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Liebe Leserinnen, liebe Leser!

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ch bin fest entschlossen diesen Ort zu verlassen und alles zu hassen, was ich hier geliebt hab, und was mich – es tut mir leid, inklusive dich“, singen, „Die Sterne“ in „Wahr ist, was wahr ist“. Nicht immer muss ein Umzug mit einem derart drastischen Bruch mit der (eigenen) Vergangenheit einhergehen. Einen Neuanfang, auf der einen oder anderen Ebene, bedeutet der Aufbruch von einem bestimmten Punkt in Richtung neue „Räume“ aber in jedem Fall. Das MARK.freizeit.kultur ist nach längerer Zeit des Nomadentums (mit Zwischenstopp in der Oase altes Musikum) mit Sack und Pack umgezogen und dabei in den Räumlichkeiten der Hannakstraße 17 sesshaft geworden – ohne dabei auf der faulen Haut zu liegen. Noch im temporären Zeltlager am Nonntaler Wasserloch wurde die Idee zu diesem Magazin gezeugt. Gut neun Monate ist das her, und freuen wir uns, euch jetzt das – wie wir meinen – recht wohlgeratene Kind vorstellen zu können. MFK – Magazin für Kunst und alternative Jugendkultur haben wir es getauft, es hat A5-Format und enthält 40 Seiten zum Thema UMZUG … als Prozession oder Wechsel in eine andere Kultur, andere Räume, Zeiten und Jobs, mit der Wabe oder im Privatauto … kritische, literarische, lustige und vor allem lesenswerte Texte – plus Fotos, Illustrationen, Horoskop und Rätsel. Nicht schlecht für ein Erstgeborenes, oder?


Mitgedacht, -geschrieben, -fotografiert, -gezeichnet und – diskutiert haben Menschen, weibliche und männliche, in Jahren und im Herzen junge, mit österreichischem oder anderem Pass, mit Wohnort in Salzburg, London oder ganz woanders. Menschen, die schon lange mit dem MARK.freizeit.kultur verbunden sind, aber auch welche, die über und wegen dieses neuen Mediums erstmals Kontakt aufgenommen haben. Damit – und ja, wir geben es zu, darauf sind wir auch ein klein wenig stolz – ist uns schon mit der ersten Ausgabe etwas gelungen, was wir als grundsätzliche Richtung dieses Magazins beibehalten wollen. MFK widmet sich der lokalen Salzburger Jugendkultur, schaut aber auch über den Tellerrand und balanciert (mit sicherem Tritt) zwischen sozial- und gesellschaftskritischen Artikeln und künstlerischen Wort- und Bildbeiträgen. Scheuklappen sind unsere Sache nicht. Wir verstehen uns als Plattform für alle, die etwas ausdrücken möchten. Natürlich gibt es ein Redaktionsteam (irgendwer muss den unangenehmeren Teil des Zeitungsmachens ja auch übernehmen …). Und natürlich gibt es Diskussionen, manchmal hitzig, manchmal eher kabarettistisch, darüber, was ins Magazin

einziehen darf – und was nicht. Trotzdem sind Beiträge aller Art willkommen. Guten Argumenten können und wollen wir uns selten widersetzen, guten Texten und Bildern noch seltener. Ein Umzug steht uns noch bevor … der endgültige Schritt aus dem virtuellen Raum heraus, hin zu einem Printmedium. Wir wollen mehr Raum einnehmen als nur 2 MB Speicherplatz. Das MFK soll man angreifen können. Zerreißen, wenn’s sein muss. Wir wollen, dass ihr Teile an die Wand hängt. In Collagen verarbeitet. Unsere DIY-Gimmicks herausnehmt, ausschneidet, immer wieder neu zusammensetzt. Wir wollen, dass ihr Artikel oder Bilder, die euch besonders gut gefallen, in euren Geldbörsen, die auch noch nicht virtuell sind und in denen meistens sehr viel Platz ist (deshalb ist unser Magazin auch GRATIS) mit euch herumtragt, so lange, bis die Seiten zerfallen. Dann gibt’s immer noch die OnlineVersion im Internet, in der auch jene Texte, deren Länge gedruckt unser (derzeit noch zur Gänze hypothetisches) Budget sprengen würde, ungekürzt zu finden sind. Wir möchten ein Medium schaffen, das frei

zugänglich ist. Das sich im öffentlichen Raum platzieren kann. Das in der Uni-Mensa, in Kaffeehäusern und Konzert-Locations im ganzen Bundesland Salzburg ins Auge sticht. Nach dem man mit der ganzen Hand greifen kann, nicht einfach nur klicken. Auch daran arbeiten wir momentan intensiv – schreiben Förderanträge und suchen Menschen und Institutionen, die bereit sind, sich mit uns auf dieses Projekt einzulassen. Parallel dazu arbeiten wir schon eifrig an unserem nächsten Baby. Erscheinungstermin ist November 2010. Diesmal dreht sich alles um das Thema VERKEHR. Eure Beiträge dazu sind herzlich willkommen! Der Prozess des „Umziehens“ ist nicht abgeschlossen mit dem Transport von mehr oder weniger Habseligkeiten von A nach B. Danach folgt das Einrichten, das Hin- und Herschieben vertrauter Gegenstände in noch nicht personalisierten Räumen, der Versuch, den noch kahlen Wänden eine persönliche Note zu verpassen – das Ankommen. Das MARK.freizeit.kultur hat eine neue Adresse. Salzburg hat ein neues Magazin. Viel Spaß beim Lesen der ersten Ausgabe! Die Redaktion.


umzug U mzug heißt, sich von Altem zu trennen. Zug um Zug die Vergangenheit ruhen zu lassen, sich auf die Gegenwart zu besinnen und etwas für die Zukunft aufzubauen. Das MARK.freizeit.kultur durchlebte nach einer langen, ereignis- und traditionsreichen Vergangenheit in den letzten zwei Jahren eine wahre Odyssee. Hin und her gescheucht zwischen den verschiedensten provisorischen Standorten fand das älteste Jugendzentrum Salzburgs nie eine fixe Bleibe – keine Heimat. „Euch will hier keiner“ – diese Worte vernahmen die MARK-Geschäftsführer Gerd Pardeller und Miriam Lempert nur zu oft. „Ihr seid zu laut“, oder „wir wollen keinen Unruheherd in unserem netten Stadtteil“ waren die oberflächlichen Vorurteile gegenüber dem offenen Haus für Jugendkultur. 2 | UMZUG

Vorurteile, die vielleicht stimmen mögen: Wir sind wirklich nicht die leisesten Zeitgenossen. Aber Jugendliche und junge Erwachsene brauchen Raum, kreativen Freiraum, um sich entfalten zu können. Dieser Platz wird auch für Konzerte, DJ-Sets und dergleichen genutzt. Aber auch für Kabaretts, Theaterstücke, Leseabende und für ein gemütliches Zusammensitzen. Unruheherd sind wir nur deshalb, weil wir den Status quo kritisch hinterfragen. Verkrustete Apparate kritisieren und offen ansprechen, welche Bedürfnisse die Jugend hier in der Mozartstadt hat. Eine dieser vielen Fragen ist die, warum nur ach so viel Geld und politisches Herzblut in die Hochkultur gepumpt wird, aber die lokale Jugendkultur ausgehungert wird. Unangenehme Fragen sind das, das geben wir ja gerne zu. Aber wichtige Fragen, geht es doch auch um den kre-


Foto: Julia Fink

ativen Nachwuchs in einer Stadt, die doch die Kultur als eines ihrer höchsten Güter bezeichnet. Die Kulturstadt Salzburg soll auch kreativen Freiraum für engagierte Jugendliche und junge Erwachsene schaffen. Das war jahrelang unsere Forderung. Aber keiner der Machthaber in der Stadt Salzburg fühlte sich so richtig zuständig für das MARK. Jetzt, nach, oder eigentlich mittendrin in der Wirtschafts- und Finanzkrise, geht ja sowieso gar nichts mehr: Die fetten Jahre sind vorbei, die Steuereinnahmen sprudeln nicht mehr so wie erwünscht, und nun soll auch wieder die Jugend draufzahlen. Doch wir ließen uns nicht länger hinhalten und forderten die lokale Politprominenz auf, ihren Versprechungen endlich Taten folgen

zu lassen. Die Hinhaltetaktik hatten wir satt. Das Jammern auch. Das Betteln sowieso. Es war an der Zeit, Resultate einzufordern. Mit Nachdruck suchten und fanden wir einen neuen Standort für das MARK. In der Hannakstraße 17 im Stadtteil Sam. Nach hartem Tauziehen und vielen teils demotivierenden Gesprächsrunden mit der Stadtpolitik konnten wir unsere Reise in unsere neue Heimat antreten. Der Umzug von der Nonntaler Hauptstraße nach Sam hieß auch, wieder etwas an schönen Erinnerungen, an Flair und an liebgewonnenen Räumlichkeiten zurückzulassen. Zwar war das alte Musikum nicht mal ganz ein Jahr unser provisorischer Standort, doch konnten wir in dieser Zeit vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen Freiraum geben, sich kreativ und frei zu entfalten. Von Medienkünstlern und Theatergruppen über Schriftsteller und Wortakrobaten bis hin zu einer Bildhauerin fanden im Nonntal viele den Raum vor, den sie sonst nirgendwo in der Kulturstadt Salzburg gefunden hatten und ihn sich nicht hätten leisten können. Umzug heißt auch, den Blick nach vorne zu richten. Den Fokus neu anzusetzen und seine Schwerpunkte zu überdenken. „Alles neu macht der Mai“ verspricht ein altes Sprichwort. Zwar war im Mai der neue MARK-Standort noch nicht adaptiert und vollends bezugsfertig, doch wir arbeiten mit Nachdruck daran, dass die Jugendkultur in Salzburg so früh wie möglich wieder Platz bei uns hat. Platz für Konzerte, Kabaretts und Theaterstücke. Platz für kreative Ideen und Projekte. Platz für Konversation und Kommunikation. Platz für interkulturellen Austausch. Platz für euch. Günter Baumgartner UMZUG | 3 up


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in Wintermorgen, die Temperaturen liegen weit unter null. Eigentlich kein Wetter, um freiwillig vor die Tür zu gehen. Doch Umzug ist Thema und Motivation zugleich. Die ausführenden Menschen arbeiten bei der Wabe, einem gemeinnützigem Verein, der seit gut dreißig Jahren, Übersiedlungen und Entrümpelungen durchführt. Im Innenhof angekommen, stehen schon mehrere LKWs bereit und die Leute sind bei der Verteilung der Aufträge. Ich begleite einen Transport von Stockham nach Wals. Es handelt sich um Schachteln und ein paar Schallplatten, wie meine erste Information lautet. Der LKW folgt beharrlich dem Straßenverlauf in Richtung Stadtgrenze, dann weiter in Richtung Lamprechtshausen. Während die vorbeiziehende Landschaft, Besiedelung und Straßennetz gegen beschaulich ruhige Schneeflächen eintauscht, denke ich über Schachteln und ein paar Schallplatten nach. Klingt fürs Erste nicht besonders aufregend. Geometrische Linien beginnen in meinem Kopf Schachtelkonstellationen in fotografische Rahmen einzupassen.

Knirschender Schnee und ein kleiner Schuppen. Ein vorausfahrender Pkw weist uns den Weg, zu einem 250 Jahre alten Bauernhaus, das umgeben von Feldern und kleinen Waldstreifen nun vor uns auftaucht.

Beim Aussteigen knirscht der Schnee unter den Schuhsohlen. Eine ältere Frau kommt aus dem Bauernhaus mit einem Schlüssel in der Hand, ich solle ihn doch den anderen geben, sodass sie das Schloss zum Schuppen aufschließen können. Ich reiche ihn weiter und gehe ein paar Schritte zurück, um Aufnahmen von der Szenerie im Ganzen zu machen. Als ich zurückkomme, höre ich im Vorbeigehen kurze Sätze der Erklärung, es sollen doch recht viele Platten sein, eine Sammlung möglicherweise, vorwiegend Klaviermusik. Als ich durch die Tür in den kleinen Schuppen eintrete, bekomme ich einen Eindruck, worum es geht. Ein ganzer Raum, bis zur Decke gefüllt mit Türmen von Vinyl. Wow, denke ich, so sehen also ein „paar Schallplatten“ aus, und beginne, davon Fotos zu machen, da das Übersiedlungsteam bereits begonnen hat, dieselben abzutragen und zu verpacken.

