ausnahme der zwanzig verlorenen Jahre von 1805 bis 1825 – über gut 200 Jahre bis 1914 angehalten hatte. Insbesondere in den letzten 25 Jahren des Kaiserreichs war sie schlichtweg spektakulär zu nennen. Dann wurde alles anders. Darüber handelt dieser Beitrag.

1. Bevölkerung Offenbach zählte 1.000 Einwohner im Jahre 1700, 7.000 im Jahre 1800 und 50.000 Einwohner am Beginn des 20.Jahrhunderts. In den knapp 15 Jahren bis zum Kriegsbeginn im August 1914 wächst die Bevölkerung um weitere außerordentliche 60 Prozent und erreicht die Marke von 80.000. Offenbach steht damit beispielhaft für das enorme Bevölkerungswachstum, die unaufhaltsame Urbanisierung und die extreme Binnenmigration im gesamten Deutschen Reichsgebiet. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Seit 1900 ziehen jedes Jahr über 12.000 Menschen zu und 11.000 wieder fort. Weitere 15.000 Menschen ziehen jährlich innerhalb der Stadt um. In diesem Ort brummt es wie im Bienenstock. Neben Wanderungsgewinnen wächst die Stadt jährlich durch Geburtenüberschuss. Die Stadtverwaltung kann davon ausgehen, dass Offenbach die Großstadtschwelle binnen weniger Jahre erreichen wird. Der neue Schlachthof jedenfalls könnte mit gewissen Erweiterungen auch 200.000 Menschen versorgen. Sofort mit Kriegsbeginn setzt eine rapide Bevölkerungsschrumpfung ein. 1916 und 1917 werden nur noch 67.000 Einwohner gezählt. Männer werden eingezogen, die Nahrungsmittelknappheit treibt viele Menschen aus der Stadt zurück aufs Land. Aber auch nach Kriegsende, im Jahr 1919, werden nicht mehr als 74.500 Einwohner gezählt. Es liegt nahe, hier den Netto-Bevölkerungsverlust des Krieges zu erkennen: Er beträgt 6.000 Menschen durch direkte Kriegsopfer, durch erhöhte Sterblichkeit wegen Mangelernährung und durch die Spanische Grippe. In den Jahren nach 1918 kann Offenbach an seine epochale Entwicklungslinie des Bevölkerungszuwachses nicht mehr anknüpfen. Die Binnenwanderung lebt nicht wieder auf. Jeweils spärliche 2.000 Zu- und Wegzüge pro Jahr dokumentieren die Unterlagen der 1920-iger Jahre. Erst 7 Jahre nach Kriegsende hat Offenbach wieder seinen Bevölkerungsstand von 1914 erreicht. Von da an stagniert die Einwohnerzahl. Nur durch Eingemeindung des Ortes Bieber steigt sie 1936 auf 85.000. Die Überschreitung der Großstadtschwelle (100.000 Einwohner) im Jahr 1952 beruht auf neuen, furchtbaren Ursachen: auf Flucht und Vertreibung von 12 Millionen Deutschen aus 55


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den Ostgebieten und Osteuropa und ihrer Aufnahme als Flüchtlinge - auch in Offenbach. 2. Wirtschaft, Arbeit und Einkommen Die Jahre vor 1914 sind Blütejahre der Offenbacher Wirtschaft. Die Stadt hat sich den Ruf als „die“ Lederstadt des Deutschen Reichs erarbeitet und spielt auf Weltniveau. Der Druckmaschinenbau hat mit der Innovation der Offsetmaschine verblüfft und eine große Zukunft vor sich. Die Offenbacher Druckereien und typografischen Werkstätten verfügen über höchstes Renommee. Endlich wächst nicht nur die Bevölkerung, sondern auch das Realeinkommen. Bis 1.500 Mk beträgt das Arbeitereinkommen jährlich, ein höherer Beamter hat das Doppelte. Die Arbeitslosigkeit wird immer geringer, die Auswanderung ist fast gänzlich abgeklungen, die ersten „Fremdarbeiter“ tauchen auf. Endlich sinkt auch die wöchentlich Arbeitszeit auf unter 55 Stunden, endlich gibt es – wenn auch noch längst nicht überall – einige bezahlte Urlaubstage. 1909 beschließen die Stadtverordneten auf Drängen der Gewerkschaften eine Arbeitslosenzählung. Die Zählung von Haus zu Haus, die bis 1913 fortgesetzt wird, ermittelt zwischen 300 und 900 arbeitslose Personen bei einer mittleren Dauer der Arbeitslosigkeit von 10 - 15 Wochen. Damit liegt die Arbeitslosenquote unter 3% bei hoher Fluktuation am Arbeitsmarkt. Die industriellen Spitzenleistungen beruhen auf unternehmerischem Vorwärtsdrang, technischer Intelligenz und Facharbeit. Im Krieg kommt die Facharbeit schnell unter die Räder. Expliziter „Rüstungsbetrieb“ für Waffen- und Munitionsherstellung ist kein Offenbacher Unternehmen - die Facharbeiter werden ebenso eingezogen wie jeder wehrfähige Mann. Die Berufsausbildung bricht ab. Die Produktionsmittel werden abgenutzt; die Investitionstätigkeit erlahmt.

nur vier Monate, bis November 1914 dauert der Schock. Dann ist die Kriegswirtschaftsmaschine samt Notenpresse in Schwung gebracht und die Offenbacher Lederwaren- und Metallindustrie mit Aufträgen eingedeckt: Pistolentaschen, Tornister, Koppelschlösser, Zaumzeug für die hunderttausende Pferde im Kriegseinsatz gehören jetzt zur Produktpalette der Lederwarenindustrie. Binnen weniger Monate ist die Arbeitslosigkeit verschwunden und ein gravierender Arbeitskräftemangel kennzeichnet den Arbeitsmarkt von Anfang 1915 bis zum Kriegsende. Frauen und ungelernte Kräfte, dann Kriegsgefangene sind willkommene Arbeitskraftreserve. Angesichts der Knappheit steigen die Löhne – aber die alsbald einsetzende Geldentwertung führt bis Kriegsende zu einem Reallohnabbau von mindestens 30% im Vergleich zum Stand von 1913. In den Familien, deren „Ernährer“ zum Kriegsdienst eingezogen ist, fällt das Erwerbseinkommen aus. Die Unterstützung aus der neuen „Kriegsfürsorge“ des Reiches kommt zögerlich und ist lächerlich schmal. Leonhardt Eißnert ist in diesen Jahren der sozialdemokratische Beigeordnete in der Funktion des Sozialdezernenten. Er bildet, angelehnt an die Bezirkseinteilung des Armenamts, 14 Bezirke der Kriegsfürsorge, in denen ehrenamtliche Helfer die Soldatenfamilien betreuen. Aus Mitteln der Stadt erhalten sie Geldleistungen und Gutscheine für Bäcker, Metzger und Spezereiwarenhändler, für Wohnungsmiete und dringend benötigte Kleidungsstücke.

Durch den Krieg fallen die gehobene Nachfrage des Auslands und der internationale Wettbewerb weg. Die Fortentwicklung von Technik und Produktpalette kehrt sich angesichts der verfallenden Einkommen und einer eminenten Rohstoffknappheit um ins Primitive: Lederwaren aus Papier und Wachstuch, Schuhe aus Holz und Papier, Kriegsseife aus Ton und Sand – das sind die „Innovationen“ der Kriegsjahre.

Eine Initiative „sozial denkender Offenbacher Damen“ ruft die „Offenbacher Frauen-Kriegshilfe“ ins Leben, und mit 10.000 Mk Betriebskapital aus städtischen Mitteln wird in den Räumen des Arbeitsamts in der Domstr. 12 die „Abt. Frauenarbeit der Kriegsfürsorge“ eingerichtet. Hier werden ab November 1914 über 800 Frauen mit Zuschnitten und Material zur Herstellung von Textilien in Heimarbeit versorgt. Die Fabrikantengattin Elsa Feistmann übernimmt die technische Leitung im Ehrenamt. Eißnert schafft noch weitere Beschäftigungsgelegenheiten in Heim- und Werkstattarbeit, so eine Sattlerei und eine Schuhreparaturwerkstätte. Ihr Umsatz entwickelt sich im Kriegsverlauf bis an die Millionengrenze.

