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MFG EDITORIAL

AUF STÜRMISCHER SEE JOHANNES REICHL

Es ist etwas in Bewegung. Unverkennbar. Und selbst wenn gebrannte Kinder aus Erfahrung Parolen wie „na und, was soll da schon rauskommen“ auf den Lippen tragen, so wird alles, was aktuell so unter den Schlagworten „mehr Demokratie“, „mehr Transparenz“ etc. durch den Raum schwirrt, Ergebnisse zeitigen. Der gesellschaftliche Wandel ist nicht aufzuhalten, auch wenn dies einige – gerade auch in den diversen Parteiapparaten – aus einer Sehnsucht nach ehemaliger Berechenund Kontrollierbarkeit nur widerwillig zur Kenntnis nehmen wollen. Aber früher war gestern, und heute ist die Zukunft, mit ganz neuen – auch technischen – Möglichkeiten, die die Gesellschaft und ihre Kommunikationswege verändert haben, damit aber auch jene der persönlichen Willensäußerung. Ein Posting eines Absenders in einem Social Network, tausende Adressaten, ein Diskurs vieler. Die Piraten sind ein Phänomen dieser Entwicklung, und weit weniger chaotisch, wie es ihre Gegner gerne darstellen. Strukturen bestehen bereits auf Ebene des Netzes; Grundsätze sind formuliert, die vor allem einen sozial-liberalen (ja, das gibt es) Gestus verpflichtet scheinen; Die Themen werden laufend über das Liquid Democracy Verfahren erarbeitet; Und selbst ein Programm gibt es – dass es nämlich kein (fixes) Programm gibt. Das ist zugegeben radikal, aber nicht unbedingt dumm, weil es auf den steten Wandel hin reflektiert. Aber egal, wie man die Piraten beurteilen mag. Politisch haben sie schon etwas bewirkt: Sie zwingen, im Windschatten des gesamtgesellschaftlichen Wandels, die arrivierten Parteien, sich mit ihren eigenen Strukturen und Verhaltensmustern auseinanderzusetzen. Es ist unverkennbar, dass sich die Parteien diesbezüglich schwer tun. Bezeichnend, dass für diese neuen, heißen Themenkreise – wie etwa „mehr Demokratie“ – vielfach die Jungparteien vorgeschickt werden. Als wollte man ausloten, wie ernst es die Leute draußen wirklich meinen. Nun. Sie meinen es sehr ernst, freilich ohne konkrete Vorstellungen zu haben. Es ist nämlich nicht so, dass die Bürger genau wüssten, was sich verändern

soll. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass sie wollen, dass sich etwas ändert. Mitunter hat es den Eindruck, dass die etablierten Parteien genau das noch nicht gänzlich begriffen haben. Die Bürger denken nicht mehr in Lagern oder linear, so wie man es in der Nussschale der Parteiapparate tut. Heute ist es kein Problem, sich ganz offen zum Adoptionsrecht für Homosexuelle zu bekennen und zugleich überzeugter christlicher Familienvater zu sein. Oder Chancengleichheit für Frauen einzufordern, zugleich aber auch eine Absicherung für Mütter, die sich eine Zeitlang uneingeschränkt der Kindesbetreuung widmen wollen. Für Parteien ist dies – da ja eine bestimmte Ideologie und Richtung das Fundament schlechthin darstellt – selbstredend ein Dilemma. Nicht sie verlieren ihre „Stammklientel“, der Zeitgeist hat sie ihnen einfach wegnivelliert. Die ehemaligen Klassen mit ihren jeweils spezifischen Unterschieden und Ansprüchen sind aufgeweicht und verschwimmen. Zudem sind die Abhängigkeitsverhältnisse aufgebrochen. Die Zeiten, da man Wähler über diverse Posten, Wohnungsvergaben etc. bei der Parteistange hielt, sind zwar noch nicht vollends überwunden, aber sichtbar im Schwinden begriffen. Das bedeutet weniger Mitglieder, und das wiederum weniger Geld, von der Solidarität ganz zu schweigen. Außerdem ist die „Dankbarkeit“ für diese Hilfeleistungen, früher sozusagen ein (pseudo?)moralischer Automatismus, in der Wahlkabine nicht mehr garantiert. Man nimmt, und wählt trotzdem die anderen. Immer häufiger auch von Wahl zu Wahl unterschiedlich. Auf all diese neuen Gegebenheiten, und das ist ein hartes Brot, müssen die etablierten Parteien reagieren, auch in der Wahl ihrer Mittel und Methoden. Hier könnte ein Blick auf die Partizipationsmodelle der Piraten hilfreich sein. In diesem Sinne sollten sich die Altparteien daher weniger den Kopf darüber zerbrechen, was den Piraten zu einer „richtigen“ Partei fehlt, sondern gerade umgekehrt, wie sie selbst mehr zu Piraten werden können.

Blattlinie: Das fast unabhängige Magazin zur Förderung der Urbankultur in Niederösterreich Medieninhaber (Verleger): NXP Veranstaltungsbetriebs GmbH, MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten Herausgeber: Bernard und René Voak Redaktionsanschrift: MFG – Das Magazin, Kelsengasse 9, 3100 St. Pölten; Telefon: 02742/71400-330, Fax: 02742/71400-305; Internet: www.dasmfg.at, Email: office@dasmfg.at Chefredakteur: Johannes Reichl Chef vom Dienst: Anne-Sophie Settele Redaktionsteam: Thomas Fröhlich, Gotthard Gansch, Sandra Haller, Althea Müller, Michael Müllner, Marion Pfeffer, Thomas Schöpf, Eva Seidl, Anne-Sophie Settele, Beate Steiner, Katharina Vrana, Manfred Wieninger Kolumnisten: Herbert Binder, Thomas Fröhlich, Althea Müller, Michael Müllner, Primadonna, Rosa, Beate Steiner Kritiker: Helmuth Fahrngruber, Thomas Fröhlich, Sandra Haller, Wolfgang Hintermeier, Simon Höllerschmid, Kinga Pietraszewska, David Meixner, Manuel Pernsteiner, Robert Stefan, Markus Waldbauer Karikatur: Andreas Reichebner Bildredaktion: Simon Höllerschmid, Hermann Rauschmayr Art Director & Layout: Mr. Shitaki Hersteller: NÖ Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft mbH Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten Verlagspostamt: 3100 St. Pölten, P.b.b. Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2. Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Alle Angaben ohne Gewähr. Für den Inhalt bezahlter Beiträge ist der Medieninhaber nicht verantwortlich. Internet: www.dasmfg.at


INHALT

Urban 6

KULTUR 44

SZENE 58

SPORT 72

URBAN 8 12 14 18 20 26 32 36 40 42

AHOI NÖ, AHOI PIRATEN PETER FILZMAIER TANGO KORRUPTI IM TRÜBEN FISCHEN ADL – THE MAN IN BLACK DU BIST, WAS DU ISST SUPER WOMAN ULLI WAGNER DER VERHÄNGTE DIKTATOR SINGLES – SO HAPPY ALONE VIEL VERGNÜGEN! S H O W

KULTUR 46 50

BRIGITTE FÜRLE IM FESTSPIELHAUS FÜR „DUM“ VERKAUFT

SZENE 60 64 66

STEPPENWOLF THE BEAT GOES GREEN HENNES ZIEHT UM

SPORT 70

WELCOME NV ARENA

F A C T O R Y

72

TIME TO SAY EYBDOOG

6 7 44 58 76 77

IN WAS FÜR EINER STADT SHORTCUTS URBAN SHORTCUTS KULTUR SHORTCUTS SZENE KRITIKEN VERANSTALTUNGEN

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In der im Hinblick auf den Domplatz immer wieder der Terminus „italienische Piazza“ strapaziert wird, auch von jenen, die sich explizit für eine Erhaltung von Parkraum nach seiner Sanierung aussprechen. Nur, wenn etwas eine klassische italienische Piazza vor allem prägt, dann ist es ihre Autofreiheit! Erst diese ermöglicht den unbeeinträchtigten Blick auf das schöne Gebäudeensemble, lässt das unbedachte Flanieren der Fußgänger und unbekümmerte Spielen der Kinder zu, schafft das gelassene Flair für schöne Gastgärten. Kurzum: Soll der Domplatz NEU tatsächlich eine richtige „Piazza“, also eine Oase positiven Lebensgefühls mitten in der Stadt werden, muss er autofrei sein. Die PKW können getrost in einer Tiefgarage verschwinden. Alles andere machte jegliche großen (auch finanziellen) Anstrengungen zur Attraktivierung des Platzes zu einer halben Sache – und davon haben wir beileibe schon genug, wenn man etwa an eine zu kleine Tiefgarage am Rathausplatz oder den völlig misslungenen Schillerpark denkt. Aber aus Fehlern kann man ja bekanntlich lernen.

In der es vor Kreativität nur so sprudelt und diese auch konkret umgesetzt wird. So hat das cinema paradiso nach dem „Babykino“ nun ein weiteres cooles Family-Format auf die Beine gestellt: die Kinderdisco von 0-10! Abtanzen für Groß & Klein mit echtem DJ, Discokugel, „Cocktails“ und allem was dazu gehört! Während die realen Greisslereien fast schon ausgestorben sind, haben Maria Teichmann und Petra Kirchner eine semi-virtuelle im Web eröffnet. Auf www. greisslerei.org kann man Bioprodukte regionaler Bauern bestellen, die dann vom fixen Lager abgeholt werden können. Genial ist auch die von Birgit Hinterhofer initiierte Facebook-Site „share & care stp/ lf und Umgebung“, über die man Dinge und Dienste verschenken kann (s. S. 7) Flieger Chef Georg Loichtl wiederum hebt gemeinsam mit Andreas Hann die „Genusstafel“ aus der Taufe. Das Rezept: große Tafel, regionale Spitzenköche und außergewöhnliche Location. Am 15. August werden erstmals 180 Gäste mitten am Hauptplatz in Traismauer tafeln. Bei solch hellen Köpfen braucht einem um St. Pölten nicht bange zu sein!

In der die arme nigerianische Botschafterin (wie die meisten ihrer Amtskollegen) ganz allein mit dem Bürgermeister vorlieb nehmen musste, während der kubanische Botschafter eine Woche darauf im Rathaus von einer SPÖ Entourage begleitet wurde. Eine Ehre, die wirklich nur ganz wenigen auserwählten Staatsvertretern zuteil wird, wie z.B. 2010 dem nordkoreanischen Botschafter Kim Gwang Sop. Aber Kuba ist nun einmal ein schönes Land, wie uns auch der Medienservice wissen ließ. „Weltweit bekannt ist Kuba durch seine Musik, welche zum wichtigsten Exportartikel Kubas wurde.“ Völlig unbekannt dahingegen ist natürlich die Menschenrechtssituation. So alarmierte Amnesty International erst im März, dass sich die Menschenrechtslage auf Kuba „weiter verschlechtert hat.“ „In Kuba werden Regimekritiker für die friedliche Ausübung ihrer Menschenrechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Informationsfreiheit immer wieder von der Regierung verfolgt, schikaniert und willkürlich festgenommen.“ Aber der Rum und die Zigarren schmekken wirklich super!

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Auswahl Spielzeit .................................................................................................................................................................................................................... Wilder Wir sind noch einmal davongekommen R : Daniela Kranz Premiere 6. 10. 2012 12/13 Thornton Ferdinand Raimund Der Bauer als Millionär R : Jérôme Savary Premiere 11. 10. 2012 EGIE

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Robert Thomas Acht Frauen REGIE: Maria Happel Premiere 7. 12. 2012 kaufen William Shakespeare Viel Lärm um nichts REGIE: Roland Koch Premiere 26. 1. 2013 Jetzt Tom Lanoye Mamma Medea REGIE: Philipp Hauß Premiere 16. 3. 2013 Jonas Hassen Khemiri I call my brothers REGIE: Michael Ronen Premiere 20. 4. 2013 Internationale Gastspiele, Bürgertheater, Bürgergespräche, Kindertheater, Lesungen und vieles mehr…

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Fotos: konradbak/yuryimaging/stauke/Hero (alle fotolia.com), mss, birdys/photocase.com

In was für einer Stadt leben wir eigentlich...


SHORTCUT URBAN

Altlasten

Hebi

Schändlich

Fotos: konradbak/yuryimaging/stauke/Hero (alle fotolia.com), mss, birdys/photocase.com

Auf manches kann man sich – leider – verlassen. Während die gesamte Stadt unter dem Schock des Mordes an einem siebenjährigen Schüler durch seinen Vater stand, war sich FP Mandatar Erich Königsberger nicht zu schäbig, die Wahnsinnstat für dumpfe Ausländerfeindlichkeit zu instrumentalisieren. „Das sind die bitteren Früchte der vollkommen verfehlten Zuwanderungspolitik von ÖVP und SPÖ.“ Shame on You Mr. Königsberger! Jeder, der den Trauerprozess durch pietätlose Anspielungen stört, hat jegliches Ansehen verspielt. Was in dieser Stunde einzig nottut ist Beileid für die Angehörigen sowie Mitleid für Schüler, Eltern und Lehrer. Die Kinder in Wagram haben das begriffen, trauern auf ihre Art, haben Engel für ihren Freund gemalt, Briefe geschrieben, Blumen hingelegt und Kerzen entzündet, ihm gewünscht, dass „DEIN Gott dich schützt.“ Nicht in einem trennenden, sondern einem toleranten Sinne, weil es völlig egal ist ob Allah oder Gott, Christ oder Moslem. Eine schreckliche Tat wurde begangen. Ein Kind ist gestorben. Eine Stadt trägt Trauer.

Share & Care Am Anfang stand der Umzug in Wien an – und jede Menge nicht mehr gebrauchtes Zeug in der Wohnung herum. „Damals bin ich auf die facebook-Seite von ‚share & care Wien‘ gestoßen“, erinnert sich Birgit Hinter-

hofer. Über diese hat sie nicht nur ihre alten Sachen verschenkt, sondern in Folge, „weil es eine coole Geschichte ist“, auch gleich den St. Pölten Ableger „share & care stp/lf und umgebung“ ins Leben gerufen. „Das Grundprinzip ist Schenken“, erläutert Hinterhofer, das Teilen von Sachen und Dienstleistungen – auch wenn wahrscheinlich nicht alles einen Abnehmer findet. Auch diverse Hilfsdienste, vom Ausmalen bis hin zum Möbelschleppen, werden zur Verfügung gestellt, sowie manch Hilferuf erhört. „Fährt jemand demnächst zu IKEA und kann mir eine grüne TROFAST-Box mitnehmen?“ Am nächsten Tag konnte die Box abgeholt werden, ohne nach Wien zu düsen. Alles machbar, Frau Nachbar. Genial!

Den Lueger-Ring in Wien benennen sie jetzt um, der Herr sei ja ein grauslicher Antisemit gewesen. Na ja, 100 Jahre zurück haut sich’s leicht. Die Krypta im Äußeren Burgtor mit dem Epitaph von Wilhelm Frass, St. Pöltens wohl bedeutendstem Bildhauer nach der Barockzeit, kam auch ins Gerede. Der war tatsächlich ein wilder Nazi. Aber die ganze Stadt wimmelt halt nur so von seinen Werken – vom Rathausplatz über jenen neben der BH bis zur Büste des legendären roten Stadtvaters Schnofl, der von der Aquacity sinnend Richtung ÖVP-Haus blickt. Bei uns geht man ja mit der Vergangenheit etwas versöhnlicher um: In der Ahnengalerie des Rathauses hängt der Systemzeit-Bürgermeister Heinrich Raab problemlos neben seinem von der Roten Armee eingesetzten Kollegen Käfer. Auch die ideol­ogischen „Lager“ wurden eher zu nostalgischen Freundeskreisen. Der Turnerbund rettete seine Jahn-Turnhalle mit Türkenhochzeiten finanziell über die Jahre (das eine oder andere Mitglied soll man auch schon in Medjugorje gesehen haben). Auf 100 besitzbürgerliche Sozis findest du kaum mehr einen halberten schiachen ÖVPKapitalisten. Ein Stück original Berliner Mauer wird von der Stadt auf einem Parkplatz versteckt, offenbar weil man sich der missratenen Verwandtschaft schämt. Und selbst Altbischof Krenn, weiland ein echtes Ungustl, wartet seit Jahren mitten unter uns in Frieden auf seinen Herrgott. Aber niemand sollte sich zu sicher sein, dass nicht auch hierorts kritisches Vergangenheitsbashing einziehen könnte. Wohnte ich etwa in der Dr. Karl Renner-Promenade, würde ich Visitenkarten nur mehr in begrenzter Auflage nachdrucken – man bedenke, wie dieser Herr 1938 für den Anschluss an Hitler-Deutschland getrommelt hat …

MFG 06.12

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MFG URBAN

Ah i Niederösterreich Wer die letzten Wahlen in Deutschland und auch Österreich verfolgt hat, weiß mittlerweile, dass Piraten nicht mehr ausschließlich auf dem Wasser zuhause sind. Seit dem ersten Mai hat nun auch Niederösterreich seine Piratenfraktion. Ein Lokalaugenschein der Gründungsveranstaltung in Neulengbach.

F

ast im Zentrum Niederösterreichs liegt der Gründungsort der Piraten Landesorganisation, ähnlich symbolträchtig ist mit dem 1. Mai auch das Datum gewählt. Nach einer kurzen Vorankündigung per Mail begebe ich mich relativ unvoreingenommen ins Gasthaus „Schmankerl“, um mitzuerleben, wie die Landesorganisation aus der Taufe gehoben wird. Auffallend und entgegen des weitläufigen Klischees, dass es sich bei den Piraten insbesondere um ein Jugendphänomen handle, über8

rascht vor allem die bunte Mischung an Personen, die sich hier versammelt hat. Von jung bis alt ist alles vertreten, einige tragen Hemden, andere wiederum T-Shirts auf denen ein großes „P“ in Segelform prangt – das Logo der Piraten. In einem abgetrennten Raum werden die letzten Vorbereitungen für die formelle Gründung getroffen. Laptops werden hochgefahren, Mitgliederlisten werden durchgegeben und Anträge vorbereitet. Auf jedem Tisch befindet sich ein Tagesordnungsprotokoll sowie ein kleiner Folder, der die

Piraten von A bis Z kurz erläutert. Bunter Haufen Ich geselle mich zu den übrigen Piraten, die sich an einem Tisch im Gastgarten versammelt haben. Es sind zum Teil Mitglieder der Landesorganisation Wien, die hier zwar nicht stimmberechtigt sind, aber dafür die Gelegenheit zum Gedankenaustausch nutzen. Und zwar nicht nur untereinander, sondern auch, und vor allem, mit interessierten Außenstehenden. Einer davon ist ein evangelischer Pfarrer, der sich noch mit


Text: Sascha Harold, Johannes Reichl | Fotos: ZVG

den Piraten unterhalten möchte „bevor ihr alle korrupt seid“. Die Bemerkung wird mit Spaß, aber durchaus auch dem Bewusstsein aufgenommen, dass die Vorschusslorbeeren, die die Partei durch einige Erfolge derzeit genießt, erst bestätigt werden müssen. An diesem Tisch zeigen sich Prinzipien, die derzeit so gar nicht in den Sinn kommen wollen, wenn es um das politische Geschehen geht. Keine Ausflüchte, kein Beschwichtigen und Respekt für die jeweils andere Meinung herrschen vor. Gelebte Basisdemokratie sozusagen. Die Probleme dieses Konzepts werden drinnen beim formellen Prozedere aber ebenso evident. Anträge werden nicht einfach durchgewunken, jeder kann seine Meinung äußern – und tut das auch. Die Moderatorin zeigt sich geduldig, doch man merkt, dass sie erleichtert ist, als nach langwierigen Diskussionen endlich ein Konsens gefunden wird. Vermittelnd versucht sie Beiträge zusammenzufassen und abzukürzen, denn auch wenn es nach der Gründung Landesvorstände gibt, haben diese dasselbe Mitspracherecht wie alle anderen Piraten auch. Sie besitzen also keine formelle Macht, ihre eigenen Anliegen durchzusetzen, ohne eine Mehrheit davon zu überzeugen. Die größte Stärke ist also zugleich auch die die größte Schwäche der Piraten: Während man von einer großen Meinungsvielfalt profitiert, gestaltet sich der Prozess der Konsensfindung mühsam und langwierig. Die Piraten wären nicht die ersten, die am idealistischen Modell völliger Basisdemokratie gescheitert wären, wie auch ein Pirat selbst einräumt. „Auch die Grünen haben als basisdemokratische Bewegung begonnen. Jetzt sind sie davon meiner Meinung nach weit entfernt!“ Diesen „Fehler“ möchte man nicht begehen, weshalb die Piraten aktuell vor allem mit sich selbst beschäftigt sind und der Frage, wie sie Basisdemokratie und offene politische Kultur auf Dauer sichern können. „Im Moment entstehen die Strukturen, die wir dann mit Inhalten füllen müssen. Das alles ist ein Experiment und keiner kann sagen, wie es ausgehen wird oder wohin es sich entwickelt.“

Die richtigen Piraten?

Die Bürger fordern mehr Transparenz in der Politik, die arrivierten Parteien schicken ihre Jugendorganisationen mit Demokratiepaketen vor, und mit den Piraten heftet sich gleich eine ganze Partei diese – nicht ganz neuen – Themen auf die Flagge. Ein Vorfeldmatch Jungparteienvertreter gegen Piraten.

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n Mödling treffe ich Dominic Strukturen möchte man schaffen, Piegsa alias „Flynn“, einen der sämtliche Funktionen sollen in der Parfrisch gewählten Vorstände der tei ehrenamtlich organisiert werden. niederösterreichischen Piratenpartei. Für die FPÖ, die aktuell ebenfalls mit Er hat klare Vorstellungen davon, wie dem Schlachtruf „mehr direkte DemoPolitik aussehen soll bzw. weiß er zu- kratie“ durch die Lande zieht, mehr mindest, wie er sie nicht haben möchte. Schein als Sein. So meint Stefan Berger Zum viel beschworenen Schlag- vom Ring Freiheitlicher Jugendlicher: wort „mehr Transparenz“, das dieser „Die Basisdemokratie wird in dieser Partei ja auch nur inTage allerorten durch tern gelebt.“ Spitzer den medialen Äther „Also wenn Transparenz, schwirrt, hat er eine dann totale Transparenz!“ Nachsatz: „Was sich ja auch darin ausklare wie radikale Dominic „Flynn“ Piegsa, Piraten drückt, dass sie sich Meinung: „‘Mehr Transparenz‘ ist ja schlichtweg lächer- seit ca. 2006 in Österreich zu organilich! Das heißt ja nur, dass ich alles, sieren versuchen.“ Piegsa widerspricht. was ich verstecken möchte, irgendwo Die eingeführten Stammtische sollen hinräume, und den Rest geb ich halt dazu beitragen, dass sich eine breitere frei. Also wenn Transparenz, dann to- Öffentlichkeit mit Politik beschäftigt und sich an den Diskussionen beteiligt! tale Transparenz!“ Gegenwind bläst den Piraten auch von Seiten der JVP St. Pölten entgegen. Basisdemokratie Ähnlich kompromisslos geben sich So meint Markus Krempl selbstischer: die Piraten auch in ihrem Verständnis „Wir sind die besseren Piraten“, und von Demokratie. Basisdemokratische bemängelt vor allem das Fehlen MFG 06.12

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MFG URBAN

mittel-und langfristiger Strukturen in der Partei. Alibijugendliche Dem hält Pirat Bernhard Hayden, 17, indirekt entgegen, dass die Jungparteien ohnedies nur Alibivereine der eigentlichen Mutterpartei seien. „Ich sehe es generell kritisch, dass sich die Parteispitze von der Basis inhaltlich wie organisatorisch abhebt. Die Jugend ist ein wichtiger Faktor, um interne Reformen in den Parteien durchzuführen, festgefahrene Strukturen zu lockern und neue Themenbereiche innerhalb der Partei zu etablieren“, merkt er kritisch an. Losgelöst verhalle dies aber ungehört. Alte Ideen, neuer Anlauf Gelassener und anerkennender reagiert Tobias Schweiger, Bundesobmann der Jungen Grünen, auf die Piraten. So seien ihre Konzepte durchaus gut, wenn auch nicht neu. Aktuell schwämmen sie eben auf einem medialen Hype, weshalb sie naturgemäß mehr Beachtung finden. Was Piegsa auch gar nicht in Abrede stellt: „Ich lehne mich jetzt einmal aus dem Fenster und sage, dass wir bei der nächsten Wahl gewählt werden. Egal wie gut oder schlecht wir uns anstellen. Einfach nur, weil der Frust über die etablierten Parteien mittlerweile so groß ist.“ Freilich ist er nicht so naiv, um nicht auch die damit zusammenhängenden Herausforderungen zu erahnen. „Diese Stimmen bekommen wir aber nur einmal, dann müssen wir beweisen, dass wir auch etwas bewirken können!“ Und das haben die Piraten vor.

„Ich lehne mich jetzt einmal aus dem Fenster und sage, dass wir bei der nächsten Wahl gewählt werden. Einfach nur, weil der Frust über die etablierten Parteien mittlerweile so groß ist." Dominic Piegsa, Piraten

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Who’s Afraid Of The Pirates?

So ihre Gedanken über die Piraten machen sich nolens volens auch die Stadtpolitiker. Spätestens seit dem Einzug der neuen Kraft ins Innsbrucker Stadtparlament muss bewusst sein, dass es sich nicht nur um ein überregionales Phänomen handelt.

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ach außen hin strahlen St. Pöltens Mandatare Gelassenheit aus. Gefährdet fühlt sich niemand durch die Piraten. Zum einen, wie etwa FP Klubobmann Klaus Otzelberger glaubt, weil „die Piraten im linken Lager fischen“, also ohnedies in dem der Mitbewerber. Zum anderen, wie Bürgermeister Matthias Stadler einräumt, „bei Gemeinderatswahlen schon immer, diverse Listen angetreten sind. Das ist nichts Neues auf Kommunalebene.“ Vizebürgermeister Matthias Adl ortet gerade darin sogar einen Vorteil. „Kommunalpolitiker sind einfach näher am Bürger dran. Und das ist eigentlich schon eine ganz gute Antwort auf eine Bewegung wie die Piraten, die sich anonymer, insbesondere im Netz entfaltet.“ Das heißt aber nicht, dass man die neue Gruppierung nicht ernst nimmt, wie die grüne Frontfrau Nicole Buschenreiter klarstellt. „Als politisch interessierte Bürgerin haben auch politische Mitbewerber meine Aufmerksamkeit.“ Dennoch, und dieses

Mantra beten alle Parteien, konzentriere man sich primär auf die eigene Partei. „Die Grünen werden weiterhin ihre Anliegen – Umwelt, Partizipation, Nachhaltigkeit – vertreten.“ Otzelberger argumentiert in seltener Übereinstimmung ähnlich: „Die FPÖ wird weiterhin konsequent den eingeschlagenen Weg weitergehen. Da wir die Bürger ernst nehmen und uns deren Sorgen und Problemen widmen, sind wir auch erfolgreich.“ Damit schneidet er zugleich eine der naheliegenden Wurzeln des „Phänomens Piraten“ an, dass sich nämlich viele Bürger von den „Altparteien“ vielfach nicht mehr ernst genommen fühlen. „Nichts ist derzeit frustrierender, als die Reaktion der etablierten Politik auf Krisen aller Art. Nur logisch, wenn da Bewegungen weltweit neu entstehen“, ist Buschenreiter überzeugt. Matthias Stadler wiederum ortet eine gewisse Vielschichtigkeit des Phänomens. Zum einen speise es sich aus der aktuellen Transparenz- und Kor-


PIRATEN

ruptionsdebatte in Österreich selbst, zum anderen „geht es aber auch um eine generelle Zeitströmung, der Forderung nach uneingeschränkter Freiheit und Transparenz.“ Diesbezüglich würden zwei Ansätze aufeinanderprallen: Einerseits, wie es die Piraten als praktisch einzigem Programmpunkt fordern, die völlige Freiheit im Netz, „auf der anderen Seite stellen sich aber ebenso Fragen wie jene nach geistigem Eigentum, Cyberkriminalität u. ä.“ Fragen, die nicht mehr an Ländergrenzen enden, „sondern nur durch ein weltweites Regelwerk gelöst werden könnten.“ Und genau das bringe die etablierte Politik auf Nationalebene unter Druck. Allerdings auch, wie Adl überzeugt ist, die Piraten selbst. „Die totale Transparenz ist halt nicht so einfach, wie die Streitigkeiten innerhalb der Piraten über den Umgang mit persönlichen Daten ihrer Vertreter gezeigt haben. Es stimmt sicher, dass die etablierten Parteien ihre eigenen Strukturen hinterfragen müs-

sen, aber umgekehrt zeigt sich, dass es ganz ohne Strukturen eben auch nicht geht.“ Und die Theorie, so ist Bürgermeister Stadler überzeugt, sei halt ein anderes Paar Schuhe als die Realität. „Jetzt gibt es einen Hype, aber letztlich werden auch solche Strömungen daran gemessen werden, welches Programm sie umsetzen.“ Matthias Adl setzt die Ursprünge des aktuellen Hypes tiefschwelliger an. „Wenn ich im Umgang mit politischen Parteien negative Erfahrungen mache, werde ich eher geneigt sein, Bewegungen wie den Piraten näherzutreten.“ Deshalb sei Gebot der Stunde eine Bewegung der Parteien auf die Wähler zu, Teilhabe, persönliche Gespräche. „Da können sich die Bundespolitiker durchaus ein Scheiberl von der Kommunalpolitik abschneiden.“ Damit befindet man sich aber auch direkt im Fahrwasser der aktuellen Generaldebatte um „mehr Demokratie“. Nicole Buschenreiter hat diesbezüglich ganz konkrete Vorstellungen. „Ich per-

sönlich bin für eine radikale Reform des österreichischen Staatswesens: Weg mit den neun Landesgesetzgebungen, mehr klare nationale Zielvorgaben in allen Politikbereichen, dafür größtmögliche Subsidiarität in allen Belangen – Stichwort Schulautonomie. Weiters Bürgerforen sowie Volksbefragungen auf Gemeindeebene zu wesentlichen Themen. Und mehr direkte Demokratie.“ Die „Patenschaft“ für letztere reklamiert quasi Klaus Otzelberger für seine Partei. „Die FPÖ tritt schon seit langem für mehr direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild ein.“ Dem widerspricht auch nicht Matthias Adl, wenngleich er relativiert. „Es wird ja gerne unser Nachbar Schweiz zitiert. Nur dort gibt es ebenfalls Parteien! Ich denke, wir brauchen von beidem etwas, darauf läuft es letztlich hinaus, und damit hätten die Piraten, selbst wenn es sie dann vielleicht gar nicht mehr geben mag, jedenfalls ihren Dienst an der Demokratie getan!“

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MFG URBAN

PETER FILZMAIER

Gekommen, um zu bleiben? Piraten, politische Glücksritter, altaussehende „Altparteien“ und Misstrauen in die Lösungskompetenz der politischen Eliten und Parteien. MFG sprach mit dem renommierten Politologen Peter Filzmaier über aktuelle Phänomene in der österreichischen Politlandschaft, ihre Wurzeln und ihre möglichen Folgen.

Ist das Phänomen der Piraten als direkte Folge der Wirtschafts- und Politkrise in Europa zu erklären oder als Folge der neuen Kommunikationsmöglichkeiten?

Zunächst sind im Grunde nicht die Piraten das Phänomen, sondern die große Sehnsucht nach Parteien und Politikertypen, welche irgendwie anders sind. Dieses Anderssein allein genügt bereits, um bei günstigen Rahmenbedingungen eine Chance für den Einzug in Volksvertretungen – also Gemeinderäte, Landtag und Nationalrat – zu haben. Durch das Internet ergibt sich natürlich eine Kommunikationsmöglichkeit, die jeder neuen Partei offen steht. Doch nur infolge einer tiefgreifenden Vertrauenskrise und wirtschaftspolitischen Hilflosigkeit der nationalen Politik werden Neuparteien interessant, egal um wen es sich handelt. Dadurch entsteht freilich auch das Problem, dass Leute von ganz links bis sehr weit rechts ins Rampenlicht treten. In Deutschland hat ein Pirat in einem Spiegel-Interview die Erfolge seiner Partei mit jener der NSDAP verglichen, und in Österreich gab es eher dümmliche Aussagen wie demokratisch auf Piratenschiffen doch das Morden und Rauben plus Aufteilung der Beute gewesen wäre. Wie ernstzunehmend sind die Piraten politisch betrachtet – handelt es sich um eine „LifestyleErscheinung“ oder sind sie gekommen um zu bleiben?

Als Wissenschaftler bin ich naturgemäß sehr vorsichtig mit Schnellschussurteilen. In Österreich ist es so, dass die Piraten im Innsbrucker Gemeinderat ein Mandat geschafft haben und sonst bisher nirgendwo. Ob es sich also wirklich um eine soziale Bewegung mit politischem Potential handelt oder eine Gruppe obskurer Personen, welche bloß vom Gratis-Marketing im Fahrwasser deutscher Wahlerfolge profitiert, das ist völlig offen. Langfristig stellt sich natürlich auch in Deutschland die Frage, wie eine Bilanz nach fünf Jahren in einem Landtag aussehen wird. 12

„Parteien sind ein zentraler Bestandteil der Demokratie, und das sollen sie auch bleiben!“


Text: Johannes Reichl | Foto: mediaconsult.com

Die Piraten wirken oft noch unorganisiert, ohne konkretes Programm – dennoch werden sie gewählt. Wie ist das möglich? Setzt sich die Klientel ausschließlich aus Protestwählern zusammen?

