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4. Klasse - und was dann? Weg Jedes Kind findet seinen Erfahrungen und Meinungen von Schülern und Eltern Interview mit Montessori-Schulleiter Herbert Winter „Montessori klingt ja prima, aber kommen die Kinder hinterher auch an einer Regelschule mit Frontalunterricht und Notendruck klar?“. Solche Fragen treiben viele Eltern schon um, wenn sie noch ein Vorschulkind haben. Und so manch einer wird nach glücklichen Montessori-Grundschuljahren nervös, wenn sein Kind in der 3. oder spätestens 4. Klasse ist. Monti aktuell hat Schüler und Eltern verschiedenster Jahrgangsstufen und Schularten gefragt, welchen Weg sie nach der 4. Klasse eingeschlagen haben, wie es ihnen dabei ergangen ist und was sie für ihr späteres Schulleben mitgenommen haben aus der Montessorizeit. Pascal , 9. Kl. Gymnasium Ich habe nach vier Jahren Montessorischule das Dientzenhofer Gymnasium in Bamberg ausgewählt, weil mein Freund Moritz auch dorthin wollte. Die Umstellung auf die neue Schule war für mich sehr anstrengend, weil ich in der 5. Klasse schon viel Nachmittagsunterricht hatte. Deshalb blieb mir nicht viel Freizeit für das Fußballspielen. Die Schulklassen waren viel größer und der Unterricht sehr ungewöhnlich, durch das ständige Sitzen und Zuhören. Die Noten finde ich nicht schlimm, auch wenn einmal eine daneben geht. Die praktische Arbeit u.a. durch das Montessori-Material oder durch Projekte konnte ich bereits in vielen Situationen anwenden. Deshalb vermisse ich die Freiarbeit.

gabe s u a r e d Son 2013 Februar

Außerdem gefielen mir die Geburtstagsfeiern und die Vorweihnachtszeit, die es in dieser Form im Gymnasium nicht mehr gibt.

„Die Schulklassen waren viel größer und der Unterricht sehr ungewöhnlich, durch das ständige Sitzen und Zuhören.“ Pascal, Gymnasium

Anne 6. Kl. Realschule Nach der Montessori-Schule habe ich mir die Maria-Ward-Realschule zusammen mit meinen Eltern angeschaut. Sie hat mir sehr gut gefallen, weil wir bei der Vorstellung freundlich aufgenommen wurden. Der Unterschied zur Montessori-Schule war nach dem Wechsel für mich nicht sehr groß, weil es sich bei der Maria-Ward-Realschule auch um eine Privatschule handelt. Ich wurde vom ersten Tag an sehr gut integriert. Der Umstieg auf Frontalunterricht hat mir nicht viel ausgemacht, da ich jemandem gut zuhören kann. Die Freiarbeit in der MontessoriSchule hat mir nicht nur Spaß gemacht. Angst vor Noten habe ich keine, ich finde es sogar spannend, Noten zu bekommen. Meistens habe ich gute Noten. Durch die zahlreichen Referate in der Montessori-Schule konnte ich mir großes Selbstvertrauen aneignen. Das selbständige Arbeiten habe ich an der Montessori-Schule gelernt. Meine Englischlehrerin hat meine Mama einmal gefragt, an welcher Schule ich vorher war, weil ich so gut organisiert bin. Großen Spaß hatte ich in der MontessoriSchulzeit immer in den Pausen, da ich mit meinen Freundinnen zum Spielen

viel mehr Zeit hatte. Das vermisse ich jetzt ebenso wie die damaligen Freundinnen. Eltern von Anne und Pascal Die Kinder haben den Probeunterricht besucht und den Übertritt mühelos bestanden. Außerdem war es ihr Wunsch, auf weiterführende Schulen zu gehen. Aus der Montessori-Zeit vermissen wir den intensiveren Kontakt zu den Lehrkräften sowie zu den Eltern und den Kindern. Der Druck auf die Kinder war an der Montessori-Schule weitaus weniger als es an den weiterführenden Schulen der Fall ist. Die kleineren Klassen sowie die Anzahl der Lehrkräfte waren ein großer Vorteil. Sehr positiv haben wir die Jahrgangsmischung empfunden, obwohl wir dazu anfänglich Bedenken hatten

„Hauptsächlich am Gymnasium stehen die Kinder unter einem großen Zeitdruck durch Nachmittagsunterricht, Hausaufgaben etc., so dass wenig Zeit für Hobbys und Freunde bleibt.“ Eltern von Anne und Pascal

Toni , 5. Kl. Montessorischule Im April 2009 kam ich während der 1. Klasse als Quereinsteiger in die Birkenklasse zu Gardis und Birgit. Eigentlich meinten alle Erwachsenen ich gehöre nach der 4. Klasse auf ein Gymnasium, weil ich ganz gut bin in der Schule und mir Lernen leicht fällt. Ich wollte aber lieber an meiner Schule bleiben. Ich kannte das Regelschulsystem ja schon und wollte nicht mehr so lernen. Ich fand es blöd, dass dort die Lehrerin vorne stand und sagte was alle zu machen hätten. Mich nervte, dass alle zur gleichen Zeit das Gleiche machen mussten, egal ob sie es schon konnten oder noch nicht verstanden hatten. Mir liegt die Art des Lernens hier viel besser und macht mir mehr Freude. Ich finde es gut, dass wir hier nicht so unter Druck stehen und an einem bestimmten Tag für die Schul-

Monti aktuell


Monti aktuell aufgabe alles können müssen. Obwohl mir die Tests die wir jetzt schreiben Spaß machen. Noten brauche ich persönlich dazu nicht. Ich kann ja an den Punkten abschätzen, wie gut ich bin. Meine Eltern hatten Angst, dass ich nicht genug gefördert werde. Ich finde das überhaupt nicht. Ich arbeite einfach in meinem Tempo und meine Lehrerin Anja gibt mir manchmal schwerere Aufgaben. Insgesamt finde ich, dass wir in der Sekundarstufe mehr, schneller und intensiver lernen. Wir haben aber viel weniger Material. Dass wir jetzt mehr Englisch haben, finde ich super. Ich bin froh hier zu sein und kann den Viertis nur empfehlen zu bleiben. Aber wenn sie an die Regelschule wollen, ist es auch okay. Hauptsache, sie treffen die für sie passende Entscheidung. Und ich wünsche ihnen auch Eltern die sie unterstützen, egal wie sie sich entscheiden.

auf die Frage in welche Schule er geht? In der Grundschule waren wir stolz, sagen zu können, das Kind gehe auf die Montessorischule. Und jetzt? Gymnasium hört sich nun mal „besser“ an als Sekundarstufe oder Hauptschule. Da kommen Klischees auf, auch bei uns. Es folgten viele Gespräche in der Familie, mit Freunden, seinen Lehrkräften. Letztlich entschlossen wir uns gemeinsam für das Beste – ein glückliches Kind! Toni versprach sich anzustrengen, den M-Zweig zu machen und evtl. später die MOS anzuschließen. Seit September geht er nun in die Amethystklasse zu Anja, Lisa und Flo und fühlt sich sehr wohl. Morgens verlässt er gutgelaunt das Haus und kommt zufrieden zurück. Er lernt weiterhin eifrig, mit Freude und wir haben alle das Gefühl „es passt“. Im Moment glauben wir, es war die richtige Entscheidung und darüber sind wir glücklich. Für die tolle Unterstützung und offenen, ehrlichen Gespräche bedanken wir uns ganz besonders bei seinen Lehrerinnen Gardis, Birgit& Anja… und unserem Heilpraktiker Markus Schmitt.

