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Helge Tscharn Ich wusste und weiß an Helge einige Dinge zu schätzen, die heutzutage sehr selten sind. Ich weiß vor allem, dass es kein Zufall ist, dass viele Skateboarder über Jahre ihre Höchstleistungen gegeben haben, weil jemand namens Helge Tscharn neben ihnen im Schützengraben lag – bewaffnet mit einer Hasselblad, F3 , FM2, D70 oder was auch immer er dabei hat und hatte. Es gibt, wie immer, natürlich mehrere Schlüssel zum Erfolg einer Person, aber bei Helge gehören dazu mit Sicherheit diese hier: A) Motivation: Helge konnte die Energie, die ein Trick hat, am eigenen Leib spüren. Wenn du 100 % gegeben hast, warst du sicher, dass er mit dir mitfieberte und sich mindestens genauso sehr über deinen Trick freute wie du. Es gibt unzählige Videoaufnahmen aus den 90ern oder frühen 2000ern, die mit einem Helge-Schrei endeten. Manche Filmer wollten es ihm abgewöhnen, aber der Schrei war angeboren und musste raus – weil er bei dir war, wenn du an deine Grenzen gegangen bist. B) Technische Perfektion: 90 % seiner Karriere hat Helge analog geschossen, und im Gegensatz zu all den Styler-Fotografen, die sich gerne so eine schicke Kamera um den Hals hängen, wusste er auch was im Inneren der Cam passierte. Er hat eine klassische Fotografenausbildung gemacht und kennt den Prozess vom Lichteinfall bis zum gedruckten Foto


in- und auswendig. Auch wenn er ab und zu damit kokettierte, dass ein Foto vielleicht nichts werden würde, wusstest du, dass eher der Himmel auf deinen Kopf fällt als dass Helge deinen Trick vermasselt. C) Kompromisslosigkeit: Niemand war jemals kompromissloser als Helge. Er hat ein gutes Herz, aber er hat auch kein Problem damit, dir ins Gesicht zu sagen, dass du ein Idiot bist – vorausgesetzt natürlich, dass du einer bist. Zu dieser Kompromisslosigkeit gehört auch, dass er immer seinen eigenen fotografischen Stil durchgezogen hat und somit zu einer wiedererkennbaren Marke wurde. Am Ende führte seine Kompromisslosigkeit aber auch dazu, dass er dem ganzen Zirkus den Rücken kehrte, um nach Brasilien auszuwandern. Ich wünsche Helge weiterhin viele Aufträge, denn er fotografiert natürlich immer noch. Ich freue mich, wenn er zwei Mal im Jahr nach Deutschland kommt und ziehe meinen nicht existenten Hut vor der fotografischen Leistung, die hierzulande und in dieser Szene für immer vergebens Ihresgleichen suchen wird. Holger von Krosigk


„Helge war Anfang-Mitte der 80er quasi der erste Skateboardfotograf in Deutschland. Klar gab es einige Leute, die auch fleißig drauf gehalten haben, aber Helge hat das von Anfang an direkt sehr profesionell gemacht. Liegt wohl daran, dass Helge ein Perfektionist ist, der kein halben Sachen macht.. Manmchmal ging er uns (ich saß damals in der Redaktion und Grafik vom MSM) damit auch ziemlich auf den Sack, denn wenn ein Foto nicht genau so aussah, wie Helge sich das vorstellte, durfte das Bild nicht benutzt werden und wanderte in die Tonne. Damals war das natürlich noch viel mehr Akt, als heute, schließlich gab es keine Digikameras und man sah das Ergebnis erst nach dem Entwickeln der Diafilme oder im SW-Labor. Heute kann man sofort im Display checken, ob das Foto etwas geworden ist. Mir persönlich gefielen immer die schwarz-weiß Pics von Helge am Besten - echte Handarbeit und von der Stimmung kaum zu toppen - insbesondere seine Portraits. Ich denke Helge hat in den 80ern durch seine Arbeit die Messlatte was den Anspruch anbelangt sehr hoch gelegt und das ist bestimmt auch ein Grund dafür, warum es heute einige wirklich gute Skateboardfotografen in Deutschland gibt.“ Maik Giersch


Helge Tscharn (45) wurde in Köln geboren und war lange Zeit der Haus- und Hoffotograf des Monster Skateboard Magazines. Er zählt zu den einflussreichsten Fotografen im weltweiten Skate- und Lifestylezirkus. Er ist verheiratet und lebt in Brasilien.

Sein aktuelles Buch „urban secrets“ kann man für günstige 10 Euro auf seiner Website www.helgetscharn.com bestellen.