Mir gefällt der Ausdruck enttäuschter Wähler besser als die Begrifflichkeit Protestwähler. Wer den traditionellen Parteien aufgrund von Enttäuschungen keine Lösungskompetenz zutraut, den stört auch das fehlende Programm und die selbst eingestandene Ahnungslosigkeit der Piraten in vielen Fragen weniger. Sie sind ein Ventil für die Enttäuschung oder meinetwegen auch für den Protest. Das bedeutet jedoch auch, dass Wahlerfolge schwieriger werden, sobald es mehrere neue Parteien gibt, welche im Stimmenteich der Enttäuschten fischen. Wer die Neuen wählt? Derzeit misstraut in Österreich zumindest auf Bundesebene eine Mehrheit sowohl der Regierung als auch der Opposition. Da brauchen Piraten & Co nicht einmal Inhalte, um Stimmen zu bekommen. Ist das Auftauchen der Piraten der erste Schritt zu einer Neustrukturierung von Politik in dem Sinne, wie wir sie bislang verstanden? Eine Neu-

elemente im Wahlrecht nachdenken. Mit den Piraten hat das allerdings weniger zu tun, weil für eine andere Struktur ist letztlich eine Verfassungsreform notwendig. Hat Parteipolitik ausgedient bzw. hat sie überhaupt noch Reformpotential? Welche Antworten müssten die arrivierten Parteien geben, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen?

Parteien sind ein zentraler Bestandteil der Demokratie, und das sollen sie auch bleiben! Es geht bei allen Verdiensten aber darum Auswüchse zu stoppen, welche oft sogar der Verfassung widersprechen. So etwa ist das freie Mandat vorgeschrieben, dass Abgeordnete unabhängig von jedwedem Fremdeinfluss nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Die bedingungslose Fraktionsdisziplin vulgo Klubzwang, der manchmal zu einem Abstimmungsverhalten gegen die eigene Überzeugung führt, ist somit ein Widerspruch in sich. Für mehr Glaubwürdigkeit gibt es nur eine sowohl banale als auch mühsame Lösung: Möglichst gute Sachpolitik zu machen, dabei auf billigen Populismus zu verzichten und sich trotzdem nicht von der Lebenswelt der Wähler zu entfernen. Aktuell gibt es auch diverse Initiativen zu „mehr Demokratie“, „mehr Transparenz“ etc. Ist dies Folge der Korruptionsskandale in Österreich, oder aus der selben Wurzel zu betrachten, wie das Auftauchen der Piraten? Ist die Demokratie tatsächlich ausgedünnt – wenn ja warum?

strukturierung von Politik hat zwar auch mit Einstel- Peter Filzmaier: „Der Zug lungen und Ver- der Lemminge. Heute haltensweisen zu stehen wir am Abgrund, tun, ist jedoch vor morgen sind wir einen Eine Ausdünnung droht zumindest insofern, allem eine Frage großen Schritt weiter.“ weil wir uns einer Demokratie ohne Personal der politischen annähern. Die Piraten und andere Gruppen Systemorganisation. Da gibt mögen eine interessante Erweiterung des Parteienspektrums es in Österreichs Zweiter Re- darstellen, doch genauso bräuchten wir ja möglichst viele publik viele Dinge, die nach gute klassische Politiker. Doch wer ist bereit, das zu werden, dem Schreckensregime der und konstruktiv Ideen einzubringen? Nazis logisch und richtig Wenn jedoch in alten und neuen Parteien ein Freibeuterdenwaren. Beispielsweise ver- ken vorherrscht, bringt das die österreichische Demokratie stehe ich, dass man infolge kaum weiter. einer siebenjährigen Indoktrinierung der Bevölkerung Sind die Politiker wirklich so mies und schlecht, wie durch Nazipropaganda nicht Ihnen vorgeworfen wird? Wie können Sie Glaubwürausgerechnet mehr Direktde- digkeit zurückgewinnen? mokratie haben wollte. Ge- Selbstverständlich sind Pauschalurteile immer ungerecht. nauso hat der Führerkult eine Das gilt genauso für Politiker, weil jeder von uns sich zu gesunde Skepsis vor zu viel Recht empören würde, wenn seine Berufsgruppe verallgePersonenorientierung ausge- meinernd abqualifiziert wird. Nur hat die Politik das Image löst. Die daraus resultierende der eigenen Branche zerstört, so dass quasi eine SchuldverDominanz der Parteien ist mutung gilt, die auch viele unschuldigen Politiker trifft. Für jedoch heute nicht unbedingt die Rückgewinnung von Vertrauen und Glaubwürdigkeit zeitgemäß. Wir sollten daher gibt es keine Patent- und Sofortlösungen. Wenn sich das über mehr Bürgerbeteiligung bis Image im Lauf der Jahre oder Jahrzehnte verschlechtert hat, hin zu verpflichtenden Volksab- so braucht es ebenso lange, um den Vertrauensverlust wiestimmungen sowie mehr Personen- der auszugleichen. MFG 06.12

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MFG URBAN

Tango Korrupti

Dieser Tage kommen die Schlagzeilen kaum ohne „Korruption“ aus. In der Schnittmenge zwischen Politik, Wirtschaft und Justiz gärt es – und Herr und Frau Österreicher scheinen angewidert resigniert zu haben. Doch abseits der schnellen Empörung kann man sich durchaus differenziert mit der Korruptionsproblematik auseinandersetzen. Auch in St. Pölten.

M

it dem Spruch „Das sind eh alles Verbrecher!“ ten „Anfüttern“. Darf ich mich als Entscheidungsträger zu macht man bekanntlich der Mafia den größten einem Kaffee, einem feinen Abendessen oder zu den SalzGefallen. Sehr wohl gibt es nämlich Unterschiede burger Festspielen einladen lassen? Warum macht es einen zwischen strafrechtlich relevantem Fehlverhalten (wofür die Unterschied, ob ich ein leitender Angestellter einer privaten Gerichte zuständig sind) und einem moralisch falschen Ver- Firma bin, ein Beamter oder ein Politiker? Was ist unverhalten (was bekanntlich nicht verboten ist). Gerade auf den fängliches Sponsoring, was verdeckte Parteienfinanzierung? unterschiedlichen Korruptionsbaustellen verschwindet derBetrachtet man die moralische Ebene (und lässt strafzeit vieles in einem nebulosen rechtliche Verfahren beiseite), Sumpf von Vorwürfen. Schließso scheint die Politik angeAufgeklopft lich ist „Korruption“ ein Samsichts katastrophaler Imagemelbegriff von Fehlverhalten, Korruption ist ein kriminologischer Begriff, quasi ein Sammelwerte allmählich zu erkennen, becken für strafbare Handlungen, die beispielsweise im Strafdem auf rechtlicher Ebene mit gesetzbuch geregelt sind. Korruption ist ein internationales dass die Zukunft wohl wenigesetzlichen Verboten begegnet Phänomen und kann je nach Ausprägung zur Unregierbarkeit ger „Schlampigkeit“ verträgt. wird. (Siehe Kasten „Aufge- eines Staates („failed states“) führen. 2010 eröffnete im niederö- Was in großen (meist internasterreichischen Laxenburg die „Internationale Anti-Korruptionsklopft“.) tionalen) Unternehmen längst In St. Pölten sorgte im Som- Akademie“, die für 60 Staaten bzw. internationale Organisati„usus“ ist, scheint nun auch onen an Korruptionsbekämpfung arbeitet. mer 2006 die Verurteilung des für Österreichs Politiker zu ehemaligen Leiters der Gebäu- Im österreichischen Recht ist der Delikt des Amtsmissbrauchs kommen: ein „Code of Condeverwaltung des St. Pöltner relevant, bei dem Beamte vorgeblich unter Vollziehung der Ge- duct“, sprich ein Verhaltenssetze mit Vorsatz andere in ihren Rechten schädigen. Auch bei Zentralklinikums für Wirbel. der Untreue wird eine Befugnis (etwa über fremdes Vermögen kodex, in dem geregelt wird, Der Magistratsbeamte wurde zu verfügen) wissentlich falsch gebraucht. Dies kann nicht nur welches Verhalten erwünscht des Verbrechens der Untreue Beamte treffen sondern auch Organe eines privaten Unterneh- und welches unerwünscht ist. und der Geschenkannahme mens, die beispielsweise ihre Eigentümer schädigen. Verboten Für Aufhorchen sorgte Mitte durch Beamte schuldig gespro- sind natürlich auch das Verletzen des Amtsgeheimnisses oder Mai etwa Vizekanzler Midie falsche Beurkundung und Beglaubigung. Abgerundet wird chen, seine Haftstrafe hat er das Korruptionsgemälde noch mit der Bestechlichkeit, Vorchael Spindelegger (ÖVP) als mittlerweile abgesessen (MFG, teilsnahme oder Geschenkannahme (durch einen Beamten) er meinte, dass die „ParteiAusgabe 30), vorm Hinter- – oder „nur“ deren Vorbereitung. buchwirtschaft“ in Zukunft grund der aktuell in den Me- Gerade bei der Geschenkannahme herrscht derzeit große der Vergangenheit angehören dien kursierenden Korruptions- Verunsicherung. Es soll Behördenerlässe geben, die es beispiels- soll. Für ÖVP-Politiker soll es fällen scheint sein Fall relativ weise Beamten verbieten bei Behördenverhandlungen kosten- also zukünftig zum NO-GO unspektakulär. Wobei schon los bereitgestelltes Mineralwasser anzunehmen. Leitungswasser werden, wenn jemand seinen sei okay. Heißes Teewasser jedoch nur in Maßen, den Teebeutel damals hitzig diskutiert wurde, müsse man jedenfalls privat mitnehmen, auf den dürfe man Job aufgrund des „richtigen“ wie weit es sich um das Fehl- sich nicht einladen lassen. Ein großes Fragezeichen in den akParteibuchs erhält – oder wenn verhalten einer Einzelperson tuellen Diskussionen zur geplanten Gesetzesverschärfung ist die man zum Dienstvertrag auch oder ein – österreichisch aus- Frage, wann eine Geschenksannahme bzw. das Anfüttern oder gleich den Antrag zur Parteigedrückt – zumindest „schlam- „Anbahnen“ eines Geschäftes vom Gesetzgeber geahndet mitgliedschaft dem neuen Kolwerden soll. piges“ System handelt. Zweilegen auf den Tisch legt. Da felsohne hat sich in Österreich, schmunzeln manche im Magiwie auch in anderen europäischen Ländern, das Bewusst- strat und bei der Landesregierung – ist doch die Parteibuchsein für „Korruption“ in den letzten Jahren geändert. wirtschaft nach wie vor offiziell nur ein Hirngespinst, aber real durchaus ein Bestandteil des Systems „Österreich“. Code ohne Parteibuchwirtschaft Auch Gesetzesänderungen und Gerichtsentscheidungen ha- Schnell fertig – oder auch nicht ben in den letzten Jahren für Diskussionen gesorgt. Etwa die Auf der rechtlichen Ebene bietet der Überbegriff Korruperst verschärfte, dann vom Gesetzgeber wieder entschärfte tion zahlreiche Delikte, die von der KorruptionsstaatsanRegelung von „Bestechungen“ bzw. dem heiß diskutier- waltschaft untersucht werden. St. Pöltens Magistratsdirek14


TEXT: MICHAEL MÜLLNER | Fotos: Hermann rauschmayr

27 Milliarden Euro Schaden entstehen jährlich in Österreich durch Bestechung und Geschenkannahme – rechnete Friedrich Schneider von der Linzer Johannes Kepler Uni in einer Studie aus.

tor Thomas Dewina ist der höchste Beamte im Rathaus. Im Gespräch mit MFG unterstreicht auch er die Bedeutung einer differenzierten Sichtweise: „Wenn wir uns über Korruption unterhalten sollen, dann sind wir entweder sehr schnell fertig, oder wir können uns ewig unterhalten.“ Konkrete Korruptionsfälle habe er in den letzten Jahren in seinem Verwaltungsapparat nämlich nicht gehabt – also sind wir da „schnell fertig“. Vorwürfe soll es aber schon gegeben haben, diese würden beispielsweise durch die Korruptionsstaatsanwaltschaft dann untersucht. Hier stellt sich Dewina vor seine Mitarbeiter: „Gerade der Vorwurf des Amtsmissbrauchs ist schnell erhoben. Entscheidet ein Beamter auf sachlicher Grundlage gegen einen Antragsteller, dann kann man schnell vorwerfen, der Beamte sei gekauft oder habe ohne Grundlage entschieden. Das ist eine Belastung für alle, die täglich ihre Arbeit korrekt ausüben. Wir dürfen nicht zu einer Gesellschaft verkommen, in der man einfach missliebige Entscheidungen mit falschen Vorwürfen quittiert. Immerhin brauchen wir ja auch sachkundige Beamte, die bereit sind Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.“

Gerade beim Vorwurf des Amtsmissbrauchs sehen auch viele Juristen die Gefahr für einen funktionierenden Rechtsstaat. Einerseits ist es für das Vertrauen der Bevölkerung immens wichtig, dass Hinweisen auf „käufliche Entscheidungen“ nachgegangen wird, andererseits soll dem „Anpatzen“ von unliebsamen Entscheidungsträgern durch übermotivierte Korruptionsjäger oder Vernaderer nicht Tür und Tor geöffnet werden. Während die Öffentlichkeit also täglich in einer Mischung aus Ekel und Faszination verfolgt, wie über Jahre hindurch in den „berühmten“ Causen – beispielsweise rund um den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser – die Unschuldsvermutung zitiert wird und scheinbar nichts weitergeht, kann es beim kleinen Bürger (oder Beamten) schon mal Ratz-Fatz gehen. So wurde etwa ein Wiener Finanzbeamter im Mai 2011 des Verbrechens des Missbrauchs der Amtsgewalt für schuldig erkannt, weil er im zentralen Melderegister nach Bekannten gesucht hat – aus rein privatem Interesse, weil er diese beispielsweise zu einer Hochzeit einladen wollte. Pikantes Juristendetail am Rande: Die MelMFG 06.12

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MFG URBAN

Tango Korrupti

auch wieder nicht, da kann keiner sagen, er hätte nicht gewusst, dass er etwas Falsches tut.“ Eine eigene „Befähigungsprüfung“ gibt es nicht. Die klassische „Dienstprüfung“, früher für pragmatisierte Beamte vorgesehen, gibt es nicht mehr. Der Magistrat fördert aber die freiwillige Teilnahme an diesen Kursen als Zurück nach St. Pölten „wichtige Weiterbildung“, wie Dewina Dort wird im Rathaus dieser Tage eine betont. Software des Städtebunds installiert. Juristenlatein. Auch auf Deutsch sorgt die Auch im heutigen Landesklinikum Die Schulungssoftware ist für Gemein- Materie für manches Fragezeichen. St. Pölten scheinen sich die Rahmenbedemitarbeiter konzipiert und erläutert mit praktischen Fallbeispielen die rechtlichen Rahmenbe- dingungen seit der Übernahme des Hauses durch das Land dingungen des Arbeitsalltags. Was darf ich tun? Wie soll NÖ und die Eingliederung in die NÖ Landesklinikenholich mich verhalten? Gerade im Einzelfall hilft es oft, wenn ding geändert zu haben. „Basierend auf den gesetzlichen man nachfragen kann ohne „Rechenschaft ablegen zu müs- Grundlagen wurden Normerlässe und Richtlinien für die sen“. Magistratsdirektor Dewina verweist auch auf Publi- Mitarbeiter erarbeitet. In diesen sind Nebenbeschäftikationen des Kontrollamts oder auf interne Schulungen, gungen, Geschenkannahme, etc. geregelt“, so eine Sprechedie gelegentlich zum Themenbereich Korruption abgehal- rin. Alle seien entsprechend „informiert und sensibilisiert“. Die nächsten Wochen werden wohl neue Verhaltenskoten werden. Dewina: „Auch die Abteilungsleiter sensibilisieren dahingehend ihre Mitarbeiter. Die Eigenverantwor- dizes, Transparenz- und Anti-Korruptions-Richtlinien brintung kann man aber dem Einzelnen nicht abnehmen. Das gen. Für Diskussionsstoff bleibt zurecht gesorgt: durch Bemoralische Empfinden muss auch jeder selber mitbringen. stechung und Vorteilsannahme entstehen hierzulande laut Geschenkannahme, Amtsmissbrauch, so kompliziert ist das einer Linzer Studie 27 Milliarden Euro Schaden - jährlich. dedaten hätte er ohnedies ganz legal abfragen können, somit war sein Verbrechen nur jenes, dass er den Staat um 24 Euro an Gebühren gebracht hatte, die er für eine korrekte Abfrage hätte zahlen müssen. Das nicht rechtskräftige Urteil: 18.000 Euro Geldstrafe.

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Urlaubsflair am St. Pöltner Rathausplatz

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ommerzeit heißt Festivalzeit und die kann man in St. Pölten beim „Sommerfestival“ von 5. Juli bis 12. August 2012 am Rathausplatz wieder in vollen Zügen genießen. Die Eröffnung am 5. Juli 2012 findet mit dem schon traditionellen Bieranstich durch Bürgermeister Mag. Matthias Stadler um 18.00 Uhr statt, davor spielt die „Black & White Company“. Nach dem Bieranstich unterhält „Lukascher“, der im südlichen Jamaika geboren wurde und die Reggaemusik in die Wiege gelegt bekam, und ist somit eines von vielen musikalischen Highlight´s dieses Sommerevents mitten im Herzen der Innenstadt. Auftritte von St. Pöltner Künstlern wie „Cosa Nostra“, Reini Dorsch Trio, F.A.B 3, Chris Heart & Waugl, und den Legendary Daltons werden ebenso für Stimmung sorgen wie „Opfekompott“, „Frauenzimmer Deluxe“, und nicht zu-

letzt Ramona Rotstich, eine Kandidatin von „The Voice of Germany“ und viele andere mehr. Erstmals wird es heuer an zwei Mittwoch-Abenden eine „After Work Party“ mit DJ Little John geben, und zwar am 18. Juli und am 1. August, jeweils ab 17.30 Uhr,

Entertainment. Für musikalische Genüsse sorgen DJ Little John, Ramona Rotstich uvm.

ideal für alle, die nach einem anstrengenden Arbeitstag „abchillen“ möchten und bei einem guten Glas Rotwein den Abend entspannt ausklingen lassen wollen. Drei Modenschauen der insbesondere Innenstadt bringen die Sommermoden auf den Rathausplatz.

Genießen und gustieren sollte man auf jeden Fall auch die Vielfalt der gastronomischen Angebote, die wieder um einige „landestypische“ Spezialitäten erweitert wurden. Zur europäischen Küche kommen neue Länder und Regionen wie z. B. Ghana, Thailand oder Hawaii hinzu. Selbstverständlich wird es auch wieder viele heimische Schmankerl beim diesjährigen Sommerfestival geben. Freuen Sie sich auf ein abwechslungsreiches Programm angefangen von Köstlichkeiten für den Gaumen, musikalische Genüsse und die neuesten Kinofilme ab dem 5. Juli bis zum 12. August. Mitten im Herzen unserer Barockstadt St. Pölten. Nähere Informationen und wöchentliche Details zum Sommerfestival 2012 finden Sie auf der BüroV Homepage.

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MFG 06.12

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MFG URBAN

Im Trüben fischen

Wer anlässlich des Prozessauftaktes im Fall St. Pölten gegen Raiffeisen Landesbank Wien/Niederösterreich in Sachen Derivativgeschäfte am Wiener Handelsgericht gehofft hatte, dass nunmehr Licht ins Dunkel der seitens der Stadt zur Verschlusssache erklärten Causa kommt, wurde enttäuscht. Der Prozess wurde auf September vertagt. Es heißt weiterhin im Trüben fischen.

A

uf Anfrage von MFG, ob sich an der generellen (Des)Informationspolitik der Stadt etwas geändert habe, wurde erklärt, dass es in Bezug auf die Klage „keine Neuigkeiten“ gibt. Eine neuerliche Anfrage, so hieß es weiter, habe daher keinen Sinn. Kurzum: Die Angelegenheit wird nach wie vor völlig an der Öffentlichkeit vorbeigespielt. Den unsererseits verwendeten Begriff „Informationssperre“ weist man allerdings zurück, weil die Derivativgeschäfte ja in der „nicht öffentlichen Sitzung des Ge18

meinderates“ abgehandelt würden – also hinter verschlossenen Türen. Argumentiert wurde dieses Vorgehen von Beginn an damit, „die Rechtsposition der Stadt St. Pölten im laufenden Verfahren zu wahren". Für Otto Normalverbraucher liegt freilich auch die Vermutung nahe, dass man das wahre budgetäre Gefahrenpotential im Falle eines Scheiterns der Klage ebenso verschweigen mag, wie die Frage, wer seitens Verwaltung und Politik dann die Verantwortung dafür trägt. Man hofft auf ein gutes Ende

ohne späteren Erklärungsbedarf. Eine weitere Zuspitzung erfährt die­se „Transparenzpolitik“ à la St. Pölten durch den Umstand, dass – was in der unterdrückten öffentlichen Debatte bislang gänzlich untergegangen ist – sämtliche von der Stadt getätigten Derivativgeschäfte unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt werden. Also auch jene, die mit dem Prozess oder der RLB in überhaupt keinem Zusammenhang stehen. Warum? Gut in dieses Mosaik des Verschweigens passt zudem, dass jene Teile des


Text: Johannes Reichl | Foto: rebel/FOTOLIA.com

2010 aufgrund des Frankenkurses für die Stadt negativ entwickelt. Die Stadt möchte aus diesem Geschäft, das auch für die Zukunft Millionenverluste bedeuten könnte, so schnell als möglich hinaus. Folgende Strategien bieten sich aus der Erfahrung anderer Körperschaften (St. Pölten ist beileibe kein Einzelfall, zahlreiche Gemeinden, Institutionen, Länder etc. haben ähnliche Geschäfte laufen) an: Zum einen beschuldigt man die RLB, die Kommune nicht ausreichend über die Risken der Geschäfte informiert zu haben (Selbstredend, dass die RLB ihrerseits auf die ausreichende, vorgeschriebene Informationspflicht beharrt.) Ob diese Strategie der Stadt aufgeht, wird sich weisen. Immerhin hatte die Kommune ehemals zahlreiche Derivativgeschäfte laufen (mit verschiedenen Instituten), außerdem leistete sie sich für all diese Geschäfte sogar eine eigene externe Risikoberatungsfirma: Pikantes Detail am Rande – es handelte sich hierbei um die RLB! Diese informierte zu Beginn angeblich auch wöchentlich über das nun eingeklagte Geschäft. Hoffnung darf die Stadt nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes im Februar dieses Jahres zugunsten der Vorarlberger Gebietskrankenkasse in einem ähnlich gelagerten Fall dennoch schöpfen: So habe die Bank [in diesem Fall die Bank Austria, Anm. d. Red.] den Kunden nicht über die eigene Marge und den damit verbundenen Interessenskonflikt aufgeklärt, weshalb das Geschäft nicht rechtmäßig zustandegekommen sei und für nichtig erklärt wurde. im vorletzten Gemeinderat präsentierten Kontrollamtsberichts, die die Derivativgeschäfte der Stadt betrafen, ebenfalls nur in der nichtöffentlichen Sitzung referiert wurden. Exitstrategien. Hat die Stadt schon früher SWAPGeschäfte mit der RLB getätigt, ohne deshalb vor den Kadi zu gehen (warum auch, sie liefen gut), so wurde jetzt eine im Jahr 2008 abgeschlossene Euro/Franken-Wette juristisch hinterfragt, die sich seit mindestens

Schwarzer Peter? Eine zweite Stadtstrategie könnte sich ebenfalls am Vorgehen der Vorarlberger Gebietskrankenkasse orientieren. So könnte man versuchen, den Schwarzen Peter sozusagen weiterzugeben, indem man den Standpunkt vertritt, dass (in diesem Fall) die Gemeindeaufsicht Niederösterreich versagt hat, weil sie ein derart hochspekulatives Geschäft mit einem überlangen Zeitraum, der auch nächste Generationen betrifft, hätte untersagen müssen. Diesbezüglich würde man sich auf jenen Passus

beziehen, der besagt, dass die Gemeindeaufsicht Rechtsgeschäfte dann zu untersagen hat, wenn eine Gefahr der dauernden Schmälerung des Gemeindevermögens, eine übermäßige Verschuldung oder eine Gesetzwidrigkeit der Maßnahme die Folge sind. Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse konnte sich mit dieser Argumentationslinie im Nachhinein(!), also ohne, dass sie im Vorfeld das Geschäft bei der zuständigen Aufsichtsbehörde überhaupt gemeldet hatte, juristisch aus der Bredouille befreien – was auch St. Pölten hoffen lässt. Die Geschäfte mussten rückabgewickelt werden. Von der Gemeindeaufsicht erhielt MFG übrigens auf seine Fragen, ob sie von den Geschäften überhaupt gewusst habe, diese meldepflichtig seien, und wenn ja, ob sie sie genehmigt oder untersagt wurden, bis zum Redaktionsschluss keine Antwort. Doppelmühle für die RLB? Die RLB ihrerseits ist ebenfalls in einem Dilemma, weil man als mit den Kommunen eng verzahnter Geschäftspartner zahlreichen Gemeinden ähnliche Geschäfte vermittelt hat. Während es den dahinter stehenden internationalen Fonds und Gesellschaften herzlich egal sein wird, was mit den Gemeinden passiert, kann es dies der RLB keinesfalls sein. Die Folge wäre ein eklatanter Vertrauensbruch. Zudem droht der RLB, sollte die Klage St. Pöltens zugunsten der Kommune ausgehen, ein Dominoeffekt. Das Bankinstitut bliebe wohl selbst auf den Zahlungen gegenüber seinen Geschäftspartnern sitzen. All diese Ingredienzien legen nahe, dass beide Seiten um einen Vergleich bemüht sind, weil der jeweils vage Ausgang für beide äußerst riskant scheint! Die Stadt hat wohl auch deshalb nicht den Fehler von Linz begangen, gleich auf völligen Crashkurs einzuschwenken. Die oberösterreichische Landeshauptstadt hatte ja – sich ebenfalls auf zu wenig Aufklärung berufend und daher die Geschäfte für nichtig erklärend – im Vorjahr nicht nur Klage gegen seine Hausbank BAWAG eingebracht, sondern mit sofortiger Wirkung auch die Zinszahlungen aus MFG 06.12

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MFG URBAN

Fellner's Shitstorm

Michael Müllner

Foto: kallejipp/photocase.com

Ende Mai „berichtete“ die sogenannte Tageszeitung ‚Österreich’ mittels eines Live-Tickers vom Begräbnis jenes Achtjährigen, der Tage zuvor von seinem eigenen Vater erschossen wurde. Das hatte nichts mehr mit der zulässigen „Blödheit des Boulevards“ zu tun oder einer „nun mal sensationsgeilen“ Öffentlichkeit, der die Massenmedien halt ihre Hand anlegen müssten. Das Opfer war der Öffentlichkeit unbekannt. Es war kein Superstar, dessen (selbstgewählte!) Popularität über den eigenen Tod hinaus hätte wirken können. Es gab kein öffentliches Interesse an diesem Kind – und schon gar nicht am Aussehen seines Sarges. Menschen mit ausgebildeter Moral würden wohl von „Pietät“ sprechen. Von diesem Begräbnis zu tickern heißt auf moralische Mindeststandards, Pietät und Berufsethik zu scheißen. Empörte Twitter-Nutzer sorgten – wie passend – für einen „Shitstorm“, ‚Österreich’-Chef Fellner drehte den Ticker rasch ab, Microsoft stoppte seine Werbekampagne auf der ‚Österreich’-Website. Der Spuk nahm ein Ende, das Problem bleibt. Als Bürger kann man aus der Causa zwei Schlüsse ziehen. Erstens sollte man dieses Blatt meiden und zu jenen Alternativprodukten greifen, für deren Konsum man sich bei Tageslicht nicht genieren muss. Zweitens sollte man sich darüber empören, dass diesem Unternehmen aberwitzig viel Steuergeld in Form von „Inseraten“ zugesteckt wird. Mit unseren Witzen neben der BüroKaffeemaschine und unseren Likes auf Facebook begründen wir übrigens die sogenannte Zivilgesellschaft. Dort machen wir Tag für Tag einen Unterschied. Wir können täglich dem Stumpfsinn frönen – oder ihn gnadenlos ansprechen. It’s your turn!

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Im Trüben fischen

den Verträgen eingestellt. Die BAWAG – wie man weiß mittlerweile im Mehrheitsbesitz des globalen Gamblers CERBERUS, also ohne großes österreichisches Nahverhältnis – hat daraufhin mit einer Gegenklage samt Schadenersatzforderung in der Höhe von fast 419 Millionen Euro geantwortet. Das Verfahren läuft. St. Pölten hingegen kommt bislang brav seinen (wenn auch nunmehr juristisch angezweifelten) Verpflichtungen nach, und muss aufgrund der aktuellen Euro-Frankenkonstellation kräftig zahlen. Im Jahr 2011 waren es angeblich rund 1,5 Millionen Euro, die dafür rückgestellt wurden. Das Geschäft läuft bis 2028. Ginge Nichtigkeit durch, würden die

Geschäfte rückabgewickelt. Eine Hoffnung, die nicht nur die Politiker und die für diese Geschäfte verantwortlichen Beamten hegen, sondern nolens volens auch die Bürger der Stadt! Der eigentliche Prozessauftakt im September, wenn dann erstmals Vertreter von Stadt und Bank ihre Positionen darlegen, verspricht jedenfalls spannend zu werden. Bis dahin heißt es für Bürger sowie Journalisten weiterhin im Trüben fischen und sich seinen Teil über den von Politikern aktuell gern strapazierten Begriff „Transparenz“ zu denken. Dass sich die Kommune ihrerseits im Verfahren gegen die RLB auf mangelnde Transparenz und Information des Bankinstituts beruft, entbehrt keiner gewissen Ironie.

Die Sache mit der Barclays BANK Wer meint, das Derivativgeschäft mit der RLB sei das einzige, das aktuell Kopfzerbrechen bereitet, liegt wohl falsch. Die Stadt hat auch mit anderen Instituten ähnliche Deals laufen. Und auch über diese gibt man unter dem Vorwand der RLB-Klage keine Auskunft, was einigermaßen stutzig macht. Ungemach bergen möglicherweise zwei SWAP-Geschäfte mit der britischen Barclays Bank, die erst im Dezember 2007 abgeschlossen wurden. Die Stadt erhielt damals eine Upfrontzahlung von 2 Millionen Euro, womit zuvor eingefahrene Verluste u. a. aus Währungsoptionen wettgemacht werden konnten, und der 2008 vorgelegte Rechnungsabschluss in dieser Rubrik nunmehr ein leichtes Plus auswies. Allein, die neue Zinswette, die 2019 schlagend wird, entwickelt sich aktuell angeblich nachteilig für die Kommune. Der Deal sieht vor, dass die Stadt 2019 fix 23 Millionen Euro von der britischen Großbank bekommt. Soweit so gut. Die Stadt ihrerseits bezahlt hingegen fix 17 Millionen Euro plus – jetzt kommt das Wettelement ins Spiel – die Kursdifferenz zwischen Ausgabe und Endzeitpunkt mal Fixwert. Aktuell liegt man damit dem Vernehmen nach leicht im Minus, mit wenig rosigen Aussichten für die Zukunft.

Barclays: Geschäftspartner mit wenig schmeichelhafter Auszeichnung als übelstes Unternehmen 2012.

Unappetitliches Detail am Rande. War die Stadt auch in diesem Fall zu wenig informiert? Möglich.Wenig bzw. gar nicht informiert hat sich die Stadt offensichtlich über die Geschäftspraktiken ihres globalen Partners bzw. hat dafür schlicht noch kein Bewusstsein ausgebildet. So erhielt Barclays, eine der größten Banken der Welt, aufgrund seiner Lebensmittelspekulationen heuer den wenig schmeichelhaften Public Eye Global Award der Berner Konferenz und Greenpeace Schweiz, welche alljährlich die „übelsten Unternehmen“ der Welt auszeichnen. In der Begründung heißt es: „Spekulation mit dem Wichtigsten auf Kosten der Ärmsten zugunsten der Reichsten: Die britische Großbank Barclays ist der schnellstwachsende Nahrungsmittelspekulant der Welt. Er treibt die Nahrungsmittelpreise weltweit auf Kosten der Ärmsten in die Höhe. [...]. Barclays lobbyiert momentan massiv bei der Regierung in London gegen drohende staatliche Regulierungen für die Lebensmittelspekulation.“ Für eine Stadt, die soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen heftet, muss auch die Frage der Geschäftspartner eine relevante sein! Auch hier ist die vielbeschworene Transparenz gefordert, und zwar nicht nur im Sinne einer Bring-, sondern auch einer Holschuld.


Wer ist eigentlich Ulrike Schörgmayer?