„Er ‚soll aufs Gymnasium, will es aber gar nicht‘. Das tat weh! Wir wollten wie alle Eltern doch nur das Beste für unser Kind und dachten bis dato es sei in seinem Sinn.“ Eltern von Toni

„Ich kann den Viertklässlern nur empfehlen, an der Montessorischule zu bleiben. Wenn sie an die Regelschule wollen, ist es auch okay. Hauptsache, sie treffen die für sie passende Entscheidung“ Toni, 5. Klasse Montessori-Sekundarstufe

Ingrid und Helmut, Eltern von Toni Aufgrund seiner Leistungen und Interessen schien Tonis Schullaufbahn eigentlich klar. Die Frage war für uns nie ob, sondern auf welches Gymnasium er gehen würde. Bis er wegen eines Hautekzems in Behandlung war und dort von seinem Leidensdruck erzählte. Er „soll aufs Gymnasium, will es aber gar nicht“. Das tat weh! Wir wollten wie alle Eltern doch nur das Beste für unser Kind und dachten bis dato es sei in seinem Sinn. Es begann eine heftige Zeit des Haderns und Abwägens. Vom Herzen her konnten wir seinen Wunsch verstehen. Aber der Verstand und das Umfeld brachten uns immer wieder ins Zweifeln. Ist er vielleicht nur zu faul? Will er sich nicht anstrengen (O-Ton: quälen!)? Bleibt er dann nicht hinter seinen Möglichkeiten? Kann er so eine Entscheidung überhaupt treffen? Kämen wir mit späteren Vorwürfen klar, wenn wir ihn gegen seinen Willen aufs Gymnasium schicken? Wie reagiert er dann, wenn er jetzt schon körperliche Symptome zeigt? Eine erschreckende Erkenntnis die hinzukam … das Ego! Was antworten wir

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Leonie, Montessorischülerin1. bis 9. Kl., Quali.-Hauptschulabschluss, jetzt Ausb. zur Einzelhandelskauffrau,1. Lj. „Ich vermisse jetzt noch oft die Montessorischule. Die Lehrer waren cool und lieb, die haben sich um jeden von uns gekümmert. Natürlich waren sie auch mal streng, das musste ja sein. Es war toll, mit dem vielen Material zu lernen, das vermisse ich jetzt an der Berufsschule auch sehr, wo wir einfach nur Arbeitsblätter haben. Ich habe problemlos eine Ausbildungsstelle gefunden. Ich hatte nur drei Bewerbungen geschrieben und von allen bekam ich eine Zusage. Es war schon eine große Umstellung, den ganzen Tag zur Arbeit zu gehen. Aber durch die vielen Praktika während der Schulzeit hatte ich das ja schon kennen gelernt.“

„Ich hatte nur drei Bewerbungen geschrieben und von allen bekam ich eine Zusage.“ Leonie, Auszubildende

Leonies Vater „Leonies sechs Jahre älterer Bruder war an der Regelschule und ist dort die meiste Zeit ungern hingegangen. Er fühlte sich in seinen Interessen nicht so verstanden und ist häufig angeeckt. Daher wollten wir für unsere Tochter Leonie, dass sie sich frei entwickeln kann und haben uns für die Montessorischule entschieden. Darüber waren wir immer sehr glücklich, Leonie hat gerade vom Sozialverhalten her viel Wertvolles mitbekommen und ein selbstständiges

Arbeiten entwickeln können. Der Zusammenhalt in der Klasse und auch mit den Lehrern, war einfach prima. Sie hat sich so wohl gefühlt an der Montessorischule, dass sie gar nicht weg wollte. Auf Antrag durfte sie dann die 4. Klasse nochmal machen und als dann der Wechsel an die Regelschule kurz bevorstand, startete zum Glück die Sekundarstufe, so dass Leonie in Forchheim an der Montessorischule bleiben konnte. Da Leonie Prüfungsangst hat, kam ihr das Lernen ohne Noten und Prüfungen sehr entgegen. Auf den Quali wurde sie an der Montessorischule gut vorbereitet, so dass es dann auch problemlos geklappt hat.“

„Leonie hat gerade vom Sozialverhalten her viel Wertvolles mitbekommen.“ Vater von Leonie

Marvin, 5. Kl. Gymnasium Nach vier Jahren MontessoriGrundschule habe ich auf das Gymnasium gewechselt, weil es ein naturwissenschaftliches Gymnasium ist, das interessiert mich sehr. Außerdem ist dort schon ein Freund von der Monti und das Gebäude hat mir gut gefallen. Der Wechsel war für mich ein bisschen aufregend, aber auch sehr spannend. Schwer war es, gleich von Anfang an so viele Hausaufgaben zu bekommen. Den Frontalunterricht finde ich gut. Es ist viel übersichtlicher; wenn der Lehrer erklärt, ist es für die ganze Klasse wichtig. Es ist eine schöne Abwechslung zur Freiarbeit Ich finde es relativ gut, Noten zu bekommen, denn dann hat man schnell eine Info über den eigenen Wissensstand. An der Montessorischule habe ich viel Grundwissen mitbekommen und dass ich selbständig arbeiten kann. Ich vermisse vieles aus der Montessori-Schulzeit. Zum Beispiel die „Parteilosigkeit“: es gibt an der Monti keine Gruppen, die andere Kinder wegen ihres Aussehens oder anderen Sachen ausgrenzen; die tolle Klassengemeinschaft, die Lehrer waren alle viel netter; ich konnte viel mehr selbständig für mich allein arbeiten. Was ich jetzt besser finde, ist, dass das Arbeiten geordneter ist, als wenn jeder das macht was ihm gefällt. Die neuen Fächer wie Geographie und vor allem Natur & Technik gefallen mir gut.