„Dass er tatsächlich das Gefühl hatte ich wolle an seinem Stuhl sägen hat mich über alle Maßen geehrt.“ David Luther


„Jedes Bild, hat seine Atmosphäre und dieses etwas, das ich nicht beschreiben kann. Seine technische Perfektion, gepaart mit dieser Atmosphäre, machen seine Fotos für mich einzigartig. Helge ist für mich einer meiner Lieblingsfotografen, seine Art und die Art wie er arbeitet, fasziniert mich heute noch.“ Michele Danzé


„Skateboard-Fotografie ist eigentlich ein fast schon standardisiertes Geschäft. 16mm Objektiv, Minimum ein Blitz, am besten noch zwei mit slave-unit irgendwo verteilt, 250tel Synchronzeit, am richtigen Ort, den richtigen Skater, ab dafür. Auch Helge hat viele dieser Bilder im Repertoire, wie alle anderen Skate-Fotografen auch. Allerdings hat es Helge immer wieder geschafft, einen anderen Winkel zu finden, nicht ultra-nah ans Geschehen zu gehen, den Blick von weiter weg zu zeigen. Das Umfeld, den skate-spot, die Stadt. All dies wurde somit zum Teil des Geschehens, oftmals eine graphische Kompontente, ein ungewöhnlicher Farbklecks, das Foto fast zu einem Gemälde, einer Komposition und nicht zum standardisiertem Auftrags-Foto. Diese Skatefotos von Helge gefallen mir am besten. Helge´s wahres Talent liegt in der Portraitfotografie. Da beweist er seinen besten Blick, sein Gespür für Komposition kommt dort am besten durch.“ Claus Grabke


„Ich kenne Helge primär aus meiner Zeit als kleiner Koten und habe ihn als netten Typen mit nem eigensinnigen Querkopf in Erinnerung. Helge‘s Fotografie hat die Skateboard-Magazinwelt maßgeblich begleitet und geprägt. Er hat einfach DAS Auge, viel Gespür für den Moment und holt mit seiner Art von Ungeduld (wenn ein Trick wieder und wieder gebailt wird) irgendwie die optimale Motivation bei jedem Skateboarder raus. Quasi die perfekte Kombi.“ Julius Dittmann


„Was mir speziell zu Helges Photographien einfällt? Helge war stets Perfektionist und das hatte auch immer sein Gutes für den Skater; selbst wenn Helge nur ein einziges Photo von einem Trick gemacht hat, der vielleicht 10 Versuche gedauert hat, konnte man sich als Skater sicher sein, dass das Bild gut geworden ist. Helge war auch der einzige, der einen „Slave-Flash“ mit auf dem Bild haben „durfte“, eigentlich ein absolutes No-Go! Helge, Schmeiss die Digi Schleuder weg und hol die Hasselblad wieder raus!“ Thomas Gentsch


„Helges Bilder waren immer der Grund warum ich nie Skateboardfotos machen wollte. Seine Perfektion hat mich immer total demotiviert. Seine Fotos erkennt man direkt an der soliden Handschrift: Selten überflüssiges, kreatives Rumgezuppel sondern eine Bildgestaltung hart wie Kruppstahl. Die Elemente Sport, Architektur und Lifestyle in Bildern unterzubringen ist sicherlich einer der anspruchvollsten Bereiche in der Fotografie. Weil die Mittelformat Bilder von ihm immer perfekt sind, hat man sich an diesen auch mal satt gesehen irgendwann. Ich war/bin deswegen Fan von seinen dreckigeren S/W Bildern. Ich frage mich gerade ob es eigentlich einen Fotografen gibt der ähnlich viele publizierte Bilder vorweisen kann wie er. Schliesslich hat er über Jahre pro Monat ein Heft alleine voll geballert. In letzter Zeit sieht man zuwenig Bilder von Ihm. Wenn ich aber den ganzen Tag in der Sonne Brasiliens liegen könnte, dann würde ich auch drauf scheissen.“ Michel Lohmann


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Johannes Brümmer ( V.i.S.dP) Justyna Przytarski Tabea Lettau Daniel Brümmer

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Vielen Dank an:

Helge Tscharn, Holger von Krosigk, David Luther, Maik Giersch, Julius Dittmann, Thomas Gentsch, Michele Danzé, Claus Grabke, Michel Lohmann

Mitarbeit:

Christian Schuhmann, Elias Mattuk, Sven Billek mologue 2011. All rights reserved. FIVECOR Online Verlag


Helge Tscharn  

Die 5. Ausgabe des mologue. Diesmal: Helge Tscharn