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Seit über drei Jahrzehnten ist Ulrike Schörgmayer für die Bücherwürmer der Stadt eine kompetente Ansprechpartnerin. Lesen die Menschen überhaupt noch Bücher? Absolut! Seit 2007 hat sich die Zahl der ausgeliehenen Bücher verdoppelt. Im Vorjahr hatten wir zweistellige Steigerungsraten bei den Entlehnungen und den Lesern. Unser Publikum wird auch immer jünger, die größten Leser-Zuwächse haben wir bei Kindern und Jugendlichen. Das hängt sicher damit zusammen, dass wir gezielt die Zusammenarbeit mit Schulen forcieren, etwa ganze Klassen einladen. Mittlerweile entfallen 45% aller Entlehnungen auf Kinder- und Jugendbücher. Die Jugendlichen sind auch sehr interessiert, und kommen oft mit ganz gezielten Fragen zu uns.

Living Office* | St. Pölten

Da werden sich die PISA-Resultate hoffentlich bald verbessern. Es ist wirklich auffällig, dass viele Jungfamilien das Lesen fördern. Die ganze Familie kommt in die Bücherei, sieht sich um, gustiert, diskutiert und leiht sich dann Bücher oder Spiele aus. Das finde ich wunderbar und entspricht genau unserem Bild von der Bücherei. Wir sehen die Stadtbücherei bewusst als Ort der Kommunikation, wo Menschen, die gerne lesen, sich austauschen können. Beim

Stadtbücherei St. Pölten 40.000 Medien, davon 35.000 Bücher hat die Stadtbücherei für Sie im Sortiment. Die sieben Mitarbeiterinnen haben im Jahr 2011 über 150.000 Bücher an die über 3.100 Leser verliehen. Lesen ist man allein, aber davor und danach darf man gern über die Bücher sprechen. Was waren 2011 die „Bestseller“ der Stadtbücherei? Bei den Kids war „Greg´s Tagebuch“ der Renner mit über 300 Entlehnungen. Bei den Erwachsenen ist es derzeit Daniel Glattauers „Ewig Dein“. Obwohl wir hier mehrere Exemplare haben, gibt es zahlreiche Vorbestellungen. Mein persönliches Lieblingsbuch ist übrigens auch von Glattauer „Gut gegen Nordwind“. Generell kann man sagen, die Jugendlichen stehen derzeit vor allem auf Fantasybücher. Die Erwachsenen lieben Thriller. Es gilt das Motto: je grauslicher, desto beliebter.

Ulrike Schörgmayer Stadtbücherei

n!

n lesenswerte Zeite

Wir wünschen Ihne

Geht der Trend auch in Richtung „Neue Medien“? Keine Frage, wir versuchen dem Rechnung zu tragen, indem wir verstärkt Hörbücher ins Programm nehmen, CDs und DVDs oder Spiele für Playstation oder WII anbieten. Das wird wirklich stark nachgefragt. Erwähnen möchte ich auch, dass wir viele fremdsprachige Bücher im Angebot haben: englisch, französisch, italienisch, türkisch etc. Wie kann ich mir ein Buch ausleihen? Das geht ganz einfach. Sie müssen nur mit einem Lichtbildausweis in die Stadtbücherei kommen. Für eine Einschreibgebühr von zwei

Stadtbücherei St. Pölten, Prandtauerstraße 7, Ausleihe: 02742/333-2700 Öffnungszeiten: Mo. 14.00-20.00 Uhr Mi. 14.00-17.00 Uhr Do. 8.00-14.00 Uhr Fr. 14.00-17.00 Uhr Mehr Infos zur Stadtbücherei finden Sie auf www.st-poelten.gv.at/buecherei Euro sind Sie dann Mitglied. Die Ausleihgebühr ist sehr niedrig, für Kinder unter 15 Jahren sogar gratis. Wer wissen will, welche Bücher wir haben, braucht nur über die Homepage der Stadt St. Pölten einsteigen (www.st-poelten.gv.at/buecherei) und hat dann Zugriff auf unseren gesamten Bücherkatalog. Die Mitglieder können dann von zu Hause Reservierungen und Verlängerungen der Medien vornehmen. Dies gilt auch für NichtSt. Pöltner. Die eigentliche Ausleihe ist aber nur ein kleiner Teil Ihrer Arbeit? Ich würde sagen, es macht die Hälfte aus. Die andere Hälfte unserer Zeit verbringen wir damit, Bücher für unseren Fundus auszuwählen, zu bestellen, zu katalogisieren und gegen Diebstahl zu sichern. Es dauert schon eine Zeit, bis ein Buch im Regal steht. Die Teilung der Arbeit ist genau das, was mir gefällt. Man kann einerseits in Ruhe arbeiten, hat aber auf der anderen Seite viel Kontakt mit interessanten Menschen. Was macht Ulrike Schörgmayer, wenn sie nicht gerade ein Buch liest? Ich lese tatsächlich sehr viel, daneben höre ich gerne Musik, laufe oder bin mit meinem Mann mit dem Motorrad unterwegs.


MFG URBAN

MATTHIAS ADL

Man in black

Vor gut einem Jahr wurde Matthias Adl Vizebürgermeister der ÖVP und schlug als neuer Frontmann allen Unkenrufen zum Trotz eine passable Wahl für seine Partei. Dieser Tage wurde er zudem zum Stadtparteiobmann gekürt und ist damit endgültig der neue starke Mann der St. Pöltner Schwarzen. Wir baten zum Gespräch.

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nnerhalb des ÖVP-Bezirksgebäudes, wo wir uns treffen, ist Adl nicht aufgestiegen, sondern einfach ins nächste Büro übersiedelt – dieses ist freilich das letzte, weiter geht’s nicht. Am Schild davor prangt noch der Name des Vorgängers Johannes Sassmann – unser Fotoshooting ist willkommener Anlass, um jenen des neuen Chefs anzubringen. Mit den 22

neuen Aufgaben innerhalb der Partei ist auch das Pflichtenheft des Kommunalpolitikers umfangreicher geworden. „Nachher fahr ich zu einer 70’er Gratulation. Und am Freitag habe ich die Trauerrede für den verstorbenen Vizebürgermeister Dr. Anton Korner gehalten – dem war ich sehr verbunden!“ Korner sei überhaupt eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen, ein

Visionär, wie Adl meint. Zum Beweis legt er eine Wahlwerbung des damaligen Mandatars aus dem Jahr 1965 vor. Handgeschrieben! Die Inhalte hingegen sind durchaus zukunftsgewandt. So ist davon die Rede, St. Pölten zum „Landesschwerpunkt“ zu machen, ein Landestheater in St. Pölten zu errichten oder, brandaktuell, ein neues Freibad im Norden der Stadt. Bemerkens-


TEXT: Johannes Reichl | Fotos: Hermann Rauschmayr

Und arbeitstechnisch? Sie sind jetzt ja auch zum Stadtparteiobmann gewählt worden.

Es ist Tradition und Ergebnis von Erfahrung in unserer Partei, dass beide Ämter, also Vizebürgermeister und Stadtparteiobmann, in einer Hand liegen. In jenen Zeiten, als dies nicht der Fall war, gab es zumeist Probleme. Das vergangene Jahr war einerseits geprägt von den Ansätzen, die wir im Wahlkampf eingebracht haben, wobei ich diesbezüglich allen voran die Zusammenarbeit hervorheben möchte. Zum anderen haben wir, hinter den Kulissen, an einer organisatorischen Neuausrichtung der Partei gearbeitet, versucht, auf allen Ebenen neue Leute zu finden, die sich einbringen. Neue Leute in Zeiten der Politikverdrossenheit – klingt nach der Quadratur des Kreises?

„Man wird nicht als Frontman geboren, sondern muss hineinwachsen. Aber ich denke, es ist mir ganz gut gelungen.“

wert ist auch Korners Amtszeit: 31 Jahre lang war er im Gemeinderat, fast 20 Jahre davon, zwischen 1964 -1982, als Vizebürgermeister. Die Latte für Adl liegt also hoch, ja scheint eigentlich nur überwindbar, wenn er dereinst das Vize- vor seinem Bürgermeistertitel verlieren sollte. Allein: Das ist bislang noch keinem VP-Politiker in St. Pölten gelungen. Sie sind seit einem Jahr Vizebürgermeister. Wie sieht Ihr persönliches Resümee aus?

Es war ohne Zweifel ein Jahr der Erfahrung. Man wird ja nicht als Frontman geboren, sondern muss hineinwachsen. Aber ich denke, es ist mir ganz gut gelungen. Wichtig ist, dass man authentisch bleibt.

Ganz und gar nicht. Ich orte sogar eine Art Gegenbewegung. Wie bei der Jugend, die sich wieder verstärkt nach Werten sehnt, gibt es auch viele Menschen, die der ÖVP durchaus offen gegenüber stehen, sich engagieren möchten. Nur wurden sie in der Vergangenheit nicht abgeholt. Darum bemühen wir uns jetzt, und zwar auf ehrliche und nachhaltige Weise, nicht nur halbherzig und einmalig. Ich glaube, wenn die Politik prinzipiell diesen offenen Weg einschlagen würde, könnte man der aktuell sichtbaren Erosion entgegenwirken bzw. einer Expansion der „Protestwähler“ vorbeugen. Sie haben das Bemühen um Zusammenarbeit angesprochen. Ist das nicht zynisch angesichts angedeuteten Bilanzfälschungsvorwürfen, Klagsdrohung u. ä., womit die ÖVP die SPÖ konfrontiert hat?

Zusammenarbeit kann halt nicht heißen, dass einer anschafft und alle anderen buckeln. Wir hatten zu Beginn durchaus das Gefühl, dass auch die Mehrheitspartei Konstruktivität zeigt. Aber spätestens seit der Budgetdebatte scheint dieser Wille verflacht. Und selbst in Belangen, wo die Hürden gar nicht so hoch waren – wenn ich nur an den Kauf des Truppenübungsplatzes

Völtendorf denke – wurden Alleingänge gemacht. Diese 2,5 Millionen Euro hätten wir uns wirklich sparen können, weil das Naturschutzgebiet sowieso erhalten bleibt und das Agrarland erst wieder an die Bauern verpachtet wird. Wenig nach Zusammenarbeit haben auch Ihre Vorwürfe am Stadtparteitag geklungen, wonach die SPÖ und der Bürgermeister würden nur „von einem Sektempfang zum nächsten eilen und meinen, das Einzige, was zähle, sei mediale Selbstbeweihräucherung“. Klingt nach reiner Polemik.

Ich glaube, dass ich da durchaus eine Stimmung in der Bevölkerung artikuliere, die einfach spürbar ist.

Aber geht der Vorwurf nicht ins Leere? Sie selbst sind ja ebenfalls bei diesen Veranstaltungen.

Natürlich ist es wichtig, dass die Vertreter der Stadt präsent sind. Aber ich glaube auch, dass die Leute ein Gespür haben, wenn man nur mehr von einem Empfang zum anderen läuft anstatt das Ohr bei den Bürgern zu haben.

Manche meinen, Ihr polemischer Ton sei Teil einer kantigeren Politik. Haben Sie da bei der Kritik an den Kindergartenbetreuerinnen übers Ziel geschossen?

(seufzt) Da ging es um eine Kritik an der Personalpolitik der Stadt, am System, nicht an den Beschäftigten! Wir sitzen zwar im Personalausschuss, aber wir erhalten einfach die Sachen fixfertig vorgelegt. Wir haben null Einblick. Und im Hinblick z. B. auf die Kindergartenbetreuerinnen, das war der Punkt, wurden früher aus der Not heraus Personen aufgenommen, die gewisse Qualifikation noch nicht besaßen. Z. T. haben sie diese dann nachgeholt, aber wir haben darüber null Information, auch nicht wer das ist, wer sie jetzt schon hat oder nicht. Die Botschaft ist also letztlich diese: Ich schätze natürlich die Arbeit der Kindergartenpädagoginnen und jene der Kindergartenbetreuerinnen. Nur der Punkt, den ich kritisiert MFG 06.12

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habe, war die Art der Personalpolitik im Rathaus. Wenn die Personalvertretung dann alles auf eine emotionale Ebene hievt, um selbst daraus politisches Kleingeld zu schlagen, dann finde ich das … naja ... Kommen wir zum Bilanzieren. Die ÖVP ist im Vorjahr mit einigen Themen in den Wahlkampf gezogen. Viel war davon danach nicht mehr zu hören, wenn man etwa an die Forderung nach Zusammenlegung von Magistrat und Bezirkshauptmannschaft denkt.

Bei der Frage nach Abgabe von Verwaltungsagenden an die Bezirkshauptmannschaft hat man seitens der Mehrheitsfraktion sofort auf stur geschalten, wie im Übrigen auch auf Seiten der Bezirkshauptmannschaft. Aber ich bleibe dabei: Dass innerhalb von 300 Metern zwei Körperschaften mit zahlreichen Überschneidungen existieren, versteht kein Mensch. Vor allem kostet uns das enorm viel Geld. Wir führen diese Debatte daher sicher weiter! Über kurz oder lang wird man an dieser Frage nicht vorbeikommen.

kommen könnte. Eine gewisse Orientierungslosigkeit ist ja unübersehbar. Fakt ist: Wir haben mit der Hesserkaserne mitten im Stadtgebiet ein entwickelbares Areal. Braucht es wirklich das Militär an dieser Stelle, oder ist es nicht sinnvoller – den dann definierten Aufgaben des Heeres entsprechend – dafür anderswo eine adäquatere Unterbringung zu finden? Das ist ein Reifeprozess, der ohne Scheuklappen diskutiert werden muss wird. Wir wollen sicher nichts übers Knie zu brechen, aber der Ansatz, an dieser Stelle Wohnraum für Familien zu schaffen und damit gleichzeitig nachhaltig zur Belebung der Innenstadt beizutragen, ist einfach schlüssig. Ein Dauerbrenner ist auch das Thema Parken am „Domplatz Neu“. Diesbezüglich ist die ÖVP ja vehement gegen autofrei.

Wir haben nie gesagt Parkplätze oder autofrei. Die Rede war immer von „multifunktional“. Ausgang der Park-Diskussion war die Projektpräsentation, in der von einer Reduktion

Ist das angesichts der Ablehnung beider Seiten nicht illusorisch?

Ich seh das eher wie einen Germteig, der muss auch wachsen, aufgehen. Das dauert seine Zeit. Man muss halt oft mit kleinen Schritten beginnen, um das Große auf den Weg zu bringen. Ruhig geworden ist es auch um die „Living Hess“, also die Absiedlung der Hesserkaserne zugunsten stadtnahen Wohnbaus dort.

Durchaus nicht. Wir bekommen von der Bevölkerung immer wieder die Aufmunterung „Bleibts dran, das ist eine gscheite Idee!“

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Eine solche Argumentation würde man eher von der SPÖ erwarten.

(lacht) Ja, so ändern sich die Zeiten.

Aber eine Tiefgaragenlösung wäre doch nicht so abwegig?

Fakt ist, dass der Domplatz aktuell die einzige Parkmöglichkeit vom Osten her ist. Die diversen Tiefgaragenvorschläge sind daher sicher interessante Optionen, wobei ja sofort reflexartig das Argument „zu teuer“ kommt. Nun, wir haben sicher schon für weniger sinnvolle Dinge Geld ausgegeben. Aber total autofrei wird es aus heutiger Sicht nicht geben. Allein die Dompfarre besteht auf Parkplätze, man denke nur an Hochzeiten und diverse Feierlichkeiten. Aber wer weiß, was in 100 Jahren ist. Das ist sicher nicht in Stein gemeißelt. Ebenfalls abgeschmettert wurdeeine Kindereinrichtung à la Wiener Bogi Park. Rest in peace?

„Wenn ich nicht mehr die SPÖ kritisieren darf, dann ist wahrlich das Ende der Demokratie in St. Pölten nahe.“ Es ist wichtig, dass man konkrete Verwertungsvorschläge im Fall der Fälle zur Hand hat, denn die aktuelle Politik des Verteidigungsministers legt nahe, dass es einmal zu Veränderungen

Die SPÖ hat damals die JUSOS mit der Forderung autofrei vorgeschickt, sie aufgrund des Gegenwindes aber schnell wieder zurückgepfiffen. Jetzt hat man das Thema scheinbar Joe Wildburger übertragen. Das Interessante ist nur, dass sich Wildburger offensichtlich nicht mit den Vorstandskollegen abgesprochen hat, denn auch unter diesen gibt es völlig unterschiedliche Sichtweisen zum Thema. Und die Argumentation, dass man das „Wohnzimmer St. Pöltens“ schafft, damit die Immobilien dort einen Mehrwert erfahren – bei aller Liebe, aber diese Einzelinteressen können sicher nicht vor die Allgemeininteressen gestellt werden, dass wir sozusagen den Platz mit Steuergeld aufpeppen, damit einige wenige daran verdienen.

der Parkplätze auf 70 in einem ersten Schritt, völlige Autofreiheit in einem zweiten die Rede war. Und genau darüber gibt es unterschiedliche Sichtweisen.

Dieses Thema brennt uns nach wie vor unter den Fingernägeln. Der Bedarf nach einem richtigen Indoorspielplatz – das hören wir von Eltern immer wieder – ist eindeutig gegeben! Da begreife ich die Mehrheitsfraktion einfach nicht. Wir haben nach wie vor einen potenziellen Investor an der Angel, die Firma Family Fun, die so eine Einrichtung auch in Wien betreibt. Sie hat


MAn in BLACK

Ein anderer Vorwurf, häufig von der SPÖ formuliert, lautet in etwa: „Was bringt die ÖVP schon für konstruktive Vorschläge ein?“

Also wir bemühen uns sehr um Eigeninitiative, und es gelingt uns ja auch sehr gut, wenn man nur an die wütenden Reaktionen der SPÖ auf unsere Vorschläge zu verkehrsbegleitenden Maßnahmen hinsichtlich der Kerntangente Nord denkt. Nur, weil diese nicht von der SPÖ selbst gekommen sind, hat man sie sofort torpediert, wurde mir der Vorwurf in den Mund gelegt, ich würde die Kompetenz der Planer und Experten anzweifeln. Die Medien haben das übrigens völlig unhinterfragt übernommen. Allein – das habe ich mit keiner einzigen Silbe irgendwo behauptet. Ganz im Gegenteil bin ich sehr von der Kompetenz der Planer überzeugt. Momentan muss die Wut der SPÖ – warum auch immer – sehr hoch sein. Vielleicht hat man ja aktuelle Umfragewerte am Tisch? Eigenartig mutet mitunter an, wenn Sie sich mit einem Minister

„Zusammenarbeit kann halt nicht heißen, dass einer anschafft und alle anderen buckeln.“

schon damals das Angebot unterbreitet, derartiges auch in St. Pölten umzusetzen – man bräuchte dafür eine Anfangsunterstützung in Höhe von etwa 100.000 Euro. Zum Vergleich: Das von der Stadt realisierte „Paradies der Fantasie“ hat 250.000 Euro gekostet! Nicht, dass diese Einrichtung schlechte Arbeit leistet, nur es handelt sich halt um etwas ganz anderes als das, was unsere Stadt wirklich braucht. Die ÖVP wird nach wie vor als verlängerter Arm der Landespolitik wahrgenommen. Die Bürger begreifen nicht, warum Ihre Partei bei Themen wie Orthopädieerhalt, Gesundheitsuni u. ä. nicht die Stadtposition einnimmt. Sind Sie so abhängig vom Land?

(lacht) Sicher nicht. Der von Ihnen angesprochene Eindruck mag entstanden

sein – nicht zuletzt durch die Propaganda der Mehrheitsfraktion gefördert – weil wir nicht alles unwidersprochen hinnehmen. Es stellt sich nämlich heraus, dass die Mehrheitsfraktion zwar nach außen hin gern auf Kuschelkurs zum Land geht, auf der geschützten Ebene des Stadtparlaments aber gerne auf das Land hindrischt – und zwar oftmals zu Unrecht, nur kann man das im Moment nicht widerlegen. Da werden wir oft überrumpelt. Und wenn man diese Erfahrung immer wieder macht, wird man halt skeptisch, was uns dann als Gegnerschaft zur Stadt ausgelegt wird. Nur man muss bitte schon klar unterscheiden, ob man die Stadt oder die SPÖ kritisiert, das sind nämlich zwei Paar Schuhe! Und wenn ich nicht mehr die SPÖ kritisieren darf, dann ist wahrlich das Ende der Demokratie in St. Pölten nahe.

abbilden lassen und Dinge verkaufen, die ohnedies schon auf Schiene sind. Ist das nicht unnötige Show?

Warum? Diese Gespräche gibt es ja tatsächlich. Manchmal bedarf es eben einer gewissen Inszenierung, um eine Botschaft auf den Punkt zu bringen. Lustig dabei ist ja, dass die SPÖ, wenn es etwa um Resolutionen an ÖVPMinister geht, rasch an uns um Unterstützung herantritt. Wenn wir aber umgekehrt eine Resolution einbringen, die halt das Ressort eines SP-Ministers betrifft, dann muss die SPÖ erst beraten und legt schließlich einen abgeänderten Entwurf vor, der zusätzlich auch an zwei VP-Minister gerichtet ist. Das sind schon so Sachen, wo man eine gewisse Großzügigkeit walten lassen muss, um Dinge überhaupt auf den Weg zu bringen, sonst müsste man nur die ganze Zeit den Kopf schütteln. MFG 06.12

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Denn du bist, was du isst

Spätestens seit Supermarktketten „Bio“ als einträgliche Markt- und Marketinglücke entdeckt und Filme wie Erwin Wagenhofers „We Feed The World“ die Produktionsbedingungen der industriellen Landwirtschaft kritisch hinterfragt haben, ist das Thema „Ernährung“ für viele auch in den persönlichen Fokus gerückt. Neuerdings geht mancher noch bewusster auf den Markt, weil er „bio“ besser findet. Ob alles gehalten wird, was versprochen wird? Eine Spurensuche.

E

in trister Samstagmorgen im Mai, der Himmel ist grau und es nieselt. Unwirkliche Bedingungen für den St. Pöltner Markt am Domplatz, doch zahlreiche Besucher lassen sich dadurch nicht ihre Einkaufslust verderben. Die Grabungen am Domplatz zeugen von der Geschichte dieses Platzes und beförderten mittelalterliche Klostermauern zu Tage. Und irgendwie fühlt man sich bei all den Ständen so umsäumt von den Mauern des Doms auch ein biss26

chen ins Mittelalter zurückversetzt. Statt riesiger Auswahl im Supermarkt kommen die Besucher wegen regionaler Produkte, „weil die hier einfach besser schmecken, die Qualität besser ist“, wie uns nicht nur ein Marktbesucher versichert. Naturbelassen sei das, bio, direkt vom Bauern aus der Region, chemisch unbehandelt und nicht mit Antibiotika vollgepumpt. Die heile Ernährungswelt sozusagen, wofür man auch gern ein bisserl mehr ausgibt. Aber entspricht das auch der Realität?

Ja, natürlich? Beim Schlendern durch die Stände fällt auf, dass öfters „naturbelassen“ oder „Natur pur“ geschrieben steht. Wirklich „bio“ bietet nur ein Teil der Verkäufer an: „Heute sind hier nur ein paar Bio-Standln“, klärt uns Anna Bracher, ihres Zeichens Bezirksbäuerin und selbst mit einem Stand am Markt vertreten, auf. „Aber das ist so eine Sache – das hängt davon ab, wer von den Bauern überhaupt bio produzieren kann und will. Da müssen


Text: Marion Pfeffer & Gotthard Gansch | Fotos: Simon Höllerschmid, zVg

die Gegebenheiten dementsprechend vorhanden sein“, fährt sie fort. Wobei sie klarstellt, dass man auch ohne das „bio“-Etikett die Rückmeldung bekomme, dass die Produkte am Markt besser schmecken als jene im Supermarkt. Die Waren kommen großteils von hiesigen Bauern. Und hätten dementsprechende Qualität und Frische. „Wir produzieren ohne Zusatzstoffe, ohne Geschmacksverstärker – so natürlich wie es nur geht.“ Letztlich bliebe es jedem selbst überlassen, ob er sich gesund ernähren möchte. „Wir sind alle mündige Bürger.“ Noch mehr Detailinfos zu Struktur und Angebot am Markt erfährt man im dafür zuständigen städtischen Marktamt. „Wir haben rund 80% landwirtschaftliche Produzenten und einige wenige Händler – sonst gäbe es im Winter gar kein Obst und Gemüse am Markt“, erläutert Leiterin Gabriele Bertl die Zusammensetzung der Marktbeschicker. Insgesamt befahren rund 60 bis 80 Marktbeschicker regelmäßig die diversen St. Pöltner Märkte, sie kommen vorwiegend aus dem Umland von St. Pölten, aus dem unteren Traisental, der Melker Gegend und der Wachau. „Das heißt auf den St. Pöltner Märkten werden hauptsächlich regionale Schmankerl angeboten, was kurze Transportwege und weniger CO2-Belastung bedeutet!“, so Bertl. Und wie viele davon sind Biobauern? „Ca. 10% der Landwirte produzieren biologisch. Dazu müssen sie zertifiziert sein und müssen uns diese Zertifikate auch vorlegen!“ Das wird auch kontrolliert. „Ein Marktaufsichtsorgan ist an jedem Markttag vor Ort und kontrolliert natürlich stichprobenartig die Qualität der Waren. Wer mit bio wirbt, muss auch bio anbieten“, stellt Bertl klar. Gibt es eine Beanstandung, so wird eng mit der Lebensmittelaufsicht

MARKTTREIBEN. Statt riesiger Auswahl wie im Supermarkt finden die Marktbesucher jeden Donnerstag und Samstag regionale Produkte am St. Pöltner Domplatz vor.

des Landes zusammengearbeitet. Diese prüft die Betriebe auch lebensmittelrechtlich direkt am Hof, wie uns ein Kleinbauer vorort bestätigt. „Kontrolliert wird nicht nur am Markt, sondern auch bereits direkt am Hof!“ Seine 30 Schweine und 30 Stiere stehen im Stall, hätten aber genügend Platz sich niederzulegen und zu bewegen. Gewisse Mindestnormen schreibt u. a. die EU vor, die er aber ohnedies bei weitem übererfüllt, weil sein Fleisch das AMA Gütesiegel trägt. Daran gebunden sind rigorose Kontrollen sowie strenge Auflagen. So überprüft der zuständige Tierarzt den Hof, der Amtstierarzt wiederum die Räumlichkeiten, in denen das Fleisch verwertet wird. „Bio ist es aber nicht, das wäre finanziell schwer zu schaffen“, räumt der Bauer ein. Aber – ein Euro ins Phrasenschwein – die Qualität des Fleisches schmecke man natürlich. Und genau deshalb erfreut sich der St. Pöltner Markt seit

„Auf den St. Pöltner Märkten werden hauptsächlich regionale Schmankerl angeboten, was kurze Transportwege und weniger CO2Belastung bedeutet!“ Gabriele Bertl

mittlerweile über 800 Jahren größter Beliebtheit. Einen kleinen Seitenhieb auf manch städtischen Kunden kann sich der Bauer zuletzt nicht verkneifen. „Unsere Produkte werden zwar geschätzt, über die damit verbundenen ‚Belästigungen‘ wie Lärm, mitunter Gestank oder den Landmaschinen auf den Straßen wird aber gern geschmipft.“ Essen mit Verantwortung Der Markt stellt sozusagen die Welt im Kleinen dar. Aber die Lebensmittel kommen nicht nur vom Bauern nebenan, sondern von überallher. Mit seinem Ess- und Kaufverhalten beeinflusst der Konsument direkt Aspekte wie CO2-Ausstoß, Tierhaltung, Arbeitsbedingungen etc. Der St. Pöltner Ernäherungswissenschaftler Martin Schlatzer, aus moralischen Beweggründen Veganer geworden, setzt sich insbesondere mit den Folgen der Fleischproduktion und des -konsums auseinander und hat diesbezüglich schon einige Publikationen veröffentlicht, wie zuletzt „Tierproduktion und Klimawandel“. Nicht nur aus ernährungswissenschaftlichen, sondern z. B. auch klimatischen Gründen rät er weniger tierische Produkte zu konsumieren oder sich optional vegetaMFG 06.12

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FLEISCH AUS DER REGION. Die landwirtschaftlichen Produzenten, die ihre Ware auf den diversen St. Pöltner Märkten anbieten, werden lebensmittelrechtlich nicht nur am Markt, sondern auch bereits direkt am Hof von der Lebensmittelaufischt des Landes kontrolliert.

risch zu ernähren, Bio-Produkte zu kaufen sowie regionale oder fair gehandelte Waren zu erstehen. Es muss ja nicht gleich vegan sein, wenngleich er einräumt. „Vegan ist das Normalste der Welt. Das ist nichts Extremes!“ Dass unsere Ernährungsweise negative Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat, ist ein alter Hut. Wie groß aber die Auswirkungen der Tierhaltungen tatsächlich sind, zeigen neu-

Fleischeslust Ein durchschnittlicher Österreicher konsumiert laut Agrarmarkt Austria im Schnitt 100kg Fleisch pro Jahr. Davon entfallen 56,8kg auf Schweinefleisch, 18,3kg auf Rindund Kalbfleisch, 20,1kg auf Geflügel und der Rest auf andere Fleischsorten. Um diesem Heißhunger zu stillen, werden pro Jahr allein in Österreich über 70 Mio. Hühner, 5,6 Mio. Schweine, 620.000 Rinder und 290.000 Schafe geschlachtet, weltweit sind es über 66 Milliarden Tiere.