„Es gibt an der Monti keine Gruppen, die andere Kinder wegen ihres Aussehens oder anderen Sachen ausgrenzen (so wie jetzt am Gymnasium)“ Marvin, Gymnasium Melanie und Andy , Eltern von Marvin:

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Monti aktuell Es stand Marvin völlig frei, an der Monti zu bleiben und die Hauptschule zu besuchen oder auf ein Gymnasium zu wechseln. Für ihn stand jedoch ziemlich bald fest, dass er unbedingt auf das EGF wollte. Marvin hat vier wunderbare Jahre an der Monti im „Gepäck“, angefüllt mit Hilfreichem wie dem sehr selbständigen Arbeiten, dem Einschätzenkönnen der eigenen Fähigkeiten und Leistung, dem Neugierigsein auf Sachverhalte und Zusammenhänge; aber auch mit den Fähigkeiten, eine eigene Meinung zu haben und diese auch vertreten zu können; auch Toleranz gegenüber Mitmenschen zu zeigen, die „anders sind“ .Vieles von diesen Eigenschaften vermissen wir als Eltern am EGF bei Lehrern und Schülern. Das Schulleben mit fast 1300 Schülern und über 100 Lehrern findet natürlich viel anonymer statt als wir es bisher kannten; es fällt uns schwer, uns daran zu gewöhnen; auch als Eltern kommen wir uns ein wenig verloren vor, wenn wir das Schulgebäude betreten. Ein Beispiel für unser Fremdfühlen: Das Ermitteln des Klassenelternsprechers gestaltete sich äußerst schwierig: niemand meldete sich freiwillig, viele schauten einfach weg – so kannten wir das nicht. Schließlich hat sich Andy dafür gemeldet – was ist diese Aufgabe verglichen mit der Arbeit, den Ideen und der Zeit, die wir als Eltern an der Monti einbringen? Mehr schätzen zu können außer der Fächerauswahl und den Möglichkeiten, die sich Marvin nach dem Abitur bieten können, dafür brauchen wir wohl noch ein wenig Zeit. Marvins Erfahrung mit der Ausgrenzung von einzelnen Schülern lässt erahnen, was er bisher inner- und außerhalb des Klassenzimmers „gelernt“ hat; wir wünschen ihm, dass zumindest seine Klasse im Laufe der Zeit zu einer starken Gemeinschaft zusammenwächst. Als Förderlehrerin möchte ich noch anmerken, dass ich angesichts mancher Arbeitsblätter, Hefteinträge, Schulbuchinhalte und Hausaufgaben verwundert bin darüber, wie weit sich diese neue Lernwelt Gymnasium von lernpsychologischen Grundlagen entfernen kann. Hannah 9. u. Luca 8. Kl. Montessorischule Nach der Grundschulzeit sind wir für die Sekundarstufe an der Montessorischule geblieben, weil man da gut und selbständig arbeiten kann. Weil wir uns vieles mit unseren Klassenkameraden erarbeiten können. Weil es nicht nur Frontalunterricht gibt. Weil die meisten Lehrer ganz okay sind. In der Sekundarstufe ist alles etwas klarer und etwas strenger geregelt und wir haben weniger Material als in der Grundstufe. Es gibt regelmäßig Tests und wir bekommen auch gesagt was wir für eine Note (Regelschule) wir hätten. Wir finden an der Montessorischule besonders gut, dass wir unsere Arbeit zum großen Teil selbst planen können. Und dass wir noch nie Angst vor der Schule haben mussten wegen Tests oder weil wir eine Hausauf-

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gabe nicht erledigen konnten, weil wir das Thema zum Beispiel doch noch nicht verstanden haben.

„Wir mussten noch nie Angst vor der Schule haben“

Hannah und Luca, Montessorischule Siggi und Thomas, Eltern von Hannah und Luca Unsere Kinder sind in erster Linie an der Montessori-Schule geblieben, weil beide es wollten. Aus der Grundschulzeit an der Montessorischule haben unsere Kinder Selbstvertrauen und selbständiges Arbeiten und Handeln. Die Übertrittvorbereitungen erschienen uns, als würde innerhalb weniger Wochen alles zerstört, was wir ihnen durch die Montessorischule ersparen wollten - der Druck war immens. Wir empfanden auch nur eine der Schulen, über die wir uns zuvor informierten, als positiv, eine sogar erschreckend. Zugegebener Maßen war es auch etwas Eigenschutz für uns Eltern nach den vielen unschönen Regelschulerlebnissen aus Familie und Freundeskreis und eigener Schulzeit (div. Maßregelungen, Verweise, schlechte Zensuren, Ängste, Nachhilfe, Eltern die Hausaufgaben selbst machen, „Montagskrankheit“ oder echte Erkrankungen bedingt durch schulische Probleme, Scheitern der Kinder weil für viele Eltern nur noch das Gymnasium der wahre Weg zu sein scheint). Wir stehen hinter dem Schulkonzept und erachten es für sinnvoll, dass es nicht nach 4 Jahren enden muss. Zudem wirkt sich das Schulkonzept positiv auf unser ganzes Familienleben aus. Die Kinder gehen vorwiegend gerne zur Schule (auch pubertierende Montis zicken gerne mal), wir müssen nicht nachdrücklich handeln bezüglich Hausaufgaben und Lernen. Der Kontakt zu den Lehrern gestaltet sich sehr offen und unkompliziert.

schule. In die Realschule wollte ich, weil meine Schwester schon dort war und es ihr gut gefallen hat. Und die Schule ist bei uns am Ort. In der 5.Klasse in der Volksschule war unsere Klasse ziemlich anstrengend – aber sonst war’s kein Problem. An den Frontalunterricht habe ich mich schnell gewöhnt und die Noten stören mich nicht. Aus der MontiZeit profitiere ich noch von meiner Erfahrung, Referate vorzubereiten und zu halten und meine Hausaufgaben einzuteilen. Ich vermisse jetzt noch das gute Miteinander - irgendwie kannte man alle und die Busfahrer waren netter. Auch die Freiarbeit und das Arbeiten mit Material fehlen mir. Jetzt ist es einfach anders.