Leipzig und Theodor W. Adorno. Ein wenig später ergibt sich die Gelegenheit, mit dem Besitzer, Peter Cossé, darüber zu sprechen. Mit zunehmendem Respekt höre ich, was sich da an Geschichte eröffnet. Die tatsächliche Anzahl der zu übersiedelnden Platten beträgt etwa 30.000 Stück. Sie sind Teil einer Klaviermusik-Sammlung, die im internationalen Vergleich zu den Größten zählt. Peter Cossé ist seit den siebziger Jahren freiberuflicher Musikkritiker.

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Er schrieb neben Tageszeitungen wie der „Neuen Zürcher Zeitung“ oder dem „Standard“, auch für Fachzeitschriften wie „Fono Forum“ oder „Record Geijutsu Tokio“. Gestaltete Beiträge u. a. für den Westdeutschen Rundfunk und realisierte Filmprojekte für die ARD. War als Juror tätig bei internationalen Musikwettbewerben und erhielt den Kritikerpreis des Steirischen Herbstes. Begonnen hat alles in Leipzig, sein Vater war Pianist, wodurch Peter Cossé bereits im Kindesalter mit dem Klavier in Berührung kam. Er spielte das Instrument selbst über viele Jahre, allerdings galt sein Hauptinteresse der Klavierliteratur, Konzerten und der Begegnung mit Musikern. Im Jahr 1955 verließ er mit seinen Eltern und seiner Großmutter die DDR. Bereits ein Jahr vor der Matura begann er für die „Frankfurter Rundschau“ gelegentlich Rezensionen zu schreiben. Ende der sechziger Jahre, als sein Lehrer Theodor W. Adorno starb, folgte er seiner Schwester nach Salzburg, die nach einer Karriere als Solotänzerin in Frankreich ans hiesige Landestheater wechselte. In seiner Arbeit als Kritiker hat er sich in den letzten zwanzig Jahren vor allem auf Veranstaltungen konzentriert, die sich thema-

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tisch und organisatorisch von industriellen Großbetrieben distanziert haben. Die Klaviermusik mit ihrem personellen, ökonomischen und soziologischen Umfeld beschreibt er als seine „akustische Herzensangelegenheit“. Gemeinsam mit seiner ehemaligen Frau wirkte er auch selber an der Organisation von Festivals mit. Das führte ihn auch an wundersame Orte, wie das burgenländische Lockenhaus, auf die Azoren oder die ligurische Küste. Während des Gesprächs füllt sich die Ladefläche des LKWs zunehmend. Die Übersiedlungskartons werden weniger und die verladende Crew sieht dem Abschluss des ersten Arbeitsteils entgegen. Was nun folgen soll, ist die Zusammenführung der Sammlung, die gut eineinhalb Jahre getrennt war.

Das Zentrum der Sammlung. Die Ankunft in Wals beginnt mit einer Suche, da Schlüssel und Schloss nicht zueinander passen wollen, bald findet sich aber die richtige Kombination im Garagentor nebenan. Einige der nummerierten Kartons werden vorerst hier zwischengelagert, um den Überblick zu wahren. Es wird einige Wochen dauern, bis die Platten im neuen

Archiv wieder ihren Platz eingenommen haben. Die Räume hier sind weit verzweigt, die Sammlung versteckt, hinter Türen und Gängen. Peter Cossé weist mir den Weg und langsam eröffnet sich mir, was ich vorher in abstrakten Zahlen gehört hatte. Neben den ankommenden 30.000 Schallplatten, befinden sich hier bereits 35.000 CDs, 1200 MCs, 1400 Tonbänder, 1000 DAT-Kassetten, 1800 VHS-Tonträger und mehr als 1500 DVDs. Sie säumen den Weg zum Schreibtisch, der die zentrale Schnittstelle darstellt. Die letzten zehn Jahre hat er ein Ordnungssystem aus Zahlen und Musikgattungen entwickelt und so gut wie alles im Computer und auf externe Datenträger gespeichert. „Die zeitliche Dimension der Sammlung zieht sich über einige Jahrhunderte, da Klaviermusik die gesamte Familie der Tasteninstrumente mit einbezieht“, erläutert Peter Cossé. Sie beinhaltet auch viele Raritäten, wie Aufnahmen aus der frühen Nachkriegszeit, die noch im Mono-Verfahren aufgezeichnet wurden. Begonnen hat alles mit Tschaikowsky und Brahms, den ersten Schallplatten, die er damals noch käuflich erworben hatte. Danach hat sich die Sammlung durch seine Arbeit als Kritiker weiterentwickelt. Bis heute

kommen täglich neue Exemplare herein und werden von ihrem Besitzer in die Sammlung eingepflegt. Überlegungen für die Zukunft der Sammlung gehen in Richtung einer Stiftung. Peter Cossé ist es ein Anliegen, dass das Material weiter benutzt werden kann. Allerdings erfordert das Raum, Geld und Arbeitskraft, was als Privatperson schwer aufzutreiben ist.

Haltbarkeit digitaler Tonträger. Während die letzten Kartons ihren Platz einnehmen, erzählt er mir von seiner Sorge ob der Haltbarkeit der Tonträger. „Die alten LPs waren schon nach dem ersten Abspielen ,beschädigt‘, nicht zu reden von Kratzern und Schmutz auf der Oberfläche. Aber bei Abspielproblemen kann man den Tonarm ein paar Rillen weiter heben. Die Digitaltechnik verzeiht keinen Fehler und im Dunklen bleibt es bis auf Weiteres, wie lange die gespeicherte Information abrufbar sein wird.“ Angesichts der Fülle an musikalischen Werken, die sich die Regale entlang ausbreiten, erscheinen mir Peter Cossés Bedenken sehr nachvollziehbar. Text & Fotos: Sabine Bruckner FOTOREPORTAGE | 7 up


Unserem Verständnis nach besteht eine menschliche Gesellschaft aus einzelnen Individuen, die sich zu kleinen oder großen Gruppen zusammenschließen und als solche in Bereichen, die für unser tägliches Leben wichtig sind, meist traditionellen Verhaltensweisen folgen.

Damit das tägliche Leben in einer Gesellschaft funktioniert, müssen wir ein moralisches System schaffen. Wir können dieses System auch als Kultur bezeichnen, das wir als Konzept im Sinne eines Entwurfes gestalten, und das sich gleichzeitig direkt auf unser Verhalten

8 |Foto: Rubrik Sarah Spenglingwimmer

auswirkt. Das Verhalten der Mitglieder einer Gesellschaft beeinflusst wiederum die Kommunikation derselben untereinander. Unterschiede in der Art der Kommunikation sind aber nicht nur in verschiedenen Kulturen feststellbar, sondern können auch innerhalb einer einzigen Kultur auftreten, wobei wir uns generell je nach Situation auf verschiedenen Ebenen der Kommunikation bewegen. So unterscheidet sich beispielsweise die Art der Verständigung innerhalb einer Familie von der im weiteren Verwandtenkreis, die zwischen Männern und Frauen allgemein von der, wie sie zwischen Ehepartnern stattfindet.

Die für unser tägliches Leben wichtigen Bereiche Politik, Wirtschaft, Bildung, Erziehung sowie individuelle Freiheit und Abgrenzung, Chancengleichheit usw. als darin verfügbare Möglichkeiten müssen dem Einzelnen frei zugänglich sein, um das Bestehen


einer Gesellschaft als organisierte Gruppe und ihre (Weiter-)Entwicklung zu gewährleisten. Das Fortschreiten der Zivilisation hat jedoch viel Verschiedenheit innerhalb dieser Bereiche, vor allem Unterschiede zwischen den einzelnen Gesellschaften, deren jeweilige Kultur sich auf das Verhalten ihrer Mitglieder auswirkt, mit sich gebracht. Stellen wir uns eine junge Frau in Kurdistan vor. Als Mitglied der kurdischen Gesellschaft ist ihre individuelle Entscheidungsfreiheit ihr Gedankengut, Verhalten und ihre Lebensgestaltung betreffend nicht gegeben. Die Grenzen, innerhalb derer sie über ihren Kleidungsstil, die Art der Kommunikation, Freizeitgestaltung oder die Wahl des zukünftigen Lebenspartners entscheiden kann, sind aufgrund des patriarchalen Systems in Verbindung mit der vorherrschenden Religion sehr eng. Welche Möglichkeiten für eine einzelne Person verfügbar sind, hängt also von der Gesellschaft ab, in der man Mitglied ist, und welche Kultur darin vorherrscht.

Das Schaffen einer offenen Gesellschaft in dem Sinn, individuelle Entscheidungen

treffen und ein Wertesystem schaffen zu können, das es dem Einzelnen erlaubt, sich weiterzuentwickeln und das nicht vom patriarchalen System und der Religion bestimmt wird, ist in einer Kultur wie der kurdischen nicht möglich. Die Entscheidungsfindung spielt sich sozusagen nicht im Individuum, sondern außerhalb desselben ab, da die Grenzen dafür von der Kultur auferlegt sind und nicht vom Einzelnen selbst gezogen werden, was die Individuen zu passiven Teilnehmern der Gesellschaft macht, anstelle von aktiven. Traditionsgemäß wird zum Beispiel das Treffen von Entscheidungen innerhalb kleiner (Familie) als auch großer Gruppen (in Schulen oder Studentenvereinigungen) in der kurdischen Gesellschaft den ältesten Mitgliedern des jeweiligen Verbunds zugeschrieben. Dies geschieht jedoch unabhängig davon, ob sie die Fähigkeit dazu haben oder andere, bessere Vorschläge von jüngeren, kompetenteren Mitgliedern vorliegen. Und genau mit dieser Vergabe von Kompetenzen innerhalb einer Gesellschaft wird zwar nicht der zum Teil schon vorhandene Revoluzzerwille der Jungen, am bestehenden System etwas zu ändern, gänzlich niedrig gehalten, aber in jedem Fall die Möglichkeit, diesen umzusetzen.

Die Zuteilung von Berechtigungen und Pflichten sollte erstens nach Fähigkeit erfolgen, zweitens nach sinnvollen Kriterien stattfinden und drittens nicht nur einer Handvoll Privilegierter gegeben sein, die diese Kriterien womöglich gar nicht erfüllen.

