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THM-Projekt überzeugt Anwendungsbezogene Forschung • HessenAgentur bestätigt Effizienz nwendungsbezogene Forschung ist ein Leistungsfeld der TH Mittelhessen. Viele Projekte, die an der THM laufen, zielen darauf ab, in Kooperation mit regionalen Unternehmen vermarktungsfähige neue Verfahren und Produkte zu entwickeln. Die HessenAgentur hat jetzt einer Arbeitsgruppe der Hochschule bestätigt, dieses Ziel schneller und effizienter erreicht zu haben, als der Projektplan vorsah. Unter der Leitung von Prof. Frank Runkel untersuchte eine Forschungsgruppe des Kompetenzzentrums Biotechnologie und Biomedizinische Physik der THM die „Anwendbarkeit von ionischen Liquiden in der Kosmetikherstellung“. Das Vorhaben wurde durch die Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Aufgabe der HessenAgentur ist es, die erbrachten Leistungen im Rahmen einer „Abschlussevaluierung“ zu bewerten. Die Gutachter richten sich dabei nach Kriterien wie „Projektergebnisse“, „Wirtschaftliche Verwertung“, „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit“ und „Projektmanagement“. Die vom Land beauftragte Agentur teilte der Ar-

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beitsgruppe ein „sehr gutes Evaluierungsergebnis“ mit und befand: „Der bereits zum jetzigen Zeitpunkt erreichte Vermarktungsstand - Umsetzung in ein marktfähiges Produkt, Schaffung einer eigenen Marke, Kontakte zu namhaften Zielkunden – verdient aus unserer Sicht eine besondere Hervorhebung.“ Die Forschungsgruppe der Hochschule kooperierte bei dem vom Land Hessen mit 320.000 Euro geförderten Projekt mit dem Gießener Unternehmen Biodermic Health & Beauty GmbH & Co. KG. Es ging darum, ionische Liquide als Komponenten für kosmetische Rezepturen zu nutzen und Vorteile gegenüber herkömmlichen Inhaltsstoffen zu untersuchen. Bei Ionischen Liquiden handelt es sich um eine Gruppe von organischen Salzen, die bei Temperaturen unter 100 Grad flüssig sind. Ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften lassen sich in weiten Grenzen verändern und abgestimmt auf technische Anforderungen und gewünschte Wirkung bei der Anwendung am Menschen optimieren. Als Zusatzstoffe in Hautpflegeprodukten wurden ionische Flüssigkeiten bisher nicht genutzt. „Von besonderem Inter-

Dorota Dobler und Thomas Schmidts gehörten zum Forscherteam des evaluierten Projekts Foto: THM

esse sind ionische Flüssigkeiten bei der begleitenden kosmetischen Behandlung von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, denn sie könnten Stoffe wie Salizylsäure oder Antibiotika bei besserer Verträglichkeit ersetzen“, erläutert Runkel. Der Arbeitsgruppe ist es gelungen, ionische Flüssigkeiten zu identifizieren, die als Lösungsmittel, Emulgator, Konservierungsstoff und Penetrationsverstärker dienen und eine antibakterielle

Wirkung haben. Die Projektergebnisse bestätigen auch deren Hautund Umweltverträglichkeit. Damit ist erwiesen, dass es eine Alternative zu bisher verwendeten Substanzen wie Benzylalkohol oder Natriumbenzoat gibt, die allergene Wirkungen haben können. Die Gießener Forscher sind - ebenso wie die HessenAgentur - von den Vermarktungschancen der geprüften ionischen Flüssigkeiten als kosmetische Rohstoffe überzeugt. pe/kro

Jo Mihaly – Tänzerin, Politikerin, Schriftstellerin Ausstellung über eine der vielseitigsten Persönlichkeiten der Weimarer Republik Die Universitätsbibliothek Gießen zeigt vom 26. November bis zum 17. Januar 2016 eine Ausstellung über Jo Mihaly (1902-1989), eine der vielseitigsten Persönlichkeiten der Weimarer Republik, des deutschen Exils und der frühen Nachkriegszeit. Die von der Friedrich-EbertStiftung geförderte Ausstellung wird am Donnerstag, 26. November, um 18 Uhr im Ausstellungsraum der UB eröffnet. Jo Mihaly wurde 1902 als Elfriede Alice Kuhr im westpreußischen Schneidemühl geboren. In den 1920er Jahren kreierte sie eine ganz eigene Form sozialkritischer „epischer Tänze“. Da sie sich früh gegen den Nationalsozialismus engagiert hatte, musste sie schon 1933 mit ihrem Mann, dem jüdischen Schauspieler und Regisseur Leonard Steckel, emigrieren. In der Schweiz wurde Jo Mihaly eine der aktivsten Personen des Exils: Sie machte Agitprop-Theater, trat mit Ernst Busch auf, inszenierte Kabarett für Kinder. Als Leiterin der „Kulturgemeinschaft der Emigranten“ in Zürich verschaffte sie emigrierten jungen Künstlerinnen und Künstlern erste Auftrittsmöglichkeiten. Mit Hans Mayer redigierte

sie die Exil-Zeitschrift „Über die Grenzen“. 1942 erschien ihr Roman „Hüter des Bruders“ über einen politischen Flüchtling und 1945 ihr Gedichtband „Wir verstummen nicht“. Nach dem Krieg wirkte Jo Mihaly als Mitglied im Stadtparlament von Frankfurt/Main und Gründerin der „Freien deutschen Kulturgemeinschaft“ beim politischen und kulturellen Wiederaufbau mit. 1949 zog sie ins Tessin und widmete sich fortan ausschließlich ihrem literarischen Schaffen. 1982 erregte sie Aufsehen mit ihrem Tagebuch aus dem Ersten Weltkrieg „… da gibt’s ein Wiedersehn!“ Posthum erschien 2002 ihr Roman „Auch wenn es Nacht ist“, ein versöhnlicher Text über Flucht und Vertreibung aus dem deutschen Osten. Diese erste Ausstellung über Jo Mihaly wurde von Thomas B. Schumann in Zusammenarbeit mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus, Düsseldorf, und dem Westpreußischen Landesmuseum, Münster erarbeitet. Anhand von Büchern, Bildern, Fotos, Dokumenten, Briefen und Manuskripten dokumentiert sie erstmals Leben und Werk dieser bedeutenden Künstlerin.

Jo Mihaly machte im Schweizer Exil Agitprop-Theater, trat mit Ernst Busch auf, inszenierte Kabarett für Kinder Foto: Edition Memoria

Ausstellung „Jo Mihaly – Tänzerin, Politikerin, Schriftstellerin“ 26. November 2015 bis 17. Januar 2016 Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der UB zu sehen: Montag bis Sonntag von 7.30 bis 23 Uhr (außer an Feiertagen).

Gießener Magazin Express 48/2015  

Das Gießener Stadtmagazin. Ausgabe 48/2015