„Die Freiarbeit und das Arbeiten mit Material fehlen mir.“ Leah Sophie, Realschule

„Die Übertrittvorbereitungen erschienen uns, als würde innerhalb weniger Wochen alles zerstört, was wir ihnen durch die Montessorischule ersparen wollten der Druck war immens.“

Nane, Mutter von Leah Ich wollte Leah zunächst lieber in der MontiSchule lassen – ich hatte Angst, dass sie mit der Regelschule nicht zu Recht kommt. Aber sie wollte auch in die Realschule wie ihre große Schwester. Leah hat sich mit der Regeschule viel schneller arrangiert, als ich je vermutet hätte! Aus der Montessori-Grund-schulzeit hat Leah mitgenommen, sich die Zeit einzuteilen, vor den anderen frei sprechen und das Bewusstsein, dass man für sich selbst lernt. Wir vermissen die Montessorischule. Dort sind sich alle viel näher gewesen – Lehrer, Schüler & Eltern. Leah hat aus eigenem Antrieb den Probeunterricht besuchen wollen – wir wollten sie gleich für die 5.Klasse Volksschule anmelden, weil wir ahnten, dass sie im Arbeitstempo wohl noch etwas zu langsam sein würde. Ihre Lehrerin meinte, sie sollte den Probeunterricht machen dürfen, wenn sie es schon selber unbedingt will. Leah hat also mitgemacht und nicht bestanden – aber mit welcher Seelenruhe hat sie das hingenommen! Die Lehrerin sagte nämlich vorher den Kindern, dass ein NichtBestehen kein Versagen bedeutet, sondern einfach einen anderen Weg. Diese Worte hat Leah heute noch im Kopf!

Leah Sophie , 7. Kl. Realschule Nach der Monti-Schule habe ich den Probeunterricht an der Realschule besucht, aber leider nicht bestanden (ich war einfach noch zu langsam...). Deshalb ging ich für ein Jahr in die Volks-

Mutter von Leah und Lisa Lisa Marie , 10. Kl. Gymnasium Nach der Montessori-Grundschulzeit habe ich für die 5. Klasse auf die Volks-

Eltern von Hannah und Luca

„Die Lehrerin sagte [vor dem Probeunterricht] den Kindern, dass ein NichtBestehen kein Versagen bedeutet, sondern einfach einen anderen Weg.“

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Monti aktuell schule Hirschaid gewechselt, danach habe ich die Realschule Hirschaid bis zur Abschlussprüfung besucht. Die Schule ist bei uns vor Ort und ich hatte schon zu dieser Zeit mehrmals die Woche Ballettunterricht, worauf ich nicht verzichten wollte. Nach der Prüfung zur Mittleren Reife habe ich auf das TanzGymnasium in Essen-Werden gewechselt, weil ich dort nicht nur intensiven Ballettunterricht habe, sondern auch Abitur machen kann in Ballett (Leistungskurs)! An der Regelschule habe ich mich schnell an den Frontalunterricht gewöhnt. Noten zu bekommen, finde ich albern, aber es ist halt in der Regelschule üblich. In der Montessorischule habe ich eine gute Zeiteinteilung gelernt - durch Wochenplan bzw. Arbeitsaufträge für eine Woche und selbst planen, wann ich was machen kann. Außerdem weiß ich seither: Was ich nicht für mich lerne, lernt auch kein anderer für mich! Ich vermisse den familiären Umgang mit den Lehrern, anderen Eltern, Eija & Jutta und unseren Busfahrern! Auch die Freiarbeit fehlt mir – da konnte ich nach meinem Tempo arbeiten.

„Nach der Prüfung zur Mittleren Reife habe ich auf das Tanz-Gymnasium in Essen-Werden gewechselt.“

viel besser aus als die meisten Schüler (z.T. auch besser als mancher Lehrer) Das Arbeitsverhalten bei der Freiarbeit, das die Schüler trainieren, hilft bei den Gruppenarbeiten in der Regelschule – Lisa hat sich immer wieder über andere Mitschüler geärgert, die Gruppenarbeit als Pausenverlängerung betrachtet haben und mit dieser Art Unterricht nicht umgehen konnten! An der Regelschule stört uns, dass so viele Stunden ausfallen. Es ist ein leidiges Thema jetzt im Gymnasium - und ausbaden dürfen es die Schüler. Noch was zum Thema Übertritt & Probeunterricht: Lisa hat in der 4. Klasse den Probeunterricht am EichendorffGymnasium in Bamberg besucht und nicht bestanden. Sie besuchte dann die 5.Klasse in der Volksschule Hirschaid. Ihre damalige Klassenlehrerin hat sich nicht darum bemüht Kinder, die in die Realschule oder ins Gymnasium wollten, zu unterstützen – eher im Gegenteil. Ihrer Ansicht nach war Lisa gerade mal geeignet den M-Zweig zu versuchen, aber selbst da müsste sie sich noch sehr anstrengen. Also ging Lisa zum 2. Mal in den Probeunterricht – diesmal an der Realschule in Hirschaid und hatte bestanden. Sie fühlte sich an der Realschule sehr wohl, und obwohl ihr mehrmals nahe gelegt wurde, an ein Gymnasium zu wechseln, blieb sie bis zur Abschlussprüfung. Bei unseren beiden Töchtern Lisa und Leah haben wir die Erfahrung gemacht, dass ihre Lehrerin sie genau richtig eingeschätzt hatte. Sie hatte gemeint, die 5. Klasse Hauptschule könne ihnen gut tun, um das Gelernte zu vertiefen, sicherer und schneller im Arbeitstempo zu werden und danach würden sie richtig durchstarten. Genauso ist es bei beiden gekommen.

„Lisa hat in Deutsch & Mathe einiges gelernt, was normalerweise nicht Stoff der Grundschule ist: man merkt erst später, welches Wissen sich die Kinder aneignen konnten.“ Mutter von Lisa und Leah

Lisa Marie, Gymnasium Nane , Mutter von Lisa Es gab nur die Monti-Hauptschule in Erlangen, das war uns zu weit weg. Die Realschule in Hirschaid war für Lisa die beste Alternative: der Schulweg ist kurz, die Schule hat einen guten Ruf. Lisa hat an der Montessorischule mitbekommen, dass sie für sich lernt. Und sie hat auch verstanden, dass Noten nicht immer den tatsächlichen Wissenstand spiegeln. Lisa hat in Deutsch & Mathe einiges gelernt, was normalerweise nicht Stoff der Grundschule ist: man merkt erst später, welches Wissen sich die Kinder aneignen konnten! Zum Beispiel in Grammatik kannte sich Lisa

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Elias, 7. Kl. Montessorischule, davor Gymnasium An der Montessorischule habe ich die Selbständigkeit und die Art und Weise, wie man sich neuen Stoff selbst erarbeiten kann, gelernt. Nach der Grundschulzeit bin ich auf das EhrenbürgGymnasium Forchheim gegangen, weil mich das besser angesprochen hat als die Realschule Forchheim. Es war eine große Umstellung, weil es dort nur den Frontalunterricht gab. Das fand ich – ebenso wie die Notengebung - doof, weil ich es so nicht gewohnt war und mir der Unterricht in der MontessoriSchule viel besser gefallen hat. Deshalb habe ich auch nach ca. 1 ½ Jahren wieder auf die Montessori-Schule zurück gewechselt. In der Sekundarstufe muss man im Vergleich zur Grundstufe noch selbständiger arbeiten. Aber es

gibt weniger Material für die verschiedenen Fächer. Auch schön ist, dass das Arbeiten mit dem PC mehr geworden ist. Es gibt mehr Fächer und mehrere Lehrer/innen. Hier fühl ich mich einfach wohl.