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este Untersuchungen: So ist nach einer Studie der FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations) der Tierproduktionssektor an 18% der emittierten Treibhausgase Schuld. Im Vergleich dazu schlägt der Verkehr „nur“ mit 13,5% zu Buche. „Unsere Essenswahl macht somit also einen größeren Unterschied als die Wahl der Fortbewegung!“, gibt Schlatzer zu bedenken. Tierische Produkte hätten einen sehr hohen CO2-Impact. Im Vergleich zu pflanzlichen Produkten ist er im Schnitt zehnmal so hoch, wobei Rindfleisch die höchsten Werte aufweist. Schlatzer rechnet vor: „Durch biologische vegetarische Ernährung kann man im Gegensatz zu einer konventionellen Ernährung mit Fleisch beim eigenen ökologischen Fußabdruck etwa zwei Drittel CO2 einsparen!“ Doch es geht nicht nur um die Klimabilanz. So wird für die Herstellung derselben Menge Fleisch laut Studien zwei- bis dreimal so viel Wasser

eingesetzt als für pflanzliche Produkte. Abgesehen von den Schlachtabfällen wird die Energie, die man in Form von Futtermitteln in die Produktion von Fleisch steckt, vielfach in den Stoffwechsel des Tieres investiert. Die Ballaststoffe z. B. gehen dadurch komplett verloren. Deshalb spricht man diesbezüglich von Veredelungsverlust. Schlatzer nennt es weniger euphemistisch „Ressourcenverschwendung.“ Genug für alle? Drei wesentliche Faktoren limitieren die Fleischproduktion: Bodenerosion, Verfügbarkeit von Böden, Auswirkungen des Klimawandels auf künftige Erträge. So fallen fruchtbare Gebiete der fortschreitenden Urbanität zum Opfer oder werden durch Erosion zerstört. Die meisten agrarischen Landnahmen gehen in den letzten Jahren dabei mehrheitlich auf das Konto von Biotreibstoff, nicht etwa Essen. Die Zunahme der Weltbevölkerung um


Denn du bist, was du isst

ca. 2 Milliarden Menschen sowie ein prognostizierter weltweiter Anstieg des Fleischkonsums um 70% in den nächsten 40 Jahren resultieren in einem erhöhten Druck auf die Lebensmittelproduktion sowie die Ernährungssicherung. Durch den vernetzten Weltmarkt, den börsenorientieren Handel mit Lebensmitteln, der aktuellen Finanzkrise sowie Spekulationen steigen die Preise. In ärmeren Regionen, wo bis zu 80% des Haushaltsbudgets (im Vergleich zu 20% des Budgets in Industriestaaten) für Lebensmittel ausgegeben werden, führt dies zu einer untragbaren Belastung. Dabei könnte man derzeit neun bis zehn Milliarden Menschen ernähren. „Es gibt keine Versorgungs-, sondern eine Verteilungsproblematik“, stellt diesbezüglich Schlatzer klar. Mittel- bis langfristig

desto besser!“ Mittlerweile sei es wissenschaftlich erwiesen, dass eine abwechslungsreiche, pflanzliche Ernährungsweise mit einer ausreichenden Menge an Frischkost alles liefert, was wir für ein gesundes, langes Leben brauchen. Die weltweit größte jemals durchgeführte Ernährungsstudie – die Chinastudie – habe bestätigt, dass Menschen, die sich rein pflanzlich ernähren, einen bleibenden Vorteil davon haben, so Messinger. Sie zeigte ebenso auf, dass Krankheiten wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes umso häufiger auftreten, je höher der Anteil des tierischen Eiweißes in der Nahrung ist. Das Deutsche KrebsforschungsZentrum in Heidelberg wiederum untersuchte 21 Jahre lang das Leben von Vegetariern und kam zu dem Ergebnis,

„Durch biologische vegetarische Ernährung kann man im Gegensatz zu einer konventionellen Ernährung mit Fleisch beim eigenen ökologischen Fußabdruck etwa zwei Drittel CO2 einsparen!“ Markus Schlatzer, Ernährungswissenschaftler würden die Probleme jedoch gravierender werden, damit auch die globale Ernährungsversorgung. Und genau an diesem Punkt wird dann entscheidend sein, ob man ausgehend von den verwendeten Futtermitteln im Hinblick auf ihre Kalorienmenge zusätzlich 3,5 Milliarden Menschen in Form von Getreide oder lediglich 1 Milliarde Menschen mittels Fleisch ernährt. Denn 40% der weltweiten Getreideernte und sogar 90% der Weltsojaernte werden an Tiere verfüttert, besagt eine Studie der FAO aus dem Jahre 2006. Fleischlos In eine ähnliche Kerbe schlägt die St. Pöltner Autorin Nina Messinger, Expertin im Bereich Vegetarismus: „Ich habe mich in den letzten 10 Jahren sehr intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt, vieles ausprobiert, Seminare besucht, intensiv recherchiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Je pflanzlicher und naturbelassener,

dass Vegetarier länger leben und überdurchschnittlich gesund sind. Diese Ergebnisse und eigene Erfahrungen hat Messinger in ihrem Buch „Du sollst nicht töten“ aufgearbeitet, „um den Menschen die ungeheure Macht der Wahl ihrer Nahrung bewusst zu machen und sie für die wunderbaren Vorzüge sowie die Wichtigkeit einer gesunden, naturbelassenen und pflanzlich basierenden Ernährung zu sensibilisieren. Außerdem möchte ich bewusst machen, welche weitreichenden, oftmals ungeahnten Folgen der massenhafte Konsum tierischer Produkte hat.“ Dabei gehe es ihr aber nicht darum, irgendjemanden zu missionieren, sondern vielmehr darum auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse aufzuklären, weshalb auch verschiedene Fachexperten wie der bekannte Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Claus Leitzmann, der Krebsspezialist Dr. Klaus Gstirner oder der Theologe Dr. Kurt Remele am Buch mitgearbei-

EVI ST. PÖLTEN EVI (Erzeuger, Verbraucher, Initiativen) hat den aktuellen Trend Richtung bewusster Ernährung schon vor Jahrzehnten vorweggenommen und steht seit 30 Jahren für faire Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau aus regionaler Erzeugung. „Wir haben den Anspruch, jedem gesunde Ernährung zu ermöglichen und durch den Kauf unserer Produkte auch einen Beitrag für die Umwelt zu leisten“, beschreibt Geschäftsführerin Maria Pohl die Philosophie von EVI. Mit einem üblichen Supermarkt möchte sie ihren Markt nicht vergleichen. „Von der Größe her mögen wir den Eindruck erwecken, aber ein Supermarkt sind wir deshalb noch nicht.“ Vielmehr gehe es darum gute Qualität zu fairen Preisen für Konsumenten und Produzenten zu gewährleisten. Der Erfolg gibt EVI recht. „Wir haben einen steten Anstieg seit der Gründung verzeichnet. Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise ging es bergauf mit dem Geschäft“, freut sich Pohl. Dies schreibt sie insbesondere der Authentizität von EVI zu: „EVI ist nicht nur ein Geschäft. Hier identifizieren sich alle Mitarbeiter mit unserem Sortiment. Wir sind auch nicht auf einen ‚Bio-Zug‘ aufgesprungen, weil es ein ‚großes‘ Geschäft versprach. Wir wollen einfach ehrlich sein.“ Künftig sieht Pohl den Trend zu Abstufungen von BioProdukten: „Wir entwickeln uns immer mehr in die Richtung von ‚bio‘ und ‚superbio‘. Denn was die EU als ‚bio‘ ansieht, ist nur unterster Standard, darf das Prädikat aber trotzdem tragen.“

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tet haben. Und Messinger möchte manch Mär als solche entlarven. „Es ist z. B. eine veraltete Überzeugung und nur mehr ein profitorientierter Werbeslogan, dass Fleisch stark macht oder Milch gesund für unsere Knochen ist. Eine vegetarische Ernährungsweise ist natürlich nicht die Lösung aller Probleme. Aber sie ist ein wesentliches Fundament für ein gesünderes, zukunftssicheres und friedvolleres Leben und Miteinander – denn der Mensch ist, was er isst.“

GreiSSlerei_2.0 Ein innovatives und nachhaltiges Geschäftsmodell in Sachen bewusster Ernäherung haben Maria Teichmann und Petra Kirchner ins Leben gerufen: Die Greißlerei_2.0. Dahinter verbirgt sich ein Online-Markt mit regionalen Bioprodukten, die von ca 30 Biobauern aus der Region stammen. Der Kunde stellt sich online bis jeweils Dienstag 9 Uhr sein „Biokistl“ zusammen, am Freitag erfolgt dann die Abholung direkt in der „Greißlerei“, die in einer ehemaligen Garage auf der Rückseite der Campus Villa in der Ingruberstraße/Mühlbach situiert ist! Wie die Damen auf die Idee kamen? Maria Teichmann: „Es gibt viele Gründe, warum wir uns entschieden haben, diese Greißlerei ins Leben zu rufen. Einerseits hat uns das Einkaufen im Supermarkt genervt. Ständig so viel Plastik mit nach Hause zu nehmen und nicht zu wissen, woher das Zeug kommt, das man da isst, war kein gutes Gefühl. Aber auch der Gedanke, dass es bei uns mal keine Landwirtschaft mehr gibt, weil alles im Ausland billiger ist, ist für uns sehr beunruhigend. Was ist, wenn eine große Krise kommt und der Transport von Gemüse aus dem Ausland nicht mehr möglich ist? Die Bauern in unserer Region können aber nur dann bestehen, wenn wir ihnen ihre Produkte abkaufen.“ Die Kunden haben umgekehrt die Gewissheit und das gute Gefühl, frische, 100%ige Bioware aus nächster Nähe, also mit günstigem ökologischen Fußbabdruck zu erstehen.

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Richtig ernähren? Sind Vegetarier also die „besseren“ Esser? Und wie ernährt man sich am sinnvollsten? FH-Prof. Gabriele Karner, Studiengangleiterin Diätologie an der Fachhochschule St. Pölten, betont v. a. die Notwendigkeit von Abwechslungsreichtum im Hinblick auf das, was man gemeinhin eine „ausgewogene Ernährung“ nennt. „Kein Le-

mittel, Milch, Milchprodukte und Eier miteinschließt, empfohlen werden, während bei ‚veganer Ernährung‘, die aus rein pflanzlichen Lebensmitteln besteht und z. B. auch keinen Honig enthält, Vorsicht geboten ist.“ Studien belegten auch gewisse ernährungsphysiologische Vorteile vegetarischer Ernährungsformen wie z. B. eine geringere Zufuhr an gesättigten Fettsäuren und höhere Zufuhr an Vitaminen. Und Vegetarier bekommen alles, was der Körper so braucht. „Die durchschnittliche Energiezufuhr der Studienteilnehmer lag innerhalb der Richtwerte. Auch die ausreichende Versorgung mit kritisch diskutierten Nährstoffen wie Protein, Vitamin A, D, B2 und B12, Calzium, Eisen, Zink und Jod wird erfüllt.“ Damit schließt sich der Kreis. Denn egal, ob man nun „Fleischfresser“, Vegetarier oder Veganer ist, letztlich kommt es vor allem auf die Qualität

„Wichtig ist die 'ausgewogene Ernährung'. Kein Lebensmittel soll vernachlässigt und kein Lebensmittel überbetont werden.“ Gabriele Karner, FH-St. Pölten/Diätologie

bensmittel soll vernachlässigt und kein Lebensmittel überbetont werden.“ Täglich kohlenhydratreiche Speisen, am idealsten Vollkornprodukte, sowie Obst und Gemüse sind ein wichtiger Baustein. Wichtig sei außerdem ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser oder verdünnten Fruchtsäften, nicht zu vergessen – als Gesundheitszwilling der Ernährung quasi – ausreichend Bewegung. „Laut Österreichischem Ernährungsbericht 2008 essen die Österreicher zu fett, zu zuckerreich und zu salzig.“ Dass Vegetarier pauschal besser dran sind als Mischesser kann Karner so nicht bestätigen, umgekehrt ernähren sie sich aber jedenfalls nicht mangelhafter oder ungesünder. Wobei es auch auf die vegetarisch gewählte Form ankomme, derer es ja mehrere gibt. „So kann eine ‚Ovo-lacto-vegetabile Ernährung‘ welche pflanzliche Lebens-

der Lebensmittel an. Ob Bioprodukte generell gesünder im Sinne von z. B. vitaminreicher sind als konventionelle Produkte, „konnte bis dato wissenschaftlich nicht abschließend beurteilt werden“, so Karner, verweist aber auf die streng geregelten Produktionsbedingungen: „Insofern gibt es auf alle Fälle ökologische Vorteile für Mensch, Tier und Pflanzen.“ Einen einfachen Lösungsansatz liefert Frank Drieschner in der „ZEIT“. „Weniger Fleisch und ein Ende der Wegwerfkultur“. Denn – der eigene biologische Fußabdruck beeinflusst nicht nur das Weltklima, die Wirtschaft und berührt ethische Fragen, sondern ist auch ein wesentlicher Faktor der eigenen Gesundheit und Lebenserwartung. Ja, „gessen wird, wos am Tisch kommt“, aber mündige Bürger wissen heute, was sie zu sich nehmen und welchen Weg das Essen genommen hat.


Denn du bist, was du isst

Bio-Siegel Nur Bio-Produkte dürfen die Bezeichnung aus (kontrolliert) biologischem (ökologischem) Anbau bzw Landwirtschaft tragen. Achtung: Bezeichnungen wie "aus naturnahem Anbau", "aus kontrolliertem Anbau" oder "aus umweltgerechter Landwirtschaft" haben mit Bio nichts zu tun! 1. Das Europäische Bio-Siegel: mindestens 95 % aus ökologischem Anbau, gentechnikfrei und keine chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und chemische Dünger

2. AMA - Staatliches Bio-Siegel (mit Ursprungsangabe): 100% landwirtschaftliche Rohstoffe aus der angeführten Region, bei verarbeiteten Produkten mindestens 2/3

3. AMA - Staatliches Bio-Siegel (ohne Ursprungsangabe): biologische Landwirtschaft und kontrolliert biologischer Anbau, ohne Gentechnik, chemisch-synthetische Pflanzenschutz- mittel und leicht lösliche mineralische Düngermittel, artgerechte Tierhaltung und Fütterung mit biologisch produzierten Futtermitteln

4. BIO-Austria-Kennzeichen: Produkte aus ökologischem Landbau der Mitglieder des Verbandes Bio Austria 5. Demeter: biologisch-dynamisch erzeugte Produkte; Im Mittelpunkt: die Förderung eines gesunden Zusammenspiels von Menschen, Tieren, Pflanzen, Erde und Kosmos.

6. Ja! Natürlich: 1994 von Werner Lampert für den Handelskonzern Billa entwickelt. Die Marke verfolgt eine Partnerschaft mit 7.000 Bio-Bauern und rund 80 ausgewählten Partnerbetrieben. Ja! Natürlich bietet darüber hinaus auch Fair-TradeProdukte.

7. Zurück zum Ursprung: Die Hofer-Eigenmarke verzichtet auf Konservierungsstoffe, Aromamittel oder Stabilisatoren und produziert ausschließlich gentechnik-frei. Strenge Auflagen für die Lieferanten und Landwirte garantieren artgerechte Tierhaltung und umweltschonende Produktion. Spar natur pur: vorwiegend österreichische Lebensmittel aus rein biologischer Landwirtschaft; Erzeuger müssen 100% biologisch bewirtschaften. Deutsches staatliches Bio-Kontroll-Siegel: Keine konservierende Strahlung, Gentechnik, synthetische Pflanzenschutzmittel, leicht lösliche mineralische Dünger, Geschmacks- verstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren; Tiere sind artgerecht zu halten und werden nur mit ökologisch produzierten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern gefüttert.

Martin Schlatzer

Tierproduktion und Klimawandel

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Ein wissenschaftlicher Diskurs zum Einuss der Ernährung auf Umwelt und Klima

2.

Die beiLES den St. TIP EP Pöltner Autoren Nina Messinger ("Du sollst nicht töten!) und Martin Schlatzer ("Tierproduktion und Klimawandel") liefern literarische Beiträge zum Thema Ernährung.

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Super-Woman in Stp

Wer kennt sie nicht in Niederösterreich und darüber hinaus? Und wer sie kennt, der schätzt sie, als anregende und zu jeder Tages- und Nachtzeit gut gelaunte, weltoffene Gesprächspartnerin, kompetente Geschäftsfrau, begnadete Netzwerkerin, großzügige Gastgeberin, hilfsbereite Freundin. Ulrike Wagner, „verlängerter Arm“ des kürzlich verstorbenen Baulöwen Julius Eberhardt, ist St. Pöltens „Super-Woman“. MFG wollte wissen: Wie macht frau das?

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Text: BEATE STEINER | Fotos: HERMANN RAUSCHMAYR

Vorstand der Treuhand- und Kontroll AG, Mitglied des Vorstandes in mehreren Privatstiftungen, Vorstandsmitglied der Plattform 2020 – Ulrike Wagner ist überall ganz oben zu finden, nicht nur als Alibifrau. Was ist Ihr Geheimnis?

Es gibt kein Geheimnis, es gibt nur ein paar Prinzipien. Und die kann man nicht lernen, die muss man leben. Zum Beispiel flexibel sein, immer vorbereitet sein, und natürlich Leistung bringen. Ich habe halt die Nacht durchgearbeitet, um mit meiner Arbeit fertig zu werden, sonst wär ich nicht auf Urlaub gefahren. Und als vor langer Zeit einmal an einem Montag um 22 Uhr ein Anruf von Julius Eberhardt gekommen ist, ich soll am nächsten Tag meinen Reisepass mitnehmen, hab ich halt vorausschauenderweise auch einen Notfall-Koffer mitgenommen. Wohin ist die Reise gegangen?

Wir sind mit der Privatmaschine nach Berlin/Schönefeld geflogen, das war damals noch in Ostberlin, haben dort Geschäfte abgewickelt, die ganze Nacht Kontakte geknüpft, mit viel Alkohol, am nächsten Tag war ich wieder fit für Businesstermine. Ich hatte, wie gesagt, als einzige ein Kofferl mit. Da gab’s dann noch ein ähnliches Erlebnis. Wir hatten eine Einladung zum Heurigen, Julius Eberhardts Frau Heidi stand schon im Dirndl bereit – im Flugzeug sind wir dann draufgekommen, dass der Heurige in Berlin war, nämlich ein Wiener Heuriger im Palast Hotel. Wie gesagt, du musst einfach flexibel sein. Sie waren schon mit 26 Jahren Geschäftsführerin, in einem Alter, in dem andere nicht einmal ihr Studium abgeschlossen haben. Und das bei Julius Eberhardt, der Frauen wenig wirtschaftliche Kompetenz zutraute. Womit haben Sie den erfolgreichen Bauunternehmer überzeugt? Sicher nicht nur mit Ihrer Flexibiltät und Leistungsbereitschaft.

Ich habe Baukaufmann gelernt, weil es mir nach einem Ferialpraktikum sehr gut in der Firma gefallen hat. Im 3. Lehrjahr hab ich dann schon die Lehrlingsausbildner-Prüfung gemacht und hatte einen Lehrling. 1983, bei der Weihnachtsfeier, spätnachts, hat mich Julius Eberhardt dann geködert, „Ich könnte bei ihm was werden“. Kaufmännisch hat mir Hans Miehl alles beigebracht – nachschauen lernen, auf’s Rechtliche und Steuerrechtliche schauen, Vertrag lesen – das muss dir jemand zeigen. Ja, und dann war ich mit 26 Geschäftsführerin bei Eberhardt in Ungarn. Das war ursprünglich eine Notlösung, die Männer sind ihm ausgegangen. Aber Sie haben sich bewährt.

Ja, man entwickelt sich mit der Aufgabe. Ich hab schon auch daneben gehaut, hab auch Fehler gemacht, aber ich bin dazu gestanden, hab daraus gelernt. Und Julius Eberhardt ist immer hinter mir gestanden, hat mir auch erklärt, warum etwas schief gelaufen ist. Er hätte mich nie fallen gelassen. Allerdings: Zwei Mal den gleichen Blödsinn machen war nicht drin. Ich hab mich dann bei der Firmenteilung wenig später dafür entschieden, weiter für Julius Eberhardt tätig zu sein – und war damit auch eingebunden in die Privatsachen. Das heißt, Sie waren wirklich das „Alter Ego“ des Baulöwen?

Zur Person Ulrike Wagner, Jahrgang 1963, führt mit der Julius Eberhardt Privatstiftung gemeinsam mit Karl Pistotnig, Roland Krempler und Christian Mitteregger das Vermächtnis des verstorbenen Bauunternehmers fort. In St. Pölten sind einige Projekte im Entstehen: Das ehemalige Finanzamt an der Parkpromenade wird als Bürohaus inklusive Wohnungen noch heuer fertig. Wie das „Jäger“-Areal und das KopalkasernenAreal verwertet werden, darüber wird erst entschieden.

Ich hab ihn in vielen Gesprächen besser kennengelernt, er hat zu mir Vertrauen gehabt. In die Familie war ich eingebunden – privat und Job waren oft nicht zu unterscheiden. Die Eberhardt-Jungs haben nicht nur einmal gesagt: „Red ma mit da Ulli – die wird’s ihm schon beibringen.“ Und Sie sind dabei nie in Situationen gekommen, in denen Sie sich gedacht haben, das geht jetzt aber gar nicht?

Das ist mir genau drei Mal passiert, dass ich etwas nicht vertreten konnte. Ich

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MFG URBAN

Prost, Nörgler!

Super-Woman in Stp

hab aber schon die Courage, zu sagen wie weit ich gehe und warum ich etwas gemacht habe. Sie machen jetzt federführend weiter im Sinne von Julius Eberhardt.

Ja, ich weiß, was er wollte. Ich bin im Vorstand der Privatstiftung, die in logischer Folge die Geschäfte fortführt. Das hat Julius Eberhardt auch seiner Familie erklärt. Ich bin so etwas wie die jüngere Schwester von Julius junior. Julius Eberhardt hat bereits vor Jahren festgelegt, wie sein Werk weitergeführt werden soll. Daran hat sich nichts geändert. Es gibt Richtlinien, nach denen entschieden wird, was im Interesse von Julius Eberhardt ist – ich kämpfe in seinem Sinne weiter. Julius Eberhardt hat Sie geprägt, war so etwas wie ein geistiger Vater für Sie?

Beate Steiner

Foto: zVg

Liebe Suderanten! Das Glas ist halbvoll. Wirklich. Und ab sofort zähl ich nur mehr Leute zu meinem Freundeskreis, die die Welt durchs volle Glasl sehen. Ihr Halbleer-Jammerer könnt mir gestohlen bleiben, ihr Suderanten, die ihr euch suhlt in eurer säuerlichen Stimmung und Glücksgefühle generiert, wenn ihr die anderen zu euch runterzieht. Strahlender Sonnenschein, klirrende Gläser und beste Stimmung in den Schanigärten, konsumfreudige Menschen in den Gassen der Stadt – kein Wohlfühlgrund für euch Suderanten. Ihr seht horizontbeschränkt nur leere Geschäfte in der Linzer Straße und holt euch dabei die Bestätigung, dass eh alles scheiße ist. 15.000 Veranstaltungen jährlich im Stadtgebiet von St. Pölten, vom Feuerwehrfest über die Vogelzüchterausstellung und das Frequency bis zum Festspielhaustanz – nix dabei für euch Suderanten: „Aber den Koll gibt’s nimmer.“ Ja, richtig, und auch die Glanzstoff stinkt nimmer, und der Bahnhof ist nimmer der hässlichste des ganzen Landes. Welch Tragödie für euch Negativlinge! Da fehlt euch erstens das, woran ihr eure negative Energie aufladen könnt und zweitens hat sich was verändert. Und das gefällt euch auch nicht, liebe Nörgler. Weil, es ist zwar alles schlecht, wie es ist, aber bleiben soll’s schon so, nicht wahr, Veränderungen verunsichern ja. Da müsst ihr dann ja was Neues finden, worüber ihr sudern könnt. Nörgler nerven. Und sind meist auch noch metathesiophob, präpotent und engstirnig – eine unsympathische Kombination. Prost mit dem (halb)vollen Glas, liebe Suderanten! Bleibt wie ihr seid, wo ihr seid – aber kommt nicht in meine Nähe.

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Julius Eberhardt war extrem vorausschauend, und er war sehr sozial. Er hat immer alle mitgenommen, vorgestellt. Julius Eberhardt hat immer allen die Hand gegeben, alle großzügig entlohnt, mit der Bemerkung „ohne meine Leute kann ich das alles nicht machen.“ Wenn es jemandem schlecht ging, bei Härtefällen, hat er immer geholfen, auch ohne, dass er die Leute persönlich gekannt hat. Wenn ein Mitarbeiter nach einer Scheidung ohne Wohnung da stand, hat er eine bereitstellen lassen. Wenn das Auto eines Mitarbeiters kaputt ging, hat er eines zur Verfügung gestellt. Oder bei einer Veranstaltung des Landesjagdverbandes, zum Beispiel, hat er an seinen prominenten Tisch keine VIPs gesetzt, sondern seine eigenen Jäger eingeladen mit der Bemerkung: „Aristocats brauch man net – was die andern sagen, ist mir wurscht.“ Und wer bei einer Jagd dem Pirschführer kein Trinkgeld gegeben hat, wurde nicht mehr eingeladen. Einige dieser Prinzipien haben Sie sich auch angeeignet. Sind Sie da nur von Ihrem Mentor beeinflusst?

Nein, auch mein Elternhaus spielt eine große Rolle. Was du im Elternhaus lernst, das lernst du sonst nirgends. Ich hab als Kind viel mitgenommen, was ich später nicht mehr hätte lernen können. Zum Beispiel grüßen, oder Selbstbewusstsein, oder Respekt vor anderen haben ohne zu buckeln. Ich sag immer, wenn mir etwas nicht passt, hinterfrage Entscheidungen, mit denen ich nicht einverstanden bin – damit ich sie verstehen kann. Und bei Ungerechtigkeiten steig ich auf die Barrikaden und kämpf so lang, bis es passt. Bis also ein passender Kompromiss gefunden ist?

Ich mag nur winwin-Situationen, das Beste für alle Seiten. Und ich entscheide schon auch nach dem Bauchgefühl. Apropos Bauchgefühl – das bringt mich zur Gretchenfrage: Sag Ulli, wie hältst du’s mit der Politik?

Eberhardt hat sich nie politisch geoutet, und das mach ich auch nicht. Die Farbe eines Politikers ist mir egal, die Entscheidung muss vernünftig sein. Aus diesem Verständnis heraus bin ich auch im Vorstand der Plattform 2020. Die setzt sich für die Stadt ein – unpolitisch.

„Ich hab als Kind viel mitgenommen, was ich später nicht mehr hätte lernen können, z. B. Selbstbewusstsein.“


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Der verhängte Diktator Von Manfred Wieninger

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ie Prandtauerkirche im Herzen St. Pöltens direkt neben dem Rathaus gelegen ist an diesem Montagmorgen so leer wie eine Spendenbüchse für die Hinterbliebenen von Muammar al-Gaddafi. Gelegentlich verirren sich ein paar verschwitzte, Abkühlung suchende Touristen in den frühbarocken Kirchenraum, dessen jetziges Inventar erst nach 1945 nach und nach zusammengetragen worden ist. An Feiertagen werden dort lateinische Hochämter nach dem Ritus von 1965 gehalten, werktags ebenfalls lateinische Stillmessen im Ritus von 1962. Auf der Homepage der Prandtauerkirche gibt es ellenlange Predigten über die Erbsünde, den Ablass und gegen die Freimaurer, aber auch „Anweisungen“ zur „Haltung beim Gottesdienst“. Gelegentlich werden in der Kirche auch Vorträge mit Titeln wie etwa „Der Selige Kaiser Karl und die Verehrung des heiligsten Herzen Jesu“ gehalten. Die Prandtauerkirche hat mit dem berühmten St. Pöltner beziehungsweise niederösterreichischen Barockbaumeister Jakob Prandtauer nichts zu tun. Bestenfalls war er in den Jahren ihrer Errichtung als Hauskirche des angrenzenden, von der Fürstin Maria Antonia Josepha Montecuccoli gestifteten Karmeliterinnenklosters, also von 1708 bis 1712, als lokaler Bauleiter tätig und hat möglicherweise ein paar Details des wahrscheinlich von den karmelitischen Ordensarchitekten Martin Wittwer und Mathias Steinl gezeichneten Bauplanes weiterentwickelt, aber auch das ist nur durch kunsthistorische Vergleiche sprich durch gelehrte Spekulationen belegt. 1782 wurde das Karmeliterinnenkloster, das sich im Gegensatz etwa zum St. Pöltner Schulorden der „Englischen Fräulein“ von Mary Ward nur auf das Gebet, auf die innere, spirituelle Einkehr seiner Bewohnerinnen und auf sich selbst konzentriert hatte, von Joseph II. auf-

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gehoben. Die Gebäude wurden säkularisert. Die Prandtauerkirche wurde in eine Kaserne umgewandelt und vor allem als Magazin für Ausrüstung und Waffen verwendet. Ab 1876 hieß die Obere Rathausgasse, in der die Kirche gelegen ist, Kaserngasse. In der Zeit des Ständestaates wurde der Sakralbau vom österreichischen Bundesheer der Diözese St. Pölten rückerstattet und von Bischof Michael Memelauer am 25. November 1934 neu geweiht. Einige Jahre zuvor war die Kaserngasse schon in Prandtauerstraße umbenannt worden, wohl aus Anlass des 200. Todestages des Barockbaumeisters. Der neuen Kirche mangelte es nicht nur an Pfarrkindern, sondern auch an kirchlich-religiösem Inventar. Sie wurde daher kirchenrechtlich nur als Filialkirche eingestuft und der alteingesessenen St. Pöltner Stadtpfarre der Franziskaner unterstellt. Ein Kirchenrektor, der sich vor allem um die zu vervollständigende Ausstattung der Prandtauerkirche zu kümmern hatte, wurde bestellt. Nach den Plänen des St. Pöltner Architekten Rudolf Wondracek wurden eine neue Orgelempore eingezogen, die nordseitigen Fenster zugemauert und ein Kunststeinfußboden gelegt. 1940 wurden Deckenfresken in Auftrag gegeben und in der Folge auch großformatige Apostelbilder für die Wände beschafft. 1947 wurden Kirchenbänke angeschafft und 1949 eine neue Kanzel errichtet. 1961 kam es zu Aufstellung eines barocken, auf einem Entwurf von Johann Lucas von Hildebrandt basierenden Säulenaltares, der aus Schloss Harrach in Aschach an der Donau stammte, bis heute wohl das kunsthistorisch bedeutendste Objekt dieses Kirchenraumes. 1962 wurde ein Tabernakel angekauft, 1973 die Orgel ausgebaut. In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre wurde der aus Vorarlberg stammende, theologische Berater des umstrittenen Bischofs Kurt Krenn zum Kirchenrektor der


Für die einen war (und ist) er eine Lichtgestalt, für die anderen nichts weiter als ein Klerikalfaschist. Während der 1. Republik erinnerte ein großes Monument direkt vorm Dom an den ermordeten Kanzler Engelbert Dollfuss. Prandtauerkirche bestellt. 1999 ließ dieser zur Freude der St. Pöltner ein elektronisches Läutwerk mit Glockenspiel installieren. 2006 gab er „zur Ausschmückung des Altarraumes“ ein fast schon monumentales Altarbild in Auftrag. Die deutschen Künstler Manfred Stader und Edgar Müller, die auch als Straßenmaler tätig waren beziehungsweise sind, malten die Allegorien der drei göttlichen Tugenden und eine bildnerische Darstellung der Geschichte der Kirche auf riesige Leinwände im Format zehn mal sechs Meter, die neben und über den barocken Hildebrandtschen Altar angebracht wurden. Dabei wurden nicht nur die ursprüngliche Kirchenstifterin Fürstin Montecuccoli, sondern auch Kanzler Engelbert Dollfuß und Bischof Michael Memelauer quasi als sekundäre Kirchenstifter des Jahres 1934 verewigt. Motiv für die späte Ehrung von Österreichs bis heute umstrittensten Kanzler – für die einen ein Märtyrer, für die anderen ein Mörder, für die einen ein Opfer, für die anderen ein Täter, für die einen ein Widerstandskämpfer, für die anderen ein Diktator, für die einen eine hehre

Lichtgestalt, für die anderen nichts als ein Klerikalfaschist mit Blut an den Händen – laut dem aus Vorarlberg stammenden Kirchenrektor: „aus Dankbarkeit“. In St. Pölten wurde das Fresko sofort als „Verherrlichung des Austrofaschismus“ interpretiert und sorgte für heftige Kritik nicht nur in den Lokalblättern. Vor der Prandtauerkirche begannen zur Zeit des sonntäglichen Gottesdienst kleine Gruppen von jugendlichen Demonstranten aufzumarschieren. Am Nachmittag des 12. Februar 1934 wurden alle wesentlichen sozialdemokratischen Führungspersönlichkeiten St. Pöltens bis auf den Vizebürgermeister Ferdinand Strasser und einen weiteren Funktionär verhaftet. Starke Gendarmerie- und Heimwehrkräfte besetzten am Morgen des 13. Februar das Arbeiter- sowie das Kinderfreundeheim, das Verbandssekretariat der Metallarbeiter und den Vorwärts-Verlag. Bundesheereinheiten gingen an neuralgischen Punkten des Stadtgebietes in Stellung. Ein Aufruf Strassers zum lokalen Generalstreik blieb unbeMFG 06.12

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Blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück: die Prandtauerkirche in der Hess Straße achtet, nur in drei St. Pöltner Großbetrieben wurde die Arbeit niedergelegt. Gemeinsam mit dem Stattersdorfer Bürgermeister und Schutzbundkommandanten Johann Wohlfahrter und der St. Pöltner Gemeinderätin Maria Emhart, die am 13. Februar aus Wien zurückgekehrt war, versuchte der St. Pöltner Vizebürgermeister, der auch SDAPParteisekretär war, den militärischen Widerstand des schlecht bewaffneten und wohl auch schlecht organisierten Schutzbundes zu entfachen. „Maria Emhart beauftragte Leopold Mühlmann nach Mitternacht in der Au nach vergrabenen Waffen zu suchen. Diese waren allerdings bereits stark verrostet und daher unbrauchbar. Weiters mobilisierte Emhart über die Jugend die Schutzbundführer. Im Einquartierungshaus wurden Eierhandgranaten abgefüllt und in Kinderwägen erfolgte der Transport in die Au. Emhart veranlasste auch die Ausgabe von Waffen, mobilisierte einen Schutzbündler, der das Maschinengewehr bedienen konnte, und erlebte schließlich auch die ersten Verwundeten“, ist beim St. Pöltner Historiker Siegfried Nasko nachzul38

esen. Dabei blieb es aber nicht, schnell hatte der Schutzbund die ersten Gefallenen zu beklagen, während es auf Seiten von Heimwehr, Bundesheer und Polizei/Gendarmerie ‚nur‘ zu Verwundungen kam. Bis 16. Februar 1934 dauerten die Gefechte an verschiedenen Punkten des Stadtgebietes an. Letzten Endes erwies sich aber der St. Pöltner Schutzbund als eklatant zu schwach, um auch nur den geringsten militärischen Erfolg für sich verbuchen zu können. Bald waren hunderte sozialdemokratische Kämpfer, darunter auch Maria Emhart, gefangen genommen, der Rest flüchtete sich wohl in die heimatlichen vier Wände, um dort einer eventuellen Verhaftung entgegen zu zittern. Ferdinand Strasser gelang die Flucht nach Krems und dann weiter in die Tschechoslowakei. Am Abend des 16. Februar wurde die beiden Gölsentaler Schutzbündler Viktor Rauchenberger und Johann Hoys, die ein St. Pöltner Standgericht an diesem Tag zum Tode verurteilt hatte, im Hof des St. Pöltner Kreisgerichtes am Schießstattring mittels Würgegalgen exekutiert. „Schutzbündler legten am frischen Grab rote Blumen nieder, worauf Hoys und Rauchenberger im Auftrag der Polizei exhumiert und verlegt wurden“, weiß Siegfried Nasko zu berichten. Josef Wohlfahrter nahm in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1934 an Gefechten beim St. Pöltner Alpenbahnhof teil und dürfte sich auch am Angriff des Schutzbundes gegen das Elektrizitätswerk in der Jahnstraße beteiligt haben. Auf jeden Fall wurde seine Leiche in den Mittagsstunden des 14. Februar in der Traisenau östlich der Meuserfabrik mit einem Kopfschuss durch das rechte Auge aufgefunden. Obwohl im Zuge der Obduktion im St. Pöltner Krankenhaus eindeutig festgestellt wurde, dass es sich um einen Fernschuss aus einem MannlicherGewehr handelte, musste der Obduktionsbefund auf Druck der Behörden auf Selbstmord durch Schuss in den Mund abgeändert werden. An Wohlfahrters Begräbnis am 17. Februar durften nur seine Witwe und seine zwei Kinder teilnehmen, ganz Stattersdorf war von der Gendarmerie zerniert. 1992 machte der St. Pöltner Historiker Karl Gutkas den St. Pöltner Mühlenbesitzer, Bauernbundpräsidenten und Politiker der Zwischenkriegszeit Josef Zwetzbacher als mutmaßlichen leiblichen Vater von Engelbert Dollfuß aus, der ja bekanntlich 1892 als sogenanntes ‚lediges Kind‘ von der Bauerntochter Josepha Dollfuß geboren worden und


bei seinem Ziehvater Leopold Schmutz im niederösterreichischen Kirnberg aufgewachsen ist: „Tatsächlich würde manches auf die Stichhaltigkeit des Gerüchtes hindeuten, auch die Ähnlichkeit im Aussehen. Die Mutter von Dollfuß war zur fraglichen Zeit Dienstmagd, [...]. Dann gibt es eine Reihe von Zufällen im weiteren Leben von Engelbert Dollfuß. Das für einen Bauernbuben aufwendige Studium in Hollabrunn (besonders nach dem Misserfolg im ersten Jahr) wurde nicht von den Eltern bezahlt: In der offiziellen Biographie und nach seiner eigenen Aussage fand er dafür Gönner, die spätere Förderung durch den Bauernbund deutet auch in diese Richtung. Die spontane Einstellung als Sekretär [des NÖ Bauernbundes; M. W.], wie sie Josef Sturm später schildert, ist ebenso auffällig wie die Aktivitäten des Bauernbundes, einem unbemittelten Studenten das Studium in Berlin zu ermöglichen.“ Dieser Ökonomierat Josef Zwetzbacher war eine schillernde Figur im Niederösterreich der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1874 in der damals noch nicht nach St. Pölten eingemeindeten Ortschaft Wagram als Spross einer wohlhabenden Mühlenbesitzerdynastie geboren und sollte es bis zu einem der profiliertesten christlich-sozialen Politiker der Ersten Republik bringen. 1894 übernahm er den elterlichen Mühlbetrieb. Nach seiner Heirat 1901 war er ab 1908 Landtagsabgeordneter und leistete von 1914 bis 1918 Kriegsdienst. Von 1918 bis 1919 war er Bürgermeister der St. Pöltner Nachbar-Ortschaften Stattersdorf, Ober- und Unterwagram, die damals noch eine eigene politische Gemeinde bildeten. Ab 1921 war er Landeshauptmann-Stellvertreter von Niederösterreich, ab 1922 auch erster Präsident der NÖ Landes-Landeswirtschaftskammer, ab 1923 Direktor der NÖ Bauernbank und Mitbegründer der 1. NÖ Brandschaden-Versicherung. Nach dem Zusammenbruch der NÖ Bauernbank 1925 ging er abrupt aller seiner Ämter verlustig. Erst 1934 wurde er zum Präsidenten der Wiener Produktenbörse ernannt und erhielt einen Sitz in der Verwaltungskommission der Österreichischen Bundesbahnen. Die These von Gutkas wurde vom Lokalhistoriker Alois Eder 1997 noch einmal aufgenommen, fand aber sonst kaum Beachtung. Im Jänner 2007 wurde das Dollfuß-Altarbild in der Prandtauerkirche, dem der St. Pöltner Diözesankonservator Johannes Kronbichler zuvor bescheinigt hatte, dass es sich „sicher

nicht um ein großes Kunstwerk“ handle, verhängt. Übrigens hatte auch das Denkmalamt nur wenig Freude mit der neben und hinter dem barocken Altar des Lukas von Hildebrandt aufgebrachten Malerei gezeigt, der Altar werde durch das neue Riesengemälde „stark beeinträchtigt“, hieß es. Wenig später wurden die Leinwände von der Wand rechts und links vom Altar abgenommen, nur die drei göttlichen Tugenden oberhalb des Hildebrandtschen Meisterwerkes blieben hängen. Zuvor hatte sich laut Kathpress Diözesanbischof Klaus Küng wegen der anhaltenden Proteste „aus seelsorglichen Gründen“ „für eine andere Lösung“ ausgesprochen, obwohl das Altarbild „keinerlei politische Botschaft“ enthalte und auch „keine Beurteilung der Vorgangsweise im Ständestaat“ beabsichtigt gewesen sei. St. Pölten locuta, causa finita. Vor der bischöflichen Entscheidung hatte der Kirchenrektor der Prandtauerkirche das umstrittene Werk noch verteidigt. Bevor er das Werk in Auftrag gegeben habe, so der Kleriker, habe er „sein Vorhaben ordnungsgemäß den zuständigen Stellen des Ordinariats vorgelegt.“ Nur auf der Homepage des deutschen Künstlers Manfred Stader ist für Dollfuß-Fans die Welt noch in Ordnung, dort prangen jede Menge Fotos des ehemaligen Altarbildes der Prandtauerkirche mit dem kleinen Diktator in der Kaiserjäger-Uniform.