Mit Ausbruch des Krieges erleidet die Offenbacher Industrie – sie ist in diesen vermeintlich „noch-nicht-globalisierten“ Zeiten bereits in hohem Maße exportabhängig – einen schnellen Kollaps. Aber nicht durch der Export stockt. Unsicherheit lähmt den Konsum und die Investitionen. Die Erfassungsstelle am städtischen Arbeitsamt kann den Andrang der freigesetzten Arbeitskräfte kaum bewältigen. Aber

Der Zusammenbruch im November 1918 und die Rückkehr der Soldaten führt zunächst zu einer Welle der Arbeitslosigkeit und zu bisher nie gekannten Unterstützungsbedarfen, die nun allerdings durch die neue Erwerbslosenfürsorge aus Mitteln des Reichs, des „Volksstaats Hessen“ und der Kommune finanziert werden. Die Notenpresse läuft ab 1919 auf immer höheren Touren. Damit werden die Binnennachfrage

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und (durch den Verfall des Wechselkurses der Mark) der Export gefördert. So entsteht Beschäftigung. 1920 ist zum allgemeinen Erstaunen die extreme Arbeitslosigkeit bereits beseitigt und ein vollständiger wirtschaftlicher Kollaps und die gefürchtete Revolution verhindert – auf Kosten einer galoppierenden Inflation. In Offenbach war 1919 in Zeiten der höchsten Arbeitslosigkeit eine große Dammbau-ABM geplant worden. Als der Dammbau 1922 beginnt, sind die Arbeitslosen weitgehend verschwunden. „Der Beschäftigungsgrad war in vielen Zweigen stärker als in der Vorkriegszeit und erreichte seinen Höhepunkt im Herbst 1922. Damals gab es keine Erwerbslosen in Offenbach!“ Arbeit ist also da, aber für die immer dickeren Geldscheinbündel in der Lohntüte kann man sich immer weniger kaufen. Und dann geht es in großen Schritten zur Hyperinflation, zum Währungsschnitt (November 1923) und zur Vernichtung aller Geldvermögen und Schulden. Mit dem Währungsschnitt brechen die künstlichen Exportvorteile weg; die Flucht in die Sachwerte endet. Rationalisierung und Arbeitsplatzabbau sind die Gebote der Stunde. „Zehn Jahre war die Offenbacher Industrie vom Weltmarkt ausgeschlossen. Der Platz, den sie sich vor dem Kriege errungen hatte, war in der Zwischenzeit ausgefüllt worden… m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

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Die alten Konkurrenzindustrien auf dem Weltmarkte hatten vielfach bedeutende technische Fortschritte gemacht und waren zum Teil überlegen…Das Niveau der handwerklichen Geschicklichkeit war stark gesunken, wozu noch der Mangel eines vorgebildeten Nachwuchses trat. Dazu kamen die enormen Kapitalverluste während der Inflation, die in der nachfolgenden Deflationskrise dazu führten, dass viele alte solide Unternehmungen liquidieren mussten…“ So beginnt 1925 ein anhaltender, ab 1929 noch beschleunigter Abbau von Arbeitsplätzen, der zu einem hohen Langzeitarbeitslosensockel in der Stadt führt. Richard Müller schreibt: „Das Gros der Erwerbslosen ist langfristig erwerbslos. Dies zeigt sich in der erschreckenden Zahl der von der Krisenfürsorge und dem städtischen Wohlfahrtsamt Unterstützten. Offenbach steht hierin im Reiche an der Spitze! Im September 1930 waren in der Arbeitslosenversicherung 5426, in der Krisenfürsorge 3441 und in der städtischen Wohlfahrtspflege 4350 Unterstützte. Rechnet man die „Zuschlagsempfänger" (unterstützungsberechtigte Angehörige) hinzu, so lebten 26% der Bevölkerung von öffentlichen Mitteln!“ (Fortsetzung in Mut&Liebe 15, Juni 2015)

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die hoffnung kam auf stahlketten – zwei offenbacherinnen erleben das kriegsende am von Angelika Amborn-Morgenstern

n Als Hannelore das dumpfe Brummen der Motoren und das Rasseln der Stahlketten der Panzer am Nassen Dreieck hört, hört sie auch wie der schwere Stein von ihrem Herzen fällt. Sechs Jahre hat er sie bedrückt. Der warme sonnige Frühlingsmittag verstärkt noch das Gefühl der ungeheuren Erleichterung in diesem Moment. Hannelores Vater, mein Großvater, hat schon alles vorbereitet. Schnell den Besenstiel mit dem weißen Kopfkissenbezug ins Fenster klemmen. Eine Halterung für eine Fahnenstange hat das kleine Siedlungshäuschen Brunnenweg 28 nicht. Neben Hannelore stehen ihre Mutter und ihr zwölfjähriger Bruder. Ihre Schwester ist im Arbeitsdienst im Allgäu, ihr älterer Bruder, mein Vater, als Soldat in Italien. Hannelores jüngerer Bruder gehört eigentlich gar nicht hier her sondern in das sichere Alzey, wohin er damals mit seiner Klasse evakuiert worden ist. Die Bemerkung seines Lehrers war es, die seinen Vater veranlasst hat, ihn trotz Bombenkrieg nach Hause zu holen. „Du bist auch einer, der nach dem Endsieg erschossen wird.“ Und nicht nur er, seine gesamte Familie als Mitglied der Widerstandsbewegung Bekennende Kirche. Ringsherum werden jetzt die weißen „Fahnen“ gehisst. Das ungewisse Brodeln aus der Ferne, das langsam aus Darmstadt über die Straßen und durch die Wälder immer näher gekommen ist, hat jetzt Gestalt angenommen: Die Front mit ihren Panzern, die die Geschützrohre bedrohlich rotieren lassen um auszuloten, ob sich irgendwo Widerstand regt. Die Front mit ihren Fußtruppen die in die Häuser kommen und die Treppen hoch rennen. „Where is he?“ fragt einer der US-Soldaten, als er im Wäscheschrank den Metallrahmen mit dem Foto von Hannelores Bruder, meinem Vater, in Uniform entdeckt. „In Italy.“ 58

Die Amerikaner verlassen die Häuser und die Panzer fahren weiter Richtung Bieber und Richtung Innenstadt, ein ruhiger Eroberungszug, ohne Häuserkampf. Um 16.30 Uhr erreicht die Front den Main. Annemarie, meine Mutter, hört das Rasseln der Stahlketten. Die Doppelglasscheiben vibrieren, hinter denen sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester steht. Sie haben keine weiße Fahne vorbereitet trotz der Fahnenhalterung an ihrem Balkon der Oehler-Villa Mainstraße 159 im Werksgelände der Naphtol-Chemie, den späteren Farbwerken Hoechst. Annemaries Vater, mein Großvater, ist nebenan in der Fabrik. Obwohl das Werk gestern geschlossen wurde, hat er als einer der leitenden Chemiker die Aufgabe, sie als einer vom Volkssturm und als Arzt zu verteidigen. Der Dielenboden dröhnt. Fünf Jahre Luftkrieg über Offenbach! Da hat sich Annemarie an viele Geräusche gewöhnt, an das Heulen der Sirenen bei Fliegeralarm, an das Brummen der Flieger, an das Beben des Bodens, wenn eine Bombe aufschlägt oder an den gewaltigen Knall gestern am frühen Morgen, als die deutschen Truppen die Mainbrücke gesprengt haben, ganz in ihrer Nähe nur 900 Meter von ihrer Wohnung entfernt. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


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26. März 1945

G e schich t e n

Aktionen um den 8. Mai in Offenbach – zum Kriegsende vor 70 Jahren Am 8. Mai 2015 jährt sich der Tag, an dem vor 70 Jahren Krieg und Faschismus zu Ende waren. Bomben, Angst, Terror, Haft, all das war mit diesem Tag mit der offiziellen Kapitulation definitiv zu Ende, dank der in Deutschland einmarschierten amerikanischen, russischen, britischen, französischen und kanadischen Truppen. Deutschland war militärisch besiegt worden. Die Menschen waren befreit, auch wenn sich viele zunächst besiegt fühlten. In Offenbach war der Tag der Befreiung bereits der 26. März 1945, als die Amerikaner von Darmstadt aus mit Panzern in die Stadt einrückten.