„Es war eine große Umstellung, weil es dort [am Gymnasium] nur den Frontalunterricht gab. Das fand ich – ebenso wie die Notengebung - doof, weil ich es so nicht gewohnt war und mir der Unterricht in der Montessori-Schule viel besser gefallen hat. Deshalb habe ich auch nach ca. 1 ½ Jahren wieder auf die Montessori-Schule zurück gewechselt.“ Elias, Montessorischule

Gabi , Mutter von Elias Elias hat an der Montessorischule vor allem viel soziale Kompetenz, seine Freundlichkeit und Offenheit, das Wissen wie man an Neues rangeht, mitbekommen. Elias war seit der Kindergartenzeit an das „System“ Montessori gewöhnt, in der Regelschule konnte er sich nicht so einbringen, wie er sich das gewünscht hat. Er wollte unbedingt auf das Gymnasium, er wollte Latein lernen (das fand er sehr spannend – allerdings die Geschichte, nicht die Sprache an sich wie sich später herausstellte) .Wir haben am Gymnasium die Wertschätzung der Lehrer gegenüber jedem Kind vermisst, das Eingehen auf das Kind und seine Bedürfnisse, dass sich die Kinder nichts mehr selbst erarbeiten können, dass die Kinder komplett „fremdgesteuert“ lernen müssen (keine selbständige Entscheidung, mit welchem Thema/Fach sie sich beschäftigen jetzt möchten). Vorteil der Regelschule war eine leichtere Vergleichbarkeit, wo das Kind Lernstoffbezogen steht. Auch wenn mal eine schlechte Note dabei ist, kann man das insgesamt besser einordnen. Als Eltern „schwimmt“ man nicht so im Leeren, man weiß so besser, wie sein Kind im Verhältnis zum Lehrplan steht. Das macht auch eine Beurteilung leichter, ob z.B. eine anstehende Prüfung für das Kind zu meistern ist.

„Wir haben am Gymnasium die Wertschätzung der Lehrer gegenüber jedem Kind vermisst, das Eingehen auf das Kind und seine Bedürfnisse, dass sich die Kinder nichts mehr selbst erarbeiten können, dass die Kinder komplett ‚fremdgesteuert‘ lernen müssen“ Mutter von Elias

Simon,1.-4. Kl. Montessorischule, dann Gymnasium, Abitur, jetzt Azubi Nach der Grundschule bin ich auf das Ehrenbürg-Gymnasium Forchheim gegangen. Ich wollte auf´s Gymnasium, da gab es keine Möglichkeit mit Montessori. Der Wechsel war für mich kein Problem, der Frontalunterricht auch nicht. Auch mit den Noten kam ich klar, war aber froh, bis zur 4. Klasse keine bekommen zu haben. Für mein späteres Schulleben haben mir aus der Monti-Zeit das selbstständige Lernen und die Team

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Monti aktuell -Arbeit sehr genützt. Das gute Klassenklima aus der Montessorischule habe ich an der Regelschule vermisst. Ich finde aber, sowohl die Montessori-Schule als auch das Gymnasium war eine richtige Entscheidung

„Der Wechsel war für mich kein Problem, der Frontalunterricht auch nicht. Auch mit den Noten kam ich klar“ Simon, Student

Eltern von Simon Simon konnte und wollte an ein Gymnasium und somit stellte sich die Frage nicht, ihn an eine andere Schule zu tun. Mitbekommen hat er aus der Monti-Zeit Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit, die Fähigkeit mit anderen zusammen zu arbeiten, das Gefühl, wie es ist, wenn man fair miteinander umgeht. Wir haben an der Regelschule vermisst, dass das Kind als Person ernst genommen wird. Außerdem fehlte uns der partnerschaftliche Umgang sowohl zwischen Schülern und Lehrern als auch zwischen Eltern und Lehrern. Problematisch war für Simon das Akzeptieren der Autorität des Lehrers, die nur durch seine Funktion, nicht aber durch seine Persönlichkeit begründet ist.

„Mitbekommen hat er aus der Monti-Zeit Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit, die Fähigkeit mit anderen zusammen zu arbeiten, das Gefühl, wie es ist, wenn man fair miteinander umgeht.“ Eltern von Simon

Florian, 1.-9. Kl. Montessorischule Forchheim, 10. Kl. an der Montessorischule Erlangen, jetzt Auszubi Als meine Grundschulzeit zu Ende war, gab es die Sekundarstufe an der Montessorischule noch nicht. Deshalb habe ich an die Volksschule nach Hirschaid gewechselt. Das war für mich kein Problem, der Frontalunterricht war akzeptabel und die Noten nicht schlimm. Als es dann aber die Möglichkeit gab, bin ich in der 6. Klasse wieder nach Forchheim, weil in der Montessori-Schule das Klassen- und Lernklima besser war und man in seinem eigenen Tempo lernen konnte. Die 10. Klasse gab es in Forchheim noch nicht und ich wollte nicht noch mal in die Regelschule wechseln und bin deshalb nach Erlangen in die Montessori-Schule, wo ich den M-Zweig und die Prüfung zur Mittleren Reife gemacht habe. An selbstständigem Lernen und Teamarbeit bekommt man an der Montessorischule viel mit.

„In der Montessori-Schule war das Klassen- und Lernklima besser war und man konnte in seinem eigenen Tempo lernen“ Florian, Auszubildender

Eltern von Florian Nach der Grundschule wäre als Montessori-Hauptschule nur Erlangen möglich gewesen, aber das war für ihn damals zu weit und seine Freunde haben auch alle in die Hirschaider Hauptschule ge-