Leinwand mit Aufregerfaktor. Die Verewigung von Engelbert Dollfuss am mittlerweile abgenommenen Altarbild. MFG 06.12

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Loblied auf den Lonesome Ranger

SO HAPPY ALONE

Zeit, aufzuräumen: Die Soloalben unter uns sind weder alle schirch noch blöd noch wohnen sie bei Mama. Naja, ein paar vielleicht schon. Aber wurscht. Der Punkt ist: Es gibt Menschen, die nicht nur Single sind. Sie sind auch noch gern Single. Doch, ehrlich. Und sie könnten vielleicht sogar richtig glücklich sein, wenn die anderen ihnen nicht ständig mit waidwundem Blick subtil einreden würden, dass sie arme Schweine sind …

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ikipedia (nicht essen!! nicht als Quelle für Diplomarbeiten verwenden !!) beschreibt Alleinstehende oder umgangssprachlich "Singles" als erwachsene Personen, die ohne feste soziale Bindung sowie ohne minderjährige Kinder im Haushalt leben. (Und dafür mindestens mit einer Katze und/oder einem verschrumpelten Kaktus, Anm.) Von diesen gibt es zurzeit in Österreich mehr als 1,2 Millionen, sagt Statistik Austria. Und ganz sicher sind davon nicht alle nur unglücklich ungebunden oder verzweifelt bindungsfreudig. Sonst müssten die Privatsender ja noch ein paar mehr Formate erfinden, um die ganzen Frauen suchenden Bauern u.ä. unterzubringen. Nein, viele Singles fühlen sich eigentlich ganz wohl. Wenn man sich so durchfragt …

„Ich find es herrlich als Single superspontan sein zu können. Oder den ganzen Tag im Pyjama herumzulaufen, ohne dass jemand was dagegen sagt. Und ich mag es, im Fernsehen jeden Scheiß anschauen zu können. Das ist schon gut am Single sein.“ Alexandra, 36, seit 1,5 Jahren Single

Tja, die Sache mit dem Fernsehen. Das ist nämlich gar nicht so unwahr. Fakt ist: Menschen sehen gern fern. Ist so. Und wer kennt nicht ein Pärchen, das sich seufzend ein zweites Fernsehgerät angeschafft hat, weil es den Verdruss über die ewigen Diskussionen, was geschaut wird, leid war? Ich kenne mindestens fünf. Der Single dagegen schaut, was er will. Und wenn er dabei 40


TEXT: ALTHEA MÜLLER | Foto: timtoppik/PHOTocase.com

„Wenn ich mich umhöre, wie's bei anderen zugeht, dann denk ich mir oft, ich bin froh, dass ich allein bin, obwohl ich mich auch oft einsam fühle und gern einen Partner hätte. Aber da muss schon alles passen, ansonsten kann ja Liebe auch sehr böse und traurig sein und in die andere Richtung losgehen.“ Anonyma, aufgeschnappt

So. Da haben wir ihn, den klassischen Grund, warum so mancher lieber allein ist und bleibt: Spätestens mit 30 hat wirklich jede/r seine Liebesschrammen abbekommen. Man wird vorsichtiger. Heute sind viele in relativ jungem Alter bereits wieder geschieden, haben lange Beziehungen mit schmerzhaften Trennungen hinter sich, streiten um den Hamster usw. Klar, dass man dann, wenn man sich davor so viele Jahre mit einem Partner herumgeschlagen hat, die Unabhängigkeit oft eher zu genießen weiß. „Der Mensch sehnt sich nach Nähe und einem Partner, mit dem er seinen Alltag ausfüllen kann. Dass uns das Alleinsein nicht unbedingt in die Wiege gelegt wird, beweist der Boom, den Single-Portale gerade erleben. Aber trotz des Willens vieler gibt es auch heute Angehörige beider Geschlechter, die ein Leben als Single der Partnerschaft vorziehen“, fasst dazu auch healthindex.de schlüssig zusammen.

„Die Karriere, die läuft jetzt viel besser. Da geht was weiter.“ Christian, 28 Jahre, seit 2,5 Jahren Single

Auf ehow.com finde ich passend dazu eine wirklich entzückende Liste – How To Be A Happy Single, nämlich. Und in dieser steht gleich auf Platz 1: „Make the most of your career.“ Ist jetzt na-

türlich nicht grade überraschend. Wenn man sich schon auf sich selbst konzentrieren darf, warum dann nicht auch gleich noch auf Selbstverwirklichung und mehr Kohle im Job. Keine Machtkämpfe, wer mehr verdient, kein Streit wegen Überstunden, keine Eifersüchteleien wegen Networking-Sessions nach Feierabend. Holladiro. Dazu veröffentlicht enjoyliving.at einen Artikel, in dem sehr passend steht: „Allgemein besteht die verbreitete Tendenz, als Single nicht mehr gebraucht zu werden … und wenn man doch einmal eingeladen wird, fühlt man sich oftmals wie das fünfte Rad am Wagen. Nicht zu vergessen sind Familientreffen mit Freunden und Verwandten, wo häufig die Frage nach dem Beziehungsstatus aufgeworfen wird“, lesen wir da und nicken wissend.

“Als ich jünger war, hasste ich es, auf Hochzeiten zu gehen. Die Verwandten lachten immer und sagten: ‚Du wirst der nächste sein!‘ Sie haben mit dem Mist erst aufgehört, als ich anfing, auf Beerdigungen das gleiche zu ihnen zu sagen.” Quote, aufgelesen Spannend wäre, wie eigentlich Gebundene reagieren würden, wenn im Gegenzug mal der Single lockerflockig vor allen Leuten fragen würde: „Und, läuft bei euch noch was im Bett?“ Doch selbst heute noch genießt der Single weniger gesellschaftliches Ansehen, und so wird er sich hüten, aufzumucken. Besser ist es, in das Lachen der Paare einzustimmen. Doch falls der glückliche Lonesome Ranger doch mal einen traurigen Abend haben sollte (wer nicht?), möchte ich noch ein besonders nettes Blog-Zitat weitergeben: „Have fun, expand your horizons, work that body – and appreciate all the really wonderful things you are.“ Sicher, das gilt auch für Nicht-Singles. Nur: Die bekommen die Bestätigung eventuell auch mal von außen. Somit: Enjoy yourself. Irgendwann ist die Solokarriere sowieso wieder vorbei. Oja, wirklich. Versprochen.

Wilson

Althea Müller Immer dasselbe: Man lebt so vor sich hin, verbeißt sich an Mauern, schreibt neue Klagelieder, darappelt sich, rennt bei der nächsten Kreuzung erst wieder falsch, kauft sich ein Eis, lässt sich den Rücken peckn, wechselt Jobs, klettert auf Bäume, fällt auf die Schnauze, schaut sich Filme an und bleibt dran. In Summe ist das das Leben. Zwischen dem Ärger über die Katze, die wieder genau auf die Couch gespieben hat und den Gedanken, warum in einem ach so zivilisierten Land wie unserem Kinder totgeprügelt werden, dem beherzten Kauf von Bio und dem Wunsch, sich einfach zu schleichen – zwischen all dem tut er sich aber irgendwann trotzdem auf: der Sinn im ganzen Blödsinn. Da braucht es keinen Jakobsweg oder Urlaub am Floß. Alles geil, aber gerade in dem Zeug, das wir täglich erleben, steckt eh schon jeder Sinn. Loslassen und Akzeptanz erlernt man auch durch ein Lächeln, während einen mal wieder ein (weißer!) Audi schneidet. Wenn man „Naa net“ runterschluckt und stattdessen „Danke“ sagt. Oder wenn man sich eingesteht, dass der so lang angehimmelte Held in Wahrheit eine hirnlose Lusche ist, die sich getrost selbst – na, was auch immer. Peace. Und wenn dann die Katze (die eben noch auf die Couch … ehschowissn) kuscheln kommt und eine liebe Postkarte im Briefkasten liegt, obwohl man grade noch dachte, nicht mal mehr Robinson, sondern höchstens Wilson zu sein, erschließt sich der Sinn automatisch: Glaube, Liebe, Hoffnung. Ganz simpel. Immer dasselbe. Um da drauf zu kommen, muss man weder meditieren noch fliegenlernen. Und das finde ich schön.

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Foto: zVg

einschläft und alle Erdnüsse auf dem Teppich verteilt, wird ihn niemand dafür ausschimpfen. Ist ja keiner da. Aber natürlich kommt auch beim gestandenen Single, gemütlich eingerollt in XL-Nirvanashirt und Schafwollsocken, hin und wieder ein wenig Zweifel auf.

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TEXT: SASCHA HAROLD | Foto: Bombaert Patrick/Fotolia.com

Viel Vergnügen!

Letztes Jahr beklatschte die Wirtschaftskammer eine langjährige Forderung: Die Abschaffung der Lustbarkeitsabgabe sei „endlich erreicht!“ Wenige Monate später sorgt die umstrittene Vergnügungssteuer für Ärger. Neuer Name, altes Spiel?

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roß war die Erleichterung als mit 2010 die Regelung der Vergnügungssteuer auslief. Was viele nicht bemerkten: Seit April 2011 gibt es durch die Reform des sogenannten Spielautomatengesetzes wieder die Möglichkeit eine Vergnügungssteuer einzuheben. Einige Monate hat es gedauert, aber mit November hat die Stadt St. Pölten beschlossen, diese wahrzunehmen und einen entsprechenden Beschluss im Gemeinderat verabschiedet. Thomas Kainz vom Medienservice erklärt: „Grundsätzlich sind Kommunen verpflichtet, alle ihnen zustehenden Steuern einzuheben, andernfalls wäre die Kürzung oder der Ausschluss aus diversen Fördertöpfen eine mögliche Konsequenz. Dieses Risiko kann und will St. Pölten nicht eingehen.“ Anders sehen dies naturgemäß die Spiel- und Sportstätten, zumal mit dem neuen Gesetz auch „Geschicklichkeitsautomaten“ steuerpflichtig werden – und darunter fällt im Grunde fast alles: vom Billardtisch 42

über die Bowlingbahn bis hin zum „Wuzzler“ und Darts-Automaten. Die Steuer darf laut Gesetz maximal 25 Euro pro Gerät und Kalendermonat betragen – in St. Pölten wird diese Maximalhöhe ausgeschöpft. Besonders hart trifft dies Unternehmen wie die NXP Bowling GmbH (mit den Standorten NXP Bowling und Lasertron) oder die „Playzone“ im Kinotempel Hollywood Megaplex, die gleich über mehrere dieser Geräte verfügen. „Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass so eine Steuer kommt, hätte ich das nie für möglich gehalten und laut gelacht“, so Michael Müllner, Geschäftsführer von NXP Bowling. Die Sache wurde – auf leisen Sohlen kommend – ruckzuck durchgeboxt. Im November wurde der Beschluss gefasst, im Dezember erfolgte die offizielle Erklärung des Magistrats, dass ab Jänner 25 Euro pro Gerät eingehoben werden. „Das gefährliche bei dieser Steuer ist, dass jeder in der ersten Reaktion sagt: ‚Na, die 25 Euro werden euch ja nicht weh tun.‘ Rechnet man

den Betrag auf ein Jahr hoch, sind wir bei rund 13.000 Euro – das tut sehr wohl weh! Vor allem kann jeder Gast und jeder Gemeindepolitiker rasch nachvollziehen, dass die ganze Branche in den letzten Jahren zu kämpfen hat. Die Gäste haben Jahre lang nur ‚Krise‘ gehört und geben weniger aus, der Zirkus um das Tabakgesetz hat die Betriebe herb getroffen. Rundherum steigen die Einkaufs- und Energiekosten. Auch die öffentliche Hand schneidet mit Steuern und Gebühren immer mehr am Umsatz mit. Da geht natürlich jede zusätzliche Abgabe zu Lasten des Betriebsergebnisses und nimmt den Betrieben die Möglichkeit in neue Attraktionen bzw. in die Qualität des bestehenden Angebots zu investieren. Mit dieser Abgabe schwächt man Bemühungen für ein vielfältiges Freizeitangebot!“ Während Wien für Billard oder Bowling keine Vergnügungssteuer einhebt, sind in NÖ auch andere Städte nachgezogen. Krems hebt die Steuer sogar rückwirkend ein, auch hier wurden Tatsachen geschaffen, wie Birgit Gschwandtner, Betreiberin des Bowlingcenters Krems, erzählt: „Wir haben bis Dezember nichts gehört, dafür dann im Jänner ein Schreiben bekommen, wonach die Steuer jetzt rückwirkend bis November eingehoben wird.“ Auch in anderen Städten wird die Vergnügung wohl bald teurer werden. Kainz dazu: „Krems und Amstetten haben bereits vor St. Pölten die Einhebung der Vergnügungssteuer beschlossen. In Waidhofen hat man wohl die Wahl abgewartet, Wiener Neustadt wird demnächst tätig werden.“ Seltene städtische Eintracht. Und wieviele St. Pöltner Einrichtungen sind betroffen? „Wir haben 35 registrierte Standorte, zahlen muss aber der jeweilige Eigentümer des Automaten. Schwarze Schafe werden im Zuge von laufenden Kontrollen erwischt“, so Kainz. Tja, so schnell kanns gehen. So wird die Steuer, die im Vorjahr vom Land Niederösterreich noch jubelnd abgeschafft wurde (mit der Hintertür, dass Gemeinden selbst einheben können) durch diese Reform wieder nach und nach eingeführt.


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SHORTCUT KULTUR

Schreib mir das Lied vom Tod

Thomas Fröhlich

AMA-TEURE 175 Jahre und kein bisschen leise. Der Musikverein St. Pölten 1837 ist sozusagen in die Jahre gekommen und bewies dennoch im Zuge seines diesjährigen Festwochenkonzertes, dass er noch lange nicht am Ende ist. So brachte man nicht nur ein ansprechendes Best Of Programm zu Gehör, sondern machte in den „Zwischentönen“ auch das (be)greifbar, was Vereine im allgemeinen ausmacht: Ihre Erdigkeit und Authentizität, im positiven Sinne ihre „Unprofessionalität“: Die Musiker sind Lehrer, Studenten oder Pensionisten, die Programmhefte waren selbst gestaltet, Dirigent Uwe Scheer und Organist Gerhard Albrecht steuerten eigene Kompositionen bei, Peter Stein moderierte. Alles made by Musikverein. Alles gespeist aus einer tiefen Liebe zur Musik, zum Musikverein, zur Gemeinschaft, in der es mitunter auch ordentlich „menschelt“. Und das ist gut so! Das Ergebnis überzeugte jedenfalls. Es muss eben nicht immer perfekte durchgestylte Hochglanz-Klassik à la Philharmoniker sein, um ein großartiges Konzerterlebnis und tiefe Emotionen zu erfahren.

Literaturförderung St. Pölten ist in Sachen Literatur ein bemerkenswertes Pflaster. Der renommierte Residenz Verlag hat hier sein Heimstatt, diverse St. Pöltner Autoren haben sich im Literaturbetrieb einen Namen gemacht, es gibt eine „Lite-

rarische Gesellschaft“ samt eigenem „etcetera“-Magazin und das Literaturfestival „Blätterwirbel“. Alle in den Literaturbetrieb Involvierten wissen, wie schwierig es für Autoren ist, Zeit und Muse für ihre Berufung aufzubringen, die aus wirtschaftlichen Gründen oft nur „nebenbei“ vonstatten gehen kann. Daher ist das neue, mit 12.000 Euro dotierte Peter Turrini Dramatikerstipendium des Landes umso bemerkenswerter, weil es auf einen langen, einjährigen Arbeitsprozess abzielt. „Das ist wichtig, weil dramatisches Arbeiten eine lange Werkstattarbeit unter höchster Konzentration ist“, betont Schutzherr Turrini. Das Ergebnis dieses Prozesses wird übrigens alljährlich im Landestheater uraufgeführt werden.

Fotos: Dmytro Tolokonov/fotolia.com, Vorluafer, zVg

Yippie! Da blättert man doch den druckfrischen Herbstkatalog des Residenz-Verlages durch – und stößt gleich auf Seite 1 auf einen Western. Ja, Sie haben richtig gelesen: also auf etwas, wozu man gemeinhin GenreLiteratur (wie Krimi, Thriller, Horror und eben Western) sagt. Gut, es ist nicht irgendein Western, sondern „Zebulon“ von Rudolph Wurlitzer, der unter anderem das Drehbuch zum legendären „Pat Garrett And Billy The Kid“ schrieb. Immerhin. Sowas ist nämlich gar nicht selbstverständlich. Denn (zu) lange galt in deutschsprachigen Landen das oberg’scheite Verdikt, Genre-Literatur wäre irgendwie „pfui“. Was zur Folge hat, dass jede Menge an – seien wir ehrlich – stinklangweiligem, „ernsthaftem“ Nabelschau- und Betroffenheits-Kitsch das Wohlwollen des Feuilletons lukriert, wogegen gute bis hervorragende Handwerker, die einfach nur eine feine Story schreiben (in der aber mitunter mehr Wahrheit steckt als im zigtausendsten selbstverliebten Sozialporno), blöd sterben dürfen. Nicht, dass das besonders schlimm wär’ – die Leser pfeifen üblicherweise auf Belehrungen aus dem Elfenbeinturm – aber unfair ist’s doch. Auch bei der Vergabe von Literaturpreisen steht gelegentlich ja eher die (politisch korrekte) Haltung der Bepriesenen im Vordergrund als deren schriftstellerische Niederkunft. Und diese Literaturpreisliteratur liest sich meist auch dementsprechend. Da freut’s doppelt, dass gute GenreWerke in „seriösen“ Verlagshäusern Einzug halten. Auch hier gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen – was aber viele Berufskritiker überfordert. Den Residenz-Verlag offenbar nicht. Darauf sollte man im Saloon glatt einen ausgeben!

Ka

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MFG KULTUR

Emotion statt Konzepthammer Während der künstlerische Leiter des Festspielhauses Joachim Schloemer gerade die letzten Probeläufe für sein heuriges Abschlusswerk „Nostalgia“ im Großen Saal des Festspielhauses abwickelt, werkt drei Stöcke höher im Verwaltungstrakt bereits seine designierte Nachfolgerin Brigitte Fürle an ihrer Eröffnungssaison 2013/2014. Wir besuchten sie an ihrer neuen Wirkungsstätte.

W

ir treffen einander im „Wohnzimmer“ des Festspielhauses, wie der mit Polstermöbeln ausgestattete Besprechungsraum im 3. Stock von den Mitarbeitern liebevoll genannt wird. Das Gespräch beginnt allerdings „bildlich“. Fürle stellt ihren Laptop auf und zeigt zum Einstieg einen Film über ihre zuletzt sechsjährige Tätigkeit bei den Festspielen Berlin, damit wir sozusagen einen Eindruck bekommen. Ab und an gibt sie einen kurzen erläuternden Kommentar, verrät, wer schon für St. Pölten angefragt ist, und muss unvermittelt lächeln, als man meterhohe Puppen vor dem Brandenburger Tor in Berlin stapfen sieht – die legendären „Riesen“ von Royal de Luxe im Zuge der von ihr kuratierten Feierlichkeiten anlässlich 20 Jahre Mauerfall, die zwei Millionen Menschen begeisterten. „Das war mein Meisterstück.“ Knapp sechs Minuten dauert der Film, gibt Einblick über eine künstlerische Bandbreite, die von Tanz über Theater bis hin zu Musik reicht. Verschiedenste Genres, häufig bunt und poetisch durcheinandergewirbelt. „Ich habe nicht diese Eindimensionalität, sehe es auch nicht als meine Aufgabe, nur eine Ästhetik zu vermitteln. Das Interessante ist der Spannungsbogen! Dafür bin ich bekannt, das ist meine Handschrift.“ Eine Handschrift, die auch die internationale Jury auf ihrer Suche nach einem Nachfolger für den im Juni 2013 scheidenden Joachim Schloemer überzeugte. Fürle wurde aus einem Pool von 39 Kandidaten ausgewählt. 46

Die Heimkehr Dabei, so verrät sie, „war ich eigentlich schon knapp am Sprung anderswohin.“ Als sie jedoch von der vakanten Stelle in St. Pölten hört, zögert sie nicht lange und bewirbt sich. „Das Festspielhaus ist ein ganz besonderes Haus mit großartigen Möglichkeiten“, schwärmt sie. Zudem kommt St. Pölten ihrer Sehnsucht nach einer Rückkehr in die alte Heimat entgegen. 13 Jahre ist es her, dass sie diese – nachdem sie sich bei den Wiener Festwochen ihre ersten aufsehenerregenden Sporen erworben hatte – Richtung Deutschland verließ, um im Ausland für Furore zu sorgen. Das Heimweh, so vermeint man herauszuhören, hat sie aber nie gänzlich abgelegt. „Meine familiäre Situation war ja immer hier. Jedes mal, wenn ich aus Österreich abgereist bin, wurden die Koffer weniger“, gesteht sie, als hätte sie unbewusst auf eine bleibende Heimkehr, irgendwann, hingearbeitet. Tja, und Irgendwann ist eben jetzt geworden, wobei die Theatermacherin auch der Ehrgeiz gepackt hat. „Wenn du im Ausland erfolgreich warst, dann möchtest du dich auch dort erproben, wo alles beonnen hat“, führt sie aus und fügt mehr nüchtern denn ängstlich hinzu: „Auch wenn du scheitern kannst. Warum sollte ich also anderswo hingehen?“ Vom Urbanen in der Provinz Gute Frage: Weil der Sprung von der Millionenmetropole Berlin in die kleine niederösterreichische Provinzhauptstadt vielleicht doch zu extrem sein könnte? Fürle winkt entschieden

ab und relativiert die Begrifflichkeiten. „Die großen Metropolen schauen nach außen hin natürlich immer großartig und glamourös aus. Aber in Frankfurt etwa, mit seiner imposanten Skyline, wurden ab Donnerstag die Gehsteige hochgeklappt!“ Kurzum – so wie Provinzialität im Großen gedeihen kann, kann dies umgekehrt auch Urbanität im Kleinen. Zwar räumt Fürle im Hinblick auf Berlin ein, dass „diese Stadt natürlich ein extrem spannendes Pflaster ist“, zugleich sei es aber auch ein extrem hartes mit einem gnadenlosen Wettstreit, „und einem Angebot von 100.000 Veranstaltungen, wo du dich


TEXT: JOHANNES REICHL | Fotos: HERMANN RAUSCHMAYR

» erst positionieren und behaupten musst. Insgesamt betrachtet würde ich sogar behaupten, dass ein Ort wie das Festspielhaus St. Pölten für die Kunst ein besserer Raum, auch Zeitraum ist, als eine Metropole mit ihren 1000 Reizüberflutungen.“ Mit der idealen Nähe und zugleich Distanz zur Hauptstadt Wien. „So betrachtet sind die Bedingungen hier geradezu ideal!“ Fürle, zuletzt Kuratorin eines Festivals mit vier Monaten Laufzeit, spielt damit wohl auch auf die lange Spielzeit im Festspielhaus an, „den Zeitluxus, der einem hier gewährt wird!“ Dies ermögliche allen voran qualitätsvolles Arbeiten. „Wir sind in der

glücklichen Lage, nicht 40 Eigenproduktionen im Jahr machen zu müssen. Jedes einzelne Projekt bekommt hier die volle Zeit, die es braucht, die volle Konzentration. So sollte ein Betrieb ablaufen“, streicht sie die besonderen Arbeitsbedingungen hervor. Auch den Umstand, dass quasi linear und nicht parallel gearbeitet werden kann. „Ich halte nichts davon in fünf Booten gleichzeitig zu sitzen, aber in keinem wirklich richtig zu rudern.“ Was Fürle am Festspielhaus zudem schätzt, sind die Hard Skills des Hauses an sich – die große Bühne, die Probemöglichkeiten, das Fassungsvermögen. „Ich glaube, das weiß das

Brigitte Fürle

„Ich arbeite für das Publikum.“

Festspielhaus selbst gar nicht, welche Alleinstellungsmerkmale es gegenüber anderen Einrichtungen und Festivals besitzt“, schwärmt die Theatermacherin. Diese gilt es sozusagen auszunutzen, mit Leben zu erfüllen – wie dies auch bereits Joachim Schloemer begonnen hat. „Ein solches Haus muss eine Seele haben“, stellt Fürle unmissverständlich klar. „Wir werden daher nicht nur Gastspiele bringen, sondern auch Eigenproduktionen machen! Ich möchte Künstlern das Festspielhaus als Arbeitsort zur Verfügung stellen, sie bei ihrer Arbeit 100%ig betreuen, mit allem, was uns an Ressourcen zur Verfügung steht!“ MFG 06.12

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MFG KULTUR

Theater – ein Sehnsuchtsort Seele, Herz, Emotion, das sind genau jene Schlüsselbegriffe, die oft in der Beschreibung von Fürles Arbeit fallen, zu denen sie sich auch selbst uneingeschränkt bekennt. „Ich halte nichts von diesem ausschließlichen Realismus. Mein Gestus ist zärtlich, nicht zynisch“, distanziert sie sich von jeglicher Art überspannten, überintellektualisierten Selbstbefriedigungstheaters. „Ich halte hier sicher keine persönlichen Diskursseminare ab oder schwinge den Konzepthammer, sondern ich arbeite für die Leute! Ich gehe von einem sehr emotionalen Theaterbegriff aus!“ 48

Emotion statt Konzepthammer

Theater, also nicht als Ort, wo nüchtern Dinge abgehandelt werden „die wir ohnedies kennen“, sondern als magischer Zauberort, wenn man so möchte auch als eine der letzten Bastionen des Gefühls in einer zunehmend erkaltenden Welt. „Theater soll ein Ort der Erfahrung, der Begegnung, der Emotion, der Utopie, der Träume sein. Ein Sehnsuchtsort, wo man Gefühle zulassen kann“, umreißt Fürle ihre Vorstellungen, um zugleich festzuhalten: „Das hat aber nichts mit Verklärung oder Banalität zu tun!“ Auch nicht mit Eskapismus. Ganz im Gegenteil möchte sie die Besucher bewegen, ja anstiften. „Aufgabe des

Theaters ist es, Fragen zu stellen. Die Leute sollen Erfahrungen mitnehmen, die ihr Denken, ihren Blickwinkel, sie selbst verändern.“ Um dies zu erreichen, scheut sie auch vor vermeintlich „populären“ Formaten, wie sie es selbst nennt, nicht zurück. „Ich arbeite gerne mit unterschiedlichen Ansätzen. Der Altenchor z. B. war in diesem Sinne „populär“ – zugleich aber auch hochpolitisch, weil er die Besucher mit ihrer Endlichkeit konfrontierte. Das geht einem nahe. Diese Emotionen interessieren mich. Diese essenziellen Fragen.“ Fragen, mit denen sie bald auch St. Pölten konfrontieren wird.