Diese Art der Kultur, wie sie vor allem durch Niedrighalten des Bildungsstandes der allgemeinen Bevölkerung und dem daraus resultierenden fehlenden Weitblick entsteht, sowie keine Aussicht darauf, aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft teilnehmen zu können, veranlasst viele Menschen dazu, nach Europa zu kommen. Auf diese Weise haben sie die Möglichkeit, in der Kultur einer offeneren Gesellschaft gemäß ihrem individuellen Wertesystem freier entscheiden, demnach handeln und somit die Qualität ihres Lebens maßgeblich verbessern zu können. Seerwan Faraj kam als Asylbewerber nach Salzburg. Sein Antrag wurde angenommen Übersetzung: Anja Wanger AUSLAND | 9 up


Das gleiche Ereignis, Hören des Albums an zwei verschiedenen Zeitpunkten in einem Leben, gewinnt an Signifikanz durch die Zeitspanne, die es umfasst in seiner Gleichheit, wiewohl nicht Selbigkeit. Doch Erinnern, Reisen zeigen: Es ist möglich nicht nur an gewisse Zeiten zurückzugehen, sondern sich in mehreren Abschnitten zugleich aufzuhalten. Durch die Visualität des Prozesses des Erinnerns und der relativen Simultaneität der Beobachterin mit ihrer Umwelt oder der beobachtenden Umwelt mit dem betrachteten Objekt (siehe CCTV) ist dies für mich real genug. Keinen Augen-

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blick während Camden mich an den Pinzgau, Salzburg mich an ein besseres Exil erinnert, stehe ich still. Weiten schwarzepupilligen Auges durch welches mein Erinnern mit Lichtgeschwindigkeit reist, durch Zeit, Vernunft, Empfindung. Unter mir rollen zu diesem Album, dem Botschafter aus anderem Leben, out of tune, out of key, and out of time, Straßen hinweg gleich Teppichen, welche eine scherzende Entität pan’scher Natur in vertrauter Slapstickmanier Wellen schlagen lässt. Nicht ich bewege mich über die Straßen Hertfordshires und die A40 hinein nach Central London. Vielmehr gleitet die gesamte Welt in relativer Geschwindigkeit zu- und an mir Beobachterin vorbei. Hörte ich zwei Mal hintereinander dasselbe Album, und mäße ich die Zeitintervalle zwischen diesen Malen, so wäre für ein Objekt, welches sich mit ca. Lichtgeschwindigkeit relativ zu mir bewegte,

zwischen den Hörereignissen nahezu keine Zeit vergangen. Hören desselben Albums in Pinzgau und London, zwei Ereignisse welche das Loch in der Mitte erst deutlich machen, das Fehlen dieses Bindegliedes zu in Salzburg verbrachten Zeiten. Jedes musikalisch höherqualitative Album hätte den Zeitraum des Erinnerns markieren können, die Schwelle, das Tor zur Reise welche bereits in der Vergangenheit liegt (oder auch nicht, laut Tenseless Theory of Time). Und es begab sich dennoch, dass es In Utero war. post-1994 Grunge (genauer, 1998-2000). Schulzeit. Herbstzeit. Goldenes Zeitalter. Fallend, fallend, fall in Pinzgau, autumn leaves drift by my window Herbstlich sinken nebelige Auen, Mischwald und Fichtenmonokultur in das Erinnern und steigen wieder auf vor dem geistigen Auge. Wenn Du nie dort warst,


nasse Erlenrinde schmecktest, lauschtest dem Wispern der Anziehungskraft der Erde, wie soll ich Dir erklären dass ich auf nächtlichen Streets of London verharre im Schritt, in den Wind sichere, Platanen- und Sycamorelaubes Ruf und Flug folgend als wäre es wiederum der Erlkönig eines nassen stillen Pfades in der Dämmerung der Pinzgauer Sonnenseite? Zuflucht, Rückgratswachstum, Identitätsbildung; Notwendigkeit. Gründe für lebensqualitätsmindernde Umstände sind derer viele, doch einer findet sich im schönen englischen Wort Geek. Geektum und Grunge gehen Hand in Hand. Geeksein = Berufung. Mindestens ebenso fundamental genetischsozial festgelegt wie sexuelle Orientierungen. Geeks, SchamanInnen des Klassenzimmers, voll wahllosen Wissens aus Grimoiren aller Art, glasigen Blickes und anderen Verständnisses von Unterhaltung als jener welche Geselligkeit voraussetzt. Einzig wahre Apostelinnen der Göttinnen Conversia, Levis 501 (oder skinny jeans) und Strickjacke geben Halt im Geeksein. Mathematik, quälende Präsenz des sadistischen Klassenultimus‘, jähe unerwartete Erleuchtung obstruser adulter Themen,

alles sekundär. Vieles ändert sich, doch der Reif auf den Pinzgauer Feldern des morgens, betrachtet von der Bahnstation Richtung Mittersill hin, azurne Grüße des Zephirs über den gletscherkühlen Höhen, schwarzer süßleerer Nachtraum auf Landstraßen sind überlebensewig in den Sinnen festgebrannt.

lichen Begriffen ist wertungsfrei nicht zu beschreiben, wie weit die gewünschte Distanz sein muss um mich näher bei mir sein zu lassen. Es ist nicht Frage von Schuldzuweisung an die anthropogene oder anthropologische Umgebung. Dennoch, an der österreichischen Landschaft liegt es nicht dass ich

Um irgendeine Ecke des Pinzgaus zu biegen birgt immer die Möglichkeit in sich, jäh dem eigenen Gesicht gegenüber zu stehen, sich tief, furchtlos in die eigenen Augen zu schauen – kein Brunnen da drinnen noch so tief als könnte nicht auf seinen Grund geblickt werden. Fragen werden weder gestellt noch müssen gestellt werden. Doch irgendwann waberte dies Bild und „Eigenheit“ lief in alle Richtungen davon wie nasse Wasserfarbe. Es ziemt mir, als lägen nicht nur Jahresintervalle und der Ärmelkanal zwischen mir in London und dem Pinzgau, Ursprungsort, und Salzburg, Studienort. Mit räumlich-zeit-

glaube nicht die Ressourcen zu haben welche einen beliebigen Punkt soundsovielten Breiten- und Längengrades zu einem Habitat machen. Wir wissen, nicht jede Umgebung lässt einen Organismus sein Potential voll ausschöpfen. Es gilt also, dies Potential bestmöglich zu nutzen, und sei es indem ich mir ein neues Habitat suche.

Und was sonst ist Erfüllung als ebendies, zu tun was niemand sonst könnte auf Grund der eigenen Fähigkeiten? Jedwede AblenAUSLAND | 11 up


kung, tödliche Feindin, bremst, legt sich wie erstickende Umklammerung um meine Brust. Ablenkungen kommen zwangsläufig oft in Form der Mitmenschen daher. Ihre Wünsche, Sorgen, Betrachtungen stellen Doktrinen dar, so selten relevant für das eigene Wohlsein. In eine Zehnmillionen-Stadt zu ziehen lässt Gegenmenschen zur bunt gescheckten Masse verschwimmen, die in London noch dazu tatsächlich beträchtlich höflicher ist als z.B. im ewig grantelnden Salzburg. Viele Ablenkungen florieren zusätzlich ohnehin im eigenen Kopf, diesem summenden Kraftwerk mit seinen willkürlichen, zufälligen Assoziationen, obstrusen und scharfsinnigen Schlüssen. Kurzschlüssen. Wenn wir annehmen dass sich die wahrgenommene Welt in Lichtgeschwindigkeit (Geräusche usw. mit lichtschneller Videospur synchronisiert) zu uns bewegt, so ist die Simultaneität des Hörens von Nirvanaalbum 12 AUSLAND x2 |relativ, im Auge der Betrachterin. Zeit vergeht nicht für alles Leben gleich; es gibt keine einheitliche Zeit. Möglich ist zu sagen das jeweils eigene Stück Raumzeit sei das einzig Reale für das Individuum. Wir haben nicht die Möglichkeit, uns tatsächlich in andere Stücke/Stücke anderer zu begeben...

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Unschuld, Autonomie, Freiheit, Entschlossenheit? Wolken dräuen am Horizont über dem Wildkogel oft in Form des Beziehungshimmels. Ach Mädchen, Buben und Intersexuelle, gebt euch nicht zu früh in unstete Hände. Mit Verlust der Unschuld ist selten Körperliches gemeint. Einmal gefallen, liegen Selbstbewusstsein und Zuversicht gleich Herbstlaubes auf den kalten Wegen, auf denen sich die Welt an uns vorbeibewegt. Die Raumzeit Pinzgau enthält viel raschelndes Laub, und der kleinste Windhauch in Camden wirbelt die Blätter auf den schmalen Wegen zwischen den Zäunen am Rande eines Pinzgauer Dorfes auf. Eigene Waffen werden von anderen gestreckt. Das wichtigste Grundelement von Musik ist die Time. Gerätst Du aus dem Rhythmus, bist Du out of time. Die Harmonie der Raumzeit ist an diesem Punkt erschüttert. Dieser Moment kündet vom Ereignis welches außerhalb der Raumzeit liegt, ein Gruß aus der Dunkelheit, das stille Winken in einer seiner vielen Formen. Da ist eine Postkarte an ei-

ner Wand in einer Wohnung in Camden, ein nebukaddnezar‘scher Fingerzeig aus dem Alpenland, bedeutungsschwanger wie Gryphius, memento amori. Fern von Grunge und der Heilsamkeit des Blues finden wir uns somit in wieder. Hier eilt der Radelweg neben der Salzach von Süd nach Bergheim meist unter regennassen Fahrradrädern hinweg, statt unter dem leisen Schritt eines der Gravitation lauschenden Kindes, oder auch anstatt gefährlich nah dem Regent’s Canal welcher London von Norden her nach Osten durchzieht. Schlecht bereitet das en passant im Oberschultum angehäufte Wissen auf akademisches Schreiben und Denken vor, das empfindliche Geekego wir durch unerwartete Schwierigkeiten beleidigt, und stiehlt sich beschämt davon.

Das Wissen definiert immerhin was sie ist, nimm ihr die Gewissheit zu wissen, nimm ihre Seele, nimm jede Möglichkeit auf Erfüllung, denn woher soll sie wissen wo diese zu suchen wäre?


Doch in bestimmten ehernen Zeitaltern des Körpers ist derlei Verlust zeitweilig zu verschmerzen. Urlaub vom einseitig empfundenen Überschwang an Geistigkeit! Bald wird der Urlaub zum Laster, Freiheit zu Trägheit, herausfordernde Tätigkeit mit ausweichenden Taktiken gekontert. Im Nu ist der Intellekt zum lästigen Anhängsel geworden. Wein, Weib, Gesang! Es war, über allen Wipfeln, als hätt‘ das Hirn gefragt, wo nehm ich, wenn es Winter ist, die Blumen? Doch kaum ein Hauch der wirklich zu hören ward … In sieben Jahren ist es möglich um so recht jede Ecke in Salzburg einmal zu biegen. Kein einziges Mal war da das Gesicht, das wahrvertraute, ward da Gedenken gehalten der Brille und Zahnspange und Träume von Entdeckerinnentum als mehr als eines dunklen Fleckes in der eigenen Vergangenheit. Kein einziges Mal ward erheiternd anti-harmoniegelehrter Grunge gehört, ja, er geriet vollends in Vergessenheit. Nebel an den Hängen des Gaisberges. So oft ist Salzburg Warten, warten auf ein Ende der Bissigkeit ihrer Bevölkernden, den eigenen Erfolg der sich nicht definieren lassen

noch gar einstellen will, auf Nachlassen der Frustration bei Tätigkeiten die doch Freude bereiten sollten - Freilandbiologie! Musik! Nachtleben! Doch nein, kein Adrenalinschub mehr. Kein Lohn aus dem Belohnungszentrum. - Warten auf die Schöne Dunkle Fremde, auf Aufregung statt sie zu verursachen, auf adventsingliche Erlösung vom nichtartistischen Sein, auf ein gehaltvolles Wort zum Tag. Warten auf Ende des Alkohols und Beginn von Konversation, auf Sinn der eigenen Aussage und Sprachlosigkeit. Warten auf Ende zyklischer Unglücklichkeit mit wechselnden Akteurinnen.

The search for pleasure is circular, repetitive, atemporal. […] It is not a journey and return, but a closed cycle, a locked room, a cell.

Und dann dies andere: Unter den Silhouetten schlanker um mich buhlender Buchenstämme Salzburger Voralpenwälder, astlos bis weit hinauf über die Reichweite, gleichgültig glatt, darüber rot von Herbst, steht ein tieferer Schatten, mit dem Rücken zu mir, und er winkt aus dem AUSLAND | 13 up


stillen Dunkel. Rot rinnt aus meinen Füßen in den Boden. Ich schauere, in einem Rinnsal stehend, irgendwo in Hertfordshire, wo ich einem Freund beim Fangen von Objekten für biologische Untersuchungen helfe, ich schauere im Bachbett in der einfallenden Dämmerung während ich das Sediment durchtaste nach Fischen und Krebsen, und rote Bucheckern in meine Hand fallen. Kalt ist es an diesem Abend, nicht für mich der freundliche Duft von nasser frischer Seneszenz. Das Wasser stinkt nach bereits verwendeten Tensiden, zu trüb und seicht für ein Spiegelbild, ein ernster Schatten blickt aus ihm zurück.

Sie zucken kaltkläglich in meinen Händen. Nahvergangene Ereignisse werden unklarer beurteilt als Ereignisse in größerer Distanz. Trüb wie Reflexionen in sedimentreichen Strömen. Doch entbehrt die zeitlich nahe (gehen wir von Tensed Time aus) Mozartstadt bei aller barocker Pracht scheinbar das Carpe diem. Zu leise pochte das Jetzt, zu wirklich sind Asch und Bein.