Mainbrücke (1953 umbenannt in Carl-Ulrich-Brücke), wurde am 25.3.1945 um 5.10 Uhr von deutschen Truppen gesprengt Foto: Stadtarchiv Offenbach

Aber dieses Geräusch eben genießt sie jetzt fast, dieses Rasseln der Stahlketten auf der Mainstraße, eine Stunde lang. Ein Schauer läuft ihr über den Rücken, eine Mischung aus Ungewissheit und Erleichterung. Denn eben wird ihr etwas bewusst: eben haben die Amis Offenbach eingenommen und rollen mit ihrer Panzern nach Bürgel. Ihre Mutter schaut auf die Uhr und geht zum Schreibtisch. „Montag 26. Einmarsch und Panzer zwischen 5 und 6 Uhr.“ Nur diese knappen Wörter trägt sie in ihr kleines schwarzes Tagebuch ein. Gut, dass sie es so akribisch geführt hat, wenn auch nur in sachlichen Stichwörtern ohne Emotion. „Der Krieg ist zu Ende!“ ruft sie. „Gut dass wir hiergeblieben sind und nicht wie viele andere gestern auf den Aufruf reagiert haben und Offenbach verlassen haben." Und sie zitiert aus ihrem Tagebuch: „Sonntag 25. Große Unruhe. Fort oder nicht. Alarm!! Fabrik geschlossen.“ Später klingelt es bei Hannelore und ein angetrunkener Soldat verlangt Alkohol. Er hatte eine gute Spürnase und zieht zufrieden mit einer Flasche Abendmahlswein ab. Denn der Brunnenweg 28 ist ja auch Pfarramt und Kirche. In dieser Nacht schläft m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Zentrale Veranstaltung auf dem Platz des 8. Mai 1945 Am 8. Mai 2015 soll in Offenbach an diese Tage vor 70 Jahren erinnert werden. Dazu sind verschiedene Aktionen geplant. Die zentrale Veranstaltung findet auf dem Platz des 8. Mai 1945, dem Platz vor dem Offenbacher Ledermuseum, statt. Offenbach hat als einzige Stadt in Deutschland einen Platz mit diesem Namen. Geplant sind am 7. Mai ein ökumenischer Gottesdienst, am 8. Mai ein Friedensmarsch mit anschließender Kundgebung und einem Open-Air- Konzert auf dem Platz des 8. Mai 1945. Am Sonntag, dem 10. Mai rundet ein Erzählcafé in der Cafeteria des Ledermuseums mit dem Titel „26. März/ 8. Mai 1945 – Tage der Befreiung, Zeitzeugen und Zeitzeugnisse“ die Veranstaltungsreihe ab.

Geschichtswerkstatt sucht Zeitzeugen Die Geschichtswerkstatt Offenbach sucht Menschen, die von ihren Erinnerungen erzählen möchten. Wer kann sich noch an diese Tage vor 70 Jahren in Offenbach erinnern? Diese Berichte unterstützend und begleitend werden Zeitungsartikel und Bilder ausgestellt, und es wird aus Augenzeugenberichten und Tagebüchern vorgelesen. Interessierte können sich melden bei: Gabriele Hauschke-Wicklaus, Tel.: 069/851274 Hannelore selig wie in Abrahams Schoß. Obwohl nur wenige hundert Meter neben ihr am Rowenta-Werk die US-Artillerie auf das Fechenheimer Ufer schießt und die Scheiben klirren. Denn heute ist der Krieg für sie und die Offenbacher zu Ende. 59


mut&liebe

Go u r m e t

süßes aus dem netz – www.kuchenbaecker.com

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Liebe Leserinnen und Leser,

Das Mut&Liebe Magazin widmet sich dem Thema „Offenbacher Erfolgsgeschichten“. Für mich ist dieses Magazin, welches Sie in Händen halten, selbst schon eine Erfolgsgeschichte. Ein Stadtmagazin, von Offenbachern für Offenbacher. Themen, die bewegen und interessieren. Aus der Stadt in der wir leben und die wir sicherlich, auf ihre Art, lieben, auch wenn sie sich in einigen Bereichen manchmal unter Wert verkauft, wie ich finde. Seit Anfang 2013 schreibe ich auf meinem Blog „Der Kuchenbäcker“ über süße Kuchen, deren Zubereitung und das Drumherum in der Backstube. Was anfangs für Freunde und Bekannte gedacht war, die immer wieder nach Rezepten fragten, erfreut heute viele tausend Leser aus Deutschland und Europa. Auch wenn ich es anders empfinde, so gehört der Kuchenbäcker zu den großen und bekannten Blogs im deutschsprachigen Raum.

einen Serverplatz und die Zutaten für meine Kuchen, zu Buche. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Warum macht er das dann?“ Ganz einfach! Weil ich es liebe. Zu Backen, zu Fotografieren, zu Schreiben und meine Lieben und andere damit zu erfreuen.

Ist diese bescheidene Webseite mit Rezepten und Fotos, die in ihren Anfängen noch recht holprig an den Start ging, eine Offenbacher Erfolgsgeschichte? Was macht Erfolg aus? Gute Verdienste? Beliebtheit und Popularität?

So ist es wohl zweiteres, welches die Leser im Internet immer wieder auf den Blog zieht, sich Inspirationen für den Sonntags- oder Geburtstagskuchen zu suchen. Es sind die kleinen Geschichten, die ich immer wieder versuche um die Rezepte herumzuschreiben, die der Leser schätzt, meine Erfahrungen und die ehrliche Meinung aus Verbrauchersicht. Das sind wahrscheinlich generell die Dinge, welche die Follower und Fans von Blogs schätzen.

Ersteres kann es nicht sein, denn auch wenn ich hin und wieder mal ein Produkt für eine Marke ausprobieren darf, so verdiene ich mit dem Blog kaum einen Cent. Es ist ein Hobby, welches Monat für Monat Geld kostet. Denn abgesehen von der Zeit, die dieses Hobby erfordert, schlagen Unkosten für eine Domain,

Die Einfachheit der süßen Backwerke soll die Leserschaft ermutigen, sich selbst an der Rührschüssel und am Backofen zu versuchen. Ich möchte Ideengeber sein. Dies scheint mir in den vergangenen zwei Jahren gelungen zu sein, denn die Rückmeldungen, Kommentare und eMails die ich bekomme, bestä-

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tigen mir, dass der Blog die Leute bewegt. Ein Blog ohne die Menschen, die ihn lesen und ihm folgen, ist nichts, denn der Austausch miteinander macht ihn zu einem lebendigen Medium. Wenn man es so betrachtet, dann ist der Kuchenbäcker sicher eine Erfolgsgeschichte.

tassen kuchen mit nougat kern

Oft werde ich gefragt, wann ich denn ein kleines Café eröffne, in dem man meine Kuchen und Törtchen kaufen kann. Auch wenn ich mir vielleicht irgendwann mal vorstellen kann so einen Schritt zu gehen, so ist das für mich derzeit keine Option, denn ich mag die Kontakte, die ich durch das Bloggen gewinnen konnte und kann. Mit einem Geschäft würde das viel zu kurz kommen und genau das ist es, was ich am Backen und Schreiben im Internet so mag. Ich überrasche Sie lieber immer wieder mit neuen Ideen aus meiner Küche, animiere Sie zum Nachbacken und erfreue mich an den Rückmeldungen die ich von Ihnen bekomme. Im Februar habe ich auf dem Blog eine neue Rubrik gestartet und verwöhne meine Leser jeden Montag mit einem Tassenkuchen aus der Mikrowelle, um ihnen den Wochenstart mit einer schnellen Leckerei zu versüßen. Einfach und im Handumdrehen mit wenigen Zutaten gemacht, auch im Büro. Ich möchte Ihnen in dieser Ausgabe einen Tassenkuchen mit flüssigem Nuss-Nougat Kern präsentieren. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