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wechselt. Die 2 Jahre Regelschule (5. und 6. Klasse) können wir schlecht als Maßstab nehmen, da Florian eine sehr nette Klassenlehrerin hatte und auch die Klasse selbst in Ordnung war. Der „Bruch” kam erst mit dem Eintritt in die 7. Klasse M-Zug. Mit dem Wechsel in den M-Zweig kam er in eine andere Klasse – neuer Lehrer, anderes Klima. Es war sein eigener Wunsch, in die neue Hauptschul-Klasse nach Forchheim zu gehen. Für den M-Abschluss war es dann aber kaum eine Frage den Montessori-Weg fortzusetzen. Und als 10.Klässler war auch das Fahren nach Erlangen kein Thema mehr. Aus der Montessori-Grundschulzeit hat unser Sohn Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit mitgenommen und die Fähigkeit mit anderen zusammen zu arbeiten. Anton, 6. Kl. Gymnasium Nach der Montessorischule bin ich ans Franz-Ludwig-Gymnasium nach Bamberg gegangen, weil dort mein Freund schon war, weil die Schule einen guten Ruf hat und weil es eine schöne Schule ist. Es war schon eine Umstellung. Bei der Montessorischule war's besser. Der Frontalunterricht geht schon. Noten zu kriegen finde ich irgendwie blöd, ist nicht so schön. In Ethik, sowohl in der Montessorischule als auch in der 5. am FLG, haben wir über das Thema „Noten" gesprochen, warum es überhaupt Noten gibt; es würde doch auch reichen, einfach Tests ohne Noten zu machen, um zu wissen, was man vielleicht noch lernen muss und noch nicht so gut kann. Ich habe auch inhaltlich viel Hilfreiches an der Montessorischule gelernt. In Englisch haben wir schon viel in der Monti gemacht haben. Auch in Deutsch haben wir viele Aufsätze geschrieben, was eine gute Übung für die 5. und 6. Klasse war. Die Lehrer an der Montessorischule sind netter. Später will ich selbst mal WTG-Lehrer an der Montessorischule werden, dafür brauche ich das Gymnasium.

„Später will ich selbst mal WTG-Lehrer an der Montessorischule werden, dafür brauche ich das Gymnasium.“

Anton, Gymnasium Johanna und Dieter, Eltern von Anton Wir haben uns für die Regelschule entschieden, weil Anton dies so wollte und auch die Lehrkraft meinte, dass das Gymnasium die für ihn geeignete Schulform ist. Hilfreich war sicher, einen nicht durch Notendruck beeinträchtigen Schulalltag gehabt zu haben. Auch hat sich Anton sehr viel Grundwissen angeeignet, was ihm jetzt zu Gute kommt. Wir vermissen aus der Monti-Zeit auf jeden Fall den guten Kontakt zu den Lehrern und den anderen Eltern und auch das nette und unkomplizierte Miteinander. Am Gymnasium geht es doch etwas förmlicher und unpersönlicher zu. Wir schätzen am Franz-LudwigGymnasium, dass man dort schon bemüht ist, dass die Kinder gut miteinander umgehen. Das einzige Problem ist das der Notengebung. Einerseits ist Anton mit einer guten Note zufrieden und freut sich darüber, aber andererseits wird durch sein Umfeld schon ein gewisser Druck gemacht, der dann dazu führt, dass er Sorge hat, eine schlechte Note zu bekommen. Dass dieser Druck nicht wäre, das würden wir uns wünschen.

„Wir vermissen aus der Monti-Zeit[…] den guten Kontakt zu den Lehrern und den anderen Eltern und auch das nette und unkomplizierte Miteinander.“ Eltern von Anton

Pia und Thomas, Eltern von Paulina, 6. Kl. Gymnasium Paulina hat sich selbst für das Gymnasium entschieden. Aber für diese Entscheidung war das Feedback der Montessori-Lehrerinnen sehr hilfreich. Sie konnten Paulina wirklich gut einschätzen, was auch von ihrer jetzigen Klassenleiterin bestätigt wurde. Auch für unseren Sohn Jacob (jetzt Viertklässler) steht der Übertritt an. Auch hier war das Beratungsgespräch richtig klasse, was uns für den anstehenden Probeunterricht ein gutes Gefühl gibt. Paulina hat aus der Monti-Zeit zuerst mal die Freude am Lernen, die Neugierde an Neuem (was hoffentlich noch eine Zeitlang anhalten wird!), das selbstständige Arbeiten, die Arbeitsmethoden (was habe ich zu tun, wie teile ich es mir ein etc.) und die soziale Kompetenz mitgenommen. Wir vermissen die sehr fruchtbaren Elterngespräche (nicht nur 5-7 Min. an einem Elternsprechtag), die tollen Elternabende, den guten Kontakt zu den anderen Eltern, dass man die Klassenkameraden seiner Kinder kennt, die „großen“ gemeinsamen Projekt (z. B. Zirkus), das „Wir-Gefühl“ an der Montessori-Schule. Am Gymnasium schätzen wir die gute Ausstattung der Schule (super Turnhalle, naturwissenschaftliche Fachräume, Mensa etc.), die Erreichbarkeit (Paulina geht früh alleine aus dem Haus und kommt am Nachmit-

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Monti aktuell tag auch alleine wieder, war an der Monti Nordbuskind und musste immer zur Bushaltestelle gebracht und abgeholt werden), die Freunde wohnen jetzt näher an Zuhause (weniger „Fahrdienste“). Der Übergang an die Regelschule mit Frontalunterricht bereitete eigentlich keine Probleme, nur ist jetzt die Vielzahl der einzelnen Lehrer bzw. Charaktere der Lehrer für die Kinder nicht immer leicht. Auch sind die Anforderungen und das Arbeitspensum im G8 recht hoch! Bei Nachmittagsunterricht bleibt sehr wenig Zeit für Freizeit oder Freunde!

„Für die Entscheidung [unserer Tochter für das Gymnasium] war das Feedback der Montessori-Lehrerinnen sehr hilfreich. Sie konnten Paulina wirklich gut einschätzen, was auch von ihrer jetzigen Klassenleiterin bestätigt wurde.“ Eltern von Paulina

Linnea , 6. Kl. Montessori-Sekundarstufe Ich bin auf der Montischule in die Sekundarstufe gewechselt, weil ich es schön finde, mit Material zu arbeiten und zu lernen, die Schule für mich sehr vertraut war und ich bereits viele aus der Sekundarstufe kannte. Mich reizt die „Große Arbeit“ und die Reise z.B. nach Premuda, mir hat immer gefallen dass ich meine Arbeit selbst mitbestimmen durfte - wenn mich ein Thema interessierte, durfte ich dazu forschen und es z.B. in Form eines Referates erarbeiten und vortragen. Es war immer wichtig, dass es allen in der Schule/Klasse gut ging und auch die integrativen Mitschüler immer gut eingebunden waren. Durch die Jahrgangsmischung konnten die „Großen“ den „Kleinen“ helfen und die „Kleinen“ können sich von den „Großen“ immer etwas abschauen. Der Umgang in der Montischule ist fast wie in einer großen Familie. Die Freiarbeit und die Zeugnisgespräch und –briefe fand ich immer besonders gut. In der Sekundarstufe muss man noch mehr Selbstverantwortung tragen. Ich bin erst seit einem halben Jahr hier, aber in dieser Zeit haben wir schon mehrere große Projekte bearbeitet

mich ein Thema interessierte, durfte ich dazu forschen“ Linnea, 5. Klasse Sekundarstufe