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Und dennoch, was ist eine spacetime, wenn nicht die Gesichter in ihr. Was ist ein Auszug, um das eigene Glück zu finden, wenn nicht ein vertrauensvolles Erinnern an ein Glück das irgendwann einmal gehabt, nämlich im post-Grunge meines eigenen Daseins. Was ist es, dass einen Geek veranlasst sich selbst inmitten der Fremde wieder zu finden?

Bekanntermaßen sind Abkürzungen meist verkleidete Umwege, länger als die Hauptstraße. Raumzeit ist voll von Umwegen, weil voll von der Wahrnehmung anderer Menschen, ihren Mitteilungen darüber und der eigenen Verblendung. Was ist Zugehörigkeit, wenn nicht über Distanz hinweg und nicht auch in der Fremde möglich? London wäre nicht möglich ohne Salzburg, und viel Gutes ist mir begegnet in menschlicher Gestalt daselbst. Doch nie ich mir. Nicht, weil es Salzburg ist, welches viel zu wenig für seine erfolgreichen Töchter tut

und tat, auf Schultern erzbistümlichen Konservativismus ruhend seit jener Zeit als es noch Juvavum war. Nicht, weil sich nicht genug Mühe gegeben und nicht alles versucht worden wäre; nicht, weil alles so furchtbar dort ist. Sondern weil das Integre des Geek abzulegen für nötig befunden ward damit ich irgendwohin und zu irgendwem einmal passen würde. In London hineinzupassen ist unmöglich, weil hier keine hineinpasst. Herzschmerz dauert hier auch nur etwa so lang wie die Realisierung dass Monogamie und konventionelle händchenhaltende Zweierbeziehung, beim nächsten Mal, nichts ist das ausgemerzt gehört nur weil gewisse neu-68er queerer, post-feministischer, dekonstruktivistischer Geisteshaltung das für sich so entschieden haben, auf der Insel wie auf dem Kontinent.

und zu entscheiden was sie gut findet, hier, in einer Stadt welche mehr Einwohnende umfasst als Pinzgau, Salzburg und Österreich zusammen. Es sind immer noch dieselben


Sachen. Zynischer ist sie geworden. Sie hat immer noch schwere Versagens-Ängste auf allen Linien. Aber seltener, und öfter wieder in Form von Ehrgeiz. Bald wird sie in ihrer eigenen Existenz erneut die beides spacetimes aufsuchen die sie hierher vor ihr eigenes Gesicht gebracht haben. Sie freut sich auf den Pinzgau, sie hat Unwillen, wie immer, bei dem Gedanken an die arme Mozartstadt. Aber sie erinnert sich auch, dass sie einmal großen Unwillen bei dem Gedanken daran empfand, in den Pinzgau von Salzburg aus zurückzufahren. Es sind und sind nicht die Menschen die uns fernhalten. Nicht und doch gerade die Zurückweisung durch sie, nicht und dennoch bestimmt ihr Verlust. Es ist jedenfalls die Bedeutung welche wir unserem eigenen Scheitern beimessen. Es ist die Aussicht auf andere Optionen, welche uns hilft, es nicht mehr Scheitern zu nennen. Ich war sechzehn als ich zum ersten Mal Alpenland mit Inselweltstadt vertauscht, in einem anderen Slice Raumzeit. Und wiewohl auch das wieder etwas Zyklisches hat, scheine ich doch nun in gewissem Sinne zurückgekehrt zu sein, jetzt, an beide Orte. Aber nicht mehr an dieselbe Stelle.

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[Siedel3ei]


Episode I: Von Oben kommt nichts Gutes

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ie war Siedeln so einfach wie in Spanien. Alles, was ich hatte, passte in meinen alten verbeulten Tramperrucksack. Laura, eine sympathische blondhaarige Engländerin, und ich hatten soeben beschlossen, aus unserer bisherigen Bleibe, einer deutsch-englisch-sprachigen Erasmusunterkunft, auszuziehen, schließlich wollten wir das „richtige, ungezähmte“ Spanien kennenlernen, und: Wir befanden uns am besten Weg dorthin. Ariel, ein argentinischer Junge, den ich auf einer Demo kennengelernt hatte, hatte uns die WG vermittelt, in die wir jetzt mit Sack und Pack stapften. Die Vermieterin schien durchaus nett zu sein, auch wenn wir freilich nicht viel von ihrem nicht enden wollenden Redefluss verstanden. In bar, weil sich das Konto aus steuerrechtlichen Gründen unter Spaniens VermieterInnen noch nicht durchgesetzt hat, drückten wir ihr die jeweils 30.000 Peseten Kaution (ca. 240 €) in die Hand, und waren sie los … vorerst. Das erste Abendessen auf unserer weitläufigen Terrasse fiel reich aus, so ließ es sich leben! Weil der Abend so wunderschön lau war, ließen wir kurz vor Mitternacht die Teller Teller sein und stürzten uns ins Nachtleben Málagas. Im Morgengrauen streunten wir, beschwingt von „tinto verano“ (Rotwein mit Fanta) und „calimocho“ (Cola rot) heim und ... fanden am Esstisch zwischen Gläsern und Töpfen einen Brief, unterzeichnet von: unserer Vermieterin - Nüchternheit kann sich so schnell einstellen! Da saßen wir nun und steckten unsere Köp-

fe über dem Langenscheidt zusammen „Bitte Geschirr gleich nach dem Essen abwaschen und verräumen“ stand da geschrieben, dabei hatten wir mehrere tausend Kilometer zurückgelegt, um derlei Einmischungen in unsere Autonomie zu entkommen! Wir waren empört, aber nicht kleinzukriegen, noch nicht: Ein paar Wochen später befanden wir uns wieder einmal in der Dämmerung auf dem Nachhauseweg. Wie so oft waren wir in philosophische Auseinandersetzungen vertieft, als uns ein entsetzlich lautes Krachen herumfahren ließ. Dort, wo wir soeben noch gestanden hatten, lag nun ein großer, schwerer, lederner, doppelsitziger MOTORRADSITZ. Unwillkürlich blickten wir nach oben und schauten einer fies grinsenden, bierbäuchigen Fratze entgegen, die sich im fünften Stock über das Balkongeländer lehnte und uns entgegengeiferte: „Rubia fuera del barrio!“ – „Blonde raus aus unserem Viertel“. Laut fluchend sahen wir zu, dass wir Meter gewannen und beschlossen noch in dieser Nacht, uns ein anderes Zuhause zu suchen. Weder die 60.000 Peseten, die nun beim Teufel waren, noch eine zuerst schimpfende, dann jammernde und schließlich herzzerreißend „Ihr wart wie meine Töchter“-weinende Vermieterin konnte uns davon abbringen. Viel später erfuhren wir von spanischen Freunden, dass das Viertel, in dem wir damals wohnten, als eines der gefährlichsten Málagas gilt. Málaga wiederum ist die Stadt Spaniens, mit der zweithöchsten Kriminalitätsrate. Übertroffen wird sie nur von La Palma. AUSLAND | 17 up


Episode II: Alte Freunde

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as hat man also davon, wenn man sich mit Leuten herumtreibt, die um zehn Jahre und mehr älter sind als man selbst. Jürgen zum Beispiel wirkt auf den ersten Blick wie ein genügsamer und unkomplizierter Zeitgenosse, aber, wie schon meine Großmutter wusste, sind stille Wasser bekanntlich tief, doch dazu später. Oft sind es ja die Hobbys, die einen Menschen erst zu dem machen, was er ist. Bei Jürgen kann man man getrost von drei Leidenschaften sprechen, die in seiner Brust schlummern: die Musik, das Fahrradfahren und die Tischlerei. Letztere war wohl maßgeblich dafür verantwortlich, dass Jürgen damals, ausgerechnet als er aus dem Haus seiner Exfrau auszuziehen plante, von einem ausgewachsenen Bandscheibenvorfall heimgesucht wurde, und das meine ich mit den Tücken älterer Freunde, denn: „Wozu sind Freunde denn da“ und „Klar helfen wir dir beim Siedeln, ist ja gar kein Thema“, war schnell gesagt. Also rückten wir an: Meine Schwester und ich und mein damaliger Freund, gesegnet mit der Zuversicht der Unwissenden, weil du kennst einen Menschen erst, wenn du mit ihm gesiedelt hast. Jürgens drei Leidenschaften leben nicht nur in seinem Herzen, sondern belegten auch ganze Garagen und Lagerhallenteile, die uns aus unerfindlichen Gründen in seinem schmucken Garten bis dato verborgen geblieben waren. Da türmten sich Mischpulte aus den unterschiedlichsten Musik-Dekaden, Verstärkerteile, mit

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denen schon die Sex Pistols gespielt hatten, echte MichelangeloSchnitzeisensätze und kistenweise chronologisch sortierte Fahrradzeitschriften, beginnend mit dem Jahr der Erfindung des Rades. Dazwischen tummelte sich so profanes Zeux wie Kleidung, Möbel und Geschirr. Jürgen, auf allen Vieren kriechend (wegen der Bandscheiben), bemühte sich indess, uns geschickt zwischen den Stapeln herumzudirigieren und die Haufen einem ganz bestimmten Zusammenhang folgend den noch leeren Kartonschachteln entgegenzuschieben. Das Prinzip dahinter blieb uns Normalsterblichen zwar verborgen, doch das machte nichts, glänzten wir doch mit unserer Muskelkraft. An diesem Nachmittag leisteten wir schier unbegreifliches, ich weiß nicht mehr, wie wir das Mischpult, das in seiner Größe eher einem Schiffswrack als einem Musikzubehör glich, die enge Wendeltreppe heil (und damit meine ich uns) hinunterbugsierten, ich weiß auch nicht mehr, wieviele hundert Male wir die noch lauter ächzende Treppe rauf und runter liefen, ich weiß nur, dass sich irgendwann die Schiebetür des Toyota-Supercarrys hinter der letzten Ladung schloss und: bestimmt wachsen Freundschaften an nahtranszendentalen Erfahrungen! Ach übrigens, derzeit ist Jürgen wieder Mal auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Fleißige HelferInnen können sich aber schon jetzt gerne melden, ich bin ausgerechnet diese Tage leider auf Urlaub.


Episode iII: Alter Kasten

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igentlich stand der dunkle Vollholzkasten mit den Glasfenstern in den beiden Türen über Jahre lang unbemerkt in unserem Hobbyraum, barg Isomatten, Zelte, Schlafsäcke und Luftmatratzen in seinem Inneren und fristete ein unbewegtes Dasein. Lang vorbei schienen die Tage, als er als Spielekasten im Kinderzimmer meines Vaters noch Teil des familiären Trubel war, Tag ein Tag aus Tür auf, „Mensch ärgere dich nicht“ rein, „Fang den Hut“ raus, Fenster kaputt, neues rein... und immer so fort. Aber irgendwann waren die Kinder groß und als meine Eltern in das Großelternhaus zogen, da leisteten sie sich farblich abgestimmt zum Jahrzehnt eine schicke Wohnlandschaft mit dunklem Furnier und sattgrünen Frotteepölstern. Unser Kasten landete indes zwischen Marmeladengläsern und Bügelwäsche im Keller. Spinnweben verhingen sein Schloss und wahrscheinlich wäre das auch so geblieben, wäre ich nicht an jenem Morgen in den Keller gestapft, um ein frisches Glas Kirschenkompott nach oben zu holen. Unwillkürlich hielt ich vor dem massiven Stück inne: Das dunkle Holz, die geraden Formen, die schlichte Eleganz und die durch Einfachheit bestechende Schönheit sollten auf keinen Fall in meinem ersten eigenen WG-Zimmer fehlen. Gedacht, getan, ich beschloss, dem massiven Stück seinen zweiten Frühling zu bescheren, eine Entscheidung mit Konsequenzen für meinen gesamten (männlichen) Freundes und Ex-Freundekreis. In den letzten neun Jahren habe ich fünfmal die Wohnung gewechselt, einmal direkt ins Parterre, einmal in den vierten Stock, zweimal