{Mug Cake Monday}

Dafür brauchen Sie: 5 EL Mehl 2 EL Kakaopulver 1/4 TL Backpulver 2 EL Zucker 1 Prise Salz 6 – 6 1/2 EL Milch 2 EL Raps- oder Sonnenblumenöl 1 EL Nuss-Nougat Creme Vermischen Sie die trockenen Zutaten zunächst miteinander. Geben Sie dann Öl und Milch dazu und verrühren alles zu einem glatten Teig. Füllen Sie den Teig in einen Kaffeebecher. In die Mitte geben Sie einen Esslöffel Nuss-Nougat Creme und geben die Tasse bei 900 Watt für 70 Sek. in die Mikrowelle. Zum Schluss noch ein wenig Puderzucker darüber. Etwas abkühlen lassen und dann einfach genießen. Ihnen gefällt die schnelle Kuchenvariante? Auf www.kuchenbaecker.com finden Sie weitere Ideen und Rezepte für Tassenkuchen. 61


informal

madrider lebensart im salzgässchen

n Der Name ist Programm, kann man getrost sagen, denn angenehm wenig formell geht es in dem kleinen Café vom Madrider Typ im Salzgässchen zu. Die Gäste werden von der Betreiberin Gema Sánchez herzlich begrüßt und fühlen sich gleich so wohl, dass sie wiederkommen. Mit dem kleinen Lokal hat sie sich einen Herzenswunsch erfüllt – und das kann man sehen, spüren, riechen und schmecken. Der kleine Raum ist ebenso schlicht wie geschmackvoll eingerichtet. Die Gäste nehmen an vier hohen Tischen auf geschmiedeten Barhockern Platz. Als sie hörte, dass das ehemalige „Suppenparadies“ frei wird, schlug sie sofort zu. Der Name „Informal“ kam ihr dann irgendwann morgens um fünf als der erste Flieger startete. 62

von Ingrid Walter, Walter Wortware

„Ich habe seit Jahren nach einem geeigneten Lokal gesucht und war unentschlossen, ob es in Offenbach oder Frankfurt sein sollte. Nun bin ich sehr froh, dass ich hier bin, weil ich aus Offenbach komme und die Stadt wegen ihrer Vielschichtigkeit schätze“, erklärt Gema mit einem herzlichen Lächeln. Beruflich kommt die gebürtige Madrilenin aus der Werbung und betrieb mehrere Jahre lang eine Agentur im Frankfurter Nordend. Frühe Einblicke in die Gastronomie bekam sie durch die eigene Familie: Ihr Vater war jahrelang Geschäftsführer der Post in Bürgel, einem wohlbekannten Familienbetrieb. „Mein Gefühl für Gutes kommt daher“, sagt Gema. „Mit dem Namen Informal verbinde ich die Absicht, spanische Produkte in einer sehr unkonventionellen Art anzubieten und von einem Niveau, wie man es sonst hier nicht bekommt“, erklärt Gema – und dieser Gedanke funktionierte von Anfang an. Denn seit dem 1. Juni 2014, dem Tag, an dem Gema zum ersten Mal die Gittertür aufsperrte, kocht das Salzgässchen an den magischen Tagen Donnerstag, Freitag und Samstag – und manchmal bis spät in die Nacht über vor Lebensfreude. Dann nämlich gibt es liebevoll zubem u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


mut&liebe

Go u r m e t

informal Café-Restaurant Kleiner Biergrund 17, Zugang über Salzgässchen www.cafeinformal.de Di., Mi.: 9.00 – 17.00 (Sommer bis 19.00) Do.: 9.00 – 23.00 (Feinkost-Spezialitäten-Abend) Fr.: 9.00 – 15.00 und 18.00 – 23.00 (Montaditos – Brothäppchen) Sa.: 9.00 – 19.00 Uhr, So. u. Mo. Ruhetag. © Lemnitzer-Fotografie

reitete kleine Gerichte, die mit Tapas, wie man sie in Deutschland inzwischen kennt höchstens den Namen gemein haben. Im Informal werden erstklassige Produkte direkt aus Spanien (wie Fleisch vom iberischen Schwein), vom naheliegenden Wochenmarkt (zartes Gemüse von Lang aus Bürgel) zu köstlichen und fantasievollen Gerichten gekocht. Dazu gibt es knuspriges Weißbrot nach spanischem Rezept, das extra von Bäcker Beck hergestellt wird. Das kleine Team im Informal, das noch aus zwei weiteren herzlichen Seelen im Service und einer gelernten Köchin aus Bilbao besteht, hat dann alle Hände voll zu tun. Manolo und Jessie verbreiten gemeinsam mit Gema ein originelles und persönliches Flair, dem kaum einer widerstehen kann. Am Donnerstag Abend steht meist ein Produkt im Zentrum, aus dem Gema Sànchez mit ihrer Köchin leckere Speisen zaubert. Auf dem Programm standen hier schon Venusmuscheln oder Seeteufelbäckchen oder eben das iberische Schwein. Die Betreiberin achtet besonders auf die Verwendung von Fleisch aus nachhaltiger und kontrollierter Viehzucht und ist Partner der spanischen Organisation „Slow Meat“ (www. slowmeat.de.) Freitags ist der Tag der leckeren Montaditos – köstlich belegte Brotchen, die ideal zu Wein oder Bier passen. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5

Auch bei den Getränken ist es Gema wichtig, etwas Besonderes anzubieten. So hat sie das spanische Kultbier „Mahou“ mit dem praktischen „Auf-Reißverschluss“ hier eingeführt. Beim Wein gibt es ein Geschmacksspektrum von handverlesenen Weinen aus Zentralspanien. Im Informal ist jeder Wein im Ausschank und kann glasweise (0,1 oder 0,2) bestellt und genossen werden. Weil die Produkte bei den Gästen so regen Anklang finden, gibt es sie zum Teil schon dort zu kaufen. So bietet Gema ihren eigenen Espresso an (der aus 90% Arabica- und 10% Robustabohnen besteht und eigens für sie nach spanischem Verfahren geröstet wird). Dazu gibt es Schokomandeln und Mandeltorte oder hausgemachte Tortilla zum Mitnehmen. Weiter gibt es Olivenöle der spanischen Manufaktur Nekeas in Navarra, Fischkonserven vom Wildfang vom Familienbetrieb „Javimar“ oder handgefertigten Manchego-Käse von der Firma Olmeda Origines. Solche Produkte kann man getrost ohne Reue verzehren oder verschenken. Da macht man nichts falsch. Bald soll man das Angebot auch online beziehen können. Außerdem plant Gema kulturelle Eventreihen, wie Lesungen oder Musikabende – natürlich gekrönt mit leckeren Tapas oder Montaditos. 63


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Info

helfersyndrom - DIE TRÄUME VON UNS -

17./18.04. Premiere • Landungsbrücken Frankfurt 25./26.04. Theateratelier Bleichstraße 14H • Offenbach Wir sind helfersyndrom, eine Bande von professionellen Theatermachern aus dem Rhein-Main-Gebiet: Steffen Lars Popp (Regisseur, Autor), Rahel Seitz (Bühnenbildnerin) und Sebastian Specht (Student Theaterwissenschaft). Zwei von uns leben und arbeiten in Offenbach (Zollamt Studios, Atelier Rathenaustraße). Was, wenn die Zukunft schon stattfindet – in unseren Träumen? Was, wenn wir unsere Träume untereinander teilen? Was, wenn auf diese Weise eine Sammlung entsteht: von Träumen verschiedener Nationen, Berufsfelder, von Alten und Jungen „Visionären“? Was, wenn wir dann auf der Bühne versuchen, Träume in die Realität zu zwingen? Was, wenn unsere Träume die Welt verändern? Mit DIE TRÄUME VON UNS planen wir einen dokumentarischen Theaterabend kollektiver Traumerzählung, zwischen Medientheater und Lecture Performance. Vorbild sind uns dabei die Ideen und Techniken des social dreaming. Jeder ist herzlich eingeladen am Sa. 21.03., 15.00 Uhr zu unserer nächsten social dreaming Session in die Rathenaustraße 38H, Offenbach. Dream on! Kontakt: traumprotokolle@helfersyndrom.com www.popp-art.com/portfolio/die-traeume-von-uns/ www.facebook.com/dietraeumevonuns

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Indietronic

Dokumentartheater der Zukunft

Musik für leere Diskotheken – Binnenschiffer EP ANALOGmusiq www.amsq.de

Aus den Trümmern der Offenbacher / Frankfurter Lokalmatadoren „Camp David“ entstand das Duo „MflD“. Zu Anfang nahmen sich Gitarrist Stefan Greiner und Bassist Frank Dippel alte Songs ihrer Ex-Band vor und arrangierten sie Livetauglich um. Ein ständiger Prozess der Veränderung begann. Mit der Zeit fanden die beiden ihren eigenen Sound und die alten Songs wurden durch neue Kompositionen ersetzt. Einen ersten Eindruck bietet nun diese 4 Track EP. Tanzbare electronische Beats, Dubelemente und klassisches Songwriting treffen aufeinander. Tocotronic meets Adrian Sherwood in the Werkstattstudios. Cure im Schlafrock und überhaupt: „Ein bisschen aufräumen erfrischt die Seele“. Kauft die EP und kommt in Scharen zu den Konzerten.