Montessori-

Sophia,9. Kl. Gymnasium Nach der Grundschule habe ich auf das Herder-Gymnasium-Forchheim gewechselt. Ich war neugierig auf eine andere Schule mit anderen Methoden und wollte das Konzept mit den Noten ausprobieren Es war ungewohnt plötzlich in einer mir unvertrauten Umgebung zu lernen. Die Lehrer plötzlich nicht mehr mit dem Vornamen anreden zu dürfen, fiel mir sehr schwer und nahm mir auch in einem gewissen Grad den Bezug zu den Lehrern. Am Anfang fiel es mir sehr schwer, nicht mehr mein eigener „Chef“ zu sein und mir einteilen zu dürfen, wann ich was mache, allerdings hat sich das sehr schnell gelegt, man gewöhnt sich daran. Die Schwierigkeit, die ich heute noch sehe, ist ganz einfach, dass nur noch das behandelt wird, was im Lehrplan enthalten ist, die Interessen der einzelnen Schüler gehen teilweise wirklich verloren. In der 5. Klasse fand ich es prima, Noten zu bekommen. Es war etwas Neues und ich war wahnsinnig neugierig, mittlerweile find ich es ziemlich schade, dass man alleine auf die Noten be-

„Mir hat immer gefallen dass ich meine Arbeit selbst mitbestimmen durfte - wenn

schränkt wird und die persönliche Bewertung ausbleibt. Aus der Montessorizeit habe ich an erster Stelle die Selbstständigkeit mitgenommen. Als ich ans Gymnasium gekommen bin, hat man, finde ich, gesehen wer an der MontiSchule war und wer nicht. Aber nicht nur die Selbstständigkeit, sondern auch der offene Umgang mit Menschen prägt mich heute auch sehr und ich glaube, dabei spielt die Monti-Schule eine sehr große Rolle. Ich war von der 1.Klasse an gewohnt, Referate und Vorträge zu halten und mich dabei weder zu schämen noch gehemmt zu sein, frei und laut zu reden - das hilft mir heute im Gymnasium sehr. Natürlich steckt das auch in meinem Wesen, aber für mein Selbstbewusstsein, das mir heute

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vieles einfacher macht, bin ich der Monti-Schule sehr dankbar. Ich vermisse die freie Arbeit, mir meine Arbeit selbst einteilen zu können und vor allem hin und wieder auch an meinen eigenen, persönlichen Interessen zu arbeiten und sie in meine Schulbildung mit einfließen zu lassen. Was ich auch sehr vermisse, ist der Umgang mit den Lehrern, dass man noch Vertrauen zu den Lehrern hatte und mit ihnen Probleme besprechen konnte, das geht jetzt gar nicht mehr. Außerdem wird man in der Monti-Schule eben auch noch als Mensch gesehen und nicht nur als Maschine, die nach möglichst wenig Zeit und mehr oder weniger Lernvermittlung, das Wissen geradezu in schön verpackten Redewendungen und Ausdrücken dem Lehrer auf einem Silbertablett serviert.

„Die Schwierigkeit, die ich heute noch sehe, ist ganz einfach, dass nur noch das behandelt wird, was im Lehrplan enthalten ist, die Interessen der einzelnen Schüler gehen teilweise wirklich verloren.“ Sophia, Gymnasium

Birgit und Thomas, Eltern von Linnea und Sophia Linnea hat selbst entschieden, dass sie an der Montessorischule bleiben möchte. Wir haben uns ausführlich mit dem „vollen Montiweg“ befasst und haben das Linnea entsprechend erklärt im Vergleich zu den Alternativen. Der Montiweg lässt alle Möglichkeiten offen (bis hin zur fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife) – danach hatte Linnea keinen Zweifel mehr an ihrem Weg. Sophia wollte ans Gymnasium, mit Latein beginnen und in den musischen Zweig - das zeugte für uns von gefestigter Entscheidungsfreudigkeit. Aus der Montessori-Grundschulzeit haben unsere Kinder mitgenommen: Selbstbewusstsein, eigenständiges Lernen, Begreifen mit mehreren Sinnen – nicht nur stumpf (auswendig) lernen, Sozialkompetenz – gestärkt u.a. durch den Umgang mit Integrativschülern, einen natürlichen Umgang mit integrativen Menschen, ein angstfreies Verhältnis zu Schule sowie Spaß und Freude am Lernen und eine gute Selbsteinschätzung.

„Begreifen mit mehreren Sinnen – nicht nur stumpf (auswendig) lernen, Sozialkompetenz [sind wichtige Dinge, die unsere Kinder an der Montessorischule mitbekommen haben]“

Birgit und Thomas Scherbaum, Eltern von Linnea und Sophia

Interviews u. Text: Katja Eckert-Hessing Fotos: Privat

Sonderausgabe 2013


Monti aktuell

„Wir bilden die Schüler ganzheitlich aus“ Interview mit Montessori-Schulleiter Herbert Monti aktuell: Auswendiglernen, Abspulen, Vergessen – so sieht für Schüler weiterführender Schulen oft der Schulalltag aus. Was ist da an der Montessorischule anders? Herbert Winter: Selbsttätiges Lernen führt zu selbstverantwortlichem Lernen. Wenn die Schüler Interesse am Lernstoff haben, sind sie auch motiviert zu lernen. Natürlich ist die Motivation dann am größten, wenn sich jemand von alleine für den Stoff interessiert. Aber ein guter Lehrer kann auch zu unliebsamen Themen motivieren, die eben einfach sein müssen. An der Regelschule geht es darum, eine große Stofffülle abzuhandeln, statt sich wirklich mit Inhalten vertieft zu befassen. Dort ist Quantität wichtiger als Qualität, weil der Lehrplan es so vorgibt.

Monti aktuell: Montessorischule – eine Schule für alle, was heißt das?

Es bedeutet, keine Etikettierung nach Schultypen (Förder,- Volks-, Realschule, Gymnasium) zu vollziehen. Eine Schule für alle sein heißt, die Inklusion ermöglichen und gleichermaßen für Hochbegabte da sein. Also keine Ausgrenzung von Kindern, die anders sind als die meisten und keine Einteilung nach Eigenschaften. Jedes Kind soll das Gefühl bekommen, dass es so angenommen wird, wie es ist – und nicht besonders zu sein. Das ist ein Beitrag zur Sozialisation in der Gesellschaft, nämlich der Gabe, selbstverständlich mit anderen umzugehen, egal wie sie sind.

Monti aktuell: Die reguläre Hauptschule wird ja heutzutage häufig in der Bevölkerung als die Schule angesehen wird, wo Kinder hingehen, die es nicht auf die Realschule oder auf das Gymnasium schaffen. Was unterscheidet die MontessoriSekundarstufe von der regulären Hauptschule?