in den zweiten. Zwei Wohnungen verfügten über einen eigenen Lift, keiner der Lifte war jedoch groß genug für meinen Kasten. Wenn der Tag des Siedelns näher rückte, pflegte ich, die schweren Regalbretter aus dem Kasten zu nehmen, die Türen zu verschließen und mit Gaffa zu fixieren. Wenn dann meine drei vier Helfer(innen) anrückten und den Kasten zum ersten Mal kurz anhoben, setzen sie ihn mit einem lauten Ächzen sofort wieder ab und versichern sich mit einem ungläubigen Blick durch die Glasfenster davon, ob ich auch wirklich alle Bücher, Goldbarren und Steinsammlungen ausgeräumt habe. Danach ging es dann ächzend und stöhnend durch die meist viel zu engen Türöffnungen hindurch los: „Nicht so schnell!“, „Moment, Momeeeeent!“, 45 bequeme Stufen hinauf in der Fischer von Erlachstraße, „Warte, heb an, weiter links, Vorsicht“, 23 glipprige Treppen hinunter in Grödig, „Die Ecke oben, drehen, drehen, ein bisschen runter“, einen teuflisch engen Gang entlang in der Tiefenbachhofstraße. Irgendwo auf halbem Wege, meistens genau dann, wenn sich die wankenden Kastenträger nahe einem Schwächeanfall in einer besonders engen Stelle verkeilt hatten, genau dort, ausgerechnet dort, wo die Krümmung des Stiegenaufgangs am stärksten war, pflegte sich dann mit einem liebevollen Sssst meine Gaffakonstruktion zu lösen und die Türen knallten mit einem lauten Klirrrrr gegen das schmiedeeiserne Geländer. Die dünne Rückenwand des Kastens wölbte sich verdächtig weit nach außen – Christian (der bei jeder einzelnen Siedelaktion dabei war) entfuhr dann ein zwischen Bangen AUSLAND | 19 up


und Hoffen liegendes „Wenn die Rückenwand jetzt rauskippt, kracht uns das ganze Trumm zusammen!“ Aber der Kasten hielt – und irgendwie, mit Schrammen und Schieben, ging es immer noch weiter. „Hebt ihr eigentlich oder trag ich alles allein?“, noch eine letzte Kurve bis zum obersten Etage in der Priesterhausgasse, „Achtung, nicht kippen, halt!“, endlich unten angekommen, Eine Spur zu grob hievten sie das Mobiliar auf den Dachträger des Autos und zurrten es mit Gurten fest. Mein Vater trat eine Spur zu ruckartig für sein Temperament in Gas und Bremse, doch wenn wir in meiner neuen Straße ankamen, dann war der Kasten noch immer intakt. Seufzend wechselten die Jungs und mein Vater schnelle Blicke. Ich rückte den Kasten nahe ans Fenster, sodass die goldenen Sonnenstrahlen die durchs Fenster fielem einen schönen Kontrast mit der dunklen Beize des alten Holzes ergaben. „Danke Leute“, sagte ich, „Gern geschehen“, logen sie Veronika Weis

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Foto: Sarah Spenglingwimmer

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m 28. November fuhr ich mit dem Auto vom Stadtteil Lehen in Richtung Hauptbahnhof. Vor mir her fuhr ein Traktor mit großem Anhänger, geladen hatte er eine Gruppe Krampusse. Die jungen Männer, offensichtlich schwer betrunken, waren mit Fell bekleidet, nur ihre Larven trugen sie nicht. Sie begrüßten mich freundlich durch die Windschutzscheibe und forderten mich auf, ihre Begrüßung mit einem Hupen zu erwidern. Zunächst noch amüsiert über die ungewöhnliche Situation mitten am Nachmittag, kam ich diesem Wunsch nach. Was sich aber kurze Zeit später ereignete, machte mich fassungslos. Auf Höhe der Kreuzung Ignaz-Harrer Straße/Rudolf-Biebl-Straße fuhren wir an einer Familie vorbei, welche die „pelzigen Männer“ von ihrem Wagen aus rasch als AusländerInnen ausmachen konnten: In voller Lautstärke begannen sie nun, unseren MitbürgerInnen Sprüche wie „Zick-zack-Zigeunerpack“ oder „Ausländer raus“ entgegenzuskandieren und mit „Scheiß Ausländer“ und „Wir kriegen euch alle“ zu beschimpfen und zu bedrohen. Doch es blieb nicht bei diesem einmaligen Ausbruch, was schlimm genug gewesen wäre. Das erbärmliche und menschenunwürdige Schauspiel setzte sich Meter für Meter weiter fort. Der

ausländerfeindliche Mob machte vor niemandem halt, weder vor Familien mit Kindern, noch vor Jugendlichen und alten Menschen. Immer wieder kam es zu rassistischen Beleidigungen, erst beim Elmokino hatte ich die Möglichkeit, den Wagen zu überholen. Leider war an dem Traktor weder ein erkennbares Nummernschild noch sonst ein Zeichen zu erkennen, das Aufschluss über die Herkunft der hetzerischen Krampusse hätte geben können. Ich war mit der Situation, die sich mir hier darbot derart überfordert, dass ich mich nicht in der Lage sah, weitere wichtige Schritte zu setzen. Ich bin Österreicher, habe einen Hauptschul- und Lehrabschluss und lebe seit meiner Geburt in Lehen. Bis zu diesem Ereignis habe ich mich noch nie so sehr für meine Herkunft geschämt, dafür, Österreicher zu sein. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, in einem „multikulturellen“ Stadtteil zu wohnen. Ich werde von meinen Mitmenschen mit „Migrationshintergrund“ weder angepöbelt noch zusammengeschlagen, sie sind meine FreundInnen, ehemalige SchulkollegInnen, NachbarInnen und ArbeitskollegInnen. So erlebe ich hier alltäglich die Realität ,und nicht so, wie sie die rassistischen Hetzer in unserer Gesellschaft gerne an die Wand malen. Felix Pöchhacker

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Das A-PfMA und die MI.AR im theoretischen sowie im praktischen Kampf für

„Die vollständige Freiheit der Kunst“

– Der globale Kunstkomplex – „Das Bewusstsein einer gesellschaftlichen Dauerkrise“

„Die vollständige Freiheit der Kunst“ sieht sich in der gegenwärtigen Epoche des globalen Kapitalismus, des demokratischen wie des faschistischen, in ihrem Recht die inneren Bedürfnisse der Menschen auszudrücken bedroht.“

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AUFRUF ZUM WIDERSTAND – Unsere Sicht der Dinge – ARTIST „Platform for Modern Art“ Ich, Daniel M. Toporis, richte diesen Aufruf an alle Künstler und alle Linken, die bereit sind, sich an der Revolution für „Die vollständige Freiheit der Kunst“ zu beteiligen! Ich fordern jeden Freund und Verteidiger der Vision für die vollständige Freiheit der Kunst, der diesen Aufruf mit mir für notwendig hält, dringend auf, sich mit mir Gehör zu verschaffen!

MILITANT ARTISTS Wir schließen uns dieser Vision mit aller Kraft als Verteidiger an und wir werden die, die sich gegen die vollständige Freiheit der Kunst stellen, in ihre braunen Sümpfe zurücktreiben aus denen sie gekrochen kamen! Das A-PfMA und die MI.AR im theoretischen sowie im praktischen Kampf für „Die vollständige Freiheit der Kunst“ – Der globale Kunstkomplex – A-PfMA (ARTIST „Platform for Modern Art“) MI.AR (Militant Artists)

„Selbstorganisierter Widerstand! - Um die „Geiselnahme“ der Kunst durch den Globalen Kapitalistischen Faschismus zu stoppen.“ „Kunst liefert keine Lösungen. Im besten Fall kann sie Prozesse in Gang bringen. Es Zeit, für etwas Neues aufzustehen und mit allen Konsequenzen eine gesellschaftliche Alternative zu gestalten.“ – Daniel M. Toporis Das A-PfMA macht deutlich, dass eine politische Theorie der Künste überfällig ist. In der Bewegungen der MI.AR finden sich erste Ansätze einer praktischen Umsetzung, der theoretischen Arbeit der A-PfMA. Die MI.AR stellen das entscheidende Rückgrat und die führende soziale Kraft des A-PfMA gegen den Globalen Kapitalistischen Faschismus dar. Das A-PfMA ist eine Plattform für experimentelle Kunst aus den unterschiedlichsten Bereichen, ein Freiraum, der den Austausch zwischen Künstlerinnen untereinander und einem interessierten Publikum ermöglicht. Die Komplexität und Relativität unserer Wahrnehmungen ist eine Herausforderung an Kunst- und Kulturschaffende. Das A-PfMA versinnbildlicht das menschliche Potenzial, ein derartig buntes Spektrum an unterschiedlichen Ausdrucksformen in gleichberechtigter Zusammenarbeit zu präsentieren. Die MI.AR haben sich der Kunst verschrieben und treten für ihre Befreiung vehement ein. Bewusst kämpfen die MI.AR in der Öffentlichkeit, um die Arbeit des A-PfMA sichtbar und wirksam werden zu lassen. ARTIST-MANIFEST | 23 up


Die Aktionen der MI.AR sind nicht als Kunst, sondern als Form des Protests konzipiert! Denn Kunst die gesellschaftlichen Sanktionen unterliegt, ist ethisch akzeptabel. Die MI.AR verstehen sich als Kunstguerrilla, die sich dem Schatten der Vergangenheit so oft wie möglich und so energisch wie möglich entgegen stellen. Es geht darum den Umgang mit Kunst, in einem Land kenntlich zu machen, in dem der Schatten der Vergangenheit so tief hängt wie der Horizont. „Kritik muss immer möglich sein.“ – Daraus formiert sich der Widerstand der MI.AR Der Mangel authentischer Argumente und rechtskonservatives Denken seitens der Politik, begründet schließlich die Notwendigkeit der MI.AR und ihre unsensiblen politischen Kunstaktionen. MI.AR zu sein ist mehr als nur ein Mittel zu politischen Inszenierung – Es ist die Verschiebung des Rollenmodells Künstler/Künstlerin hin zum Aktivist zur Aktivistin. Die MI.AR vertreten in ihren Prinzipien eine deutliche Abgrenzung zur künstlerischen Norm sowie die Bereitschaft zu einem vehementen Widerstand gegen das politische Kulturleitbild. Denn Freie Kunst kann gar nicht anders als revolutionär sein und einen völligen und radikalen Neuaufbau der Gesellschaft anstreben. Diese

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Richtungsangaben werden, von den MI.AR, gezielt dazu eingesetzt, um einen Bruch mit der künstlerischen Norm und ihren etablierten Durchführungsarten zu erzielen, statt sie sich von einem politischen Kulturleitbild diktieren zu lassen. Das A-PfMA ist, in seiner theoretischen Arbeit, als Raum für Kritik konzipiert, den die MI.AR als „Kunstfeld“ nützen, um kritische Reflexionen über Fragen der globalen Kunst und ihre Beziehung zur Realität und der Auseinandersetzung zwischen Globalität und Lokalität entstehen zulassen. Es geht somit um Kunst, die nicht fernab gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse und Veränderungen steht, sondern sich als deren Bestandteil begreift. In Folge ist der entstehende Mehrwert gesellschaftlich, kulturell, als auch ökonomisch. Ein Schwerpunkt in der Arbeit des A-PfMA ist das Fördern der Kreativität von Menschen und ihnen, durch die damit verbundene Bewusstseinsbildung, zu ermöglichen, ihren Ursprung und ihre Aufgaben zu erkennen und dadurch ein Verständnis für die Einzigartigkeit eines jeden Menschen zu erlangen. Sowie durch die Kooperation unterschiedlicher Kunstsparten eine kreative Inszenierung einer gesamten Realität zu schaffen. Denn Kunst ist die Lebensäußerung des Menschen in all seinen Lebenszügen. Sie ist die dem Menschen eigene Art, Wirklichkeit zu erfassen und die dabei gewonnenen Erfahrungen und Hoffnungen zum Ausdruck zu bringen. Die Kunst ist Selbstwerdung des Men-


schen in kreativer Tätigkeit. Daher liegen in ihr die humanen Quellen für die Entwicklung des Menschen, für sein Leben und sein Zusammenleben mit anderen. Die Kultur kommt also von den Menschen und aus der Gesellschaft. Die Gefahr für „Die vollständige Freiheit der Kunst“ ist es, durch den Kapitalismus diktiert und vermarktet zu werden, denn:

Im Fadenkreuz der MI.AR „Schluss mit Faschistischer Kunst im Öffentlichen Raum!“ Die Auswirkungen des globalen Kapitalismus, des demokratischen wie des faschistischen, auf das politische und gesellschaftspolitische Leben sind allgegenwärtig.