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Hörbar

V.A. – Follow Me Down-Vanguard's Lost Psychedelic Era 1966 – 1970 Ace Records – Soulfood

Simeon Soul Charger – A Trick Of Light Gentle Art Of Music - Soulfood In den fünfziger und sechziger Jahren war Vanguard für die aufkommende Folk Szene die erste Adresse. Künstler wie Joan Baez oder Phil Ochs debütierten auf dem Label. Ab Mitte der sechziger Jahre kamen auch psychedelische Acts wie Country Joe & The Fish oder Jazzer wie Larry Coryell dazu. Doch viele Künstler schafften nicht den Durchbruch wie die genannten und gerieten bald in Vergessenheit. Die vorliegende CD vereint 14 Bands dieser Ära. Fuzz Gitarren, San Francisco Hippie Seeligkeit und kräftigen Garagen Rock bilden eine bunte Palette an Sounds. Sampler dieser Art gab es in den letzten Jahren viele, doch dieser reicht an die Qualität der legendären „Nuggets“ Reihe heran. Mit dem zweiten Album sollte es den Neuseeländern „Sun And The Wolf“ gelingen etwas mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Schon der Opener „87 Years“ hat die Chance zum Psych Pop Hit des Jahres zu werden. Gekonnt und sicher bewegt sich das versierte Gitarren / Gesangs Duo White / Mangan in den musikalischen Welten zwischen sechziger Psychedelic Pop, Fuzz Gitarren und spätachtziger Ravepsych. Der Frühling kann kommen.

Otis Taylor – Hey Joe Opus Red Meat Inakustik

Auf seinem vierzehnten Album geht Otis Taylor wieder ein Schritt weiter mit seiner Soundmixtur aus Blues, Soul, Psychedelic Rock und Jazz. Der legendäre Song „Hey Joe“ verbindet, als wiederkehrendes Motiv, die Tracks zu einer zehnteiligen Suite über Entscheidungen und ihren Auswirkungen. Fast jede der vielen Spielarten des Blues greifen die Musiker auf. Das lyrische Cornetspiel von Ron Miles, die wunderbaren Melodien der Violinistin Anne Harris und die Gitarrensoli von Gast Warren Haynes halten immer die Spannung der Songs.

Rock Rock

Sun And The Wolf – Salutations World In Sound - Good To Go

Danko Jones – Fire Music Bad Taste – Soulfood Mit „Retter“ wie Danko Jones wird der Rock niemals sterben. Es gibt ja Menschen die behaupten, dass Rock schon längst tot sei. Der Herr mit der langen Zunge sollte sich dieses Album anhören und seine etwas voreilige Äußerung noch einmal überdenken. 11 Kick Ass Rock n Roll Songs beweisen in 37 Minuten das Gegenteil.

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Indie Rock

The Districts – A Flourish And A Spoil Fat Possum Records – Good to Go

Das von Hörern und Kritikern sehnsüchtig erwartete Fat Possum Debut der jungen Amerikaner (alle unter 21 Jahren) hält was die EP vor ein paar Monaten angedeutet hat: kraftvoller Indie Rock, der streckenweise an die Strokes oder die Libertines erinnert, aber so frisch und frech vorgetragen stört das niemand. Verzerrter Garagen Rock, Americana und eine ordentliche Portion Pop mit Hit Potential wie z.B „Peaches“werden die Tanzflächen beim Indie Ballermann füllen.

Noise Rock

Ihre Inspiration beziehen die in Bayern lebenden Amerikaner von „Simeon Soul Charger“ eher aus den siebziger Jahren. Mit für diese Zeit typischem Songwriting und einem guten Gespür für Melodien gelingt ihnen ein rundes drittes Album, das Live im Studio eingespielt wurde und mit Überraschungen nicht geizt. Prog, Folk, Psych und die gelungene Cover Version von „Screamin Jay Hawkins - I Put A Spell On You“

Trance Blues

Garagen Rock / Psychedelic

CD tipps von udo boll

A Place To Bury Strangers Transfixiation Dead Oceans – Cargo

Kommen wir wieder zu der Rubrik „Musik muß auch mal wehtun“. Das vierte Album des New Yorker Trios ist bestimmt nichts für einen entspannten Musikabend. Überschattet wurden die Aufnahmen von internen Streitereien die fast zur Auflösung der Band führten. Doch die Musiker fanden dennoch einen gemeinsamen Weg zur Fertigstellung der Platte. Noch verzerrter, noch lauter als auf den Vorgänger Alben kracht es aus den Boxen. Manchmal ist weder Bass noch Gitarre unter dem ganzen Lärm zu erkennen. Über allen Songs schwebt ein Nebel von Angst und Bedrohung. Tief unter diesem Krach drücken sich ab und zu Melodien durch. Es gibt also doch noch Hoffnung. 65


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Erleben

Do. 19. März: 7.'Komische Nacht' 9 Locations, genaue Infos: www.komische-nacht.de Einlass: 18.30, Beginn: 19.30 / Eintritt: VVK: 17,(in den Locations) / AK: 19,- Euro Zum nunmehr siebten Mal heisst es: Komische Nacht in Offenbach. Die Comedy-Institution wird halbjährlich begangen und das ist auch gut so. Erstmalig kommen neun Comedians in die Stadt, es bleibt aber bei fünf Comedians pro Auftrittsort. Die Zusammensetzung der Orte verändert sich immer leicht und so haben nicht nur Bieberer erstmalig die Chance die Turnhalle des TV Bieber in einen Hexenkessel zu verwandeln. Klar sind die beliebtesten Gastronomien der Stadt wie das Markthaus am Wilhelmsplatz, das Münchs, das Beau d`Eau und die Weinstube längst ausverkauft. Karten für Kulturhäuser wie den Hafen 2, dem Wiener Hof, das KJK Sandgasse lassen sich aber noch ergattern. Laut dem Veranstalter Kai Schmidt sind die Künstler immer sehr angetan vom Offenbacher Publikum und so vermittelt die Komische Nacht endlich mal ein grundpositives Image der Stadt. Dieses Mal wird Thomas Müller wieder mit dabei sein (erinnert sich noch jemand an die unglaubliche "Pferdenummer"?), der bei der 2. Komsichen Nacht abräumte und Alexander Merk, dem "Jung-Zauberer" aus Berlin. Alle anderen Künstler wie der Schweizer Alain Frei, der über kiffende Landgenossen zu berichten weiss oder die "Ghetto-Bitch" Jaqueline Feldmann betreten erstmalig Offenbacher Grund.

acob Karlzon - ©ACT / Grosse Geldermann

Mi. 11. März: Jacob Karlzon 3 – Konzerte (Jazz), Hafen 2, Einlass: 20.00 / Eintritt: VVK: 22,- zzgl. Geb. / AK: 25,- Euro Jacob Karlzon (p), Hans Andersson (b), Robert Mehmet Ikiz (dr) Die Berührungsängste des Jazz zu Rock wurden Ende der Sechziger aufgelöst, die ernsthafte künstlerische Auseinandersetzung mit Pop liess dann doch etwas länger auf sich warten. The Bad Plus waren in den Neunzigern eines der ersten Jazztrios, die auf faszinierende Art elektrifizierten Pop in Jazzgefilde mit akustischen Instrumenten übertrugen. Und hey, Coverversionen sind immer dann erlaubt, wenn sie etwas Neues ersinnen. Bei dem Schweden Jacob Karzon und seinem Trio ist das Ganze zu einem geschlossenen Konzept gereift. Das international hochgelobte Trio coverte U2 auf eleganteste Weise, in den eigenen Kompositionen erstrahlt ein hochglanzpolierter Groove mit einer klugen Dynamik, geschickten Kontrasten und immenser Dichte. Jacob Karlzon 3 verquicken die Experimentierfreude und Energie des Jazz mit der Kraft und Eingängigkeit des Pop. Internationale Jazzstars dieses Formats bekommt Offenbach extrem selten zu hören.