Am Theatergleis Die Badener Bahn hat wohl eine besondere Bedeutung für Brigitte Fürle. Immerhin stellte sie quasi die erste unmittelbare Verbindung zur großen Wiener Theaterwelt dar. „So ab 14 Jahren bin ich regelmäßig mit der Badener Bahn nach Wien auf Stehplatz gefahren, ins Ballett, ins Burgtheater“, erinnert sich die gebürtige Maria Enzersdorferin. Dass sie sich damit auf ein Gleis begeben sollte, das sie nie wieder verlassen wird, war Fürle wohl kaum bewusst. Andererseits war ihre Leidenschaft fürs Theater schon damals von einer gewissen Kompromisslosigkeit geprägt. „Am nächsten Tag bin ich meistens zu spät in die Schule gekommen, was die Lehrer bei Sprechtagen meinen Eltern gegenüber zur spitzen Bemerkung veranlasste ‚Ich kenne Ihre Tochter gar nicht‘“, schmunzelt Fürle. „Ich hatte furchtbar viele Fehlstunden! Aber das Theater war mir einfach wichtiger!“ Und große Probleme bereitete es auch nicht weiter, „weil ich eine gute Schülerin war.“ Nach der Matura geht Fürle für ein Jahr nach Italien, eine in jeder Beziehung prägende Zeit. So saugt sie zum einen das italienische, sämtliche Sinne umfassende Lebensgefühl für immer in sich auf, zum anderen begeistert sie die spannende römische Theaterszene. „Avantgarde, Festivals, Bildertheater – dort lernte ich die neuesten Strömungen kennen, die es bei uns noch gar nicht gab“, erinnert sie sich und fügt sinnierend hinzu „So hat die Entwicklung ihren Lauf genommen.“ Eine Entwicklung, die sich u. a. auch im Studium der Theaterwissenschaften niederschlägt, damals ebenfalls ein spannendes Terrain. „Alles war sehr offen. Man konnte irrsinnig viel experimentieren, sich ausprobieren, diverse Workshops besuchen.“ Und so Erkenntnis gewinnen, was einem liegt und was nicht. „Ich kann mich noch gut an meine ersten Schauspielerfahrungen

»

Brigitte Fürle

erinnern. Wir spielten im ‚Dramatischen Zentrum‘ ein Stück eines argentinischen Theatermachers, im Publikum saß Stadträtin Pasterk – ich bin damals fast gestorben vor Angst“, lacht Fürle. „Danach wusste ich recht schnell, dass ich nie mehr auf der Bühne stehen mag!“ Stattdessen entwickelt sie ein Faible fürs Programmmachen, das Inszenieren, die Dramaturgie, und so rutscht die junge Frau alsbald in diese Richtung. Auch journalistisch betätigt sich Fürle, wenngleich sie auch diesbezüglich weiß „dass ich keine Kritikerin werden wollte.“ Ihre ersten Aufmerksamkeit erregenden Sporen verdient sie sich als Programmdirektorin der Wiener Festwochen unter der Intendanz von Klaus Bachler, vor allem die Halle G macht sie zu einem neuen Wiener Hotspot zeitgenössischen Tanzes. 1998 folgt sie Elisabeth Schweeger, unter der sie schon in Wien arbeitet, ans Bayrische Staatsschauspiel in München, „wo ich den Schwenk zur Dramaturgie hin machte.“ Eine Erfahrung, die sie keinesfalls missen möchte und ihr das nötige Rüstzeug für ihre späteren Aufgaben, gerade auch für jene als Theaterleiterin, mitgeben, „weil du als Dramaturg den gesamten Prozess im Theater mitverantwortlich begleitest. Von der Idee und der Stückauswahl über das Engagement der Schauspieler und Regisseure, die Probenarbeiten, das Licht, den Kontakt zu den Technikern, aber auch etwa zur Presse bis hin zur Aufführung selbst. Dadurch entwickelst du einen ganzheitlichen Blick, bist oft der Fels in der Brandung, wo alle Fäden zusammenlaufen.“ Unter Schweeger ist Fürle – mittlerweile ist sie Dramaturgin am schauspielfrankfurt – außerdem als Kuratorin für das Festival der Union des Théâtres de l’Europe sowie für die internationalen Kooperationen zuständig. „Sie hat mich immer ‚meine Außenministe-

„Ich halte nichts von diesem ausschließlichen Realismus. Theater soll ein Sehnsuchtsraum sein!“

rin‘ genannt.“ Parallel dazu sorgt sie als Programmkuratorin des Young Directors Project bei den Salzburger Festspielen sowie als Kuratorin des Theaterprogramms auf der Frankfurter Buchmesse 2003 und 2005 für Furore. 2006 folgt der nächste große Karriereschritt – in der Nachsicht könnte man sagen, nach der Pflicht folgt die Kür: Fürle wird künstlerische Leiterin von „spielzeit’europa“ bei den Berliner Festspielen und zeichnet sich damit für die Theater- und Tanzsaison des Hauses verantwortlich. Mit verschiedensten aufsehenerregenden Projekten und Produktionen trägt sie nachhaltig dazu bei, dass die ehemalige Volksbühne Berlin nach ihrer Wiedereröffnung als Haus der Festspiele Berlin wieder zu alter Größe findet und auch internationale Reputation gewinnt. Und jetzt also das Festspielhaus. In der bisherigen Karriereklimax der Theatermacherin noch einmal eine Stufe nach oben, weil sie hier erstmals – auch wenn der Begriff im Festspielhaus aufgrund seiner Splittung in künstlerische und geschäftliche Belange verpönt ist – als Intendantin wirkt. An einem fixen Haus mit Ganzjahresbetrieb, für das sie viel vorhat. „Das Festspielhaus wurde vor 15 Jahren gegründet, das ist keine lange Zeit. Der eingeschlagene Weg geht in die richtige Richtung, die Vorgaben sind gelungen. Aber jetzt müssen wir diesen Weg regional, österreichweit und auch international weitergehen. Da ist noch viel Luft nach oben.“ Es verspricht also spannend zu werden!


MFG KULTUR

Für „DUM“ verkauft

Literaturzeitschriften gibt’s ja gar nicht so wenige. Selten allerdings, dass eine über Jahrzehnte durchhält. Wie das St. Pöltner ETCETERA etwa (das MFG berichtete). Oder DUM aus Langenlois, das dieser Tage seinen 20er feiert. Wir gratulieren herzlich und unternehmen eine Zeitreise zurück in die 90er – für anständige Getränke ist gesorgt.

DIE ANFÄNGE

2012

W 1996

50

as sich jetzt genau am 23. Oktober 1992 im Zug nach Wien, auf Höhe St. Andrä-Wördern, abspielte, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Der Langenloiser Wolfgang Kühn, seines Zeichens Schriftsteller, Bandleader, Poetry Slammer, Mundartrapper und inzwischen (gemeinsam mit Sylvia Treudl und Michael Stiller) Unabhängiges-Literaturhaus-NiederösterreichKrems-Mastermind, wollte nach einer durchzechten Nacht mit einigen Brüdern und Schwestern im Geiste „einmal etwas anderes machen“. Eine Zeitschrift mit dem Untertitel ‚das Magazin, das Sie nicht für dumm verkauft’ sollte es werden. Die definitive Namensgebung erfolgte aber nicht im Zug, sondern zwei Monate später nach der Christmette in Langenlois: DUM. Das.Ultimative.Magazin. Der laut Kühn „unfassbare Anfangselan“ ermöglichte zu Beginn eine häufige, wenngleich unregelmäßige Erscheinungsweise, ein recht unterschiedliches schreibmaschinengeneriertes Erscheinungsbild und inhaltlich so ziemlich alles vom Gedicht bis hin zu Malen-nach-Zahlen. Eine Scheiss-mir-nix-Punkattitüde war da am Werk – die einzige Regelmäßigkeit bestand in den „epochalen WodkaZeremoniellen nach Erscheinen jeder neuen Ausgabe“, wie Kühn sich erinnert. Die ersten Gastbeiträge trudelten ein – und irgendwann stellte sich die Sinnfrage: Professionell


TEXT: Thomas Fröhlich | Fotos: ZVG

weiter machen oder eine schöne Leiche im literarischen Underground hinterlassen? Man beschloss weiter zu machen, gleichsam gesellschaftsfähig zu werden. Ein Verein wurde gegründet, die Gestaltung des Heftes einem „seriösen“ Relaunch unterzogen – und die Beiträge – sowie die Abonnentenzahlen stiegen. Ursprünglich als lokal orientiertes Magazin konzipiert, wuchs DUM sehr bald schon über die Region hinaus und hat sich inzwischen als Zeitschrift einen Namen gemacht, die vornehmlich noch nicht etablierte Literatur publiziert und die aus der österreichischen bzw. deutschsprachigen Medienlandschaft längst nicht mehr wegzudenken ist. Dennoch ist DUM dem, wenn man so will, „Gründungsort“ Langenlois treu geblieben und hat in den letzten Jahren das literarische Leben im Kamptal entscheidend mitgeprägt. So war DUM Mitbegründer des mittlerweile international renommierten Kulturenfestivals „Literatur & Wein“, das seine Premiere 1999 auf Schloss Gobelsburg hatte, Mitveranstalter der legendären Reihe „Literatur in der Kellergasse“ in Schiltern und hat viele Jahren das genussreiche „V.ER.LESEN“ im Weingut Kirschbaum ausgerichtet. Im Dezember 2011 erfolgte der Startschuss zu einem neuen Projekt, das sich „Literatur im Kino“ nennt und Autorinnen und Autoren mit ihren verfilmten Werken in den jüngst eröffneten Vierzigerhof bringen möchte. Neben Heimspielen in Langenlois finden auch immer wieder DUM-Veranstaltungen in Krems und in Wien statt. In Letzterem vor allem im Café Anno, wo DUM gern gesehener Gast beim „ALSO – Anno LiteraturSOnntag“ sowie auf der im Badeschiff Wien stationierten Lesebühne „Dogma.Chronik.Arschtritt“ ist. Aber auch die DUMGastspiele in Berlin, wo vornehmlich junge Autorinnen und Autoren aus Niederösterreich präsentiert werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. Besonders fein ist es natürlich für die Macher mitzuerleben, wenn aus den „Unbekannten“ von damals die „Bekannten“ unserer Tage werden wie etwa die FM4-Charts-affine HipHopperin, Poetry Slam-Organisatorin und Autorin Mieze Medusa oder die inzwischen international renommierte Schriftstellerin Milena Michiko Flasar, die auch der LitGes St. Pölten und dem ETCETERA so manches Highlight beschert haben. Überhaupt geht’s da nicht um ein von manchen immer wieder kolportiertes Konkurrenzverhältnis der Literaturzeitschriften und -vereine. Vielmehr haben wir’s mit einem Synergie-Effekt zu tun, der oftmals in wechselseitigen Einladungen mündet. DUM, das ist aktuell ein Dreiergespann, bestehend aus Gründungsmitglied Wolfgang Kühn, Kathrin Kuna, und dem Autor und Poetry Slammer Markus Köhle. Das Erfolgsgeheimnis der Zeitschrift DUM … ist gar kein Geheimnis: unterschiedliche Texte bringen, die man einfach gern liest. Punkt. Das Thema des kommenden Heftes ist übrigens: „verkatert“. Bis 10. Juli gilt die Einreichfrist. Da wär’ jetzt eigentlich ein Wodka fällig. Auf die nächsten 20 Jahre.


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Globetrotter Kids

M

it „Globetrotter Kids“ ist Nicole Ehrlich-Adam und Caroline Salzer genau ein solcher Wurf im Reiseliteratur-Segment gelungen. Wie oft sahen sich Eltern bis dato mit gelangweilten bis gequälten Gesichtern ihrer Sprösslinge konfrontiert, wenn sie im Zuge einer Städtereise auch manch „Klassiker“, wie z.B. das eine oder andere Museum ins Programm einstreuten. „Mir ist fad“, war nach absehbarer Zeit aus dem Kindermunde zu vernehmen, an das sich alsbald ein „wann sind wir endlich fertig“ anschloss – unruhiges Gezappel, Ziehen am Rockärmel oder das Ausloten von „Grenzerfahrungen“ (läutet die Glocke wirklich, wenn ich über die Absperrung steige und das Bild angreife) inklusive. Der Kulturgenuss war nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern endenwollend. Man kam mehr gestresst denn erleuchtet aus dem Musentempel. Nicole Ehrlich-Adam wollte das so nicht mehr hinnehmen bzw. vermeiden, und stellte daher im Vorfeld eines Städtetripps ein eigenes Programm für ihre Kinder zusammen, weil sie begriff, dass es auch auf die Verpackung, die Vermittlung ankommt: Was interessiert die Kinder? Wie kann ich sie motivieren? Wie kann ich sie involvieren, selbst aktiv zu sein? Wie können sie sich die Pausen verkürzen? Sie kopierte Kurzinfos, kreierte Rätselrallyes, nahm Sudokus für die Pausen mit – und siehe da: Mit einem Mal war der Protest gewichen, ja im Gegenteil, die Zeit in einem Museum, einem Monument wurde auf einmal zum Vergnügen, verging gar zu rasch. Wenig verwunderlich, dass sich die Existenz dieser „Zauberblätter“ rasch im Freundeskreis herumsprach, so dass die selbst kopierten Zettel weiter vervielfältigt wurden und von Fami52

Globetrotter KiDs

Es ist immer wieder eine verblüffende Erkenntnis, dass das, was wir gemeinhin als selbstverständlich und längst gegeben annehmen, sich dann doch oft als Innovation entpuppt und deshalb ein erstauntes „Das gibt’s nicht, dass es das noch nicht gibt“ hervorlockt.

LONDON Reisen, Raten & Entdecken für KiDs

Der spannende City-Guide mit kniffeligem Rätselspaß und Tipps für Globetrotter von 6-12!

Globetrotter Kids Preis: 9,95 Euro

Erhältlich per E-Mail an office@globetrotterkids.at, Buchhandlung Böck (Unterwagramer Str. 47, St. Pölten) sowie allen Filialen der Firma Hausmann

lie zu Familie wanderten, bis die Erkenntnis offenbar wurde: Man hatte eine Marktlücke entdeckt. Die beiden Mütter Nicole Ehrenreich-Adam und Caroline Salzer beschlossen diese zu schließen und hoben Globetrotter Kids aus der Taufe. Eine Art Reiseführer-Reisetagebuch-Rätselheft in einem. Das Geheimnis des Erfolges umreißt Salzer folgendermaßen: „Es kommt bei den Kindern gut an, weil sie selbst

aktiv sein müssen und nicht etwas vorgekaut bekommen. Sie haben ein eigenes Tool in der Hand, das in Kürze die wichtigsten Informationen vermittelt, mit dem sie selbstständig Rätsel lösen können, Platz für eigene Fotos und Notizen haben etc.“ Infotainment könnte man es neudeutsch nennen. So umfasst Globetrotter Kids einen Stadtplan, Hard Facts zur Stadt in aller Kürze, die jeweilige Fahne (zum Selberausmalen), Rätselfragen und Arbeitsaufträge, Sudokus für die Pause zwischendurch oder auch berühmte Liedertexte. Selbst Grundkenntnisse der Sprache werden über die beiden Hauptfiguren Max und Lilly, welche quasi als die offiziellen Reisebegleiter fungieren, vermittelt. Während Max Deutsch spricht, beherrscht Lilly die jeweilige Landessprache. Eines betont Salzer: „Globetrotter Kids ist kein Ersatz für konventionelle Reiseführer. Wir fokussieren auf Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, d. h. es gibt keine Tipps für Hotels, Restaurants oder ähnliches. Und wir sparen auch ‚Kinderklassiker‘, die ohnedies mit Freude besucht werden, aus – im Falle von London verzichten wir z. B. auf Madame Tussauds oder in Paris auf Disneyland.“ Die schmalen Bändchen entpuppen sich jedenfalls als großer Renner. Nach London haben die Damen Paris vorgelegt, als next Stop haben sie Wien im Visier. Dabei kann sich Salzer neben Großstädten durchaus auch kleinere Destinationen vorstellen. Auch St. Pölten? „Warum nicht – Kinder machen ja auch Führungen in unserer Stadt. Es wäre sicher spannend, sich auf diese Weise mit der eigenen Heimatstadt zu beschäftigen“, ist sie überzeugt. Der Grundtenor von Eltern wie Kindern ist jedenfalls schon jetzt einhellig: „Super, dass es soetwas endlich gibt!“


9.9. bis 13.10.2012 St. Pölten, Herzogenburg, Lilienfeld

Festival Musica Sacra STARDIRIGENT. Welser-Möst dirigiert Cleveland Orchestra in Grafenegg.

Sommerfestivals

Während in St. Pölten die großen Bühnen verdientermaßen eine kleine Schöpfungspause einlegen, schießen im Umland diverse Sommerbühnen aus dem Boden wie die Schwammerl. Eine kleine Empfehlungsliste. Nach nur wenigen Jahren zum funkelnden Stern am österreich-, ja europaweiten Festivalhimmel sind Musiksommer und Musikfestival Grafenegg avanciert. In der Zeit zwischen 21. Juni bis 9. September werden nicht weniger als 67 Veranstaltungen angeboten! Rudolf Buchbinder konnte wieder zahlreiche Stars wie z. B. Franz Welser Möst, Christian Thielemann oder Thomas Hampson gewinnen. www.grafenegg.at In Klosterneuburg feiert Intendant Michael Garschall die mittlerweile 15. Saison der „operklosterneuburg“. Als Geburtstagsgeschenk präsentiert er zwischen 11. und 31. Juli Gaetano Donizettis Belcantos Komödie „Don Pasquale“ im lauschigen Kaiserhof des Stiftes. www.operklosterneuburg.at Auf Georges Bizets berühmteste Oper dürfen sich heuer die Fans der Opernfestspiele St. Margarethen freuen. So wird „Carmen“ von 11. Juli bis 26. August im Römersteinbruch Don José den Kopf verdrehen. www.ofs.at Nach zwei Tragödien in den letzten beiden Jahren setzt Intendant Alexander Wächter bei den Shakespeare-Festspielen auf der Rosenburg heuer auf vergnüglichere Kost. Von 6. Juli bis 12. August wird Shakespeares romantische Komödie „Wie es euch gefällt“ zum Besten gegeben. www.shakespeare-festspiele.at Lustig, aber etwas blutiger, geht es beim Musicalsommer Amstetten zwischen 18. Juli und 11. August zu. Im „Little Shop Of Horrors“ wächst der Durst nach Blut bei der fleischfressenden Pflanze Audrey II ins Unermessliche. www.musicalsommeramstetten.at

Stiftskirche Herzogenburg 9. September, 18.00 Uhr

»divino Claudio« Claudio Monteverdi: „Vespro della Beata Vergine“ (Marienvesper)

cappella nova: Graz, Domkantorei St. Pölten, Les Cornets noirs: Basel, Otto| Kargl: |Leitung

Dom zu St. Pölten 15. September, 19.30 Uhr

»il prete rosso« Werke von Antonio Vivaldi

I Turchini di Antonio Florio: Neapel, Alessandro Ciccolini: Leitung

Dom zu St. Pölten 30. September, 19.30 Uhr

»unter der Sonne« Werke von Hannes Raffaseder

Ensemble Talking Mallets, Chorus dilettanti di musici, Hannes Raffaseder: Leitung, In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule St. Pölten

Basilika Stift Lilienfeld 7. Oktober, 19.30 Uhr

»Lilienfeldiensis«

Werke aus dem Musikarchiv des Stiftes Lilienfeld und von Joseph Haydn Barbara Fink: Sopran, dolce risonanza: Wien, Florian Wieninger: Leitung

Dom zu St. Pölten 13. Oktober, 20.00 Uhr

»Voces«

Vokale Ereignisse aus allen Richtungen Cantilena: Gumpoldskirchen (Elisabeth Ziegler), Cantanima: Graz (Franz M. Herzog), Jugendensemble der Dommusik: St. Pölten (Otto Kargl)

Weitere Veranstaltungen auf: www.theaterfest-noe.at

MFG 03.12

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MFG ADVERTORIAL

10 Jahre Förderverein Kulturbezirk St. Pölten Vor zehn Jahren wurde der „Förderverein Kulturbezirk“ aus der Taufe gehoben. Was mit 70 Mitgliedern und sieben Institutionen begann, ist heute ein Verein mit über 500 außerordentlichen Mitgliedern und 11 Institutionen. Eine Erfolgsgeschichte!

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chon der Grundgedanke des Vereins war bestechend, wie sich Gründungs- und Ehrenobmann Herbert Binder erinnert. „Das Neue an der Idee war, dass nicht jede Institution einen eigenen Förderverein versuchen sollte, sondern dass ein solcher für einen ganzen ‚Kulturbezirk‘ initiiert wird.“ Damit wurde, wie auch Präsident Lothar Fiedler überzeugt ist, „etwas geschaffen, das in ganz Niederösterreich einzigartig ist!“ Gestartet wurde damals mit rund 70 kulturbegeisterten Menschen und sieben Institutionen. „Neu war auch die Kombination von NÖKU-Institutionen wie Landesmuseum und Festspielhaus einerseits mit echten Landeseinrichtungen wie Landesbibliothek und Landesarchiv sowie selbständigen Unternehmen wie dem ORF Niederösterreich. Klangturm und Landesakademie waren auch bald dabei“, erinnert sich Binder. 10 Jahre später ist die Zahl der „außerordentlichen“ Mitglieder auf über 500 angewachsen, insgesamt bilden 11 Institutionen das Rückgrat des Vereins. Durch die Mitgliedschaft von Bühne im Hof, Landestheater Niederösterreich oder Niederösterreichische Nachrichten wurde in jüngster Vergangenheit der rein lokale Fokus auf den Kulturbezirk überwunden, für Fiedler ein ganz relevanter Entwicklungsschritt,„weil nun auch faktisch eine kulturelle Brücke vom Regierungsviertel in die Innenstadt von St. Pölten besteht!“ Eine faktische Brücke, der immer auch eine geistige als Basis zugrunde liegen sollte. „Der ‚Kulturbezirk‘ als solcher existierte zur Jahrtausendwende eigentlich nur in den Akten und hatte mangels Crossover-Angeboten keinerlei Bewusstseinsrelevanz in der gesellschaftlichen, politischen oder kulturellen Öffentlichkeit“, erinnert sich Binder. Zehn Jahre später hat man diese Anfangsschwierigkeiten, nicht zuletzt auch Dank des Fördervereins, überwunden. So ist es ohne Zweifel Verdienst der Gründungsobmänner Herbert Binder und Franz Rupp, die 54

konstruktive Zusammenarbeit zwischen Landeshauptstadt und Landesregierung auf Kulturebene, zwischen Kulturbezirk und Altstadt nicht nur mit angebahnt, sondern auch nachhaltig mitgestaltet zu haben. Dies erreichte man nicht nur durch eine Vernetzung der Institutionen, sondern insbesondere auch durch die Initiierung von Arbeitskreisen zu Themen wie Kultur, Wirtschaft, Verkehrslogistik, in die relevante Entscheidungsträger beider Körperschaften eingebunden waren. Andererseits bot der Förderverein Kulturbezirk von Beginn an außergewöhnliches und exklusives Programm, im Zuge dessen die Mitglieder mit zahlreichen Persönlichkeiten wie z. B. Thomas Hampson, Hans Hollein, Hermann Nitsch, Dominique Meyer, Nicole Beutler, Rudolf Leopold, Arnulf Rainer, Peter Simonischek, Michael Schade u.v.w. hautnah in Tuchfühlung kamen. Attraktive Exkursionen, wie z. B. in die Nationalbibliothek sowie Auslandsreisen auf den Spuren der Habsburger runden das vielfältige Programm ab. Zahlreiche Ermäßigungen bei den Mitgliedsinstitutionen sowie befreundeten Kulturhäusern sind ein weiterer attraktiver Vorteil einer Mitgliedschaft. Letztlich geht es aber bei allem, wie Lothar Fiedler betont, „auch um die gesellschaftliche Dimension des Vereins. Kultur baut Brücken, zwischen Institutionen, zwischen Künstlern und Publikum und – im Falle des Fördervereins Kulturbezirk St. Pölten – nicht zuletzt auch zwischen unseren Mitgliedern untereinander. Wir sind in diesem Sinne durchaus als eine große Familie zu bezeichnen, die gerne zusammenkommt, schöne Stunden bei gemeinsamem Kulturgenuss, Empfängen, Reisen und Exkursionen verbringt. Gäbe es den Förderverein Kulturbezirk noch nicht, man müsste ihn unbedingt erfinden!“

Website

www.kulturbezirk.at


Charlie CharlieFurthner Furthner&&Mika MikaStokkinen Stokkinenpresent presentthe the

summer summer organized organized by by Büro Büro V GmbH; V GmbH; WerbeWerbeund und Veranstaltungsagentur Veranstaltungsagentur

blues

festival festival

Samstag Samstag 21. 21. Juli Juli Ratzersdorfer Ratzersdorfer See, See, St. St. Pölten Pölten Einlass Einlass17.00 17.00Uhr, Uhr,Beginn: Beginn:18.00 18.00Uhr Uhr

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Tickets: Tickets:VVK VVK€ €24,-24,--| |AK AK€ €28,-28,--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Ermäßigte ErmäßigteTickets: Tickets:€ €22,-22,--

Infos Infoszur zurVeranstaltung Veranstaltungunter unter www.bueroV.com www.bueroV.com& &0664/4159774 0664/4159774


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3. Auflage

Kunst-Phantastisch-Proviant Mit seinen Serien NÖ Kunstproviant I und II hat das NÖ Kulturforum große Aufmerksamkeit erregt. Künstlerinnen und Künstler Niederösterreichs werden mit ihren Biografien und Werken in Postkartenform vorgestellt – ein wertvolles Material, nicht zuletzt für die Kunsterziehung in den niederösterreichischen Schulen. Nun wurde eine dritte Auflage präsentiert: Der „Kunst-PhantastischProviant“. Das Phantastische in der Kunst wird in vielen Variationen und Stilrichtungen aufgegriffen, für die Künstlerinnen und Künstler sowie die Betrachter ist eigentlich alles phantastisch, gleich wie es dargestellt wird. Im Rahmen der 20. BravDa-Lounge von Prof. Gotthard Fellerer im Palais Palffy am Wiener Josefsplatz präsentierte das NÖ Kulturforum diesen neuesten Einfall des künstlerischen Motors des Kulturforums, wie Obmann NR Ewald Sacher Gotthard Fellerer stets bezeichnet. Eine große Zahl prominenter zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler unterstrich mit ihrer Anwesenheit den Wert dieses Projektes. Allen voran der Doyen der österreichischen phantastischen Kunst, Prof. Ernst Fuchs. Alle Ausgaben des NÖ Kunstproviants und des Kunst-Phantastisch-Proviants sind über das NÖ Kulturforum mit Sitz in 3500 Krems, Arbeitergasse 6, Tel. 0664/2332651, kostenlos erhältlich.

Ewald Sacher im Gespräch mit Ernst Fuchs

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(v.l.n.r.) Prof. Gotthard Fellerer, StR Mag. Renate Gamsjäger, LAbg. Heidemaria Onodi, NR Ewald Sacher, Nikolaus Neureiter, SPÖ-Frauenvorsitzende NR Gabi Binder-Maier, Mag. Thomas Pulle, Bgm. Mag. Mathias Stadler

Frauen-Alltag

Fotoausstellung im St. Pöltner Rathaus

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as NÖ Kulturforum fördert einen Fotowettbewerb unter dem Titel „Frauen-Alltag“ und setzt damit eine Idee der SPÖ-Frauen NÖ um. Ziel des Projektes ist es, die Welt der Frau mit all ihren Facetten an Herausforderungen durch Familie, Beruf, Kindererziehung, Altenbetreuung, Engagement in der Öffentlichkeit und vieles andere mehr fotografisch festzuhalten. Zum Mittun eingeladen wurde jederfrau und jedermann. Zusätzliche Spannung erhält dieses ohnehin fordernde Thema durch die begleitende künstlerische Fotografie von Nikolaus Neureiter, der als professioneller Fotograf schon große Erfahrung sammeln konnte und unter anderem Künstlerpersönlichkeiten wie Ernst Fuchs portraitierte. Als Auftakt für den Wettbewerb wurde die Ausstellung „Nikolaus Neureiter – Frauen-Alltag“ vor kurzem in der Galerie im Rathaus der Landeshauptstadt St. Pölten eröffnet. Die Ausstellung wird als Wanderausstellung des NÖ Kulturforums durch NÖ gehen. Im Herbst wird sie dann ergänzt durch die Bilder der Amateurinnen und Amateure, die sich am Fotowettbewerb beteiligen. Bürgermeister Mag. Mathias Stadler und Kulturforumsobmann NR Ewald Sacher eröffneten im Beisein vieler Gäste die interessante Ausstellung „Nikolaus Neureiter – Frauen-Alltag“.


KULTURFORUM

NÖ Kulturforum fördert CD-Produktion

Das Weinviertel zum Klingen bringen Niederösterreichs Viertel werden unverwechselbare Charaktere zugeschrieben: Das mystische Waldviertel. Das Apfel-Birn-Baum-blühende Mostviertel. Das (nicht mehr) rauchige Industrieviertel. Und das Weinviertel? Wellige Wein- und Rübenlandschaft? Polt´sches Kellergassenlabyrinth? Spargelträchtiges Marchfeld? Ja, das Weinviertel prägt eine versteckte Vielfalt, die ihresgleichen sucht! Und erst dessen Menschen! Zugegeben, bei den ersten Begegnungen muss einem dieses Viertel nicht gleich vertraut vorkommen, aber je öfter man dort zu tun hat, umso sympathischer wird einem dieses Land vorkommen. Keine schroffen Spitzen, keine felsigen Wände, keine engen Täler, dafür Weite und Wellen. Und plötzlich entdeckt man in dieser Welt, was man nie vermutet hätte. Dinge, die man erst beim zweiten, dritten Mal Hinsehen findet. Und da wohnen auch Menschen, wenn man sie auch nicht massenhaft trifft, weil sie auspendeln zur Arbeit, sich zurückziehen zur Ruhe, sich mit Dingen beschäftigen, für die andere kaum mehr Zeit haben, mit Musik, mit Kunst, mit Kultur. Bernhard Schaffer (Texte) und Joachim Luitz (Musik) hinterfragen all das. Die Musik dieser CD beweist: Im Weinviertel hat alles tieferen Sinn, der in Wort und Klang hervorbricht. Das NÖ Kulturforum hat die Idee, das Weinviertel in dieser CD (erscheint demnächst) zu besingen, gerne gefördert.

Das NÖ Kulturforum hat sich für 2012 einiges vorgenommen Obmann NR Ewald Sacher Um seinem Leitauftrag, Kulturvermittler in NÖ zu sein, gerecht zu werden, intensivieren wir vor allem den Kontakt zur Jugend. In der Begründung von Schulpartnerschaften sehen wir einen guten Weg, Kunst und Kultur, verbunden mit Werten wie Offenheit und Toleranz, zu vermitteln. Jedem neuen Kontakt und dem Interesse der Schulen sehen wir dankend entgegen. Das Projekt „Kunst-Phantastisch-Proviant“ hat als Fortsetzung der Kunstproviant I und II-Ausgaben auch große mediale Aufmerksamkeit erweckt und ist in Verbindung mit der Ausstellung „Phantasten“ im Palais Palffy in Wien ein besonderer Höhepunkt im Programm des NÖ Kulturforums. Eine Serie von Fotoausstellungen der letzten Jahre hat uns bewiesen, dass wir mit Aktivitäten vor Ort großes Interesse erwecken. „Denkmal statt Arbeit“ – die Fotosereie von Prof. Ulrich Gansert über ehemalige Industrie- und Arbeitsstätten in NÖ regt zur Auseinandersetzung mit den Themen Arbeitswelt, Arbeitslosigkeit, Arbeitsplatzsicherung an. „Roma in Mitteleuropa – Integration oder Ausgrenzung“ – ebenfalls von Ulrich Gansert, ist derzeit im Industrieviertelmuseum in Wr. Neustadt zu sehen.

Begeisterte Schülerinnen und Schüler der NMS Wr. Neustadt, Dir. Gabriele Puschnig und NR Ewald Sacher begründen die Schulpartnerschaft mit dem NÖ Kulturforum.

NÖ Kulturforum begründet Schulpartnerschaften

ERSTE SCHULPARTNERSCHAFT GELUNGEN Die erste Schulpartnerschaft wurde 2011 mit der Neuen Mittelschule Wr. Neustadt begründet. Die Direktorin der Schule, Gabriele Puschnig, und der Lehrkörper haben sich mit großem Einsatz für diese Partnerschaft engagiert. Auftakt und Rahmen der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde war die Ausstellung „Roma in Mitteleuropa – Integration oder Ausgrenzung“, die in der NMS in der Wr. Neustädter Burg gezeigt wurde. Die Schülerinnen und Schüler nutzten mit großem Engagement die Gelegenheit, sich mit der Thematik Minderheiten, Ausgrenzung und Verfolgung auseinanderzusetzen. Wie groß das Engagement der Schüler ist, zeigte auch die musikalische Gestaltung der Eröffnungsfeier. NR Ewald Sacher: „Diese erste Schulpartnerschaft soll Motivation für weitere Schulen in NÖ sein, sich unserer Angebote an Ausstellungen, Unterrichtsmaterialien, Katalogen usw. zu bedienen. “

„Frauen-Alltag“ – dieses Fotowettbewerbsprojekt läuft derzeit an, die Ausstellung der Bilder von Nikolaus Neureiter geht gemeinsam mit den einzureichenden Fotos der AmateurInnen dann weiter durch NÖ. „Flagge zeigen“ ist ein Ausstellungsprojekt, das sich mit dem Thema Freiheit – Meinungsfreiheit, Gedankenfreiheit beschäftigt. Derzeit kann diese Schau im KS-Kultur-Sozial-Zentrum Krems-Lerchenfeld besichtigt werden. Diese Ausstellungen stehen weiterhin zur Verfügung und können jederzeit über das NÖ Kulturforum angefordert werden (0664/2332651). Zu all diesen Ausstellungen stehen auch gut gestaltete Kataloge zur Verfügung.