Der Kapitalismus untergräbt die Kritik der Kunst!

Die MI.AR fordern die sofortige Entfernung Global Kapitalistischer und Faschistischer Kunst im Öffentlichen Raum: „Diese Kunst sollte schnell und spurlos abgebaut und verschrottet werden!“

„Die vollständige Freiheit der Kunst“ bedarf besonderen Schutzes, weil sie stets auch den Widerspruch zum Bestehenden formuliert und Anstöße erzeugt und damit manchmal anstößig ist.

„Kunst darf nicht von ihrer Vergangenheit getrennt werden.“

Dafür braucht „Die vollständige Freiheit der Kunst“ Freiräume!

Kritik an der politischen Ästhetik Das Bewusstsein einer künstlerischen und gesellschaftlichen Dauerkrise Die ungeheuren Kräfte einer entfesselten kapitalistischen Weltwirtschaft zerstören zunehmend die Fundamente freier Kunst! Angewandt auf die Vollständige Freiheit der Kunst bedeutet das, sich gegen jene ethisch vertretbare Kunst zu stellen, die Faschismus zur Meinung und nicht zum Verbrechen macht.

Somit kann Kunst, die z.B. in der Epoche völkischer Politik im Nationalsozialismus entstanden ist nicht hochwertig und ästhetisch positiv sein. Die MI.AR werden ihren Teil dazu beizutragen, den diesen unerträglichen Verhältnissen zu Leibe zu rücken. „Die MI.AR werden unmittelbar zur Durchsetzung der Interessen des ARTIST tätig.“ Der globale Kapitalismus versucht immer mehr auf die antikommerziellen Kunstorte, die sich nicht um Marktkriterien und verwöhnte Sammlergeldbörsen kümmern, Einfluss zu nehmen. Die Straße ist, war und soll das einzig wirkliche freie Medium für die Kunst bleiben. Die MI.AR werden jeden KommerzialisierungsverARTIST-MANIFEST | 25 up


such durch den globalen Kapitalismus in diesem Experimentierfeld vehement stören. Die Waffe der MI.AR gegen den Globalen Kapitalistischen Faschismus ist politisch motivierte Kunst. Alle direkten Aktionen der MI.AR müssen als politische Kritik der Kunst gesehen werden. Der öffentliche Raum ist, in einem gewissen Sinn, die räumliche Zone des A-PfMA. Es geht somit nicht um Eingriffe außerhalb kunsttypischer Präsentationsräume, sondern darum, einen Prozess in Gang zu setzen, der den öffentlichen Raum zum Medium für die Auseinandersetzung mit der öffentlichen Wahrnehmung macht. Die MI.AR konzentrieren ihre direkten Aktionen auf jede im öffentlichen Raum zu findende Globale-, Kapitalistische- und/oder Faschistische Kunst. Diese Auseinandersetzung im „Kunstfeld“ - your Art vs. our Art - wird durch ihre Aktionen kritisch kommentiert, um einen Impuls frei zusetzen, für die Idee von freien Flächen, für eine Selbstverwirklichung der Individuen und politischen Teilhabe, jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik. Als Hoffnung für die echte Freiheit der Kunst, für antikommerzielle Kunstorte und echten Emotionen, hier und weltweit für den aufrechten Gang des Menschen. Erst ein zweiter Entwicklungsschritt löst sich von der Ausgangsthematik. Diese Weiterentwicklung beginnt genau an dem Punkt, wo ein auf die Grundthematik bezogener künstlerischer Ansatz nachhaltiges Denken und Agieren erforderlich macht.

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Der öffentliche Raum wird als Medium für ein kollektives Interpretationsschema in einen neuen Kontext gesetzt. Die Gesellschaft wird dadurch aufgefordert, ein Statement zu „Die vollständige Freiheit der Kunst“ abzugeben. Die daraus resultierende Wechselwirkung steht in enger Beziehung zur Entwicklung der Kunst von morgen. Der inhaltliche Ansatz ist somit kulturell und trägt dadurch zur gesellschaftlichen Wirklichkeit und zum Alltag bei. Kleine und auch größere Schritte sind auf dem Weg zur vollständigen Freiheit der Kunst notwendig. Müsste man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, so bliebe wohl nur das Experiment, das nötig ist sich den theoretischen sowie den praktischen Kampf, für die Vision - „Die vollständige Freiheit der Kunst“ -, anzuschließen. Das letztendliche Ziel, des ARTIST „Platform for Modern Art“, ist es eine Art ständiges Labor für die Neuerfindung der „Freiheit der Kunst“ zu sein. Die MILITANT ARTISTS werden dieser Vision mit aller Kraft als Verteidiger zur Seite stehen. Entwicklungsmanifest: „Die vollständige Freiheit der Kunst“ – Der globale Kunstkomplex – „Das Bewusstsein einer gesellschaftlichen Dauerkrise“ Stand 2009


V Das Pissoir oder die kunsthistorisch wertvollsten Errungenschaften der Moderne

Foto: Julia Fink

eränderung! Das wär’s! Weg mit dem Pissoir! Kampf dem internationalen Pissoir! Pissoirs, ich liebe sie genauso sehr, wie ich sie hasse, ebenbürtig, so als ob ich eine polyamoröse Beziehung zu ihnen hätte. Das Pissoir, der kleine heile Teil im Leben eines Mannes, der noch echte, unzivilisatorische Männlichkeit zulässt … daran wird’s wohl liegen. Da streckt schon mal jemand gern seinen Penis so demonstrativ aus der Hose, schau mal was für einen großen Schwanz ich habe, da beginnt und herrscht dann schon mal seit langem das Patriarchat – verdammt ich werd katholisch! Und ich werd älter und die Idee des Pissoirs mit mir. So stell ich mich neben andere pissende Männer vor einen Porzellantrog und beobachte einmal vordergründig das, was ich da eigentlich so mache: könnt ja was danebenspritzen, etwas drinnen liegen, das irgendwie Interesse erweckt, das einen davon abhält, das alles für ziemlich doof zu halten! Üblicherweise und in vielen erdumspannenden Kulturen praktiziert und pflegt der Homo sapiens aus Porzellantellern zu speisen. Dieselben Kulturen jedoch erweitern die Begrifflichkeit des Porzellans auf wundersame Weise, sogar ausschließlich eigens für deren männliche Bevölkerung. Und dann heißt es plötzlich stehen müssen, stramm wie beim Militär. Imperialismus pur! Manipulation! Das ist der Untergang dieser Hochkultur. Da setze ich mich lieber wieder hin!  Gerd Pardeller CESSO – die klolumn | 27 Rubrik | 27

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MARK.freizeit.kultur

MARK-radio

das offene haus für jugendkultur in salzburg

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Jeden Mittwoch, von 20 bis 21 Uhr, haben radiobegeisterte Menschen die Chance über jugendrelevante Themen in der MARK-Radio Sendung auf der Radiofabrik (107,5 & 97,3 MHz) zu sprechen.

AKTUELLER STAND

Das MARK.freizeit.kultur bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen Freiräume zur alternativen und sinnvollen Freizeitgestaltung. Nachdem der Standort in Aigen 2007 einem Autohaus weichen musste und nach über zweijähriger Suche und Kampf für eine neue Location ist diese im November 2009 endlich gefunden und bezogen worden. Stadt und Land Salzburg haben sich bereit erklärt den neuen Standort in der Hannakstraße 17 zu unterstützen so, dass wir jetzt dabei sind die Räumlichkeiten zu adaptieren und im Herbst 2010 den offenen Betrieb wieder aufnehmen können. Im neuen MARK.freizeit.kultur in der Hannakstraße entstehen Probe- und Seminarräume, ein multifunktionaler Veranstaltungsraum, ein gemütliches Café ohne Konsumzwang und vieles mehr. Das Haus ist offen für Projekte, Veranstaltungen und Ideen jeglicher Art. Das MARK-Team freut sich auf euren Besuch und eure Aktivitäten im MARK.freizeit.kultur!

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Lebensweisheiten, die lustigsten Geschenk­ ideen, störende Nachbarn, vergangene Beziehungen, Veranstaltungen – in der Sendung gibt es keine Grenzen für Ideen. Falls du Interesse daran hast, ebenfalls einmal eine Sendung zu gestalten (auch wenn du keine technischen Vorkenntnisse besitzt), oder einfach nur mitzugehen und dir einen Eindruck zu verschaffen, dann melde dich per E-Mail an office@marksalzburg.com oder unter der Telefonnummer 0662 84 99 21. Weitere Infos unter www.radiofabrik.at


Wir lesen uns die Münder wund ein wettbewerb

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Das Projekt „Wir lesen uns die Münder wund – ein Wettbewerb“ geht in die zweite Runde. Es zielt drauf ab, nicht etablierten und nicht kommerziell publizierten AutorInnen die Möglichkeit zu geben, ihr Können in freundlichem Rahmen und vor Publikum mit anderen zu messen. Die jungen/jung gebliebenen AutorInnen werden mit einem Preisgeld bzw. einer Publikation gefördert. Gewinnen wird, was gefällt, denn in den Vorrunden wird ausschließlich das Publikum den besten Leser/die beste Leserin küren. Beim Finale entscheidet dann eine unabhängige Jury, wer die Publikation gewinnt.

Mi 26. Mai // 19.30 Uhr auf der GesWi HS380 Eintritt frei Film 1: Inkognito Film 2: Suzie Washington Podiumsdiskussion mit Regisseur Florian Flicker, Reinhard Heinisch, Birgit Breninger und Andrea Amentisch.

VORRUNDEN Mi 05. / 12. / 19. Mai Künstlerhaus Freier Eintritt

FINALE Fr 11. Juni Literaturhaus UKB: erm. 3,-/5,+ HEMMAS HERRN Einlass: 19.30 Beginn: 20.00

Kontrastreicher Filmabend

du bist, was auf dem papiere steht.

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Österreichs Filmwelt wird oft unterschätzt, obwohl es viele geniale Werke gibt. Ein Filmabend, der die Beziehung zwischen Inländern und Ausländern thematisiert und die Möglichkeit bietet, im Anschluss Gespräche und Diskussionen zu führen, soll Plattform bieten, um der heimischen Filmwelt näherzukommen und das eigene Blickfeld in puncto Migration und kulturell bedingter Diskrepanzen zu erweitern.