Sa. 28. März: Tiere streicheln Menschen – Actionlesung/Comedy, Hafen 2, Einlass: 20.00, Beginn: 20.45 | Eintritt: VVK: 8,- zzgl. Geb. | AK: 10,- Euro Comedy ist wie alle Genregattungen ein dehnbarer Begriff. Meint man hiermit Atze Schröder, Mario Barth oder Cindy aus Marzahn, dann liegt man bei Tiere streicheln Menschen mit dieser Schublade völlig falsch. Einer singt, einer liest. Das Ganze nennt sich ActionLesung. Radio Fritz in Berlin, wo Martin "Gotti" Gottschild und der Musiker Sven van Thom regelmässig im Programm vertreten sind, nennt das: "Schön bekloppt, absurd und bestechend sympathisch". So ist es auch kein Wunder, dass in ihrer Heimat Berlin die Shows im Frannz Club mit Hunderten an Gästen seit Jahren weit im Voraus ausverkauft sind. Eine besondere Spezialität von Gotti ist der Diavortrag: Da werden zu banalen Familiendias vom Flohmarkt oder aus dem Bekanntenkreis herrlich absurde Geschichten erfunden. "Ich bin ein Freund des schlichten Humors, ein bisschen naiv, ein bisschen döflich", sagt er. Ein Kessel Buntes eben zum Wochenende. m u t & l i e b e M ä r z / Ap r i l / M a i 2 0 1 5


22.03., 17.00 Uhr (Einführung 16.00), Capitol Theater, OF Klassische Konzertreihe der Neuen Philharmonie Frankfurt Dieses Programm widmet sich dem Mann als Musiker und dem Musiker als Mann. Poetisch: Der Mann und sein Heimatlied. Politisch: Der Mann und der Weltfrieden. Pekuniär: Der Mann und sein Konto. Dazu gibt es eine Hymne an ein Luxusauto, Carl Orffs begeisterte Lobgesänge auf den Alkohol aus der „Carmina Burana“ und natürlich quasi die Titelmelodie zum Programm - diejenige zu „Superman“. Neue Philharmonie Frankfurt, Dirigent: Steven Lloyd González

TheaterEssenz OF • Venedig im Schnee 30.03., 19.30 Uhr (Einführung 18.45), Capitol Theater, OF Gastspiel des Theater für Niedersachsen „Venedig im Schnee“ („Venise sous la Neige“) wurde 2003 in Paris uraufgeführt und ist seitdem mit seiner Mischung aus kurzweiligem Komödienspaß und intelligenter Gesellschaftssatire auf dem besten Weg, zum Komödienklassiker zu werden.

Nacht der Museen in Offenbach 24.04.2015, 19.00 Uhr DLM Deutsches Ledermuseum| Schuhmuseum, Klingspor Museum und Haus der Stadtgeschichte, Offenbach Eine kunstvolle NACHT! Einmal im Jahr öffnen die Frankfurter und Offenbacher Museen zur kulturellen „Nachtschicht“. Neben Ausstellungen gibt es Kurzführungen, Musikevents, Tanz, Lesungen, Theater, Performances, Workshops, Partys und internationale Gastronomie.

TheaterEssenz OF •The Blues Brothers – A Tribute 03.05., 18.00 Uhr (Einführung 17.15), Capitol Theater, OF

Gastspiel: Hessisches Landestheater Marburg Action, Ideale, Witz, Charme, coole Typen und die beste Musik aller Zeiten vereinen sich in „The Blues Brothers – A Tribute“. Bei der Bühnenfassung des legendären Films legte Regisseur Matthias Faltz Wert darauf, sowohl die Stimmung des Films als auch die Wirkung der Musik spürbar werden zu lassen. Entstanden ist ein sehr unterhaltsames Musical, von Zuschauern und Presse gleichermaßen gefeiert. Songs im englischen Original, Szenen in deutscher Sprache.

Eintrittskarten: OF InfoCenter, Salzgäßchen 1, OF Tel. 069 / 8065 – 2052 E-Mail: info@ofinfocenter.de

stadt infos

Kunstwerk

OF

CapitolClassicLounge MännerMusik

© Adrian Boterham

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MÄRZ | APRIL | MAI

CapitolClassicLounge • Bolero! 10.05., 17.00 Uhr (Einführung 16.00), Capitol Theater, OF Klassische Konzertreihe der Neuen Philharmonie Frankfurt Sprühender Sommer, mediterranes Feuer: Es ist, als würde die ganze Welt in ein rauschendes mediterranes Feuerwerk ausbrechen. Und dieser Ausbruch bahnt sich in einem gefühlt ewig langanhaltenden, in glühenden Farben changierenden ständigen Crescendo von geradezu erotisch knisternder Spannung an, um schließlich die ganze klingende Welt zu erfüllen: Maurice Ravels 1928 komponierter „Bolero“ und weitere Musik von Bizet, Ravel und Alain. Neue Philharmonie Frankfurt, Dirigent: Steven Lloyd González

Offenbacher Sonntagskonzert 10.05., 15.00 - 17.00 Uhr, Pavillon im Dreieichpark, OF Der Verein „Musik im Park e.V.“ bieten seinen Gästen in entspannter Atmosphäre leichte Klassik und nostalgische Unterhaltungsmusik, gespielt von einem zehnköpfigen Salonorchester mit Sänger. Dazu wird ein Kaffee- und Kuchenbuffet angeboten. Sitzgelegenheiten sind vorhanden. Eintritt frei

20. Offenbacher City-Lauf 16.05., 15.00 - 21.00 Uhr Innenstadt, KOMM-Center Der traditionelle Stadtlauf wird dieses Jahr zum 20. Mal durchgeführt. Die Schülerstadtmeisterschaften werden über eine Strecke von 1,5 km ausgetragen. Der Breitensport läuft auf der 5 km Strecke und die Leistungssportler auf der Halbmarathonstrecke über 21,1 km. Start des Laufspektakels ist ab 16.30 Uhr auf der Kreuzung Frankfurter Str./ Aliceplatz. Zur Jubiläumsveranstaltung erwarten die Besucher ein buntes Rahmenprogramm. Infos unter www.sportinoffenbach.de.

Offenbacher Stadtfest: 20. Offenbacher Woche 28.05. – 31.05., Innenstadt, Offenbach Aktionsbühnen, Cat-Walk, Fotoshootings, tolle Angebote und viel Live-Musik: Zum 20. Mal laden der Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach e.V. und die Stadt Offenbach zur Offenbacher Woche in die Innenstadt und locken vom 28. bis 31. Mai mit einem attraktiven Programm. Besonders zum verkaufsoffenen Sonntag am 31.05., 13.00 bis 19.00 Uhr, präsentiert die Stadt sich als spannende Einkaufsmeile für die ganze Familie.

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erleben

Netzwerk 'Frauen für Offenbach' www.frauen-fuer-offenbach.de

Fr. 06.03. | 19.00 Uhr | Podiumsdiskussion " Frauen und Erfolg" Evren Gezer, Publizistin, Moderatorin; Cordelia von Gymnich, Bereichsleiterin Messe Frankfurt; Silke Heim, Vorstandsvorsitzende EVO Moderation: Konstanze Schneider | Filmklubb, Isenburgring 36, OF, 5,- e Mi. 25.03. | 18.00 Uhr | "Taschen" Führung im Ledermuseum Offenbach Eintritt und Führung 12,- e Sa. 21.03. | 11.00 Uhr | Frühstück beim bok – Bund Offenbacher Künstler in den Zollamtsstudios, Frankfurter Straße 91 Di. 28.04. | 19.00 Uhr | Vortrag von Julia C. David, Consulting und Coaching "Achtsames Energiemanagement-bewusster Umgang mit den Signalen unseres Körpers" | Stadtbücherei Offenbach, Herrnstraße 84 Sa. 09.05. | 11.00 – 13.00 Uhr | Spaziergang von OF Bieber über die Gemaa Tempelsee und den Wetterpark zum Tierheim mit Einkehr, geführt von Monika Krämer, Stadtführerin. Unkostenbeitrag 5,- e Treffpunkt: Sankt Nikolaus, kath. Kirche Offenbach Bieber Do. 28.05. | 19.30 Uhr | Literatur zur Werkzeit-Präsentation der Anthologie mit Musik in Anwesenheit der Autoren und Autorinnen Peters' Bakery, Friedrichstraße OF, Unkostenbeitrag: S t a d t16,ma g a z i n 5,- e Anmeldung erbeten unter info@frauen-fuer-offenbach.de oder 069/85709005

Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag 2015

Internationaler Frauentag 2015

K

Wir haben Geschichte geschrieben – Zur Arbeit der DGB Frauen 1945-1990 Mo. 09.03. | 18.30 Uhr | Stadtbibliothek OF, Herrnstraße 84 Die Journalistin und Publizistin Sibylle Plogstedt – bekannt auch als Mitherausgeberin der Berliner Frauenzeitung 'COURAGE' – präsentiert ihr Buch über die Geschichte der Gewerkschaftsfrauen nach 1945. Das Buch ist zugleich eine Sozialgeschichte der Frauen, ihrer Kämpfe um Gleichberechtigung und eine Beschreibung ihrer Lebenssituationen. Zeitzeuginnen aus Offenbach werden im anschließenden Gespräch von ihren Erfahrungen berichten. Veranstalterinnen: DGB-Frauen OF im DGB Südosthessen & Frauenbüro OF

Projektvorstellung: "Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung in Offenbach" Di. 24.03. | 16.00 Uhr | pro familia Offenbach, Domstr. 43 Eine bessere medizinische Versorgung nach einer Vergewaltigung und die Möglichkeit einer anonymen Befundsicherung sind die Eckpunkte eines neuen Hilfsangebotes. Bettina Witte de Galbassini, Ärztin der pro familia und Karin Dörr, Kommunale Frauenbeauftragte, stellen das Projekt vor. Im Kooperationsverbund übernehmen das Sana Klinikum und das Ketteler Krankenhaus die medizinische Versorgung. Veranstalterin & Kontakt: pro familia Offenbach, Anmeldung bitte an: offenbach@profamilia.de, Infos: www.offenbach.de/fuer-frauen-und-maedchen/


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Erleben

erleben

'Malte Sonnenfeld' zu Gast in der afip ICONS & STILLS im comicartigen, farbenfrohen Neo-Pop-Stil von Malte S. alias Michael Koslar, prominenter Ur-Kölner, Moderator mit eigenen TV-Shows und Maler.