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SHORTCUT SZENE

Eine Liebeserklärung

Primadonna

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Extremes St. Pölten Die Landeshauptstadt ist um ein Festival reicher! Neben dem Beatpatrol und Frequency Festival kommen heuer auch jene auf ihre Kosten, die es wirklich extrem mögen! Das „Extremefest Austria“ findet von 5. – 7. Juli erstmals im VAZ St. Pölten statt. „Nach der Absage in Henndorf (Salzburg) mussten wir schnell reagieren, um eine neue Location zu finden. Das komplette Organisationsteam war in der Pflicht und es ist uns in kurzer Zeit gelungen, mit dem VAZ St. Pölten eine perfekte Ersatzlocation zu finden“, so Ronny Frohner vom Veranstalter. Neben DEM Headliner schlechthin Cannibal Corpse sind u.a. Exodus, Suicide Silence, u.v.m vertreten. Besonders erfreulich: Die St. Pöltner Lokalmatadoren Epsilon sind auch mit am Start. „Die Leute wird ein kompaktes Gelände mit kurzen Wegen erwarten, was uns sehr wichtig war. Zudem natürlich jede Menge Musik und ein Lineup, das sich sehen lassen kann. Für kulinarische Verpflegung ist ebenso gesorgt wie für einen Metalmarkt, auf dem man von Shirts bis hin zu Trinkhörnern alles finden wird.“ www.extremefest.eu

Neue Dancingqueen? Am 5. Jänner 2012 wurde nach sechs Jahren im Madhouse, ehemals Batcave, das letzte Mal gefeiert. Danach fand bis Ende Mai noch die eine oder andere Party statt – doch auch damit ist nun endgültig Schluss. Soweit die

schlechte Nachricht. Die gute? An einem Comeback des Lokals wird bereits im wahrsten Sinne des Wortes Hand angelegt. Mario Wallner und sein Team haben den Schuppen übernommen und verpassen ihm über den Sommer ein radikales Facelifting. So soll sich das ehemalige Alternative-Rock Lokal in einen stylischen Club verwandeln. „Der Musikstil verändert sich hin zum Elektronischen und Mainstream“, so die Macher, die darauf ebenso reagieren möchten wie auf eine bis dato noch immer kaum gefüllte Lücke im St. Pöltner Veranstaltungsspektrum: Chilliges Fortgehen und Abtanzen in „gehobenem“ Ambiente für „jung gebliebene St. Pöltner zwischen 18 und 35.“ Klingt nicht übel.

Fotos: Gabriela88/fotolia.com, zVg

Du warst schon in der Schulzeit die erklärte Nummer eins, alle wollten zu dir, viele sind deinem Ruf gefolgt, nur wenige wieder losgekommen. Du bist in allem ein bisserl cooler gewesen, hattest die wilderen Outfits, eine cosmopolite Ausstrahlung, leider geil – würde man heute sagen! Alle paar Wochen zieht es auch mich hin zu dir, mitten ins Herz, ins Zentrum hinein. Ein paar Stunden deine Aura inhalieren, mich treiben lassen, ein bisserl schneller gehen, ein bisschen mehr Geld ausgeben, eins werden mit dir, lächeln, wenn die Pummerin schlägt und meinen Herzschlag an ihren Schlag anpassen. In High Heels den Graben abstöckeln, runter zum Schwedenplatz, am Donaukanal ein Eis schlecken, im Motto von extrem geilen Kellnern mit jovialem „Du!“ begrüßt werden, das anders klingt als beim Beisl ums Eck oder beim Ikea mit seinem penetranten „Hast DU schon das neue Hemnes Regal, DU kleines Kötbullar?“ Den Lippenstift etwas dicker aufgetragen, den Gang etwas luftiger und eleganter, die Nase ein bisserl höher – ich bin eine von euch, ein echter Weana Baaazi – wie mein Liebster immer augenzwinkernd sagt. Und dann, nach einem Tag U-Bahnfahren, in der Masse untergehen, keine Sau kennen, kein Geld mehr in der Tasche, müden Füßen, dann nach Hause fahren. Am nächsten Tag ausgeruht durch St. Pölten schlendern, gemütlich einen Aperol Spritz am Herrenplatz genießen, dabei viele, viele bekannte Gesichter sehen, lächeln, einander zunicken, die neuen Errungenschaften aus Wien vorführen, nicht mehr eine von tausenden, sondern eine von hier sein, mich freuen am blechernen Klang der Kirchenglocken und an den kleinen Geschichten, die vom Nebentisch herüberwehen. Durchatmen – angekommen!


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WAREHOUSE JUNI „Sommerzeit! Zeit der Freude, denn sonnige Vibes machen fröhliche Leute, fühl mich so frei bis zum Horizont und spüre wie mich pure Lebensfreude überkommt! In der Sommerzeit, Zeit der Freude, denn sonnige Vibes machen fröhliche Leute, Winter vorbei, Kälte weicht Wärme – ui, mag ich die Sommerzeit gerne!“ (Benji)

MASTERS OF DIRT AFTERPARTY Nach der spektakulären Stunt-Show der Masters of Dirt in der Eventarena NÖ am 7. Juni ist die Party noch lange nicht zu Ende. Im Warehouse steigt die große Afterparty, mit dabei sind – neben den MASTERS OF DIRT Fahrern – auch die original FUEL GIRLS, die für mächtig Stimmung sorgen!

FUEL GIRLS

SWITCH AUSWÄRTSSPIEL Am 9. Juni gastieren SWITCH – Wiens Jump Up und Drum’n’Bass Spezialisten – im Warehouse für ein Auswärtsspiel. Die SWITCH Crew, gegründet von Pandora & Coda, bespielt mittlerweile seit vielen Jahren monatlich das Wiener Badeschiff mit feinsten Sounds. Jetzt bringen euch die SWITCH Allstars PANDORA, PARANOIZE, DOREE und BOMBAMAN MC fetten Sound in die NÖ Landeshauptstadt!

DEADLY HUNTA

CITY OF BASS – LAST4SUMMER Wie gewohnt geht’s bei CITY OF BASS am 23. Juni ordentlich zur Sache. Für die letzte Ausgabe vor der Sommerpause gibt’s Reggae/Hip Hop und Jungle von niemand Geringerem als DEADLY HUNTA aus dem Vereinigten Königreich auf die Ohren. Unterstützt wird der Engländer von DOSSA, BONELESS & MC FLAX, SLAKNESS Crew, T-OHM, SUEDMASSIV Sound aus Kärnten, TU GEDDA Sound sowie den Gastgebern BOOMARANG Sound!

PROGRAMM JUNI 01.06. ELECTRONIC NIGHT – 6 YEARS CELEBRATION 02.06. BORG BENEFIZ 06.06. TBA 07.06. MASTERS OF DIRT AFTERPARTY 09.06. SWITCH AUSWÄRTSSPIEL 16.06. CAPITAL CITY CLUB 23.06. CITY OF BASS – LAST4SUMMER 29.06. SPARK7 SCHOOL’S OUT 30.06. SENSIKRU – 10 YEARS CELEBRATION

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Neuer Nachbar Als 2011 die Übersiedelung der AKNÖ-Zentrale nach St. Pölten beschlossen wurde, standen mehrere Grundstücke zur Auswahl. Nun ist die Entscheidung zugunsten der Variante Herzogenburger Straße gefallen – am Areal von Steppenwolf und Freiraum, was die Gerüchteküche einigermaßen zum Brodeln brachte.

Ü

ber einen Abriss der Jugendeinrichtungen wurde spekuliert, eine Verschlechterung der Qualität angenommen. Dabei wollen alle Beteiligten diese Gerüchte zerstreuen: Im Gespräch sind zwei Varianten: Die erste sieht den Erhalt von Steppenwolf und Freiraum in der derzeitigen Form vor, es wird quasi rundherum gebaut. Statt einer Wiese gebe es dann Bürogebäude. Bei der zweiten Variante wird der Freiraum abgerissen und neu gebaut. Dies hätte durchaus seinen Reiz, wie Wolfgang Matzl, Leiter des Freiraums und Jugendkoordinator der Stadt, betont, wenngleich ihn diese Option nicht kalt lasse, „schließlich sind wir selber mit dem Maurergwandl dagestanden und haben geschuftet.“ Er tappt selbst noch im Dunklen, wofür man sich entscheidet – „Ich weiß von nichts!“ – es 60

gebe aber von Stadt und AK ein klares Bekenntnis, dass Steppenwolf und Freiraum als Einrichtungen bestehen bleiben. Die Details entscheiden sich in den nächsten Wochen, jetzt ginge es an das Eingemachte. Bürgermeister Matthias Stadler schlägt in dieselbe Kerbe: „Mich hat begeistert, dass die Arbeiterkammer das Jugendzentrum und die Jugendkulturhalle integrieren möchte. Die AK kann dadurch ganz bewusst Synergien nutzen, weil es ja unterschiedliche Jugend-, und Lehrlingsprogramme gibt, die ganz bewusst auf Problemfelder der Jugend abzielen.“ Was die Nachbarschaft dann konkret bedeuten werde, kann Barbara Obernigg, Leiterin des Steppenwolfs, zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen: „Ich denke aber, dass die direkte Nachbarschaft für einige Jugendliche von Vorteil sein kann. Die

Angebote der AK sind so näher und greifbarer für die Jugendlichen.“ Auch sie lobt das Interesse seitens der AK, eine Verbesserung für das Jugendzentrum zu erreichen. Ebenso steht Wolfgang Matzl, auch wenn er erst kurzfristig informiert worden ist, voll und ganz hinter der Entscheidung: „Das wird auf anderer Ebene verhandelt als ich tätig bin. Würde man immer jeden fragen, käme dabei nichts raus“, meint er pragmatisch. So ergäben sich aus der neuen Nachbarschaft durchaus Synergien, man könne auch Veranstaltungen gemeinsam machen. „Es gibt Potential“, ist er überzeugt. Obernigg wurde vorab kontaktiert: „Die AK hat sich vor den Beschlüssen und bevor es in den Medien stand mit mir in Verbindung gesetzt, um nicht über uns drüber zu fahren und um uns möglichst


TEXT: Gotthard Gansch | Fotos: Karl Stadler

schnell zu zeigen, dass ihnen unsere Arbeit und das Jugendzentrum ein großes Anliegen sind.“ Sie ist positiv gestimmt: „Natürlich machen Veränderungen Angst, aber in diesem Fall sehe ich eine Chance, dass das Jugendzentrum dazugewinnen kann, denn eigentlich platzen wir mit unseren Projekten aus allen Nähten!“ Der Schlachthof. Feststeht jedenfalls der Abriss des Schlachthofes auf demselben Areal, was bei manchen für Raunen gesorgt hat. „Es tut mir zwar leid, aber eine andere Option ist für mich schon lang gestorben“, führt Matzl aus. Er hätte anfangs durchaus Konzepte für den Schlachthof gehabt, diese scheiterten aber an Detailfragen der Umsetzung sowie Finanzierung. „Eine Sanierung wäre wirtschaftlicher Unsinn gewesen, viel billiger wäre ein Abriss und Neubau gekommen. Außerdem war es ja ein Ort, wo Tiere

geschlachtet wurden“, schildert er seine persönliche Sicht der Sache. Der Schlachthof habe zwar einen gewissen Charme, sei aber architektonisch nicht besonders. Auch das Bundesdenkmalamt sieht es ähnlich und hat das Gebäude nicht unter Schutz gestellt. Obernigg sieht den Abriss mit einem weinenden Auge: „Er hat Kultcharakter und war für den Graffiti-Jam natürlich ‚Die Location‘!“ Wenn es nach Plan läuft, ersparen sich die Einrichtungen aber jedenfalls ein Zwischenprovisorium an einem anderen Standort, wie Bürgermeister Stadler erläutert. „Zum jetzigen Stand der Dinge ist geplant, dass schon ab Sommer mit den ersten Bauarbeiten Richtung Süden begonnen werden kann. Das Jugendzentrum und die Jugendkulturhalle bleiben solange stehen, bis ihr Teil am Areal fertig ist, erst dann übersiedeln sie und das alte Gebäude wird geschleift.“

Aktuell werden die Bedürfnisse der Jugendlichen erhoben, damit diese in die Arbeit des Architekten miteinfließen können. "Wenn es dann die ersten Pläne gibt, sollen diese der Öffentlichkeit vorgelegt werden, um einen möglichst reibungslosen Ablauf auch während der Bauarbeiten zu gewährleisten", schlägt Obernigg vor. Damit setzt sie auf Transparenz, die von der JVP zuletzt bezweifelt wurde. So sei die angebliche "Jugendeinbindung eine Farce". Ein Vorwurf, den der Bürgermeister zurückweist. „Zum einen sind natürlich die Leiter der Einrichtungen involviert, zum anderen wird es Sitzungen der Jugendlichen geben, auf denen diese ihre Inputs erarbeiten, die selbstverständlich Eingang in die Planungen finden werden." Matzl ist letztlich von einer Verbesserung der Gesamtsituation für die Einrichtungen überzeugt und versichert: „Kein Grund zur Sorge!“


MFG SZENE

Text: SANDRA HALLER | Foto: STEFAN SCHMIRCHER

Mehr als Illusion

JAMES ILLUSION Wer sich mit der St. Pöltner Elektro-Szene beschäftigt, wird früher oder später auf einen Mann stoßen: James Illusion. Der 27-jährige Englisch-Sprachtrainer und leidenschaftliche Fußballer legt seit 2010 hobbymäßig in Clubs und auf diversen Veranstaltungen auf.

W

ie Mark „James“ Langstadlinger zu seinem Künstlernamen gekommen ist? „Das hat mit der irischen Abstammung meiner Mutter zu tun. Auch mein Opa hieß James!“, verrät er. Grund genug, diesen auch zum Teil des eigenen Künstlernamens zu machen. Da ihn zudem schon immer Zauberei und Magie faszinierten und er als Jugendlicher auch gerne mal tief in die Trickkiste griff, war der Name Illusion die logische Schlussfolgerung.

reihe „Dance Invasion“ durch, welche dreimal mit großem Erfolg stattfand. Netzwerke wie Myspace oder Facebook halfen, Aufmerksamkeit zu erregen, und so flatterten alsbald Bookingangebote ins Haus. Der gebürtige St. Pöltner mischte alsbald die Elektro-Szene mächtig auf und rockte bereits die Turntables im Warehouse, im Madhouse oder auch im ehemaligen H2. Bei seinen DJ-Sets vermischt er viele Musikrichtungen, so wird House mit Hip Hop, Rock und Pop Elementen kombiniert.

Begonnen hat James Illusion seine DJ Karriere auf privaten Partys. „Meine DJ-Künste fanden besseren Anklang als erwartet“, schmunzelt er über das positive Feedback. In Folge führte das Eine zum Anderen. So führte er mit einem Freund die Veranstaltungs-

Der bisherige Höhepunkt war wohl der Auftritt beim Melting Pot 2011, wo er durch Juryentscheid den heißbegehrten Beatpatrol Slot gewann. Sein Glück konnte James Illusion anfangs gar nicht fassen. „Ich war perplex, hab nicht wirklich gewusst,

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was ich sagen soll oder wie ich reagieren soll“, lächelt er heute über den positiven „Schock“. Jetzt freut er sich schon riesig am selben Festival zu spielen wie Stars vom Kaliber eines Avicii, Armin van Buuren, Dada Life oder Nicky Romero. Sein großes Vorbild ist DJ Axwell, bekanntlich Mitglied der Swedish House Mafia. „Und ich würde gerne einmal auf der Bühne gemeinsam mit meiner Lieblingsband Coldplay stehen!“ Wer James Illusion noch nicht kennt, kann monatlich auf seiner Soundcloud Seite einem neuen Mix lauschen. On Stage kann man den DJ in nächster Zeit am Summer Dreamin Festival in Würmla (13. Juli) sowie am BEATPATROL Festival in St. Pölten (20.-22. Juli) erleben. WI

N

MFG verlost drei der brandneuen CDs von James Illusion. Mail mit Betreff „James“ an office@dasmfg.at schicken.


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FH ST. PÖLTEN

weise soziale Projekte und Initiativen evaluiert und optimiert werden. Spezialisierung als Case Manager. Häufig sind Sozialarbeiter­ Innen in ein interdisziplinäres Netz aus HelferInnen eingebunden, dazu zählen beispielsweise VertreterInnen von Sozialeinrichtungen, MedizinerInnen oder PsychologInnen, die gemeinsam und fächerübergreifend mit einem Klienten oder einer Klientin und dem Umfeld arbeiten. „Bei vielen gleichzeitig befassten Organisationen und HelferInnen braucht es eine koordinierende Stelle, die speziell auf den individuellen Bedarf der Klienten ausgerichtet ist. Wir legen einen Schwerpunkt unserer Ausbil-

Am Rand der Gesellschaft SozialarbeiterInnen schauen dort hin, wo andere sehr oft wegschauen. Ihre Tätigkeitsfelder sind breit gestreut und werden noch weiter wachsen. Ob Streetwork, Psychiatrie, Strafvollzug oder Kinder- und Jugendwohlfahrt – die Einsatzgebiete für SozialarbeiterInnen sind vielfältig. Und werden immer mehr. Eine immer älter werdende Gesellschaft, steigende Armut und ein erhöhter Unterstützungsbedarf für Menschen ohne Arbeit oder Dach über dem Kopf sind nur ein paar Beispiele für gefragte Betätigungsfelder. „Soziale Arbeit ist eine Wachstumsbranche, deren Leistungen für die Gesellschaft hoch einzuschätzen sind. Die Herausforderungen für unsere Profession werden in den nächsten Jahren zunehmen und damit auch der Bedarf an ExpertInnen mit vertiefter Qualifikation“, sagt FH-Prof. Dr. Peter Pantucek, ˇ Leiter des Masterstudiengangs Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Pölten. Immer mehr Menschen befinden sich vorübergehend oder auch auf Dauer am Rand der Gesellschaft. Hier setzt die Soziale Arbeit an. Peter Pantucek: ˇ „Soziale Arbeit befasst sich mit der

Alltagsbewältigung von Leuten, die es schwer haben, aber auch damit, wie wir alle es schaffen, in dieser unübersichtlich gewordenen Gesellschaft miteinander auszukommen und ein gutes Leben zu haben. “ Dies gelingt durch Aufklärung, Hilfe zur Selbsthilfe, sozialstaatliche Intervention, aber auch durch eine öffentlichkeitswirksame Darstellung Sozialer Arbeit, um die Profession sowie die Menschen, die unterstützt werden, vom Rand der Gesellschaft in ihre Mitte zu rücken. „Wichtig ist vor allem, dass es Menschen nicht schwer gemacht wird, in dieser Gesellschaft zu leben. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind Experten für ein gedeihliches Zusammenleben. Dafür müssen sie viel lernen“, sagt Pantucek. Die Techˇ niken – etwa jene der Gesprächsführung oder des Beziehungsaufbaus – beruhen auf Erkenntnissen der Sozialen Arbeit als Wissenschaft, etwa auf Methoden der empirischen Sozialforschung mit denen beispiels-

dung daher auf ,Case Management‘, das heißt, Hilfs- und Unterstützungsleistungen zu planen und zu koordinieren, auch interdisziplinär“, erklärt Pantucek. Sozialeinrichˇ tungen seien meist mit ihrem konkreten Themenbereich befasst und können nicht den gesamten Bedarf einer Person berücksichtigen. Case Manager würden hingegen den Klienten oder die Klientin im Fokus haben und darauf achten, dass er bzw. sie die benötigten Hilfestellungen und Leistungen des Sozial- und Gesundheitswesens je nach Bedarf erˇ hält. Pantucek: „Das Passende zur Verfügung stellen, sich das Unpassende ersparen.“ Ausbildung zum Sozialarbeiter/zur Sozialarbeiterin. Die Ausbildung im Bereich Soziale Arbeit ist in Österreich seit 2001 als FH-Studium ins Bologna-System integriert. An das dreijährige Bachelor-Studium kann ein zweijähriges Master-Studium zur Spezialisierung angeschlossen werden.

Website

www.fhstp.ac.at

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MFG SZENE

Statements Partner Das Festival-Management-Konzept „GreenPatrol“ hat uns überzeugt. Greenpeace mischt sich heuer daher erstmals unter das Beatpatrol Festival-Publikum! Bei Open Airs werden Unmengen Müll produziert. Oft scheitert es nicht am Bewusstsein der Gäste, sondern an dem fehlenden Angebot umweltfreundlich Party zu machen. Wir finden das Projekt GreenPatrol großartig, denn es engagiert sich für Verbesserungen im Abfall- und Umweltmanagement und schafft vor und während der Veranstaltung ein Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit. Greenpeace wird mit Aktionen auf seine weltweiten Kampagnen aufmerksam machen und dem Festival-Anlass entsprechend mit einer Mischung aus Spaß und Ernst über das wichtige Thema Umweltschutz informieren.

Die NÖ Abfallverbände wollen gemeinsam mit dem Land NÖ Bewusstsein schaffen – und das auf eine Art und Weise wie es sie in der Abfallwirtschaft noch nicht gegeben hat. Mit vier T-Shirts wenden wir uns direkt an Festival Besucher und wollen zum Nachdenken anregen! Durch eindeutige/zweideutige Botschaften soll auf wichtige Umweltthemen und -fakten aufmerksam gemacht werden. Alle Shirts sind aus zertifizierter Biobaumwolle und sorgen so gleich mehrfach für Wohlbefinden. Zum einen tragen sich die Shirts wunderbar, zum anderen unterstützt man die Umwelt nachhaltig.

Die Jugend-Umwelt-Plattform JUMP freut sich, auch dieses Jahr wieder Partnerin der GreenPatrol zu sein! Die GreenPatrol macht aus einem coolen Event auch noch ein nachhaltiges Event und zeigt, dass es beim Thema Nachhaltigkeit nicht nur um verstaubte Öko-Klischees geht. Wir unterstützen die GreenPatrol, weil sich junge Leute dabei direkt einbringen und mit konkreten, leicht umsetzbaren Taten neben viel Festivalspaß auch noch zum Umweltschutz beitragen. Die Jugend-Umwelt-Plattform JUMP wird beim Beatpatrol wieder mit grünem Aktionismus und Kreativität vor Ort sein!

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GREENPATROL – THE BEAT GOES GREEN!

Beim Beatpatrol Festival powered by Raiffeisenclub von 20. – 22. Juli 2012 am Gelände des VAZ heißt es heuer bei Stars wie Avicii, Armin van Buuren, Calvin Harris, The Bloody Beetroots, Laidback Luke uvm. nicht nur „The Beat Goes On“, sondern im Fall der GreenPatrol auch „The Beat Goes Green“.

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enn einmal mehr fühlt sich das Festival einem „grünen“ Festivalmanagement verpflichtet. „Im Herbst vor zwei Jahren haben wir als erstes österreichisches Festival ganz klar das Bekenntnis zu mehr Nachhaltigkeit und ‚Grünmanagement’ auf unsere Agenda gesetzt und dieses nach dem Motto ‚Nicht nur reden, sondern auch handeln’ in ganz konkrete Sachverhalte und handfeste Taten gegossen“, erzählt GreenPatrol-Projektleiterin Ruth Riel. So wird auch heuer wieder – wie im Vorjahr – der Strom zu 100% aus Ökostrom kommen, der Fuhrpark am Festival-Gelände

auf Fahrräder und Elektro-Roller beschränkt, ein Flyerverbot verhängt, auf Booklets verzichtet, anstelle dessen auf App und digitale Kommunikationskanäle vor Ort gesetzt, ein eigener SilentCamping-Bereich bereitgestellt, eine breit angelegte Awareness-Campaign im Vorfeld gestartet, um auf Möglichkeiten von Müllreduzierung- und vermeidung, gemeinsamer Anreise u.v.m. zu verweisen, und auf viele weitere Aktivitäten gesetzt. Als Bestätigung dieses Engagements wurde das Projekt bereits im Vorjahr als „klima:aktiv mobil Partner“ durch Umweltminister Niki Berlakovic ausgezeichnet. 2012 folgte


TEXT: anne-sophie settele | Fotos: ZVG

mit der Nominierung für den TRIGOS (Auszeichnung für Unternehmen mit Verantwortung) in der Kategorie „Ökologie“ die nächste Bestätigung, wobei insbesondere das Konzept der GreenPatrol als besonders innovativ und pionierhaft beurteilt wird. Was ist die GreenPatrol? Die GreenPatrol wurde 2011 ins Leben gerufen, um den Veranstalter des Beatpatrol Festivals bei der Durchführung eines grüneren Festivalmanagements zu unterstützen. Engagierte Freiwillige entwickeln gemeinsam mit den Stakeholdern des Festivals Ideen und Projekte im Hinblick auf Nachhaltig-

keit und Umweltbewusstsein/-schutz. Allein im Vorjahr engagierten sich 50 Freiwilliege und waren als GreenPatrol nicht nur im Vorfeld, sondern auch beim Festival vorort aktiv. Die Grundidee ist einfach wie bestechend. „Letztlich geht es darum, dass jede Idee, die aus der Community selbst hervorgeht und von dieser entwickelt wird, mehr Glaubwürdigkeit und auch Nachahmung erfährt, als wie wenn man quasi von oben herab etwas zu verordnen versucht“, so Ruth Riel. Die Botschaft der GreenPatrol ist klar: Party und Umwelt schließen einander nicht aus!

» Sharon Linao (Volunteer der GreenPatrol)

„THE BEAT GOES GREEN!“ Ich bin stolz darauf bei GreenPatrol 2012 aktiv mitzuwirken und ein Zeichen zu setzen! Ein Volunteer zu sein bedeutet für mich von einer Sache überzeugt zu sein, und deshalb wollen wir vom GreenPatrol Team die Festivalbesucher zu einem umweltbewussten Handeln animieren! Mit viel Motivation und Einsatzbereitschaft freue ich mich sehr!

Wir sind auch dieses Jahr SEHR gerne Partner der GreenPatrol geworden, weil 2011 unter anderem gezeigt hat, wie offen und begeisterungsfähig die Besucher des Beatpatrols gegenüber dem Thema Recycling und Getränkedosenrecycling im Speziellen waren. Wir möchten die wertvollen Getränkedosen aus Aluminium, aber auch Weißblech, im unendlichen Materialkreislauf halten. Denn jede gesammelte Getränkedose wird zu 100% recycelt. Das Bewusstsein dafür möchten wir aufbauen und die Festivalbesucher zur „Tat“ motivieren, getreu unserem Motto: 1. Austrinken + 2. CRUSHen + 3. Sammeln. Was uns an diesem Projekt gefällt ist, dass das GreenPatrol in Sachen „Party und Umwelt“ eine Pionierposition einnimmt. Das Beatpatrol ist das erste österreichische Festival mit einer grünen Agenda, welches versucht, die Jugend auf den Umgang mit der Umwelt zu sensibilisieren. „10 zu 1“ lautet die heurige Dosentausch-Parole!

Probier doch mal was Neues aus!

Cybersports I Bowling I Billard I Bar 3100 St. Pölten I Ratzersdorfer See

www.lasertron.at

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MFG SZENE

TEXT: Anne-Sophie Settele | Foto: Oliver Veres

Hennes zieht um Den meisten ist er als DJ Hennes oder Mastermind des Beislfestes bekannt. Kurz vor seinem 30. Geburtstag stellt der gebürtige Karlstettner Johannes Beitl nun sein Leben auf den Kopf und lädt zu seinem ersten Kabarettprogramm.

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ir treffen uns Anfang Mai zu einem „Plauscherl“ im NXP Bowling. „Ich habe den ganzen Vormittag die Wohnung geputzt, jetzt mache ich noch das Interview und ab morgen ziehe ich mich zurück“, berichtet Hennes gleich zu Beginn. „Ich nehme mir jetzt eine Auszeit und kapsle mich für zwei Monate ab.“ Am Wochenende davor ist er „nochmal gscheit fortgegangen, aber das ist jetzt auch vorbei.“ Während ihr diese Zeilen lest, steckt Hennes gerade mitten in den Vorbereitungen für sein erstes Kabarettstück. Ob er es wirklich geschafft hat sein Handy abzudrehen, Mails nur mehr zu checken, wann er es will und sich vollkommen dem Alkohol und Nikotin zu entsagen? Who knows? Nun warten jedenfalls alle gespannt auf das Endprodukt – den „Umzug“, so der Name des Stücks in progress. Von Idee zu Idee. „Kabarett wollte ich schon immer machen“, erzählt Johannes Beitl, der zum ersten Mal überhaupt unter seinem richtigen Namen auftritt. („Hennes war eigentlich der DJ-Name.“) Schon als Kind schaute er sich im Fernsehen verschiedenste Kabarettisten an, ein wirkliches Vorbild kristallisierte sich aber nicht heraus. „Ich finde bei allen etwas, was mir gefällt, und was nicht.“ Die konkrete Idee selbst ein Kabarett zu schreiben kam dann vor ca. fünf Jahren. Seither schreibt er all seine Ideen für ein mögliches Programm auf. Bereits zweimal stand er kurz davor, die Sache wirklich durchzuziehen, aber immer kam etwas „Wichtigeres“ dazwischen, das er vorschob. So vergingen Jahre, in denen er als DJ tätig war und selbst Kabaretts veranstaltete, wie z.B. bei der Prinzersdorfer Kulturbühne, anstatt eines zu schreiben. „Seit ich weiß, dass ich Kabarett machen will, wurde die DJ-Geschichte aber immer unspannender für mich“, so Hennes, der sein DJDasein ab sofort bis auf weiteres auf Eis legt. Endlich hat er den Schritt gewagt und sein Gesicht auf Flyer drucken lassen: Die gesammelten Ideen werden Wirklichkeit. Es gibt kein Zurück mehr! Entrümpelung. Johannes Beitl ist in seinem Leben immer wieder umgezogen – nach St. Pölten, nach Wien und wieder zurück zu seiner Homebase Karlstetten, wo er immer wieder Erdung findet. Sein Programm handelt aber nicht nur vom physischen Umzug. „Wenn man umzieht, muss man entrümpeln, etwas aussortieren. Man muss zwangs-

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läufig über alles drüber gehen und bis in den letzten Winkel schauen, sich auch den Sachen widmen, die man ewig vor sich hergeschoben hat. Man muss vorher den Kopf ausräumen und sortieren, dann folgt erst der eigentliche Umzug.“ Ob er auch im realen Leben tatsächlich umzieht? „Ich muss erst schauen, wie der Umzug auf der Bühne wird, dann werde ich sehen, wohin es geht.“ Ob in eine Wohnung, in ein Zelt, ja gar in ein anderes Land – oder ob alles so bleibt, wie es jetzt ist, wird sich im Rahmen des Kabaretts bzw. den Vorbereitungen dazu herausstellen. Sein erstes Ziel hat er jedenfalls bereits erreicht. „Mir war es wichtig, dass es nun endlich einmal angekündigt wird. Und meine Freundin ist auch sicher froh, wenn ich jetzt mal mein Ding durchziehe“, verrät er. Wie der Umzug des „neuen“ Johannes Beitl aussieht, was er alles mitnimmt, was er hierlässt, wohin ihn sein Weg führt – all diese Fragen werden in seinem Kabarettprogramm „Umzug“ am 5. Juli im Kulturhaus Wagram geklärt. Inklusive konkreter Antworten, Lösungsmöglichkeiten und brauchbaren Tipps & Tricks für alle, die 2012 ans Übersiedeln denken. Eines ist jedoch bereits fix: Ganz ohne „Hennes“ werden wir auch in Zukunft nicht auskommen müssen. „Am 12. Oktober, meinem 30. Geburtstag, feiern wir 10 Jahre Beislfest.“

„Man muss vorher den Kopf ausräumen und sortieren, dann folgt erst der eigentliche Umzug. “

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Foto: iStockphoto.com / © Shelly Perry

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MFG SZENE

TEXT: Gotthard Gansch | Foto: ZVG

Probenräume zur Verfügung und gibt Schauspielunterricht!“ Ist einmal kein Proberaum frei, wird einfach in einer Schulklasse oder in einem Garten geprobt. Brader wurde durch seine Hospitanz am Landestheater auf das Projekt aufmerksam, andere Mitglieder hat man direkt „angeworben“, weil man um deren Affinität zum Schauspielen wusste.

ZUCKER stücke

Ihr Weg führte die ZUCKERstücke bereits über die Landesgrenzen hinaus bis nach Salzburg, trotzdem sind sie bislang nur Insidern ein Begriff. Im Gegensatz zum Klischee des kulturscheuen Jugendlichen setzen sie sich ganz offensiv mit dem Theater auseinander.