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30 | GIMMICK - bastle dir deinen eigenen klischee-jugendlichen


Š Rita Atteneder

bastle dir deinen eigenen klischee-jugendlichen - GIMMICK | 31 up


FINDE 17 BEGRIFFE ZUM THEMA UMZUG S Y E F L U G Z E U G K R M V Ü Y O V E Z S A R T S C C I Ä P U Q C Y Ä J O T Ä W U Ö T U L Ö Ü D X Q ü H Q N X Z M J Q V E Q S B Y Z E Ü U W Q E K C W L G L G P R Ü W E Z S A R T S K A N N A H Ä A B Y I Z N E Z A X Q Ä I Ö H S T U Q N E Y Q D M E H R E T N U P S C H I F F T U Y X E W U Y W U Ö S O V F Q O L N P Ö K A R T O N Y I Y M A Ö B N N A M L E K S U M H E U E V V R Ü H W T Ö B G Y U C J V F R Y W Ä E X O N W N Z T K O F F E R R A U M X M Y N M X C B H E W

32 | RÄTSEL | SCHULTERRATTEN

SUCHBILD © Rita Atteneder


Sehr geehrte Damen und Herren! Leider kenne ich Ihr Unternehmen noch nicht so gut. Ich wollte mich zwar informieren, aber meine Internetverbindung war gerade so langsam. Wenn Sie es wünschen, werde ich das bei Gelegenheit nachholen. Grundsätzlich mag ich als Homo ludens aber Überraschungen und das spannende Gefühl der Ungewissheit. Ich habe Geschichte studiert und hatte grundsätzlich eine sehr angenehme Studienzeit. Als mündiger Citoyen hab ich mir allerdings nicht von allen Dozenten alles sagen lassen und meine eigene Meinung vertreten. Ich habe mir auch zugetraut, über Sinn und Widersinn von Lehrinhalt und Lehrmethoden zu urteilen. Ich gehe davon aus, dass eine derartige Aufrichtigkeit in Ihrem Unternehmen geschätzt wird. Ich bin mit dem Zeitdruck, der in der Privatwirtschaft herrscht, vertraut, wenn ich ihn auch nicht besonders mag. Flexible Arbeitszeiten halte ich für eine menschenfeindliche Fehlentwicklung des Raubtierkapitalismus, abgesehen davon bin ich ein Mann, der sein Wort hält. Was vereinbart ist, gilt bei mir. Ich habe den Mut und die Konsequenz, mich (nicht nur hinsichtlich der Arbeitszeiten) festzulegen, und dasselbe verlange ich auch von meinen Mitmenschen. Ich bringe ein für mich ausreichendes Maß an Kritikfähigkeit und Lernbereitschaft mit, an guten Tagen ein recht hohes Qualitätsbewusstsein, eine gewisse Kommunikations- und Teamfähigkeit (es sei denn, ich muss mit Kretins zusammenarbeiten) sowie ein Zeit- und Selbstmanagement, das Ihren Ansprüchen genügen sollte. Wenn ich eine Tätigkeit als sinnvoll und meiner würdig erachte, kann ich außerordentlich zielstrebig und genau sein. Über ein persönliches Gespräch mit der Möglichkeit, meine Fähigkeiten und meine Motivation unter Beweis zu stellen, würde ich mich freuen. Ein schneller Ortswechsel ist für mich nicht nur möglich, sondern explizit gewünscht, denn ich finde Salzburg dermaßen langweilig, dass ich um jede Gelegenheit froh bin, diesem Mief zu entfliehen – auch für eine neue Maloche. Ich glaube, dass ich ein Gewinn für Ihr Unternehmen sein kann, und freue mich, von Ihnen zu hören. Mit freundlichen Grüßen Mag. Christoph Kirchner ARBEIT | 33 up


Ein Blick hinter die Kulissen ausbeuterischer Arbeitsverhaeltnisse

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eien wir uns einmal ehrlich: Wer von uns hatte nicht schon einmal einen Job, dessen Anspruch unter seinen/ ihren Qualifikationen lag und dessen Lohn nicht minder unter der Lohngrenze? Diese Zeilen sollen keineswegs irgendwelche Unternehmen anschwärzen bzw. ins schwarze Buch bringen, genauso wenig Chefs beschuldigen oder Kritik an unserer dem Kapitalismus unterworfenen Gesellschaft üben. Vielmehr soll die Rede sein von unschätzbaren Erfahrungen, die gesammelt, Arbeiten, die verrichtet und ArbeitnehmerInnen (in den meisten Fällen

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Studierende), die ausgenützt werden. Es geht also um Unternehmen, die von mittellosen StudentInnen profitieren, indem sie diese noch mittelloser machen.

Nehmt euch ein Beispiel daran … Ein konkretes Beispiel soll uns die Situation vor Augen führen und all jenen Einblicke verschaffen, die sich nicht ausbeuten ließen, sondern von vornherein wussten, was sie wert sind, sozusagen.


Nehmen wir ein namenloses Kino in unserer Stadt. ArbeitnehmerInnen sind fast ausschließlich Studierende, die sich neben ihrem Studium was dazuverdienen wollen. „Was“ heißt in diesem Fall 5 Euro in der Stunde, um die sie einige Stunden täglich treppauf-treppab laufen, denn den Lift nimmt der Insider, geschweige denn die Insiderin, nicht, hat er oder sie nicht eine kleine Sprühwaffe mit Apfelgeschmack bei der Hand – man weiß ja nie.

Arbeitsbedingungen … Im Sommer läuft der Schweiß unter der äußerst ansprechenden Arbeitskleidung entlang, obwohl nichts los ist, abgesehen von einigen verirrten Tauben, die auf der Suche nach verstreutem Popcorn und ängstlich trippelnd vor dem Schlüsselbund eines Billeteurs flüchtend das Kino aufsuchen. In der Weihnachtszeit rinnt er auch, der Schweiß, weil jedermann ins Kino will. Jedermann – das heißt dann auch Personen, welche die BilleteurInnen lieber nicht sehen würden. Diese lassen sich namentlich zusammenfassen als pubertierende 15-Jährige, die der unumstößlichen Meinung sind, dass Räume, in denen nicht Mama das Sagen hat, zerstört

gehören, und des Weiteren denken, dass ein Film besser wird, je lauter und peinlicher sie selber sind. Unbeliebt sind auch Menschen mit feinstem Hörgespür und erhöhtem Choleriker-Blutdruck, Sauberkeitsfanatiker­ Innen, Kindergeburtstagsfest-Kinder, verliebte Paare, sowie auch andere AbspannLiebhaberInnen, Alkoholfahnen-Tragende mit Erbrechens-Gefahr vor bzw. im Kinosaal, und immer wiederkehrende eben gerade NichtsauberkeitsfanatikerInnen, die den Lift benützen, was uns wieder zum Apfelgeschmack bringt.

und vor allem die Kollegen, die genauso wenig Geld für genauso harte Arbeit bekommen. Denn gleiche Verhältnisse verbinden und unangemessene Entlohnung führt zu unangemessener Arbeitsmoral, abgesehen von einigen schwarzen rechtmacherischen Schafen, die es wohl überall gibt. Und so kommt es zu außernatürlichen Rauchpausen im Insider -bekannten Versteck, bühnenreifen Tanz- und Singeinlagen im leeren Kinosaal, Müll-Vertuschungsaktionen, unsinnigen Funksprüchen, lustigen Menschen-Rauswerf-Strategien und vielem mehr.

Die guten Seiten …

Immer wieder …

Erzählt mann/frau Freunden von solch einem Job, fallen Kinnladen bis ins Unermessliche, tippen Zeigefinger an Stirnen und fallen Bemerkungen wie „Bist deppat?“. Aber warum kündigt eine derart ausgebeutete, überqualifizierte Person nicht einfach und sucht sich „was Gscheids“, wie’s so schön heißt? Vielleicht ist es die Freude an Filmen, die sportliche Betätigung oder die flexible Zeiteinteilung? Vielleicht aber gerade die prekären Verhältnisse, der Chef, der mehr Jahre studiert hat, als man selber auf dem schweißbeperlten Buckel hat,

Im Nachhinein betrachtet, aber auch schon mitten im Gejammere noch, will man so einen Job nicht missen und hätte gar nicht kündigen können – außer man muss, weil für jeden irgendwann einmal die Zeit kommt, in der er/sie sich nicht mehr unter dem Wert an ein kapitalistisches Unternehmen (obwohl, nennt mir eine Firma, die das nicht ist) verkaufen darf und auch nicht mehr kann, schlichtweg weil man ja schließlich nicht vom Popcorn im Mund überlebt. Marita Voithofer ARBEIT | 35 up


Foto: photocase.com © complize | m.martins

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tellt euch vor, ihr müsstet euch für eine neue Arbeitskraft in der Firma entscheiden. Zur Auswahl steht auf der einen Seite Herr X. Herr X hat gute Zeugnisse, eine selbstbewusste Erscheinung, eine liebe Familie mit vier Kindern und vermutlich noch einen Hund. Einfach ein Mitarbeiter, wie er im Buche steht.

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Auf der anderen Seite steht zur Auswahl Herr R. Herr R hat keine Zeugnisse, von einer selbstbewussten Erscheinung kann auch nicht wirklich gesprochen werden und eine Familie hat er schon gar nicht. Er ist auch nicht wirklich lebendig. Herr R. ist ein Roboter und dazu in der Lage, 24 Stunden lang durchgehend zu arbeiten. Ohne Klo- oder Rauchpausen. Ohne

je langsam oder unzuverlässig oder mit persönlichen Problemen belastet zu sein. Ohne jemals erschöpft zu sein. Die Entscheidung dürfte wohl durchaus sehr schwierig werden. Faktum ist, dass bereits in wenigen Jahren humanoide Roboter, laut EUROP (The European Robotics Platform), Marktreife erlangen sollen. Zu den aktuellen Fähigkeiten gehö-


ren bereits: Gehen, Treppensteigen, Rennen, Tablettwagen schieben, Tablett entgegennehmen, transportieren, übergeben, servieren, tanzen, bewegte Hindernisse umlaufen, Trompete spielen, Geige spielen, in Band Musik spielen, Rad fahren, Lasten tragen, Getränke einschenken, schwimmen und die Spülmaschine einund ausräumen.

Es wurden auch schon konkret Roboter für bestimmte Bereiche entwickelt. Putzroboter, Rasenmähroboter, Poolroboter, Unterhaltungsroboter oder Vorführ- und Gebrauchtroboter dienen als Unterstützung für den harten Alltag des gestressten Menschleins.

Diese Idee, menschenähnliche Wesen herzustellen, ist nicht unbedingt ein Gedanke unserer Epoche, sondern findet seine Ursprünge bereits in der griechischen Mythologie. Der Gott des Feuers und der Schmiede, Hephaistos, soll fasziniert von dem Gedanken, menschenähnliche Maschinen herzustellen, gewesen sein. Die heutigen Wissenschaftler versuchen Roboter speziell für fünf Bereiche zu entwickeln. Ko-Arbeiter am Arbeitsplatz, Haushaltshilfen, Spielgefährten, Assistenten für Notfälle und als Gehilfen bei der Erkundung neuer, unbekannter Gebiete. Roboter sollen quasi als eine multifunktionale Arbeitsmaschine, die dem Menschen in jeder Lebenslage zur Verfügung steht, dienen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Konstruktion eines funktionellen humanoiden Roboters die Grundlage darstellt, um künstliche, menschenähnliche Intelligenz herzustellen. Künstliche Intelligenz ist nicht einfach programmierbar, sondern ein Resultat aus einem Lernprozess. Durch Beobachtung, In-

teraktion und Kommunikation soll der Roboter vom Menschen lernen und sich selbst künstliche Intelligenz aneignen.

Studien beweisen, dass der Mensch eine ganz eigene Beziehung zu menschenähnlichen Objekten aufbaut. Bis zu einem gewissen Grad ist die Akzeptanz sehr hoch, dann, wenn die Ähnlichkeit zu groß wird, sinkt diese und bei einer absoluten Ähnlichkeit ist das Verständnis, die Akzeptanz der Maschine gegenüber, am höchsten. Es stellt sich allerdings bei diesen ganzen Entwicklungen unweigerlich die Frage, inwiefern vonseiten der Menschheit überhaupt der Wunsch besteht, das zukünftige Dasein mit Robotern (noch mehr) zu teilen? Katharina Pichler

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Karrikaturen: Simon Linder

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r ist Erfinder, Elektroniker, Bastler und ein universell einsetzbares Technik-Genie. Die Rede ist von Marcus Diess, einem MARK-Urgestein. Er hat schon viele Umzüge des Jugendkulturhauses mitgemacht und ist daher ein alter Umzugs-Hase, wenn sich das MARK wieder auf Wanderschaft begibt. Marcus selbst ist ein Vagabund, der in seinen 45 Lebensjahren schon mehr erlebt hat, wie das die meisten von uns in drei Leben nicht erleben würden. Der gebürtige Salzburger und ungetaufte Sohn eines Holländers und einer Ungarin besuchte damals das Werkschulheim in Ebenau. Seine Ausbildung hat er aber abgebrochen und landete 1980 auf der Straße. Zu dieser Zeit machte er als Obdachloser die ersten Erfahrungen mit dem MARK, damals noch im Markussaal. Erfahrungen, die ihn ein Leben lang prägen sollten. Es folgten einige Aufenthalte in Thailand und Indien, wo sich Marcus als Straßenmusikant und Schmuckverkäufer den Lebensunterhalt verdiente. Dann übersiedelte der Weltenbummler nach England – genauer gesagt nach London und war Mitglied der britischen Band „Ozric Tentacles“. Einigen von euch wird dieser Name noch in Erinnerung sein, denn neben vielen Auftritten bei Free Festivals war das Studioalbum „Jurassic Shift“ 1993 Nummer eins in den Independent Album Charts.