05. März | 20.30 Uhr | Vernissage | Finissage am 14. März mit Lesung von Michael Koslar und Albrecht Koch afip, Ludwigstr. 112a/Goetheplatz

Auftaktveranstaltung: Ein Masterplan für Offenbach Vorträge und Infos zum Masterplan. Vorschläge und Ideen der Besucher/innen sind ausdrücklich erwünscht. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich um einen Platz in den beiden Planungsgruppen bewerben (zu den Themen Wirtschaft und Wohnen). Weiter Infos: www.masterplan-offenbach.de

06. März | 18.00 Uhr | EVO-Veranstaltungshalle 'Alte Schlosserei' am Goethering

KJK Sandgasse

Sandgasse 26 | OF | Tel.: 069 8065-3969 |VVK: www.ad.ticket.de – KJK

Sa. 07. 03. | Hamburg Blues Band - feat. Miller Anderson & Maggie Bell Samstag, 07.03.2015 Beginn: ab 20:00 Uhr Hamburger Blues-Urgestein trifft auf Schottlands Bluesrock-Elite. Miller Anderson spielte u. a. bei Spencer Davis Group, Jon Lord, Deep Purple, Donovan, Savoy Brown, Mountain, Blood Sweat & Tears, ……. Einlass: 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr | 17,- e VVK + Gebühr/21,- e AK

Di. 10.03. | Pat McManus Band Epitaph & Man

Dienstag, 10.03.2015 Beginn: ab 20:00 Uhr Nord – Irlands absoluter Gitarrenhexer spielt Offenbach mal wieder schwindelig. Einlass: 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr | 16,- e VVK + Gebühr/20,- e AK

Sa. 18.04. | Epitaph & Man Epitaph (D) & MAN (GB) das Doppelkonzert – Special der Sonderklasse. Die deutschen Rockklassiker und danach aus England die Endlos-Improvisationskünstler in einem Doppel-Pack. Einlass: 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr, Eintritt: 20,- e zzgl. VVK-Gebühren, AK 25,- e

Fr. 29.05. | Native American Day 2015 Native American Day bringt Zeitgeschichte, Stories und Musik nach Offenbach. Indianische Geschichte und Kultur. Wade Fernandez & Mitch Walking Elk Beginn ab 19.00 Uhr, Eintritt: 8,- e zzgl. VVK-Gebühren, AK 10,- e In Kooperation mit dem Verein zur Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte TOKATA – LPSG RHEINMAIN Wade Fernandez & Mitch Walking Elk

Alle Programminfos unter: www.offenbach.de/offenbach/themen/ unterwegs-in-offenbach/vk-kjk-sandgasse-konzerte/

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erleben

erleben

Rumpenheimer Kunstfrühling 2015 am Sa. 14. und So. 15. März zeigen Rumpenheimer Kunsthandwerker, Künstler und Designer ihre Arbeiten. Lika Schmodsien (Textil), Wolfgang Uhl (Schmuck), Jutta Hingst (Radierungen), Chris Reinelt (Glas), Eberhard Lacher (Holz), Birgit Palt (Porzellan) und Regina Bahmann (Malerei) öffnen von 13.00 - 18.00 Uhr ihre Ateliers und Werkstätten. Allen Liebhabern schöner Dinge bietet diese Verkaufsausstellung die Gelegenheit, sich vor Ort von den anspruchsvollen Arbeiten ... made in Rumpenheim zu überzeugen.

bam Buchladen am Markt

www.buchladenammarkt.de

Do. 26. März | 20.00 Uhr: „Kleine Lesbarkeiten“ mit Sarah C. Baumann und Frank Geisler vom Theater t-raum. Ort: bam, Wilhelmsplatz 12

Do. 23. April | Welttag des Buches | 19.30 Uhr: Lesung mit Thomas Meyer aus „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ Ort: Stadtbibliothek, Herrnstr. Fr. 29. Mai | „writers in exile“ | 20.00 Uhr: Erik Arellana Bautista, stellt seine Arbeit vor. In Zusammenarbeit mit Dr. Kirsten Prinz/Justus-Liebig-Universität, P.E.N. Deutschland und der Stadtbibliothek. Ort: afip, Ludwigstr. 112a/Goetheplatz

Kunst im Komm

Kunstverein Offenbach im KOMM, Aliceplatz (1. Stock, neben Thalia).

www.kunstverein-offenbach.de 21.03. – 11.04. | Künstlerinnen vom Kunstverein ART Baden Baden Ausstellung mit Arbeiten von Edeltraut Roske, Diana Gier und Gisela Weresch. Vernissage am 21.03. ab 18.00 Uhr

Lesungen und Veranstaltungen Sa., 07.03.|14.30 Uhr|“Phantastische Kurzgeschichten”: Lesung, Dieter Stiewi Sa., 14.03.|16.00 Uhr|“Lyrische Reiseskizzen und humorvolle Liebesgeschichten”, Lesung aus Literatur zur Werkzeit: Katharina Eismann, Ingrid Walter Sa., 21.03.|16.00 Uhr|“Prosagedichte und Phantastische Geschichten”, Lesung aus Literatur zur Werkzeit: Gisela Wölbert, Leo Pinkerton Fr., 27.03. |16.00 Uhr|Abschlussfeier zur künstlerischen Schulung junger Menschen (Joblinge-Stiftung); mit dem Offenbacher Künstler Horst Kolbinger Sa., 28.03. |16.00 Uhr|“Aphorismen – Prosagedichte – Kurzgeschichten”, Lesung aus Literatur zur Werkzeit: Johann Kneißl, Malgorzata Scholz Sa., 11.04.|16.00 Uhr|“Entführt!” Lesung von und mit Dieter Stiewi aus seinem zweiten “Offenbach Krimi” Sa., 02.05.|14.30 Uhr|“Phantastische Kurzgeschichten”: Lesung, Dieter Stiewi

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Mo., 04.05.|15.00 Uhr|Das Freiwilligenzentrum Offenbach FzOF berät zur Freiwilligenarbeit


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erleben

erleben

Theater im t-raum Wilhelmstr. 13, OF, www.of-t-raum.de Die t-raum Produktionen: 'Gut gegen Nordwind', 'Hand in Hand' und 'Leben und sonst gar nichts' stehen weiter auf dem Programm. (Termine und Infos: www.of-t-raum.de). Außerdem:

PREMIERE: Johan vom Po entdeckt Amerika

Johan vom Po

Komödie von Dario Fo, t-raum-Produktion mit Frank Geisler; Regie: Sarah C. Baumann Die Geschichte der Entdeckung Amerikas aus der Perspektive eines respektlosen, schlauen Bauern aus der Poebene, der auf der Flucht vor der Inquisition unversehens auf das Schiff von Christoph Kolumbus gerät. In der Neuen Welt angekommen schlägt er sich auf die Seite der Indianer und beginnt eine abenteuerliche Reise durch den Kontinent. Eine komödiantisch-böse Schelmengeschichte. Fr. 08.05./Sa., 09.05./Fr. 15.05./Sa. 23.05./Fr., 29.05./ Sa. 30.05./Sa., 06.06. | jeweils 20.00 Uhr

Reihe WinterWortKlangRaum: Fr. 20.03. | 20.00 Uhr | Schaumrollen und Blutwurst Ein Alpenkrimi – kabarettistische Lesung mit Thomas J. Hauck Sa. 18.04. | 20.00 Uhr | Rose Special Cocktail/Mix Gastspiel Compagnie Zeitlos Ein bunter Querschnitt sowie Neues aus dem Leben der quirligen, charmanten, vielseitigen und verführerischen jungen Dame.

