Mut&liebe ausgabe 112014 Fahrrad - Vergangenheit mit Zukunft

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Gourmet

einer spanischen Familie bekam er das Angebot, ihren Internetversandtservice für Orangen zu testen. Also buk er Orangenkuchen. Und einer seiner Lieblinge: der Käsekuchen, der in Flugzeugen in der Business­Class serviert wird und für den er ein eigenes Rezept entwickelte. Doch Kuchen schmeckt nicht nur gut, sondern kann auch viel bewegen. Mit seinem Projekt „Lieb doch wen du willst“ zeigt Tobias, dass man auch mit Kuchen gegen Diskriminierung und Gewalt ankämpfen kann.

von tobias dem 'kuchenbäcker' aus offenbach Neuling in der Welt der Blogger, brachte er sich das nötige Handwerkszeug selbst bei. „Eine große Herausforderung ist noch das Fotografieren der Leckereien.“ Für 'den Kuchenbäcker' ist es wichtig, dass die Bilder in seinem Blog den Kuchen so zeigen, wie er aus dem Ofen kommt. Vielleicht ein bisschen zu dunkel oder zu hell, doch es wird nichts wegretuschiert. Und auch auf ungenießbare Fondante verzichtet er. „Ich will die Leute zum Backen anregen. Wenn dann ihre Ergebnisse anders aussehen als meine sind sie enttäuscht.“ Tobias ist nicht der Einzige, der über das Backen schreibt, denn Backblogs erleben zur Zeit eine Renaissance. Um in der Masse nicht unterzugehen, muss man einzigartig sein. Pro Tag erhält 'der Kuchenbäcker' 2000 bis 2500 Klicks und zählt eindeutig zu den erfolgreicheren. „Ich bin ein Mann.“, erklärt Tobias seinen Erfolg, „Viele Männer schämen sich, ihre Leidenschaft fürs Backen öffentlich zu machen. Mit dem Bratenspieß in der Hand ist das kein Problem, doch als Backblogger bin ich einer der Wenigen.“ Dazu sind seine Rezepte ungewöhnlich kreativ. Inspirationen findet er auf ganz verschiedene Weise. Als ein Kollege ihm ein Stück Zitronenkuchen mitbrachte, erinnerte ihn der Kuchen so sehr an seine Kindheit, dass er die Großmutter des Kollegen ausfindig machte, um sie nach dem Rezept zu fragen. Von m u t & l i e b e Juni/juli/august 2014

Als er auf die Kampagne des Magazins GQ aufmerksam wurde, die sich anlässlich der Winterspiele in Sotschi gegen Homophobie wendete, reifte in ihm der Entschluss, ebenfalls etwas zu unternehmen. „Erst wusste ich nicht, was ich machen kann. Ich bin ja schließlich kein berühmter Fehrnsehstar.“ Doch dafür ist er Blogger und genießt die nötige Aufmerksamkeit. Geplant war eine 12-­tägige Aktion, für die 12 Blogger an je einem Tag eine Back-­ oder Dessertidee gegen Homophobie posten sollten. Als er sich auf die Suche nach Mitstreitern begab, stieß sein Projekt auf so große Resonanz, dass sich am Ende 56 Freiwillige dazu bereit erklärten, ihre Rezepte beizusteuern. Das Event berührte nicht nur die Menschen in Deutschland, sondern fand auch Follower in Österreich und der Schweiz. Mit einem solchen Erfolg hatte Tobias nicht gerechnet. (mb)

Alle Kuch enfotos: © Tobia s Mülle r

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