Website

zuckerstuecke.wordpress.com

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Z

UCKERstücke sind ein wild zusammen gewürfelter Haufen Jugendlicher, deren Liebe zum Theater den gemeinsamen Nenner darstellt. Was als Jugendprojekt des in St. Pölten situierten Landestheaters seinen Anfang nahm, entwickelte bald eine Eigendynamik. Wurden zu Beginn lediglich einzelne Szenen aus Georg Büchners „Woyzeck“ nachgespielt, fanden im Laufe der Zeit immer mehr Szenen Eingang in die Probentätigkeit, bis die Jugendlichen beschlossen, gleich das ganze Stück zu produzieren. Um Leute auf der Straße zu erreichen, zog man das Ganze als Straßentheater auf und feierte am Herrenplatz Premiere – mit Erfolg. Das Stück namens „woyzeck on/asphalt“, produziert unter der Regie von Moritz Beichl, wurde schließlich auch in St. Pöltner Schulen, beim „Parque del Sol“ oder auch in Salzburg aufgeführt. Simon Brader, Regisseur und Schauspieler der Gruppe sowie zum Teil für die organisatorischen Belange zuständig, über die überraschende Eigendynamik: „Wir haben uns mittlerweile vom Landestheater losgelöst, sind eigenständig. Es besteht aber eine Kooperation, d. h. künstlerisch hat das Landestheater keinen Einfluss, man stellt uns aber Requisiten und

Nachdem das Projekt „Woyzeck“ erfolgreich abgeschlossen ist, stehen nun andere Dinge auf dem Programm. Künstlerisch sammelt die Gruppe gerade Ideen, wie sie ihren weiteren Weg beschreiten will. Simon Brader skizziert die Pläne: „Es steht im Raum, wieder eine große Produktion auf die Beine zu stellen und hoffentlich am Landestheater aufzuführen. Außerdem wollen wir jedes Monat verschiedene Veranstaltungen organisieren, zum Beispiel einen Poetry Slam. Wir wollen in St. Pölten ein Event von und mit uns ins Leben rufen!“ Auch organisatorisch will man sich weiter professionalisieren, so hat man wöchentliche Proben ins Leben gerufen, deren Organisation und Leitung bei jedem Termin ein anderer des Teams übernimmt. Auch eine Kooperation mit dem Festspielhaus besteht nach wie vor, im Café Publik hatte die Gruppe bereits einen Auftritt. Mittlerweile hat sich zwar gewissermaßen eine Stammbesetzung herauskristallisiert, da jedoch der Großteil der Mitglieder Schüler und insbesondere Maturanten aus Niederösterreich und Wien sind, hat man auch mit Fluktuation zu kämpfen. Die Projekte und Proben sind sehr zeitintensiv, und so muss sich der eine oder andere bisweilen „Zeitausgleich“ nehmen. Neue Mitglieder sind also willkommen. Wenn du also Interesse hast, einmal Theaterluft zu schnuppern, schau einfach bei einer Probe vorbei oder melde dich bei einem der ZUCKERstücke. Außerdem besteht die Möglichkeit an offenen Proben teilzunehmen. Infos & Termine: einfach Mail an zuckernews@aon.at

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MFG Sport

Die FuSSball-Arena ist zum fragwürdigen Ansturm bereit Zum Kehraus am Voith-Platz kamen bei 5 Euro Eintritt 3.700 Besucher. Die Spiele in der Ersten Liga lockten durchschnittlich 1.415 Zuschauer an. Ab Juli soll der SKN St. Pölten dann die 8.000 Zuschauer fassende NV Arena halbwegs füllen. Komfortabler ist die allemal, aber die Gegner heißen nach wie vor Blau Weiß Linz, Altach oder Scholz Grödig.

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it dem Promi-Kickerl der von Karl Daxbacher und Antonin Panenka betreuten „Voith-Platz-Legenden“ gegen die „Bezirkshelden“ (5:2) und dem sportlich wertvollen Erste-Liga-Spiel SKN St. Pölten gegen Austria Lustenau (3:1) war der Kehraus am St. Pöltner Voith-Platz eine durchaus gelungene Veranstaltung. Wohl nicht zuletzt dank des Mottos „Preise wie vor 30 Jahren“ säumten noch einmal 3.700 Besucher die längst in die Jahre gekommene Kultstätte am Spratzerner Kirchenweg. Jetzt gilt es viele Fans zur Liese-Prokop-Allee in die neue NV Arena mitzunehmen, die am 7. Juli mit einem Blitzturnier des SKN mit Rapid Wien und AC Sparta Prag.

Schöner Arbeitsplatz. SKNTrainer Martin Scherb freut sich auf den Umzug: „Werbung haben wir am Schluss dafür mit Sicherheit gemacht.“ Aus sportlicher Sicht kann er zwei klare Pluspunkte erkennen: „Die Kommunikation im Verein wird sich verbessern. Früher haben wir auf der Stadtsportanlage trainiert und die Büros waren am Voith-Platz. Jetzt ist alles im Stadion. Und für die Trainingsarbeit ist es auch besser, wenn wir alles dort machen können, inklusive Krafttraining. Das bringt uns 10 bis 15 Prozent Steigerungspotenzial.“ Ein schöner Arbeitsplatz bringt wohl auch Spieler wie z. B. Neuerwerbung Mirnel Sadovic schneller zur Unterschrift. Der Nebenplatz hinter dem Stadion gehört ebenso ausschließlich der Kampfmannschaft der „Wölfe“. Zum Abschlusstraining vor den Spielen dürfen sie dann auch ins Stadion rein. 70

Die Spielfelder sind 105 Meter lang und 68 Meter breit. Der beheizbaren Naturrasen bestehen zu 70 Prozent aus Sand und zu 30 Prozent aus Humuserde. Stadion-Projektleiter Michael Hatz – der mit Rapid selbst einige Male am Voith-Platz kickte – sieht die größten Vorteile im modernen VIP-Bereich mit dem Business Club, der auch an spielfreien Tagen für Veranstaltungen genützt werden kann: „Da liegt generell die Zukunft der Vereine. Man braucht

sich ja nur den VIP-Bereich im Hanappi Stadion anzuschauen. Der platzt aus allen Nähten.“ Recht angenehm für alle Besucher soll der bargeldlose Zahlungsverkehr im Stadion werden. Speisen und Getränke können von einer aufladbaren Chipkarte abgebucht werden. Und beim Bierholen muss man auch nicht mehr fürchten etwas zu versäumen, denn die so genannten „Foodboxen“ liegen alle oberhalb der Tribünen und


TEXT: Thomas Schöpf | Foto: ZVG

Nur der Fußball rollt. Ob St. Pöltens Kicker eine derartige Bühne verdienen, wird sich weisen. Der VSE St. Pölten hatte in seinen besten

ECKDATEn NV ARENA 8.000 Sitzplätze, erweiterbar auf 13.000 Businessclub für 800 Personen, neben VIPLogen 2 Naturrasenspielfelder mit Rasenheizung (davon 1 Trainingsplatz außerhalb) 14.000 qm große Photovoltaik-Anlage Betreiber: Sportwelt Niederösterreich Finanzierungspartner: Land, Bund, Stadt 26 Millionen Euro Gesamtprojektkosten

Zeiten mit Superstar Mario Kempes und dem legendären Drei-MannSturm Zach, Ogris und Brankovic durchschnittlich nicht mehr als 4.500 Besucher angezogen. Bürgermeister Matthias Stadler meint jedoch: „In eine vollwertige Landeshauptstadt gehört auch ein Stadion. Nicht zuletzt ist das ein wichtiger Imagefaktor, auch im Wettbewerb mit den anderen Landeshauptstädten.“ Und NÖ Sportlandesrätin Petra Bohuslav möchte festhalten, dass „sowohl beim Bau der Arena als auch beim Betrieb Kosteneffizienz höchste Priorität hat.“ Die 26 Millionen Euro Baukosten haben sich Bund, Land und Stadt geteilt. Betreiber ist die Sportwelt NÖ, der SKN Hauptmieter. Nachwuchs-Länderspiele und Frauen-Länderspiele (neben dem Stadion befindet sich das nationale Zentrum für Frauenfußball des ÖFB) bieten sich an. Für A-Länderspiele ist die Kapazität zu klein, vielleicht reicht es einmal für ein Testspiel für David Alaba und Co. Bei der fehlgeschlagenen Bewerbung des ÖFB für die U21-EM 2015 war St. Pölten schon als Austragungsort vorgesehen gewesen. Andere Veranstaltungen sind in der NV Arena derzeit nicht geplant. „Nationale und internationale Experten haben empfohlen, ein derartiges Stadionprojekt als reines Fußballstadion zu konzipieren. Auch eine Pre Feasibility Studie hat diesen Weg bestätigt“, hält Bohuslav fest. Eine Vorgabe, wann der SKN in die Bundesliga aufsteigen sollte, gibt es weder vom Land, noch von der Stadt. Beide pochen darauf, dass der Verein weiter auf den eigenen Nachwuchs setzt. Scherb – der vor kurzem zwei Angebote sportlich besser dastehender Klubs nicht näher anhören wollte – denkt ebenso langfristig: „Schauen wir einmal, wo die besten niederösterreichischen Vereine in fünf Jahren stehen. Im Gegensatz zu den anderen sind wir nicht von einem Mäzen abhängig, sondern breit aufgestellt. Ich bin mir sicher, dass wir mit unserem Weg mittelfristig einige andere, die immer gleich ein paar Stufen auf einmal genommen haben, überholen werden.“

Mann, oh Mann!

Rosa „Madel, mach dich nicht unglücklich, bleib heut Nacht bei mir“, schrie er mir und mit mir auch dem restlichen Publikum über den Heurigentisch hinweg – nicht ohne seine Arme betont weit von sich zu strecken, die Brust (schmächtig, aber doch) stolz zu schwellen, um so lauter zu posaunen. Tja, und hinweg war auch Rosa. Und zwar dann mal ganz pronto. Nicht ohne ihm auszurichten, dass die Vorstellung bei ihm zu bleiben gerade schlimmer sei, als die Angst, vom Alkohol angeheitert wie ich war, beim Autofahren von der Polizei gestoppt zu werden. Das saß. Männer sind in Rosas Leben eine beliebte Attraktion. Manchmal sensationell, weit häufiger einfach billiger Schrott. Und manchmal wird Rosas frauliche Single-Idylle dann eben auch mal jäh von dieser Sorte Attraktion unterbrochen, die mich zum Lachen bringt, so absurd gockelt sie vor mir herum. Und neben den Gockeln gibt’s dann die Sorte Mann, die mich schon die Hälfte meines Lebens begleitet. Mal intensiver, mal gar nicht und dann wieder ganz plötzlich jeden Tag und noch öftere Nächte. Er tut gerade so, als wäre es total normal, sich monatelang nicht zu melden, um dann nach einer E-Mail wieder gemeinsame Nächte und einsame Tage von Rosa einzufordern. Und dann steht da noch jene next generation Mann in den Startlöchern, die sich präsentiert, als würde sie schon mal für die offene Castingrunde der nächsten Staffel Herzblatt auf Probe angegeben. Lächerlich. Und statt schöner Worte, kommt eben nur heiße Luft. Pustekuchen. Und ohne ein ehrliches Interesse an Rosa zu bekunden, läuft ohnehin nichts. Da müsst ihr euch schon ein bisschen mehr anstrengen meine künftigen Lieben. Breite Arme und nächtliche Sehnsuchts-E-Mail-Bekundungen helfen da herzlich wenig.

MFG 06.12

Foto: apl_d200/photocase.com

sind derart breit aufgefächert, dass man von überall aufs Spielfeld sehen kann. Die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz, insbesondere an Spieltagen, gilt es noch zu regeln.

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MFG Sport

TIME TO SAY

EYBDOOG

Getragen setzten die Geiger ein, die Celli zupften schwermütig den Abschiedstakt und Andrea Bocelli und Sarah Brightman schmetterten ihr hymnisches „Time To Say Goodbye“ in den sternenklaren Nachthimmel, auf dem zeitgleich die ersten Feuerwerkskörper explodierten und dem altehrwürdigen Voithplatz, einem beschönigenden Weichzeichner gleich, ein letztes Mal eine Patina aus Glanz und Glorie verliehen. 72


TEXT: Johannes Reichl | Foto: Josef Vorlaufer

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ie Wolfbrigade, der hartgesottene Fankern des SKN St. Pölten, der schon zu VSE-Zeiten jaulte (weil man als wahrer Fan eben auf immer und ewig die Treue hält, in guten wie in schlechten Zeiten), schwenkte voll Enthusiasmus die traditionellen blau-schwarzen Fahnen im lauen Abendwind. Ein letztes Mal trabten die SKNSpieler nach erfolgreich absolvierter Arbeit, die Goleador Daniel Lucas Segovia mit einem dem Anlass entsprechenden Zaubertor beendet hatte,

zum kleinen Häufchen hin und ließen sich feiern: „Hey, hey, hey“ intonierten Spieler wie Fans in glücklicher Einmütigkeit und machten die Welle. Doch diesmal enthüllten nicht nur die Fans ein Transparent für ihre Helden, sondern auch die Spieler ihrerseits für die darob gerührten Fans. Die Botschaft darauf war einfach wie vielsagend: DANKE! Auch viele der 3.700 Besucher, die die letzten Jahre viel zu selten als sogenannter zwölfter Mann Spalier am mitunter durchwachsenen Weg des Vereins gestanden sind, konnten die eine oder andere Träne nicht unterdrücken, als sie in den Himmel starrten. Was mit den knallenden Feuerwerkskörpern aufflammte und zugleich verpuffte, war nicht nur die Geschichte dieses Vereins, nicht nur die Geschichte dieses in die Jahre gekommenen Platzes, der 61 Jahre lang Heimstatt des mehr oder weniger gepflegten Fußballs gebildet hatte, sondern es war auch ein Stück ihrer eigenen Historie, die da mit dem letzten Profispiel am Voithplatz unwiederbringlich verloren zu gehen schien – und doch auch nicht. Denn wenn etwas dieser von Raphael Landthaler (DANKE!) mit viel Feingefühl zelebrierte Abschiedsabend bewusst machte, dann dies: Die Erinnerung kann dir keiner nehmen. Bestenfalls entschwindet sie in das Reich des Mythos, wo sie zumeist weiterwuchert, nicht selten an Ausmaß, Dramatik und Glanz gewinnend – aber wer möchte einem das schon verübeln? Zu tief hat sie sich ins Herz eingebrannt. Wahrscheinlich kann auch nur deshalb die so oft beschworene „gute alte Zeit“ die vermeintlich bessere werden. Das mag man belächeln, sentimentalen Schmonzes, gar Schönfärberei nennen, aber dafür gibt sie einem in mitunter harten gegenwärtigen Zeiten ein Gefühl der Wärme und des Glaubens – dass es dereinst nämlich wieder so werden kann wie früher: Besser! Selbst wenn es objektiv betrachtet gar nicht so gewesen sein mag. Und so verwandelte man sich an diesem denkwürdigen Abend für die Dauer eines Liedes wieder in den klei-

nen Knirps von damals oder zumindest in das 10, 20, 30 Jahre jüngere Alter Ego seinerselbst, das die legendären Augenblicke am Voithplatz, die magic moments, live miterlebt hatte. Sah vorm geistigen Auge noch einmal, wie Antonin Panenka liebevoll den Ball für einen Freistoß herrichtete, ein wenig Anlauf nahm, und ihn dann mit einer katzengleichen Streichelbewegung unhaltbar ins Kreuzeck zirkelte. Wie Mario Kempes im ersten Bundesligaspiel gegen Rapid Wien aus gut 30 Metern einfach abzog und den Ball im Tor eines überraschten Funki Feurers versenkte, der ungläubig der Wuchtel nachschaute, als wollte er sagen „Ja dürfens das denn, die Aufsteiger?“. Wie Rudi Steinbauer lange vor einem Arjen Robben in unnachahmlicher Manier die Outline entlang hinunterstach, um – fast schon bei der Cornerfahne angekommen – seinen immer gleichen Haken nach innen zu machen, auf dass die Gegenspieler immer gleich vorbeirutschen, und er in Ruhe eine Flanke schlagen konnte. Wie Slobodan Brankovic den Kopf einzog und vor überbordendem Selbstbewusstsein strotzend zu einem herzhaften Solo von der Mittellinie aus ansetzte, als wäre er nicht am Voithplatz Fußball spielen, sondern beim Nachtslalom in Schladming, und die Gegner nicht Kicker, sondern Kippstangen. Oder wie sich beim 1:1 gegen die Wiener Austria unglaubliche 12.000 Fans, Sardinen gleich, auf den kleinen Platz zwängten und ein bisschen ungläubig und ehrfurchtsvoll ins erstmals eingeschaltete Flutlicht blinzelten, als wäre gerade ein UFO in St. Pölten gelandet. Es waren großartige Momente auf einem großartigen Platz, der seine einfache Herkunft aus einer Zeit, da St. Pölten wirklich noch eine Arbeiterstadt gewesen war, nie verleugnen konnte. Beileibe keine Schönheit, sondern eher ein Dauerprovisorium. Aber er hatte Charakter und verströmte auf die ihm eigentümliche Art sogar so etwas wie spröden Charme. Die Kassenhüttchen erinnerten an grindige Pommesfrites-Buden, der Rollsplitt am Gelände war nichts für schnöselige MFG 06.12

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MFG Sport

TIME TO SAY EYbdooG

Designer- oder gar Stöckelschuhe, und die von der Sonne ausgebleichten Holzbänke, um die herum das Gras wucherte, bargen eher die Gefahr sich einen Schiefer einzuziehen, denn als angenehme Sitzmöglichkeit zu dienen. Doch als wahrer Fan stand man ohnedies. Bei jedem Wind und Wetter, wenns sein musste auch im strömendem Regen. Sitzen war etwas für "die da drüben", die unter der überdachten Tribüne und im VIP-Bereich, die Schönwetterfans. Dabei waren die vermeintlichen „Standesunterschiede“ genauso wie der provisorische Sicherheitsgraben rund um das Spielfeld – im Fall der Fälle leicht zu überwinden – eher eine symbolische, denn eine reale Schranke. In der Stunde des Erfolges, wenn aus 1000 Kehlen gleichzeitig der enthusiastische Ruf „Toooooor“ erschallte, lagen sich der Herr Doktor und der Hakler ebenso in den Armen wie der Christ und der Moslem, die in einem hellen Moment universaler Einsicht ihre dummen Ressentiments

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vergaßen. Ja selbst die nationalistisch gesinnten Gemüter, die sonst so gern aus irrationaler Angst und diffusem Minderwertigkeitsgefühl heraus Sündenböcke bei den Ausländern suchten, jubelten hier den „Jugos“ wie Slobodan Brankovic und dem damals noch nicht eingebürgerten Ivica Vastic, dem Argentinier Mario Kempes, dem Tschechen Antonin Panenka, dem Ungarn Lajos Detari, dem türkischstämmigen Mohammed Akagünduz oder dem Nigerianer Frank Daniels zu. Hier am Platz, für diese 90 Minuten, gehörten sie alle irgendwie zusammen, waren eine Familie. Zumindest solange die Mannschaft Erfolg hatte. Denn gesiegt hatten immer WIR, verloren aber meistens nur die Spieler, der Trainer und die Funktionäre, auf die mitunter heftig geschimpft wurde. Aber auch das musste eben sein, überhaupt wo es vielleicht zuhause, im Job, im harten Leben da draußen gar nicht so lief, wie man sich das erträumt hatte. Hier

am Platz konnte man sie rausschreien, all die aufgestaute Wut, und wenn es auch nicht fair, ja dumpf war, so war es doch krampflösend, ja mitunter schmerzlindernd. Das war es, was den Platz und seine Besucher vielleicht am allermeisten miteinander verband: Beide waren nicht perfekt. Aber authentisch. So war es geradezu schlüssig, dass sich die Wolfbrigade zuletzt falsch aufstellte und die Buchstabenfolge GOODBYE zu einem für die anderen Besucher rätselhaften EYBDOOG verdrehte. Das hatte auch symbolischen Charakter, denn so betrachtet war es ein offener Abschied auf etwas hin, nichts Endgültiges, sondern auch ein Neuanfang. Und so schluckte Platzsprecher Fritz Dibidanzel, nachdem die Musik vorbei war und sich die letzten Rauchschwaden des Feuerwerks am Nachthimmel verloren, kurz und sprach dann die berühmten letzten Worte: „Danke, Danke, danke!“

Kabelnetz der

Satellit A1-TV

0 Uhr, auf

täglich um 19:0

und

www.p3tv.at

Regionalfernsehen für den Zentralraum von NÖ


MFG KULTUR

Unglaublich!

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arum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist. In Sachen Sommerfestivals ist St. Pölten mit dem Beatpatrol, Extremefest, Frequency und Bluesfestival heuer der ungeschlagene österreichische Weltmeister. Und dennoch: Wem die daheim gebotene Kost noch immer nicht ausreicht, findet auch im nahen Wien manch „Sommerschmankerl“. Allen voran sei diesbezüglich das Jazzfest Wien von 25. Juni bis 9. Juli ans Herz gelegt. Dieses versammelt einmal mehr Weltstars vom Kaliber eines Rufus Wainwright, Herbie Hancock, Keith Jar-

,

ret oder John Scofield, bringt aber ebenso sensationelle Newcomer. Dass sich auch der mittlerweile 64-jährige Charles Bradley so nennen darf, verdankt er u. a. seinem Vorjahresauftritt am Jazzfest Wien, wo er schlichtweg für Furore sorgte. Zu genial, als sei sie direkt aus der Zeit James Browns (den der gelernte Koch übrigens früher in einer Tribute Show verkörperte) emporgestiegen, klingt seine gewaltige Soulstimme. 2011 brachte er seinen ersten Longplayer heraus, ein geiles Stück Soul. Auf die Frage, wie er seinen späten Erfolg empfinde, meinte er nur „bitter sweet“.


MFG KRITIKEN

ZUM HÖREN

Manshee, mikeSnare, Thomas Fröhlich, DJ Sandy van Hall, Rob.STP, Höllerschmid (von links nach rechts)

THE BETH EDGES

Black Coins, Round Dice „The Beth Edges“ zeigen sich mit „Blank Coins, Round Dice“ von einer neuen Seite ohne den bekannten Sound abzulegen. Hier und da hört man den Einfluss aus Großbritannien, aber mit Einsetzen des Gesangs von Tobias Grünzweil relativieren sich solche Eindrücke wieder. Das Album ist eine Kreation aus leichten (aber keineswegs seichten) Popsongs, die zum Tanzen anregen, und großen Stücken am Piano, die zum Zuhören einladen. Ein Feel-Good-Album für den Sommer ...

DEICHKIND

befehl von ganz unten „Befehl von ganz unten“, so heißt die neue und fünfte Platte der Hamburger Hip Hop- & Elektro-Kombo Deichkind, welche nach einer vierjährigen Pause und dem Ableben des Produzenten Sebastian Hackert im Februar 2012 veröffentlich wurde. Die erste Singleauskopplung „Bück dich hoch“ sowie der Song „Leider Geil“ werden bei den Fans gefeiert. Persönlich überzeugen die zwölf Tracks ganz und gar nicht, live sind die Jungs jedoch noch immer (leider) geil.

ZUM SCHAUEN

Manshee, Kinga Handlhofer

Squarepusher UFABULUM

Nach Squarepushers Ausflug in die Welt des picksüßen Vocoder-Pop ist nun (teilweise) Schluss mit Zuckerwatte. In 10 Songs auf „Ufabulum“ umgarnt Tom Jenkinson seine brachial zugeschnitzten ADHS-Rhythmen mit Synthie-Wolkentürmen – und das inmitten von Sounds und Melodien frisch aus dem Schredder. Mit betörendem Starrsinn und in musikgeschichtlicher Amnesie lotet er zuweilen die Resilienz des Hörers aus – gerissen genug jedoch, als dass man ihm böse dafür sein könnte.

MODESTEP

SHOW ME A SIGN Die englische Band Modestep ist derzeit sicher die interessanteste Live-Dubstep Formation auf dem Planeten, der vorliegende Track ist ein echter Brückenschlag zwischen der Welt der Electronic und des Rocks und war in England ein echter Mainstream Hit. Eben erschienen ist der Remix von „unsan Buam“ Camo&Krooked, die mittlerweile zum größten österreichischen Electro-Export avanciert sind und – wie man sieht – in der englischen Premier League erfolgreich mitspielen.

ZUM SPIELEN Markus Waldbauer

R. B. Russell GHOSTS

Mit seinem Buchverlag Tartarus Press schuf er eine Weihestätte für unheimliche Literatur. Nun erschien bei Klanggalerie eine CD von R. B. Russell. Großteils instrumental, mitunter aber auch wunderschön von Sängerin Lidwine intoniert, bietet Ghosts eine Hör-Reise zu dunklen Orten, angesiedelt irgendwo zwischen Neo Folk und Soundtracks zu imaginären Filmen, glasklar produziert von Andrew Liles. Sehr empfehlenswert!

All-american rejects kids in the street

4 Jahre nach „When the World comes down“ kommt nun das vierte Studioalbum von den All-American Rejects. Darauf werden viele Stile gemixt, neues ausprobiert, manchmal zu viel für den Fan der ersten Stunde, aber immer mit einem kleinsten gemeinsamen Nenner. Mit Beekeeper‘s Daughter kommt der erste typische Song für die Band. Wieder einmal sehr origineller Text (mit Doppeldeutigkeiten), einem Video und einer Melodie, die einen nicht mehr loslässt.

ZUM LESEN

H. Fahrngruber, W. Hintermeier

Moonrise Kingdom

Dead Nation Horror

Die Ökonomie von Gut und Böse

Eine Insel vor der Küste Neuenglands im Sommer 1965: Ausgestattet mit allem, was man zum Überleben benötigt, büchst Pfadfinder Sam aus dem Sommercamp aus, um mit seiner Freundin Suzy durchzubrennen. Der ganze Ort steht Kopf und eine fieberhafte Suche beginnt. Je schwieriger sich die Aktion gestaltet, desto mehr dämmert allen Beteiligten, dass die Liebe zwischen den Teenies sehr groß sein muss.

Zugegeben, Dead Nation ist keine Neuerscheinung, aber alle mit einer PS3 und einem Online Account sollten ernsthaft über die Anschaffung dieses Download-Titels nachdenken. Geboten wird erschreckend gutes Zombie-Gemetzel vom Allerfeinsten mit jeder Menge herumfliegender Körperteile. Ob alleine oder zweit – dieses Game macht echt Laune!

Der Autor war der wirtschaftliche Berater von Vaclav Havel und ist derzeit der Chefökonom der größten tschechischen Bank. Das Buch gibt einen kulturhistorischen Querschnitt über das Wechselspiel von Wirtschaftsmodellen und den in Gesellschaften vorherrschenden Religionen, vom Beginn des uns bekannten Handels im Zweistromland bis zur aktuellen Situation in der Finanz- und Schuldenkrise.

Snow White and the Huntsman

Trials Evolution

Oskar Feifar

Kristen Stewart, die bislang die unschuldige Bella in den „Twilight“ gemimt hat, darf sich nun in einer neuen Rolle beweisen und die böse Herrscherin, dargestellt von Schauspielkollegin Charlize Theron „Prometheus“ herausfordern. Das actionreiche Fantasy-Abenteuer von Nachwuchsregisseur Rupert Sanders ist damit eine weitere Filmadaption eines der beliebtesten Grimm-Märchen.

Timing, Präzision und Geschick waren und sind die drei Grundlegenden Voraussetzungen für die „Trials“-Serie. Mit Evolution erhält dieses Game ein neues, grandioses Gesicht. Graphisch auf dem Letztstand überzeugt das Game durch geile Stunts und Kulissen. Für die Kreativen unter den Gamblern steht auch ein Editor zum Austoben bereit.

Stell dir vor, du lebst in einem kleinen Dorf nahe der tschechischen Grenze und es sind die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das Leben plätschert gemächlich dahin, und jeder glaubt alle zu kennen. Doch dann wird plötzlich der überaus beliebte Trainer der nunmehr sehr erfolgreichen Fußballmannschaft ermordet, und nichts ist mehr so, wie es früher war.

Wes Anderson

Rupert Sanders

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Red Lynx

Tomas Sedlacek

Dorftratsch


MFG VERANSTALTUNGEN

HIGHLIGHT VAZ St. Pölten

27. OLDTIMER- UND TEILEMARKT Der Oldtimer- und Teilemarkt, der 2012 zum 27ten mal in St. Pölten stattfindet, hat sich mit über 20.000 Besuchern und ca. 600 Anbietern aus ganz Europa zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art in Österreich entwickelt. Angebot: Autos, Motorräder, Nutzfahrzeuge, Fahrräder, Teile, Zubehör, Automobilia, Literatur, Bekleidung, etc. aus allen Epochen. Die Besucher können am 11. und 12. August 2012 ihr Glück versuchen und vielleicht das eine oder andere Schnäppchen machen. Und das alles bei FREIEM EINTRITT! Öffnungszeiten: Samstag, 8:00 - 17:00 11. & 12. August 2012 Uhr; Sonntag, 8:00 - 14:00 Uhr 

16. 06.

stand up paddling

Paddeln, Chillen, Spaß haben: Am Vormittag geht es mit ersten Trainingsund Paddel-Versuchen los. Jeder hat die Möglichkeit, die neue Trendsportart selbst auszuprobieren: Wer sich fit genug fühlt, kann bei den packenden Landeswettbewerben am Nachmittag oder beim Fun Race teilnehmen Anmeldungen unter: www.asupa.at sport

04. 07.

18./19. 06.

die welle

Aufgrund der weltweiten Entwicklungen in Bezug auf Fremdenhass, Gewalt, Unterdrückung und Populismus nimmt das „european grouptheater“ seine Erfolgsproduktion „Die Welle“ aus dem Jahre 2008 wieder auf. Es setzt sich mit den Themen Nationalsozialismus und Manipulation auseinander. Regie: Ricky MayWolsdorff. Geeignet ab 12 Jahren.

viehofner see

theater

bühne im hof

Be easy festival

12. 07.

bruce springsteen

„It’s all about the music – so be easy & enjoy!“ Neben den beiden Chartstürmern Mac Miller und Cro darf man sich beim BeEasy Festival auch auf Big J, Flip & Average, Mirakle und Chill Ill freuen. Zudem werden im Zuge des Rahmenprogramms ein Dunk Contest und das Beer Pong Tournament stattfinden und das Festival perfekt abrunden. festival

arena wien

15. 07.

sommerfest

Erleben Sie den „Godfather of Stadionrock“ mit seiner unübertroffenen „E Street Band“: Bruce Springsteen und seine Band machen auf ihrer Tour Mitte Juli halt in Wien – seien Sie also dabei und erleben Sie den Springsteen-Auftritt. Bruce ist authentisch und charismatisch – deshalb lieben ihn Fans aus aller Welt seit Jahrzehnten! Rasch Tickets sichern! konzert

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22. 06.

film im dom

„Film im Dom“ findet heuer statt dem traditionellen Open-Air Festival „Film am Dom“ statt, das aufgrund der archäologischen Grabungen pausiert. Cinema Paradiso präsentiert gemeinsam mit Orgel Plus den Film „Der müde Tod“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1921 auf einer Leinwand im Dom. Auf der Orgel wird Franz Danksagmüller live improvisieren. film & ORgel

dom st. pölten

snow patrol

26. 06.

Die Songs des bereits sechsten und äußerst erfolgreichen Studioalbums „Fallen Empires“ bescherten den fünf Jungs von „Snow Patrol“ bis dato die besten Chartplatzierungen. Aber auch live sind die neuen Songs absolut hörenswert: Am 26. Juni kann man die britische Rockband beim Open Air-Konzert in der Arena hautnah erleben! arena wien

konzert

VAZ ST. PÖLTEN

KONZERTE | EVENTS | MESSEN | KONGRESSE

FR - SO, 20. - 22.07.

BEATPATROL FESTIVAL

mIT AVIcII, ARmIn VAn BuuREn, AOkI, gARRAud uVm.

Das niederösterreichische Landesmuseum lädt am 15. Juli ab 09:00 Uhr zum großen Sommerfest! Geboten werden unter anderem eine Kreativ- sowie eine Experimentierstation. Entdecken Sie an diesem Tag vieles mit Ihrer Familie und Freunden! Interessante Details folgen in Kürze auf www.landesmuseum.net/de/ kalender/sommerfest fest

landesmuseum

16.-18. 08.

frequency 2012

2 Festivals in 1 – 3 Days, 7 Stages, 100 Acts. 2012 geht das FM4 FrequencyFestival in seine zwölfte Runde, wieder im Green Park und VAZ St. Pölten. Heuer wieder mit großartigen Acts wie „The Killers“, „Placebo“, „Korn“, „The Cure“, „The XX“ und vielen vielen mehr. Das komplette Line-Up, Infos und Tickets findet ihr unter www. frequency.at festival

SA 13.10. // 20.00

kIngS OF ROck´n´ROLL FR 14.12. // 20.00

TRIBuTE TO FRAnk SInATRA DO 20.12. // 20.00

gOLdEn VOIcES OF gOSPEL MI 26.12. // 20.00

THE BLuES BROTHERS Tickets im VAZ St. Pölten, ticket@nxp.at, www.vaz.at, 02742/71 400, in allen Raiffeisenbanken und oeticket-Geschäftsstellen, 01/96 0 69

greenpark & vaz

MFG 06.12

77


Reich(l)ebners Panoptikum

L

Die Piraten kommen. Auch in Niederösterreich schicken sich seit Anfang Mai die Piraten an, die Bastionen der arrivierten Parteien zu entern. Aufgrund des basisdemokratischen Ansatzes stößt man dabei allerdings noch auf einige Anfangsschwierigkeiten ...

78


2 JULY 20A-U2 STRIA VAZ ST.POLTEN t

DJ-SET

E K U L K C A B D I A L I K O STEVE A

LIVE

FRESH/LIVE

DJ FRESH PRESENTS

ROMERO Y K IC N JAMES ZABIELA

FAKI N LE S ER K N U RP BE CY AND MANY MORE

WWW.BEATPATROL.AT


SCHÖNES

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Josefstraße 70/72 3100 St.Pölten

St. Pölten-Süd, Landsbergerstraße Handel Mazzetti-Straße Niedrigenergie-Wohnungen

Hafnerbach - Wimpassing, Am Kogel Passiv Doppelhäuser

Altlengbach-Leitsberg, Tullner Straße Niedrigenergie-Wohnungen und Reihenhäuser

Beste Qualität, beste Lagen: Die Wohnungsgenossenschaft St. Pölten schafft in ganz NÖ zukunftsweisende Wohnprojekte.

MFG - DasMagazin / Ausgabe 42  

MFG - Das Magazin in hochwertiger Ausführung, durchgehend 4c auf aufgebessertem Papier mit attraktivem Content auf mindestens 56 Seiten. Die...

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