Rose Special

BOK - Bund Offenbacher Künstler ww.bok-of.de

Galerie Salon 13 Zollamt Studios, 3. St., Raum 305, Frankfurter Str. 91 Zeichnungen von Andrea Catania |12. – 28.03. | 60 Dezibel – Zeichnungen von Rahoulla Torabi 23.04. – 09.05. | Kooperation mit der Eulengasse

STILLE – Arbeiten von bok-Mitgliedern zum Thema |28.05. – 14.06. |

Andrea Catania

Vernissage jeweils 19.00 Uhr

Genussverstäker ww.die-genussverstaerker.de.de Bernardstr. 63 a/Goetheplatz, Anmeldung unter: info@die-genussverstaeker.de So. 22.03. | 16.00 Uhr | Irland Whiskeys – Whiskey-Tasting und Reisebericht von Brigid Reisen So. 19.04. | 16.00 Uhr | Rosé ist cool – Rosé überraschend anders! (Weinverkostung) Sa. 09.05. | 19.00 Uhr | Whisky & BBQ 71


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sehenswert n Haus der Stadtgeschichte Di, Do, Fr: 10.00 bis 17.00 Uhr Mi: 14.00 bis 19.00 Uhr Sa. und So: 11.00 bis 16.00 Uhr Eintritt: 2,50 v Infos unter: www.offenbach.de

Haus der Stadtgeschichte Herrnstr. 61, OF Klaus Puth: »Puth, Punkt, Komma, Strich…« | 29.03. – 26.04. So. 29.03. | 15.00 Uhr, Eröffnung Spielen, ausprobieren und sich ständig neu erfinden ist – neben dem Humor – die wichtigste Grundlage für die Arbeit des Karikaturisten Klaus Puth. Gänse und ihr schräges Alltagsleben begleiten Klaus Puth seit Jahren und haben mittlerweile mit Yoga übenden Kühen zeichnerischen Zuwachs erhalten. Dennoch sind Cartoons nur ein Teil seiner Arbeit. Er hat Grafikserien u.a. zum »Simplicissimus« des Barockdichters Grimmelshausen und zu den Märchen der Brüder Grimm geschaffen. Klaus Puth studierte an der HfG bei Kurt Steinel, Rudolf Küfner und Hans Traxler. Barbara Greul Aschanta: »Imago« | 03. – 24.05 Objekte und Installationen zum Menschen. So. 03.05. | 15.00 Uhr, Eröffnung

Intenationaler Museumstag am 17. Mai | ab 11.00 Uhr

Barbara Greul Aschanta

n DLM Deutsches Ledermuseum/Schuhmuseum www.ledermuseum.de Di. bis So.: 10.00 bis 17.00 Uhr Eintritt: 6,00 e /erm.: 3,00 e

DLM Deutsches Ledermuseum Frankfurter Str. 86, OF Sonderausstellung: Taschen! noch bis 26.04. Tradition und Qualität – Recycling und Upcycling – Veredelung. Das sind die Leitlinien, nach denen wir 16 Kleinserienhersteller außergewöhnlicher Lederwaren zur Ausstellung gebeten haben. Gestalter/innen aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und Portugal zeigen neue Lösungen für bekannte und neue Aufgaben. Lichter Filmfest Frankfurt International Do. 10.03. | Verliebt, Verlobt, Verloren Test-Screening mit Regisseurin und Teams, anschließend: Filmgespräch So. 22.03. | Tatort: Im Schmerz geboren In Anwesenheit des Filmteams, anschließend: Filmgespräch Einlass jeweils ab 19.30 Uhr, Filmbeginn 20.00 Uhr, Eintritt: 8,- Euro

Kino Kulinarisch Fr. 27.03. | Grand Budapest Hotel Ein knallbuntes Vergnügen, landestypisch serviert mit ungarischem Gulasch und Serviettenknödeln und Törtchen nach dem Rezept der Patisserie Mendl’s. Einlass & Essen ab 18.30 Uhr, Filmbeginn 20.00 Uhr, Eintritt 8,- Euro (exkl. Essen)

neue Filmreihe „The Soundtrack of Our Lives“ Fr. 10.04. | Jackie Brown (OmU), anschließend Musik von Double D Unsere neue Filmreihe vereint Lieblingsfilme, herausragende Soundtracks und DJProgramm. Dazu gibt es jeweils einen Drink, der den Film, die Musik, die Stimmung angemessen stilvoll, kühl und süffig repräsentiert. Einlass & Bar ab 19.00 Uhr, Filmbeginn 20.00 Uhr, Eintritt 8,- Euro (inkl. DJ-Set) 72

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sehenswert Hessische-Amateur-Film-Festspiele HAFF im DLM Sa. 21.03. | ab 9.00 Uhr, Filmclub Offenbach e.V., Eintritt: frei Auf der HAFF werden die besten Filme hessischer Filmautoren gezeigt. Es wird bewertet und entschieden, ob sie den Anforderungen für Bundeswettbewerbe entsprechen und dort teilnehmen dürfen. Die Filmlänge ist auf 25 Min. begrenzt.

n Klingspor-Museum Di, Do, Fr: 10.00 bis 17.00 Uhr; Mi: 14.00 bis 19.00 Uhr; Sa und So: 11.00 bis 16.00 Uhr, Eintritt: 2,50 e, erm: 1,50 e

Klingspor-Museum Herrnstr. 80, OF, www.klingspor.de „Handverlesen“. Künstlerbuchschätze aus der Universitätsbibliothek Frankfurt. Seit 2012 sind die Frankfurter Künstlerbücher Forschungsgegenstand eines von der Kunsthistorikerin Dr. Viola Hildebrand-Schat geleiteten wissenschaftlichen Seminarprojekts, das mit der vorliegenden Ausstellung seinen Abschluss erfährt. Projektbeteiligte sind die UB Frankfurt, das Klingspor-Museum Offenbach und das Kunsthistorische Institut der Goethe-Universität Frankfurt. Mi. 04.03. | 19.00 Uhr | Eröffnung | Ausstellungsdauer bis So. 03.05. Fr. 06.03. | 19.00 Uhr | Buch des Monats. Hans Eckert, Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Frankfurt, führt durch die aktuelle Ausstellung. Im Rahmen der Führung wird als eines der herausragenden Werke der Ausstellung David Hockneys Meisterwerk „Six Fairy Tales from the Brothers Grimm“ präsentiert. Das großformatige, mit zahlreichen Original-Radierungen illustrierte Buch stellt mit seiner Vielschichtigkeit und seinen versteckten kunsthistorischen Bezügen eine Verbindung sowohl zwischen Literatur und Kunst als auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart her. Eintritt: 4,- Euro Sa. 07.03. | 15.30 - 17.00 Uhr | Familiennachmittag Experimentelles Drucken. Offener Workshop für Familien mit Kindern ab 5 Jahren mit Dr. Dorothee Ader. Eintritt: 2,50 Euro Do. 12.03. | 19.00 Uhr |Theater t-raum zu Gast im KlingsporMuseum: 'Lola Blau' Musical für eine Schauspielerin von Georg Kreisler. Erzählt wird die Geschichte einer jungen, talentierten, jüdischen Schauspielerin, die 1938 aus ihrer Heimat Österreich vertrieben wird, sich in Schweizer Nachtlokalen mit Tingel-Tangel über Wasser hält, in die USA emigriert, in Hollywood Erfolge feiert und 1950 hoffnungsvoll heimkehrt. Eintritt: 12,- Euro Sa. 25.04. | Nacht der Museen Mi. 06.05. | 15.30 - 17.00 Uhr | Familiennachmittag Offener Workshop für Familien mit Kindern ab 5 Jahren mit Dr. Dorothee Ader. Eintritt: 2,50 Euro Do. 07.05. | 19.30 Uhr | Buchpräsentation: Punktierungen des Bösen. Das Buch enthält Texte der begleitenden Vortragsreihe zur Ausstellung Menschen. von Bernd Fischer, die erstmalig 2014 im Klingspor Museum zu sehen war. 2015 wird die Ausstellung von der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg gezeigt.

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mut&liebe tv –

neue folge jetzt online „Kunst & Kultur – was bringt’s der Stadt?“ Auf unserem YouTube-Kanal ist eine neue Folge der Internet-Talkshow „Mut&Liebe im Ring“ zu sehen. Kulturpolitiker Lutz Plaueln (SPD) diskutiert mit Lutz Jahnke (r.), dem Gründer der „Akademie für interdisziplinäre Prozesse“, über die Rolle von Kunst und Kultur in der Stadt Offenbach. Der QR-Code zur Sendung:

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Leonore Poth | www.leonorepoth.de