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Meditation zu Baruch 5,1-9 Menschen können sich einhüllen – in alle möglichen Stoffe und Schnitte. Auch emotionale Hüllen tragen wir. Wohin wir auch gehen: Wir nehmen sie mit. Hüllen sind wie Haut zum Schutz. Verstärken die Wand zwischen Innen und Außen, Außen und Innen. Will etwas in mich hinein, es muss meine Hülle durchdringen. Will etwas hinaus, es muss die Hülle durchdringen. Dadurch ändert sich die Information. Hüllen färben alles mit ihrer Farbe. Hülle ich mich in Trauer – alles ist viel dunkler als es wirklich ist. Helles wird verschluckt vom Trüb-Traurigen. Umso dusterer wird`s in mir. Was aus meinem Munde oder Auge kommt, immer schon eingetrübt. Nichts Klares, Helles, Erfreuliches Dringt mehr durch meine Hülle. Genauso ist es mit der Hülle Unheil. Mich ganz und heil sein zu lassen, erscheint mit unwirklich. Solch eine Hülle nährt und bestätigt sich mit jeder Information, die Unheil in sich birgt. Total durchlässig geht ihr das rein und raus wie Öl.


Wieder mal Pech gehabt. Nichts Neues! Hülle, in die ich mich hülle, hüllt mich. Hülle nennt Baruch Gewand. Er fordert uns auf: Leg es ab! Zieh`s aus! Dein Gewand! Mit dem du dich vom Leben abgewandt hast. Mit dem du dir das Leben vom Leibe hältst. Deine Hüllen engen dich ein. Sie verbergen dich. Was in dir steckt, kann nicht raus. Denn da ist ja die Hülle. Hörst du den Aufruf an dich: Lass deine Hüllen fallen! Keine Angst vor der Blamage. Hab Mut zum Nackt sein. Ohne das, was ich mir vormache, womit ich mich bedeckt halte. Hab Mut zum Nackt sein, du musst dich nicht schützen. Schützen schwächt. Leg ab, zieh`s aus! Hüllen wollen fallen. Und Und Und leg an.


Leg an ohne Gewand, hüllenlose Hülle! Schönheit und Pracht - von Gott her! Schönheit und Pracht für immer. Lebe nackt in hüllenloser Hülle des Schönen, Prächtigen. Sieh das! Empfinde es! Genieß es! Ergötze, entzücke dich! Darüber leg das Obergewand göttlicher Gerechtigkeit. Von Gott her bist und bleibst du: recht! Unumstößlich ist er dafür, dass du bist. Kein Mensch, keine Welt können daran etwas ändern – auch du nicht! Kröne dein Haupt mit Schmuck des Ewigen –. Du - eine einzige Pracht! Nicht für deinen Narzissmus. Gottes Vorzeigestück für alle Welt, in deiner ganzen Pracht, deinem Strahlen, Leuchten vor lauter Glück – bist du! Dein neuer ewiger Name: Friede in Gerechtigkeit, Pracht in Ehrfurcht vor GOTT. Steh auf, stell dich dorthin, wo du hingehörst: Auf die Höhe! Leb nicht unter deiner Würde. Lass es dir so gut gehen, dass du auf Dauer auf der Höhe bist.


Profile for Markus Krauth

Wenn Hüllen fallen  

poesie & liturgie ein text zur poesie baruch 5,1-9

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