Das Wort „schaffen“ drückt es aus: Damit wird ein junger Mensch auf seine Leistungsfähigkeit in schulischen Teilbereichen reduziert. Auf in Noten gemessenen Leistungen in Schulfächern. Nach der 4. Klasse, und das ist noch viel zu früh, muss anhand dieses Leistungsstandes an Regelschulen eine für den weiteren Lebensweg entscheidende Weichenstellung durchgeführt werden. Viele tun ihr Kind „vorsichtshalber“ aufs Gymnasium, wie es ihm dabei geht, ist eine andere Frage. Es hängt letztlich von der Lebenseinstellung der Eltern ab, ob sie dahinter stehen, wenn ihr Kind in die MontessoriSekundarstufe geht: zählt für sie nur Leistung oder wollen sie, dass ihr Kind seine ganze Persönlichkeit weiter ausbildet und wichtige Dinge für’s Leben mitbekommt? Die Kinder, die an der Montessorischule bleiben, sind in der Sekundarstufe. Darin sind Kinder aller Leistungsspektren. Wie in der jahrgangsgemischten Grundschule können sie auch hier weiterhin miteinander und voneinander lernen. Sie unterscheiden sich selbst nicht in gute oder schlechte Schüler. Die Guten können die Schwachen hochziehen. Wenn alle auf einem relativ schwachen Level wären, würde das nicht funktionieren.

Monti aktuell: Wie bekommen die Lehrer diesen Spagat zwischen den verschiedenen Leistungsniveaus der Schüler hin?

Indem wir in der Freiarbeit unterschiedliche Lernmaterialien anbieten und respektieren, dass der eine Schüler die Inhalte schneller erfasst als der andere. Der Lehrer kann auf die Schüler individuell eingehen, an der Regelschule muss er weitermachen im Stoff, auch wenn Einzelne nicht alles verstanden haben. Die Freiarbeit bleibt als grundlegendes Prinzip der Montessoripädagogik für die Fächer Deutsch und Mathe erhalten. In Englisch brauchen die Schüler das Vorbild des Lehrers, um die Aussprache der Wörter durch Zuhören zu lernen. In der Freiarbeit kann das Gelernte geübt und vertieft werden.

Montessori Pädagogik Forchheim e.V. Träger von Schule und Kinderhaus, als gemeinnützig anerkannt und eingetragen beim Amtsgericht Bamberg, Aktenzeichen VR 10482 Egloffsteinstr. 33 91301 Forchheim Telefon: 0 91 91/73 66 77 9 Fax: 0 91 91/72 99 96 E-Mail: geschaeftsfuehrung@montessori-forchheim.de 1. Vorsitzender Christoph Kilgenstein 2. Vorsitzender Bernhard Jackermeier 3. Vorsitzender Michael Bayerlein Geschäftsführerin Sibylle Kellner

Finanzvorstand: Maja Wucherer Personalvorstand: Matthias Burger Schriftführerin Manuela Mylius

Bankverbindungen: Verein: Volksbank Forchheim, BLZ 76 39 1000, Konto 77 50 978 Schule: Sparkasse Forchheim, BLZ 763 510 40, Konto 80 52 300 Kinderhaus:: Vereinigte Raiffeisenbank BLZ 770 694 61, Konto 80 90 39

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Montessori-Kindergarten Forchheim Kinderhaus „Pusteblume“ Balthasar-Schönfelder-Str. 36 91301Forchheim Tel. 0 91 91/70 44 32 Fax: 0 91 91/70 26 24 E-Mail:kindergarten@montessori-forchheim.de Private Montessori-Volksschule Forchheim, Grundschule und Hauptschule Egloffsteinstrasse 33 91301 Forchheim Tel.0 91 91/72 99 95 Fax.0 91 91/72 99 96 E-Mail:schule@montessori-forchheim.de Redaktion: Sigrid Oppelt, Katja Eckert-Hessing, Thomas Hilgart, E-Mail: monti-aktuell@montessori-forchheim.de Druck:: Druckerei Bernhard Weid, Hirschaid

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Monti aktuell Monti aktuell: Was wird getan, den Schülern, die sehr lernwillig, begabt und wissensdurstig sind, genug „geistiges Futter“ zu bieten?

Das Angebot, sich selbstständig Lernstoff zu erarbeiten, ist in der Freiarbeit gewährleistet. Da kann der Lehrer einem Schüler auch ein Gymnasiallehrbuch zum Vertiefen an die Hand geben. Durch Referate und in Projektarbeit werden Lerntechniken geübt, die später im Studium gebraucht werden und die auch von Arbeitgebern gerne gesehen werden. Die Abschlussarbeit (Große Arbeit) beinhaltet all diese Fähigkeiten und Fertigkeiten. Es wird also kein Schüler dadurch gegängelt, dass er nur an dem vom Lehrer vorgegebenen Stoff arbeiten darf.

Monti aktuell: Wie sieht es an unserer Schule aus mit dem Ausbau der Sekundarstufe bis zur 10. Klasse, also zur Mittleren Reife?

Im letzten Schuljahr hat uns die Regierung die 10. Klasse genehmigt. So wie es aussieht, werden wir im nächsten Schuljahr genug Schüler haben, um mit der 10. Klasse starten zu können. Die ersten Bewerbungen von Lehrkräften für diese Jahrgangsstufe laufen. Dadurch dass wir uns mit anderen Montessorischulen austauschen, die schon Erfahrung mit der Durchführung der 10. Klasse haben, müssen wir das Rad nicht neu erfinden und können uns auf Bewährtes stützen. Demnächst werden wir Spanisch als zweite Fremdsprache an unserer Schule anbieten. Die Montessorioberschule in Nürnberg, an der die Schüler über den Montessoribildungsweg auch die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife erlangen können, hat auch Spanisch als zweite Fremdsprache. Das ist natürlich für künftige Absolventen von uns, die nach der 10. Klasse an diese so genannte MOS wechseln möchten, sehr vorteilhaft.

Monti aktuell: Wie werden Schüler in der Sekundarstufe vorbereitet, um nach der 10. Klasse an einer FOS oder einer gymnasialen Oberstufe weitermachen zu können?

Im so genannten Lernstudio, das geeignete Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse besuchen können, gibt es zusätzlichen Unterricht in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch. Derzeit findet dieser Unterricht jeweils eine Stunde am Nachmittag statt. Die Eltern können die Teilnahme am Lernstudio beantragen, wenn ihre Kinder ein entsprechendes Arbeitsverhalten und Leistungsfähigkeit zeigen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Interview: Katja Eckert-Hessing

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