Nach fünf ereignisreichen Jahren mit seiner Band war es für Marcus wieder an der Zeit, etwas zu verändern. Er zog wieder zurück nach Österreich und baute 1995 sein eigenes Studio auf – ein „Projektstudio“, wie es Marcus Diess nennt. Hier produzierte er seine eigene Musik, aber experimentierte auch sehr viel herum. Neben seinen Qualitäten im Bereich Medientechnik ist er auch noch ein gefragter Mann in Sachen Saal- und Bühnentechnik und hat schon das ein oder andere Radiostudio geplant. Marcus plant, designt, baut, wartet und repariert alles im Signalfluss zwischen Mikrophon und Antennen. Der Musik-Enthusiast und bekennende Autodidakt, der sich im Bereich Ton-, Sende- und Rundfunktechnik den Großteil selbst beigebracht hat, ist neben seiner MARK-Vergangenheit und -Gegenwart auch bei der Radiofabrik Salzburg fast seit der Gründung mit dabei. Drei Monate nach der Gründung des freien Radios in Salzburg stieß er dazu und war Mitglied des ersten Vorstandes. Auch bei der Entstehung des Rockhouse war Markus Diess mittendrin statt nur dabei. Erfunden hat Marcus Diess unter anderem das „StudioGuard-System“, welches sehbehinderten Menschen ermöglicht, selbst ein Radioprogramm zu gestalten und unabhängig von Sehenden im Bereich der Tongestaltung und Tontechnik arbeiten zu können. Darüber hinaus entwickelte er in den vergangenen Jahren verschiedenste Klangmaschinen und elektronische Sonderanfertigungen für Theater, Studio, Film und Bühne. Günter Baumgartner

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Š Simon Linder

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PE NIP PEL KLOPAPIER

Pennipel, das = bevorzugte Form, Farbe, Aussehen, Marke, physikalischer Zustand, Geruch etc. eines Gebrauchsgegenstands oder anderer alltäglicher, oftmals zu wenig beachteter Objekte.

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Dani, 27, 3-lagig: „Billig muss es sein!“ Kathi, 20, 3-lagig: „Es darf nicht hart sein und es darf nicht gebraucht sein.“

Moni, 27, 3-lagig: „Gelb muss es sein!“ Pamela, 28, 5-lagig: „kuschelig wuschelig weich!“


Fotos: Julia Fink / Miriam Lempert

Martin, 27, 3-lagig: „Klopapier muss saug- Michael, 27, 4-lagig: „Unschlagbares Preis- Anita, 27, 3-lagig: „Gelbes Klopapier sieht fähig sein. Es braucht eine raue Seite, damit Leistungs-Verhältnis! Das günstigste 4-lagi- aus wie angelullt und wieder getrocknet. ma wos gspiart!“ ge in town!“ Gelb darf es nicht sein!“

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WIDDER 21.03 - 20.04 Ich – jetzt und sofort! Der Widder lebt den Moment. Er ist impulsiv, schnell, laut, archaisch, spontan und natürlich ungeduldig. Seine Frustrationstoleranz ist gering. Widder bedeutet Energie, die nach vorne schießt – er handelt einem plötzlichen Impuls folgend, überlegt nicht lange, sondern packt die Dinge beim Schopf, immer auf dem kürzesten Weg auf sein Ziel zu. Stets will er mit dem Kopf durch die Wand. Er ist wagemutig, denkt nicht über die Konsequenzen seines Handelns nach, denn dazu hat er gar keine Zeit. Bevor er noch zum Denken kommt, hat er schon gehandelt. In diesem Sinne überholt er sich quasi selbst. Der Widder ist voller Begeisterung. Hat er die zündende Idee, wird sie sofort in die Tat umgesetzt. Er ist ein Pionier, ein Eroberer und er kämpft – aus purer Lust am Kämpfen. Dabei ist die Sache für die er kämpft oft eher nebensächlich – Hauptsache, er kann kämpfen. Er rivalisiert auch gerne und liebt den Wettbewerb. Schließlich ist er ohnehin immer der Erste. Ihn zeichnet eine gewisse Unbelehrbarkeit aus. Er lässt sich nichts sagen, muss immer alles selber ausprobieren, ganz nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Er neigt zu Wut und Jähzorn. Außerdem kann er nicht lügen – er ist sehr direkt, oft auch bedenkenlos, ja rücksichtslos. Seine Reaktionen sind ungeheuer schnell, pragmatisch und praktisch.

44 | HOROSKOP von Ute Lang

stier 21.04 - 20.05 Der Stur – äh Stier ist gemütlich, abwartend, gelassen, der passive Beobachter, den nichts aus der Ruhe bringt. Durch Genuss ist er verführbar. Das ist das einzige, was ihn in Bewegung zu setzen vermag. Ein edler Wein, ein gutes Essen, ein schönes Schläfchen, guter Sex … Hauptsache genießen. Und er genießt mit allen Sinnen, denn der Stier ist ein durch und durch sinnliches Zeichen. Er hat gerne alles im Griff, will alles richtig machen. Alltagsrituale geben dem Stier die für ihn eminent wichtige Sicherheit. Er kann sich sehr gut abgrenzen, also sein Revier markieren. Für sich und seine Herde sorgt er gut und hegt und pflegt seinen Besitz. Letzterer wird möglichst vermehrt und dann genossen. Im schlimmsten Fall hortet er seinen Besitz. Am liebsten ist er von Vertrautem und Gewohntem umgeben, ansonsten wird er unsicher. Alles Fremde macht ihm Angst, sein Revierverhalten ist ausgeprägt. Er gewöhnt sich an alles – auch an das Joch. Vor Veränderung hat er große Angst, er hat’s lieber ruhig und bequem. Wenn es allerdings ökonomisch von Vorteil ist, ist er durchaus bereit zur Veränderung, allerdings erst nach langer, reiflicher Überlegung. Hat er sich einmal entschieden, zieht er sein Vorhaben beharrlich und stur durch. Ihn reizt so schnell nichts. Staut sich sein Ärger allerdings an, sieht er rot und er wird zum wilden Stier.


zwilling 21.05 - 20.06 „Was gibt’s Neues?“ – ein ganz typischer Zwillingesatz. Er will immer auf dem neuesten Stand sein. Er ist ein Bote, ein Informationsübermittler – egal ob’s um Nachrichten geht oder um den aktuellsten Klatsch und Tratsch. Er ist stets bestens informiert! Ihm geht es darum, Wissen aufzunehmen und wieder abzugeben. Und das ganze möglichst kurz und prägnant – keine langen Vorträge. Kommunikation und Bewegung sind absolut vorrangig. Er ist ein guter Beobachter, analysiert alles, bezweifelt alles und wertet nicht – alles ist neutral und gleichwertig. Darum legt er sich auch selten wirklich fest. Er kann nur schwer ruhig sitzen, ist experimentierfreudig und kann gut Leute imitieren. Wie ein Äffchen lernt er aus der Nachahmung. Der Zwilling ist ein Wortspalter und Zyniker, beißender Spott ist sein Spezialgebiet. Das Wort ist seine Waffe und er redet andere in Grund und Boden. Handys und Internet sind vermutlich extra für ihn erfunden worden. Er hat eine angeborene Sprachbegabung – ein Rhetoriker, der sein Mundwerk beherrscht. Er braucht geistige Anregung, ständig neue Impulse und will intellektuell gefordert sein. Persönlich zeigt er sich nicht gerne – lieber redet er über die anderen – und bleibt selber draußen. Langeweile ist ihm verhasst. Er kommt jedoch ohnehin selten in die Lage, dass ihm langweilig wäre, da er ständig mit neuen Themen beschäftigt ist.

krebs 21.06 - 20.07 Geborgenheit, Nähe und Intimität – das sind Schlagworte für den Krebs. Er will sich wohlfühlen, heimisch fühlen, will behütet sein und behüten. Er ist empfindsam, weich, verletzbar, leicht berührt und nimmt schnell Anteil. Am liebsten möchte er lange Kind und im geschützten Nest bleiben. Sein Thema ist der Mut zum Eigenen, die Entwicklung des Selbstgefühles. Oft nimmt er fremde Meinungen an, ohne sie überhaupt verdaut zu haben. Er neigt zu Schuldgefühlen, fühlt sich schnell angegriffen und hat sofort für alles eine Rechtfertigung parat. Trifft er auf Widerstand, zieht er sich zurück. Er kann aber sehr gut fremde Energie aufgreifen und manipulativ umlenken. Dem vom Mond regierten Krebs sind Stimmungsschwankungen nur allzu bekannt. Er hat einen guten Zugang zu seiner Quelle, ist instinktsicher und handelt aus dem Bauchgefühl heraus. Fürsorge ist ihm ein Anliegen – er ist stets besorgt um seine Familie und hat zu derselben oft eine sehr starke Bindung. Er schwelgt gerne in der Vergangenheit, nach dem Motto „Früher war alles so schön und idyllisch“. Sein Blick auf die Vergangenheit ist oft verklärt. Er beschäftigt sich gerne mit Ahnenforschung, der Erforschung seiner Wurzeln, seiner Heimat. Der Krebs versorgt die anderen mit seelischer Nahrung und kümmert sich um deren Wohlergehen. Er weiß auch stets genau, was wann zu tun ist, da er von allen Wasserzeichen das praktischste ist.

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bilderrätsel

Welche Musikfilme werden hier gesucht? Lösungswort

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Fotos: Rainer Rossgoderer / Miriam Lempert

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Blattlinie MFK Magazin für Kunst und alternative Jugendkultur

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as MFK – Magazin für Kunst und alternative Jugendkultur ist ein gesellschaftsliberales und von allen politischen Parteien, Institutionen und Interessensvertretungen unabhängiges Jugendkultur-Magazin mit Redaktionssitz in Salzburg. Das Printprodukt wendet sich vor allem an Leser aus der alternativen Kunst- und (Jugend-)Kulturszene. Inhalt und Fotos bzw. Illustrationen werden selbstständig von den freien Redakteuren der jeweiligen Ausgabe des Magazins recherchiert und ausgewählt. Das Alternativmagazin distanziert sich von Gewaltverherrlichung, Rassismus, Populismus, Sexismus, Beleidigungen und Beschimpfungen gegen ethnische Volksgruppen und Religionsgemeinschaften, sowie von diskriminierenden und extremistischen Inhalten. Herausgeber ist der Verein Jugend in Beruf und Freizeit (MARK.freizeit.kultur). Das Magazin wird periodisch, vier Mal pro Jahr aufgelegt – in einer Auflage von 1000 Stück.


Impressum MFK - Magazin für Kunst und alternative Jugendkultur Herausgeber: Verein Jugend in Beruf und Freizeit - MARK.freizeit.kultur ZVR-Zahl: 471905195 Hannakstraße 17 5023 Salzburg, AUSTRIA Online-Ausgabe: www.marksalzburg.com Obfrau: Ute Lang Verantwortlich für den Inhalt / Redaktion: MARK.freizeit.kultur, Gerd Pardeller, Miriam Lempert, Günter Baumgartner, Marita Voithofer, Katharina Pichler, Viktoria Hubner, Christoph Kirchner, Ruth Mayr, Annamilena Ofner, Ute Lang, Sabine Bruckner, Daniel Toporis, Seerwan Faraj, Anja Wanger, Veronika Weis, Felix Pöchhacker, Maria Huber Bildredaktion / Illustrationen: Rainer Rossgoderer, Hans Schütz, Peter W., Sabine Bruckner, Simon Linder, Julia Fink, Sarah Spenglingwimmer, Rita Atteneder Layout und Gestaltung: Julia Fink Kontakt: Mail: office@marksalzburg.com Tel.: 0662 84 99 21

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MFK - Magazin für Kultur Ausgabe 01/2010 - Umzug  

MFK – Magazin für alternative Freizeitkultur & Kunst widmet sich im DIN-A5-Querformat der lokalen Salzburger Jugendkultur – will aber auch ü...

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